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Modische Formspiele?

 

 
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bookwriter
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 84
Beiträge: 85
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 20.11.2010 11:58    Titel: Modische Formspiele? eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Auf dieser Seite scheint schon seit längerer Zeit nichts mehr passiert zu sein; hoffentlich findet sie dennoch jemand wieder. Seit einiger Zeit treibt mich nämlich eine Frage um, die vermutlich einen Haufen unterschiedlicher Antworten auslösen könnte. Und ich fände es hilfreich, wenn es so käme.
      Neuere Gedichtausgaben - gleich, welcher Verlage - zeigen übereinstimmend nachfolgendes Erscheinungsbild:
- Kleinschreibung
- Verwendung von &-Zeichen statt "und"
- zeilenweise Kursivschreibung
- Verwendung von runden oder eckigen Klammern
- willkürliche Satzbrechungen am Zeilenende
- totaler Verzicht auf Satzzeichen.
     All diese modernen (oder modischen?) Formen haben aus meiner Sicht zunächst einmal die unmittelbare Folge einer erschwerten Lesbarkeit. Möglicherweise hängt es damit zusammen, dass ich auch Prosa schreibe und das mit dem Wunsch verbinde, mich einem Leser verständlich mitzuteilen. Beim Gedicht kommt für mich hinzu, dass ich eine Entsprechung von Lesen und Hören anstrebe und der Rhythmus des gesprochenen Wortes auch in der Form zum Ausdruck kommen sollte. In diesem Sinne sind logisch gegliederte Zeilen und die Verwendung von Satzzeichen für mich eine unverzichtbare Lesehilfe.
     Es gibt sogar Wettbewerbe, die für Einsendungen den Schrifttyp "Courier new" vorschreiben; eine Schrift, die mit ihren breiten Serifen an die Typen der alten mechanischen Schreibmaschinen erinnert. Ich habe den Versuch unternommen, gegen meine Überzeugung mit diesen Mitteln zu arbeiten. Ich kann es nicht. Und ich will es auch nicht.
Was ist Eure Meinung?


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Das Gedicht ist wahrscheinlich das einzige kulturelle Produkt, das zur Profitmaximierung völlig ungeeignet ist. Das ist Freiheit. Wunderbar.

Hans Magnus Enzensberger "Zu große Fragen" 1978
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MrPink
Geschlecht:männlichLyromane

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Der Bronzene Wegweiser


BeitragVerfasst am: 20.11.2010 22:44    Titel: Antworten mit Zitat

Du willst nicht? Dann musst du auch nicht. Meine Meinung.  Smile

Für mich hat das was von experimentieren. Klammern können z.B. Mehrdeutigkeiten hervorheben. Alles klein schreiben sieht manchmal schick aus, Zeilenumbrüche sind bei mir oft Gefühlssache. Das Weglassen von Satzzeichen finde ich manchmal spannend, da man mit dem Rhythmus spielen kann. Alles kann, nix muss.

schönen Abend
andi


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„Das Schreiben wird nicht von Schmerzen besorgt, sondern von einem Autor.“
(Buk)
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Angst
Geschlecht:männlichScheinheiliger

Alter: 29
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BeitragVerfasst am: 21.11.2010 01:51    Titel: Antworten mit Zitat

Ich schreibe klein, um das Wort an sich ins Rampenlicht zu rücken. Kleinschreibung löst Hierarchien auf und ist dem Denken näher als Grossschreibung. Das Denken macht nämlich keinen Unterschied zwischen Substantiven und anderen Wortarten. (Ehm, glaube ich.) Auf Satzzeichen verzichte ich, um den Rhythmus auf die Worte zu konzentrieren. Denn: Satzzeichen geben manchmal zu viel Inhalt und zu viel Klang vor. Wo Atempausen, Ausrufe- und Fragezeichen zu setzen sind, soll sich wenn möglich nur aus den Worten ergeben. Sie brauchen keine Hilfe, sie müssen stark genug sein.

Das alles hat nichts mit Mode zu tun, das ist inneres Empfinden. Mag schon sein, dass ich mich da in einer ganz bestimmten Tradition befinde. Stört mich nicht.


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»Das Paradox ist die Leidenschaft des Gedankens.«
— Søren Kierkegaard, Philosophische Brosamen,
München: Deutscher Taschenbuch Verlag, S. 48.
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Ralphie
Geschlecht:männlichForenonkel

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BeitragVerfasst am: 21.11.2010 06:33    Titel: Antworten mit Zitat

Vor allem schreibst du klein und verzichtest auf Satzzeichen, weil es anders nicht geht. Very Happy
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bookwriter
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

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BeitragVerfasst am: 22.11.2010 12:15    Titel: Übungstext: schiller-remake pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi, Ralphie, sehe ich da etwa ein leises Zwinkern in deinem rechten Lidwinkel? Du meinst doch nicht etwa...nein, unmöglich; interpretieren wir es schlicht als eine wünschenswerte Vereinfachung der Sprache.
     Meine eigenen Versuche, mich dieser Form anzunähern, scheiterten schon an dem Mangel, dass ich kaum das bindewort "und" brauche. Damit muss ich auf das schöne &-Zeichen verzichten. Abhilfe schafft da als Übungstext die klassische Ballade; mir gefiel besonders "Der Handschuh" von Schiller. Hier nun als Beweis die modernisierte Fassung: (Ausschnitt)
...& der koenig winkt wieder da
speit das doppelt geoeffnete
haus 2 leoparden auf 1x aus die
stuerzen
( mit mutiger kampfbegier) auf
das tigertier das packt
sie mit seinen grimmigen tatzen
& der leu (mit gebruell) richtet
sich auf da wirds still
& herum im kreis
(von mordlust heiß) lagern
sich die greulichen katzen


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Hans Magnus Enzensberger "Zu große Fragen" 1978
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Ralphie
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Beiträge: 4452
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BeitragVerfasst am: 22.11.2010 14:00    Titel: Antworten mit Zitat

bookwriter, mit welchem Programm hast du dein Avatar gemacht? Sieht echt gut aus.
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bookwriter
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

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BeitragVerfasst am: 22.11.2010 15:23    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ist das die Antwort auf mein leidenschaftliches Bemühen, den richtigen Ton eines modernen Dichters zu üben? Also gut, ich hab´s mit Picasa3 gemacht, von einem Farbfoto. War ein Kinderspiel.
     Was ich noch sagen wollte: über Heinrich Böll hat Hans Magnus Enzensberger (na, wer sonst wohl) schon 1985 geschrieben:
..."Denen, die es mit dem ewig Neuen halten, waren seine Geschichten allzu einleuchtend. Jeder konnte sie verstehen.Es fehlte ihnen das Schrille und Marode, das Übertriebene und Abwegige der Moden."
     Aber wer liest heute schon noch Böll. Enzensberger nannte übrigens den Artikel "Der arme Heinrich".


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Nina
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BeitragVerfasst am: 22.11.2010 15:25    Titel: Antworten mit Zitat

ich liebe böll! was ist ein moderner dichter? einer, der nur klein schreibt?

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bookwriter
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BeitragVerfasst am: 22.11.2010 15:42    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@ Nina: das ist eben die Frage, die mich umtreibt. Glaubst Du, dass Böll heute noch einen Verleger gefunden hätte ? Zweifel sind angebracht. Wenn auch nicht wegen der Kleinschreibung.

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Nina
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Beiträge: 4328



BeitragVerfasst am: 22.11.2010 15:46    Titel: Antworten mit Zitat

bookwriter hat Folgendes geschrieben:
@ Nina: das ist eben die Frage, die mich umtreibt. Glaubst Du, dass Böll heute noch einen Verleger gefunden hätte ? Zweifel sind angebracht. Wenn auch nicht wegen der Kleinschreibung.


ja, das denke ich. er ist meister der leisen töne und versteht es dinge und themen auf eine ganz eigene art zu transportieren. das ist prosa, die sich nicht abnutzt, auch nicht zeitabhängig ist. empfinde ich jedenfalls so.

verallgemeinerungen und pauschalbezeichnungen machen es schwierig, finde ich. würdest du durs grünbein als modernen dichter bezeichnen? es gibt so viele lyriker. mir stellt sich die frage, was ein moderner dichter sein soll. jemand, der jung ist? jemand, der neues kreiert? jemand, der klein schreibt? der "aktuelle themen" behandelt? die differenzierung würde eine antwort leichter machen. aber so allgemein, finde ich das schwerlich möglich, eine antwort darauf zu finden, weil man sich quasi im luftleeren raum befindet.


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Angst
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BeitragVerfasst am: 22.11.2010 16:02    Titel: Antworten mit Zitat

bookwriter hat Folgendes geschrieben:
Ist das die Antwort auf mein leidenschaftliches Bemühen, den richtigen Ton eines modernen Dichters zu üben?

Dein leidenschaftliches Bemühen, moderne Dichtung zu betreiben, ist deren Reduktion auf sechs Stilmittel? Razz


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bookwriter
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BeitragVerfasst am: 22.11.2010 16:47    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Setze "leidenschaftliches Bemühen" in die dazugehörigen Anführungsstriche, lies die Schiller-Parodie als das, was sie ist und überfliege noch einmal den Eingangstext von mir, dann hast Du meine Antwort. Ohne Smiley.

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BeitragVerfasst am: 24.11.2010 23:42    Titel: Modische Formspiele? Bookwriter Antworten mit Zitat

Hallo Bookwriter, leider ich habe es auch nicht so mit den Formen.

 Begründet durch nicht wissen, welches meist der Grund der Meisten modernen oder modischen Gedichte, wer weiß es schon, sein zu scheint.
Mein erstes Gedicht, vor kurzer Zeit geschrieben, hat nicht lange gebraucht, doch das Setzen der Zeichen mit all seiner Bedeutung, der Umbruch der Zeilen mit soviel Macht in der Betonung brauchte seine Zeit, denn es ist eine eigene Sprache, die zu erlernen nicht leicht ist.
Es wird einen weiteren Weg geben Gedichte zu verfassen, doch wir sollten erst mal den Vorhanden richtig erlernen. Für mich ist es wohl zu spät, doch vielleicht die jungen Hüpfer wenn sie denn wollen.


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bookwriter
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Alter: 84
Beiträge: 85
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 25.11.2010 08:49    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo, Freelancer, ich sehe das inzwischen so: wir eher unjungen Schreiber unterscheiden möglicherweise zwischen gutem , richtigem, korrektem und modernem Schreiben, wobei aber tatsächlich die modernen Dichter einem sehr einheitlichen Stil anhängen. An einen endgültigen Wegfall der Großschreibung könnte ich mich vielleicht noch gewöhnen - die deutschsprachigen Länder halten so ziemlich als letzte daran fest. Die anderen Spielchen mache ich nicht mit, auch wenn sie zur Regel geworden zu sein scheinen. Schade ist nur, dass man wohl bei lyrischen Wettbewerben automatisch rausfliegt, wenn man seine Beiträge in Garamond und korrekter Rechtschreibung einreicht. is nu ma so.

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