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Originale abkupfern


 

 
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Mardii
Stiefmütterle

Alter: 60
Beiträge: 1838



BeitragVerfasst am: 22.02.2011 01:54    Titel: Originale abkupfern eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Dieses Gedicht habe ich unter dem Eindruck eines tagesaktuellen Geschehens geschrieben. Es ist noch nicht ganz reif. Deshalb würde ich gern eure Meinungen hören. Was haltet ihr davon solcherart Texte zu schreiben?

Originale abkupfern

Die Minute rückt näher
das Kind muss in trockene Tücher
hinterm Rücken schleicht ein ums andere
Mal eine graue Eminenz vorbei.

Draußen geht das Leben -
der Postmann klingelt, liefert
eine Büchersendung, Einschreiben
mit Rückschein, persönlich einzuhändigen -
weiter in den frühen Nachmittag.

Die hatten einen schlechten Ruf,
die nur Kopien anfertigten, aber
das Handwerk beherrschten
vorlagengetreu die Druckplatte zu ritzen.

Mein lieber Freund, Dürer
beschäftigte seine Stecher, welche die
„Melencolia“ eingruben und war selbst
ein Meister der Mathematik.



_________________
`bin ein herzen´s gutes stück blech was halt gerne ein edelmetall wäre´
Ridickully
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Perry
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Alter: 67
Beiträge: 1986



BeitragVerfasst am: 22.02.2011 17:05    Titel: Hallo Mardii, Antworten mit Zitat

meinst du mit "was haltet ihr davon" die Thematik oder den Stil? Wink
Klar, du meinst natürlich die Thematik des Abschreibens ohne Quellenangabe.
Ich denke, das Thema ist nicht neu und wird nur aus politischen Gründen  mal wieder durchs Dorf getrieben.  
Ob Dürrer selbst geritzt oder dafür andere beschäftigt hat, interessiert heutzutage wohl niemand mehr und solange er die Vorlagen geliefert hat, dürfte es auch egal sein.
Aus Termindruck abzukupfern mag ein Grund ala Gutenberg sein, aber letztlich ist es doch das Schmücken mit fremden Federn, das aber im digitalen Zeitalter zwar einfach ist (man braucht keine Bücher mehr einliefern oder besser ausliefern zu lassen), letztlich aber auch leichter nachzuweisen ist.
Langer Rede kurzer Sinn, das Thema ist interessant, wenn auch nicht neu, die Bilder/Vergleiche sind eher schwach und mir fehlt eine (neue)Erkenntnis.
Ich hoffe, es sind Anregungen in meiner Sicht der Dinge für dich dabei.
LG
Perry
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Mardii
Stiefmütterle

Alter: 60
Beiträge: 1838



BeitragVerfasst am: 24.02.2011 02:17    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Zitat:
meinst du mit "was haltet ihr davon" die Thematik oder den Stil?


Ich meint es schon so, wie du es interpretiert hast: Ob man sich am historischen Beispiel einer aktuellen Thematik nähern kann und ob es den Leser anspricht.

Zitat:
Ob Dürrer selbst geritzt oder dafür andere beschäftigt hat, interessiert heutzutage wohl niemand mehr und solange er die Vorlagen geliefert hat, dürfte es auch egal sein.


Ja, wahrscheinlich ist das zu retrospektiv oder besser historisierend. Mir lag an dem Gedanken,dass Menschen wie Dürer universell waren. Heute komprimiert und spezialisiert man und Leute wie Gutenberg versuchen sich einen universellen Anstrich zu geben, indem sie einen Doc. rer. oder phil. vor ihren Namen quetschen.

Der Abschnitt mit dem Briefträger bezieht sich auf ein Copyright-Vorgehen: indem man sich sein Manuskript selbst per Post zuschickt, erreicht man ein Zeugnis von seiner Existenz und Urheberschaft.

Naja, ist etwas von hinten durch die Brust ins Auge.


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Ridickully
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Stimmgabel
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Bronzener Sturmschaden Der goldene Spiegel - Lyrik (2)



BeitragVerfasst am: 02.03.2011 22:47    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Mardii,

bin ja schon länger um Dein Gedicht herumgeschlichen – doch mir fehlte insofern der Kommentier-Mut : -)) , da ich letztlich eine geschlossene Aussage (den Fokus), aus dem Text heraus, bis heute nicht gefunden habe.

Klar – hier gehts u.a. um die Aktualität / Guttenberg und Konsorten.../ der Aufhänger ...

Doch - spüre im Text, für mich, irgendwie eine übergeordnete Funktion heraus – über das simple Thema „Plagiat“ hinausgehend.

Zunächst mal meine inhaltlichen Problemstellen, die sich mir einfach nicht erschließen wollen.

(1) / 1.Strophe / „graue Eminenz“ / gehts hier um denjenigen, dieses hintergründige, wachende Auge bezüglich eines Plagiats – oder um den Plagiat-Akteur?

(2) / Die komplette 2.Strophe ?? / Thema Postmann : Gehts hier um das verschickte Original, oder um das empfangene Abbild? oder um was?

(3) / Letzte Strophe / „und war selbst ein Meister der Mathematik.“ / den Bezug verstehe ich gar nicht???

Nehme ich mal meine Deutungs-Fantasie zur Hand - kam mir folgende Vorstellung:

Das Plagiat beginnt ja dort, wenn Orig Sequenzen eines Autors ohne dessen Erlaubnis(oder unzitiert) andersweitig, unerlaubt verwendet werden.
Doch dieses Thema ist doch klar umrissen – würde das als einzige Aussage für ein Gedicht reichen – ernsthaft, außerhalb eines lapidaren Gags?

Gerade mit Deiner Dürer-Passage sehe ich hier eine viel tiefere, andere Hauptlinie eröffnet – eben diese, dass es letztlich um das veröffentlichte, geistige Eigentum der Verfassers, Schöpfers (wovon auch immer) doch geht,
das,
was aus dem bleibenden Original - egal wo/wie auch woanders - herausstrahlt

und weniger um den Plagiatisten, den lächerlichen Tagedieb – und seine klägliche Leerheit – oder? / was ja letztlich dann einzig eine rechtliche Sache darstellt...

Eben, und zwar als ambivalentisches „auch“ – sicher! (...denn, damals wie auch heute gibt es nun mal die deligierte Autoren-Auftragskunst mit der Autor-Vorlage/Autorgeist – und ist so Absicht.)

Fängt nicht theoretisch dort schon das Plagiat( inszenierte Duplikat) an, wenn ein Original bewusst in die fotografische, gedruckte Vervielfältigung kommt – und zwar dann schon, wenn nicht direkt durch Autors/Schöpfers Hände initiiert? / Ich meine quasi schon – und doch ist ja hier die Einwilligung da.
Eben, wenn diese Vervielfältigung genau die letztliche Hauptintention des Autors ist. (simples Beispiel Drucke, Poster, usw...). Hierzu fällt mir auch das Thema bewusste „faksimile“ ein.

Für mich führt Dein Gedicht in die Gedankenregion - dass das Kunst-Objekt eben das ist, und zwar Original, was eben Autor-inszeniert und erlaubt/beabsichtigt zum einen „das Objekt“ ist/geworden ist,
oder in anderen Objekten offen integriert ist – so in etwa : -))) / und auch dort in seiner Originalität weiter herausstraglt/erkennbar bleibt.

Gibt es nicht auch u.a. die Freude (quasi Zurück-Anerkennung) des Autors/Schöpfers, in anderen Werken/Auslegungen/Aufmachungen aufzutauchen - offen abgekupfert zu werden, verarbeitet zu werden : -))) / eben orientiert an das geistige Original des Ersten.......

=> Irgendwie diese Linie kam mir durch Deinen Text!

Mardii,
Habe mal im Folgenden Dein Gedicht etwas gabelig umgekrittelt : -)) /
würde so in etwa meine Gedanken auffangen.
Guck doch mal:


Originale abkupfern

Die Minute rückt näher
das Kind muss in trockene Tücher – im gläsernen
Glanz.
Hinterm Rücken
schleicht ein ums andere Mal
eine graue Schlange vorbei. Um den reifen Apfel?

Draußen geht das Leben weiter.
Im Briefkasten der erst Druck – das Abbild
das Original
der gute Ruf.

Die hatten einen schlechten Ruf,
die nur Kopien anfertigten, aber
das Handwerk beherrschten
vorlagengetreu die Druckplatte zu ritzen.

Mein lieber Freund, Dürer
beschäftigte seine Stecher, die die
„Melencolia“ eingruben – aus seinem Kopf
das Meisterwerk
und D. war begeistert.

---------------------------------------------------------------------------

Mardii,
Du siehst, bin schon von Deinem Text inspiriert worden Smile / sicher wohl auf eine andere Weise und gemäß Deiner Intention....

wieder einen Gruß, Frank

--


_________________
Gabel im Mund / nicht so hastig...
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Mardii
Stiefmütterle

Alter: 60
Beiträge: 1838



BeitragVerfasst am: 07.03.2011 21:32    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Frank,

entschuldige, habe ich noch gar nicht gesehen, deine Antwort.

Danke dir, für deinen ausführlichen Kommentar, der sehr in die Tiefe geht

1. Mit „graue Eminenz“ bin ich selbst nicht so zufrieden. Hat zu sehr einen klerikalen Anstrich. Gemeint ist ein Lehrer/Mentor, der die Arbeit betreut/überwacht. Gedacht habe ich an einen Lehrer, der während der Klassenarbeit hinter den Schülern herstreicht und aufpasst, dass sie nicht voneinander abschreiben.
2. Geht um das sich bestätigen des eigenen Urheberrechts, indem man sich ein Manuskript per Post an die eigene Adresse schickt.
3. Dürer war eben ein Universalgenie. Er konnte auch gut in Mathematik. Der Kupferstich „Melencolia“ enthält an den Rändern einige geometrische Abbildungen.

Zu deiner Interpretation:

Das Kopieren an sich ist nicht das Tragische, sondern das Verschwinden der Grenzen zwischen Kopie und Original durch den Prozess des Kopierens. Nämlich da, wo es nicht mehr Handwerk ist, sondern ein Vorgang der allein vom Hersteller bewerkstelligt wird. Als Beispiel kann man vielleicht die Fotografie nehmen, die sich kaum mehr vom Urheber und Kopierer unterscheiden lässt, es sei denn der Urheber verändert das Original schon auf seine originäre Art, dass er es von der Kopie unterscheiden kann. Um zu Gutenberg zurück zu kehren, die Urheber erkannten das Eigene an den verfremdeten Auszügen aus ihren Arbeiten, da wo gefälscht wurde.
Zu Dürer oder Rembrandt oder anderen: Die Meister, selber einst durch die Schule gegangen, waren Lehrer, die eben jene Handwerke, die zum  Kopieren geeignet waren, die Drucktechniken beherrschten. Und ihre Schüler wurden ebenfalls Meister, denen man misstraute, weil sie in der Lage waren, originalgetreue Fälschungen herzustellen. Viele Arbeiten von Schülern wurden für Werke der Meister gehalten und die Kunsthistoriker entdecken immer wieder Arbeiten, die sie nachträglich einem Schüler zuschreiben müssen.
Mit digitalen Kopiertechniken ist man in der Lage, diese Möglichkeiten verschwinden zu lassen.

Zitat:

Gibt es nicht auch u.a. die Freude (quasi Zurück-Anerkennung) des Autors/Schöpfers, in anderen Werken/Auslegungen/Aufmachungen aufzutauchen - offen abgekupfert zu werden, verarbeitet zu werden : -))) / eben orientiert an das geistige Original des Ersten.......


Natürlich gibt es diese Freude. Aber der Haken an diesem Sich-geschmeichelt-fühlen ist der bittere Beigeschmack des Urhebers, der von der Anerkennung seiner Früchte ausgeschlossen ist, wenn ein anderer Name drunter steht.
Die Hemmschwelle zu kopieren ist herabgesetzt durch die vielseitige Maschine Computer. Die Grenze zwischen Eigen und Fremd verliert sich vollständig, wenn man einen Text aus dem Internet in ein eigenes Dokument einfügt und vergisst einen Absatz zu setzen und eine Numerierung einzufügen. Wie schön das ist, wenn sich der Text sprunghaft vergrößert.

Deine Version ist eben deine!

Grüße von Mardii


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Ridickully
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Mardii
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Beiträge: 1838



BeitragVerfasst am: 07.03.2011 21:35    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Abkupfern

Die Pause rückt näher
schnell ein Blick nach nebenan
hinterm Rücken schleicht
ein ums andere Mal
der Lehrer vorbei.

Draußen geht das Leben -
der Postmann klingelt, liefert
eine Büchersendung, Einschreiben
mit Rückschein, persönlich einzuhändigen -
weiter in den frühen Nachmittag.

Die hatten einen schlechten Ruf,
die nur Kopien anfertigten, aber
das Handwerk beherrschten
vorlagengetreu die Druckplatte zu ritzen.

Mein lieber Freund, Dürer
beschäftigte seine Stecher, welche die
„Melancolia“ eingruben* und war selbst
ein Meister der Mathematik.


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