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Subtilität in der Lyrik - wer braucht sie noch?

 

 
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Abari
Geschlecht:männlichAlla breve

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BeitragVerfasst am: 20.04.2020 14:54    Titel: Subtilität in der Lyrik - wer braucht sie noch? eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Mit Subtilität haben es die LyrikerInnen immer versucht. Ergo: "Kann sie/er das wirklich gedacht haben? Warum muss ich das interpretieren? Steht ja eh nichts davon drin!"

Spätestens die Popkultur hat dann das Subtile abgestriffen wie ein altes Kleid und verbrannt. Die Leute können mit subtilen Gesten immer weniger anfangen, egal wo man in der ernsten Kunst schaut. Da muss immer ein Erklärbär her, der es auslegt. Das, was man früher als Holzhammermethode empfunden hätte, ist Normalität geworden ... war es vielleicht schon immer, wenn ich mir die Winterreise beispielsweise anhöre. Nix subtil: Alles offen. Und das war damals einfach spektakulär, nachdem Goethe im Heidenröslein und Erlkönig  Vergewaltigung und Kindsmissbrauch thematisierte: Aber eben so schön subtil.

Für jede Art von Lyrik findet sich ein(e) LeserIn. Und je kleiner der Interpretationsspielraum ist, desto besser (heute)?
Ich liebe das Subtile ja auch, aber es ist eben eine Gratwanderung geworden, zwischen schönem Bild und offensichtlichem Handeln.

Was denkt Ihr? Sitzen die LyrikerInnen im Elfenbeinturm?
Und wie offensichtlich/subtil sollte/darf Lyrik sein?

Als Inspirationsquelle vielleicht dies.


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Das zeigt Dir lediglich meine persönliche, höchst subjektive Meinung.
Ich mache (mir) bewusst, damit ich bewusst machen kann.

LG
Abari
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Elena
Geschlecht:weiblichLeseratte

Alter: 79
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BeitragVerfasst am: 09.06.2020 06:52    Titel: Subtilität in der Lyrik Antworten mit Zitat

Hallo Abari,

ja, das scheint mir noch immer aktuell zu sein, gerade in der Lyrik von Frauen. Man muss ja schließlich nicht alles mitmachen, weil es "modern" ist.
Gerade das Subtile in der Lyrik sollte jeden Lyriker angehen, egal, ob Männlein oder Weiblein, denn gerade er ist es ja, der mit viel mehr Aufmerksamkeit als Leute, die nicht schreiben, Menschen und ihre Handlungen in einer bestimmten Umgebung in seinen Gedichten verdeutlichen muss, damit es eben auch Gedichte werden und nicht bloß Sprechblasen.

Wobei sich das Schreiben von Männern und Frauen unterscheidet, nicht nur im Stilistischen, auch in der Wahl der Themen. Und das ist keine Erkenntnis von heute, meiner Ansicht nach war das schon immer so, seit Frauen schreiben, was sie ja nicht immer getan haben. Ich glaube einfach nicht daran, dass man ein halbwegs gewichtiges Gedicht schreiben kann, ohne auf die Psyche des Menschen in der Interaktion mit seiner Umgebung und seinen daraus resultierenden Handlungen, Einsichten und Weltverständnis einzugehen. Ein Gedicht ohne diesen Hintergrund spricht mich nicht an. Auf diese Ansprache aber kommt es beim Gedicht an, und da ist es auch egal, ob es ein Liebes-, Natur-, Gedanken- oder satirisches oder humorvolles Gedicht ist. Ich muss in einem Gedicht etwas wiederfinden, was für mich das Leben ausmacht.

Lieben Gruß, Elena
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holg
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Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 09.06.2020 13:39    Titel: Antworten mit Zitat

puh, da wüsste ich gerne ein wenig über den Kontext dieser Antwort, bevor ich mich ungefragt mit dem einmische, was mir dazu auf den Fingern liegt.

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Nihil
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Moderator
Alter: 30
Beiträge: 7571



BeitragVerfasst am: 09.06.2020 16:22    Titel: Antworten mit Zitat

Es scheint sich hierbei um die Antwort auf diesen Thread, die versehentlich ein eigenes Thema geworden ist. Ich wedele mal kurz den Zauberstab.

EDIT: Et voilà. Einer meiner schönsten Zusammenführungen.
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holg
Geschlecht:männlichReißwolf


Beiträge: 1673
Wohnort: knapp rechts von links
Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 09.06.2020 20:22    Titel: Antworten mit Zitat

Danke.

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Abari
Geschlecht:männlichAlla breve

Alter: 39
Beiträge: 1118
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BeitragVerfasst am: 10.06.2020 12:19    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hey Elena,

Du stellst einige interessante Thesen auf. Inwiefern sich feminine von maskuliner Lyrik unterscheidet, weiß ich nicht zu sagen; darüber ist schon viel gestritten worden und wenig zum Schluss gekommen. Ich persönlich scheue mich davor, diese Unterscheidung vorzunehmen, weil ich denke, dass die Trennung der beiden mehr Gefahr als Gutes in sich birgt.

Ein Hintergrund lässt sich mMn oft ausmachen, aber wie verschlüsselt darf der sein? Wenn man von Straßenbattlerap absieht, bemühen sich die LyrikerInnen im Allgemeinen schon darum, dass eine These, ein Gedanke oder eine Einsicht zum Tragen kommt. ME ist es so, dass es eher darum geht, der Leserschaft möglichst großen Interpretationsspielraum zu lassen und sie eher zum Denken und Fühlen zu bewegen. Aber wie groß darf dieser Raum sein?

Ich für meinen Teil möchte gern viele Menschen erreichen. Dennoch wird mir immer wieder gesagt, dass ein simpler Zugang zu meinen Texten nicht möglich ist, wenn man nicht so oft über Literatur nachdenkt. Das wurmt mich, da ich in vielen Fällen nur ein seliges Lächeln hervorbringen möchte. Für mein Empfinden ist es aber gerade die heitere Muse, die der meisten Geisteskraft bedarf, um leicht und locker zu wirken...

Was meinst Du mit "was für mich das Leben ausmacht"?

Danke an holg und nihil für das aufmerksame Lesen und Zusammenfügen.


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LG
Abari
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Gast







BeitragVerfasst am: 12.07.2020 05:06    Titel: Antworten mit Zitat

um auf den OP zu antworten:

Ich schätze, es handelte sich beim eingeschlagenen Weg zwischen Subtilität und plakativem Wink mit dem Zaunpfahl schon immer um eine Gratwanderung. Nur hat sich über die Jahre mit der Verschiebung des Zielpublikums hin zur Masse auch dessen Aufnahmekapazität zum durchschnittlichen Schwerpunkt hin verlagert. Will man die flüssigen Zeilen mit der Giesskanne breiter verteilen, ergibt sich das Resultat weniger tief. Man kann wohl auch heute noch aus dem vollen schöpfen, nur ist fast paradoxerweise dank der grösseren Zielscheibe für die pointierten Worte als Ganzes mehr Treffsicherheit erfordert, gerade wenn man nicht die Mitte treffen will. Die Suche nach dem richtigen Weg gestaltet sich weniger orientierungslos, wenn man die Adresse kennt, auf die man hinstrebt. Dazu muss man sich entscheiden, denn auf allen Wegen gelangt man bloss nach Rom und dies war ja bekanntlich die Mitte, die Hannibal in seiner Gratwanderung über die Alpen besser nicht angepeilt hätte. Wer zwei Pfeile im Köcher hat und mit beiden gleichzeitig schiessen will hat nur mehr Sicherheit, beide Ziele zu verfehlen.
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