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Dieses Werk wurde für den kleinen Literaten nominiert Das Mädchen aus der Grünstraße


 

 
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OceanChild
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BeitragVerfasst am: 06.05.2010 13:32    Titel: Das Mädchen aus der Grünstraße eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Hallo zusammen. Nun möchte auch ich was zum Besten geben. Die Idee für die Geschichte hatte ich schon länger, bisher aber nie umgesetzt. Nun ist sie fertig und ich würde gerne Anregungen von euch erhalten und wissen was euch gefallen hat und was eben nicht. Bin schon etwas nervös. Inwiefern der Titel passt bzw. anspricht, weiß ich nicht, ich tue mich IMMER extrem schwer bei Titeln.
Here we go.




Keuchend ließ Tim sich auf die Decke fallen. Die trockenen Grashalme pieksten in seine Unterschenkel. Das Kreischen und Lachen der Kinder, die im flachen Wasser plantschten, war selbst hier in der hintersten Ecke des Freibades noch zu hören. Wassertropfen perlten von seiner Haut, zogen in den flauschigen Stoff der Picknickdecke ein. Er schloss die Augen und genoss die Wärme der Sonnenstrahlen, die sich wie ein wohliger Mantel um seinen Körper legte. Etwas sauste an ihm vorbei. Blinzelnd schaute Tim zur Seite. Ein paar Schritte von ihm entfernt beugte sich kleiner Blondschopf unbeholfen vor und hievte einen quietschgelben Wasserball über seinen Kopf. Mit hastig stolpernden Schritten lief der Kleine auf einen jungen Mann zu. Einen Moment blieb Tims Blick an dem jungen Vater hängen, dann fiel ihm eine weitere Gestalt unter der großen Eiche auf. Tim betrachtete sie und stutzte. Dann erkannte er sie. Es war das Mädchen aus der Grünstraße. Allzu lange wohnte er noch nicht dort, doch auf dem Nachhauseweg war er schon mehrmals an ihr vorbei gelaufen. Jedes Mal saß sie auf der verwitterten Holzbank vor dem kleinen Springbrunnen und schien dem Plätschern des Brunnens ihre volle Aufmerksamkeit zu schenken. Etwas faszinierte Tim wie sie dort saß. Friedlich, schien mit der Welt im Reinen zu sein. Er fragte sich, ob sie eine andere Welt sah als er, vielleicht eine schönere, eine bessere. Bisher hatte er nicht die richtigen Worte gefunden, um sie anzusprechen. Dem Versuch durch ein freundliches Lächeln Kontakt aufzunehmen, folgte keine Reaktion. Tim hatte dennoch nicht das Gefühl, dass sie ihn ablehnte, eher dass sie in ihren Gedanken versunken war. Seit er sie das erste Mal gesehen hatte, ertappte er sich immer wieder dabei, wie seine Gedanken zu ihr schweiften, verharrten, bis er sich wieder losreißen konnte in die Wirklichkeit.
Nun saß sie dort in einiger Entfernung auf der blütenweißen Decke, gescheckt von den Schatten des sich wiegenden Baumes. Die Beine an ihren Körper gezogen, schaute sie nachdenklich in seine Richtung, den Kopf leicht zur Seite geneigt. Ob sie ihn an- oder an ihm vorbeistarrte, konnte Tim nicht genau erkennen. Er beugte sich vor. Ihr langes haselnussbraunes Haar floss über ihre Schultern wie ein seichter Bach über Steine und Hölzer. Eine Silberkette blitzte an ihrem Hals hervor. Der Anhänger verschwand hinter den angewinkelten Knien, auf denen ihre schlanken Hände ruhten. Tim ließ seinen Blick über ihre makellosen Beine gleiten. Die zierlichen Füße waren unbeschuht. Er überlegte, ob jetzt die Gelegenheit war, sie anzusprechen. Ein Windstoß riss ihn aus seinen Gedanken. Reflexartig hielt er seine Kleidung fest, die er achtlos neben seiner Decke platziert hatte. Eine Wollknäuel landete vor seinen Füßen. Er beugte sich vor und nahm es an sich. Es war eine leichte Baumwolljacke mit großen roten Knöpfen. Tim blickte sich um. Dem jungen Vater würde sie wohl nicht gehören. Er sah wie das Mädchen die Decke abtastete und sich suchend umschaute. Tim wollte sich schon erheben, als sein Blick auf den Kugelschreiber fiel, der neben einer leeren Trinkdose lag. Er zögerte kurz, beugte sich aber dann zu seiner Tasche auf der Suche nach einem Stück Papier. Er fand eine Packung Taschentücher. Eins der Papiertücher zog er heraus und  schrieb sorgfältig seine Handynummer darauf. Darunter setzte er seinen Namen. Das Tuch schob er in die Seitentasche der Jacke. Einen kurzen Moment dachte er sich, dass das albern sei, doch er war schon aufgestanden und schritt auf sie zu. Die trockenen Grashalme knackten leise unter seinen Füßen. Kurz vor ihr blieb er stehen. Sie schien ihn nicht zu bemerken. Tim räusperte sich kurz. „Hallo, ist das deine Jacke? Die Windbö hat sie zu mir geweht.“
Das Mädchen hielt inne und starrte in seine Richtung. „Ich weiß nicht.“ Sie streckte ihre Hand aus. Tim reichte ihr die Jacke.
Ihre Hände glitten über den weichen Stoff. „Ja das ist meine.“, lächelte sie. „Danke.“
„Keine Ursache.“, sagte er schnell und überlegte, ob er das Gespräch nun weiter führen oder gehen sollte.
„Ich hab dich schon ein paar Mal gesehen, du sitzt oft auf der Bank vor dem Springbrunnen.“, sagte er schließlich und versuchte seiner Stimme Sicherheit zu verleihen.
Das Mädchen zog überrascht die Augenbrauen hoch. „Ja das stimmt. Wohnst du dort?“
„Ja, etwas weiter die Straße runter. Ich heiße übrigens Tim.“
„Melissa.“
Eine Pause entstand. „Und, bist du alleine hier?“, wollte er wissen.
„Ja und nein. Eine Freundin ist auf dem Weg und holt mich gleich ab.“ Noch während sie sprach, klingelte ein Handy. „Oh entschuldige, einen Moment.“ Sie griff in die Tasche ihrer Capri-Hose und zog das Telefon hervor.
Tim trat einen Schritt zurück, private Gespräche gingen ihn nichts an. Doch seinen Blick konnte er nicht abwenden. Vom Nahen verzauberte sie ihn noch mehr. Er betrachtete lange ihr Gesicht, während sie redete. Sie hatte Grübchen, wenn sie lächelte.
Das Gespräch war schnell zu Ende und Melissa verstaute das Handy wieder in ihrer Hosentasche.
„Das war meine Freundin, ich muss jetzt gehen.“, sagte sie, während sie aufstand.
„Okay, dann will ich dich nicht aufhalten.“ Tim lächelte ihr aufmunternd zu.
„Dann mach’s gut. Hat mich gefreut.“
„Gerne geschehen, bis dann!“ Tim drehte sich um und lief zurück zu seinem Platz. Mit einem Grinsen ließ er sich auf die Decke fallen, erst jetzt bemerkte er wie schnell sein Herz pochte. Aus der Ferne sah er wie Melissa die Decke ausschüttelte und sie flüchtig zusammenlegte. Gezielt griff sie nach ihrer Tasche und öffnete sie. Sie holte einen kleinen Stab hervor. Tim beugte sich vor und kniff die Augen zusammen. Mit geübtem Griff zog sie am unteren Ende des Stabes, sodass sich dieser verlängerte. Ein Stock. Ein Ruck durchfuhr Tim, er schluckte. Ein Blindenstock. Seine Gedanken überschlugen sich. Einen Moment lang überlegte er, ob er ihr nachlaufen sollte, doch er sah nur noch, wie sie zwischen den Badegästen aus seinem Blickfeld verschwand.
Tim verbrachte seitdem viel Zeit am Springbrunnen in der Grünstraße. Er hoffte sie noch einmal wieder zu sehen, hoffte, dass sein Telefon klingeln würde. Hoffte. Wartete. Vergebens.



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Liwona
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BeitragVerfasst am: 06.05.2010 15:13    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Wirklich schöne Geschicht! Schade, dass sie zu Ende ist, zwischendurch dachte ich, es wäre wirklich klasse, wenn man daraus eine Liebesgeschichte entwickeln könnte ... Zwischen zwei Teenagern, wovon das Mädchen blind ist, ist mal eine andere Story als üblich.
Du hast einen schönen Schreibstil, ich konnte es gut und flüssig lesen und bis auf ein paar kleinigkeiten hatte ich keine Fehler gefunden. (... wohlige Sonnenstrahlen ... legteN, nicht legte; Etwas faszinierte Tim wie sie dort saß. --->Satz besser umstellen oder ein "daran, " nach Tim)

Aber sonst sehr schön. Abgesehen von den letzten Sätzen wäre es ein guter Einstieg in einen Roman ... Smile
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OceanChild
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BeitragVerfasst am: 06.05.2010 15:18    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Liebe Liwona,

erstmal vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast meine Geschichte zu lesen. Und noch mehr freut mich, dass sie dir gefallen hat. smile

Liwona hat Folgendes geschrieben:
(... wohlige Sonnenstrahlen ... legteN, nicht legte; Etwas faszinierte Tim wie sie dort saß. --->Satz besser umstellen oder ein "daran, " nach Tim)


Nicht die Sonnnstrahlen legten sich um ihn, sondern die Wärme der Sonnenstrahlen  Wink

Deinen zweiten Vorschlag stimme ich zu und werde ihn in meine Geschichte übernehmen. Danke dafür. smile

Grüßle
Karin


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Liwona
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BeitragVerfasst am: 06.05.2010 19:15    Titel: Antworten mit Zitat

stimmt, wenn man es so liest ... Rolling Eyes
Ne, fand ich echt gut ... wie hoch ist die chance auf mehr?  Wink
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OceanChild
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BeitragVerfasst am: 08.05.2010 23:28    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hmm das sollte eigentlich eine Kurzgeschichte bleiben. Aber man kann ja  mal drüber nachdenken   smile

Würde mich über weitere Meinungen/Kritik/Anregungen/Verbesserungsvorschläge sehr freuen!  Embarassed  smile

LG
Karin


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helenius112
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BeitragVerfasst am: 19.01.2011 14:19    Titel: Antworten mit Zitat

Ich finde die Grundidee der Geschichte sehr schön. Die Umsetzung ist dir auch gut gelungen. Das Ende finde ich ein bisschen merkwürdig bzw. realitätsfern. Denn warum sollte das blinde Mädchen ausgerechnet nach dieser Begegnung nicht mehr an den Platz am Brunnen zurückkehren.
Dass sie keinen Kontakt aufnehmen kann, weil sie den Zettel in der Tasche nicht lesen kann, ist einleuchtend.

Mich haben beim Lesen ein paar wenige Formulierungen nicht gefallen.


Tim betrachtete sie und stutzte. Dann erkannte er sie.
Die Aneinanderreihung der beiden Sätze finde ich nicht passend. Wohl auch wegen der Wiederholung "sie"

Etwas faszinierte Tim wie sie dort saß.
-->Wie mein Vorredner schon bemerkte, stimmt der Satzbau nicht.

Friedlich, schien mit der Welt im Reinen zu sein.
-->Hier würde ich einen vollständigen Satz bilden.

die er achtlos neben seiner Decke platziert hatte
-->platzieren kann man generell sagen, passt aber nicht zu deinem Stil dieses Kurzgeschichte. Vielleicht einfach legen?

Besonders gefallen hat mir auch, dass du alles sehr genau beschreibst. Viele Adjektive benutzt usw.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass du hier wirklich  eine schöne Kurzgeschichte geschrieben hast.
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OceanChild
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BeitragVerfasst am: 09.02.2011 15:24    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo lieber orpheus,

auweia, du hast dir die Mühe gemacht, dich um meinen Text zu kümmern und ich bemerk das erst jetzt. Dafür nochmal ein extra Danke. smile

Vielen Dank für deine Vorschläge. Ich habe den Text jetzt nochmal etwas überarbeitet.
Ich verstehe, dass das Ende unbefriedigend ist. Ich persönlich hab meine Lösung für das Ende. Ich müsste das dann nur irgendwie ausformulieren, womit ich aber das Gefühl habe, dass ich das (für mich) schön formulierte Ende kaputt mache. Ich werd mich aber nochmal dran setzen.

Gruß
Karin


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OceanChild
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BeitragVerfasst am: 09.02.2011 15:25    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Keuchend ließ Tim sich auf die Decke fallen. Das Kreischen und Lachen der Kinder, die im flachen Wasser planschten, war selbst hier in der hintersten Ecke des Freibades noch zu hören. Wassertropfen perlten von seiner Haut, zogen in den flauschigen Stoff der Picknickdecke ein. Er schloss die Augen und genoss die Wärme der Sonnenstrahlen, die sich wie ein wohliger Mantel um seinen Körper legte. Etwas sauste an ihm vorbei. Blinzelnd schaute Tim zur Seite. Ein paar Schritte von ihm entfernt beugte sich ein kleiner Blondschopf unbeholfen vor und hievte einen quietschgelben Wasserball über seinen Kopf. Mit hastig stolpernden Schritten lief der Kleine auf einen jungen Mann zu. Einen Moment blieb Tims Blick an dem jungen Vater hängen, dann fiel ihm eine weitere Gestalt unter der großen Eiche auf. Tim stutzte zuerst, doch dann erkannte er sie. Es war das Mädchen aus der Grünstraße. Allzu lange wohnte er noch nicht dort, doch auf dem Nachhauseweg war er schon mehrmals an ihr vorbei gelaufen. Jedes Mal saß sie auf der verwitterten Holzbank vor dem kleinen Springbrunnen und schien dem Plätschern des Brunnens ihre volle Aufmerksamkeit zu schenken. Sie wirkte so friedlich und schien mit der Welt im Reinen zu sein. Tim fragte sich, ob sie eine andere Welt sah als er, vielleicht eine schönere, eine bessere. Bisher hatte er nicht die richtigen Worte gefunden, um sie anzusprechen. Dem Versuch durch ein freundliches Lächeln Kontakt aufzunehmen, folgte keine Reaktion. Tim hatte dennoch nicht das Gefühl, dass sie ihn ablehnte, eher dass sie in ihren Gedanken versunken war. Seit er sie das erste Mal gesehen hatte, ertappte er sich immer wieder dabei, wie seine Gedanken zu ihr schweiften, verharrten, bis er sich wieder losreißen konnte in die Wirklichkeit.
Nun saß sie dort in einiger Entfernung auf der blütenweißen Decke, gescheckt von den Schatten des sich wiegenden Baumes. Die Beine an ihren Körper gezogen, schaute sie nachdenklich in seine Richtung, den Kopf leicht zur Seite geneigt. Ob sie ihn an- oder an ihm vorbeistarrte, konnte Tim nicht genau erkennen. Er beugte sich vor. Das haselnussbraune Haar floss über ihre Schultern. Eine Silberkette blitzte an ihrem Hals hervor. Der Anhänger verschwand hinter den angewinkelten Knien, auf denen ihre zierlichen Hände ruhten. Tim überlegte, ob jetzt die Gelegenheit war, sie anzusprechen. Ein Windstoß riss ihn aus seinen Gedanken. Reflexartig hielt er seine Kleidung fest, die er achtlos neben seine Decke geworfen hatte. Eine Wollknäuel landete vor seinen Füßen. Er beugte sich vor und nahm es an sich. Es war eine leichte Baumwolljacke mit großen roten Knöpfen. Tim blickte sich um. Dem jungen Vater würde sie wohl nicht gehören. Er sah, wie das Mädchen die Decke abtastete und sich suchend umschaute. Tim wollte sich schon erheben, als sein Blick auf den Kugelschreiber fiel, der neben einer leeren Trinkdose lag. Er zögerte kurz, beugte sich aber dann zu seiner Tasche auf der Suche nach einem Stück Papier. Er fand eine Packung Taschentücher. Eins der Papiertücher zog er heraus und schrieb sorgfältig seine Handynummer darauf. Darunter setzte er seinen Namen. Das Tuch schob er in die Seitentasche der Jacke. Einen kurzen Moment dachte er sich, dass das albern sei, doch er war schon aufgestanden und schritt auf sie zu. Die trockenen Grashalme knackten leise unter seinen Füßen. Kurz vor ihr blieb er stehen. Sie schien ihn nicht zu bemerken. Tim räusperte sich kurz. „Hallo, ist das deine Jacke? Die Windbö hat sie zu mir geweht.“
Das Mädchen hielt inne und starrte in seine Richtung. „Ich weiß nicht.“ Sie streckte ihre Hand aus. Tim reichte ihr die Jacke.
Ihre Hände glitten über den weichen Stoff. „Ja, das ist meine.“, lächelte sie. „Danke.“
„Keine Ursache.“, sagte er schnell und überlegte, ob er das Gespräch nun weiter führen oder gehen sollte.
„Ich hab dich schon ein paar Mal gesehen, du sitzt oft auf der Bank vor dem Springbrunnen.“, sagte er schließlich und versuchte seiner Stimme Sicherheit zu verleihen.
Das Mädchen zog überrascht die Augenbrauen hoch. „Ja, das stimmt. Wohnst du dort?“
„Ja, etwas weiter die Straße runter. Ich heiße übrigens Tim.“
„Melissa.“
Eine Pause entstand. „Und, bist du alleine hier?“, wollte er wissen.
„Ja und nein. Eine Freundin ist auf dem Weg und holt mich gleich ab.“ Noch während sie sprach, klingelte ein Handy. „Oh entschuldige, einen Moment.“ Sie griff in die Tasche ihrer Capri-Hose und zog das Telefon hervor.
Tim trat einen Schritt zurück, private Gespräche gingen ihn nichts an. Doch seinen Blick konnte er nicht abwenden. Vom Nahen verzauberte sie ihn noch mehr. Er betrachtete ihr Gesicht, während sie redete. Sie hatte Grübchen, wenn sie lächelte.
Das Gespräch war schnell zu Ende und Melissa verstaute das Handy wieder in ihrer Hosentasche.
„Das war meine Freundin, ich muss jetzt gehen.“, sagte sie, während sie aufstand.
„Okay, dann will ich dich nicht aufhalten.“ Tim lächelte ihr aufmunternd zu.
„Dann mach’s gut. Hat mich gefreut.“
„Gerne geschehen, bis dann!“ Tim drehte sich um und lief zurück zu seinem Platz. Mit einem Grinsen ließ er sich auf die Decke fallen, erst jetzt bemerkte er wie schnell sein Herz pochte. Aus der Ferne sah er, wie Melissa die Decke ausschüttelte und sie flüchtig zusammenlegte. Gezielt griff sie nach ihrer Tasche und öffnete sie. Sie holte einen kleinen Stab hervor. Tim beugte sich vor und kniff die Augen zusammen. Mit geübtem Griff zog sie am unteren Ende des Stabes, sodass sich dieser verlängerte. Ein Stock. Melissa ließ sein Ende über den Boden gleiten, während sie sich in Bewegung setzte.
Ein Ruck durchfuhr Tim, er schluckte. Einen Moment lang überlegte er, ob er ihr nachlaufen sollte, doch er sah nur noch, wie sie zwischen den Badegästen aus seinem Blickfeld verschwand.

Tim verbrachte seitdem viel Zeit am Springbrunnen in der Grünstraße. Er hoffte sie noch einmal wieder zu sehen, hoffte, dass sein Telefon klingeln würde. Hoffte. Wartete. Vergebens.


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Ernst Clemens
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 73
Beiträge: 734
Wohnort: München


BeitragVerfasst am: 09.02.2011 17:32    Titel: Antworten mit Zitat

hallo,

du beobachtest gut und verstehst es, deine beobachtungen in worte zu fassen.

leider ist dir ein logikfehler unterlaufen. du schreibst:

Zitat:
Aus der Ferne sah er, wie Melissa die Decke ausschüttelte
. wenn sie wirklich so weit entfernt war, hätte er diese details nicht erkennen können:

Zitat:
Eine Silberkette blitzte an ihrem Hals hervor. Der Anhänger verschwand hinter den angewinkelten Knien, auf denen ihre zierlichen Hände ruhten.


und noch etwas: im direkten gespräch mit einem blinden menschen kann man an den augen sehen, dass er blind ist. es sei denn, dein mädchen trug eine sonnenbrille (was im schwimmbad ja gut einzubauen wäre!).

Zitat:
Einen Moment lang überlegte er, ob er ihr nachlaufen sollte, doch er sah nur noch, wie sie zwischen den Badegästen aus seinem Blickfeld verschwand.

du beschreibst, dass das schwimmbad voll war (kreischende kinder, spielende kinder etc). wie soll ein blinder mensch so SCHNELL durch die am boden liegenden (sonnen)-badenden und spielenden leute kommen?

versuch dir einfach die situation im schwimmbad genau vorzustellen!

herzliche grüße

ernst
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Myrine
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Beiträge: 515
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BeitragVerfasst am: 09.02.2011 23:03    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

warum sie nicht zum Brunnen zurückkehrt habe ich mich auch gefragt.

Was mir gut gefallen hat, ist der Erzählstil; die Athmosphäre im Schwimmbad fand ich sehr lebendig und es war nachvollziehbar, was Tim an Melissa so faszinierend findet.

Edit: grade vergessen - der Titel passt auch.

Gerne gelesen,
Myrine


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die da träumen fort und fort,
und die Welt hebt an zu singen,
triffst du nur das Zauberwort.
(Joseph Freiherr von Eichendorff)
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Mr. Curiosity
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Der goldene Käfig


BeitragVerfasst am: 10.02.2011 00:05    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo nach Köln aus Köln,

ein schöner Text. Ich bin gespannt wie es weitergeht. Bisweilen ist es etwas viel Beschreibung.
Ich zeige mal ein paar Stellen, die mir aufgefallen sind.

Zitat:
Das Kreischen und Lachen der Kinder, die im flachen Wasser plantschten, war selbst hier in der hintersten Ecke des Freibades noch zu hören.


Mit Substantivierungen büßt man oft etwas Lebendigkeit ein. Das fände ich bei der sonstigen guten Beschreibung schade. Wie wäre es mit:

Kinder planschten im flachen Wasser, kreischten und lachten dabei so laut, dass Tim sie selbst hier in der hintersten Ecke des Freibades hören konnte.

Zitat:
dann fiel ihm eine weitere Gestalt unter der großen Eiche auf. Tim betrachtete sie und stutzte. Dann erkannte er sie.


Zitat:
Jedes Mal saß sie auf der verwitterten Holzbank vor dem kleinen Springbrunnen und schien seinem Plätschern ihre volle Aufmerksamkeit zu widmen.


Zitat:
Ihr langes haselnussbraunes Haar floss über ihre Schultern wie ein seichter Bach über Steine und Hölzer.


Netter Vergleich.

Du solltest evtl. die Satzlängen etwas variieren. Es liest sich etwas schnell.

Zitat:
Die trockenen Grashalme knackten leise unter seinen Füßen.


Ist klar, dass die keine großen Geräusche machen  Wink

-------

Wie gesagt, mir gefällt's.

LG David


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"Wenn du Schriftsteller sein willst, dann sag, dass du der Beste bist ...
Aber nicht, solange es mich gibt, kapiert?! Es sei denn, du willst das draußen austragen."

(Ernest Hemingway in "Midnight in Paris")
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OceanChild
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BeitragVerfasst am: 10.02.2011 12:20    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Erstmal bedanke ich mich bei euch, die ihr euch meiner Geschichte angenommen habt smile

Hallo Ernst Clemens,
vielen Dank für deine Hinweise! Leider habe ich Logikfehler immer wieder in meinen Geschichten, die finde ich aber selten. Danke, dass du mich mit der Nase drauf gestoßen hast. Ich hab versucht es gut umzusetzen und ich hoffe, dass es jetzt so rüberkommt, wie ich es mir in meinem Kopf gedacht hab  Wink


Hallo Myrine,
vielen Dank für das Lob, hab mich sehr drüber gefreut.


Hallo David,
danke für deine Verbesserungsvorschläge, ich habe versucht sie umzusetzen.
Viel Beschreibung, ja, das war auch genau der Punkt, den ich mit der Geschichte üben wollte. Vl hab ichs etwas übertrieben? Die ganz kitschigen Sachen hab ich versucht rauszunehmen oder zu entschärfen.


Das Ende habe ich jetzt abgeändert. Ich hoffe das passt noch zur Geschichte.  Wie kommt es rüber?


Gruß
Karin


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OceanChild
Geschlecht:weiblichHobbyautor

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BeitragVerfasst am: 10.02.2011 12:21    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Keuchend ließ Tim sich auf die Decke fallen. Die lachenden und kreischenden Kinder, die in der hintersten Ecke des Freibades im flachen Wasser planschten, waren selbst hier vorn noch zu hören. Wassertropfen perlten von seiner Haut, zogen in den flauschigen Stoff der Picknickdecke ein. Er schloss die Augen und genoss die Wärme der Sonnenstrahlen, die sich wie ein wohliger Mantel um seinen Körper legte. Etwas sauste an ihm vorbei. Blinzelnd schaute Tim zur Seite. Ein paar Schritte von ihm entfernt beugte sich ein kleiner Blondschopf unbeholfen vor und hievte einen quietschgelben Wasserball über seinen Kopf. Mit hastig stolpernden Schritten lief der Kleine auf einen jungen Mann zu. Einen Moment blieb Tims Blick an dem jungen Vater hängen, als ihm eine weitere Gestalt unter der großen Eiche auffiel. Tim stutzte zuerst, doch dann erkannte er sie. Es war das Mädchen aus der Grünstraße. Allzu lange wohnte er noch nicht dort, doch auf dem Nachhauseweg war er schon mehrmals an ihr vorbei gelaufen. Jedes Mal saß sie auf der verwitterten Holzbank vor dem kleinen Springbrunnen und schien seinem Plätschern ihre volle Aufmerksamkeit zu schenken. Sie wirkte so friedlich und schien mit der Welt im Reinen zu sein. Tim fragte sich, ob sie eine andere Welt sah als er, vielleicht eine schönere, eine bessere. Bisher hatte er nicht die richtigen Worte gefunden, um sie anzusprechen. Dem Versuch durch ein freundliches Lächeln Kontakt aufzunehmen, folgte keine Reaktion. Tim hatte dennoch nicht das Gefühl, dass sie ihn ablehnte, eher dass sie in ihren Gedanken versunken war. Seit er sie das erste Mal gesehen hatte, ertappte er sich immer wieder dabei, wie seine Gedanken zu ihr schweiften, verharrten, bis er sich wieder losreißen konnte in die Wirklichkeit.
Nun saß sie dort in einiger Entfernung auf der blütenweißen Decke, gescheckt von den Schatten des sich wiegenden Baumes. Die Beine an ihren Körper gezogen, schaute sie nachdenklich in seine Richtung, den Kopf leicht zur Seite geneigt. Ob sie ihn an- oder an ihm vorbeistarrte, konnte Tim nicht erkennen, ihre Augen wurden von einer Sonnenbrille verdeckt. Er beugte sich vor. Das haselnussbraune Haar floss über ihre Schultern. Eine Silberkette blitzte an ihrem Hals hervor. Der Anhänger verschwand hinter den angewinkelten Knien, auf denen ihre zierlichen Hände ruhten. Ein Windstoß riss ihn aus seinen Gedanken. Reflexartig hielt er seine Kleidung fest, die er achtlos neben seine Decke geworfen hatte. Eine Wollknäuel landete vor seinen Füßen. Er beugte sich vor und nahm es an sich. Es war eine leichte Baumwolljacke mit großen roten Knöpfen. Tim blickte sich um. Dem jungen Vater würde sie wohl nicht gehören. Er sah, wie das Mädchen die Decke abtastete und sich suchend umschaute. Tim wollte sich schon erheben, als sein Blick auf den Kugelschreiber fiel, der neben einer leeren Trinkdose lag. Er zögerte kurz, beugte sich aber dann zu seiner Tasche auf der Suche nach einem Stück Papier. Er fand eine Packung Taschentücher. Eins der Papiertücher zog er heraus und schrieb sorgfältig seine Handynummer darauf. Darunter setzte er seinen Namen. Das Tuch schob er in die Seitentasche der Jacke. Einen kurzen Moment dachte er sich, dass das albern sei, doch er war schon aufgestanden und schritt auf sie zu. Die trockenen Grashalme knackten unter seinen Füßen. Kurz vor ihr blieb er stehen. Sie schien ihn nicht zu bemerken. Tim räusperte sich kurz. „Hallo, ist das deine Jacke? Die Windbö hat sie zu mir geweht.“
Das Mädchen hielt inne und starrte in seine Richtung. „Ich weiß nicht.“ Sie streckte ihre Hand aus. Tim reichte ihr die Jacke.
Ihre Hände glitten über den weichen Stoff. „Ja, das ist meine.“, lächelte sie. „Danke.“
„Keine Ursache.“, sagte er schnell und überlegte, ob er das Gespräch nun weiter führen oder gehen sollte.
„Ich hab dich schon ein paar Mal gesehen, du sitzt oft auf der Bank vor dem Springbrunnen.“, sagte er schließlich und versuchte seiner Stimme Sicherheit zu verleihen.
Das Mädchen zog überrascht die Augenbrauen hoch. „Ja, das stimmt. Wohnst du dort?“
„Ja, etwas weiter die Straße runter. Ich heiße übrigens Tim.“
„Melissa.“
Eine Pause entstand. „Und, bist du alleine hier?“, wollte er wissen.
„Ja und nein. Eine Freundin ist auf dem Weg und holt mich gleich ab.“ Noch während sie sprach, klingelte ein Handy. „Oh entschuldige, einen Moment.“ Sie griff in die Tasche ihrer Capri-Hose und zog das Telefon hervor.
Tim trat einen Schritt zurück, private Gespräche gingen ihn nichts an. Doch seinen Blick konnte er nicht abwenden. Vom Nahen verzauberte sie ihn noch mehr. Er betrachtete ihr Gesicht und bemerkte die Grübchen, als sie lächelte.
Das Gespräch dauerte nur ein paar Sekunden und Melissa verstaute das Handy wieder in ihrer Hosentasche.
„Das war meine Freundin, ich muss jetzt gehen.“, sagte sie, während sie aufstand.
„Okay, dann will ich dich nicht aufhalten.“ Tim lächelte ihr aufmunternd zu.
„Dann mach’s gut. Hat mich gefreut.“
„Gerne geschehen, bis dann!“ Tim drehte sich um und lief zurück zu seinem Platz. Mit einem Grinsen ließ er sich auf die Decke fallen, erst jetzt bemerkte er wie schnell sein Herz pochte. Er beobachtete, wie Melissa die Decke ausschüttelte und sie flüchtig zusammenlegte. Gezielt griff sie nach ihrer Tasche und öffnete sie. Sie holte einen kleinen Stab hervor. Tim beugte sich vor und kniff die Augen zusammen. Mit geübtem Griff zog sie am unteren Ende des Stabes, sodass sich dieser verlängerte. Ein Stock. Melissa ließ sein Ende über den Boden gleiten, während sie sich in Bewegung setzte.
Ein Ruck durchfuhr Tim, er schluckte. Einen Moment lang überlegte er, ob er ihr nachlaufen sollte. Da Melissa nicht weit vom Ausgang gesessen hatte, erreichte sie bald das Drehkreuz und verließ das Freibad. Tims Gedanken überschlugen sich. Plötzlich sprang er auf und rannte ihr nach. Bevor er das Kassiererhäuschen erreichte, reihte sich ein älteres Ehepaar vor ihm ein. Über die Schulter der alten Dame durchforstete Tims Blick Familien mit Kindern, Liebespaare, Gruppen von Jugendlichen. Dann entdeckte er Melissa! Sie stieg gerade in einen alten Fiesta, ihre Freundin verstaute ein Tasche im Kofferraum. Tim kam es vor wie Stunden, dann schwang er endlich das Drehkreuz und rannte los. Doch das Auto hatte sich schon in Bewegung gesetzt, es bog auf die Straße ab. Das letzte was Tim vom Wagen registrierte war das kleine Symbol auf dem Autokennzeichen: ein rotes Wappen mit weißem Kreuz.


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Yunnu
Abc-Schütze


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BeitragVerfasst am: 10.02.2011 13:27    Titel: Antworten mit Zitat

Ich mag die Geschichte.

Ich finde auch, dass man daraus schön noch eine längere Geschichte machen könnte. Dein Schreibstil gefällt mir und eine längere Version dieser Geschichte würde ich sehr gern lesen.
Die Überarbeitete Version der Geschichte ist besser, auch der erste große Absatz ist nun zweigeteilt, das hat mich in der ersten Version gestört. Man könnte es aber vielleicht sogar noch weiter einteilen (zB als er das Mädchen sieht und erkennt dass sie aus der Grünstraße ist).
Inhaltlich ist die Hauptfigur vielleicht etwas zu wenig charakterisiert. Bzw zu sehr, in Kurzgeschichten haben die Hauptpersonen für gewöhnlch keine Namen bzw sind anonym (du sagtest ya es sollte eher eine Kurzgeschichte bleiben). Dass du die Person Tim nennst impliziert dass es nicht jede Person hätte sein können, fährst dann aber fort ohne dass besondere Eigenschaften von ihm herauskommen würden. Aus diesem Grund finde ich den Namen ein wenig unnötig, irgendwie.
Dass sie blind war empfand ich als vorhersehbar, das fiel mir auf, als sie ihre Jacke betasten musste um zu wissen, ob es ihre war.
Das neue Ende finde ich okay, und es ist offener; es besteht also die Chance, dass sie sich wiedertreffen, zumindest wenn ich nichts falsch verstanden habe.
Wenn es ihm so wichtig ist, nochmal mit ihr zu reden, warum ruft er sie dann nicht? Er kennt doch ihren Namen.

In der neuen Version ist ne Wortwiederholung, du nennst den Vater zweimal jung.
Und du setzt Punkte ans Ende von wörtlichen Reden, wo sie nicht hingehören:
Falsch: "Ich habe Hunger.", sagte er.
Richtig: "Ich habe Hunger", sagte er.

Mehr ist mir nicht aufgefallen ^^

lg~
Yunnu
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BeitragVerfasst am: 26.07.2011 12:37    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Yunnu!

Vielen Dank für deine Anmerkungen smile

Ich habe die Stelle, an der er ihr die Jacke gibt etwas verändert, um das Vorhersehbare vielleicht noch etwas rauszunehmen.

Die Wiederholung hab ich rausgenommen, danke smile

Und das mit den Punkten in der wörtlichen Rede hab ich auch korrigiert. Das ist aber nur so, wenn noch ein Nachsatz wie -, sagte er. - oder sowas dahinter kommt, ansonsten kommt erst der Punkt und dann die Anführugnszeichen?

Die überarbeitete Version stell ich nochmal rein.


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Kleine Meise, großes Herz.
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OceanChild
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BeitragVerfasst am: 26.07.2011 12:38    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Keuchend ließ Tim sich auf die Decke fallen. Die lachenden und kreischenden Kinder, die in der hintersten Ecke des Freibades im flachen Wasser planschten, waren selbst hier vorn noch zu hören. Wassertropfen perlten von seiner Haut, zogen in den flauschigen Stoff der Picknickdecke ein. Er schloss die Augen und genoss die Wärme der Sonnenstrahlen, die sich wie ein wohliger Mantel um seinen Körper legte. Etwas sauste an ihm vorbei. Blinzelnd schaute Tim zur Seite. Ein paar Schritte von ihm entfernt beugte sich ein kleiner Blondschopf unbeholfen vor und hievte einen quietschgelben Wasserball über seinen Kopf. Mit hastig stolpernden Schritten lief der Kleine auf einen Mann zu. Einen Moment blieb Tims Blick an dem jungen Vater hängen, als ihm eine weitere Gestalt unter der großen Eiche auffiel. Tim stutzte zuerst, doch dann erkannte er sie. Es war das Mädchen aus der Grünstraße. Allzu lange wohnte er noch nicht dort, doch auf dem Nachhauseweg war er schon mehrmals an ihr vorbei gelaufen. Jedes Mal saß sie auf der verwitterten Holzbank vor dem kleinen Springbrunnen und schien seinem Plätschern ihre volle Aufmerksamkeit zu schenken. Sie wirkte so friedlich und schien mit der Welt im Reinen zu sein. Tim fragte sich, ob sie eine andere Welt sah als er, vielleicht eine schönere, eine bessere. Bisher hatte er nicht die richtigen Worte gefunden, um sie anzusprechen. Dem Versuch durch ein freundliches Lächeln Kontakt aufzunehmen, folgte keine Reaktion. Tim hatte dennoch nicht das Gefühl, dass sie ihn ablehnte, eher dass sie in ihren Gedanken versunken war. Seit er sie das erste Mal gesehen hatte, ertappte er sich immer wieder dabei, wie seine Gedanken zu ihr schweiften, verharrten, bis er sich wieder losreißen konnte in die Wirklichkeit.
Nun saß sie dort in einiger Entfernung auf der blütenweißen Decke, gescheckt von den Schatten des sich wiegenden Baumes. Die Beine an ihren Körper gezogen, schaute sie nachdenklich in seine Richtung, den Kopf leicht zur Seite geneigt. Ob sie ihn an- oder an ihm vorbeistarrte, konnte Tim nicht erkennen, ihre Augen wurden von einer Sonnenbrille verdeckt. Er beugte sich vor. Das haselnussbraune Haar floss über ihre Schultern. Eine Silberkette blitzte an ihrem Hals hervor. Der Anhänger verschwand hinter den angewinkelten Knien, auf denen ihre zierlichen Hände ruhten. Ein Windstoß riss ihn aus seinen Gedanken. Reflexartig hielt er seine Kleidung fest, die er achtlos neben seine Decke geworfen hatte. Ein Wollknäuel landete vor seinen Füßen. Er beugte sich vor und nahm es an sich. Es war eine leichte Baumwolljacke mit großen roten Knöpfen. Tim blickte sich um. Dem jungen Vater würde sie wohl nicht gehören. Er sah, wie das Mädchen die Decke abtastete und sich suchend umschaute. Tim wollte sich schon erheben, als sein Blick auf den Kugelschreiber fiel, der neben einer leeren Trinkdose lag. Er zögerte kurz, beugte sich aber dann zu seiner Tasche auf der Suche nach einem Stück Papier. Er fand eine Packung Taschentücher. Eins der Papiertücher zog er heraus und schrieb sorgfältig seine Handynummer darauf. Darunter setzte er seinen Namen. Das Tuch schob er in die Seitentasche der Jacke. Einen kurzen Moment dachte er sich, dass das albern sei, doch er war schon aufgestanden und schritt auf sie zu. Die trockenen Grashalme knackten unter seinen Füßen. Kurz vor ihr blieb er stehen. Sie schien ihn nicht zu bemerken. Tim räusperte sich kurz. „Hallo, ist das deine Jacke? Die Windbö hat sie zu mir geweht.“
Das Mädchen hielt inne und starrte in seine Richtung. Sie streckte ihre Hand aus und Tim reichte ihr die Jacke.
„Ja, das ist meine“, lächelte sie. „Danke.“
„Keine Ursache“, sagte er schnell und überlegte, ob er das Gespräch nun weiter führen oder gehen sollte.
„Ich hab dich schon ein paar Mal gesehen, du sitzt oft auf der Bank vor dem Springbrunnen“, sagte er schließlich und versuchte seiner Stimme Sicherheit zu verleihen.
Das Mädchen zog überrascht die Augenbrauen hoch. „Ja, das stimmt. Wohnst du dort?“
„Ja, etwas weiter die Straße runter. Ich heiße übrigens Tim.“
„Melissa.“
Eine Pause entstand. „Und, bist du alleine hier?“, wollte er wissen.
„Ja und nein. Eine Freundin ist auf dem Weg und holt mich gleich ab.“ Noch während sie sprach, klingelte ein Handy. „Oh entschuldige, einen Moment.“ Sie griff in die Tasche ihrer Capri-Hose und zog das Telefon hervor.
Tim trat einen Schritt zurück, private Gespräche gingen ihn nichts an. Doch seinen Blick konnte er nicht abwenden. Vom Nahen verzauberte sie ihn noch mehr. Er betrachtete ihr Gesicht und bemerkte die Grübchen, als sie lächelte.
Das Gespräch dauerte nur ein paar Sekunden und Melissa verstaute das Handy wieder in ihrer Hosentasche.
„Das war meine Freundin, ich muss jetzt gehen“, sagte sie, während sie aufstand.
„Okay, dann will ich dich nicht aufhalten.“ Tim lächelte ihr aufmunternd zu.
„Dann mach’s gut. Hat mich gefreut.“
„Gerne geschehen, bis dann!“ Tim drehte sich um und lief zurück zu seinem Platz. Mit einem Grinsen ließ er sich auf die Decke fallen, erst jetzt bemerkte er wie schnell sein Herz pochte. Er beobachtete, wie Melissa die Decke ausschüttelte und sie flüchtig zusammenlegte. Gezielt griff sie nach ihrer Tasche und öffnete sie. Sie holte einen kleinen Stab hervor. Tim beugte sich vor und kniff die Augen zusammen. Mit geübtem Griff zog sie am unteren Ende des Stabes, sodass sich dieser verlängerte. Ein Stock. Melissa ließ sein Ende über den Boden gleiten, während sie sich in Bewegung setzte.
Ein Ruck durchfuhr Tim. Einen Moment lang überlegte er, ob er ihr nachlaufen sollte. Da Melissa nicht weit vom Ausgang gesessen hatte, erreichte sie bald das Drehkreuz und verließ das Freibad. Tims Gedanken überschlugen sich. Plötzlich sprang er auf und rannte ihr nach. Bevor er das Kassiererhäuschen erreichte, reihte sich ein älteres Ehepaar vor ihm ein. Über die Schulter der alten Dame durchforstete Tims Blick Familien mit Kindern, Liebespaare, Gruppen von Jugendlichen. Dann entdeckte er Melissa! Sie stieg gerade in einen alten Fiesta, ihre Freundin verstaute eine Tasche im Kofferraum.
„Melissa!“, rief Tim, doch seine Stimme verschwand im Lärm der Automotoren und der kreischenden und lachenden Kinder. Er rief noch einmal, doch Melissa schein ihn nicht zu hören und zog die Beifahrertür zu. Tim kam es vor wie Stunden, dann schwang er endlich das Drehkreuz und rannte los. Das Auto hatte sich schon in Bewegung gesetzt, es bog auf die Straße ab. Das letzte was Tim vom Wagen registrierte war das kleine Symbol auf dem Autokennzeichen: ein rotes Wappen mit weißem Kreuz.


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