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Dieses Werk wurde für den kleinen Literaten nominiert Herzschlag (Übungstext: Mutter)


 
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Valeska
Waldohreule

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BeitragVerfasst am: 04.05.2008 21:47    Titel: Herzschlag (Übungstext: Mutter) eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Herzschlag

Zum letzten Mal sah ich meine Mutter vor fünfzehn Jahren. Wir standen gemeinsam vor dieser grauen Wand, die mein neues Zuhause verbarg. Ich erinnere mich noch an meine kleine, vor Furcht heiße Hand in der großen und eiskalten meiner Mutter.

Man bat uns herein und zeigte meiner Mutter das Zimmer. Ich meine, man führte uns hin, doch meine Mutter stand nur da. Ich klammerte mich an ihre Hand und schwieg. Meine Mutter schien nichts zu sehen oder zu fühlen.

Meine neue Zimmernachbarin sah ich auch, Valerie, ein dünnes blondes Mädchen. Sie starrte mich an, als meine Mutter mich von sich in den hellen, weiß gestrichenen Raum schob. Valerie kroch in die hinterste Ecke ihres Bettes und donnerte ihren Kopf kräftig in die Kissen. Das hilft. Doch die Pflegerin, die mich und meine Mutter hereingeführt hatte, eilte zu ihr, hielt ihre Hände fest, die sie in ihre Kopfhaut krallte, und murmelte etwas, das ich nicht verstehen konnte. Valerie wurde ruhiger.

»Du wirst es hier gut haben«, murmelte meine Mutter ohne mich anzusehen.

Bald darauf ließ sie mich allein. Valerie lag auf dem Bett und schwieg und ich stand da und schwieg. Allein. Das war ich gewohnt. Meine Welt ist anders. Sie ist einsam.

»Ich bin Mara«, sagte ich leise zum Boden. Valerie schwieg. Ich setzte mich auf das zweite Bett gegenüber ihrem – mein Bett – und führte in Gedanken ein Gespräch. Das mache ich oft. Phantasie-Valerie erzählte mir ihre Geschichte. Ich nickte und fühlte mit. Dann erzählte ich ihr schweigend meine Geschichte. Eine Geschichte vom täglichen Kampf mit dem Leben, ohne Freunde, die Wut in mir, dass es mir nicht gelang, wie die andern zu sein, die Angst. Die unverständlichen Gefühle der Menschen, die verwirrenden Spiele der Kameraden. Niemand, der mich verstand.

Auch meine Mutter nicht. Ärzte und Psychologen sollten das Verständnis erleichtern. Doch die Reaktion auf ihre Befunde war keine Hilfe. Jetzt war ich hier.

Eine Zeit lang war ich böse auf meine Mutter. Wenn ich an sie dachte, abends oder nachts, wenn niemand aufpasste, schlug ich mich selbst gegen den Kopf. Wie eine Strafe. Vergiss sie! Vergiss! Es ist nicht deine Welt. Du bist hier. Du passt nicht zu den anderen, du kannst ihre Worte nicht sprechen, ihre Gefühle nicht fühlen. Schmerzen helfen, unpassende Dinge zu verarbeiten.

Ich lernte, damit umzugehen. Ich passte mich an. Ich bin gut darin. Es dauerte nicht lange und ich wusste, was die Aufseher hier von mir erwarteten. Was ich tun musste, um eine trügerische Ruhe zu erlangen. Ich beobachtete andere, Ältere, die schon länger hier waren, mehr gelernt hatten, beinahe integriert waren. Ich lernte von ihnen, wann ich still sein musste und wann ich welche Gefühle zeigen musste. Wann ich laut sein durfte. Es fällt mir schwer, allein zu erkennen, welche Reaktion wann richtig ist.

An Valerie gewöhnte ich mich auch und sie sich an mich. Manchmal saßen wir gemeinsam auf einem weißen Bett und unsere Füße schaukelten in einem unhörbaren monotonen Gleichtakt. Das hilft uns. Es schafft eine Ruhe da, wo keine ist, eine Gemeinsamkeit und Geborgenheit.

Nach fast fünf Jahren verließ ich das weiße Zimmer mit der blonden Valerie für immer. An einem warmen Sommermorgen sah ich die grauen Mauern das letzte Mal. Sie hatten eine Pflegefamilie für mich gefunden. Eine neue Mama, einen neuen Papa. Beide schlossen mich zur Begrüßung in die Arme und fuhren mit mir zu meinem neuen Zuhause.

Als ich abends an Valerie dachte, an ihr langes Schweigen, ihr blondes Haar, ihre wippenden Füße und ihr seltenes Lachen, da wollten meine Fäuste meinen Kopf wieder bestrafen. Doch diesmal war ich nicht allein. Meine neue Mama saß bei mir auf dem Bett und hielt meine Hände fest. Sie zog mich in ihre Arme und ich spürte, wie ihr Herz schlug. Ruhig und gleichmäßig. Der Takt des Lebens. Ein wunderbarer warmer Puls, der mich jetzt begleitete.

Ich bin erwachsen geworden. Meine erste Mutter habe ich nie wieder gesehen. Mein Gedächtnis bewahrt die letzte farblose Erinnerung an sie auf, irgendwo ganz weit hinten, vor einer grauen Wand. Davor steht noch das Bild von Valerie, blond und dünn. Es tut nicht mehr weh



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Ralphie
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BeitragVerfasst am: 04.05.2008 22:01    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist ja großartig. Und du bist wirklich erst 17?

 Shocked

Wo sind hier die Federn, dammich!
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Maria
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BeitragVerfasst am: 04.05.2008 22:04    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Valeska,

puh. Differenzierte Gefühle. Starker Text... wirklich.

"Mutter" gerät für diese Übung möglicherweise etwas aus dem Fokus, das ist mir aber (mit Verlaub) grad völlig wurscht, weil mich Deine Worte berührt haben.
Wenn ein Text einen weiter trägt als er erst sollte, und so etwas dabei rauskommt, ist es doch nur positiv.

Zitat:
Valerie lag auf dem Bett und schwieg und ich stand da und schwieg. Allein. Das war ich gewohnt. Meine Welt ist anders. Sie ist einsam.

Ich mags sehr wie Du Dich ausdrückst. In dieser, wie in der andren Welt.


LG
Maria


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Maria
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BeitragVerfasst am: 04.05.2008 22:05    Titel: Antworten mit Zitat

Ralphie, hier haste schon mal meine 9... ich geh noch welche rupfen

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Valeska
Waldohreule

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BeitragVerfasst am: 04.05.2008 22:06    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Embarassed von mir aus darfst du es verschieben ... ich habe es zugegebenermaßen sowieso nicht speziell wegen der Übung geschrieben. nur passte der anfangssatz da so gut rein ...

ist es wirklich so gut?

edit: das ging an ralphie
zu mariah komme ich jetzt ...


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Ralphie
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BeitragVerfasst am: 04.05.2008 22:08    Titel: Antworten mit Zitat

Es ist überwältigend.







Sobald man mich wieder eingefangen hat, verschiebe ich es in die Belletristik.









*chüttel*





















Holt mich hier raus.
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Dichternarzisse
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BeitragVerfasst am: 04.05.2008 22:08    Titel: Antworten mit Zitat

Das fragst du noch?! Wink
Ich habe es gerne gelesen und nichts bemerkt, das ich kritisieren könnte. Kompliment!
 Cool


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Nimm das Unveränderbare an und ändere das, was unannehmbar ist. Und sei klug genung den Unterschied zu kennen.
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Valeska
Waldohreule

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BeitragVerfasst am: 04.05.2008 22:09    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

mariah, danke für deine anmerkungen ...

mir ging es beim schreiben auch so, es floss einfach immer weiter ...


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Valeska
Waldohreule

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BeitragVerfasst am: 04.05.2008 22:10    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

hui, so viel lob vertrage ich nicht ... das bin ich nicht gewohnt Laughing
trotzdem danke


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Valeska
Waldohreule

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BeitragVerfasst am: 04.05.2008 22:11    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@ralphie: *renn hinterher*
bald habe ich dich!  Rolling Eyes


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Valeska
Waldohreule

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BeitragVerfasst am: 04.05.2008 22:17    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Shocked schönes bleibt?  Shocked
Jetzt müsst ihr mich wieder einfangen!
Das hab ich in keine ahnung ner stunde abgetippt

edit: oh ich seh schon es wird eine odyssee


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Ralphie
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BeitragVerfasst am: 04.05.2008 22:20    Titel: Antworten mit Zitat

Valeska, das ist gar nicht so einfach, diesen Fred in die Belletristik zu verschieben, weil es in diesem Forum etwa 5 Mio. Sparten gibt, die "Belletristik" heißen.

Aber ich finde es noch, Geduld.
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Merlinor
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BeitragVerfasst am: 04.05.2008 22:35    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Valeska

Ich bin tief beeindruckt! Das ist ein ganz toller Text.
Gestern entdecke ich Deinen phantastischen „Dialog“ und jetzt dies ...

(Ah, Ralphie, da musste mal gucken gehen.
Der „Dialog“ steckt irgendwo in den Schreibübungen. Bin da auch nur per Zufall drübergestolpert.
Gute Idee übrigens, diesen Text in die Belletristik zu verschieben.
Da gehört er nämlich hin. Wollte ich auch vorschlagen, als ich hier fertig gelesen hatte ...)

Valeska, Du hast mehr als nur Talent. Und wieder verneige ich mich ...
Ach ja: Auch von mir die virtuellen Federn. Leider darf ich die echten ja nicht verleihen ...

Herzlich  Very Happy  Very Happy  Very Happy

Merlinor
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Valeska
Waldohreule

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BeitragVerfasst am: 04.05.2008 22:45    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

ihr glaub gar nicht wie platt ich bin. ich sitz ja zitternd vor meinem notebook, wenn ich die antworten lese. ich dachte, das schreiben hätte mich aufgewühlt, aber ...  Embarassed
 Shocked
... ihr könnt das echt so gut mitfühlen? ich habe mich lange schwer getan einen text in diese richtung zu tippen ... heute nachmittag habe ich im internet was gelesen und heute abend überkam es mich dann. ich hätte echt nicht gedacht dass ich damit andere so vom hocker reißen kann

Valeska


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Valeska
Waldohreule

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BeitragVerfasst am: 04.05.2008 23:04    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Merlinor hat Folgendes geschrieben:
Gestern entdecke ich Deinen phantastischen „Dialog“ und jetzt dies ...
(Ah, Ralphie, da musste mal gucken gehen.
Der „Dialog“ steckt irgendwo in den Schreibübungen. Bin da auch nur per Zufall drübergestolpert.

ähem ja

jetzt echt?

Bis morgen
Valeska


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Valeska
Waldohreule

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BeitragVerfasst am: 05.05.2008 10:35    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Guten Morgen ...

Ich habe eine Bitte an die Moderation.
ihr lest ja sooooo unaufmerksam -
Valeska hat Folgendes geschrieben:
die Pflegerin ... hielt ihre Hände fest, die sie in ihre Kopfhaut krallte und murmelte etwas

Da fehlt ein Komma. Leider bin ich Perfektionistin ...

Außerdem bin ich noch eine Antwort schuldig ...
Ralphie hat Folgendes geschrieben:
Das ist ja großartig. Und du bist wirklich erst 17?

... obwohl die wahrscheinlich keiner erwartet und die Frage auch sehr undifferenziert ist: Bitte ankreuzen
das bezieht sich auf
o die Umsetzung: tja, so schreibe ich, wenn ich alle Regeln und guten Ratschläge Regeln und gute Ratschläge sein lasse und meiner Seele erlaube - mit Verlaub - einmal quer über das Papier respektive den Bildschirm zu spucken.
o das Thema: darüber schreibe ich, weil ich gerade 17 bin, weil da eine Menge von mir (in übertriebener Form) drinsteckt und weil ich einen Bruder habe, von dem auch eine Menge in dem Text steckt.
Allerdings eine Anmerkung dazu: meine Mutter würde keins ihrer vier Kinder je weggeben. Aber es gibt sowas. Man hat es meinen Eltern schon angeboten.

Viele Grüße
Valeska


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yt
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BeitragVerfasst am: 05.05.2008 11:08    Titel: Antworten mit Zitat

Moin,

ich bin auch nicht von weggekommen. Ein sehr stimmiges Bild das dort gezeichnet wird. Mit einem Satz kam ich nicht zurecht:

Zitat:
Auch meine Mutter nicht. Ärzte und Psychologen sollten das Verständnis erleichtern. Doch die Reaktion auf die Diagnose war keine Hilfe. Jetzt war ich hier.


An der Stelle hats mich rausgerissen. Ich wusste nicht wessen Verständnis, und wessen Reaktion, und wieso diese späte Diagnose...
Etwas später kam ich dahinter was wohl gemeint sein soll, aber ich finde es ist in ihrer Welt ohnehin irrelevant.

Ich würde behaupten, man kann den Abschnitt ohne Probleme rauswerfen. Niemand der mich Verstand genügt mir persönlich vollkommen. Gerade durch den starken nächsten Abschnitt. Dein Text würde somit etwas offener meiner Meinung.

Eine Zeit lang war ich böse auf meine Mutter. Wenn ich an sie dachte, abends oder nachts, wenn niemand aufpasste, schlug ich mich selbst gegen den Kopf. Wie eine Strafe. Vergiss sie! Vergiss! Es ist nicht deine Welt. Du bist hier. Du passt nicht zu den anderen, du kannst ihre Worte nicht sprechen, ihre Gefühle nicht fühlen.

Starker Text. Und toll geschrieben, gefällt mir sehr gut.

Mit gebührendem Gruß,
yt
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Valeska
Waldohreule

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BeitragVerfasst am: 05.05.2008 11:21    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo yt,

hm, ich weiß nicht, diese Stelle drückt ein bisschen aus, was ich von einer derartigen Diagnose halte: sie sagt absolut nicht über den M e n s c h e n dahinter aus und das einzig Positive ist, dass nach einer derartigen Diagnose Pflege bezahlt werden muss.

Ich denke, dieses Mädchen erzählt ihre Geschichte, und der Kontakt mit Ärzten usw. gehört dazu und erklärt, wie sie hinter diese grauen Mauern gekommen ist. Auch wenn es ihr nicht wichtig ist. Sie bemerkt ja nur eines: es hilft nicht. Und jetzt bin ich hier.

Grüße
Valeska

PS.
Valeska hat Folgendes geschrieben:
die Wut in mir, das es mir nicht gelang, wie die andern zu sein,

ich habe noch einen Fehler gefunden. Da fehlt ein 's'. Falls mal ein Mod vorbeischaut ...


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yt
Geschlecht:männlichAutor

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Wohnort: Sittensen
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BeitragVerfasst am: 05.05.2008 11:40    Titel: Antworten mit Zitat

Valeska hat Folgendes geschrieben:
Hallo yt,

hm, ich weiß nicht, diese Stelle drückt ein bisschen aus, was ich von einer derartigen Diagnose halte: sie sagt absolut nicht über den M e n s c h e n dahinter aus und das einzig Positive ist, dass nach einer derartigen Diagnose Pflege bezahlt werden muss.


Ich denke exakt deine Emotionen sieht man dem Satz auch an. Damit meine ich dass, du an dieser Stelle mit deiner klaren Bildsprache brichst und persönlich zu stark an einen Gedanken gebunden bist.
Da bin ich wohl über den Holzhammer in dem ansonsten sehr feinsinnigen Text gestolpert.

Vielleicht war es aber auch nur ein Brett vor meinem Kopf, ...

Mit liebem Gruß,
yt
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sleepless_lives
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Pokapro und Lezepo 2014 Pokapro VI


BeitragVerfasst am: 06.05.2008 13:14    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Valeska,
keine Frage, das ist brillant. Und meine Ansprüche sind ziemlich hoch. Gut, dass das in die Belletristik verschoben wurde. Danke an die Moderatoren.

Valeska hat Folgendes geschrieben:

tja, so schreibe ich, wenn ich alle Regeln und guten Ratschläge Regeln und gute Ratschläge sein lasse und meiner Seele erlaube - mit Verlaub - einmal quer über das Papier respektive den Bildschirm zu spucken.

Ja, und sollte es jemanden verwundern? Das ist nämlich etwas, dass hier im Forum sehr selten diskutiert wird. Dass  alle Schreibtechnik nichts hilft, wenn man nichts zu sagen hat. Und umgekehrt, wenn man direkt dem folgt, was aus einem selbst kommt und nicht dem, was man im Fernsehen gesehen oder in anderen Büchern gelesen hat, das Resultat selbst mit schlechter Schreibe noch überzeugt. Wenn es, wie in deinem Fall, noch mit Talent und schon geschulter Technik kombiniert ist, kann's ja nur gut werden.

Bevor dich jetzt wegen zu viel Lob, die große Schreibblockade heimsucht (es ist eigentlich nichts so schädlich wie berechtigtes, aber früh in der Karriere empfangenes Lob; viele neue vielversprechende Schriftsteller haben genau ein gutes Buch geschrieben, ihr erstes), ist hier ein  Kritikpunkt.
Zitat:
Ich passte mich an. Ich bin gut darin. Es dauerte nicht lange
[...]
Wann ich laut sein durfte. Es fällt mir schwer, allein zu erkennen, welche Reaktion wann richtig ist.

Du wechselst zweimal vom Präteritum ins Präsens. Beide Male könnte es sich durchaus, um einen noch anhaltenden Zustand handeln. Die Protagonisten ist auch jetzt noch gut im Sich-anpassen. Das würde aber ihr Erwachsen-geworden-sein am Schluss in ein anderes Licht stellen. Und natürlich könnte es immer noch ihr Problem sein zu erkennen, welche Reaktion wann richtig ist. Auch 'draußen' in der 'richtigen' Welt. Aber in dem Fall müsste es am Ende noch mehr thematisiert werden. Und das wär eigentlich auch sehr interessant.
Generell finde ich Zeitwechsel nicht schlimm, auch wenn sie nur zur Dramatisierung eingesetzt werden, also um plötzlich in eine Situation zurückzuspringen und sie buchstäblich gegenwärtig zu machen. So lange, das bewusst und mit Absicht geschieht.

Grüsse,

- sleepless_lives


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Es sollte endlich Klarheit darüber bestehen, dass es uns nicht zukommt, Wirklichkeit zu liefern, sondern Anspielungen auf ein Denkbares zu erfinden, das nicht dargestellt werden kann. (Jean-François Lyotard)

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lupus
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Wohnort: wien



BeitragVerfasst am: 06.05.2008 13:27    Titel: Antworten mit Zitat

Chapeau!
mir ist nicht ein einziger Punkt aufgefallen.
Auch der letzte nicht  Smile

nein, im Ernst. Ganz hervorragend.

lg
Wolfgang
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Valeska
Waldohreule

Alter: 28
Beiträge: 2896
Wohnort: Wolke 7


BeitragVerfasst am: 06.05.2008 13:30    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo schlafloser,

sleepless_lives hat Folgendes geschrieben:
Bevor dich jetzt wegen zu viel Lob, die große Schreibblockade heimsucht

keine sorge ... es ist viel schlimmer kein feedback zu bekommen. so treib ihr mich an, weiter zu schreiben (das fällt mir nicht immer leicht - ich habe da so einen Kritiker in mir, den ich alleine nicht immer von meiner Schreibe überzeugen kann  Rolling Eyes )

Zitat:
Zitat:
Ich passte mich an. Ich bin gut darin. Es dauerte nicht lange
[...]
Wann ich laut sein durfte. Es fällt mir schwer, allein zu erkennen, welche Reaktion wann richtig ist.

Du wechselst zweimal vom Präteritum ins Präsens. Beide Male könnte es sich durchaus, um einen noch anhaltenden Zustand handeln. Die Protagonisten ist auch jetzt noch gut im Sich-anpassen. Das würde aber ihr Erwachsen-geworden-sein am Schluss in ein anderes Licht stellen.

Genau, der Zustand ist immer noch so - das Mädchen kann nun mal ihre Persönlichkeit nicht ablegen. Sie ist erwachsen geworden ... heißt, dass sie gelernt hat, damit zu leben, wie und was sie ist und kann.

hallo lupus und dankeschön!

LG
Valeska


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