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Abendmahl mit jungen Millionären


 

 
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Mic000
Schreiberling


Beiträge: 167



BeitragVerfasst am: 06.08.2019 22:18    Titel: Abendmahl mit jungen Millionären eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo zusammen!
Ich präsentiere euch jetzt den Anfang einer Erzählung und würde sehr gerne eure ehrliche Meinung darüber hören! Auch harsche Kritik kann ich vertragen Razz
Sagt bitte auch Bescheid, ob ihr Interesse hättet weiterzulesen.

Abendmahl mit jungen Millionären
Man kannte diese Männer nur mit ihrem nom de scène, einem stets wohlklingenden Kompliment, das den Träger mit charmanter Schmeichelei und Pomphaftigkeit zu ummanteln verstand. Überhaupt war jedes Mitglied dieser Gesellschaft ein einziges Glitzerwerk, doch würde man behaupten, dass alles bloß Schein sei, so täte man Unrecht, man erläge gar dem eigenen Dünkel. Denn hinter jedem Mann stand ein Werk, oft grässlich und grausam, doch eben ein Werk, geschaffen mit seinen Händen und seinem Verstand, etwas das die gerade Linie eines Menschen gebrochen und dem Laufrad des Lebens eine empfindliche Kerbe eingeschlagen hatte. Man konnte sie hassen, wenn man über sie sprach - jedoch habe ich nie jemanden gesehen, der ihrem Charme nicht erlegen wäre. Ich freilich wusste um ihre Tücke Bescheid und um ihre Fehler. Ich konnte einordnen und Zeuge sein. Und es war herrlich anzusehen.
So trat als erster Balthasar ein, der verantwortlich für den Skandal von Toulon gewesen war, ein schlanker Kavalier von mittlerweile Ende dreißig, auffallend modisch gekleidet und mit jenem spitzbübischen, verschmitzten Lächeln bewaffnet, das Zeugnis früherer gesellschaftlicher Siege und Eroberungen war. Mit seinen schwarz gelackten Schuhen steppte er behänd wie ein Tänzer durch den Raum. Man würde sagen, dies war ein sogenannter “Anblick”, einer jener magischen Momente, die ohne Vorwarnung das Auge fesseln und den Blick des Betrachters zu einem lähmenden Starren verkommen lassen. Doch neben all’ dem glühenden Schein, neben all’ dem wundersam frohen Gestikulieren und dem funkelnden Lächeln, konnte eine Tatsache nicht unbeachtet bleiben, die, einmal entdeckt, wie ein Unkraut in diesem fabelhaften Garten wucherte. Denn, wie es so schön heißt, ist die Schwäche dieser gewandten Männer ihre Angst vor dem Alter, die zwar sehr langsam kriechend daherkommt, zumindest aber trotz aller Eigenliebe fortschreitet. So war Balthasar stark pomadisiert und stank nach dem neuesten parfum de Paris. Nach ihm kam Athos in unsere Halle, bekannt durch seine historische Wette der sechs Frauen. Sein gleichsam beschwingter Schritt verriet größte Selbstsicherheit, als wollte er verkünden: Seht her, meine Freunde, hier ist ein Mann, der auch jetzt noch zu einer ebensolchen Wette fähig wäre! Seine Kleidung entsprach dem ausgefallenen Geschmack eines Individualisten, orientierte sich aber dennoch tadellos an der aktuellen Mode, wohingegen sein Lachen von ausgesprochener Reinheit gezeugt hätte, wenn er nicht in den letzten Jahren der Angewohnheit zum Opfer gefallen wäre, die Gesichtshaut dabei mit den Handflächen nach hinten zu ziehen, um den Wangen eine vollständigere Glätte zu verleihen. Der Dritte, der in den Raum stolzierte, hatte seine Taten unter dem Namen David vollbracht, ein Mann von großem Wuchs und erstaunlicher Kraft, der in seinen aufregenden Jahren wie ein Stier in der Gesellschaft gewütet hatte - freilich wie ein Stier mit dem Charme eines Offiziers und der Keckheit jugendlicher Frische. Treu seines Selbstporträts trug er einen fast militärischen Anzug in den dunklen Blautönen der kaiserlichen Marine, der in seinem engen Schnitt allerdings auf die gleiche Weise, wie er früher seinem Körperbau geschmeichelt hatte, nun jene misslichen Entwicklungen auftat, die ein durchzechtes Leben in aller Unliebsamkeit leider mit sich führt. David schob seinen Körper gemächlich in Richtung der Tafel und angesichts seiner finsteren Miene darf wohl gemutmaßt werden, dass das Zusteuern auf einen ungedeckten Tisch ein durch Gewohnheit bedingtes Unbehagen bei ihm auslöste.
In wenigen Minuten füllte sich der Saal mit immer neuen, extravaganten Gestalten, die sich in unterschiedlichen, doch stets pompösen Gesten auf ihre angeordneten Stühle schwangen. Jede Bewegung folgte einem über Jahre einstudierten Muster, das erfolgserprobt mit der Präzision eines Uhrwerks in behänder Beiläufigkeit seine Ausführung erlangte. Ein Winken mit der Hand bestand beispielsweise bei allen Anwesenden aus drei Akten. Im ersten Akt wurde der Körper in Position gebracht. Obwohl jeder Charakter seine eigenen Nuancen dabei zeigte, blieb doch stets der Rumpf bei der Drehung starr, um zu signalisieren, dass der Betreffende gewissermaßen eine Person von Rang sei, der ein gravitätisches Benehmen bis zur Grenze der Unhöflichkeit durchaus zustand. Allerdings fand eine leichte Schulterrotation statt, der durch ein Heben des Unterarms durch Abknicken des Ellenbogens eine Bedeutung verliehen wurde. Dagegen hing die Hand noch schlaff herab, um nicht das Missverständnis aufkommen zu lassen, das Winken sei eine automatisierte Bewegung, die durch Erziehung, Anstand und gesellschaftliche Konvention hervorgerufen worden sei, was ja unweigerlich als Unterordnung unter die bestehenden Verhältnisse interpretiert werden musste. Man empfand sich schließlich gleichfalls als notwendiges Bauteil im Schöpfungsgebäude, wie auch als Zierde, als schön angebautes Türmchen mit prächtigen Zinnen, das von einem unzugänglichen Burggraben umgeben war.
Der zweite Akt unterstand vollends der Vielfalt menschlichen Einfallsreichtums und reichte von einem kurzen Zucken bis zu salbungsvollen, kunstfertig erdachten Schwingungen, die ihrerseits wiederum aus mehreren Szenen zusammengesetzt waren. Der einzige Zweck bestand darin, ein unauslöschliches Merkmal in das Gedächtnis des Gegenübers einzupflanzen und sich so in minimaler Form der Unsterblichkeit näherzubringen. Die Conclusio, eine auf Wertung und Abwertung zielende Schlussarie des Ganzen, war Kernstück des dritten und letzten Aktes. Fast ebenso individuell gestaltet, dominierte hier aber die Nonchalance im Zurückziehen der Hand, die Überlegenheit und Desinteresse zusammen mit einem tückischen Lächeln in perfekter Synthese vereinigte.
Man stelle sich nun vor, wie hervorragend diese Helden der Gesellschaft sich auf ihren Gebieten durchzusetzen im Stande waren und wie bunt gemischt sich die Vertiefungen in unterschiedliche Bereiche darstellten. Da waren Meister der Sprache, die nicht nur mit Worten zu jonglieren wussten, sondern die aus Lauten eine kleine Sinfonie formten, und ihren melodischen Singsang auf andere niederrieseln ließen. Nicht minder beeindruckten diejenigen, die es schafften, mit bloßer Körperhaltung mehr auszudrücken als mit Worten zu bewerkstelligen war, die sich in wenigen Sekunden in geradezu magischer Weise und scheinbar ohne Mühe hervortun konnten und denen man ansah, dass dort ein Mann stand, dem der höchste Respekt gebührte. Ein Maler kreiert Bilder, ein Schriftsteller Romane, ein Komponist Musik und alle verbindet, dass sie aus den Tiefen ihrer Kreativität etwas gebären, was man gemeinhin als Kunst bezeichnet, und gleich diesen fällt derjenige in solche Kategorien, der sich selbst in der Gesellschaft produziert und somit ein leibhaftiges Werk darstellt, der sich selbst als Objekt erschafft und somit auf die intrinsischste Art Kunst zum Leben erweckt, ein Charmeur, ein Kavalier, aber viel mehr noch ein Psychologe, der sich seiner Macht über die Menschen bewusst ist und in jeder Situation bedeutenden, ja furchterregenden Einfluss ausübt und als lyrischer Feldherr die absolute Kontrolle verkörpert.

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kioto
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 66
Beiträge: 337
Wohnort: Rendsburg


BeitragVerfasst am: 07.08.2019 13:57    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Hut ab, du beherrscht die Schreiberei exzellent. Dieser mit Adjektiven und Bildern gespickte Text trieft vor Spott und Satire.
Der altertümliche Stil erinnert mich an Dumas und Maupassant, dazu etwas Hofberichterstattung der Gala.
Gerne gelesen aber leider kein Text für mich.
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Christof Lais Sperl
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 58
Beiträge: 426
Wohnort: Hangover
Der silberne Roboter


BeitragVerfasst am: 07.08.2019 14:24    Titel: Klasse! Antworten mit Zitat

Respekt! Bitte mehr. Frage: behend oder behänd?
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Pickman
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 52
Beiträge: 547
Wohnort: Diaspora


BeitragVerfasst am: 07.08.2019 21:39    Titel: Antworten mit Zitat

Fürwahr, Du verstehst dich auf die hohe Kunst des Schreibens, eine jener A des B, die nicht jedem gegeben ist, der einen Griffel halten oder auf die Tastatur einer Schreibmaschine, sei sie mechanisch, elektrisch oder gar programmierbar, klopfen kann, sondern nur denjenigen vorbehalten bleibt, die sich durch zehn Prozent Genie und neunzig Prozent übenden Fleiß die Fähigkeit erworben haben, die richtigen Worte an die richtige Stelle zu setzen und die Sätze so lange zu drechseln, dass man am Ende des Wortwurms nicht weiß, auf welcher Seite er begonnen hat durch das Buch zu kriechen.

Kurz und klein: Dieser Stil scheint mir zu Recht aus der Mode gekommen zu sein, denn er ist ausgesprochen ermüdend zu lesen.
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Kojote
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 29
Beiträge: 205
Wohnort: Wurde erfragt


BeitragVerfasst am: 08.08.2019 08:23    Titel: Antworten mit Zitat

Vielleicht habe ich irgendwo schon erwähnt, dass ich Hobby-Magier bin. Und ich bedaure, aber ich kenne Kollegen von mir, für welche nicht Spaß und Unterhaltung im Vordergrund stehen, sondern die ganz schön dick auftragen und lustige Verrenkungen und Fingerübungen mit Billardbällen, Seilen und dergleichen machen; die quasi prahlen, wie behände sie ihr Handwerk ausüben.

Genau so verhält es sich hier.

Zunächst stören die Schachtelsätze. Ja, auch ich mag einen konservativen Sprachgebrauch. Meine heimliche Verehrung gilt den 1950er Jahren. Aber das hier ist nicht Fünfzigerjahre, sondern 16. Jahrhundert.

Schließlich ist der Satzbau so gestaltet, dass ich ehrlich gesagt meine liebe Mühe habe, den Inhalt des Textes zu verstehen. Ich lese und lese und lese und dennoch erfasse ich den Inhalt nicht. Vom "Was will uns der Künstler sagen?" noch gar nicht gesprochen.

Sicher hast du viel Mühe reingesteckt, aber sorry, nichts für mich.
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Mic000
Schreiberling


Beiträge: 167



BeitragVerfasst am: 08.08.2019 09:21    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo zusammen und erstmal vielen Dank an alle fürs Lesen!

So wie es aussieht, konnte sich leider nur einer von vier Lesern für den Text begeistern.

@Christof: Ich werde dann eine Fortsetzung posten, wenn ich noch ein, zwei Meinungen erhalten habe.

@Christof: Ist behend und behänd nicht das gleiche? https://de.wiktionary.org/wiki/beh%C3%A4nde

@Pickman: Ich würde behaupten, dass es nicht daran lag, dass der "altmodische Stil" "ermüdend zu lesen" ist, dass er aus der Mode gekommen ist, sondern dass es andere Gründe dafür gab. Ich persönliche lese "alte" Klassiker sehr gerne. Nichtsdestoweniger entschuldigt dies nicht, dass mein Schreibstil ermüdend zu lesen ist.

@Kojote: Soweit ich die Erzählung gepostet habe, soll beim Leser bisher nur Neugier entstehen, um was für eine Gesellschaft es sich da handelt. Mehr Story kommt dann etwas später... wohl zu spät, wenn der Text den Leser nicht packt.
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wunderkerze
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Beiträge: 94



BeitragVerfasst am: 08.08.2019 16:57    Titel: Antwort Antworten mit Zitat

Christof: Ist behend und behänd nicht das gleiche?

Nein, kommt von Hand.
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Mic000
Schreiberling


Beiträge: 167



BeitragVerfasst am: 08.08.2019 18:14    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@wunderkerze: Siehe Link: frühere Schreibweise ist behende, da es von "bi hende", i.e., "bei der Hand" kommt. Erst seit 1996 schreibt man behände mit ä.
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timcbaoth
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 106



BeitragVerfasst am: 10.08.2019 17:13    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Inkognito

Mir gefällt dein Text ausnehmend gut. Der Stil ist sehr pointiert und versteht, den Leser in eine andere Zeit zu transportieren. Obwohl in diesem Fragment noch kein Plot vorhanden ist, gefällt mir sehr, wie jeder Satz Spannung erzeugt und auf den nächsten hoffen lässt. Die Sätze sind für die heutige Zeit durchaus lang. Probleme, ihnen zu folgen, hatte ich trotzdem nicht. Stilistisch triffst du für mich den Nagel auf den Kopf.

Bevor ich von den pomadierten Gesichtern gelesen habe, dachte ich etwa an die goldenen Zwanziger, würde die Geschichte aber aufgrund der Gepflogenheiten doch einem erheblich früheren Zeitpunkt zuordnen.

Auch bin ich gespannt, welche Rolle dem Erzähler zukommt. Er beobachtet das Geschehen durchaus kritisch bis sarkastisch. Ich frage mich, ob er als handelnde Person auftreten wird, oder nicht.

Persönlich würde ich sehr gerne mehr lesen.

Gruss
Tim
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Mic000
Schreiberling


Beiträge: 167



BeitragVerfasst am: 10.08.2019 19:31    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo timcbaoth,

vielen Dank fürs Lesen und schön, dass es dir auch gefallen hat!

Über den Ich-Erzähler und die weitere Geschichte möchte ich eigentlich nichts verraten Razz, aber ich poste mal eine Fortsetzung.
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Mic000
Schreiberling


Beiträge: 167



BeitragVerfasst am: 10.08.2019 19:35    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Die Begegnung mit einem dieser Männer brachte nicht nur die Bäckchen eines unerfahrenen Jünglings zum Glühen; selbst alteingesessene Würdenträger, in ihren Anschauungen bleiern und unnachgiebig, konnten sich diesem merkwürdigen Zauber nicht entziehen, der das Herz in eine kleine Aufregung zu versetzen vermag, die aber ausreichend ist, um dem Verstand die vollständige Objektivität abspenstig zu machen. Es war geradezu lustig anzusehen, wenn ein gelehrter Mann auf einen Pfad abseits seines geistigen Komforts gedrängt wurde, sich dort auf eine unmanierliche Weise vergaß, nur um dann später fassungslos den Kopf über seine eigene Unfähigkeit und Unreife zu schütteln.
“ - als Doppelstück sozusagen”, erläuterte ein junger Mann, der einen Hut mit Pfauenfeder recht schief und ohne Sorgfalt trug, einem anderen, der, ganz adrett angezogen, zusammen mit ihm in den Saal eingetreten war. “Und die Alte soll den Obolus zahlen?”, warf dieser mit einem mitleidigen Lächeln ein, “das klingt mir ganz nach einer einfallslosen Romanze, nach einem klassischen Zweiakt-Rendezvous. Nach der Pinselei folgt die exposition. Und die ist nicht einfacher zu haben. L’amour d’une mère est toujours dans son printemps. Mit Verlaub, Enzo, aber diese Konstruktion ist nicht der Rede wert, auch nicht wenn die Tochter eine noch so bezaubernde und fromme Schönheit ist.”
Trinité, mein Lieber, trinité. Es gestaltet sich alles ganz anders”, erwiderte Enzo gelassen, ohne auf die herablassende Rede seines Gegenübers einzugehen, “Die beiden Damen bilden das Doppelstück, aber es gibt noch einen dritten Spieler, den Bruder des Verblichenen. Mit dem mache ich den Anfang, hier beginnt die Koketterie und ich werde sein innig geliebter Freund. Dann führt er mich in das Leben der beiden Damen ein und ich werde nicht nur die jüngere becircen, sondern auch die grande dame. Jetzt  bespiele ich den Bruder, dass er für die Alte fällt, und schon ist die Schlinge gezogen. Dann ist die Jungfrau dran und nach guter Manier vergnüge ich mich mit ihr, bis ihr das Herz ganz schmerzlich vor Liebe brennt. Ich setze sie in Kenntnis von den Machenschaften ihres Onkels und wir schmieden Pläne, diese Schande abzuwenden, notfalls wollen wir sogar dessen geehrte Frau involvieren. Das Finale, ein wohlgeplantes in flagranti, bei dem das junge Küken und ihr Onkel mich und die Dame ertappen, mag ein wenig einfallslos sein. Aber alle zahlen am Ende den Obolus. Was haltet Ihr jetzt davon, Hugo?”
“Na, das Finale gefällt mir nicht”, antwortete dieser, “Ihr könntet das Küken in einem Nachspiel trösten, den Ausbruch mit ihr planen und sie dann in der Kutsche zurücklassen.”
“Ja, mag sein”, gab Enzo zu,  “aber dann fehlt der laute Knall. Es soll schon ein Feuerwerk in Glanz und Gloria geben.”
“Das ist so typisch für euch junge Burschen”, sagte Hugo fast ärgerlich, “Es muss immer alles puffen und lärmen! Der wahre Skandal ist nicht der, der in den Zeitungen steht, sondern die Aufruhr in den Herzen der Spieler. Gehe so vor: Sobald die Alte bespielt ist, mache dem Bruder ordentlich Feuer, dass er sich ganz für sie verzehrt. Ist er wahnhaft, bringe die Junge ins Spiel und erkläre ihr, dass ihr Onkel dein treuer, bester Freund und Gefährte ist und dass sie die Kupplerin für ihn und ihre Mutter geben muss. Da wird sie richtig schön gemahlen! Aber die Mutter wird ablehnen und Verdacht schöpfen. Dem Bruder spielst du die Botschaft zu, dass du von einem Brief Kenntnis hättest, der die Mutter durch einen Liebhaber kompromittiert.”
“Und dann?”, fragte Enzo.
“Dann rufen dringende Geschäfte und im nächsten Moment seid Ihr verschwunden”, beendete Hugo und strich sich wohlwollend über seinen tadellosen Anzug. Er schien sehr zufrieden mit seiner Version des Stücks, der er offensichtlich viel mehr gestalterisches Genie zusprach als Enzos Variante und sein Gesicht zeigte deutlich, dass er jetzt am liebsten jubelnde Zustimmung erfahren hätte. Doch Enzo dachte nicht daran, ihm diesen Triumph zu gewähren und sagte trocken: “Ganz nett, ganz nett. Aber der entscheidende Moment wird fehlen und am Ende stehe ich nicht lachend auf einem Thron und sehe die anderen verzweifeln, sondern kann mir den Sieg lediglich erdichten.” Dieser Satz war mehr als bloße Stichelei und am hochroten Kopf Hugos war klar erkennbar, dass dieser den kleinen bösartigen Vorwurf nicht überhört hatte. Bevor er zum Gegenschlag ausholen konnte, stieß Nathan zu den zwei dazu.
“Der junge Enzo scheint dir ja übel zuzusetzen”, lachte er und klopfte dem zornigen Hugo auf die Schulter.
“Ich setze gar nichts zu”, spottete Enzo, der sofort die Gelegenheit zum erneuten Angriff nutzte, “Talent spricht eben für sich.”
Nathan prustete los vor Lachen. “Es geht doch nichts über das Feuer der Jugend. Aber vergiss nicht, Enzo, unser lieber Hugo hat damals einen Minister gefoppt, da war er gerade mal so alt wie du. Den hat er gerädert, bis der seine Frau fast totgeschlagen hat.”
“Wie lange ist das her?”, fragte Enzo und blickte herausfordernd zu Hugo.
“Auch jetzt habe ich Eisen im Feuer”, schimpfte Hugo ohne Zurückhaltung, “Dein dämliches trinité! Ich habe den dicken Rausberg an der Angel, einen Deutschen, der mit Wertpapieren handelt. Den tunke ich ganz ordentlich in den Zuber.”
“Soweit ich informiert bin, beißt Ihr da schon länger”, sagte Nathan mit einem Schmunzeln, dem die Rivalität der beiden einen famosen Spaß bereitete.
“Von wegen Zuber! Der Rausberg planscht noch ganz vergnügt, möchte ich meinen”, fügte Enzo mit einem höhnischen Grinsen hinzu.
“Einfallspinsel!”, rief Hugo unbeherrscht, “Der Rausberg ist nicht das Ziel, Dubois ist’s!”
“Der Bonbon-Dubois?”, fragte Nathan.
“Jawohl, der!”
“Na, da mögt Ihr wohl keine Bonbons?”
“Den werde ich knöpfen!”, schrie Hugo.
“Na, köpfen oder knüpfen?”
“Lump! Ich nagel den Kerl an den Rausberg und dann lasse ich Rausberg stiften gehen.”
“Und schon gibt es keine Bonbons von Dubios mehr”, lachte Nathan vergnüglich.
“Ach was”, erwiderte Hugo, der sich zu beruhigen begann, “Die Bonbons sind Nebensache. Der Dubious wird sich aber knüpfen, das sag’ ich euch. Nie wird jemand toter an der Decke baumeln!”
“Das Ganze scheint mir nicht gemeißelt, mein Lieber”, sagte Enzo, scheinbar ganz ernsthaft, aber der Schalk saß unverkennbar in seinen Augen, die Hugo wie eine Beute fixierten. Er war offenbar noch nicht gesättigt und wollte Hugo weiter reizen.
“Nun, so fehlt Euch Fantasie”, schnaubte dieser, “Der Dubois sitzt schon im Glockenspiel und wo es klingelt, da springt er hin.”
“Was wartet Ihr dann noch?”
“Die Börse muss noch krachen!”
Enzo schüttelte sich vor Lachen, obgleich der Anfall auch nur Spielerei sein konnte. “Die Börse muss noch krachen! Hört Ihr das, Nathan? Die Börse muss noch krachen! Da fehlt der Mörtel doch massiv und Dubois schluckt ein Bonbon nach dem nächsten!”
“Und trinité? Das lahmt doch an jeder Ecke!”, fauchte Hugo, der sich auf verlorenem Posten sah und nun seinerseits zum Angriff überging, “Da ist zu viel Gefühl im Spiel! Den Bruder auf zweierlei Art zu knacken, das vermögt Ihr nicht! Und doch wäre das erst der Anfang!”
“Der Bruder ist ein beflissener Christ. Den brauche ich nur einmal in eine spaßige Grube zu stupsen, da kommt er nicht mehr raus”, salbaderte Enzo vergnüglich, der allem Anschein nach nur auf diese Flanke gewartet hatte. Doch bevor er weitersprechen konnte, schaltete sich Nathan ein.
“Nicht weniger als vier Frauen sitzen jede Woche beisammen und trinken Tee. Und nicht irgendwelche Frauen! Es sind Blaublüter ersten Ranges und alle haben in derselben Woche ihre treuen Ehemänner betrogen und gestehen sich gegenseitig ihre Schuld. Aber warum tun sie das? Weil sie in ihren erbärmlichen Herzen eine Liebeshoffnung tragen, eine Hoffnung, deren sie sich nicht erwehren können, so schmerzlich pocht das zum Greifen nahe Glück. Ach, welch’ himmlische Versuchung, welch’ einmalige Chance der Tristesse zu entkommen und mit einem einzigen Wurf das Schicksal in jene Bahn zu bringen, über die man nie wirklich zu sprechen wagt, deren Existenz stets nur unter vorgehaltener Hand zugegeben wird.”
“Eine imposante Schlinge”, erwiderte Hugo beeindruckt.
“Und das Finale? Suicide?”, fragte Enzo.
“Ja und nein”, erklärte Nathan, “Ein Betrug für das himmlische Glück muss schließlich im Flammenmeer Luzifers enden. Ich will, dass die vier sich gegenseitig richten und, wenn es gelingt, soll das Ganze auf einem Scheiterhaufen unter aller Augen stattfinden.”
“Teufel! Selbst Lucas wäre stolz auf dieses Unterfangen.”
“Aber das letzte Szenario ist zu vage”, gestand Nathan, “Ich habe viel gearbeitet, doch mir scheint, der vollständige Sieg wäre nur dem Zufall zu verdanken, und damit kein wahrhafter Sieg.”
“Nun, so denkt weiter nach! Potential hat die Geschichte allemal. Und Lucas würde sie beenden!”
“Ja, Lucas würde es schaffen.”

Ich wandte mich ab und sah Balthasar auf mich zukommen, der in mir seit jeher einen Verbündeten wähnte, auch wenn mir nicht klar war, wie ich dieses Vertrauen verdiente, oder besser gesagt, warum es überhaupt irgendeinen Mann unter diesen Gentlemen gab, der sich jemandem anvertraute. ...

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timcbaoth
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Beiträge: 106



BeitragVerfasst am: 10.08.2019 22:40    Titel: Antworten mit Zitat

Stilistisch gefällt mir auch der zweite Teil - er erinnert durchaus an Dostojewski, den ich sehr gerne lese. Ich muss jedoch sagen, dass mir die Streiche der Gentlemen hier etwas zu lange ausgeführt werden. Der letzte Satz allerdings verspricht Handlung, was mich hoffen lässt.

Einzige Anmerkung: "Einfallspinsel" sollte wohl Einfaltspinsel heissen. (Falls es eine Anspielung auf Hugos Unbildung sein soll, so sehe ich hier das Problem, dass die Aussprache nur schwerlich von der korrekten unterschieden werden kann und man deshalb den Fehler eher beim Autor vermuten würde.)
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Mic000
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Beiträge: 167



BeitragVerfasst am: 10.08.2019 22:55    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ja, soll natürlich Einfaltspinsel heißen.

Vielleicht sollte ich bei beiden geposteten Teilen dann doch noch etwas kürzen...
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MoL
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Das bronzene Stundenglas


BeitragVerfasst am: 11.08.2019 08:07    Titel: Antworten mit Zitat

Hey lieber Inko!

Gefällt mir sehr gut! Sprachlich, stilistisch, inhaltlich. Auch wenn ich zugegebener Maßen bei dem Dreierplan nicht so recht durchblicke, was Durchführung und Motivation anbelangt.

Überhaupt darf jetzt gerne mal langsam das Warum und Wohin in Sicht kommen.

Ich würde sehr gern noch mehr davon lesen. Smile

Ein winziger Hauch Meckerei: Die Wörter "lustig" und "schrie" sind mir beim Lesen einen Halbton daneben, die brechen mir etwas zu sehr aus der sonstigen Sprache aus.
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Mic000
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Beiträge: 167



BeitragVerfasst am: 14.08.2019 12:19    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi MoL,

danke fürs Lesen und cool, dass es dir gefallen hat!

Ich kann dir auch die ganze Geschichte mal als PN schicken, wenn sie fertig ist (ich feile gerade noch am letzten Kapitel, aber komme jetzt bei der Arbeit wieder kaum zum Schreiben leider).

Das mit "lustig" und "schrie" ist mir persönlich nicht so aufgefallen, werde die Geschichte aber in Bezug darauf nochmal lesen, danke für die Anmerkung!
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fabian
Geschlecht:männlichSchreiberling


Beiträge: 197



BeitragVerfasst am: 14.08.2019 19:14    Titel: Re: Abendmahl mit jungen Millionären Antworten mit Zitat

Inkognito hat Folgendes geschrieben:
Hallo zusammen!
Sagt bitte auch Bescheid, ob ihr Interesse hättet weiterzulesen.

Du fragst – ich antworte: Nein, würde ich nicht.

Nach meinem Empfinden ist der Text durchaus gekonnt ausformuliert, aber wozu?

Die Erzählstimme deckt sich in ihrem Gestus mit dem, von dem sie spricht, und da sie diesen Gestus beherrscht, ist sie wohl Teil vons janze – und damit nicht meins.
Mir erscheint es l'art pour l'art.
Aber – wie gesagt – gekonnt formuliert, am Stil ist nicht viel zu meckern bis auf ein paar Kleinigkeiten, die für mein Gefühl nicht stimmen.
Irgendwo schwingen sie sich auf Stühle, wenn ich mich recht erinnere – das klingt bloß albern. Und – im Gegensatz zu der Sprache, die mich gefühlsmäßig 200 Jahre zurück orientiert, bleibt der Text von der Gegenständlichkeit der Szene her anfangs eigentümlich zeitlos. Erst mit der Pfauenfeder und dem Kaiser (welchem auch immer) wird es so konkret, dass Erzählstimme und Szene für mich zeitlich in eine Ebene gehören.
Bleibt als letzte Irritation noch der Titel:
der hat mich erstmal in Richtung New Economy gestupst.

-- just my 5 ct
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poetnick
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 57
Beiträge: 523
Wohnort: Möglichkeiten


BeitragVerfasst am: 15.08.2019 13:48    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

habe mich, um es gleich vorweg zu sagen, gerne in den Bildern, Charakterisierungen und Milieubeschreibungen Deines Textes bewegt.
Die durchaus ausufernden Beschreibungen, bis hin zu den in verschwindenen Tiefen wahrgenommenen Details, bringen mir als Leser doch eine Bandbreite von Eindrücken, die in Abhandlung von Fünfwortsätzen wohl nur abstrahiert vermittelt werden könnten.
Dazu gesellt sich noch dieser ironisch gewirkte Unterboden des Duktus, der das ganze schwere Sprachgewand tragbar und durchlässig gestaltet.
Der Stil spricht mich an; vorausgesetzt dass dieser Einleitung bald eine von mir ersehnte Handlung lebendiger Akteure, Charaktere hinzuträte, die aus einem lupenhaft vergrößerten Wachsfigurendasein in Aktion treten.   
Es war beim ‚Zauberberg‘ , wo ich mir an manchen Stellen ungeniert und ungeachtet der Weihrauchaura des Autors, ein ‚Querlesen‘, das sich bei Bedarf über mehrere Seiten erstreckte, verordnet habe. Ich denke, in solche Zwickmühlen sollte man seine Leser, bei aller Freude am Sprachgebrauch und der Vollendung wundersamer Schleifen nicht hineinwerfen.
Was mir an Deinem Text auch Freude macht, ist die Weite seines genutzten Vokabulars, das  wohltuend entfernt ist von den Ebenen abgemagerter Beschreibungen in Stakkatosätzen.
Nun möchte ich jedoch nicht das Eine gegen das Andere stellen. Ich kann mir vorstellen dass Du Deine Leser findest. Für mich ein Auftakt der mein Interesse weckt; allerdings mit dem Drang, der Erwartung nach Bewegung, die die gemachten Beobachtungen anreichert und in Schwingung bringt.


Zitat:
Ein Winken mit der Hand bestand beispielsweise bei allen Anwesenden aus drei Akten. Im ersten Akt wurde der Körper in Position gebracht. Obwohl jeder Charakter seine eigenen Nuancen dabei zeigte, blieb doch stets der Rumpf bei der Drehung starr, um zu signalisieren, dass der Betreffende gewissermaßen eine Person von Rang sei, der ein gravitätisches Benehmen bis zur Grenze der Unhöflichkeit durchaus zustand. Allerdings fand eine leichte Schulterrotation statt, der durch ein Heben des Unterarms durch Abknicken des Ellenbogens eine Bedeutung verliehen wurde. Dagegen hing die Hand noch schlaff herab, um nicht das Missverständnis aufkommen zu lassen, das Winken sei eine automatisierte Bewegung, die durch Erziehung, Anstand und gesellschaftliche Konvention hervorgerufen worden sei, was ja unweigerlich als Unterordnung unter die bestehenden Verhältnisse interpretiert werden musste.


An dieser Stelle fühlte ich mich unwillkürlich an Charlie Chaplin erinnert und – ich musste lachen, hoffe es war Dir nicht zu ernst damit.  

Liebe Grüße - Poetnick



Sehe gerade, dass ich spät dran bin - Du hast schon eine Fortsetzung nachgereicht  Embarassed ; bin gespannt!
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MoL
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Beiträge: 1287
Wohnort: NRW
Das bronzene Stundenglas


BeitragVerfasst am: 16.08.2019 07:23    Titel: Antworten mit Zitat

Inkognito hat Folgendes geschrieben:
Hi MoL,

danke fürs Lesen und cool, dass es dir gefallen hat!

Ich kann dir auch die ganze Geschichte mal als PN schicken, wenn sie fertig ist (ich feile gerade noch am letzten Kapitel, aber komme jetzt bei der Arbeit wieder kaum zum Schreiben leider).

Das mit "lustig" und "schrie" ist mir persönlich nicht so aufgefallen, werde die Geschichte aber in Bezug darauf nochmal lesen, danke für die Anmerkung!


Sehr gerne! Smile


_________________
"Hexenherz - Eisiger Zorn", acabus Verlag, Februar 2017.
"Die große acabus-Jubiläumsanthologie", acabus Verlag, Oktober 2018.
"Hexenherz - Glühender Hass", acabus Verlag, Januar 2019.
NEU - NEU - NEU:
"Die Tote in der Tränenburg", Alea Libris, 31. Oktober 2019.
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Mic000
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BeitragVerfasst am: 17.08.2019 12:15    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi,

vielen Dank für die neuen Leser smile

@fabian
Als ich deine Antwort gelesen habe, dachte ich unwillkürlich selbst daran, wozu ich das eigentlich schreibe? Weil es mir Spaß macht? Weil ich andere unterhalten möchte? Weil ich einfach einen inneren Drang spüre? Ich kann es ehrlich gesagt gar nicht genau sagen. Für diese spezielle Geschichte hatte ich zuerst eine Idee, ein Motiv im Kopf, über das ich schreiben wollte. Hier will ich nicht zu viel verraten, aber bisher kam ein Teil davon schon im Text vor: die Manipulation von anderen und die damit verbundene Verirrung des Gewissens.
Tja, ich will aber auch einfach, dass die Geschichte dem Leser gefällt, sei es meiner Eitelkeit oder meiner Aufgabe als Schreiber geschuldet. Deshalb denke ich immer sehr darüber nach, warum jemand wie du nicht weiterlesen möchte und was ich ändern könnte, um es besser zu machen. Daher bin ich dir für deine Ausführungen sehr dankbar!

@poetnick
Hey wow, du hast dir ja unglaublich viel Mühe mit deinem Feedback gegeben. Das zeigt mir mal wieder, dass die Community hier wirklich großartig ist! Ich glaube, ich kann soweit mitnehmen, dass ich aufpassen muss, mich nicht zu sehr in Details zu verlieren, sondern auch die Geschichte voranbringen muss.
Hast du dir die Fortsetzung auch angeschaut? Die sollte mit mehr wörtlicher Rede etwas mehr Schwung reinbringen, selbst wenn sich auch hier - das muss ich zugestehen - die Handlung langsam entwickelt.

@MoL
Cool, ich melde mich dann!
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fabian
Geschlecht:männlichSchreiberling


Beiträge: 197



BeitragVerfasst am: 17.08.2019 13:58    Titel: Antworten mit Zitat

Inkognito hat Folgendes geschrieben:

@fabian
... denke ich immer sehr darüber nach, warum jemand wie du nicht weiterlesen möchte und was ich ändern könnte, um es besser zu machen.

Warum willst du etwas ändern, bloß weil ich nicht weiterlesen möchte? Was kennzeichnet für dich denn jemand wie mich nach meiner kurzen Randbemerkung?
Warum sollte meine Bemerkung für deine Erzählung Maßstab sein?

Ich möchte Deinen Standpunkt in keiner Weise kritisieren, aber bringst Du da nicht zwei Sachen zusammen, die so gar nicht zusammen gehören?
Eine Geschichte ist doch nicht deshalb 'schlecht', weil jemand wie ich nicht weiterlesen möchte. Ich kann (und will) einfach nicht alles lesen.
Du setzt die gewählten stilistischen Mittel gekonnt und in sich schlüssig ein, so will mir scheinen – aber diese Sprache ist im Moment einfach nicht meine. Das ist ein Parlieren an glitzernder Oberfläche und entspricht auch genau dem Setting, Konflikte sind erkennbar Teil der Beziehungen der Figuren untereinander, frühes Bürgertum eben (und nicht 16. Jhdt). Da erahne ich etwas ritualisiert-höfisches und zugleich wölfisch-bourgoises – alles gut und gekonnt und vor allem auf eine sprachlich sehr entschiedene Weise erzählt. Warum sollst du daran etwas 'besser' machen, weil ein Leser nicht weiterlesen will?
Du verlierst doch genau diese deine Orientierung auf eine bestimmte ästhetische Schärfe, die man mögen kann oder auch nicht, wenn du dich mit der Frage ablenkst, ob irgend ein x-beliebiger Leser weiterlesen würde.
Mein Lob gilt der Konsequenz Deines Textes, den ich – als Leser – trotzdem beiseite legen würde.
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poetnick
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 57
Beiträge: 523
Wohnort: Möglichkeiten


BeitragVerfasst am: 19.08.2019 18:07    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

ja, habe weiter gelesen. Gerade den ersten Abschnitt fand ich wieder stark, mit dieser fein gezeichneten psychologischen Skizze.
Dann aber kam es - und es mag an meiner oberflächlichen Leseweise liegen - ich habe mich schlicht in den folgenden erotomanisch gefärbten Kabaleabsichten der Charaktere verheddert; blicke also nicht mehr durch, wer, wem, wann, warum...
An dieser Stelle ahne ich, dass das Entschlüsseln des Absichts - und Beziehungsgespinstes sehr viel Mühe erfordern wird. Vielleicht sogar mit der Notwendigkeit mir darüber Randnotizen und Zeichnungen anfertigen zu müssen.
Sehe im Moment die Gefahr, dass sich die Geschichte um die eigene Achse wickelt.
Hm, sprachlich hast Du alle Pfeile im Köcher und natürlich auch was das vielschichtige Entwickeln einer Handlung anbelangt. Doch irgendwie bewegt es sich mir zu wenig von der Stelle und, wie gesagt, ich komme nicht ganz drus.
Das für den Moment.


Liebe Grüsse - Poetnick
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Mic000
Schreiberling


Beiträge: 167



BeitragVerfasst am: 15.09.2019 23:49    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi nochmal,

ich habe die Geschichte mittlerweile beendet. Wenn jemand interessiert daran ist, schicke ich sie gerne per PN.

Viele Grüße
Mic000
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