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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Erste zwei Kapitel meines Fantasyromans


 

 
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Rapunzel
Sonntagsschreiber


Beiträge: 27



BeitragVerfasst am: 14.11.2019 19:59    Titel: Erste zwei Kapitel meines Fantasyromans eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Neue Version »

Anbei findet ihr die ersten zwei Kapitel meines Fantasyromans.
Es handelt sich dabei um mein erstes Buch, das sich um ein Mädchen dreht. Es kann durchaus sein, dass sich darin noch einige Zeichensetzungsfehler befinden - es ist noch nicht die finale Version. Dennoch bin ich insgesamt zufrieden.
Das erste Kapitel unterscheidet sich noch stark von den restlichen, da es aus einer anderen Perspektive geschrieben wurde.

Ich hoffe, euch gefällt es und bin schon auf die Rückmeldungen gespannt!



Mit gesenkten Kopf eilte er seit Minuten durch die Gassen. Zuerst hatte sich sein Umhang beinahe unsichtbar in die Umgebung eingefügt. Jetzt aber stach sein pechschwarzer Mantel, der schmucklos über seiner Toga hing, wie ein mit Gold besetzter Prachtschleier aus der Nacht hervor.
Er rümpfte die Nase und stieg über eine Ansammlung von Fäkalien hinweg, schüttelte seine Füße so schnell, als hinge sein Leben davon ab, und huschte weiter. Sein Blick fiel auf die Schattengesichter vor ihm. Die wenigen hier wohnenden Seelen hatten so tiefe Schatten unter den Augen, als hätte ihr jämmerliches Leben ihnen noch keine Sekunde Schlaf gegönnt.
„Was vollkommen verständlich wäre“, murmelte er und riss an seinem Umhang, den ein dem Tode geweihtes Kind gerade in die Hand genommen hatte. Halb verhungert kauerte es auf einer Türschwelle, dessen dazugehörige Ruine seine Eltern Haus nannten.
Irgendwo hier musste es doch sein…
Seine Pupillen verengten sich, während er die Baracken vor sich überblickte. Die Gammelgasse herab, bis zum Ende und dann nach links zum Brunnen… aber wo nur… ? Dann weiteten sich seine Augen.
Da, endlich! Er war am Ziel. Dort stand es - die Bruchbude, die er so verzweifelt suchte. 
Mit großen Schritten rannte er darauf zu. Zu spät war er, viel zu spät. Sein Meister wartete bereits auf ihn und Zeit war kein Geld, nein, Zeit entschied über sein Leben. Der Meister duldete keine Verspätungen. Trotzdem hielt er kurz inne, als er an der Pforte ankam. Schweiß tropfte ihm von der Stirn und seine Hände waren so nass, dass er ab-rutschte, als er die Tür öffnete. Feuchtigkeit schlug ihm entgegen, Feuchtigkeit und der faulige Geruch von Schimmel, mit dem diese eine Symbiose eingegangen war.
Die Balken über ihm ächzten so laut, dass er sich sicher war, dass sie jeden Moment einbrechen würden, und die Wände zersprangen in tausend Teile.
„Ich habe dich erwartet!“
Er zuckte zusammen, suchte den Raum ab und sah mitten in die grünen Augen, welche aus dem faltigen Gesicht hervor-sprangen.
„Mein Meister will die Prophezeiung hören.“ Seine Stimme klang so fahl, als ob sie bei der ersten Kreuzung abge-bogen und nach Hause gerannt sei. Das Weib vor ihm lachte nun, ein lautes, schallendes Lachen, das die Wände noch mehr zum Erzittern brachte.
Er räusperte sich.
„Die Prophezeiung! Sofort!“
Noch immer krächzte er.
„Warum denkst du, dass auch ich diese erhalten habe. Ich, die in diesem Loch haust, während meine Zwillingsschwester in einer der feinsten Villen Roms untergekommen ist - dank Justinus! Schau dich um, Perdus. Ich weiß doch genau was du denkst. Ich lebe im Dreck, richtig?“ Ihre Augen funkelten und Perdus senkte schnell den Blick.
„Ich… Nein… Wir wissen, dass Sie… du die Prophezeiung hast“, stammelte er dann.
Die Hexe wog den Kopf hin- und her. Jäh schleppte sie sich zum anderen Ende des Zimmers. Dort erhellte ein Feuer den Raum, über den ein Kessel Funken sprühte. Sie kramte in ihrem Umgang und zog eine kleine Ampulle hervor, dessen Inhalt so giftgrün schimmerte, dass Perdus bereits vom Anblick übel wurde.
„Also gut. Aber es wird ihn nicht erfreuen“, sagte sie und knallte die Ampulle auf das Gefäß. Glas zersplitterte, schnitt sich in ihr Fleisch und zertrennte eine Ader, doch die Alte verzog keine Miene und hielt den kläglichen Rest des Fläschchens über den Topf. Ihr Blut vermengte sich mit der Flüssigkeit, ergab eine braune Masse und fiel dann in das brodelnde Feuer unter sich. Es zischte und knallte und Perdus hielt sich die Hand vor die Nase. Trotzdem quetschte sich ein Geruch in diese, der so schlimm war, dass er am liebsten aus dem Haus gerannt wäre.
Sei kein Weichei, ermahnte er sich, aber das Weib hatte seine Abscheu bereits bemerkt und grölte. Dann verfinsterte sich ihr Gesicht.
„Er schickt mir seinen dümmsten und doofsten Untertanen. Das bin ich ihm also wert.“ Sie stierte in der Masse unter sich. „Nach allem, was ich für ihn getan habe.“ Ihre Augen schossen durch den Raum und zogen diesen in sich auf, als hätte sie ihn noch nie gesehen. „Verstoßen wurde ich… Eine Gefahr für die Gesellschaft bin ich… Mit der falschen Seite… mit dem Meister… habe ich mich eingelassen… hätte ich doch auf sie gehört und wäre gleich zu Justinus ge-gangen. Dann würde ich jetzt nicht hier sitzen. IN DIESEM DRECKSLOCH! Während sie in Rom ist.“
Die Alte pfefferte den Löffel in den Kessel. Er klirrte und schallte, bevor er mit einem lauten Knall verpuffte.
Perdus tropfte Schweiß von der Stirn. Mit aufgerissenen Augen blickte er auf seine Uhr. „Viel zu spät“, stand dort in roter Schrift geschrieben.
„D-dauert es denn- ist es denn… noch- noch lange?“ Seine Zunge verhaspelte sich bei jedem Wort und so gab er schließlich auf und stand nur da.
Der Kessel schäumte jetzt. Zunächst hatte er nur gegärt, aber nun kochte er vor Wut über und benetzte den Boden mit einer klebrigen Flüssigkeit, die Perdus nicht nur wegen der Farbe, sondern auch aufgrund des Gestanks an Erbrochenes erinnerte. Kein Wunder, dass es hier ständig feucht ist, dachte er und sein Magen zwickte.
Wie aus dem Nichts schoss die Flüssigkeit nach oben und der Mann sprang nach hinten und presste sich gegen die Wand. Einer Wolke ähnlich schwebte das Gemisch in der Luft. Es zischte und ächzte so sehr vor sich hin, als wüsste es selbst, dass es nicht fürs Fliegen gemacht war. Perdus Augen suchten die Alte, die mit verschränkten Armen auf der anderen Seite des Kessels stand und das Schauspiel be-trachtete. 
Seine Knie zitterten, als die Wolke knallte. Er presste sich eine Hand auf die Nase, löste diese jedoch innerhalb Sekunden wieder, als sich das Gemisch erneut veränderte. Ungläubig rieb er sich die Augen, doch egal, wie häufig er auch blinzelte, der Anblick blieb der gleiche: In der Mitte der Masse waren Schatten entstanden, die ihrem Publikum eine Geschichte vom Leben und Tod erzählten. Personen sprangen durch die Gegend, versteckten sich im Rauch und wurden dennoch von der Flüssigkeit eingehüllt. Eine Gestalt jedoch überragte alle anderen. Da war er, in der Mitte des Geschehens, oben auf dem Berg der Ereignisse. Da, wo er hingehörte, ganz oben. Sein Meister.
Perdus ging einen Schritt auf die Wolke zu. Seine Nasen-flügel zitterten, doch er nahm den Gestank kaum mehr wahr. Seine Augen hingen an der Schattengestalt vor ihm, die mit großen Gesten Anhänger um sich warb.
Ja. Genau so soll es sein. Master Death über alles, dachte er mit glitzernden Blick. 
Von der Schattengestalt schossen nun Blitze in alle Richtungen und durchlöcherten unglückselige Gestalten. 
Der Abschaum muss verschwinden. Master Death über alles.
Er streckte seine Hand aus und näherte sich der Gestalt. Nur einmal wollte er von ihm gelobt werden, einmal wollte er das Richtige getan haben und von seinem Master geschätzt werden. Immer näher kam er dem Gesicht, welches ihn zu sich rief.
Ich bin hier, Meister. Ich war es schon immer.
Nur noch wenige Zentimeter und dann… In diesem Moment knallte es und Perdus wurde durch den Druck nach hinten geschleudert. Benommen schlug er die Augen auf und starrte auf das Spektakel vor sich.
Nein… das kann nicht sein…
„NEIN!“ Sein Herz hämmerte gegen seine Brust und er ver-fluchte seine Augen für den schrecklichen Anblick, den sie ihn boten. Dann schäumte die Wolke auf, verharrte noch einen Moment, als wollte sie jede zusätzliche Lebenssekunde genießen, und löste sich doch in Nichts auf.
Perdus war auf die Knie gesunken und kauerte vor dem leeren Kessel.
„Du hast gesehen, was geschehen wird.“
Die Alte schleppte sich Richtung Tür.
„Nein. D-das… Eine Prophezeiung muss nicht wahr werden. Sie kann auch verhindert werden.“
Das Weib zuckte mit den Schultern. „Sicherlich kann sie das. Aber es ist noch schwerer, das Schicksal zu ändern, wenn man nicht mal weiß, wer die Person ist, vor der man sich in Acht nehmen muss.“
Perdus keuchte. Seine Kehle war zugeschnürt. Trotzdem gelang es ihm einige Worte hervorzustoßen: „Ist es sie? Das Mädchen? Bitte… wenn du es weißt… ich… ich sage dir, wenn er erfährt, das-s-s du ihm etwas vorenthältst, dann-“
Er röchelte.
„Las-s l…os.“ Die Alte war plötzlich wie ein Panther nach vorne gesprungen und hatte seinen Hals umklammert. Ihre verrotteten Fingernägel bohrten sich in sein Fleisch.
„Ich habe dir alles gezeigt“, zischelte sie, „und du wagst es mich anzuzweifeln?“ Feuer loderte in ihrem Blick. Plötzlich löste sich der Druck ohne Vorwarnung und Perdus klatschte wie ein nasser Sack zu Boden. „Im Palast gehen sie davon aus, dass sie es ist, vor der er sich in Acht nehmen muss“, sagte sie.
Perdus Hand fuhr zu seiner stechenden Kehle. Mit zittrigen Beinen erhob er sich und stolperte zur Tür. 
„D-danke“, stammelte er und blickte auf seine Uhr. Eine Minute vor „tödliche Verspätung“. Er fluchte, dann ver-schwand er in der Dunkelheit.







Ein Ruck ging durch Chiaras Körper und sie riss die Augen auf. Sofort flogen ihr tausend Gedanken durch den Kopf, doch einer übertönte alle anderen.
Wo bin ich?
Ihre Augen schossen durch das Zimmer, aber nichts kam ihr bekannt vor. Kahle, weiße Wände engten sie ein und ein Licht schimmerte so schwach, dass sie kaum ihre eigenen Hände vor dem Gesicht erkannte.
Wo zum Teufel bin ich?
Sie versuchte sich aufzurichten, doch ihr Körper gehorchte ihr nicht.
Und dann kamen sie. Wie eine Herde Pferde galoppierten sie über sie hinweg. Schmerzen. Höllische Bauchschmerzen.
Was ist passiert?
Sie blinzelte, wand sich. Zermarterte sich den Kopf darüber, wie sie in diesen Raum gekommen war. Doch ihre Gedanken waren nicht zu bändigen und galoppierten umher, ohne dass sie einen davon zum Fassen bekam.
Panik durchfloss ihren Körper. Fluchend versuchte sie sich aufzusetzen. Doch sofort durchzuckte sie ein weiterer Schmerz, ohne dass sie hätte sagen können, ob nur die Gegend um ihren Bauch herum schmerzte, oder ob ihr ganzer Leib ihr Qual bereitete. Alles, was sie wusste, war, dass dieser Schmerz anders war. Schlimmer als der, den sie bisher in ihrem Leben kennengelernt hatte. Dieser hier ging ihr durch Mark und Bein.
Wo bin ich? Was zum Teufel ist passiert?
Tränen liefen ihr über das Gesicht. Abermals durchschüttel-te ein Schmerz ihren Körper.
„Edwin“, stieß sie hervor. „Edwin.“ Ihre Stimme glich einem Flüstern.
Vor ihrem inneren Auge erschienen Bilder. Sie lag auf einer Wiese, neben ihr ein schlanker Junge mit kräftigen Ober-körper. Während sie ein weiteres Mal vom Schmerz gepeinigt wurde, beugte sich der Junge zu ihr herüber, lächelte sie an und gab ihr einen Kuss auf die Lippen. Trotz der inneren Qual huschte ein Lächeln über ihr Gesicht.
„Edwin“, flüsterte sie abermals.
Jäh zwang sich grelles Licht in sie und das Bild vor ihr verschwamm. Sie riss die Augen auf, die Helligkeit vertrieb den Jungen und sie sah nichts als Weiß.
„Des Mädl ist wach“, störte eine Stimme die Stille.
„Mein Gott, ich dachte schon, sie hält sich für Dorn-röschen! Wir müssen mit ihr sprechen - jetzt!“
Endlich nahm sie Umrisse wahr. Ein dünner Schatten ragte über sie, während ein dicker schwarzer Klecks einige Meter von diesem entfernt vor sich hintrödelte.
„Ich denk ja net, dass des ratsam is. Die hat Schmerzen und kann wohl kaum-“, gluckste der Klecks, während ihr
 ihre Augen noch immer ein genaueres Sehen verweigerten.
„Sie ist wach, das reicht!“
„Aber bei allm Respekt, Anceps, erscheint’s mir wirklich nicht die richtige Zeit für-“
„Halt die Fresse, Pippinus! Wenn uns dieses Ding helfen soll, muss alles so schnell wie möglich gehen! Falls sie das kann.“
„Aber Anceps-“  
„Ich sagte, du sollst dein Maul halten!“, brüllte der Mann. „Wir sprechen sofort mit ihr!“
Der dünne Schatten sprang auf sie zu. Sie kniff die Augen zusammen, fluchte - kommt schon, verdammt - und dann endlich entflammte ihr Augenlicht. Umrisse verwandelten sich in Menschen, Schatten in Mäntel, die sich bis zum Boden wellten und selbst vor dem Kopf keine Pause ein-legten. Eine Kapuze schützte ihren Träger vor neugierigen Seitenblicken und hüllte ihn vollständig ein. Doch auch der dicke Stoff bewahrte sie nicht vor dem Anblick. Nicht vor der Stelle genau über ihr, verbarg nicht die Augen des Gesichts, das ihr so nahe war. Kleine, zu Schlitzen ver-engte und böse, schwarze Löcher  bohrten sich in sie und brannten sich in ihr Gedächtnis. Sie spürte den kalten Atem, den das Viech über ihr ausstieß, der gegen ihre Haut krachte und der sich über sie ergoss. Panik überkam sie und sie öffnete den Mund, um zu schreien, aber kein Laut ent-wich ihrem Körper. Wie ein in die Enge getriebenes Tier versuchte sie sich aufzubäumen, doch der Schmerz zwang sie immer wieder nach unten.
„Anceps - ich möcht’ dich wirklich höflichst drauf hin-weisen, dass des Mädl mehr Zeit braucht“, kleckste der zweite Mann.
„Papperlapapp. Schau sie dir an. Was für ein Schwächling. Wie soll sie uns jemals helfen?!“
Plötzlich spürte sie einen Druck auf ihren Schultern. Ihr Körper wurde jäh in die Luft gezerrt.
Und dann schüttelte das Monster sie.
„Weißt du denn überhaupt, wo du bist? Weißt du überhaupt wer wir sind?!“
Wie ein stinkender Faulkäse schoss ihr der Atem des Mannes in ihre Nase. Mit jedem Schütteln entlud sich die Pein in ihrem Magen und jagte durch ihren gesamten Körper. Sie hätte vor Schmerz schreien können - nein, schreien müssen - doch anstatt eines Geheuls entwich nur ein einzelnes Stöhnen ihren Lippen.
„Schwach bist du, verdammt noch mal. Schwach!“, rief das Ungeheuer, während er ihren Körper zurück nach unten krachen lies.
Die Qual peitschte nun gegen ihre Organe und zerriss ihren Unterkörper. Tränen füllten ihre Augen und schossen dann über ihre Wangen hinab zur Erde, ohne dass sie diese auf-halten konnte. Und dann packte sie das Monster erneut, versteifte seine Muskeln, setzte zum Schütteln an, um sie zu zerstören, um -
„Halt, Signor Nera!“
Der Fremde war wie die restlichen Männer in ein bis zum Boden reichendes Gewand gehüllt, doch keine Kapuze schmück-te sein Haupt. Stattdessen umspielten kurze, schwarz-graue Haare sein Gesicht. Die tiefen Furchen um seine Augen stritten sich mit den feinen Grübchen um seine Lippen.  
Ein einziger Blick genügte ihm, um die Lage zu erfassen. „Lassen Sie unseren Gast sofort los, Signor Nera. Wenn sich das Mädchen erholt hat, werden wir noch genug Zeit haben, um ihr alles zu erklären. Solange darf sie schlafen.“
Der Mann, den sie Anceps Nera nannten, zuckte zusammen. Die schwarzen Löcher in seinem Gesicht bohrten sich noch ein letztes Mal in sie, dann fielen seine Arme endlich nach unten und er senkte den Kopf.
„Ja, Signor Justinus.“ Wie ein unterwürfiger Köter schlürfte er aus den Raum.
Und dann, plötzlich und unerwartet, schüttelte ein erneuter Schmerz ihren Körper, fraß sich in ihre Nerven und ver-wirrte ihr Bewusstsein.
Ermattet schloss sie die Augen und bemerkte nicht, wie Justinus eine Decke über sie legte.
„Wo bin ich nur?“, wimmerte sie so leise, dass nur sie es verstand. Dann verlor sie das Bewusstsein.

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Eliane
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 701



BeitragVerfasst am: 14.11.2019 22:20    Titel: Re: Erste zwei Kapitel meines Fantasyromans Antworten mit Zitat

Hallo Rapunzel,

ich habe schon lange keinen Einstandstext mehr kommentiert, also bin ich etwas aus der Übung - und leider auch furchtbar undiplomatisch. Also nimm meine Kritik bitte nicht persönlich, so ist sie nämlich nicht gemeint, auch wenn sie hart klingt. Wenn sie Dir was bringt, nimm die Anregungen gerne, wenn Du Dich drüber ärgerst, schmeiß sie weg. Nur als Vorrede.

Mir ist Deine Ausdrucksweise ehrlich gesagt zu unpräzise, sorry. Ich kommentiere mal nur den ersten Abschnitt, damit Du siehst, was ich meine:

Rapunzel hat Folgendes geschrieben:

Mit gesenkten Kopf eilte er seit Minuten durch die Gassen. Zuerst hatte sich sein Umhang beinahe unsichtbar in die Umgebung eingefügt. Jetzt aber stach sein pechschwarzer Mantel, der schmucklos über seiner Toga hing, wie ein mit Gold besetzter Prachtschleier aus der Nacht hervor. Hm. Schwarz ist eigentlich nie unsichtbar, auch nicht bei Nacht. Aber aus der Nacht hervorstechen kann es eigentlich auch nicht, höchstens vor einem helleren Hintergrund. Ich weiß nicht, wohin dieses Bild mich leiten soll.
Er rümpfte die Nase und stieg über eine Ansammlung von Fäkalien auch dieser Ausdruck hinkt für mich, ich fände einen "Haufen" oder eine "Pfütze" oder dergleichen passender hinweg, schüttelte seine Füße so schnell warum muss er die Füße schütteln, wenn er doch drübergestiegen ist, also nicht reingetreten?, als hinge sein Leben davon ab, und huschte weiter. Sein Blick fiel auf die Schattengesichter was sind Schattengesichter? Echte Menschen? Schemen? vor ihm. Die wenigen hier wohnenden Seelen hatten so tiefe Schatten unter den Augen, als hätte ihr jämmerliches Leben ihnen noch keine Sekunde Schlaf gegönnt.
„Was vollkommen verständlich wäre“ dieser Satz würde nur dann Sinn machen, wenn es im vorangegangenen hieße "... als hätten sie sich ... keine Sekunde Schlaf gegönnt". So stimmt der Zusammenhang nicht., murmelte er und riss an seinem Umhang, den ein dem Tode geweihtes Kind gerade in die Hand genommen hatte Das Reißen würde nur passen, wenn das Kind den Umhang sehr fest hält bzw. versucht, ihm abzunehmen.. Halb verhungert kauerte es auf einer Türschwelle, dessen wenn überhaupt, dann "deren", aber selbst das klingt grammatikalisch falsch dazugehörige Ruine seine Eltern Haus nannten woher weiß er denn, dass sie das tun?.
Irgendwo hier musste es doch sein…


Ich höre hier besser auf. Ich weiss grade gar nicht, ob ich das überhaupt posten soll, ich will Dich nicht entmutigen und schon gar nicht beleidigen. Der Text klingt ja an sich gar nicht schlecht, es ist nur so, dass die Feinheiten einfach für meine Ohren holpern. Aber naja, frag mal die anderen hier, die kennen das schon von mir ... Embarassed und vielleicht meldet sich ja auch noch jemand anders zu Wort.
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Kojote
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 29
Beiträge: 205
Wohnort: Wurde erfragt


BeitragVerfasst am: 14.11.2019 22:37    Titel: Antworten mit Zitat

Grüß dich Rapunzel,

auch ich möchte einen Disclaimer vorwegschicken: Nimm dir nicht zu sehr zu Herzen, was ich hier schreibe. Ist nur meine private, unmaßgebliche Meinung.

Und die lautet:
Ich bin sehr rasch ausgestiegen.

Der Grund ist, dass der Anfang einer Geschichte á la "rastlos rennt / reitet / marschiert der Protagonist durch das undurchschaubare Dunkel der Nacht, immer in Sorgen vertieft ob …" – nun, das ist einfach klischeehaft und ausgelutscht. Dermaßen, dass vom Lolly selbst der Stiel so gut wie weg ist.

Mein Blick auf das Ende der Geschichte hat dann gezeigt, dass du als Cliffhanger einen Fall in die Bewusstlosigkeit gewählt hast. Ehrlich gesagt finde ich, dass auch diese Methodik einen ziemlichen (verzeih!) Bart hat.

Mein Tipp: Versuche doch, originell und kreativ zu sein. Schreibe über das Interessanteste, was deine Charaktere im Moment machen, und presse deine Buchstaben nicht in die engen Mieder altbackener Schreibtechniken, von denen du meinst, ein Text sei auf sie angewiesen. Das ist er nämlich nicht.

Viel Erfolg!


_________________
Kojote – zu allem fähig, zu nichts zu gebrauchen!
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Ciddy
Geschlecht:männlichSchreiberassi


Beiträge: 50



BeitragVerfasst am: 14.11.2019 23:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Rapunzel,

ich habe deinen Text gelesen, allerdings nicht vollständig. Wieso das so ist, möchte ich kurz darstellen. Das erste Kapitel habe ich beendet, auch wenn ich mich im letzten Drittel zwingen musste. Letztendlich hat es sich dann doch irgendwie gelohnt: Das Ende hat mich neugierig gemacht. Zum Weiterlesen hat's dennoch nicht gereicht, da das Negative überwog.

Das Folgende ist meine Meinung. Sollte ich der Meinung sein, dass sie einer Konvention entspricht, mache ich das deutlich.

Erst einmal vorweg, um dich nicht gleich völlig zu entmutigen: Ein grundlegendes Gespür für schöne Sätze hast du, da bin ich mir sicher. Es gibt einige gelungene Formulierungen. Beispielsweise:

Zitat:
[...] und Zeit war kein Geld, nein, Zeit entschied über sein Leben.

Hier fürchtete ich mich kurz vor einer Plattitüde. Es war erheiternd, dass du die bewusst so schön ausgehebelt hast.
Zitat:
In der Mitte der Masse waren Schatten entstanden, die ihrem Publikum eine Geschichte vom Leben und Tod erzählten.

Ich verstehe zwar nicht, was du damit ausdrücken möchtest, aber das ist weniger das Problem des Satzes als des Drumherum. Der Satz an sich ist schön, sollte aber in eine vorherige oder folgende Präzision der Aussage eingebettet sein. So allein sagt er mir nichts.
Zitat:
Eine Minute vor „tödliche Verspätung“.

Sehr schön.

Dein Text war für mich sehr schwer zu lesen, und zwar in erster Linie aufgrund der Ungereimtheiten in der Perspektive. Hast du dich im Vorfeld denn überhaupt für eine Perspektive entschieden? Mal ein Beispiel:
Zitat:
Master Death über alles, dachte er mit glitzernden Blick.

Befinden wir uns nun in Perdus' Wahrnehmung, oder betrachten wir ihn von außen? Der Satz lässt beides vermuten und steht exemplarisch für den gesamten von mir gelesenen Textteil.

Darüber hinaus ist mir dein Schreibstil zu bemüht. Als Beispiel folgender Ausschnitt:
Zitat:
Der Kessel schäumte jetzt. Zunächst hatte er nur gegärt, aber nun kochte er vor Wut über und benetzte den Boden mit einer klebrigen Flüssigkeit, die Perdus nicht nur wegen der Farbe, sondern auch aufgrund des Gestanks an Erbrochenes erinnerte. Kein Wunder, dass es hier ständig feucht ist, dachte er und sein Magen zwickte.
Wie aus dem Nichts schoss die Flüssigkeit nach oben und der Mann sprang nach hinten und presste sich gegen die Wand. Einer Wolke ähnlich schwebte das Gemisch in der Luft. Es zischte und ächzte so sehr vor sich hin, als wüsste es selbst, dass es nicht fürs Fliegen gemacht war. Perdus Augen suchten die Alte, die mit verschränkten Armen auf der anderen Seite des Kessels stand und das Schauspiel be-trachtete. 
Seine Knie zitterten, als die Wolke knallte. Er presste sich eine Hand auf die Nase, löste diese jedoch innerhalb Sekunden wieder, als sich das Gemisch erneut veränderte. Ungläubig rieb er sich die Augen, doch egal, wie häufig er auch blinzelte, der Anblick blieb der gleiche: In der Mitte der Masse waren Schatten entstanden, die ihrem Publikum eine Geschichte vom Leben und Tod erzählten. Personen sprangen durch die Gegend, versteckten sich im Rauch und wurden dennoch von der Flüssigkeit eingehüllt. Eine Gestalt jedoch überragte alle anderen. Da war er, in der Mitte des Geschehens, oben auf dem Berg der Ereignisse. Da, wo er hingehörte, ganz oben. Sein Meister.

Wenn ich jetzt behaupte, dass dir dieser Absatz ganz besonders wichtig ist, dass du lange daran gesessen und ihn mehrmals überarbeitet hast - wie nah bin ich damit an der Wahrheit? Du kannst die Frage beantworten, musst du aber nicht, denn sie soll lediglich deine Reflektion etwas anfeuern.
Ein paar Dinge, die mich daran stören:
Zitat:
Zunächst hatte er nur gegärt, aber nun kochte er vor Wut über [...]

Ist der Kessel wütend? Ich denke nicht. Ich verstehe, was du sagen möchtest, doch du sagst etwas anderes. Dasselbe hier:
Zitat:
Seine Kehle war zugeschnürt.

Zitat:
Kein Wunder, dass es hier ständig feucht ist, dachte er und sein Magen zwickte.

Sollte es hier nicht eigentlich schnell zur Sache gehen? Zumindest vermute ich, dass du darauf abzielst. Dann ergibt es wenig Sinn, dass Perdus so nebensächliche Dinge reflektiert und gar ein Zwicken in seinem Magen wahrnimmt.
Zitat:
Wie aus dem Nichts schoss die Flüssigkeit nach oben und der Mann sprang nach hinten und presste sich gegen die Wand.

Hier ist die Geschwindigkeit besser gewählt, doch ist die Anreihung erscheint mir nicht elegant.
Zitat:
Er presste sich eine Hand auf die Nase, löste diese jedoch innerhalb Sekunden wieder, als sich das Gemisch erneut veränderte.

Zu sachlich. Befinden wir uns in Perdus' Wahrnehmung? Wenn ja, dann solltest du die schildern. Möchtest du dich hingegen auf Perdus' Reaktionen beschränken, wie du es hier tust, dann wähl eine Perspektive, die sich auf genau das konzentriert.
Grundlegend, und das ist ganz ganz ganz wichtig: Bleib immer in der Perspektive! Für mich selbst ist das so etwas wie die goldene Regel. Und wenn du keine Perspektive gewählt hast, dann entscheide dich für eine und bleib ihr treu.
Zitat:
Ungläubig rieb er sich die Augen

Abgesehen davon, dass ich die Formulierung noch nie schön fand: Das Augenreiben impliziert bereits, dass Perdus nicht glauben mag, was er dort sieht. Stell dir vor, dass ich traurig zu weinen beginne, hungrig zu essen anfange, schnell sprinte, langsam krieche, und so weiter. Doppelte Informationen. Und schöner ist die, dir mir die Dinge zeigt, anstatt sie zu nennen ("Show, don't tell").

Abschließend ein Satz, der deine Stärken und Schwächen treffend verbindet:
Zitat:
Feuchtigkeit schlug ihm entgegen, Feuchtigkeit und der faulige Geruch von Schimmel, mit dem diese eine Symbiose eingegangen war.

Eine Symbiose aus Schimmel und Feuchtigkeit ist eine schöne Idee, doch der Nebensatz, in dem sie genannt wird, wirkt uninspiriert. Um zu verdeutlichen, was ich meine, hier ein eigener Vorschlag: Feuchtigkeit schlug ihm entgegen, Feuchtigkeit und der Geruch von Schimmel. Die perfekte Symbiose.

Ich hoffe, ich habe dich nicht entmutigt und darf mich stattdessen auf eine Überarbeitung freuen. Ich behalte deinen Einstand im Auge und bin gespannt, was du noch so daraus machst.

EDIT: Noch ein kurzes Wort zum Inhalt. Ich schätze, es geht um Vampire oder etwas in der Richtung. Du wirst mich damit nicht erreichen, aber das ist für den Zweck eines Einstandes auch nicht relevant. In erster Linie möchten wir ja erst mal sehen, wie du denn so schreibst. In welchen Themenbereichen du dich damit (augenscheinlich) bewegst, hat mein Vorposter treffend dargestellt. Das sollte dich, und das ist meine Meinung, dennoch nicht davon abhalten, darüber zu schreiben, wenn es sich für dich wirklich richtig anfühlt. Das sollte es dann aber ohne jede Zweifel.
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Rapunzel
Sonntagsschreiber


Beiträge: 27



BeitragVerfasst am: 15.11.2019 21:55    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ciddy hat Folgendes geschrieben:
Hallo Rapunzel,

ich habe deinen Text gelesen, allerdings nicht vollständig. Wieso das so ist, möchte ich kurz darstellen. Das erste Kapitel habe ich beendet, auch wenn ich mich im letzten Drittel zwingen musste. Letztendlich hat es sich dann doch irgendwie gelohnt: Das Ende hat mich neugierig gemacht. Zum Weiterlesen hat's dennoch nicht gereicht, da das Negative überwog.

Das Folgende ist meine Meinung. Sollte ich der Meinung sein, dass sie einer Konvention entspricht, mache ich das deutlich.

Erst einmal vorweg, um dich nicht gleich völlig zu entmutigen: Ein grundlegendes Gespür für schöne Sätze hast du, da bin ich mir sicher. Es gibt einige gelungene Formulierungen. Beispielsweise:

Zitat:
[...] und Zeit war kein Geld, nein, Zeit entschied über sein Leben.

Hier fürchtete ich mich kurz vor einer Plattitüde. Es war erheiternd, dass du die bewusst so schön ausgehebelt hast.
Zitat:
In der Mitte der Masse waren Schatten entstanden, die ihrem Publikum eine Geschichte vom Leben und Tod erzählten.

Ich verstehe zwar nicht, was du damit ausdrücken möchtest, aber das ist weniger das Problem des Satzes als des Drumherum. Der Satz an sich ist schön, sollte aber in eine vorherige oder folgende Präzision der Aussage eingebettet sein. So allein sagt er mir nichts.
Zitat:
Eine Minute vor „tödliche Verspätung“.

Sehr schön.

Dein Text war für mich sehr schwer zu lesen, und zwar in erster Linie aufgrund der Ungereimtheiten in der Perspektive. Hast du dich im Vorfeld denn überhaupt für eine Perspektive entschieden? Mal ein Beispiel:
Zitat:
Master Death über alles, dachte er mit glitzernden Blick.

Befinden wir uns nun in Perdus' Wahrnehmung, oder betrachten wir ihn von außen? Der Satz lässt beides vermuten und steht exemplarisch für den gesamten von mir gelesenen Textteil.

Darüber hinaus ist mir dein Schreibstil zu bemüht. Als Beispiel folgender Ausschnitt:
Zitat:
Der Kessel schäumte jetzt. Zunächst hatte er nur gegärt, aber nun kochte er vor Wut über und benetzte den Boden mit einer klebrigen Flüssigkeit, die Perdus nicht nur wegen der Farbe, sondern auch aufgrund des Gestanks an Erbrochenes erinnerte. Kein Wunder, dass es hier ständig feucht ist, dachte er und sein Magen zwickte.
Wie aus dem Nichts schoss die Flüssigkeit nach oben und der Mann sprang nach hinten und presste sich gegen die Wand. Einer Wolke ähnlich schwebte das Gemisch in der Luft. Es zischte und ächzte so sehr vor sich hin, als wüsste es selbst, dass es nicht fürs Fliegen gemacht war. Perdus Augen suchten die Alte, die mit verschränkten Armen auf der anderen Seite des Kessels stand und das Schauspiel be-trachtete. 
Seine Knie zitterten, als die Wolke knallte. Er presste sich eine Hand auf die Nase, löste diese jedoch innerhalb Sekunden wieder, als sich das Gemisch erneut veränderte. Ungläubig rieb er sich die Augen, doch egal, wie häufig er auch blinzelte, der Anblick blieb der gleiche: In der Mitte der Masse waren Schatten entstanden, die ihrem Publikum eine Geschichte vom Leben und Tod erzählten. Personen sprangen durch die Gegend, versteckten sich im Rauch und wurden dennoch von der Flüssigkeit eingehüllt. Eine Gestalt jedoch überragte alle anderen. Da war er, in der Mitte des Geschehens, oben auf dem Berg der Ereignisse. Da, wo er hingehörte, ganz oben. Sein Meister.

Wenn ich jetzt behaupte, dass dir dieser Absatz ganz besonders wichtig ist, dass du lange daran gesessen und ihn mehrmals überarbeitet hast - wie nah bin ich damit an der Wahrheit? Du kannst die Frage beantworten, musst du aber nicht, denn sie soll lediglich deine Reflektion etwas anfeuern.
Ein paar Dinge, die mich daran stören:
Zitat:
Zunächst hatte er nur gegärt, aber nun kochte er vor Wut über [...]

Ist der Kessel wütend? Ich denke nicht. Ich verstehe, was du sagen möchtest, doch du sagst etwas anderes. Dasselbe hier:
Zitat:
Seine Kehle war zugeschnürt.

Zitat:
Kein Wunder, dass es hier ständig feucht ist, dachte er und sein Magen zwickte.

Sollte es hier nicht eigentlich schnell zur Sache gehen? Zumindest vermute ich, dass du darauf abzielst. Dann ergibt es wenig Sinn, dass Perdus so nebensächliche Dinge reflektiert und gar ein Zwicken in seinem Magen wahrnimmt.
Zitat:
Wie aus dem Nichts schoss die Flüssigkeit nach oben und der Mann sprang nach hinten und presste sich gegen die Wand.

Hier ist die Geschwindigkeit besser gewählt, doch ist die Anreihung erscheint mir nicht elegant.
Zitat:
Er presste sich eine Hand auf die Nase, löste diese jedoch innerhalb Sekunden wieder, als sich das Gemisch erneut veränderte.

Zu sachlich. Befinden wir uns in Perdus' Wahrnehmung? Wenn ja, dann solltest du die schildern. Möchtest du dich hingegen auf Perdus' Reaktionen beschränken, wie du es hier tust, dann wähl eine Perspektive, die sich auf genau das konzentriert.
Grundlegend, und das ist ganz ganz ganz wichtig: Bleib immer in der Perspektive! Für mich selbst ist das so etwas wie die goldene Regel. Und wenn du keine Perspektive gewählt hast, dann entscheide dich für eine und bleib ihr treu.
Zitat:
Ungläubig rieb er sich die Augen

Abgesehen davon, dass ich die Formulierung noch nie schön fand: Das Augenreiben impliziert bereits, dass Perdus nicht glauben mag, was er dort sieht. Stell dir vor, dass ich traurig zu weinen beginne, hungrig zu essen anfange, schnell sprinte, langsam krieche, und so weiter. Doppelte Informationen. Und schöner ist die, dir mir die Dinge zeigt, anstatt sie zu nennen ("Show, don't tell").

Abschließend ein Satz, der deine Stärken und Schwächen treffend verbindet:
Zitat:
Feuchtigkeit schlug ihm entgegen, Feuchtigkeit und der faulige Geruch von Schimmel, mit dem diese eine Symbiose eingegangen war.

Eine Symbiose aus Schimmel und Feuchtigkeit ist eine schöne Idee, doch der Nebensatz, in dem sie genannt wird, wirkt uninspiriert. Um zu verdeutlichen, was ich meine, hier ein eigener Vorschlag: Feuchtigkeit schlug ihm entgegen, Feuchtigkeit und der Geruch von Schimmel. Die perfekte Symbiose.

Ich hoffe, ich habe dich nicht entmutigt und darf mich stattdessen auf eine Überarbeitung freuen. Ich behalte deinen Einstand im Auge und bin gespannt, was du noch so daraus machst.

EDIT: Noch ein kurzes Wort zum Inhalt. Ich schätze, es geht um Vampire oder etwas in der Richtung. Du wirst mich damit nicht erreichen, aber das ist für den Zweck eines Einstandes auch nicht relevant. In erster Linie möchten wir ja erst mal sehen, wie du denn so schreibst. In welchen Themenbereichen du dich damit (augenscheinlich) bewegst, hat mein Vorposter treffend dargestellt. Das sollte dich, und das ist meine Meinung, dennoch nicht davon abhalten, darüber zu schreiben, wenn es sich für dich wirklich richtig anfühlt. Das sollte es dann aber ohne jede Zweifel.


Erst einmal danke für alle Rückmeldungen.
Natürlich halten mich diese nicht ab, weiterhin zu schreiben, keine Sorge!

Ich habe mir das Feedback zu Herzen genommen und werde versuchen, meinen Text zu überarbeiten. Bezüglich des Themas habt ihr sicherlich Recht, dennoch ist das eine Geschichte, die mich bittet, sie auf das Papier zu bringen, und dies würde ich gerne tun. Vielleicht kann man die eine oder andere Stelle kreativer machen, auch das werde ich versuchen, aber an der Grundidee werde ich erst einmal nichts verändern.
Nicht, weil ich immun gegen konstruktive Kritik bin, sondern weil mir die Geschichte so wie sie ist wirklich am Herzen liegt und sich für mich richtig anfühlt. Wie oft sie im Endeffekt dann von anderen gelesen wird, ist zweitrangig, solange sie überhaupt existiert... Ich hoffe, ihr versteht, was ich meine? Das ändert aber natürlich nichts daran, dass ich will, dass sie so gut wie möglich wird und deshalb bin ich euch wie gesagt dankbar.
Die Erzählperspektive habe ich versucht zu verändern und stelle den überarbeiteten Text einmal in meinen Originalpost. Sollte er bereits besser oder gar brauchbar sein, setzte ich mich an den Rest meines Romans.
Sollte er das nicht so, versuche ich es erneut. Einen perfekten Text gibt es ohnehin nicht.

Die Geschichte handelt übrigens nicht von Vampiren. Der Text, den ihr hier lest, ist der Prolog. Perdus ist einer der "Bösen", die Erzählperspektive ist nur in diesem Kapitel aus seiner Sicht. Im Anschluss wechselt das Geschehen zu Chiara, der Protagonistin, die eben genau gegen diese Personen kämpfen muss. Sicherlich nicht die originellste Geschichte, das ist mir klar, aber auch hier - mir geht es in erster Linie wirklich um den Schreibstil. Die Welt ist voller Geschichten über Auserwählte und deren Gegenspieler. Wieso sollte ich nicht die Ehre haben meine ganz eigene Geschichte in dieses WirrWar einzufügen?


Einen schönen Abend wünsche ich euch!


EDIT:
Ich habe gesehen, dass ich meinen Post nicht verändern kann, deshalb hier die überarbeitete Version. Ich freue mich auf konstruktive Kritik und vielleicht ist ja auch die ein oder andere Stelle bereits gelungen.

Zitat:
Wie lange noch?
Mit gesenkten Kopf eilte er durch die Gassen. Nur schemenhaft nahm er die Baracken um sich herum wahr. Wie viele Seelen hausten in in diesen Ruinen? Hundert? Zweihundert? 
Egal.
Es klatschte. Verdammt.
Er zog seinen Schuh aus der stinkenden Pfütze, in die er getreten war. So schnell, als hinge sein Leben davon ab, schüttelte er seinen Fuß, rümpfte die Nase und rannte weiter. Seine Beine waren schwer wie Blei, doch er durfte nicht anhalten.
Irgendwo hier musste es doch sein…
Sein Blick irrte durch die Gasse. Was hatte der Mann ge-sagt? Die Gammelstraße herab, bis zum Ende und dann nach links zum Brunnen… aber hier war er doch. Vor genau diesem jämmerlichen Exemplar, aus dem sicherlich bereits seit Jahren kein Wasser mehr gesprudelt war.
Panik kroch über ihn hinweg, während das Adrenalin in seinen Adern pumpte. Was, wenn er sie nicht fand? Wenn sie in Wahrheit wo ganz anders wohnte? Aber so durfte er nicht denken! Nein, er musste weiter, immer weiter. Weit entfernt konnte es nicht mehr sein.
Er drehte sich um, wollte gerade -
Da verriet ihm ein zaghaftes Ziehen an seinem Umhang, dass es schon wieder passiert war. Würde das denn nie aufhören? Er musste sich konzentrieren, verdammt noch einmal! Seinen schlechtesten Mantel hatte er ausgewählt und dennoch verhielten sich diese Kakerlaken so, als trüge er einen mit Juwelen besetzten Prachtschleier. Er hatte keine Zeit für diese andauernden Betteleien. Er war doch nicht die Wohl-fahrt!
Mit einem kräftigen Ruck riss seinen Mantel aus den Händen des Kindes, das diesen in die Hand genommen hatte, riss so stark, dass das Mädchen wie ein rohes Ei auf die Straße platschte und eilte weiter.  
Sein Kopf schwirrte. Hatte er diese Frau mit den tiefen Schatten unter den Augen nicht bereits gesehen? Die, die so aussah, als hätte ihr jämmerliches Leben ihr noch keine Sekunde Schlaf gegönnt? Seine Beine wurden schwach. Er drehte sich im Kreis, nicht? Aber der Brunnen! Das Zeichen dafür, dass er nicht falsch sein konnte. Ein kleines Puzzleteil fehlte ihm, sonst nichts. Er presste die Hand gegen die Rippen, um das Seitenstechen zu lindern, das ihn so quälte. Die Gammelgasse herab. Bis zum Brunnen. Doch wo nur, wo…? Dann weiteten sich seine Augen.
Konnte es sein? War es… ? Aber ja! Tatsächlich! Dort stand sie - die Bruchbude, die er so verzweifelt gesucht hatte. 
Mit großen Schritten rannte er auf sie zu. Zu spät war er, viel zu spät. Sein Meister wartete bereits auf ihn und Zeit war kein Geld, nein, Zeit entschied über sein Leben. Der Meister duldete keine Verspätungen. Doch als er endlich bei der Pforte ankam, sackte ihm sein Herz in die Hose. Kurz hielt er inne, seine Hände waren so nass, dass er ab-rutschte, dann gelang es ihm endlich die Tür zu öffnen. Feuchtigkeit schlug ihm entgegen, Feuchtigkeit und der Geruch von Schimmel. Eine perfekte Symbiose.
Die Balken über ihm ächzten so laut, dass er sich sicher war, dass sie jeden Moment einbrechen würden, und die Wände zersprangen in tausend Teile.
„Ich habe dich erwartet!“
Sein Herz setzte aus, er suchte den Raum ab und sah mitten in ihr Gesicht. Keine Frage, das war sie. Bei niemanden sonst auf der Welt gruben sich tiefere Furchen in die Haut  als bei ihr.
„Mein Meister will die Prophezeiung hören“, krächzte er, denn seine Stimme war bereits an der ersten Kreuzung ab-gebogen und nach Hause gerannt.
Das Weib vor ihm lachte bis ihre grün funkelnden Augen hervorquollen. Dann versteinerte ihr Gesicht. „Interessiert mich das?“, brummte sie.   
Perdus räusperte sich.
„Die Prophezeiung! Sofort!“
Noch immer fühlte sich seine Stimme schwach an.
„Warum denkst du, dass ich diese habe. Ich, die in diesem Loch haust, während meine Zwillingsschwester in einer der feinsten Villen Roms untergekommen ist - dank Justinus! Schau dich um, Perdus. Ich weiß doch genau, was du denkst. Ich lebe im Dreck, richtig?“ Ihre Augen funkelten und Perdus senkte schnell den Blick. 
„Ich… Nein… Wir wissen, dass Sie… du die Prophezeiung hast“, stammelte er. Er kannte die Alte. Man musste vor-sichtig sein, wenn man sich in ihre Nähe wagte. Außer man wollte als Sonderzutat in ihrem Eintopf landen.
Die Hexe wog den Kopf hin- und her. Ein gutes Zeichen? Er wusste es nicht. Frauen waren ihm allgemein bereits ein Rätsel. Aber dieses Weib hier war so unberechenbar wie ein Vulkan.
Plötzlich schleppte sich die Hexe zum anderen Ende des Zimmers, direkt auf das Feuer zu, das den Raum erhellte. Sie kramte in ihrem Umgang - das war gut, nicht wahr?- und zog eine kleine Ampulle hervor, dessen Inhalt so giftgrün schimmerte, dass ihm bereits vom Anblick übel wurde.
„Von mir aus. Aber es wird ihn nicht erfreuen“, sagte sie und knallte die Ampulle auf das Gefäß. Perdus atmete erleich-tert auf. Eine Zehntelsekunde nur, denn dann zersplitterte das Glas, schnitt sich in das Fleisch der Alten, zertrennte ihr eine Ader und sein Magen protestierte zornig, während das Blut der Hexe in den Topf unter ihr tropfte. Ungläubig glotzte er auf das Weib, das keine Miene verzog und den kläglichen Rest des Fläschchens über den Topf hielt. Ihr Blut vermengte sich mit der Flüssigkeit, eine ekelhafte braune Masse entstand und tropfte dann in das das brodelnde Feuer unter sich. Es zischte und knallte und Perdus presste sich die Hand vor die Nase. Dass sie es auch nie ohne diesen abartigen Gestank schaffte. Eine Mischung aus ver-faulten Eiern und Erbrochenen quetschte sich durch seine Finger in seine Nase. Seine Beine wollten rennen, so schnell wie möglich das Weite suchen.
Sei kein Weichei, ermahnte er sich, aber das Weib hatte seine Abscheu bereits bemerkt.
„Er schickt mir seinen dümmsten und doofsten Untertanen. Das bin ich ihm also wert“, sagte sie und stierte in der Masse unter sich. „Nach allem, was ich für ihn getan habe.“ Perdus schnaubte. Ihre Taten zählten nichts. Seine hingegen verdienten die höchste Anerkennung! Eines Tages, da war er sich sicher, würde das auch sein Meister so sehen. Aber sie musste sich natürlich wieder einmal zu etwas Besserem  machen. Das war schon immer so gewesen und würde sich auch nicht ändern. Und er - als der gute Diener, der er nun einmal war - würde ihre Beschwerden einfach still über sich ergehen lassen.
„Verstoßen wurde ich… Eine Gefahr für die Gesellschaft bin ich… Mit der falschen Seite… mit dem Meister… habe ich mich eingelassen…“, sagte die Alte in diesem Moment. „Hätte ich doch auf sie gehört und wäre gleich zu Justinus gegangen. Dann würde ich jetzt nicht hier sitzen. IN DIESEM DRECKS-LOCH! Während sie in Rom ist.“
Jetzt übertrieb sie eindeutig. Selbst in der schlimmsten Baracke war es noch besser, als bei Justinus zu sitzen. Diesem wahnwitzigen Affen! Ein Knall riss Perdus aus seinen Gedanken. Das Weib hatte den Löffel in den Kessel geknallt.  Er klirrte und schallte, bevor dieser mit einem lauten Knall verpuffte. Es dauerte lange. So wahnsinnig lange. Mit zitternden Knien blickte er auf seine Uhr. „Viel zu spät“, stand dort in roter Schrift geschrieben. Zumindest kochte der Kessel nun endlich. Nachdem er eine halbe Ewigkeit nur gegärt hatte, schäumte er nun und benetzte den Boden mit einer klebrigen Flüssigkeit. Einer ekelhaften Flüssigkeit, die Perdus nicht nur wegen der Farbe, sondern auch aufgrund des Gestanks an Erbrochenes erinnerte. Aber es war ein gutes Zeichen, nicht? Etwas passierte, auch wenn es mit diesem abartigen Brechgeruch verbunden war.
Wie aus dem Nichts schoss die Flüssigkeit nach oben. Einen Moment erinnerte das Gemisch Perdus an eine Wolke, die kurz vorm Platzen stand. Perdus Adern pumpten auf Höchst-leistung. War es endlich vollbracht? Plötzlich blitzte es vor Perdus Augen, er blinzelte, einmal, zweimal. Ein erneuter Knall. Und dann gaffte Perdus auf einmal auf das Schönste, das er je gesehen hatte: An der Stelle, an der sich die Masse befunden hatte, waren Schatten entstanden, die ihrem Publikum eine Geschichte von Leben und Tod erzählten. Und was noch viel besser war- der Tod überwog! Denn die Schattenpersonen sprangen durch den Raum, ver-steckten sich im Zimmer und wurden dann doch von ihm gefunden. Ihm, der Gestalt, die alle anderen überragte, der dafür geschaffen war, die Feindesschatten ausfindig zu machen und sie dann durch eine einfache Handbewegung in tausend Rauchpartikel aufzulösen. Da war er, in der Mitte des Geschehens, oben auf dem Berg der Ereignisse. Da, wo er hingehörte, ganz oben. Sein Meister.
Perdus ging einen Schritt auf die Wolke zu. Seine Nasen-flügel zitterten, doch er nahm den Gestank nicht mehr wahr. Seine Augen hingen an der Schattengestalt vor ihm, die mit großen Gesten Anhänger um sich warb.
Ja. Genau so soll es sein. Master Death über alles. Was würde er nur alles dafür geben, dass dieses Bild wahr würde. Blitze schossen nun von seinem Meister aus in alle Richtungen und durchlöcherten unglückselige Gestalten. Wie wundervoll es doch war. Der Abschaum verschwand. Ein für alle mal. Jetzt stand seinem Meister endlich niemand mehr im Weg. Master Death über alles.
Er streckte seine Hand aus und näherte sich der Gestalt. Nur einmal wollte er von ihm gelobt werden, einmal wollte er das Richtige getan haben und von seinem Master geschätzt werden. Immer näher kam er dem Gesicht, welches ihn zu sich rief.
Ich bin hier, Meister. Ich war es schon immer.
Nur noch wenige Zentimeter und dann…
In diesem Moment knallte es und Perdus wurde durch den Druck nach hinten geschleudert. Benommen schlug er die Augen auf und starrte auf das Spektakel vor sich.
Nein… das kann nicht sein…
„NEIN!“ Sein Herz hämmerte gegen seine Brust und er ver-fluchte seine Augen für den schrecklichen Anblick, den sie ihn boten. Bitte nicht, dachte er. Bitte nicht. Sein Meister lag nun am Boden. Irgendeine wahnwitzige Schatten-gestalt hatte ihn hinterrücks angefallen und zu Fall gebracht. Aber das konnte doch nicht alles sein? Es durfte einfach nicht vorbei sein. Niemals. Verzweifelt lief er einen Schritt auf seinen Master zu. In diesem Moment schäumte die Wolke auf. Perdus schwankte, er fühlte sich, als ob im jemand den Boden unter den Füßen hinwegriss, die Wolke schäumte - vielleicht wollte sie auch nicht, dass ihr letztes Stündlein geschlagen hatte! Vielleicht kämpfte sie um jede zusätzliche Lebenssekunde! - dann löste sie sich plötzlich in Nichts auf.
Perdus Herz pochte, doch er war sich sicher, dass es ihm aus der Brust gerissen worden war. 
„Das kann nicht sein“, murmelte er und schluckte die Tränen schwerfällig herunter. „Es darf nicht sein!“
„Du hast gesehen, was geschehen wird.“
Die Alte schleppte sich Richtung Tür.
„Nein. D-das… Eine Prophezeiung muss nicht wahr werden. Sie kann auch verhindert werden.“
Das Weib zuckte mit den Schultern, als interessierte es sich rein gar nicht für die Tragödie, die sich gerade in dem Zimmer abgespielt hatte. „Sicherlich kann sie das“, sagte sie dann langsam. „Aber es ist noch schwerer, das Schicksal zu ändern, wenn man nicht mal weiß, wer die Person ist, vor der man sich in Acht nehmen muss.“
Perdus keuchte. Seine Kehle war zugeschnürt. In ihm war nichts als Trauer. Schwerfällig stieß er hervor: „Ist es sie? Das Mädchen? Bitte… wenn du es weißt… ich… ich sage dir, wenn er erfährt, das-s-s du ihm etwas vorenthältst, dann-“
Ehe er wusste, wie es ihm versah, umklammerte ein Griff seinen Hald. Seine Haut schrie vor Schmerz auf, als sich die verrotteten Fingernägel der Alten in seine Haut bohrten.
„Las-s l…os“, brachte er hervor. „Ich habe dir alles gezeigt“, zischelte das Weib, „und du wagst es mich anzuzweifeln?“ Feuer loderte in ihrem Blick, während Perdus Kehle schmerzte. Und nicht nur die. Alle Knochen, alle Muskeln und jeder Nerv spie Feuer. Adrenalin schoss ihn so schnell durch die Adern, dass er keinen klaren Gedanken fassen konnte. Endlich löste die Hexe den Druck und Perdus klatschte wie ein nasser Sack zu Boden. „Im Palast gehen sie davon aus, dass sie es ist, vor der er sich in Acht nehmen muss“, zischte sie.
Vorsichtig spannte Perdus einen Muskel an. Ja, es funk-tionierte, er lebte! Seine Hand fuhr zu seiner stechenden Kehle. Wie gern hätte er jetzt einen Eiswürfel auf die Stelle gepresst! Wenn er einen kurzen Umweg nehmen würde, dann… Aber keine Zeit… wenn er zu spät kam, dann würde es ihn noch sehr viel schlechter gehen, so viel war sicher. Mit zittrigen Beinen erhob er sich und stolperte zur Tür. 
„D-danke“, stammelte er.
Er blickte sich nicht mehr um. Die Alte war unberechenbar. Er hatte es immer gewusst! Aber jetzt hatte er seinen Auftrag erfüllt und konnte zu seinem Meister zurückkehren.  Endlich!
Sein Blick fiel auf seine Uhr und er kniff die Augen zusammen. War es tatsächlich… konnte es sein? Aber das Schicksal hatte kein Erbarmen mit ihm. Eine Minute vor „tödliche Verspätung“. Er fluchte, dann verschwand er in der Dunkelheit.
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Rapunzel
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BeitragVerfasst am: 16.11.2019 10:35    Titel: Fantasy Roman - Teil zwei pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich wollte diesen Text gerade in die Werkstatt stellen, allerdings war mir dies leider nicht erlaubt, da ich hierfür zwei Werke im Einstand gepostet haben muss.

Da ich mich zur Zeit ununterbrochen mit meinem Roman befasst habe, kam ich nicht wirklich dazu, auch noch andere Texte zu schreiben. Zumindest keine, die ich hier online stellen will... Daher hoffe ich, dass es in Ordnung ist, wenn ich den Text hier als Einstand poste.

Mein erster Beitrag war ohnehin der Prolog, der sich vom restlichen Buch sehr unterscheidet.
Diese Szene hier findet statt, wenn die Protagonistin zum ersten Mal "richtig" erwacht.
Es handelt sich erst um die 2. Version, konstruktive Kritik ist natürlich trotzdem erlaubt Very Happy

Ich hoffe, der ein oder andere findet den Text interessant und wünsche euch ein schönes Wochenende!


Das Erste, was sie wahrnahm, waren einzelne Wortfetzen. Allmählich verwandelten sie sich in ganze Wörter und schließlich in Sätze. Doch der Rauch in ihrem Kopf ver-nebelte ihre Sinne, so dass kein Ton Sinn ergab. Der Raum flimmerte vor ihren Augen, während Adrenalin zu Leben erwachte und sie in Panik versetzte. 
Bitte, ich muss etwas sehen, dachte sie.
Was, wenn sich diese Kreaturen noch immer über ihr Bett beugten? Wenn sie nur darauf warteten, abermals über sie zu fallen?
Plötzlich spürte sie einen Druck auf ihrer Stirn. Sie ver-suchte ihre Muskeln anzuspannen, sich zu wehren, im besten Fall davonzulaufen, doch ihr Körper glich einer Gummipuppe und bewegte sich keinen Millimeter. Stattdessen schnürte ihr die Panik nun den Hals zu.
In diesem Moment erschauderte ihr Körper. Etwas war anders, ganz sicher. Doch was? Ihre Stirn… ja, jemand hatte etwas auf ihre Stirn gelegt. Und dieses Etwas war kalt. Für diese Erkenntnis reichten ihre Sinne gerade noch. Sie ächzte und tastete nach ihrem Kopf. War ihr schon dauernd so warm ge-wesen?
„Hast du noch bisschen Fieber. Senkt das nasse Tuch hoffentlich. Oder es ist zu kalt? Ist doch hoffentlich nicht zu kalt“, ertönte da eine Stimme neben ihr.
Chiara fuhr herum, doch ein stechender Kopfschmerz zwang sie dazu, ihre Augen zu schließen. Einige Sekunden lang trieb sie in der Finsternis und hörte nichts außer ihren eigenen pochenden Herzschlag. Sekunden wurden zu Stunden. Ein Fremder neben ihr! Eine Person, die sie womöglich gleich packen würde und…
Als die Qual endlich abebbte, riss sie ihre Augen auf. Würde es dieses Mal funktionieren? Könnte sie mehr als nur Sterne sehen? Die Welt vor ihr flackerte, dunkle Flecken flimmerten noch ein paar Mal und dann -
Chiara schrie auf. Was zum Teufel war das?
Ich muss verrückt sein, dachte sie.
Die Flügel. Der Schnabel.
Aber das war doch nicht möglich. Das konnte doch nicht sein!
„Bist du zum Glück wach. Ähm… wie es dir geht denn?“, fragte das Geschöpf.
Sie antwortete nicht. Unentwegt starrte sie das Wesen mit weit aufgerissenen Augen an. Ihre Finger verkrampften sich so in der Decke, dass ihre Muskeln Feuer spieen. Doch Chiara merkte nichts davon. Sie glotzte auf den großen, runden Kopf, welcher auf einem viel zu kleinen Körper thronte. Nicht, dass das das Einzige war, was an dieser Kreatur keinen Sinn ergab. Nein, da waren zum Beispiel noch die Stummelflügel, die anstatt von Armen aus dem riesigen Körper hervorlugten. So klein, dass sie das Vieh sicherlich keine fünf Sekunden in der Luft tragen konnten. Oder die überdimensional großen Vogelfüße, die in Sandalen steckten. Sandalen! Als wollte die Kreatur seine Füße zwar bedecken, aber sicherstellen, dass jeder sah, dass er keine mensch-lichen Zehen hatte. Oder der riesige Schnabel, mit dem es gesprochen hatte.
Eine riesige Eule, schoss es Chiara durch den Kopf. Nur mit dem Unterschied, dass Vögel Federn haben, ergänzte sie dann ihren Gedanken. Ihre Augen hingen an den leicht orange schimmernden Fell des Wesens, das dieses von oben bis unten überzog und dabei beinahe wie ein weicher Flaum aussah.
„Also du weißt… Ändert mein Fell die Farbe je nach meinen Gefühlen. Wenn bin ich aufgeregt, sich verfärbt es so hässlich orange.“
Das Ding spricht tatsächlich. Chiara zog hörbar die Luft ein. Ich träume bestimmt nur, beschwichtigte sie sich selbst. Ja, das ist alles nur ein böser Traum.
Und falls nicht bin ich verrückt. Und dieses Viech braucht dann dringend Grammatikunterricht.
Sie hob ihre Hand und führte sie zu ihrem anderen Arm, um sich kräftig zu kneifen, ohne dabei das Vogeltier auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen. Jetzt erst fielen ihr die riesigen Glotzer auf, die das tierähnliche Geschöpf besaß. Groß und blau blickten sie Chiara direkt an und erinnerten sie an die Stofftiere mit riesigen Glubschaugen, die in Spielzeugläden verkauft wurden. Sofort schüttelte sie den Kopf und kniff sich noch stärker.
Das Wesen war kleiner als sie und musste ihr ungefähr bis zum Bauchnabel reichen. Vielleicht würde es ihr gelingen, es zu überraschen und zu Boden zu schlagen?
Doch ihre Glieder waren schwer wie Blei. Noch immer wüteten Bauchschmerzen in ihrem Inneren und ihr Gehirn explodierte in den buntesten Farben. Fieber, schoss es ihr durch den Kopf. Hatte das Wesen nicht irgendetwas von Fieber gesagt?
„Vielleicht du willst ja etwas trinken?“
Chiara spürte, wie ihre Kehle lechzte. Trotzdem schüttelte sie den Kopf. Nie im Leben kann ich von diesem Ding etwas zum Trinken annehmen, dachte sie. Anceps Neras löchrige Augen erschienen vor ihr und ihre Muskeln versteiften sich. Nein, sicherlich nicht!
Ihr Gegenüber trat einen Schritt näher an sie heran, verzog seinen Schnabel nach oben, als wollte es lächeln, und sagte dann: „Hast du bestimmt Angst, weil ist alles noch so neu und ungewohnt. Aber musst du etwas Wasser nehmen zu dir, weil hast verloren du durch das Fieber viel Flüssigkeit. Moment, muss doch irgendwo… Ah, hier!“ Mit zittrigen Flügeln griff es nach einem Glas und hielt ihr dieses vors Gesicht. Chiara presste ihre Lippen aufeinander. Nein, sie würde nicht - doch als die Flüssigkeit gegen ihren Mund schwappte, gewann ihr Durst die Oberhand und zwang sie zum Schlucken. Das kühle Nass lief ihre Kehle hinab, beruhigte das Brennen in ihrem Körper, sie spitzte ihre Lippen, zog hastig die Flüssigkeit ein und verschlang das Wasser wie Champagner.
„Ist es gut so! Trinkst du zum Glück!“
„Was bist du?“ Ihre Kehle stach bestialisch und ihre Augen füllten sich mit Tränen, die sie sofort wegblinzelte.
„Ähm… meinst du bestimmt, bin ich wer?“, sagte das Wesen. „Also, heiße ich Ocolus, aber nennen mich alle Oci. Und wenn meinst du mit deiner Frage, aus welcher Familie stamme ich, ist mein Vater der berühmte Ocolatius, der gedient hat den Boni jahrelang treu!“, platze es heraus.
Chiara war sich nun sicher, dass das Fieber ihr sämtliche Sinne geraubt hatte. Die Worte schwirrten ihr im Kopf herum und ergaben doch keinen Sinn. „Boni?“, fragte sie verwirrt und mit heiserer Stimme.
„Ja, Boni.“ Das Wesen sprach mit einer Selbstverständlich-keit, als hätte es gerade das Rezept eines Schokokuchens erklärt. Als es jedoch Chiaras fragenden Blick sah, weiteten sich seine Augen.
„Nicht du weißt, was bedeutet Boni?“, stieß es hervor. Einer der Flügel schoss zu seinem Kopf und strich über sein Fell. Einige Sekunden starrte es Chiara an, dann sagte es langsam: „Sind für mich Boni alle Personen, die kämpfen gegen Master Death und seine Anhänger.“
Als Chiara nur noch verwirrter aus der Wäsche guckte, seufzte es. „Sind Zeitungen doch voll von Nachrichten über Master Death. Hätte ich eine mitbringen sollen. Habe ich nicht daran gedacht!“ Oranger und oranger stach sein Fell in Chiaras Augen. Nichts hätte sie lieber getan, als diese zu schließen, aber sie musste die Kreatur im Auge behalten. Vielleicht ist es ja ein Alien?, schoss es ihr durch den Kopf. Sahen Außerirdische so aus? Die großen Augen er-innerten tatsächlich an ET, auch wenn dieser mit seiner ledernen Haut ihr zumindest keinen Augenkrebs verpasst hätte. Allgemein hatte sie noch nie einen Film gesehen, in dem Außerirdische Fell trugen. Aber was wussten die Regisseure auch schon von dem wahren Aussehen von Aliens. Ungefähr genauso viel wie sie.
„Bin ich einfach nicht wie mein Vater. Kann ich einfach nicht so gut sein wie er!“, schrie in diesem Moment das Wesen. „Hätte ich Zeitung mitbringen müssen!“
Der Vogelalien warf sich nach vorn - wollte er sie angreifen? Sich bestialisch auf sie stürzen? Ängstlich presste sie sich auf ihre Liege. Ihr Herz pochte. Aber… nein, das Viech hatte nicht vor, sie zu zerfleischen. Stattdessen knallte zu Boden und sicke Tränen tropfen über sein Kugelgesicht. Chiara glotzte auf das Wesen herab. Gemische Gefühle machten sich in ihr breit. Überraschung, weil das Ding wie ein Baby vor ihr mit seinen Flügeln strampelte. Hoffnung darauf, ihren Körper doch noch dazu bringen zu können, aufzuspringen, die Situation auszunutzen und einfach an dem Wesen vorbei nach außen in die Freiheit zu sprinten. Zumindest wenn diese dort war. Angst, denn das Viech war eindeutig unberechenbar. Und gestört. Und über-haupt war die ganze Situation absolut irreal. Doch das war nicht alles. Von irgendwoher kroch sich noch ein anderes Gefühl in ihr Herz, ohne, dass sie es wollte, und ohne, dass sie es verhindern konnte.
„Ich… tut mir leid, dass ich nichts über Master … Master Beth…? Master Blech? Master Death…? weiß“, begann sie und verfluchte sich im gleichen Moment.
Mitgefühl. Willst du mich veräppeln, Chiara? Du wachst in einem Raum neben einem Alien auf und führst dich dann auf wie seine Mama?
Trotzdem sprach ihr Mund weiter. „Das… es hat nichts mit dir zu tun. Ich… ich will einfach wieder nach Hause.“
Endlich hielten die Stummelflügelchen inne und der Vogel blickte auf. Noch einmal schluchzte er, dann durchsuchten seine großen Augen den Raum. „Also Master Death… Munkelt man, dass sei Master Death wieder zu Kräften gekommen und verweilen seine Anhänger überall unerkannt unter uns.“ Sein Fell schimmerte jetzt so grell, dass sie den Anblick kaum mehr ertrug. Ihr Kopf brummte. Ihre Glieder schmerzten. Alles brannte.
Ermattet schloss sie die Augen. Ihr gelang es nicht, einen klaren Gedanken zu fassen. Und doch. Es musste ein Traum sein. Das alles konnte nicht real sein. Wahrscheinlich lag sie gerade zu Hause in ihrem Bett, schlummerte vor sich hin, genoss die Wärme der Bettdeck, die Weiche der Matratze, die Ruhe ihres Raums.
„Ähm, du vielleicht willst etwas schlafen? Bist du noch sehr geschwächt, ich denke?“
Sie musste die Augen geschlossen haben. Wer außer ihr würde vor einer so seltsamen Kreatur auf eine so wahnwitzige Idee kommen? Aber sie war zu Hause nicht war. Im Bett. Sicher.
Gleichgültig nickte Chiara, entschlossen die Augen erst wieder zu öffnen, wenn ihr Traum vorbei war.
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Kiara
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BeitragVerfasst am: 16.11.2019 11:10    Titel: Antworten mit Zitat

Du kannst deine neue Version einfach als neue Antwort posten und dabei das Kästchen "neue Version" anklicken, damit keiner mehr die erste Version liest, sondern alle die neue lesen.
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Rapunzel
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BeitragVerfasst am: 16.11.2019 11:22    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Wie lange noch?
Mit gesenkten Kopf eilte er durch die Gassen. Nur schemenhaft nahm er die Baracken um sich herum wahr. Wie viele Seelen hausten in in diesen Ruinen? Hundert? Zweihundert? 
Egal.
Es klatschte. Verdammt.
Er zog seinen Schuh aus der stinkenden Pfütze, in die er getreten war. So schnell, als hinge sein Leben davon ab, schüttelte er seinen Fuß, rümpfte die Nase und rannte weiter. Seine Beine waren schwer wie Blei, doch er durfte nicht anhalten.
Irgendwo hier musste es doch sein…
Sein Blick irrte durch die Gasse. Was hatte der Mann ge-sagt? Die Gammelstraße herab, bis zum Ende und dann nach links zum Brunnen… aber hier war er doch. Vor genau diesem jämmerlichen Exemplar, aus dem sicherlich bereits seit Jahren kein Wasser mehr gesprudelt war.
Panik kroch über ihn hinweg, während das Adrenalin in seinen Adern pumpte. Was, wenn er sie nicht fand? Wenn sie in Wahrheit wo ganz anders wohnte? Aber so durfte er nicht denken! Nein, er musste weiter, immer weiter. Weit entfernt konnte es nicht mehr sein.
Er drehte sich um, wollte gerade -
Da verriet ihm ein zaghaftes Ziehen an seinem Umhang, dass es schon wieder passiert war. Würde das denn nie aufhören? Er musste sich konzentrieren, verdammt noch einmal! Seinen schlechtesten Mantel hatte er ausgewählt und dennoch verhielten sich diese Kakerlaken so, als trüge er einen mit Juwelen besetzten Prachtschleier. Er hatte keine Zeit für diese andauernden Betteleien. Er war doch nicht die Wohl-fahrt!
Mit einem kräftigen Ruck riss seinen Mantel aus den Händen des Kindes, das diesen in die Hand genommen hatte, riss so stark, dass das Mädchen wie ein rohes Ei auf die Straße platschte und eilte weiter.   
Sein Kopf schwirrte. Hatte er diese Frau mit den tiefen Schatten unter den Augen nicht bereits gesehen? Die, die so aussah, als hätte ihr jämmerliches Leben ihr noch keine Sekunde Schlaf gegönnt? Seine Beine wurden schwach. Er drehte sich im Kreis, nicht? Aber der Brunnen! Das Zeichen dafür, dass er nicht falsch sein konnte. Ein kleines Puzzleteil fehlte ihm, sonst nichts. Er presste die Hand gegen die Rippen, um das Seitenstechen zu lindern, das ihn so quälte. Die Gammelgasse herab. Bis zum Brunnen. Doch wo nur, wo…? Dann weiteten sich seine Augen.
Konnte es sein? War es… ? Aber ja! Tatsächlich! Dort stand sie - die Bruchbude, die er so verzweifelt gesucht hatte. 
Mit großen Schritten rannte er auf sie zu. Zu spät war er, viel zu spät. Sein Meister wartete bereits auf ihn und Zeit war kein Geld, nein, Zeit entschied über sein Leben. Der Meister duldete keine Verspätungen. Doch als er endlich bei der Pforte ankam, sackte ihm sein Herz in die Hose. Kurz hielt er inne, seine Hände waren so nass, dass er ab-rutschte, dann gelang es ihm endlich die Tür zu öffnen. Feuchtigkeit schlug ihm entgegen, Feuchtigkeit und der Geruch von Schimmel. Eine perfekte Symbiose.
Die Balken über ihm ächzten so laut, dass er sich sicher war, dass sie jeden Moment einbrechen würden, und die Wände zersprangen in tausend Teile.
„Ich habe dich erwartet!“
Sein Herz setzte aus, er suchte den Raum ab und sah mitten in ihr Gesicht. Keine Frage, das war sie. Bei niemanden sonst auf der Welt gruben sich tiefere Furchen in die Haut  als bei ihr.
„Mein Meister will die Prophezeiung hören“, krächzte er, denn seine Stimme war bereits an der ersten Kreuzung ab-gebogen und nach Hause gerannt.
Das Weib vor ihm lachte bis ihre grün funkelnden Augen hervorquollen. Dann versteinerte ihr Gesicht. „Interessiert mich das?“, brummte sie.    
Perdus räusperte sich.
„Die Prophezeiung! Sofort!“
Noch immer fühlte sich seine Stimme schwach an.
„Warum denkst du, dass ich diese habe. Ich, die in diesem Loch haust, während meine Zwillingsschwester in einer der feinsten Villen Roms untergekommen ist - dank Justinus! Schau dich um, Perdus. Ich weiß doch genau, was du denkst. Ich lebe im Dreck, richtig?“ Ihre Augen funkelten und Perdus senkte schnell den Blick. 
„Ich… Nein… Wir wissen, dass Sie… du die Prophezeiung hast“, stammelte er. Er kannte die Alte. Man musste vor-sichtig sein, wenn man sich in ihre Nähe wagte. Außer man wollte als Sonderzutat in ihrem Eintopf landen.
Die Hexe wog den Kopf hin- und her. Ein gutes Zeichen? Er wusste es nicht. Frauen waren ihm allgemein bereits ein Rätsel. Aber dieses Weib hier war so unberechenbar wie ein Vulkan.
Plötzlich schleppte sich die Hexe zum anderen Ende des Zimmers, direkt auf das Feuer zu, das den Raum erhellte. Sie kramte in ihrem Umgang - das war gut, nicht wahr?- und zog eine kleine Ampulle hervor, dessen Inhalt so giftgrün schimmerte, dass ihm bereits vom Anblick übel wurde.
„Von mir aus. Aber es wird ihn nicht erfreuen“, sagte sie und knallte die Ampulle auf das Gefäß. Perdus atmete erleich-tert auf. Eine Zehntelsekunde nur, denn dann zersplitterte das Glas, schnitt sich in das Fleisch der Alten, zertrennte ihr eine Ader und sein Magen protestierte zornig, während das Blut der Hexe in den Topf unter ihr tropfte. Ungläubig glotzte er auf das Weib, das keine Miene verzog und den kläglichen Rest des Fläschchens über den Topf hielt. Ihr Blut vermengte sich mit der Flüssigkeit, eine ekelhafte braune Masse entstand und tropfte dann in das das brodelnde Feuer unter sich. Es zischte und knallte und Perdus presste sich die Hand vor die Nase. Dass sie es auch nie ohne diesen abartigen Gestank schaffte. Eine Mischung aus ver-faulten Eiern und Erbrochenen quetschte sich durch seine Finger in seine Nase. Seine Beine wollten rennen, so schnell wie möglich das Weite suchen.
Sei kein Weichei, ermahnte er sich, aber das Weib hatte seine Abscheu bereits bemerkt.
„Er schickt mir seinen dümmsten und doofsten Untertanen. Das bin ich ihm also wert“, sagte sie und stierte in der Masse unter sich. „Nach allem, was ich für ihn getan habe.“ Perdus schnaubte. Ihre Taten zählten nichts. Seine hingegen verdienten die höchste Anerkennung! Eines Tages, da war er sich sicher, würde das auch sein Meister so sehen. Aber sie musste sich natürlich wieder einmal zu etwas Besserem  machen. Das war schon immer so gewesen und würde sich auch nicht ändern. Und er - als der gute Diener, der er nun einmal war - würde ihre Beschwerden einfach still über sich ergehen lassen.
„Verstoßen wurde ich… Eine Gefahr für die Gesellschaft bin ich… Mit der falschen Seite… mit dem Meister… habe ich mich eingelassen…“, sagte die Alte in diesem Moment. „Hätte ich doch auf sie gehört und wäre gleich zu Justinus gegangen. Dann würde ich jetzt nicht hier sitzen. IN DIESEM DRECKS-LOCH! Während sie in Rom ist.“
Jetzt übertrieb sie eindeutig. Selbst in der schlimmsten Baracke war es noch besser, als bei Justinus zu sitzen. Diesem wahnwitzigen Affen! Ein Knall riss Perdus aus seinen Gedanken. Das Weib hatte den Löffel in den Kessel geknallt.  Er klirrte und schallte, bevor dieser mit einem lauten Knall verpuffte. Es dauerte lange. So wahnsinnig lange. Mit zitternden Knien blickte er auf seine Uhr. „Viel zu spät“, stand dort in roter Schrift geschrieben. Zumindest kochte der Kessel nun endlich. Nachdem er eine halbe Ewigkeit nur gegärt hatte, schäumte er nun und benetzte den Boden mit einer klebrigen Flüssigkeit. Einer ekelhaften Flüssigkeit, die Perdus nicht nur wegen der Farbe, sondern auch aufgrund des Gestanks an Erbrochenes erinnerte. Aber es war ein gutes Zeichen, nicht? Etwas passierte, auch wenn es mit diesem abartigen Brechgeruch verbunden war.
Wie aus dem Nichts schoss die Flüssigkeit nach oben. Einen Moment erinnerte das Gemisch Perdus an eine Wolke, die kurz vorm Platzen stand. Perdus Adern pumpten auf Höchst-leistung. War es endlich vollbracht? Plötzlich blitzte es vor Perdus Augen, er blinzelte, einmal, zweimal. Ein erneuter Knall. Und dann gaffte Perdus auf einmal auf das Schönste, das er je gesehen hatte: An der Stelle, an der sich die Masse befunden hatte, waren Schatten entstanden, die ihrem Publikum eine Geschichte von Leben und Tod erzählten. Und was noch viel besser war- der Tod überwog! Denn die Schattenpersonen sprangen durch den Raum, ver-steckten sich im Zimmer und wurden dann doch von ihm gefunden. Ihm, der Gestalt, die alle anderen überragte, der dafür geschaffen war, die Feindesschatten ausfindig zu machen und sie dann durch eine einfache Handbewegung in tausend Rauchpartikel aufzulösen. Da war er, in der Mitte des Geschehens, oben auf dem Berg der Ereignisse. Da, wo er hingehörte, ganz oben. Sein Meister.
Perdus ging einen Schritt auf die Wolke zu. Seine Nasen-flügel zitterten, doch er nahm den Gestank nicht mehr wahr. Seine Augen hingen an der Schattengestalt vor ihm, die mit großen Gesten Anhänger um sich warb.
Ja. Genau so soll es sein. Master Death über alles. Was würde er nur alles dafür geben, dass dieses Bild wahr würde. Blitze schossen nun von seinem Meister aus in alle Richtungen und durchlöcherten unglückselige Gestalten. Wie wundervoll es doch war. Der Abschaum verschwand. Ein für alle mal. Jetzt stand seinem Meister endlich niemand mehr im Weg. Master Death über alles.
Er streckte seine Hand aus und näherte sich der Gestalt. Nur einmal wollte er von ihm gelobt werden, einmal wollte er das Richtige getan haben und von seinem Master geschätzt werden. Immer näher kam er dem Gesicht, welches ihn zu sich rief.
Ich bin hier, Meister. Ich war es schon immer.
Nur noch wenige Zentimeter und dann…
In diesem Moment knallte es und Perdus wurde durch den Druck nach hinten geschleudert. Benommen schlug er die Augen auf und starrte auf das Spektakel vor sich.
Nein… das kann nicht sein…
„NEIN!“ Sein Herz hämmerte gegen seine Brust und er ver-fluchte seine Augen für den schrecklichen Anblick, den sie ihn boten. Bitte nicht, dachte er. Bitte nicht. Sein Meister lag nun am Boden. Irgendeine wahnwitzige Schatten-gestalt hatte ihn hinterrücks angefallen und zu Fall gebracht. Aber das konnte doch nicht alles sein? Es durfte einfach nicht vorbei sein. Niemals. Verzweifelt lief er einen Schritt auf seinen Master zu. In diesem Moment schäumte die Wolke auf. Perdus schwankte, er fühlte sich, als ob im jemand den Boden unter den Füßen hinwegriss, die Wolke schäumte - vielleicht wollte sie auch nicht, dass ihr letztes Stündlein geschlagen hatte! Vielleicht kämpfte sie um jede zusätzliche Lebenssekunde! - dann löste sie sich plötzlich in Nichts auf.
Perdus Herz pochte, doch er war sich sicher, dass es ihm aus der Brust gerissen worden war. 
„Das kann nicht sein“, murmelte er und schluckte die Tränen schwerfällig herunter. „Es darf nicht sein!“
„Du hast gesehen, was geschehen wird.“
Die Alte schleppte sich Richtung Tür.
„Nein. D-das… Eine Prophezeiung muss nicht wahr werden. Sie kann auch verhindert werden.“
Das Weib zuckte mit den Schultern, als interessierte es sich rein gar nicht für die Tragödie, die sich gerade in dem Zimmer abgespielt hatte. „Sicherlich kann sie das“, sagte sie dann langsam. „Aber es ist noch schwerer, das Schicksal zu ändern, wenn man nicht mal weiß, wer die Person ist, vor der man sich in Acht nehmen muss.“
Perdus keuchte. Seine Kehle war zugeschnürt. In ihm war nichts als Trauer. Schwerfällig stieß er hervor: „Ist es sie? Das Mädchen? Bitte… wenn du es weißt… ich… ich sage dir, wenn er erfährt, das-s-s du ihm etwas vorenthältst, dann-“
Ehe er wusste, wie es ihm versah, umklammerte ein Griff seinen Hald. Seine Haut schrie vor Schmerz auf, als sich die verrotteten Fingernägel der Alten in seine Haut bohrten.
„Las-s l…os“, brachte er hervor. „Ich habe dir alles gezeigt“, zischelte das Weib, „und du wagst es mich anzuzweifeln?“ Feuer loderte in ihrem Blick, während Perdus Kehle schmerzte. Und nicht nur die. Alle Knochen, alle Muskeln und jeder Nerv spie Feuer. Adrenalin schoss ihn so schnell durch die Adern, dass er keinen klaren Gedanken fassen konnte. Endlich löste die Hexe den Druck und Perdus klatschte wie ein nasser Sack zu Boden. „Im Palast gehen sie davon aus, dass sie es ist, vor der er sich in Acht nehmen muss“, zischte sie.
Vorsichtig spannte Perdus einen Muskel an. Ja, es funk-tionierte, er lebte! Seine Hand fuhr zu seiner stechenden Kehle. Wie gern hätte er jetzt einen Eiswürfel auf die Stelle gepresst! Wenn er einen kurzen Umweg nehmen würde, dann… Aber keine Zeit… wenn er zu spät kam, dann würde es ihn noch sehr viel schlechter gehen, so viel war sicher. Mit zittrigen Beinen erhob er sich und stolperte zur Tür. 
„D-danke“, stammelte er.
Er blickte sich nicht mehr um. Die Alte war unberechenbar. Er hatte es immer gewusst! Aber jetzt hatte er seinen Auftrag erfüllt und konnte zu seinem Meister zurückkehren.  Endlich!
Sein Blick fiel auf seine Uhr und er kniff die Augen zusammen. War es tatsächlich… konnte es sein? Aber das Schicksal hatte kein Erbarmen mit ihm. Eine Minute vor „tödliche Verspätung“. Er fluchte, dann verschwand er in der Dunkelheit.
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Ralphie
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BeitragVerfasst am: 16.11.2019 16:14    Titel: Antworten mit Zitat

Na, das liest sich doch schon ganz ordentlich!

 Daumen hoch


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BeitragVerfasst am: 16.11.2019 17:00    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank, das freut mich! Ich habe gesehen, dass sich noch einige Fehler eingeschlichen haben - das liegt daran, dass ich den Text heute früh noch einmal auf die Schnelle überarbeitet habe. Ich hätte den Auszug einmal durch das Rechtschreibprogramm laufen lassen sollen, das bitte ich zu entschuldigen.

Mich freut es, dass du den Text trotzdem gut fandest! Ist er denn kreativ genug (ich frage, weil das Thema an sich - Auserwählte - ja doch eher "abgelutscht" ist)? Würde man weiterlesen wollen?

Danke!
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BeitragVerfasst am: 16.11.2019 17:04    Titel: Antworten mit Zitat

Fehler sind dafür da, dass sie ausgemerzt werden. Vor allem solltest du beachten, dass vor den drei Auslassungspunkten laut Deutscher Schreibmaschinenordnung ein Leerzeichen gesetzt wird, wenn das Wort davor vollständig ist.

 Very Happy


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BeitragVerfasst am: 16.11.2019 17:27    Titel: Antworten mit Zitat

Und du solltest die Gummipuppe durch eine Marionette ersetzen. Gummipuppen gehören nicht in einen Fantasy-Roman.

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Rapunzel
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BeitragVerfasst am: 16.11.2019 23:27    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ralphie hat Folgendes geschrieben:
Und du solltest die Gummipuppe durch eine Marionette ersetzen. Gummipuppen gehören nicht in einen Fantasy-Roman.


Das stimmt natürlich! Ich werde es ändern, danke für den Hinweis.

Weil wir gerade beim Thema sind - meine Protagonistin kommt im Laufe der ersten paar Kapitel in das Zimmer ihres späteren Mentors, den Anführer der Gruppe.
Sie ist zunächst allein im Raum und wird von einem Stein magisch angezogen, der Funken versprüht und sie zu sich lockt. Mein erster Entwurf sah vor, dass hier ein kurzer Nebenplot eingeführt wird, da sie den Stein anlangt, in seine Welt gezogen wird, dort auf einen Drachen trifft und dann nur durch den späteren Mentor wieder zurückgeholt wird.
Das schreit aber vor allem nach einem:
Klischee.

Zudem wäre es aber meines Erachtens zu offensichtlich, wenn dieser Stein sie in eine andere Welt zieht.

Meine zweite Idee war jetzt, dass sie der Stein zwar VERSUCHT irgendwie zu beeinflussen, sie sich aber innerhalb weniger Zeilen widersetzen kann. Sie dreht sich um, der Leser denkt das wars, sie schwankt auf ein Sofa/einen Stuhl  zu, um sich zu setzen, da sie leicht benommen ist.
Und sofort ist sie in einer anderen Welt...

soweit so gut ... Nur wie schaut es aus, wenn ich jetzt Zwerge oder ähnliches einbringe, die gerade dabei sind, gegen einen Drachen zu kämpfen, sie innerhalb Sekunden angekleidet und mitgezerrt wird, die Szene durchaus unterhaltsam ist und sie dann durch den Mentor wieder zurück ins Zimmer kommt. Und ihr dieser erklärt, dass dieses Sofa von ihren späteren Mitschülern dazu benutzt worden ist, um etwas Adrenalin zu bekommen - ähnlich wie bei uns Videospiele, nur eben, dass man ein Teil dieser wird. Der Mann hat davon Wind bekommen und das Sofa entfernt, da er es zu gefährlich fand. Jetzt steht es bei ihm im Büro.
Das Ganze soll in wenigeN Sätzen erklärt werden, der Mann wird ihm keine große Bedeutung schenken...  Das Ganze soll an Videospiele erinnern, bei denen man ja auch in ihre Welt eintaucht, hier eben buchstäblich. Natürlich werden diese nicht erwähnt..

Welche Version findet ihr denn besser? Das Sofa oder den Stein?
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Rapunzel
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BeitragVerfasst am: 17.11.2019 14:20    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich hätte eine Bitte - ich habe diesen Text gerade überarbeitet, aber ich weiß nicht, ob man mir das Ganze denn "abnimmt"- ob die Geschichte also stimmig sein kann oder ob jeder Leser den Text weglegt, weil er ihn (selbst für einen Fantasy-Roman) zu unrealistisch findet. Bzw. weil er nicht stimmig ist.
Ich wäre sehr dankbar, wenn jemand den Ausschnitt lesen könnte. Zur Erläuterung: Der Text, um den es hauptsächlich geht, ist fett markiert. Dies ist der Grund, warum sie hier ist und warum sie nicht zurück kann. Wobei sie das natürlich zu Beginn nicht einfach akzeptiert.
Ich habe dennoch einmal die vorherigen Seiten angehängt, weil ich finde, dass Chiara die typischen Klischees, die bei Fantasy vorherrschen, gut veräppelt. Dadurch wirkt es meiner Meinung nach lebendiger...
Ich wäre auf jeden Fall für jede Rückmeldung dankbar.

(Die Szene setzt ein, nachdem sie gerade eben einer drachenartigen Kreatur begegnet ist, da sie sich auf ein Sofa gesetzt hat, das sie in seine Welt gezogen hat --- schwer zu erklären..)

Es machte keinen Sinn. Es war doch nur ein Sofa. Nicht mehr und nicht weniger. Ein Gegenstand, auf den man sich setzen konnte, ohne mir-nichts-dir-nichts vor einem Monster zu landen.
»Es ist bereits vorbei, also warum denkst du darüber nach?«  Chiara starrte den Mann an. Weil es nicht normal ist? Weil es absolut verrückt ist? Weil mich das Viech in Stücke hätte reißen können? Zumindest ging sie davon aus, dass es das gekonnt hätte. Oder etwa nicht? 
»Hast du denn keine Fragen, die jetzt wichtiger sind? Jetzt ist deine einzige Chance.« Justinus blickte sie auffordernd an.
Am liebsten hätte sie geschrien. Gehetzt vom Schatten des Erlebten starrte sie Justinus an. Was erlaubte sich der Mann? Dachte er wirklich, dass sie die Sache einfach so abhakte? Die riesigen Zähne, das abartige Lachen, das Flüstern über Krieg und das Peitschen der Flügel in der Luft? Aber es stimmte. Es gab Dinge, die noch dringlicher waren. Die unbedingt beantwortet werden mussten. Und das so bald wie möglich.
»Warum bin ich hier?« Jetzt, da sie es ausgesprochen hatte, explodierte ihr Kopf beinahe. »Wo sind meine Eltern? Geht es ihnen gut? Habt ihr sie auch entführt? Und wann können wir wieder zurück?«
Der Mann runzelte die Stirn. „Eine einzelne Frage stellst du nicht gern, oder?“
Und wenn schon. Vielleicht würde ich das ja, wenn ich nicht in diesem Irrenhaus aufgewacht wäre. Voll mit Drachen-sesseln und Mantelmännern.
»Wir haben dich nicht entführt, Chiara«, sagte Justinus in diesem Moment.
Na klar, ich bin freiwillig hier. Chiara ballte die Fäuste.
»Kümmert sich Ocolus - oder Oci -, wie er genannt werden will, denn nicht gut um dich?« 
Unwillkürlich dachte sie an das Oci, der sie tagaus und tagein wie eine übersorgliche Mutter umsorgte. Aber das änderte nichts daran, dass sie keine Ahnung hatte, wo sie war. Oder daran, dass diese Kreatur eine mit Pelz besetzte überdimensionale Kuschelfigur war, die allerhöchsten in Spielzeuggeschäften existieren durfte. Und auch dort nur mit eingeschränkten, computergesteuerten Funktionen.
»Weißt du Chiara, er ist ein ganz junger Fengg, beinahe noch ein Kind, aber treue Freunde findet man in diesen Zeiten selten.«
Ihr Kopf brummte. Hatte Justinus nicht gesagt, dass dies ihre einzige Chance sei, um Antworten zu erhalten? Warum fühlte sie sich dann noch ausgelaugter als zuvor?
»Was … was ist ein Fenng?«, fragte sie ermattet.
»Ein hilfsbereites Wesen mit winzig kleinen Flügeln. Die Legende besagt, dass sie einst Meister der Lüfte waren, selbst andere mit sich durch die Luft trugen. Sie ver-lernten jedoch zu fliegen, als man sie darauf hinwies, dass ihre kleinen Stummelflügel gar nicht in der Lage seien, ihren Körper in die Luft zu hieven. Ich persönlich schenke Sagen nicht zu viel Bedeutung, aber wer weiß - du hast bestimmt bemerkt, dass Fenggs sehr feinfühlige Wesen sind. Sie können ihre Gefühle nicht ver-stecken, da sie die Farbe ihres Fells immer verrät.« Justinus griff in den Schrank hinter sich und schenkte sich ein Glas Wasser ein. »Ocis Familie arbeitet schon sehr lange für Boni. Von ihnen weiß ich, dass sie ihr Herz am rechten Fleck haben.«
»Seine Farbe ändert … ach, egal.« Der Mann war ihr endlich Antworten schuldig. Richtige Antworten, mit denen sie auch etwas anfangen konnte. »Wie bin ich hierherkommen? Was zum Teufel ist das für ein Ort?«
»Wir sind in Nevada. Natürlich nicht das Nevada, das du in einem Atlas finden würdest, aber wir sind tatsächlich in Amerika.«
»Nevada? Hier?«
Niemals. Außer vielleicht in Area 51.
»Es schaut anders aus, als das Nevada, das du erwarten würdest. Aber alles, das in unserer physischen Realität existiert, ist nur eine von vielen Möglichkeiten.«
Er spinnt. Er ist total durchgedreht.
Als Justinus Chiaras Blick sah, begann er zu lachen. »Hat-tet ihr denn keine Quantenphysik in der Schule? Nein…? Nun, wie erkläre ich es dir am besten?«, fragte er dann. »Lass uns einfach festhalten, dass es mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, als auf den ersten Blick zu existieren scheinen. Shakespeare pflegte das bereits zu sagen. Jetzt aber zu deinen anderen Fragen.«
Toll. Wenn das so weitergeht, bin ich keinen Schritt weiter.
»Wie also kamst du hier her? Nun ja, um die Wahrheit zu sagen: wir holten dich zu uns.“
Genau wie ich dachte! Von wegen keine Entführung!
Der Mann nahm einen Schluck aus seinem Glas. »Weißt du, Chiara, viele der Dinge, die ich dir nun gleich erzählen werde, werden dich vielleicht noch mehr verwirren, anstatt dir die erhoffte Klarheit zu bringen. Aber manchmal ist es gut, wenn wir uns so lange im Kreis drehen, bis uns der Schwindel dazu zwingt, kurz unsere Augen zu schließen. Wenn wir sie dann öffnen, haben wir einen neuen Blickwinkel für die Dinge… Also willst du meine Erklärungen hören?«
Chiara nickte, auch wenn sie davon überzeugt war, dass der Mann vollkommen verrückt war.
»Gut, dann beginnen wir am besten mit dem Grundsätzlichen. Du weißt bereits, dass wir in Nevada sind. Um genau zu sein, sind wir in einem Bunker unter der Wüste. Und wenn ich von ,uns’ spreche, muss ich dazusagen, dass ich damit uns Boni meine.«
»Uns was?«
Justinus lächelte. »Boni. Boni sind Hüter der Schöpfung. Boni sind dafür verantwortlich, dass alles auf der Welt funktioniert. Die Schwerkraft zum Beispiel. Das Gesetz von Ursache und Wirkung. Aber auch, dass Gedanken Gefühle steuern und umgekehrt. Bereits seit sehr, sehr langer Zeit wachen wir über die Welt und achten darauf, dass alles seinen geregelten Gang nimmt.«
Sehr viel abgedrehter konnte es nicht werden, da war sie sich sicher.
»Und ich nehme an, man wird als Boni geboren und hat dann die Aufgabe die Welt vor etwas Bösem zu beschützen?«, fragte sie, ohne den ironischen Ton in ihrer Stimme zu unterdrücken. »Und lass mich raten. Dieser Bösewicht ist der Kerl namens Master Death, richtig?«, ergänzte sie dann und erinnerte sich an Ocis Weinkrampf.
»Schlaues Mädchen.« Justinus hatte die Ironie entweder nicht bemerkt oder ignorierte sie geschickt. »Dann über-rascht es dich bestimmt auch nicht, dass wir Boni besondere Fähigkeiten haben?«
»Was ist es denn?« Chiara zog die Augenbrauen nach oben. »Zaubersprüche wie in Harry Potter? Seid ihr schnell wie Flash? Oder, nein ich weiß es - ihr könnt mit Spinnnetzen durch die Luft fliegen, richtig?«
Justinus legte die Stirn in Falten und blickte Chiara nachdenklich an, die ihn herausfordernd ansah. Was für ein Quatsch. So würde sie nie nach Hause kommen.
»Ich habe zwar keine Ahnung, warum du uns mit Insekten vergleichst, aber nein, wir können nicht fliegen. Ich muss aber schon sagen, dass ich mich wundere Chiara. Hast du dich nicht eben noch über den Drachen gewundert und jetzt tust du so, als gäbe es keine übernatürlichen Dinge?«
Chiara senkte den Blick. Ihr Kopf schmerzte und ihre Gedanken schossen in einem wilden Autorennen umher. Der Drache … natürlich hatte sie ihn nicht vergessen. Die Um-gebung vor ihr flimmerte. Aber es gab keine Drachen. Keine Drachen und keine Boni. Und wenn, dann hatte sie sicherlich nichts bei denen zu suchen.
»Um zurück auf die Fähigkeiten zu kommen: Zum Glück haben wir nicht alle die gleichen. Einige können besonders gut Gedanken lesen oder mithilfe ihrer eigenen Gedankenkraft Dinge bewegen - Telekinese also. Andere wiederum sind besonders begabt, wenn es um die Herstellung von Tranks oder dem Einsetzen von Edelsteinen geht. Und das sind nur einige von vielen.«
»Telekinese… das ist… es ist Quatsch. Und es interessiert mich auch nicht«, sagte Chiara trotzig. Noch immer wuselte es in ihrem Kopf.
Sie sah, wie die Freude aus dem Gesicht des Mannes wich. Einen Moment lang dachte sie darüber nach, ob es wirklich schlau war, den Verrückten auch noch zu reizen - dann setzte sie wieder ihr Trotzgesicht auf.
»Das kommt darauf an, ob du dumm genug bist, den Gesetzen der klassischen Physik zu glauben, oder ob du das elektro-magnetische Potenzial deines Gehirns zu nutzen weißt.« Justinus räusperte sich. »Leider ist nie klar, wo die Stärken jedes einzelnen Boni liegen. Deshalb entschlossen wir uns dafür, unsere Kinder gemeinsam zu unterrichten.«
Ihre Gedanken glichen nun einem Ball in einem Flipperauto-maten. »Was hat das alles mit mir zu tun? Ich will endlich wieder nach Hause!«, platze sie heraus.
Justinus seufzte und lies sich weiter in seinem Stuhl zurückfallen. »So leicht ist es leider nicht. Du hast zuvor von Master Death gesprochen. Malum hat sich diesen Namen vor langer Zeit gegeben. Damals, als viele Dinge noch anders waren. Wir müssen die Welt im Gleichgewicht halten. Wir sorgen dafür, dass Krankheiten nicht Überhand nehmen und die Erde nicht aus den Fugen gerät. Nur dafür dürfen wir unsere Fähigkeiten einsetzen. Für sonst nichts! Malum zählte einst zu unseren begabtesten Talenten. Er inter-essierte sich für so viele Dinge. Er konnte alles und doch konnte er nichts, denn es gelang ihm nicht, diese Regeln zu akzeptieren.«
Es machte keinen Sinn. Nichts davon. Nada. Niente. Null. »Er ist davon überzeugt, dass das Böse im Menschen über-wiegt und sie keine Daseinsberechtigung haben.« Justinus Augen schweiften in die Leere. »Als er so alt war wie du jetzt wurde er mein Schülerassistent. Er hätte es weit bringen können und ich bin mir sicher, dass er dies in einem anderen Universum auch getan hat. Aber hier, hier wollte er nicht erkennen, dass es nicht unsere Aufgabe ist, über die Menschen zu richten … Niemand schaffte es, ihn davon zu überzeugen …« Er brach ab und schüttelte den Kopf. »Er benutzte unbemerkt ein heimliches Portal, um in die Welt der Menschen zu gelangen, obwohl dies Schülern natürlich verboten ist… und er machte sich einen Spaß daraus, diese zu ärgern oder sie mit seinen Gedanken dazu zu zwingen, sich selbst Leid zuzufügen.« Justinus schaute Chiara nun wieder direkt in die Augen. Sein Blick bohrte sich so tief in sie, dass sie sich nicht traute, sich wegzudrehen, obwohl sie es gerne getan hätte.
»Es verändert uns, wenn wir uns bösen Trieben hingeben, Chiara. Etwas in uns zerbricht wie ein am Boden zer-splitterndes Glas. Die Teile können nie mehr ohne Lücken zusammengeklebt werden. Als Malum zu einem vollen Boni herangewachsen war, machte er es sich zur Aufgabe, Gleich-gesinnte zu finden und scharrte sie wie Ungeziefer um sich. Heutzutage nennt er sich Master Death und es scheint ihm und seinen Anhängern - den Ratis - gelungen zu sein, sich zu erholen, nachdem wir sie bereits zweimal aufhalten konnten.«
Chiara fühlte sich wie in einen der vielen Actionfilmen, die bei Netflix liefen. Begabter wird zum Bösewicht. Bösewicht versucht Menschheit auszulöschen. Bösewicht verliert am Ende. Schon klar. Nur eine klitzekleine Kleinigkeit passte an der Geschichte nicht: Sie war ein Teil davon.
»Vor siebzig Jahren war er das letzte Mal hier…« Justinus scharrte mit den Füßen. »Unzählige Boni haben ihr Leben in diesem Kampf gegen ihn gelassen. Die Bossius zum Beispiel. Oder Julia.« 
Chiaras Augen weiteten sich. »Das letzte Mal war vor 70 Jahren?«
Toll, dann ist er jetzt ein harmloser Opa, der im Schaukel-stuhl sitzt. Sie schüttelte den Kopf. Meine Entführer sind total irre, dachte sie. 1A Voraussetzungen, um freizu-kommen.
»Wir haben ihn unterschätzt«, fuhr Justinus unbeirrt fort. »Abermals. Er war in das beste Hochsicherheitsgefängnis eingeschlossen worden, das die Boni-Welt kennt - nach Neglecere. Aber er konnte ausbrechen, obwohl es dort - nun, es wurden viele Dinge geschaffen, die es Gefangenen unmöglich machen sollen, jemals wieder den Geruch der Freiheit zu schnuppern.«
So wie ich?
Noch einmal seufzte der Mann. »Du fragst dich nun sicher, warum ich dir dies alles erzähle.«
Offensichtlich.
»Das Schicksal weiß manchmal, wenn wir vor einer großen Herausforderung stehen. Und dann schickt es uns einen ganz besonderen Hüter, der über einmalige Fähigkeiten verfügt. Unsere Geschichtsbücher berichten von vielen mutigen Kämpfern, deren Namen all unsere Kinder kennen.«
»Entschuldigung, aber wolltest du mir nicht erklären, was das mit mir zu tun hat?« Chiara verdrehte die AUgen.
»Du verstehst es wirklich nicht, oder? Du bist eine dieser Personen, Chiara.«
Sie spürte, wie sich ihr Mund öffnete und zwang sich dazu, ihn wieder zu schließen. Dann schüttelte sie den Kopf. »Nein… das ist unmöglich. Ich bin vollkommen normal. Ich habe keine übernatürlichen Fähigkeiten! Ich habe noch nie Dinge mit meinen Gedanken bewegt oder sonst irgendetwas gemacht«, stieß sie hervor. 
Weil es auch vollkommen verrückt wäre und ich nicht verrückt bin.
»Noch nicht.« Justinus lächelte verschmitzt. »Unser Ich ist nur eine Illusion, Mädchen. Alles, was wir als Realität an-sehen, ist nur eine Illusion, die sich innerhalb Zehntel-sekunden ändern kann. Eine sehr weiße Frau von uns hatte eine Vision. Dich hat sie in dieser gesehen. Du bist die Auserwählte, welche unsere eigenen Boni-Kinder an Talent übertrifft. Nur mit deiner Hilfe können wir Malum dieses Mal besiegen, Chiara.«
Chiara glotzte den Mann an. Das kann nicht sein ernst sein… Er spinnt… Er ist total meschugge.
Eine Zehntelsekunde blickte Justinus zu Boden, dann sprach er erneut: »Es tut mir leid, Chiara. Du hast nicht mehr Zeit, um dich an den Gedanken zu gewöhnen. Malum scharrt seine Ratis erneut um sich.“
Ihr Kopf explodierte. Nein. Lügen. Märchen. Sinnloses Zeugs. Ich bin ich und niemand sonst. Wut pochte in ihren Adern.
»Ich bin das nicht. Diese Person bin ich nicht.« Das Gefühl pulsierte immer mehr und arbeitete sich seinen Weg nach oben. »ICH WILL WIEDER NACH HAUSE!«
Justinus guckte mürrisch. »Schrei doch nicht so laut. Du bringst ja die Atome zum Zittern.« Die Falten auf der Stirn vertieften sich, doch das Blut pochte noch immer durch ihre Adern.
»IHR HABT KEIN RECHT, MICH HIER ZU BEHALTEN. DAS IST ENTFÜHRUNG!«, schrie sie so laut sie konnte.
Zu ihrer Überraschung brüllte der Mann nicht zurück. Stattdessen hob er beschwichtigend die Hände. »Das Recht hätten wir nicht, das stimmt. Und daher überlegten wir lange, wie wir dich ansprechen können.«
„DIESER GANZE MALUM QUATSCH INTERESSIERT MICH NICHT. ICH WILL NACH HAUSE!“
»Aber Chiara erinnerst du dich denn nicht daran, was passiert ist?«
Mit geballten Fäusten schüttelte sie den Kopf. Was auch immer es war, es war ihr egal. Sie wollte zurück. Und zwar sofort!
Justinus kam näher und legte ihr eine Hand auf die Schulter, aber sie schüttelte sich wie ein nasser Hund.
»Wir beobachteten dich, Chiara. Auch an diesem Tag. Und als wir vor deinem Haus standen, drangen aufgeregte Stimmen an unser Ohr.«
Stalker!
»Dann wurde die Haustür aufgerissen-«
Und ihr habt mich gepackt und mitgenommen.
»-und du liefst ohne dich umzusehen aus dem Gebäude. Du bemerktest das Auto, welches gerade in die Straße einfuhr, nicht einmal.«
Auto? Von was redet der Spinner?
»Der Fahrer hatte einen schlechten Tag und war in Gedanken versunken. Zuerst stieß er gegen deinen Bauch und schleuderte dich dann auf die Straße, wo du auf den Kopf fielst.«
W—…
»Natürlich riefen deine Eltern sofort den Krankenwagen, aber die Menschen konnten nichts mehr für dich tun. Uns jedoch stehen mehr Möglichkeiten. Daher holten dich unsere Medici zurück und durch mehrere spezielle Tranks gelang es ihnen, dich aufzupäppeln. Den Rest übernahm Oci. Aber verstehst du, Mädchen?« Nun drückte die Hand doch ihren Arm. »Für die menschliche Welt bist du tot. Deine Eltern verlören den Verstand, wenn du plötzlich wieder lebendig vor ihnen ständest, nachdem sie ihre Tochter beerdigten. Das normale menschliche Gehirn kann so etwas nicht verkraften.«
Rechts war links. Kalt war warm.
»A- a -ber. Nein. Das kann nicht sein. N- WIE SOLLEN SIE MICH BEERDIGEN, WENN ICH HIER BIN?«
»Als die Ärzte dich für tot erklärten, sprach Signor Nera einen Gleichheitszauber aus. Deine Eltern beerdigten sozusagen eine Puppe. Eine Illusion. Es tut mir leid, Chiara.«

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Kiara
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BeitragVerfasst am: 17.11.2019 14:51    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo smile
Wenn schon eine Chiara (zwar mit Ch) mitspielt, muss ich es ja auch lesen.
Ich nehme mal den ersten Absatz und dann nur den "fetten" Teil heraus, der dir wichtig zu sein scheint. Sind meine persönlichen Empfindungen mit deinem Text, nimm, was du magst.
Liebe Grüße


Rapunzel hat Folgendes geschrieben:
Es machte ergab klingt schöner keinen Sinn. Es war doch nur ein Sofa. Komma statt Punkt Nicht mehr und nicht weniger. Ein Gegenstand, auf den man sich setzen konnte, ohne mir-nichts-dir-nichts vielleicht fällt dir hierfür eine andere Formulierung ein, das liest sich eigenartig vor einem Monster zu landen.

Es machte dasselbe wie oben keinen Sinn. Nichts davon. Nada. Niente. Null. Das klingt abgedroschen, ausgelutscht.
Absatz»Er ist davon überzeugt, dass das Böse im Menschen über-wiegt und sie keine Daseinsberechtigung haben.« Justinus Augen schweiften in die Leere. »Als er so alt war wie du jetzt Komma? wurde er mein Schülerassistent. Er hätte es weit bringen können und ich bin mir sicher, dass er dies in einem anderen Universum auch getan hat. Aber hier, hier wollte er nicht erkennen, dass es nicht unsere Aufgabe ist, über die Menschen zu richten … Niemand schaffte es, ihn davon zu überzeugen …« Er brach ab und schüttelte den Kopf. »Er lieber den Namen Malum erneut benutzte unbemerkt ein heimliches Portal, um in die Welt der Menschen zu gelangen, obwohl dies Schülern natürlich verboten ist… und er machte sich einen Spaß daraus, diese zu ärgern oder sie mit seinen Gedanken dazu zu zwingen, sich selbst Leid zuzufügen.«
Absatz Justinus schaute Chiara nun nun streichen wieder direkt in die Augen. Sein Blick bohrte sich so tief in sie, dass sie sich nicht traute, sich wegzudrehen, obwohl sie es gerne getan hätte. Seine Stimme durchdrang Chiara oder so etwas, als er sagte? +Absatz weg »Es verändert uns, wenn wir uns bösen Trieben hingeben, Chiara. Etwas in uns zerbricht wie ein am Boden zer-splitterndes Glas. Die Teile können nie mehr ohne Lücken zusammengeklebt werden. Als Malum zu einem vollen Boni herangewachsen war, machte er es sich zur Aufgabe, Gleich-gesinnte zu finden und scharrte sie wie Ungeziefer um sich. Heutzutage nennt er sich Master Death und es scheint ihm und seinen Anhängern - den Ratis - gelungen zu sein, sich zu erholen, nachdem wir sie bereits zweimal aufhalten konnten.«
Chiara fühlte sich wie in einen der vielen Actionfilmen, die bei Netflix liefen. Begabter wird zum Bösewicht. Bösewicht versucht Menschheit auszulöschen. Bösewicht verliert am Ende. Schon klar. Nur eine klitzekleine Kleinigkeit passte an der Geschichte nicht: Sie war ein Teil davon.
Justinus erzählt ihr viel zu viel, meine ich. Er weiß doch, wie Menschen auf solche Dinge reagieren, oder? Er macht sich mir unsympathisch, wenn er hier die Chiara so übertölpelt. Gleichzeitig ist Chiara viel zu reflektiert, sie denkt darüber nach usw... die gesamte Szene ist schwierig zu schreiben, denn meines Erachtens muss Chiara schockiert sein, passiv, zurückhaltend, ihre Gedanken nicht fassend. Justinus sollte das aber erkennen und sie nicht mit Infos zumüllen. Das aber würde die Szene kürzen. Du kannst das umgehen, in dem du dem Leser Halt gibst und Justinus und Chiara irgendetwas in der "realen" Welt tun. Lass sie aus dem Raum heraus, oder lass Chiara etwas essen, sich mit Handlungen ablenken, einer Sucht nachgeben usw. - mir als Leser wäre ein Halt recht, um diese gesamte Infoflut bewältigen zu können. Noch lieber wäre es mir aber, wenn diese Infos in den nächsten hundert Seiten einfließen und nicht geballt auf mich einstürzen. Das kann auch die Spannung hochhalten, als wenn alles erklärt wird - oder versucht wird, zu erklären. Dennoch, es ist deine Geschichte smile
»Vor siebzig Jahren war er das letzte Mal hier…« Justinus scharrte mit den Füßen. »Unzählige Boni haben ihr Leben in diesem Kampf gegen ihn gelassen. Die Bossius zum Beispiel. Oder Julia.« 
Chiaras Augen weiteten sich. »Das letzte Mal war vor 70 Jahren?«
Toll, dann ist er jetzt ein harmloser Opa, der im Schaukel-stuhl sitzt. Sie schüttelte den Kopf. Meine Entführer sind total irre, dachte sie. 1A Voraussetzungen, um freizu-kommen.
Das ist echt zu reflektiert, zu sehr auf "lustig" getrimmt. Aber vielleicht Geschmackssache.
»Wir haben ihn unterschätzt«, fuhr Justinus unbeirrt fort. »Abermals. Er war in das beste Hochsicherheitsgefängnis eingeschlossen worden, das die Boni-Welt kennt - nach Neglecere. Aber er konnte ausbrechen, obwohl es dort - nun, es wurden viele Dinge geschaffen, die es Gefangenen unmöglich machen sollen, jemals wieder den Geruch der Freiheit zu schnuppern.«
So wie ich?
Noch einmal seufzte der Mann. »Du fragst dich nun sicher, warum ich dir dies alles erzähle.«
Ja, es ist nämlich viel zu viel für den Anfang.
Offensichtlich.
...
»Ich bin das nicht. Diese Person bin ich nicht.« Das Gefühl pulsierte immer mehr und arbeitete sich seinen Weg nach oben. »ICH WILL WIEDER NACH HAUSE!«
Das ist das Gefühl, das viel früher kommen sollte. Nicht die Lächerlichkeit, die kommt vielleicht ganz kurz, aber danach die Wut, geballte Emotionen, die raus müssen. Nix beherrscht und so. Dennoch: Großgeschriebene Wörter würde ich ganz sparsam verwenden, niemals einen ganzen Satz. Das Ausrufezeichen und eine Erklärung in einem Beisatz reichen völlig aus.
...


Es sind einige Trennstriche vorhanden, aber die ignoriere ich, da sie wohl von deinem Dokument stammen.


_________________
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Rapunzel
Sonntagsschreiber


Beiträge: 27



BeitragVerfasst am: 17.11.2019 15:02    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Kiara hat Folgendes geschrieben:
Hallo smile
Wenn schon eine Chiara (zwar mit Ch) mitspielt, muss ich es ja auch lesen.
Ich nehme mal den ersten Absatz und dann nur den "fetten" Teil heraus, der dir wichtig zu sein scheint. Sind meine persönlichen Empfindungen mit deinem Text, nimm, was du magst.
Liebe Grüße


Rapunzel hat Folgendes geschrieben:
Es machte ergab klingt schöner keinen Sinn. Es war doch nur ein Sofa. Komma statt Punkt Nicht mehr und nicht weniger. Ein Gegenstand, auf den man sich setzen konnte, ohne mir-nichts-dir-nichts vielleicht fällt dir hierfür eine andere Formulierung ein, das liest sich eigenartig vor einem Monster zu landen.

Es machte dasselbe wie oben keinen Sinn. Nichts davon. Nada. Niente. Null. Das klingt abgedroschen, ausgelutscht.
Absatz»Er ist davon überzeugt, dass das Böse im Menschen über-wiegt und sie keine Daseinsberechtigung haben.« Justinus Augen schweiften in die Leere. »Als er so alt war wie du jetzt Komma? wurde er mein Schülerassistent. Er hätte es weit bringen können und ich bin mir sicher, dass er dies in einem anderen Universum auch getan hat. Aber hier, hier wollte er nicht erkennen, dass es nicht unsere Aufgabe ist, über die Menschen zu richten … Niemand schaffte es, ihn davon zu überzeugen …« Er brach ab und schüttelte den Kopf. »Er lieber den Namen Malum erneut benutzte unbemerkt ein heimliches Portal, um in die Welt der Menschen zu gelangen, obwohl dies Schülern natürlich verboten ist… und er machte sich einen Spaß daraus, diese zu ärgern oder sie mit seinen Gedanken dazu zu zwingen, sich selbst Leid zuzufügen.«
Absatz Justinus schaute Chiara nun nun streichen wieder direkt in die Augen. Sein Blick bohrte sich so tief in sie, dass sie sich nicht traute, sich wegzudrehen, obwohl sie es gerne getan hätte. Seine Stimme durchdrang Chiara oder so etwas, als er sagte? +Absatz weg »Es verändert uns, wenn wir uns bösen Trieben hingeben, Chiara. Etwas in uns zerbricht wie ein am Boden zer-splitterndes Glas. Die Teile können nie mehr ohne Lücken zusammengeklebt werden. Als Malum zu einem vollen Boni herangewachsen war, machte er es sich zur Aufgabe, Gleich-gesinnte zu finden und scharrte sie wie Ungeziefer um sich. Heutzutage nennt er sich Master Death und es scheint ihm und seinen Anhängern - den Ratis - gelungen zu sein, sich zu erholen, nachdem wir sie bereits zweimal aufhalten konnten.«
Chiara fühlte sich wie in einen der vielen Actionfilmen, die bei Netflix liefen. Begabter wird zum Bösewicht. Bösewicht versucht Menschheit auszulöschen. Bösewicht verliert am Ende. Schon klar. Nur eine klitzekleine Kleinigkeit passte an der Geschichte nicht: Sie war ein Teil davon.
Justinus erzählt ihr viel zu viel, meine ich. Er weiß doch, wie Menschen auf solche Dinge reagieren, oder? Er macht sich mir unsympathisch, wenn er hier die Chiara so übertölpelt. Gleichzeitig ist Chiara viel zu reflektiert, sie denkt darüber nach usw... die gesamte Szene ist schwierig zu schreiben, denn meines Erachtens muss Chiara schockiert sein, passiv, zurückhaltend, ihre Gedanken nicht fassend. Justinus sollte das aber erkennen und sie nicht mit Infos zumüllen. Das aber würde die Szene kürzen. Du kannst das umgehen, in dem du dem Leser Halt gibst und Justinus und Chiara irgendetwas in der "realen" Welt tun. Lass sie aus dem Raum heraus, oder lass Chiara etwas essen, sich mit Handlungen ablenken, einer Sucht nachgeben usw. - mir als Leser wäre ein Halt recht, um diese gesamte Infoflut bewältigen zu können. Noch lieber wäre es mir aber, wenn diese Infos in den nächsten hundert Seiten einfließen und nicht geballt auf mich einstürzen. Das kann auch die Spannung hochhalten, als wenn alles erklärt wird - oder versucht wird, zu erklären. Dennoch, es ist deine Geschichte smile
»Vor siebzig Jahren war er das letzte Mal hier…« Justinus scharrte mit den Füßen. »Unzählige Boni haben ihr Leben in diesem Kampf gegen ihn gelassen. Die Bossius zum Beispiel. Oder Julia.« 
Chiaras Augen weiteten sich. »Das letzte Mal war vor 70 Jahren?«
Toll, dann ist er jetzt ein harmloser Opa, der im Schaukel-stuhl sitzt. Sie schüttelte den Kopf. Meine Entführer sind total irre, dachte sie. 1A Voraussetzungen, um freizu-kommen.
Das ist echt zu reflektiert, zu sehr auf "lustig" getrimmt. Aber vielleicht Geschmackssache.
»Wir haben ihn unterschätzt«, fuhr Justinus unbeirrt fort. »Abermals. Er war in das beste Hochsicherheitsgefängnis eingeschlossen worden, das die Boni-Welt kennt - nach Neglecere. Aber er konnte ausbrechen, obwohl es dort - nun, es wurden viele Dinge geschaffen, die es Gefangenen unmöglich machen sollen, jemals wieder den Geruch der Freiheit zu schnuppern.«
So wie ich?
Noch einmal seufzte der Mann. »Du fragst dich nun sicher, warum ich dir dies alles erzähle.«
Ja, es ist nämlich viel zu viel für den Anfang.
Offensichtlich.
...
»Ich bin das nicht. Diese Person bin ich nicht.« Das Gefühl pulsierte immer mehr und arbeitete sich seinen Weg nach oben. »ICH WILL WIEDER NACH HAUSE!«
Das ist das Gefühl, das viel früher kommen sollte. Nicht die Lächerlichkeit, die kommt vielleicht ganz kurz, aber danach die Wut, geballte Emotionen, die raus müssen. Nix beherrscht und so. Dennoch: Großgeschriebene Wörter würde ich ganz sparsam verwenden, niemals einen ganzen Satz. Das Ausrufezeichen und eine Erklärung in einem Beisatz reichen völlig aus.
...


Es sind einige Trennstriche vorhanden, aber die ignoriere ich, da sie wohl von deinem Dokument stammen.


Liebe Namensvetterin meiner Heldin - vielen Dank! All deine Anmerkungen sind sinnvoll und hilfreich.
Die Idee, eine Handlung um die ganze Sache zu legen, macht es sicherlich einfacher.  Vielleicht lasse ich sie tatsächlich etwas essen. Chiara freundet sich später mit einem Jungen an, der ihr sicherlich auch noch etwas über Master Death erzählen kann. Vielleicht sollte sich Justinus darauf begrenzen, ihr zu sagen, warum sie da ist... und das wars dann auch.
Die Rückmeldung hat mir auf jeden Fall geholfen und ich werde sie sicherlich umsetzen und die Version dann hier online stellen.
Ist es denn insgesamt in Ordnung, dass sie für die menschliche Welt als verstorben gilt? Hier bin ich mir nicht sicher, ob das glaubwürdig ist...
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Kiara
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 40
Beiträge: 800
Wohnort: bayerisch-Schwaben


BeitragVerfasst am: 17.11.2019 15:11    Titel: Antworten mit Zitat

Das kommt nicht so raus, finde ich. Es wäre auch zu viel. Ich als Justinus würde sie auch gar nicht damit konfrontieren. Und du als Schreiber kannst diesen "Hammer" später immer noch einwerfen smile

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MosesBob
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Administrator
Alter: 39
Beiträge: 20160

Das Goldene Pfand DSFo-Sponsor



BeitragVerfasst am: 17.11.2019 15:56    Titel: Antworten mit Zitat

Nabend!

ich habe die beiden Threads zusammengeführt. Pro Geschichte sehen wir im dsfo nur einen Thread vor. smile

Viele Grüße,

Martin


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