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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Die Sanguenritter


 

 
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Wolfin
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 127
Wohnort: Duisburg


BeitragVerfasst am: 21.04.2016 13:24    Titel: Die Sanguenritter eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich habe mich schon vor langer Zeit mit Fantasy beschäftigt. So langsam nimmt meine Geschichte Formen an. Ich möchte hier einmal Kapitel 2 einstellen, um Eure Meinung zu lesen. Zur Geschichte: Natürlich geht es mal wieder um den Kampf zwischen Gut und Böse, wobei die Grenzen aber verschwimmen. Es gibt auf der Welt Ganlies zwei Machtbereiche, die westlichen Königreiche, auch Union genannt und das Reich des Magistrats. Die Hauptfigur in Kapitel 2 ist Ta´elga, eine junge Waldelfe, die kurz nach ihrer Reife von Schergen des Magistrats entführt wurde und auf der Festung Acceras zur Sanguenritterin ausgebildet wurde. Bei ihrer Entführung wurde ihr Gedächtnis von den Herrschern des Magistrats gelöscht. 30 Jahre hat sie mit ihrem Lehrer Aaghyl, auch ein Sanguenritter, auf der Festung Acceras verbracht und zahlreiche Schlachten geschlagen. Eines Tages wurde Ta´elga durch einen Zauber befreit und hat auf der Seite der Union die Festung Acceras besiegt. Nun ist sie auf der Suche nach ihrer Vergangenheit. Das Kapitel 2 beschreibt ihre Reise nach Minae, der Hauptstadt der Union. Es geht also los:

Kapitel 2
Ta´elga - Minae
»Ich habe noch jede Frisur hinbekommen.«
(Jasper Scharfschere, Barbier aus Minae.)

Die Festung Acceras befand sich in einem riesigen Bergmassiv auf dem Kontinent Tellus.
Schon vor Urzeiten war sie gebaut und von dunkler Magie geschützt worden.
Das mächtige Blaugratgebirge trennte die westlichen Königreiche von den Ländern des Magistrats. Wie ein dunkler Schatten thronte die ehemalige Terrorzentrale des Magistrats in den Bergen. Sie hatte den Sanguenrittern als Heimat und Stützpunkt gedient.

Ta´elga begann ihre Reise von der Festung Acceras aus. Bevor sie den Flugmeister aufsuchte, wollte die Sanguenritterin sich hier noch einmal umsehen.
Ta´elga hoffte, sie würde hierhin niemals zurückkehren.
Sie verließ ihre Zelle, die ihr in den letzten Jahren als Unterkunft gedient hatte. An den grauen Wänden gab es weder Bilder noch irgendwelche anderen schmückenden Dinge. Der Raum war lediglich mit einem Bett, einem Stuhl, einem Tisch und einem Schrank eingerichtet. Eine Tür führte in die kleine Nasszelle.
In diesem kargen Zimmer hatte Ta´elga, zwischen ihren Trainingsstunden, den Kämpfen und Schlachtzügen, mehr gehaust als gewohnt.
Nichts in diesem Raum deutete mehr darauf hin, dass sie hier einmal viel Zeit verbracht hatte.
Im Magistrat durfte sich Individualismus nur bei den Kriegskünsten zeigen.
Sie ging noch einmal durch die Übungsarenen, in denen sie von erfahrenen Magiern und Kriegern des Magistrats in die Kampfkunst eingewiesen worden war.
Jetzt wirkte alles wie ausgestorben. Niemand war zu sehen, außer ein paar Wachen.
Zur Zeit der Herrschaft des Magistrats hatte es hier nur so vor Wesen und Untoten gewimmelt.
Ta´elga hatte hier mit den anderen Sanguenrittern und ihren Lehrern gelebt. Sie hatten ihre Kampftechniken an den Untoten geübt, sei es mit Waffen oder mit Magie.
Ta´elga vermisste diese Zeit hier nicht, aber ein wenig Wehmut erfüllte das Herz der Ritterin doch. Es hatte hier einen Sanguenritter gegeben, mit dem sie viele Schlachten gemeinsam gefochten und zu dem sie sich sehr hingezogen gefühlt hatte. Aaghyl war sein Name gewesen. Sie wusste nicht, was aus ihm geworden war. Falls sie sich jemals wiedersahen, würden sie Feinde sein.

Obwohl die Union jetzt hier das Sagen hatte, war Acceras immer noch ein ungemütlicher Ort. Grau und trist. Das fiel ihr erst jetzt so richtig auf, wo sie befreit war.
»Ich hoffe, diese Festung wird wohnlicher, jetzt wo sie im Besitz der westlichen Königreiche ist.«
Sie ging eine breite Treppe hinauf und erreichte die Abflugrampe, auf der Grollflügels Horst war. Grollflügel war ein geläuterter Cwok, der sich auf ein Leben in der Union eingerichtet hatte.
Er war schon zu Zeiten des Magistrats ein Flugmeister gewesen.
Allerdings gab es im Magistrat keine Greife als Flugtiere, sondern untote Flugdrachen.
Bei dem Gedanken an diese abscheulichen Wesen, die eine Ausgeburt an Hässlichkeit gewesen waren und einen fürchterlichen Gestank verbreitet hatten, lief Ta´elga immer noch ein Schauer über ihren Rücken. Sie hatte es immer vermieden, mit diesen Wesen zu fliegen.
Der Kommandeur der Unionstruppen hatte Grollflügel einige Greife überlassen, damit er sein Geschäft weiter betreiben konnte.
Greife waren in den westlichen Königreichen die bevorzugten Flugtiere.
Einen Moment hielt Ta´elga inne, bewunderte die beeindruckenden Flugtiere, die hier auf ihren nächsten Einsatz warteten. Gerne hätte sie so einen Greif ihr Eigen genannt. Sie waren Geschöpfe mit einem Vogelkopf und einem katzenähnlichen Körper. Sie waren etwa pferdegroß und hatten ein wunderschönes bunt schillerndes, kurzes Fell.
Grollflügel sah Ta´elga an.
»Du willst die Festung also verlassen. Wo soll es denn hingehen?«
Seine hohe Stimme klang in Ta´elgas Ohren unangenehm. Sie hatte Cwoks nie gemocht, sie waren klein, dünn und haarlos. Sie kannten keine Ehre.
Der Flugmeister fuchtelte mit seinen dürren, langen Armen in der Luft herum.
Auch wenn Grollflügel jetzt zur Union gehörte wie sie selbst auch, traute sie ihm nicht über den Weg.
»Ich möchte in die Hauptstadt der Union reisen, nach Minae.«
»Von einem direkten Flug dorthin würde ich dir abraten. Wir gehören jetzt zwar alle zur großen Unionsfamilie, aber Sanguenritter sind dort bestimmt nicht so willkommen.«
»Was also schlägst du vor?«, fragte die Ritterin ungeduldig und etwas genervt.
»Einige Kilometer vor der Hauptstadt, in einem Dorf Namens Silberhain, gibt es eine Station für Greife. Fliege zuerst dorthin«, schlug der Flugmeister vor.
»Warum gerade dorthin?«
»Ich an deiner Stelle würde zuerst etwas Abstand vom Machtzentrum unseres ehemaligen Feindes halten wollen. Vorsicht ist besser als Nachsicht. So hast du erst einmal Gelegenheit dich darüber zu informieren, was dich erwartet.«
Auch wenn es Ta´elga schwerfiel, musste sie zugeben, dass der Cwok nicht ganz unrecht hatte.
»Gut, dann auf nach Silberhain!«
Sie gab dem Flugmeister ein paar Münzen und schon ging es los in Richtung Silberhain.

Ta´elgas Flug ging über hohe, schneebedeckte Berge, weite Steppen und dichte Wälder.
Die westlichen Königreiche waren nur sehr dünn besiedelt. Ab und zu sah sie ein kleines Dorf oder eine einsame Hütte unten am Boden.
Ta´elga genoss den Flug auf dem Greif. Sie spürte den Wind auf ihrer Haut und in ihren Haaren. Zum ersten Mal, seit ihrer Befreiung, fühlte sie sich wirklich frei.
Ta´elga überlegte, was sie über Minae wusste.
Sie war die Hauptstadt der Union, die Perle der westlichen Königreiche. Dort gab es alles, was das Herz begehrte. Speis und Trank, Ausrüstung und Waffen, die feinsten Stoffe, magische Essenzen jeglicher Art.
In Minae war das Leben wie ein immerwährendes, fröhliches Fest, so wurde erzählt. Dort würde sie am ehesten an für sie nützliche Informationen kommen.

Der Greif flog eine lang gezogene Rechtskurve. Ta´elga erkannte unter sich die großen Tore von Stahlhammer, der großen Rüstungs- und Waffenschmiede der Union.
Sie war in das gewaltige Bergmassiv gebaut worden, welches sich quer über den ganzen Kontinent zog und in dem auch Acceras zu finden war. Hier wurden die Waffen für die Streitkräfte der westlichen Königreiche und deren Verbündete hergestellt.
Plötzlich nahm Ta´elga in der Ferne einen goldenen Schimmer über dem Horizont wahr. Das Flugtier näherte sich Minae.
Bald darauf sah Ta´elga die ersten Türme und Zinnen der Hauptstadt der Union, auf deren kupfernen Dächern sich das Sonnenlicht spiegelte.
Bevor sie die Stadt erreichten, schwenkte der Greif wiederum in eine Rechtskurve ein, weg von der Hauptstadt. Sie überflogen jetzt einen dichten Wald.
Das war der Wald von Gallwyn, in dem das Dorf Silberhain lag. Die dichten Baumkronen verhinderten eine Sicht auf den Boden. Gelegentlich überflogen sie einige Lichtungen, auf denen Bauernhöfe oder Seen zu sehen waren.
Das Flugtier ging in den Sinkflug über. Vor sich sah Ta´elga die ersten Häuser des Dorfes. Das Flugwesen steuerte den Greifenhorst von Silberhain an.
»Ich bin da. Meine Suche kann beginnen.«
Ta´elga war aufgeregt. Sie atmete tief durch und schaute sich um.
Sie ließ die ungewohnten Laute und Gerüche auf sich einwirken, irgendwo lachten ein paar Kinder.
»Wo soll ich anfangen?«
Der Greifenhorst befand sich am Rand eines großen Platzes, der von einigen niedrigen, ziegelbedeckten Häusern eingerahmt war.
Ta´elga gegenüber befand sich ein Gasthaus. »Zur Silbermine« konnte sie auf einem reich verzierten, silbernen Schild lesen.
Zur ihrer Rechten stand eine Schmiede, in der ein Hammer mit Dampf betrieben wurde. Deutlich konnte sie die Schläge des Schmiedehammers hören. Der Boden vibrierte im Takt der Schmiede.
Ihr Blick fiel auf ein lang gestrecktes Gebäude aus roten Ziegeln und mit großen Fenstern. »Markthalle von Silberhain« stand in großen Lettern über dem Eingang.
Unbefestigte Straßen führten in verschiedene Richtungen vom Platz weg.
Passanten liefen kreuz und quer über den Platz. Einige sahen Ta´elga kurz an, beachteten sie aber nicht weiter. Alle schienen irgendwelchen wichtigen Beschäftigungen nachzugehen.
Die Ritterin beschloss, zuerst die Markthalle aufzusuchen. Sie wusste, dass Märkte immer und überall als Informationsbörsen dienten.
»Dort kann ich am ehesten etwas erfahren, was mir irgendwie weiterhilft.«

Gespannt betrat sie die Halle. Ta´elga war im Magistrat nie auf einem Markt gewesen, dafür hatten Krieger keine Zeit.
Durch die großen Dachfenster schien das Sonnenlicht. Viele Händler hatten in der Halle ihre Stände aufgestellt und boten lautstark ihre Waren feil.
Es herrschte ein quirliges Treiben. Hier gab es Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, lebende Tiere und Gewürze.
Ta´elga schlenderte von Stand zu Stand und betrachtete neugierig die Auslagen. Die Ritterin war fasziniert von dem Markt.
Das Gedränge, die Geräusche und die vielen verschiedenen Gerüche empfand sie als sehr belebend. Einige Händler hatten ihre Früchte und ihr Gemüse derart ausgelegt, dass Bilder entstanden waren, die Landschaften oder Szenen von Bauernhöfen zeigten.
Viele Verkäufer hatten aus ihren Gewürzen realistisch aussehende Regionen der westlichen Königreiche nachgebaut.
Ta´elga kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Im Magistrat war ein solcher Überfluss an Nahrung nicht bekannt. An vielen Ständen durfte sie von den angebotenen Köstlichkeiten probieren.
Nach vielen Jahren des Darbens im Magistrat war dieser Markt eine Orgie der Sinne.
Die Gefühle, die Ta´elga in diesem Moment durchströmten, waren unbeschreiblich.
Irgendwann erreichte sie einen Bereich, der etwas dunkler war als die übrige Halle. In einer Ecke entdeckte sie einen kleinen Stand, hinter dem eine alte, weißhaarige Menschenfrau stand. Auf dem Tisch vor der Frau lagen, säuberlich aufgereiht, unzählige Kugeln aus farblosem Glas. Sie waren etwa hühnereigroß. Ta´elga trat näher und betrachtete sie.
»Welche Bedeutung haben diese Glaskugeln?«
»Oh, das sind nicht nur einfach Glaskugeln, das sind Bindungsperlen«, antwortete die Frau geheimnisvoll.
»Bindungsperlen? Was bedeutet das?«
»Eine Bindungsperle hilft dir in der Not, wenn du keinen Ausweg mehr weißt. Sie ist mit Magie gefüllt. Du kannst dir keine aussuchen, die Perle sucht sich ihren Besitzer selbst aus. Komm, versuche es«, forderte die Frau Ta´elga auf und zeigte auf die Reihen der Kugeln.
Ta´elga nahm einer der Perlen in die Hand, aber nichts passierte.
»Versuche es weiter.«
Die Ritterin nahm eine Kugel nach der anderen in ihre Hand, immer mit dem gleichen Ergebnis, es passierte nichts. So langsam verlor sie die Lust an den Perlen.
»Gib nicht auf, Kriegerin.«
Verwundert hielt Ta´elga inne. Sie war nicht bewaffnet und trug nur ein schlichtes, graues Kleid.
»Woher weißt du, dass ich eine Kriegerin bin?«
»Manche Dinge lassen sich nun mal nicht verbergen. Ich bin eine recht gute Beobachterin. Also, möchtest du es noch einmal versuchen?«
Ta´elga betrachtete die Perlen auf dem Tisch noch einmal. Dann entschied sie sich für eine Glaskugel, die ziemlich genau in der Mitte lag.
Sobald sie diese Glasperle in der Hand hielt, begann die Kugel in einem mehrfarbigen, irisierenden Licht zu leuchten, gleichzeitig verspürte Ta´elga am ganzen Körper ein angenehmes Prickeln.
Sie schaute sich überrascht um, aber scheinbar hatte keiner der Marktbesucher und Händler etwas von den Vorgängen am Stand der alten Frau bemerkt.
»Wie ich sehe, habt ihr euch gefunden«, rief die Menschenfrau freudig aus und klatschte dabei in ihre Hände.
»Was soll ich jetzt tun?«
»Die Perle ist jetzt eine Bindung mit dir eingegangen. Stecke sie ein. Die Kugel wird dir helfen, wenn deine Not und Verzweiflung am Größten ist, aber nur dann und nur einmal. Danach ist ihre Magie verbraucht.«
Ta´elga konnte sich nicht erinnern, ob sie früher schon Bindungsperlen kannte, im Magistrat gab es keine. Sie fragte nach dem Preis für die Bindungsperle.
»Normalerweise kostet eine Bindungsperle zwei Silbermünzen, dir überlasse ich sie für einen Silberling.«
Ta´elga wurde argwöhnisch.
»Warum gibst du mir die Perle für die Hälfte des üblichen Preises?«
»Ich sehe dir an, dass du Schreckliches durchmachen musstest. Du bist auf der Suche nach irgendetwas. Ich hoffe es zwar nicht, ich ahne aber, dass du die Bindungsperle eines Tages brauchen wirst.«
»Weißt du noch mehr von mir?«
»Nein, Kriegerin. Nur, dass du nicht weiter in Silberhain verweilen solltest. Hier gibt es nichts, dass dir bei deiner Suche helfen könnte. Gehe nach Minae, dort findest du eher etwas.«
Ta´elga sah die alte Menschenfrau eine Weile nachdenklich an. Dann verbeugte sie sich.
»Ich danke dir. Ich wünsche dir ein gesundes und langes Leben«, verabschiedete sie sich von der Frau.
»Ich wünsche dir viel Erfolg. Mögest du finden, wonach du suchst.«
Ta´elga hielt sich nicht weiter auf, sie schob sich durch das Gedränge der Marktbesucher und Händler in Richtung Ausgang. Sie verließ die Markthalle und stand wieder auf dem Dorfplatz.
Sie entdeckte einige Hinweisschilder. Eins davon wies in Richtung der Hauptstadt.
Da die Entfernung nach Minae nicht allzu groß war, entschloss sich die Ritterin dazu, den Weg zu Fuß zurückzulegen.

Die Straße zur Hauptstadt führte durch den Wald von Gallwyn. Hohe Bäume standen rechts und links am Wegesrand, ihre Kronen berührten sich über der Mitte der Straße und bildeten ein Dach aus Blättern.
Eine kurze Erinnerung blitzte in der Sanguenritterin auf. So schnell, wie der Gedanke gekommen war, entschwand er auch wieder. Die Kriegerin versuchte ihn festzuhalten, doch es gelang ihr nicht.
Hin und wieder kam Ta´elga an einer Abzweigung vorbei, die zu einem der Bauernhöfe führte, die es hier in Gallwyn gab. Einige davon hatte Ta´elga schon aus der Luft gesehen.
Viele unterschiedliche Pflanzen, große und kleine, standen sehr dicht zwischen den Bäumen und bildeten einen dichten Dschungel, sodass ein Blick in das Innere des Waldes nicht möglich war.
Nach einigen Kilometern kam Ta´elga an einen breiten Fluss. Die Straße führte über eine Holzbrücke. Vom anderen Flussufer erstreckte sich eine Wiese bis zur Stadtmauer.
Wie ein mächtiges Gebirge erstreckte sich die Mauer scheinbar endlos nach rechts und nach links.
Die übrig gebliebenen Baumstümpfe auf der Wiese zeugten davon, dass der Wald einst bis zur Stadtgrenze Minaes gereicht hatte.
Nichts behinderte Ta´elgas Blick auf die Mauer der Hauptstadt.
Diese erhob sich gut fünfzig Meter empor. Am oberen Ende der Mauer waren die für Minae typischen Kupferplatten befestigt. Hoch oben, auf dem Wehrgang, sah die Ritterin einige Soldaten.
Ta´elga überquerte die Brücke und ging auf das riesige Tor zur Hauptstadt zu. Die beiden eisernen Torflügel standen weit offen. Am Fuße des Eingangs zur Stadt standen Wachsoldaten.
Die Ritterin wurde langsamer.
»Lassen mich die Wachen unbehelligt passieren?«
Sie ging weiter, bemüht ihre Nervosität nicht zu zeigen. Die Soldaten am Tor warfen ihr nur einen kurzen Blick zu, dann beachteten sie die Ritterin nicht weiter.
Die Straße bestand jetzt aus großen Steinplatten. Ta´elgas Blick fiel sofort auf die großen Statuen aus Stein, die an den Rändern der Straße gut zwanzig Meter in die Höhe ragten.
Sie zeigten Krieger aus den verschiedenen Völker der Union.
Die Straße endete an einer zweiten Mauer, welche die Stadt umgab.
Nahe dem Zugang zur Stadt stand die Skulptur eines Königs. Ehrfurcht gebietend schaute er auf sein Volk. Inmitten der beeindruckenden Standbilder, kam Ta´elga sich sehr unbedeutend und klein vor.
Von hier aus konnte sie die Trümmer zweier Türme sehen, die einst von den Kriegern des Magistrats zerstört worden waren. Ta´elga hatte nie an den Angriffen auf die Hauptstadt teilgenommen, der Anblick der Ruinen bedrückte sie aber. Sie fühlte sich schuldig.

Ta´elga ging schnell weiter. Sie wollte auf andere Gedanken kommen.
Sie betrat einen Tunnel, der durch die zweite Stadtmauer führte. Nach wenigen Metern verließ sie das schützende Bauwerk durch den Ausgang, welcher mit einem stählernen Gittertor verschlossen werden konnte. Jetzt war das Tor hochgefahren, sodass jeder Minae betreten und verlassen konnte. Ta´elga hatte ihr erstes Ziel erreicht, die Hauptstadt der Union, Minae, die Perle der westlichen Königreiche.
Sie traf auf eine Menschenfrau in einer glänzenden, blau-silbernen Rüstung, die auf einem prächtigen Pferd saß. Diese sah Ta´elga an und lächelte.
»Warum lächelt sie mich so freundlich an, kennt sie mich etwa?«
Ta´elga war stehen geblieben. Nun fasste sie sich ein Herz und ging auf die Reiterin zu.
»Ich grüße dich, mein Name ist Ta´elga, ich bin eine Reisende. Kannst du mir ein paar Auskünfte geben?«
»Willkommen in Minae, Ta´elga. Ich bin Leutnant Nancy Revion, die Ordonnanzoffizierin des Königs.«
»Ich benötige einige Informationen. Ich bin das erste Mal hier und weiß nicht, wo ich beginnen soll. Ich komme geradewegs von der Festung Acceras. In einem langen und blutigen Kampf haben wir das Bollwerk des Bösen besiegt«, sagte sie, nicht ohne Stolz in ihrer Stimme.
»Ja, Ta´elga, das ist mir bekannt«, sprach die Offizierin anerkennend.
Ta´elga blickte die Kriegerin überrascht an.
»Seltsam. Wer hat hier von meinen Taten erzählt?«
»Mir wurde aufgetragen, dir den Waffenring Minaes zu übergeben.«
»Mir? Bist du sicher? Wer betrachtet mich würdig genug, dass Zeichen der Union zu tragen?«
»Im Kampf um die Festung Acceras hast du mehr als deutlich bewiesen, dass du nun auf der Seite der Union kämpfst. Du hast diesen Ring verdient, der nur von den besten Kämpfern der Union getragen werden darf«, zerstreute Leutnant Revion ihre Bedenken.
Obwohl sie sich nicht ganz wohl dabei fühlte, nahm Ta´elga den Waffenring gerne an. Dieser war aus schwerem Gold und zeigte das Wappen von Minae.
Fortan trug sie das Symbol der westlichen Königreiche an ihrer rechten Hand.
»Gehe zuerst in das Besucherhaus der Stadt, dort erfährst du mehr über die Hauptstadt der westlichen Königreiche«, empfahl die Ordonnanz.
»Vielen Dank, Nancy.«
Mit einer Verbeugung verabschiedete sich Ta´elga. Sie ahnte, dass sie von Nancy Revion nichts mehr erfahren würde.
»Lebe wohl, Ritterin. Ich wünsche dir viel Glück.«

Wie empfohlen betrat Ta´elga zuerst das Besucherhaus. Dort, an einer Wand, entdeckte sie eine Karte Minaes.
Ta´elga studierte diese gründlich und prägte sich die wichtigsten Details der Stadt ein.
Minae war in mehrere Bezirke aufgeteilt: die Altstadt, die Burg Zephyrus, der Zwergenbezirk, der Zaubererbezirk, der Domplatz, der Hafen und der Händlerbezirk, wo sich das Besucherhaus befand.
Die einzelnen Stadtteile waren durch dicke Mauern voneinander getrennt. Durch große, mit schweren Holztüren verschließbare Durchgänge, gelangte man von einem Bezirk zum anderen.
Die Dächer der Mauern, Zinnen, Türme und Gebäude waren mit Kupferplatten bedeckt, die einen guten Schutz gegen Brandpfeile oder Feuerzauber boten. Der Schein dieser Kupferdächer, die das Sonnenlicht reflektierten, verlieh Minae den Beinamen: die Goldene Stadt.
Ta´elga beschloss, sich zuerst den Händlerbezirk anzusehen. Sie verspürte große Lust, durch die Gassen zu schlendern und durch die Läden zu stöbern, sich die Stoffe, Geschmeide, Lederwaren und was sonst noch von den Händlern dargeboten wurde anzusehen.

Ein Duft, den sie schon lange nicht mehr gerochen hatte, kitzelte in ihrer Nase. Es war das verführerische Aroma von frischgebackenem Brot.
Die Ritterin schaute sich suchend nach der Quelle um.
Sie entdeckte auf der anderen Straßenseite eine Bäckerei. Voller Neugier betrat sie den Laden.
Die Bäckermeisterin und ihr Bäckerlehrling waren freundliche Leute.
Elsine Toras und Sam Toras, so ihre Namen, ließen Ta´elga von allen Sorten ihrer köstlichen Backwaren kosten. Hier gab es süße Kuchen und knuspriges Brot, das frisch aus dem Ofen kam und diesen unwiderstehlichen Duft auf der Straße verbreitet hatte.
In Acceras hatte die Ritterin Tag für Tag nur einen eigenartigen, nicht näher zu definierenden Brei zu essen bekommen, der zwar nahrhaft, aber nicht schmackhaft war.
Köstlichkeiten, wie hier in dieser Bäckerei, waren dort äußerst selten gewesen.
Ta´elga glaubte, sie hatte noch nie so gut gegessen. Rundum satt verließ sie die Toras, nicht ohne ihnen das Versprechen geben zu müssen, bald wieder zu kommen.
Wieder auf der Straße fiel ihr Blick auf Badteers Apotheke. Sie ging hinein, um zu sehen, ob es dort nicht etwas gegen ihr Völlegefühl gab.
»Vielleicht habe ich doch etwas zu viel von den Backwaren gegessen?«
Auf dem langen Tisch in der Apotheke standen eine Menge Töpfe, Tiegel und Gläser mit geheimnisvollen Flüssigkeiten, die vor sich hin brodelten und qualmten. Eigenartige Gerüche stiegen ihr in die Nase.
Kati und Kelvin Badteer, die Alchemisten, konnten ihr helfen.
Ta´elgas Magen, der mit Kuchen und Brot gefüllt war, ging es schnell besser.
Sie erwarb von ihnen noch je eine Portal- und Teleportationsglyphe, ohne zu wissen, ob und wofür sie zu gebrauchen waren. Sie gefielen ihr einfach.
Kati verabschiedete Ta´elga mit dem Rat, vorsichtig zu sein.
»Vorsicht werde ich mir wohl nicht leisten können.«
Ta´elga ahnte, dass ihre Suche nach ihrer Vergangenheit nicht ohne Gefahren war.

Die Ritterin folgte der Straße, auf der viele Wesen in Richtung Greifenhorst der Stadt unterwegs waren, oder von dort kamen und erreichte einen Platz, auf dem sich alle möglichen Bewohner der Königreiche friedlich trafen.
Ta´elga kannte solche Ansammlungen nur von den Schlachtfeldern, auf denen sie kämpfte.
Dort kamen die Krieger zusammen, um zu töten und um zu sterben.
Das hier war völlig neu für Ta´elga, aber sehr aufregend.
Sie wollte versuchen, mit dem einen oder anderen Wesen zu sprechen.
Vor einem Waffengeschäft stand eine Menschenfrau, eine Kriegerin. Sie sprach Ta´elga an.
»Sei gegrüßt, Kriegerin. Mein Name ist Ta´elga und ich bin das erste Mal hier.«
»Hallo, Ta´elga. Ich heiße Simulacrä. Wie kann ich dir helfen?«
»Wie ich sehe, bist du eine Kriegerin und hast sicherlich auch gegen die Truppen des Magistrats gekämpft.«
»Da kannst du sicher sein.«
Voller Stolz blickte die zierliche Frau Ta´elga an.
»Hast du auch mal gegen einen Sanguenritter gekämpft?«
»Nein, dazu hatte ich nie Gelegenheit, aber was nicht ist, kann noch werden. Warum fragst du mich das?«
Simulacräs dunkle Augen musterten ihr Gegenüber.
»Ich erhoffe mir, jemanden zu treffen, der mir mehr über die Ritter des Magistrats erzählen kann.«
»Vielleicht schaust du mal in der Kommandozentrale der Union vorbei. Die liegt in der Altstadt. Dort könntest du die erfahrensten Kämpfer des Bündnisses treffen«, schlug sie vor.
»Kennst du viele von ihnen?«
»Oh ja, ich habe viele Schlachten mit ihnen geschlagen. Auch wenn ich noch nicht gegen einen Sanguenritter gekämpft habe, gehöre ich zu den erfahrenen Kämpferinnen.«
»Ich werde deinem Vorschlag folgen und sobald wie möglich die Kommandozentrale aufsuchen.«
Die beiden Frauen tauschten noch ein paar Belanglosigkeiten aus, dann verabschiedete Ta´elga sich von der brünetten Menschenkriegerin.
Vor einem anderen Gebäude stand ein älterer Mann, ein Mensch, der die Sanguenritterin auffordernd anblickte.
»Kennt er mich?«
Er stand regungslos da und starrte zu ihr herüber. Ta´elga empfand das als unangenehm.
Der alte Mann war mit einem ärmlich aussehenden, grünlichen Wams und einer verschlissenen, braunen Tuchhose bekleidet.
Plötzlich machte er eine einladende Geste und Ta´elga ging zögernd zu ihm.
Eine leise Hoffnung kam in ihr auf. Vielleicht konnte sie etwas von dem Alten erfahren, was ihr bei ihrer Suche nach ihrer Vergangenheit helfen würde.
Als sie den Mann erreichte, schlug ihr eine unangenehme Duftwolke entgegen. Ta´elga rümpfte ihre Nase.
»Der Alte hat dringend ein Bad nötig.«
Er kam sehr nahe und sprach sehr leise zu Ta´elga.
»Du musst dringend nach Ladimgar reisen.«
Hastig sah er sich um.
Ta´elga wich einen Schritt zurück und fächelte sich mit einer Hand frische Luft zu.
»Und du musst etwas gegen deinen Mundgeruch unternehmen!«
Sie fächelte sich immer noch Luft zu. Der Gestank des Mannes war fast unerträglich. Da der Alte ihren Protest ignorierte, fragte sie ihn:
»Ladimgar? Warum muss ich dort hin?«
»Nicht so laut, Reisende, nicht so laut. Nur auf der Insel der Elfen kannst du mehr über dich erfahren. Sie kennen deine Vergangenheit. Verweile nicht länger. Beeile dich. Gehe zum Hafen«, flüsterte er.
Ta´elga versuchte mehr von dem alten Menschen zu erfahren, aber er schwieg.
Immer wieder sah er hastig in alle Richtungen, als ob ihn jemand verfolgte.
Sie reichte ihm ein paar Münzen und gab ihm den Rat, sich und seine Kleidung möglichst bald zu reinigen.
Sie wandte sich wieder dem Platz zu, als ein eilig dahin hastender Mann gegen sie lief.
»Oh, entschuldige«, rief er.
»Warte, wie ist dein Name?«, rief Ta´elga ihm hinterher.
»Darkhorse. Aber ich muss weiter. Wir sehen uns später.«
Ta´elga rätselte, wie der Mann das gemeint hatte, dass sie sich später sehen würden.
Er war schon hinter der nächsten Gebäudeecke verschwunden. Der Mann hatte auch den Waffenring Minaes getragen. Er war ein Paladin, ein mächtiger Kämpfer der Union.
Seinesgleichen kannte sie als furchtlose und starke Krieger, die ihr in ihren Schlachten gegen die Union sehr zu schaffen gemacht hatten.
Ta´elga drehte sich noch einmal nach dem alten Mann um. Der Platz, an dem er gestanden hatte, war leer.
»Wohin ist der alte Mensch so schnell verschwunden?«, dachte sie verwundert.

Ta´elga setzte ihren Rundgang fort und erreichte ein Gasthaus. »Die bronzene Orchidee« stand auf dem Schild.
Ta´elga beschloss, hier einzukehren. Kuchen und Brot machten durstig.
Eine nette, rothaarige Menschenfrau kam auf sie zu.
»Willkommen in meinem Gasthaus. Ich bin Ellinor, die Gastwirtin. Nimm Platz und fühle dich wohl«, begrüßte sie die Ritterin.
Ta´elga sah sich im Gastraum um. Ein großer, eckiger Holztisch, mit vielen Stühlen davor, nahm fast den ganzen Raum ein. Gegenüber der riesigen Tafel, vor zwei mit Büchern gefüllten Regalen, standen noch einmal vier Holzstühle. Vor diesen Stühlen lag das Fell eines riesigen Elches.
»Ob Ellinor ihn erlegt hat?«
Ta´elga wollte hier ein wenig verweilen. Sie setzte sich auf einen Stuhl, der vor dem rechten Bücherregal stand. Ellinor brachte ihr einen Krug mit kühlem Wasser.
Ta´elgas Blick schweifte ein wenig über die kostbar erscheinenden Bücher. Viele Bände trugen Zeichen auf ihrem Einband, die ihr völlig unbekannt waren.
Bald wandte sie sich dem Treiben im Gasthaus zu. Ta´elga konnte viele Wesen kommen und gehen sehen. Einige Ankömmlinge betraten die bronzene Orchidee durch den Eingang, durch den auch sie hereingekommen war. Doch andere erschienen aus dem Nichts im Gastraum. Sie waren plötzlich einfach da.
Ta´elga fand das sehr seltsam.
Manche von ihnen nahmen Platz, wieder andere verließen das Gasthaus umgehend.
Dahinter steckte mit Sicherheit ein Zauber. Doch welche Art von Zauber?
Ta´elga beschloss, bei einer günstigen Gelegenheit mit Ellinor darüber zu sprechen. Sie hatte den Eindruck, dass der Zauber irgendetwas mit der Gastwirtin zu tun hatte.
Derweil trank Ta´elga das erfrischende Wasser.
Direkt neben ihr rekelte sich Eleni, der Begleiter von Sheij´an. Sheij´an war ein Waldelf, sein Begleiter Eleni war ein riesiger Leopard. Beide betraten kurz nach ihrer Ankunft das Gasthaus. Ta´elga hörte die Glocke von Minae. Sie schlug sieben.
Dieser Tag war schnell zu Ende gegangen. Sie war müde und hungrig. Ta´elga fragte Ellinor, ob sie ein Nachtlager für sie hätte, denn gerne wollte sie in der bronzenen Orchidee übernachten.
Gerade war Cavier hereingekommen, ein stattlicher Dragonah, der in seiner Rüstung ganz nett anzusehen war.
Eleni nervte ein wenig. Sein ständiges Knurren und Fauchen erwies sich als störend.
Ta´elga sah noch einen anderen Waldelf, der gerade den Gastraum betrat. Er stellte sich bei Ellinor als Appol´on vor. Bei Appol´ons Anblick wurde es Ta´elga ganz anders. Längst vergangen geglaubte Sehnsüchte erwachten in ihr.
In Acceras waren Gefühle nach Nähe und Zärtlichkeit verpönt. Ein Sanguenritter wurde auf Kampf gedrillt. Vergnügen ließen die Herrscher des Magistrats bei den Kämpfern Acceras nur ungern zu.
»Das wird sicher ein netter Abend in so reizvoller Gesellschaft.«
Leider verließ Appol´on die Orchidee kurze Zeit später wieder.
Mittlerweile hatte Ellinor im Gastraum ein gemütliches Feuer entzündet. Ta´elga genoss die Wärme, die das Feuer verbreitete. Sie fühlte sich wohl wie schon lange nicht mehr.
Nur Eleni, der Leopard, störte noch ein wenig. Ta´elga ging hinüber zu Sheij´an, Elenis Herrchen.
»Mal sehen, was sich so entwickelt.«
Sheij´an gefiel ihr recht gut. Seine muskulöse, hochgewachsene Gestalt weckte in ihr den Wunsch, ihm ganz nahe zu sein. Ta´elga ging zu seinem Platz.
»Hallo, Sheij´an. Ich bin Ta´elga.«
»Hallo, Ta´elga, woher kennst du meinen Namen?«
Überrascht blickte er zu ihr auf.
»Ich habe ihn gehört, als Ellinor dich begrüßt hat. Darf ich mich ein wenig zu dir setzen?«
»Liebend gerne. Meinen Abend in einer so reizenden Gesellschaft zu verbringen, kann ich gar nicht ablehnen«, sagte er mit einem gewinnenden Lächeln.
Sheij´an war witzig, charmant und ein angenehmer Unterhalter. Er konnte viele amüsante Geschichten erzählen. Vor allen Dingen konnte er zuhören. In seiner Gesellschaft fühlte Ta´elga sich wohl. Sie erlag seiner Anziehungskraft. Schon lange hatte sie nicht mehr die Nähe eines Mannes genießen können.
Die Nacht war kurzweilig. Ta´elga hatte sich in Sheij´an nicht getäuscht.
»Elfen sind wundervolle Liebhaber.«
Mit ein wenig Wehmut im Herzen verabschiedete sie sich am nächsten Morgen von ihm. Bevor Ta´elga die bronzene Orchidee verließ, sprach sie noch mit Ellinor, der Gastwirtin.
Die Ritterin musste einfach wissen, was es mit dem Zauber auf sich hatte, den sie gestern Abend gesehen hatte.
Ta´elga traf sie im Gastraum an. Mit einem fröhlichen Lächeln begrüßte Ellinor sie.
»Wie ist deine Nacht gewesen? Alles zu deiner Zufriedenheit?«, fragte Ellinor Ta´elga augenzwinkernd.
»Danke, so eine wundervolle Nacht habe ich schon sehr lange nicht mehr erlebt«, seufzte sie mit einem verträumten Blick.
Sie plauderte ein wenig mit Ellinor über dies und das. Die Gastwirtin bot Ta´elga Obst und Brot für ihre Reise an. Gerne nahm sie an und verstaute den Proviant in ihrem Beutel.
»Nimm noch diesen Gaststein von mir.«
Die Gastwirtin zeigte Ta´elga einen faustgroßen, schwarzen, mit roten Streifen durchzogenen Stein.
»Mit diesem Gaststein kannst du, durch den im Stein innewohnenden Zauber, von jedem Ort der Welt zu meiner bronzenen Orchidee zurückkehren. Wenn du den Wunsch hast hierher zu kommen, nimm den Stein in deine linke Hand und denke an dieses Gasthaus.«
Die Gäste, die gestern aus dem Nichts erschienen waren, kehrten mit der Hilfe des Steinzaubers in das Gasthaus zurück, erklärte Ellinor.
Liebend gerne nahm Ta´elga dieses äußerst nützliche Geschenk von der Gastwirtin an und packte den Stein in ihre Tasche.
»Hierher möchte ich gerne zurückkehren. Vielleicht treffe ich noch einmal Sheij´an«, dachte sie sehnsüchtig.
Ta´elga verließ die bronzene Orchidee.

Es war ein warmer Sommermorgen, über der Stadt spannte sich ein blauer, wolkenloser Himmel. Sie befand sich wieder auf dem Platz im Händlerteil. Inmitten des Platzes stand ein Brunnen. Lustig plätscherte das Wasser über seine drei übereinanderliegenden Becken.
Sie wandte sich nach rechts und ging auf das Werthaus von Minae zu. Achtzehn Stufen führten zum Eingang dieses prächtigen Gebäudes.
»Ich sollte ein paar Dinge hier deponieren.«
In der Halle, an den Wandseiten, sah sie sechs vergitterte Fenster. Ta´elga konnte hinter jedem Gitter einen Menschen stehen sehen. Sie waren alle mit einer roten Weste und einem weißen Hemd bekleidet. Vor jedem der vergitterten Fenster standen lange Reihen der verschiedensten Wesen. Gegenüber dem Eingang befand sich eine massive, runde Stahltür, die offenstand.
Ta´elga ging hindurch und stand in einem großen, runden Raum. An den Wänden befanden sich viele kleine, eckige Türen aus Stahl. In der Mitte des Raumes saß eine rot gekleidete Menschenfrau an einem Tisch aus Metall. Die Ritterin sprach die Frau an.
»Sei gegrüßt, mein Name ist Ta´elga. Darf ich bei dir einige meiner Besitztümer hinterlegen?«
»Natürlich, dafür bin ich da. Willkommen in der Bank von Minae, ich bin Kerstin Cener. Ich kann dir eins von diesen Wertfächern gegen einen kleinen Obolus überlassen.«
Dabei zeigte sie auf die kleinen Türen.
Ta´elga hatte nichts in der grauen Festung zurückgelassen. Dorthin wollte sie möglichst nicht zurückkehren. Sie trug ihre ganze Habe bei sich, die doch sehr umfangreich war.
Nur mittels eines Zaubers war es möglich diese Dinge ohne Mühe und Aufsehen bei sich zu haben. Ta´elga wollte aber die wertvollsten Sachen hier in dem Werthaus lassen.
»Wer weiß, was die Zukunft mir bringt?«
Kerstin Cener zeigte auf ein offenstehendes Fach.
»Dort kannst du alles hineingeben. Wenn du fertig bist, schließe die Türe und bringe den Schlüssel zu mir.«
Als die Ritterin vor dem kleinen Fach stand, baute sich ein magischer Sichtschutz um sie herum auf. Niemand konnte Ta´elga nunmehr sehen. Sie legte den größten Teil ihrer Münzen, ihres Schmuckes und noch einige andere wertvolle Gegenstände in das Fach, verschloss die Türe und zog den Schlüssel ab. Der magische Sichtschutz verschwand.
Ta´elga kehrte zu Kerstin Cener zurück. Diese nahm den Schlüssel an sich und legte ihn auf einen schwarzen Stein, der wie eine große Hand aussah.
»Lege deine Hand auf den Stein«, forderte Kerstin Cener sie auf.
Als Ta´elga der Aufforderung nachkam, fuhr die Frau fort.
»Der Schlüssel wird jetzt mit deinen persönlichen Schwingungen abgestimmt. Nur du kannst damit dein Wertfach öffnen, niemand sonst. Innerhalb der westlichen Königreiche, in jedem Werthaus, kannst du deine hinterlegten Dinge abholen. Sobald du mit diesem Schlüssel ein Fach dort öffnest, erscheinen deine hier hinterlegten Besitztümer.«
Kerstin Cener gab Ta´elga ihren Schlüssel, den sie in einer ihrer magischen Taschen verstaute. Ta´elga bedankte sich bei der Frau und verabschiedete sich von ihr. Sie verließ das Werthaus und stand wieder auf dem Platz.

Gegenüber der Bank entdeckte Ta´elga ein weiteres prachtvolles Gebäude. Das Schild, das vor dem Eingang hing, trug das Zeichen für ein Auktionshaus. Neugierig betrat sie es.
Das Gebäude schien nur aus einer riesigen Halle zu bestehen. Dem Eingang gegenüber war eine Bühne. Sie nahm die ganze Breite der Halle ein. Davor standen lange Reihen mit Sitzbänken aus Stein.
Auf den Bänken saßen viele Menschen, Zwerge, Elfen und einige andere Lebewesen. Nur wenige Plätze waren noch frei. Die Halle war mit einem eigenartigen Singsang erfüllt.
Ta´elga setzte sich auf einen freien Platz in der Nähe des Eingangs und sah sich um.
 Auf der Bühne standen drei Menschen hinter einer Art Rednerpulte, die in grüne Roben mit großen Kapuzen gekleidet waren. Ihre Gesichter waren nicht zu sehen. Der seltsame Gesang, der in der ganzen Halle zu hören war, kam von diesen drei Menschen.
Hinter ihnen stand ein riesiger kupferner Topf, der mit silbernen und goldenen Ornamenten geschmückt war.
Hin und wieder stand einer der Zuschauer auf, um den gleichen, eigenartigen Gesang anzustimmen. Auch Ta´elgas linker Nachbar stand auf und sang in einer ihr fremden Sprache.
Er war ein mittelalter Mensch, der die weiß - gelbe Robe der Forscher trug. Nach kurzer Zeit setzte er sich wieder. Sein Gesicht zeigte einen unzufriedenen Ausdruck.
Zwei weitere Menschen, auch mit den grünen Roben bekleidet, erschienen nun auf der Bühne und trugen den Topf hinaus. Zwei andere Menschenmänner brachten eine große Truhe aus dunklem Holz auf die Bühne. Sie war mit den gleichen silbernen und goldenen Verzierungen versehen, die zuvor auf dem kupfernen Topf zu sehen waren. Die drei Menschen hinter den Stehpulten stimmten wieder ihren Gesang an.
Ta´elga konnte sich keinen Reim auf das Geschehen in der Halle machen. Sie beschloss, den Forscher zu ihrer linken zu fragen.
»Was passiert hier?«
 Der Mann betrachtete sie etwas unwillig.
»Du warst wohl noch nie auf einer Auktion?«
»Nein, nicht, dass ich wüsste.«
»Heute werden hier Gegenstände zum Kauf angeboten, die ein Schiff vor Kurzem nach Minae brachte. Sie wurden in einem uralten Schiffswrack gefunden, das unweit der Küste auf dem Grund des versteckten Meeres liegt. Diese Gegenstände gehörten einem uralten Volk, welches heute nicht mehr existiert«, führte der Wissenschaftler aus.
„Aber ich höre nur Gesang in einer mir unbekannten Sprache.“
Der Menschenmann lachte.
»Ja, der Gesang gehört zu dem Ritual der Auktionatoren. Das sind die Menschen dort auf der Bühne. Hier, in dieser Halle, werden alle Geschäfte ausschließlich in der traditionellen Sprache der Auktionatoren getätigt. Die Anpreisungen der Ware und die Gebote werden in dieser Sprache gesungen. Das soll sicherstellen, dass es keine Irrtümer gibt. Jetzt störe nicht weiter, ich möchte mich auf die Auktion konzentrieren.«
Er stand plötzlich auf und sang wieder. Mit einem zufriedenen Lächeln nahm er wenig später wieder Platz. Er schaute Ta´elga triumphierend an.
»Ich habe die Truhe gerade gekauft. Dieser Tag war mal wieder ein Erfolg.«
Er erhob sich und verließ die Halle. Ta´elga schaute dem geschäftigen Treiben noch eine Weile zu.
»Ich könnte noch eine Weile dem spannenden Geschehen zusehen, aber ich bin schon zu lange hier, ich muss weiter.«
Ta´elga erkundete wieder den Händlerbezirk.

In den schmalen, kopfsteinernen Gassen und auf den kleinen Plätzen des Stadtteils herrschte reges Treiben. Viele Wesen waren hier unterwegs. Sie schlenderten, genau wie Ta´elga, durch die engen Straßen, um die Auslagen der Händler zu betrachten.
Hier und da standen Straßenhändler, die Schmuck, Stoffe, Süßwaren oder Getränke feilboten. Auf jedem Meter konnte Ta´elga andere Gerüche wahrnehmen. Die Luft roch nach gebratenem Fleisch, nach frischgebackenem Brot und noch nach vielem mehr.
Sie begegnete vielen fröhlichen Menschen, sogar einige Kinder sah sie.
Kinder.
In der Festung Acceras hatte es keine Kinder gegeben.
»Wenn ich auf meinen Feldzügen Kindern begegnete, liefen sie schreiend und voller Angst vor mir weg.«
Dunkle Erinnerungen befielen Ta´elga wieder. Sie lief ziellos durch den Stadtteil, vertieft in diese schmerzlichen Gedanken. Sie wollte sich nicht daran erinnern. Sie brauchte Ablenkung. Irgendwann stand Ta´elga vor einer rot-weißen, sich drehenden Säule.
»Ein Barbier. Sehr gut. Wie lange habe ich keine fachkundigen Hände mehr an mein Äußeres gelassen? Für die angenehmen Dinge des Lebens ist in Acceras kaum Platz gewesen.«  
Jasper Scharfschere hieß der Barbier. Jasper war ein vorlauter Zwerg, der ohne Unterbrechung plapperte und plapperte.
Ta´elga hatte schon einige Zwerge gesehen. Zwerge waren ein sehr traditionsbewusstes Volk, das modische Experimente verabscheute.
Jasper brach mit diesen Traditionen.
Er hatte einen Beruf gewählt, der von Zwergen üblicherweise nicht ausgeübt wurde. Modische Kleidung oder moderne Frisuren waren den Zwergen so gut wie unbekannt. Für sie galt es schon als gewagt ihre Bärte, die immer lang getragen wurden, zu färben.
Jasper hatte gar nichts Traditionelles an sich.
Seine Kleidung war bunt. Er trug eine gelb – rot karierte Hose, einen giftgrünen Pullover und blaue Schuhe. Sein Kopfhaar war kurz geschnitten und orange gefärbt. In seinem Gesicht prangte ein riesiger, knallroter Schnauzbart.
Ta´elga musste beim Anblick dieses Zwerges grinsen. Jasper tänzelte um sie herum.
»Was darf es sein, schöne Frau, ein neuer Haarschnitt vielleicht oder eine andere Haarfarbe?«
Ta´elga nahm Platz auf seinem Stuhl.
»Da bin ich aber mal gespannt wie ein Elfenbogen, was er so zu bieten hat.«
Schwierige Entscheidungen standen ihr bevor.
»Soll ich eine Kurzhaarfrisur tragen oder doch besser lang lassen? Soll Jasper mir das Haar flechten? Einen Zopf oder zwei? Welche Haarfarbe steht mir? Schwarz, grün oder lila?«
»Ach nein, ich bin mit meiner jetzigen Frisur ganz zufrieden«, entschied Ta´elga.
Sie trug ihre schulterlangen Haare meistens nach hinten zusammengebunden.
»Wie wäre es mit ein paar wunderschönen Gesichtstätowierungen? Sie sind bei deinem Volk zurzeit sehr beliebt«, bot der Barbier an.
»Ich glaube nicht. Ich mag keine Tätowierungen. Ich habe schon einige Frauen damit gesehen. Ich möchte lieber darauf verzichten.«
»Firlefanz überlasse ich den anderen Frauen.«
»Es reicht, wenn du mein Haar wäschst und schneidest.«
»Wie du wünschst.«
Er begann mit seinem Handwerk, dabei erzählte Jasper ohne Unterlass über Personen und Begebenheiten, die ihr völlig unbekannt waren. Ein wenig begann er, sie zu nerven.
Jasper war ein wahrer Künstler in seinem Metier. Obwohl der Barbier ihre Frisur nicht großartig verändert hatte, sah Ta´elga irgendwie anders aus, weiblicher, fand sie.
Ta´elga entlohnte Jasper Scharfschere. Wortreich entließ er sie aus seinem Geschäft. Sie fand, dass es an der Zeit war, das Händlerviertel zu verlassen, ihre Mission ging schließlich weiter.

Sie ging bis zu einem Tor, das in Richtung Altstadt führte. Am Ende des Durchgangs befand sich eine Brücke, die einen Kanal überspannte. Minae wurde von vielen Kanälen durchzogen. Auf ihnen konnte man kreuz und quer durch die Stadt reisen.
Ta´elga sah mehrere Boote, die auf den Kanälen fuhren. Auf der anderen Seite des Kanals flatterten große, blaue Banner im Wind, auf denen ein goldenes Schwert abgebildet war, das Symbol für die Altstadt.
Sie schaute sich um und entdeckte auf ihrer Kanalseite ein Schild aus Holz, das vor einem Geschäft hing und leicht im Wind hin und her pendelte. »Duftende Blumen« war darauf zu lesen. Sie war neugierig und näherte sich dem Blumenladen. So etwas war für Ta´elga unvorstellbar, ein Blumenladen. Irgendwie fand sie es falsch, dass die Pflanzen, die sie hier sah, bald verwelkten. Gleichzeitig war sie fasziniert von diesem Anblick. Ta´elga betrachtete die Blumen, die dort zum Verkauf ausgestellt waren. Eine wahre Duft- und Farbenorgie stürmte auf sie ein. Die Bürger der Union hatten Sinn für das Schöne.
»Wie hätte die Festung Acceras mit Blumen ausgesehen? Für das Schöne ist dort nie Platz gewesen. Falls ich nach Acceras zurückkehre, werde ich dort Blumen pflanzen.«
Ta´elga überquerte die Brücke und ging abermals durch einen Torbogen und stand in der Altstadt. Kinder liefen fröhlich lachend an ihr vorbei. Irgendwie schienen alle Bewohner voller Lebensfreude zu sein.
Ein Schild zeigte den Weg zur Burg Zephyrus, dem Machtzentrum der Union.
»Dort muss ich unbedingt hin.«
Innerhalb des Magistrats war die Burg Zephyrus bekannt und gefürchtet. Irgendwie fühlte sie sich zur Burg hingezogen, ohne erklären zu können, warum das so war.
Ihre Neugier trieb sie an.

Die Burg war eigentlich ein Schloss. Strahlend weiß, mit goldenen Dächern, mit vielen Türmen und Erkern stand sie auf einer Anhöhe, alle anderen Gebäude der Stadt überragend.
Vor Ehrfurcht fast erstarrt, schaute Ta´elga auf den Eingang zur Burg. Sie ging langsam näher heran. Eine breite Treppe führte auf eine Terrasse, auf der sich eine hohe Steinfigur auf ein Zweihandschwert stützte.
Hier stand der König der Union auf dem Brunnen und schaute auf seine Stadt.
Rechts und links, um die Statue herum, führten zwei Treppen aus weißem Marmor empor und endeten auf einer weiteren Terrasse. Ta´elga kamen einige Menschen entgegen, die das Schloss verließen, allesamt gekleidet in prächtige Gewänder. Keiner von ihnen beachtete die Ritterin.
Die letzte Treppe zum Eingang des Schlosses, mit einem rot-goldenen Teppich belegt, lag vor ihr.
Ta´elgas Herz pochte.
»Ich werde es wagen, das Zentrum der Union zu betreten.«
Langsam, ganz vorsichtig, trat sie durch das Eingangstor von Burg Zephyrus.
Geschafft. Ta´elga stand in den heiligen Hallen von Minae.
Sie ging durch die arkadenartige Halle, die ganz aus blauem und weißem Marmor bestand. Von der hohen Decke hingen lange, blau–goldene Banner herab, die das Wappen Minaes trugen.
Ta´elga schloss sich einer Gruppe von Besuchern an, die in Richtung Thronsaal unterwegs war.
Sie wollte nicht auffallen. Es ging vorbei an den Königswachen, die hier rechts und links postiert waren. Aus ihren Augenwinkeln heraus konnte sie, zwischen den mächtigen, runden Säulen, große, bogenförmige Eingänge wahrnehmen, die in weitere Hallen Zephyrus führten.
Ta´elga traute sich nicht, dort hineinzusehen. Sie starrte geradeaus, jeden Augenblick befürchtend, dass ein königlicher Ritter auf sie zustürmen würde, um sie, die ehemalige Feindin des Reiches, die blutrünstige Sanguenritterin, zu töten. Aber nichts dergleichen geschah. Ihr mulmiges Gefühl wich einer freudigen Erwartung.
Ta´elga ging immer weiter, geradewegs auf den Thron zu.
Als sie den Thronsaal erreichte, konnte sie ihr Glück gar nicht fassen. Das musste der König der Union sein, der dort vor seinem Thron stand.
Der Herrscher der Union war ein großer, breitschultriger, dunkelhaariger Mann. Er schien ein noch junger Menschenmann zu sein, der aber in seiner blau-goldenen Rüstung imposant und ehrfurchtsgebietend aussah.
Ta´elga konnte das Alter des Königs nicht einschätzen, hielt ihn aber nicht für älter als vierzig Menschenjahre.
Der Thronsaal war kreisrund und wurde von einem gläsernen Kuppeldach überspannt, welches das einfallende Sonnenlicht in alle Farben des Spektrums brach. Es schien, als stand der Herrscher der Union inmitten eines Regenbogens. Es war ein fantastisches, fast unwirkliches Bild.
Viele Menschen, Zwerge, Elfen und andere Wesen füllten den Saal, die sich alle im Bereich des Eingangs aufhielten. Ein Menschenmann, in einer bunten Uniform, bemühte sich den Besucherstrom zu regulieren. Er dirigierte die Besucher auf eine niedrige Empore. Von hier aus hatte man einen guten Blick auf den König.
Eine Menschenfrau kniete vor dem Thron und sprach leise mit dem Herrscher. Trotz der Nähe zum Thron konnte man kein Wort von dem verstehen, was dort gesprochen wurde. Einige Minuten später verließ die Frau, mit einer tiefen Verbeugung vor dem König, den Thronsaal.
Der König schaute in die Runde. Er erblickte Ta´elga und winkte die Ritterin zu sich.
Ein Raunen ging durch den Saal. Alle Besucher wollten mit dem Herrscher der Union sprechen. Einige unter ihnen hatten lange auf einen Termin für eine Audienz warten müssen.
Ta´elga verging vor Ehrfurcht. Sie war eine gefürchtete Kämpferin gewesen, die mutig in jede Schlacht gezogen war und jetzt zitterten ihre Knie. Sie konnte und wollte jetzt auch nicht mehr zurückweichen.

Ta´elga verbeugte sich demütig vor dem König. In diesem Moment war sie bereit ihre gerechte Strafe für ihre Untaten zu empfangen.
»Ich heiße dich, Ta´elga, herzlich willkommen in meinem Reich. Ich bin König Pharus Lyhser.«
»Der König kennt sogar meinen Namen? Woher?«
Wie durch Watte hindurch hörte Ta´elga seine Worte.
»Ich bin sehr froh darüber, dass du nun auf meiner Seite kämpfst. Die Union und ich brauchen Helden wie dich.«
»Helden wie mich?«
Das Blut stieg ihr in ihren Kopf. Ta´elga bekam kaum ein paar Worte des Dankes heraus.
»Ist das peinlich, ich werde rot.«
Sie hielt es nicht mehr aus.
»Gehe nun, Ta´elga. Trage meinen Waffenring mit Stolz. Viele Gefahren erwarten dich, bevor die westlichen Königreiche und die Union Frieden finden.«
»Nochmals verbeugen und schnell weg.«
Wie von Sinnen eilte sie nach draußen.
»Ahlunah sei Dank.«
Ta´elga stand wieder vor der Burg.
»Erst einmal tief durchatmen. Was für ein Erlebnis, der große König hat zu mir gesprochen und ich habe nur gestammelt. So nervös wie gerade war ich vor keinem Kampf. Jetzt erst mal entspannen.«
Sie suchte ein sonniges Plätzchen vor dem Brunnen und setzte sich. Ta´elga sah nach dem Proviant, den ihr Ellinor mitgegeben hatte.
 »Ja, ein Apfel ist jetzt genau das Richtige.«
Tief in Gedanken über das eben Erlebte biss sie in den Apfel, den herrlichen Geschmack kaum wahrnehmend.

Nachdem Ta´elga sich gefangen hatte, überlegte sie, ob sie nun endlich in Richtung Ladimgar aufbrechen sollte, wie ihr der alte Mann angeraten hatte oder sich in Minae noch etwas ansehen wollte. Vielleicht den Domplatz oder den Zaubererbezirk?
Mit den Zauberern hatte sie es nicht so. Sie waren im Kampf unberechenbar gewesen und ihre Zauber wüteten schrecklich unter den Sanguenrittern.
Ta´elga beschloss, noch einen Rundgang durch die Altstadt zu machen und danach den Domplatz aufzusuchen.
In dem Altstadtbezirk entdeckte sie die Kommandozentrale der Union, von der Simulacrä gesprochen hatte. Neugierig geworden betrat Ta´elga den Innenhof.
»Vielleicht komme ich hier tatsächlich mit den großen Kriegern Minaes ins Gespräch.«
Sie sah einen Reitstall. Pferde waren immer ihre Leidenschaft gewesen. Sie konnte sich sogar daran erinnern, dass sie vor ihrer Zeit im Magistrat ein Pferd besessen hatte.
Sie wusste nur nicht, wann und wo es war.
»Es wäre schön, wenn ich hier ein edles Ross erwerben könnte.«
Ta´elga näherte sich den Pferden. Sie scheuten ein wenig. Fast könnte man meinen, dass die Pferde spüren konnten, dass Ta´elga einst eine Todesbotin gewesen war.
Eine große, rothaarige Menschenfrau kam sichtlich erregt auf sie zu.
»Der Zutritt zum Stall ist Fremden untersagt. Die Pferde sind sehr empfindlich. Du machst sie nervös. Geh, verlass den Stall«, rief sie schroff und sah Ta´elga verärgert an.
»Verzeih mir, ich wollte nicht stören. Es ist nur so, dass ich Pferde liebe. Gerne würde ich eins von deinen Tieren erwerben. Mein Name ist Ta ´elga.«
Die Pferdezüchterin, immer noch verärgert über ihr Eindringen, stellte sich als Laura Knoxx vor. Sie musterte die Ritterin argwöhnisch.
»Meine Pferde verkaufe ich nur an die Kommandozentrale. Außerdem würde ich dir auch keines meiner Tiere geben. Irgendetwas stimmt nicht mit dir.«
Laura Knoxx musste das gleiche Gespür für Ta´elga besitzen wie ihre Pferde.
»Gehe jetzt, Fremde. Du machst nur meine Tiere nervös. Ich kann und will dir nicht weiterhelfen.«
Laura wandte sich ihren Pferden zu. Beruhigend sprach sie auf die Tiere ein.
Die Frau beachtete Ta´elga nicht weiter. Die Ritterin verließ den Reitstall. Sie war ein wenig überrascht über die brüske Art der Pferdezüchterin. Irgendwie hatte Laura Knoxx gespürt, dass Ta´elga eine Feindin der Union gewesen war, die Tod und Angst über die westlichen Königreiche gebracht hatte.
Sie sah sich weiter um in der Kommandozentrale. Die großen Krieger der Union, deren Heldentaten an den Lagerfeuern besungen wurden und die sie in den Nächten vor den Schlachten so oft hörte, traf sie aber nicht. So setzte Ta´elga ihren Rundgang fort.

Sie war auf dem Domplatz angekommen. Dieser war umsäumt mit großen Stadthäusern, in denen sich einige Geschäfte befanden.
Ihr gegenüber befand sich der Dom, der den Platz seinen Namen gegeben hatte. Hier gab es auch ein Waisenhaus. Lautes Kinderlachen drang bis auf den Domplatz.
Das wollte Ta´elga sich näher ansehen. Als sie eintrat, wurde es plötzlich sehr still.
In der Eingangshalle des Hauses hielten sich einige Kinder und eine junge Menschenfrau auf.
Ta´elga hatte das Gefühl, die Kinder konnten ihr ansehen, dass sie einst eine Kriegerin des Magistrats gewesen war. Sie wandte sich an die junge Frau, die mit den Kindern an einem Tisch saß.
»Hallo«, begrüßte die junge Menschenfrau Ta´elga.
»Ich bin Hellene, die Leiterin dieses Waisenhauses. Was kann ich für dich tun?«
Die schlanke Frau besaß eine sanfte Stimme, ihre schwarzen Haare umrahmten ihr blasses Gesicht.
»Mein Name ist Ta´elga. Seit ich hier in Minae verweile, sind mir schon viele Kinder begegnet. Das Lachen deiner Kinder, das bis draußen zu hören ist, hat mich einfach neugierig gemacht. Ich kann mich nicht erinnern, wann und wo ich so fröhliche Laute zuletzt gehört habe.«
Hellene wirkte auf Ta´elga sehr still und schüchtern. Sie fand Hellene sehr sympathisch. In dem Waisenhaus lebte sie mit zwanzig Kindern im Alter von drei bis zwölf Jahren. Sie war Lehrerin und Ersatzmutter zugleich.
Die Menschenfrau lud Ta´elga auf eine Tasse Tee ein. Dieser Einladung folgte sie gerne. Irgendwie strahlte die Leiterin eine Aura des Vertrauens aus und Ta´elga erzählte ihr von ihrem Leben in Acceras.
»Ich komme von der Festung Acceras, ich war eine Sanguenritterin«, begann Ta´elga.
Furcht und Entsetzen zeichneten sich auf Hellenes Gesicht ab. Mit ihren dunkelbraunen Augen sah sie Ta´elga erschrocken an. Die Leiterin des Waisenhauses hatte von den Gräueltaten der Magistratskämpfer gehört.
Ta´elga erhob in einer beruhigenden Geste beide Hände.
»Durch einen Zauber bin ich von meinem Fluch befreit worden. Jetzt bin auf der Suche nach meiner Vergangenheit. Ich weiß nicht, woher ich komme und wer ich bin. Ich kann mich an das Leben, das ich vor meiner Zeit im Magistrat hatte, nicht erinnern. Alle Erinnerungen an meine Herkunft, an meine Heimat, an meine Eltern und an meine Freunde sind weg.«
Ta´elga erzählte Hellene von ihrem Leben im Magistrat, ohne aber die Details zu erläutern. Sie wollte die Kinder nicht verschrecken.
Bei Hellene konnte Ta´elga Anzeichen von Mitleid für sich und ihrem Schicksal erkennen, die anfängliche Furcht war bei ihr verflogen. Die Abscheu, die sie für Ta´elgas Untaten hegte, konnte sie aber nicht ganz verbergen.
Die Kinder legten nach und nach ihre Zurückhaltung gegenüber der Sanguenritterin ab. Sie erzählten Ta´elga ihre Geschichten, die sie zu Tränen rührte.
Einige von diesen kleinen Wesen hatten ihre Eltern im Kampf gegen den Magistrat verloren. Ein kleiner Junge erzählte ihr, dass er mit angesehen hatte, wie seine Eltern und seine drei Geschwister von Truppen des Magistrats hingemeuchelt wurden.
»Wie war ich dazu fähig, diese Kinder so zu verletzen? Diese Geschöpfe hegen keinen Groll gegen irgendetwas oder gegen irgendwen auf dieser Welt. Der Magistrat hat ein Monster aus mir gemacht.«
Sie war begeistert von den kleinen Menschenkindern und spielte einige Zeit mit ihnen. Sie konnte sich nicht erinnern, jemals so viel Freude gehabt zu haben wie an diesem Nachmittag.
»An diesen Tag werde ich noch lange zurückdenken.«
Es ging langsam auf den Abend zu, als Ta´elga sich von Hellene und den Kindern schweren Herzens verabschiedete. Hellene begleitete Ta´elga noch vor die Türe des Hauses. Die Ritterin gab ihr einen Großteil ihrer Münzen und umarmte sie. Die Leiterin des Waisenhauses wollte Ta´elgas Gold gar nicht annehmen, doch die Ritterin duldete keinen Widerspruch.
»Nimm es bitte, Hellene. Deine Kinder und du können es gebrauchen. Ich hatte heute viel Freude bei euch. Das soll mein Dank dafür sein.«
»Ich danke dir, Ta´ elga. Lebe wohl. Ich hoffe, du findest, wonach du suchst. Ich wünsche dir viel Glück.«
»Ich danke dir, Hellene. Du bist wahrlich ein guter Mensch. Ich werde deine Kinder und dich wieder besuchen. Ganz sicher.«
Hellene blickte der Sanguenritterin noch einen Augenblick hinterher, dann drehte sie sich um und ging zurück zu ihren Kindern. Eine schöne, aber dennoch seltsame Begegnung, dachte Hellene.

Ta´elga ging noch in den Dom, der den Platz beherrschte. Wie alle Bauwerke dieser Art vermittelte er den Eindruck, dass der Besucher klein und nichtig war. Der Innenraum war völlig leer. Hohl und laut klang das Echo ihrer Schritte, als sie durch das Mittelschiff ging. Sogar an ihr ging die einschüchternde Wirkung dieser großen Kathedrale nicht vorbei.
Ta´elga fühlte sich etwas unwohl, als sie den Dom wieder verließ.
»Zwei Tage in der Hauptstadt der Union sind fürs Erste genug. Ich werde hierher zurückkehren. Minae ist eine wundervolle Stadt und ich habe noch nicht alles von ihr gesehen. Ich habe aber noch eine Mission zu erfüllen. Ich muss meine Vergangenheit suchen. Ich werde nun zum Hafen gehen und sehen, ob ich noch ein Schiff bekomme, das mich nach Ladimgar bringt.«
Ta´elga verließ den Domplatz und ging in Richtung Hafen, vorbei an dem alten Verlies der Stadt, das bei einem Angriff des Magistrats zerstört worden war. Sie konnte das Meer schon riechen, das Kreischen der Möwen klang nah.
Nach kurzer Zeit erreichte sie die Stadtgrenze von Minae. Der Hafen lag tiefer als die Stadt. Eine breite Treppe führte hinunter zu den Landungsstegen.
Ta´elga betrachtete das geschäftige Treiben dort unten eine Weile. Gerade legte ein Segelschiff an. Sie hörte die Kommandos zum Festmachen des Schiffes so deutlich, als stände sie unmittelbar am Landungssteg. Von einer der Landungsbrücken legte gerade ein großer, stählerner Raddampfer ab. Seine Maschine stampfte und stöhnte. Ta´elga konnte das Horn des Dampfers hören, bis das Schiff in der Ferne verschwand. An zwei Piers lagen Frachtsegler. Lange Reihen von Arbeitern waren damit beschäftigt, Ballen und Kisten von oder zu den Seglern zu tragen.
Von hier oben sahen sie aus wie emsige Ameisen. Ta´elga ging die Treppe hinunter. Ihr Ziel war der Hafenmeister.
»Mal sehen, welches Schiff mich mitnehmen kann.«
Sie buchte eine Passage auf der Larisso. Die Larisso war ein kleiner Dreimastsegler, der sie auf direktem Kurs, über das versteckte Meer, nach Ladimgar bringen würde.
Ladimgar war eine Insel, die südlich vor dem Kontinent Tirgarneiy lag. Die Larisso würde dort anlegen, in Nyat´thyra.
Bei der Abfahrt aus Minae stand Ta´elga noch lange an der Reling der Larisso. Die sagenhafte Stadt wurde immer kleiner, bis sie endgültig am Horizont entschwand. Die Sanguenritterin verließ die westlichen Königreiche und den Kontinent Tellus, die Heimat der Menschen und Zwerge. Sie dachte noch einmal an Sheij´an, an den König von Minae und an Hellene und ihre Waisenkinder.



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Robert_McGee
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BeitragVerfasst am: 21.04.2016 17:32    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Wolfin,
vorweg möchte ich sagen, daß ich deine Geschichte nicht bis zum Ende gelesen habe. Ungefähr bei Ta'elgas Ankunft in Minae war ich so erschöpft, daß ich beschloss mein Lager aufzuschlagenm, um neue Kräfte zu sammeln.
In der Zwischenzeit möchte ich nun einige Gedanken zu deinem Text niederschreiben.

Die Grundidee, Ta'elgas Vorgeschiche als Suche nach ihrer eigenen Vergangenheit zu erzählen, finde ich ansprechend und bin gespannt, ob sie dabei einer Ta'elga begegnen wird, mit der sie sich identifizieren kann oder am Ende ein dunkles Geheimnis lüftet, daß es ihr sprichwörtlich unmöglich macht, sich selbst noch im Spiegel anzuschauen.

Im Text selbst bin ich schnell über einige Dinge gestolpert, die mich leider vom völligen Abtauchen in das Fantasy-Universum abgehalten haben.
Schon im ersten Absatz begegnete mir die "Terrorzentrale" des Magistrats - eine mEn zu moderne Wortwahl für ein augenscheinlich mittelalterliches Fantasy-Szenario. Eine Formulierung wie etwa "Tyrannenhochburg" oder "unheilbringendes Machtzentrum des Magistrats" hätte für mich besser ins Bild gepasst.
Ähnlich erging es mir einige Zeilen später mit dem Wort "Nasszelle". Spontan assoziiere ich damit eher einen gefliesten Raum mit Duschkabine und WC, als daß es Bilder von einem hölzernen Waschzuber, einer Waschschüssel auf schmiedeeisernem Gestell oder einem Plumpsklo an der Außenmauer hoch über dem Burggraben in mir wachruft.
Auch die Abflugrampe passt für mich von der Wortwahl her nicht ganz ins Bild.

Ta'elgas Gedanken in wörtlicher Rede erschienen mir eher wie eine Randnotiz, die beim Schreiben helfen soll, sich über die weitere Vorgehensweise der Protagonistin klar zu werden.
Womit ich auch schon beim nächsten Punkt angekommen bin: Es erscheint mir doch recht unglaubwürdig, daß sich eine erfolgreiche Kriegerin mit einem festen Vorhaben durch wenige und noch dazu recht vage Worte des "einfachen Volkes" von ihrem Weg abbringen lässt.

Zu deinem Schreibstil:
Ich hatte eher den Eindruck, eine Art Grundkonzept der Geschichte zu lesen, als eine fertige Geschichte. Gerade für den Fantasy-Bereich fehlen mir da noch viele bildhafte Beschreibungen, die mich so richtig in das Universum hineinziehen, einen Gedankenfilm in mein Bewusstsein projizieren.

Ich würde mich freuen, bald eine flüssiger zu lesende und weiter ausgearbeitete Version der Geschichte hier vorzufinden und Ta'elga weiter auf ihrer Suche nach der Vergangenheit begleiten zu dürfen!

Liebe Grüße,
Robert


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Wolfin
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BeitragVerfasst am: 21.04.2016 17:37    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke, Du hast völlig recht. Die "modernen" Bezeichnungen passen nicht. Das muss ich ändern.

Gerade Kapitel 2 ist das Schwierigste. Ich habe das Kapitel schon zigmal gelesen und immer wieder Fehler entdeckt. Irgendwie wird man "betriebsblind". Daher habe ich es auch hier reingesetzt.


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BeitragVerfasst am: 29.04.2016 15:02    Titel: Antworten mit Zitat

Insgesamt solide geschrieben mit einigen Zeichensetzungsfehlern.
Ich habe auch nicht bis zum Ende durchgehalten, da der Stil doch recht ermattend wirkt, aber durchaus genregerecht ist. Allerdings auch absolut nicht originell, Fantasy gehört zu den beliebtesten Bereichen von Hobbyschreibern, es gibt unzählige Geschichten. Um sich da abzusetzen, bedarf es einiger Kunst, die ich hier nicht entdecke.

Insgesamt also gutes Mittelmaß.






Zitat:
Das fiel ihr erst jetzt so richtig auf, wo sie befreit war.


Wo ist immer lokal, nicht temporal. Du könntest schreiben: "jetzt, da sie..."


Zitat:
»Ich hoffe, diese Festung wird wohnlicher, jetzt wo sie im Besitz der westlichen Königreiche ist.«


s.o.
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Moonbow
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BeitragVerfasst am: 29.04.2016 15:05    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Wolfin,

was mir sofort ins Auge stach, (Aua cry ) war die inflationäre Verwendung des Namens deiner Protagonistin.

Mein aktueller Roman hat ca. 110.000 Wörter und der Name meiner Hauptfigur kommt 460 Mal vor. Also 0,42%.

Du kommst bei 8.800 Wörtern bereits auf 186 Mal. Also auf 2,1%.

Das wird natürlich noch durch die auffällige Schreibweise deiner Protagonistin Ta´elga verstärkt.


Ein Beispiel, wie es wirkt:

 
Zitat:
Ta´elgas Flug ging über hohe, schneebedeckte Berge, weite Steppen und dichte Wälder. (Adjektivdumping)
 Die westlichen Königreiche waren nur sehr (dünn reicht doch vollkommen) dünn besiedelt. Ab und zu sah sie ein kleines Dorf oder eine einsame Hütte unten am Boden. (Sehr dünn besiedelte Regionen würden nur ab und an mal ne Hütte oder nen Gehöft aufweisen. Für mich ist es schon gut erschlossenes Gebiet Wink) Ta´elga genoss den Flug auf dem Greif (das sie auf nem Greif sitzt, weiß ich schon). Sie spürte den Wind auf ihrer Haut und in ihren HaarenDer Wind peitschte in ihr Gesicht und zerrte an ihren Haaren. (ich bin kein Freund von zu viel, zu nah und überhaupt zu "drin" im Geschehen sein, aber hier lockert es etwas auf und bringt obendrein Abwechslung rein) Zum ersten Mal, seitd ihrer Befreiung, fühlte sie sich wirklich frei, fühlte sie sich lebendig (kann man an dieser Stelle noch hinzufügen, da man peitschenden und zerrenden Wind auch als unangenehm empfinden könnte).
 Ta´elga überlegte, was sie über Minae wusste.


Da es niemand sonst gibt, kannst du auf fast alle Ta´elgas verzichten. Namen machen nur dann wirklich Sinn, wenn mehrere Personen abwechselnd erwähnt werden. Nur dann, wenn man ansonsten den Leser verwirren könnte.

Ta´elga  macht (passiv).
Sie sieht.
Ta´elga spürt, fühlt.
Ta´elga überlegt.

Wenn man es so betrachtet, versuchst du natürlich mich in die Geschichte reinzuziehen. Aber alleine der Name macht es mir schwer, mich auf die Sätze als Ganzes zu konzentrieren.

Hinzu kommt deine Art zu erzählen an dieser Stelle. Es liest sich so für mich:

Ta´elga  macht (passiv). STOP
Sie sieht. STOP
Ta´elga spürt, fühlt. STOP
Ta´elga überlegt. STOP

Ich habe ja schon etwas im Text rumgefuscht, um dir zu zeigen, wie man meiner Meinung nach das Ganze etwas auflockern könnte.

Begriffe wurden ja schon erwähnt. Auch Kilometer empfinde ich als zu modern. Das Metrische System ist die tollste Erfindung, seitd es Entfernungsmessung gibt (ebenso das Urkilo), aber halt Ultramodern.
Ich verwende das Wort Meile. Meine damit aber Kilometer. Das kann gut anhand eines Beispiels klarmachen. (Falls es überhaupt mal interessant ist, ob damit 500m oder 1500m gemeint sind Wink)

Ich glaube das ist erstmal genug Kritik.

Die Idee ist brauchbar. Nur solltest du von Gedächtnisauslöschung zu Versiegelung übergehen. Sie ist kein Computer, wo man mal eben die magische Wiederherstellungstaste drückt Smile

Liebe Grüße

Moonbow


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Wolfin
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BeitragVerfasst am: 29.04.2016 15:36    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für die Kritik. Ich habe schon einiges geändert. Ich sagte es bereits. Mit der Zeit wird man betriebsblind. Eure Tipps sind immer hilfreich.

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