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Im Bann des Tabus


 

 
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chaton
Gänsefüßchen


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BeitragVerfasst am: 09.09.2022 10:06    Titel: Im Bann des Tabus eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Kafkas Erzählung Die Verwandlung


Vorbemerkung

Die folgende Betrachtung von Kafkas Erzählung Die Verwandlung erfolgt in enger Anlehnung an das von Ferdinand de Saussure entwickelte sprachwissenschaftliche Modell der Wechselbeziehung langue/parole.
Nicht jedem ist dieses Modell geläufig , deshalb sei es kurz skizziert:
Saussure versteht das Verhältnis von langue und parole als wechselseitige Bedingtheit: Die langue ist die natürliche Sprache einer Sprach- und Sozialgemeinschaft und erscheint als immerwährendes und sich wandelndes dépôt (Lager/Gedächtnis) der Sprechakte (parole) dieser Gemeinschaft. Diese Sprechakte wiederum sind nur möglich, weil die Gemeinschaft, um sich zu konstituieren und zu perennisieren, eine langue zustande gebracht hat, in der ihre Mitglieder kommunizieren und sich identifizieren. Das immerwährende Individuelle (parole) hält den Strom des Sozialen (Gemeinschaftlichen) der langue in Fluss. Dieser Strom nimmt Veränderungen auf und bewahrt zugleich stabilisierte Inhalte.

Im Denken des Sprachwissenschaftlers ist die Schnittstelle langue/parole ein rechter Segen und erlaubt die beste aller kommunikativen Welten. Eifrig tragen die Sprecher einer Gemeinschaft ihre Sprechakte hin und her und entwickeln diese und sich selbst dabei immer weiter - fast möchte man sagen wie die Ameisen ihre kleinen Bauteile und Nahrungsmittel rund um ihren Hügel. Ein perfekter Kreislauf, der den Mitgliedern des Ameisenvolks die soziale Existenz sichert.
Wer seine parole gut im „Mainstream“ der langue positioniert, kann sozusagen gar nichts „Falsches“ sagen, sondern liegt im wahrsten Sinne des Wortes immer richtig. Und so wie bei den Ameisen am Anfang und am Ende ihres kommunikativen Lebens eben immer Ameisen stehen, die sich erkennen, so verhält es sich auch mit dem kommunikativen Geschehen der Menschen: Es kommen immer Menschen dabei heraus, die sich erkennen - bis an die Grenzen, die von der Gemeinschaft gesteckt sind, aber keineswegs „deklariert“ sind, wie Kafkas Erzählung zeigt.

***

Praktisch zeitgleich mit dem Tod des großen Sprachwissenschaftlers bringt ein nicht minder großer Schriftsteller mit seiner Erzählung Die Verwandlung eine Wechselwirkung langue/parole zur Sprache, die der große Wissenschaftler keineswegs im Sinn hatte.
In dieser sicher geglaubten Wechselbeziehung ist etwas schiefgelaufen. Gleich im ersten Satz der Erzählung kommt ein Sprechakt zustande, der die Vertrauenswürdigkeit der Wechselbeziehung langue/parole arg erschüttert. Der Satz fängt mit dem Menschen Gregor Samsa an und hört mit einem „ungeheuren Ungeziefer“ auf: So will es die Verwandlung. So hatte es sich der Wissenschaftler nicht vorgestellt.

Man fragt sich, welche monströse Tiefe der langue sich des Gregor Samsa bemächtigt und ihm ihre Gestalt verliehen hat. Er selbst hat sie weder gesucht noch provoziert. Er ist ihre unfreiwillige Sichtbarmachung, ihr unfreiwilliger Träger.
Man könnte an die Zauberin Kirke der griechischen Mythologie denken, welche die Gefährten des Odysseus in Schweine verwandelt hatte. Aber hinter der Verwandlung in Kafkas Erzählung steckt keine Zauberei.
Auch handelt es sich um keine Wahnvorstellung der Hauptperson, die sein Bewusstsein mit ihren kranken Bildern geschlagen hätte. Denn schnell ist klar, dass alle Personen seines Umfeldes ihn als dieses „Ungeziefer“ sehen. Gleichzeitig wissen alle - ebenso wie Gregor selbst - dass der Mensch Gregor in diesem „Untier“ steckt und beide eine Einheit bilden.
Gregor kann zwar nicht sprechen, weil er die menschlichen Sprechorgane nicht mehr besitzt und nur zu ein paar rudimentären Sprechlauten fähig ist, aber er kann denken und Betrachtungen anstellen. Der Leser nimmt am Blickwinkel des verwandelten Samsa teil. Dieser erlebt sich selbst als im Untier gefangener Mensch, der sich mit seiner neuen Daseinsform zu arrangieren sucht und sich illusorisch bemüht, seine gewohnte soziale Rolle zu erfüllen, und andere möglichst nicht in ihren gewohnten Alltagsverrichtungen zu stören.

Es ist klar, dass aus der Sprache heraus „wie aus dem Nichts“ und „wie der Blitz“ das „Ungeziefer“ über den Menschen Gregor Samsa gekommen ist. Er hat sich nicht verwandelt, er wurde verwandelt. Genauer gesagt: Seine sprachliche Gestalt wurde von der eines Menschen in die eines „Ungeziefers“ verwandelt. Und dies funktioniert - auf erschreckend banale Weise in der Erzählung. Und möglicherweise nicht nur dort.

An dieser Stelle muss man sich fragen, welche ungeheuren Mächte in der langue lauern, die offenbar die Fähigkeit besitzen, dem Menschen die Attribute seines Menschseins zu entziehen, um sie durch enthumanisierende Attribute zu ersetzen. Mächte, die ihn in ein entmenschlichendes Gewand hüllen, das nicht mehr abstreifbar ist und das sein ergebener Träger auch gar nicht abstreifen will.

Kafkas kultureller Hintergrund kann hier zur Deutung herangezogen werden. Es gibt (nicht nur) in der jüdischen Tradition eine stark ausgeprägte Tabu-Funktion, die vorzugsweise in der Konzeption der „Unreinheit“ in der langue verankert ist und sich durch eine ausgefeilte rituelle parole permanent in Sprechakte und Handlungen materialisiert. Der Autor drückt aus, dass die Hauptperson von der Diagnose „unrein“ getroffen wird, wie vielleicht ein Mensch von der ärztlichen Diagnose „Krebs“.
Doch der Hinweis auf die religiösen Wurzeln reicht nicht aus. In der jüdischen Religion ist das Tabu genau umgrenzt, sozusagen eingehegt oder verkapselt. Der Schriftsteller scheint jedoch diese alte Umgrenzung zu sprengen, indem er dieses Tabu völlig unvermittelt Gestalt annehmen und eine verstörende Wirkung entfalten lässt. Er lässt den Geist dieses Tabus gewissermaßen aus seiner alten Flasche. Das alte Tabu formiert sich neu, gewinnt neue Gestalten und operative Fähigkeiten. Es taucht auf, wählt eine Person aus und alle scheinen zu wissen, dass diese Person vom Tabu gezeichnet ist.
Die Geschichte lässt den Leser am Innenleben, am inneren Geschehen, sozusagen am Alltag eines modernen Tabu-Geschehens teilnehmen.
Alle Beteiligten glauben ganz normal an die Existenz des Tabus, angefangen beim vom Tabu geschlagenen Gregor. Zum (Er-)leben seiner neuen Existenz gehört sein Schuldgefühl, das er unermüdlich mit demütigen Verhalten und Rechtfertigung der Verhalten seines Umfeldes zu ertragen und vergeblich abzutragen versucht.

Es ist ein besonderes Schuldgefühl, das schon in der Vorstellung vom Sündenbock auftaucht, der zur Reinigung des Volkes mit den Sünden des Volkes beladen „in die Wüste geschickt wird“. Gregor nimmt die Verwandlung auf sich und mit ihr die besondere Schuld, die das Tabu seinem Träger als persönlich suggeriert. Gregor weiß nicht, warum er verwandelt wurde und warum er glaubt, selbst eine Schuld abtragen zu müssen für etwas, was er gar nicht persönlich begangen hat. Er steht im Bannkreis des Tabus.

Neben dem personalen Erzähler übernimmt ein auktorialer Erzähler die Beschreibung des Umgangs der übrigen Beteiligten mit diesem „Ungeziefer“.
Alle Personen, nicht nur die Familienangehörigen, also die Eltern und die jüngere Schwester Grete, die mit dem verwandelten Gregor in Kontakt treten (Prokurist, Dienstmädchen, alte Bedienerin, drei Zimmerherren) wissen automatisch, dass Gregor „tabu“ ist. Die alte Bedienerin, unterhält mit dem Tabu eine primitive, praktische Beziehung und zeigt Gregor unverhohlen, dass sie ihn jederzeit vernichten würde. Die übrigen ertragen Anblick und Gegenwart nicht und fliehen panisch und mit Vorwürfen gegen die Familie, sie in die Falle dieser unerwünschten Begegnung gelockt zu haben.
Insgesamt ziehen die Menschen zwanghaft einen cordon sanitaire um den „Befallenen“. Es kommt zu keiner körperlichen Berühung zwischen dem „Ungeziefer“ und den Menschen. Die jüngere Schwester Grete, die anfangs für ihren verwandelten Bruder Mitleid empfindet und ihn immerhin mit Nahrung versorgt, vermeidet den direkten Kontakt mit dem Napf, den sie ihm hinstellt, indem sie zwei Lappen wie Topflappen benutzt. Offenbar verwandelt sich in ihr der Ekel, den sie sich nicht eingestehen möchte, in die Vorstellung einer imaginären Ansteckungsgefahr. Die Ablehnung der Berührung ist wechselseitig. Bei den Mitgliedern der Familie überwiegen heftige Abscheugefühle. Der Mensch Gregor in der Gestalt des unreinen Ungeziefers hingegen trägt der Ablehnung, die ihm seine Mitmenschen entgegen bringen, Rechnung, indem er freiwillig Verzicht übt (Szene: Violine spielende Schwester).
Seinem eigenen Ungezieferkörper begegnet er ohne Abscheu, sondern beschäftigt sich damit, ihn unter Kontrolle zu nehmen, um mit diesem Körper zu leben. Ja, phasenweise erfreut er sich sogar an seiner besonderen Mobilität.

Im Laufe der Geschichte gewinnt die allgemeine Überzeugung Raum, dass die Zeit dieses „Ungeziefers“ abläuft und es aus vielerlei praktischen Gründen verschwinden muss - ab in die Wüste.
Der Eliminationsprozess beginnt harmlos und setzt sich aus feinen Abstufungen zusammen. Mann arbeitet sich langsam vor, erreicht das Stadium der Isolation/Selbstisolation. Schließlich beginnt die schleichende Entmenschlichung (aus dem Zimmer werden alle persönlichen Gegenstände Gregors entfernt, der Raum wird zur schmutzigen Abstellkammer. Als die Mutter in einem letzten Akt mütterlicher Gefühle den Raum wenigstens putzt, wird sie von Grete brutal zurechtgewiesen, denn die Schwester befindet sich schon auf dem Weg der „Endlösung“ der Entmenschlichung. Sie findet die ultimative Rechtfertigung: Wenn Gregor noch ein Mensch wäre, würde er selbst auf seine Anwesenheit verzichten, um der Familie seine quälende Gegenwart zu ersparen. Das tut er aber nicht, also ist es nicht mehr Gregor, sondern tatsächlich ein Ungeziefer, das entfernt werden muss.
Der Plan kommt nicht mehr zur Ausführung, weil Gregor noch so viel menschliche Substanz besitzt, dass er selbst seinen Tod durch Verweigerung der Nahrungsaufnahme herbeiführt. Er fügt sich „in sein Schicksal“.

All diese Worte, mit denen das „Ungeziefer“ umkreist wird, erkennen das „Ungeziefer“, ohne es begreifen zu können. Die Erzählung weckt das bedrückende Gefühl, dass alle beteiligten Personen sich ihrer Lenkung durch das Tabu unterwerfen und diese Unterwerfung sich permanent in banale Denk- und Handlungsweisen verwandelt und genau dadurch unauffindbar und unantastbar wird.

Möglich, dass einst das Tabu eine kollektive Reinigungsfunktion besaß und Menschen vom Priester ihren „Aussatz“ attestiert bekamen und in ihr isoliertes, „unreines“ Leben geschickt wurden. Bekannt ist die an die Regelblutungen der Frau gebundene zeitweilige „Unreinheit“ u.a.m.
Doch in der Erzählung Die Verwandlung ist von der religiösen und rituellen Bindung des Tabus nicht mehr die Rede.
Offenbar war sie in der langue, in deren Raum sich der Autor bewegte, nicht mehr auffindbar oder sie erschien ihm irrelevant und überholt von einer erschreckenden neueren Entwicklung, die er in der parole seiner Zeit und im Wandel der damaligen langue verspürte.
Und so erscheint in den Worten der Erzählung ein neuer, von der alten religiösen Gebundenheit losgelöster „Sündenbock“, ein monströses „Ungeziefer“ als Containerwort moderner Tabuisierung, das mit bösartigen ideologischen Inhalten aufgefüllt werden sollte.

Am Ende der Erzählung schöpfen alle wieder „frische Luft“, atmen durch, und der junge Körper der Schwester kann sich wieder „dehnen“, also sich aus der Erstarrung - auch ihres Denkens - lösen, die ihr der Kontakt mit dem Tabu bereitet hatte. Der Autor suggeriert als Lösung ein „Aufatmen“, das jedoch kein Begreifen ist. Das Tabu ist zwar weg, aber seine Herrschaft ist weiterhin gegenwärtig und kann ihr Denken jederzeit erneut in seinen Bann zwingen.

Chaton

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Pickman
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BeitragVerfasst am: 11.09.2022 00:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hi chaton,

ein Ausflug in die Sprachphilosophie - mal was anderes.

Nun zu dem Details:

Vorbemerkung - Die Vorbemerkung ist hilfreich. Gleichwohl bin ich mir nicht sicher, ob ich die Dichotomie von langue und parole so wiedergegeben hätte. Allerdings liegt meine Lektüre von Saussures Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft schon ein mehr als zwanzig Jahre zurück.

Erster Absatz nach *** - Wie groß Saussure und Kafka waren, tut nichts zur Sache. Außerdem darf man die beiden ruhig beim Namen nennen.

Erster Absatz nach *** - Den fraglichen Satz hätte ich zitiert. Der Wortlaut dürfte nicht jedem geläufig sein: "Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt."

Erster Absatz nach *** - "So will es die Verwandlung." Nein. So wollte es Kafka. Er ist der Autor von Die Verwandlung. Im Grund ist der Satz überflüssig.

Erster Absatz nach *** - Der Absatz behauptet, dass einen Konflikt gibt zwischen Kafkas Text und der von Saussure behaupteten Wechselwirkung von parole und langue. Der Leser ist neugierig zu erfahren, worin dieser Widerspruch besteht.

Zweiter Absatz nach *** -
chaton hat Folgendes geschrieben:
Man fragt sich, welche monströse Tiefe der langue sich des Gregor Samsa bemächtigt und ihm ihre Gestalt verliehen hat. Er selbst hat sie weder gesucht noch provoziert. Er ist ihre unfreiwillige Sichtbarmachung, ihr unfreiwilliger Träger.
Hier beginnt Dein Text aus dem Ruder zu laufen. Stilistisch ("monströse Tiefe") ist er überzogen, inhaltlich für mich nicht nachvollziehbar. Die Verwandlung ist ein fiktionaler Text in der dritten Person. Der erste Satz ist ein Akt der parole, der Akteur, der sich aus dem Fundus der langue bedient, ist Kafka, nicht Samsa. In der langue lauern keine Mächte in der Tiefe, die seltsame Dinge mit Samsa, Kafka oder uns anstellen. Langue ist schlicht das Reservoir aus dem wir unsere parole schöpfen, und parole die Praxis, mit der wir die langue bereichern. Ich sehe nicht, wie der Umstand, dass der Protagonist eines fiktiven Texts eine Verwandlung durchmacht, diese Wechselwirkung erschüttern könnte.

Du magst einwenden, dass Samsa durch die Verwandlung der language verlustig geht. Aber Du diesen Begriff vorher nicht eingeführt, zum anderen verliert er zwar die Sprechkompetenz, aber, solange er noch denken kann, nicht die Sprachkompetenz.

Ich würde den Text so überarbeiten, dass er in kleineren Schritten argumentiert und so verständlicher wird. Vielleicht habe ich ihn ja missverstanden.

Cheers,

Pickman


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chaton
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BeitragVerfasst am: 11.09.2022 09:23    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Pickman hat Folgendes geschrieben:
Hi chaton,

ein Ausflug in die Sprachphilosophie - mal was anderes.

Nun zu dem Details:

Vorbemerkung - Die Vorbemerkung ist hilfreich. Gleichwohl bin ich mir nicht sicher, ob ich die Dichotomie von langue und parole so wiedergegeben hätte. Allerdings liegt meine Lektüre von Saussures Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft schon ein mehr als zwanzig Jahre zurück.

Erster Absatz nach *** - Wie groß Saussure und Kafka waren, tut nichts zur Sache. Außerdem darf man die beiden ruhig beim Namen nennen.

Erster Absatz nach *** - Den fraglichen Satz hätte ich zitiert. Der Wortlaut dürfte nicht jedem geläufig sein: "Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt."

Erster Absatz nach *** - "So will es die Verwandlung." Nein. So wollte es Kafka. Er ist der Autor von Die Verwandlung. Im Grund ist der Satz überflüssig.

Erster Absatz nach *** - Der Absatz behauptet, dass einen Konflikt gibt zwischen Kafkas Text und der von Saussure behaupteten Wechselwirkung von parole und langue. Der Leser ist neugierig zu erfahren, worin dieser Widerspruch besteht.

Zweiter Absatz nach *** -
chaton hat Folgendes geschrieben:
Man fragt sich, welche monströse Tiefe der langue sich des Gregor Samsa bemächtigt und ihm ihre Gestalt verliehen hat. Er selbst hat sie weder gesucht noch provoziert. Er ist ihre unfreiwillige Sichtbarmachung, ihr unfreiwilliger Träger.
Hier beginnt Dein Text aus dem Ruder zu laufen. Stilistisch ("monströse Tiefe") ist er überzogen, inhaltlich für mich nicht nachvollziehbar. Die Verwandlung ist ein fiktionaler Text in der dritten Person. Der erste Satz ist ein Akt der parole, der Akteur, der sich aus dem Fundus der langue bedient, ist Kafka, nicht Samsa. In der langue lauern keine Mächte in der Tiefe, die seltsame Dinge mit Samsa, Kafka oder uns anstellen. Langue ist schlicht das Reservoir aus dem wir unsere parole schöpfen, und parole die Praxis, mit der wir die langue bereichern. Ich sehe nicht, wie der Umstand, dass der Protagonist eines fiktiven Texts eine Verwandlung durchmacht, diese Wechselwirkung erschüttern könnte.

Du magst einwenden, dass Samsa durch die Verwandlung der language verlustig geht. Aber Du diesen Begriff vorher nicht eingeführt, zum anderen verliert er zwar die Sprechkompetenz, aber, solange er noch denken kann, nicht die Sprachkompetenz.

Ich würde den Text so überarbeiten, dass er in kleineren Schritten argumentiert und so verständlicher wird. Vielleicht habe ich ihn ja missverstanden.

Cheers,

Pickman


Hallo Pickman,

Danke für deine Reaktion. Mir ist beim Lesen deiner Kritik der Gedanke gekommen, doch noch einmal auf das Tabu einzugehen, ohne dessen Vorhandensein Kafkas Text eigentlich keinen Sinn macht und man eher daran vorbei- oder drumherum liest.

Ich möchte bei meinem Kerngedanken bleiben, dass sich eine langue prinzipiell und historisch belegbar auch mit „monströser Tiefe“ auflädt und das Tabu (das du leider nicht erwähnt hast) dabei eine wesentliche Rolle spielt. Das Tabu hält das Monströse unter Verschluss und vermittelt es. Ob beispielsweise in einer Religionsgemeinschaft Schweinefleisch oder ein sog. Aussätziger „unrein“ oder eine Frau in bestimmten Phasen „unrein“ ist, ist eine bestimmte sprachliche Fiktion. Niemand hat diese „Unreinheit“ gesehen, sie ist objektiv nicht nachweisbar oder belegbar. Aber diese Fiktion besitzt für alle „Sprecher“, die sie teilen, eine (soziale + kulturelle) Realität und Verbindlichkeit, die ebenfalls in der langue einer derartigen Gemeinschaft hinterlegt ist und in (rituellen) Sprechakten praktiziert wird, die zum Funktionieren der Gemeinschaft beitragen, ihr sogar eine gewisse Prägung geben.
Dies sollte vom Begriff der Phobie abgegrenzt werden. Dass sich Grete, wie es sehr genau beschrieben wird, vor dem verwandelten Bruder ekelt, ist vielleicht aus moderner Sicht eine Insektenphobie (Spinnen und allerlei Krabbelgetier). Aber im Text ist der phobische Aspekt zweitrangig, vielleicht eine wichtige Nebenwirkung des Tabus in seiner alltäglichen Vermittlung.

Dass  es dem Autor um die Tabuisierung des Gregor Samsa geht, ist auch daran erkennbar, dass der Mensch in ein „ungeheures Ungeziefer“ verwandelt wird. „Ungeziefer“ kennen wir alle, „ungeheure Ungeziefer“ sind schon seltener. Heute begegnet man ihnen eher in der Sprach- und Bilderwelt der SF.

Du sagst: „Ich sehe nicht, wie der Umstand, dass der Protagonist eines fiktiven Texts eine Verwandlung durchmacht, diese Wechselwirkung (i.e. langue/parole) erschüttern könnte“.

Natürlich ist es nicht die Wechselwirkung selbst, die von Kafka erschüttert wird, sondern die gutgläubige Vorstellung, die sich mit dieser Wechselwirkung verbindet. De Saussure kann sich diese Wechselwirkung (als Wissenschaftler) nur als „funktionierendes System“ vorstellen, in der damaligen Wissenschaft sind wir noch nicht beim „Dysfunktionieren“, was eben auch ein Funktionieren ist (also Fragen wie „Zufall“ und „Notwendigkeit“, „Chaos“, "Dynamik" usw.).

Ich führe noch einen Gedanken an, sonst wird es wieder zu lang:

Natürlich habe ich bei der Betrachtung der Verwandlung auch an den wenig später einsetzenden monströsen Vernichtungsprozess des jüdischen Volkes gedacht. Und jeder weiß, dass es für die Nazis kein „jüdisch-menschliches Leben“ gab, sondern unreines Ungeziefer, das verbrannt werden musste.
Hier kann man vieles fragen, z. B. wie ist ein Tabu aus der historischen Flasche geraten, hat eine monströse Gestalt angenommen und ein ganzes Volk geschlagen? Und vor allem: In welchen scheinbar banalen Abstufungen muss das damals dahergekommen sein (wie schon in der Erzählung Kafkas vorhergesehen)? Offenbar verließen sich alle auf die Gutartigkeit der Wechselbeziehung langue/parole.

Gruß

Chaton


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Pickman
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BeitragVerfasst am: 11.09.2022 20:04    Titel: Antworten mit Zitat

Hi chaton,

es stimmt, das Tabu ist mir vom Tisch gerutscht. Ich wollte es erwähnen und mich darüber beklagen, dass es recht überraschend eingeführt wird, und dann habe ich nicht mehr daran gedacht.

Nun zum Monströsen. Der Satz "Man fragt sich, welche monströse Tiefe der langue sich des Gregor Samsa bemächtigt und ihm ihre Gestalt verliehen hat" ist in mehrfacher Hinsicht verwirrend. Es ist offen, was unter der "Tiefe" der langue zu verstehen ist. Es ist unklar, wie "monströs" hier zu verstehen ist, als negative Wertung oder als Hinweis auf etwas, das vorgezeigt wird, oder in einer anderen Bedeutung. Ich verstehe nicht, wie die Tiefe der langue sich einer Sache, einer Person oder einer Figur bemächtigen kann. Schließlich ist noch zu klären, wessen Gestalt Samsa verliehen wird, die der monströsen Tiefe oder die der langue. Der Satz stiftet maximale Verwirrung.

Auf das Tabu bin ich in meinem ersten Kommentar nicht eingegangen. Das möchte ich jetzt nachholen. Am Zweck des Tabus zweifle ich nicht. Aber ich sehe darin keine sprachliche Fiktion. Erstens sehe ich darin keine Fiktion, sondern ein real durchgesetztes, also bestehendes Verbot. Zweitens muss es aus meiner Sicht nicht zwingend sprachlich sein. Eine Handlung, die regelmäßig bestraft wird, ist tabu, auch wenn niemand es ausspricht.

chaton hat Folgendes geschrieben:
Du sagst: „Ich sehe nicht, wie der Umstand, dass der Protagonist eines fiktiven Texts eine Verwandlung durchmacht, diese Wechselwirkung (i.e. langue/parole) erschüttern könnte“.

Natürlich ist es nicht die Wechselwirkung selbst, die von Kafka erschüttert wird, sondern die gutgläubige Vorstellung, die sich mit dieser Wechselwirkung verbindet. De Saussure kann sich diese Wechselwirkung (als Wissenschaftler) nur als „funktionierendes System“ vorstellen, in der damaligen Wissenschaft sind wir noch nicht beim „Dysfunktionieren“, was eben auch ein Funktionieren ist (also Fragen wie „Zufall“ und „Notwendigkeit“, „Chaos“, "Dynamik" usw.).


Du sprichst zu viel nicht aus und lässt den Leser hilflos. Dein Essay(?) müsste doppelt so lang sein. Dann könntest Du sicher sein, dass Deine Argumentation keine Lücken aufweist, und Deine Leser haben bekommen eine Chance zu verstehen, was Du sagen willst. Was genau ist denn "Saussures gutgläubige Vorstellung" und welche Dysfunktionalität glaubst Du, entdeckt zu haben? Wo genau funktioniert die Wechselwirkung von langue und parole bei Kafka/Samsa nicht?

Bei Deinem letzten Gedanken wird das Eis sehr dünn und sehr glatt. Ich kann mich nicht vorstellen, dass Du den Holocaust als das Ergebnis einer dysfunktionalen Wechselwirkung von langue und parole interpretieren willst.

Cheers

Pickman


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chaton
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BeitragVerfasst am: 11.09.2022 21:04    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Pickman hat Folgendes geschrieben:
Hi chaton,

es stimmt, das Tabu ist mir vom Tisch gerutscht. Ich wollte es erwähnen und mich darüber beklagen, dass es recht überraschend eingeführt wird, und dann habe ich nicht mehr daran gedacht.

Nun zum Monströsen. Der Satz "Man fragt sich, welche monströse Tiefe der langue sich des Gregor Samsa bemächtigt und ihm ihre Gestalt verliehen hat" ist in mehrfacher Hinsicht verwirrend. Es ist offen, was unter der "Tiefe" der langue zu verstehen ist. Es ist unklar, wie "monströs" hier zu verstehen ist, als negative Wertung oder als Hinweis auf etwas, das vorgezeigt wird, oder in einer anderen Bedeutung. Ich verstehe nicht, wie die Tiefe der langue sich einer Sache, einer Person oder einer Figur bemächtigen kann. Schließlich ist noch zu klären, wessen Gestalt Samsa verliehen wird, die der monströsen Tiefe oder die der langue. Der Satz stiftet maximale Verwirrung.

Auf das Tabu bin ich in meinem ersten Kommentar nicht eingegangen. Das möchte ich jetzt nachholen. Am Zweck des Tabus zweifle ich nicht. Aber ich sehe darin keine sprachliche Fiktion. Erstens sehe ich darin keine Fiktion, sondern ein real durchgesetztes, also bestehendes Verbot. Zweitens muss es aus meiner Sicht nicht zwingend sprachlich sein. Eine Handlung, die regelmäßig bestraft wird, ist tabu, auch wenn niemand es ausspricht.

chaton hat Folgendes geschrieben:
Du sagst: „Ich sehe nicht, wie der Umstand, dass der Protagonist eines fiktiven Texts eine Verwandlung durchmacht, diese Wechselwirkung (i.e. langue/parole) erschüttern könnte“.

Natürlich ist es nicht die Wechselwirkung selbst, die von Kafka erschüttert wird, sondern die gutgläubige Vorstellung, die sich mit dieser Wechselwirkung verbindet. De Saussure kann sich diese Wechselwirkung (als Wissenschaftler) nur als „funktionierendes System“ vorstellen, in der damaligen Wissenschaft sind wir noch nicht beim „Dysfunktionieren“, was eben auch ein Funktionieren ist (also Fragen wie „Zufall“ und „Notwendigkeit“, „Chaos“, "Dynamik" usw.).


Du sprichst zu viel nicht aus und lässt den Leser hilflos. Dein Essay(?) müsste doppelt so lang sein. Dann könntest Du sicher sein, dass Deine Argumentation keine Lücken aufweist, und Deine Leser haben bekommen eine Chance zu verstehen, was Du sagen willst. Was genau ist denn "Saussures gutgläubige Vorstellung" und welche Dysfunktionalität glaubst Du, entdeckt zu haben? Wo genau funktioniert die Wechselwirkung von langue und parole bei Kafka/Samsa nicht?

Bei Deinem letzten Gedanken wird das Eis sehr dünn und sehr glatt. Ich kann mich nicht vorstellen, dass Du den Holocaust als das Ergebnis einer dysfunktionalen Wechselwirkung von langue und parole interpretieren willst.

Cheers

Pickman


Hallo Pickman,

Ich beschränke mich auf den Punkt, wie das Tabu damals bei Kafka in seine fiktive „parole“ gekommen sein könnte und aus welcher „langue“ er es bezogen haben könnte. Natürlich müssen wir unterstellen, dass es sich bei Kafka um seine Lektüre, um sein inneres Verstehen der damaligen „langue“ handelt. Aber diese Lektüre muss begründet gewesen sein und sich als richtig erwiesen haben, andernfalls bekommen wir im weiteren Verlauf beispielsweise eine Lücke in unserem Verständnis des Funktionierens des „Holocaust“.
Wir können eigentlich nur dem Autor in seiner Vorstellung der damaligen deutschen „langue“ folgen und unterstellen, dass sie sich mit monströsen Inhalten angereichert und aufgeladen hatte und sich schon ein steter Parole-Strom durch die Gesellschaft ergoss, dessen besondere Feindseligkeit der jüdischen Minderheit gegenüber gewissermaßen auf die Tabuisierung der jüdischen Menschen zulief. Das muss so gewesen sein, denn uns ist allen bewusst, dass der gesamte Prozess der Judenverfolgung in eine sich langsam aufbauende Vernichtungsstrategie mündete, die nur noch über die Tabuisierung vermittelt und organsisiert werden konnte. Es hätte keinen Sinn gemacht, die Juden Menschen sein zu lassen und als Menschen zu massakrieren. Man hätte einen Pogrom oder Blutrausch organisieren müssen. Zu primitiv in einer modernen Gesellschaft.

Natürlich hatte Kafka nicht direkt das Schicksal des jüdischen Volkes vor Augen, als er die fiktive Gestalt Georg Samsa und ihre Geschichte formte. Jedenfalls scheint bisher in der Forschung keine Spur in diese Richtung entdeckt worden zu sein. Aber er besaß die Vorstellungskraft und die gestalterische Kraft, eine moderne Tabuisierung als „glaubhafte Fiktion“ darzustellen. Historisch ist sie im "Holocaust" monströse Wirklichkeit geworden.

Chaton


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Pickman
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BeitragVerfasst am: 13.09.2022 22:56    Titel: Antworten mit Zitat

Hi chaton,

ich verstehe kein Wort.

Was heißt das, dass Kafkas Lektüre "begründet" und "richtig" war. Er las halt, was ihm gefiel. Oder? Was kann daran "richtig" sein? Und was soll Kafkas langue (wenn man langue überhaupt einer einzelnen Person zuordnen kann) mit unserem Verständnis vom Funktionieren des Holocausts zu tun haben?

chaton hat Folgendes geschrieben:
uns ist allen bewusst, dass der gesamte Prozess der Judenverfolgung in eine sich langsam aufbauende Vernichtungsstrategie mündete, die nur noch über die Tabuisierung vermittelt und organsisiert werden konnte.


Welchen Prozess meinst Du? Den seit dem Spätmittelalter oder den ab 1933? Die Wannseekonferenz und ihr Ergebnis haben sicherlich nichts zu tun mit einer "sich lansam aufbauenden Vernichtstungsstrategie". Was genau meint hier Tabuisierung? Stigmatisierung? Und glaubst Du wirklich, dass erst die Vernichtungsstrategie stand und danach jemand gesagt hat: "Das kriegen wir aber wirklich nur noch mit Tabuisierung und vermittelt und organisiert"?

Ich würde das Folgende tun:
1. Den Text komplett streichen.
2. Erst einmal herausfinden, was das Thema sein soll. Ein Thema ist eine Frage. Z. B.: Kann man Saussures Dichotomie von langue und parole anhand von Kafkas Verwandlung illustrieren?
3. Falls der Holocaust in der neuen und klaren Fragestellung eine Rolle spielen sollte: Zwei oder drei seriöse und grundlegende Werke über das Nazi-Reich und den Holocaust durcharbeiten. Darunter sollte sich Klemperers LTI oder ein anderes solides Werk über den Sprachgebrauch der Nazis befinden.
4. Einen neuen Essay schreiben.

Semiotik, Samsa und Antisemitismus spannen ein sehr interessantes Themengebiet auf. Da lohnt es sich, am Ball zu bleiben.

Cheers

Pickman


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chaton
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BeitragVerfasst am: 14.09.2022 07:28    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Pickman hat Folgendes geschrieben:
Hi chaton,

ich verstehe kein Wort.

Was heißt das, dass Kafkas Lektüre "begründet" und "richtig" war. Er las halt, was ihm gefiel. Oder? Was kann daran "richtig" sein? Und was soll Kafkas langue (wenn man langue überhaupt einer einzelnen Person zuordnen kann) mit unserem Verständnis vom Funktionieren des Holocausts zu tun haben?

chaton hat Folgendes geschrieben:
uns ist allen bewusst, dass der gesamte Prozess der Judenverfolgung in eine sich langsam aufbauende Vernichtungsstrategie mündete, die nur noch über die Tabuisierung vermittelt und organsisiert werden konnte.


Welchen Prozess meinst Du? Den seit dem Spätmittelalter oder den ab 1933? Die Wannseekonferenz und ihr Ergebnis haben sicherlich nichts zu tun mit einer "sich lansam aufbauenden Vernichtstungsstrategie". Was genau meint hier Tabuisierung? Stigmatisierung? Und glaubst Du wirklich, dass erst die Vernichtungsstrategie stand und danach jemand gesagt hat: "Das kriegen wir aber wirklich nur noch mit Tabuisierung und vermittelt und organisiert"?

Ich würde das Folgende tun:
1. Den Text komplett streichen.
2. Erst einmal herausfinden, was das Thema sein soll. Ein Thema ist eine Frage. Z. B.: Kann man Saussures Dichotomie von langue und parole anhand von Kafkas Verwandlung illustrieren?
3. Falls der Holocaust in der neuen und klaren Fragestellung eine Rolle spielen sollte: Zwei oder drei seriöse und grundlegende Werke über das Nazi-Reich und den Holocaust durcharbeiten. Darunter sollte sich Klemperers LTI oder ein anderes solides Werk über den Sprachgebrauch der Nazis befinden.
4. Einen neuen Essay schreiben.

Semiotik, Samsa und Antisemitismus spannen ein sehr interessantes Themengebiet auf. Da lohnt es sich, am Ball zu bleiben.

Cheers

Pickman


Hallo Pickman,

Deine Kritikliste:

ad 1) Ach? Weil du (angeblich) kein Wort verstehst, soll ich den Text komplett streichen? Geht natürlich nicht.

ad 2: nicht de Saussures Modell wird illustriert, sondern sein Modell ist nützlich, um eine - wie ich meine - schlüssige Lektüre von Kafkas Verwandlung hinzubekommen

ad 3) Der Holocaust ist nicht das Thema meines Textes. In der Geschichtsforschung steht auch nichts zur sicher interessanten Problemstellung: die Nazis und ihre Tabuisierung der Juden. Wenn ich da mal den Ball weit nach vorne spiele ins Reflexionsfeld, würde ich sagen: die Nazis haben im Zusammenhang mit den Juden ein erstaunliches Sammelsurium an „Judenfeindlichkeit“ zusammengebracht. In der „Endphase“ ihres Hasses kommt noch die bösartige Tabulsierung hinzu. Aber ich kenne keinen Historiker, der die Nazis als „Satanisten“ (was sie wohl wirklich waren) betrachten würde. Immerhin haben wir im Begriff des „Holocaust“ eine Ahnung des Bösen schlechthin. Aber es ist kein wissenschaftliches Konzept. Kommt vielleicht noch.

ad4) siehe Punkt 1

Und schließlich dein historischer Bogen vom Spätmittelalter zur Nazi-Zeit.
Ich meine, man muss in der Bibel und in der Apostelgeschichte anfangen und erkennen, dass im NT Jesus „Aussätzige heilt“ und keine Berührungsangst kennt, also das Unrein-Tabu ignoriert (was ihm ja dann prompt von den Juden vorgeworfen wird) und in der Apostelgeschichte Petrus ein von Gott geschicktes Traumbild erhält, wo das Tabu der „unreinen Speisen“ ausdrücklich aufgehoben wird (offenbar war der soziale Druck der damaligen jüdischen Gesellschaft auf die Jesusjünger so enorm, dass sie reagieren mussten). In diesem Punkt verabschiedet sich das Christentum definitiv vom jüdischen Sozialleben und wir haben in unserer ganzen „abendländischen“ Geschichte kein einziges Tabu mehr (manche Forscher behaupten sogar, dass nicht einmal das Inzest-Tabu existiert): sämtliche abendländischen Verfolgungen wurden immer anders „motiviert“. Erst die Nazis graben ein bösartiges Tabu aus. Ob sie selbst dran glaubten? Ich glaube es nicht, sie waren so satanisch, dass ihrem Hass auf die Juden jedes Mittel recht war. Die Tabuisierung der Juden als das letzte bösartige Instrument, um ihren Hass zu befriedigen und die Menschen bei ihrem satanischen Werk zu instrumentalisieren.

Aber bleiben wir bei Kafka und seinem faszinierenden Text Die Verwandlung.
Und bleiben wir sensibel. Es gibt neue langues, in denen viele Tabu-paroles erzeugt werden und zirkulieren. Nein, eine Tabuisierung muss nicht gleich satanisch sein. Wird sie auch nicht (mehr) sein- jedenfalls hoffentlich.


Chaton


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chaton
Gänsefüßchen


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BeitragVerfasst am: 14.09.2022 07:29    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Pickman hat Folgendes geschrieben:
Hi chaton,

ich verstehe kein Wort.

Was heißt das, dass Kafkas Lektüre "begründet" und "richtig" war. Er las halt, was ihm gefiel. Oder? Was kann daran "richtig" sein? Und was soll Kafkas langue (wenn man langue überhaupt einer einzelnen Person zuordnen kann) mit unserem Verständnis vom Funktionieren des Holocausts zu tun haben?

chaton hat Folgendes geschrieben:
uns ist allen bewusst, dass der gesamte Prozess der Judenverfolgung in eine sich langsam aufbauende Vernichtungsstrategie mündete, die nur noch über die Tabuisierung vermittelt und organsisiert werden konnte.


Welchen Prozess meinst Du? Den seit dem Spätmittelalter oder den ab 1933? Die Wannseekonferenz und ihr Ergebnis haben sicherlich nichts zu tun mit einer "sich lansam aufbauenden Vernichtstungsstrategie". Was genau meint hier Tabuisierung? Stigmatisierung? Und glaubst Du wirklich, dass erst die Vernichtungsstrategie stand und danach jemand gesagt hat: "Das kriegen wir aber wirklich nur noch mit Tabuisierung und vermittelt und organisiert"?

Ich würde das Folgende tun:
1. Den Text komplett streichen.
2. Erst einmal herausfinden, was das Thema sein soll. Ein Thema ist eine Frage. Z. B.: Kann man Saussures Dichotomie von langue und parole anhand von Kafkas Verwandlung illustrieren?
3. Falls der Holocaust in der neuen und klaren Fragestellung eine Rolle spielen sollte: Zwei oder drei seriöse und grundlegende Werke über das Nazi-Reich und den Holocaust durcharbeiten. Darunter sollte sich Klemperers LTI oder ein anderes solides Werk über den Sprachgebrauch der Nazis befinden.
4. Einen neuen Essay schreiben.

Semiotik, Samsa und Antisemitismus spannen ein sehr interessantes Themengebiet auf. Da lohnt es sich, am Ball zu bleiben.

Cheers

Pickman


Hallo Pickman,

Deine Kritikliste:

ad 1) Ach? Weil du (angeblich) kein Wort verstehst, soll ich den Text komplett streichen? Geht natürlich nicht.

ad 2: nicht de Saussures Modell wird illustriert, sondern sein Modell ist nützlich, um eine - wie ich meine - schlüssige Lektüre von Kafkas Die Verwandlung hinzubekommen

ad 3) Der Holocaust ist nicht das Thema meines Textes. In der Geschichtsforschung steht auch nichts zur sicher interessanten Problemstellung: die Nazis und ihre Tabuisierung der Juden. Wenn ich da mal den Ball weit nach vorne spiele ins Reflexionsfeld, würde ich sagen: die Nazis haben im Zusammenhang mit den Juden ein erstaunliches Sammelsurium an „Judenfeindlichkeit“ zusammengebracht. In der „Endphase“ ihres Hasses kommt noch die bösartige Tabulsierung hinzu. Aber ich kenne keinen Historiker, der die Nazis als „Satanisten“ (was sie wohl wirklich waren) betrachten würde. Immerhin haben wir im Begriff des „Holocaust“ eine Ahnung des Bösen schlechthin. Aber es ist kein wissenschaftliches Konzept. Kommt vielleicht noch.

ad4) siehe Punkt 1

Und schließlich dein historischer Bogen vom Spätmittelalter zur Nazi-Zeit.
Ich meine, man muss in der Bibel und in der Apostelgeschichte anfangen und erkennen, dass im NT Jesus „Aussätzige heilt“ und keine Berührungsangst kennt, also das Unrein-Tabu ignoriert (was ihm ja dann prompt von den Juden vorgeworfen wird) und in der Apostelgeschichte Petrus ein von Gott geschicktes Traumbild erhält, wo das Tabu der „unreinen Speisen“ ausdrücklich aufgehoben wird (offenbar war der soziale Druck der damaligen jüdischen Gesellschaft auf die Jesusjünger so enorm, dass sie reagieren mussten). In diesem Punkt verabschiedet sich das Christentum definitiv vom jüdischen Sozialleben und wir haben in unserer ganzen „abendländischen“ Geschichte kein einziges Tabu mehr (manche Forscher behaupten sogar, dass nicht einmal das Inzest-Tabu existiert): sämtliche abendländischen Verfolgungen wurden immer anders „motiviert“. Erst die Nazis graben ein bösartiges Tabu aus. Ob sie selbst dran glaubten? Ich glaube es nicht, sie waren so satanisch, dass ihrem Hass auf die Juden jedes Mittel recht war. Die Tabuisierung der Juden als das letzte bösartige Instrument, um ihren Hass zu befriedigen und die Menschen bei ihrem satanischen Werk zu instrumentalisieren.

Aber bleiben wir bei Kafka und seinem faszinierenden Text Die Verwandlung.
Und bleiben wir sensibel. Es gibt neue langues, in denen viele Tabu-paroles erzeugt werden und zirkulieren. Nein, eine Tabuisierung muss nicht gleich satanisch sein. Wird sie auch nicht (mehr) sein- jedenfalls hoffentlich.


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Pickman
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BeitragVerfasst am: 14.09.2022 16:26    Titel: Antworten mit Zitat

chaton hat Folgendes geschrieben:
Weil du (angeblich) kein Wort verstehst, soll ich den Text komplett streichen?


Wenn Du an meiner Aufrichtigkeit zweifelst, vertue ich hier meine Zeit.


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BeitragVerfasst am: 15.09.2022 21:44    Titel: Antworten mit Zitat

chaton hat Folgendes geschrieben:
Dass  es dem Autor um die Tabuisierung des Gregor Samsa geht, ist auch daran erkennbar, dass der Mensch in ein „ungeheures Ungeziefer“ verwandelt wird. „Ungeziefer“ kennen wir alle, „ungeheure Ungeziefer“ sind schon seltener.


Naja... - eben ein Käfer, der angesichts seiner Ursprungsgestalt ziemlich groß geraten ist.
Tut mir leid, aber ich vermag Dir in so weit zu folgen, als ich die Unterstellung eines (von vielen) Aspekten mit Dir teile, oder zumindest als schlüssig empfinde: Tabuisierung. Ich würde sie allerdings keineswegs im Vordergrund sehen, eher als kleinen Nebenplot, der sich ziemlich zwangsläufig untermischt.
Deiner Deutung, dass sich durch die vorherrschende Zeitgeist-langue Tabuisierung "von allein" (Kafka sozusagen als Werkzeug) in der Erzählung manifestiert, vermag ich nicht zu folgen, und ich halte sie auch für abwegig. Ich mag generell keine literaturwissenschaftlichen Ansätze, bei denen Autoren etwas untergejubelt wird, dem sie selbst - ohne es zu wissen - unterbewusst folgen und aus dem man dann weitere Schlüsse ziehen möchte. Da hilft auch keine "langue".
Allerdings nur meine Ansicht - und nur mein Verständnis.
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Fistandantilus
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BeitragVerfasst am: 15.09.2022 22:41    Titel: Antworten mit Zitat

chaton hat Folgendes geschrieben:
Dass  es dem Autor um die Tabuisierung des Gregor Samsa geht, ist auch daran erkennbar, dass der Mensch in ein „ungeheures Ungeziefer“ verwandelt wird. „Ungeziefer“ kennen wir alle, „ungeheure Ungeziefer“ sind schon seltener.

Vielleicht hat Kafka auch nur nach einem sprachlich ausgefeilten Adjektiv gesucht: U-Alliteration, dieselben vier Anfangsbuchstaben, beide Wörter viersilbig.
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d.frank
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BeitragVerfasst am: 16.09.2022 01:10    Titel: Antworten mit Zitat

ungeheure Ungeziefer - das Wort Ungeziefer lässt sogleich die Assoziation: klein, ungefährlich, leicht zu zertreten aufkommen, das ungeheuer hebt das auf, weil es genau das Gegenteil assoziiert.
Das Ungeheuer ist etwas Gefährliches, es lässt sich nicht so einfach in ein Zimmer wegsperren, es speit Feuer oder reißt einem das Fleisch von den Knochen, jedenfalls, wenn es ein echtes Ungeheuer ist, von daher ist die Tabuisierung in meinen Augen kein Nebenplot. Gregor Samsa ist das Tabu in Person. Es ist lange her, dass ich die Erzählung gelesen habe, aber ich kann mich daran erinnern, dass ich es ebenso empfunden habe, als wäre Samsa dieses dreckige Geheimnis, das man unter den Teppich kehrt. Dass er dann wegstirbt und die Familie aufatmet, ist für mich ebenfalls ein Zeichen dafür, wie man gesellschaftlich gesehen mit solchen Geheimnissen umgeht: Irgendjemand nimmt sie mit ins Grab und gut ist.


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Die Wahrheit ist keine Hure, die sich denen an den Hals wirft, welche ihrer nicht begehren: Vielmehr ist sie eine so spröde Schöne, daß selbst wer ihr alles opfert noch nicht ihrer Gunst gewiß sein darf.
*Arthur Schopenhauer
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Fistandantilus
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BeitragVerfasst am: 16.09.2022 01:20    Titel: Antworten mit Zitat

Im Idealfall bedingt Sprache den Plot und andersherum. Das wollte ich nicht in Abrede stellen. Kafka war ohne Frage ein Genie.
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Gast







BeitragVerfasst am: 16.09.2022 13:30    Titel: Antworten mit Zitat

d.frank hat Folgendes geschrieben:
Gregor Samsa ist das Tabu in Person. Es ist lange her, dass ich die Erzählung gelesen habe, aber ich kann mich daran erinnern, dass ich es ebenso empfunden habe, als wäre Samsa dieses dreckige Geheimnis, das man unter den Teppich kehrt. Dass er dann wegstirbt und die Familie aufatmet, ist für mich ebenfalls ein Zeichen dafür, wie man gesellschaftlich gesehen mit solchen Geheimnissen umgeht: Irgendjemand nimmt sie mit ins Grab und gut ist.

Vielleicht hast Du damit recht. Ist bei mir auch lange her, dass ich die Erzählung gelesen habe. Ich sehe immer noch andere Dinge mehr im Vordergrund, nöchte aber diese Diskussion im off-topic hier nicht führen.

Zitat:
Das Ungeheuer ist etwas Gefährliches, es lässt sich nicht so einfach in ein Zimmer wegsperren, es speit Feuer oder reißt einem das Fleisch von den Knochen, jedenfalls, wenn es ein echtes Ungeheuer ist, von daher ist die Tabuisierung in meinen Augen kein Nebenplot.

Diesem Schluss kann ich nicht folgen, ist aber auch nicht so wichtig.
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fabian
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Beiträge: 318



BeitragVerfasst am: 16.09.2022 14:10    Titel: Antworten mit Zitat

Da bin ich ja mal gespannt, welche Verwandlungen hier im Forum möglicherweise mal stattfinden werden, welche Ungeheuer dabei zum Vorschein kommen und wie die Unverwandelbaren darauf reagieren werden.

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Ich brauch mal wieder einen neuen Avatar. Irgendwer irgendwelche Vorschläge?
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Denisovan
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BeitragVerfasst am: 16.09.2022 15:07    Titel: Antworten mit Zitat

Den Diskurs zwischen Chaton und Pickman genoss ich anfangs. Extrem sachlich und niveauvoll.
Es lief dann mit dem Beitrag Pickman 13.09. aus dem Ruder, mit der Vorstellung u.a., Chaton möge seinen Text vollständig streichen, einen neuen Essay schreiben, etc.
Sicher auch eine Meinung. Klar. Doch: damit wurde die Sachebene verlassen.   An dieser Stelle verteidige ich stets den Künstler, Autor, Maler, Komponisten.
Bin aber hier Neuling. Nur vorsichtig-antastende Anmerkung eigentlich zu einem ursprünglich faszinierendem Thema Tabu + Kafka.
Anregung:
Nach der Diskurstheorie von Michel Foucault gibt es keinen Diskurs, der nicht von Machtbeziehungen bestimmt sei. Sprache sei gesellschaftliches Mittel zur Machtausübung.
Das Ideal eines machtfreien Diskurses (Theorie des kommunikativen Handelns, Habermas) als Antagonist.
Hinweis: Emotion = stets auch Machtversuch.


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BeitragVerfasst am: 16.09.2022 16:43    Titel: Antworten mit Zitat

Denisovan hat Folgendes geschrieben:
Nach der Diskurstheorie von Michel Foucault gibt es keinen Diskurs, der nicht von Machtbeziehungen bestimmt sei. Sprache sei gesellschaftliches Mittel zur Machtausübung.
Das Ideal eines machtfreien Diskurses (Theorie des kommunikativen Handelns, Habermas) als Antagonist.
Hinweis: Emotion = stets auch Machtversuch.

Außer, man möchte es nicht. Wink
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d.frank
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Beiträge: 1188
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BeitragVerfasst am: 16.09.2022 22:56    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Nach der Diskurstheorie von Michel Foucault gibt es keinen Diskurs, der nicht von Machtbeziehungen bestimmt sei. Sprache sei gesellschaftliches Mittel zur Machtausübung.
Das Ideal eines machtfreien Diskurses (Theorie des kommunikativen Handelns, Habermas) als Antagonist.
Hinweis: Emotion = stets auch Machtversuch.



Alle Sprache Propaganda?
Samsa kann ja nicht mehr sprechen, vielleicht, hätte er es gekonnt, hätte man ihn nicht vollends als Insekt abgetan?
Anfänglich gibt es ja noch eine Art von Kommunikation zwischen Gregor und seiner Schwester.

Den Gegner/das Geheimnis also mundtot machen?
Einer, der nicht sprechen kann, hat keine Emotionen?
Wenn Emotion gleich auch Machtversuch ist, dann würde ja jede Emotion von Selbstsucht korrumpiert, ist das wirklich so?
Antagonist - geht es auch ohne?


Zitat:
Habermas weiß, dass es die ideale Sprechaktsituation in der Realität nicht gibt. Jedoch vertritt er, dass wir diese Idealisierung vor jedem Diskurs zumindest implizit vornehmen müssen. Nur so kann es zu dem „eigentümlich zwanglosen Zwang des besseren Argumentes“ kommen. Aus dieser kommunikativen Vernunft und Organisation von Handlungen heraus ergibt sich dann kommunikatives Handeln.


klingt einleuchtend


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