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und trotzdem fliegen wir


 

 
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Perry
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 67
Beiträge: 1971



BeitragVerfasst am: 11.07.2016 17:07    Titel: und trotzdem fliegen wir eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

und trotzdem fliegen wir

bisweilen sind wir hummeln
im flug zu unberührten ufern
bringen schwestern zum schweigen

erwacht aus dem winterschlaf
schwirren wir selbst bei tiefen
graden über meere und hohe lagen

als unheilsbringer zelebrieren wir
schwarzes sind gleichwohl
pollenträger der evolution

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BlueNote
Geschlecht:männlichStimme der Vernunft


Beiträge: 6900
Wohnort: NBY
Ei 4



BeitragVerfasst am: 12.07.2016 08:04    Titel: Antworten mit Zitat

Hi!

Das Gedicht spielt meiner Meinung nach gekonnt mit der These "Hummeln können der Konstruktion nach eigentlich gar nicht fliegen" und "wir Menschen wachsen trotz allen Unvermögens über uns hinaus" - und es gelingt uns irgendwie alles (auch das Unheil, das wir bringen, zu zelebrieren). Die pollenträger der evolution ist eine herrliche Formulierung, denn wer beeinflusst oder manipuliert die Evolution mehr als wir?

Und trotzdem fliegen wir ...
Die neuen Ufer stimmen frohgemut, die Meere und hohen Gelagen, die bezwungen werden, machen uns siegessicher. Aber da ist auch noch das Zelebrieren des Schwarzen als Unheilsbringer. Das Gedicht endet mit einer fast nüchternen, unemotionalen, aber gleichwohl intelligenten Feststellung. Faszinierend diese Mischung aus ... Mensch und Tier, Aufbau und Zerstörung (?), Entwicklung und Vernichtung, Vermögen und Unvermögen.

So sehe ich das zumindest!

BN
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Perry
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 67
Beiträge: 1971



BeitragVerfasst am: 12.07.2016 14:29    Titel: Hallo BlueNote, pdf-Datei Antworten mit Zitat

danke fürs intensive Nachspüren der Bilder.
Ja, der Titel spielt auf das Hummel-Paradoxon an und deine Übertragung der Thematik auf den Menschen ist nicht nur seit Galileo Galilei eine erstrebenswerte Haltung.
Nebenbei bzw. auch als Überleitung auf die Widersprüchlichkeiten des menschlichen Charakters habe ich in die erste Strophe den Hummelflug von Rimski Korsakow eingewebt.
Doch bei seinem Streben nach Erkenntnis geht der Mensch manchmal auch Bündnisse mit der dunklen Seite der Macht ein.
Letztlich bleibt uns nur die Hoffnung, dass sich wie in der Evolution der Natur das Starke, bei der menschlichen Gesellschaftsentwicklung das Gute durchsetzt und dazu sind wir alle als "Pollenträger" gefordert.
Der sachliche Grundton am Ende lässt offen, dass die großen Begriffe wie "das Starke/Schwache und das Gute/Böse" viele Facetten haben können.
LG
Perry
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menetekel
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 99
Beiträge: 1921
Wohnort: Planet der Frühvergreisten


BeitragVerfasst am: 12.07.2016 17:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Perry,
ein schlichtes, aber eindrucksvolles Gedicht, bei dessen Lesegenuss ich mir das Interludium des Rimski-Korsakow zuschaltete (welch göttergleiche musikalische Nachempfindung und Umsetzung eines Hummelflugs; für mich nur vergleichbar mit Rilkes "Panther!" Hier soll sich der Dichter ja einen ganzen Tag vor einem Käfig im Zoo aufgehalten haben, bevor er sich an sein Gedicht wagte ...
(Wahrscheinlich "darf" man derlei gar nicht vergleichen. Ich mach's aber mal. Embarassed  ]

Zitat:
und trotzdem fliegen wir

bisweilen sind wir hummeln
im flug zu unberührten ufern
bringen schwestern zum schweigen


Das Tier als Metapher des Menschen. Ein suchendes, ein (er-)findendes Tier, ein Tier, das Widerstände bricht,

Zitat:
erwacht aus dem winterschlaf
schwirren wir selbst bei tiefen
graden über meere und hohe lagen


seine Kreatürlichkeit überwindet und zum Menschen heranreift.

Zitat:
als unheilsbringer zelebrieren wir
schwarzes sind gleichwohl
pollenträger der evolution


Aber eben nicht ganz. Und nicht für immer. -
Sein Erfindungsgeist und Fortschrittsglaube wirken nach zwei Seiten: heilbringend und unheilbringend zugleich.

Dennoch: Angesichts der Millionen Jahre, der Entstehung und dem Vergehen ganzer Universen, der steten Veränderung des Gesichts der Erde sind wir nichts und bewirken wenig.

Pollenträger allenfalls (die gefallen mir besonders).

Liebe Grüße
m.

P.S.: Unklar bleiben mir nur die "Schwestern"...
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Rainer Zufall
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 65
Beiträge: 799

Pokapro und Lezepo 2014


BeitragVerfasst am: 12.07.2016 17:18    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Perry,
ich schließe mich der Kürze halber Mentekel mal an. Mir geht das nämlich ähnlich.

Das ist ein schönes und ungewöhnliches Gedicht, die Hummeln als Symbol für den Menschen finde ich neu und unverbraucht. Gerade diese dicken kleinen Biester, die man eigentlich nicht ernst nehmen kann, weil sie wie eine fliegende Kugel aussehen, schaffen es doch zu fliegen. Und sie sind etwas Besonderes, diese menschlichen Hummeln, denn sie sind auch Unheilsbringer, die ganz nebenbei Pollen der Evolution an ihren dicken Höschen tragen.
Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, ob es irgendwelche Sagen oder Mythen über die Hummel und ihr Unheilbringerei gibt, das wär natürlich passend, denn für mich selbst sind Hummeln nichts, was ich fürchten würde. Aber das fand ich letztlich wurscht, denn man kann dem Bild oder der Hummelmetapher diese Doppelbedeutung abnehmen. So viele Leute flüchten vor Hummeln, obwohl diese glaube ich noch nicht mal stechen. Aber so genau weiß ich das gar nicht.

Sehr gerne gelesen, ein wenig drüber sinniert und genossen.

Nur - auch bei mir stoßen die Schwestern auf ein Fragezeichen.
Zufällige Grüße
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Aranka
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3382
Wohnort: Umkreis Mönchengladbach
Pokapro und Lezepo 2014



BeitragVerfasst am: 12.07.2016 19:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Perry,

ein sehr konzentriertes und gut gebautes Gedicht mit interessanten Vernetzungen. So klingt in den ersten 3 Zeilen das Märchen vom Zaren Saltan zu mir durch.

Auf dem Hintergrund des Märchens erhalten die Schwestern, die unberührten Ufer und auch das „Hummel-Sein“ des Menschen für mich eine erste Füllung, auf der ich dann Weiteres lese.

„Bisweilen“ sind wir Menschen im Sinn dieses Märchens als Hummel unterwegs, auf der Suche nach unseren „Vätern“, voller Zutrauen in uns selbst und ohne Angst und streifen dabei unberührte Ufer. Und als Hummel, des Fliegens mächtig (oh Wunder), nehmen wir es mit den bösen Schwerstern auf, bringen sie zum schweigen. Sie sind die andere Seite in uns: bleischwer, erdverhaftete, mit dem Glauben an Geld und Gut, dem Neid ganz nah. (flugunfähig)

Stehen sich im Märchen (der gute) Fürst Gwidon (in eine Hummel verwandelt) und die ( bösen) Schwestern als getrennte Personen gegenüber, so lese ich das hier im Gedicht als die „zwei Seelen“ in der Brust des Menschen und der Text spielt hier mit diesen zwei Seiten, als schaue ich in ein Vexierbild, ebenso sehe ich das Hummelbild wie im Vexierglas.

Der Titel hat mich schon vorbereitet: es geht um dieses TROTZDEM, dieses lyrische DENNOCH.

Gern gelesen. Liebe Grüße Aranka


_________________
"Wie dahingelangen, Alltägliches zu schreiben, so unauffällig, dass es gereiht aussieht und doch als Ganzes leuchtet?" (Peter Handke)

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Perry
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 67
Beiträge: 1971



BeitragVerfasst am: 12.07.2016 20:52    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo menetekel,
ja der Hummelflug von Rimski Korsakow ist wohl in seiner Intensität, was den schwirrenden Schlag hunderter von Flügelchen, vom zärtlichen Streicheln bis zum schwindelerregenden Vibrieren, kaum zu überbieten.
Diese Bandbreite sollte auch bei der Übertragung des Bildes auf den Menschen weiterwirken. Letztlich sind wir nur Pollenträger, die darauf hoffen, einen Beitrag zum Überleben der Menschheit leisten zu können.
Was das Bild mit den Schwestern anbelangt, möchte ich Dir Arankas Komm ans Herz legen.
Danke fürs Reinspüren und LG
Perry

Hallo Rainer,
danke für deinen „Kurzblick“ auf den Text, dessen Wirkung ja oft entscheidend ist, ob er eventuell intensiver gelesen wird.
Mythen um die Hummel gibt es viele, vom Hexenglauben bis zu schwarzen Messen, letztlich sollen sie nur andeuten, dass Vorstellung und Realität, ebenso wie Wollen und Tun oft unterschiedlich sind.
Die Hummel kann übrigens tatsächlich stechen, ist aber eher eine friedlich brummende Zeitgenossin.
Dass Du auch das Schwesternbild hinterfragst, gibt mir zu denken, ob es nicht eine Bedeutungsebene zu viel im Text aufmacht.
LG
Perry

Hallo Aranka,
dein Komm  zeigt mir wieder einmal, dass es sich lohnt einen Text mehrschichtig aufzubauen.
Das Beziehen auf Bekanntes hilft mir bei der Verdichtung der Aussage, wobei ich aber bemüht bin, nicht zu viel Nähe aufzubauen, um genügend Freiraum für eigenständiges Lesen zu lassen.
Deine Übertragung des Hummel-Paradoxon bzw. des Märchen- /Mythenbildes  auf die menschliche Seele, bringt die Aussage des Textes genau auf den Punkt.  
Das Bewusstwerden unserer individuellen Unzulänglichkeit ist vielleicht die größte Chance, um trotzdem zu überleben.
Danke fürs Auffalten des Textes zu einer lyrisch lesbaren Seite.
LG
Perry
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Rainer Zufall
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 65
Beiträge: 799

Pokapro und Lezepo 2014


BeitragVerfasst am: 12.07.2016 23:05    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Perry
Zitat:
Dass Du auch das Schwesternbild hinterfragst, gibt mir zu denken, ob es nicht eine Bedeutungsebene zu viel im Text aufmacht.

Vielleicht  ist es ja so: Es hängt viel davon ab, das Schwesternbild gleich einordnen zu können, ob man das Märchen von Zaren Saltan kennt. Fußt die Analogie zu  dem Märchen auf einem gewissen Bekanntheitsgrad des Märchens, so nach dem Motto, es ist Allgemeinbildung und nur Rainer Zufall und Mentekel kennen es nicht, dann lass es einfach so. Ist es eher unbekannt, trägt das Bild zwar nicht. Aber ich habe das Gedicht ja dennoch verstanden - trotz meiner Schwesternfrage, daher würde ich aus dem Grunde noch mal gut überschlafen an deiner Stelle, ob du wirklich eine Bedeutungsebene zuviel in den Ttext genommen hast.
Lieben Gruß
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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 13.07.2016 00:54    Titel: Antworten mit Zitat

Ich muss gestehen, dass ich Probleme habe mit dem Vergleich Hummel zu Mensch.

Vielleicht, weil ich das Märchen nicht kenne.
Die Schwestern und das Schwarze kriege ich nicht mit meiner Hummelerfahrung in Verbindung. Und die Verbindung von der Hummel zum Menschen beikomme ich trotz des Gedichtes nicht hin.

Da nurtzt mir auch das Pollenbild nicht. Sorry.

(Ich weiss, die Pollenanalyse...)
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Aranka
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Pokapro und Lezepo 2014



BeitragVerfasst am: 13.07.2016 06:05    Titel: Antworten mit Zitat

Ich fände, man nähme dem Text eine Verknüpfungsmöglichkeit, wenn mann die "Schwestern" herausnähme. Für mich ist die erste Strophe eine ziemlich stabile Plattform, auf der ich Weiteres lesen kann.

Vielleicht könnte man ja unter dem Text einen Verweis zum "Hummelflug" von Rimski Korsakow machen, den Menetekel ja auch gleich im Hinterkopf hatte. "Das Märchen vom Zaren Saltan" von Puschkin, ist Hintergrund der gleichnamigen Oper, aus dem der Hummelflug stammt.

Man braucht diesen Hintergrund vielleicht gar nicht, um diesem Text eine Menge abzugewinnen und sich seine eigenen Gedanken zu machen. Das zeigen ja die Kommentare. Mit dem Hintergrund erfährt der Text eine zusätzliche Ebene.

Es ist jedenfalls nichts Ungewöhnliches, das Gedichte sich auf Musikstücke, Gemälde oder auch andere Texte beziehen. Meist wird in Lyrikbänden darauf unter dem Text oder im Anhang hingewiesen. Man muss nicht alles kennen und die Bezüge sind auch manchmal sehr speziell. Der Text sollte auch ohne das Hintergrundwissen beim Leser andocken und etwas auslösen. Wenn er dann so fesselt, dass man neugierig genug ist, kann man ja die Info einholen. Ein Verweis würde es ermöglichen. Hier wäre es vielleicht angebracht, besser als künstlich ein "Schlüsselwort" in den Text einzubauen.


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Rainer Zufall
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Beiträge: 799

Pokapro und Lezepo 2014


BeitragVerfasst am: 13.07.2016 08:10    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, so sehe ich das auch, Aranka.
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Stimmgabel
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Bronzener Sturmschaden Der goldene Spiegel - Lyrik (2)



BeitragVerfasst am: 13.07.2016 10:44    Titel: Antworten mit Zitat

-


und trotzdem fliegen wir

bisweilen sind wir hummeln
im flug zu unberührten ufern
bringen schwestern zum schweigen

erwacht aus dem winterschlaf
schwirren wir selbst bei tiefen
graden über meere und hohe lagen

als unheilsbringer zelebrieren wir
schwarzes sind gleichwohl
pollenträger der evolution


-----------------------------------------------


Hallo Perry,


sprachlich, klanglich funktioniert das Gedicht für mich persönlich wunderbar  / inhaltlich bleibt mir die Kernaussage in ihrer bildlichen Bindung jedoch sehr verschlossen insofern:  die Grundaussage, Konnotation der Hummel ist im Text fast durchgehend negativ [ fragwürdig, unstet bis machthungrig ] besetzt. Mit der angehängten Zeile: gleichwohl pollenträger der evolution;

auch hier frage ich mich, ob es sich ausschließlich nur um ein zufälliges Pro-Attribut handelt  / Thema Fortpflanzung: im direkten wie auch figurierten Sinne [ nur handeln will ], da mit der Einleitung "gleichwohl" ja bewusst ein Sekundär-Part [ quasi: also auch u.a. ] betont wird.

1 / im Titel dieses trotzdem fliegen / wir /

ehrlich gesagt verstehe ich diese Andeutung nicht, da die Hummel in ihrerselbst Flugsystem [ genetischen Systemik ] wunderbar fliegen kann; scheinbar haben wir Menschen damit ein Problem ... sagt die Hummel:  Na und! ... zumal wissenschaftlich, also die Denksuche des Menschen, hierüber ebensowenig Fragezeichen existieren [ hier behaupten wohl mehr Unker Seltsames außerhalb der Wirklichkeit Wink ]

... und aus diesem Titel-Bild dann die Überleitung zum Menschen: wenn wir wollen [ figurativ ], können wir auch fliegen, uns bewegen, Situationen bewegen, usw ... [ pro_agieren, aber auch negativ agieren ], so in etwa?   mmhh, das passiert doch permanent sowieso.

2 / bringen schwestern zum schweigen /

was will mir diese Zeile assoziieren? selbst bei Anlehnung an den Hummelflug; selbst bei Anlehnung an das Märchen vom Zaren Saltan [ ich kenne die lyrische Fassung ] ... erschließt sich mir die Konnotation dieser Zeile für dein Gedicht nicht. So wie sie da steht [ ohne Intertextualität ] erweckt sie aprior eine negative Betonung, eben gegen jemanden zu agieren;

mit Intertextualität zum Märchen sehe ich genausowenig eine inhaltliche Bindung zum Gedicht, da es dem Märchen in zweiter Ebene aprior darum geht, dem König Saltan [ der Vater vom Prinzen Gwidon, sein Sohn ] sein Bedürfnis auf seinen Sohn wieder zu wecken, und er, Gwidon als Mücke und als Wespe [ nicht als Hummel ] die böse Tante, die Muhme dreimal sticht [ in beide Augen, auf die Nase ] in keiner Weise geht er gegen die ur_intreganten Schwestern direkt vor.

Ergo: das Märchen appeliert an die inneren "guten" Bedürfnisse des Menschen, die er selbst wieder entdecken kann, sind sie ihm abhanden gekommen.

Resümme zur Zeile:  so wie sie da ungebunden steht, wird sie mMn zu einem quasi Oxymoron, dessen Wegweisung einzig provokativ unklar und sicher hermetisch verschlossen bleibt / wirkt, egal ob mit oder ohne intertextuellen Bezug, mMn.

... ich denke mal, will diese Zeile text-immanent wohl eher 'pro' wirken, oder nicht?  [ wofür, weiß ich dennoch nicht Rolling Eyes ]

3 / Hummeln [ Menschen ] ... als unheilsbringer zelebrieren wir schwarzes? ... mmhhh  / okay, der Mensch ist wunderbar zuweil gegen sich selbst gewalttätig süchtig aber, was hat das nun mit der Hummel in ihrerselbst Dasein zu tun?

zumal die Hummel nun auch noch schwarz-farbig natürlich ist   hieße das ja, laut text: dass zumindest die Hummel in ihrer farb_existenziellen Schwärze aprior herrschsüchtig, machtgungrig gegen ihre eigen Spezies ist ... was in diesem Fall real aber auch zu Null zutrifft.

So bleibt mir bzgl der text_Metaphorik zu "schwarz" in der gleichsam bedeuteten text_Metaphorik: Mensch ist auch Hummel  / irgendwie ein seltsames Bild übrig.  -->  der Mensch ist also etwas, was die Hummel nicht ist ??? ... ist das hier so gemeint? meine Frage ... vielleicht ja sogar die Kernaussage des Gedichts? quasi:

  der Mensch solle sich mal etwas von dem Dasein der Hummel tatsächlich abschauen und umsetzen, auch mal mutig fliegen, ebenso bedacht mit den Lebenspollen umgehen, und Mensch_interagierend mal mehr hummelig sein ... als grund_angetrieben ego_herrschsüchtig zu seinem einzigen ICH_Vorteil, so in etwa?


Perry, mal bis hierher meine ersten Gedanken zu deinem Text.  Wieder einen lieben Gruß,  Frank ...


-


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Perry
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BeitragVerfasst am: 13.07.2016 12:17    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Aranka,

als Kenner des Märchens zum Hummelflug eröffnet Dir die Andeutung „bringen schwestern zum schweigen“ ein weites Interpretationsfeld. Der Interpretationsansatz in Franks Kommentar geht – was das Märchen betrifft- wiederum in eine eher kontraproduktive Deutung zum Gedichttext.
Ich möchte den Bezug zum Märchen auf jeden Fall beibehalten, aber versuchen den anscheinend etwas problematischen Bildbezug etwas neutraler zu gestalten.
Was Erläuterungshinweise zu lyrischen Texten betrifft, sind wir bei einem schwierigen Thema. Sie können hilfreich sein, aber auch der Transzendenz eines Textes schaden.
In meinem neusten Gedichtband „Leben in Moritaten“ habe ich diesbezüglich etwas experimentiert und bin gespannt, ob es dazu Reaktionen gibt.
Danke fürs Feedback und LG
Perry

Hallo Frank,

danke für dein offenes Reflektieren, das mir Ansätze für eine Textoptimierung gibt.
Die insgesamt negative Stimmungslage in den Bildern ist durchaus gewollt (wobei es auch eine positive gibt, z. B. in der 2. Strophe), weil damit das „und trotzdem …“ stärker zur Geltung kommt.

 zu 1) Der Titel reflektiert das bekannte Hummel-Paradoxon, das am Textschluss auf den Menschen übertragen wird.

zu 2) Was den Märchenbezug anbelangt, soll er vor dem Hintergrund des sich steigernden Hummelschwirrens im Musikstück, lediglich das Schlüpfen  in eine andere Wesenseinheit als fiktive Problemlösung andeuten. Ich werde versuche in dieser Richtung ein Bezugsbild ohne den konkreten „Schwesternhinweis“ zu finden.

zu 3) Die Mystik der Hummel beruht auf einigen Vorbehalten wie brummt gefährlich bzw. ist überwiegend schwarz und groß für ein Bieneninsekt. Vermutlich verkörpert sie deshalb in Volksmythen eine Unheilsbringerin etc. Im übertragenen Sinn gibt sich der Mensch manchmal auch als Unheilsbringer, weil er zu sehr auf seine individuellen Bedürfnisse (Macht, Leitkultur etc.) setzt.
Im Grunde seiner Seele weiß er aber, dass ein Überleben der Menschheit nur möglich ist, wenn möglichst viel ihre „Pollen ins Nest tragen.“

LG
Perry
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BeitragVerfasst am: 13.07.2016 13:14    Titel: Antworten mit Zitat

-


Hallo Perry,

vielen Dank für deine detaillierte Antwort zu meinen Gedanken [ soweit ich sie verstanden habe, geht's ja doch auch in mein Resümee ein Hubberle hinein ].

Habe mal nun meine Gedankensicht, inklusive das, was ich aus deiner Antwort verstanden meine, in deine Dichtung [ als meine inhaltliche Sicht ] verarbeitet, stelle sie dir mal vor:


und trotzdem fliegen wir

bisweilen sind wir hummeln
brummen  zu unberührten ufern
bringen (täuschen) neider zum schweigen

erwacht aus dem winterschlaf
schwirren wir selbst bei tiefen
graden über meere und hohe lagen

als unheilsbringer zuweilen wir
schwarzes tragen gleichwohl
die pollen von blüte zu blüte  / menschen


-----------------------------------------------------------------


wieder einen Gruß,  Frank ....


-


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Perry
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BeitragVerfasst am: 13.07.2016 14:47    Titel: Hallo Frank, pdf-Datei Antworten mit Zitat

danke für deine Anregungen, sie gaben mir den letzten Anstoß zur Überarbeitung.
Auf der Suche nach einem leichter nachvollziehbaren Bezugsbild zum Hummelflug ist mir das Bild der anfliegenden Hubschrauber im Film Apocalypse Now (unterlegt mit Wagners „Ritt der Wallküren“) eingefallen. Im weitesten Sinn kann man vielleicht auch Fürst Gwidon aus dem Zarenmärchen nach seinem Wandel in ein Stechinsekt als einen apokalyptischen Reiter interpretieren.
Der Vorteil ist, dass sich die negative Stimmungslage dann in der ersten Strophe verdichtet und die Schlußstrophe so mehr Raum für das Positive bzw. Hoffnungsvolle hat. Dein Pollentragen von „Blüte zu Blüte“ lockert dazu den etwas aufgeladen Evolutionsgedanken auf.

Hier ein erster Entwurf dazu:

und trotzdem fliegen wir

bisweilen sind wir hummeln
agieren als apokalyptische reiter
beim flug zu unberührten ufern

erwacht aus dem dämmerschlaf
schwirren wir selbst bei tiefen
graden über meere und hohe lagen

statt unheil tragen wir pollen
von blüte zu büte sind gleich
wohl schwärmer der Evolution

LG
Perry
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BeitragVerfasst am: 13.07.2016 15:35    Titel: Re: Hallo Frank, Antworten mit Zitat

-


Perry hat Folgendes geschrieben:

danke für deine Anregungen, sie gaben mir den letzten Anstoß zur Überarbeitung.
Auf der Suche nach einem leichter nachvollziehbaren Bezugsbild zum Hummelflug ist mir das Bild der anfliegenden Hubschrauber im Film Apocalypse Now (unterlegt mit Wagners „Ritt der Wallküren“) eingefallen. Im weitesten Sinn kann man vielleicht auch Fürst Gwidon aus dem Zarenmärchen nach seinem Wandel in ein Stechinsekt als einen apokalyptischen Reiter interpretieren.
Der Vorteil ist, dass sich die negative Stimmungslage dann in der ersten Strophe verdichtet und die Schlußstrophe so mehr Raum für das Positive bzw. Hoffnungsvolle hat. Dein Pollentragen von „Blüte zu Blüte“ lockert dazu den etwas aufgeladen Evolutionsgedanken auf.

Hier ein erster Entwurf dazu:



und trotzdem fliegen wir

bisweilen sind wir hummeln
agieren als apokalyptische reiter
beim flug zu unberührten ufern

erwacht aus dem dämmerschlaf
schwirren wir selbst bei tiefen
graden über meere und hohe lagen

statt unheil tragen wir pollen
von blüte zu büte sind gleich
wohl schwärmer der Evolution




LG
Perry



Hallo Perry, Hach der Einstieg, die ersten beiden Strophen, dein angedachter Plot ist nun für mich erste Sahne; in der letzten Strophe ist mir das  "statt unheil" neben den Pollen von Blüte zu Blüte doppelgemoppelt, kann mMn weg   und:

verstehe ich die "schwärmer der Evolution" nun richtig; sind hierbei die egomanen Züge des Menschen auch, u.a. gemeint nach dem Prinzip:  der Stärkere setzt sich durch? .....  wenn ja,

dann könnte für mich S3 so aussehen (vielleicht? Wink ) :


und trotzdem fliegen wir

bisweilen sind wir hummeln
agieren als apokalyptische reiter
beim flug zu unberührten ufern

erwacht aus dem dämmerschlaf
schwirren wir selbst bei tiefen
graden über meere und hohe lagen

-----------------------------------------------------------

tragen wir pollen von blüte zu blüte
obgleich sind wir menschen gleich
wohl schwärmer der evolution


---------------


wieder ein Tschüss,  Frank ...


-


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MoL
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BeitragVerfasst am: 13.07.2016 17:14    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Perry!

Gefällt mir richtig, richtig gut!
Das ist bei mir in Bezug auf Gedichte selten, ich krittele sonst immer gern dran rum.

Liebe Grüße, MoL
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Perry
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BeitragVerfasst am: 13.07.2016 20:10    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Frank,

ich denke, wir nähern uns der Endfassung. Wink
An deinem Vorschlag stört mich noch das zweimalige gleich und die explizite Benennung des Menschen.

Mein Ansatz für die Schlußstrophe wäre:

tragen pollen von blüte zu blüte
sind gleichwohl honigsammler
und schwärmer der evolution

Danke fürs Dranbleiben und LG
Perry

Hallo Mol,
freut mich, dass Dir die Bilder gefallen haben.
LG
Perry
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BeitragVerfasst am: 13.07.2016 21:30    Titel: Re: Hallo Frank, Antworten mit Zitat

-


und trotzdem fliegen wir

bisweilen sind wir hummeln
agieren als apokalyptische reiter
beim flug zu unberührten ufern

erwacht aus dem dämmerschlaf
schwirren wir selbst bei tiefen
graden über meere und hohe lagen

tragen pollen von blüte zu blüte
sind gleichwohl honigsammler
und schwärmer der evolution


----------------------------------------------


Hallo Perry,


dein Einfall bzgl der Honigsammler, einfach nur top  Smile Daumen hoch   hi hi ...


triftt es ja nun genau [ S3 ]; zum einen sich pro fürs Leben einbringen zugleich an der Natur ausbeutend partizipieren, einmal an den pro_natürlichen Ressourcen, zum anderen raubbauend an den nicht erneuerbaren Energien [ wie auch firgurativ egoman direkt am Menschen, gegen den Menschen gerichtet ] ... hi hi, genial gelöst;

und das Hummel-Bild ist mMn nun auch bestens sich aufblätternd eingearbeitet [ inkl. auch mMn dem möglichen Entbildern von Hummelflug und das Hineinschlüpfen, Empathisieren in andere Figuralien ]

... und der Titel erfährt nun gleichsam mit dem "trotzdem" einen interagierenden Sinn ... sind wir Menschen eben zu beidem, also auch zum pro_Handeln fähig, liegt es einzig an uns.


Perry, gefällt mir nun ausnehmend gut, das gesamte Werk [ ist echt Lyrik in direkter wie auch meta_Ebene ]; nochmal: rundum  Daumen hoch

sage wieder ein Tschüss,  Frank ...


-


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