13 Jahre Schriftstellerforum!
 
Suchen
Suchabfrage:
erweiterte Suche

Login

Jetzt erhältlich! Eine Anthologie von und mit unseren Usern. Jetzt bestellen! Die erste, offizielle DSFo-Anthologie! Lyrikwerkstatt Das DSFo.de DSFopedia


Aschenbrödel


 
Gehe zu Seite 1, 2  Weiter
 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Deutsches Schriftstellerforum Foren-Übersicht -> Prosa -> Werkstatt
 Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
Safran
Sonntagsschreiber


Beiträge: 14



BeitragVerfasst am: 21.05.2011 21:07    Titel: Aschenbrödel eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Neue Version »

Das ist das erste Werk, welches ich online stelle. Ich hoffe auf rege Resonanz.
Background: Ursprünglich entstand die Idee nach einer simplen Schreibübung. Man sollte Aschenputtel nacherzählen, das war mir aber zu langweilig, also habe ich mal eine etwas andere und, wie ich hoffe modernere Version erzählt.
Aber seht selbst:


ASCHENBRÖDEL- oder die Frage: Wem passt der Schuh?
Eine heiße Braut wird, wie es bei den Gebrüdern Grimm üblich ist zur Waise. Doch das Schicksal schlägt noch härter zu, und hier setzt unsere Geschichte an: Das arme Kind muss für ihre einzig lebende Verwandte, die Schwester ihrer Mutter und deren schreckliche Abkömmlinge schuften. Diese sind aber das genaue Gegenteil unserer Heldin, die unglücklicherweise noch minderjährig ist. Damit ist sie auf Gedeih und Verderb ausgeliefert – ihr kennt das sicher.
Wie der Zufall so will ist der Prinz gerade in Heiratslaune. Zu der Zeit, in der unsere Geschichte spielt, war es übrigens üblich bereits zu heiraten, wenn man noch minderjährig war, na ja und der Prinz darf ohnehin alles.
Also: Der Prinz will auf Brautschau gehen. Und wie macht ein überaus reicher, beliebter und gutaussehender Prinz so etwas? Er ist bekanntermaßen extrem wählerisch und Partnervermittlungen gab es damals ja bekanntlich auch noch nicht. Also schmeißt er auf Kosten der Steuerzahler – ähem, Verzeihung, ich meinte natürlich auf Kosten seines überaus spendablen Daddys eine Party. Die Gästeliste liest sich wie das Who is Who sämtlicher bekannter und weniger bekannter Märchenprinzessinen. Die anstehende Vermählung des Prinzen ist auch ein Grund für die Bevölkerung zu feiern, denn der Prinz ist ziemlich beliebt. Also wurde spontan beschlossen die Suche auf die Schönheiten des Landes auszudehnen. Wer den Einfall dazu hatte, steht nicht in den Aufzeichnungen. Gedacht war das Ganze zunächst nur als Werbegag, um der Bevölkerung Volksnähe zu suggerieren. Doch dann sollte alles ganz anders kommen. Lasst mich jedoch der Reihe nach berichten. Die Einladung des Königshauses erreicht auch den Hof auf dem unser armes Mädchen vom Anfang jetzt lebt, oder – ich übertreibe nicht, wenn ich schreibe – leidet. Als nun der königliche Postbote den Brief persönlich übergibt, erbleicht die Tante unseres armen Mädchens zunächst. Die Einladung ist sehr schwülstig formuliert, wie es damals üblich ist:

Geschätzte Bevölkerung,
wie Ihr sicher schon vernommen habt, handle ich, der holde Prinz aus dem Märchen jüngsthin in dem Bestreben mich baldigst zu vermählen. Mithin entsende ich Euch dieses Schreiben, als Unterpfand meiner Treu …

Hier unterbricht die Leserin seufzend ihre Lektüre und legt die Hände in den Schoß, mit den Worten: „Ja Himmelsakrament nochmal, haben die am Königshof denn keinen der anständiges Deutsch kann?“ Für den Fluch an dieser Stelle kann ich nichts, ich gebe den Ausspruch, wortgetreu wieder. Aufgeregt betteln ihre beiden Töchter, sie möge doch biiiiiiiitttteeeeeee weiter lesen. Mit dem noch einen Meter langen Brief, mag ich meine Leser nicht nerven. Ich hoffe ihr glaubt mir auch so, wenn ich sage, man versäumt an dieser Stelle nichts. Irgendwann in der letzten Zeile, des Briefes erfährt der beharrliche Leser dann schließlich doch noch, dass der Prinz eben auch schöne Bauernmädchen auf seiner Fete sehen möchte. Die Leserin reibt sich erst einmal, sei es vor Erschöpfung sei es vor Unglauben die Augen. Dann ruft sie, vom Lesen heiser: „Mensch, das ist ja unsere Chance, ich Königin Mutter!“ Sie sieht sich schon in teuren Roben und mit Krone auf dem zerzausten Haupt.
Unsere Protagonistin hat, während sie den Flur mit Reisig kehrt, einen Moment verharrt und den Worten, des Prinzen gelauscht. Jetzt fährt ihre Verwandte sie an: „Was stehst du da so faul herum, hast du keine Pflichten.“ Stumm nickt das arme Ding und macht sich eilfertig an die Arbeit.
Die bösen Schwestern tanzen ausgelassen durch den Flur. Sie wirbeln den Staub auf, den das Mädchen mühsam zusammengekehrt hat. Die Schwestern halten sich an den Händen und singen:„Aschenblödel, Aschenbrödel, wir werden Königin!“ Aschenbrödel aber, (bisher hatte das arme Ding wirklich noch keinen Namen), beißt sich auf die Zunge. Die beiden Schwestern wissen nicht einmal, dass der König wohl nur eine Braut sucht; wenn sie es aber wüssten, dann wäre die Eifersucht der beiden unerträglich. Also schweigt Aschenbrödel.
Diese Nacht weint sie sich in den Schlaf, selbst in ihrer Erschöpfung findet sie keine Ruhe. Als sie wieder aus einem bösen Traum aufschreckt, klettert sie entschlossen aus dem Fenster in die zugige Nacht hinaus. Zwischen ihren nackten Zehen raschelt das Gras, der Wind zerrt garstig an ihrem dünnen Nachthemd. Ihr könnt kaum glauben, dass Aschenbrödel sich keine Lungenentzündung holt, und im echten Leben wäre es ja auch wirklich so. Ihr dürft jedoch nicht vergessen, das hier ist ein Märchen, also passiert ihr nichts, wenn sie so leicht bekleidet durch die Gegend stolpert. Sie eilt immer weiter, bis sie einen alten Baum erreicht. Seine Krone wird vom Mondlicht angestrahlt, aber selbst im Dunkeln würde Aschenbrödel den Weg immer finden. Unter dem Baum liegt im Dunkeln verborgen ein kleiner Erdhügel. Aschenbrödel lässt sich auf diesen Hügel fallen. Durch ihre Finger rieselt die Erde. Tränen hinterlassen dunkle Sprenkel, die in der Nacht nicht zu sehen sind. „Ach Mutter, wie soll es nur weitergehen?“, schluchzt Aschenbrödel.
„Hab keine Angst mein Kind.“ Aschenbrödel richtet sich ungläubig auf: „Mutter?“ Als sie versucht der Tränen Herr zu werden, hinterlassen die Finger dunkle Abdrücke auf ihren Wangen. Es ist tatsächlich ihre Mutter, die oben, in der Krone des Baumes sitzt. Das kann Aschenbrödel selbstverständlich nicht wissen, denn sie war noch sehr klein, als ihre Eltern starben. Der Geist lächelt sanft: „Bald wird das Glück dir hold sein.“ „Wie könnt ihr da so sicher sein? Wenn nun eine von den Schwestern tatsächlich Königin wird...“ Ihre Mutter bringt Aschenbrödel mit einer Handbewegung zum Schweigen. „Ach papperlapapp. Red´ keinen Unsinn, mein Kind. Diese Bauerntölpel können gegen dein Lächeln nicht bestehen. Und wenn der Königssohn dich erst einmal gesehen hat...“ Natürlich spricht aus dem Geist der Mutterstolz. Ich komme aber nicht umhin zu erwähnen, dass Aschenbrödel, trotz des blöden Namens, eben eine heiße Braut ist. Ungläubig blickt sie, mit tränenverschleierten Augen auf die Gestalt über ihr. Sie will einwenden, dass man SIE niemals auf die geile Party lassen wird. Ihre Mutter errät ihre Gedanken und sagt mit Nachdruck: „Und natürlich gehst du hin.“

Wieder errät sie die Gedanken ihres Kindes – Mütter und tote Mütter in Märchen im Speziellen können so etwas. Eilig fügt sie deshalb hinzu: „Und für Fahrer und Kleidung ist gesorgt.“ Sie räuspert sich und auf irgendeine unerklärliche, märchenhafte Weise schwebt ein wundervolles Kleid und wunderbar zierliche Schuhe aus Glas aus den Zweigen; gefolgt von einem Kürbis, der polternd auf dem Boden landet. „Trottel“ , schimpft der Geist leise, denn der Kürbis wäre beinahe auf Aschenbrödel gelandet. Ich sehe schon die vielen Fragezeichen über euren Köpfen, deshalb will ich so gut es geht für Klärung sorgen. Das Kleid ist ein magisches Kleid, welches selbstverständlich gegen Dreck resistent ist, sonst wäre es jetzt schon im Eimer. Ich sehe schon die Augen der Hausfrauen immer größer werden, aber das gibt es leider wirklich nur im Märchen. Und die Glasschuhe, die sind doch bestimmt ziemlich unbequem? Wenn Aschenbrödel durch die kalte Nacht rennen kann, ohne sich den Tod zu holen, dann macht ihr so eine Kleinigkeit wie Druckstellen an den Zehen wohl erst Recht nichts aus. Und was ist denn nun mit dem Kürbis? Ach ja, der Kürbis. Nun der Kürbis wird bekanntlich zur Kutsche für eine Nacht. Nun sitzt Aschenbrödel also unter dem Baum, mit ihren merkwürdigen Habseligkeiten und ohne Anleitung und weiß nicht weiter. Aus der Baumkrone ertönt noch ein mahnendes: „Sei auf jeden Fall vor Mitternacht zurück.“ Dann ist der Spuk vorbei. Natürlich schlägt Aschenbrödel die Warnung in den Wind; darin unterscheidet sie sich in nichts von anderen Jugendlichen, die eine Party besuchen. Sie zieht die Schuhe über die nackten und doch leicht kühlen Füße, hängt sich das Kleid über den Arm und nimmt den Kürbis auf. Es beginnt bereits zu dämmern, also schleicht sie sich schnell zurück in ihr Zimmer. Die Sachen versteckt sie im Schrank. Dann stellt sie sich schlafend, auch wenn sie in Wirklichkeit kein Auge zutut. Am nächsten Morgen kommt ihre Tante bester Laune ins Zimmer. „Aufstehen Langschläferin.“ Ihre Züge entgleisen allerdings, als sie das verschmutzte Aschenbrödel in einem ebenso dreckigen Bett erspäht. Ihr Lächeln verschwindet, wie die gute Laune auf Nimmerwiedersehen. Nun ist die Frau nicht einmal mit guter Laune besonders gut zu ertragen, deshalb macht sich Aschenbrödel auf einiges gefasst. Sie hat nicht mehr daran gedacht sich zu säubern, bevor sie zurück ins Bett gekrochen ist. Sie muss für den Schaden aufkommen und die Spuren beseitigen. Zusätzlich dazu erhält sie Hausarrest. Den ganzen Tag wird sie zudem mit Tausend Dingen beschäftigt, so dass sie keine Sekunde für sich hat. Der Rest des Haushalts bereitet sich für das Fest zu. Ja, in dem Fall kann man wirklich nicht von vorbereiten sondern von zubereiten sprechen, denn ihr wisst ja, was passiert, wenn sich Frauen für eine Party zurechtzumachen. Dass das bei unseren Dreien nach hinten losgeht muss ich wohl nicht extra erwähnen. Als es draußen dunkel wird, und bereits die Musik vom Schloss durch die Fenster dringt, wischt sich Aschenbrödel die verschwitzten Haare aus der Stirn. Die Schwestern sind ausgelassen und foppen Aschenbrödel immerfort. Glücklicherweise waren sie den ganzen Tag beschäftigt und haben nicht in ihrem Zimmer herumgeschnüffelt, sonst wäre ihnen mit Sicherheit das wunderschöne Kleid im Schrank in die Hände gefallen. Die beiden sind so sehr mit sich beschäftigt, dass ihnen Aschenbrödel erst wieder einfällt, als es fast Zeit zum gehen ist. „Mach schon mal einen Knicks, hier kommt die Königin!“, rufen sie und stolzieren im Storchenschritt durch den Flur. Die Mutter lacht dazu und gibt Aschenbrödel einen Stoß: „Na nun mach schon, du dummes Ding.“ Aschenbrödel stolpert und kann sich gerade auf den Beinen halten. Dummerweise stützt sie sich am Tisch ab, auf dem eine Schale mit Erbsen steht. Und natürlich gerät diese ins Schwanken.
Sie fällt nicht, aber die bösen Schwestern sehen ihre Chance Aschenbrödel zu demütigen. Eine der Schwestern lehnt sich deshalb gegen die Schale. Aschenbrödel macht einen Schritt vorwärts. Sie hebt die Hände. Schrilles Lachen klingelt in ihren Ohren. Die Schale zerbricht klirrend in Tausend Scherben.
Ausgelassen drängen die Schwestern zur Tür. Aschenbrödel hält sich am Tisch fest, ihr schwindelt. „Du dummes Ding, du wirst das aufräumen, und wir wollen die Erbsen morgen essen. Ich erwarte dass du alle aufklaubst und säuberst. Und wehe es bleibt eine Scherbe darin zurück. Du wirst auch die Schale ersetzen.“ Aschenbrödel ballt die Fäuste und schluckt die Tränen herunter. Jetzt wird sie das Fest sicher verpassen. Und woher soll sie die Schale ersetzen, sie besitzt ja nichts. Und hätte sie etwas, so würde man es ihr nehmen, und gar denken sie hätte gestohlen. Was soll sie nur tun? Sie sinkt auf die Knie, die Finger ins Holz des Tisches gekrallt. Noch immer hallt das Gelächter der Schwestern in ihren Ohren. Vom Schloss her tönt die Musik immer lauter. Es ist bereits dunkel und Aschenbrödel sieht kaum noch die Erbsen auf dem Boden, da hört sie ein Zwitschern. Sie dreht sich zum Fenster. Dort sitzen zwei Tauben. Mit einer Handbewegung versucht Aschenbrödel die beiden zu vertreiben. Sie wollen doch nur die Erbsen, sie machen Dreck und ich bekomme noch mehr Ärger, denkt das arme Kind bei sich. Und was soll es denn auch gut von der Welt denken, wo ihm so übel mitgespielt wurde. Doch wundersamerweise beginnen die Vögel zu sprechen. „Rasch, rasch bring Schaufel und Besen und eine Schüssel. Rasch, rasch oder willst du noch dein Fest verpassen?“ Aschenbrödel zieht die Nase hoch und schüttelt ungläubig den Kopf. „Ihr...“, setzt es an, doch die Vögel unterbrechen sie. „Rasch, rasch.“ Jetzt springt Aschenbrödel auf. Von da an geht alles wie im Flug. Sie eilt in die Küche, holt eine Schüssel, Schaufel und Besen. Die Vögel picken die Erbsen auf, und lassen sie mit einem leisen Plopp in die Schale fallen. Anschließend fegt Aschenbrödel die Scherben zusammen.

Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Safran
Sonntagsschreiber


Beiträge: 14



BeitragVerfasst am: 21.05.2011 21:09    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Sie schüttelt lächelnd den Kopf über die fleißigen Tierchen. Doch dann fällt ihr ein, sie muss die Erbsen auch reinigen, aber sie hat keine Ahnung, wie sie das anstellen soll. „Da hilft nur Magie.“, zwitschern die Vögel, und: „Lass uns nur machen. Geh dich umziehen, und vergiss den Kürbis nicht.Rasch. Rasch“ Aschenbrödel, weiß noch immer nicht, was es mit dem Kürbis auf sich hat, und sie ist auch skeptisch, was sie so staubig und verschwitzt auf dem Fest soll. Sie tut dennoch, wie ihr geheißen. Kaum hat sie das Kleid übergestreift, schon verwandelt sie sich in eine strahlende Schönheit. Der Schmutz des Tages verschwindet. Mit dem Kürbis im Arm eilt sie die Treppe herab. „Nun geh schon, rasch, rasch“, rufen die Vögel ihr zu. Sie taumelt strahlend zur Tür hinaus. Zufrieden saugt sie die frische Nachtluft tief in ihre Lungen, und lauscht den wunderbaren Klängen vom Schloss. In diesem Moment fängt der Kürbis in ihren Armen zu vibrieren an.
Sie lässt ihn erschrocken fallen. Als er den Boden berührt, da steht vor ihr eine kostbare Kutsche, die von zwei Pferden gezogen wird. Der Kutscher beugt sich zu ihr und fragt vertraulich: „Zum Schloss, wertes Fräulein?“ Aschenbrödel schluckt, sie nickt und steigt dann in die Kutsche, deren Tür sich von selbst geöffnet hat. Sie sitzt kaum, da hält die Kutsche auch schon wieder an, die Musik ist deutlich lauter. Aschenbrödel blinzelt durch die Fenster, und sieht das Schloss in Tausend Farben erstrahlen. Die Türen schwingen auf. Sie steigt zitternd aus, dann eilt sie zum Schlosseingang. Man winkt sie durch, Männer nicken ihr zu, Frauen stecken die Köpfe zusammen. Ein Murmeln trägt sie zum Festsaal. Kaum steht sie am Rande der Tanzfläche, als alle Laute im Saal verstummen. Alle Blicke ruhen jetzt auf Aschenbrödel, die auf dem Absatz kehrt macht, und den Ausgang sucht. Die Ärmste kennt sich im großen Schloss nicht aus, und so ist vorprogrammiert, dass sie sich verläuft. Hinter sich hört sie Schritte. Ihre Augen sind vor Schrecken geweitet, als sie sich umdreht. Und da steht der Prinz. Er ist wunderschön angezogen und seine Augen strahlen, als er ihr die Hand reicht. „Hab keine Angst.“ Seine Stimme ist belegt. In diesem Moment hört man die Glocken Mitternacht verkünden. Jetzt erst erinnert sie sich an die Warnung ihrer Mutter. Aschenbrödel wird blass, wie die Wand hinter ihr. Sie rafft ihren Rock und stürzt an dem Prinzen vorbei, der ihr ungläubig hinterher blickt. Endlich findet das verzweifelte Mädchen die Treppe, die zum Ausgang führt. Aber ach, sie nimmt die Stufen viel zu hastig, und so ist das Unglück vorprogrammiert. Sie verliert zwar nicht das Gleichgewicht, dafür einen Schuh. Und als sie vor das Schloss tritt, da erblickt sie nur einen dummen Kürbis. Schluchzend stürzt sie in den Wald. Kopflos rennt sie durch das dichte Ast- und Blätterwerk. Eine Hand vor den Mund gepresst, läuft sie, bis ihre Beine schmerzen. Zerzaust und keuchend kommt sie zu ihrem Gehöft zurück. Sie versteckt das Kleid im Schrank und wirft sich schluchzend aufs Bett. Jetzt ist ihr alles egal. Kurze Zeit später schon hört sie von unten her heiteres Gelächter. Sie kann nur Wortfetzen verstehen. Die Mutter jammert: „Alles verloren.“ Doch die Schwestern verstehen kein Bisschen; sie haben zu viel getrunken. Und das bekommt ihnen in keiner Weise, denn die Hellsten sind sie ja bekanntlich auch dann nicht, wenn sie nüchtern sind. Lange kann Aschenbrödel nicht schlafen, sie hört ihr eigenes Herz und glaubt die Stimme ihrer Mutter zu hören. Erst als es dämmert kommt der Schlaf der Erschöpfung.

Am nächsten Morgen verrichtet Aschenbrödel mechanisch ihre Arbeit. Natürlich wird im Haus nur vom Fest gesprochen. Aschenbrödel kommt nicht umhin immer wieder Gesprächsfetzen aufzuschnappen. „Nicht so laut, kannst du nicht leise arbeiten, du dummes Ding. Au mein Kopf.“, jammern die Schwestern abwechselnd, wenn Aschenbrödel ihnen zu nahe kommt. Trotz ihres Katers schwärmen sie in den höchsten Tönen vom Prinzen. Sie sehen sich bereits im Palast wohnen und ihr Bett mit ihm teilen, denn er hat den ganzen Abend nur sie angesehen. Wer von beiden gemeint ist, das findet Aschenbrödel nicht heraus. Ihre Augen sind gerötet. Sie wischt gerade den Boden, da hält sie in der Arbeit inne. „...nur schad´, dass er sich vom Fest zurückgezogen hat, als diese Schlampe aufgetaucht und wieder verschwunden ist...sie hat ihn verhext, wenn du mich fragst, ja verhext! Auf den Scheiterhaufen wird man sie bringen die Hexe!“ Die Stimmen der Schwestern überschlagen sich beinahe. Aschenbrödel zuckt unwillkürlich zusammen. Eilig fährt sie in ihrem Tun fort.

Einige Tage vergehen, da klopft der königliche Postbote erneut an die Tür. Alle Frauen, die auf dem Fest waren, werden zur Schuhanprobe gebeten. Die Schwestern verstehen nicht, was damit gemeint ist, doch sie folgen der Einladung. Aber der Prinz wird nicht fündig, der Schuh passt nicht.Schimpfend kehren die Schwestern zurück. Zu gerne würde ich auf dem Schloss Mäuschen spielen. Der Prinz – liebestrunken, kann seine Prinzessin nicht vergessen. Der Vater versucht ihm seine Flausen auszureden. Die Angestellten sprechen hinter vorgehaltener Hand davon, der Prinz sei verzaubert worden. Er lässt sich von seinem Entschluss nicht abbringen, das Mädchen zu heiraten, dem der Schuh passt. Und dieses Gerücht dringt auch zum Gehöft vor. Also wird ein Plan geschmiedet. Die Schwestern müssen einen Zeh opfern, um ein Königreich zu gewinnen. Der königliche Bote bringt jetzt den Schuh direkt mit, und siehe da er passt. Ihr fragt euch jetzt sicher, warum der Prinz nicht sofort merkt, dass das nicht seine Braut ist, er hat sie doch schließlich gesehen. Der arme Prinz ist tatsächlich so krank vor Sehnsucht, dass der Leibarzt ihm strenge Bettruhe verschrieben hat, und so wird im ganzen Land nach dem Mädchen gefahndet, welches den Prinzen vom Krankenlager befreit. Überglücklich ist man, als man glaubt fündig geworden zu sein. Lächelnd verkündet der Vater, die Angebetete sei gefunden. Der Prinz strahlt. Er springt auf, er eilt ihr entgegen. Wo ist sie? Das Lächeln verschwindet von des Vaters Gesicht. Erneut beginnt die Suche. Diesmal ist die Schwester die Glückliche. Wieder geschieht das Unfassbare. Der Vater verkündet den Erfolg, der Sohn eilt beschwingt die Treppe herab, doch wieder fragt er enttäuscht: „Wo ist sie?“ Der Vater muss seinen Irrtum eingestehen. Der Prinz erkrankt schlimmer als zuvor. Eines Tages schließlich, als die Sonne scheint und die Fenster im Schloss geöffnet werden, da fliegt ein Vögelchen ins Zimmer des Prinzen, der fiebernd von seiner Angebeteten träumt. Das Vögelchen beginnt zu zwitschern:“Die zwei Schwestern waren ein Betrug, doch zwei sind eben nicht genug. Drum eile zurück und finde dein Glück.“ Der Vogel fliegt davon, noch ehe der Prinz so richtig begreift. Doch als er sich bewusst wird, was er gehört hat, da kleidet er sich an, läuft zu seinem Vater und fragt aufgeregt, woher die beiden Betrügerinnen kamen. Der Vater beschwichtigt den Sohn. Der Prinz fragt aufgebracht, warum man ihm nicht gesagt hat, dass es drei Schwestern sind. Ach, wie traurig ist er erst, als er erfährt, dass es tatsächlich zwei Schwestern sind, dort sei sonst nur ein blutjunges Dienstmädchen. Der Prinz lässt den Kopf hängen, und so beschließt der Vater den Weg erneut auf sich zu nehmen, um seinen Sohn glücklich zu machen.
Energisch klopft er an die Tür des Gehöfts. Die Mutter fragt lächelnd, ob der Prinz sich wohl doch für ihre Tochter entschieden habe. Da fragt der König: „Wo ist eure Magd, könnt ihr sie holen?“ Energisch wird Aschenbrödel herbei gerufen. Die Mutter raunt ihr etwas zu. „Hat das dumme Ding etwa gestohlen?“, fragt sie schwankend und blass. Doch der König zieht den Schuh aus dem Mantel und bittet das ebenso blasse Aschenbrödel ihn anzuprobieren. Abwehrend weicht das Mädchen zurück. In diesem Moment tritt der Prinz durch die Tür. Alle blicken erstaunt auf, als er ihr, ohne ein Wort zu sagen in die Arme fällt. Da ergreift die alte Frau das Wort: „Wisst ihr, wir haben das arme Ding bei uns aufgenommen, all die Jahre, meine Schwester ist gestorben, wir sind doch ihre einzigen Verwandten.“ Doch die glückliche Gesellschaft schlägt die Tür hinter sich zu. Nur noch gedämpft dringt die Stimme aus dem Haus, und wird leiser während die königlichen Kutschen langsam davonfahren.

Sie werden jetzt sicher den Kopf schütteln, den Finger heben und ich höre sie einwenden: Moment mal, ich kenne die Geschichte ganz anders. Ich kann ihnen jedoch versichern, sie sind bisher einer Zeitungsente aufgesessen. Ich schwöre ihnen, dass sich diese Geschichte genau so zugetragen hat, wie ich es hier geschildert habe. Ich habe nichts beschönigt, oder ausgelassen. Es war mir äußerst wichtig, dass die Wahrheit endlich ans Licht kommt. Leider konnte ich dabei keine Rücksicht auf allzu zartbesaitete Gemüter nehmen. Ich hoffe dennoch sie verzeihen mir meine direkten Worte.
Ihr Froschkönig.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Hoody
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2604
Wohnort: Alpen


BeitragVerfasst am: 21.05.2011 22:02    Titel: Antworten mit Zitat

Lese dir bitte die Regeln durch.
Habe es angefangen zu lesen, kam aber nicht weit. Ist nicht mein Humor und finde es manchmal doch bisschen aufgesetzt.

Sorry, lg Hubi


_________________
Nennt mich einfach Hubi oder J-da oder Huvi : D

Ich bin wie eine Runde Tetris. Nichts will passen.

"Ein schlechter Schriftsteller wird manchmal ein guter Kritiker, genauso wie man aus einem schlechten Wein einen guten Essig machen kann."
Henry de Montherlant

"Wenn die anderen glauben, man ist am Ende, so muss man erst richtig anfangen."
Konrad Adenauer
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Safran
Sonntagsschreiber


Beiträge: 14



BeitragVerfasst am: 21.05.2011 22:50    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Okay ist nicht jedermanns Sache mein Humor.

Entschuldige bitte, was meinst du mit die Regeln lesen, ich habe die Regeln gelesen, wo ist das Problem?
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Humpenstemmer
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 48
Beiträge: 407
Wohnort: Bremen


BeitragVerfasst am: 21.05.2011 23:40    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Safran,

Deine Nacherzählung von Aschenputtel schlägt in die Kerbe, in der ich mich auch gerne tummle. Gefällt mir auch ganz gut, aber einige Passagen könntest Du noch aufpeppen.
Ich will es mal mit einer Sinuskurve vergleichen.
Die Kurve ist eher flach ausgeprägt. Ich würde versuchen, ein paar Spitzen auszuarbeiten. Versuche einige Szenen/Wendungen weiter auf die Spitze zu treiben. Da Du die Geschichte als (Nach)Erzählung beschreibst, fehlt natürlich das "Show" zu deinem "Tell". An sich geht das natürlich, sollte aber in diesem Falle den Leser anders fesseln und mehr Wahnwitz bieten.
Du verwendest auch sehr oft "bekanntlich".

Ich hoffe, Du kannst damit etwas anfangen.  Embarassed

mfg
Niels
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Safran
Sonntagsschreiber


Beiträge: 14



BeitragVerfasst am: 22.05.2011 07:32    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hey, vielen Dank für die konstruktive Kritik. Endlich erhalte ich mal ein Feedback. Damit kann ich sogar sehr viel anfangen. Besonders die Wiederholung von bekanntlich ist mir selber nicht aufgefallen, meine üblichen Verdächtigen habe ich schon ausgemerzt...

Das mit den Spitzen werde ich auch mal versuchen.
Zum Show und Tell kann ich nur sagen, mir war nicht bewusst, dass ich es nicht so richtig gut umsetze, daher werde ich in Zukunft verstärkt darauf achten. Aber man lernt ja nie aus, und in meinem Schreibkurs ist das ganze nächste Kapitel der Beschreibung gewidmtet, vielleicht kann ich daraus etwas lernen.

Schönen Sonntag.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
seitenlinie
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1849

Pokapro 2015


BeitragVerfasst am: 22.05.2011 11:04    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Safran,

obwohl ich die Idee interessant finde, war es mühsam, die Geschichte zu lesen.
Mich stört die direkte Ansprache. Der Erzähler kokettiert mit der Leserschaft und nimmt sich dabei zu wichtig. Reizvoller wäre es,
wenn er seine Kommentare in der Geschichte „verstecken“ würde. Auch für den Gedankenfluss wäre das angenehmer.
Außerdem würde ich hier das Präteritum bevorzugen.

Beispiel:
Zitat:
Diese Nacht weint sie sich in den Schlaf, selbst in ihrer Erschöpfung findet sie keine Ruhe. Als sie wieder aus einem bösen Traum aufschreckt, klettert sie entschlossen aus dem Fenster in die zugige Nacht hinaus. Zwischen ihren nackten Zehen raschelt das Gras, der Wind zerrt garstig an ihrem dünnen Nachthemd. Ihr könnt kaum glauben, dass Aschenbrödel sich keine Lungenentzündung holt, und im echten Leben wäre es ja auch wirklich so. Ihr dürft jedoch nicht vergessen, das hier ist ein Märchen, also passiert ihr nichts, wenn sie so leicht bekleidet durch die Gegend stolpert.


Variante:
Diese Nacht weinte sie sich in den Schlaf, selbst in ihrer Erschöpfung fand sie keine Ruhe. Als sie wieder aus einem bösen Traum aufschreckte,
kletterte sie entschlossen aus dem Fenster in die zugige Nacht hinaus. Zwischen ihren nackten Zehen raschelte das Gras, der Wind zerrte garstig
an ihrem dünnen Nachthemd. Das war natürlich unvorsichtig von ihr - sie hätte sich den Tod holen können oder zumindest eine Lungenentzündung.
Zum Glück lebte sie in einem Märchenwald und so passierte ihr gar nichts.


Gruß, Carsten
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Amaryllis
Geschlecht:weiblichForenschmetterling

Alter: 33
Beiträge: 2000

Das goldene Stundenglas Das Silberne Pfand


BeitragVerfasst am: 22.05.2011 15:09    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Safran,

was Hubi vermutlich meinte, ist, dass es bei deinem allerersten Posting hier erstmal besser wäre, den Text in die Werkstatt zu verschieben (du willst ja schließlich noch dran arbeiten) und vielleicht nicht so viel Text auf einmal bietest. Bei so langen Textblöcken ist man doch schwerer zu einer ausführlichen Rezension zu bewegen, zumindest geht es mir auch so.

Ich kann leider auch nicht so viel mit deiner Geschichte anfangen, mir sind die witzigen/satirischen Kommentare einfach zu dick aufgetragen und zu direkt an den Leser gerichtet. Ein bisschen Subtilität würde mir hier besser gefallen, aber das ist Geschmackssache.

Ebenfalls Geschmackssache, aber ich dachte, ich sag es trotzdem mal:
Safran hat Folgendes geschrieben:
Endlich erhalte ich mal ein Feedback.

Bei so einem Satz hab ich dann auch nicht mehr so viel Lust, mir den Text ausführlich durchzulesen. Du hast deinen Post gestern reingestellt und sagst heute, dass du heute endlich ein Feedback bekommst. Für mich klingt das leider sehr ungeduldig und drängelnd, wenn man so einen Satz nicht mal 12h nach dem Erstellen des ersten Beitrags postet.

Liebe Grüße, Ama


_________________
Mein Leben ist ein Scherbenhaufen...
Aber ich bin der Fakir.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Safran
Sonntagsschreiber


Beiträge: 14



BeitragVerfasst am: 22.05.2011 19:16    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Das endlich erhalte ich Feedback, bezog sich nicht auf dieses Forum, es ging nicht darum, dass ich ungeduldig bin; sondern vielmehr bisher überhaupt noch keine Rückmeldung zu meinem Text erhalten hatte, und deshalb dachte ich versuch es mal hier. Deshalb war ich auch richtig happy über das SCHNELLE Feedback hier. Genau so war es gemeint und nicht anders, sorry, wenn du es anders aufgefasst hast.

Das mit der Textlänge hat Hubi, dann aber etwas durch die Blume gesagt...

Und: nein, ich wollte eigentlich nicht mehr an dem Text arbeiten. Wie gesagt er entstand auf Basis einer abgewandelten Übung vom Schreibkurs. Und ich wollte einfach mal sehen, was ihr so davon haltet. Nicht mehr und nicht weniger.
PS: Mir war der Unterschied zwischen Werkstatt und diesem Unterforum auch noch nicht so ganz klar; aber ich hätte den Text trotzdem hierher gestellt, denn:
1. Wenn man einen Text einstellt, dann hängt das Herzblut des Schreibers dran, und er denkt im ersten Moment wohl nicht, dass der Text nicht gefallen könnte, sonst würde er nicht veröffentlichen.
2. Ich mag zwar hier neu sein und die Regeln und alles vielleicht noch nicht so gut kennen, wie die alten Hasen unter euch. Aber DAS war auch nicht mein ERSTER selbstverfasster Text (musste nur ziemlich lange aussetzen, bis vor Kurzem)

Schönen Restsonntag

Safran
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Murmel
Geschlecht:weiblichSchlichter und Stänker

Alter: 63
Beiträge: 7493
Wohnort: USA
DSFo-Sponsor


BeitragVerfasst am: 27.05.2011 14:41    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Safran!

Nur einige Anmerkungen, die dir helfen sollen, mehr Feedback zu bekommen.

Kürzere Texte mit vielen Absätzen regen zum Lesen an. Wortwände wie deiner schrecken ab. Für einen perfekten Text enthält er zu viele Fehler, auch das hinterlässt einen schlampigen Eindruck. Jeder Dialag bekommt seinen eigenen Absatz. Ich empfinde das Aneinanderreihen von Dialogsätzen als Anfängerhaft.

Es handelt sich bei deinem Text um einen Erzähler, der dem Leser eine Geschichte erzählt, nur wird es nicht von Anfang an klar, und damit verwirrst du den Leser. Zudem fügst du eine weitere Ebene ein, nämlich eine fiktive Leserin mit ihren Kindern. Erst danach tauchst du in die eigentliche Erzählebene ein - und verbleibst sehr lange. Die fiktive Leserin ist verschwunden.

Detailarbeit erspare ich mir, denn du willst eh nicht daran arbeiten.

Liebe Grüsse!

Murmel


_________________
*Koppelmord - Carlsen Instantbooks 2013
*Flauschangriff - Piper/Weltbild 2014, Piper Fahrenheit 2017
*Katertage zum Verlieben - Thienemann 2014
*Bocktot - Gmeiner-Verlag 2017
*Brunnenleich - Gmeiner-Verlag Juli 2018
*Gut Gebellt, Katze - Edel Elements September 2018
*Schwarze Küste - Gmeiner Verlag Februar 2019
*Marias Geheimnis - Weltbild/Edel Elements 01.03.2019
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
Safran
Sonntagsschreiber


Beiträge: 14



BeitragVerfasst am: 28.05.2011 20:14    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

PUH, da hast du dir ja wirklich viel Mühe gemacht mit deiner Hilfestellung. Ich weiß gar nicht, wo ich ansetzen soll:

Ich gehe davon aus, dass kein Text perfekt ist. Fehler Twisted Evil  schleichen sich doch immer ein. Das ist menschlich. Ich würde aber nicht so weit gehen, hier von Schlampigkeit zu sprechen. Oder um bei der Geschichte zu bleiben: den Schuh ziehe ich mir nicht an.

Eine Leserin mit Kindern habe ich mit keinem Wort erwähnt, sprechen wir noch vom selben Text? Jetzt bin ich einigermaßen verwirrt....
Ich habe übrigens nicht geglaubt, dass meine Erzählperspektive in einem Märchen für Verwirrung sorgen könnte. Darüber muss ich jetzt wohl nochmal nachdenken!

Wenn ich dich bei der Kritik zu den Dialogen richtig verstanden habe, soll ich selbige strukturell aus dem Fließtext hervorheben. Entspricht das denn der Norm? Ich kann mich nicht erinnern, wie es in Büchern gehandhabt wird, werde aber zukünftig darauf achten.

Last but not Least:
Ich glaube ich habe das mit der Werkstatt falsch verstanden, es war aber nicht gemeint, dass ich mich nicht über konkrete Kritik freuen würde, im Gegenteil: ich dachte IN der Werkstatt werden die Texte NICHT kritisiert, und man arbeitet nur immer selber daran... aber ist ja jetzt auch egal

Eins habt ihr mich gelehrt: Zukünftig werde ich alle Texte auf unbeabsichtigte verborgene Botschaften untersuchen sowie auf angemessenes Verständnis prüfen, bevor ich sie online stelle.

Danke
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Murmel
Geschlecht:weiblichSchlichter und Stänker

Alter: 63
Beiträge: 7493
Wohnort: USA
DSFo-Sponsor


BeitragVerfasst am: 28.05.2011 20:59    Titel: Antworten mit Zitat

Ich würde dir raten, von der Verteidigungshaltung abzusehen, und Kritik einfach anzunehmen.

Mehr Feedback?
Zitat:

Und: nein, ich wollte eigentlich nicht mehr an dem Text arbeiten. Wie gesagt er entstand auf Basis einer abgewandelten Übung vom Schreibkurs. Und ich wollte einfach mal sehen, was ihr so davon haltet. Nicht mehr und nicht weniger.


Dann musst du auf das obige verzichten.

Es ist anfangs schwer, sich in das Forum hereinzufinden. Glaube mir, deine Gegenargumente haben wir schon oft gehört. So oft, dass manche, wie ich, nur noch selten Neuuser kritisieren, denn sie reagieren beleidigt und verschwinden, ohne dass man einen Fortschritt ihrer Arbeit bemerken darf.

Zitat:
Ich habe übrigens nicht geglaubt, dass meine Erzählperspektive in einem Märchen für Verwirrung sorgen könnte. Darüber muss ich jetzt wohl nochmal nachdenken!
Nicht die Perspektive, sondern die wechselnden Ebenen.

Zitat:
Hier unterbricht die Leserin seufzend ihre Lektüre und legt die Hände in den Schoß, mit den Worten: „Ja Himmelsakrament nochmal, haben die am Königshof denn keinen der anständiges Deutsch kann?“
Hier ist sie, die fiktive Leserin. Ist das der Erzähler?

Zitat:
Für den Fluch an dieser Stelle kann ich nichts, ich gebe den Ausspruch, wortgetreu wieder. Aufgeregt betteln ihre beiden Töchter, sie möge doch biiiiiiiitttteeeeeee weiter lesen.
Nein. Sie ist es nicht.

Ebene 1: der Erzähler
Ebene 2: die Leserin
Ebene 3: das Märchen

Diese Ebenen - sofern überhaupt beabsichtigt - musst du mit einander in Beziehung setzen.

Zitat:
Wenn ich dich bei der Kritik zu den Dialogen richtig verstanden habe, soll ich selbige strukturell aus dem Fließtext hervorheben. Entspricht das denn der Norm? Ich kann mich nicht erinnern, wie es in Büchern gehandhabt wird, werde aber zukünftig darauf achten.

Ich denke auch, dass es Zeit wird, sich mit Büchern auseinanderzusetzen.  Laughing

Stichwort Fehlerfreiheit: in Lektoraten werden 2,3 Fehler pro Seite toleriert. Wie viele hat dein Text?

Ansonsten: Setze doch mal einen Text in die Werkstatt, zieh dir ein dickes Fell über und dann ran ans Lernen.


_________________
*Koppelmord - Carlsen Instantbooks 2013
*Flauschangriff - Piper/Weltbild 2014, Piper Fahrenheit 2017
*Katertage zum Verlieben - Thienemann 2014
*Bocktot - Gmeiner-Verlag 2017
*Brunnenleich - Gmeiner-Verlag Juli 2018
*Gut Gebellt, Katze - Edel Elements September 2018
*Schwarze Küste - Gmeiner Verlag Februar 2019
*Marias Geheimnis - Weltbild/Edel Elements 01.03.2019
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
Safran
Sonntagsschreiber


Beiträge: 14



BeitragVerfasst am: 28.05.2011 21:53    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ach ja was soll ich sagen oder besser schreiben...

Auf das Thema Anpassung möchte ich eigentlich gar nicht eingehen. Wenn allerdings sooo viele Neulinge das Weite suchen, ohne dass man eine Verbesserung bemerkt, dann würde ich mal die Lehrmethoden überdenken.

Thema Fehler: Ehrlich gesagt, die lieben Fehler sind Camouflagekünstler, ich kann sie einfach nicht finden. Augenscheinlich sollte ich aber auch über ein neues Rechtschreibprogramm nachdenken, denn es kann ebenfalls keine Fehler feststellen; was aber natürlich noch nicht heißt, dass es keine gibt. Besonders für Kommas lege ich nicht meine Hand ins Feuer, denn deren Platzierung muss ich wirklich noch üben, bisher hat es immer gereicht eine Prise davon über den Text zu verteilen.

Thema Bücher: soll ich dir mal ein Foto von meinem Zimmer schicken? Das würde selbst einer Bibliothek Konkurrenz machen. Ich bin eine richtige Leseratte. Allerdings lese ich dabei weniger Trivialliteratur, als vielmehr Sachtexte und Biografien, die meistens ohne viel wörtliche Rede auskommen.

Ach übrigens, darf ich vorstellen: Die fiktive Leserin ist Aschenputtels Tante....
 Wink
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Gast3
Autor


Beiträge: 890
Wohnort: BY


BeitragVerfasst am: 28.05.2011 22:28    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Safran,

ich weiß, das ist jetzt wenig konstruktiv, aber ich fürchte, mit diesbezüglicher Kritik ist dir ohnehin nicht beizukommen.

Aber das hier finde ich grad wirklich erfrischend:
Safran hat Folgendes geschrieben:
Besonders für Kommas lege ich nicht meine Hand ins Feuer, denn deren Platzierung muss ich wirklich noch üben, bisher hat es immer gereicht eine Prise davon über den Text zu verteilen.


So kann man es natürlich auch handhaben. Wie auch immer, in deiner Geschichte hätten es jedenfalls gerne so einige Prisen mehr sein dürfen. wink


Das hier soll jetzt nicht zickig sein, aber weil es mir halt so direkt ins Auge gesprungen ist:
Zitat:
Die Gästeliste liest sich wie das Who is Who sämtlicher bekannter und weniger bekannter Märchenprinzessinnen.



Zitat:
Auf das Thema Anpassung möchte ich eigentlich gar nicht eingehen. Wenn allerdings sooo viele Neulinge das Weite suchen, ohne dass man eine Verbesserung bemerkt, dann würde ich mal die Lehrmethoden überdenken.

Hm, könnte sein, dass du noch nicht lange genug hier bist, um das adäquat beurteilen zu können.

Gruß
schneestern


_________________
Sich vergleichen, ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Gast







BeitragVerfasst am: 28.05.2011 22:38    Titel: Antworten mit Zitat

Safran hat Folgendes geschrieben:
Wenn allerdings sooo viele Neulinge das Weite suchen, ohne dass man eine Verbesserung bemerkt, dann würde ich mal die Lehrmethoden überdenken.


Hallo Safran,

falls es dir entgangen ist, hier sind eine Menge Leute, die gerne helfen. Sie tun das in ihrer Freizeit und einen ausführlichen Kommentar zu schreiben, macht richtig Arbeit. Das hier ist keine Schule - die nehmen immer richtig Geld - und somit kann man hier als User auch keine Lehrmethoden einfordern.
Man muss sich der Kritik stellen und lernen. Letzteres kannst du übrigens sehr gut, indem du links auf Schreibwerkstatt klickerst und dich da mal durcharbeitest.

Liebe Grüße
Monika
Nach oben
Murmel
Geschlecht:weiblichSchlichter und Stänker

Alter: 63
Beiträge: 7493
Wohnort: USA
DSFo-Sponsor


BeitragVerfasst am: 28.05.2011 23:05    Titel: Antworten mit Zitat

Nun komm mal aus der Schmollecke heraus und zeige dich.

 Laughing

Lehrmethoden - danke dir, zu viel der Ehre.

Prosa:
Ihr habt einen Text, den ihr in der jetzigen Form auch an einen Verlag schicken würdet, und verfügt zudem über das geistige Rüstzeug, einer vernichtenden Kritik, einer schonungslos offenen Meinung und einer formlosen Ablehnung inklusive Abschiebung standzuhalten – und zwar ohne einzuschnappen und in Grundsatzdebatten, Polemik oder kindisches Gezänke zu verfallen? Dann seid ihr für die Prosa gewappnet.


_________________
*Koppelmord - Carlsen Instantbooks 2013
*Flauschangriff - Piper/Weltbild 2014, Piper Fahrenheit 2017
*Katertage zum Verlieben - Thienemann 2014
*Bocktot - Gmeiner-Verlag 2017
*Brunnenleich - Gmeiner-Verlag Juli 2018
*Gut Gebellt, Katze - Edel Elements September 2018
*Schwarze Küste - Gmeiner Verlag Februar 2019
*Marias Geheimnis - Weltbild/Edel Elements 01.03.2019
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
Maria
Geschlecht:weiblichEvolutionsbremse

Alter: 47
Beiträge: 7730

DSFo-Sponsor Ei 1
Ei 4


BeitragVerfasst am: 28.05.2011 23:29    Titel: Antworten mit Zitat

Für mehr Detailkritik in die Werkstatt verschoben.
Bei Problemen bitte ich um PN

Gruß
Maria


_________________
Give me sweet lies, and keep your bitter truths.
Tyrion Lannister
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Skype Name
Safran
Sonntagsschreiber


Beiträge: 14



BeitragVerfasst am: 29.05.2011 15:27    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke fürs verschieben Maria  Wink

Eigentlich hatte ich auch nicht erwartet, dass ich hier irgendetwas lerne, dafür besuche ich tatsächlich lieber einen Schreibkurs, aber nochmal danke für den Hinweis Cool   Ich mag das Forum nach kurzer Zeit noch nicht beurteilen können, ABER Murmel hat ja selber geschrieben, dass Anfänger häufig wieder verschwinden.  (Ich habe an dieser Stelle nur zitiert...)
Die Lehrmethoden dürft ihr dabei auch gerne metaphorisch verstehen, ich wollte nicht einfach Kritik schreiben, denn es ist ja doch ein bisschen mehr...
Denn ich weiß durchaus, wie mühsam es ist einen Kommentar zu schreiben! Und ich bin auch sehr dankbar über Probeleser, die mir HELFEN mein Werk zu verbessern, denn kein Meister fällt vom Himmel und Nobody´s perfect.
UND: Ich kann mit KONSTRUKTIVER Kritik umgehen - with the emphasis on the konstruktiv wink  (Was ich nicht mag: Man meldet sich an, setzt nach bestem Wissen und Gewissen einen Text online, in den man viel Zeit und Mühe und jede Menge Herzblut gesteckt hat -  und wird zerrissen, weil man die Foren noch nicht so richtig auseinanderhalten kann!)

PS: Ihr nehmt mich ja schrecklich ernst, wer kann hier nicht mit Kritik umgehen Razz. Ich glaube ihr nehmt mich tatsächlich ernster, als ich mich selbst nehme...

So und jetzt gebts mir doch bitte richtig, zerreißt meinen armen kleinen Text, aber vergesst dabei nicht: Die Idee stammt von den Brüdern Grimm. Kritik diesbezüglich bitte nicht an mich.... Wink

PPS: Oh da habt ihr doch tatsächlich einen Fehler gefunden, aber der hat sich wirklich mächtig gut versteckt, das blöde Wort hab ich doch tatsächlich zweimal kontrolliert und dann ist es mir doch entwischt... sowas aber auch, da hab ich glatt die Rechtschreibung vor lauter Buchstaben nicht gesehen...
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Maria
Geschlecht:weiblichEvolutionsbremse

Alter: 47
Beiträge: 7730

DSFo-Sponsor Ei 1
Ei 4


BeitragVerfasst am: 29.05.2011 16:25    Titel: Antworten mit Zitat

Ein paar Eindrücke von mir.

Der Einstieg in den Text fällt schwer, ich bekomme keine Idee, was mich mit dem Text erwarten könnte... weil:

Zitat:
Die Einladung des Königshauses erreicht auch den Hof auf dem unser armes Mädchen vom Anfang jetzt lebt, oder – ich übertreibe nicht, wenn ich schreibe – leidet. Als nun der königliche Postbote den Brief persönlich übergibt, erbleicht die Tante unseres armen Mädchens zunächst. Die Einladung ist sehr schwülstig formuliert, wie es damals üblich ist:

Geschätzte Bevölkerung,
wie Ihr sicher schon vernommen habt, handle ich, der holde Prinz aus dem Märchen jüngsthin in dem Bestreben mich baldigst zu vermählen. Mithin entsende ich Euch dieses Schreiben, als Unterpfand meiner Treu …

Hier unterbricht die Leserin seufzend ihre Lektüre und legt die Hände in den Schoß, mit den Worten: „Ja Himmelsakrament nochmal, haben die am Königshof denn keinen der anständiges Deutsch kann?“ Für den Fluch an dieser Stelle kann ich nichts, ich gebe den Ausspruch, wortgetreu wieder. Aufgeregt betteln ihre beiden Töchter, sie möge doch biiiiiiiitttteeeeeee weiter lesen. Mit dem noch einen Meter langen Brief, mag ich meine Leser nicht nerven. Ich hoffe ihr glaubt mir auch so, wenn ich sage, man versäumt an dieser Stelle nichts. Irgendwann in der letzten Zeile, des Briefes erfährt der beharrliche Leser dann schließlich doch noch, dass der Prinz eben auch schöne Bauernmädchen auf seiner Fete sehen möchte. Die Leserin reibt sich erst einmal, sei es vor Erschöpfung sei es vor Unglauben die Augen. Dann ruft sie, vom Lesen heiser: „Mensch, das ist ja unsere Chance, ich Königin Mutter!“ Sie sieht sich schon in teuren Roben und mit Krone auf dem zerzausten Haupt.


deshalb.
Deckt sich mit dem was Murmel ansprach.
Ich versteh nicht richtig, wer wann spricht: einmal erbleicht die Tante… (und du erwähnst sie auch in einer Antwort, daher …) ich bilde mir also ein, sie würde Lesen.

Dann wenige Zeilen später: "Hier unterbricht die Leserin…" Wer ist das jetzt?
Falls es immer noch die Tante ist, nenn sie ruhig Tante.

Dann kommt wieder die direkte Ansprache des Erzählers…
"für den Fluch an dieser Stelle…" - jetzt hast Du mich völlig verwirrt.
Etwas weiter unten folgt dann, um mich komplett rauszukicken:
"Dann ruft sie vom Lesen heiser: …ich Königin Mutter!" Wieso ist die Tante Königin Mutter? "

Und noch zwei Zeilen weiter:
"Unsere Protagonistin hat, während sie den Flur mit Reisig kehrt, einen Moment verharrt und den Worten, des Prinzen gelauscht."
Wann hat der denn gesprochen, denke ich, und muss von vorn beginnen.

Machs weniger kompliziert. Du bedienst dich einer etwas aufgeblähten Sprache, die in der Menge und Gebrauch sehr aufgesetzt wirkt. Und eben teils nicht richtig angewandt. Verkompliziert alles unnötig und nimmt den Drive und vor allem den Witz.
Abspecken und in Reihe bringen, wäre hier mein Tipp. Lege fest, wer erzählt, lass den Leser – mich- es frühzeitig klar wissen.


Zitat:
Ihr könnt kaum glauben, dass Aschenbrödel sich keine Lungenentzündung holt, und im echten Leben wäre es ja auch wirklich so. Ihr dürft jedoch nicht vergessen, das hier ist ein Märchen, also passiert ihr nichts, wenn sie so leicht bekleidet durch die Gegend stolpert.

Das ist nicht witzig. ^^ Ich frag mich eher, ob ich hier veräppelt werden soll.
Nicht nur, dass es überflüssiges Geblubber ist (wobei das ja immer Ansichtssache ist), es ist eben nicht lustig oder augenzwinkernd – ich habe mich kaum in sie Situation eingefühlt, mich noch nicht richtig Aschenbrödel genähert, ihrer Erschöpfung usw., schon prügelst Du mich mit einer Unwichtigkeit wieder aus dem Bild.
(an der Stelle ist für gewöhnlich meine Geduld am Ende und ich beschuldige NICHT die Gebrüder Grimm).



Zitat:
„Hab keine Angst mein Kind.“ Aschenbrödel richtet sich ungläubig auf: „Mutter?“ Als sie versucht der Tränen Herr zu werden, hinterlassen die Finger dunkle Abdrücke auf ihren Wangen. Es ist tatsächlich ihre Mutter, die oben, in der Krone des Baumes sitzt. Das kann Aschenbrödel selbstverständlich nicht wissen, denn sie war noch sehr klein, als ihre Eltern starben.


Und trotzdem nennt sie sie Mutter? Jetzt muss ichs doch sagen: sich gerne reden hören, scheint mir ein Problem bei dem Text zu sein.

Ich brech hier ab, habe noch einiges mehr gelesen, meine ersten Eindrücke setzen sich aber fort.
Konzentrier Dich auf den Erzähler und auf das was Du erzählen willst. Witzig sein ist schwerer als man denkt, du darfst es nicht zu sehr erzwingen versuchen. Nicht um den heißen Brei erzählen, pointierter, die viele heiße Luft reduzieren.

Brauchst du die Ansprache des Leser zwingend? Für mich gibt’s kaum was nervigeres als das. Ist Geschmackssache, aber ich frage mich immer wieder: wozu? Das reißt einen aus den Träumereien, aus der anderen Welt. Man ist plötzlich Voyeur, ertappt… HEY DU DA…fürchterlich *g*

Ich glaube du würdest eine klare direkte augenzwinkerende Sprache führen, unter all dem Schi-schi. Magste nicht? ^^

Was war dein Ziel mit dem Märchen? Neu erzählt hast Du es ja nicht – was war denn Dein Plan oder die Idee dahinter?

Gruß
Maria


_________________
Give me sweet lies, and keep your bitter truths.
Tyrion Lannister
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Skype Name
Safran
Sonntagsschreiber


Beiträge: 14



BeitragVerfasst am: 30.05.2011 11:17    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich habe jetzt mal den Anfang etwas ver(schlimm)bessert?
Aber um ehrlich zu sein, fehlt mir jetzt etwas der Witz, vielleicht habt ihr ja Verbesserungsvorschläge, bevor ich mich über den Rest hermache.

PS: Maria, was ich mit dem Text bezweckt habe, war Folgendes: In der Übung ging es einfach nur ums Nacherzählen, das war mir aber zu langweilig. Also habe ich beschlossen, das Ganze etwas satirisch aufzuziehen und aufzupeppen
UND: Mir gefallen Erzähler wie zB in Pushing Daisies - ich wollte die Idee aufgreifen und ich bin mir auch bewusst, dass nicht jeder diese direkte Art schätzt, aber in Märchenverfilmungen kommen Erzähler auch oft vor

PPS - OFFTopic Frage: Ich habe noch ein/zwei Übungsszenen, die ich gerne hier einstellen würde. In welches Forum gehören die, oder darf man einzelne Szenen hier gar nicht posten? (nicht das ich wieder was falsch mache, da frage ich doch lieber  Embarassed )

-------------------------------------------------------------------------------------------------
So jetzt aber der Text:
Eine hübsches Mädchen wird, wie es bei den Gebrüdern Grimm üblich ist, zur Waise. Doch das Schicksal schlägt für die Heldin noch härter zu:

Das arme Ding ist noch minderjährig und damit auf Gedeih und Verderb ihrer Tante und deren verdorbenen Sprösslingen ausgeliefert.
Wie der Zufall es will, ist der Prinz gerade in Heiratslaune. Zu der Zeit, in der unsere Geschichte spielt, war es übrigens üblich, bereits zu heiraten, wenn man noch minderjährig war, na ja und der Prinz darf ohnehin alles. Der Prinz geht also auf Brautschau – und wie macht ein überaus reicher, beliebter und gutaussehender Prinz so etwas? Partnervermittlungen gab es damals bekanntermaßen noch nicht; folglich schmeißt er auf Kosten der Steuerzahler, ähem, Verzeihung, ich meinte natürlich auf Kosten seines überaus spendablen Daddys eine Party. Die Gästeliste liest sich, wie das Who is Who sämtlicher bekannter und weniger bekannter Märchenprinzessinnen. Die anstehende Hochzeit des Prinzen ist auch für die Bevölkerung ein Grund zu feiern. Spontan beschließt man, die Suche nach der Braut, auf die Schönheiten des Landes auszudehnen. Woher dieser Einfall stammte, steht nicht in den Aufzeichnungen. Ursprünglich wollte man damit nur Volksnähe vorgaukeln. Doch alles sollte ganz anders kommen.
Die Einladung des Königshauses erreicht auch den Hof, auf dem die Heldin jetzt lebt – oder man kann ohne Übertreibung sagen – leidet. Als nun der königliche Postbote den Brief persönlich übergibt, erbleicht der gesamte Haushalt. Die Einladung ist, wie es für einen Prinzen üblich ist, schwülstig formuliert:

Geschätzte Bevölkerung,
wie Ihr sicher schon vernommen habt, handle ich, der holde Prinz aus dem Märchen jüngsthin in dem Bestreben mich baldigst zu vermählen. Mithin entsende ich Euch dieses Schreiben, als Unterpfand meiner Treu …

Hier unterbricht die Tante die Lektüre des Briefes. Sie legt die Hände in den Schoß, mit den Worten:„Ja Himmelsakrament nochmal, haben die am Königshof denn keinen der anständiges Deutsch kann?“ Ungeachtet des Fluches betteln ihre beiden Töchter, sie möge doch biiiiiiiitttteeeeeee weiter lesen. Der über ein Meter lange Brief braucht den Leser hier nicht weiter interessieren.
Irgendwann teilt der Prinz der Bevölkerung doch noch mit, dass auch schöne – was die Tante wohlweislich überliest – Bauernmädchen auf der Feier willkommen sind. Die Tante reibt sich erst einmal ungläubig die Augen. Dann ruft sie vom Lesen heiser: „Mensch, das ist unsere Chance! Ich werde Königin Mutter!“ Sie sieht sich schon in teuren Roben, mit einer Krone auf dem zerzausten Haupt.
Die Protagonistin hat, während sie den Flur mit Reisig kehrt, einen Moment innegehalten und dem Brief gelauscht.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Leene
Autor


Beiträge: 724



BeitragVerfasst am: 30.05.2011 11:41    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Safran,

schön, dass du doch an den Text gehen willst! smile Was mir aufgefallen ist: Ich würde thematisch trennen zwischen Märchen (Prosa-Geschichten mit phantastischen Elementen, an Kinder gerichtet, einfache Sprache, das Wundersame in den Alltag holend), modernen Märchen (mit modernen Themen zum Inhalt, dafür müsste m.E. die Geschichte "modernisiert" werden) und Märchen-Parodien (auf das alte Märchen Bezug nehmend, aber verzerrend).

Ich persönlich - das ist natürlich Geschmackssache - mag Parodien nicht, die das Original abwerten. Die Umsetzung ist sicher schwierig, weil es ja trotzdem lustig bis sogar lächerlich sein soll. Vielleicht kannst du Sätze weglassen wie:

„na ja und der Prinz darf ohnehin alles (…) Ihr dürft jedoch nicht vergessen, das hier ist ein Märchen, also passiert ihr nichts, wenn sie so leicht bekleidet durch die Gegend stolpert (…) Mütter und tote Mütter in Märchen im Speziellen können so etwas (…) Ich kann iIhnen jedoch versichern, sSie sind bisher einer Zeitungsente aufgesessen. (…) Es war mir äußerst wichtig, dass die Wahrheit endlich ans Licht kommt. Leider konnte ich dabei keine Rücksicht auf allzu zartbesaitete Gemüter nehmen.“

Liebe Grüße!

Leene
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Safran
Sonntagsschreiber


Beiträge: 14



BeitragVerfasst am: 30.05.2011 12:30    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@Leene
Wenn ich die Sätze komplett weglasse, finde ich geht aller Witz verloren. Wie gesagt: Ich mag diese Art Humor, aber das ist natürlich Geschmacksache.

Seit wann werden denn Anreden wieder groß geschrieben? Ich dachte man darf nach der neuen Rechtschreibung klein schreiben, oder bin ich da auf dem Holzweg...
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Deutsches Schriftstellerforum Foren-Übersicht -> Prosa -> Werkstatt Alle Zeiten sind GMT - 11 Stunden
Gehe zu Seite 1, 2  Weiter
Seite 1 von 2



 
 Foren-Übersicht Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst Deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst Deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht teilnehmen.
In diesem Forum darfst Du keine Ereignisse posten
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht posten
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht herunterladen

Thema Autor Forum Antworten Verfasst am
Keine neuen Beiträge Aschenbrödel oder Prinzessin Leia? Nicki Diskussionen zu Genre und Zielgruppe 8 26.01.2016 14:19 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Aschenbrödel und die Eroberung des by... Alogius Vom Verschwinden der Muse 4 28.10.2009 15:02 Letzten Beitrag anzeigen

BuchEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungBuchBuch

von Leveret Pale

von Oktoberkatze

von Cheetah Baby

von JT

von Traumfänger

von Lady_of_words

von Traumtänzerin

von EdgarAllanPoe

von Alien78

von Jana2

Impressum Datenschutz Marketing AGBs Links
Du hast noch keinen Account? Klicke hier um Dich jetzt kostenlos zu registrieren!