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Enfant Terrible
Geschlecht:weiblichalte Motzbirne

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Ein Fingerhut voller Tränen - Ein Gedichtband
BeitragVerfasst am: 22.12.2008 19:55    Titel: Periodische Zuckungen eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vorsicht! Das Gedicht ist sehr experimentell. Ich bitte euch trotzdem, ernsthaft darauf einzugehen und die Bilder auf euch wirken zu lassen. Es ist mir wichtig, zu erfahren, ob und welchen Eindruck der Text erweckt (abgesehen von "So 'n Schwachsinn")  Laughing

Ich fühle etwas in den Knochen.
Als wollten sie sich
aus meinem Leib reißen,
für einen Alleintanz
im Wind.

Vielleicht verstehen sie
seinen Übermut
und den Drang,
uns Zeitungen
direkt ins Gesicht zu peitschen.
Eine fixe Idee?

Das Kunstgebiss der Zeit
saß immer etwas locker,
doch seit neuestem
verrutscht auch der Rest
von ihrem Gesicht.

Periodische Zuckungen

Manche Häuser beginnen zu blinzeln
(Lichtsignale?)
und zittern, wie gekitzelt
von einer unsichtbaren, knochigen Hand.

Bald geschieht
ein Konzert.
Viele sind dazu von weitem
herbeigereist, herbei gekrochen,
wir sehen sie immer häufiger
auf den Straßen.

Diese Gäste bewegen sich
auf zweischichtigen Gebilden
- nennen wir sie Doppeldecker.

Interessant zum Zusehen,
doch man hat uns gesagt,
wir sollen uns versperren,
wenn die Touristen
Kameras hervorholen.


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WhereIsGoth
Hobbyautor


Beiträge: 490
Wohnort: Club der toten Dichter


BeitragVerfasst am: 22.12.2008 20:01    Titel: Antworten mit Zitat

Interessant, eine genauere Interpretation wird vermutlich noch kommen, ich schreib dich mal in MSN an und dann muss ich dich dazu etwas fragen, bevor ich mich hier lächerlich mache.  Laughing

mfg


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"Man kann eine Idee durch eine andere verdrängen, nur die der Freiheit nicht."
Ludwig Börne
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Enfant Terrible
Geschlecht:weiblichalte Motzbirne

Alter: 26
Beiträge: 10332
Wohnort: München


Ein Fingerhut voller Tränen - Ein Gedichtband
BeitragVerfasst am: 20.06.2009 10:31    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Schade, dass die Interpretation niemals gekommen ist.
Mich würde es immer noch sehr interessieren, wie das Gedicht auf Leser wirkt, welche Assoziationen und Gefühle es erweckt. Ob man es als Außenstehender auch nur ansatzweise verstehen kann, oder ob es sich wie wirres Zeug liest.


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avaros
Geschlecht:männlichSchreiberassi


Beiträge: 38



BeitragVerfasst am: 20.06.2009 10:57    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Terrorkrümel!

Ich habe dein Gedicht gelesen, nicht verstanden, die Audiodatei angehört und noch 3 mal gelesen - und nicht verstanden.

Zitat:

Vielleicht verstehen sie
seinen Übermut

Wessen Übermut?

Zitat:

von ihrem Gesicht.

Wessen Gesicht?

Wie du siehst, scheitert es bei mir schon beim Verständnis.

Die zwei drei Bilder, die ich verstehe, finde ich hervorragend, interessant.
Aber leider verstehe ich nicht, was du mit dem Gedicht an sich auszudrücken versuchst.

lg
A
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Enfant Terrible
Geschlecht:weiblichalte Motzbirne

Alter: 26
Beiträge: 10332
Wohnort: München


Ein Fingerhut voller Tränen - Ein Gedichtband
BeitragVerfasst am: 20.06.2009 11:04    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank fürs Lesen und für deine Kritik, avaros, ich fand sie sehr wertvoll, weil es wichtig ist, zu verstehen, wo und warum das Verständnis beim Leser aussetzt.

Ich sehe schon, stellenweise ist es an rein sprachlichen Bezügen gescheitert, die ich allzu großzügig eingebaut habe in der Annahme, ich kann sie über mehrere Zeilen strecken und man versteht trotzdem, dass der am Anfang der Strophe aufgegriffene "Akteur" gemeint ist.

Zitat:
Wessen Gesicht?

Den Übermut des Windes. (Anfang der Strophe erwähnt)

Zitat:
Wessen Gesicht?

Dem Gesicht der Zeit. (ebenfalls am Anfang der Strophe)

Ich werde auf jeden Fall überlegen, wie ich die Bezüge klarer herstellen kann, ohne mich zu wiederholen.

Zitat:
Die zwei drei Bilder, die ich verstehe, finde ich hervorragend, interessant.

Du bist gemein. Da klagst du, das Gedicht nicht verstanden zu haben, und enthältst mir genau die Stellen vor, die doch verständlich waren? Ach mönsch, ich muss doch wissen, was halbwegs verständlich erschien  Embarassed

Zitat:
Aber leider verstehe ich nicht, was du mit dem Gedicht an sich auszudrücken versuchst.

Was sagt es dir denn? Rein gefühlsmäßig?


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avaros
Geschlecht:männlichSchreiberassi


Beiträge: 38



BeitragVerfasst am: 20.06.2009 11:51    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe auch vermutet, dass damit der Wind bzw "Das Gesicht der Zeit" gemeint ist, nur konnte ich vor allem beim Wind es nicht nachvollziehen und verwarf deshalb den Gedanken wieder^^.. - doch jetzt im Nachhinein betrachtet ergäbe es ja Sinn..

Ok, von Anfang an.

Strophe 1: Schönes Bild und gut verständlich.
Strophe 2: Verstand ich ohne deine Bestätigung nicht ganz (k a wie das bei Anderen sein wird.) Auch weiß ich nicht, was "Eine fixe Idee?" da zu suchen hat.
Was ich dabei empfinde: Wind als Metapher für unseren Zeitgeist. Das Fleisch widersetzt sich der Manipulation der Medien, die Knochen haben sich bereits ergeben, wollen mitziehen, "mittanzen".


Strophe 3: -||- , ich finde "von ihrem Gesicht" unglücklich gewählt.
Aufkommende Veränderung, die nicht aufzuhalten ist.
Strophe 4 drückt sich von selbst aus.

restliche Strophen: "Konzert" als aufsehenerregendes Spektakel, das das  bisher Dagewesene verändern wird(?).


A
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MrPink
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Beiträge: 2804
Wohnort: Oberbayern
Der Bronzene Wegweiser


BeitragVerfasst am: 20.06.2009 12:48    Titel: Re: Periodische Zuckungen Antworten mit Zitat

Ich fühle etwas in den Knochen.
Als wollten sie sich
aus meinem Leib reißen,
für einen Alleintanz
im Wind.

Vielleicht verstehen sie
seinen Übermut
und den Drang,
uns Zeitungen
direkt ins Gesicht zu peitschen.
Eine fixe Idee?

Hat was wachrüttelndes, man soll sich wieder mal selber einen Kopp machen und spürt nun die Konsequenz dafür, dass man sich nur nach Konservenmeinungen gerichtet hat, nicht nach dem inneren Ich.

Das Kunstgebiss der Zeit
saß immer etwas locker,
doch seit neuestem
verrutscht auch der Rest
von ihrem Gesicht.

Periodische Zuckungen

Um es mit Bob Dylan auszudrücken: "The Times the are changing."
Ich assoziiere hiermit einen Werteverfall, ein Umwälzung, Beginn einer neuen Epoche, Geburt.


Manche Häuser beginnen zu blinzeln
(Lichtsignale?)
und zittern, wie gekitzelt
von einer unsichtbaren, knochigen Hand.

Scheint, als ob der Schnitter mit den Knochen rasselt und die Sense schärft.


Bald geschieht
ein Konzert.
Viele sind dazu von weitem
herbeigereist, herbei gekrochen,
wir sehen sie immer häufiger
auf den Straßen.

Hier fällt mir das jüngste Gericht ein, Tag der Abrechnung...

Diese Gäste bewegen sich
auf zweischichtigen Gebilden
- nennen wir sie Doppeldecker.

2-Klassen-Gesellschaft ? Arm und Reich ? Erlöst und Verdammt ?

Interessant zum Zusehen,
doch man hat uns gesagt,
wir sollen uns versperren,
wenn die Touristen
Kameras hervorholen.[/quote]

Aufhebung der Pressefreiheit, Handynetze abstellen, der Aussenstehende kapiert eh nicht worum es geht..

Also, für mich eine apokalyptische Vision unserer nahen Zukunft, vielleicht auch nur auf spezifische Bereiche bezogen.
Interessant zu lesen, jetzt interessiert mich natürlich auch deine
Intention, weil es mir so schon schwer fällt, etwas über Aufbau, Stilmittel und Form zu sagen und ich will hier auch nicht als Laborratte enden  Embarassed

schönen Tach noch
andi


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„Das Schreiben wird nicht von Schmerzen besorgt, sondern von einem Autor.“
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Enfant Terrible
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Ein Fingerhut voller Tränen - Ein Gedichtband
BeitragVerfasst am: 20.06.2009 13:05    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@ avaros: Dafür, dass du meinst, das Gedicht nicht verstanden zu haben, hast du seine Schlüsselelemente erstaunlich gut erfasst. Besonders toll fand ich deine Interpretation der Knochenmetapher, weil ich selbst sie für die absurdeste hielt und befürchtete, sie könnte schon der erste Stolperstein für den Leser sein. Noch einmals vielen Dank für dein Feedback!

@ MrPink: Dir auch ein herzliches Dankeschön für die ergiebige Auseinandersetzung mit dem Text. Deine Deutung trifft meine Intention so klar, dass ich eigentlich gar keine Eigeninterpretation schreiben brauche - worum es geht, hast du sehr schön wiedergegeben. Ich kann zu deinen Kommentaren unter den Strophen also nur "ja" sagen.

Es ging mir hauptsächlich um die Darstellung einer schleichenden Apokalypse, und es freut mich, dass die Message trotz der "exotischen" Metaphorik rübergekommen ist - das war mir wichtig.

Ach ja, hat jemand vielleicht noch vorschläge, wie ich diese grantigen Bezüge ausbügeln kann, damit sie klarer werden?


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EdgarAllanPoe
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Die Tauben
BeitragVerfasst am: 20.06.2009 13:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Krümel!

Ich hatte ja schon mal geplant, hierüber was zu schreiben, und nun bietet sich mir die Gelegenheit dazu smile Die Interpretation von MrPink habe ich mir jetzt nicht durchgelesen, denn ich möchte mich nicht von anderen Deutungen beeinflussen lassen, sondern eine eigene finden.

Zitat:
Ich fühle etwas in den Knochen.
Als wollten sie sich
aus meinem Leib reißen,
für einen Alleintanz
im Wind.


"Ich fühle etwas in den Knochen": eine Regung, eine Art Grippe, ein Zeichen, dass bald etwas geschieht. "Als wollten sie sich aus meinem Leib reißen": Ein Anzeichen, dass diese Regung immer stärker wird und bald nicht an sich halten wird. Wenn du als Thema "Sozial- und Gesellschaftskritik" angibst, dann vermute ich mal, dass sich diese Regung über das Bewusstwerden einiger Missstände in der Gemeinschaft der Menschen bezieht. "... für einen Alleintanz im Wind": Die Regung dieser Knochen - des Grundgerüstes eines guten, gemeinschaftlichen Lebens - ist so stark, dass sie jeden Moment ausbrechen will. Das heißt, das LI möchte auf die Missstände in der Gesellschaft aufmerksam machen und zum "normalen", zum gesetzmäßigen Leben wieder zurückkehren, anstatt im Verbrechen usw. zu versinken.

Zitat:
Vielleicht verstehen sie
seinen Übermut
und den Drang,
uns Zeitungen
direkt ins Gesicht zu peitschen.
Eine fixe Idee?


"Sein" bezieht sich auf den Wind (natürlich, ich Dödel Confused ). Der Wind - eine an sich vielbemühte Metapher - ist hier eine Art Sturm, der auf die in der Gesellschaft aufmerksam macht - zusammen mit dem Skelett ein Zweigespann (?). Er "peitscht uns Zeitungen" ins Gesicht, man wird immer und immer wieder mit seinen eigenen Fehlbarkeiten konfrontiert, die sich in Gesetzesübertretungen und dergleichen äußern und in Zeitungen stehen. "Eine fixe Idee?": Dies deutet darauf hin, dass der "Wind" mit seinen Versuchen, die Gesellschaft auf ihre Missstände aufmerksam zu machen, kaum Erfolg haben wird.

Zitat:
Das Kunstgebiss der Zeit
saß immer etwas locker,
doch seit neuestem
verrutscht auch der Rest
von ihrem Gesicht.


"Das Kunstgebiss der Zeit": Kunstgebiss als etwas Syntethisches. Die früheren Regeln, die noch echten "Biss" hatten, bewirken nun nicht mehr viel. Doch "seit neuestem" gleiten auch sie aus dem Ruder.

Zitat:
Periodische Zuckungen


Gelegentlich schwingen sich einige Menschen dazu auf, die Gesetze wieder kurrzeitig zu "beleben", aber eben nur "periodisch". Ein hin und wieder auftretendes "Zucken" der Gerechtigkeit?

Zitat:
Manche Häuser beginnen zu blinzeln
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und zittern, wie gekitzelt
von einer unsichtbaren, knochigen Hand.


"Häuser": Weiß nicht, was ich damit anfangen soll. Vielleicht die Menschen, die in ihrer Starre kurz aufhorchen? In dieser anarchistischen Gesellschaft, die keine Gesetze duldet? Die "unsichtbare, knochige Hand" könnte man dann auf den Finger Gottes übertragen, der die Menschen auf ihre Verfehlungen hinweist: Es gibt eben doch einen Hoffnungsschimmer in diesen dunklen Zeiten.

Zitat:
Bald geschieht
ein Konzert.
Viele sind dazu von weitem
herbeigereist, herbei gekrochen,
wir sehen sie immer häufiger
auf den Straßen.


Zuerst mal was Formales: Vielleicht ersetzt du "geschieht" durch "findet statt"?
Die Menschen, die zu diesem Konzert anreisen - der Verkündigung der Wahrheit und der Aufforderung, wieder Gerechtes zu tun -, sind nun von dem Falschen ihres Tuns überzeugt. Der Anarchismus in der Gesellschaft zerbröckelt.

Zitat:

Diese Gäste bewegen sich
auf zweischichtigen Gebilden
- nennen wir sie Doppeldecker.


Die "zweischichtigen" Gebilde stehen dann für die Gerechtigkeit und die Ungerechtigkeit. Quasi grau und weiß, in jedem Menschen zu finden. Mit dem "Doppeldecker" hast du dafür eine schöne Metapher gefunden.

Zitat:

Interessant zum Zusehen,
doch man hat uns gesagt,
wir sollen uns versperren,
wenn die Touristen
Kameras hervorholen.


Diese Gerechtigkeit, die die Menschen dank diverser "Fingerzeige" wieder überkommt, ist "interessant zum Zusehen". Das heißt, man sieht ein paar Mal hin und vergisst es dann gleich wieder. Doch die "Touristen", andere Menschen von weit her, reisen an, um diese "Sensation", den Ausbruch der Gerechtigkeit, zu betrachten. Dabei fangen sie mit ihren Kameras wohl auch die wahre, abartige Seite der umstehenden Menschen ein; deshalb sollen diese sich "versperren".

So, das war's.  Shocked Ich hoffe, du konntest was damit anfangen. Teilweise haben sich meine ursprünglichen Interpretationen gravierend geändert. Zuerst hatte ich das Gedicht auf die Politik bezogen, dann auf die Religion - Gott weist die Menschen mit einem "Fingerzeig" auf ihre Ungerechtigkeit anderen gegenüber hin -, dann wieder auf die Wirtschaftskrise und die Gier der Manager.

Lass dich von meinen teils wirren Interpretationsansätzen nicht beirren.

Liebe Grüße,

Eddie


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(...) Das Gedicht will zu einem Andern, es braucht dieses Andere, es braucht ein Gegenüber. Paul Celan

Life is what happens while you are busy making other plans.
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MrPink
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Der Bronzene Wegweiser


BeitragVerfasst am: 20.06.2009 14:21    Titel: Antworten mit Zitat

Die "grantigen" Bezüge herauszubügeln, schwierig. Du hast verschiedene Bilder auf eine Zeitschiene gesetzt. Um fließende und schlüssige Übergänge zu schaffen, bietet sich an, den Prozess der Apokalypse auf ein Bild zu übertragen, das ginge dann allerdings auf Kosten des Surrealen. Ich habe den Eindruck, du hast dich bei deinen Umschreibungen der Malerei bedient.
Die Metapher der Zeit erinnert mich an Dali´s zerfließende Uhren. Wenn du also die Bilder beibehalten willst, gäbe es die Möglichkeit, diese explizit auszuarbeiten, so dass sich der Prozess quasi in jedem einzelnen Bild widerspiegelt. Das könnte den Effekt haben, man befinde sich auf einer Vernissage, die ein bestimmtes Thema behandelt; man schaut sich jedes Bild für sich an, nur das Oberthema bildet den Kontext. Dann ist es auch egal, wo man die Betrachtungen anfängt. Wäre bestimmt auch interessant. So, ich hoffe, damit kannst du was anfangen.

schönen Samstag
andi


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Ein Fingerhut voller Tränen - Ein Gedichtband
BeitragVerfasst am: 20.06.2009 21:09    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@ Eddie: Du weißt, ich stehe total auf deine Interpretationen. Weißt du, nachdem du meine Texte gedeutet hast, fühle ich mich so verdammt weise und meine Lyrik erscheint so vielsagend tief. *g* Am liebsten würde ich sie mir ausdrucken und vor dem Schlafengehen lesen ... aber das wäre ein bisschen arg narzisstisch, oder? Nein im Ernst, ich bewundere die Art, wie du dir fast pendantisch ein Gedicht erschließt, jedes Detail berücksichtigst, jedem Symbol eine Chance gibst, sich in den Gesamtkontext zu fügen. Kann man bei dir Nachhilfe nehmen? smile
Du hast in all deinen Deutungen recht, nur einen grundlegenden Punkt hast du genau gegenteilig zu meiner Intention gedeutet. Bei dir geht es ja von der Anarchie in die Regelmäßigkeit, so wie ich das verstanden habe, wobei Anarchie der negative Grundzustand und eine neue Ordnung das erstrebenswerte ist. Nicht schlecht, zwar nicht meine Absicht (ich hatte eher die klassische "Revolution", das Aufbrechen veralteter Normen, im Blick), aber durchaus stimmig und eines Nachdenkens wert.

@ Mr. Pink: Vernissage ... eine gute Assoziationen, das trifft wahrscheinlich meine Art zu dichten, Zusammenhänge herzustellen, am besten. Das Thema in lose zusammenhängenden Facetten wiedergeben.
Du hast indirekt mein Problem auf den Punkt gebracht: Ich schreibe zu "künstlerisch", in Assoziationswelten, die vllt. auf einem Gemälde besser funktionieren als im Text.  Embarassed


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Die Tauben
BeitragVerfasst am: 22.06.2009 18:10    Titel: Antworten mit Zitat

Druck dir meine Interpretationen aus, da hab ich doch nichts dagegen Smile

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