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Weißfeuer Prolog


 

 
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Trugbild
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 33
Beiträge: 35
Wohnort: München


BeitragVerfasst am: 08.11.2019 19:00    Titel: Weißfeuer Prolog eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Guten Abend,
ich traue mich einfach mal den Anfang meines Romanprojektes zu posten. Smile
Mich würde interessieren, wie Text im allgemeinen ankommt.

Der Prolog vermittelt zwar ein paar düstere Bilder, sollte aber ansonsten nicht all zu belastend sein.

Vielen Dank im Voraus fürs Lesen.



Prolog

Kaum fähig einen Fuß vor den anderen zu setzen, taumelte Andra über den Hof des Anwesens. Ihre nackten Füße schoben sich durch die verbrannte Erde und hinterließen dabei dünne, unförmige Spuren. Mehr als Asche und Staub war ihr nicht von der Welt geblieben und trotz der Hitze unter ihren Zehen zitterte sie vor Eiseskälte. Die Stirn des jungen Mädchens glühte wie ein Kohlebecken und hinter ihren hellen Augen rumorte ein aufgebrachtes Grollen. Ihr helles Nachthemd klebte verschwitzt auf ihrer Haut. Im Licht der aufgehenden Sonne schimmerte der Fieberschweiß auf ihrer Stirn, so rot und giftig wie Sundarischer Honig.
„Ist jemand da?“, rief Andra, aber niemand antwortete. Eine dunkle Ahnung flüsterte ihr zu, dass sie als Einzige übrig war. Alle Anderen wurden vom Feuer und den vom Licht angelockten Schrecken geholt.
Reichsritter Borntols Residenz war bis auf die Grundfesten niedergebrannt. Als das Dach des fensterlosen, grauen Gemäuers in sich zusammengestürzt war, begrub es den Großteil des Feuers unter sich. Doch anstatt von der Last erdrückt zu werden, krochen die weißen Flammen von Wut und Schmerz getrieben durch die Ritzen des Gerölls, über Gebälk und Stein hinweg und breiteten sich hungrig im ganzen Hof aus. Die ehemals prachtvollen Gärten, die den gepflasterten Innenhof umgaben, hatten sich in ein verkohltes Ödland verwandelt. Noch am Tag zuvor war Andra durch die schmalen Gartenpfade geschlendert und hatte sich an den farbenfrohen Blumen erfreut. Sie liebte Blumen; und in Borntols Garten gab es so viele unterschiedliche Arten, wie sie sie noch nie zuvor gesehen hatte. All die Farben und Düfte waren im Feuer verloren gegangen und selbst in ihren Erinnerungen zerfielen die Lilien, Rosen, Tulpen und unzähligen anderen Blumen bereits zu Staub. Die Flammen hatten selbst die jungen Obstbäume und die getrimmten Ligusterhecken verschlungen. Lediglich ihre hölzernen Gerippe ragten dort auf, wo sie einst gewachsen waren.
Der Anblick der Verwüstung bereitete Andra Übelkeit. Die Diener, die das Feuer zu löschen versucht hatten, waren zu grauenhaften schwarzen Formen verkommen und ihre Augen hatten sich in durchsichtiges, lichtloses Glas verwandelt. Durch die sengende Hitze waren ihre Körper so stark zusammengeschrumpft, dass sie kaum größer als das junge Mädchen waren. Aus ihren weit aufgerissenen Mündern stieg schwelender, heißer Dampf und die zischenden Laute, die sich durch das verbrannte Fleisch gruben, klangen wie der Nachhall der nächtlichen Schreie. Andra konnte den Anblick der Leichen nicht länger ertragen und stolperte ziellos umher, ohne sich noch einmal nach ihnen umzudrehen. Egal wohin, sie wollte nur fort von diesem schrecklichen Ort. Aber ihre Beine gehorchten ihr nicht und ihre kleinen Füße schienen schwer wie Eisen.
Da die Sonne die Nacht vertrieben hatte, würde es nicht lange dauern bis sich die ersten Bauern Breitwassers aus ihren Hütten wagten. Die Leute steckten ihre Nasen nur all zu gern in Dinge, die sie nichts angingen. Das wusste sie nur zu gut, weil sie selbst so war. Ihre Mutter hatte ihr sogar einmal gesagt, dass ihre Neugierde sie eines Tages in Schwierigkeiten bringen würde, wenn sie nicht Acht gab.
Andra ließ sich kraftlos am Sockel einer rußgeschwärzten Statue nieder, reckte ihren Hals und blickte zum Bildnis hinauf.
Der Mann aus Marmor starrte freudlos in die Leere. Reichsritter Borntol hatte sich von einem talentierten Bildhauer verewigen lassen. Andra erkannte den Mann sofort wieder, auch wenn sein steinernes Abbild sehr viel jünger und gesünder schien als es der alte, verkrüppelte Ritter in Wirklichkeit war. Borntols gehobenes Schwert zeigte mit der Spitze voran nach Osten, geradewegs als forderte es die hinter den Bergen aufgehende Sonne zum Zweikampf. Der kahle Schädel wies so viele Risse auf, das man glauben konnte, ein Schmiedehammer hätte ihn getroffen. Aber auch an anderen Stellen, wo das Feuer gierig hinein gebissen hatte, war das matt glänzende Gestein abgeplatzt und tiefe Furchen zurückgeblieben. Insgesamt war es der Statue aber besser als dem echten Borntol ergangen. Immerhin war der alte Mann schlaftrunken und bettlägerig von den Flammen heimgesucht worden und genau wie die Bediensteten zu einem grässlichen Klumpen eingeschmolzen. Andra trauerte ihm nicht nach. Borntol war ein grausamer und herzloser Mann gewesen. Die anderen Seelen hatten dieses schreckliche Schicksal hingegen nicht verdient. Hätte sich das Feuer doch nur mit dem widerwärtigen Hausherrn zufrieden gegeben, aber die Natur des Weißen Feuers war jähzornig. Das erkannte sie jetzt.
Andra zog ihre Knie näher zu sich und ließ ihren Kopf darauf nieder. Ihr langes schwarzes Haar legte sich wie ein Tuch über ihre Beine. Ein leises Schniefen erklang als sie ihre Tränen nicht länger zurückhalten konnte.
Der Hof war von einer hohen Mauer umgeben. Der einzige Weg hinein oder hinaus führte durch ein dickes, mit Eisenstreben verstärktes Holztor. Das Feuer hatte so heiß gebrannt, dass selbst das Metall geschmolzen und in glühenden Tränen hinab gelaufen war. Es glich einem Wunder, dass die verkohlten Reste des Tors noch immer in den Angeln hingen.
Andra hob erschrocken den Blick als ein lauter Schlag das zu Kohle gewordene Holz erzittern ließ. Die Scharniere gaben nach und die massiven Torflügel stürzten mit einem lauten Knall in den Innenhof und zerbrachen. Sie hielt schützend die Hände vor ihr Gesicht als die aufgewirbelte Asche auf sie zu wallte. Sie wollte fliehen und sich verstecken, aber der Staub raubte ihr den Atem und die Angst gestattete ihr nicht, sich auch nur einen Deut zu rühren. Es wurde still um sie herum und es verging ein Moment bis sie durch die gespreizten Finger spähte. Hinter dem Schleier aus Staub trat ein Schatten in den Hof.
Ein Mann mittleren Alters stapfte knirschend über die Bruchstücke des Tores. Sein pechschwarzes, nach hinten gekämmtes Haar und der sorgfältig gestutzte Kinnbart untermalten sein ansonsten ebenfalls makelloses Äußeres. Der graue Umhang über seinem Lederwams hing träge herab und reichte ihm bis zu den Kniekehlen. An seiner Schulter baumelte das Ehrenzeichen eines Ritters; eine längliche weiße Feder aus der Schwinge eines Gehörnten Trelans. Sein wacher Blick wanderte suchend über die graue Ödnis.
Andras Augen glänzten voller Tränen als sie den Mann erkannte. Sie erhob sich langsam auf ihre schmerzenden Beinen und ging keuchend auf ihn zu. „Grahm, bist du das?“, fragte sie mit belegter Stimme und glättete ihr Nachthemd, indem sie ihre schmutzige Hände daran abwischte.
Der Mann weitete seine dunklen Augen. „Sie ist hier!“, rief er über die Schulter, dann lief er auf das Mädchen zu, kniete sich vor ihr nieder und fasste sie fest an den Schultern. „Den Müttern und Vätern sei Dank. Als wir den Rauch am Horizont sahen, hatten wir beinahe die Hoffnung aufgegeben.“
Andra rieb mit den schmutzigen Ärmeln ihre Tränen fort und verschmierte so die Asche auf ihren Wangen umso mehr. „Ich bin so froh, dass du hier bist.“
Grahm betrachtete das Mädchen. „Ich auch, meine kleine Relis.“
Andra lächelte. Ihr fiel ein Stein vom Herzen, dass Grahm gekommen war, um sie zu retten. Als sich das große Tor hinter ihr geschlossen hatte, war sie sich sicher gewesen, dass sie alle, die sie je gekannt hatte, niemals wieder sehen würde.
„Andra!“, schallte es durch den staubigen Schleier. Eine Frau in edler Gewandung rannte durch das offene Tor, direkt auf das Mädchen zu. Ihr schwarzes Haar war hochgesteckt und von geflochtenen Strähnen durchdrungen. Schwungvolle Ringellocken hingen auf beiden Seiten über ihren Wangen und umrahmten ihr hübsches Gesicht wie dunkler Efeu.
„Mama!“, rief Andra und befreite sich eilig aus dem Griff des Ritters, um ihrer Mutter mit unsicheren Schritten entgegen zu stolpern.
Erleichterung und Furcht vermischten sich in Mareis Augen. Der dunkle Überrock ihres Kleides schliff ohne Rücksicht über den Boden und wurde dabei so schmutzig, dass er wie die verdreckte Kluft einer Bettlerin aussah. Ihr Kleid breitete sich in der Asche aus als sie niederkniete und ihre Tochter in die Arme schloss. Anschließend legte sie ihre Hand auf die verschwitzte Stirn des Kindes. „Du glühst wie Luths Wille“, sagte sie mit einem gequälten Lächeln auf den Lippen. Dann erst bemerkte sie, wie ihre Tochter vor Kälte fror und wandte sich Grahm zu. „Reich mir deinen Umhang.“
„Mir geht es gut, Mama“, winselte Andra leise und presste ihr vom Fieber gerötetes Gesicht gegen die Schulter ihrer Mutter.
Der Ritter öffnete ohne Widerworte die Mantelschließen, löste den Umhang von seinen Schultern und reichte ihn der Relis. „Sie wird ein wärmeres Gewand brauchen, wenn die Kälte der Nacht uns umfängt.“
Marei wickelte Grahms Mantel wie eine Decke um den schmächtigen Körper ihrer Tochter, dann gab sie ihr einen sanften Kuss auf die fiebrige Stirn. „Wir werden schon etwas finden.“
Grahm sah zum Tor und verzog ernst die Miene. „Wir sollten hier schleunigst verschwinden, meine Relis. Es wird nicht mehr lange dauern bis die ersten Bauern hier eintreffen. Außerdem sind uns Roderichs Bluthunde gewiss auf den Fersen.“
Marei hielt einen kurzen Augenblick inne und nickte dem Ritter zu, dann strich sie ihrer Tochter eine soeben gelandete Ascheflocke aus dem Haar, griff ihr unter die Arme und hob sie hoch. „Ich lasse dich nie wieder gehen“, sprach sie mit der Wärme einer Mutter. Der feuchte Glanz in ihren Augen fing die schwachen Sonnenstrahlen ein, die immer mehr durch den sich allmählich legenden Staub drangen.
Andra wandte ihren Blick von der Zerstörung ab und senkte die Lider. Die vergangene Nacht war ein Albtraum gewesen. Zu viel für ein Mädchen von gerade einmal sieben Wintern. Aber jetzt, wo sie in den Armen ihrer Mutter lag, schien der Schrecken wirklich nichts weiter als ein böser Traum gewesen zu sein. Sie spürte, wie die Erinnerung an das Inferno in weite Ferne rückte. So weit sogar, dass sie die Ereignisse dieser Nacht vielleicht irgendwann vergessen könnte.
„Lass uns gehen“, sprach Marei zu Grahm und trat vorsichtig mit ihrer Tochter auf dem Arm auf das geborstene Tor zu. Sie strich mit ihren Fingern durch das glatte Haar des Mädchens und summte eine leise, tröstende Melodie.
Vor dem Anwesen warteten bereits einige Reiter in ihren Sätteln. Sie trugen edle Lederrüstungen unter denen silbernes Kettengeflecht zum Vorschein kam. Genau wie Grahm hingen die weißen Federn eines Gehörnten Trelans an ihren rechten Schultern. Auf ihren Waffenröcken war ein in einem Moor versinkender Mann abgebildet, das Wappen des Fürstentums Weitmoor. Die Arme und Hände des Mannes reckten sich flehentlich in Richtung des Himmels. Wenn es ihm gelänge nur ein wenig weiter aus dem Sumpf hervor zu kommen, dann könnte er die über ihm thronende Sonne vielleicht mit den Fingerspitzen berühren.
Andra fürchtete sich vor dem Wappen ihrer Heimat. Manchmal stellte sie sich vor, wie der Mann die Sonne packte und sie mit sich sein dunkles, nasses Grab zog. Jeder weitere Tag würde von da an zur Nacht werden. Der Gedanke grauste ihr, also vermied sie es die Ritter lange anzusehen, auch wenn viele der Männer dem Kind durch die offenen Visiere ihrer Helme aufrichtig zulächelten.
Grahm half der Relis in den Sattel. Danach hob er auch Andra auf den Rücken des Pferdes.
Der Arm der Adligen schlang sich liebevoll um ihre Tochter, während sie in der anderen Hand die Zügel ihrer Stute hielt. Marei lächelte sanft als Andra sich an sie schmiegte. „Wir reiten unverzüglich nach Arreth. Meine Schwester wird uns Unterschlupf gewähren“, sagte sie und lenkte ihr Pferd vom Anwesen weg.
Die Ritter befolgten schweigend ihre Befehle und wendeten ihre Rösser ebenfalls zum Aufbruch.
Grahm stieg in den Sattel seines Renners und seufzte schwer. Dabei klapperte sein Schwert, das in einem mit feinen Intarsien verzierten Futteral steckte. „Nichts als Wegelagerer und dunkle Nächte zwischen uns und der Alten Stadt. Mögen die Mütter und Väter uns behüten.“ Dann ritt er Mareis heller Stute langsam hinterher.
Andra umklammerte den Arm ihrer Mutter. Vom Schaukeln im Sattel wurde ihr leicht schwindelig. Das unwohle Gefühl verschwand jedoch als sich die grünen Wiesen und dunklen Wälder von Wolfsmoor vor ihr auftaten. Alles schien so friedlich und rein, auch wenn über allem der Rauch eines vergangenen Schreckens hing.

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nothingisreal
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BeitragVerfasst am: 08.11.2019 20:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Trugbild,

eines vor weg: Du hast einen sehr angenehmen Stil und du erschaffst schnell Bilder. Trotzdem kam ich nicht weit. Ab den Blumen wurde ich ungeduldig und ab den Füßen, die so schwer wie Eisen sind, stieg ich aus.

Warum? Weil mir Infos fehlten, die du entweder erst später - und für mich zuspät - eingeflochten hast oder gar nicht.

Das erste, was mich beschäftigte, war: Ob sie den niemanden nachtrauere. Ihre Mutter war offenbar nicht da, wegen ihr musste sie sich keine Sorgen machen. Aber a) das erfahre ich viel später, und verstehe daher nicht, warum sie nicht zuerst an ihre Familie denkt, und b) gibt es denn im Leben dieses Mädchens sonst niemanden? Keine Dienerin, kein Kindermädchen, keine Freundin etc., dem sie nachtrauern sollte?
Zweitens: Sie ist so kalt. Allein wie aus ihrer Sicht die Leichen beschrieben werden. Als würde sie das jeden Tag sehen. Stattdessen denkt sie über Blumen nach. Als würde sie das alles nicht angehen. Was fühlt sie, außer Mitleid für die Blumen? Das will ich wissen. Verstehe mich nicht falsch. Sie kann auch kalt sein, das wäre überhaupt kein Problem. Sie könnte ein kleines Arschloch sein, das in einer der verbrannten Leichen die alte Köchin erkennt, die sie schon immer hasste, und froh ist, dass sie nicht überlebt hat. Dann hasse ich zwar dieses Mädchen, aber ich weiß, was sie fühlt. Ich kann sie nachvollziehen. Mit kalt meine ich, dass du mir ihr Innenleben verheimlichst. Natürlich könnte sie unter Schock stehen, aber dann mach mir das deutlich (ohne dieses Wort zu benutzen). So gehe ich mit ihr nicht mit.
Drittens: Du fokussierst dich ein bisschen zu sehr auf Bilder. Im Moment interessiert mich zum Beispiel nicht, ob ihre Augen hell oder dunkel sind.
Und viertens: Ich hätte gern früher gewusst, wie alt sie ist.  

Außerdem: Aus wessen Perspektive schreibst du? Du bist mal nah am Mädchen, manchmal bedienst du dich des allwissenden Erzählers.


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"Es gibt drei Regeln, wie man einen Roman schreibt. Unglücklicherweise weiß niemand, wie sie lauten." - William Somerset Maugham
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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 08.11.2019 20:57    Titel: Antworten mit Zitat

nothingisreal hat Folgendes geschrieben:
Außerdem: Aus wessen Perspektive schreibst du? Du bist mal nah am Mädchen, manchmal bedienst du dich des allwissenden Erzählers.


So unterschiedlich ist die Wahrnehmung: Ich persönlich mag gerade diese Erzählform, wo von der allwissenden Perspektive auf einzelne Charaktere "gezoomt" wird.
Der Text ist doch das, was hier gebetsmühlenartig gefordert wird; kein Infodump im Prolog, dafür die Infos dezent in den Text einstreuen. Wobei ich N.i.r. recht geben muss, es ist teilweise etwas viel des Guten.

Zitat:
...zitterte sie vor Eiseskälte. Die Stirn des jungen Mädchens glühte wie ein Kohlebecken und hinter ihren hellen Augen rumorte ein aufgebrachtes Grollen. Ihr helles Nachthemd klebte verschwitzt auf ihrer Haut. Im Licht der aufgehenden Sonne schimmerte der Fieberschweiß auf ihrer Stirn...


Das ließe sich definitiv noch eindampfen, ohne an Wirkung einzubüßen

"...Ihre Stirn glühte fieberheiß, trotzdem zitterte sie in ihrem dünnen, vom  Schweiß durchnässten Nachthemd vor Eiseskälte."

Zitat:
„Ist jemand da?“, rief Andra

"rief" alleine finde ich etwas emotionslos.
"..rief sie ängstlich/zitternd/herausfordernd/mit dünner Stimme....", irgendwas fehlt da, was sie anhand ihrer Stimmlage beschreibt.

Zitat:
Andra lächelte. Ihr fiel ein Stein vom Herzen, dass Grahm gekommen war, um sie zu retten. Als sich das große Tor hinter ihr geschlossen hatte, war sie sich sicher gewesen, dass sie alle, die sie je gekannt hatte, niemals wieder sehen würde.
  

Das Lächeln und der Gedankengang passen irgendwie nicht zu einem Kind dieses Alters, egal, welcher Herkunft (spekuliere ich mal...)

Zitat:
Sie wird ein wärmeres Gewand brauchen, wenn die Kälte der Nacht uns umfängt.“

Hhmm...war nicht gerade erst Sonnenaufgang?

Das waren jetzt meine ersten Eindrücke. Aber im Großen und Ganzen habe ich den Text gerne gelesen und bin neugierig, wie es weitergehen würde.

(Und...bitte, bau mal noch die hier: ,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,, im Text ein, nicht böse gemeint! Wink)


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Trugbild
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BeitragVerfasst am: 08.11.2019 20:58    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@nothingisreal
Vielen lieben Dank für deine sehr schnelle Antwort, du hilfst mir damit sehr! smile
Zitat:
Warum? Weil mir Infos fehlten, die du entweder erst später - und für mich zuspät - eingeflochten hast oder gar nicht.

Scheinbar habe ich ein Problem damit Informationen dort einzustreuen, wo du sie bräuchtest.
Zitat:
Das erste, was mich beschäftigte, war: Ob sie den niemanden nachtrauere. Ihre Mutter war offenbar nicht da, wegen ihr musste sie sich keine Sorgen machen. Aber a) das erfahre ich viel später, und verstehe daher nicht, warum sie nicht zuerst an ihre Familie denkt, und b) gibt es denn im Leben dieses Mädchens sonst niemanden? Keine Dienerin, kein Kindermädchen, keine Freundin etc., dem sie nachtrauern sollte?

Im Text wird angedeutet, dass sie quasi eine Gefangene war. Natürlich stellt sich da einem nun die Frage, ob ihr die Menschen dort trotzdem vollkommen egal waren.
Zitat:
Zweitens: Sie ist so kalt. Allein wie aus ihrer Sicht die Leichen beschrieben werden. Als würde sie das jeden Tag sehen. Stattdessen denkt sie über Blumen nach. Als würde sie das alles nicht angehen. Was fühlt sie, außer Mitleid für die Blumen? Das will ich wissen. Verstehe mich nicht falsch. Sie kann auch kalt sein, das wäre überhaupt kein Problem. Sie könnte ein kleines Arschloch sein, das in einer der verbrannten Leichen die alte Köchin erkennt, die sie schon immer hasste, und froh ist, dass sie nicht überlebt hat. Dann hasse ich zwar dieses Mädchen, aber ich weiß, was sie fühlt. Ich kann sie nachvollziehen. Mit kalt meine ich, dass du mir ihr Innenleben verheimlichst. Natürlich könnte sie unter Schock stehen, aber dann mach mir das deutlich (ohne dieses Wort zu benutzen). So gehe ich mit ihr nicht mit.

Es ist schwierig nun über ihre Gefühlswelt zu reden, da du nicht all zu weit gelesen hast. Im Grunde werden noch so viele Gefühle und Eindrücke geschildert, die aber erst leider nach den "schweren Füßen" kommen. Schade, dass ich dich dort bereits verloren habe.
Zitat:
Drittens: Du fokussierst dich ein bisschen zu sehr auf Bilder. Im Moment interessiert mich zum Beispiel nicht, ob ihre Augen hell oder dunkel sind.

Das mag vielleicht Geschmackssache sein, weil ich Bücher liebe, die mir Bild an Bild schenken. Vielleicht habe ich es aber auch übertrieben. Da wären vielleicht Meinungen von anderen Lesern interessant smile
Zitat:
Und viertens: Ich hätte gern früher gewusst, wie alt sie ist.
Ja, da habe ich mich wohl verkalkuliert. Ich habe geglaubt, dass es okay wäre, dem Leser erst einmal nur ein junges Mädchen zu präsentieren und dann ein paar Seiten weiter diese Lücke zu schließen. Das habe ich unelegant gelöst, immerhin beeinlusst das Alter ja auch die Einschätzung des Charakters.
Zitat:
Außerdem: Aus wessen Perspektive schreibst du? Du bist mal nah am Mädchen, manchmal bedienst du dich des allwissenden Erzählers.
Da bin ich nun etwas verwirrt. Ich habe versucht aus Andras Sicht zu schreiben und nur Dinge geschildert und beschrieben, die sie sehen und fühlen kann. Könntest du mir vielleicht ein Beispiel nennen, wo ich mit der Perspektive durcheinander gekommen bin? Das wäre sehr nett und würde mir unheimlich bei der Überarbeitung helfen smile

@Thomas74
Auch dir vielen Dank für deine Mühen!

Zitat:
Wobei ich N.i.r. recht geben muss, es ist teilweise etwas viel des Guten.
Ein so drastischer Perspektivemurks war von meiner Seite auch nicht gewollt. Ich dachte, ich hätte verstanden, wie ein Personaler Erzähler funktioniert. Aber scheinbar habe ich da noch ordentlich Nachholbedarf. smile

Zitat:
Das ließe sich definitiv noch eindampfen, ohne an Wirkung einzubüßen

"...Ihre Stirn glühte fieberheiß, trotzdem zitterte sie in ihrem dünnen, vom  Schweiß durchnässten Nachthemd vor Eiseskälte."
Dank, das ist sehr hilfreich.

Zitat:
"rief" alleine finde ich etwas emotionslos.
"..rief sie ängstlich/zitternd/herausfordernd/mit dünner Stimme....", irgendwas fehlt da, was sie anhand ihrer Stimmlage beschreibt.
Da hast du vollkommen recht. Ihre Worte wirken irgendwie platt und leer ohne eine Erläuterung ihrer Stimme.

Zitat:
Das Lächeln und der Gedankengang passen irgendwie nicht zu einem Kind dieses Alters, egal, welcher Herkunft (spekuliere ich mal...)
Ich persönlich finde, dass Freude über die eigene Rettung und Angst davor, die Menschen die man liebt, nie wieder zu sehen, schon in die Gedankenwelt eines jungen Mädchens passen. Vielleicht habe ich es einfach falsch ausgedrückt und sollte mich mehr um die Worte eines Kindes bemühen. So gelesen wirkt es schon sehr erwachsen, da hast du recht.

Zitat:
Hhmm...war nicht gerade erst Sonnenaufgang?

Jup, aber irgendwann wird es ja wieder Nacht. Aber vielleicht ist das vom Charakter etwas weit vorgedacht.

Zitat:
Das waren jetzt meine ersten Eindrücke. Aber im Großen und Ganzen habe ich den Text gerne gelesen und bin neugierig, wie es weitergehen würde.
Danke, das freut mich zu hören!

Zitat:
(Und...bitte, bau mal noch die hier: ,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,, im Text ein, nicht böse gemeint! Wink)
Da muss ich nachfragen. Habe ich zu viele Sätze durch Kommata getrennt, die ich mit einem Punkt hätte beenden sollen? Oder habe ich zu viele durch Punkte verkürzt, die ich durch Kommata hätte trennen sollen? Oder habe ich einfach Kommata vergessen und Satzzeichenfehler gemacht?
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nothingisreal
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BeitragVerfasst am: 08.11.2019 21:18    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Es ist schwierig nun über ihre Gefühlswelt zu reden, da du nicht all zu weit gelesen hast. Im Grunde werden noch so viele Gefühle und Eindrücke geschildert, die aber erst leider nach den "schweren Füßen" kommen. Schade, dass ich dich dort bereits verloren habe.


Sie denkt ganz viel über Blumen am Anfang und hat dadurch für mich keine Gefühle. Die kommen für mich verspätet, weil ich scheißegal finden würde in diesem Moment, ob die Blumen noch blühen oder nicht, da liegen verkohlte Leichen. Wie gesagt, ich würde es akzeptieren, wenn sie unter Schock steht. Aber das lese ich noch nicht raus.

Ich lese auch nicht heraus, dass sie eine Gefangene dort war - zumindest bis zu dem Moment der schweren Füße. Sie hätte auch die Tochter einer der Diener sein können. Erst später löst du auf, wer sie wirklich war. Aber da hab ich nur noch quergelesen.

Zu der Perspektive:

du hat Folgendes geschrieben:
Ich habe versucht aus Andras Sicht zu schreiben und nur Dinge geschildert und beschrieben, die sie sehen und fühlen kann.


auch du hat Folgendes geschrieben:
Im Licht der aufgehenden Sonne schimmerte der Fieberschweiß auf ihrer Stirn, so rot und giftig wie Sundarischer Honig.

Zitat:
Andras Augen glänzten voller Tränen als sie den Mann erkannte.

Zitat:
Andra rieb mit den schmutzigen Ärmeln ihre Tränen fort und verschmierte so die Asche auf ihren Wangen umso mehr.

Kann sie all das sehen?
Denkt sie daran, dass ihre Augen hell sind?
etc.

Dadurch dass du sie als Mädchen und Tochter bezeichnest und später sowas schreibst:
Zitat:
Zu viel für ein Mädchen von gerade einmal sieben Wintern.

Schreibst du ganz klar nicht nur aus ihrer Perspektive.


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Trugbild
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BeitragVerfasst am: 08.11.2019 21:21    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke, das hilft mir weiter! Very Happy Ich werde den Text grundlegend nach solchen Schnitzern untersuchen.
Ich frage mich aber, wie ich ihr Alter einstreuen kann. Sie wird zu keinem Zeitpunkt daran denken, wie alt sie ist.
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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 08.11.2019 21:27    Titel: Antworten mit Zitat

Die Perspektive passt schon so, es schreiben ja einige in dieser wechselnden Distanz, mein "Zuviel das Guten" bezog sich auf die bildgewaltigen Formulierungen.
Du solltest den Erzähler nur nicht vorgreifen lassen.


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ahorn
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BeitragVerfasst am: 08.11.2019 21:50    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Trugbild,
ich habe mich sehr darüber gefreut, einen Text von dir zu lesen.
Wie nothingisreal bereits gesagt hast du einen sehr angenehmen Stil. Top! Smile

Nur hilft ein angenehmer Still nichts, wenn der Text dadurch überladen, schnulzig daherkommt und durch diese Übertreibung unlogisch.



Zitat:
Ihre nackten Füße schoben sich durch die verbrannte Erde und hinterließen dabei dünne, unförmige Spuren.

Wenn ihre Füße von Motoren angetrieben würden, könnten sie schieben, ansonsten ist es das junge Mädchen. Obwohl in der Literatur oft von verbrannter Erde geschrieben wird, finde ich diese Umschreibung in diesem Falle eher unpassend. Außerdem würde ich auf das unförmig verzichten, denn was ist unförmig?
Sie schob nackten Füße durch die Asche und hinterließen dabei dünne Spuren.

Zitat:
Die Stirn des jungen Mädchens glühte wie ein Kohlebecken und hinter ihren hellen Augen rumorte ein aufgebrachtes Grollen.

‚‚Glühte wie ein Kohlebecken‘ ist ein schöner Vergleich, dennoch übertrieben. Abgesehen davon, dass dieses Kohlebecken zumindest entfachen sein müsste, ist die Temperatur eines Kohlefeuers mehr, als ein Mensch verkraften kann. Ferner helfen mir die ‚hellen Augen‘ nicht weiter, da ich nicht weiß was du darunter verstehst und was du unter ‚aufgebrachtes Grollen‘ entsagt mir vollends meiner Fantasie.

Zitat:
Ihr helles Nachthemd klebte verschwitzt auf ihrer Haut.

Kann ihr Hemd schwitzen?

Zitat:
Im Licht der aufgehenden Sonne schimmerte der Fieberschweiß auf ihrer Stirn, so rot und giftig wie Sundarischer Honig.

Schweiß ist in der Regel farblos!

Zitat:
Eine dunkle Ahnung flüsterte ihr zu, dass sie als Einzige übrig war.

Eine Ahnung die flüstert bereits merkwürdig, aber warum dann noch dunkel.

Zitat:
Alle Anderen wurden vom Feuer und den vom Licht angelockten Schrecken geholt.

Der Passivsatz ist leicht zu umgehen. ‚Vom Licht angelockten Schrecken‘???
Das Feuer hatte alle geholt.
Eine Phrase aber besser,

Zitat:

Als das Dach des fensterlosen, grauen Gemäuers in sich zusammengestürzt war, begrub es den Großteil des Feuers unter sich.

Begrub es das Feuer?
Als das Dach des fensterlosen, grauen Gemäuers in sich zusammengestürzt war, erstickte es den Großteil des Feuers.

 
Zitat:
Doch anstatt von der Last erdrückt zu werden, krochen die weißen Flammen von Wut und Schmerz getrieben durch die Ritzen des Gerölls, über Gebälk und Stein hinweg und breiteten sich hungrig im ganzen Hof aus.


Flammen, Wut, Schmerz??? Oft wird Feuer als hungrig bezeichnet, aber muss das sein.

Das Dach des fensterlosen Gemäuers brach in sich zusammen, aber anstatt die Flammen zu erstickten, fanden diese eine Weg durch die Ritzen im Geröll und breiteten sich im gesamten Hof aus.

Zitat:
Die ehemals prachtvollen Gärten, die den gepflasterten Innenhof umgaben, hatten sich in ein verkohltes Ödland verwandelt.

Ehemals? Also waren sie vor dem Brand keine Gärten mehr gewesen.
Und verkohltes Ödland finde ich ebenfalls übertrieben. Nach einem Brand verwandelten sich die Gärten bestimmt nicht zu einer Trockensavanne.

Zitat:
Noch am Tag zuvor war Andra durch die schmalen Gartenpfade geschlendert und hatte sich an den farbenfrohen Blumen erfreut.



Zitat:

Sie liebte Blumen; und in Borntols Garten gab es so viele unterschiedliche Arten, wie sie sie noch nie zuvor gesehen hatte.


Zitat:
All die Farben und Düfte waren im Feuer verloren gegangen und (Ich würde hier einen Punkt setzen) selbst in ihren Erinnerungen zerfielen die Lilien, Rosen, Tulpen und unzähligen anderen Blumen bereits zu Staub.


Zitat:
Die Flammen hatten selbst (Selbst! Wer sonst außer den Flammen. Sogar wäre passender) die jungen Obstbäume und die getrimmten Ligusterhecken verschlungen. Lediglich ihre hölzernen Gerippe ragten dort auf, wo sie einst gewachsen waren.


Zitat:
Die Diener, die das Feuer zu löschen versucht hatten, waren zu grauenhaften schwarzen Formen verkommen und ihre Augen hatten sich in durchsichtiges, lichtloses Glas verwandelt.

‚Grauenhaften schwarzen Formen verkommen‘ der Anblick einer Brandleiche ist selten amüsant.
Vielleicht zu schwarze Form geschrumpft.
Bitte! ‚Durchsichtiges, lichtloses Glas‘  Glas ist meistens durchsichtig und lichtlos ganz bestimmt, aber was hat das Ganze in diesem Zusammenhang mit Augen von einer  Brandleiche zu tun.

Zitat:
Durch die sengende Hitze waren ihre Körper so stark zusammengeschrumpft, dass sie kaum größer als das junge Mädchen waren.

Ah! Endlich geschrumpft. Bloß der Vergleich mit dem Mädchen will mir nicht aus dem Kopf. Wenn ich das in diesem Zusammenhang verstehe, ist sie ein Kind.

Zitat:
Aus ihren  weit aufgerissenen Mündern stieg schwelender, heißer Dampf und die zischenden Laute, die sich durch das verbrannte Fleisch gruben, klangen wie der Nachhall der nächtlichen Schreie.

Entweder schwelen oder dampfen für eins solltest du dich entscheiden.
Die zischenden Laute lasse ich gelten. Laute die, wie der Hall ihrer nächtlichen Schreie klangen besser, aber graben?

Zitat:
Andra konnte den Anblick der Leichen nicht länger ertragen und stolperte ziellos umher, ohne sich noch einmal nach ihnen umzudrehen.

Andrea ertrug den Anblick der Leichen nicht länger. Ohne sich noch einmal nach ihnen umzudrehen, stolperte sie ziellos umher.

Zitat:
Egal wohin, sie wollte nur fort von diesem schrecklichen Ort.


Zitat:
der Mann aus Marmor starrte freudlos in die Leere.

Freudlos? Und in welche Leere?


 
Zitat:
Reichsritter Borntol hatte sich von einem talentierten Bildhauer verewigen lassen.

Toll! Kann er sich ja drüber freuen. Die Frage ist nur wer: der Bildhauer oder der Ritter.


Jetzt klinke ich mich erst einmal aus! Warum? Nichts Dramatisches! Schick den Rest noch einmal durch die Grammatikkontrolle – Komma und so. Rolling Eyes


Alles im Allen gefällt mir deine Geschichte. Aber bitte! Schalte eine Gang herunter, streiche diese unnötigen Adjektive und versuche, Vergleiche und Verben zu finden, die logisch sind.


Gruß
Ahorn
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ahorn
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber


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BeitragVerfasst am: 08.11.2019 21:56    Titel: Antworten mit Zitat

Hubs! Zu früh auf 'SENDEN' gedrückt!
Daher bitte ich - soweit ich sehe,  ein paar fehlende 'n' zu entschuldigen. Crying or Very sad
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Kiara
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BeitragVerfasst am: 09.11.2019 10:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Ahorn, du kannst deine Beiträge solange editieren, bis eine neue Antwort folgte. Das macht es einfacher.

_________________
- Das Mahnmal (2019)
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nicolailevin
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BeitragVerfasst am: 09.11.2019 11:48    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Trugbild

Hut ab: Du kannst sehr bildmächtig schreiben, m.E. darfst du aber mit dieser Fähigkeit nicht zu früh und zu viel feuern, sondern solltest die Bilder nur punktuell einsetzen.

Ich weiß zB nicht, ob das Gartenidyll im Prolog schon so ausgebreitet werden sollte, zumal wenn deine Heldin unfreiwillig auf der Burg weilt. Wäre sie die Prinzessin und das Feuer hätte ihre gesamte idyllische Kindheit geraubt, wäre das Bild für mein Empfinden okay. Wenn das nicht so ist, solltest du den Leser eher drauf hinführen, dass die Burg auch vorher eher mit unangenehmen Gefühlen konnotiert wird.

Zitat:
trotz der Hitze unter ihren Zehen zitterte sie vor Eiseskälte. Die Stirn des jungen Mädchens glühte wie ein Kohlebecken


Was nu? Heiß oder kalt?

Zur Perspektive:

Zitat:
Reichsritter Borntols Residenz war bis auf die Grundfesten niedergebrannt. Als das Dach des fensterlosen, grauen Gemäuers in sich zusammengestürzt war, begrub es den Großteil des Feuers unter sich. Doch anstatt von der Last erdrückt zu werden, krochen die weißen Flammen von Wut und Schmerz getrieben durch die Ritzen des Gerölls, über Gebälk und Stein hinweg und breiteten sich hungrig im ganzen Hof aus. Die ehemals prachtvollen Gärten, die den gepflasterten Innenhof umgaben, hatten sich in ein verkohltes Ödland verwandelt.


Bockstark formuliert, aber eben aus Sicht eines Beobachters, der über der Burg schwebt. Wo war Andra, als es gebrannt hat? Wie hat sie das Feuer wahrgenommen?

Zitat:
Andra ließ sich kraftlos am Sockel einer rußgeschwärzten Statue nieder, reckte ihren Hals und blickte zum Bildnis hinauf.
(...) Der kahle Schädel wies so viele Risse auf, das man glauben konnte, ein Schmiedehammer hätte ihn getroffen.


Auch hier: Tolle Formulierungen, aber wenn Andra müd und schwach von unten zur Statue hochblickt, kann sie rein von der Perspektive her eigentlich nicht die Risse oben im Schädel erkennen.

VG
Nico.
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Trugbild
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Wohnort: München


BeitragVerfasst am: 09.11.2019 14:39    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für die Antworten.

Ich werde den Text hinsichtlich der Perspektive überarbeiten und die eingestreuten Bilder besser dosieren. Ich habe angst, dass sich aufgrund der vielen Metaphern vielleicht irgendwann eine Art Sättigungsgefühl beim Leser einstellen könnte.

Zitat:
Wo war Andra, als es gebrannt hat? Wie hat sie das Feuer wahrgenommen?
An anderer Stelle berichtet das Mädchen über die Ereignisse der Nacht. Ich will den Leser an dieser Stelle diesbezüglich noch etwas Zappeln lassen. Natürlich sollte die Antwort auf die Fragen nicht erst im letzten Kapitel kommen.

Zitat:
Was nu? Heiß oder kalt?

Das ist eine Fieberreaktion. Da spielt das Temperaturempfinden ja gerne mal verrückt. Smile
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Ralphie
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BeitragVerfasst am: 09.11.2019 16:26    Titel: Antworten mit Zitat

Eine großartige Story! Glückwunsch!

_________________
LG
Ralphie
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ahorn
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber


Beiträge: 23



BeitragVerfasst am: 09.11.2019 17:36    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Trugbild,

Zitat:
Ich habe angst, dass sich aufgrund der vielen Metaphern vielleicht irgendwann eine Art Sättigungsgefühl beim Leser einstellen könnte.


Keine Angst! Metaphern sind meist besser als elendig lange Beschreibung. Ja - und da gebe ich dir Recht – sie nicht in jedem zweiten Satz vorkommen und logisch sind. Wink

Was ich und dieses habe ich bereits angedeutet, mildern würde, sind deine Formulierungen als solches. Sie sind rund und harmonisch ohne Frage, aber auch hier macht die Dosis das Gift.

Ich habe  gewagt einen Satz – ich könnte auch einen anderen nehmen, in eine andere Form zu pressen.

Doch anstatt von der Last erdrückt zu werden,
krochen die weißen Flammen von Wut und Schmerz getrieben,
durch die Ritzen des Gerölls, über Gebälk und Stein hinweg
und breiteten sich hungrig im ganzen Hof(e) aus.


Merkst du etwas?

Gruß
Ahorn
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nothingisreal
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BeitragVerfasst am: 09.11.2019 20:32    Titel: Antworten mit Zitat

ahorn hat Folgendes geschrieben:


Doch anstatt von der Last erdrückt zu werden,
krochen die weißen Flammen von Wut und Schmerz getrieben,
durch die Ritzen des Gerölls, über Gebälk und Stein hinweg
und breiteten sich hungrig im ganzen Hof(e) aus.




Vielen Dank ahorn für diese Veranschaulichung. Dank ihr hab ich verstanden, warum für mich die Perspektive ebenfalls nicht funktioniert.

@Trugbild:
Ganz runtergebrochen gibt es bei der personalen Erzählperspektive zwei Arten: "normale" und die Deep-POV.  
Die "normale" Perspektive wäre die Perspektive, bei der du nur das beschreibst, was die Figur weiß, fühlt und sieht. Hier kannst deine Art zu "sprechen" benutzen und Formulierungen verwenden wie: "dachte sie".
Bei der Deep-POV schreibst du ebenfalls nur das auf, was sie weiß, fühlt und sieht, aber du schreibst es so auf, wie sie sprechen würde, und die Gedanken sind Teil des Textes.

Beispiel:
normal:
Mit einem gezwungenen Lächeln setzte sie sich auf die Kante des WG-Sofas und fragte sich, wie viele Bakterienkolonien wohl dadrauf lebten. Sie beschloss, ihren Rock danach bei 90 Grad zu waschen, und ärgerte sich, dem Treffen zugesagt zu haben.
Deep-POV:
Mit einem gezwungenen Lächeln platzierte sie ihr Hintern so nah wie möglich an den Rand des versieften Sofas. Da überfielen sie schon, die noch unentdeckten Bazillen, die unbefleckten Gründe ihres Rockes. Sobald sie zuhause wäre, würde sie ihn sofort in die Waschmaschine stecken. Hoffentlich reichten 90 Grad, mehr konnte das Ding leider nicht. Verdammte Scheiße, was machte sie überhaupt hier?

Dazwischen gibt es natürlich jede Menge Formen.

Nun ist es so, dass wenn du dich für die "normale" entscheidest, es zu einer Diskrepanz kommen kann. Wenn du also aus der Sicht eines siebenjährigen Mädchens schreibst, wenn sie nicht gerade ein Sprachgenie ist, wird sie unwahrscheinlich so reden wie im obigen Zitat. Dadurch bekomme ich das Gefühl, die Geschichte wird von einem jemand anderen erzählt.

Ich habe aber eh das Gefühl, dass dir die allwissende Perspektive besser liegt. Du kannst aus ihr trotzdem nur das erzählen, was das Mädchen denkt, fühlt und sieht.


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Trugbild
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BeitragVerfasst am: 09.11.2019 21:31    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für die Beispiele.

Zitat:
Ich habe aber eh das Gefühl, dass dir die allwissende Perspektive besser liegt. Du kannst aus ihr trotzdem nur das erzählen, was das Mädchen denkt, fühlt und sieht.

Wenn ich meinen Text aus der Sicht eines Allwissenden Erzählers schildere, der zwischen dem gewählten Haupthelden und Erzählungen/Beschreibungen hin und her wechselt, dann habe ich aber doch genau das Problem, dass du im ersten Beitrag benannt hast.

Zitat:
Aus wessen Perspektive schreibst du? Du bist mal nah am Mädchen, manchmal bedienst du dich des allwissenden Erzählers.


Was ändert sich also, wenn ich den Allwissenden Erzähler verwende, um nah am Mädchen zu sein? Zur Verwirrung des Lesers trägt es also dennoch bei, wenn ich den Allwissenden Erzähler verwende, mich aber nur auf einzelne Charaktere einschieße.


Zitat:
Doch anstatt von der Last erdrückt zu werden,
krochen die weißen Flammen von Wut und Schmerz getrieben,
durch die Ritzen des Gerölls, über Gebälk und Stein hinweg
und breiteten sich hungrig im ganzen Hof(e) aus.
Ich konnte damit leider überhaupt nichts anfangen. Das ist eine Beschreibung aus der Sicht eines Allwissenden Erzählers. Und somit ja eigentlich vollkommen legitim, oder nicht?

edit:
Noch eine kleine Ergänzung.
Ich möchte gerne gezielte Charaktere in der Geschichte hervorheben. Ihre Gefühle und Gedanken vertiefen. Damit das nicht zu unübersichtlich wird, entscheide ich mich pro Kapitel für einen Charakter auf den der Zoom fällt. Trotzdem möchte ich losgelöst davon Landschaften in einer Form beschreiben, wie sie über das hinausgeht, was der Charakter sieht. Ich nenne es einfach mal eine Beschreibung des Schauplatzes, die allein für den Leser ist.
Würde das zwangsläufig zu Verwirrung führen, da der Leser nicht zuordnen kann, aus welcher Sicht die Geschichte erzählt wird? Ich habe nämlich gerade in einigen Romanen geblättert, wo genau so gearbeitet wurde. Es wird viel beschrieben, was über die Sicht der Helden hinausgeht und trotzdem scheint der Erzähler ein Personaler zu sein.
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nothingisreal
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BeitragVerfasst am: 09.11.2019 21:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Trugbild,

ich schreibe nicht aus der allwissenden Perspektive, sondern immer aus der Deep-POV, deswegen bin ich der falsche Ansprechpartner.

Ich habe noch einmal den Text gelesen, um zu verstehen, woher meine Verwirrung kam.

Ich hab das Gefühl, du schreibst bereits aus der allwissenden Sicht. Warum ich überhaupt auf die personelle gekommen bin: a) Weil die meisten Bücher, zumindest die ich lese, aus dieser Perspektive geschrieben sind, und ich daher davon ausging, dass es auch hier der Fall ist und b) weil manchmal mir dann doch erschien, dass du personell erzählst.

Hier ein paar Beispiele und die Leute, die allwissend schreiben, mögen mich verbessern, wenn ich falsch liege:

Zitat:
Aber ihre Beine gehorchten ihr nicht und ihre kleinen Füße schienen schwer wie Eisen.

Das müsste zum Beispiel meines Erachtens heißen: ihre kleinen Füße erschienen ihr schwer wie Eisen. Andernfalls ist es sehr nah aus ihrer Perspektive.
Anderes Beispiel:
Zitat:
Das wusste sie nur zu gut, weil sie selbst so war. Ihre Mutter hatte ihr sogar einmal gesagt, ...

Das wusste sie, weil sie selbst so war. Ihre Mutter hatte ihr einmal gesagt,  ...

Durch diese Kleinigkeiten wirkten diese Passagen für mich wie Gedanken und ich glaubte, du wechselst die Perspektive.

Aber wie gesagt, jemand der aus dieser Perspektive schreibt, sollte mich bitte notfalls verbessern.


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ahorn
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BeitragVerfasst am: 10.11.2019 11:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Trugbild,
Ich dachte, mein kleiner Hinweis hätte dir geholfen – bin halt Krimischreiber. wink
Mal Tacheles. Dein Text hat ein Paradoxon.
(Außerdem passen die Absätze nicht mit den Szenen überein – das am Rande, verwirrt trotzdem den Leser.)

Erst Szene – Einleitung
Bis
Zitat:
Noch am Tag zuvor war Andra durch die schmalen Gartenpfade geschlendert und hatte sich an den farbenfrohen Blumen erfreut.

Erzählperspektive: Erzähler.
Warum?
Zitat:
Die Stirn des jungen Mädchens

Sprache: Protagonist.
Der Erzähler ist neutral, hat keine Gefühle, aber du schreibst gefühlsbetont, beinahe lyrisch (Meine Anspielung mit der Versform).

Zweite Szene
Bis
Zitat:
Der Mann aus Marmor starrte freudlos in die Leere.

Erzählperspektive: Protagonist.
Warum?
Der erste Satz.
Sprache: Protagonist.
Die Sprache bleibt blumig, um es nett auszudrücken, aber sie ist ein Kind. Die Sprache passt nicht zu einem Kind, somit geht der Leser weiterhin aus, dass der Erzähler berichtet.

Gruß
Ahorn
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eule
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BeitragVerfasst am: 11.11.2019 18:04    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Trugbild,

wie schön, dass ich deinen Text hier gefunden habe smile

1. Konflikt etablieren:
Die Situation ist erstmal gut gewählt für einen Anfang. Der Leser plumpst mitten in die Katastrophe hinein – das hat hohes Spannungspotenzial. Allerdings musst du auch klar machen, was gerade das Problem ist. Das war bis über die Hälfte des Textes eher verschwommen und hat dazu geführt, dass ich nicht so richtig mitfühlen konnte … oder eben falsch mitfühlte und mein Mitfühlen später korrigieren musste. Da du mir nicht vermittelt hast, wer Andra ist, habe ich mir einfach mal gedacht, sie ist ein Teenager oder eine junge Frau, die in der Residenz gearbeitet hat und zufälligerweise überlebte. Jetzt weiß sie nicht genau, was sie machen soll, und sucht nach Leuten, die sie kennt. Tja, Pustekuchen! Später musste ich dann erfahren, dass sie viel jünger ist und irgendwie adelig und wichtig, außerdem war ihr Problem gar nicht „nur“ das Feuer, sondern auch noch dass sie verfolgt wird. Hätte ich das mal früher gewusst wink Dann wäre alles spannender gewesen und ich hätte auch den folgenden Absatz verstanden:
Zitat:
Da die Sonne die Nacht vertrieben hatte, würde es nicht lange dauern bis sich die ersten Bauern Breitwassers aus ihren Hütten wagten. Die Leute steckten ihre Nasen nur all zu gern in Dinge, die sie nichts angingen. Das wusste sie nur zu gut, weil sie selbst so war. Ihre Mutter hatte ihr sogar einmal gesagt, dass ihre Neugierde sie eines Tages in Schwierigkeiten bringen würde, wenn sie nicht Acht gab.

Das konnte ich inhaltlich überhaupt nicht einordnen. Anda rennt durch die Apokalypse und fängt plötzlich an über Neugierde zu philosophieren? (Zu diesem Zeitpunkt wusste ich ja nicht, dass sie 7 ist.) Und ist es nicht GUT, wenn die Bauern kommen und sie finden, dann ist sie nicht mehr allein? (Nein, zu diesem Zeitpunkt wusste ich auch nicht, dass Andra irgendwie verfolgt wird.)
FAZIT: Am Anfang solltest du stärker den Protagonisten und sein Problem etablieren. In Fragen ausgedrückt:
Wer ist Andra? Was ist ihr Problem?
Klar musst du da noch nicht alle Einzelheiten verraten, das wäre ja auch langweilig. Aber wie gesagt, die Grundlinie.

2. Perspektive des Protagonisten:

Die Erzählweise ist ziemlich weit weg von der Figur. Ich muss zugeben, ich bin vielleicht besonders versessen auf Innenansicht. Aber auch ohne diesen Tick muss die Erzählweise strenger an die Figur gebunden sein.

[quote]Andra zog ihre Knie näher zu sich und ließ ihren Kopf darauf nieder. Ihr langes schwarzes Haar legte sich wie ein Tuch über ihre Beine. Ein leises Schniefen erklang als sie ihre Tränen nicht länger zurückhalten konnte.
Der Erzähler scheint Andra beim Schniefen zuzuhören. Tatsächlich aber müsstest du Andras Empfindungen von innen schildern: Tränen rollten über ihre glühenden Wangen. Was sollte sie nur machen?
Zitat:
Der Hof war von einer hohen Mauer umgeben. Der einzige Weg hinein oder hinaus führte durch ein dickes, mit Eisenstreben verstärktes Holztor. Das Feuer hatte so heiß gebrannt, dass selbst das Metall geschmolzen und in glühenden Tränen hinab gelaufen war. Es glich einem Wunder, dass die verkohlten Reste des Tors noch immer in den Angeln hingen.
Andra hob erschrocken den Blick als ein lauter Schlag das zu Kohle gewordene Holz erzittern ließ.

Uno momento. Andra hat gerade den Kopf auf den Knien. Sie kann den Hof gar nicht sehen – warum beschreibt sie ihn dann?
Also andersrum: Andra hob erschrocken den Kopf, als ein lauter Schlag ertönte. Das verkohlte Eingangstor erbebte, als jemand von der anderen Seite darauf einhieb.
Zitat:
Es wurde still um sie herum und es verging ein Moment bis sie durch die gespreizten Finger spähte. Hinter dem Schleier aus Staub trat ein Schatten in den Hof.
Ein Mann mittleren Alters stapfte knirschend über die Bruchstücke des Tores. Sein pechschwarzes, nach hinten gekämmtes Haar und der sorgfältig gestutzte Kinnbart untermalten sein ansonsten ebenfalls makelloses Äußeres. Der graue Umhang über seinem Lederwams hing träge herab und reichte ihm bis zu den Kniekehlen. An seiner Schulter baumelte das Ehrenzeichen eines Ritters; eine längliche weiße Feder aus der Schwinge eines Gehörnten Trelans. Sein wacher Blick wanderte suchend über die graue Ödnis.
Andras Augen glänzten voller Tränen als sie den Mann erkannte. Sie erhob sich langsam auf ihre schmerzenden Beinen und ging keuchend auf ihn zu. „Grahm, bist du das?“, fragte sie mit belegter Stimme und glättete ihr Nachthemd, indem sie ihre schmutzige Hände daran abwischte.

Auch hier: Andersrum. In dem Moment, als Andra durch die Finger späht, kann sie unmöglich all diese Details des Mannes wahrnehmen. Zumal noch Staub rumfliegt. Sie kann da nur einen generellen Eindruck kriegen. Aber als sie die weiße Feder erkennt, weiß sie, dass es Freunde sind. Andra nimmt die Hände vom Gesicht, als sich der Mann zu ihr umdreht. Jetzt kann sie ihn umarmen und dabei einige Details seines Äußeren einfließen lassen.
Also wenn du dir mal vorstellst, Andra hält vor sich eine Handkamera. Und man sieht jetzt den Film auf der Kamera. Was sieht man dort und was sieht man nicht? Wenn du so den Text durchgehst, kannst du schonmal alles eliminieren, was sich außerhalb ihres Sichtfeldes befindet. Dann geht es weiter, was hört man? Man hört zB ihren hastigen Atem. Von irgendwoher hört man einen lauten Schlag, dann schwenkt die Kamera hastig um in die Richtung des Geräusches und man sieht (erst dann), dass das Holztor eingehauen wurde. Und so weiter.
Und nun noch weiter: Empfindungen, Gefühle, Gerüche, Gedanken – dabei kann dir die Kamera allerdings nicht mehr helfen, wir sind nun im Reich der Schriftstellerei angekommen smile

3. Perspektive eines Kindes:
Die Perspektive einer 7jährigen zu schreiben, erscheint mir ein sehr, sehr, SEHR ambitioniertes Vorhaben. Du schreibst aus den Augen eines Kindes. Das guckt in jeder Hinsicht aus einem anderen Blickwinkel auf die Welt.
Im Moment muss ich sagen, ich hätte die Perspektive nicht mit einem Kind in Verbindung gebracht. Dafür ist die Protagonistin zu stringent, zu komplex, zu beherrscht im Angesicht der Katastrophe. Ihr Fokus, ihr Verlangen und auch ihre Sätze müssten nach meinem Empfinden einfach und geradlinig sein. Durchaus kindgerecht erscheint mir das Interesse für Blumen und die Angst vor dem Wappen.
Nicht: „Ist jemand da?“, rief Andra vorsichtig. Sie konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten und schlug die Hände vors Gesicht.
Sondern: „Mama!“ Andra stolperte durch die Asche. „Mamaaaaaa!“ Der Schrei hallte von den schwelenden Mauern wieder. Niemand antwortete. Andra war allein. Sie schluchzte auf, bis ihr plötzlich einfiel, dass dort draußen noch immer die Männer mit der Hahnenfeder (??) waren, die heute Nacht die Festung in Brand gesteckt hatten. Erschrocken verstummte sie. Mutter hatte sie vor diesen Männern gewarnt, hatte ihr eingeschärft, sich sofort zu verstecken, wenn sie eine Hahnenfeder sah. Dunkel spürte Andra, dass die Männer heute Nacht wegen ihr gekommen waren. Sie begriff nur immer noch nicht, warum.
Oder so ähnlich …….. (?)

Gerade habe ich mal nachgeschaut, wie alt Bran Stark zu Beginn von „Das Lied von Eis und Feuer“ ist. Tatsächlich soll er sieben Jahre alt sein. Im ersten Band kannst du also mal nachlesen, wie seine Perspektive umgesetzt wird.
Oder aber du konzentrierst dich erstmal auf Herausforderung 1 und 2. Denn wie gesagt, die Kinderperspektive ist das Obersahnehäubchen. Ich weiß nicht, wie wichtig diese für deine Geschichte ist, aber vielleicht kannst du es auch so biegen, dass du ohne die Perspektive einer 7jährigen auskommst. Oder vielleicht kann sie ja auch schon 10 sein wink
Ich bin sicher, dass du einen ganz wunderbaren Text hervorbringen wirst, wenn du dir die Themen nochmal genauer unter die Lupe nimmst. Es sind auch keine ungewöhnlichen Probleme für Schreiberlinge ... damit haben ja viele zu kämpfen und das kann man sehr gut lernen Very Happy

Ich würde aber gerne auch noch weiterlesen, um mehr Gespür für die Geschichte zu entwickeln.

Viele Grüße


eule
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Trugbild
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Beiträge: 35
Wohnort: München


BeitragVerfasst am: 11.11.2019 21:01    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke, Eule!
Ich bin derzeit damit beschäftigt den Text von Grund auf zu sanieren. Da ich mich ohnehin schon von einem Personalen Erzähler entfernt habe, werde ich, wie mir nothingisreal geraten hat beim Auktorialen Erzähler bleiben.
Ich habe mir noch einmal diverse Stellen in meinen Lieblingsbüchern angesehen. Dort werden die Umgebung und andere Dinge wie ein Bühnenbild beschrieben, ganz unabhängig davon ob der Held die Dinge in diesem Augenblick sehen kann oder sie überhaupt in seiner derzeitigen Situation bemerken würde.

Auf jeden Fall danke für deine Anmerkungen. Ich bin schon gespannt, wie der überarbeitete Text sein wird. Könnte gut sein, dass ich wieder die gleichen Fehler mache. Laughing
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