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Vocationem sanguinis - Erster Teil


 
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Seth Gecko
Geschlecht:männlichSchmierfink


Beiträge: 81
Wohnort: NRW


BeitragVerfasst am: 10.05.2021 16:50    Titel: Vocationem sanguinis - Erster Teil eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Turbulenzen rüttelten an der Frachtmaschine.
Donner krachte, unglaublich nah. Shepard öffnete die Augen.
Ein Blitz zuckte herab, das weisse Logo auf den Kisten leuchtete für den Bruchteil seiner Existenz auf. Stilisiertes Rechteck, im Zentrum ein Äskulapstab.
Erneuter Donnerschlag. Gottes Artilleriebeschuss.  
Ein Klappern durchlief den Rumpf des Transportflugzeugs. Etwas knarzte metallisch. Nicht gut.  
William Shepard saß auf einem der unbequemen Stahlsitze. Die Hände im Schoß, das Colt M4 Carbine Sturmgewehr zwischen den Knien.
Er versuchte noch einmal, einzuschlafen. Die nächste Turbulenz presste ihn an die Bordwand.
Eingeweide vs. Gleichgewichtssinn. Keine Chance.
Shepard öffnete erneut die Augen.
Ihm gegenüber saßen fünf Zivilisten im Halbdunkel. Vier Männer, eine Frau. Sie suchten Halt an den Rändern ihrer Sitze, einer – besonders blass, krallte dafür seine Finger in das rote Transportnetz hinter sich. Ihrer Mimik nach wären sie jetzt gerne woanders.
Das Dröhnen der Turboproptriebwerke machte jede zivilisierte Unterhaltung unmöglich.
Er nahm sich einen Moment, musterte die Reihe.
Schlaue Köpfe, Wissenschaftler.
Ihr Teamleiter, Dr. Richard Scenoferu, ein Mann in den Vierzigern. Schmales Gesicht, Glatzkopf, rundes Kassengestell. Von den Vieren machte er auf Shepard noch den gefasstesten Eindruck.  
Ganz am Rand saß die Dolmetscherin, Katjana Miller. Auch sie schien den Landeanflug auf Bukarest nicht gerade zu genießen. Den Kopf gesenkt, das schulterlange rote Haar unter einer Basecap verborgern. Shepard konnte ihr Gesicht nicht sehen, hoffte jedoch, dass sie nicht noch alles vollkotzte.
Alle fünf trugen Multifunktionskleidung in khaki und olivgrün, alle fünf waren unbewaffnet.
Was man vom Wolfsrudel nicht sagen konnte.
Direkt neben Shepard überprüfte Doc den Sitz seiner Schutzweste. Der Griff seiner Mossberg JIC Shockwave, Kaliber 12, ragte hinter der Schulter hervor. Das JIC stand bei der kompakten Pumpgun für Just in Case. Als Feldsanitäter war es Docs Devise, Leben zu retten, statt es auszulöschen.
Einen Sitz weiter schärfte Bär sein Bowiemesser.
Blitzschlag. Donnerhall. Ein weiteres Luftloch.
Leise strich die Klinge immer wieder über den Abziehriemen.
Auf und ab. Auf und ab. Auf und ab.
Das Navajo-Halbblut schien Shepard dabei wie in Trance, die Augen folgten bloß noch dem Weg der Schneide.
Auf und ab. Auf und ab. Ein Lächeln umspielte Bärs Mundwinkel.
Fasziniert sah Angel ihm vom Nachbarsitz aus zu. Als einzige Frau im Team besaß sie bei weitem weniger Masse als Doc oder Bär. Angel besaß Geheimnisse. Angeblich war sie Ex-CIA. Ausgebildet in Fort Jackson, danach Westpoint. Drei Einsätze in Afghanistan. Dann die Farm. Irgendwann der geheimnisvolle Rausschmiß. Angeblich. Sie redete nicht darüber. Tat sie nie. Eine Heckler & Koch MP5 Maschinenpistole hing an einem Trageriemen von ihrer Schulter, drei geladene Reservemagazine vorn in der taktischen Weste.  
Als letzter in der Reihe, schien Beau tatsächlich zu schlafen. Den Kopf im Nacken, hing er mit offenem Mund entspannt in seinem Sitz. Der Triebwerkslärm übertönte sein Schnarchen. Die Arme voller Tattoos, lagen schlaff in seinem Schoß. Seine Waffe befand sich in einer Schutzhülle zu seinen Füßen. Das M40A3 Remington Scharfschützengewehr hatte eine Schmidt & Bender Zieloptik montiert und war zu sensibel, als dass der gutaussehende Söldner es der Umwelt des Flugzeugs aussetzte.
Shepards Blick richtete sich wieder nach vorn.
Doc. Bär. Angel. Beau. Seine Brüder. Seine Schwester. Das Wolfsrudel.
Er hatte vergessen, wann, oder von wem die Taufe vollzogen worden war. Zu lange arbeiteten sie schon zusammen, zu lange passten sie aufeinander auf. Doch der Name gefiel und so blieb er bestehen.
Ein Knistern in seinem Kopfhörer. Der Pilot, per Funk.
»Wir haben es fast geschafft Leute. Landung in zehn.«
Shepard rollte die Schultern, lockerte die Nackenmuskulatur. Er stand auf.
»Okay, es ist soweit«, rief er in die Runde. »Ausrüstung checken und bereit halten«, an das Rudel gewandt. Vierteldrehung zu den Wissenschaftlern. »Mr. Scenoferu, wir landen in wenigen Minuten. Ich hoffe, die Fahrzeuge stehen bereit.«
»Es heißt Dr.«, sagte der Zivilist und sah ihm dabei in die Augen. »Sie werden da sein, keine Sorge.«

Tatsächlich standen bei ihrer Ankunft am Flughafen Bukarest-Otopeni zwei schwarze Jeep Wrangler, sowie ein Mercedes-Transporter mit offener Ladefläche auf dem Rollfeld. Der Transporter trug bereits Ladung. Regentropfen nieselten auf ein hohes Rechteck, für neugierige Blicke verborgen unter einer Plane. Das Gewitter zog ab, der Himmel klarte langsam auf.
»Was ist das denn?«, rief Beau von der Rampe der Frachtmaschine beim Anblick des Transporters und sprach damit Shepards Gedanken laut aus.
Während die Söldner die Ausrüstung aus dem Bauch des Flugzeugs holten, umrundete er die Geländewagen. Dr. Scenoferu hatte sich mit seinem Ausstieg beeilt, er hatte die Dolmetscherin am Arm gefasst und zügig aus der Maschine geleitet. Jetzt sprachen beide abseits mit einem bärtigen Mann in Uniform.
Flecktarn-Kampfanzug. Schwarzes Barett. Rumänisches Heer. Ein Offizier.
Rangabzeichen auf der Schulter, Drei Punkte, unterstrichen. Ein Hauptmann.
Shepard ging auf die Gruppe zu. Anscheinend wurden Ms. Millers Dienste nicht mehr benötigt, sie kam ihm entgegen, vermied es jedoch, Shepard in die Augen zu sehen. Sie ging an ihm vorbei.
Er kriegte noch mit, wie zwischen Doktor und Soldat ein kleines Bündel den Besitzer wechselte. Doch als er Shepard kommen sah, verabschiedete sich der Hauptmann und ging schnellen Schrittes weg.
»Alles in Ordnung?« Shepard stellte sich neben den Wissenschaftler.
»Jetzt schon. Zoll, Einreise und Abfertigung sind kein Thema mehr. Es sind vier Stunden bis zum Kastell, wir sollten los«, antwortete Scenoferu und wollte gehen. Shepard hielt ihn am Arm fest.
Er sah dem Offizier hinterher, dieser setzte sich gerade in einen Wagen der Militärpolizei.
»Doktor … was befindet sich unter der Plane auf dem Transporter?«
Bei der Frage huschten Scenoferus Augen zu dem Mercedes.
Zögern.
»Das braucht Sie nicht zu interessieren.«
»Oh, und wie mich das interessiert. Mein Team ist auf dieser Mission für die Sicherheit verantwortlich, Doktor. Jede Neuigkeit, jede Planänderung, jedes mehr an Ausrüstung ist von uns für Interesse. Also, zum letzten Mal. Was ist unter der Plane?«
Der Doktor seufzte. »Wissenschaftliche Technik.«
»Welcher Art?«
»Das würden Sie nicht verstehen.«
Shepard setzte ein Lächeln auf. Arroganter Wichser. »Versuchen wir´s mal.«
Erneutes Seufzen. »Es handelt sich dabei um eine Gerätschaft, welche am Abschluss unserer Forschung vor Ort zum Einsatz kommen soll. Eine Apparatur, dessen Geheimhaltung Mr. Luttvig als oberste Priorität ansieht.« Der Glatzkopf sah ihm dabei erst in die Augen, dann wanderte der Blick auf Shepards Hand, an seinem Arm.
Nicolai Luttvig. Industriemagnat, Multimilliardär, angeblich letzter seiner Dynastie.
Und ihr Auftraggeber.
Shepard entließ den Wissenschaftler aus seinem Griff. Dieser ging wortlos weg.
»Dr. Scenoferu!«, rief er ihm hinterher. Der Doktor drehte sich um.
»Danke für Ihr Vertrauen!« Shepards Lächeln war weg.
Scenoferu antwortete nicht, aber sein Blick sprach Bände.
Er hatte keinen neuen Freund gefunden.

Shepard folgte ihm zu den Fahrzeugen, wo Bär und Doc gerade die letzten Plastikcontainer aufluden. Scenoferu stieg in einen der Geländewagen. Seine Kollegen warteten bereits auf ihn. Doc sprang von der Ladefläche des Mercedes, sein Blick wechselte von den Zivilisten zu seinem Anführer.
»Probleme?«, fragte der Senegalese.
»Wird sich zeigen. Wie weit sind wir?«
»Bereit, wenn du es bist.«
»Dann los.«  
Doc hieb mit seiner Rechten zweimal auf das Wagendach des Transporters.
»Wir rücken ab!«

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denLars
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Extrem Süßes!


LOONYS - Die Vergessenen Rosen der Zeit
BeitragVerfasst am: 10.05.2021 17:32    Titel: Antworten mit Zitat

Hey Seth,

das ist ein cooler, souveräner Thriller-Stil. Sehr knackig.
Auch so Einlassungen wie "Gottes Artilleriebeschuss" oder "Eingeweide vs. Gleichgewichtssinn" wissen zu gefallen.

Auch der geheimnisvolle Doktor, das Etwas unter der Plane und der mysteriöse Auftrag sind gut angelegt – mein Tipp wäre, aufgrund des "sanguinis" und des Handlungsortes, dass es um Vampire geht? Habe mich teilweise sogar ein bisschen an Resident Evil erinnert gefühlt.

Ich würde nur darauf achten, dass du ab und an auch mal ordentlich aufs Bremspedal trittst und den Figuren etwas Raum gibst, damit sie nicht zu holzschnittartig geraten.

Flugzeuglandungen bei Unwettern, Spezialkräfte, geheimnisvolle Multimilliardäre als Auftraggeber – das hat man alles in der Form schon mal gelesen oder gesehen. Das ist erst einmal nichts Schlechtes, technisch gut umgesetzt und als Ausgangslage völlig legitim, ich würde nur aufpassen, von dort aus die Story in differenzierendere und ungewöhnlichere Gefilde zu leiten, damit sie am Ende nicht austauschbar wirkt.

Das wäre mein sehr kompaktes, schnelles Feedback.

Liebe Grüße
Lars


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Calvin Hobbs
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BeitragVerfasst am: 10.05.2021 19:46    Titel: Re: Vocationem sanguinis - Erster Teil Antworten mit Zitat

Hallo smile

Im Großen und Ganzen möchte ich mich denLars' Meinung anschließen.
Flotte Thrillerkost - von der Stange.

Einzige Stolperstelle für mich
Seth Gecko hat Folgendes geschrieben:

Er kriegte bekam noch mit, wie


Grundsätzlich würde ich weiterlesen wollen smile

MfG


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Seth Gecko
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BeitragVerfasst am: 11.05.2021 12:54    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Lars, hallo Calvin Hobbs,

vielen Dank für eurer kompaktes Feedback.
Im zweiten Abschnitt werde ich ein wenig auf die Bremse treten, einige der Charaktere erhalten "Fleisch auf die Rippen".

Würde mich freuen wenn ihr der Kurzgeschichte folgt und mir weiterhin Kritik übermittelt.

Der Stolperstein wurde abgeändert, danke dafür.

Beste Grüße,
Seth
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Seth Gecko
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BeitragVerfasst am: 13.05.2021 02:33    Titel: Vocationem sanguinis - Zweiter Teil pdf-Datei Antworten mit Zitat

Eine asphaltierte Landstraße führte den Konvoi gen Nordosten. Am Horizont rückten die Karpaten näher. Dunkle Regenwolken sammelten sich über den Hängen der Gebirgswälder, mächtig und unheilvoll, als würden sie bloß auf die Ankunft der Fremden warten.
Im Wageninneren herrschte Schweigen. Doc saß am Steuer, er drosselte das Tempo. Ein Einheimischer trieb seine Ziegenherde vor ihnen von der Straße, nervöses Meckern, als der Jeep die Tiere passierte.
»Ms. Miller«, brach Shepard vom Beifahrersitz aus das Schweigen. »Wie viele Fremdsprachen beherrschen Sie, wenn ich fragen darf?«
Die Dolmetscherin saß hinter ihm, neben ihr schaute Angel aus dem Fenster.
»Sieben … Fünf davon fließend.« Miller sprach mit leiser Stimme, der gutturale Hauch eines osteuropäischen Akzents.
»Das ist beeindruckend«, meinte Shepard. Unterbewusst rief er das eigene Repertoire ab. Passables Spanisch und Französisch. Ein paar Brocken Arabisch und Japanisch.
»Arbeiten Sie schon lange für Mr. Luttvig?«, schob er hinterher.
»Seit etwas über zwei Jahren.«
Stille.
Nicht wirklich der gesprächige Typ. Irgendwie seltsam, bei der Berufswahl.
»Wie ist er so?«, klinkte sich Angel in die Unterhaltung ein. »Stimmt es, was die Medien über ihn sagen?«
Shepards Augen suchten den Rückspiegel, die beiden Frauen tauschten einen Blick.
»Was genau meinen Sie?«
Angel strich sich eine blonde Strähne hinters Ohr. »Na ja, was man so liest soll er als Arbeitgeber ... schwierig sein.«
Wohlwollender Euphemismus, dachte Shepard. Der nächste John Paul Getty, laut Time Magazine.   
»Dazu kann ich nichts sagen. Ich wurde ihm nie persönlich vorgestellt.«
Das ergab durchaus Sinn. Bei Luttvig Enterprises handelte es sich um riesiges Konglomerat, zig Tochterunternehmen...
»Fanden Sie das nicht seltsam?«, wollte Angel wissen. Shepard sah auf. Seine Kameradin schaute Miller jetzt unverwandt an.
Kurzes Zögern.
»Man sagte mir, er wäre seit längerem schwer krank. Ginge nicht mehr unter Leute. Also nicht mehr, als in seiner Stellung notwendig. Würden Sie dann jeder neuen Mitarbeiterin die Hand schütteln wollen?« Die Dolmetscherin klang mit einem Mal gereizt.
»Hmm … weiss man, was er hat?«
Im Spiegel fanden Angels Augen seine eigenen. Was wusste sie?
»Da müssen Sie die Ärzte fragen.« Millers Lippen waren jetzt bloß noch ein dünner Strich. Die Dolmetscherin drehte den Kopf weg und starrte aus dem Fenster. Diskussion beendet.
»Ich sehe die Tankstelle«, meldete Doc kurze Zeit später und verringerte das Tempo.

»...was soll da schiefgehen?« Beau schlug die Wagentür des Transporters zu und grinste Bär über die Motorhaube hinweg an.
»Hmpf.« Der große Söldner warf den geflochtenen Zopf dicker schwarzer Haare über seine Schulter zurück.
Sie waren ausgestiegen um aufzutanken und sich die Beine zu vertreten. Die Wissenschaftler blieben in ihrem Jeep, Ms. Miller verschwand zur Suche nach den Toiletten.
Irgendwo in näherer Umgebung schrie eine Ziege, mit einem erstickten Laut verstummte das Tier.
Beaus Redefluß nahm Fahrt auf. »… wenn du kein Black Jack magst, auch gut. Ich meine, es ist unser Laden, wir machen die Regeln. Hey, was hälst du eigentlich von einer Happy Hour?«
Shepard streckte sich, seine Gelenke knackten. Wie lange sein Körper diese Spielchen wohl noch mitmachte? Ein paar Jobs wie dieser, und er würde in den Ruhestand gehen können. Bei dem Gedanken daran, nahm er Beaus euphorisches Geschwafel gar nicht mehr wirklich wahr. Sein Blick verlor sich in den nahen Wiesen und Feldern. Kleine Inseln aus dunkelvioletten Blumen, wie Farbtupfer, auf einer Leinwand aus Gras. Der Wind sandte ein Rauschen durch die Bäume und dezenter, leicht süßlicher Duft war so schnell wieder vergangen, wie er aufzog. Die tief stehende Sonne ließ den wolkenfreien Himmelstreifen über den Karpaten erglühen.
Donnergrollen in der Ferne.
Ruhestand. Eine Hütte am Flathead Lake in Montana. Ausschlafen. Angeln. Alt werden.
Doch wer würde das Rudel dann anführen? Würde es ohne ihn weiter bestehen?
Gelächter riß ihn in die Gegenwart zurück.
»Stell dir das nur mal vor Bär!«, rief Beau gut gelaunt. »Den ganzen Tag bloß heiße Squaws in Ledertangas. Und Feuerwasser bis zum Abwinken. Das wird der Hammer!«
Shepard streifte die schweren Gedanken ab, er konnte sich ohnehin nur schwer ein Grinsen verkneifen, seit Wochen schon ging der Scharfschütze dem großen Halbblut mit seinem Plan des eigenen Indianercasinos auf die Nerven.
Bärs Ausdruck verfinsterte sich, doch der Schönling war voll in seinem Element. »…denn die Bank gewinnt am Ende immer! Wir werden in Dollar schwimmen, mein Großer! Und wir nennen das Ganze ...«
Beau zog die Arme auseinander, die Hände gehoben, Daumen abgespreizt.
Titelschrift im Panorama.
Dramatische Pause.
»… Beaus und Bärs Wigwam der Gewinne …!«
Er hielt die Pose, strahlte übers ganze Gesicht.
»Nein.« Ur-Amerikanischer Stoizismus in Reinform.
»Wie … Nein? Okay, hör zu, wenn du willst dass dein Name an erster Stelle steht dann...«
Shepard wendete sich schmunzelnd ab. Er sah Angel und Doc nebeneinander aus der Tankstelle schlendern, sie verstaute gerade das Wechselgeld. Seine Augen überflogen das Gelände.
Wo blieb Miller? Er lief ein paar Schritte, schaute, ob er irgendwo die sanitären Anlagen entdecken konnte. Fehlanzeige.
Langsam umrundete er die Tankstelle. Rückwärtig war ein weiteres Gebäude angebaut, es sah jedoch bereits ziemlich heruntergewirtschaftet aus. Von der schmutzigen Fassade bröckelte an vielen Stellen der Putz. Stimmengemurmel hinter der Hausecke. Und der Geruch nach Kupfer.
Frisch vergossenes Blut.
Dort stand Miller, mit dem Rücken zur Wand, umringt von einem halben Dutzend Rumänen. Ein Stück weiter weg hing der Kadaver einer geschächteten Ziege. Das Blut des Tieres sammelte sich unter der aufgeschlitzten Kehle, ein Rinnsal floß in Richtung der Einheimischen. Diese umzingelten die Dolmetscherin jetzt regelrecht.
Unrasierte Gesichter. Trainingsanzüge und muskulöse Schultern in Unterhemden. Die Art von Muskelmasse, welche nicht im Studio gezüchtet, sondern durch das Leben auf der Straße gehärtet worden war. Wilde Hunde. Straßenköter.
Sie hatten Shepard noch nicht bemerkt, einer von ihnen, der Größte, redete auf Miller ein.
Shepard sprach kein Rumänisch.
»Ms. Miller!«
Sieben Köpfe wandten sich um. Sieben Blicke. In einem lag Angst.
Er hatte ihre Aufmerksamkeit. Der Große trat vor.
Ein Schwall fremdländischer Worte. Fordernd, aggressiv. Alphatier.
»Ich verstehe Sie nicht«, in Richtung des Mannes. »Ms. Miller, wir fahren.« Er streckte den rechten Arm in ihre Richtung. Sie machte einen Schritt, doch der Alpha hielt sie zurück.
Ein weiterer Schwall. Lauter. Bedrohlich. Plötzlich war da ein Messer in der Hand des Rumänen.
Sein Blick fixierte den Alpha. »Ms. Miller, ich gehe davon aus Sie verstehen diese … Gentlemen?«
Verängstigtes Nicken.
»Wären Sie wohl so freundlich und übersetzen, was ich sage?«
Bestätigt.
»Okay.« Deeskalation. Er streckte die Arme zu den Seiten. »Wo liegt das Problem, Freunde? Was wollt ihr von uns?«
Fließend schnell gesprochenes Rumänisch. Dann die Antwort des Alphas. »Wir wissen, dass ihr zur Ruine in der Nähe der Wälder wollt« übersetzte Miller. »Es ist verboten dort hinzugehen. Dieses Land ist verflucht.« Der Rumäne gestikulierte mit dem Messer.
Echt jetzt? Abergläubische Folklore? Lang ist´s her. »Verboten? Von wem?«
Kurzer, rumänischer Wortwechsel. »Das ist schon immer so. So lange es die Steine gibt. Niemand der dort hingeht, kehrt wieder zurück.«
Shepard zögerte. Im Blick des Rumänen lag etwas, dass er nicht sofort deuten konnte. War das … Bitten? Auch die Körpersprache der restlichen fünf Männer wirkte mit einem Mal defensiver.
»Nun mein Freund, wir werden dort hingehen. Das ist unser Auftrag, damit verdienen wir unser Geld. Und wir werden ganz bestimmt wieder zurückkehren.«
Rumänische Verunsicherung. Sie redeten kurz untereinander, ein Augenpaar stets auf ihm. Alle drehten sich wieder in seine Richtung.
Eine Entscheidung, vorgetragen vom Alpha. Miller erblasste.
»Das … werden wir nicht zulassen«, übersetzte sie.
Es kam Bewegung in die Gruppe, Shepard wechselte den Stand. Grundstellung. Zenkutsu-Dachi 
In diesem Moment bog der Rest des Rudels um die Häuserecke. Und auch wenn Bär, Beau, Doc und Angel ihre großen Kaliber in den Autos gelassen hatten, die Hände lagen auf den Holstern an jeder einzelnen Hüfte. Magnum, Beretta, Sig-Sauer und Glock.
Besser als Jiu-Jitsu.

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BerndHH
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BeitragVerfasst am: 13.05.2021 05:33    Titel: Antworten mit Zitat

Auch wenn das Genre nicht unbedingt meins ist - geschrieben ist es verdammt gut!

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Seth Gecko
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BeitragVerfasst am: 13.05.2021 14:05    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo BerndHH,

BerndHH hat Folgendes geschrieben:
Auch wenn das Genre nicht unbedingt meins ist - geschrieben ist es verdammt gut!


Das freut mich sehr. Danke für dein Lob. Die Geschichte befindet sich im Bau und wird hier nach und nach fortgesetzt. Würde mich freuen, wenn du mir weiterhin Feedback gibst.

Beste Grüße,
Seth
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Seth Gecko
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BeitragVerfasst am: 13.05.2021 14:13    Titel: Vocationem sanguinis - Dritter Teil pdf-Datei Antworten mit Zitat

Die Rumänen ließen sie ziehen. Kluge Entscheidung. Shepard sah sie im Seitenspiegel kleiner werden, die Gruppe schaute dem Konvoi bei der Abfahrt hinterher.
Er registrierte bei Miller ein leichtes Zittern, auch ihre Gesichtsfarbe hatte sich noch nicht wieder normalisiert. Doc kümmerte sich, Angel fuhr.
Koffeinhaltige Limonade für den Kreislauf. Beruhigendes Zureden. Aktives Zuhören.
Laut eigener Aussage hatten die Rumänen ihr nichts getan, bloß mit Fragen bedrängt und ein wenig mit dem Messer vor ihr rumgefuchtelt. Was für Fragen, wollte Shepard wissen?
Warum seit ihr hier?
Was wollt ihr dort?
Wer schickt euch?

Er griff nach dem Funkgerät an seiner Schulter. »Aufklärung, hier Teamleader. Kommen.«
Beaus Stimme, blechern. »Hier Aufklärung. Kommen.«
»Wiederhole Details unserer Informationen zum Einsatzort. Kommen.«
»Eine Sekunde. Kommen.«
Shepard sah vor seinem inneren Auge, wie der Mann im Transporter seinen taktischen PDA aus dem Rucksack kramte.
»Teamleader, ich hab`s. Kastell Breţcu. Es gibt nicht viel. Eine Ruine in der tiefsten Provinz. Archäologischen Berichten zufolge handelt es sich um die Überreste eines römischen Trupplagers. In der Nähe gibt es wohl Überreste einer Burg, erbaut im 17. Jahrhundert. Letzte Forschungen vor Ort im Jahr 2010. Dabei wurden Sedimentuntersuchungen mittels Phoshpatkartierung durchgeführt. Kommen.«
»Okay danke, das reicht mir. Teamleader Ende.«
Verfluchtes Land. Volkstümlicher Aberglaube. Andere Länder, andere Ängste. Schauergeschichten, von zahnlosen Großmütterchen an ihre Enkel weitergereicht. Im Kern war es immer das Gleiche, egal, in welchem unterentwickelten Teil der Welt sie sich im Einsatz befanden. Ob Leichenfresser in Südostasien, böse Geister im persischen Raum oder die Asanbosam in Ghana.
Afrikanische Vampire. Klar doch.
Und doch schaffte er es nicht, Millers nachhallende Worte in seinem Kopf auszublenden, während die Wagenkolonne tiefer ins Hinterland eindrang.
Niemand der dort hingeht, kehrt wieder zurück.

Sie erreichten ihr Ziel bei Sonnenuntergang. Zuvor waren sie von der Landstraße auf einen Feldweg gewechselt, er endete in einem Waldstück. Ein hohes Gatter stoppte die Fahrt.
Obenauf Stacheldraht. Eine dicke Eisenkette, Vorhängeschloss. Ein Blechschild. Rumänische Schrift. Durch das Gatter sah man im Zwielicht ein weitflächiges Feld, ein Stück weiter weg erhoben sich zahlreiche Erdhügel.
Shepards Hand legte sich auf den Türgriff, da kam ihm ein Wissenschaftler aus dem anderen Jeep zuvor. Der Mann ging zum Tor und machte sich am Schloss zu schaffen. Es dauerte nicht lange, er zog die Eisenkette ab und schob die beiden Flügel des Gatters auf. Der Konvoi setzte sich wieder in Bewegung.
»Ms. Miller?«
»Ja?«
»Können Sie mir sagen, was dort auf dem Schild am Tor steht?« Shepard wandte sich auf dem Sitz um, zeigte nach draußen.
Blick aus dem Fenster. Zögern. »Es ist eine Warnung. Betreten verboten
Fast schon flehende Augen. Lüge.
»Sie wirken nervös. Ist alles in Ordnung?«, fragte Shepard.
»Ja. Es ist nur … diese Männer … sie … haben mir Angst gemacht.«
»Verstehe. Sie haben sich gut geschlagen, Ms. Miller. Mr. Luttvig hat offenbar ein Gespür für kompetente Mitarbeiter.«
Miller antwortete nicht, doch ihr Gesichtsausdruck war ihm Antwort genug, er drehte sich wieder nach vorn. Was verschwieg sie?
»Bill, hab ich ganz vergessen«, sagte Angel neben ihm. »Ich soll dir Grüße bestellen.«
»Von wem?«
»Mr. Schmidt. Aus Myanmar.«
Angel hatte es also auch bemerkt. Es gab keinen Mr. Schmidt in Myanmar. Also, nicht mehr. Du denkst, du kannst das Wolfsrudel über den Tisch ziehen, die Bezahlung für dich behalten? Keine gute Idee, Johann.
Lag Angel mit ihrer Vermutung richtig? Drohte ihnen hier das gleiche?
»Danke. Bestell ihm Grüße zurück. Er soll auf Zack bleiben, sonst geht sein Business noch den Bach runter.«  
Während die Fahrzeuge weiterfuhren, konnte er im schwindenden Licht gerade noch die Überreste des Kastells vor ihnen erkennen. Erdwälle, mit Gras überwuchert, vor hunderten Jahren von römischen Soldaten errichtet. Unweit stach die Kontur einer Burgruine hervor, dunkelgraue Steine ragten in die Höhe, die Spitzen zersplittert, wie ein fauler Zahn. Der Konvoi stoppte. Ziel erreicht.   

Eine Stunde später stand das Lager. Vier Zelte im Halbkreis, am Fuße der Steine. Drei Ruhepole, ein Arbeitsbereich.  
Wolken belagerten den Himmel, als Lichtquelle am Boden dienten LED-Lampen, eine vor jedem Zelteingang. Dr. Scenoferus geheimnisvolle Apparatur lag noch immer unter der Plane, unberührt auf dem Transporter. Der Teamleiter hatte Shepards ersten Eindruck von sich verfestigt, indem er seine Leute im herrischen Ton umherscheuchte, selbst jedoch nicht mithalf.
Die Ausrüstung war abgeladen und ihrer Funktion entsprechend auf die Schlafstätten verteilt worden. Der größte Teil befand sich im provisorischen Labor.
Hinter der Klappe Lichtschein. Stimmengemurmel. Auch Miller war dort hinein verschwunden.  
Doc trat neben Shepard. Das Weiß der Augen stach hervor, sein Gesicht beinahe von der Nacht verschlungen.
»Du solltest vielleicht mal mit Bär reden«, meinte er leise.
»Ist was passiert?«
»Das soll er dir selbst sagen.« Der Sanitäter wies an den Zeltwänden vorbei ins Dunkel. Dort erkannte Shepard die Umrisse des Hünen, er hatte ihnen den Rücken zugedreht und bewegte sich nicht.
Er wollte gerade gehen, da stoppte Doc ihn mit einer Handbewegung.
»Bill?«
»Hm?«
Sein Kamerad antwortete nicht sofort. Er sah sich um, als könne er in der abseits der Lichter liegenden Schwärze etwas erkennen. »Ich … hab … irgendwie ein mieses Gefühl bei dem Ganzen hier.«
Shepard nickte. »Sag Beau, er soll die Restlichtverstärker griffbereit halten. Danach suchst du Angel. Ihr beide lauft eine Patrouille, in einem halben Klick Radius. Ich rede mit Bär.«
»Ist gut.« Er wendete sich zum gehen.
»Doc.«
»Ja?«
» … seid vorsichtig, verstanden?«
»Zu Befehl.«

Bär stand regungslos hangabwärts. Die Konturen seines Maschinengewehrs M249 ragten zu beiden Seiten der Silouette heraus. Shepard näherte sich, pfiff einmal leise durch die Zähne.
Keine Reaktion.
Der Große stand einfach nur da, starrte auf die Waldgrenze. Was sah er?
In etwas über dreißig Schritt begann sie, diese verwilderte Finsternis. Eng zusammenstehende Nadelbäume, deren Stämme in der vordersten Reihe heller hervortraten. Dahinter tiefstes Schwarz. In Shepards Nacken kribbelte es.
»Bär«, flüsterte er.
Nichts. Die Augen des Mannes huschten hin und her, als könne man im finsteren Tann Bewegung ausmachen. Es roch nach Schweiß.
»Bär.« Ein wenig lauter.
Eine Hand des Halbbluts lag auf dem Griff seines Messers, mit der anderen entsicherte er jetzt die Waffe.
Klick.
»Jack!«, nannte Shepard ihn laut bei seinem richtigen Namen.
Das half. Der Kopf flog herum, sein Blick hart, wie ein Peitschenhieb.
»Schhh.« Bloß ein Laut. Universell.
»Was?«, flüsterte Shepard und fasste den Griff seines M4 fester.
Für einen Moment Stille, Bärs Augen wanderten nach oben, zum Himmel.
»Hörst du das?« Fragender Bariton.
Shepard lauschte erneut, doch er hörte nichts. Und wie er so dastand, kroch ein Gefühl sein Rückgrat hinauf. Etwas, dass er schon lange nicht mehr gespürt hatte. Kalt und Böse. Er hörte wirklich absolut nichts. Kein Knacken im Unterholz, keine nachtaktiven Vögel, noch nicht einmal Insekten, welche im Schutz der Dunkelheit jagten.
»Nein. Nichts.«
»Genau«, erwiderte Bär leise. Er wendete sich wieder der Schwärze hinter den Tannen zu. »Dieser Wald ... ist tot.«
Millers Stimme, in Shepards Kopf.  
Dieses Land ist verflucht.
»Und doch ist da etwas«, sagte Bär jetzt. Er hob das MG sachte an. »Es beobachtet uns.«
»Was ist es?«
Starrende Pause. »Kann ich nicht sagen.« Der Hüne leckte sich die Lippen.
»Hör zu, wir müssen...«, begann Shepard, plötzlich knisterte sein Funkgerät.

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BeitragVerfasst am: 13.05.2021 16:54    Titel: Antworten mit Zitat

Gefällt mir außergewöhnlich gut – obgleich es nicht mein bevorzugtes Genre ist. Die Geschichte und die Art, wie du sie geschrieben hast, nehmen mich jedenfalls mit.
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Calvin Hobbs
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BeitragVerfasst am: 13.05.2021 17:59    Titel: Re: Vocationem sanguinis - Zweiter Teil Antworten mit Zitat

Hallo smile
Jammern auf sehr hohem Niveau, denn es sind nur winzige Flüchtigkeitsfehler in der Form. Ansonsten ist der Text unterhaltsame Urlaubslektüre, handwerklich gut gemacht.

Seth Gecko hat Folgendes geschrieben:

Angel strich sich eine blonde Strähne hinters Ohr. »Na ja, was man so liest Komma soll er als Arbeitgeber ... schwierig sein.«

Bei Luttvig Enterprises handelte es sich um riesiges Konglomerat, zig Tochterunternehmen Leerzeichen ...

Sie waren ausgestiegen Komma um aufzutanken und sich die Beine zu vertreten.

Beaus Redefluß nahm Fahrt auf. »LeerzeichenKomma wenn du kein Black Jack magst, auch gut.

Gelächter riss ihn in die Gegenwart zurück.

Shepard streifte die schweren Gedanken ab, er konnte sich ohnehin nur schwer ein Grinsen verkneifen, seit Wochen schon ging der Scharfschütze dem großen Halbblut mit seinem Plan des eigenen Indianercasinos auf die Nerven.

Bärs Ausdruck verfinsterte sich, doch der Schönling war voll in seinem Element. »LeerzeichenLeerzeichen Komma denn die Bank gewinnt am Ende immer!

»Wie … Nein? Okay, hör zu, wenn du willst dass dein Name an erster Stelle steht Komma dann...«

Shepard wendete wandte sich schmunzelnd ab.

Das Blut des Tieres sammelte sich unter der aufgeschlitzten Kehle, ein Rinnsal floss in Richtung der Einheimischen.

»Wir wissen, dass ihr zur Ruine in der Nähe der Wälder wollt« Komma übersetzte Miller.

»Nun Komma mein Freund, wir werden dort hingehen.


Dank Bär und der letzten Szene zwischen Shepard und ihm könnte man Parallelen zu "Predator" sehen. Das muss aber nichts Schlechtes sein.
MfG


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Seth Gecko
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BeitragVerfasst am: 13.05.2021 18:22    Titel: Re: Vocationem sanguinis - Zweiter Teil pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Calvin Hobbs,

Calvin Hobbs hat Folgendes geschrieben:
Jammern auf sehr hohem Niveau

Was du machst ist kein Jammern. Du hilfst mir, besser zu schreiben.
Vielen Dank dafür!
 
Calvin Hobbs hat Folgendes geschrieben:
unterhaltsame Urlaubslektüre, handwerklich gut gemacht.

 love Als genau solche ist es gedacht. Seichte, zügig zu lesende Unterhaltung. Danke für das Lob.

Sämtliche Anmerkungen werden in den Originaltext übernommen. Wie gesagt, danke fürs drüberschauen.

Calvin Hobbs hat Folgendes geschrieben:
Dank Bär und der letzten Szene zwischen Shepard und ihm könnte man Parallelen zu "Predator" sehen. Das muss aber nichts Schlechtes sein.

Parallelen sind definitiv vorhanden, da haben andere vor mir ähnliche Inhalte garantiert bereits besser ausgearbeitet. Ich tobe mich noch aus. Wink

Beste Grüße,
Seth
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Seth Gecko
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BeitragVerfasst am: 13.05.2021 22:19    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Schreibkopf hat Folgendes geschrieben:
Gefällt mir außergewöhnlich gut – obgleich es nicht mein bevorzugtes Genre ist. Die Geschichte und die Art, wie du sie geschrieben hast, nehmen mich jedenfalls mit.


Hallo Schreibkopf,

vielen Dank für dein Feedback. Es freut mich, dass dir die Geschichte bislang zusagt. Da sie sich noch in der Entwicklung befindet, werde ich nach und nach weitere Kapitel einfügen (so viele werden es nicht mehr, ist ja eine Kurzgeschichte).

Beste Grüße,
Seth
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Fistandantilus
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BeitragVerfasst am: 13.05.2021 23:19    Titel: Antworten mit Zitat

Seth Gecko hat Folgendes geschrieben:
ist ja eine Kurzgeschichte

Anhand der bereits jetzt eingeführten Personen und des vielschichtig angelegten Plots vermag ich es nicht zu glauben, dass Du damit eine Kurzgeschichte schreibst. Verschenke bitte kein Potenzial, es könnte ein Roman daraus werden.
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Calvin Hobbs
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BeitragVerfasst am: 14.05.2021 05:43    Titel: Antworten mit Zitat

Fistandantilus hat Folgendes geschrieben:
Seth Gecko hat Folgendes geschrieben:
ist ja eine Kurzgeschichte

Anhand der bereits jetzt eingeführten Personen und des vielschichtig angelegten Plots vermag ich es nicht zu glauben, dass Du damit eine Kurzgeschichte schreibst. Verschenke bitte kein Potenzial, es könnte ein Roman daraus werden.


Lass ihn doch einfach mal machen. Nicht jede Prämisse lässt sich auf drei- oder vierhundert Seiten aufblähen, ohne dass es an Drive verliert.
MfG


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Fistandantilus
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BeitragVerfasst am: 14.05.2021 10:52    Titel: Antworten mit Zitat

Calvin Hobbs hat Folgendes geschrieben:
Lass ihn doch einfach mal machen.

Ich lasse ihn nicht nur machen, sondern ermutige ihn, mehr daraus zu machen.
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Seth Gecko
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BeitragVerfasst am: 14.05.2021 12:12    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Fistandantilus hat Folgendes geschrieben:

Anhand der bereits jetzt eingeführten Personen und des vielschichtig angelegten Plots vermag ich es nicht zu glauben, dass Du damit eine Kurzgeschichte schreibst. Verschenke bitte kein Potenzial, es könnte ein Roman daraus werden.


Hi Fistandantilus,

danke für deinen Kommentar.

Es ist, wie Calvin Hobbs sagt. In meinem Kopf ist der Plot abgeschlossen, und die Größe der Geschichte wird den Umfang einer Kurzgeschichte auf keinen Fall überschreiten. Ich bin aber total begeistert von der bisherigen Positivität des Feedbacks, da ich dabei bin, meinen Debütroman (ebenfalls Actionthriller-Fantasy) in einem sehr ähnlichen Stil zu schreiben. Die Kurzgeschichte ist daher eine gute Übung für mich.

Beste Grüße,
Seth
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Seth Gecko
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BeitragVerfasst am: 14.05.2021 14:21    Titel: Vocationem sanguinis - Vierter Teil pdf-Datei Antworten mit Zitat

»Teamleader, hier Basis. Kommen.« Angel. Angespannt.
Ein Blick zu Bär, ein Griff zum Ohr. »Hier Teamleader. Kommen.«
»Teamleader, besser ihr kommt sofort her, wir kriegen Probleme. Kommen.«
Drehung zum Lager, Laufschritt. »Basis, was für Probleme? Kommen.«
»Der Kunde wird schwierig … «, hörte er Angel noch sagen, unterbrochen von Scenoferu, im strengen Ton.
» …, Ms. Belmondo! Sie arbeiten für uns! Was fällt Ihnen ein …, « Statisches Knacken.
»Basis, wir sind sofort bei euch. Kommen.« Shepard lief schneller, Bär hielt Schritt.
LED-Schimmer in der Nacht. Auf die Zeltumrisse zu, zwischen ihnen hindurch.
Laute Stimmen. Nachrichtendienst gegen Privatwirtschaft.
Da waren sie alle. Ms. Miller einen Schritt abseits am Rand, die einfachen Wissenschaftler nah bei einander. Auf der anderen Seite Doc und Beau, die Waffen in Bereitschaft.
Im Zentrum stritt Angel sich mit Dr. Scenoferu.
» …,  wenn ich Ihnen sage wir gehen, dann gehen wir!« Der Doktor schrie jetzt beinahe.
Shepard trat in den Lichtschein. »Was zum Teufel ist hier los?«
Scenoferu atmete hörbar aus. »Ah, Mr. Shepard …, «
»Mit Ihnen habe ich nicht gesprochen. Angel?«  
Seine Kameradin ließ den Forschungsleiter stehen und trat dicht an Shepard heran. Bär ging zu seinen Waffenbrüdern. Scenoferu zischte etwas Unverständliches und mischte sich unter den Rest der Wissenschaftler.
»Was ist passiert?«, fragte Shepard in gesenktem Ton.
»Doc und ich wollten gerade zur Patrouille. Da kamen sie in voller Montur aus dem Labor.«
Kurzer Seitenblick. Prall gefüllte Rucksäcke und Taschen zu den Füßen der Männer. Auf jedem Gepäckstück das rechteckige Logo der sich windenden Schlange.
Luttvig Research.
»Dr. Anstrengend war der Meinung, sie müssten jetzt sofort zur Burgruine, um mit ihrer Arbeit zu beginnen. Auf meine Frage, warum das nicht bis Tagesanbruch warten kann, ist er ausgeflippt.«
Shepard dachte einen Augenblick lang nach, dann nickte er. »Okay. Gut gemacht.«
Bewegung, in Angels Augen. Laborzelt, Wissenschaftler, Rumänische Finsternis.
»Bill?« Er kannte diesen Blick. Sie wusste etwas. Ex-CIA. Angeblich.
»Ja?«
»Erst dachte ich, es geht um unsere Entlohnung. Du weisst schon … Myanmar …?«
»Ich glaube nicht, dass … «, setzte Shepard an, doch Angel bot ihm mit einer flüchtigen Geste Einhalt.
»Das ist es nicht. Nicht mehr. Hier läuft was anderes.« Angel wisperte jetzt beinahe.
Er schwieg. Sie kaute kurz auf ihrer Unterlippe. Das war neu.
»Es gibt … gemeinsame Bekannte, die haben Nicolai Luttvig seit einiger Zeit unter besonderer Beobachtung«, presste sie hervor.
Zeig mir einen Multimilliardär mit weisser Weste. »In welcher Hinsicht?«
Jetzt druckste sie wirklich herum. Augenrollen. »Ich kann nicht glauben, dass ich das sage.« Ein längerer Blick. »Okkultismus.« Ausatmen.
Shepard sah sie an. Wie lange kannten sie sich jetzt? Lange genug. Kein Scherz.
»Mr. Shepard! Hätten Sie wohl die Güte?« Scenoferus Ton von der Seite. Geforderte Satisfaktion.
»In einer Minute, Doktor«, sagte er, nahm den Blick dabei jedoch nicht von Angels Antlitz. »In Ordnung.« Dankbarkeit in ihren Zügen. »Geh und sprich mit den Jungs. Sag ihnen, was sie deiner Meinung nach wissen müssen. Ich bin sofort bei euch.«
Er drehte sich um, dort stand bloß noch der Forschungsleiter, dessen Kollegen und Miller waren verschwunden. Scenoferu hatte ein Grinsen aufgesetzt, er hielt Shepard ein klobiges Satellitentelefon mit kurzer, dicker Antenne entgegen.
»Für Sie.« Sardonische Freude.
Shepard nahm ihm das Gerät ab.
»Hallo?«
»Spreche ich mit William Shepard?« Heiser und brüchig. Ein kranker Greis.
»Mr. Luttvig, nehme ich an?«
Rasselndes Lachen, das in Husten überschlug. Pfeifende Atemzüge.
»Jetzt hören Sie gut zu Bill …, denn ich sage das nur einmal ..., Sie werden tun, was Dick von Ihnen verlangt ..., andernfalls sorge ich dafür …, dass Sie ..., Ihr Team ..., Familien und Freunde ..., jeder der Ihnen nahe steht ..., Job und Haus verliert und …, niemals wieder Arbeit finden wird. Sie wissen ..., dass ich dazu fähig bin.« Hustenanfall. Geräuschvoller Auswurf.
Shepard schwieg, ein Wangenmuskel zuckte. Er starrte Scenoferu nieder. Der Doktor sah weg.
Milliardenschwerer Fehler, Hurensohn.
»Haben Sie verstanden?«, krächzte es aus dem Lautsprecher.
Er überreichte Scenoferu das Telefon, ließ es jedoch nicht los, als dieser danach griff.
Vier Augen. Keine Bewegung.
»Ich kann ab sofort nicht mehr für Ihre Sicherheit garantieren, Dick.« Shepard ließ los.
»Tun Sie einfach, wofür wir Sie bezahlen«. Er drehte sich weg, nahm das Telefon ans Ohr. »Ja Sir, ich kann Sie hören …, ja Sir, danke Sir, wir legen sofort los …, Ja Sir, ich bin mir sicher dass …, « Der Klang seiner Stimme versickerte hinter der Zeltklappe, als er im Labor verschwand.

Lagebesprechung im vordersten Zelt. Viel Zeit blieb nicht, die Wissenschaftler würden in wenigen Minuten aufbrechen. Das Wolfsrudel bildete einen Kreis, in der Mitte ein Campingtisch, darauf eine Karte der Umgebung. Shepard berichtete Ihnen von Luttvigs Drohung, was eine Reihe von wirklich derben Flüchen zur Folge hatte. Nachdem sie ihrem Ärger Luft gemacht hatten, brachte Angel ihn ebenfalls auf Stand.
»Meine Kontakte sind der Meinung, um Luttvigs Gesundheit stehe es alles andere als gut. Irgendeine seltsame Blutkrankheit. Keine Behandlung schlägt an, also geht er seit fast zwei Jahren …, unorthodoxe Wege. Er pumpt wohl beträchtliche Summen in die Erforschung okkkulter Rituale und Heilpraktiken. Wie du dir denken kannst, scheut er sich dabei nicht, Grenzen zu überschreiten.«
»Der Wichser greift nach jedem Strohhalm«, flüsterte Beau.
Es entstand eine kurze Pause, in der das Rudel bloß Blicke tauschte.
Doc ergriff als erstes wieder das Wort.
»In Afrika, besser gesagt in einem Tiefland-Becken des Kongo, gibt es noch heute Stämme, die Kannibalismus praktizieren. Sie glauben, das essen der Gehirne ihrer Feinde überträgt die Essenz derer Seelen. Und verlängert somit das eigene Leben.« Er sah nacheinander in die Runde. Bärs Hand wanderte abwesend zum Griff des Bowiemessers.
»Denkst du, das läuft hier?«, fragte Beau. »Wollen die uns fertigmachen und unsere Gehirne für den alten Sack sammeln?«
Seufzen. »Nein man, ich meine ...«
»Schluss damit.« Shepards Ansage. Alle Augen auf ihm. »Bis wir wissen, was läuft, gilt, volle Konzentration. So ungern ich das sage, aber wir müssen machen, was Scenoferu sagt. Vorerst. Luttvig macht Ernst, der hat die Mittel und die Motivation.«
Seine Augen glitten hinunter zu der Umgebungskarte. »Aber wir schalten einen Gang höher. Doc, du bleibst hier und hälst die Stellung. Wenn wir weg sind, schaust du nach, was sich unter der Plane auf dem Mercedes befindet.« Tausch eines Blickes, Nicken zur Bestätigung. »Angel, Bär, ihr sichert die Flanken.« Er zeigte auf der Karte an beiden Seiten der Ruine entlang. »Rufzeichen Oscar ... «, rechte Flanke, » ... und ... Whiskey«, linke Flanke. Angel nickte, Bär starrte auf den Lageplan. »Beau, du suchst dir eine erhöhte Feuerposition, sondierst das Gelände und deckst, falls nötig, unseren Rückzug. Bär, was haben wir an schwerem Gerät dabei?«
Der Hüne reagierte nicht, leerer Blick. Seine Hand streichelte den Messerknauf.
»Bär?«, wiederholte Shepard.
Angel stieß ihn mit dem Ellenbogen an. Er blinzelte. Grunzte.
»Hmm?«
»Sprengstoff. Was haben wir?«
Räuspern. »Fünf offensive M67, fünf M84 Flashbang. Und vier Claymore.«
Shepard nickte. »Packt die Granaten ein, die Minen bleiben wo sie sind.« Er sah in die Runde. »Fragen?« Angel hob die Hand.
»Wo wirst du sein?«
Shepard hob sein Sturmgewehr auf, überprüfte die Verschlusskammer. Metallisches Klacken.
»Ich bin der Babysitter. Also los, packen wir´s an.«

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Seth Gecko
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BeitragVerfasst am: 16.05.2021 02:31    Titel: Vocationem sanguinis - Vierter Teil pdf-Datei Antworten mit Zitat

Es schüttete. Der Vorhang ließ die Sicht noch schrumpfen, das Prasseln schluckte die Geräusche.
Aus Trampelpfad wurde Schlammbahn, Shepard erklomm hinter Miller den flachen Hang, hinauf zur Ruine. Die Wissenschaftler liefen vorn, das Rudel hatte sich nach Plan verteilt.
Die Steine rückten näher, er schaute sich um. Nasses Schwarz, überall, bloß die Regenponchos glänzten olivgrün, im Schein der Stirnlampen.
Sie erreichten die Kuppe. Umgeben von Mauerwerk, Umrisse hüfthoch zu ihrer linken und mehrstöckig aufragend gegenüber. Rucksäcke und Taschen wurden abgelegt. Die Wissenschaftler fingen an, metallene Stangen und Werkzeug daraus hervorzuholen.  
Shepard nahm eine Signalfackel aus seiner taktischen Weste, ein Fauchen, als er sie anriss.
Das blutrote Leuchten lieh Scenoferus Zügen etwas Dämonisches. Der Forschungsleiter griff unter seinen Umhang, ein einzelnes Dokument kam zum Vorschein. Tropfen perlten einfach davon ab. Laminiert.
»Ms. Miller«, rief der Doktor gegen den Regen an, »wären sie so freundlich?« Als sie näher trat, machte auch Shepard einen Schritt.  
Ein genauerer Blick auf das Dokument. Oder besser: Pergament. Fleckig, zerschlissen. Verblasste Schriftzeichen. Fließtext.  
Miller und der Leiter tuschelten, der Regen hinderte Shepards Verständnis. Ihre Finger flogen über das Schriftstück. »… wo genau?«, hörte er Scenoferu sagen.
Millers suchender Blick durch den Schleier. Ein Fingerzeig, auf schwarz glänzendes Mauerwerk. »Dort hinten!«
Anscheinend das Stichwort für den Rest der Crew. Sie hatten ein Gestänge aus Metallstreben und Plastikmodulen zusammengebaut. Zentriert in einer Aufhängung, ein klobiger Zylinder. Es erinnerte ihn an eine Transportvorrichtung für Nitroglyzerin. Die Männer bugsierten das Gebilde dicht vor die Ruinenwand.
Shepards Arm schoss vor, packte den Doktor. Der Regen ließ ihn beinahe schreien. »Was ist das?«
Blasiertes Grinsen. »Das sehen Sie gleich.« Er wandte sich ab, Shepard hielt ihn nicht fest.
Scenoferu trat zur Apparatur, fingerte an einer kleinen Konsole herum. Kribbeln, im Nacken.
Eine Bewegung, im Augenwinkel.
Shepard ließ die Signalfackel fallen, riss das M4 in Anschlag. Regen. Schwärze. Nichts.
Beaus Stimme, im Funk. »Teamleader, hier Aufklärung. Kommen.«
»Teamleader hört. Kommen.«
»An der nordöstlichen Waldgrenze tut sich was. Kommen.«
Vierteldrehung, Nordosten. Finsternis. Kein Ziel.
»Aufklärung, was siehst du? Kommen.«
»Kann ich nicht sagen, Boss. Irgendetwas im Wald bewegt sich. Und, es ist verdammt schnell …, Kommen.«
Shepard blinzelte. Eine Woge durchlief seinen Körper. Pumpender Puls. Die Konturen der Ruine, mit einem Mal schärfer, der Pladdern der Tropfen, das Zischen der Fackel, deutlicher.
Bittersüßes Adrenalin.
Angelegt. Nächtlicher Wald im Fadenkreuz. Restlichtverstärkt.
Grün-Schwarzes Nichts. Er zwang sich, ruhig zu atmen. Griff zum Ohr.
»Oscar, hier Teamleader. Kommen.«
»Oscar hört. Kommen«,
»Was siehst Du? Kommen.«
Funkstille. Shepard beobachtete das regnerische Dunkel. Unmöglich, etwas zu erkennen.
»Teamleader, es ist da. Ich sehe es nicht, aber … es ist da …,«
»In Ordnung, bleib cool, Bär. Aufklärung. Kommen.
»Ich höre dich, Teamleader. Kommen.«
»Bei freiem Schussfeld, schaltest du es aus. Kommen.«
»Verstanden, Teamleader. Das Full House wird der Knaller. Damen und Jungs. Aufklärung Ende.«
Ein Abschuss, ein Tattoo. Die Jugend von Heute.
Mechanische Geräusche, in seinem Rücken.
180°! Die Apparatur war zum Leben erwacht, sämtliche Zivilisten traten zurück.
Anschwellendes Wummern. In Beschleunigung, wie beim Start eines Helikopters. Shepard machte einen Schritt auf Scenoferu zu. Ein feuchtes Klatschen, als der Zylinder im Zentrum des Geräts mit Wucht auf den Hügelboden aufschlug. Kleinteile der Ruinenwand bröckelten ab. Was zum Teufel?
»Es funktioniert«, hörte er einen der Wissenschaftler. Freudige Erwartung.
Ein weiterer Schlag des Zylinders. Die Forscher schauten jetzt alle zur Steinmauer, vier weisse Lichtkegel boten gute Sicht. Ein bogenförmiger Riss, auf Kopfhöhe im Gestein. Nein, kein Riss. Eher eine präzise Linie, wie ein Torbogen. Der nächste Schlag, die Linie wuchs zu beiden Seiten abwärts. Der letzte Schlag, gefolgt von einem einzelnen hohen Impuls. Die Linien verbanden sich zu einem Ganzen und das innen liegende Mauerwerk zerbröselte zu feinen Partikeln. Ein Tor.
Dahinter Schwärze, das Licht der Stirnlampen schnitt hindurch. Gemauerte Wände. Eine schmale Steintreppe führte abwärts. Die Wissenschaftler jubelten, zwei von ihnen klatschten sich ab.
Shepard reichte es jetzt.
»Hey! Was läuft hier? Was…«, setzte er an, plötzlich Docs Stimme, im Funk. Laut. Aufgeregt.
»Teamleader, Teamleader, hier Basis! Kommen!«
»Teamleader hört.«
»Bill, kommt sofort zurück! Auf dem Mercedes … SCHEISSE!« Statisches Knacken.
»Wiederholen, Basis! … Basis, wiederholen!«
Doc antwortete nicht.
Schüsse, im Lager. Füllig und dumpf. Docs Pumpgun. Just in Case.
Verdammte Scheisse.
»An alle, an alle, hier Teamleader. Zuhören!« Er ließ die Zivilisten stehen und rannte los. »Aufklärung, Whiskey, ihr beschützt den Kunden! Oscar, links umfassend zur Basis, ich nähere mich aus nördlicher Richtung! Feuern nach eigenem Ermessen! Kommen!«
Alle drei bestätigten den Befehl. Shepard schlitterte den Hang hinunter, am Fuße stieß er sich wie ein Sprinter ab und spurtete auf den Lichtschein zu. Ein Schrei, beinahe unmenschlich.
Keine Schüsse mehr. Bloß Regen, der auf Zeltplanen prasselte. Shepard verringerte sein Tempo.
M4 im Anschlag, Knie leicht gebeugt. Schleichgang.
Shepard fasste Griff und Frontgriff fester. Zelte. Die Jeeps. Halbschritt, Schwenk nach rechts. Frei.
Auf den ersten Blick, keine Spur von Doc. Dort der Mercedes, Blut an der Hecklappe. Viel Blut.
»Doc«, wisperte Shepard und näherte sich dem Fahrzeug. Auf dem Boden noch mehr Blut. Halbschritt am Transporter vorbei, Schwenk nach links.
Fuck. Nein. Oh, nein, bitte nicht. Shepard senkte das Gewehr.
Eine enorme Pfütze aus Blut, in der Mitte lag Docs rechter Arm, an der Schulter abgetrennt, in der Hand noch die Schrotflinte. Der Rest von ihm fehlte. Ringsherum rotgoldene Hülsen, Kaliber 12. Eine Schleifspur aus Blut und Schlamm führte vom Lager weg, in Richtung des Waldrandes.
Shepard trat an den Rand der Pfütze, zwang sich, hinzusehen. Docs Arm war nicht sauber durchtrennt worden, sondern zerfetzt, aus der Gelenkpfanne gerissen. Das komplette Ende des Knochens stach weiß aus der Schulter hervor, das Fleisch darum, völlig zerfleddert.
Ein Stechender Schmerz in seiner Brust, unsichtbar, schrecklich. Zwölf Jahre. Nein. Oh, nein.
»Doc?« Bär, mit dem MG im Anschlag.
»Es hat ihn mitgenommen«, murmelte Shepard.
»Nein.«
»Verfluchte Scheisse. Er hat ihn mitgenommen.« Zwölf Jahre. Vorbei.
»Nein. Nein. Er lebt noch. Er lebt noch!« Bär stieß einen Laut aus, der ihn schaudern ließ. Der Krieger hob das MG und lief, der Blutspur folgend, auf den Waldrand zu.
»Bär, nicht!« Sie waren wie Brüder. Keine Chance. Nicht die geringste.
Es war viel zu dunkel, um die Fährte zu verfolgen. Shepard rannte hinter ihm her, holte ihn kurz vor der Baumgrenze ein. Bär richtete die Waffe auf den Wald. Sein Schrei animalisch, aus dem tiefsten Innern. Dann Dauerfeuer ein gesamtes Magazin. Holz splitterte, Äste knackten.
Sechzehn Sekunden Verlustschmerz, eingestellt auf Vollautomatik.
Manchmal, gibt es nicht genug Munition.
Klick. Leer. Shepard legte dem Kameraden und Freund eine Hand auf die Schulter.
In seinen Ohren fiepte es.
»Bär, hör mir zu. Es ist vorbei. Er ist tot. Niemand überlebt...«
Die Ereignisse überschlugen sich.
Angels Stimme, im Funk. »Teamleader, hier Whiskey. Erbitte Lagebericht. Kommen.«
Er konnte es ihnen nicht sagen. Nicht jetzt. Nicht so.
Bär riss die Augen auf. Er hakte das Maschinengewehr aus dem Tragegurt, Klappern, als es auf dem Gras landete, Shepards Hand wurde dadurch abgeschüttelt. Mit seiner rechten Pranke zog er die Magnum Desert Eagle Mk XIX aus dem Holster, richtete sie auf den Wald. »Da ist er.« Mehr Knurren, als Information.

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BerndHH
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BeitragVerfasst am: 16.05.2021 05:07    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Seth,

großes Kompliment an Dich. Liest sich sehr flüssig, extrem temporeich und enthält absolut nichts Überflüssiges.
Weitermachen! Wink


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Sábado na balada
A galera começou a dançar
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Seth Gecko
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BeitragVerfasst am: 16.05.2021 16:49    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

BerndHH hat Folgendes geschrieben:
Hi Seth,

großes Kompliment an Dich. Liest sich sehr flüssig, extrem temporeich und enthält absolut nichts Überflüssiges.

Hi BerndHH,

vielen Dank für dein Lob. Freut mich sehr, dass dir die Story zusagt.

BerndHH hat Folgendes geschrieben:

Weitermachen! Wink

Jawoll! Very Happy Wir nähern uns dem Showdown.
 
Viel Spaß beim weiterlesen und Beste Grüße,
Seth
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Seth Gecko
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BeitragVerfasst am: 16.05.2021 16:52    Titel: Vocationem sanguinis - Fünfter Teil pdf-Datei Antworten mit Zitat

»Teamleader, hier Whiskey. Bill hörst du mich? Was ist los? Kommen.«
Auch Shepard hob das M4. Bär feuerte einmal in den Wald. Und nochmal. Nichts zu sehen.
Griff zum Ohr. »Whiskey, hier Teamleader. Abwarten Angel. Kommen.«
»Verstanden Teamleader. Warten ab. Wiskey Ende.«
Bär feuerte wieder, dabei lief er jetzt auf die Baumgrenze zu. Er schrie, nicht Herr seiner Sinne. Shepard hörte es knacken und krachen, als Kugeln in umstehende Bäume einschlugen. Ein Zerren in seinem Innern, es dem Kameraden gleichzutun. Lass es raus. Soll der Zorn übernehmen. Zwölf Jahre. Verdammt noch mal. Es ging nicht.
Er setzte sich in ebenfalls Bewegung. »Bär, Feuer einstellen!«
Der Große reagierte nicht, er sprang übers Unterholz, weiter zwischen Bäumen hindurch, tiefer in den Wald. Schoss. Schrie.
»Bär! Feuer ein…«
Da war es. Schwarz. Groß. Unfassbar schnell. Direkt vor Bär, hinter einer Baumgruppe. Zu schnell für ihn.
M4 im Anschlag. ACOG-Visier. Grün-Schwarzer Kampf, auf Leben und Tod. Bär taumelte rückwärts, schoss nicht mehr.
Zeig dich, du Wichser!
Eine Bewegung, so rasch, dass Shepard sie fast nicht als solche erkannte. Ein Hieb, eine Klaue, Bärs Pistole flog ins Unterholz. Shepard jagte einen Feuerstoß in die Baumgruppe. Getroffen? Keine Ahnung. Nein. Doch es fühlte sich gut an. Nochmal. Bär schrie auf, stürzte zu Boden.
»Bill!«
Nein! Ein Sprint zum Waldrand, Hechtsprung über das Unterholz, Zenpo-Ukemi, Judorolle vorwärts. Auf ein Knie, M4 hoch. Feuer!
Treffer. Ein unmenschliches Brüllen. Keine Panzerung, Bastard. Blick durchs Visier. Kein Ziel.
Bär schrie, es packte ihn am Fuß und riss seinen massigen Körper hinter die Baumgruppe, als wäre es nichts. Schreie. Gebrüll. Animalisch. Was zur Hölle war das?
Auf die Füße. Links umfassend, schnell.
Bärs Schreie entfernten sich. Da war er.
Shepard musste mitansehen, wie es den Krieger wegschliff, unbegreiflich schnell. Das Ding war pechschwarz und rannte auf zwei Beinen in den Tann hinein, eine Klaue um Bärs Bein.
Shepard zielte, schoss. Keine sichtbare Reaktion, zu dunkel. Noch ein Feuerstoß. Und noch einer.
Nichts.
Bärs Schreie, weit weg.
Stille.
Ein kurzes Jaulen, wie von einem Hund.
Fuck.
»Bääär! Bäääääääär!«
Nichts. Allein, in der Finsternis.
Niemand der dort hingeht, kehrt wieder zurück.

Er beeilte sich, den Wald zu verlassen. Auf dem Weg zum Hügel, hob er Bärs MG auf. Am Fuße setzte er sich in den Schlamm, schloss die Augen. Beau würde schon über dieses Areal wachen.
Hämmernder Herzschlag. Rauschen in den Ohren.
Vor langer Zeit hatte ihm sein Großvater, ein altgedienter Marine, eine Reihe von Atem- und Konzentrationsübungen beigebracht. Das Grauen des Todes auflösen, fokussiert bleiben. Am Leben bleiben. Schützengraben-Meditation. Shepard nahm sich einen Moment.
Es half. Wie immer.
Er stand auf, betätigte den Funk.
»Aufklärung, Whiskey, hier Teamleader. Kommen.«
»Teamleader, wir hören dich. Kommen.«
»Ich komme jetzt zu euch, erschießt mich nicht. Kommen.«
»Du allein? Was ist mit Doc … ? Kommen.«
Zwölf Jahre. Da war er wieder, der Stich im Herzen. »Ich bin gleich bei euch. Teamleader Ende.«

Die beiden warteten am neu geschaffenen Eingang auf ihn. Bloß die zwei, Shepard sah grünen Lichtschein am Fuße der altertümlichen Kellertreppe.
Er musste gar nicht viel sagen, sie kannten sich lange genug und so reichte fast schon ein Blick in sein Gesicht. Beau schrie und wirbelte dabei umher, nicht im Stande, es zu ertragen. Angel bewegte sich nicht. Ihr Blick lag auf seinem und eine einzelne Träne löste sich, rann ihre Wange hinunter und verging.
»Es tut mir leid«, sagte sie leise. Ein Beben, des Herzens.
»Mir auch.«
»Was machen wir?«
»Wir verschwinden von hier.«
»Luttvig...«
»Wird bezahlen.«
»Gut.«
Er legte ihr sanft eine Hand auf die Schulter. »Kümmere dich um Beau, ja? Ich hole den Kunden.«
»In Ordnung … Bill?«
»Hm?«
»… Was ist es?«
Shepard überlegte. Schwarz und schnell. So stark, dass es Körperteile pflückte, wie andere Blumen. »Ich weiß es nicht. Kein Mensch. Aber, es fühlt Schmerz.«
Angels Augenbrauen hoben sich unmerklich.
Er drückte ihre Schulter und wandte sich ab. Die Treppe hinab, er musste den Kopf einziehen. Knicklichter, wie grün glühende Stöckchen, im Gang verteilt. Es wurde kühler, ein schwacher Hauch von Honig und Holzkohle.
Der Tunnel führte ihn in ein größeres Gewölbe, gelbe LED-Laternen erhellten den Raum. Köpfe drehten sich, sahen ihn an. Und schnell wieder weg. Die Wände waren von Mosaiken gesäumt. Männer in Rüstungen, mit Speeren und Schwertern, kämpften gegen … schwarze Zweibeiner, mit spitzen Ohren, Klauen und einer Schnauze voller Reisszähne. Ein halbes Dutzend eherne Ablagen enthielten Tongefäße, Mörser und Stößel.
Da war Miller, sie stand mit dem Rücken zu ihm, an einer steinernen Ablage. Sie drehte sich um und sah ihn an. Wissende Schuld.
Scenoferu kam auf ihn zu. Der Doktor hatte seinen Regenponcho abgelegt. In der Hand ein metallenes Werkzeug.
»Mr. Shepard, Ihre Anwesenheit ist hier unten nicht von...«
Rechter Haken auf die Leber, Neunzig Prozent Power. Er klappte zusammen, ein Klirren, als das Instrument zu Boden fiel.
Shepard packte ihn, zog ihn hoch.
»Sind Sie wahnsinnig…?« Unterbrochener Protest.
Kniescheibe gegen Nasenknorpel, Nasenknorpel verlor. Blut spritzte, Brillengläser knackten.
Die restlichen Wissenschaftler wichen zurück, ein Tontopf zerschellte.
Runde Drei. Auf die Beine, Arschloch.
Im Blick des Doktors lag jetzt Panik. Er wehrte sich nicht, als Shepard ihn vorn an der Jacke griff, gegen die Wand schleuderte und ihn dort festhielt.
»Was fabrizieren Sie hier unten für eine Scheisse?« Gebrüllte Frage, voller Grimm.
»Sie werden bezahlt...«
»Zwei meiner Männer sind tot! Tot!« Shepards Fäuste unterstrichen seinen Zorn, als er den Doktor wiederholt gegen die Wand rammte.
»Sie kannten das Risiko...«
Das reichte. Kopfstoß. Lichter aus. Der Doktor sackte wie eine Marionette, der man die Fäden durchtrennt hat, in sich zusammen.
Shepard drehte sich um. Vier Augenpaare. In jedem einzelnen lag Furcht.
»Schnappen Sie sich Ihren Chef. Wir verschwinden von hier. Ms. Miller, sie kommen mit mir.«

Es hatte aufgehört zu regnen. Auf dem Weg zum Lager hielt er die Dolmetscherin fortwährend am Arm, sie leistete keinen Widerstand. Alles was Sie wissen, jetzt sofort. Angel und Beau flankierten die Wissenschaftler, zwei von Ihnen mühten sich mit dem Doktor ab.
Miller wusste nicht viel. Eine Forschungsmission, zur Freilegung eines geheimen römischen Laboratoriums. Sicherstellung der vorhandenen Informationen, Sammeln von Daten, Entnahme von Proben. Das alles in der Hoffnung, auf Basis dieses archaischen Wissens, ein Heilmittel zu finden. Ihre Kenntnisse vom Decodieren altrömischer Formeln, brachte sie an Bord.
Shepard glaubte ihr. Vorerst.

Sie erreichten das Lager. Und waren gefangen.
Zeltplanen lagen in Fetzen am Boden, Ausrüstung weit verstreut. Am schlimmsten jedoch, die Jeeps würden nirgendwo mehr hinfahren. Vier parallel verlaufene Furchen hatten den Stahl aufgeschlitzt, die Reifen zerstört. Ähnliches beim Mercedes, auch wenn die Karosserie des Transporters nicht in Mitleidenschaft gezogen war. Auf der Ladefläche befand sich noch immer das große Rechteck, unter der Plane.
»Sammelt ein, was noch an nützlicher Ausrüstung übrig ist. Und seid wachsam, was immer das hier getan hat, befindet sich vielleicht noch in der Nähe«, befahl er Angel und Beau in leisem Ton mit einem Blick auf die umliegenden Wälder. Angel wirkte entschlossen, in Beaus rotgeränderten Augen lag Trauer. Shepard rief Ms. Miller zu sich.
»Ich will, dass sie sich die Männer nehmen und das Nötigste an Gepäck zusammentragen. In einer halben Stunde treffen wir uns am Transporter.«
Sie wandte sich ab, drehte aber dann den Kopf noch einmal zu ihm.
»Shepard?«
»Ja?«
»Dass Ihre Männer tot sind, tut mir leid.«
Abschätzender Blick. Sie meinte es ernst.
»War nicht Ihre Schuld. Nicolai Luttvig ist der, der sich Sorgen machen sollte.«
Etwas in ihrem Ausdruck veränderte sich, er konnte es nicht deuten. Sie drehte sich um, ging zu den Wissenschaftlern.
Shepard holte Docs Arm aus der Blutpfütze. Er befreite die Flinte aus dem Griff der Finger, wickelte das Körperteil in ein Stück Zeltplane. Sie würden es beerdigen, als wäre es Doc selbst, nicht bloß ein Teil von ihm. Er legte das Bündel neben die Pumpgun, dann kniete er sich vor Scenoferu. Seine Lakaien hatten den Forschungsleiter aufrecht an eines der Hinterräder des Jeeps gesetzt. Die Augen geschlossen, noch immer bewusstlos.

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Seth Gecko
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BeitragVerfasst am: 17.05.2021 15:33    Titel: Vocationem sanguinis - Fünfter Teil pdf-Datei Antworten mit Zitat

Er verpasste dem Mann eine kräftige Ohrfeige. Das half, in zweifacher Hinsicht. Flatternde Lider, dösiger Blick. Ein Grunzen.
»Wachen Sie auf.« Noch eine Ohrfeige. Das reichte, er hatte seine Aufmerksamkeit. Shepard zog ihn auf die Füße, schubste ihn in Richtung des Transporters.
»Was ist unter der Plane?«
Scenoferus blutverschmiertes Gesicht, eine Maske der Verachtung, »Das wissen Sie bereits … eine Gerätschaft, welche...«
»Welche am Abschluss Ihrer Forschung zum Einsatz kommen soll, ja, ich weiss.« Shepard streckte jetzt beide Arme aus, in der Hand noch immer das M4. Er sah von links nach rechts. »Sehen Sie sich um. Willkommen auf der Party, ich würde sagen, das Ende Ihrer Forschung ist erreicht.«
Er richtete das Gewehr auf Scenoferu. »Zeigen Sie es mir.«
Kurzer Blick auf die Mündung, »Sie schießen nicht auf mich, Mr. Shepard.«
Shepard schoss ihm ins linke Knie. Der Knall verhallte über dem Lagerplatz.
Ein Kreischen, der Doktor knickte weg, fing sich aber gerade noch und blieb auf einem Bein stehen, die Hände auf der Eintrittswunde.
Kurzes Handzeichen zu Angel, die mit der MP5 im Anschlag unter einer Zeltplane auftauchte. Alles in Ordnung.
»Dank Ihnen sind zwei meiner Freunde tot. Entweder, Sie zeigen mir, was sich unter der Plane befindet, oder ich nehme Sie Stück für Stück auseinander.«
Möglicherweise war es sein Wissen um Darwins Evolutionstheorie, vielleicht aber auch Shepards Gesichtsausdruck ... der Doktor fügte sich. Er humpelte zum Mercedes, schaffte es, unter Schmerzen auf die Ladefläche zu klettern, löste die Verschnürung der Plane und zog sie weg. Ein großer schwarzer Plastikcontainer, auf der Längsseite das weisse Rechteck, zentriert der Äskulapstab. Luttvig Research.
»Aufmachen.« Ein Wink, mit dem Sturmgewehr.
Scenoferu öffnete die an den Ecken anliegenden Bügelverschlüsse, wobei er kurz stutzte, als die vordersten an der Reihe waren. Sein Blick huschte zu Shepard, so schlau wie er war, hielt er jedoch den Mund.
Ja. Doc hat es gesehen. Und dann ist er unter Qualen gestorben. Also halt besser deine Fresse.
Ein letzter Bügel, fertig. Der Doktor machte zwei Schritte zurück und die vier Seitenteile der Verschalung fielen von der Ladefläche.  
In diesem Moment verzogen sich die Wolken, der Vollmond ließ Scenoferus Geheimnis glänzen.
Luttvig, du kranker Irrer. Freilegung eines römischen Laboratoriums, von wegen. Er ahnte, was das wahre Ziel dieser Mission war.
Auf dem Transporter lag ein silberner Käfig, rechteckig, mit langen Seiten. Ein Gittergeflecht aus  Streben, so dick, wie Shepards Unterarm. An beiden Enden befanden sich Metallplatten, an einer auf den ersten Blick komplizierten Aufhängung. In der Mitte des Gebildes sah Shepard eine weitere Platte, in Form einer Wippe.
»Runter da«, schnauzte er Scenoferu an.
»Mein Bein...«
»Ist mir scheissegal. Beissen Sie die Zähne zusammen. Los, jetzt.«
Der Forschungsleiter sprang und schrie auf, als der Boden sein zerschossenes Knie begrüßte. Er fiel in den Matsch, fing an zu heulen.
»Stehen Sie auf ... Aufstehen!«
Scenoferu mühte sich auf die Beine. Shepard verspürte beim Anblick der riesigen Falle auf dem Transporter, wie die schützende Schicht aus Beherrschung, Risse bekam. Er legte auf ihn an.
»Hey...«
»Halt dein Maul, oder ich schiesse dir ins Gesicht.«
Der Doktor hob die Hände. »Ganz ruhig...«
»Halts Maul!« Sein Abzugsfinger zitterte, ganz leicht.
Für Doc. Und Bär. Für diese unglaubliche Scheisse.
Aus dem Augenwinkel sah er die Forscher ein Stück abseits, dann kam Miller. Angel und Beau, an seiner linken Flanke. Alle starrten erst zu ihm, dann zum Gebilde auf dem Mercedes.
»Was zum Fick...«, Beau bekam den Mund nicht zu. Shepard atmete einmal tief durch.
»Was ist es, was wollten Sie damit fangen?«, fragte er den Leiter.
»Hören Sie...« Der Versuch einer weiteren Lüge.
Er lupfte das M4 um wenige Zentimeter, feuerte einmal, der Schuss verfehlte Scenoferus erhobene Rechte haarscharf. Die Kahkihose verfärbte sich dunkler.
»WAS. WOLLTEN. SIE. FANGEN?« Er wollte es aus seinem Mund hören.
Los.
Sag es.
Zögern. »Es … ist ein … Lykanthrop.« Beschämter Blick zum Boden.
»Was?«, fragte Beau.
»Ich sagte, es ist … ein …,«
Tu es.
Sag es ihm.
Sag es uns allen.
»… Werwolf«, schloss Scenoferu. Das saß.
Shepard senkte das Gewehr. Der Forschungsleiter ließ die Hände sinken. Niemand sprach. Gleichzeitig unvorstellbar und doch furchtbar real. Es dauerte einen Moment, dann konnte er den Doktor wieder ansehen, ohne den Drang, ihn auf der Stelle zu erschießen.
»Wozu? Warum lebendig?«, wollte er wissen.
Schulterzucken. »Sein Blut. Forschung und Entwicklung. Wenn die Aufzeichnungen stimmen, sprengen die Regenerationskräfte alle bis dato bekannten Erkenntnisse auf diesem Gebiet. Was denken Sie, Mr. Shepard, welchen Preis die Menschen wohl bereit sind, für ewiges Leben zu bezahlen?«
»Die Menschen? Wohl eher Nicolai Luttvig.«
Für den Bruchteil einer Sekunde flogen Scenoferus Augen zu Ms. Miller.
»Das können Sie sehen, wie Sie wollen.«
»Beantworten Sie mir noch eine Frage«, sein Finger zeigte auf die Lebendfalle, »Wie zum Teufel wollten Sie vier dieses Ding da rein locken?« Er brachte es nicht fertig, das Wort Werwolf laut auszusprechen.
Scenoferus Lippen waren dünne Striche. »Die Falle besteht aus Diamantstahl, mit einer Silberlegierung. Einmal drin, kann es unmöglich raus. Wir haben Köder...«
Ein gurgelndes Kreischen, dicht gefolgt von einem Laut, als würde eine Stoffbahn zerreissen.
Schulterblick.
Fuck.
Adrenalin flutete die Schleusen. So schnell und noch so lautlos?
Zeitlupenterror.
Die drei Wissenschaftler, hinter ihnen die Bestie, stehend auf zwei Beinen. Unnatürlich, lange Glieder, struppiges Fell, in schwarzgrauer Färbung.
Alpha.
Es hatte sich den hintersten gepackt, schlug die Fänge in seinen Hals, riss ihn hin und her. Eine mit Klauen bewehrte Pranke griff sich den Ärmel. Das Blut sprudelte nur so aus dem offenen Hals, ein hässliches Knirschen, als der Werwolf den Arm vom Körper trennte. Kakophonisches Gurgeln, Stöhnen und Schreien.
Shepard hob sein M4, Kampfgetümmel, kein freies Schussfeld. Angel warf sich nach rechts, auch ihre MP5 schwieg noch. Beau war nicht zu sehen, Scenoferu, neben Shepard erstarrt.
Das Monster riss den Kehlkopf des Forschers heraus, Hautfetzen hingen ihm aus dem Maul. Achtlos warf es das tote Fleisch in seinen Klauen zu beiden Seiten weg.
Jetzt. »Ziel hoch!«
Shepards Sturmgewehr hämmerte eine Gruppe Treffer in die Schulterpartie des Werwolfs, Angels Maschinenpistole ratterte auf Vollautomatik. Die Kugeln schlugen in den Brustkorb ein. Rote Blüten, in schwarzem Fell.
Der Werwolf schluckte den Beschuss, machte einen rasend schnellen Satz und hieb nach einem der Forscher. Die Wucht katapultierte den Mann in die Luft, er landete auf der Dachkante des Jeeps und klatschte zu Boden. Bewegungslos, wahrscheinlich tot.
»Ausweichen!«, schrie Shepard. Ein weiterer Feuerstoß, Treffer. Seine Kugeln schienen dem Monster nichts anzuhaben.
Angel rollte sich unter ein Auto, er sah sie nicht mehr.
Die Bestie stand jetzt über dem letzten Wissenschaftler. Dieser kroch rückwärts weg, schrie dabei wie am Spieß. Übermenschlicher Griff nach unten, es hob ihn hoch.
Shepard ging in geduckter Haltung rückwärts, musste mitansehen, wie der Werwolf den Kopf des kreischenden Mannes zurückbog. Die Kiefer des Monstrums öffneten sich, weiter immer weiter, Reisszähne, so lang wie sein Zeigefinger. Das Kreischen erstarb, als der halbe Kopf darin verschwand. Knochen knackten, Blut spritzte, Glieder erschlafften.
Shepard spürte Metall im Rücken. Der Mercedes. Er ging in Deckung, lugte an der hinteren linken Ecke hervor. Der Werwolf ließ die Leiche fallen und drehte den Kopf. Es sah ihn nicht.
Nur wir sind noch übrig. Von Scenoferu und Miller war nichts zu sehen.
Es drehte den Kopf leicht hin … und her, als würde es sich umschauen. Dann reckte es die Schnauze senkrecht in die Höhe und schloß die Augen.
Infernalisches Geheul.
Bei Gott!, durchfuhr es Shepard. Und wir nennen uns Wölfe. Wir alle, werden hier sterben.

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