14 Jahre Schriftstellerforum!
 
Suchen
Suchabfrage:
erweiterte Suche

Login

Jetzt erhältlich! Eine Anthologie von und mit unseren Usern. Jetzt bestellen! Die erste, offizielle DSFo-Anthologie! Lyrikwerkstatt Das DSFo.de DSFopedia


Ein Tag daheim


 

 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Deutsches Schriftstellerforum Foren-Übersicht -> Prosa -> Einstand
 Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
tronde
Hobbyautor


Beiträge: 403

Das goldene Aufbruchstück Das silberne Niemandsland


BeitragVerfasst am: 04.09.2014 21:53    Titel: Ein Tag daheim eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Neue Version »

Hallo!
Hin- und her habe ich überlegt, ob ich den Fantasy-Tag auch setzen soll, spielt die Geschichte ja in meinem Fantasy-Universum. Aber da es keine Fantasygeschichte im eigentlichen Sinn ist, habe ich es sein lassen, um niemand abzuschrecken Smile

***

Ein Tag daheim

Der Hahn raffte sich nur zu einem kläglichen Krähen auf.
»Mir geht’s auch nicht besser«, dachte Shoron, bereits vorher geweckt vom Geschrei des Kindes. Er drückte sich in den Sitz, sein Rücken stach bei jeder Bewegung. Die Frau versuchte, den Kleinen noch einmal zum Schlafen zu bringen, indem sie ihn an ihrer Brust nuckeln ließ.
Shoron zog sich die Bruche an und trat aus der Schlafnische in den einzigen Raum der Hütte, dabei rieb er sich das Kreuz. Am Tisch löffelten die vier Großen den Haferbrei, zwei große Schalen und eine kleine standen unberührt auf dem Tisch.
»Brave Kinder sind’s, werden sich schon noch an die Stiefmutter gewöhnen«, dachte er.
Er setzte sich und aß seinen Brei. Aus der Nische drangen das Quäken des Kleinen und die besänftigenden Laute der Frau.
»Kommst mit zum Melken, Kirgan?«, sprach er den Ältesten an und erhob sich. Die anderen Kinder würden alles für den Erntegang vorbereiten.
Als er Kirgan durch die Tür und über den rissigen Erdboden folgte, trieb ihm die Wärme nach zwei Schritten den ersten Schweiß auf die Stirn.
»Sieht nicht nach Regen aus.« Kirgan deutete nach oben. Shoron musste nicht hochschauen, um den grellblauen Himmel vor sich zu sehen, der sie seit Tagen mit seiner Sommersonne versengte. Es gab nichts zu erwidern.
Im Kuhstall war es kaum kühler als auf dem Hof. Sie molken die Kühe, die nur wenig Milch gaben. Wenn es nicht bald regnete, vertrocknete das Gras auf der Brache gänzlich; längst hungerte das Vieh. Für den Hafer hatte es vor einem halben Mond noch genug geregnet, seither kam Shoron die Hitze wie eine Götterstrafe vor. Bestimmt hatte einer dieser Zauberer wieder götterlästerliches Werk getan. Regen hatte ihnen jedenfalls keiner gehext.
Beim Aufstehen vom Melkschemel zwang ihn der Schmerz, kurz innezuhalten.
»Lauf vor.« Shoron rieb sich den Rücken und blickte Kirgan nach, wie er über den Hof trottete.
Zu den Haferfeldern führte der Weg fast zwei Meilen über baumloses Land. Der Gedanke trocknete Shorons Mund aus, er schluckte schmerzhaft. Shoron schüttelte den Kopf und machte sich ans Ausmisten. Die Bewegung tat seinem Rücken gut. »Würde schon gehen«, dachte er. Als er fertig war, verließ er den Stall.
Kurz vor der halboffenen Hüttentüre stolperte er und fing sich mit einem Ausfallschritt ab.
»Ah, verflucht«, stöhnte er und humpelte vornübergebeugt in den Raum, die Hände in den Rücken gepresst.
»Oh nein, hat`s dich wieder erwischt!« Die Frau drückte den Kleinen der älteren Tochter in den Arm und leitete Shoron zum Bett. »Leg` Dich hin.«
Er legte sich mit angezogenen Beinen hin. »Ihr müsst ohne mich aufs Feld, die anderen warten schon. Und treibt die Kühe zur Brache. Der Rücken wird schon werden, ist immer geworden. Morgen komme ich wieder mit.«
Die Frau nahm den Kleinen, setzte ihn auf den Boden und scheuchte die Großen hinaus aufs Feld. »Ich bring euch später frisches Wasser und Vesper.« Sie blickte ihnen hinterher und atmete hörbar aus, wobei ihre Schultern nach vorne sanken.
Zurück am Bett sagte sie: »Lass mich deinen Rücken einreiben, damit er schnell besser wird.«
Shoron drehte sich auf die Seite. Farinde griff sich das Öl vom Bord. Shoron spürte ihre warmen Hände, die ihn sorgsam massierten. Als sie fertig war, ließ sie ihre Hände auf seiner Hüfte liegen. »Besser?« Shoron tätschelte ihre Hände. »Es wird schon«, sagte er. Sie hielt seine Hand fest. »Ich weiß.«
Shoron deutete auf seinen Rücken. »Es tut mir leid, Farinde.« Sie drehte ihn so, dass sie ihm in die Augen schauen konnte. »Ich weiß.« Der Hauch eines Lächelns umwob ihre Lippen. »Wirst Du nachher eine Weile auf Julan aufpassen können? Es ist zu heiß draußen. Er wird sowieso schlafen.« Shoron musste mehrmals blinzeln, um die Feuchtigkeit im Auge zu verteilen. »Ja.«
Farinde räumte alles für die Vesper zusammen, vom Brunnen holte sie einen großen Krug Wasser. »Bald wird es brackig.«
Julan hatte in der Zwischenzeit mit großer Freude einen Ast immer wieder auf den Boden geschlagen. Als aber Farinde hereinkam, streckte er ihr die Arme entgegen und fing an zu weinen. »Kriegst ja noch was, mein Kleiner.« Sie stillte Julan und legte ihn Shoron in die Arme. »Bis gleich, ihr zwei.«
Shoron sah ihr nach, auf seiner Brust brabbelte der Kleine vor sich hin. So zerbrechlich. Behutsam rückte Shoron das Kind in seinem linken Arm zurecht. Mit der anderen Hand kitzelte er Julan, der ein paar mal gluckste, den schwieligen Zeigefinger festhielt und an seine Brust drückte. Shoron spürte das kleine Herz schlagen. Festhalten, nur den Moment festhalten. Er wagte es nicht, sich zu bewegen. Julans Augen fielen zu. Es gab nur dieses Gefühl von Wärme; wo sie sich berührten, schwitzen sie, aber was machte das schon. Ganz still hielt er, während nichts anderes zählte.
Julan seufzte. Shoron hielt die Luft an und ließ sie erst ausströmen, als er sich sicher war, dass Julan weiterschlief. Die Fliegen summten. Aus der Ferne drang leise das Muhen der Kühe von der Brache. Und wenn er sich anstrengte, hörte er die Erntelieder vom Feld; noch war den Erntenden das Singen in der Hitze nicht vergangen.
Shoron erhob sich mit seinem Sohn auf dem Arm und tanzte durch den Raum. Allein dafür hatte es sich gelohnt, wegen des schmerzenden Rückens zu lügen.

Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
rieka
Geschlecht:weiblichSucher und Seiteneinsteiger


Beiträge: 983



BeitragVerfasst am: 04.09.2014 22:41    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, tronde.
Deine Geschichte hat einen rührenden Kern, wenn ich sie richtig verstehe. Harter Mann in harter Zeit stiehlt sich einen Moment der Nähe mit seinem Kind. Es ist ja noch nicht so lange her, dass ein Mann, der den Kinderwagen schob, auch hier sein Gesicht verlor. Die Idee gefällt mir.
Schwer nachzuvollziehen fällt mir der Übergang von starken Schmerzen zur Schmerzfreiheit. Die Schmerzen schienen am Anfang doch echt zu sein?
Es gibt noch einiges zu sagen, aber ich bin mal wieder im Zeitdruck, aber es kommen ja noch andere Kritiker.

Ich schreibe dir einmal ein paar Gedanken:


»Mir geht’s auch nicht besser«, dachte Shoron, bereits vorher geweckt vom Geschrei des Kindes. Er drückte sich in den Sitz, sein Rücken stach bei jeder Bewegung.
 Hier bekomme ich Probleme, mir ein Bild vorzustellen. Sitzt Shoron auf einem Traktor, im Ohrensessel, einem Sitzbett oder auf einer mittelalterlichen Sitzgelegenheit?   
Die Frau versuchte, den Kleinen noch einmal zum Schlafen zu bringen, indem sie ihn an ihrer Brust nuckeln ließ.


Shoron zog sich die Bruche (was ist eine Bruche?) an und trat aus der Schlafnische


Als er Kirgan durch die Tür und über den rissigen Erdboden
(auch hier habe ich wieder Vorstellungsprobleme. Handelt es sich um den festgetretenen Boden der Hütte, Ackerboden, oder welche Vorstellung hast du?)
folgte, trieb ihm die Wärme nach zwei Schritten den ersten Schweiß auf die Stirn.


aus, er schluckte schmerzhaft. Shoron schüttelte den Kopf und machte sich ans Ausmisten.
(Ausmisten kommt mir so „heutig“ vor. Ob man das damals, als man mit „Mondzeitrechnung“ vertraut war, das Wort so einsetzte? Aber was Besseres fällt mir auch nicht ein.)
Die Bewegung tat seinem Rücken gut. »Würde (Wird)schon gehen«, dachte er. Als er fertig war, verließ er den Stall.


Shoron sah ihr nach, auf seiner Brust brabbelte der Kleine vor sich hin. So zerbrechlich. Behutsam rückte Shoron das Kind in seinem linken Arm zurecht. Mit der anderen Hand kitzelte er Julan, der ein paar mal (paarmal) gluckste, den schwieligen Zeigefinger festhielt und an seine Brust drückte. Shoron spürte das

LG rieka
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Papa Schlumpf
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 60
Beiträge: 375
Wohnort: Friedersdorf


BeitragVerfasst am: 04.09.2014 22:44    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, tronde,
da die Geschichte offensichtlich aus dem Zusammenhang genommen ist, lässt sich inhaltlich nicht viel sagen. Aber es gibt durchaus Fragen. Was ist eine "Bruche", hab ich auf die Schnelle nichts gefunden.
Warum vermeidest Du in der ersten Hälfte nahezu ängstlich die Nennung des Namens Farinde?
Die Vokabeln "Götterstrafe" und "götterlästerliches" sind recht ungebräuchlich, im Allgemeinen benutzt werden "Strafe der Götter" und "gotteslästerlich", Letzteres auch im polytheistischen Sinne.
Soviel beim ersten Lesen. Nimm, was Du brauchen kannst.
Gruß
Papa Schlumpf


_________________
Nicht alles, was wir bewirken, haben wir auch gewollt.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
tronde
Hobbyautor


Beiträge: 403

Das goldene Aufbruchstück Das silberne Niemandsland


BeitragVerfasst am: 05.09.2014 09:00    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo!
Eine Bruche ist eine mittelalterliche Unterhose.

http://de.wikipedia.org/wiki/Brouche

Ich bin gespannt auf weitere Kommentare, da sich ja ein wenig abzuzeichnen scheint - zumindest bei mir der erste Eindruck -, dass die Geschichte nicht ganz so zu funktionieren scheint wie von mir gewünscht, mal sehen ...
Später mehr.
Grüße
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Mermaid
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 142

Pokapro 2015


BeitragVerfasst am: 06.09.2014 13:16    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo tronde,

ich habe Deinen Text gerne gelesen. Meine Gedanken habe ich  an den jeweiligen Stellen in blau eingefügt, vielleicht kannst Du etwas damit anfangen. Wie hätte denn Deine Geschichte funktionieren sollen?

Meergrüße,
Mermaid

Der Hahn raffte sich nur zu einem kläglichen Krähen auf.
»Mir geht’s auch nicht besser« [Als dem Hahn? Hier fehlt ein verbindender Gedanke. Falls der Hahn nicht so wichtig ist, würde ich ihn weglassen.] , dachte Shoron, bereits vorher geweckt vom Geschrei des Kindes. Er drückte sich in den Sitz [Vielleicht besser: "Er setzte sich mühsam auf"?] , sein Rücken stach bei jeder Bewegung. Die Frau [Warum nennst Du nicht ihren Namen?] versuchte, den Kleinen noch einmal zum Schlafen zu bringen, indem sie ihn an ihrer Brust nuckeln ließ.
Shoron zog sich die Bruche an und trat aus der Schlafnische in den einzigen [Hier stolpere ich über den einzigen Raum. Du sagst zwar, dass er aus der Schlafnische kommt, aber trotzdem. Wenn alles ein Raum ist, dann hätte er doch nicht nur den Hahn, sondern auch die Kinder beim Frühstück gehört?] Raum der Hütte, dabei rieb er sich das Kreuz. Am Tisch löffelten die vier Großen den Haferbrei, zwei große Schalen und eine kleine standen unberührt auf dem Tisch. [Für wen ist die kleine Schale? Isst Julan, der Säugling, schon Brei?]
»Brave Kinder sind’s, werden sich schon noch an die Stiefmutter gewöhnen«, dachte er. [Hier steht ein Konflikt im Raum, den ich nicht greifen kann. Aus dem Bild, wie alle friedlich am Tisch sitzen, erschließt sich das Problem mit der Stiefmutter nicht. Oder gibt es keins? Dann wäre Shorons Gedanke überflüssig.]
Er setzte sich und aß seinen Brei. Aus der Nische drangen das Quäken des Kleinen und die besänftigenden Laute der Frau.
»Kommst mit zum Melken, Kirgan?«, sprach er den Ältesten an [Fragt er wirklich oder erteilt er einen Auftrag? Warum gehen die anderen nicht schon aufs Feld, später gehen sie auch allein. Was tun sie sonst, während Shoron beim Melken ist?] und erhob sich. Die anderen Kinder würden alles für den Erntegang vorbereiten.
...
Bestimmt hatte einer dieser Zauberer wieder götterlästerliches Werk getan. [??? Hier fehlt mir ein Zusammenhang, liegt vielleicht daran, dass dieser Text ein Auszug ist.] Regen hatte ihnen jedenfalls keiner gehext.
Beim Aufstehen vom Melkschemel zwang ihn der Schmerz, kurz innezuhalten.
»Lauf vor.« Shoron rieb sich den Rücken und blickte Kirgan nach, wie er über den Hof trottete.
Zu den Haferfeldern führte der Weg fast zwei Meilen über baumloses Land. Der Gedanke trocknete Shorons Mund aus, er schluckte schmerzhaft. Shoron schüttelte den Kopf und machte sich ans Ausmisten. [Sitzen währenddessen alle in der Hütte und warten, dass er fertig wird ...?] Die Bewegung tat seinem Rücken gut. »Würde schon gehen« ["Würde" passt nicht. Vielleicht eher "es geht doch", oder den Gedanken ganz streichen?] , dachte er. Als er fertig war, verließ er den Stall.
Kurz vor der halboffenen Hüttentüre stolperte er [Warum? Oder: Worüber? Übrigens, wenn der Rückenschmerz nicht ganz elementar für die Geschichte ist, würde ich Shorons Leiden insgesamt ein wenig kürzen.] und fing sich mit einem Ausfallschritt ab.
»Ah, verflucht«, stöhnte er und humpelte vornübergebeugt in den Raum, die Hände in den Rücken gepresst.
»Oh nein, hat`s dich wieder erwischt!« Die Frau drückte den Kleinen der älteren Tochter in den Arm und leitete Shoron zum Bett. »Leg` Dich [kein Apostroph, "dich" klein] hin.«
...
Shoron deutete auf seinen Rücken. »Es tut mir leid, Farinde.« Sie drehte ihn so, dass sie ihm in die Augen schauen konnte. »Ich weiß.« Der Hauch eines Lächelns umwob ihre Lippen. »Wirst Du nachher eine Weile auf Julan aufpassen können? Es ist zu heiß draußen. Er wird sowieso schlafen.« Shoron musste mehrmals blinzeln, um die Feuchtigkeit im Auge zu verteilen. [An der Stelle wird mir nicht klar, warum er so gerührt ist, dass er Tränen wegblinzeln muss.] »Ja.«
...
Shoron sah ihr nach, auf seiner Brust brabbelte der Kleine vor sich hin. So zerbrechlich. Behutsam rückte Shoron das Kind in seinem linken Arm zurecht. Mit der anderen Hand kitzelte er Julan, der ein paar mal gluckste, den schwieligen Zeigefinger festhielt und an seine Brust drückte. Shoron spürte das kleine Herz schlagen. Festhalten, nur den Moment festhalten. Er wagte es nicht, sich zu bewegen. Julans Augen fielen zu. Es gab nur dieses Gefühl von Wärme; wo sie sich berührten, schwitzen sie, aber was machte das schon. Ganz still hielt er, während nichts anderes zählte. [Gefällt mir!]
Julan seufzte. Shoron hielt die Luft an und ließ sie erst ausströmen, als er sich sicher war, dass Julan weiterschlief. Die Fliegen summten. Aus der Ferne drang leise das Muhen der Kühe von der Brache. Und wenn er sich anstrengte, hörte er die Erntelieder vom Feld; noch war den Erntenden das Singen in der Hitze nicht vergangen.
Shoron erhob sich mit seinem Sohn auf dem Arm und tanzte durch den Raum. [Erst wagt er nicht zu atmen und nun tanzt er ...?] Allein dafür hatte es sich gelohnt, wegen des schmerzenden Rückens zu lügen. [Wann hat er gelogen? Als er sagte, dass es wieder werden wird? Denn Schmerzen hat er doch tatsächlich, oder?]
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
tronde
Hobbyautor


Beiträge: 403

Das goldene Aufbruchstück Das silberne Niemandsland


BeitragVerfasst am: 07.09.2014 09:33    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo!
Leider habe ich grade nicht soviel Zeit, um ausführlich zu antworten.
Geschichte soll so gehen: älterer, schon etwas verbrauchter Bauer beschließt, einen Tag nicht zur Ernte gehen zu wollen. Er lügt seine Familie an, um zuhause zu bleiben.

Die Entscheidung zur Lüge hat er unbewusst getroffen nach dem Ausmisten, welches seine Rückenschmerzen durch die Bewegung gebessert hat.
Der Satz mit "Würde schon gehen." steht deswegen im Irrealis, weil er weitergeht: "Aber ich will heute nicht." Das Stolpern nutzt er geistesgegenwärtig als Aufhänger, einer Verschlimmerung seiner Rückenschmerzen vorzutäuschen.
Den Gedankengang wollte ich nicht explizit ausbreiten wegen der erhofften Pointe mit der Lüge am Ende. Aber es scheint nicht so rüberzukommen. Ist ja auch unfair, den Prota gerade dann zu verlassen, wenn er die entscheidenden Überlegungen macht, was?

Das Nichtnennen des Frauennamens war auch gewollt, im ersten Teil distanziert er sich von seiner zweiten Frau, weil seine Kinder noch da sind, und er ihnen gegenüber wegen der schnellen Wiederheirat ein schlechtes Gewissen hat.
Da sind die Andeutungen wohl nicht genug, vielleicht hier dann doch etwas mehr "Tell instead showing"?

Ich gehe nochmal in Ruhe drüber.
Grüße
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
tronde
Hobbyautor


Beiträge: 403

Das goldene Aufbruchstück Das silberne Niemandsland


BeitragVerfasst am: 15.09.2014 23:27    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo!
Wer auch immer so lange gewartet hat: viel habe ich nicht geändert Smile
Ich habe versucht, den Teil mit den Rückenschmerzen und der angedeuteten Entscheidungsfindung zur Vortäuschung der Arbeitsunfähigkeit etwas weniger nebulös zu gestalten.

Spannend fand ich die Meinung, die Geschichte sei aus dem Zusammenhang gerissen, nun, ist sie, wie jede Kurzgeschichte. Der Fantasy-Weltenhintergrund ist für die Geschichte unerheblich, sie könnte auch im Mittelalter im östlichen (noch heidnischen) Europa spielen, oder vielleicht auch noch vor gar nicht so langer Zeit in Entwicklungsländern.

Die frühere Namensnennung der Frau habe ich nicht umgesetzt, aber auch nicht weiter erklärt, es wäre eine andere Geschichte geworden.

*****

Ein Tag daheim

Der Hahn raffte sich nur zu einem kläglichen Krähen auf.
»Mir geht’s auch nicht besser«, dachte Shoron, schon lange wach vom Geschrei des Kindes. Er drückte sich Stück für Stück vom Strohsack in den Sitz, sein Rücken stach bei jeder Bewegung. Die Frau versuchte, den Kleinen noch einmal zum Schlafen zu bringen, indem sie ihn an ihrer Brust nuckeln ließ.
Shoron zog sich die Bruche an und trat aus der Schlafnische in den einzigen Raum der Hütte, dabei rieb er sich das Kreuz. Am Tisch löffelten leise die vier Großen den Haferbrei, zwei Schalen standen unberührt auf dem Tisch. In der Kochstelle glomm noch der Rest des getrockneten Kuhdungs.
»Brave Kinder sind’s, werden sich schon noch an die Stiefmutter gewöhnen«, dachte er.
Er setzte sich und aß seinen Brei. Aus der Nische drangen das Quäken des Kleinen und die besänftigenden Laute der Frau.
»Kommst mit zum Melken, Kirgan?«, sprach er den Ältesten an und erhob sich. Die anderen Kinder würden alles für den Erntegang vorbereiten.
Als er Kirgan durch die Tür und über den rissigen Hofboden folgte, trieb ihm die Wärme nach zwei Schritten den ersten Schweiß auf die Stirn.
»Sieht nicht nach Regen aus.« Kirgan deutete nach oben. Shoron musste nicht hochschauen, um den grellblauen Himmel vor sich zu sehen, der sie seit Tagen mit seiner Sommersonne versengte. Es gab nichts zu erwidern.
Im Kuhstall war es kaum kühler als auf dem Hof. Sie molken die Kühe, die nur wenig Milch gaben. Wenn es nicht bald regnete, vertrocknete das Gras auf der Brache gänzlich; längst hungerte das Vieh. Für den Hafer hatte es vor einem halben Mond noch genug geregnet, seither kam Shoron die außergewöhnliche Hitze wie eine Strafe der Götter vor. Bestimmt hatte einer dieser Zauberer wieder gotteslästerliches Werk getan. Regen hatte ihnen jedenfalls keiner gehext.
Beim Aufstehen vom Melkschemel zwang ihn der Schmerz, kurz innezuhalten.
»Lauf vor.« Shoron rieb sich den Rücken und blickte Kirgan nach, wie er über den Hof trottete.
Zu den Haferfeldern führte der Weg über baumloses Land. Der Gedanke trocknete Shorons Mund aus, er schluckte schmerzhaft. Shoron schüttelte den Kopf und machte sich ans Misten. Die Bewegung tat seinem Rücken gut. »Würde eigentlich schon gehen«, dachte er und verließ den Stall hadernd.
Kurz vor der halboffenen Hüttentüre presste er sich die Hände in den Rücken.
»Ah, verflucht«, stöhnte er und humpelte vornübergebeugt in den Raum.
»Oh nein, hat`s dich wieder erwischt!« Die Frau drückte den Kleinen der älteren Tochter in den Arm und leitete Shoron zum Bett. »Leg dich hin.«
Er legte sich mit angezogenen Beinen hin. »Ihr müsst ohne mich aufs Feld, die anderen warten schon. Und treibt die Kühe zur Brache. Der Rücken wird schon werden, ist immer geworden. Morgen komme ich wieder mit.«
Die Frau nahm den Kleinen, setzte ihn auf den Boden und scheuchte die Großen hinaus aufs Feld. »Ich bring euch später frisches Wasser und Vesper.« Sie blickte ihnen hinterher und atmete hörbar aus, wobei ihre Schultern nach vorne sanken.
Zurück am Bett sagte sie: »Lass mich deinen Rücken einreiben, damit er schnell besser wird.«
Shoron drehte sich auf die Seite. Farinde griff sich das Öl vom Bord. Shoron spürte ihre warmen Hände, die ihn sorgsam massierten. Als sie fertig war, ließ sie ihre Hände auf seiner Hüfte liegen. »Besser?« Shoron tätschelte ihre Hände. »Es wird schon«, sagte er. Sie hielt seine Hand fest. »Ich weiß.«
Shoron deutete auf seinen Rücken. »Es tut mir leid, Farinde.« Sie drehte ihn so, dass sie ihm in die Augen schauen konnte. »Ich weiß.« Der Hauch eines Lächelns umwob ihre Lippen. »Wirst Du nachher eine Weile auf Julan aufpassen können? Es ist zu heiß draußen. Er wird sowieso schlafen.« Shoron musste mehrmals blinzeln. »Ja.«
Farinde räumte alles für die Vesper zusammen, vom Brunnen holte sie einen großen Krug Wasser. »Bald wird es brackig.«
Julan hatte in der Zwischenzeit mit großer Freude einen Ast immer wieder auf den Boden geschlagen. Als aber Farinde hereinkam, streckte er ihr die Arme entgegen und fing an zu weinen. »Kriegst ja noch was, mein Kleiner.« Sie stillte Julan und legte ihn Shoron in die Arme. »Bis gleich, ihr zwei.«
Shoron sah ihr nach, auf seiner Brust brabbelte der Kleine vor sich hin. So zerbrechlich. Behutsam rückte Shoron das Kind in seinem linken Arm zurecht. Mit der anderen Hand kitzelte er Julan, der ein paarmal gluckste, den schwieligen Zeigefinger festhielt und an seine Brust drückte. Shoron spürte das kleine Herz schlagen. Festhalten, nur den Moment festhalten. Er wagte es nicht, sich zu bewegen. Julans Augen fielen zu. Es gab nur dieses Gefühl von Wärme; wo sie sich berührten, schwitzen sie, aber was machte das schon. Ganz still hielt er, während nichts anderes zählte.
Julan seufzte. Shoron hielt die Luft an und ließ sie erst ausströmen, als er sich sicher war, dass Julan weiterschlief. Die Fliegen summten. Aus der Ferne drang leise das Muhen der Kühe von der Brache. Und wenn er sich anstrengte, hörte er die Erntelieder vom Feld; noch war den Erntenden das Singen in der Hitze nicht vergangen.
Shoron erhob sich mit seinem Sohn auf dem Arm und tanzte durch den Raum. Allein dafür hatte es sich gelohnt, wegen des schmerzenden Rückens zu lügen.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Christof Lais Sperl
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 58
Beiträge: 509
Wohnort: Hangover
Der silberne Roboter


BeitragVerfasst am: 17.05.2015 17:31    Titel: Brackig Antworten mit Zitat

Hallo Tronde, ich finde die Namen, die angebotene Situation, die Zeitwahl sehr spannend. Was mir auffiel war das Wort brackig. Ist das nicht ein Wasserbzwischen salzige und süß, welches man in Küstennähe findet? Gern gelesen. Erinnerte mich an Hunger Games. Schöne, rhythmische Sätze, stringent, passt! LG CLS

_________________
Lais
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
tronde
Hobbyautor


Beiträge: 403

Das goldene Aufbruchstück Das silberne Niemandsland


BeitragVerfasst am: 18.05.2015 20:58    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo CLS,
danke.
Ja, Brackwasser ist (vor allem) leicht salziges Wasser im Mündungsbereich von Flüssen ins Meer, "brackig" kann aber auch im Sinn von "verdorben" verwendet werden. Hatte ich so im Kopf/Sprachgebrauch und war nach erster Ernüchterung beim Duden erleichtert, dass das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache meinen Sprachgebrauch auch aufführt, puuh! Smile

Ansonsten ist mir aufgefallen, dass das die einzige meiner hier eingestellten Geschichten mit Happy End ist, ob sich das mal ändert? Ich find es nur so schwierig, nicht ins Kitschige abzurutschen. Off topic Ende.

Liebe Grüße
tronde
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Deutsches Schriftstellerforum Foren-Übersicht -> Prosa -> Einstand Alle Zeiten sind GMT - 11 Stunden
Seite 1 von 1



 
 Foren-Übersicht Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst Deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst Deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht teilnehmen.
In diesem Forum darfst Du keine Ereignisse posten
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht posten
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht herunterladen

Thema Autor Forum Antworten Verfasst am
Keine neuen Beiträge Noch ein Vorschüler Kidney Roter Teppich & Check-In 0 01.06.2020 10:48 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Ein herzliches Hallo ccc Roter Teppich & Check-In 1 29.05.2020 02:02 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Wie stimmt ihr euch auf das Schreiben... Dyade Eure Gewohnheiten, Schreibhemmung, Verwirrung 15 28.05.2020 10:37 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Brauche ein hilfe für den Aufbau der ... SyNTroX Plot, Handlung und Spannungsaufbau 59 22.05.2020 21:46 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Ein Gedankenexperiment 51MONSTER2 Werkstatt 12 19.05.2020 15:01 Letzten Beitrag anzeigen

EmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungBuchBuchEmpfehlungEmpfehlungBuchEmpfehlung

von d.frank

von Rike

von madrilena

von JGuy

von Alien78

von denLars

von Jarda

von Jenni

von SIH

von Jenni

Impressum Datenschutz Marketing AGBs Links
Du hast noch keinen Account? Klicke hier um Dich jetzt kostenlos zu registrieren!