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Verlust von Gelb


 

 
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cindysherman
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling

Alter: 42
Beiträge: 114
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 12.10.2016 10:54    Titel: Verlust von Gelb eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Die Trauer nimmt mich mit
durch Deine Welt
ich dachte es sei meine
aber als ich innehalte
die Bewegung betrachte
merke ich es

Zwei starke Pole
Ziehen mich hin und her
Ich bin so souverän
wie ein Splitter Eisen
zwischen zwei Magneten

Eine Kraft ist Freude
Übermut. Ich bin!
Die Adjektive entfallen
Im Gegensatz zu dir
Lebe ich

Atme, vergesse zu atmen
Schreibe, fühle, denke
Mache Pläne
Plötzlich und spät wird mir klar
Wie notwendig Pläne schmieden
Für menschliches Glück ist

Dann bin ich wie versteinert
Ich stehe oder sitze
Starre
Vermisse etwas Diffuses
Was war es noch?
Etwas so elementares wie
Gelb

Die Welt ist nicht mehr die Gleiche
Ohne Gelb
Ohne Dich
Als ich Dich zum ersten Mal sah
Trugst du eine Papiertüte über dem Kopf
Löcher drin für die Augen
Und gabst dein Bekenntnis ab
Zu Gelb

nun wirtschaftet  der Verstand
Versucht die neue Welt zu sortieren
Das geht trügerisch leicht
In der Versuchsanordnung zwischen zwei Polen

Schwarz-weiß, nord-süd, gut-schlecht, lebendig-tot

Alles lässt sich einordnen
sortiert ist es unbedrohlich
Bis auf das letzte Wort
Das alle verschlingt

Der Verstand kollabiert
Und die Poesie steht nackt da
So brutal
Das zarte Wesen

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Soleatus
Autor


Beiträge: 783



BeitragVerfasst am: 13.10.2016 18:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Cindysherman!

Hier höre ich einem "ICH" zu im Gespräch mit sich selbst (noch nicht einmal mit einem "DU") und erkenne mich als vollständig ausgeschlossen; der Text wendet sich nur nach innen, nicht aber einem Leser zu.

Das sagt selbstverständlich nichts über seinen Wert aus oder darüber, wie gut er gemacht ist; es erklärt nur, warum ich bedauernd festzustellen habe, dass ich hier nicht mitgehen, -fühlen, -denken kann.

(Ich habe an einigen Stellen etwas gezuckt angesichts der Groß- und Kleinschreibung, das erste Mal bei "Ziehen mich ...")

Gruß,

Soleatus
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cindysherman
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling

Alter: 42
Beiträge: 114
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 13.10.2016 20:01    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Soleatus,

Kann gut sein, ich hab sehr nicht an einen Leser gedacht dabei... Danke für das Feedback!

(ich will hier keine Ausflüchte anbringen; aber ich glaube, die Großschreibung kam automatisch von Word als ich eine neue Zeile begann. Weil ich so selten Gedichte schreibe war ich mir nicht sicher ob das so gehört. Offenbar nicht: wieder was gelernt.)
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cindysherman
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling

Alter: 42
Beiträge: 114
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 15.10.2016 23:22    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ist es beim Lesen ansatzweise klar geworden, dass hier jemand mit einer Bi-Polaren Störung (sprich manisch depressiv) betrauert wird?
Ich wollte es nicht zu deutlich machen, aber wenn es zu verklausuliert ist, bringt es ja auch nichts. Danke.
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Rainer Zufall
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 65
Beiträge: 799

Pokapro und Lezepo 2014


BeitragVerfasst am: 16.10.2016 09:32    Titel: Antworten mit Zitat

Nein, mir ist das nicht klar geworden.

Ich hab zwar ein Gefühl dafür gekriegt, dass etwas nicht stimmt, jemand anders reagiert als man das gewohnt ist, aber ich hätte jetzt noch nicht mal verstanden, ob das LI da von sich selbst spricht, oder von einem Du. Mir erschien ersteres einleuchtender.
Ansonsten aber erschien mir das Gedicht recht hermetisch. Abgeschlossen in sich. Konnt wenig Zugang gewinnen.
Ich hatte das Gefühl, das könnte daran liegen, dass du sehr viel beschreiben und erklären willst, Das wirkte, als kämen die Bilder und die Beobachtungen sich gegenseitig in die Quere.

Viele Grüße
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Aranka
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3382
Wohnort: Umkreis Mönchengladbach
Pokapro und Lezepo 2014



BeitragVerfasst am: 16.10.2016 10:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Cindyherman!

Was ich lese:

Ein LIch und ein LDu, welches „gegangen“ ist. Und nun in dem Verlust und der Trauer reflektiert das LI sich und das LDu und ihm gelingt scheinbar ein „besserer/ anderer“ Zugang zur Welt des LDu, das so verschieden ist vom LIch.

Ich lese, dass die Welt des DU nicht die des LI ist, gleich aus den ersten zwei Strophen und diese für das LI neue Erkenntnis versucht nun der Text zu erfassen und vor allem zu erklären. (Ob dafür ein Gedicht die richtige Ort ist?)

 „zwei starke Pole“ geben mir jedoch nicht unbedingt den Hinweis auf die von dir erwähnte Krankheit. Das es etwas Verstörendes gab im LD, wird für mich jedoch ersichtlich und ich weiß nicht, ob es wichtig ist, die „Krankheit“ als solche zu identifizieren. Ich würde den Text nicht als hermetisch bezeichnen. Für mich wir eher zu viel erklärt und aufgefaltet und in eine zeitliche und kausale Logik gebracht, die hier einer lyrischen Herangehensweise im Weg stehen.

Die Erfahrung, die das LI nun mit sich selbst macht und die Erkenntnisse, an die es sich herantastet, die Bilder, die sich dabei auftun, die Geheimnisse, die man nur spürt, …, für das alles wäre die Lyrik der richtige Ort.

Zitat:
nun wirtschaftet  der Verstand
Versucht die neue Welt zu sortieren
Das geht trügerisch leicht
In der Versuchsanordnung zwischen zwei Polen

Schwarz-weiß, nord-süd, gut-schlecht, lebendig-tot

Alles lässt sich einordnen


Das ist so eine Stelle, der ich vollkommen emotionslos gegenüberstehe, die einfach Fakten reiht und ich mich frage, was sollen die bei mir auslösen.

Zitat:
Atme, vergesse zu atmen
Schreibe, fühle, denke
Mache Pläne
Plötzlich und spät wird mir klar
Wie notwendig Pläne schmieden
Für menschliches Glück ist


Auch an dieser Stelle nimmt der Text mich nicht mit hinein, er hat keine Geheimnisse, benennt „allgemeine Erkenntnisse“ (Pläne schmieden ist notwendig für menschliches Glück). Na ja!

Zitat:
Dann bin ich wie versteinert
Ich stehe oder sitze
Starre
Vermisse etwas Diffuses
Was war es noch?
Etwas so elementares wie
Gelb


Auch hier: das sind starke Worte: „dann bin ich wie versteinert“. So wie das aber da steht, habe ich kein Bild eines „versteinerten Menschen“. Den Worten fehlt die richtige „Temperatur“, sie sind alle gleich „faktisch“ gesetzt, sie arbeiten etwas ab, werden zur nüchternen Analyse, entfalten keine Wirkkraft.

Und so wirken dann Zeilen wie die letzten auf mich wie ein gewaltig „aufgedonnerter“ Schlussakkord. Brutal!

Zitat:
Der Verstand kollabiert
Und die Poesie steht nackt da
So brutal
Das zarte Wesen



Ich versuche nun, den Text und das was er sein könnte mal einzuordnen. Ich könnte mir vorstellen, dass dieser Text ein Versuch ist, eine plötzlich neue und hoch emotionale Situation „in den Griff“ zu bekommen, sie in Worte einzufangen und auch ein wenig einzusperren. Man will etwas „ablegen“, „Herr werden“ über etwas, das geschehen und unverarbeitet ist. Das kann der Anfang sein, eine Grundlage, ein Klärungsversuch.
Lyrik wird daraus, wenn du das „Abgelegte/in Worte gesperrte“ wieder frei lässt, ihm Bilder suchst, die das Dahinter öffnen, Bilder, die Raum geben, die gerade die nicht erklärbaren Dinge berühren.

Lass den Text einfach ein wenig ruhen und wähle dann aus und suche dieser Begegnung und auch dem Schmerz des Verlustes Bilder.

Zitat:
Du trugst eine Papiertüte über dem Kopf
Löcher drin für die Augen


Diese zwei Zeilen zum Beispiel haben mir das LD kurz vor das Auge geholt. Und wären da nicht gleich Worte gefolgt wie: „Und gabst dein Bekenntnis ab Zu Gelb“, hätten sie sicherlich etwas weiter greifen und tragen können.

Liebe Grüße

Aranka


_________________
"Wie dahingelangen, Alltägliches zu schreiben, so unauffällig, dass es gereiht aussieht und doch als Ganzes leuchtet?" (Peter Handke)

„Erst als ihm die Welt geheimnisvoll wurde, öffnete sie sich und konnte zurückerobert werden.“ (Peter Handke)
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cindysherman
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling

Alter: 42
Beiträge: 114
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 17.10.2016 17:08    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für die detaillierte Kritik, Aranka!

Ich bin in der Lyrik wirklich nicht so Zuhause. Das mit dem LI, Lich und LD hab ich noch nie gehört.

Dein Tip, was der Text sein könnte, ist ganz richtig. Mal sehen, ob ich an die Bilder dahinter überhaupt ran komme.

Danke auch Dir, Rainer Zufall!
Damit hast du eine Frage beantwortet an der ich mich wirklich orientieren kann.

cindy
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cindysherman
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling

Alter: 42
Beiträge: 114
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 17.10.2016 21:53    Titel: Verlußt von Gelb pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ok, hier kommt ein neuer Versuch, aber es rutscht mir irgendwie nicht in einem Guss heraus... Danke für´s Lesen!


Die Frau hatte eine braune Papiertüte auf dem Kopf
sie sprach von dem Film
den sie darunter sah
für die Augen hatte sie Löcher gemacht
und zeigte ihre gebastelten Phantasmen aus bunten Fetzen

Ihr Film war luftig, leicht und und gelb
sie wollte an diesen Ort fahren
endlich finden
wo sie sicher ist,
verträumt und lustig nach Amarillo

zum Schluss zog sie die Papiertüte ab
eine Schönheit mit dunklem Haar
als ich sie wieder sah war es am Ansatz
grau geworden
Der Film nie vollendet
noch immer in ihrem Kopf

ich wollte sie stärken
ihr sagen, sie kann und muss weiter
über Hürden springen, fliegen
es lohnt sich für uns alle

Sie bedankte sich
und sprang
ins leere
ins schwarze

ich bin übrig und
so schwer

der Verlust von Gelb

die Trauer bringt mich in ihre Welt
zwei Pole übernehmen die Herrschaft
ich bin so autark
wie Eisenspäne
zwischen zwei Magneten

Bi Polar
eine Krankheit
wo man alles kann
und nichts

Übermut regiert:
Ich bin!
Die Adjektive entfallen
im Gegensatz zu ihr
lebe ich

Atme, schreibe, fühle, denke
Mache Pläne, großartige Pläne
plötzlich sehe ich
dass Pläne schmieden
menschliches Glück ist

Ich sehe alles, was fehlt
bin doch wie versteinert
nun wirtschaftet der Verstand
versucht die neue Welt zu sortieren

Schwarz-weiß, nord-süd, gut-schlecht, lebendig-tot
das geht trügerisch leicht
bis zum letzten Wort

der Verstand kollabiert
und die Poesie steht nackt da
so brutal
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