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bookwriter
Geschlecht:männlichWortedrechsler

Alter: 87
Beiträge: 85
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 07.11.2011 12:13    Titel: Verzichtserklärung eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Dem Diesseits durchaus verhaftet
lege ich keinerlei Wert
auf den Nachruhm -
tröstlich in Aussicht gestellt
von guten Freunden,
denen man trauen könnte.

Mit allem Nachdruck
weise ich darauf hin,
dass ich gern bereit bin,
auf jegliche Form einer posthumen Ehrung
mit Dank zu verzichten.

Gewiss, ich schließe nicht aus,
dass auch dann,wenn ich schon
dem Wachsen des Grases von unten lausche,
noch etwas Gedrucktes von mir herumliegt,
das man wegzuwerfen vergaß.

Ich hätte jedoch vorgezogen,
die Zeit meines Lebens
ein wenig mehr zu genießen.
Ein klein bisschen Wohlstand -
wie auch von B.B. erkannt -
wäre mir angenehmer gewesen.

Im Gegensatz zum Papier
bin ich leider nicht so geduldig;
ich bleibe dabei
dass der größte Nachteil des Nachruhms
im schlechten Timing besteht:
für die Hauptperson
kommt er immer zu spät.

aus "Wirrwahr", 2010 beim Engelsdorfer Verlag.



_________________
Das Gedicht ist wahrscheinlich das einzige kulturelle Produkt, das zur Profitmaximierung völlig ungeeignet ist. Das ist Freiheit. Wunderbar.

Hans Magnus Enzensberger "Zu große Fragen" 1978
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phönixe
Geschlecht:weiblichEselsohr

Alter: 54
Beiträge: 240
Wohnort: Gelsenkirchen
DSFo-Sponsor


BeitragVerfasst am: 07.11.2011 23:32    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo bookwriter,
gefällt mir, diese Verzichtserklärung-obwohl

es soll schon beides vorgekommen sein;
der Wohlstand mit Ruhm & Ehre sowohl lebendig als auch nach der Asche

und  allen Zurückgebliebenen hilft es im Diesseits


lg phönixe


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Nichts kommt zweimal vor / auch wenn es uns anders schiene / wir kommen untrainiert zur Welt / und sterben ohne Routine. (wislawa szymborska)
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bookwriter
Geschlecht:männlichWortedrechsler

Alter: 87
Beiträge: 85
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 08.11.2011 20:25    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo, Phönixe,
es hat den Anschein, als ob selbstironische Beiträge wenig Anlass für Kommentare bieten - das ist zwar schade, aber ich hätte auch selbst darauf kommen können. Dein Beitrag aber, für den ich Dir danken möchte, erinnerte mich an das Märchen vom falschen Prinzen, der - wie auch Du dich erinnern wirst - die Wahl zwischen Ruhm und Ehre oder Glück und Reichtum hatte. Bekanntlich wählte er Glück und Reichtum, womit er sich als armer Schneider und damit als der falsche Prinz entlarvte. Das wäre heute insofern anders, als Ruhm und Ehre in dieser Zeit automatisch auch zu Reichtum, wenn auch möglicherweise weniger zum Glück führen. Aber das steht auf einem anderen Blatt Papier.


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Hans Magnus Enzensberger "Zu große Fragen" 1978
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Sidgrani
Geschlecht:männlichGänsefüßchen

Alter: 75
Beiträge: 17
Wohnort: Am Niederrhein


BeitragVerfasst am: 08.11.2011 20:39    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo bookwriter,

oft wird der Reichtum allerdings unehrenhaft erworben und mit Glück hat das selten etwas zu tun.

Die ersten drei Zeilen, leicht abgewandelt und erweitert, könntest du dir auch schön auf den Grabstein meißeln lassen.

Dem Diesseits durchaus verhaftet
legte ich keinerlei Wert
auf den Nachruhm -
das überlasse ich meinen Erben

LG Sidgrani
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MosesBob
Geschlecht:männlichGehirn²

Administrator
Alter: 42
Beiträge: 20120

Das Goldene Pfand DSFo-Sponsor



BeitragVerfasst am: 08.11.2011 20:46    Titel: Antworten mit Zitat

Moin bookwriter!

Ich lese dich sehr gerne, daran hat sich nach wie vor nichts geändert. Mir gefallen der süffisante Umgang mit dem Ableben, die augenzwinkernde Arroganz und die kokette Nachlassverwaltung. Das trifft irgendwie genau meinen Humor – und es erinnert mich entfernt an "Mein Testament" von Reinhard Mey.

"Dem Diesseits durchaus verhaftet" – schon der Anfang ist herrlich.

Gerne gelesen.

Beste Grüße,

Martin


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(James Herbert)

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