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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Das Mädchen


 

 
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Taras
Geschlecht:männlichSchmierfink

Alter: 74
Beiträge: 54
Wohnort: Am Niederrhein


BeitragVerfasst am: 04.04.2021 12:26    Titel: Das Mädchen eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Neue Version »

Der heftige Regen schlägt in einem monotonen Rhythmus gegen die Fensterscheiben und versetzt mich in einen tranceartigen Zustand. Es ist vier Uhr morgens. Noch drei Stunden, dann werde ich abgelöst.

Draußen heult und saust es, als würden die Geschöpfe der Walpurgisnacht über meinem Kopf ihr Unwesen treiben. Für einen Moment reißen die Wolken auf und im fahlen Mondlicht scheinen sich die Bäume mit fuchtelnden Armen gegen den wütenden Sturm zu wehren.
Mühsam kämpfe ich gegen den Schlaf und starre benommen auf die Zeiger der Uhr, als ein lautes Rufen unaufhaltsam immer tiefer in mein Bewusstsein dringt und mich hellwach werden lässt.

Vor der Tür steht ein Mädchen, es ist höchstens vierzehn Jahre alt. Seine schulterlangen Haare sind klatschnass und kleben am Gesicht. Ich kann deutlich sehen, dass es haltlos weint. Seine Fäuste hämmern wie wild gegen die Glastür und ich beeile mich, ihm zu öffnen. Es stürzt herein und schaut mich mit weit aufgerissenen Augen flehend an. Schluchzend hebt es ein zu Boden gefallenes blaues Tuch auf und wirft es sich über die Schulter.
„Kommen Sie schnell, da hinten …, unser Wagen …, er ist die Böschung hinuntergestürzt und … auf dem Dach liegen geblieben!“ „Ganz ruhig“, höre ich mich sagen, „wo genau ist es passiert, wie viele Personen sind in dem Fahrzeug und gibt es Verletzte?“ Als Rettungssanitäter, das hat man uns schon sehr früh beigebracht, darf man sich von der allgemeinen Hektik nach einem Unglücksfall nicht anstecken lassen.

„Dort …“, aufgeregt tänzelt das Mädchen auf der Stelle und deutet mit wedelnden Armen nach draußen, „… dort vorne in der Biegung ist das Auto verunglückt. Bitte helfen Sie, helfen Sie!“ Ich alarmiere sofort unser Rettungsteam und mache mich im Laufschritt auf den Weg zur Unglücksstelle. Das Mädchen eilt mir weit voraus. Seltsam, ich nehme auf einmal nur noch das blaue Tuch wahr, das hell im Mondlicht leuchtet, so als ob es mich leiten wollte.

Am Unfallort entdecke ich zwei junge Menschen, die blutend und seltsam verrenkt im nassen Gras liegen. Die Scheinwerfer des Autos leuchten hoch in die Nacht und aus dem Autoradio dröhnt laute Musik.
Schnell sind auch meine Kollegen zur Stelle und wir beugen uns über die Unfallopfer. Der junge Mann atmet kaum noch und wir tun alles, um ihm zu helfen. Er hat Glück, das war wirklich Rettung in letzter Sekunde, seinem Schutzengel sei Dank. Bei dem Mädchen kommt leider jede Hilfe zu spät, es hat sich beim Aufprall das Genick gebrochen.

Die rotierende Lampe des Notarztwagens taucht unsere blassen Gesichter für Sekundenbruchteile in gleißendes blaues Licht, einige von uns weinen, das Mädchen war doch viel zu jung, um schon zu sterben. Als sich der schwarze Leichensack allmählich über seinem Körper schließt, zucke ich zusammen. „Wartet!“ höre ich mich mit erstickter Stimme rufen und stürze die Böschung hinab. Außer Atem stolpere ich schluchzend zurück und lege dem toten Mädchen zärtlich sein blaues Tuch um die schmalen Schultern.



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„Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch.“ Erich Kästner
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Daniel de Iguazu
Geschlecht:männlichSchmierfink

Alter: 43
Beiträge: 76
Wohnort: Santiago de Chile


BeitragVerfasst am: 04.04.2021 16:20    Titel: Antworten mit Zitat

Die Geschichte hat einen guten Rhythmus, es entstehen beim Lesen kräftige Bilder im Kopf und es war sehr kurzweilig. Mir hat es viel Spaß gemacht, sie zu lesen.

Man könnte im Detail einige Dinge kritisieren. Ich suche mal folgende heraus:

Taras hat Folgendes geschrieben:
Der junge Mann atmet kaum noch und wir tun alles, um ihm zu helfen. Er hat Glück, das war wirklich Rettung in letzter Sekunde, seinem Schutzengel sei Dank.
Hier ist mir der Sprung zu groß. Zuerst der Status des Mannes und Zack, im nächsten Satz ist er schon gerettet und von einem Schutzengel ist die Rede. Dadurch tauchen automatisch viele Fragen auf: Was hat ihm gefehlt? Wie wurde er gerettet und wer hat ihn gerettet? Da diese Informationen aber für die Geschichte unwichtig sind oder sie zäh machen würden, könnte man bloß schreiben, dass er Glück hat und durchkommen wird. Das glaubt man als Leser irgendwie, ohne dass Fragen auftauchen, außerdem wirkt es nicht so gesprungen.

Du hast zweimal „höre ich mich sagen/rufen“ verwendet. Hier würde ich einfach direkt "sagen" oder "rufen" verwenden. Den Umweg mit „höre ich mich“ würde ich beispielsweise nehmen, wenn die Figur neben der Spur steht.

Taras hat Folgendes geschrieben:
das Mädchen war doch viel zu jung, um schon zu sterben
"doch" und "schon" nehmen hier dem Text die Kraft, unnötige Füllwörter halt.

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"The difference between fiction and reality is that fiction has to make sense." Tom Clancy
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Taras
Geschlecht:männlichSchmierfink

Alter: 74
Beiträge: 54
Wohnort: Am Niederrhein


BeitragVerfasst am: 04.04.2021 16:52    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

danke für die Tipps. Bevor ich jedoch auf alle eingehe, möchte ich deine untenstehende Anregung vorab erläutern. Vielleicht stoßen andere auch noch darauf.

"Du hast zweimal „höre ich mich sagen/rufen“ verwendet."

Das LI steht tatsächlich neben der Spur, eben in einem tranceartigen Zustand, wie ich es am Anfang beschrieben habe.

Jetzt freue ich mich erst einmal über deine positive Reaktion, ändern, soweit nötig, werde ich später.

LG Taras


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Calvin Hobbs
Geschlecht:männlichEselsohr


Beiträge: 274
Wohnort: Deutschland


BeitragVerfasst am: 04.04.2021 17:30    Titel: Re: Das Mädchen Antworten mit Zitat

Hallo smile
Sehr gern gelesen, da kurz und knapp ein Spannungsbogen in nachvollziehbaren Bildern aufgebaut wird.

Allerdings wird ab dieser Stelle
Taras hat Folgendes geschrieben:
Seltsam, ich nehme auf einmal nur noch das blaue Tuch wahr, das hell im Mondlicht leuchtet, so als ob es mich leiten wollte.

der Twist offenbar und für mich entweicht die Luft deutlich aus dem Ganzen.
Trotzdem Daumen hoch²
MfG


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Stefanie
Reißwolf


Beiträge: 1548



BeitragVerfasst am: 04.04.2021 20:15    Titel: Re: Das Mädchen Antworten mit Zitat

Die Geschichte gefällt mir. Es ist sehr bildhaft geschrieben und die Spannung entwickelt sich. Einige Dinge würde ich überarbeiten, z. B. Adjektive weglassen, die das Substantiv schwächen. Einige Gedanken habe ich noch in den Text geschrieben.

Taras hat Folgendes geschrieben:
Der heftige Regen schlägt in einem monotonen Rhythmus gegen die Fensterscheiben und versetzt mich in einen tranceartigen Zustand. Es ist vier Uhr morgens. Noch drei Stunden, dann werde ich abgelöst.

Draußen heult und saust es, als würden die Geschöpfe der Walpurgisnacht über meinem Kopf ihr Unwesen treiben. Für einen Moment reißen die Wolken auf und im fahlen Mondlicht scheinen sich die Bäume mit fuchtelnden Armen gegen den wütenden Sturm zu wehren.
Mühsam kämpfe ich gegen den Schlaf und starre benommen auf die Zeiger der Uhr, als ein lautes Rufen unaufhaltsam immer tiefer in mein Bewusstsein dringt und mich hellwach werden lässt.

Vor der Tür steht ein Mädchen, es ist höchstens vierzehn Jahre alt. Seine schulterlangen Haare sind klatschnass und kleben am Gesicht. Ich kann deutlich sehen, dass es haltlos weint. Seine Fäuste hämmern wie wild gegen die Glastür und ich beeile mich, ihm zu öffnen. Es stürzt herein und schaut mich mit weit aufgerissenen Augen flehend an. Schluchzend hebt es ein zu Boden gefallenes blaues Tuch auf und wirft es sich über die Schulter. Das passt nicht. So machst du es zu offensichtlich. Wer so außer sich ist, würde nicht ein Tuch aufheben. Es könnte sich z. B. das um die Schultern liegende Tuch enger ziehen.
„Kommen Sie schnell, da hinten …, unser Wagen …, er ist die Böschung hinuntergestürzt und … auf dem Dach liegen geblieben!“ „Ganz ruhig“, höre ich mich sagen, „wo genau ist es passiert, wie viele Personen sind in dem Fahrzeug und gibt es Verletzte?“ Als Rettungssanitäter, das hat man uns schon sehr früh beigebracht, darf man sich von der allgemeinen Hektik nach einem Unglücksfall nicht anstecken lassen.

„Dort …“, aufgeregt tänzelt das Mädchen auf der Stelle und deutet mit wedelnden Armen nach draußen, „… dort vorne in der Biegung ist das Auto verunglückt. Bitte helfen Sie, helfen Sie!“ Ich alarmiere sofort unser Rettungsteam und mache mich im Laufschritt auf den Weg zur Unglücksstelle. Das Mädchen eilt mir weit voraus. Seltsam, ich nehme auf einmal nur noch das blaue Tuch wahr, das hell im Mondlicht leuchtet, so als ob es mich leiten wollte. Das würde ich dezenter beschreiben, nur erwähnen, dass man das blaue Tuch im Mondlicht sieht, dann ist später der Überraschungseffekt besser.

Am Unfallort entdecke ich zwei junge Menschen, die blutend und seltsam verrenkt im nassen Gras liegen. Die Scheinwerfer des Autos leuchten hoch in die Nacht und aus dem Autoradio dröhnt laute Musik.
Schnell sind auch meine Kollegen zur Stelle und wir beugen uns über die Unfallopfer. Der junge Mann atmet kaum noch und wir tun alles, um ihm zu helfen. Er hat Glück, das war wirklich Rettung in letzter Sekunde, seinem Schutzengel sei Dank. Wie Daniel schon sagte, geht es hier zu schnell. Erzähl, wie sie um sein Leben kämpfen. Bei dem Mädchen kommt leider jede Hilfe zu spät, es hat sich beim Aufprall das Genick gebrochen.

Die rotierende Lampe des Notarztwagens taucht unsere blassen Gesichter für Sekundenbruchteile in gleißendes blaues Licht, einige von uns weinen, Das ist unprofessionell, oben hast du beschrieben, dass Sanis ruhig  bleiben. Lass dir eine andere Art einfallen, wie sie ihre Erschütterung zeigen. , das Mädchen war doch viel zu jung, um schon zu sterben. Als sich der schwarze Leichensack allmählich über seinem Körper schließt, zucke ich zusammen. Den Moment des Erkennens lässt du aus, dabei ist das doch der spannendste Augenblick, auf den die Geschichte hinarbeitet. Wie reagiert er/sie? zusammenzucken reicht mir nicht.„Wartet!“ höre ich mich mit erstickter Stimme rufen und stürze die Böschung hinab. Außer Atem stolpere ich schluchzend zurück und lege dem toten Mädchen zärtlich sein blaues Tuch um die schmalen Schultern.


Ich hoffe, meine Anmerkungen helfen dir ein wenig weiter.
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Taras
Geschlecht:männlichSchmierfink

Alter: 74
Beiträge: 54
Wohnort: Am Niederrhein


BeitragVerfasst am: 05.04.2021 11:27    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Daniel,

inzwischen habe ich weitere wertvolle Hinweise bekommen und will antworten.
Daniel de Iguazu hat Folgendes geschrieben:

Taras hat Folgendes geschrieben:
Der junge Mann atmet kaum noch und wir tun alles, um ihm zu helfen. Er hat Glück, das war wirklich Rettung in letzter Sekunde, seinem Schutzengel sei Dank.
Hier ist mir der Sprung zu groß. Zuerst der Status des Mannes und Zack, im nächsten Satz ist er schon gerettet und von einem Schutzengel ist die Rede.

Da auch Stefanie deiner Meinung ist, werde ich die Stelle überarbeiten, obwohl ich mit "wir tun alles, um ihm zu helfen" die Tätigkeiten der Sanitäter komprimiert beschrieben habe.
Taras hat Folgendes geschrieben:
das Mädchen war doch viel zu jung, um schon zu sterben
"doch" und "schon" nehmen hier dem Text die Kraft, unnötige Füllwörter halt.

Ja, mit den unseligen Füllwörtern habe ich immer noch zu kämpfen.

Noch einmal danke für deine Mithilfe.


Hallo Calvin,

danke für die Daumen.

Calvin Hobbs hat Folgendes geschrieben:

Allerdings wird ab dieser Stelle
Taras hat Folgendes geschrieben:
Seltsam, ich nehme auf einmal nur noch das blaue Tuch wahr, das hell im Mondlicht leuchtet, so als ob es mich leiten wollte.

der Twist offenbar und für mich entweicht die Luft deutlich aus dem Ganzen.
 

Nicht zu glauben, ich habe diese Stelle kurz vor dem Posten auf diese Version geändert. Rolling Eyes Also werde ich wieder umstellen.


Hallo Stefanie,

zwei deiner Vorschläge habe ich bereits dankend abgenickt und an den Adjektiven werde ich feilen. Nun zum Rest.
Stefanie hat Folgendes geschrieben:


Taras hat Folgendes geschrieben:
Schluchzend hebt es ein zu Boden gefallenes blaues Tuch auf und wirft es sich über die Schulter.
Das passt nicht. So machst du es zu offensichtlich. Wer so außer sich ist, würde nicht ein Tuch aufheben. Es könnte sich z. B. das um die Schultern liegende Tuch enger ziehen.
Auch hier gebe ich dir recht.
Taras hat Folgendes geschrieben:
Seltsam, ich nehme auf einmal nur noch das blaue Tuch wahr, das hell im Mondlicht leuchtet, so als ob es mich leiten wollte.
Das würde ich dezenter beschreiben, nur erwähnen, dass man das blaue Tuch im Mondlicht sieht, dann ist später der Überraschungseffekt besser.
Siehe oben

Taras hat Folgendes geschrieben:
Schnell sind auch meine Kollegen zur Stelle und wir beugen uns über die Unfallopfer. Der junge Mann atmet kaum noch und wir tun alles, um ihm zu helfen. Er hat Glück, das war wirklich Rettung in letzter Sekunde, seinem Schutzengel sei Dank.
Wie Daniel schon sagte, geht es hier zu schnell. Erzähl, wie sie um sein Leben kämpfen.
Siehe oben

Taras hat Folgendes geschrieben:
Die rotierende Lampe des Notarztwagens taucht unsere blassen Gesichter für Sekundenbruchteile in gleißendes blaues Licht, einige von uns weinen,
Das ist unprofessionell, oben hast du beschrieben, dass Sanis ruhig  bleiben. Lass dir eine andere Art einfallen, wie sie ihre Erschütterung zeigen.
Okay
Taras hat Folgendes geschrieben:
das Mädchen war doch viel zu jung, um schon zu sterben. Als sich der schwarze Leichensack allmählich über seinem Körper schließt, zucke ich zusammen.
Den Moment des Erkennens lässt du aus, dabei ist das doch der spannendste Augenblick, auf den die Geschichte hinarbeitet. Wie reagiert er/sie? zusammenzucken reicht mir nicht.

Löst sich diese Stelle nicht von alleine auf bzw. schließt sich der Kreis nicht in dem Moment, wo dem Mädchen das Tuch umgelegt wird?[/quote] So kommt es doch erst ganz zum Schluss zum Aha-Erlebnis.

Auch an dich ein dickes Danke, du hast dir sehr viel Mühe gegeben, das weiß ich, wie auch die Hinweise von Daniel und Calvin, zu schätzen.

LG Taras


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Ralphie
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BeitragVerfasst am: 05.04.2021 11:43    Titel: Antworten mit Zitat

Super! Mir ist nur eins aufgestoßen, aber das ist Geschmackssache:


Der heftige Regen prasselt in einem monotonen Rhythmus gegen die Fensterscheiben und versetzt mich in einen tranceartigen Zustand. Es ist vier Uhr morgens. Noch drei Stunden, dann werde ich abgelöst.
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BeitragVerfasst am: 05.04.2021 12:02    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke Ralphie, meinst du "prasseln" passt nicht zu einem monotonen Rhythmus?

LG Taras


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Calvin Hobbs
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BeitragVerfasst am: 05.04.2021 12:16    Titel: Antworten mit Zitat

Taras hat Folgendes geschrieben:
Danke Ralphie, meinst du "prasseln" passt nicht zu einem monotonen Rhythmus?

LG Taras


Pladdern oder trommelt gingen auch. Aber wie Ralphie sagt -Geschmackssache-.


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BeitragVerfasst am: 05.04.2021 12:23    Titel: Antworten mit Zitat

Taras hat Folgendes geschrieben:
Danke Ralphie, meinst du "prasseln" passt nicht zu einem monotonen Rhythmus?

LG Taras


Du hattest "schlagen" geschrieben, nicht "prasseln". Wenn der Regen gegen eine Fensterscheibe schlagen würde, würde das Glas zerbrechen. Aber man kann das Verb durchaus benutzen.
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Taras
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BeitragVerfasst am: 05.04.2021 12:44    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ha, lustig! Also Geschmacksache, aber dass Regen gegen Fensterscheiben schlägt, habe ich ab und zu schon gelesen - ohne Glasbruch! Wink
An "trommeln" hatte ich auch gedacht.


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Stefanie
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BeitragVerfasst am: 05.04.2021 14:48    Titel: Antworten mit Zitat

Taras hat Folgendes geschrieben:

Da auch Stefanie deiner Meinung ist, werde ich die Stelle überarbeiten, obwohl ich mit "wir tun alles, um ihm zu helfen" die Tätigkeiten der Sanitäter komprimiert beschrieben habe.

Komprimiert ist langweilig. Da vertust du die Chance, einen spannenden Überlebenskampf zu schildern. Stell dir die Gefühle des Lesers vor, wenn er Angst hat um den jungen Mann, dann die Erleichterung, wenn der es schafft, und dann kommt der Knalleffekt mit dem toten Mädchen.
Und dann im Vergleich die Gefühle, wenn der Leser nüchtern informiert wird, dass die Rettungskräfte arbeiten. Das ist so eine klassische "Show, don´t tell" Stelle.
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Taras
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BeitragVerfasst am: 05.04.2021 16:26    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hier ist die Neufassung. Ich danke euch allen noch einmal für euer Engagement und die wertvolle Hilfe, ich habe dazugelernt.

Der Regen schlägt in einem monotonen Rhythmus gegen die Fensterscheiben und versetzt mich in einen tranceartigen Zustand. Es ist vier Uhr morgens. Noch drei Stunden, dann werde ich abgelöst.

Draußen heult und saust es, als würden die Geschöpfe der Walpurgisnacht über meinem Kopf ihr Unwesen treiben. Für einen Moment reißen die Wolken auf und im Mondlicht scheinen sich die Bäume mit fuchtelnden Armen gegen den Sturm zu wehren.
Mühsam kämpfe ich gegen den Schlaf und starre benommen auf die Zeiger der Uhr, als ein lautes Rufen mich hellwach werden lässt.

Vor der Tür steht ein Mädchen, es ist höchstens vierzehn Jahre alt. Seine schulterlangen Haare sind klatschnass und kleben am Gesicht. Ich kann deutlich sehen, dass es haltlos weint. Seine Fäuste hämmern wie wild gegen die Glastür und ich beeile mich, ihm zu öffnen. Es stürzt herein und schaut mich flehend an. Fröstelnd zieht es ein blaues Tuch enger um seine Schultern.
„Kommen Sie schnell, da hinten …, unser Wagen …, er ist die Böschung hinuntergestürzt und … auf dem Dach liegen geblieben!“ „Ganz ruhig“, höre ich mich sagen, „wo genau ist es passiert, wie viele Personen sind in dem Fahrzeug und gibt es Verletzte?“ Als Rettungssanitäter, das hat man uns schon sehr früh beigebracht, darf man sich von der allgemeinen Hektik nach einem Unglücksfall nicht anstecken lassen.

„Dort …“, aufgeregt tänzelt das Mädchen auf der Stelle und deutet mit wedelnden Armen nach draußen, „… dort vorne in der Biegung ist das Auto verunglückt. Bitte helfen Sie, helfen Sie!“ Ich alarmiere sofort unser Rettungsteam und mache mich im Laufschritt auf den Weg zur Unglücksstelle. Das Mädchen eilt mir weit voraus, ihr blaues Tuch leuchtet im Mondlicht und weist mir den Weg.

Am Unfallort entdecke ich zwei junge Menschen, die blutend und verrenkt im nassen Gras liegen. Die Scheinwerfer des Autos leuchten hoch in die Nacht und aus dem Autoradio dröhnt laute Musik.
Schnell sind auch meine Kollegen zur Stelle und wir beugen uns über die Unfallopfer. Herzstillstand beim jungen Mann, jetzt kommt es auf jede Sekunde an. Routiniert führen wir die schon hundertmal geübten Handgriffe aus, Herzdruckmassage und Atemspende. „Eins, zwei drei ... dreißig! Eins, zwei!“ Und wieder von vorne, es rasen die Minuten. Endlich, der Verletzte hustet und holt keuchend Luft. Das war wirklich Rettung in letzter Sekunde, seinem Schutzengel sei Dank. Die Kollegen, die sich um das Mädchen gekümmert haben, schütteln die Köpfe. Bei ihm kommt jede Hilfe zu spät, es hat sich beim Aufprall das Genick gebrochen.

Die rotierende Lampe des Notarztwagens taucht unsere blassen Gesichter für Sekundenbruchteile in gleißendes blaues Licht. Jetzt, nachdem wir alles getan haben, was in unserer Macht steht, ist jeder mit sich selbst beschäftigt. Meine Gedanken kreisen um das Mädchen, das so jung sterben musste. Als sich der schwarze Leichensack allmählich über seinem Körper schließt, zucke ich zusammen, wie kann das sein? “Wartet!“ höre ich mich mit erstickter Stimme rufen, während ich die Böschung hinabstürze. Außer Atem stolpere ich schluchzend zurück und lege dem toten Mädchen zärtlich sein blaues Tuch um die schmalen Schultern.


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BeitragVerfasst am: 05.04.2021 18:25    Titel: Antworten mit Zitat

Wow, viel besser! Daumen hoch²
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Taras
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BeitragVerfasst am: 05.04.2021 19:06    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke, ich bin sehr zufrieden! Very Happy

LG Taras


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Shelly
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BeitragVerfasst am: 07.04.2021 13:21    Titel: Das Mädchen Antworten mit Zitat

Liebe Taras,

Deine Geschichte fand ich sehr spannend erzählt. Ich fand in der ersten Version die Aussage besser, dass du einem blauen Tuch gefolgt bist. Das fand ich für dein Ende der Geschichte schlüssiger, da es sich wohl als Schutzengel oder auch Geist erklärt. In der Überarbeitung verfolgst du das Mädchen. Das hat mich verwirrt.
Die Rettungsszene kam mir im Original auch zu knapp, das liest sich in der 2.Version besser. Da könntest du sogar noch mehr Emotionen hineinpacken, aber das ist natürlich Geschmackssache.
LG Shelly


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Ich gehöre zu den Menschen mit zu vielen Wörtern im Kopf. Reden oder Schreiben ist quasi Selbsttherapie.Von Buchstabensuppen muss ich mich fernhalten.
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Taras
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Wohnort: Am Niederrhein


BeitragVerfasst am: 07.04.2021 14:18    Titel: Re: Das Mädchen pdf-Datei Antworten mit Zitat

Shelly hat Folgendes geschrieben:
Lieber Taras,

Ich fand in der ersten Version die Aussage besser, dass du einem blauen Tuch gefolgt bist.

Klar, es klingt mystischer, lässt den einen oder anderen Leser allerdings hier schon vermuten, wie die Geschichte endet. Ich wurde auf diese Problematik auch hingewiesen.

In der Überarbeitung verfolgst du das Mädchen. Das hat mich verwirrt.

Irgendwann ist sie jedoch verschwunden und taucht erst zum Schluss wieder auf.


Danke für deine Meinung, die wie alle anderen ein wertvolles Mosaiksteinchen auf meiner Habenseite ist. Smile

LG Taras


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