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Halbtot


 

 
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Autor Nachricht
Franziska
Eselsohr

Alter: 46
Beiträge: 348
Wohnort: Freistaat


BeitragVerfasst am: 24.11.2021 12:06    Titel: Halbtot eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Häng mich an den Materpfahl,
rupf mir die Gefühle aus dem Bauch!
Leck mir den Überschuss an Topamin weg.

Dividier mich durch meine Gehirnzellen
in deine berechnete Illusion.

Gib deiner Sucht nach mir den letzten Schuss
bevor ein Engel darniederfährt
mich zu befreien mit Herz und Schlag!
Pumpt mir das Blut zurück, gibt Leben
das aufhörte dich zu verstehen.



_________________
*wenn ein Vogel die Disposition hat, in Übereinstimmung mit den Gesetzen der Aerodynamik zu fliegen, dann brauchen wir ihm deshalb noch nicht die Kenntnisse dieser Gesetze zuzuschreiben*
Noam Chomsky
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Perry
Geschlecht:männlichExposéadler

Alter: 69
Beiträge: 2191



BeitragVerfasst am: 25.11.2021 17:36    Titel: Hallo Franziska, Antworten mit Zitat

der Einstieg gefällt mir gut, auch wenn es wohl "Dopamin" heißen sollte. Wink
Was den Engel anbelangt, könnte es ein Rachebruder von Amor sein, der das LI aus der Illusion befreit. Erfrischend verwortet!
LG
Perry
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Eulenbaum
Klammeraffe


Beiträge: 876



BeitragVerfasst am: 30.11.2021 10:46    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Franziska,

so ein Mutterleibsgedicht. ?

Das Kind hat kaum noch Luft.

Mag ich nicht gern lesen.

Gruß,
Eulenbaum
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anderswolf
Geschlecht:männlichKlammeraffe


Beiträge: 713
Wohnort: Bad Nauheim


BeitragVerfasst am: 01.12.2021 01:27    Titel: Re: Halbtot Antworten mit Zitat

Franziska hat Folgendes geschrieben:
Häng mich an den Materpfahl,
rupf mir die Gefühle aus dem Bauch!
Leck mir den Überschuss an Topamin weg.

Dividier mich durch meine Gehirnzellen
in deine berechnete Illusion.

Gib deiner Sucht nach mir den letzten Schuss
bevor ein Engel darniederfährt
mich zu befreien mit Herz und Schlag!
Pumpt mir das Blut zurück, gibt Leben
das aufhörte dich zu verstehen.


Stark schwankend das, unklar in der Aussage auch. Wer liebt da wen mehr, wer leidet an wem mehr, ist das LI das Opfer eigener Gefühle oder eher des ungestillten Verlangens des LDu?

"Häng mich an den Materpfahl" ... ist das falsche Marter oder absichtliche Doppel(an)deutung? Wenn letzteres, was soll es be/an-deuten? Unangemessene Übermütterlichkeit?
Wahrscheinlich eher orthographische Schwäche, mag ich glauben, denn "rupf mir die Gefühle aus dem Bauch" lässt nur dann an Mütterlichkeit denken, wenn LI mit den Emotionen schwanger geht, und das ergibt sich so nicht aus dem Kontext, der da eher lautet: ich will deine Liebe eigentlich nicht, denn du bringst mich um den Verstand (siehe zweite Strophe/Interlude).
Liebe aber sieht ja ohnehin anders aus, da ist viel zu viel Gewalt, zu viel Blut und Organiges, als dass es nach einer funktionalen Beziehung klingt.

Woher kommt das Dopamin (das sich wohl hinter dem Topamin versteckt), und was soll es bedeuten? Grundsätzlich ist Dopamin ja ein (überwiegend) erregender Neurotransmitter, wird auch als Glückshormon verstanden (nicht unbedingt zutreffend). Nun hängt das LI aber an dem Ma(r)terpfahl. Ist das überschießende Dopamin hier eine Schockreaktion? Dopamin, lässt sich andernorts lesen, hilft immerhin bei der Behandlung emotionaler und vor allem körperlicher Schockzustände. Und hinge ich plötzlich an einem Pfahl und würde durch Gefühlgerupfe gewissermaßen kaisergeschnitten, mir wäre jede Dosis Glück recht.

Dann also die zweite Strophe, die eines zu sagen scheint: LI ist verrückt. Denn wodurch soll denn dividiert werden, wenn symbolisch ein krasser Wert und entsprechend drastische Wirkung erreicht werden soll: Null natürlich, denn nur Narren teilen durch Null, alle anderen schieben das Fahrrad im Park. Wenn Null aber die Anzahl der übrigen Gehirnzellen sind, hat die Ma(r)ter vollkommenen Sinnesverlust erreicht. Komplette Enthirnung, der Wahn ist inkludiert, nur eben leider in die unverständliche "berechnete Illusion". Was soll das sein? Die Matrix, der mit blauer oder roter Pille entkommen werden kann? An Computer kann ich da denken, an Maschinen, an zu Emotion komplett unfähige Psychopathys, die natürlich den emotionalisierten Menschen, die lieben und geliebt werden wollen, nur Ma(r)ter bieten können, keine Wohlgefühligkeit.
Viellicht ist die Formulierung aber auch einfach weniger durchdacht als berechnend hinkonstruiert.

Die Verrücktheit lag ja nah, ein Mensch wird emotional zerquält, das muss ja den Verstand umbringen, ein Umstand, der einem verbringen am Marterpfahl gleicht. Gehirnzellen also Null, das ist berechnete Boshaftigkeit, da passt natürlich noch andere Mathesprache ins Schema.
Das Problem aber mit Schemata ist leider: sie rechnen sich nicht. Die Wirkung tritt nicht häufig ein. Meistens steht die Analogie schief verpflockt in der Erde, die Ungerade verdrängt gerade die Eindringlichkeit des Bildes. Als Lesy sitze ich schweigenden Auges davor, kein Wort reicht an den Horizont meiner Gedanken.

Und dann kippt ohnehin das Bild. "Gib deiner Sucht nach mir den letzten Schuss" ist komplette Schubumkehr, denn nun zwingt das Psychopathy plötzlich nicht mehr das fühlige Menschlein in Emofolter, sondern darbt offensichtlich selbst in süchtelnder Hingezogenheit, einer Besessenheit, die durch Exitus nur überwindbar scheint. Daher vielleicht auch der unmotiviert reinstauchende Engel, der gewissermaßen postmortal und überhöht vokabilisiert "darniederfährt", als hätte er die Lutherbibel verfrühstückt, bevor er beherzt und beschlagen zur Rettung heranrauscht wie ein beflügelter Sanitäter.
Worin genau die Wiederbelebungsprozedur besteht, ist unklar, an das Dopamin von vorher will ich denken ("Behandlung emotionaler und vor allem körperlicher Schockzustände"), aber dann wird nur Blut in den Kreislauf zurückgepumpt. Der Engel ist weniger Sanitäty als eher von der Freiwilligen Feuerwehr; pumpt wie ein großer und wiederbelebt, was - und hier wird es unverständlich - Unverständnis war. Na, das ist falsch interpretiert, der falschen Verpflockung wegen, da ist Rezensenty selbstverliebt. Mir jedenfalls ist unklar, wie ein Leben etwas verstehen oder eben nicht mehr verstehen kann. Ein Leben ist ja kein Organismus, kein Gehirn, kein Subjekt, es ist ja mehr ein Zustand, ein Dasein, eine objektive Eigenschaft von etwas oder jemandem, zu Reflektion jedenfalls eigentlich oder zumindest gewöhnlicherseits und üblicherhaft eher unfähig.

Nun ist Lyrik ja nicht ausschließlich angehalten, Sinn zu ergeben. Hilfreich aber ist schon eine Sprache, die in sich bleibt, Bilder, die sich auf einander oder wenigstens miteinander beziehen. Klar kann Kontrast nie schaden, um eine Situation quasi durch Scherenschnitt zu vergröbern, vergrößern und damit zu verdeutlichen. Durch den Schattenwurf erst wird mir das Licht bewusst et cetera. Nur ist da die Gegenläufigkeit in diesem Text nicht aufschlussreich, nicht erhellende. Und beginnend mit zwei orthografischen Schnitzern (vorsichtig ausgedrückt) lässt der Text eine unsubtile Unabsicht vermuten.
Kann natürlich täuschen, der Text deutet ja Berechnung an, will Konstruktion zwinglich erdeutlichen. Berechnete Illusion. Zugleich klingt es mehr nach BotArt, wie Beethovens Vollendete Zehnte. Könnte echt sein, ist aber vielleicht doch nur durch Null dividiert.

Fühle mich nicht von der Dichtigkeit des Textes überzeugt, nicht gema(r)tert zwar, aber habe sehr das Gefühl, da hätte Dichty noch ein bisschen länger mit schwanger gehen können, bevor hier exponiert wird. Andererseits ist hier ja Werkstatt, da kann auch mal ein grober Span fallen.
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Eulenbaum
Klammeraffe


Beiträge: 876



BeitragVerfasst am: 02.12.2021 18:04    Titel: Re: Halbtot Antworten mit Zitat

anderswolf hat Folgendes geschrieben:
Franziska hat Folgendes geschrieben:
Häng mich an den Materpfahl,
rupf mir die Gefühle aus dem Bauch!
Leck mir den Überschuss an Topamin weg.

Dividier mich durch meine Gehirnzellen
in deine berechnete Illusion.

Gib deiner Sucht nach mir den letzten Schuss
bevor ein Engel darniederfährt
mich zu befreien mit Herz und Schlag!
Pumpt mir das Blut zurück, gibt Leben
das aufhörte dich zu verstehen.


Stark schwankend das, unklar in der Aussage auch. Wer liebt da wen mehr, wer leidet an wem mehr, ist das LI das Opfer eigener Gefühle oder eher des ungestillten Verlangens des LDu?

"Häng mich an den Materpfahl" ... ist das falsche Marter oder absichtliche Doppel(an)deutung? Wenn letzteres, was soll es be/an-deuten? Unangemessene Übermütterlichkeit?
Wahrscheinlich eher orthographische Schwäche, mag ich glauben, denn "rupf mir die Gefühle aus dem Bauch" lässt nur dann an Mütterlichkeit denken, wenn LI mit den Emotionen schwanger geht, und das ergibt sich so nicht aus dem Kontext, der da eher lautet: ich will deine Liebe eigentlich nicht, denn du bringst mich um den Verstand (siehe zweite Strophe/Interlude).
Liebe aber sieht ja ohnehin anders aus, da ist viel zu viel Gewalt, zu viel Blut und Organiges, als dass es nach einer funktionalen Beziehung klingt.

Woher kommt das Dopamin (das sich wohl hinter dem Topamin versteckt), und was soll es bedeuten? Grundsätzlich ist Dopamin ja ein (überwiegend) erregender Neurotransmitter, wird auch als Glückshormon verstanden (nicht unbedingt zutreffend). Nun hängt das LI aber an dem Ma(r)terpfahl. Ist das überschießende Dopamin hier eine Schockreaktion? Dopamin, lässt sich andernorts lesen, hilft immerhin bei der Behandlung emotionaler und vor allem körperlicher Schockzustände. Und hinge ich plötzlich an einem Pfahl und würde durch Gefühlgerupfe gewissermaßen kaisergeschnitten, mir wäre jede Dosis Glück recht.

Dann also die zweite Strophe, die eines zu sagen scheint: LI ist verrückt. Denn wodurch soll denn dividiert werden, wenn symbolisch ein krasser Wert und entsprechend drastische Wirkung erreicht werden soll: Null natürlich, denn nur Narren teilen durch Null, alle anderen schieben das Fahrrad im Park. Wenn Null aber die Anzahl der übrigen Gehirnzellen sind, hat die Ma(r)ter vollkommenen Sinnesverlust erreicht. Komplette Enthirnung, der Wahn ist inkludiert, nur eben leider in die unverständliche "berechnete Illusion". Was soll das sein? Die Matrix, der mit blauer oder roter Pille entkommen werden kann? An Computer kann ich da denken, an Maschinen, an zu Emotion komplett unfähige Psychopathys, die natürlich den emotionalisierten Menschen, die lieben und geliebt werden wollen, nur Ma(r)ter bieten können, keine Wohlgefühligkeit.
Viellicht ist die Formulierung aber auch einfach weniger durchdacht als berechnend hinkonstruiert.

Die Verrücktheit lag ja nah, ein Mensch wird emotional zerquält, das muss ja den Verstand umbringen, ein Umstand, der einem verbringen am Marterpfahl gleicht. Gehirnzellen also Null, das ist berechnete Boshaftigkeit, da passt natürlich noch andere Mathesprache ins Schema.
Das Problem aber mit Schemata ist leider: sie rechnen sich nicht. Die Wirkung tritt nicht häufig ein. Meistens steht die Analogie schief verpflockt in der Erde, die Ungerade verdrängt gerade die Eindringlichkeit des Bildes. Als Lesy sitze ich schweigenden Auges davor, kein Wort reicht an den Horizont meiner Gedanken.

Und dann kippt ohnehin das Bild. "Gib deiner Sucht nach mir den letzten Schuss" ist komplette Schubumkehr, denn nun zwingt das Psychopathy plötzlich nicht mehr das fühlige Menschlein in Emofolter, sondern darbt offensichtlich selbst in süchtelnder Hingezogenheit, einer Besessenheit, die durch Exitus nur überwindbar scheint. Daher vielleicht auch der unmotiviert reinstauchende Engel, der gewissermaßen postmortal und überhöht vokabilisiert "darniederfährt", als hätte er die Lutherbibel verfrühstückt, bevor er beherzt und beschlagen zur Rettung heranrauscht wie ein beflügelter Sanitäter.
Worin genau die Wiederbelebungsprozedur besteht, ist unklar, an das Dopamin von vorher will ich denken ("Behandlung emotionaler und vor allem körperlicher Schockzustände"), aber dann wird nur Blut in den Kreislauf zurückgepumpt. Der Engel ist weniger Sanitäty als eher von der Freiwilligen Feuerwehr; pumpt wie ein großer und wiederbelebt, was - und hier wird es unverständlich - Unverständnis war. Na, das ist falsch interpretiert, der falschen Verpflockung wegen, da ist Rezensenty selbstverliebt. Mir jedenfalls ist unklar, wie ein Leben etwas verstehen oder eben nicht mehr verstehen kann. Ein Leben ist ja kein Organismus, kein Gehirn, kein Subjekt, es ist ja mehr ein Zustand, ein Dasein, eine objektive Eigenschaft von etwas oder jemandem, zu Reflektion jedenfalls eigentlich oder zumindest gewöhnlicherseits und üblicherhaft eher unfähig.

Nun ist Lyrik ja nicht ausschließlich angehalten, Sinn zu ergeben. Hilfreich aber ist schon eine Sprache, die in sich bleibt, Bilder, die sich auf einander oder wenigstens miteinander beziehen. Klar kann Kontrast nie schaden, um eine Situation quasi durch Scherenschnitt zu vergröbern, vergrößern und damit zu verdeutlichen. Durch den Schattenwurf erst wird mir das Licht bewusst et cetera. Nur ist da die Gegenläufigkeit in diesem Text nicht aufschlussreich, nicht erhellende. Und beginnend mit zwei orthografischen Schnitzern (vorsichtig ausgedrückt) lässt der Text eine unsubtile Unabsicht vermuten.
Kann natürlich täuschen, der Text deutet ja Berechnung an, will Konstruktion zwinglich erdeutlichen. Berechnete Illusion. Zugleich klingt es mehr nach BotArt, wie Beethovens Vollendete Zehnte. Könnte echt sein, ist aber vielleicht doch nur durch Null dividiert.

Fühle mich nicht von der Dichtigkeit des Textes überzeugt, nicht gema(r)tert zwar, aber habe sehr das Gefühl, da hätte Dichty noch ein bisschen länger mit schwanger gehen können, bevor hier exponiert wird. Andererseits ist hier ja Werkstatt, da kann auch mal ein grober Span fallen.


So genial. Danke!

Gruß,

Eulenbaum
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