15 Jahre Schriftstellerforum!
 
Suchen
Suchabfrage:
erweiterte Suche

Login

Jetzt erhältlich! Eine Anthologie von und mit unseren Usern. Jetzt bestellen! Die erste, offizielle DSFo-Anthologie! Lyrikwerkstatt Das DSFo.de DSFopedia


Aufrechnung


 

 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Deutsches Schriftstellerforum Foren-Übersicht -> Prosa -> Feedback
 Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
d.frank
Geschlecht:weiblichReißwolf

Alter: 42
Beiträge: 1113
Wohnort: berlin


BeitragVerfasst am: 25.12.2019 19:38    Titel: Aufrechnung eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Territorialverhalten, denkt er und denkt schon im nächsten Moment daran, dass er so etwas nicht denken sollte.  Der Tisch in der Mitte der, wie er es ausgedrückt hätte, weitläufigen Küche, ist zum Dreh - und Angelpunkt geworden, wie ein letzter gemeinsamer Platz, an dem man dann doch nur seinen eigenen Erinnerungen nachhängt. Er könnte sich fragen, wann das angefangen hatte, aber das würde bedeuten, dass er die Erinnerungen und die Hoffnung gegen die Realität tauschen müsste. Es ist besser, hier zu sitzen und die klinischen Anzeichen zu analysieren, als im Moment ihres Aufkeimens zu reagieren, wie es das Herz einem sagen will, aber das Herz oder dieses Bewusstsein in der Brust, das hatte er irgendwann verlieren müssen, als die ersten Anzeichen aufgetaucht waren.
Wenn sie sich jetzt rein zufällig in der, wie er es ausgedrückt hätte, weitläufigen Wohnung begegneten, hatte Sophia dieses, nur in Ansätzen vorhandene Zorngesicht, das er früher mit weicher Stimme den Denker genannt hatte, obwohl er schon damals gewusst hatte, dass diese Begrifflichkeit so ganz und gar nicht zu dem gepasst hatte, was in diesen Momenten wirklich in Sophias Kopf hervorgegangen war. Es war der Zorn, er war es schon immer gewesen, deshalb die Weitläufigkeit, das Auseinanderrücken, die oberflächlichen, rein praktischer Art geführten Gespräche. Er hatte es einfach nicht wahrhaben wollen und er hatte auch nicht wahrhaben wollen, dass auch seine Versuche, die raren Momente inniger Zweisamkeit, die sich, auf die Anzeichen reduziert betrachtet, auf einen Durchschnitt von etwa 5 zu 10 Jahren verteilten, nichts weiter als Betrug gewesen waren. Er hatte sie und sich selbst betrogen. Die Rollen waren verrutscht, alles, was er ihr heimlich vorgeworfen hatte, hatte er an sich selbst erkennen müssen. Er hätte sich jetzt fragen können, ob das schon immer so gewesen oder ein Aspekt der Anpassung gewesen war, aber an diesem Punkt brechen die Emotionen noch zu oft in seine rein analytischen Gedankengänge.
Heute Morgen hatte er ihren Duft gerochen, diese Mischung aus einem sorgsam auf sie abgestimmten Parfüm und dem Geruch ihrer Haut an einem entspannten Novembermorgen. Er hatte ihn nie als künstlich empfunden. Sophia hatte ein Art, den Dingen etwas von sich einzuhauchen, so als ginge sie eine Symbiose mit ihnen ein, ließ ihnen ihren eigenen Raum und verbrüderte sich mit Gemeinsamkeiten. Er hatte sie immer dafür bewundert, nur ihm gegenüber hatte dieser Bindungswillen irgendwann aufgehört. Es war nie eine wirkliche Fürsorge gewesen, eher ein Tauschgeschäft, Sophia gab und bekam und war dabei stets und sorgsam darauf bedacht, das Gleichwicht zu halten. Früher hatte er keinen Selbstzweck in ihren Taten erkennen können, jetzt erkannte er ihn bei sich selbst. Wenn die Gedanken einen auf solcher Art in die Knie zwingen wollen, muss man ihnen mit Tatkraft begegnen. Deshalb steht er jetzt auf und streicht sich die schäbig gewordenen Haare aus dem Gesicht über den Kopf. Vielleicht ist es nur die Angst, auf dem Markt nicht mehr zu funktionieren, dass man dann letztendlich in den Armen einer dickwürzigen Mittvierzigerin landet, die ihre Zeit und Freizeit und ihren unbändigen Gestaltungswillen in eine bessere Version von einem selbst zu investieren bereit ist. Man sagt, Liebe findet man nicht einfach mal so irgendwo, aber mittlerweile glaubt er daran, dass Liebe auch immer eine Vortäuschung falscher Tatsachen ist. So als ginge es nur darum, sich selbst in einem anderen wiederzusehen und sich damit in guter Gesellschaft zu befinden.
Er erinnerte sich an die Schwester eines alten Freundes, er hatte sie gehasst, sie war ihm so unähnlich wie es unähnlicher nicht gehen konnte und daran waren nicht nur die gegensätzlichen Geschlechter schuld gewesen, er hatte sie einfach gehasst, dafür dass sie die Schwester seines Freundes gewesen war. Sie hatte nicht über ihn nachdenken wollen, er nicht über sie, und daraus ergab sich eine Mauer, die einstweilen von winzigen Ausbrechern und Gemeinheiten einsturzgefährdet wurde, aber letztendlich waren sie sich gleichgültig gewesen, nichts, als zwei existierende Wesen, deren Welten sich kaum berührten und am Ende war es das, was die Liebe in die Wirklichkeit rettete: die Bereitschaft, jemanden an sich teilhaben zu lassen und an einem anderen teilhaben zu wollen.
In der Küche, auf dem dreckstarren Fensterbrett stehen Sophias bauchige Übertöpfe, sie nehmen die Sicht und sie nehmen dem Raum das Minimale, Er hatte auch sie immer gehasst, aber die Küche war ein Ort, an dem sich Sophia entfaltet hatte und in Anbetracht seiner Machtlosigkeit gegenüber offen eingestandenen Defiziten in der Haushaltsführung hatte er sie gewähren lassen. Eine Symbiose war auch immer ein Arrangement aus Ergänzungen. Man ergab sich den Tatsachen, dass jemand in bestimmten Dingen einfach besser als man selbst aufgestellt war und legte die Bereitschaft ab, sie erlernen zu müssen, weil man einfach davon ausging, dass es dem anderen genauso erging und sich nie etwas daran ändern würde - die perfekte Harmonie, eingebettet in eine als Liebe zelebrierte Zweckgemeinschaft. Die Gleichgültigkeit ist die höchste Form der Askese, man verzichtet einfach auf alles und ergibt sich seinem Schicksal. Dem Schicksal, dass man auf alte Phantasien angewiesen ist, wenn man auch nur den schalen Hauch eines ehemaligen Feuerwerkes erleben möchte. Die Symbiose zeigt sich in jeglicher Lebensführung. Am Ende trifft man sich nur noch, um die Dinge auszutauschen, für die man selbst keine Ressourcen ansparen konnte.
In dem ungelebten Leben draußen  verstecken sich die Selbstfindungskünstler, die die magische, weil auf emotionaler Basis eingegangene, Symbiose gegen alle ihre Abstufungen getauscht haben und belügen sich selbst, und das weiß er, weil er die höchste Form dieser geistigen Verbindung in seinem eigenen Experiment erfahren hatte und dass er es jetzt als Experiment betrachtet, zeigt wie weit er schon fortgeschritten ist und er weiß an diesem Punkt einfach nicht, ob das jetzt gut oder schlecht ist, Evolution oder Unmenschlichkeit, etwas aufzugeben, weil es einen nicht mehr füttert.
Weil die Zahnrädchen nicht mehr richtig ineinandergreifen und dafür sorgen, dass es stottert. Manchmal stottert er noch. Es sind diese Momente, wo sein mühsam angehäuftes Selbstsinnbild ins Wanken gerät, wo er eine fremde Stimme in sich auflachen hört und sich von sich selbst separiert, so als könne er sich aufteilen und dem Arglosen das Feld, es einfach geschehen lassen. Liebe ist immer auch Hingabe, Selbstaufgabe, loslassen und darauf hoffen, dass es niemand anderen gibt, der die Defizite besser abdecken kann.
Die eigene Macht ausspielen und sich gleichzeitig verletzlich zeigen.  Ein Trio aus bauchigen Übertöpfen, das einem jedes Mal, wenn man zulässt, dass es einem ins Blickfeld gerät, den Anflug von Zorn in die Gedanken spielt, den man wohlweislich hinter die Hingabe treten lässt, denn wie kann ich etwas empfangen, wenn ich nicht bereit bin, etwas dafür aufzugeben?
Er hätte gerne gewusst, welcher Art Gedanken in Sophias Kopf herumgeisterten. Er ging davon aus, dass es praktische waren, sie hatte sich vollends darauf verlegt, die praktischen Seiten ihrer Trennung anzugehen: Besitztümerteilung, Formalitäten, das Kunststück mit jemandem zusammenleben, mit dem man einmal zusammengelebt hatte.
Es ist etwas anderes, wenn man eine Symbiose gelebt hat. Die Abhängigkeiten gehen nicht einfach so weg, nur weil die Bedürfnisse nicht befriedigt werden. Er hatte immer noch das Bedürfnis, die Hand nach ihr auszustrecken. Selbst wenn sie mit ihrem Zornesgesicht und ihrer Aura eine sichtbar gewordene Mauer zwischen sich und ihn auf den Flur stellte, in dem sie sich ebenfalls ab und an mal trafen und auf die fehlende Weitläufigkeit zurückgeworfen worden, weil der Flur das einzige an der
Wohnung war, dessen Weitläufigkeit keine Rolle gespielt hatte.
Die Bedeutung eines Flures hatte er erst jetzt verstanden, wenn er diese plötzliche Unpersönlichkeit verspürte, den Charme eines öffentlich genutzten Ortes, dem die Leute ihre Fürsorge nur angedeihen ließen, weil sie dafür bezahlt wurden. Es hatten sich Ecken ausgebildet, wo früher symbiotisch genutzt worden war, jetzt beanspruchte jeder seinen eigenen Raum, in klarer Abgrenzung zum jeweils Anderen, unter der Offensichtlichkeit einer förmlichen Reservierung. Deins und Meins, am Ende geht es dann nur noch um das Deins und Meins und darum, sich unbewusst an jedes bisschen Gemeinsamkeit zu klammern und sei es nur die gerechte Verteilung ehemals gemeinsam gepflegter Interessen.

Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Pickman
Geschlecht:männlichReißwolf


Beiträge: 1179



BeitragVerfasst am: 26.01.2020 13:16    Titel: Re: Aufrechnung Antworten mit Zitat

Liebe d.frank,

Du hast Deinen Text mit "Philosophisches" gekennzeichnet. Das interessiert mich natürlich.

Dann wollen wir mal.

d.frank hat Folgendes geschrieben:
Territorialverhalten, denkt er und denkt schon im nächsten Moment daran, dass er so etwas nicht denken sollte. Eine gekonnt eingesetzte Wortwiederholung. Das gelingt nicht jedem.  Der Tisch in der Mitte der, wie er es ausgedrückt hätte Dieser Einschub verwirrt mich. Bitte verzeih mir, wenn mir jetzt die Fachterminologie fehlt. Im ersten Satz wird aus nächster Nähe geschildert, was er tatsächlich denkt. Im zweiten Satz, vermittelt durch diesem Einschub, steht, was er gedacht hätte, und zwar ohne irgendeine Einschränkung oder Bedingung. Das bekomme ich nicht auf die Reihe. Wenn der Prota etwas unbedingt so ausgedrückt hätte, warum hat er es dann nicht getan?, weitläufigen Küche, ist zum Dreh - und Angelpunkt geworden, wie ein letzter gemeinsamer Platz, an dem man dann doch nur seinen eigenen Erinnerungen nachhängt. Er könnte sich fragen, wann das angefangen hatte, aber das würde bedeuten, dass er die Erinnerungen und die Hoffnung gegen Für mein Gefühlt fehlt hier etwas wie: "die Gegenwart und". die Realität tauschen müsste. Es ist besser, hier zu sitzen und die klinischen Anzeichen zu analysieren, als im Moment ihres Aufkeimens zu reagieren, wie es das Herz einem sagen will, aber das Herz oder dieses Bewusstsein in der Brust, das hatte er irgendwann verlieren müssen, als die ersten Anzeichen aufgetaucht waren.
Wenn sie sich jetzt rein zufällig in der, wie er es ausgedrückt hätte, weitläufigen Wohnung begegneten, hatte Sophia dieses, nur in Ansätzen vorhandene Zorngesicht, das er früher mit weicher Stimme den Denker genannt hatte, obwohl er schon damals gewusst hatte, dass diese Begrifflichkeit so ganz und gar nicht zu dem gepasst hatte, was in diesen Momenten wirklich in Sophias Kopf hervorgegangen war. Es war der Zorn, er war es schon immer gewesen, deshalb die Weitläufigkeit, das Auseinanderrücken, die oberflächlichen, rein praktischer Art geführten Gespräche. Er hatte es einfach nicht wahrhaben wollen und er hatte auch nicht wahrhaben wollen, dass auch seine Versuche, die raren Momente inniger Zweisamkeit "Innig" ist aus meiner Sicht in "Zweisamkeit" enthalten. Ich würde - auch im Sinne des Leserhythmus zu "die raren Momente der Zweisamkeit" verkürzen., die sich, auf die Anzeichen reduziert betrachtet, auf einen Durchschnitt von etwa 5 zu 10 Jahren verteilten, nichts weiter als Betrug gewesen waren. Er hatte sie und sich selbst betrogen. Die Rollen waren verrutscht Nicht "vertauscht"?, alles, was er ihr heimlich vorgeworfen hatte, hatte er an sich selbst erkennen müssen. Er hätte sich jetzt fragen können, ob das schon immer so gewesen oder ein Aspekt der Anpassung gewesen war, aber an diesem Punkt brechen die Emotionen noch zu oft in seine rein analytischen Gedankengänge.
Heute Morgen hatte er ihren Duft gerochen, diese Mischung aus einem sorgsam auf sie abgestimmten Parfüm und dem Geruch ihrer Haut an einem entspannten Novembermorgen. Er hatte ihn nie als künstlich empfunden. Sophia hatte ein Art, den Dingen etwas von sich einzuhauchen, so als ginge sie eine Symbiose mit ihnen ein, ließ ihnen ihren eigenen Raum und verbrüderte sich mit Gemeinsamkeiten. Er hatte sie immer dafür bewundert, nur ihm gegenüber hatte dieser Bindungswillen irgendwann aufgehört. Es war nie eine wirkliche Fürsorge gewesen, eher ein Tauschgeschäft, Sophia gab und bekam und war dabei stets und sorgsam darauf bedacht, das Gleichwicht zu halten. Früher hatte er keinen Selbstzweck in ihren Taten erkennen können, jetzt erkannte er ihn bei sich selbst. Wenn die Gedanken einen auf solcher Art in die Knie zwingen wollen, muss man ihnen mit Tatkraft begegnen. Deshalb steht er jetzt auf und streicht sich die schäbig gewordenen Haare aus dem Gesicht über den Kopf. Vielleicht ist es nur die Angst, auf dem Markt nicht mehr zu funktionieren, dass man dann letztendlich in den Armen einer dickwürzigen Mittvierzigerin landet, die ihre Zeit und Freizeit und ihren unbändigen Gestaltungswillen in eine bessere Version von einem selbst zu investieren bereit ist. Man sagt, Liebe findet man nicht einfach mal so irgendwo, aber mittlerweile glaubt er daran, dass Liebe auch immer eine Vortäuschung falscher Tatsachen ist. So als ginge es nur darum, sich selbst in einem anderen wiederzusehen und sich damit in guter Gesellschaft zu befinden.
Er erinnerte sich an die Schwester eines alten Freundes, er hatte sie gehasst, sie war ihm so unähnlich wie es unähnlicher nicht gehen konnte und daran waren nicht nur die gegensätzlichen Geschlechter schuld gewesen, er hatte sie einfach gehasst, dafür dass sie die Schwester seines Freundes gewesen war. Sie hatte nicht über ihn nachdenken wollen, er nicht über sie, und daraus ergab sich eine Mauer, die einstweilen von winzigen Ausbrechern und Gemeinheiten einsturzgefährdet wurde, aber letztendlich waren sie sich gleichgültig gewesen, nichts, als zwei existierende Wesen, deren Welten sich kaum berührten und am Ende war es das, was die Liebe in die Wirklichkeit rettete: die Bereitschaft, jemanden an sich teilhaben zu lassen und an einem anderen teilhaben zu wollen.
In der Küche, auf dem dreckstarren Fensterbrett stehen Sophias bauchige Übertöpfe, sie nehmen die Sicht Die Sicht worauf? und sie nehmen dem Raum das Minimale, Er hatte auch sie immer gehasst, aber die Küche war ein Ort, an dem sich Sophia entfaltet hatte und in Anbetracht seiner Machtlosigkeit gegenüber offen eingestandenen Defiziten in der Haushaltsführung hatte er sie gewähren lassen. Eine Symbiose war auch immer ein Arrangement aus Ergänzungen. Man ergab sich den Tatsachen, dass jemand in bestimmten Dingen einfach besser als man selbst aufgestellt war und legte die Bereitschaft ab, sie erlernen zu müssen, weil man einfach davon ausging, dass es dem anderen genauso erging und sich nie etwas daran ändern würde - die perfekte Harmonie, eingebettet in eine als Liebe zelebrierte Zweckgemeinschaft. Die Gleichgültigkeit ist die höchste Form der Askese, man verzichtet einfach auf alles und ergibt sich seinem Schicksal. Dem Schicksal, dass man auf alte Phantasien angewiesen ist, wenn man auch nur den schalen Hauch eines ehemaligen Feuerwerkes erleben möchte. Die Symbiose zeigt sich in jeglicher Lebensführung. Am Ende trifft man sich nur noch, um die Dinge auszutauschen, für die man selbst keine Ressourcen ansparen konnte.
In dem ungelebten Leben draußen  verstecken sich die Selbstfindungskünstler, die die magische, weil auf emotionaler Basis eingegangene, Symbiose gegen alle ihre Abstufungen getauscht haben und belügen sich selbst, und das weiß er, weil er die höchste Form dieser geistigen Verbindung in seinem eigenen Experiment erfahren hatte und dass er es jetzt als Experiment betrachtet, zeigt wie weit er schon fortgeschritten ist und er weiß an diesem Punkt einfach nicht, ob das jetzt gut oder schlecht ist, Evolution oder Unmenschlichkeit, etwas aufzugeben, weil es einen nicht mehr füttert.
Weil die Zahnrädchen nicht mehr richtig ineinandergreifen und dafür sorgen, dass es stottert. Manchmal stottert er noch. Es sind diese Momente, wo sein mühsam angehäuftes Selbstsinnbild ins Wanken gerät, wo er eine fremde Stimme in sich auflachen hört und sich von sich selbst separiert, so als könne er sich aufteilen und dem Arglosen das Feld, es einfach geschehen lassen. Liebe ist immer auch Hingabe, Selbstaufgabe, loslassen und darauf hoffen, dass es niemand anderen gibt, der die Defizite besser abdecken kann.
Die eigene Macht ausspielen und sich gleichzeitig verletzlich zeigen.  Ein Trio aus bauchigen Übertöpfen, das einem jedes Mal, wenn man zulässt, dass es einem ins Blickfeld gerät, den Anflug von Zorn in die Gedanken spielt, den man wohlweislich hinter die Hingabe treten lässt, denn wie kann ich etwas empfangen, wenn ich nicht bereit bin, etwas dafür aufzugeben?
Er hätte gerne gewusst, welcher Art Gedanken in Sophias Kopf herumgeisterten. Er ging davon aus, dass es praktische waren, sie hatte sich vollends darauf verlegt, die praktischen Seiten ihrer Trennung anzugehen: Besitztümerteilung, Formalitäten, das Kunststück mit jemandem zusammenleben, mit dem man einmal zusammengelebt hatte.
Es ist etwas anderes, wenn man eine Symbiose gelebt hat. Die Abhängigkeiten gehen nicht einfach so weg, nur weil die Bedürfnisse nicht befriedigt werden. Er hatte immer noch das Bedürfnis, die Hand nach ihr auszustrecken. Selbst wenn sie mit ihrem Zornesgesicht und ihrer Aura eine sichtbar gewordene Mauer zwischen sich und ihn auf den Flur stellte, in dem sie sich ebenfalls ab und an mal trafen und auf die fehlende Weitläufigkeit zurückgeworfen worden, weil der Flur das einzige an der
Wohnung war, dessen Weitläufigkeit keine Rolle gespielt hatte.
Die Bedeutung eines Flures hatte er erst jetzt verstanden, wenn er diese plötzliche Unpersönlichkeit verspürte, den Charme eines öffentlich genutzten Ortes, dem die Leute ihre Fürsorge nur angedeihen ließen, weil sie dafür bezahlt wurden. Es hatten sich Ecken ausgebildet, wo früher symbiotisch genutzt worden war, jetzt beanspruchte jeder seinen eigenen Raum, in klarer Abgrenzung zum jeweils Anderen, unter der Offensichtlichkeit einer förmlichen Reservierung. Deins und Meins, am Ende geht es dann nur noch um das Deins und Meins und darum, sich unbewusst an jedes bisschen Gemeinsamkeit zu klammern und sei es nur die gerechte Verteilung ehemals gemeinsam gepflegter Interessen.


Der Text ist für mein persönliches Gefühlt zu selbstverliebt, geschwätzig, psychologistisch, aber viele finden das klasse. Also mach dir nichts draus. Was ich an Kritik in den Text hineingeschrieben habe, gilt allerdings unabhängig davon, dass ich mir der Stil nicht liegt.

Liebe Grüße

Pickman


_________________
Tempus fugit.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Deutsches Schriftstellerforum Foren-Übersicht -> Prosa -> Feedback Alle Zeiten sind GMT - 11 Stunden
Seite 1 von 1



 
 Foren-Übersicht Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst Deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst Deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht teilnehmen.
In diesem Forum darfst Du keine Ereignisse posten
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht posten
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht herunterladen


EmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlung

von Enfant Terrible

von Jarda

von JT

von silke-k-weiler

von BerndHH

von V.K.B.

von Beka

von Beka

von Minerva

von Nicki

Impressum Datenschutz Marketing AGBs Links
Du hast noch keinen Account? Klicke hier um Dich jetzt kostenlos zu registrieren!