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Die Stadt ist kalt (Rhapsodie)


 

 
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Enfant Terrible
Geschlecht:weiblichalte Motzbirne

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Ein Fingerhut voller Tränen - Ein Gedichtband
BeitragVerfasst am: 05.05.2009 20:13    Titel: Die Stadt ist kalt (Rhapsodie) eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

ein Du und ein Du und ein Du
beschleichen jedes Segment
der grauen Straße.

Die Stadt ist kalt
Ritze es in die Alibibäume,
in die Rinde besseren Betons
denn die Stadt ist kalt
sie raubt den Atem
raubt das Wort

Sie war mal alt
die Vampirin aus Architektur
sie wird immer jünger
sie nährt sich am Gebell der Häuser
und jedem Du

Steige die Treppe herauf
spanne das Lächeln
vom Erdgeschoss zur Wohnungstür
Denn jemand wird oben warten
jemand wartet immer
mit Schimpf und Suppe
Eine Mundvoll Suppe für die Stadt
schwimm Du
schwimm kalt



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"...und ich bringe dir das Feuer
um die Dunkelheit zu sehen"
ASP

Geschmacksverwirrte über meine Schreibe:
"Schreib nie mehr sowas. Ich bitte dich darum." © Eddie
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Telani
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 32
Beiträge: 439



BeitragVerfasst am: 05.05.2009 22:57    Titel: Antworten mit Zitat

knifflig knifflig. Ich mag den Rythmus in deinen Strophen, aber der Sinn ist sehr schwer zu verstehen.

Über die erste Zeile bin ich etwas gestolpert, dreimal das "ein du" hintereinander ist schwierig zu lesen. Aber sonst gefällt mir die Stimmung sehr gut, die du erzeugst.

LG Telani


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Jocelyn
Bernsteinzimmer

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BeitragVerfasst am: 06.05.2009 07:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Terrorkrümel,

ich muss mich Telani auch anschließen:

Zitat:
aber der Sinn ist sehr schwer zu verstehen.

Du schreibst:

Zitat:
Sie war mal alt
die Vampirin aus Architektur
sie wird immer jünger
sie nährt sich am Gebell der Häuser
und jedem Du


und:

Zitat:
Eine Mundvoll Suppe für die Stadt


Also ist der Protag, das "Ich" wie das "Du", verschmolzen mit der alten Stadt, die dadurch auch verjüngt, auch weil dieser "Ich" ritzt und weil Leben in ihr ist, beispielsweise Gebell von Hunden?

Ich komme nicht so richtig hinter die Aussage.
Und wenn das, was ich hier als Vermutung angebe, die Aussage ist, dann bin ich eigentlich auch ratlos.
Oder wolltest du gar keine?

Caecilia


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(Jim Croce)

Die beständigen Dinge vergeuden sich nicht, sie brauchen nichts als eine einzige, ewig gleiche Beziehung zur Welt.
(Aus: Atemschaukel von Herta Müller, Carl Hanser Verlag, München 2009, Seite 198)

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Gine
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BeitragVerfasst am: 07.05.2009 05:34    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Krümel! smile

Ich liebe diesen Text.

Diesen Abschnitt:
Zitat:
Steige die Treppe herauf
spanne das Lächeln
vom Erdgeschoss zur Wohnungstür


finde ich wunderschön.

Ich finde, der Text bringt die 'Normalität' des Stadtlebens auf den Punkt. Es verbindet das Große mit dem Kleinen durch Erleben. Ja, die Stadt ernährt sich von ihren Bewohnern. Da kann ich nur zustimmen. Und sie hält ihre Opfer fest, indem sie ihnen einen Platz anbietet, an dem das 'Du' zum 'Ich' werden kann.
Ich kann die leise Musik dazu fast hören. Melancholische Geige ist dabei, würde ich sagen.


Lieber Krümel,
ich weiß, manchem fällt es schwer, dein Texte, auch diesen, zu verstehen.  Aber ich liebe ihn. Er zielt nicht auf die Masse, sondern direkt aufs Herz.

Viele, viele liebe Grüße
Gine


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'Aus gutem Grund.'
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Enfant Terrible
Geschlecht:weiblichalte Motzbirne

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Beiträge: 10334
Wohnort: München


Ein Fingerhut voller Tränen - Ein Gedichtband
BeitragVerfasst am: 07.05.2009 14:23    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich danke euch allen für die Kommentare.

Gine, über dein Lob, dein Verstehen und Nachfühlen freue ich mich immer wieder, es ist ein Geschenk, wie du dich in meine z.T. eben eher symbolischen "Bauchtexte" hineinversetzen kannst. Es würde mich übrigens interessieren, wie du ihn bewertungstechnisch einschätzen würdest.

Euch, Cäcilia und Telani, danke ich für das Aufzeigen der Verständnisschwierigkeiten. Dass ich den Text als Rhapsodie bezeichne, war eigentlich eine Art "Warnung", dass ich mir wenig Mühe gab, besonders verständlich zu sein (das versuche ich normalerweise immer, aber leider fruchtet es selten), sondern einfach Gefühle und Assoziationen in einem bestimmten Kontext von der Seele geschrieben habe.

Zur Erklärung des "Sinns" - wobei er, wie Gine wunderbar beobachtet hat, eher auf Emotion als auf einer Botschaft, einer "Story" basiert - eine kleine Eigeninterpretation meinerseits, ab der ersten "Problemstelle":
Zitat:
Die Stadt ist kalt
Ritze es in die Alibibäume,
in die Rinde besseren Betons
denn die Stadt ist kalt
sie raubt den Atem
raubt das Wort

"Die Stadt ist kalt" - man kann den Gedanken, der einen erdrückt, nicht aussprechen, man kann ihn höchstens ins Beton der Alibibäume (Alibi, weil die paar Bäumchen keine echte Naturatmosphäre zu erzeugen vermögen, sondern nur als ebenso tote Zier da sind) ritzen - wortlos.

Zitat:
Sie war mal alt
die Vampirin aus Architektur
sie wird immer jünger
sie nährt sich am Gebell der Häuser
und jedem Du

Eine Stadt ist eine Ansammlung toter Betonkisten, lebendig wird sie erst durch die in ihr gefangenen Menschen, durch ihre Emotionen, ihren Kampf: das "Gebell der Häuser" als Allegorie von Auseinandersetzungen, von Schreien.

Zitat:
Steige die Treppe herauf
spanne das Lächeln
vom Erdgeschoss zur Wohnungstür
Denn jemand wird oben warten
jemand wartet immer
mit Schimpf und Suppe
Eine Mundvoll Suppe für die Stadt
schwimm Du
schwimm kalt

Ein Nachhausekommen (zum Elternhaus?), das kein echtes ist. Je weiter man die Treppe zur Haustür hinaufsteigt, desto schwerer fällt es, ein Lächeln zu erzeugen, zu "spannen", aber es ist notwendig, um die Empfangenden nicht zu enttäuschen.

Ich hoffe, diese Hinweise machen den Inhalt etwas klarer?


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Telani
Geschlecht:weiblichHobbyautor

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BeitragVerfasst am: 07.05.2009 14:55    Titel: Antworten mit Zitat

Ja wirklich schön, jetzt gefällts mir sehr gut -die Sprache die du verwendet hast, va. das nach Hause kommen, was kein zu Hause ist. Ja ich glaube, das ist das Leben in einer Stadt. Wir alle sind aus gewissen Gründen hier, aber nicht weil es unsere Heimat ist.

Ich sehe es so: an die Heimat bindet dich dein Herz, an die Stadt dein Kopf.

Schöner Beitrag Terrorkrümel, freut mich, dass du dir Mühe gegeben hast uns den Sinn zu erklären. Danke.

LG


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Jocelyn
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BeitragVerfasst am: 07.05.2009 15:11    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Krümel,

ich verstehe es jetzt auch besser. Danke.


Telani hat Folgendes geschrieben:

Ich sehe es so: an die Heimat bindet dich dein Herz, an die Stadt dein Kopf.


Herz reicht doch zur Bindung. Ich will meinen Kopf frei haben. Frei denken.

 Wink

C.


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Ein Fingerhut voller Tränen - Ein Gedichtband
BeitragVerfasst am: 07.05.2009 18:01    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Nochmals hallo, es freut mich sehr, falls meine Erklärung ein bisschen das Chaos lichten konnte.

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BeitragVerfasst am: 08.05.2009 06:17    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe es gerade einer Frendin zu lesen gegeben und sie gefragt, wie sie es versteht.

Sie sagte (was ich wirklich schön fand): 'Der Alltag, an dem wir vorbei gehen'.
Sehr treffend.smile


Liebe Grüße
Gine


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Pütchen
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BeitragVerfasst am: 08.05.2009 20:42    Titel: Antworten mit Zitat

Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich weiß, wie du tickst, aber mich hat dieses Gedicht auch gleich total berührt smile

Und ich fand es einfach nur gut Daumen hoch

Das wollte ich schnell mal loswerden, bevor ich noch die Federchen da lasse Daumen hoch

Liebes Grüßchen, Pütchen


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(Isaac Newton, 1642-1726)

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Ein Fingerhut voller Tränen - Ein Gedichtband
BeitragVerfasst am: 08.05.2009 20:54    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ähm, danke für die 2 Federn. In Schulnoten wäre das sicherlich gut ... in DSFo-Punkten irritierend hmm

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BeitragVerfasst am: 08.05.2009 20:57    Titel: Antworten mit Zitat

Shocked Huch, da bin ich wohl verrutscht  Embarassed

Schon korrigiert - gut, dass du das gesagt hast wink


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