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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Prolog und erstes Kapitel - harte Kritik erwünscht


 
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Writter
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Alter: 28
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BeitragVerfasst am: 07.03.2012 08:20    Titel: Prolog und erstes Kapitel - harte Kritik erwünscht eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Hallo an alle

Obschon ich erst seit wenigen Tagen hier angemeldet bin, erlaube ich mir euch mit dem Prolog und dem ersten Kapitel meines Fantasyromans zu beglücken - und hoffentlich nicht zu quälen. Smile
Denke es ist nicht sinnvoll euch schon mit 100 Seiten auf einmal  zu bombandieren. Very Happy

Wie im Titel erwähnt, freue ich mich über jede noch so harte Kritik. Natürlich auch über Lob. Wink

Prolog

„Tag 333 nach dem Anfang:
Die kalten Böen, die regelmässig durch die Höhle ziehen, lassen mich jedes Mal aufs Neue erschauern. Auch die zahlreichen Insekten vermögen nicht die einsame Leere zu brechen, die einen hier zu verschlingen droht. An Schlaf ist nicht zu denken. Zu laut ist das draussen wütende Gewitter, das neben Donner und funkelnden Blitzen auch mehr Regen bringt, als es für den umliegenden Wald gut wäre. Das eindringende Wasser tropft kontinuierlich von der Decke, zerschellt am Boden und versickert in den zahlreichen Felsspalten. Mir spielt diese Nässe längst keine Rolle mehr. Meinem Schwert schon. In ebenso blutigen wie sinnlosen Schlachten hat es mich stets beschützt und mittlerweile bezeichne ich es als meinem einzigen und besten Freund.
Jeder Teil meines Körpers schmerzt. Schlimmer als die nicht vollständig verheilten Kriegsverletzungen, der stechende Muskelkater durch das viele Marschieren ist der fürchterliche Kopfschmerz, welcher mich tag und nachts quält.
Der eilig gepackte Ranzen, den ich noch füllen konnte, verhindert wenigstens, dass ich verhungere. Als Delikatesse bezeichne ich das matschige, alte Brot nicht, aber es erfüllt seinen Zweck. Ausserdem wäre es fast schon tragische Ironie, wenn ich all die Gefahren überstanden hätte, nur um hier mein kümmerliches Ende zu finden – verhungert auf einem Felsen, angeknabbert von Käfern und Maden. Andererseits ist Sterben heutzutage bei weitem einfacher, als am Leben zu bleiben. Vor allem mit einer Vorgeschichte wie meiner.
Alles hat sich im letzten Jahr verändert, überwiegend zum Schlechten. Wo einst Freiheit und Ehre geherrscht haben, riecht man heute den Gestank von Verrat und Tod. Ebenso wie Freundschaft sucht man Vertrauen und Hoffnung vergebens.
Deshalb bin ich weiterhin unermüdlich auf meiner Mission. Ich werde es mir nicht erlauben zu scheitern. Nicht so nahe am Ziel. Damit das, wofür so viele gestorben sind, nicht umsonst gewesen ist.
Meine Reise führt mich immer wie näher an Mirdrow heran. Jenes Kloster, das vor unzähligen Jahrhunderten erbaut wurde und sich noch heute majestätisch von all den anderen Bauten abhebt. Die grauen Gänge des steinernen Labyrinths, die sich wie eine Schlange um das Kloster winden, haben noch nie eine Seele verschont. Den richtigen Weg zu kennen ist die einzige Möglichkeit, diesem Friedhof so vieler Abenteurer und Plünderer, zu entrinnen.
Die wenigen Glücklichen, die es lebendig nach Mirdrow geschafft haben und auch wieder heil zurück gekehrt sind, haben von mysteriösen Gerätschaften, magischen Portalen und einer Bibliothek, die das gesamte Wissen der bekannten Welt beherbergen soll berichtet. Auch dass ein uralter und mächtiger Magierbund die ehrfurchtgebietenden Hallen als Heimat benützt, ist ein offenes Geheimnis. Ihnen könnte ich mein Schicksal erzählen und so vielleicht etwas Hoffnung zurück in diese bemitleidenswerte Welt bringen.
Allzu lange wird meine Reise nicht mehr dauern. Einen Tagesmarsch, höchstens zwei. Dann sollte ich vor den Toren Mirdrows stehen und diesen endlosen Irrgarten betreten. Den Weg hat mir ein alter Freund verraten. Hoffentlich hat er sich nicht geirrt.“


Das Gewitter schien langsam weiter zu ziehen und auch die dichten Wolken müssten sich bald lichten. Ein Zeichen meine bescheidene Habe zusammen zu packen - sorgfältig und ordentlich. Bemüht die noch feuchte Tinte nicht unabsichtlich zu verschmieren. Wenige Augenblicke danach war es soweit. Der Regen wurde abgelöst. Von zartem Sonnenschein. Mein Signal zur Weiterreise.

Gefahren des Waldes

Mühselig stapfte ich durch den völlig durchnässten Waldboden. Der gefallene Regen glitzerte unter dem zarten Sonnenschein auf allen Pflanzen, Bäumen und Felsen. Gerne hätte ich diesen märchenhaften Ort ein wenig länger genossen, doch ich versuchte zügig voran zu kommen, obschon das viele Gestrüpp meinen Schrittrhythmus immer wieder unterbrach. Mein Gefühl sagte mir, dass ich dennoch gut in der Zeit lag.
Als ich gerade einen mit allerhand Büschen und stacheligen Sträuchern überwucherten Hügel empor stieg, hörte ich das laute Wiehern eines sich in der Nähe befindenden Pferdes. Eigentlich war das nichts Ungewöhnliches, da um diese Jahreszeit viele der fahrenden Händler unterwegs waren. Sie zogen von Stadt zu Stadt, um ihre Waren anzupreisen, die sie aus allen Ecken des Landes gesammelt hatten. Wenn es der Zufall so wollte, fand man unter dem mehrheitlich wertlosen Krempel auch das ein oder andere Schmuckstück.
Der Vernunft willen hätte ich das Geräusch ignorieren sollen, zu wichtig war mir meine Mission. Doch eine leise, innere Stimme verlangte nachdrücklich von mir, den Hügel westwärts hinunter zu klettern und mich der davor liegenden Lichtung zu nähern. Ich beschloss dies zu tun. Als ich noch etwa dreissig Schritte entfernt war, erkannte ich, dass meine These mit dem Händler falsch gewesen war. Ich duckte mich und schlich näher heran, um mir ein Bild der Situation zu machen. Mir fielen sofort ein braunes Pferd sowie drei Männer. Zwei von Ihnen lieferten meinen müden Augen einen erbärmlichen Anblick. Nur Lumpen und andere Stofffetzen bedeckten ihre untrainierten, haarigen Körper. Ihren beissenden Geruch roch ich sogar aus meiner Deckung. Der Andere, eher schmächtig gebaut und im Gewand eines Zauberkundigen reisend, schien nicht aus dieser Gegend zu sein. Ich kroch noch etwas näher heran und lauschte ihrer Unterhaltung.
„Einen netten Gaul führt Ihr da spazieren!“, krächzte der Eine mit heisserer Stimme.
„Wie wäre es wenn Ihr Eure Taschen leert und uns Euer Pferd übergebt?“, ergänzte der Zweite.
Der Dritte schien völlig verängstigt zu sein und stammelte bibbernd zurück:
„Lasst mich ziehen, ich bin nur auf der Durchreise und will nichts Böses.“
„Oh wie nett, er will nichts Böses.“
Die zwei Banditen genauer betrachtend, wurde mir klar, dass sie nicht friedlich abziehen würden. Daher entschloss ich mich einzugreifen, da der Unbewaffnete allein nur den Tod gefunden hätte. Sobald ich in Sichtweite der Wegelagerer geraten war, brüllte der kleinere von beiden mir zu: „Heute muss unser Glückstag sein, noch so ein armseliger Streuner!“
Seine primitiven Worte ignorierend zog ich mein Schwert aus der Scheide und bereitete mich auf einen Kampf vor.
Schon im nächsten Moment stürmte der eine Bandit wie ein tollwütiges Wildschwein auf mich zu und versuchte mich mit einem massiven Knüppel niederzuschlagen. Wie ich es schon im Kindesalter gelernt hatte, parierte ich seinen Schlag gekonnt und liess ihn über meine Füsse stolpern. Er rappelte sich in Windeseile wieder auf und setzte zum nächsten, nicht weniger unüberlegten Angriff an. Wieder wehrte ich seinen Angriff ab, wobei sich die eiserne Spitze meines Schwertes langsam in seinen Bauch bohrte. Die Klinge hinausziehend, konnte ich sehen, wie er langsam zu Boden sackte und leblos liegen blieb. In diesem Moment merkte ich, dass ich das Töten nie verlernen würde. Zu einfach war es und zulange hatte ich es zur Erfüllung meiner Pflicht getan. Vom Ableben seines Kumpanen sichtlich schockiert, liess der Übriggebliebene seinen rostigen Dolch fallen und rannte entsetzt in den dichten Wald. Ich hätte ihn verfolgen können, doch ein Toter schien mir genug für einen Tag. Ich wälzte mein Schwert einige Male im feuchten Laub, um das noch warme Blut abzuwaschen. Danach wandte ich mich dem Geretteten zu. Erleichtert, aber immer noch etwas panisch lief der Fremde zu mir.
„Den Göttern sei Dank, ihr habt mich gerettet.“, dankte er mir und stellte sich sogleich vor: „Ich bin Jeremias, Kurier des Magierzirkels von Mirdrow.“
„Mirdrow?“, entgegnete ich etwas verwundert und befriedigte meine Neugier mit der Frage, was ihn ganz allein, so weit von seinem Kloster entfernt, hierher führte.
„Ich machte mich vor 2 Tagen auf den Weg nach Nimrod, um eine Nachricht meines Zirkels zu übergeben. Zu meinem Unglück verlangsamte das Unwetter meine Reise und als ich hier mein Lager aufgeschlagen hatte, überraschte mich dieser Abschaum, mit der Absicht mich zu berauben.“
Meine Miene verfinsterte sich als ich den Namen Nimrod hörte. Jeremias wusste noch nicht, dass der einstige Handelsposten letzte Woche gefallen war. Das schien der Tribut zu sein, der zu zahlen war, wenn man sein ganzes Leben lang in einem Kloster verbracht hatte und tausende von Büchern die einzige Gesellschaft waren, die man gekannte hatte. Wir setzten uns auf einen grossen Felsbrocken, der das einzig halbwegs Sehenswerte auf der Lichtung war. Ich schilderte Jeremias, dass ich Zeuge dessen wurde, was in Nimrod geschehen war und machte ihm klar, dass seine Nachricht ihren Empfänger nie erreichen würde. Man konnte sehen, dass die Verunsicherung in seinem Gesicht langsam von Traurigkeit und Verzweiflung verdrängt wurde. Jeremias wurde nervös, sogar wieder panisch. Er stammelte etwas von dieser wichtigen Nachricht und einer letzten Chance, die jetzt zerstört war. Ich konnte mir keinen Reim darauf machen und forderte ihn auf mich aufzuklären. Soweit kam es jedoch nicht, da er sich plötzlich erhob und zu seinem hin und her trabenden Pferd rannte. Er stieg auf und verabschiedete sich mit den Worten: „Nochmals danke, aber ich muss zurück nach Mirdrow, um diese Informationen unseren Grossmagiern zu übergeben. Solltet ihr es durch das Labyrinth schaffen, seit Ihr in unserem Kloster willkommen!“ So schnell wie er auf sein Pferd gestiegen war, ritt er auch in Richtung Norden los. Ich sollte ihn nicht das letzte Mal gesehen haben. 



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Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber


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BeitragVerfasst am: 07.03.2012 19:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hi!

Mir gefällt dein Schreibstil sehr gut und er passt bis jetzt auch sehr gut zum Geschehen. Very Happy
 Warum ist das 1. Kapitel nur eine Seite lang?  Wink
Dir ist wahrscheinlich schon klar, dass du im Moment noch eine Menge offen lässt, aber diese Sachen wirst du anscheinend noch erklären.
Bis jetzt sehr toll.

T.P.


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NovaRex
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Beiträge: 54
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BeitragVerfasst am: 07.03.2012 20:41    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Writter,

Den Prolog fand ich gut. Interessant erzählt und angenehm zu lesen. Dein Schreibstiel gefällt mir auch ganz gut.
Jedoch ist einiges was du erwähnst oft in anderen Geschichten enthalten. Ich gebe zu es ist nicht einfach was Neuartiges im Genre Fantasy zu bringen. Vorausgesetzt man will das überhaupt. Kann man nie wissen.

Eine Stelle hat mich besonders irritiert. Du schreibst die zwei, körperlich eher schlecht ausgestatteten Banditen hätten einen (zwar auch schmächtig gebauten) zauberkundigen Mann ohne Eingreifen des Protas getötet. Ich dachte der gute Mann kann zaubern?? Außerdem kommt er gerade von dem hochgelobten Klosters in Mirdow, in dem fast nur erfahrene und mächtige Magier verkehren.

Ich würde die Überlegenheit der Banditen mehr hervorheben. Eventuell hatten sie eine Falle oder was auch immer…

Doch das ist eigentlich eine Kleinigkeit. Ich hab selbst schon 100 Seiten eines Fantasy-Romans verfasst und weiß wie schwierig es ist auf all den –verzeih- Kleinkram acht zu geben.

Gruß
Novarex
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Writter
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BeitragVerfasst am: 07.03.2012 20:50    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

NovaRex hat Folgendes geschrieben:
Hallo Writter,


Eine Stelle hat mich besonders irritiert. Du schreibst die zwei, körperlich eher schlecht ausgestatteten Banditen hätten einen (zwar auch schmächtig gebauten) zauberkundigen Mann ohne Eingreifen des Protas getötet. Ich dachte der gute Mann kann zaubern?? Außerdem kommt er gerade von dem hochgelobten Klosters in Mirdow, in dem fast nur erfahrene und mächtige Magier verkehren.

Ich würde die Überlegenheit der Banditen mehr hervorheben. Eventuell hatten sie eine Falle oder was auch immer…


Danke für den Input. Very Happy
Nur hast du dich höchst wahrscheinlich verlesen. Der (angeblich) Zauberkundige wurde ja nicht getötet, sondern vom Prota gerettet. Im späteren Verlauf der Handlung kommt heraus, das der Bote nur ein Gehilfe ist, der keinerlei Zauberkraft besitzt. Darum hat er die Banditen auch nicht einfach in Asche verwandeln können ^^ XD


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Harald
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BeitragVerfasst am: 07.03.2012 20:52    Titel: Antworten mit Zitat

Schön, dass sich hier drei Schreiber finden, die sich an einem fast infantilen Schreibstil erfreuen.

Rechtschreibfehler, Satzstellungen, eigentlich die ganze Art, das Thema anzugehen, das alles steckt irgendwie in den Kinderschuhen ...

LG

Harald


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Writter
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BeitragVerfasst am: 07.03.2012 21:09    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Harald hat Folgendes geschrieben:
Schön, dass sich hier drei Schreiber finden, die sich an einem fast infantilen Schreibstil erfreuen.

Rechtschreibfehler, Satzstellungen, eigentlich die ganze Art, das Thema anzugehen, das alles steckt irgendwie in den Kinderschuhen ...

LG

Harald


Stört es dich, dass ein wenig zu präzisieren? Z.B. mit einem Beispiel - oder Zweien


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denLars
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BeitragVerfasst am: 07.03.2012 21:28    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Writter,

ich muss mich Harald anschließen, allerdings würde ich doch sehr vom Begriff "infantil" absehen und lieber sagen, dass da noch der letzte handwerkliche Schliff fehlt.

Ich will dir das mal anhand einiger Beispiele im Prolog aufzeigen. Zunächst einmal möchte ich noch dazu sagen, dass der Prolog m. E. n. auch gut das erste Kapitel sein könnte. Dass der Prota seine Gedanken und Eindrücke aufzeichnet, wirkt auf mich nur wir Effekthascherei - so, wie es sehr schnell bei Prologen der Fall sein kann. Ein Prolog ist meistens nur dann notwendig, wenn über ein Ereignis berichtet werden muss, das zeitlich oder örtlich weit von der Haupthandlung entfernt ist, trotzdem jedoch Relevanz für den Plot hat.

Zitat:
Auch die zahlreichen Insekten vermögen nicht die einsame Leere zu brechen, die einen hier zu verschlingen droht.


Das finde ich eher unglücklich gewählt. Ein Hund, eine Katze, auch gut eine Maus verbinde ich damit, Einsamkeit zu bezwingen, aber Insekten? Ich würde ein anderes Mittel wählen, um die Einsamkeit zu verdeutlichen.

Zitat:
Zu laut ist das draussen wütende Gewitter, das neben Donner und funkelnden Blitzen auch mehr Regen bringt,


Wo soll das Gewitter sonst wüten, wenn nicht draußen? Und Donner sowie Blitze bringen die meisten Gewitter mit sich. Vielleicht ein wenig mehr darauf achten, ob nicht schon weniger reicht, um Bilder im Leser zu erschaffen und ob du nicht Dinge doppelt sagst.

Zitat:

, als es für den umliegenden Wald gut wäre.


Der Wald interessiert mich als Leser erst mal herzlich wenig, ich will wissen, was bei deinem Prota los ist. Dass sich sein Unterschlupf im Wald befindet, kannst du auch eleganter einbauen. Z. Bsp.: "Der Regen plätscherte auf das Blätterdach des Waldes", "Immer wieder schlugen Blitze in Baumwipfel ein und fällten die manchmal jahrhundertealten Eichen/Ulmen/etc." - diese Beispiele sind zwar auch nicht wirklich elegant, bauen das Gewitter aber mit aktiven Verben ein und verdeutlichen gleichzeitig, dass wir in einem Wald sind.

Zitat:
Andererseits ist Sterben heutzutage bei weitem einfacher, als am Leben zu bleiben.


Das gefällt mir.

Viele Ansätze (allen voran die Gedanken deines Protagonisten) des Prologs sind nicht schlecht, wenn auch teilweise klischeehaft (Schwert als bester Freund), aber du könntest das Ganze auch mit wenig Aufwand in die eigentliche Handlung einbauen und direkt im ersten Kapitel anfangen.

So viel erst mal dazu. Später könnte ich auch noch was zum ersten Kapitel sagen.

Liebe Grüße,
Lars


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Harald
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BeitragVerfasst am: 07.03.2012 22:08    Titel: Re: Prolog und erstes Kapitel - harte Kritik erwünscht Antworten mit Zitat

Nun ja,


dann gehen wir ein wenig ans "Eingemachte"

Writter hat Folgendes geschrieben:


Das Gewitter schien langsam weiter zu ziehen und auch die dichten Wolken müssten sich bald lichten. Ein Zeichen meine bescheidene Habe zusammen zu packen - sorgfältig und ordentlich. Bemüht die noch feuchte Tinte nicht unabsichtlich zu verschmieren. Wenige Augenblicke danach war es soweit. Der Regen wurde abgelöst. Von zartem Sonnenschein. Mein Signal zur Weiterreise.


Diesen Part sollte man so schreiben ...

Das Gewitter schien langsam weiter zu ziehen und auch die dichten Wolken würden sich bald lichten. Ein Zeichen, meine bescheidene Habe zusammenzupacken, sorgfältig und ordentlich, bemüht, die noch feuchte Tinte nicht unabsichtlich zu verschmieren. Wenige Augenblicke danach war es so weit. Der Regen wurde von zartem Sonnenschein abgelöst, meinem Signal zur Weiterreise.

... speziell der Satz "Bemüht die noch feuchte Tinte nicht unabsichtlich zu verschmieren." ist in sich unvollständig, und dies "Der Regen wurde abgelöst. Von zartem Sonnenschein. Mein Signal zur Weiterreise" in drei unvollständige Sätze zu packen ist schon fast ein Verbrechen an der deutschen Sprache.


Writter hat Folgendes geschrieben:
Der Vernunft willen hätte ich das Geräusch ignorieren sollen, zu wichtig war mir meine Mission. Doch eine leise, innere Stimme verlangte nachdrücklich von mir, den Hügel westwärts hinunter zu klettern und mich der davor liegenden Lichtung zu nähern. Ich beschloss dies zu tun. Als ich noch etwa dreissig Schritte entfernt war, erkannte ich, dass meine These mit dem Händler falsch gewesen war. Ich duckte mich und schlich näher heran, um mir ein Bild der Situation zu machen. Mir fielen sofort ein braunes Pferd sowie drei Männer. Zwei von Ihnen lieferten meinen müden Augen einen erbärmlichen Anblick. Nur Lumpen und andere Stofffetzen bedeckten ihre untrainierten, haarigen Körper. Ihren beissenden Geruch roch ich sogar aus meiner Deckung. Der Andere, eher schmächtig gebaut und im Gewand eines Zauberkundigen reisend, schien nicht aus dieser Gegend zu sein. Ich kroch noch etwas näher heran und lauschte ihrer Unterhaltung.
 


Auch hier sind einige Rechtschreibfehler, unvollständige Sätze und vor allem Logikfehler vorhanden >>

Als ich noch etwa dreissig Schritte entfernt war, erkannte ich, dass meine These mit dem Händler falsch gewesen war.

Woran, denn hier sieht er noch nichts, oder? Denn das hier ...



Ich duckte mich und schlich näher heran, um mir ein Bild der Situation zu machen.

... wäre dann nicht nötig, um das zu sehen ...



Mir fielen sofort ein braunes Pferd sowie drei Männer.

Wer oder was fiel wohin?

Würde ich so schreiben >>

Der Vernunft willen hätte ich das Geräusch ignorieren sollen, zu wichtig war mir meine Mission. Doch eine leise, innere Stimme verlangte nachdrücklich von mir, den Hügel westwärts hinunterzuklettern und mich der davor liegenden Lichtung zu nähern. Ich beschloss, dies zu tun. Als ich mich etwa dreißig Schritte genähert hatte, erkannte ich, dass ich mir meiner These mit dem Händler falsch gelegen hatte. Nachdem ich einige Zweige zur Seite geschoben hatte, erblickte ich ein braunes Pferd sowie drei Männer. Zwei von Ihnen lieferten einen erbärmlichen Anblick. Nur zerlumpte Fetzen bedeckten ihre untrainierten, haarigen Körper. Ihren beißenden Geruch konnte ich sogar aus meiner Deckung wahrnehmen. Der Andere, schmächtig gebaut und im Gewand eines Zauberkundigen reisend, schien nicht aus dieser Gegend zu sein. Ich kroch noch etwas näher heran, um ihrer Unterhaltung lauschen zu können.


LG

Harald


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BeitragVerfasst am: 07.03.2012 22:17    Titel: Re: Prolog und erstes Kapitel - harte Kritik erwünscht pdf-Datei Antworten mit Zitat

Harald hat Folgendes geschrieben:
Nun ja,


dann gehen wir ein wenig ans "Eingemachte"

Writter hat Folgendes geschrieben:


Das Gewitter schien langsam weiter zu ziehen und auch die dichten Wolken müssten sich bald lichten. Ein Zeichen meine bescheidene Habe zusammen zu packen - sorgfältig und ordentlich. Bemüht die noch feuchte Tinte nicht unabsichtlich zu verschmieren. Wenige Augenblicke danach war es soweit. Der Regen wurde abgelöst. Von zartem Sonnenschein. Mein Signal zur Weiterreise.


Diesen Part sollte man so schreiben ...

Das Gewitter schien langsam weiter zu ziehen und auch die dichten Wolken würden sich bald lichten. Ein Zeichen, meine bescheidene Habe zusammenzupacken, sorgfältig und ordentlich, bemüht, die noch feuchte Tinte nicht unabsichtlich zu verschmieren. Wenige Augenblicke danach war es so weit. Der Regen wurde von zartem Sonnenschein abgelöst, meinem Signal zur Weiterreise.

... speziell der Satz "Bemüht die noch feuchte Tinte nicht unabsichtlich zu verschmieren." ist in sich unvollständig, und dies "Der Regen wurde abgelöst. Von zartem Sonnenschein. Mein Signal zur Weiterreise" in drei unvollständige Sätze zu packen ist schon fast ein Verbrechen an der deutschen Sprache.


Writter hat Folgendes geschrieben:
Der Vernunft willen hätte ich das Geräusch ignorieren sollen, zu wichtig war mir meine Mission. Doch eine leise, innere Stimme verlangte nachdrücklich von mir, den Hügel westwärts hinunter zu klettern und mich der davor liegenden Lichtung zu nähern. Ich beschloss dies zu tun. Als ich noch etwa dreissig Schritte entfernt war, erkannte ich, dass meine These mit dem Händler falsch gewesen war. Ich duckte mich und schlich näher heran, um mir ein Bild der Situation zu machen. Mir fielen sofort ein braunes Pferd sowie drei Männer. Zwei von Ihnen lieferten meinen müden Augen einen erbärmlichen Anblick. Nur Lumpen und andere Stofffetzen bedeckten ihre untrainierten, haarigen Körper. Ihren beissenden Geruch roch ich sogar aus meiner Deckung. Der Andere, eher schmächtig gebaut und im Gewand eines Zauberkundigen reisend, schien nicht aus dieser Gegend zu sein. Ich kroch noch etwas näher heran und lauschte ihrer Unterhaltung.
 


Auch hier sind einige Rechtschreibfehler, unvollständige Sätze und vor allem Logikfehler vorhanden >>

Als ich noch etwa dreissig Schritte entfernt war, erkannte ich, dass meine These mit dem Händler falsch gewesen war.

Woran, denn hier sieht er noch nichts, oder? Denn das hier ...



Ich duckte mich und schlich näher heran, um mir ein Bild der Situation zu machen.

... wäre dann nicht nötig, um das zu sehen ...



Mir fielen sofort ein braunes Pferd sowie drei Männer.

Wer oder was fiel wohin?

Würde ich so schreiben >>

Der Vernunft willen hätte ich das Geräusch ignorieren sollen, zu wichtig war mir meine Mission. Doch eine leise, innere Stimme verlangte nachdrücklich von mir, den Hügel westwärts hinunterzuklettern und mich der davor liegenden Lichtung zu nähern. Ich beschloss, dies zu tun. Als ich mich etwa dreißig Schritte genähert hatte, erkannte ich, dass ich mir meiner These mit dem Händler falsch gelegen hatte. Nachdem ich einige Zweige zur Seite geschoben hatte, erblickte ich ein braunes Pferd sowie drei Männer. Zwei von Ihnen lieferten einen erbärmlichen Anblick. Nur zerlumpte Fetzen bedeckten ihre untrainierten, haarigen Körper. Ihren beißenden Geruch konnte ich sogar aus meiner Deckung wahrnehmen. Der Andere, schmächtig gebaut und im Gewand eines Zauberkundigen reisend, schien nicht aus dieser Gegend zu sein. Ich kroch noch etwas näher heran, um ihrer Unterhaltung lauschen zu können.


LG

Harald



Recht herzlichen Dank für die Verbesserungsvorschläge. Das mit dem Gespräch belauschen und heran schleichen werde ich wohl so übernehmen Smile


Um um die drei Satzfragmente der deutschen SPrache würdig zu machen villeicht?

Wie erwartet, löste zarter Sonnenschein den Regen ab. Ich beschloss daher weiter zu gehen.


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Harald
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BeitragVerfasst am: 07.03.2012 22:20    Titel: Antworten mit Zitat

Kleiner Tipp am Rande:

Überbetont laut lesen, da fallen erste Ungereimtheiten schnell auf ...

 Wink


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BeitragVerfasst am: 08.03.2012 08:10    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hier mein überarbeiteter Prolog:

Prolog

„Tag 333 nach dem Anfang:
Die kalten Böen, die regelmässig durch die Höhle ziehen, lassen mich jedes Mal aufs Neue erschauern. Ein vertrautes Gesicht oder eine bekannte Stimme würde die omnipräsente Einsamkeit vielleicht brechen, die mich zu verschlingen droht. An Schlaf ist nicht zu denken. Zu laut ist das seit Stunden wütende Gewitter, das wie der Blitzgott persönlich, den umliegenden mit Blitzen traktiert. Das eindringende Wasser tropft kontinuierlich von der Decke, zerschellt am Boden und versickert in den zahlreichen Felsspalten. Mir spielt diese Nässe längst keine Rolle mehr. Meinem Schwert schon. In ebenso blutigen wie sinnlosen Schlachten hat es mich stets beschützt und mittlerweile bezeichne ich es als meinem einzigen und besten Freund.
Jeder Teil meines Körpers schmerzt. Schlimmer als die nicht vollständig verheilten Kriegsverletzungen und der stechende Muskelkater durch das viele Marschieren, ist der fürchterliche Kopfschmerz, welcher mich tag und nachts quält.
Der eilig gepackte Ranzen, den ich noch füllen konnte, verhindert wenigstens, dass ich verhungere. Als Delikatesse bezeichne ich das matschige, alte Brot nicht, aber es erfüllt seinen Zweck. Ausserdem wäre es fast schon tragische Ironie, wenn ich all die Gefahren überstanden hätte, nur um hier mein kümmerliches Ende zu finden – verhungert auf einem Felsen, angeknabbert von Käfern und Maden. Andererseits ist Sterben heutzutage bei weitem einfacher, als am Leben zu bleiben. Vor allem mit einer Vorgeschichte wie meiner.
Alles hat sich im letzten Jahr verändert, überwiegend zum Schlechten. Wo einst Freiheit und Ehre geherrscht haben, riecht man heute den Gestank von Verrat und Tod. Ebenso wie Freundschaft sucht man Vertrauen und Hoffnung vergebens.
Deshalb bin ich weiterhin unermüdlich auf meiner Mission. Ich werde es mir nicht erlauben zu scheitern. Nicht so nahe am Ziel. Damit das, wofür so viele gestorben sind, nicht umsonst gewesen ist.
Meine Reise führt mich immer wie näher an Mirdrow heran. Jenes Kloster, das vor unzähligen Jahrhunderten erbaut wurde und sich noch heute majestätisch von all den anderen Bauten abhebt. Die grauen Gänge des steinernen Labyrinths, die sich wie eine Schlange um das Kloster winden, haben noch nie eine Seele verschont. Den richtigen Weg zu kennen ist die einzige Möglichkeit, diesem Friedhof so vieler Abenteurer und Plünderer, zu entrinnen.
Die wenigen Glücklichen, die es lebendig nach Mirdrow geschafft haben und auch wieder heil zurück gekehrt sind, haben von mysteriösen Gerätschaften, magischen Portalen und einer Bibliothek, die das gesamte Wissen der bekannten Welt beherbergen soll berichtet. Auch dass ein uralter und mächtiger Magierbund die ehrfurchtgebietenden Hallen als Heimat benützt, ist ein offenes Geheimnis. Ihnen könnte ich mein Schicksal erzählen und so vielleicht etwas Hoffnung zurück in diese bemitleidenswerte Welt bringen.
Allzu lange wird meine Reise nicht mehr dauern. Einen Tagesmarsch, höchstens zwei. Dann sollte ich vor den Toren Mirdrows stehen und diesen endlosen Irrgarten betreten. Den Weg hat mir ein alter Freund verraten. Hoffentlich hat er sich nicht geirrt.“


Das Gewitter schien langsam weiter zu ziehen und auch die dichten Wolken würden sich bald lichten. Ein Zeichen, meine bescheidene Habe zusammenzupacken, sorgfältig und ordentlich, bemüht, die noch feuchte Tinte nicht unabsichtlich zu verschmieren. Wenige Augenblicke danach war es so weit. Der Regen wurde von zartem Sonnenschein abgelöst, meinem Signal zur Weiterreise. 


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Berti_Baum
Dichter und Denker


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BeitragVerfasst am: 08.03.2012 10:23    Titel: Antworten mit Zitat

Dann will ich auch mal ...

Das Positive vorweg: Du bist um klare Sätze bemüht, das gefällt mir.

Leider - und dafür braucht man kein Prophet sein - wird man als Leser das Gefühl nicht los, dass diese Geschichte kein Klischee auslassen wird. Mich stören Klischees nicht, wenn

a) deutlich neue Impulse erkennbar und
b) die Klischees gut verpackt sind.

Beides trifft auf den Text nicht zu.

Überhaupt verstärkt die Erzählweise meine Abneigung von der Ich-Perspektive. Dabei fand ich das Geschriebene im Prolog gar nicht mal so verkehrt. Allerdings ist das kein Prolog.

Vielleicht als Tipp: Beginne deine Erzählung ohne Prolog, und falls du später da Gefühl hast, der Leser muss unbedingt noch etwas wissen (was du nicht in eine Rückblende einpacken willst und für die Geschichte essenziell ist), dann schreibe später den Prolog.

Ich habe außerdem das Gefühl, dass mit der Geschichte etwas nicht stimmt. Der gefahrvolle Weg dahin und die verzweifelte Notwendigkeit nach Mirdrows zu gehen, erschließt sich mir nicht. Für mich sieht das eher nach einem Spaziergang aus. Du sollst natürlich nicht gleich alles verraten aber einen Köder, warum der Held die Reise auf sich nimmt, erwarte ich schon.

So etwas klingt einfach nur albern:

Writter hat Folgendes geschrieben:
Den Weg hat mir ein alter Freund verraten. Hoffentlich hat er sich nicht geirrt.“


Dann die Sache: Regen vs. Schwert
Mein Gedanke dazu: Aha, es rostet!

Die Szene mit dem Zauberer und den Räubern werden die meisten wohl für unglaubwürdig und/oder klischeehaft halten.

Hört der Held wirklich jedes Wort?
Wenn ja, dann ist der Dialog langweilig. Stichwort: indirekte Rede!

Natürlich willst du deine Räuber besonders dumm darstellen, daher die einfache Sprechweise. Schließlich bedienst du ja Klischees ...

Der Held - unerschütterlich, immer Herr der Lage und mit dem weichen Kern - denkt sich: "Ach, dem Stoffi helf' ich doch mal schnell."

Die dummen, dreckigen Räuber würden es vermutlich auch zwei gegen drei aufnehmen, wenn der Held noch jemanden mitgebracht hätte. Das der Hinzukommende ein Schwert bei sich trägt (ok, es rostet), körperlich überlegen, vielleicht noch mit einer Rüstung ausgestattet und damit als Kämpfer/Krieger/Soldat erkannbar ist, interessiert sie nicht. Knüppel und Messer werden das schon richten.

Dann wird dem Leser mitgeteilt: "Achtung! In dieser Geschichte werden viele Leute/Monster sterben." Der Held wird zum kaltblütigen Mörder. Er führt den ungeschickten, und jederzeit unterlegenen, Räuber vor und tut zudem seinem Schwert etwas Gutes, denn es lechzt nach Blut. Bravo! Wir haben einen Helden, dessen Handlungen nicht nachvollziehbar sind und mit dem sich der Leser nicht identifizieren will.

Den nachfolgenden Dialog mit dem Zauberer empfinde ich ebenfalls als ungünstig. Der Zauberer will nach Nimrod, erfährt, dass es nicht mehr existiert, nimmt es zur Kenntnis und geht. Der Held will nach Mirdrows und hat keine Fragen an den Zauberer. Das bestätigt mich darin, dass es eigentlich keinen wirklichen Grund gibt für die Reise.

Und dann noch das:

Writter hat Folgendes geschrieben:
Solltet ihr es durch das Labyrinth schaffen, seit Ihr in unserem Kloster willkommen!“


... mieser, undankbarer Zauberer ...

Da die Vergangenheit erzählt wird, solltest du Vermutungen bei Erzählerwissen weglassen:

Writter hat Folgendes geschrieben:
Der Andere, eher schmächtig gebaut und im Gewand eines Zauberkundigen reisend, schien nicht aus dieser Gegend zu sein.
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Maestro
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BeitragVerfasst am: 08.03.2012 15:10    Titel: Ganz hart Antworten mit Zitat

Hallo Writter,

bin ebenfalls noch neu hier und habe mir, da Meinungen von "Neuen" ja gefragt sind, deinen Text ausgeguckt. Das war schon gestern, bin aber leider nicht dazu gekommen, meinen Kommentar zu schreiben. Mittlerweile hast du ja einige Reaktionen bekommen.
Ich befasse mich daher mit deiner überarbeiteten Version.
Zuerst einmal ging das mit der Überarbeitung viel zu schnell. Es genügt nicht, das ein oder andere Wort auszutauschen. Bei der massiven Kritik hättest du den gesamten Text überdenken sollen. Ein typischer Anfängerfehler, den ich zugegebenermaßen auch gemacht habe.
Ansonsten muss ich leider in Haralds Fußstapfen treten. Es gibt auch aus meiner Sicht so einiges zu bemängeln.
Zum Plot als solchem möchte ich nicht viel sagen, da Fantasy nicht mein Metier ist, und die LP zu kurz ist. Allerdings kommt mir die Sache mit dem fast unerreichbaren Kloster voller Zauberer, und die Rettung eines Bewohners auf dem Weg dorthin, schon sehr bekannt vor.
Jetzt ins Detail:
Zitat:
„Tag 333 nach dem Anfang:

Nach welchem Anfang? Des Krieges, der Pest, oder einfach nur dem Anfang des Romans? Wenn diese Zeitangabe für den Plot wichtig ist, spezialisiere sie oder schreib doch einfach nur !vor 333 Tagen", oder
"333 Tage zuvor".
[quote]Ein vertrautes Gesicht oder eine bekannte Stimme würde die omnipräsente Einsamkeit vielleicht brechen, die mich zu verschlingen droht.
Zitat:

Kann es nicht einfach die z.B. erdrückende Einsamkeit sein?
Muss es nicht "die Einsamkeit, die mich zu verschlingen droht, vielleicht brechen." heißen? Bin mir aber nicht sicher.
das wie der Blitzgott persönlich, den umliegenden mit Blitzen traktiert.
Zitat:

Den umliegenden was?
Mir spielt diese Nässe längst keine Rolle mehr. Meinem Schwert schon.
Zitat:

"Für mich..."? Besser. "Mir konnte diese Nässe schon längst nichts mehr anhaben, meinem Schwert schon?"
Meine Reise führt mich immer wie näher an Mirdrow heran.
Zitat:

Streiche das "wie".
haben noch nie eine Seele verschont.Die wenigen Glücklichen, die es lebendig nach Mirdrow geschafft haben
Zitat:

Widerspruch!
Den Weg hat mir ein alter Freund verraten. Hoffentlich hat er sich nicht geirrt.
Zitat:

Bitte weglassen. Nimmt dem Labyrinth jegliche Spannung.

So, das war der Prolog- Evtl. solltest du Bertis Vorschlag mal überdenken.

Nun zur LP:
Wenn es der Zufall so wollte
Zitat:

Ohne "so" hört sich besser an.
Ich beschloss dies zu tun.
Zitat:

Dieser Satz ist unsinnig und überflüssig.
Mir fielen sofort ein braunes Pferd sowie drei Männer.
Zitat:

Fehlt ein "auf".
Zwei von Ihnen lieferten meinen müden Augen einen erbärmlichen Anblick. Nur Lumpen und andere Stofffetzen
Zitat:

Sind die müden Augen wichtig, oder einfach "Zwei von Ihnen boten einen...
Lumpen sind Stofffetzen.
Ihren beissenden Geruch roch[quote]
Doppelt, "beissenden Gestank?"Evtl. "wehte zu mir herüber?"
Zitat:
und befriedigte meine Neugier mit der Frage

Neugier kann man mit einer Antwort befriedigen, aber nicht mit einer Frage.
Zitat:
Wir setzten uns auf einen grossen Felsbrocken, der das einzig halbwegs Sehenswerte auf der Lichtung war.

Was ist an einem Felsbrocken sehenswert?

Tut mir leid, dass das jetzt eine ganze Litanei geworden ist, aber das ist nun mal meine Meinung.

Sehe gerade, dass manchmal Zitat und Kommentar vertauscht sind. Kenne mich mit dem System noch nicht so aus. Glaube aber, dass mein Kommentar insgesamt doch verständlich ist.

Gruss

Maestro


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Hitchhiker
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BeitragVerfasst am: 08.03.2012 15:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Writter,

meine Vorredner haben schon einige Dinge angesprochen, die deinen Text kranken lassen. Weiter unten findest du meine Überarbeitung, was ich dich allerdings aber vorher fragen möchte: Warum betitelst du diesen Text als Prolog? Er liest sich wie ein erstes Kapitel, was hindert dich daran, ihn auch so zu nennen?

Und jetzt geht’s ans Eingemachte Wink :

Zitat:
„Tag 333 nach dem Anfang:
Die kalten Böen, die regelmässig durch die Höhle ziehen, lassen mich jedes Mal aufs Neue erschauern (Das Wort finde ich hier nicht wirklich passend. Mit erschauern verbinde ich sich gruseln oder Angst haben, meintest du das?). Ein vertrautes Gesicht oder eine bekannte Stimme würde die omnipräsente (Was? Very Happy omnipräsent wäre so ziemlich das letzte Wort, das ich in einem Fantasy-Roman verwenden würde. Generell gilt es, solche Fremdwörter zu vermeiden, es sei denn, bestimmte Gegebenheiten können nur mit einem solchen erklärt werden. Wieso schreibst du stattdessen nicht einfach allgegenwärtig?) Einsamkeit vielleicht brechen, die mich zu verschlingen droht. An Schlaf ist nicht zu denken. Zu laut ist das seit Stunden wütende Gewitter, das wie der Blitzgott (Hört sich unfreiwillig komisch an.) persönlich, den umliegenden (fehlt hier etwas?) mit Blitzen traktiert. Das eindringende Wasser tropft kontinuierlich von der Decke, zerschellt (Da Wasser keine bestimmte Form hat, kann es auch nicht zerschellen. Hier würde ich das Verb austauschen oder den kompletten Satz umstellen.) am Boden und versickert in den zahlreichen Felsspalten. Mir Für mich spielt diese Nässe längst keine Rolle mehr. Meinem Schwert schon. In ebenso blutigen wie sinnlosen Schlachten hat es mich stets beschützt und mittlerweile bezeichne ich es als meinem einzigen und besten Freund. (Das ist schon sehr pathetisch. Das Schwert als bester Freund des ebenso einsamen wie tragischen Helden. Ist mir im ersten Text schon unangenehm aufgefallen.)
Jeder Teil meines Körpers schmerzt. Schlimmer als die nicht vollständig verheilten Kriegsverletzungen und der stechende Muskelkater durch das viele Marschieren, ist der fürchterliche Kopfschmerz, welcher mich Tag und Nacht quält.
Der eilig gepackte Ranzen, den ich noch füllen konnte (Doppelt gemoppelt. Wenn der Ranzen gepackt ist, ist klar, dass dein Protagonist ihn füllen konnte.), verhindert wenigstens, dass ich verhungere. Als Delikatesse bezeichne ich das matschige, alte Brot nicht, aber es erfüllt seinen Zweck. Ausserdem wäre es fast schon tragische Ironie, wenn ich all die Gefahren überstanden hätte, nur um hier mein kümmerliches Ende zu finden – verhungert auf einem Felsen, angeknabbert von Käfern und Maden. Andererseits ist Sterben heutzutage bei weitem einfacher, als am Leben zu bleiben. Vor allem mit einer Vorgeschichte wie meiner.
Alles hat sich im letzten Jahr verändert, überwiegend zum Schlechten. Wo einst Freiheit und Ehre geherrscht haben, riecht man heute den Gestank von Verrat und Tod. Ebenso wie Freundschaft sucht man Vertrauen und Hoffnung vergebens.  
Deshalb bin ich weiterhin unermüdlich auf meiner Mission. Ich werde es mir nicht erlauben zu scheitern. Nicht so nahe am Ziel. Damit das, wofür so viele gestorben sind, nicht umsonst gewesen ist.
(Der ganze Absatz trieft vor Kitsch und Klischee, weil deine Beschreibungen (Freundschaft, Verrat, Hoffnung, Vertrauen) bestenfalls an der Oberfläche kratzen. Das ist so, als man dich fragen würde, worum es in deinem Buch geht und du sagen würdest: Es geht um Freundschaft und um Verrat und um eine Hoffnung, die nie stirbt. Du musst bei deinen Beschreibungen schon etwas konkreter werden, damit du den Leser mit deiner Geschichte (die sich ja von anderen abheben soll) fesseln kannst. Das heißt nicht, dass du alles verraten sollst, aber wende dich von diesen Allerweltsbegriffen ab.)
Meine Reise führt mich immer wie näher an Mirdrow heran. Jenes Kloster, das vor unzähligen Jahrhunderten erbaut wurde und sich noch heute majestätisch von all den anderen Bauten abhebt. Die grauen Gänge des steinernen Labyrinths, die sich wie eine Schlange um das Kloster winden, haben noch nie eine Seele verschont. Den richtigen Weg zu kennen ist die einzige Möglichkeit, diesem Friedhof so vieler Abenteurer und Plünderer, zu entrinnen.
Die wenigen Glücklichen, die es lebendig nach Mirdrow geschafft haben und auch wieder heil zurück gekehrt sind, haben von mysteriösen Gerätschaften, magischen Portalen und einer Bibliothek, die das gesamte Wissen der bekannten Welt beherbergen soll berichtet. Auch dass ein uralter und mächtiger Magierbund die ehrfurchtgebietenden Hallen als Heimat benützt, ist ein offenes Geheimnis. Ihnen könnte ich mein Schicksal erzählen und so vielleicht etwas Hoffnung zurück in diese bemitleidenswerte Welt bringen. (Dein Protagonist ist also nur auf dem Weg, um den Magiern seine Sorgen zu erzählen?)
Allzu lange wird meine Reise nicht mehr dauern. Einen Tagesmarsch, höchstens zwei. Dann sollte ich vor den Toren Mirdrows stehen und diesen endlosen Irrgarten betreten. Den Weg hat mir ein alter Freund verraten. Hoffentlich hat er sich nicht geirrt.“ (Hatte Berti glaube ich schon erwähnt, dass dieser Satz wie aus dem Mund eines Kindes klingt. Würde ich umformulieren oder weglassen.)

Das Gewitter schien langsam weiter zu ziehen und auch die dichten Wolken würden sich bald lichten. Ein Zeichen, meine bescheidene Habe zusammenzupacken, sorgfältig und ordentlich, bemüht, die noch feuchte Tinte nicht unabsichtlich zu verschmieren. Wenige Augenblicke danach war es so weit. Der Regen wurde von zartem Sonnenschein abgelöst, meinem Signal zur Weiterreise.


Du siehst, es gibt noch einiges zu tun. Wink
Das ist jetzt nur meine ganz persönliche Meinung, aber ich glaube, mir hätte die Geschichte besser gefallen, wenn du sie in der dritten Person erzählt hättest.
Eine Geschichte mit einem Tagebucheintrag zu beginnen, kann durchaus ihren Reiz haben, hier würde ich das allerdings noch einmal überdenken. Geschuldet durch den langen Eintrag passiert im ganzen Text so gut wie nichts, es gibt keine erkennbare Handlung und somit auch keine Spannung. Auch wird nicht wirklich deutlich, warum sich dein Held auf den Weg in das Kloster macht. Wieso beginnst du deinen Text nicht mit einer aktiven Handlung, anstatt einfach nur davon zu berichten, dass sich jetzt alles zum Schlechten gewendet hat?
Wenn du wirklich Wert auf einen Prolog legst, würde ich ihn komplett anders gestalten und bei den Geschehnissen ansetzten, die deine Welt so verändert haben. Dieses hier ist eher ein Kapitel 1.
Gut finde ich, dass du im Bereich Rechtschreibung, Grammatik und Interpunktion relativ sicher bist, so lässt sich der Text immerhin flüssig lesen.

Ich hoffe, du kannst ein paar Sachen gebrauchen. Wink

Viele Grüße,

Hitchhiker


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BeitragVerfasst am: 14.03.2012 14:12    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich hoffe ich quäle euch nicht mit meinem dritten Kapitel smile
Nur hätte ich gerne eine Rückmeldung, ob die Geschichte stets noch an Klischees ertrinkt Very Happy

Habe versucht ein paar heraus zu streichen



Gedächtnislücken
Jeremias hatte eine letzte Chance erwähnt. Das verwirrte mich. Wieso hätte der Magierzrikel nur diesen wehrlosen Burschen aussenden sollen? Jemanden der kaum ein Eichhörnchen besiegen konnte. Etwas passte nicht zusammen, nur erschloss sich mir nicht was. Nimrod war sicherlich der bedeutendste Handelsposten in der Gegend gewesen, aber sie hatten nichts besessen, was für einen Magier interessant gewesen wäre. Während meinem Aufenthalt dort, konnte ich weder besonders starke, magische Gegenstände entdecken, geschweige denn etwas, das unserem Land aus der Dunkelheit geholfen hätte.
Meinen Kopf voller Gedanken, übermannte mich erneut das Bedürfnis zu rasten. Ich rechnete bis zu meiner Ankunft in Mirdrow noch mit fünf Stunden. Eine uralte, riesige Tanne errang meine Aufmerksamkeit. Sie bot einen symphatischen Schatten und ich beschloss mich unter ihrem Schutz ein wenig auszuruhen.
Die kurze Begegnung mit Jeremias liess mich nicht mehr los. In Nimrod musste es etwas gegeben haben, was ich übersehen hatte. Glücklicherweise schrieb ich, seit mein Gedächtnis ab und zu kleine Aussetzer hatte, meine Gedanken und Taten akribisch genau in mein Tagebuch. Von Aussen übersah man leicht, dass sich darin das letzte Jahr meines Lebens befand. Es las sich wie ein trauriges Drama. Nicht besser als jene, die man im Wirtshaus von alten Seeleuten erzählt bekam. Das Drama eines ganzen Landes.

Tag 329 nach dem Anfang:
Voller Ehrfurcht bin ich heute Morgen vor dem gigantischen Verteidigungsturm Nimrods gestanden. Ein Meisterstück menschlicher Architekturkunst. Nimrod ist der zentrale Handelsposten des westlichen Tieflands. Von hier aus braucht man drei Tage nach Mirdrow. Bald werde ich am Ziel meiner Reise sein.
Während der riesige Turm aus riesigen, quadratischen Steinblöcken gefertigt ist, ist mir die aus kleineren Felsen gefertigte Mauer fast schon niedlich erschienen. Am Torhaus habe ich nur zwei Wachen ausgemacht, zehntausend mal zu wenig, um die drohende Gefahr abwehren zu können. Diese armen Seelen ahnten noch nichts von ihrem bemitleidenswerten Schicksal. Das Innere der Stadt ist in zwei Teile aufgeteilt. Einen äusseren Ring, in dem sich allerhand skurrile Geschäfte befinden sowie das Wirtshaus „Zum heulenden Kater“ und eine Art Besucherzentrum. Im inneren Ring finden sich hauptsächlich militärische Einrichtungen. Eine heruntergekommene Kaserne, die winzige Waffenkammer und das Rathaus des Bürgermeisters. Ich betrat Nimrod über das Haupttor, und wurde freundlich von den beiden Wachen begrüsst. Ich wollte hier gar nicht anhalten, doch die drohende Knappheit meiner Vorräte hat mich dazu gezwungen. Für die Reise nach Mirdrow hat mein Proviant nicht mehr ausgereicht. Mein Magen hat sich nach ein wenig Hase, einem knusprigen Leib Brot, etwas Wasser und wenn möglich einer Flasche Wein gesehnt. Ich habe in meiner Eile keine Zeit verloren und habe den ersten Händler, der mir aufgefallen ist, angesprochen. Nach dem üblichen Feilschen habe ich dem Händler den geforderten Betrag gegeben und habe alles in meinen Reisebeutel verstaut. Woanders wäre ich sicher billiger davon gekommen, doch ich wollte mich ja beeilen. Dafür geniesse ich jetzt die gute Flasche Wein und gehe schlafen, um morgen in aller Frische weiter zu reisen.“


Noch nichts...
Mein verdammtes Gedächtnis. Ein Heilkundiger hatte es vor Jahren als stetigen Verlust meiner Seele bezeichnet. Wahrscheinlich infolge einer unbekannten Krankheit, die mich langsam töten müsste. Jedoch hatte sie bis jetzt nur mässigen Erfolg dabei. Und je weniger Seele in meinem Körper inne wohnte, desto weniger vergangene Bilder konnte mein Kopf speichern.
Ich übersprang einige nichts sagende Seiten, des inzwischen zu vier Fünfteln gefüllten Buches.

„Tag 331 nach dem Anfang:
Ein alles erschütterndes Donnern riss mich aus dem Schlaf. Ein wenig benommen durchquerte ich mein zuvor gemietetes Zimmer im „Zum heulenden Kater“. Von dem kleinen, runden Fenster aus, hatte ich einen hervorragenden Blick auf den imposanten Hauptturm. Zumindest das, was von ihm übrig geblieben war. Riesige Steinkugeln vielen wie ein zerstörerischer Feuerregen vom Himmel und da selbst das Bollwerk Nimrods in wenigen Sekunden fiel, gab es für den Rest der Stadt keine Hoffnung mehr. Dass die Stadtmauern inzwischen mehr Sieb als Schutzwall gewesen waren, bestätigte meine Annahme. Der Marktplatz lieferte einen erschreckenden Anblick. Angsterfüllte Menschenströme rissen die Marktstände wie eine Flutwelle mit sich, etliche zertrampelte Leichen zierten den Pflasterbelag. Als einer der pickelharten Todbringer im Haus gegenüber einschlug, blieb mir nur die Flucht...“


Vergessen war ein Fluch. Hier allerdings empfand ich es als Segen. Nimrods Schicksal war grausam gewesen. Zu grausam, als das ich es nochmals lesen wollte. Deswegen übersprang ich auch die nächsten zwei Seiten, in denen ich das Massaker an der Bevölkerung detailliert dokumentierte.

„Zwei Soldaten verbarrikadierten die hölzerne Ratshaustüre mit allem Material, das sie in der Halle finden konnten. Und obschon eine immense Anzahl von Tischen und Stühlen zusammenkam, würde es die angreifenden Horden nicht lange aufhalten können. Ich verteilte den Anwesenden einige Schwerter, die ich zuvor auf dem Weg zum Rathaus, den toten Verteidigern abgenommen hatte. Das war nicht viel, erhöhte unsere Chancen aber minimal. Zu allem Übel hatte ich auch meinen ganzen zuvor gekauften Proviant verloren.
Von draussen drangen verzweifelte Schreie, lautes Gebrüll und das Geräusch der immer noch einschlagenden Felsbrocken ein. Neben mir und den zwei verbleibenden Soldaten, waren nur noch ein Händler und drei Bauern in dieser Mausefalle gefangen. Ein  bedrohliches Hämmern setzte plötzlich ein und jeder von uns konnte sehen, dass die Türe wie ein Herz anfing zu schlagen. Lange hätte es nicht mehr dauern können, bis die Türe nachgegeben hätte.
Es war ausweglos!  Hinter dem einzigen Ausgang wartete der sichere Tod und ausser Bücherregalen gab es hier nichts mehr. Der Händler wurde panisch... kein guter Zeitpunkt, die Beherrschung zu verlieren. Er schlug und dreschte gegen die Regale, solange bis eines zu Boden knallte und den ihn  unter sich begrub. Er jammerte und bettelte uns an, ihm zu helfen, doch Helden waren die ersten, die in dieser Zeit aus dem Leben schieden. Die Soldaten und Bauern formierten sich derweil vor der Tür – wie sinnlos. Ich hingegen erspähte am früheren Platz des Regals eine kleine, leicht zu übersehende Einkerbung. Instinktiv drückte ich mit aller Kraft gegen die geflieste Mauer und merkte wie sie sich langsam gegen innen bewegte. Gerade in diesem Moment gab die Türe nach, und die dunklen Gestalten, überrannten wild brüllend die Tische, um sich den letzten fünf Bewohnern der Stadt zu widmen. Es war keine Zeit für Helden...  Ich ignorierte das hinter mir Geschehene, betrat einen dunklen Gang und schloss das Mauerwerk hinter mir.“


Ohne Erfolg versuchte ich mir einzureden, dass Richtige getan zu haben. Meine sichere Ankunft in Mirdrow war wichtiger, als all die Toten in Nimrod zusammen. Sicherlich nicht die ehrenwerteste Einstellung, aber eine, die die Überlebenschancen immens erhöhte.

„Ein Fluchttunnel... Dieses verdammte Genie von einem Architekten. Ich befand mich in einem schmalen Gang, kaum breit genug für eine Person. An der Wand bemerkte ich einige Fackeln, von denen ich eine mit zwei Steinen entzündete. Ich musste mich aus dem Staub machen, ansonsten würde mir das gleiche Schicksal wie den andern blühen. Mit der Fackel in der linken und meinem Schwert in der rechten Hand eilte ich den schlauchartigen Weg entlang, bis ich zu einer Art Vorraum kam. Auf dem steinernen Tisch fand ich etwas Brot, welches ich einsteckte sowie ein wenig Wasser. Etwas anderes Brauchbares konnte ich nicht entdecken. Danach öffnete ich die morsche Holztür am Ende des Raums, welche mich am Rand des Waldes in die Freiheit führte. Am Himmel entdeckte ich schon einzelne Wolken, die ein nahendes Gewitter ankündigen wären.“

Ich beschloss meine Rast zu beenden und weiter nach Mirdrow zu marschieren. Anscheinend hatte ich nichts gesehen, was Jeremias Unruhe begründete. Eine Antwort mehr, welche ich in diesem Kloster zu finden hoffte.
Etwas voraus konnte ich sehen, dass der Wald sich langsam zu lichten begann, dahinter müsste sich mein Ziel befinden.


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Berti_Baum
Dichter und Denker


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BeitragVerfasst am: 14.03.2012 23:26    Titel: Antworten mit Zitat

Ich schon wieder ... und ich war gespannt, was du Neues einstellst.

Zuerst: Ich bin mir sicher, mit (deutlich) mehr Übung könntest du in Sachen High-Fantasy irgendwann was richtig Gutes schreiben. Dein Schreibstil gefällt mir (mal abgesehen davon, dass im Text ein paar haarsträubende Rechtschreibfehler sind).

Folgende Dinge sind mir negativ aufgefallen:

1. Du sagst drittes Kapitel. Kommt zwischen dem Prolog, dem 1. Kapitel und diesem noch etwas, was du hier nicht eingestellt hast? Ich hoffe doch! Ansonsten wird das ziemlicher Mist. Du springst nach einem nichtssagenden 1. Kapitel gleich in eine volle Rückblende. Das wirft den Leser schon mal richtig raus.

2. Die Rückblende ist überflüssig, da sie dem Leser nichts Neues erzählt. Zudem halte ich diesen ständigen Wechsel zwischen Rückblende und aktuellem Geschehen für nervig.

3. Der Held ist mein Hauptkritikpunkt. Hast du den entworfen, bevor du mit der Geschichte angefangen hast? Ich meine, bist du bei dem richtig ins Detail gegangen - mit einer Art Lebenslauf o.ä.
Auf mich macht das nicht den Eindruck. Ich finde ihn ziemlich zerfahren und mag ihn schon jetzt nicht. Tut mir leid! Das hat aber Gründe.

Ich kann sein Handeln wieder nicht nachvollziehen. Einerseits wirkt er melancholisch (z.B. sinniert über das ach so tragische Schicksal von Nimrod) aber andererseits erneut kaltblütig (z.B. lässt den Händler unter dem Regal liegen). Dann weiß er, dass sie im Rathaus in der Falle sitzen aber gleichzeitig geht er mit rein. Und Zeit genug für einen anderen Plan hatte er vermutlich, wenn er auf dem Weg dorthin noch Schwerter einsammelt. Was im Übrigen genauso abwegig ist, da er ja selbst sagt, dass Kämpfen sinnlos ist.

Wenn ich ein so wohlformuliertes Tagebuch lese, stelle ich mir den Schreiber als einen alten Mann, mit Brille und ellenlangem Bart vor, der an seinem Tisch festgewachsen ist. Einen beinharten Kämpfer vermute ich da eher nicht. Zugegeben, du versuchst es zu begründen. Und ich lasse mich gern von einem schwertschwingenden, blutlüsternen, knochenzertrümmernden Schreiberling in die Geschichte ziehen (was mal so gar kein Klischee ist) aber bitte stell den Charakter auch so glaubhaft dar. Wohl gemerkt, der Schreiberling und der Alzheimerbarbar sind ausbaufähige Gerüste für einen äußerst interessanten Hauptcharakter. Das hätte garantiert was.

4. Über die Nimrod-Szene will ich nicht mehr viele Worte verlieren. Da passt einiges nicht. Aber gib zu, dass du über die Begebenheit mit dem Geheimtunnel selber lachen musst. Nicht, dass es unmöglich wäre, aber hier solltest du dem Leser einen guten Grund liefern, warum ausgerechnet der Held diese winzige Einkerbung findet. Ein Anfang wäre, wenn er gezielt nach einer Geheimtür oder Luke sucht ...

Das war es erstmal von mir. Bei Bedarf reiche ich noch was nach.  Laughing
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BeitragVerfasst am: 15.03.2012 08:11    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Berti_Baum hat Folgendes geschrieben:
Ich schon wieder ... und ich war gespannt, was du Neues einstellst.

Zuerst: Ich bin mir sicher, mit (deutlich) mehr Übung könntest du in Sachen High-Fantasy irgendwann was richtig Gutes schreiben. Dein Schreibstil gefällt mir (mal abgesehen davon, dass im Text ein paar haarsträubende Rechtschreibfehler sind).


Uehhh, Licht am Ende des Tunnels Very Happy


Berti_Baum hat Folgendes geschrieben:

1. Du sagst drittes Kapitel. Kommt zwischen dem Prolog, dem 1. Kapitel und diesem noch etwas, was du hier nicht eingestellt hast? Ich hoffe doch! Ansonsten wird das ziemlicher Mist. Du springst nach einem nichtssagenden 1. Kapitel gleich in eine volle Rückblende. Das wirft den Leser schon mal richtig raus.


Du deinem Erschüttern, das war die Forsetzung von K1, da der Prolog zu K1 wurde und K1 zu K2^^

Zitat:
2. Die Rückblende ist überflüssig, da sie dem Leser nichts Neues erzählt. Zudem halte ich diesen ständigen Wechsel zwischen Rückblende und aktuellem Geschehen für nervig.


Die Rückblenden ziehen sich eigentlich durchs ganze Buch und sollen Hintergrund vermitteln. Die Geeschichte fängt ja eigentlich bei Tag 333 an, alles dahinter wird mit dem Tagebuch erklärt.

Zitat:
3. Der Held ist mein Hauptkritikpunkt. Hast du den entworfen, bevor du mit der Geschichte angefangen hast? Ich meine, bist du bei dem richtig ins Detail gegangen - mit einer Art Lebenslauf o.ä.
Auf mich macht das nicht den Eindruck. Ich finde ihn ziemlich zerfahren und mag ihn schon jetzt nicht. Tut mir leid! Das hat aber Gründe.

Ich kann sein Handeln wieder nicht nachvollziehen. Einerseits wirkt er melancholisch (z.B. sinniert über das ach so tragische Schicksal von Nimrod) aber andererseits erneut kaltblütig (z.B. lässt den Händler unter dem Regal liegen). Dann weiß er, dass sie im Rathaus in der Falle sitzen aber gleichzeitig geht er mit rein. Und Zeit genug für einen anderen Plan hatte er vermutlich, wenn er auf dem Weg dorthin noch Schwerter einsammelt. Was im Übrigen genauso abwegig ist, da er ja selbst sagt, dass Kämpfen sinnlos ist.


Der Held gefällt mir auch nicht sooooo sehr. Very Happy  Hatte mal nen Lebenslauf, aber ab Seite 100 oder so wollte der nicht mehr so passen, daher hab ich alles ein wenig umgeschrieben....  was zu den erwähnten widersprüchen führte

Zitat:
Wenn ich ein so wohlformuliertes Tagebuch lese, stelle ich mir den Schreiber als einen alten Mann, mit Brille und ellenlangem Bart vor, der an seinem Tisch festgewachsen ist. Einen beinharten Kämpfer vermute ich da eher nicht. Zugegeben, du versuchst es zu begründen. Und ich lasse mich gern von einem schwertschwingenden, blutlüsternen, knochenzertrümmernden Schreiberling in die Geschichte ziehen (was mal so gar kein Klischee ist) aber bitte stell den Charakter auch so glaubhaft dar. Wohl gemerkt, der Schreiberling und der Alzheimerbarbar sind ausbaufähige Gerüste für einen äußerst interessanten Hauptcharakter. Das hätte garantiert was.


Geniale Idee, nur hab ich dazu ne Frage:

Wenn ich jetzt so eine Geschihte habe, wie schreibe ich die in eine Erzählung eines alten Mannes um? (Mit den Tagebuchbucheinträgen und dem was wirklich passiert ist....) Beispielsweise die Begegnung mit Jeremias in K1. Müsste ich das dann nicht theoretisch alles im Plusquamperfekt schreiben, die Erzählung des alten Mannes im Präteritum und das Tagebuch im Präsens?  Very Happy

Der Anfang mit altem Mann wäre dann der: ( die idee hatte ich nämlich auch schon^^)

„Mein Herr, Ihr müsst fliehen!“
Ich schweige, blicke umher.
„Sie werden Euch hängen! Noch reicht die Zeit.“
Ein weiterer Blick Richtung Wand, aber keine Reaktion. Ich denke nach.
„Bei den Göttern, was tut Ihr noch hier? Lange hält die Türe nicht mehr.“
Der prunkvoll vergoldete Spiegel fällt in meinen Blinkwinkel. Und was sehe ich? Einen alten, in feinste Seide gehüllten Mann. Ob mich Seide heute retten kann? Wohl kaum. Vielleicht haben sie auch Mitleid mit einem graubärtigen, zerbrechlichen Mann?
„Hört Ihr das Donnern vor der Türe den nicht? Sie fordern Euren Kopf!“
Armer Isodor. Er versteht es nicht. Mein Kopf ist das wertlosteste in diesem Raum.
„Sagt doch endlich etwas!“
Nach Sprechen ist mir gerade gar nicht zumute. In der lethargischen Ruhe, die ich mir in den letzten dreissig Jahren angewöhnt habe, öffne ich die unterste Schublade meines Schreibtisches und entnehme dieser ein Buch.
„Ein Buch? Was macht Ihr da?“
Ich schlage es auf, blättere ein wenig herum und schliesse es wieder. Noch ein Blick, diesmal aus dem Fenster. Rauch steigt auf. Meine Rosen werden diese Nacht auch nicht überleben.
„Bald wird es zu spät sein!“
Es ist auch spät. Normalerweise gehe ich jetzt zu Bett, aber nicht heute.
„Ich will hier nicht sterben. Bleibt Ihr hier? Sie lynchen Euch. Euer Kopf wird einen Pfahl zieren und in den Gassen umher getragen.“
Ob er wirklich denkt, mit meinen 88 Jahren habe ich Angst vor dem Tod. Ich habe bei weitem schlimmeres erlebt, als so eine Lappalie wie das Sterben.
Isodor sammelt einige der herumliegenden Goldmünzen in seine Taschen. Danach wendet er sich dem teuersten Schnaps zu und steckt auch ihn ein.
„Ich werde jetzt gehen. War mir eine Ehre, Herr Zermio.“
„Warte!“
Isodor dreht sich um, sichtlich verwundert, dass ich meine faltigen Mundwinkel doch noch bewegen kann.
„Endlich beeilt Euch, schnell!“
„Nein.“
„Was heisst nein?“
„Setzt dich!“
„Was?“
„Setzten, sofort!“
Er schaut mich an. Man kann seine Todesangst genau so sehen, wie seine Verwirrung.
„Schliess die Zimmertür. Ich erzähle dir jetzt etwas, danach flieh!“
„Mein Herr…“
„Die Türe wird schon halten und den Fluchttunnel kennen sie nicht. Wir haben Zeit.“
Wieder nehme ich das Buch zur Hand. Isodor setzte sich vor den Schreibtisch und blickte hinaus.
„Sie Euch töten. Und mich, weil ich Euer Diener bin.“
„Eine Kerze, bitte zünde doch eine Kerze an.“
„Hier.“
„Danke!“
Mit der Kerze neben mir, schlage ich erneut das zerfledderte Buch auf.
„Dieses grüne Buch da, ist das wichtig?
Ein Schmunzeln lockerte mein Gesicht.
„Wichtig? Es ist eine Geschichte. Und ja, es ist wichtig. So immens wichtig, dass ich hier bleibe.“
Nun schweigt er.
„Vor 50 Jahren, lange bevor du geboren wurdest, bedrohte eine schreckliche Dunkelheit dieses Land.“
„So wie heute?“
„Nein, ich meine keinen kümmerlichen Aufstand. Ich rede vom puren Bösen.“
„Sie reden vom dunklen Krieg. Vom Dämon Valdemir und dem schwarzen Zauberer Vanggard. Davon haben wir in der Schule Geschichten erzählt bekommen.“
„Nur in diesem Buch steht die Wahrheit.“
„Wahrheit…“
Ein lautes Knallen erschüttert das ganze Anwesen. Anschei-nend versuchen sie nun mit grösserem Geschütz das Tor aufzubrechen.
„…Mein Herr!“
„Nur die Ruhe und hör zu. Ich war dabei. Vom traurigen An-fang bis zum bitteren Ende. Alles auf Papier geschrieben, hier drin.
Ich tippe einige Male mit meinen dürren Fingern auf das Buch. Isodor scheint interessiert zu sein.
„Meine letzte Aufgabe an dich Isodor. Nein, mein letzter Wunsch. Leiste einem toten Mann noch ein wenig Gesellschaft und hör dir an, was er zu sagen hat. Danach pack das Gold, den Schnaps, was immer du willst und zieh deiner Wege.“
„Dafür reicht die Zeit nicht!“
Etwas schwerfällig erhebe ich mich, hinke zu einem der Bilder und ziehe mit der kümmerlichen Kraft, die ich noch besitze daran. Ein leiser Klick ertönt.
„Falls es nicht reicht, drücke mit aller Kraft gegen die Wand. Sie wird nachgeben und dich ins Freie führen.“
„Dann können wir beide fliehen, kommt.“
Zurück in meinem Sessel, zwinkere ich Isodor zu.
„Meine Zeit ist vorbei. Endgültig. Aber wirst du bleiben?“
Er schweigt. Danach folgt ein Nicken.


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Karin
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BeitragVerfasst am: 15.03.2012 10:42    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Writter,

ich finde, dass dein Text den Ton einer Fantasy-Geschichte schon gut trifft. Allerdings gefällt mir der Anfang als Tagebucheintrag weniger. Den Eintrag könntest du vermeiden, wenn du den Text etwas umschreibst. Und bemühe dich mehr, deinen Prota mit Dingen zu charakterisieren, die im Hier und Jetzt passieren. Oft sind deine Rückblenden nicht nötig.

Ich habe das mal für den Anfang versucht...

Tag 333 nach dem Anfang:
Die kalten Böen, die regelmäßig durch die Höhle ziehen, lassen mich jedes Mal aufs Neue erschauern. An Schlaf ist nicht zu denken. Zu laut ist das draußen wütende Gewitter, das neben Blitz und krachendem Donner auch mehr Regen bringt, als es für den umliegenden Wald gut wäre. Wasser tropft kontinuierlich von der Decke, zerschellt am Boden und versickert in den zahlreichen Felsspalten.

Ich habe keine Kraft mehr, mich gegen die Nässe zu wehren. Dennoch strecke ich mich, um nach meinem Schwert zu greifen. Jeder Teil meines Körpers schmerzt. Schlimmer als die alten Kriegsverletzungen ist der stechende Muskelkater durch den langen Marsch. Ich ziehe mein Schwert zu mir und beginne, sorgfältig die geschärfte Klinge an meinem Mantel zu trocknen. Die monotone Arbeit füllt die einsame Leere, die mich hier zu verschlingen droht.
Alles hat sich im letzten Jahr verändert. Wo einst Freiheit und Ehre herrschten, riecht man heute den Gestank von Verrat und Tod. Ich kann es mir nicht erlauben zu scheitern. Nicht so nahe vorm Ziel.

Mit der Schwertspitze angele ich nach meinem Ranzen und wühle nach Essbarem. Der eilig gepackte Ranzen gibt nicht viel her -- ein letzter Rest von matschigen Brot, der von Maden und Käfern bevölkert ist. Ich sammle das Viehzeug herunter und lasse es auf dem Boden entkommen. Dann beginne ich zu kauen und kämpfe bald gegen die aufsteigende Übelkeit. Es wäre schon tragische Ironie, wenn ich all die Gefahren überstanden hätte, nur um hier mein kümmerliches Ende zu finden – verhungert auf einem Felsen, verfressen von Käfern und Maden. Ich zwinge den Bissen hinunter. Das Sterben ist heutzutage bei weitem einfacher, als am Leben zu bleiben.

Lange wird meine Reise nicht mehr dauern. Einen Tagesmarsch, höchstens zwei. Dann sollte ich vor den Toren Mirdrows stehen, jenes Kloster, das vor unzähligen Jahrhunderten erbaut wurde und das sich noch heute majestätisch von all den anderen Bauten abhebt. Die grauen Gänge des steinernen Labyrinths, die sich wie Schlangen um das Kloster winden, haben bisher kaum eine Seele verschont. Die wenigen Glücklichen, die lebendig von Mirdrow zurückgekehrt sind, berichten von mysteriösen Gerätschaften, magischen Portalen und einer Bibliothek, die das gesamte Wissen der bekannten Welt beherbergen soll. Und es gibt die Gerüchte, dass ein uralter, mächtiger Magierbund in den ehrfurchtgebietenden Hallen weilt. Ihm will ich mein Schicksal erzählen und so etwas Hoffnung zurück in diese bemitleidenswerte Welt bringen. Damit das, wofür so viele gestorben sind, nicht umsonst gewesen ist.

Das Gewitter schien langsam weiter zu ziehen, ein Zeichen meine bescheidene Habe zusammen zu packen. Wenige Augenblicke später war es soweit. Der Regen wurde abgelöst. Von zartem Sonnenschein. Es war das Signal zur Weiterreise.


Der Text und insbesondere die Übergänge sind natürlich immer noch nix. Ich wollte nur zeigen, wie du deine Story kürzen kannst, um im Gegenzug etwas Raum für Details zu gewinnen, die die Geschichte lebendiger machen. (Für meinen Geschmack könnte noch mehr gekürzt werden.)

LG Ka

PS: Habe gerade gesehen, dass du schon weiter gemacht hast. Ich lad den Text trotzdem mal hoch. Vielleicht hilft es für die nächsten Kapitel.

edit: kleine Wortwiederholung
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Maestro
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BeitragVerfasst am: 15.03.2012 13:58    Titel: Neuer Anfang Antworten mit Zitat

Hallo Writter,

habe mir mal deinen Anfang mit dem alten Mann angesehen,

Einige kleine Kritikpunkte:

"Noch reicht die Zeit" würde ich an den ersten Satz anhängen. Dann steht "Sie werden euch hängen" allein und ist m.E. wesentlich eindringlicher.
"Lange hält die Tür nicht mehr stand?
Den Bezug auf die Seide weglassen, selbst wenn er später erklärt werden sollte.
"Nach Sprechen ist mir..." ist überflüssig.
"Es ist auch spät.Normalerweise...." Ein Wortspiel, dass eher belustigend klingt. Bitte nicht.
"Isidor setzt(e) Zeitfehler, im Präsens bleiben.
"Sie euch töten" Da fehlt wohl was!
Eine Kerze... Das "Hier" und "Danke" wirkt vollkommen unpassend. Weg damit
"Dieses grüne..." Die Frage ist unlogisch. Wenn er in dieser Situation zu einem Buch greift, ist es natürlich wichtig. Mir fällt aber auch kein besserer Übergang ein.

Viele Grüsse

Maestro


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BeitragVerfasst am: 15.03.2012 14:10    Titel: Re: Neuer Anfang pdf-Datei Antworten mit Zitat

Maestro hat Folgendes geschrieben:
Hallo Writter,

habe mir mal deinen Anfang mit dem alten Mann angesehen,

Einige kleine Kritikpunkte:

"Noch reicht die Zeit" würde ich an den ersten Satz anhängen. Dann steht "Sie werden euch hängen" allein und ist m.E. wesentlich eindringlicher.
"Lange hält die Tür nicht mehr stand?
Den Bezug auf die Seide weglassen, selbst wenn er später erklärt werden sollte.
"Nach Sprechen ist mir..." ist überflüssig.
"Es ist auch spät.Normalerweise...." Ein Wortspiel, dass eher belustigend klingt. Bitte nicht.
"Isidor setzt(e) Zeitfehler, im Präsens bleiben.
"Sie euch töten" Da fehlt wohl was!
Eine Kerze... Das "Hier" und "Danke" wirkt vollkommen unpassend. Weg damit
"Dieses grüne..." Die Frage ist unlogisch. Wenn er in dieser Situation zu einem Buch greift, ist es natürlich wichtig. Mir fällt aber auch kein besserer Übergang ein.

Viele Grüsse

Maestro


Danke für die Verbesserungen Very Happy , hier mal das ganze neue erste Kapitel. Danach kommt der Tagebucheintrag.  Nur weiss ich immer noch nicht in welcher Form ich die Geschichte (also quasi seine Erzählung dann schreiben muss) Danke für Tipps  Laughing

Ein letzter Wunsch

„Mein Herr, Ihr müsst fliehen! Noch reicht die Zeit.“
Ich schweige, blicke umher.
„Sie werden Euch hängen!“
Ein weiterer Blick Richtung Wand, aber keine Reaktion. Ich denke nach.
„Bei den Göttern, was tut Ihr noch hier? Lange hält die Türe nicht mehr stand.“
Der prunkvoll vergoldete Spiegel fällt in meinen Blinkwinkel. Und was sehe ich? Einen alten Mann. Graubärtig und zerbrechlich.
„Hört Ihr das Donnern vor der Türe den nicht? Sie fordern Euren Kopf!“
Armer Isodor. Er versteht es nicht. Mein Kopf ist das wertlosteste in diesem Raum.
„Sagt doch endlich etwas!“
In der lethargischen Ruhe, die ich mir in den letzten dreissig Jahren angewöhnt habe, öffne ich die unterste Schublade meines Schreibtisches und entnehme dieser ein Buch.
„Ein Buch? Was macht Ihr da?“
Ich schlage es auf, blättere ein wenig herum und schliesse es wieder. Noch ein Blick, diesmal aus dem Fenster. Rauch steigt auf. Meine Rosen werden diese Nacht auch nicht überleben.
„Bald wird es zu spät sein und ich will hier nicht sterben. Bleibt Ihr hier? Sie lynchen Euch. Euer Kopf wird einen Pfahl zieren und in den Gassen umher getragen!“
Ob er wirklich denkt, mit meinen 88 Jahren habe ich Angst vor dem Tod. Ich habe bei weitem schlimmeres erlebt, als so eine Lappalie wie das Sterben.
Isodor sammelt einige der herumliegenden Goldmünzen in seine Taschen. Danach wendet er sich dem teuersten Schnaps zu und steckt auch ihn ein.
„Ich werde jetzt gehen. War mir eine Ehre, Herr Zermio.“
„Warte!“
Isodor dreht sich um, sichtlich verwundert, dass ich meine faltigen Mundwinkel doch noch bewegen kann.
„Endlich beeilt Euch, schnell!“
„Nein.“
„Was heisst nein?“
„Setzt dich!“
„Was?“
„Setzten, sofort!“
Er schaut mich an. Man kann seine Todesangst genau so sehen, wie seine Verwirrung.
„Schliess die Zimmertür. Ich erzähle dir jetzt etwas, danach flieh!“
„Mein Herr…“
„Die Türe wird schon halten und den Fluchttunnel kennen sie nicht. Wir haben Zeit.“
Wieder nehme ich das Buch zur Hand. Isodor setzt sich vor den Schreibtisch und blickte hinaus.
„Sie Euch töten. Und mich, weil ich Euer Diener bin.“
„Eine Kerze, bitte zünde doch eine Kerze an.“
Mit der Kerze neben mir, schlage ich erneut das zerfledderte Buch auf.
„Dieses grüne Buch da, ist das wichtig?
Ein Schmunzeln lockerte mein Gesicht.
„Wichtig? Es ist eine Geschichte. Und ja, es ist wichtig. So immens wichtig, dass ich hier bleibe.“
Nun schweigt er.
„Vor 50 Jahren, lange bevor du geboren wurdest, bedrohte eine schreckliche Dunkelheit dieses Land.“
„So wie heute?“
„Nein, ich meine keinen kümmerlichen Aufstand. Ich rede vom puren Bösen.“
„Sie reden vom dunklen Krieg. Vom Dämon Valdemir und dem schwarzen Zauberer Vanggard. Davon haben wir in der Schule Geschichten erzählt bekommen.“
„Nur in diesem Buch steht die Wahrheit.“
„Wahrheit…“
Ein lautes Knallen erschüttert das ganze Anwesen. Anschei-nend versuchen sie nun mit grösserem Geschütz das Tor aufzubrechen.
„…Mein Herr!“
„Nur die Ruhe und hör zu. Ich war dabei. Vom traurigen An-fang bis zum bitteren Ende. Alles auf Papier geschrieben, hier drin.
Ich tippe einige Male mit meinen dürren Fingern auf das Buch. Isodor scheint interessiert zu sein.
„Meine letzte Aufgabe an dich Isodor. Nein, mein letzter Wunsch. Leiste einem toten Mann noch ein wenig Gesellschaft und hör dir an, was er zu sagen hat. Danach pack das Gold, den Schnaps, was immer du willst und zieh deiner Wege.“
„Dafür reicht die Zeit nicht!“
Etwas schwerfällig erhebe ich mich, hinke zu einem der Bilder und ziehe mit der kümmerlichen Kraft, die ich noch besitze daran. Ein leiser Klick ertönt.
„Falls es nicht reicht, drücke mit aller Kraft gegen die Wand. Sie wird nachgeben und dich ins Freie führen.“
„Dann können wir beide fliehen, kommt.“
Zurück in meinem Sessel, zwinkere ich Isodor zu.
„Meine Zeit ist vorbei. Endgültig. Aber wirst du bleiben und einem Greis helfen, mit reinem Gewissen in den Himmel zu steigen? Oder zum Teufel, auch die Hölle hätte ich ver-dient.“
Er schweigt. Danach folgt ein Nicken.
„Doch wo soll ich beginnen? Es gibt so viel zu erzählen.“
Wir versuchen den draussen wütenden Mob zu ignorieren. Ab und zu fliegt eine Fackel wie eine aufsteigende Sternschnuppe am Fenster vorbei.
„Wenn sie das Tor nicht öffnen können, werden sie uns verbrennen.“
„Die Fenster sind vergittert, das Mauerwerk aus massiven Stein und das Dach liegt in 10 Metern Höhe. Vertrau dem, der dieses Anwesen eigenhändig aufgebaut hat. Wir sind für den Moment sicher.“
„Natürlich, mein Herr.“
„Eben, wo…“
„Beginnt doch einfach am Anfang Eurer Geschichte und dann arbeiten wir uns vor.“
„Am Anfang?“
„Es gibt doch sicherlich einen Anfang?“
„Den gibt es, den gibt es. Aber dann würdest du es nicht verstehen. Ich selbst verstehe den Anfang nicht.
„Sie verwirren mich.“
„Ich bin auch alt.“
„Draussen herrscht das Chaos, wir stehen kurz vor unserer Exekution... Wäre es nicht an der Zeit zu beginnen?“
„Die Kerze ist aus, kannst du sie wieder anzünden?“
„Mein Herr!!!“
Seinen Schrei hört sogar der Pöbel draussen.
Er ist Zeit an der Zeit anzufangen. Ich habe 50 Jahre gewartet und jetzt stört mich eine unbedeutende Kerze. Vielleicht habe ich auch Angst. Ich weiss es nicht.
„Der Anfang, Herr Zermio!“
„Richtig. Hör zu, ich beginne etwa ein Jahr nach dem Anfang. Der ganze Westen unseres Landes fiel den dunklen Horden Vanggards schon zum Opfer. Meine Wenigkeit reiste gerade zu einem Kloster. Dort hoffte ich auf Hilfe für die noch bevorstehenden Schlachten.“
„Mitten in der Geschichte beginnt Ihr?“
„Lass mich jetzt erzählen!“
„Doch nicht mehr so sicher mit dem Tor?“, wollte Isodor die Situation ein wenig aufheitern – vergeblich.
„Vergiss nicht, dass du immer noch mein Diener bist.“
„Entschuldigung.“
„Wo war ich?“
„Ein Jahr nach dem Anfang, ganzer Westen gefallen!?“
„Stimmt!“
Eine Seite, ziemlich in der Mitte des Buches gelegen, auf-schlagend, wollte ich, glücklich ein 50 Jahre altes Geheimnis endlich weitergeben zu können, mit meiner Erzählung beginnen.
Zuvor räuspere ich noch zweimal, damit meine Stimme ihren 88-jährigen Dienst nicht aufgibt, bevor wir hier fertig sind.
In diesem Moment knallte und knirschte es draussen lauter, als es in den letzten Wochen je der Fall gewesen ist. Isodor rennt zum nördlichen Fenster.
„Das Zeughaus, es ist explodiert! Die haben das Zeughaus gesprengt.“, teilt er mir sichtlich schockiert mit.
„Gut. Einige Waffen weniger, die einige Menschen weniger töten können.“
„Seid Ihr von Sinnen?“
„Nein, mir geht es gut! Nun setzt dich schon hin. Diese Tölpel werden soviel Freude an ihrem kleinen Feuerwerk haben, dass sie uns eine Weile vergessen werden.“
In der Tat, der Lärm nimmt ab. Ein Teil der Menge wandte sich Richtung Zeughaus. Wahrscheinlich in der Hoffnung einige Waffen finden zu können.
„Einige gehen tatsächlich zum Zeughaus.“
„Was habe ich gesagt. Und jetzt bleib endlich mal sitzen und konzentriere dich!“
„In Ordnung, beginnt wo Ihr wollt. Ich schweige und höre.“


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Berti_Baum
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BeitragVerfasst am: 17.03.2012 14:33    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Writter,

ich habe mir dein neues 1. Kapitel sogar zweimal durchgelesen.

Was die Zeitform deiner Geschichte angeht, musst du gar nichts und kannst sogar alles in der Gegenwart schreiben.

Ich bin etwas verwirrt, wo du nun genau mit deiner Geschichte hinwillst. So wie das neue Kapitel anfängt, ist das durchaus möglich. Wenn du das so machen willst, solltest du mMn dem Leser auch einen plausiblen Grund dafür geben, warum der Anfang mit dem alten Mann und dem Knecht beginnt. D.h. irgendwann in deinem Buch sollte Bezug auf die Szene genommen werden. Darum muss dann auch geklärt werden, warum der Alte das ausgerechnet in diesem gefahrvollen Moment (wobei die Gefahr wiederum durch dich abgeschwächt wird) erzählen will. Wenn das innerhalb der Geschichte geklärt wird und dem Leser plausibel erscheint, hast du alles richtig gemacht.

Ich finde den Dialog nicht uninteressant (z.B. mein Kopf ist das Unwichtigste in diesem Raum - sehr schön!) aber so richtig zünden tut er noch nicht.

Denk daran, der Leser wird in die Szene mit dem Alten und dem Knecht geworfen. Also will er auch wissen, was es damit auf sich hat. Ich vermute mal, er wird dann auch (sehr) lange auf eine Auflösung warten müssen, nämlich bis die Erzählung zu Ende ist. Wenn das nur ein lauwarmes Lüftchen sein sollte, wird der Leser das kritisieren.
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BeitragVerfasst am: 21.03.2012 14:07    Titel: Komplettüberarbeitung pdf-Datei Antworten mit Zitat

So, in der letzten Woche habe ich die ersten zwei Kapitel komplett überarbeitet.
Gerne würde ich erfahren was die geschätzte Leserschaft davon hält.
Auch hoffe ich nicht unverschämt zu wirken, wenn ich um eine "ausführlichere" Kritik bitte wink
Und nun meine treuen Buchstaben, ab in die Schlacht Laughing

Ein letzter Wunsch

„Mein Herr, Ihr müsst fliehen! Noch reicht die Zeit.“
Ich schweige, blicke umher.
„Sie werden Euch hängen!“
Ein weiterer Blick Richtung Wand, aber keine Reaktion.
„Bei den Göttern, was tut Ihr noch hier? Die Tür hält nicht mehr lange stand.“
Der prunkvoll vergoldete Spiegel fällt in meinen Blinkwinkel. Und was sehe ich? Einen alten Mann. Graubärtig und zerbrechlich.
„Hört Ihr die Chöre vor dem Tor nicht? Sie fordern Euren Kopf!“
Armer Isodor. Er versteht es nicht. Mein Kopf ist das Wertloseste in diesem Raum.
„Sagt doch etwas!“
In der lethargischen Ruhe, die ich mir in den letzten dreissig Jahren angewöhnt habe, öffne ich die unterste Schublade meines Schreibtisches und entnehme dieser ein Buch.
„Ein Buch? Was macht Ihr da?“
Ich schlage es auf, blättere ein wenig herum und schliesse es wieder. Noch ein Blick, diesmal aus dem Fenster. Rauch steigt auf. Meine Rosen werden diese Nacht auch nicht überleben.
„Bald wird es zu spät sein und ich hänge an meinem Leben. Bleibt Ihr hier? Sie lynchen Euch. Euer Kopf wird einen Pfahl zieren und in den Gassen umher getragen werden!“
Ob er wirklich denkt, mit meinen 88 Jahren habe ich Angst vor dem Tod. Ich habe bei weitem schlimmeres erlebt, als so eine Lappalie, wie das Sterben.
Isodor sammelt einige der herumliegenden Goldmünzen ein und verstaut sie in seinen Taschen. Danach wendet er sich dem teuersten Schnaps zu und steckt auch ihn ein.
„Ich werde jetzt gehen. War mir eine Ehre, Herr Zermio.“
„Warte!“
Isodor dreht sich um, sichtlich verwundert, dass ich meine faltigen Mundwinkel doch noch bewegen kann.
„Endlich, beeilt Euch. Schnell!“
„Nein.“
„Was heisst nein?“
„Setzt dich!“
„Was?“
„Setzten, sofort!“
Er schaut mich an. Ich erkenne die Todesangst in seinem Gesicht genau so, wie seine Verwirrung.
„Schliess die Zimmertür. Ich erzähle dir jetzt etwas, danach flieh!“
„Mein Herr…“
„Die Türe wird schon halten und über den Fluchttunnel wissen sie nichts. Wir haben Zeit.“
Wieder nehme ich das Buch zur Hand. Isodor setzt sich vor den Schreibtisch und blickt hinaus.
„Sie werden Euch töten. Und mich auch, weil ich Euer Diener bin.“
„Eine Kerze, bitte zünde doch eine Kerze an.“
Mit der Kerze neben mir, schlage ich erneut das zerfledderte Buch auf.
„Dieses grüne Buch da, ist das wichtig?
Ich kann mir ein flüchtiges Schmunzeln nicht verkneifen.
„Wichtig? Es ist eine Geschichte. Und ja, sie ist wichtig. So immens wichtig, dass ich hier bleibe.“
Nun schweigt er.
„Vor 50 Jahren, lange bevor du geboren wurdest, bedrohte eine schreckliche Dunkelheit dieses Land.“
„So wie heute?“
„Nein, kein kümmerlicher Aufstand. Ich spreche vom puren Bösen.“
„Sie reden über den dunklen Krieg. Vom Dämon Valdemir und dem schwarzen Zauberer Vanggard. Davon haben wir in der Schule Geschichten erzählt bekommen.“
„Nur in diesem Buch steht die Wahrheit.“
„Wahrheit…“
Ein lautes Knallen erschüttert das ganze Anwesen. Anscheinend versuchen sie nun mit grösserem Geschütz das Tor aufzubrechen.
„…Mein Herr!“
„Nur die Ruhe und hör zu. Ich war dabei. Vom traurigen An-fang bis zum bitteren Ende. Alles auf Papier geschrieben, hier drin.
Ich tippe mit meinen dürren Fingern einige Male auf das Buch. Isodor scheint interessiert zu sein.
„Meine letzte Aufgabe an dich Isodor. Nein, mein letzter Wunsch. Leiste einem toten Mann noch ein wenig Gesellschaft und hör dir an, was er zu sagen hat. Danach pack das Gold, den Schnaps, was immer du willst und zieh deiner Wege.“
„Dafür reicht die Zeit nicht!“
Etwas schwerfällig erhebe ich mich, hinke zu einem der Bilder und ziehe mit der kümmerlichen Kraft, die ich noch besitze daran. Ein leiser Klick ertönt.
„Falls es nicht reicht, drücke mit aller Kraft gegen die Wand. Sie wird nachgeben und dich ins Freie führen.“
„Dann können wir beide fliehen, kommt.“
Zurück in meinem Sessel, zwinkere ich Isodor zu.
„Meine Zeit ist vorbei. Endgültig. Aber wirst du bleiben und einem Greis helfen, mit reinem Gewissen in den Himmel zu steigen? Oder zum Teufel, auch die Hölle hätte ich ver-dient.“
Er schweigt. Danach folgt ein Nicken.
„Doch wo soll ich beginnen? Es gibt so viel zu erzählen.“
Wir versuchen den draussen wütenden Mob zu ignorieren. Ab und zu fliegt eine Fackel wie eine aufsteigende Sternschnuppe am Fenster vorbei.
„Wenn sie das Tor nicht öffnen können, werden sie uns verbrennen.“
„Die Fenster sind vergittert, das Mauerwerk aus massiven Stein und das Dach liegt in 10 Metern Höhe. Vertrau dem, der dieses Anwesen eigenhändig aufgebaut hat. Wir sind für den Moment sicher.“
„Natürlich, mein Herr.“
„Eben, wo…“
„Beginnt doch einfach am Anfang Eurer Geschichte und dann arbeiten wir uns vor.“
„Am Anfang?“
„Es gibt doch sicherlich einen Anfang?“
„Den gibt es, den gibt es. Aber dann würdest du es nicht verstehen. Ich selbst verstehe den Anfang nicht.
„Sie verwirren mich.“
„Ich bin auch alt.“
„Draussen herrscht das Chaos, wir stehen kurz vor unserer Exekution... Wäre es nicht an der Zeit zu beginnen?“
„Die Kerze ist aus, kannst du sie wieder anzünden?“
„Mein Herr!!!“
Seinen Schrei hört sogar der Pöbel draussen.
Es ist Zeit an der Zeit anzufangen. Ich habe 50 Jahre gewartet und jetzt stört mich eine unbedeutende Kerze. Vielleicht habe ich auch Angst. Ich weiss es nicht.
„Der Anfang, Herr Zermio!“
„Richtig. Hör zu, ich beginne etwa ein Jahr nach dem Anfang. Der ganze Westen unseres Landes fiel den dunklen Horden Vanggards schon zum Opfer. Meine Wenigkeit reiste gerade zu einem Kloster. Dort hoffte ich auf Hilfe für die noch bevorstehenden Schlachten.“
„Ihr beginnt mitten in der Geschichte?“
„Lass mich jetzt erzählen!“
„Auch nicht mehr so sicher mit dem Tor?“, wollte Isodor die Situation ein wenig aufheitern – vergeblich.
„Vergiss nicht, dass du immer noch mein Diener bist.“
„Entschuldigung.“
„Wo war ich?“
„Ein Jahr nach dem Anfang, ganzer Westen gefallen!?“
„Stimmt!“
Eine Seite, ziemlich in der Mitte des Buches gelegen, auf-schlagend, wollte ich, glücklich ein 50 Jahre altes Geheimnis endlich weitergeben zu können, mit meiner Erzählung beginnen.
Zuvor räuspere ich noch zweimal, damit meine Stimme ihren 88-jährigen Dienst nicht aufgibt, bevor wir hier fertig sind.
In diesem Moment knallte und knirschte es draussen lauter, als es in den letzten Wochen je der Fall gewesen ist. Isodor rennt zum nördlichen Fenster.
„Das Zeughaus, es ist explodiert! Sie haben das Zeughaus gesprengt.“, teilt er mir sichtlich schockiert mit.
„Gut. Einige Waffen weniger, die einige Menschen weniger töten können.“
„Seid Ihr von Sinnen?“
„Nein, mir geht es gut! Nun setzt dich schon hin. Diese Tölpel werden soviel Freude an ihrem kleinen Feuerwerk haben, dass sie uns eine Weile vergessen werden.“
In der Tat, der Lärm nimmt ab. Ein Teil der Menge wandte sich Richtung Zeughaus. Wahrscheinlich in der Hoffnung einige Waffen zu erbeuten.
„Einige gehen tatsächlich zum Zeughaus.“
„Was habe ich gesagt. Und jetzt bleib endlich sitzen und konzentrier dich!“
„In Ordnung, beginnt wo Ihr wollt. Ich schweige und höre.“

Der Anfang einer Geschichte

„Tag 333 nach dem Anfang:
Kalte Böen ziehen regelmässig durch die Höhle. Jeder Windhauch bringt die Flamme aufs Neue zum Tanzen. Der alles umschlingenden Kälte vermag das kleine Feuer keinen Schaden zuzufügen, doch das Schattenspiel an den kargen Felswänden beruhigt mich. Draussen donnert und stürmt es noch immer. Das eindringende Wasser tropft kontinuierlich von der Decke, zerschellt am Boden und versickert in den zahlreichen Felsspalten. Mein Schwert – könnte es sprechen – würde darüber klagen, hier vor sich hin rosten zu müssen, nachdem es mich, in nicht weniger blutigen als sinnlosen Schlachten beschützt und den grössten Teil meiner fleischlichen Gefährten überlebt hat. Ansonsten leistet mir nur ein eilig gepackter Ranzen Gesellschaft. Das matschige, alte Brot darin ist keine Delikatesse, erfüllt aber seinen Zweck.
In Momenten wie diesen, denke ich gerne zurück. Zurück an die vielen Dinge, die sich überwiegend zum Schlechten verändert haben. Wo heute Tod und Verrat herrschen, flatterte noch vor einem Jahr das Banner der Hoffnung und des Vertrauens. Männer und Frauen wie ich, treue Mitglieder des Widerstands, wurden gejagt wie Vieh und ebenso grausam abgeschlachtet. Ich weiss nicht, ob mich Glück, Verstand oder beides zusammen am Leben erhalten haben. Schlussendlich ist es auch egal. Solange mir ein letzter Rest Energie bleibt, setzte ich meine Reise unermüdlich fort.
Mirdrow ist in greifbarer Nähe. Nur noch ein oder zwei Tagesmärsche trennen mich vom altehrwürdigen Kloster, welches sich noch heute majestätisch von all den anderen Bauten abhebt. Zuvor gilt es jedoch das steinerne Labyrinth zu durchqueren, das das Kloster wie eine Schlange umschlingt. Dieses Grab so vieler Abenteurer und Plünderer bedeutete schon das Ende von so mancher Reise. Neben dem dort ansässigen Magierzirkel ein weiterer Grund, weshalb Mirdrow bisher von Valdmirs Horden verschont geblieben ist. Von eben diesen mächtigen Zauberern erhofft sich der Widerstand Hilfe, um wenigstens den Osten unseres Landes halten zu können. Nach den vernichtenden Niederlagen der Ehrengarde gegen die immer zahlreicher werdenden dunklen Horden, würde eine solche Nachricht, wieder ein wenig Hoffnung in unsere dünnen Reihen bringen.
Ebenfalls würde es, solch starke Magier unsere Verbündeten zu nennen, vielleicht die Lords des Osten wachrütteln. Noch immer sind sie der naiven Überzeugung, dass sich Vanggard mit der Hälfte unseres Landes zufrieden geben wird. Sie schicken ihre Diplomaten los, erhalten ihre Köpfe zurück und schicken eine weitere Delegation los. Der Irrglaube, Vanggards Armee scheue es das Zentralmassiv zu überqueren, wird sie direkt ins Verderben stürzen. Und nachdem der letzte Rest, des von der Ehrengarde kontrollierten Westens, gefallen ist, ruht auf eben diesen Diplomaten und Schönwettergenerälen, ein grosser Teil unserer Hoffnung.
Und in diesen Zeiten ist Hoffnung, abgesehen von wahrer Freundschaft, das wichtigste Gut sowie das, was uns von Vanggards unerbittlichen Bestien unterscheidet“


„Nachdem ich die letzten Zeilen auf Papier gebracht hatte, zog das Gewitter langsam weiter und auch die dichten Wolken lichteten sich. So übervorsichtig, wie ich damals das ganze Jahr gewesen war, verpackte ich mein Tagebuch und den kümmerlichen Rest meiner Habe im Ranzen und bereitete mich auf die Weiterreise vor. Als die ersten Sonnenstrahlen das Wolkendickicht schliesslich durchbrachen, setzte ich mich in Bewegung.“


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