15 Jahre Schriftstellerforum!
 
Suchen
Suchabfrage:
erweiterte Suche

Login

Jetzt erhältlich! Eine Anthologie von und mit unseren Usern. Jetzt bestellen! Die erste, offizielle DSFo-Anthologie! Lyrikwerkstatt Das DSFo.de DSFopedia


Der Wolf und die sieben alten Geißlein


 

 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Deutsches Schriftstellerforum Foren-Übersicht -> Prosa -> Werkstatt
 Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
peterbone
Geschlecht:männlichGänsefüßchen


Beiträge: 21



BeitragVerfasst am: 29.11.2020 10:13    Titel: Der Wolf und die sieben alten Geißlein eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Der Wolf und die sieben alten Geißlein

Es waren einmal sieben alte Geißen und die wohnten in einem Haus am Waldrand und das war ihr Altersruhesitz. Sie hatten eine junge Geiß bei sich, die hieß Samantha und diese kochte, buk, wusch die Wäsche und hielt das Haus rein. Derlei Arbeiten verrichtete sie bereitwillig, doch mehr vermochte sie nicht zu tun. So gab es keinen, der in den Wald fuhr und Holz holte für den Winter, und die Geißen sagten: „Das Jahr rückt vor, allmählich wird es kalt. Wir frieren und wir müssen einen finden, der uns die alten Knochen wärmt.“ So lagen sie in den Fenstern und schauten hinaus auf die Straße unter den Zweigen der großen Eiche, doch lange Zeit sahen sie niemanden. Zu abgelegen war der Platz, wo sie wohnten.

Da geschah es, dass eines Tages ein Wolf des Weges kam. „Ein Wolf“, sagte da Camilla, eine der alten Geißen, zu den anderen. „Kann uns der nicht gefährlich werden?“ – „In unserem Alter?“ lachte Kreszentia, die alle Zenzi nannten. „Du hast wohl zu viele Märchen gelesen.“

So kam es, dass sie den Wolf baten, ins Haus zu kommen, und weil sie ihm einen guten Lohn versprachen, willigte er ein und wurde ihr Knecht. Tagsüber verrichtete er alle Arbeiten, die man ihm auftrug, und nach getanem Tagwerk ging er in die Kammer zu der jungen Samantha. Er war zufrieden und sie auch, und alles hätte gut sein können, wenn nicht die Geiß Lucrezia gewesen wäre, der trotz ihres Alters der Trieb noch immer keine Ruhe ließ.

„Wolf“, rief sie eines Tages.. „Komm her!“ Und als er kam, sagte sie: „Mich juckt es am Knie. Kannst du mich nicht ein bisschen kratzen?“

Der Wolf hatte bisher nie einer der alten Geißen Widerworte gegeben, also tat er es auch diesmal nicht. Und er war ihr selbst dann zu Willen, als es sie weiter oben juckte. Irgendwann jedoch zog er seine Pfote zurück.

„Was ist?“ fragte sie.

„Wärst du dreißig Jahre jünger“, entgegnete er, wer weiß, vielleicht hätte dies alles ein ganz anderes Ende genommen. Aber so …“

Er ging zur Tür, trat hinaus in den Hof, wusch sich die Pfoten am Brunnen und machte sich wieder an seine Arbeit.

Lucrezia wartete, als er jedoch nicht zurück kam, begab sie sich zu den anderen und sagte: „Dieser Knecht darf nicht bei uns bleiben.“

„Warum das denn?“ fragten diese. Sie verstanden nicht, denn er war stets allen Geißen gefällig gewesen, hatte für ein warmes Haus gesorgt und ihnen treu gedient.

„Er ist mir zu nahe getreten“, sagte Lucrezia. „Er hat versucht, mich zu vergewaltigen.“

Die meisten anderen alten Geißen schauten ungläubig, denn der Wolf war mit der süßen jungen Samantha zusammen. Warum sollte er also die alte Lucrezia wollen?

„Vergewaltigen?“ fuhr jetzt aber Sophronia auf, die früher einmal Beauftragte für die weiblichen Geißen einer Seifen- und Parfümfabrik gewesen war. „Vergewaltiger dürfen wir nicht dulden. Hinaus mit ihm!“

„Haben wir ihm überhaupt schon einmal Lohn bezahlt?“ fragte Zenzi.

„Nein“, sagte Sophronia, „und das werden wir auch nicht. Er kann froh sein, wenn wir ihm nicht gleich das Fell über die Ohren ziehen oder ihn in ein Fass mit spitzen Nägeln stecken und über Berg und Tal rollen.“

Dann trat sie zum Wolf, der im Hof Holz hackte, und riss ihm das Beil aus der Hand. „Vergewaltiger!“ schrie sie ihn an und hob das Beil in die Höhe. „Weg mit dir! Wir wollen dich nie wieder hier sehen.“

„Wir“ hatte sie gesagt. Die anderen Geißen sahen zwar nicht so aus, als ob sie etwas gegen ihn hätten, doch Sophronia brüllte laut genug, um den Wolf zu verjagen.

Dann marschierte sie voller Wut zurück, holte Papier und Tinte, setzte sich an ihren Tisch und verfasste ein Märchen über einen Wolf und sieben junge Geißlein. Der Wolf war darin ein übler Bösewicht. Man rückte ihm deshalb mit einer Schere und einer Nähnadel zu Leibe und füllte ihm den Bauch mit Wackersteinen. Diese zogen ihn in einen Brunnen hinab, wo er jämmerlich ersoff.

Auch die Geschichte der sieben alten Geißen endete nicht glücklich, denn der jungen Samantha wurde nun das Herz schwer und sie lag krank zu Bette. Sie stand nie wieder auf und der Winter wurde bitter kalt. Der Frost brachte sie alle um, denn der Wolf war verjagt, und es gab jetzt keinen mehr, der das Haus warm gehalten hätte.

Moral: Glaube immer erfahrenen alten Geißen wie Sophronia, denn wer sonst sollte wissen, wie es zugeht auf der Welt?

Weitere Werke von peterbone:
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Düsterhöft
Geschlecht:weiblichGänsefüßchen


Beiträge: 32
Wohnort: Bayern


BeitragVerfasst am: 01.12.2020 22:08    Titel: Antworten mit Zitat

Den Anfang fand ich von den Formulierungen her etwas holprig, doch in der Gesamtheit, hat mir das sehr gut gefallen. Die Moral der Geschichte lässt Interpretationsspielraum, was ich sehr gelungen finde! Und der leicht satirische Ansatz, hat mich doch ein oder zweimal Lachen lassen Daumen hoch²
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Sören
Geschlecht:männlichGänsefüßchen


Beiträge: 18
Wohnort: Saarland


BeitragVerfasst am: 10.01.2021 12:20    Titel: Antworten mit Zitat

Moin peterbone!

Gut geschrieben. Der Dialog ist klasse, hat Biss.  

Dieser Satz ist gewöhnungsbedürftig:
Zitat:
„Wir“ hatte sie gesagt. Die anderen Geißen sahen zwar nicht so aus, als ob sie etwas gegen ihn hätten, doch Sophronia brüllte laut genug, um den Wolf zu verjagen.

Kannst du den eventuell umschreiben? Den letzten Teil davon vielleicht.

Dieser Teil ist ein Fremdkörper:
Zitat:
Dann marschierte sie voller Wut zurück, holte Papier und Tinte, setzte sich an ihren Tisch und verfasste ein Märchen über einen Wolf und sieben junge Geißlein. Der Wolf war darin ein übler Bösewicht. Man rückte ihm deshalb mit einer Schere und einer Nähnadel zu Leibe und füllte ihm den Bauch mit Wackersteinen. Diese zogen ihn in einen Brunnen hinab, wo er jämmerlich ersoff.


Wenn Sophronia den Inhalt des Märchens dem Wolf androhen würde, als Abschreckung, wäre er wieder Teil der Geschichte.

Diesen Satz braucht das Märchen nicht:
Zitat:
Moral: Glaube immer erfahrenen alten Geißen wie Sophronia, denn wer sonst sollte wissen, wie es zugeht auf der Welt?
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Deutsches Schriftstellerforum Foren-Übersicht -> Prosa -> Werkstatt Alle Zeiten sind GMT - 11 Stunden
Seite 1 von 1



 
 Foren-Übersicht Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst Deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst Deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht teilnehmen.
In diesem Forum darfst Du keine Ereignisse posten
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht posten
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht herunterladen

Thema Autor Forum Antworten Verfasst am
Keine neuen Beiträge AgentIn und Verlagswechsel Anna Schweizer Agenten, Verlage und Verleger 12 22.01.2021 09:33 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Hier und niemand Elena Feedback 1 21.01.2021 09:54 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Wie erlangt man die Freude am Schreib... Elbenkönigin1980 Dies und Das 17 20.01.2021 20:08 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Als sich die Erde und der Himmel verl... Lucian Werkstatt 2 19.01.2021 20:35 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Der Zug Inkognito Feedback 0 19.01.2021 11:50 Letzten Beitrag anzeigen

EmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlung

von Tiefgang

von Beka

von Amazonasqueen11

von Ralphie

von Rike

von Micki

von madrilena

von Cheetah Baby

von Soraya

von Boudicca

Impressum Datenschutz Marketing AGBs Links
Du hast noch keinen Account? Klicke hier um Dich jetzt kostenlos zu registrieren!