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Wie beschreibe ich diese körperliche Reaktion?

 
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Seraiya
Geschlecht:weiblichMondsüchtig


Beiträge: 938



BeitragVerfasst am: 20.10.2021 11:45    Titel: Wie beschreibe ich diese körperliche Reaktion? eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo ihr Lieben,


Ich hoffe, ich bin hier richtig und dass mir jemand weiterhelfen kann.

In meinem Roman passiert es immer wieder, dass jemand einen verblüfften/verdutzten/überraschten/verwunderten/irritierten usw. Gesichtsausdruck hat, den ich oft gerne nur anhand einer einzigen Geste beschreibe - dem Zurückziehen des Kinns. (Gerne begleitet durch Stirnrunzeln)

Ich nutze nun verschiedene Beschreibungen für diese Reaktion und bin mit keiner davon wirklich zufrieden:

- Der Kopf wich (evtl Adjektiv) ein Stück zurück
- Das Gesicht wich ein Stück zurück (das mit dem Gesicht ist mir nicht lieb, weil sich schließlich der ganze Kopf bewegt)
- Er zog das Kinn zurück (Ich kann mir nicht helfen, dabei denke ich eher an das Bild eines gedrückten Halses und lasse mich von der verblüfften Reaktion ablenken)


Mache ich mir zu viele Gedanken darüber? Sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht?
Über Rückmeldung, Anregungen und Vorschläge würde ich mich sehr freuen.


LG,
Seraiya


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"Some people leave footprints on our heart. Others make us want to leave footprints on their faces."
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RAc
Klammeraffe


Beiträge: 591



BeitragVerfasst am: 20.10.2021 11:54    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Seraiya,

meinst Du das berühmte "ihm/ihr klappte die Kinnlade herunter?" Oder etwas subtileres?

Von deiner Beschreibung glaube ich erahnen zu können, welche Reaktion Du meinst, aber Kinn zurück ziehen wäre für mich für das was ich denke nicht universell genug (ich kann mir spontan drei Leute vorstellen, die in der gemeinten Situation mit jeweils völlig anderen Gesichstmuskeln reagieren).
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Taranisa
Geschlecht:weiblichReißwolf

Alter: 52
Beiträge: 1742
Wohnort: Frankenberg/Eder


BeitragVerfasst am: 20.10.2021 13:25    Titel: Antworten mit Zitat

Als Reaktionen würde ich die Augen aufreißen und/oder wortlos den Mund öffnen. Oder verwundert/irritiert langsam den Kopf schütteln, etwas ausrufen ("Huch!", "Nein!", "Verd...!"), scharf die Luft einziehen, je nach Grund der Verblüffung, Überraschung usw.

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"Henkersweib", Burgenwelt Verlag, ET 12/18
"Die Ehre des Henkersweibs", Burgenwelt Verlag, ET 12/20
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Schreibkopf
Geschlecht:männlichLeseratte


Beiträge: 189



BeitragVerfasst am: 20.10.2021 13:43    Titel: Antworten mit Zitat

"Er sah sie fassungslos an"

"Er stutzte"

"Ihm entgleisten die Gesichtszüge"

"Er zog die Augenbrauen zusammen und öffnete den Mund, sagte aber nichts."

"Dazu fiel ihm nichts mehr ein"

... mir auch nicht wink
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Seraiya
Geschlecht:weiblichMondsüchtig


Beiträge: 938



BeitragVerfasst am: 20.10.2021 13:50    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

RAc hat Folgendes geschrieben:
Hallo Seraiya,

meinst Du das berühmte "ihm/ihr klappte die Kinnlade herunter?" Oder etwas subtileres?

Hi RAc,

Danke für die fixe Anwort.

Ja, ich meine etwas Subtileres. Ich persönlich mache diese Bewegung ständig, wenn mich etwas irritiert - ein leichtes Zurückziehen des Kopfes, wie ein Zucken, aber ohne Erschrecken.


LG,
Seraiya


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Seraiya
Geschlecht:weiblichMondsüchtig


Beiträge: 938



BeitragVerfasst am: 20.10.2021 13:58    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Taranisa smile und Hallo Schreibkopf,


Ich danke euch beiden.

Die anderen Möglichkeiten, um eine überraschte Reaktion auszudrücken, werden von mir ebenfalls ausgiebig genutzt.
Hier geht es mir konkret um diese besondere Bewegung, die der Kopf macht.



LG,
Seraiya


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nothingisreal
Geschlecht:weiblichPapiertiger


Beiträge: 4554
Wohnort: unter einer Brücke


BeitragVerfasst am: 20.10.2021 14:04    Titel: Antworten mit Zitat

Ich hab vor einiger Zeit - witzigerweise auch hier - nach genau so einer Formulierung gesucht.

Bei mir ist es dann dieser Satz geworden:

Sie schob irritiert den Kopf zurück.

Ich finde, das beschreibt ganz gut die Überraschung.


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Babella
Geschlecht:weiblichKlammeraffe

Alter: 58
Beiträge: 793

Das goldene Aufbruchstück Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 20.10.2021 20:35    Titel: Antworten mit Zitat

Da würde ich keinesfalls eine "universelle" Formulierung suchen. Wenn ich dreimal hintereinander "zog das Kinn zurück" lesen würde, würde ich das Buch vermutlich weglegen. Das finde ich eine sonderbare Formulierung und die passt für mich auch nicht  und mich nervt, wenn Autor*innen ihre Lieblingswendungen dauernd wiederholen (das ist wohl ein blinder Fleck beim Schreiben, aber beim Lesen merke ich es halt).

Schulternzucken, Stirnrunzeln, die Lippen zusammenpressen, grinsen ... das sind so Formulierungen, die klar mit der Körpersprache eine Haltung/Stimmung beschreiben. Was ich mache, wenn ich irritiert bin, weiß ich auch nicht. Aber ich weiß, was ich mir vorzustellen habe, wenn jemand "irritiert schaut" oder "verblüfft wirkt".

Vielleicht hast du mal eine Textstelle?
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Seraiya
Geschlecht:weiblichMondsüchtig


Beiträge: 938



BeitragVerfasst am: 20.10.2021 21:01    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo NIR,

nothingisreal hat Folgendes geschrieben:

Bei mir ist es dann dieser Satz geworden:

Sie schob irritiert den Kopf zurück.

Hm, mit dem Schieben habe ich ein Problem, weil es für mich eher ein Ziehen ist, aber ja, das beschreibt es gut.
Danke dir.


LG,
Seraiya


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Seraiya
Geschlecht:weiblichMondsüchtig


Beiträge: 938



BeitragVerfasst am: 20.10.2021 21:13    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Babella,
Babella hat Folgendes geschrieben:

Vielleicht hast du mal eine Textstelle?

Klar. smile


»Ich wusste es!«
»Was denn?«
»Dass du ne schwarze Missgeburt bist.«
Mein Kopf zuckt zurück. »Und warum heute noch?«
»Warste schon immer. Und jetzt haste mein Haus verkauft.«
»Hab ich dir vorher gesagt. Oma, ich hatte nen echt langen Tag.«
»Sei froh, dass de Arbeit hast. Früher hätten se dich weggesperrt.«
»Ey, Oma. Ich ...!«
»Halt's Maul.«
»Sag mal, gehts noch?«
Stille.
»Ne Missgeburt biste trotzdem.«


(Wobei ich mir nicht sicher bin, ob das Zucken hier nicht zunächst einen Schrecken suggeriert.)

Danke dir.

LG,
Seraiya


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Bananenfischin
Geschlecht:weiblichShow-don't-Tellefant

Moderatorin

Beiträge: 5631
Wohnort: NRW
Goldene Feder Prosa Pokapro IV & Lezepo II
Silberne Harfe



BeitragVerfasst am: 20.10.2021 21:36    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Seraiya,

dir geht es um einen genaueren Ausdruck, aber ich frage mich gerade, wie passend es bei einer Ich-Erzählerin ist, die Reaktion so wie von außen beobachtet, den genauen Vorgang samt der Körperteile (Gesicht/Kinn) benennend, zu schildern.
Ein schlichtes "Erstaunt/Irritiert zucke ich zurück" finde ich da eigentlich passender. Ansonsten könntest du auch nach einem netten Vergleich suchen, der die nähere Beschreibung dann genau deswegen interessant macht, etwa: Irritiert wie eine Schildkröte von einem plötzlichen Hindernis, zog ich den Kopf ein.
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Mumienfreund
Eselsohr


Beiträge: 229



BeitragVerfasst am: 21.10.2021 00:13    Titel: Antworten mit Zitat

Seraiya hat Folgendes geschrieben:
Hi Babella,
Babella hat Folgendes geschrieben:

Vielleicht hast du mal eine Textstelle?

Klar. smile


»Ich wusste es!«
»Was denn?«
»Dass du ne schwarze Missgeburt bist.«
Mein Kopf zuckt zurück. »Und warum heute noch?«
»Warste schon immer. Und jetzt haste mein Haus verkauft.«
»Hab ich dir vorher gesagt. Oma, ich hatte nen echt langen Tag.«
»Sei froh, dass de Arbeit hast. Früher hätten se dich weggesperrt.«
»Ey, Oma. Ich ...!«
»Halt's Maul.«
»Sag mal, gehts noch?«
Stille.
»Ne Missgeburt biste trotzdem.«


(Wobei ich mir nicht sicher bin, ob das Zucken hier nicht zunächst einen Schrecken suggeriert.)



Eine genauere Beschreibungen ist an dieser Stelle schwierig, da alles, was länger wird, das Tempo rausnimmt. Ich würde vermutlich auch einfach irritiert verwenden.

Was mich allerdings den Kopf zurückzucken lässt, ist die Frage: Warum heute noch?, die du Dass du ne schwarze Missgeburt bist, folgen lässt  

Hier hätte ich eine Reaktion auf die Beleidigung erwartet – denn sonst wäre sie ja wohl kaum irritiert. Falls es sich auf etwas bezieht, was vorher gesagt wurde, käme diese Reaktion zu spät.

»Ich wusste es!«
»Was denn?«
»Dass du ne schwarze Missgeburt bist.«
Mein Kopf zuckt zurück. »(Sag mal), gehts noch?«
»Warste schon immer. Und jetzt haste mein Haus verkauft.«
»Hab ich dir vorher gesagt. Oma, ich hatte nen echt langen Tag.«
»Sei froh, dass de Arbeit hast. Früher hätten se dich weggesperrt.«
»Ey, Oma. Ich ...!«
»Halt’s Maul.«
Stille.
»Ne Missgeburt biste trotzdem.«
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nothingisreal
Geschlecht:weiblichPapiertiger


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Wohnort: unter einer Brücke


BeitragVerfasst am: 21.10.2021 09:01    Titel: Antworten mit Zitat

Und wenn du ihre Gedanken beschreibst?

»Dass du ne schwarze Missgeburt bist.«
Alter, geht's noch?/Wow!/Miststück!/etc. (Was immer zu deiner Person passt.) »Und warum heute noch?«
»Warste schon immer. Und jetzt haste mein Haus verkauft.«
»Hab ich dir vorher gesagt. Oma, ich hatte nen echt langen Tag.«

Das finde ich stärker als eine körperliche Reaktion. (Bei meinem Satz ist zum Beispiel "sie" eine Nebenfigur, die beobachtet wird. Du kannst den Ich-Erzähler ausnutzen.)


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holg
Geschlecht:männlichReißwolf

Moderator

Beiträge: 1996
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Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 21.10.2021 09:54    Titel: Antworten mit Zitat

Ich sehe deutlich dieses leicht seitliche zurücknehmen des Kopfes und das un gläubige milde Entsetzen, habe aber keine deutsche Beschreibung dafür.

Wenn es zu deiner Erzählperspektive passt, finde ich nothingsisreals Einwurf (Alter!) gut.

Wenn nicht vlt.
Ich weiche kaum einen Millimeter zurück.

Wobei solche Minigesten zu beschreiben aus der Ich-Perspektive oft etwas seltsam wirken. Kann aber auch ein wirksames Stilmittel sein, wenn es zumindest in der Szene durchgezogen wird.


(Schön zu sehen, dass du dran arbeitest!)

Holg


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Seraiya
Geschlecht:weiblichMondsüchtig


Beiträge: 938



BeitragVerfasst am: 21.10.2021 21:05    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Bananenfischin,

Ich danke dir für deine Gedanken dazu.

Ein Mangel an Adjektiven und beschreibenden Sätzen sind die Grundpfeiler der Erzählung, weswegen ich hier nach dem selben Motto verfahre wie beim Haare schneiden - so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich.
Dass die Ich-Erzählerin ihre Reaktion auf diese Weise beschreibt, fügt sich in das Gesamtkonstrukt des Textes ein und passt mir sehr gut.



Hallo Mumienfreund,

Mumienfreund hat Folgendes geschrieben:

Eine genauere Beschreibungen ist an dieser Stelle schwierig, da alles, was länger wird, das Tempo rausnimmt.

So ist es.

Mumienfreund hat Folgendes geschrieben:

Was mich allerdings den Kopf zurückzucken lässt, ist die Frage: Warum heute noch?, die du Dass du ne schwarze Missgeburt bist, folgen lässt  

Hier hätte ich eine Reaktion auf die Beleidigung erwartet – denn sonst wäre sie ja wohl kaum irritiert.

Die Reaktion wird verständlich, wenn man den Rest kennt. Die Ich-Erzählerin wird nicht zum ersten Mal von der Oma auf diese Weise bezeichnet und reagiert nicht irritiert aufgrund der Beleidigung an sich, sondern weil sie nach langer Zeit wieder so bezeichnet wird.
Nach deinem Hinweis habe ich das "noch" aus »Und warum heute noch?« durch ein "wieder" ersetzt. Ich hoffe, dass es so besser passt.

Ich danke dir.


LG,
Seraiya


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Seraiya
Geschlecht:weiblichMondsüchtig


Beiträge: 938



BeitragVerfasst am: 21.10.2021 21:24    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo NIR,

nothingisreal hat Folgendes geschrieben:
Und wenn du ihre Gedanken beschreibst?

»Dass du ne schwarze Missgeburt bist.«
Alter, geht's noch?/Wow!/Miststück!/etc. (Was immer zu deiner Person passt.) »Und warum heute noch?«
»Warste schon immer. Und jetzt haste mein Haus verkauft.«
»Hab ich dir vorher gesagt. Oma, ich hatte nen echt langen Tag.«

Das finde ich stärker als eine körperliche Reaktion. (Bei meinem Satz ist zum Beispiel "sie" eine Nebenfigur, die beobachtet wird. Du kannst den Ich-Erzähler ausnutzen.)


Dein Vorschlag, die Gedanken zu beschreiben, gefällt mir sehr gut. Danke!
 
Ich denke, ich werde das "Wow!" übernehmen, weil es gut zu der Protagonistin passt, muss aber erstmal schauen, wie es sich in den Rest der Erzählung einfügt, weil ich bis dato keinerlei Gedanken ausdrücke.

Was die verdutzte Reaktion mit Kopf angeht, hab ich noch einen weiteren guten Tipp von Klemens bekommen - ein schlichtes:
"Er/Sie bewegte den Kopf (leicht) zurück"



LG,
Seraiya


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Pickman
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Beiträge: 1255
Wohnort: München


BeitragVerfasst am: 22.10.2021 10:03    Titel: Antworten mit Zitat

Bananenfischin hat Folgendes geschrieben:
Liebe Seraiya,

dir geht es um einen genaueren Ausdruck, aber ich frage mich gerade, wie passend es bei einer Ich-Erzählerin ist, die Reaktion so wie von außen beobachtet, den genauen Vorgang samt der Körperteile (Gesicht/Kinn) benennend, zu schildern.
Ein schlichtes "Erstaunt/Irritiert zucke ich zurück" finde ich da eigentlich passender. Ansonsten könntest du auch nach einem netten Vergleich suchen, der die nähere Beschreibung dann genau deswegen interessant macht, etwa: Irritiert wie eine Schildkröte von einem plötzlichen Hindernis, zog ich den Kopf ein.


Ich sehe das wie Bananenfischin. Eine Ich-Erzählerin wird kaum wie ein Außenstehender, dem nichts anderes übrigbleibt, die sichtbare körperliche Reaktion beschreiben, sondern eher das erste, was ihr durch den Kopf geht.


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Michel
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BeitragVerfasst am: 22.10.2021 11:12    Titel: Antworten mit Zitat

Das Klemens-Beispiel bezieht sich auf personale Perspektive, nicht Ich-Perspektive, oder? Da hat man ja immer die Möglichkeit, etwas auktorialer "zurückzuweichen" und eine Bewegung von außen darzustellen. In First-Person geht das meines Erachtens nicht so gut. "Erstaunt nehme ich den Kopf leicht zurück" liest sich für mich sperrig.
Ich habe gerade versucht, Dein Beispiel (Ich-Perspektive) im inneren Film laufen zu lassen. Wenn da mein Kopf zurückzuckt, würde ich das vermutlich gar nicht bemerken, genau wie Bananenfischin schreibt. Wenn es mir selbst auffällt, dann, weil es etwas Besonderes, Ungewöhnliches oder Irritierendes ist. ("Verdammt, schon wieder zuckt mein Augenlid.")
Ich versuche in Texten manchmal, diese unwillkürlichen Dinge auf eine bewusste Ebene zu ziehen. So könnte z.B. aus "Immer wieder zwinkerte er mit den Augen" zu "Er versuchte vergeblich, das Augenzwinkern zu unterdrücken" werden. (Das Beispiel ist für Dein Anliegen natürlich zu lang.)


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Ab Dezember 2020 im Handel: "Ishabel", der zweite Band der Flüchtlings-Chroniken
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Nina
Geschlecht:weiblichDichterin


Beiträge: 5103



BeitragVerfasst am: 22.10.2021 11:46    Titel: Re: Wie beschreibe ich diese körperliche Reaktion? Antworten mit Zitat

Seraiya hat Folgendes geschrieben:
In meinem Roman passiert es immer wieder, dass jemand einen verblüfften/verdutzten/überraschten/verwunderten/irritierten usw. Gesichtsausdruck hat, den ich oft gerne nur anhand einer einzigen Geste beschreibe - dem Zurückziehen des Kinns. (Gerne begleitet durch Stirnrunzeln)


hallo seraiya,

ich denke, dass hier problematisch ist, dass das eine die ich-perspektive ist, also der autor:in aus dieser perspektive erzählt, und das andere etwas ist, das in ihm passiert, reflexartig und, wenn man einen bestimmten begriff oder eine umschreibung dafür sucht, man im außen ist, also nicht bei dem erzähler, sondern bei einem betrachter von außen.

"ich zog den kopf zurück" würde ich niemals denken, wenn ich reflexartig auf etwas reagiere. du?

bei mir wäre es z.b. so, dass ein bestimmter begriff da/im innern wäre in dem moment, also in einem sekundenbruchteil, in dem ja auch die körperliche reaktion quasi eins zu eins geschieht. ich würde also nicht denken oder sagen: "ich verhalte mich jetzt soundso", sondern ein begriff könnte da sein.

ein beispiel für ein wort, das gerne stellvertretend verwendet wird, ist zum beispiel dieses: what the fuck?! oder kurz: wtf?

ich hoffe, das war hilfreich.

lg
nina


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Kiara
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Beiträge: 1591
Wohnort: bayerisch-Schwaben


BeitragVerfasst am: 22.10.2021 11:48    Titel: Antworten mit Zitat

Vielleicht, wenn die andere Person es erwähnt?
"Was schaust du jetzt so?"
"Warum so irritiert / überrascht?"


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Zum Schweigen fehlen mir die Worte.

- Düstere Lande: Das Mahnmal (2018)
- Düstere Lande: Schatten des Zorns (2020)
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Seraiya
Geschlecht:weiblichMondsüchtig


Beiträge: 938



BeitragVerfasst am: 22.10.2021 11:48    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Holg,

holg hat Folgendes geschrieben:
Ich sehe deutlich dieses leicht seitliche zurücknehmen des Kopfes und das un gläubige milde Entsetzen, habe aber keine deutsche Beschreibung dafür.

Schön ausgedrückt. Danke.

holg hat Folgendes geschrieben:

Wenn es zu deiner Erzählperspektive passt, finde ich nothingsisreals Einwurf (Alter!) gut.

Siehe meine zweite Antwort an NIR.

holg hat Folgendes geschrieben:

Wenn nicht vlt.
Ich weiche kaum einen Millimeter zurück.

Auf der einen Seite gefällt mir die Formulierung, auf der anderen ist sie mir für die gezeigte Stelle zu lang, passt aber hervorragend in eine andere Geschichte, die ich schreibe, die keinen Ich-Erzähler hat. Danke!

holg hat Folgendes geschrieben:

Wobei solche Minigesten zu beschreiben aus der Ich-Perspektive oft etwas seltsam wirken. Kann aber auch ein wirksames Stilmittel sein, wenn es zumindest in der Szene durchgezogen wird.

Ja, so (versuche) verwende ich das.
Ich kann deinen, NIRs und Bananenfischins Einwand wegen der Ich-Erzählerin nachvollziehen, ändere bzw. ersetze diese Einschübe aber nur gänzlich durch Gedankenreaktion wenn es am Ende so gar nicht als Stilmittel erkannt/gemocht wird und ich feststelle, dass es dem Leser das Geamtbild versaut.  

holg hat Folgendes geschrieben:

(Schön zu sehen, dass du dran arbeitest!)

smile


LG,
Seraiya


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Mumienfreund
Eselsohr


Beiträge: 229



BeitragVerfasst am: 22.10.2021 12:56    Titel: Antworten mit Zitat

Seraiya hat Folgendes geschrieben:


Mumienfreund hat Folgendes geschrieben:

Was mich allerdings den Kopf zurückzucken lässt, ist die Frage: Warum heute noch?, die du Dass du ne schwarze Missgeburt bist, folgen lässt  

Hier hätte ich eine Reaktion auf die Beleidigung erwartet – denn sonst wäre sie ja wohl kaum irritiert.

Die Reaktion wird verständlich, wenn man den Rest kennt. Die Ich-Erzählerin wird nicht zum ersten Mal von der Oma auf diese Weise bezeichnet und reagiert nicht irritiert aufgrund der Beleidigung an sich, sondern weil sie nach langer Zeit wieder so bezeichnet wird.
Nach deinem Hinweis habe ich das "noch" aus »Und warum heute noch?« durch ein "wieder" ersetzt. Ich hoffe, dass es so besser passt.


Meinst du so?

»Ich wusste es!«
»Was denn?«
»Dass du ne schwarze Missgeburt bist.«
Mein Kopf zuckt zurück. »Und warum heute wieder?«
»Warste schon immer. Und jetzt haste mein Haus verkauft.« ...

Ehrlich gesagt, habe ich beim ersten Lesen dieses: "Und warum heute noch", überhaupt nicht als Antwort auf die Beleidigung aufgefasst, sondern auf etwas, was Oma vorher gesagt hat (und was nicht Teil des Dialogs ist).

Wenn dem so ist, würde ich eher so antworten:

"Ehrlich? Fällt dir aber früh ein."
Mein Kopf zuckt zurück. "Missgeburt, ja?"

In deinem Beispiel gibt es etliche Möglichkeiten damit zu spielen. Ich verstehe, dass es dir um diese eine, spezielle Bewegung des Kopfes geht, und dass du einen Ausdruck abseits ausgetretener Pfade suchst.

Schwierig, da etwas zu finden, was das in Kürze ausdrückt und allen Lesern eine leichte Irritation nahelegt. Denn alles, was du schreibst sollte zum restlichen Stil passen. Insofern würde ich mit Gedankenwiedergabe vorsichtig sein, wenn du sie bislang noch nicht verwendet hast.

@Michel
Auch in einer Ich-Erzählung können (an sich selbst beobachtete) körperliche Reaktionen eigentlich ganz gut beschrieben werden.

Ein paar Beispiele:
 
Ich spüre, wie sich meine Züge entspannen und ich schneller werde ...

Ich sauge den Duft ein und merke, wie mir das Wasser im Mund zusammenläuft.

Der Schmerz traf mich wie aus dem Nichts, mein Körper krümmte sich zusammen und wurde von Schluchzern geschüttelt.

Michel hat Folgendes geschrieben:
"Erstaunt nehme ich den Kopf leicht zurück" liest sich für mich sperrig.

Ist es ja auch. Dem Text fehlt Dramatisierung:

»Ich wusste es!«
»Was denn?«
»Dass du ne schwarze Missgeburt bist.«
Ich spüre, wie sich meine Nackenmuskeln verspannen und mein Kopf wie von selbst nach hinten geht.
"Missgeburt, ja?", brülle ich Oma an, die mich mit zusammengepressten Lippen finster ansieht als wäre ich der Leibhaftige.
»Warste schon immer" Ihre Augen funkeln bedrohlich. "Und jetzt haste mein Haus verkauft.« Sie rotzt die Worte nur so heraus.
Mein Herz rast und ich weiß genau, dass mein Kopf nun einer überreifen Tomate kurz vorm Platzen gleicht. Trotzdem versuche ich mich zu beruhigen und zwinge mich, ein paar Mal tief ein- und auszuatmen.   
»Hab ich dir vorher gesagt. Oma", knurre ich mit nur mühsam beherrschter Wut. "Ich hatte 'nen Scheißtag.«
Aber Oma ist noch nicht fertig.
»Sei froh, dass de Arbeit hast", knarzt sie unversöhnlich. "Früher hätten se dich weggesperrt", fügte sie an und setzt ihr zahnlosestes Lächeln auf. Mit läuft es eiskalt den Rücken hinunter.   
»Ey, Oma. Ich ...«, unternehme ich einen Versuch, sie wieder milde zu stimmen.  
»Halt’s Maul.« Das ist alles, was sie sagt. Danach setzt eine so allumfassende Stille ein, dass mich ihre folgenden Worte wie ein Faustschlag treffen.
»Du bist und bleibst 'ne Missgeburt.«
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