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Der Wolf und die sieben alten Geißlein


 
 
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peterbone
Geschlecht:männlichGänsefüßchen


Beiträge: 22



Beitrag29.11.2020 10:13
Der Wolf und die sieben alten Geißlein
von peterbone
eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Der Wolf und die sieben alten Geißlein

Es waren einmal sieben alte Geißen und die wohnten in einem Haus am Waldrand und das war ihr Altersruhesitz. Sie hatten eine junge Geiß bei sich, die hieß Samantha und diese kochte, buk, wusch die Wäsche und hielt das Haus rein. Derlei Arbeiten verrichtete sie bereitwillig, doch mehr vermochte sie nicht zu tun. So gab es keinen, der in den Wald fuhr und Holz holte für den Winter, und die Geißen sagten: „Das Jahr rückt vor, allmählich wird es kalt. Wir frieren und wir müssen einen finden, der uns die alten Knochen wärmt.“ So lagen sie in den Fenstern und schauten hinaus auf die Straße unter den Zweigen der großen Eiche, doch lange Zeit sahen sie niemanden. Zu abgelegen war der Platz, wo sie wohnten.

Da geschah es, dass eines Tages ein Wolf des Weges kam. „Ein Wolf“, sagte da Camilla, eine der alten Geißen, zu den anderen. „Kann uns der nicht gefährlich werden?“ – „In unserem Alter?“ lachte Kreszentia, die alle Zenzi nannten. „Du hast wohl zu viele Märchen gelesen.“

So kam es, dass sie den Wolf baten, ins Haus zu kommen, und weil sie ihm einen guten Lohn versprachen, willigte er ein und wurde ihr Knecht. Tagsüber verrichtete er alle Arbeiten, die man ihm auftrug, und nach getanem Tagwerk ging er in die Kammer zu der jungen Samantha. Er war zufrieden und sie auch, und alles hätte gut sein können, wenn nicht die Geiß Lucrezia gewesen wäre, der trotz ihres Alters der Trieb noch immer keine Ruhe ließ.

„Wolf“, rief sie eines Tages.. „Komm her!“ Und als er kam, sagte sie: „Mich juckt es am Knie. Kannst du mich nicht ein bisschen kratzen?“

Der Wolf hatte bisher nie einer der alten Geißen Widerworte gegeben, also tat er es auch diesmal nicht. Und er war ihr selbst dann zu Willen, als es sie weiter oben juckte. Irgendwann jedoch zog er seine Pfote zurück.

„Was ist?“ fragte sie.

„Wärst du dreißig Jahre jünger“, entgegnete er, wer weiß, vielleicht hätte dies alles ein ganz anderes Ende genommen. Aber so …“

Er ging zur Tür, trat hinaus in den Hof, wusch sich die Pfoten am Brunnen und machte sich wieder an seine Arbeit.

Lucrezia wartete, als er jedoch nicht zurück kam, begab sie sich zu den anderen und sagte: „Dieser Knecht darf nicht bei uns bleiben.“

„Warum das denn?“ fragten diese. Sie verstanden nicht, denn er war stets allen Geißen gefällig gewesen, hatte für ein warmes Haus gesorgt und ihnen treu gedient.

„Er ist mir zu nahe getreten“, sagte Lucrezia. „Er hat versucht, mich zu vergewaltigen.“

Die meisten anderen alten Geißen schauten ungläubig, denn der Wolf war mit der süßen jungen Samantha zusammen. Warum sollte er also die alte Lucrezia wollen?

„Vergewaltigen?“ fuhr jetzt aber Sophronia auf, die früher einmal Beauftragte für die weiblichen Geißen einer Seifen- und Parfümfabrik gewesen war. „Vergewaltiger dürfen wir nicht dulden. Hinaus mit ihm!“

„Haben wir ihm überhaupt schon einmal Lohn bezahlt?“ fragte Zenzi.

„Nein“, sagte Sophronia, „und das werden wir auch nicht. Er kann froh sein, wenn wir ihm nicht gleich das Fell über die Ohren ziehen oder ihn in ein Fass mit spitzen Nägeln stecken und über Berg und Tal rollen.“

Dann trat sie zum Wolf, der im Hof Holz hackte, und riss ihm das Beil aus der Hand. „Vergewaltiger!“ schrie sie ihn an und hob das Beil in die Höhe. „Weg mit dir! Wir wollen dich nie wieder hier sehen.“

„Wir“ hatte sie gesagt. Die anderen Geißen sahen zwar nicht so aus, als ob sie etwas gegen ihn hätten, doch Sophronia brüllte laut genug, um den Wolf zu verjagen.

Dann marschierte sie voller Wut zurück, holte Papier und Tinte, setzte sich an ihren Tisch und verfasste ein Märchen über einen Wolf und sieben junge Geißlein. Der Wolf war darin ein übler Bösewicht. Man rückte ihm deshalb mit einer Schere und einer Nähnadel zu Leibe und füllte ihm den Bauch mit Wackersteinen. Diese zogen ihn in einen Brunnen hinab, wo er jämmerlich ersoff.

Auch die Geschichte der sieben alten Geißen endete nicht glücklich, denn der jungen Samantha wurde nun das Herz schwer und sie lag krank zu Bette. Sie stand nie wieder auf und der Winter wurde bitter kalt. Der Frost brachte sie alle um, denn der Wolf war verjagt, und es gab jetzt keinen mehr, der das Haus warm gehalten hätte.

Moral: Glaube immer erfahrenen alten Geißen wie Sophronia, denn wer sonst sollte wissen, wie es zugeht auf der Welt?

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Düsterhöft
Geschlecht:weiblichGänsefüßchen
D


Beiträge: 39
Wohnort: Bayern


D
Beitrag01.12.2020 22:08

von Düsterhöft
Antworten mit Zitat

Den Anfang fand ich von den Formulierungen her etwas holprig, doch in der Gesamtheit, hat mir das sehr gut gefallen. Die Moral der Geschichte lässt Interpretationsspielraum, was ich sehr gelungen finde! Und der leicht satirische Ansatz, hat mich doch ein oder zweimal Lachen lassen Daumen hoch²
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Sören
Geschlecht:männlichGänsefüßchen
S


Beiträge: 40
Wohnort: Saarland


S
Beitrag10.01.2021 12:20

von Sören
Antworten mit Zitat

Moin peterbone!

Gut geschrieben. Der Dialog ist klasse, hat Biss.  

Dieser Satz ist gewöhnungsbedürftig:
Zitat:
„Wir“ hatte sie gesagt. Die anderen Geißen sahen zwar nicht so aus, als ob sie etwas gegen ihn hätten, doch Sophronia brüllte laut genug, um den Wolf zu verjagen.

Kannst du den eventuell umschreiben? Den letzten Teil davon vielleicht.

Dieser Teil ist ein Fremdkörper:
Zitat:
Dann marschierte sie voller Wut zurück, holte Papier und Tinte, setzte sich an ihren Tisch und verfasste ein Märchen über einen Wolf und sieben junge Geißlein. Der Wolf war darin ein übler Bösewicht. Man rückte ihm deshalb mit einer Schere und einer Nähnadel zu Leibe und füllte ihm den Bauch mit Wackersteinen. Diese zogen ihn in einen Brunnen hinab, wo er jämmerlich ersoff.


Wenn Sophronia den Inhalt des Märchens dem Wolf androhen würde, als Abschreckung, wäre er wieder Teil der Geschichte.

Diesen Satz braucht das Märchen nicht:
Zitat:
Moral: Glaube immer erfahrenen alten Geißen wie Sophronia, denn wer sonst sollte wissen, wie es zugeht auf der Welt?
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peterbone
Geschlecht:männlichGänsefüßchen


Beiträge: 22



Beitrag25.12.2021 20:57

von peterbone
pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Düsterhöft und Sören,

Danke für eure Kommentare. Werde sehen, was ich daraus mache. Smile
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