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Morgenwelten


 

 
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ichundso
Geschlecht:männlichLeseratte

Alter: 32
Beiträge: 190



BeitragVerfasst am: 28.09.2010 13:41    Titel: Morgenwelten eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Morgenwelten


Um fünf Uhr früh öffne ich das Fenster,
lasse die abgestandene Luft heraus,
atme auf und
horche:
Alles ist still.

Ich lege mich auf den Rücken
und werfe Spiegelbilder an die Decke.
Konturen flackern, Formen wandern
und Kriechlichter gleiten ineinander.
Die Umgebungen verschwinden,
Körperteile verschwinden,
Magenräume verschwinden,
mein Konterfei verschwindet,
mein Konterfei zeigt sich auf.
Das Weltall reflektiert sich
an meiner Decke.

Draußen fährt ein Auto
abermals vorbei und
in Wahrnehmung und Folgenschwere
zerfließt mein Widerschein.

Anders bei dem ersten Menschen, der
geistig umnachtet die Wohnung verlässt,
verfolgt von vereinsamtem Gelb,
das, sich vehement räuspernd, zerfällt.

Anders bei dem ersten Menschen, der
ratternd die Abfalltonne hinausrollt,
Träume vom Müll nicht getrennt.

Eine Autotür knallt zu
und ächzend fährt
die Sonne hoch.

Es liegen Morgenwelten
zwischen fünf Uhr
und sechs.



_________________
the mongrel cat came home
holding half a head
proceeded to show it off
to all of his newfound friends
he said "I been where I liked
I slept with who I liked
she ate me up for breakfast
she screwed me in a vice
but now I don't know why I feel so tongue-tied"
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Gast







BeitragVerfasst am: 28.09.2010 13:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, duundso,

es gefällt mir, weil ich Bilder wiedererkenne,
ich glaube, es ist gut, überlasse Kritik erfahrenen Durchsehern, aber sage dir: es spricht an


Lorraine
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Tommi
Gänsefüßchen


Beiträge: 16



BeitragVerfasst am: 28.09.2010 14:26    Titel: Antworten mit Zitat

hmmm...du glaubst es ist gut, auch ne ausage.
frag doch den harald. das ist doch der glaube ich der sich für die wiederaufstehung der lyrik hält!!!!!!
sein schöpfer ist doch dierser heinz von erhardt, oder so *lol*
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MosesBob
Geschlecht:männlichGehirn²

Administrator
Alter: 41
Beiträge: 20121

Das Goldene Pfand DSFo-Sponsor



BeitragVerfasst am: 28.09.2010 15:19    Titel: Antworten mit Zitat

Tommi hat Folgendes geschrieben:
hmmm...du glaubst es ist gut, auch ne ausage.
frag doch den harald. das ist doch der glaube ich der sich für die wiederaufstehung der lyrik hält!!!!!!
sein schöpfer ist doch dierser heinz von erhardt, oder so *lol*

Ich bitte dich, solche Kommentare in Zukunft zu unterlassen. Sie nehmen keinen Bezug auf den Text oder den Kommentar und haben offensichtlich einen persönlichen Hintergrund.

Weiteres bei Bedarf per PN.

Sorry für die Störung, ichundso.


_________________
Das Leben geht weiter – das tut es immer.
(James Herbert)

Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt untergeht, wird die eines Experten sein, der versichert, das sei technisch unmöglich.
(Sir Peter Ustinov)

Der Weise lebt still inmitten der Welt, sein Herz ist ein offener Raum.
(Laotse)
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Harald
Geschlecht:männlichShow-don't-Tellefant

Alter: 73
Beiträge: 5236
Wohnort: Schlüchtern


BeitragVerfasst am: 28.09.2010 17:12    Titel: Antworten mit Zitat

Tommi hat Folgendes geschrieben:
hmmm...du glaubst es ist gut, auch ne ausage.
frag doch den harald. das ist doch der glaube ich der sich für die wiederaufstehung der lyrik hält!!!!!!
sein schöpfer ist doch dierser heinz von erhardt, oder so *lol*


Nun gut, da hat jemand seinen Spass gehabt, aber dazu nur so viel:

Ich lese mir einiges durch, aber Kommentare gebe ich prizipiell nur zu gereimten Gedichten, wenn da mal was klemmt, gerne auch mal per PN.

Und ich gebe gerne zu, dass ich für solche Texte wie den oben eben kein Fachmann bin - und daher die Schnauze halte, repektive die Finger von den Tasten lasse!

LG

Harald


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Harald

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derSibirier
Reißwolf


Beiträge: 1309



BeitragVerfasst am: 28.09.2010 17:23    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo ichundso

DerSibirier ist kein Dichter und ein Lyriker schon gar nicht und trotzdem möchte er etwas sagen: Deine Zeilen lesen sich wie ein kurzes Prosastück. Ich hab schon mal einen Text von dir kommentiert, den fand ich besser, als diesen hier.

Zitat:
Eine Autotür knallt zu
und ächzend fährt
die Sonne hoch.  
Das find ich große Klasse. Die letzte Strophe aber schwach. Irgendwie fehlt mir der Kick in diesem halb Prosagedicht.

beste Grüße an dich

derSibirier
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Angst
Geschlecht:männlichScheinheiliger

Alter: 31
Beiträge: 1680



BeitragVerfasst am: 28.09.2010 18:46    Titel: Antworten mit Zitat

Hi ichundso,

Ah, ein Morgengedicht! Diese Tageszeit existiert in meinem jetzigen Leben gar nicht, deswegen bin ich immer froh über Erfahrungsberichte.

ichundso hat Folgendes geschrieben:
Um fünf Uhr früh öffne ich das Fenster,
lasse die abgestandene Luft heraus,
atme auf und
horche:
Alles ist still.

Könnte man hier auf das "früh" verzichten? Weil: Fünf Uhr ist früh. Ansonsten finde ich die Strophe gut, obwohl man sie als zu banal kritisieren könnte. Hier bin ich wohlwollend, da es mir gleich darauf schon zu abenteuerlich wird.

ichundso hat Folgendes geschrieben:
Ich lege mich auf den Rücken
und werfe Spiegelbilder an die Decke.
Konturen flackern, Formen wandern
und Kriechlichter gleiten ineinander.
Die Umgebungen verschwinden,
Körperteile verschwinden,
Magenräume verschwinden,
mein Konterfei verschwindet,
mein Konterfei zeigt sich auf.
Das Weltall reflektiert sich
an meiner Decke.

Diese Strophe wirkt desorientierend. Mit "Konturen", "Formen" und "Umgebungen" finden sehr abstrakte Begriffe Verwendung – was gemeint ist, bleibt unklar. Nicht nur die Umgebung löst sich auf, sondern auch das Lyrische Ich, zumindest seine Körperlichkeit, sein Aussehen. Allerdings werde ich aus den Spiegelbildern nicht ganz schlau. Ist es wirklich so, dass das LI an seiner Schlafzimmerdecke Spiegel hängen hat? Irgendwie erscheint mir das etwas weit hergeholt. Auch die "Magenräume" hinterlassen bei mir ein Fragezeichen. Was ich mag, sind die "Kriechlichter". Die kann ich sehr gut mit dem Morgen verbinden. Zurück bleibt die Frage, was du in dieser Strophe beschreibst. Um ehrlich zu sein, ich kapiere es nicht. Zunächst dachte ich, du meinst den Übergang von Nacht zu Tag mit all seinen Schattenspielen. Aber das Weltall am Ende der Strophe reibt sich daran.

ichundso hat Folgendes geschrieben:
Draußen fährt ein Auto
abermals vorbei und
in Wahrnehmung und Folgenschwere
zerfließt mein Widerschein.

Mit den beiden letzten Versen kann ich so gut wie gar nichts anfangen. Wahrnehmung und Folgenschwere sind Wörter, die keine Bilder in sich tragen. Deshalb liest sich diese Stelle theoretisch. Das muss nichts Schlechtes sein, aber in diesem Fall hat das Gelesene (für mich) keinen Sinn. Deswegen will ich da mal skeptisch drauf zeigen.

ichundso hat Folgendes geschrieben:
Anders bei dem ersten Menschen, der
geistig umnachtet die Wohnung verlässt,
verfolgt von vereinsamtem Gelb,
das, sich vehement räuspernd, zerfällt.

Wie sieht ein Mann aus, der seine Wohnung "geistig umnachtet" verlässt? Ich habe Mühe, diese Beschreibungen miteinander zu verbinden. Das "Gelb" finde ich nett. Assoziation: Das Licht, das von der Wohnung auf den Flur fällt und dann zerfällt, wenn der Mann die Türe schliesst.

ichundso hat Folgendes geschrieben:
Anders bei dem ersten Menschen, der
ratternd die Abfalltonne hinausrollt,
Träume vom Müll nicht getrennt.

Ich weiss nicht, diese Mülltrennung scheint mir etwas aus dem Kontext gerissen. Wie ein Nachtrag, ein Versuch, dem Mann noch etwas Tragisches mitzugeben. (Vielleicht sag ich das nur, weil ich nicht verstehe, was an diesem "ersten Menschen" anders sein soll.)

ichundso hat Folgendes geschrieben:
Eine Autotür knallt zu
und ächzend fährt
die Sonne hoch.

Hier finde ich die Überschneidung von Auto und Sonne ganz schön.

ichundso hat Folgendes geschrieben:
Es liegen Morgenwelten
zwischen fünf Uhr
und sechs.

Ich glaube, diese letzte Strophe deutet deine Intention an. Sie ist ja auch eine Wiederholung des Titels. "Morgenwelten" in der Mehrzahl weist darauf hin, wie reichhaltig die Erfahrungen am Morgen sind. Meine – wahrscheinlich falsche – Interpretation ist also, dass es sich hier "nur" um ein Stimmungsbild handelt. Eine subjektive Beschreibung des Morgens. Trotzdem deutet viel darauf hin, dass du eine Botschaft vermitteln willst, die darüber hinaus geht. Das sehe ich an gerade diesen Stellen, die ich nicht verstehe. Du siehst, ich bin etwas ratlos. Was du sagen willst, erschliesst sich mir nicht. Einige Formulierungen finde ich ganz interessant, aber der Zugang fällt mir schwer. Alles in allem finde ich das Gedicht leider nicht so toll. Auch als Stimmungsbild nicht. Ihm fehlt der rote Faden. Trotzdem hoffe ich, dass dir meine Gedanken ein ganz klein wenig weiterhelfen.


_________________
»Das Paradox ist die Leidenschaft des Gedankens.«
— Søren Kierkegaard, Philosophische Brosamen,
München: Deutscher Taschenbuch Verlag, S. 48.
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The Brain
Geschlecht:weiblichExposéadler

Alter: 63
Beiträge: 2363
Wohnort: Over the rainbow


BeitragVerfasst am: 28.09.2010 18:59    Titel: Antworten mit Zitat

mmmmh,
muss gestehen, mit dem eigentliche Text kann ich jetzt nicht so richtig viel anfangen ... Bin ja auch als absolut ahnungslos zu bezeichnen, was Lyrik betrifft.

Musste jetzt aber doch mal erwähnen, dass ich diese "ächzend hochfahrende Sonne" richtig gut finde!  Warum ist mir das nichr eingefallen ? Grrr... Wirklich gut!


Liebe Grüße

The Brain


_________________
Dinge wahrzunehmen,
der Keim der Intelligenz

(Laotse)

***********

Die Kindheit endet nicht mit dem Erwachsenwerden.
Sie begleitet dich durch all deine Lebenstage.

***********

Alle Bücher dieser Welt
Bringen dir kein Glück,
Doch sie weisen dich geheim
In dich selbst zurück.

(Hermann Hesse)
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ichundso
Geschlecht:männlichLeseratte

Alter: 32
Beiträge: 190



BeitragVerfasst am: 29.09.2010 06:45    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

danke euch erstmal für die rückmeldungen. ich hab viel hierdran rumgewerkelt und als es dann endlich fertig war, sind mir dann doch die schwächen aufgefallen, die sich nicht nur auf einzelne stellen bezogen, sondern auf den gesamttext.
ursprünglich hatte ich in der drittletzten zeile ein anakoluth drin, was mir den text dann doch zu sehr gebrochen hat. an der stelle hatte ich beim überarbeiten dann die meisten schwierigkeiten und fühle mich von scheinheilige ein wenig ertappt wink
übrigens bedeutet "geistig umnachtet" einfach verwirrt/geisteskrank (ist eine gängige formulierung)

was die verständnisprobleme angeht, so habe ich wohl doch einige stellen zu sehr abstrahiert.
dem gedicht ging ein kurzer (wenig ausgefeilter) prosatext voraus, bei bedarf gibts den in der talentschmiede oder im trash oder als pn oder gar nicht.

edit: ach, was soll der geiz


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