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Spokenhed


 
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Rike Charlotte
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 52
Beiträge: 248
Wohnort: In den Wäldern des Einhorns


BeitragVerfasst am: 05.08.2014 23:13    Titel: Horrorkrimi Spokenhed eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Ja, es ist richtig: Alle Texte sind "mein erstes Mal" wink
Sie werden nämlich parallel geschrieben und ich habe - wie schon gesagt - noch nie etwas veröffentlicht... mh

Ich versuche es hier mit der Einführung meines Horrorkrimis "Spokenhed"

Spokenhed
Nicht in hunderttausend Jahren


Prolog

Aschfahle Haut, eingefallene Wangen, die tiefliegenden Augen geschlossen, lehnt sie gekrümmt am Türrahmen.

Die Haare selbstgeschnitten, ehemals blond, stehen in langen Fransen ab, als wären sie elektrisiert. Die Schultern wirken immer noch muskulös, so, als wäre sie einmal athletisch gewesen. Die Arme in den kurzen Ärmeln des schmuddeligen, roten T-Shirts sind faltig wie die einer alten Frau. Tatsächlich aber scheint sie nicht älter als 38 zu sein.

Die beiden Polizeibeamten sind barsch. "Sie sind bekannt dafür, dass Sie Ärger machen!", grunzt einer von ihnen, der, der das Wort führt. Der zweite Beamte steht im Hintergrund. Er wird später das Protokoll schreiben, der Wortführer sich, wie üblich, im Gerichtssaal an nichts erinnern, falls es wider Erwarten zu einem Prozess kommen sollte. "Wenn das im Protokoll steht, dann wird das stimmen. Das Protokoll hat er geschrieben.", lautet die Standardantwort der Polizisten, die sich hin- und wieder gerne einen Spaß mit den Zugezogenen erlauben.

Sie, die Frau, die am Türrahmen lehnt, Spokenhed, kichert böse, ohne dabei die Augen zu öffnen. Dabei bewegen sich ihre beiden Mundwinkel in verschiedene Richtungen, einer nach oben, einer nach unten. Die viel zu weite Jeans schlottert um den ausgezehrten Körper.

Der großmäulige Wortführer zuckt einen Schritt zurück, schaut über seine Schulter zum Kollegen: "Zombie!", zischt er. Der Kollege nickt angewidert.
Spokenheds Mund steht nun halb offen, der Kiefer klappert hin und her.
"Sie sind gestört! Sie klopfen an die Wände.", behauptet der erste Polizist und macht drohend ein paar Schritte auf sie zu. Dabei schlägt ihm ein Halm des Unkrauts, das vor der Tür des Spokenhedschen Reihenhauses wuchert, ins Gesicht.

Spokenhed kichert. Blut läuft aus ihrer Nase. Sie nimmt ein Papiertaschentuch, dann das T-Shirt. Aus dem Shirt tropft das Blut auf die Jeans, läuft in kleinen Rinnsalen vor ihre Füsse, bis endlich die Blutung stoppt. "Ich muss arbeiten.", murmelt sie. Sie starrt durch ihre geschlossenen Lider.

Der großmäulige Wortführer schaut über seine Schulter zum Kollegen: "Zombie!", zischt er. Der Kollege nickt angewidert. Er macht ein paar drohende Schritte nach vorn. Unkraut schlägt in sein Gesicht. "Ich bin müde!", murmelt er, "ich muss mich hinlegen."

Spokenhed kichert. "Kommen Sie doch herein.", öffnet sie die Tür einladend weit. Aus dem Haus schlägt den Beamten Fäulnisgeruch entgegen. Der großmäulige Wortführer setzt sich auf die oberste Treppenstufe. Blut läuft aus seiner Nase, tropft auf seine Schuhe. "Hören Sie auf zu klopfen!", schnieft er.

"Kommen Sie doch herein. Ruhen Sie sich etwas aus.", lädt Spokenhed die beiden Beamten ein. Sie folgen ihr in eine stinkende Hölle, in der Essensreste, durch die sich Maden wühlen, auf dem Boden liegen. Die Flurtapete hängt in Fetzen von den Wänden. "Renovieren Sie?", gähnt der zweite Beamte.

Kommen Sie doch herein.", fordert Spokenhed die beiden Beamten auf. Sie gehen an der offenen Küchentür vorbei. Am Tisch sitzen drei Polizisten.

Sie drehen ihre faltigen Hälse und grüßen die Neuzugänge mit einem Nicken. Sie knallen abwechselnd Karten auf den Tisch. Trinken Bier. Die Uniformen schlottern um ihre ausgedörrten Körper. Die geschlossenen Augen liegen in schwarzen Höhlen.

"Kommen Sie doch weiter.", fordert Spokenhed die beiden Beamten auf. Sie öffnet die Wohnzimmertür.


Der Neue

"Heute nicht zum Dienst erschienen, gestern nicht abgemeldet.", lautet das Gerücht. "Schon sieben Beamte verschwunden.", murmeln die Kollegen. "Letzter Einsatz: Grünewaldstr. 34/36." "Da wohnt doch schon seit Jahren keiner mehr.", wendet ein Beamter ein, der erst vor Kurzem nach Viersen gezogen ist. Der Neue, Rangsal, erntet darauf drohende Blicke: "Halt du dich mal schön raus, bis du weisst, wie das hier läuft!" Rangsal hält das für einen Jux und lacht: "Was ist das, euer Halloween-Spaß für die Neuen?" "Du musst dich anpassen, sonst bist du hier ganz schnell weg vom Fenster.", droht ihm erneut einer seiner Kollegen und öffnet demonstrativ sein Waffenhalfter. "Alles klar, ich halte mich da raus.", dreht sich Rangsal um und steigt in seinen Dienstwagen.

Angst verdichtet sich, vernebelt seinen Blick, versteift schmerzhaft seine Schultermuskulatur. Er betätigt die Scheibenwaschanlage und wischt seine Angst und eine böse Vorahnung zusammen mit den Schlierstreifen weg. "Kann's losgehen?", ruft er seinem Partner zu. "Ihr habt ja vielleicht einen Humor hier. Da vergeht einem wirklich alles.", sagt er zu Polizist Daboli, der gerade einsteigt. "Halt du mal schön die Beine still. Wenn du dich hier nicht wohlfühlst, musst du eben gehen!", ist die Antwort. "Ja, so langsam habe ich das Gefühl, dass ich das tun sollte. Dumm nur, dass ich erst vor drei Monaten hierher gezogen bin. Aber vielleicht sollten wir trotzdem darüber nachdenken." Mit "wir" meint er sich und seine frischgetraute Ehegattin. "Du bildest dir nicht ernsthaft ein, dass Renate wegen dir aus Viersen wegzieht?" "Anscheinend kennst du meine Frau besser als ich?", versucht Rangsal die Aggressivität weg zu witzeln. "Herr Gott, ich glaube, du hast 'nen schlechten Tag.", ergänzt er. "Fahr und halt die Schnauze!", ist die schroffe Antwort. Rangsal ist kalt. Halloween-Kälte. Er schaltet die Klimaanlage ein. "Was für ein Arschloch!", denkt er.

Der Dienst verläuft heute ereignislos. Ein paar streitende Jugendliche, die getrennt werden müssen. Eine ältere Dame, der an der Theke der Bäckerei Martin das Portemonnaie abhanden gekommen ist. Daboli findet es vor der Ladentüre wieder. "Da bin ich aber froh!", bedankt sich die Dame. "Das bisschen Geld was drin war, ist zwar weg, aber die Papiere sind noch alle da - und auch das Foto von meinem Enkel. Sehen Sie mal, das ist unser kleiner Tim!", wendet sie sich an Daboli. Der fixiert sie, als hätte sie nicht alle Tassen im Schrank. "Ja, ist gut jetzt!", speist er sie ab. Peinlich verlegen sagt Rangsal: "Ist sicher ein lieber Junge!" "Ja, das ist er! Und so klug, er ist gerade einmal drei Jahre alt, der kleine Engel, und möchte jetzt schon Tierarzt werden - ist das nicht drollig?", lacht sie stolz. Tatsächlich trägt der blonde, blauäugige Tim, der von einer jungen, strahlend lächelnden Frau gehalten wird, einen kleinen Welpen auf dem Arm. Rangsal hält kurz inne und lauscht. Er meint, ein leises Weinen zu hören und schaut sich um. "Ein Shelty, richtig?", fragt er dann. "Ja, ja, ein Shelty. Es gibt nur wenig Menschen, die einen Shelty- von einem Collie-Welpen unterscheiden können. Sie sind wohl ebenfalls Hundeliebhaber?". Daboli schraubt an seiner Funke, ob nicht irgendein Befehl zu hören ist, der ihn aus dieser peinlichen Situation rettet. Er tritt Rangsal von hinten in die Kniekehle. Unverdrossen antwortet Rangsal: "Wir hatten immer Sheltys, als ich selber Kind war. Meine Eltern haben zwar nicht gezüchtet, aber wir hatten trotzdem einiges an Nachwuchs, was dann in der Familie und in der Nachbarschaft geblieben ist." "Ach", seufzt die alte Dame, "das klingt schön! Wie ein Gruß aus einer anderen Welt. Dann sind sie sicher ein richtiger Wildfang gewesen, Captain Rangsal?", lacht sie. "Mein Bruder und ich waren den ganzen Tag draußen - um ehrlich zu sein, haben wir uns sogar dann rausgemogelt, wenn wir eigentlich drinnen sitzen und Hausaufgaben machen sollten. Unsere besten Freunde hatten unsere Hunde und wir sind viel zusammen unterwegs gewesen. Fahrrad fahren, Frisbee werfen, Agility, Schwimmen, Skateboard fahren... wir waren eine wilde Meute. Aber Captain bin ich trotzdem nicht. Wie Sie sehen, bin ich bei der Streife, Frau Kliber.", erinnert er sich an den Namen in ihrem Personalausweis, den sie aus dem Portemonnaie gezogen und Daboli und ihm unter die Nase gehalten hatte. "Ich glaube, bei uns war es früher auch schön. Ich kann mich nicht mehr richtig erinnern.", murmelt Frau Kliber. "Ich bin froh, dass meine Tochter mit meinem Enkel nach Australien gegangen ist. Dort geht es ihnen besser." "Mh", brummt Rangsal, ohne wirklich zu verstehen, was Frau Kliber meint. Wieder stutzt er. Tonlose Schluchzer kriechen kalt in seinen Nacken, lassen ihn frösteln und seine Haare zu Berge stehen. "Was...?", fragt er verstört. "Es ist nichts, Captain Rangsal.", beruhigt ihn Frau Kliber. "Na, dann hoffe ich, dass Ihre Tochter Sie recht bald wieder besucht, damit Sie sehen können, was Ihr kleiner Enkel macht!", sagt er rasch. "Ach", seufzt die Dame noch einmal, "ich habe sie alle schon seit vielen Jahren nicht mehr gesehen! Deswegen ist mir das Foto auch so wichtig!" "Die Alte tickt nicht richtig, die ist dafür bekannt!", raunt Daboli Rangsal hörbar zu. "Lass uns endlich abhauen." Rangsal erntet zum Abschied einen traurigen Blick und ein "ganz herzlichen Dank für Ihre schnelle Hilfe, Captain Rangsal!" "Woher kennt sie meinen Namen?", fragt Rangsal den Kollegen, der ungeduldig mit den Schultern zuckt und die Autotür zuknallt.

Konzentriert starrt Rangsal auf das Lenkrad, während sein Kollege den Gurt anlegt. "Jetzt fahr schon!", ist der Kommentar. Rangsal öffnet langsam sein Waffenhalfter. "Oder brauchst du 'ne Extraeinladung?", pöbelt Daboli weiter. Ebenso langsam zieht Rangsal seine Waffe und entsichert sie. Daboli fängt an zu begreifen und starrt ihn an. Rangsal hält ihm die Dienstwaffe vor's Gesicht. Er starrt Daboli in die Augen, wirkt gelangweilt. "Was jetzt, was soll das?" Rangsal starrt Daboli an, zwinkert zweimal langsam. "Ja, jetzt habe ich aber die Schnauze voll!" Als Daboli nach der Waffe greift, senkt Rangsal sie langsam auf seine Brust. Daboli starrt Rangsal an, Rangsal starrt zurück. "Bist du jetzt übergeschnappt...", wird Dabolis Protest leiser. Rangsal drückt ihm die Waffe auf die Brust. Sie starren sich gegenseitig an, bis Dabolis Halsmuskulatur zu platzen scheint und seine geschwollenen Adern blau leuchten. Sein Gesicht wirkt maskenhaft, Schweissperlen tropfen von seiner Stirn. Rangsal starrt ihn an. Schließlich lässt er die Waffe sinken, sichert sie, steckt sie ins Halfter zurück. Er grinst und knurrt: "Halloween!". Unversehens drückt er aufs Gaspedal, so dass sie beide in die Sitze gepresst werden und rast um die Ecke.

Langweilig, langweilig und alles andere als locker-flockig. Oder ich lese meine eigenen Texte einfach zu oft Korrektur... ?

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Rike Charlotte
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BeitragVerfasst am: 07.08.2014 21:32    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

und weil sich bisher überhaupt niemand dafür interessiert und die ersten Seiten wieder - so wie fast immer bei mir - die schlechtesten sind, schiebe ich einfach noch ein paar Seiten hinterher.

Falls die qualitativ nicht besser oder vielleicht sogar schlechter sind, einfach anmerken, dann fange ich damit noch einmal ganz von vorne an oder ich lege es einfach in die Schublade.

LG, Rike Smile

Rot vor Wut trampelt Daboli in die Wache, während Rangsal den Wagen parkt: "Der muss weg, der macht Ärger!", murrt er die anderen an. Rangsal steht plötzlich hinter ihm und haut ihm beschwichtigend auf die Schulter: "Na, na, Kollege, ein bisschen Spaß muss sein!" Er geht weiter in's Dienstzimmer. "Wo kam der denn plötzlich her? Hat der das gehört?" Unbestimmtes Murmeln und Kopfnicken sind die Antwort.

Abends zuhause angekommen, findet Rangsal Renate in der Küche vor. Die mollige Enddreißigerin begrüßt ihren Mann gut gelaunt: "Es gibt Hackbraten. Wie war der Dienst?" "Mh, Hackbraten. Mitten in der Woche! Im Dienst gab's auch Hackbraten." "So schön war's also?", lacht sie, "Probleme mit Daboli?" "Ach, Probleme würde ich nicht sagen... wir mussten einfach ein paar Beziehungsschwierigkeiten überwinden. Ich hoffe, er hat's jetzt kapiert." "Es sind wieder zwei Kollegen verschwunden...", erwähnt er dann beiläufig, während er den Tisch deckt.

Renate macht ein dumpfes Geräusch, lässt die Schmorgabel fallen. "Spokenhed?", fragt sie, ohne sich umzudrehen. "Mh - was?", fragt er zurück. "Spokenwas? Die sind rausgefahren wegen einer einfachen Nachbarschaftsgeschichte und sind nicht wieder gekommen. Grünewaldstr. 34/36 - ich dachte, die Siedlung wäre seid Jahren leer?" "Spokenhed!", murmelt Renate. Sie hebt die Schmorgabel auf, dreht sich um, kalkweiss im Gesicht. Blut läuft aus ihrer Nase, tropft langsam auf ihr Sweatshirt . "Es gibt Hackbraten. Wie war dein Dienst?", fragt sie, ohne das Blut zu bemerken. "Du blutest ja,", bemerkt er bestürzt, "da, aus der Nase!" Er reicht ihr ein Küchenhandtuch. Sie greift danach, greift in die Luft. Das Handtuch fällt auf ihre Hausschuhe. "Lass mich das machen.", eilt Rangsal ihr mit einem Taschentuch zur Hilfe. Renate schlägt es ihm aus der Hand: "Hör auf zu klopfen!", sagt sie wütend.

"Du musst dich ausruhen!", führt Rangsal seine Frau ins Wohnzimmer und platziert sie auf dem Sofa. "So schön war's also?", lacht Renate. "Es gibt Hackbraten - wo ist meine Schmorgabel?", läuft sie unruhig in die Küche zurück. Rangsal ruft den Notarzt: "Meine Frau blutet aus der Nase und scheint verwirrt zu sein. Sie spricht nicht mit mir, sie wiederholt immer dieselben Sätze. Was kann ich tun, bis Sie hier sind?" Im Telefonhörer ist ein lautes Knarzen zu hören, dann ein Knacken. Ein wiederholtes Tuten, die Leitung ist belegt. Verzweifelt wählt Rangsal erneut. Da spürt er eine Hand auf seiner Schulter, ein leises Knurren schleicht durch seine Nervenbahnen. Er windet sich, dreht sich langsam um. Nichts. Niemand. Er geht in den Flur.

Renate steht schräg gegenüber in der Küchentür, in einer Hand noch immer die Schmorgabel: "Was ist los, geht es dir nicht gut? Es gibt Hackbraten, Schatz! Lass uns essen."

Er streicht angewidert über seine Schulter, schüttelt sich. Der Küchentisch ist perfekt gedeckt, in der Mitte steht der geschnittene Hackbraten, eine große Sauciere, die Kartoffeln dampfen. Rangsal ist verwirrt: "Was ist mit deiner Nase?" "Mit meiner Nase ist alles in Ordnung!", lacht sie. "Du bist ein Witzbold! Komm, lass uns essen." Ungeduscht und in Uniform setzt sich Rangsal zu ihr an den Tisch, wagt nicht, ihr zu widersprechen. Sie scheint sich erholt zu haben, kann sich wohl an ihren Zusammenbruch nicht erinnern.

Er möchte sie nicht aus dem Gleichgewicht bringen und langt gleich dreimal zu. "Lecker!", sagt er immer wieder. Ich werde sie beobachten. Vielleicht sollte sie einmal vorsorglich zum Arzt gehen. Gleich morgen werde ich einen Termin vereinbaren, nimmt er sich vor. Vielleicht gibt es ja eine Vorgeschichte. Wir kennen uns schließlich erst seit sieben Monaten. Er schluckt: Sieben Monate... Schluckt seine plötzlichen Bedenken dann mit einem Löffelchen selbstgemachter Mousse au Schocolade, mit echtem Rum verfeinert, hinunter. "Lecker!", brummt er ein letztes Mal.

Rangsal lernt Renate in Düsseldorf im Batida, einer thailändischen Cocktail-Bar, kennen. Er ist neu in Deutschland und frisch geschieden. Enee, seine Traumfrau, das Mädchen, mit dem er schon als Vierjähriger durch die Büsche gekrochen ist, hat ihn wegen eines anderen, wegen eines Fremden, verlassen. Er kennt nicht einmal dessen Namen, bis Jean Enee gut gelaunt bis in's Scheidungsgericht folgt.
Als Rangsal zornentbrannt anschwillt, bis ihm die Uniform zu platzen droht, verlässt Jean aber nicht nur das Scheidungsgericht, sondern auch Enee schneller, als diese seine Klamotten aus dem Kleiderschrank räumen und im Garten sorgfältig zu einem bunten Scheiterhaufen schichten kann.

Rangsal zieht noch am selben Tage aus dem malerischen Irland nach Deutschland, dorthin, von wo vor fast genau 33 Jahren seine Eltern ausgewandert waren.

Das zumindest ist die Geschichte, die Rangsal Renate im Batida erzählt. Dass Renate das Gefühl nicht los wird, es gäbe ein Detail, das Rangsal ihr beharrlich verschweigt, sagt sie ihm nie. Mit ihrer guten Laune lenkt sie den liebeskranken und bereits stark alkoholisierten Rangsal schnell ab. Renate hatte Pech im Leben. Sie hat aber den Mut aber nie verloren, steht mitten im Leben, ist eine Frohnatur, sagt sie.

"Plattitüdenfräse" nennt Mathei, Rangsal's Cousin aus Hamburg, sie überaus freundlich. Mathei, ebenfalls frisch verlassen, und ebenfalls sehr unglücklich damit, hat sich bei der Kripo, für die er seit über zwanzig Jahren tätig ist, beurlauben lassen. Der Resturlaub dieses ehrgeizigen Beamten reicht für zwei Monate Abstand vom Alltag, vom Alltag und von seiner Noch-Ehefrau Ingrid. Zusammen ziehen Rangsal und Mathei durch die Irischen Pubs und Cocktail-Kneipen der deutschen Großstädte, einen weiten Bogen um Ingrid und ihren neuen Freund machend. "Ein sehr weiter Bogen!", meint Rangsal, als ihm klar wird, dass er während seines Besuches bei Mathei Hamburg nur aus der Ferne sehen und einen Großteil seiner Zeit in Taxis und Pensionszimmern verbringen wird. "Mmh...", brummelt Mathei daraufhin in sein Whiskeyglas, "Alternative: Flugzeug, Irland!"

Der neue Lebensstil lockert die Stimmung zusehends auf, Schlendrian und Single Malt Whiskey lassen die beiden zwar ein wenig ungepflegt, hin und wieder aber auch euphorisch erscheinen. Die gehobene Stimmung geht in der Regel mit etwas Unschärfe einher, und so lässt sich Rangsal gerne von Renate aufheitern, die er anschließend noch einige Male in Düsseldorf trifft.


Dass er für Frauen attraktiv ist, ist Rangsal bewusst. Fast jeden Abend zeigt eine Frau Interesse an ihm, fast jede von ihnen ist attraktiver als Renate. Der kurze Flirt mit ihr scheint unverbindlich, eine von vielen, am nächsten Morgen aber keine Option zu sein. Er sammelt Telefonnummern, belanglose Konversation, attraktive Gesichter, ohne irgendetwas davon wirklich wahr zu nehmen. Er ist spendabel, kann es sich leisten, seine Familie hat Geld und er interessiert sich nicht dafür.

Fast seine gesamte Kindheit und Jugend hat Rangsal im Freien verbracht, und so ist aus dem zierlichen, von Allergien gequälten Kleinkind ein athletischer, 1,92 Meter großer Sympath mit zwar recht kantigem, aber freundlichen, wettergegerbten Gesicht und etwas ungestümen Charakter geworden. Selten bringt ihn etwas wirklich aus dem Gleichgewicht. Daher ist Renate, als er am Tag, der auf den Hackbraten folgt, schweigend vom Dienst zurückkehrt, von Rangsal's versteinertem Gesichtsausdruck und dem zementartigen Teint geschockt.

Am Morgen kann Rangsal Renate nichts von ihrem gestrigen Zusammenbruch anmerken, so dass er in der Dusche gemeinsam mit einem wasserdichten Miniradio sorglos eine Punkversion von "Over the rainbow" trällert, trällert oder besser gesagt: brüllt. Zugegebenermaßen gibt er schon vor dem Frühstück einem echten, irischen Whiskey nach, der ihm exakt in dem Moment goldschimmernd zulächelt, in dem er einen Anruf von Daboli erhält. Wie sich dann herausstellt, kann Daboli leider nicht zum Dienst antreten. "Hatte heute Nacht 'n Anfall von Migräne und hohen Blutdruck. Bin jetz' krank geschrieben, meld' mich morgen wieder.", knurrt Daboli, wobei er seltsam gurgelt, als hätte er gerade die Zahnbürste im Mund. Ohne Weiteres legt er auf.

Gutgelaunt fährt Rangsal auf's Revier. Die Kollegen sind freundlich, der Halloween-Spaß scheint vergessen. Ein paar Starenkästen werden umgesetzt, Papierkram ist zu machen, am Nachmittag fährt Rangsal mit dem Kollegen Nolte Streife. Es ist so bewölkt, dass sie schon kurz vor drei kaum mehr die Hand vor Augen sehen. Auf der Landstraße gibt Rangsal Gas, fährt sportlich durch eine S-Kurve, als der Opel über ein Hindernis zu holpern scheint. Es kracht, der Wagen setzt auf, Blech kreischt auf Asphalt: "Shit!", flucht Nolte,

 "Was war denn das?" Rangsal schaltet das Blaulicht ein, hält auf dem Grasstreifen, setzt etwas zurück. Nolte greift Signalwesten und Taschenlampen aus dem Kofferraum, als plötzlich die Fahrbahnbeleuchtung ausfällt. "Was zum Teufel ist hier los?", fragt Rangsal und sie laufen die zwei Meter zu der Stelle zurück, an der sie auf das Hindernis gestoßen sein müssten. "Ich sehe hier nichts...", flucht Rangsal und auch Nolte läuft ratlos ein paar mal hin- und her. Sie überqueren die fast makellos glatte Straße: "Kann das was Lebendes gewesen sein?", fragt Nolte unsicher, woraufhin er leise und tonlos von links hört: "Mir ist kalt... ich friere!" "Was? Jetzt hör aber auf!", poltert er los und vermutet Rangsal dicht neben sich. "Was ist los? Hast du was gefunden?", fragt Rangsal von der anderen Straßenseite zurück. Zweifelnd sieht Nolte sich um und leuchtet durch die Dunkelheit, ein kalter Schauer läuft ihm über den Rücken, als er mehrere lange Seufzer hört. Wütend durchkämmt er das hohe Gras am Straßenrand, fährt mit der Hand hindurch, um sicher zu gehen, dass dort niemand liegt, läuft ein Stück auf das Stoppelfeld, leuchtet wieder: "Nichts. Hast du was?" Dichter Nebel steigt auf, streut das Licht der Taschenlampen und macht es endgültig unmöglich, weiter zu suchen. "Gar nichts, hier ist gar nichts, nicht mal ein Schlagloch, verdammt. Ich guck mir mal den Unterboden an.", sagt Rangsal und leuchtet so gut es geht unter den Wagen.

"Ich sehe nichts, ist vielleicht nicht beschädigt." "Also weiter!", meint Nolte, "Wir können morgen früh noch mal kontrollieren. Den Wagen bringe ich direkt nach dem Dienst zum Schnellcheck in die Werkstatt." In der Ferne jault ein Hund.
Carsten, ein schwerer Golden Retriever, läuft aufgeregt japsend hin und her, die Nase am Boden. Schniefgeräusche und kurzes Bellen wechseln einander ab, wenn er den Kopf hebt, um sein Herrchen zu rufen. Herr Baltei, ein freundlicher, älterer Herr, der erst vor wenigen Monaten mit seiner Frau in ein kleines, sehr gepflegtes Häuschen mit hölzernen Fensterläden in der Friedrichstraße eingezogen ist, schüttelt den Kopf. "Carsten! Komm her! Bei Fuß! Was ist los?", ruft er dem Hund hinterher, der sonst eher gehorsam und sehr gelassen ist. Carsten kommt ihm auf halbem Weg entgegen, läuft dann zurück, mitten auf die Landstraße, schnuppert, hebt den Kopf und heult. "Kommst du sofort von der Straße runter? Was ist los mit dir, Kerl? Bei Fuß, Carsten!". Baltei läuft nun ebenfalls auf die Straße, die Leine in der Hand, von der Carsten sich losgerissen hat. Die Fahrbahnbeleuchtung fällt plötzlich aus, ohne Vorwarnung, ohne Summen oder Flackern. Es ist dunkel, so dunkel, dass er die Hand vor Augen nicht sieht.

Er stolpert - worüber? "Carsten, bist du das?" Er ist nun in etwa an der Stelle, an der Carsten zuvor so aufgeregt geschnuppert hat und fühlt Carsten's feuchte Nase an der Hand. Er greift nach dem Halsband, blind, doch schon ist Carsten wieder weg.  Er greift noch einmal zu, spürt Carsten an seinem Hosenbein, glaubt, ihn packen zu können. Er schreit entsetzt auf, denn das, was er da umklammert, ist kein Hundefell. Knöchern greift es nach ihm, was auch immer es ist.

"Aah...", stöhnt Baltei angewidert und lässt los. Das Knöcherne windet sich um seine Finger, hat einen erstaunlich festen Griff. Er reisst daran, um loszukommen, es packt fester zu. Er reisst mit der freien Hand an seinem Arm. Es zieht, zieht ihn zu sich hin, hat so eine Kraft, dass seine Füsse über den Asphalt rutschen.

Da fühlt er endlich Hundefell an seiner Hand. Carsten bellt wütend, hat sofort begriffen, dass sein Herrchen in Not ist. Er beisst wie tollwütig in das Knöcherne, Baltei zieht wieder - und ist endlich frei. Er macht einen Satz zurück, noch einen, und noch einen. Carsten lässt nicht von dem ab, in das er sich da festgebissen hat, also bleibt Baltei geschockt und unschlüssig in kurzer Entfernung stehen.

Er hört Motorengeräusch. Von hinten? Von vorne? "Verdammt, Carsten, komm jetzt her!"  schnappt er aus einiger Distanz wieder nach dem Hund und bekommt ihn endlich am Fell zu packen. Unsanft reisst er den Hund mit sich, kann nun Abblendlicht sehen, gar nicht mehr weit entfernt. Er winkt - vergeblich, das Auto ist nicht schnell, wird aber anscheinend auch nicht langsamer. Wieder reisst er an dem Hund, der sich widersetzt und nach dem Asphalt zu schnappen scheint. Nebel steigt auf. Baltei stolpert erneut, wirft dabei den Hund um und fällt auf ihn. Er liegt auf Carsten, in Panik befestigt er mit zitternden Händen die Leine am Halsband, indem er sie darum schlingt und verknotet, weil er erst die Öse nicht findet, und dann den Haken nicht durch die Öse bekommt. Mit Gewalt stolpert er von der Fahrbahn und reisst den jaulenden Carsten mit sich. Am Straßenrand winkt er wieder aufgeregt und mit zerrissenem Jackenärmel, den widerspenstigen Hund zwischen die Beine geklemmt. Im letzten Moment wird er gesehen, der Fahrer bremst scharf...

"Polizei!", winkt Baltei sie erleichtert zu sich, "Das trifft sich gut." Er gewinnt seine Fassung zurück, fragt sich, wovor er so furchtbare Angst hatte, "ich habe mich da mitten auf der Straße in etwas verfangen!" Zwei Beamte steigen aus. "Ja, sind sie denn verrückt? Ich hätte sie fast überfahren!", ruft einer von beiden, ein Hüne mit breiten Schultern, der dann im Scheinwerferlicht den Hund und den zerrissenen Jackenärmel sieht, den beschmutzten Mantel und das verschreckte Gesicht. "Entschuldigen Sie!", ruft Baltei Rangsal entgegen und winkt wieder. "Hier ist irgendwas auf der Straße - mein Hund beruhigt sich überhaupt nicht mehr, ich hab den nicht zurückholen können. So was tut er sonst nie, ist auch an der Leine gewesen, hat sich aber losgerissen." "Was ist es denn?", fragt der zweite Beamte, Nolte, mit seltsam eiskalter Stimme.

"Ich glaube, ich habe mich da mitten auf der Straße in etwas verfangen!", wiederholt Baltei unsicher und bedauert im nächsten Moment, dass er das überhaupt erwähnt hat. "Ich habe keine Ahnung, vielleicht einfach ein Kaninchen!", lügt er verwirrt, unfähig, seine Stimme zu kontrollieren, so dass er die zweite Hälfte seiner Antwort brüllt. "Ich habe Carsten noch nie so aufgeregt erlebt. Ich kann einfach nichts erkennen im Dunkeln - und jetzt auch noch der Nebel.", verlegen beugt er sich zu Carsten hinunter, tätschelt ihm den Hals, umarmt ihn dann und flüstert: "Danke, Kumpel!". Carsten leckt ihm durch's Gesicht.
Die beiden Beamten sehen sich an. "Wollen Sie denn nicht nachschauen?", drängt Baltei irritiert und zugleich wütend, als ginge es um Leben und Tod. "Klar!", sagt einer von beiden nach kurzem Zögern, steigt in den Wagen, startet Warnlicht und Sirene und parkt das Auto mitten auf der Straße, nur knapp von der Stelle entfernt, auf die Baltei zeigt. "So geht's natürlich auch... so sehen wir wenigstens etwas!", schreit Baltei gegen die Sirene an, den junkenden und zerrenden Hund noch immer zwischen den Beinen. Die beiden Polizisten stellen sich vor den Wagen, die Leuchtwesten strahlen gelb im Scheinwerferlicht. "Sehen Sie etwas?", ruft Baltei, als er sieht, wie Rangsal die Hand vor's Gesicht hält und sich abwendet, während Nolte zum Straßenrand läuft, um sich zu übergeben. "Was?", fragt Baltei ungläubig, humpelt halbherzig mit dem Hund zwischen den Knien zum Auto, doch Rangsal versperrt ihm den Weg. "Treten Sie bitte zurück.", sagt er und funkt die Kollegen an: "Wir brauchen hier die Spurensicherung, wir haben
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fabian
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Beiträge: 134



BeitragVerfasst am: 08.08.2014 00:06    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Rike Charlotte,

Zwei Textabschnitte mit ca 27100 Zeichen - das ist ziemlich viel, liest sich aber beim ersten Reinschauen ganz interessant.
Bei der Textmenge will Gut Ding aber Weil haben - deshalb erstmal nur eine Frage vorweg:
der zweite Textabschnitt bricht mitten im Satz ab.
Hat da die Forensoftware zugeschlagen oder wars Absicht?
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Constantine
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2711

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 08.08.2014 03:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Rike Charlotte,

zunächst einmal Formales:
der Grund warum du einerseits wenig Resonanz auf deinen Text erhalten hast, kann an der Textlänge liegen, andererseits solltest du den Mitgliedern hier genügend Zeit lassen, um sich deinen Text durchzulesen, sich darüber Gedanken zu machen und eventuell dir ein Feedback zu schreiben. Es kann einige Tage, aber auch durchaus eine Woche dauern, dass man Feedback bekommt.
Die hier von dir eingestellten Passagen sind ziemlich lang, können manchen Leser in der dargebotenen Länge abschrecken überhaupt mit dem Lesen anzufangen und ich würde dir raten, deinen Text in mehreren Teilen bestehend aus maximal 2000 Wörtern, im Allgemeinen 500-1500 Wörter, einzustellen, um die Chance gelesen und kommentiert zu werden zu erhöhen. Überlange Texte kannst du mit der Fortsetzungs-Funktion "portionieren".

Konkret zu einem Teil deines Textes:
Ich habe deinen Prolog gelesen und ich musste mich durchkämpfen. Er enthält viele Fehler und Wiederholungen, die den Lesegenuss stark mindern. Einiges ist dir durcheinander geraten, anderes ist verworren, ohne Zusammenhang und unmotiviert. Es wiederholt sich vieles deiner Szene mehrfach, viele Formulierungen wiederholen sich und mehrere Fassungen der gleichen Abläufe folgen aufeinander.
In blau mein Kommentar,
in grün meine Verbesserungsvorschläge
ich denke, die anderen Farben sprechen für sich.

Ich möchte dir raten, lies deinen Text, den du einstellen möchtest, vorher gewissenhaft, denn solche Schludrigkeiten stossen sehr negativ auf. Wenn sich der Autor keine ernsthafte Mühe macht seinen Text abzuchecken, warum sollte sich dann der Leser die Mühe machen überhaupt ein Feedback zu schreiben.

Zitat:
Prolog

Aschfahle Haut, eingefallene Wangen, die tiefliegenden Augen geschlossen, lehnt sie gekrümmt am Türrahmen. <-- für einen Anfangssatz finde ich diesen hier ungeignet. Er ist mir zu überfrachtet und allein schon hier musste ich ihn mehrmals auf mich wirken lassen/mehrmals lesen, bevor ich weiterlesen konnte. Ein spontaner Vorschlag als Beispiel: Sie lehnt gekrümmt im Türrahmen. Ihre aschfahle Haut lässt sie geisterhaft erscheinen. Hinter eingefallenen Wangen und geschlossenen, tiefliegenden Augen lacht sie in sich hinein.

Die Haare selbstgeschnitten, ehemals blond, stehen in langen Fransen ab, als wären sie elektrisiert. <-- dieser Satz liest sich für mich grammatikalisch schief und ich frage mich, inwiefern diese Infos, ob die Haare ehemals blond waren, ob sie selbstgeschnitten sind, wichtig sind. Du könntest sie einsparen und den Satz vereinfachen:Die Haare stehen wie elektrisiert in langen Fransen ab. Die Schultern wirken immer noch muskulös, so, als wäre sie einmal athletisch gewesen. Die faltigen Arme im den kurzen Ärmeln des<-- ein T-Shirt besteht aus kurzen Ärmeln, insofern ist es redundant und unnötig dies zu erwähnen schmuddeligen, roten T-Shirts sind ähneln denen einer alten Frau, obwohl sie nicht älter als 38 ist. faltig wie die einer alten Frau. Tatsächlich aber scheint sie nicht älter als 38 zu sein. <-- So wie du mit deiner Beschreibung der Proatagonistin begonnen hast, ist mir dein "scheint" von der Erzählperspektive zu distanziert. Ich denke, der Erzähler weiss wie alt sie tatsächlich ist. Mein Vorschlag wäre, du könntest den vorigen Satz mit diesem fortsetzen: ,obwohl sie nicht älter als 38 ist.

Die beiden Polizeibeamten sind barsch. <-- ich finde diesen Satz unschön und als Einführung der beiden Polizeibeamten, vorallem der zweite Polizist ist sehr passiv, und als weitere Ausschmückung der Szene zu abrupt und eher nichtsagend. Wie wäre es hiermit: Ein Polizeibeamter stampft auf sie zu. "Sie sind bekannt dafür, dass Sie Ärger machen!", grunzt er einer von ihnen, der, der das Wort führt.<-- kannst du weglassen, weil es eine unnötige Info ist und doppelgemoppelt ist. Aufgrunddessen, dass er spricht, führt er das Wort. Der zweite Beamte Sein Kollege steht im Hintergrund und notiert sich im Geiste den Vorfall, den er später protokollieren wird. Er wird später das Protokoll schreiben, der Wortführer sich, wie üblich, im Gerichtssaal an nichts erinnern, falls es wider Erwarten zu einem Prozess kommen sollte. "Wenn das im Protokoll steht, dann wird das stimmen. Das Protokoll hat er geschrieben.", lautet die Standardantwort der Polizisten, die sich hin- und wieder gerne einen Spaß mit den Zugezogenen erlauben.

Sie, die Frau, die am Türrahmen lehnt, <-- da es in dieser Szene nur eine Frau gibt, ist klar, dass mit "sie" nur die Frau im Türrahmen gemeint sein kann. Kannst du weglassen. Spokenhed, kichert böse, ohne dabei die Augen zu öffnen.<-- da sie weiterhin die Augen geschlossen hat, brauchst du dies meiner Meinung nach nicht nochmal erwähnen. Dabei bewegen sich ihre beiden Mundwinkel in verschiedene Richtungen, einer nach oben, einer nach unten. Die viel zu weite Jeans schlottert um den ausgezehrten Körper. <-- ich verstehe diese Info im Bezug zum Kichern nicht.

Der großmäulige Wortführer zuckt einen Schritt zurück, schaut über seine Schulter zum Kollegen: "Zombie!", zischt er. Der Kollege Sein Partner nickt angewidert.
Spokenheds Mund steht nun halb offen, der Kiefer klappert hin und her.
"Sie sind gestört! Sie klopfen an die Wände.", behauptet brüllt der erste Polizist und macht geht drohend ein paar Schritte auf sie zu. Dabei schlägt ihm ein Halm des Unkrauts, das vor der Tür des Spokenhedschen Reihenhauses wuchert, ins Gesicht.

Spokenhed kichert. Blut läuft aus ihrer Nase. Sie nimmt ein Papiertaschentuch, dann das T-Shirt. Aus dem Shirt tropft das Blut auf die Jeans, läuft in kleinen Rinnsalen vor ihre Füsse, bis endlich die Blutung stoppt. "Ich muss arbeiten.", murmelt sie. Sie starrt durch ihre geschlossenen Lider.

Der großmäulige Wortführer schaut über seine Schulter zum Kollegen: "Zombie!", zischt er. Der Kollege nickt angewidert. Er macht ein paar drohende Schritte nach vorn. Unkraut schlägt in sein Gesicht. <-- doppelt. "Ich bin müde!", murmelt er, "ich muss mich hinlegen." <-- Zusammenhang! Warum sollte der Polizist dies sagen?

Spokenhed kichert. "Kommen Sie doch herein.", öffnet sie die Tür einladend weit. Aus dem Haus schlägt den Beamten Fäulnisgeruch entgegen. Der großmäulige Wortführer setzt sich auf die oberste Treppenstufe. Blut läuft aus seiner Nase, tropft auf seine Schuhe. <-- zuerst blutet sie aus der Nase und das Blut tropft. Nun blutet er aus der Nase und das Blut tropft auf seine Schuhe.  ??? "Hören Sie auf zu klopfen!", schnieft er.

"Kommen Sie doch herein. Ruhen Sie sich etwas aus.", lädt Spokenhed die beiden Beamten ein. Sie folgen ihr in eine stinkende Hölle, in der Essensreste, durch die sich Maden wühlen, auf dem Boden liegen. Die Flurtapete hängt in Fetzen von den Wänden. "Renovieren Sie?", gähnt der zweite Beamte.

Kommen Sie doch herein.", fordert Spokenhed die beiden Beamten auf. Sie gehen an der offenen Küchentür vorbei. Am Tisch sitzen drei Polizisten. <-- die Polizisten betreten 2x Spokenheds Haus. Ich denke, in den Abschnitten ist dir einiges durcheinander geraten, mehrere Versionen der gleichen Szene, weil sich vieles wiederholt.

Sie drehen ihre faltigen Hälse und grüßen die Neuzugänge mit einem Nicken. <-- wenn die Polizisten geschlossen Augen haben, würde ich es hier bei der Begrüßung erwähnen. Sie knallen abwechselnd Karten auf den Tisch. Trinken Bier. Die Uniformen schlottern um ihre ausgedörrten Körper. <-- oben schlottern Spokenheds Jeans um ihren ausgezehrten Körper, hier sind es die Uniformen der Polizisten. Ist diese Wiederholung der Beschreibung beabsichtigt? Die geschlossenen Augen liegen in schwarzen Höhlen.

"Kommen Sie doch weiter.", fordert Spokenhed die beiden Beamten auf. Sie öffnet die Wohnzimmertür.


LG,
Constantine
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Rike Charlotte
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BeitragVerfasst am: 08.08.2014 09:38    Titel: fehlendes Satzende pdf-Datei Antworten mit Zitat

fabian hat Folgendes geschrieben:
Hallo Rike Charlotte,

Zwei Textabschnitte mit ca 27100 Zeichen - das ist ziemlich viel, liest sich aber beim ersten Reinschauen ganz interessant.
Bei der Textmenge will Gut Ding aber Weil haben - deshalb erstmal nur eine Frage vorweg:
der zweite Textabschnitt bricht mitten im Satz ab.
Hat da die Forensoftware zugeschlagen oder wars Absicht?


Hallo Fabian,
herzlichen Dank für den aufmunternden Kommentar und die Hilfestellung! Ich werde in Zukunft kleiner stückeln. Ich finde halt nur, dass hier der Erzählstil mindestens einmal komplett geändert wird und sich die Qualität ändert, deswegen ist der Text so riesig.
Der abgebrochene Satz war ein Versehen, die Software lässt solche Riesenposts anscheinen problemlos zu.

Ich vervollständige hier den Satz:

"Wir brauchen hier die Spurensicherung, wir haben eine... eine Leiche gefunden. Nein, hier im Asphalt, wir brauchen sofort 'ne Straßensperre. Wir können Sie NICHT beiseite tragen! Sie ist IM ASPHALT!", brüllt er in die Funke.

Ganz lieben Dank,
Rike!
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Lotta
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BeitragVerfasst am: 08.08.2014 09:40    Titel: Re: Horrorkrimi Spokenhed Antworten mit Zitat

Hallo Rike,

mir gefällt die Geschichte sehr. Klar, es muss noch gefeilt werden, aber für einen Neuling finde ich es schon beachtlich.

Zum ersten Satz - damit hast du mich sofort.
Auch machen die Wiederholungen, als Stereotypen gedacht, Sinn, müssen aber noch stilistisch bearbeitet werden.

Und! Gib den beiden Polizisten gleich zu Beginn Namen. Das macht es dem Leser leichter, dem Text zu folgen.

Zur Verwirrung - wer da wem die Waffe auf die Brust gesetzt hat, habe ich erst nach 5 mal Lesen gerafft.

Mal nur einige grobe Anmerkungen von mir:

Spokenhed

Nicht in hunderttausend Jahren


Prolog

Aschfahle Haut, eingefallene Wangen, die tiefliegenden Augen geschlossen, (lehnt sie gekrümmt (würde ich weglassen) (am Türrahmen lehnend)

(Die Haare selbstgeschnitten, ehemals blond,) (interessiert mich als Leser nicht, tut mE nichts zur Sache.) stehen in langen Fransen ab, als wären sie elektrisiert. (Die Schultern wirken immer noch muskulös, so, als wäre sie einmal athletisch gewesen.) (würde ich weglassen) Die Arme (in den kurzen Ärmeln des schmuddeligen, roten T-Shirts) (würde ich weglassen) sind faltig wie die einer alten Frau. Tatsächlich aber scheint sie nicht älter als 38 zu sein. (38 ist nicht greifbar, nimm eine runde Zahl).

Die beiden Polizeibeamten sind barsch. (sind sie doch gar nicht, der Eine ist doch ganz zahm) "Sie sind bekannt dafür, dass Sie Ärger machen!", grunzt einer von ihnen, der, der das Wort führt. (Wenn barsch, dann wirklich barsch. "Grunzen" ist nicht barsch. Da entsteht bei mir das Bild, dass der Polizist einen Schweinekopf hat. Und sonst- kürzer fassen, knackiger.)

Der zweite Beamte steht im Hintergrund. Er wird später das Protokoll (Im Protokoll wird stehen...) schreiben, der Wortführer sich, (wie üblich, im Gerichtssaal) (würde ich weglassen) an nichts erinnern, falls es (wider Erwarten) (würde ich weglassen) zu einem Prozess kommen sollte. "Wenn das im Protokoll steht, dann wird das stimmen. (Das Protokoll hat er geschrieben.", lautet die Standardantwort der Polizisten, die sich hin- und wieder gerne einen Spaß mit den Zugezogenen erlauben.) (Ich verstehe den Sinn darin nicht.)

Vorschlag:
"X" hält sich im Hintergrund. Im Protokoll wird stehen..."Y" wird sich an nichts erinnern. Wie gehabt."


Sie, die Frau, die am Türrahmen lehnt, (Sie, immer noch am Türrahmen lehnend, kichert bedrohlich...) (Spokenhed), (Oh, wer ist das denn?) (Dabei bewegen sich ihre beiden Mundwinkel in verschiedene Richtungen, einer nach oben, einer nach unten. Die viel zu weite Jeans schlottert um den ausgezehrten Körper.) (würde ich weglassen)

Der (großmäulige) (weglassen) Wortführer zuckt einen Schritt zurück, schaut über seine Schulter zum Kollegen: "Zombie!", zischt er. (die Erwähnung ist unnötig, der Leser ahnt das längst.) Der Kollege nickt angewidert.
Spokenheds Mund steht nun halb offen, der Kiefer klappert hin und her.
("Sie sind gestört! Sie klopfen an die Wände."),(würde ich so nicht formulieren - evtl. andeuten.) behauptet der erste Polizist und macht drohend ein paar Schritte auf sie zu. (Dabei schlägt ihm ein Halm des Unkrauts, das vor der Tür des Spokenhedschen Reihenhauses wuchert, ins Gesicht.) (ist mE unrealistisch.)

Spokenhed kichert. Blut läuft aus ihrer Nase. Sie nimmt ein Papiertaschentuch, dann das T-Shirt. Aus dem Shirt tropft das Blut auf die Jeans, läuft in kleinen Rinnsalen vor ihre Füsse, (bis endlich die Blutung stoppt.) (würde ich weglassen) "Ich muss arbeiten.", murmelt sie. Sie starrt durch ihre geschlossenen Lider. (wirkt auf mich unrealistisch)

Der großmäulige Wortführer schaut über seine Schulter zum Kollegen: "Zombie!", zischt er. Der Kollege nickt angewidert. Er macht ein paar drohende Schritte nach vorn. (Unkraut schlägt in sein Gesicht.) (war obig bereits erwähnt) "Ich bin müde!", murmelt er, "ich muss mich hinlegen." (erzeugt bei mir Spannung, denn warum wird er plötzlich müde?)

Spokenhed (kichert. bedrohlich) "Kommen Sie doch herein.", öffnet sie die Tür einladend weit. Aus dem Haus schlägt den Beamten Fäulnisgeruch (Der Geruch von Verwesung....) entgegen. Der großmäulige Wortführer setzt sich auf die oberste Treppenstufe. Blut läuft aus seiner Nase, tropft auf seine Schuhe. "Hören Sie auf zu klopfen!", schnieft er.

("Kommen Sie doch herein. Ruhen Sie sich etwas aus.", lädt Spokenhed die beiden Beamten ein) (Mit diabolischem Blick fordert Spokenhed die Polizisten erneut auf...) (Mir sagen die Wiederholungen zu.) Sie folgen ihr in eine stinkende Hölle, in der Essensreste, durch die sich Maden wühlen, auf dem Boden liegen. Die Flurtapete hängt in Fetzen von den Wänden. "Renovieren Sie?", gähnt der zweite Beamte.
Ein Horrorszenarium, und der zweite Beamte langweilt sich und gähnt? Mir würde das Herz in die Hose rutschen.

Kommen Sie doch herein.", fordert Spokenhed die beiden Beamten auf. Sie gehen an der offenen Küchentür vorbei. Am Tisch sitzen drei Polizisten. (Also, folgen sie mir...)

Sie drehen ihre faltigen Hälse und grüßen die Neuzugänge mit einem Nicken. Sie knallen abwechselnd Karten auf den Tisch. Trinken Bier. Die Uniformen schlottern um ihre ausgedörrten Körper. Die geschlossenen Augen liegen in schwarzen Höhlen.
Da würde ich schreien davonrennen. Hier würde ich das Entsetzen deutlich beschreiben.

"Kommen Sie doch weiter.", fordert Spokenhed die beiden Beamten auf. Sie öffnet die Wohnzimmertür. (Spokenhed gibt den Beamten mit mit bizarrer Geste zu verstehen, ihr zu folgen.)

Der Neue
 
Das Gespräch mit der alten Dame jagt mir einen Schauer über den Rücken, weil ich ahne, dass mit ihr etwas nicht stimmt. Überarbeitet muss der Text auf alle Fälle werden.

"Heute nicht zum Dienst erschienen, gestern nicht abgemeldet.", lautet das Gerücht. "Schon sieben Beamte verschwunden.", murmeln die Kollegen. "Letzter Einsatz: Grünewaldstr. 34/36." "Da wohnt doch schon seit Jahren keiner mehr.", wendet ein Beamter ein, der erst vor Kurzem nach Viersen gezogen ist. Der Neue, Rangsal, erntet darauf drohende Blicke: "Halt du dich mal schön raus, bis du weisst, wie das hier läuft!" Rangsal hält das für einen Jux und lacht: "Was ist das, euer Halloween-Spaß für die Neuen?" "Du musst dich anpassen, sonst bist du hier ganz schnell weg vom Fenster.", droht ihm erneut einer seiner Kollegen und öffnet demonstrativ sein Waffenhalfter. "Alles klar, ich halte mich da raus.", dreht sich Rangsal um und steigt in seinen Dienstwagen.

Angst verdichtet sich, vernebelt seinen Blick, versteift schmerzhaft seine Schultermuskulatur. Er betätigt die Scheibenwaschanlage und wischt seine Angst und eine böse Vorahnung zusammen mit den Schlierstreifen weg. "Kann's losgehen?", ruft er seinem Partner zu. "Ihr habt ja vielleicht einen Humor hier. Da vergeht einem wirklich alles.", sagt er zu Polizist Daboli, der gerade einsteigt. "Halt du mal schön die Beine still. Wenn du dich hier nicht wohlfühlst, musst du eben gehen!", ist die Antwort. "Ja, so langsam habe ich das Gefühl, dass ich das tun sollte. Dumm nur, dass ich erst vor drei Monaten hierher gezogen bin. Aber vielleicht sollten wir trotzdem darüber nachdenken." Mit "wir" meint er sich und seine frischgetraute Ehegattin. "Du bildest dir nicht ernsthaft ein, dass Renate wegen dir aus Viersen wegzieht?" "Anscheinend kennst du meine Frau besser als ich?", versucht Rangsal die Aggressivität weg zu witzeln. "Herr Gott, ich glaube, du hast 'nen schlechten Tag.", ergänzt er. "Fahr und halt die Schnauze!", ist die schroffe Antwort. Rangsal ist kalt. Halloween-Kälte. Er schaltet die Klimaanlage ein. "Was für ein Arschloch!", denkt er.

Der Dienst verläuft heute ereignislos. Ein paar streitende Jugendliche, die getrennt werden müssen. Eine ältere Dame, der an der Theke der Bäckerei Martin das Portemonnaie abhanden gekommen ist. Daboli findet es vor der Ladentüre wieder. "Da bin ich aber froh!", bedankt sich die Dame. "Das bisschen Geld was drin war, ist zwar weg, aber die Papiere sind noch alle da - und auch das Foto von meinem Enkel. Sehen Sie mal, das ist unser kleiner Tim!", wendet sie sich an Daboli. Der fixiert sie, als hätte sie nicht alle Tassen im Schrank. "Ja, ist gut jetzt!", speist er sie ab. Peinlich verlegen sagt Rangsal: "Ist sicher ein lieber Junge!" "Ja, das ist er! Und so klug, er ist gerade einmal drei Jahre alt, der kleine Engel, und möchte jetzt schon Tierarzt werden - ist das nicht drollig?", lacht sie stolz. Tatsächlich trägt der blonde, blauäugige Tim, der von einer jungen, strahlend lächelnden Frau gehalten wird, einen kleinen Welpen auf dem Arm. Rangsal hält kurz inne und lauscht. Er meint, ein leises Weinen zu hören und schaut sich um. "Ein Shelty, richtig?", fragt er dann. "Ja, ja, ein Shelty. Es gibt nur wenig Menschen, die einen Shelty- von einem Collie-Welpen unterscheiden können. Sie sind wohl ebenfalls Hundeliebhaber?". Daboli schraubt an seiner Funke, ob nicht irgendein Befehl zu hören ist, der ihn aus dieser peinlichen Situation rettet. Er tritt Rangsal von hinten in die Kniekehle. Unverdrossen antwortet Rangsal: "Wir hatten immer Sheltys, als ich selber Kind war. Meine Eltern haben zwar nicht gezüchtet, aber wir hatten trotzdem einiges an Nachwuchs, was dann in der Familie und in der Nachbarschaft geblieben ist." "Ach", seufzt die alte Dame, "das klingt schön! Wie ein Gruß aus einer anderen Welt. Dann sind sie sicher ein richtiger Wildfang gewesen, Captain Rangsal?", lacht sie. "Mein Bruder und ich waren den ganzen Tag draußen - um ehrlich zu sein, haben wir uns sogar dann rausgemogelt, wenn wir eigentlich drinnen sitzen und Hausaufgaben machen sollten. Unsere besten Freunde hatten unsere Hunde und wir sind viel zusammen unterwegs gewesen. Fahrrad fahren, Frisbee werfen, Agility, Schwimmen, Skateboard fahren... wir waren eine wilde Meute. Aber Captain bin ich trotzdem nicht. Wie Sie sehen, bin ich bei der Streife, Frau Kliber.", erinnert er sich an den Namen in ihrem Personalausweis, den sie aus dem Portemonnaie gezogen und Daboli und ihm unter die Nase gehalten hatte. "Ich glaube, bei uns war es früher auch schön. Ich kann mich nicht mehr richtig erinnern.", murmelt Frau Kliber. "Ich bin froh, dass meine Tochter mit meinem Enkel nach Australien gegangen ist. Dort geht es ihnen besser." "Mh", brummt Rangsal, ohne wirklich zu verstehen, was Frau Kliber meint. Wieder stutzt er. Tonlose Schluchzer kriechen kalt in seinen Nacken, lassen ihn frösteln und seine Haare zu Berge stehen. "Was...?", fragt er verstört. "Es ist nichts, Captain Rangsal.", beruhigt ihn Frau Kliber. "Na, dann hoffe ich, dass Ihre Tochter Sie recht bald wieder besucht, damit Sie sehen können, was Ihr kleiner Enkel macht!", sagt er rasch. "Ach", seufzt die Dame noch einmal, "ich habe sie alle schon seit vielen Jahren nicht mehr gesehen! Deswegen ist mir das Foto auch so wichtig!" "Die Alte tickt nicht richtig, die ist dafür bekannt!", raunt Daboli Rangsal hörbar zu. "Lass uns endlich abhauen." Rangsal erntet zum Abschied einen traurigen Blick und ein "ganz herzlichen Dank für Ihre schnelle Hilfe, Captain Rangsal!" "Woher kennt sie meinen Namen?", fragt Rangsal den Kollegen, der ungeduldig mit den Schultern zuckt und die Autotür zuknallt.

Konzentriert starrt Rangsal auf das Lenkrad, während sein Kollege den Gurt anlegt. "Jetzt fahr schon!", ist der Kommentar. Rangsal öffnet langsam sein Waffenhalfter. "Oder brauchst du 'ne Extraeinladung?", pöbelt Daboli weiter. Ebenso langsam zieht Rangsal seine Waffe und entsichert sie. Daboli fängt an zu begreifen und starrt ihn an. Rangsal hält ihm die Dienstwaffe vor's Gesicht. Er starrt Daboli in die Augen, wirkt gelangweilt. "Was jetzt, was soll das?" Rangsal starrt Daboli an, zwinkert zweimal langsam. "Ja, jetzt habe ich aber die Schnauze voll!" Als Daboli nach der Waffe greift, senkt Rangsal sie langsam auf seine Brust. Daboli starrt Rangsal an, Rangsal starrt zurück. "Bist du jetzt übergeschnappt...", wird Dabolis Protest leiser. Rangsal drückt ihm die Waffe auf die Brust. Sie starren sich gegenseitig an, bis Dabolis Halsmuskulatur zu platzen scheint und seine geschwollenen Adern blau leuchten. Sein Gesicht wirkt maskenhaft, Schweissperlen tropfen von seiner Stirn. Rangsal starrt ihn an. Schließlich lässt er die Waffe sinken, sichert sie, steckt sie ins Halfter zurück. Er grinst und knurrt: "Halloween!". Unversehens drückt er aufs Gaspedal, so dass sie beide in die Sitze gepresst werden und rast um die Ecke.

Langweilig, langweilig und alles andere als locker-flockig. Oder ich lese meine eigenen Texte einfach zu oft Korrektur... ?[/quote]
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Rike Charlotte
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BeitragVerfasst am: 08.08.2014 09:43    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Liebe Constantin: Puh, das muss ich erst mal sacken lassen. Ganz herzlichen Dank, dass du dir soviel Zeit genommen hast, mir auf die Sprünge zu helfen.

Die Lesbarkeit scheint ja massiv durch die Wiederholungen etc. zu leiden. Ich denke, ich sollte versuchen, den ersten Teil in einem gängigen Stil komplett neu zu schreiben. Mal sehen, inwieweit ich deine Änderungen einbauen kann

Das kann ein Weilchen dauern smile

Ich freue mich auf weitere Rezensionen!
Liebe Grüße,
Rike!
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Lotta
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BeitragVerfasst am: 08.08.2014 09:52    Titel: Antworten mit Zitat

Ich konnte nicht mehr editieren.

Es muss heißen: "Da würde ich schreien(d) davonrennen."
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rieka
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BeitragVerfasst am: 08.08.2014 12:39    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, Rike Charlotte.
Deine Ideen zu „Spokenhed“ scheinen mir interessant und Spannung könnte meines Erachtens auch entstehen. Lebendig ist dein Text allemal.  
Trotzdem fiel es mir schwer, deinen Text konzentriert zu lesen.
Er war mir zu wirr. Für meinen Geschmack war das Geschehen zu schnell zu dick aufgetragen.
Da geht es um jede Menge überflutendes, nicht greifbares Entsetzen, das trotzdem nicht tief geht. Also viel Blut und wenig Gänsehaut.
Ich mag mehr die subtilen leisen Töne. Ist aber halt meins. Andere mögen das anders sehen.
Ich bin froh, dass Lotta und Constantine gezielt eingestiegen ist und dir konstruktive Hinweise geben konnte.
rieka
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Rike Charlotte
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BeitragVerfasst am: 08.08.2014 12:59    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Rieka,
exakt so geht es mir auch, wenn ich meinen Text lese: Es kommt keine Spannung auf. Ich denke, ich sollte aufhören, mit den Erzählstilen zu experimentieren.

Ich schreibe den Anfang neu, der Rest ist, glaube ich, einfacher zu lesen, zugänglicher und - hoffentlich - auch etwas spannender, falls er nicht ins Banale abrutschen sollte. Ich hoffe, dass ich da auch noch Rezis bekomme. Super Rezis zum Anfang bzw. Prolog habe ich ja schon, damit kann ich gut arbeiten.

Überhaupt ist die Qualität der Rezensionen hier sehr hoch, wie mir scheint smile Ich bin rundweg begeistert!

LG,
Rike!
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Rike Charlotte
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BeitragVerfasst am: 10.10.2014 21:08    Titel: hier noch mal ein kleiner Teil - vielleicht bekomme ich ja noch mal Rezis ;) pdf-Datei Antworten mit Zitat

eine... eine Leiche gefunden. Nein, hier im Asphalt, wir brauchen sofort 'ne Straßensperre. Wir können Sie NICHT beiseite tragen! Sie ist IM ASPHALT!", brüllt er in die Funke. "Sorry! Nein, wir können Sie nicht auf die Seite legen.", wiederholt er. "Opfer eines Autounfalls? Das glaube ich kaum. Ne Riesenschweinerei, würde ich eher sagen. ...ein Zeuge mit einem Hund, der den Toten gefunden hat." Baltei ist jetzt noch neugieriger als erschrocken und versucht mit hämmerndem Herzen, im Scheinwerferlicht etwas zu erkennen. Wovor habe ich Angst? fragt er sich in Gedanken und reckt den Hals. Rangsal aber packt ihn einfach an den Schultern, dreht ihn um und gibt ihm einen kleinen Schubs: "Das gefällt Ihnen jetzt nicht, aber seien Sie sicher, dass Sie DAS hier nicht sehen möchten. Vielleicht gibt's morgen ein Foto in der Tageszeitung, gerade rechtzeitig, um sich das Frühstück zu verderben! Nennen Sie mir bitte Ihren Namen, Ihre Adresse und eine Telefonnummer, unter der man Sie tagsüber erreichen kann." Baltei tut, wie ihm geheißen, zeigt seinen Personalausweis vor und zieht brav ab mit Carsten, den er neben sich herschleifen muss. Immer noch hechelnd, jaulend, an der Leine zerrend und nun auch die Beamten und die freche Sirene anbellend, ist Carsten meilenweit davon entfernt, nachzugeben.

"Was für eine Schweinerei!", hört Baltei Nolte wiederholen, der wütend gegen die Sirene anbrüllt, während er selber im Dunkeln auf dem Fussweg über ein paar kleine Ästchen stolpert. "Mir ist kalt... ich friere!", hört er ein Stöhnen neben sich, ganz dicht an seinem linken Ohr, macht erschrocken einen Satz, stolpert über Carsten und fängt mit steifen, schmerzenden Gliedern an zu laufen. Der Hund galoppiert jetzt brav neben ihm her, hat auf einmal mehr Interesse daran, nach Hause zu kommen, als seinen Fund zu bewachen: "Brav, Carsten, ganz brav, Fuß!", feuert Baltei ihn an.

Als die Kollegen der Spurensicherung mit Scheinwerfern und Straßensperre anrücken, hören die spöttischen Bemerkungen über Nolte, Rangsal und deren Magenprobleme und in Schrecken erstarrte Mimik mit dem ersten Blick auf, den sie auf die Leiche im Asphalt werfen können. Schweigend verrichten sie ihre Arbeit, machen Fotos von dem ausgedörrten, vor Schmerz versteinerten Gesicht, den schwarz umrandeten, geschlossenen Augen, dem gekrümmten, ausgemergelten Körper. Die faltigen Arme und Beine sind in einer Art Schwimmbewegung erstarrt, als wäre der Tote im Asphalt zum Rückenschwimmen angetreten. Die veraltete, viel zu große Uniform lässt den Körper stark geschrumpft wirken. Die Ärmel sind hochgekrempelt, die Hosenbeine abgeschnitten, wie bei einer Pfadfinderuniform. "Ein Kollege...", nicken die Beamten sich tonlos zu. "Kennt den Kollegen jemand?", fragt Rangsal. Nolte macht ein dumpfes Geräusch: "Mein Onkel... glaub' ich." Er zögert lange, bevor er sagt: "Ist vor fast dreißig Jahren verschwunden, während des Dienstes..." "Scheiße!", entfährt es einem jungen Kollegen der Spurensicherung, "Sorry!", setzt er hastig hinterher.
"Habt Ihr das auch gehört?", fragt einer der Beamten, Zumbrück, unsicher. "Was denn?", fragt Nolte. "Nichts, ist egal.", antwortet Zumbrück. "Seht mal her!", sagt er dann. Er zeigt auf einen nackten Unterarm, der aus dem Asphalt ragt.

"Total zerhackt.", meint einer der umstehenden Beamten. "Wieso ist der Hund so auf die Leiche losgegangen?" "Das meine ich nicht, leuchte mal hierhin.", zeigt Zumbrück noch einmal auf den Unterarm.
Tiefe Schnitte leuchten blutrot, längs über den Arterien klafft die Haut auf, als hätte jemand versucht, die Leiche mit einem Kartoffelschälmesser zu zerlegen. "Mir ist kalt... ich friere!", flüstert es da mitten zwischen den Kollegen, die zurückfahren und alles fallen lassen, was sie in der Hand halten. Eine Pinzette landet im offenen Mund des Toten. "DAS meinte ich.", raunt Zumbrück, der einen großen Satz zurück gemacht hat. Eiseskälte legt sich um die Beamten. Die Hände werden klamm, der Atem kondensiert. Schweigend arbeiten sie weiter.
"Der Zeuge hat gesagt: Ich habe mich da mitten auf der Straße in etwas verfangen. Hat der Hund die Leiche deswegen so zerbissen? Dann müssten doch auch Spuren von Baltei an dem Arm zu finden sein, oder? Faserspuren, vielleicht sogar Haut.", bemerkt Rangsal. Böses Grunzen aus dem Team der Spurensicherung folgt. "Kann sein...", brummelt Zumbrück vage, ohne aufzublicken.

Als Rangsal wenig später zuhause ankommt, Stunden, nachdem die panierten Schnitzel in der Pfanne auf Medaillongröße geschrumpft sind, lässt er sogar den Kartoffelsalat stehen. Er nimmt ein eiskaltes Bier mit unter die heisse Dusche und antwortet nicht auf Renates Fragen. "Gab 'n bisschen Ärger.", brummt er nur, in Gedanken mit ihrer potentiellen Reaktion auf die Erwähnung des Toten beschäftigt. Er geht in's Bett, schaltet den Fernseher ein, den großen Flatscreen mit 1,20 Meter Diagonale, den Renate sich wegen ihrer leichten Kurzsichtigkeit für's Schlafzimmer gewünscht hatte und schläft ein mit einem zweiten Bier in der Hand. Voller böser Vorahnung steht Renate neben dem Bett und betrachtet die tiefen Falten neben seinen Mundwinkeln, die morgens noch nicht da waren, den zementfarbenen Teint. Schließlich wendet sie sich ab, geht in's Wohnzimmer und telefoniert bis weit nach Mitternacht.
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Rike Charlotte
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BeitragVerfasst am: 17.10.2014 18:58    Titel: .. und hier noch etwas Gruseltext auf die Augen :) pdf-Datei Antworten mit Zitat

Früh am nächsten Morgen, vor dem Berufsverkehr, werden Presslufthämmer zum Fundort geliefert. "Holt sie so großräumig wie möglich raus.", lautet die Anweisung des Ermittlungsleiters Brinkhof. Die Landstraße wird zum Ausgrabungsort, das Loch im Asphalt drei mal vier Meter groß. Die Frage danach, wie der Tote in den Asphalt einer vor über sieben Jahren gegossenen Straße gelangen konnte, ohne dass erkennbar ist, wo die Teerdecke gestückelt wurde, wird nur mit Kopfschütteln beantwortet. "Die Straße ist viel befahren im Berufsverkehr... wie konnte die aufgerissen werden, ohne, dass jemand von diesen Arbeiten wusste? Wie hat der Täter es geschafft, anschließend die Leiche halb in Teer zu gießen und die Straße wieder perfekt zu verschließen, ohne, dass sie gesperrt werden musste?", fragt Rangsal wiederholt und vergeblich den Leiter der Stadtplanung, Bröse, der sich unbedingt persönlich davon überzeugen möchte, dass es sich nicht um einen bösen Scherz handelt. "Spokenhed...", murmelt einer der Bauarbeiter und erntet böse Blicke seiner Kollegen.

Die Arbeiter bekommen einer nach dem anderen Nasenbluten, arbeiten aber ohne Murren weiter. Das Blut läuft über ihre Kleidung, auf die Hände, den Presslufthammer, um dann zu verschwinden, bevor es im Fundort versickern kann. Staub hüllt sie ein und zusammen mit Schweiss und Blut, die sie sich mit den Ärmeln durch das Gesicht wischen, sehen sie schließlich aus, als trügen sie Kriegsbemalung. "Nasenbluten!", sagt Rangsal überrascht, "ist das ein Umweltgift? Meine Frau hatte vor ein paar Tagen auch plötzlich Nasenbluten, nachdem...", unterbricht er sich, als ihm einfällt, dass Renates Nasenbluten dasselbe Murmeln vorausging. "Spokenhed...", murmelt er, ebenso neugierig wie nachdenklich, und wartet vergeblich darauf, dass Blut aus seiner Nase läuft. "Was ist hier los?", fragt er sich zum wiederholten Male zweifelnd und steigt, seltsam erleichtert, in den Streifenwagen, um seinen Dienst anzutreten.

Nach Feierabend fährt er mit Nolte zur Gerichtsmedizin, wo sie von Zumbrück mit einem "Pat und Patachon!" begrüßt werden. "Witzig!", knurrt Nolte und zieht heimlich den Hosenbund hoch unter den beachtlichen Bauch. "Da sind Spuren am Toten.", erklärt Zumbrück übergangslos, nachdem er sie zur Leiche geführt hat. "Da sind Hautspuren unter den Fingernägeln der rechten Hand und in der Handfläche selber. Dass die vom Zeugen sind, wage ich zu bezweifeln, wird aber geprüft. Ist ein Reizthema für die Kollegen, ich würd' euch raten, gar nicht darüber zu reden, dass ihr hier ward." "Das meine ich auch!", nickt Nolte und sieht an Rangsal vorbei, der nicht zu verstehen scheint, worum es geht. "Was ist die Todesursache? Woher kommt die Rosinenhaut?", fragt der, ohne sich um den gutgemeinten Rat zu scheren. "MOF - Multiples Organversagen, wahrscheinlich hervorgerufen durch eine Herzinsuffizienz, vielleicht aufgrund einer langanhaltenden Erschöpfung verbunden mit Schmerz... Die verschrumpelte Haut? Dehydratation über Jahrzehnte? Kann ich noch nicht sagen. Der Kollege war beim Eintreten des Todes ca. 37 Jahre alt. Wie er konserviert wurde, kann ich nicht feststellen - vielleicht luftgetrocknet?" "Witzig.", brummt jetzt Rangsal, bekommt aber nur ein Achselzucken von Zumbrück zur Antwort. "Vor dreißig Jahren verschwunden, damals ca. dreißig Jahre alt, mit ca. 37 Jahren verstorben, und jetzt, noch einmal 23 Jahre später, im Asphalt aufgetaucht, ohne Spuren von Konservierungsbehandlung... auf Trockeneis kann die Leiche also nicht gelegen haben, das konserviert nur kurze Zeit, Kühlkammer kann es auch nicht gewesen sein, es sei denn, man hätte ihn tiefgefroren - aber dann hätte man Tauwasser finden müssen, Gefrierbrand...?", überlegt Rangsal laut. "Tiefgefroren war er nicht, das kann ich mit absoluter Bestimmtheit sagen,", antwortet Zumbrück, "ich habe, wie gesagt, noch keine Ahnung, wie man ihn konserviert hat." "Irgendwie unheimlich, oder?", fragt Rangsal, während Nolte ungeduldig von einem Fuss auf den anderen tritt. Zumbrück nimmt Rangsal an der Schulter, dreht ihn von Nolte weg und flüstert ihm ins Ohr: "Das ist nicht der Erste!". Rangsal sieht ihn prüfend an und schweigt.
Als er am nächsten Tag auf der Wache zum Dienst erscheint, wird er mit unverständlichem Gemurmel empfangen und von einem Kollegen der Kripo gerufen, "zu einem Gespräch unter vier Augen...". Nur zwei Minuten später verlässt Rangsal zornesrot das Dienstzimmer des Kommissars, bricht sich durch die Mauer von Streifenkollegen wie ein Räumfahrzeug, das Schneemassen vor sich her schiebt und läuft zügigen Schrittes auf die Straße. Er fällt dort in einen militärisch anmutenden Trab und stoppt erst wieder, als er sieben Kilometer später vor seiner Haustüre steht.

Er betrachtet die teilverglaste Sicherheitstür aus Kunststoff, den plattierten Vorgarten, dessen graumelierte Erscheinung mit dunkelblau lackierten Tontöpfen verschönert wird. Er betrachtet den Gartenzaun aus silbernen Metallmatten. Er betrachtet sein neues Leben und dreht endlich widerstrebend den Schlüssel um. Er passiert, plötzlich ernüchtert,  Renate , die ihm entgegenkommt, ein Stückchen Donauwelle auf der Hand balancierend. Er öffnet eine neue Flasche Scotch und betrachtet dabei konzentriert die weissen, hochglänzenden Wohnzimmer-Bodenfliesen. 45 Quadratmeter... sinniert er, während Eiswürfel in sein Glas klirren.
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Rike Charlotte
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BeitragVerfasst am: 12.11.2014 14:48    Titel: push push... pdf-Datei Antworten mit Zitat

"Wo kommst denn du jetzt schon her?", ist die freundliche Begrüßung seiner Frau, die sich so schnell nicht entmutigen lässt. Er hört auf, die beigefarbenen Vliestapeten zu studieren, die er zum ersten Mal zu sehen scheint und fragt sich, wo zum Teufel Enee geblieben ist. "Sollen wir heute früher essen?", schlägt Renate vor. "Oder vielleicht zum Italiener?" "Italiener ist gut!", meint Rangsal und kehrt, das Glas noch in der Hand, zur Haustüre zurück. "Nicht eben umziehen?", fragt Renate gereizt. "Ich habe Hunger auf Lasagne!", brummt Rangsal. "Also los!", lacht Renate und nimmt Schlüssel und Jacke vom Haken.

Die schäbige Glastür des Italieners öffnend, bestellt Rangsal auch schon sein erstes, frisch gezapftes Pils und einen großen Bauernsalat. Renate schüttelt den Kopf: "Zweimal, bitte!". Sie setzen sich in den hinteren Raum, an den sich eine Sonnenterrasse angliedert. Erstaunlich groß ist der Familienbetrieb mit dem schmuddeligen Schaufenster und überraschend gemütlich und gut bewirtschaftet ist er. Schweigend sitzen sie sich gegenüber. Rangsal scheint zu grübeln, Renate will ihn nicht drängen. Salat und Bier werden serviert und Rangsal schaufelt wie von Sinnen Tomaten und Schafskäse in würzigem Dressing in sich hinein. "Nochmal dasselbe!", ruft er der Frau des Italieners zu, einer zierlichen Blonden, die freundlich nickt. Renate zuckt mit den Achseln und durchsucht gründlich die Speisekarte, die so vielfältig ist, dass sie sie auch nach zwanzig Besuchen noch nicht durchprobiert hat. Rangsal kaut geistesabwesend in einem Tempo Salat und schlürft Bier, als würde er an einem Essmarathon teilnehmen. "Nochmal dasselbe, bitte!", grummelt er wieder, und als er vor seinem dritten Bauernsalat sitzt, schaut er plötzlich auf, lehnt sich zurück und sagt: "Irgendwie geht es mir jetzt besser...". Renate sieht ihn schweigend an. Er bestellt "Lasagne Verdura", eine Wahl, die wieder mit hochgezogenen Augenbrauen quittiert wird, sie einen großzügigen Teller "Grigliata di Carne" und als sie beim Nachtisch, dem obligatorischen Tiramisu, angelangt sind, meint Rangsal: "Ich denke, ich habe eine Entscheidung getroffen." "So,", sagt Renate, "und sagst du mir jetzt, worum es geht?". "Morgen!", vertröstet Rangsal sie, und beugt sich angespannt vor. "Wir hatten einen seltsamen Leichenfund...", erzählt er dann, "das hat mich irgendwie aus dem Gleichgewicht gebracht."
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Ithanea
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Ei 3


BeitragVerfasst am: 20.11.2014 22:06    Titel: Antworten mit Zitat

Rike, ich habe deine Geschichte erst gerade entdeckt und finde sie ziemlich geil, anders kann ich das gerade nicht sagen. Holprig und wirr stellenweise, was fast schon zu dem irren Touch der ganzen Story passt, aber auf Dauer doch zu anstrengend, weswegen ich  wirklich gern nochmal genauer in den Text gucken will (ich bin zur Zeit so eine Zeitmanagementkatastrophe, darum ist dieser Kommentar ein Erinnerungsarschtritt an mich). Auf jeden Fall hat  dieser Ekelhorror was, finde ich, und das irgendwie distanzierte Hinnehmen, bzw. dass du mich so von den wirklichen Gedanken der Personen fernhältst.

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Rike Charlotte
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BeitragVerfasst am: 20.11.2014 22:14    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi, das freut mich wie verrückt, dass doch noch mal jemand Spokenhed liest.

Ja, es fängt wirr an, da muss noch umgeschrieben werden. Es wird dann aber erheblich simpler - wie ich es empfinde.
Mein Protagonist ist gebrochen, ein Polizist, der schon vor dem Frühstück den ersten Scotch trinkt, mit einer Frau verheiratet ist, die er nicht liebt, einen Zeugen an den Schultern nimmt und schubst und auf der anderen Seite - wie ich finde - ist er eine total coole Sau, die Punk-Songs singt und freundlich und zuvorkommend zu alten Damen, Kindern und Tieren ist.

So sehe ich selbst diese Geschichte - ganz kurz zusammen gefasst.
Ich würde mich über eine Rezi von dir sehr freuen Very Happy
viel Glück mit deinen lästigen Pflichten, die dich vom Lesen abhalten *kopfschüttel*
LG, Rike!

PS: ja, der Prota hat ein Geheimnis Daumen hoch²
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Rike Charlotte
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BeitragVerfasst am: 20.11.2014 22:15    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

... technischer Fehler, sorry
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Ithanea
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Ei 3


BeitragVerfasst am: 20.11.2014 23:14    Titel: Antworten mit Zitat

Rike Charlotte hat Folgendes geschrieben:

Mein Protagonist ist gebrochen, ein Polizist, der schon vor dem Frühstück den ersten Scotch trinkt, mit einer Frau verheiratet ist, die er nicht liebt, einen Zeugen an den Schultern nimmt und schubst und auf der anderen Seite - wie ich finde - ist er eine total coole Sau, die Punk-Songs singt und freundlich und zuvorkommend zu alten Damen, Kindern und Tieren ist.
 [...]
PS: ja, der Prota hat ein Geheimnis

...und solche Polizisten sind uns doch die liebsten. Cool
Bis die Tage
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Rike Charlotte
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BeitragVerfasst am: 06.05.2015 16:29    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Rikebuchgeister.wordpress.com
Steckt in den Kinderschuhen so wie die Texge auch.  Freu mich über Besuch und kritik
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Klemens_Fitte
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BeitragVerfasst am: 06.05.2015 16:39    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Rike.

Sollte der Link zu deiner Homepage von der Moderation entfernt werden (wird hier, glaube ich, nicht so gerne gesehen), kannst du ihn hier nochmal posten. Außerdem kannst du ihn unter "Website" in deinem Profil eintragen, dann erscheint unter jedem deiner Beiträge ein Button, über den man direkt auf die Homepage kommt.

Gruß,
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Rübenach
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BeitragVerfasst am: 06.05.2015 16:43    Titel: Antworten mit Zitat

Klemens_Fitte hat Folgendes geschrieben:
Hallo Rike.

Sollte der Link zu deiner Homepage von der Moderation entfernt werden (wird hier, glaube ich, nicht so gerne gesehen), kannst du ihn hier nochmal posten. Außerdem kannst du ihn unter "Website" in deinem Profil eintragen, dann erscheint unter jedem deiner Beiträge ein Button, über den man direkt auf die Homepage kommt.

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den letzten satz ergänze ich wie folgt: sobald du die dafür notwendige mindestbeitragszahl von 500 erreicht hast.
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Klemens_Fitte
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BeitragVerfasst am: 06.05.2015 16:45    Titel: Antworten mit Zitat

Rübenach hat Folgendes geschrieben:
Klemens_Fitte hat Folgendes geschrieben:
Hallo Rike.

Sollte der Link zu deiner Homepage von der Moderation entfernt werden (wird hier, glaube ich, nicht so gerne gesehen), kannst du ihn hier nochmal posten. Außerdem kannst du ihn unter "Website" in deinem Profil eintragen, dann erscheint unter jedem deiner Beiträge ein Button, über den man direkt auf die Homepage kommt.

Gruß,
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den letzten satz ergänze ich wie folgt: sobald du die dafür notwendige mindestbeitragszahl von 500 erreicht hast.
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Ah, danke für die Ergänzung Embarassed
Ich hatte noch nach einer dementsprechenden Regel gesucht, aber nichts gefunden.


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Rike Charlotte
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BeitragVerfasst am: 06.05.2015 18:53    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ganz herzlichen Dank Euch beiden, wird gemacht - Ich finde es immer wieder toll,  wie freundlich es hier zugeht!
Gruselige Grüsse,  Rike
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