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Liebesknoten, Familienbande und andere Verwicklungen


 

 
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Sissi Fuß
Geschlecht:weiblichHobbyautor


Beiträge: 362
Wohnort: zwischen vielen Büchern


BeitragVerfasst am: 16.11.2014 13:04    Titel: Liebesknoten, Familienbande und andere Verwicklungen eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Seit fünf Tagen liege ich nun schon in diesem Krankenbett. Im Grunde fehlt mir gar nichts, ich bin nur wegen vorzeitiger Wehen zur Bettruhe verdonnert worden. Die Zeit wird mir lang. Zum Lesen habe ich keine Lust und Kreuzworträtsel kann ich auch schon nicht mehr sehen. Fernsehen langweilt mich, Besuch nervt mich. Ich bin unausstehlich. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich nur alles grau in grau. Das Schmuddelwetter deprimiert mich. Lustlos greife ich nach einer Handarbeit. Seit ewigen Zeiten habe ich nicht mehr gestrickt, aber es hilft dabei, die Zeit totzuschlagen. Ich bin noch nicht sehr weit gekommen, stricke einfach so drauflos. Die Nadeln klappern, das weiche Garn läuft glatt durch meine Finger, bis ich schließlich auf einen Knoten stoße. Keinen kleinen, den man ignorieren und einfach drüberhin stricken kann, weil er sowieso auf der linken Seite landet, sondern ein dickes, verknotetes Fadengewirr, das im Inneren des äußerlich glatten Wollknäuels nur darauf gelauert hatte, mir den Tag zu vermiesen. Seufzend lege ich die Nadeln beiseite und versuche, den Faden zu entwirren. Ob die drei Schicksalsgöttinnen, die am Fuße des Weltenbaumes die Lebensfäden spinnen, jemals solche Probleme haben? Angeblich liegt das Schicksal aller Menschen in ihren Händen. Das habe ich in einem Buch gelesen, das mir eine der Grünen Damen aus der Bibliothek gebracht hat. Wie schaffen die das nur? Drei Frauen für die ganze Menschheit? In der modernen Industrie hätten sie wenigstens ein paar Praktikanten oder Ein-Euro-Jobber zur Unterstützung, sinniere ich, während meine Finger die Wolle auseinander ziehen. Plötzlich kommt mir der Gedanke, dass mein Lebensfaden womöglich genauso aussieht, wie das was ich hier vor mir habe. Vielleicht haben die drei Damen doch einen Praktikanten gehabt. Möglicherweise hieß er Aelfrid. Ich sehe ihn vor mir, braune Haare, Sommersprossen, Segelohren, eine breites Grinsen und eine Zahnlücke – ups, das ist doch der aus den Heftchen, die ich früher immer gelesen habe …. Na, egal, spinne ich weiter. Genauso kann er ausgesehen haben. Vermutlich hat eine der Schicksalsgöttinnen, die mit meinem Lebensfaden beschäftigt war, irgendwann ein dringendes Bedürfnis gespürt und Aelfrid das Knäuel in die Hand gedrückt. „Mach mal für mich weiter, Junge, ich bin gleich wieder da“, hat sie vielleicht gesagt und sich hinter den Weltenbaum verzogen. Vielleicht hat Aelfrid sich eine Indiskretion erlaubt und um die Ecke gelinst (zuzutrauen wäre ihm das durchaus) jedenfalls hat er nicht aufgepasst und das ganze Garn verkutzelt. Anstatt es wieder ordentlich auseinander zu friemeln, hat er es einfach in das dicke Knäuel gesteckt und dann den Faden glatt darüber gewickelt, damit ja keiner was merkt. Da ist es nun, mein Leben, nach außen hin glatt und unauffällig, beinahe langweilig, aber im Inneren das reinste Chaos. Wenn ich Aelfrid jemals in die Finger bekomme, kann er sich auf etwas gefasst machen.

Ich lasse die Wolle sinken. Draußen wird es langsam dämmerig, aber ich habe keine Lust, das Licht anzumachen. Lieber liege ich hier und denke daran, wie es war, als ich über den ersten Knoten in meinem Lebensfaden gestolpert bin.













1. Kapitel

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Babella
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 57
Beiträge: 700

Das goldene Aufbruchstück Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 16.11.2014 16:44    Titel: Antworten mit Zitat

Bin ein bisschen unschlüssig, ob ich weiterlesen würde. Soll es ein heiterer Roman werden? Die Szenerie ist durchaus gelungen, das Schmuddelwetter, die Langeweile, der Knoten und die Vorsichhinspinnerei.

Es ist so offensichtlich ein innerer Monolog, dass du die Regieanweisungen ruhig weglassen kannst, wie "sinniere ich" oder "spinne ich". Und auch am Schluss: Da würde ich nicht nachdenken lassen, sondern einfach anfangen mit den Gedanken selbst. Aber das soll wohl dann im nächsten Kapitel geschehen?

Auch das "unausstehlich", mit der sich deine Heldin bezeichnet, ist ein Bruch: Es ist ja gar keiner da, der sie ausstehen müsste, nicht im Moment. Und denkt man wirklich, man sei unausstehlich? Würde man nicht vielleicht eher sagen: "Ich glaube, ich bin unausstehlich. Ich gehe mir ja selbst auf die Nerven."

Ich würde auch das "seufzend" beim Weglegen des Strickzeugs weglassen. Ich überlege gerade, was mich daran stört. Vermutlich ist es der Bruch zwischen dem Gedanken und der Tat. Man denkt nicht, dass man seufzt. Man seufzt einfach. Gedacht würde ich mir vorstellen: "Ich lege das Strickzeug zur Seite. Dann eben nicht."

Viel Spaß beim Weiterschreiben!
Babella
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bibiro
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 735



BeitragVerfasst am: 16.11.2014 17:33    Titel: Antworten mit Zitat

Hej Sissi Fuß,

Mir gefällt das Thema der Schicksal spinnenden Nornen (obwohl mir eine Freundin sagte, nach der neuesten Forschung seien es keine Spindeln in den Händen von Urd und ihren Schwestern, sondern (Buchen) Holzstäbe, in die sie den Lauf des Lebens als Runen schnitzen - ist aber egal, dennoch ein schönes Bild).

Und das zermürbende Herumliegen, erst im Krankenhaus, später zu Hause, wenn viel zu früh Geburtswehen einsetzen, kenne ich aus eigener, gleich dreifacher Erfahrung.

Dein Text geht mir sehr nah, in sehr positiver Weise.

Dennoch muss ich Kritik äußern, gerade weil er mich berührt.
Denn dieser Prolog (?) ist der denkbar schlechteste Einstieg in einen Roman, den du haben kannst.
Die erste halbe Seite eines Buches, maximal die ersten eineinhalb, müssen es schaffen, den Leser in den Bann zu ziehen und mit einem inneren Monolog schaffst du dies angesichts der heutigen Lesegewohnheiten nur bei einem verschwindend geringen Anteil deiner Leser.

Die besten Einstiege in Bücher sind diejenigen voller Action und Dialogen.
Bezogen auf deinen Prolog kannst du nun entweder in der Zeitlinie nach vorne gehen und vielleicht eine spannendere Episode aus dem Leben deiner Prota schildern, oder aber ein wenig zurückspulen auf dem Zeitstrahl und uns erst miterleben lassen, wie sie die Wehen feststellt (Aufregung, Panik), dann ins Krankenhaus kommt (kopfloser Mann, überforderte Schwiegermutter oder gar Rettungswagen?) und in der Folge mit dem gesamten Ausmaß des Gesundheits(un)wesens konfrontiert wird. Alleine aus dem letzten Punkt lassen sich jede Menge surreale, geradezu ans Groteske grenzende Dialoge schnitzen, ohne sich allzu weit von der Realität zu entfernen.

Mit anderen Worten: Ein gutes, ein wichtiges Thema - das schlicht einen ansprechenden Plot braucht.
Hast du den Leser erst einmal am Haken, dann (aber erst dann) kann man sich über innere Monologe Gedanken machen.
Wobei ich auch in diesem Fall diesen Abschnitt unterteilen würde, und zumindest eine Störung (was weiß ich, die Putzfrau oder Besucher, die sich im Zimmer geirrt haben) zur Auflockerung einbauen, damit es nicht zu passiv wird.

Nimm dir an Anregungen, was du brauchen kannst, den Rest ignoriere.

Grüßle Bibi
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Sissi Fuß
Geschlecht:weiblichHobbyautor


Beiträge: 362
Wohnort: zwischen vielen Büchern


BeitragVerfasst am: 16.11.2014 20:41    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank erstmal für's Lesen. Tatsächlich handelt es sich um den Prolog für einen Familienroman, an dem ich arbeite. Momentan stecke ich aber fest und meine Figuren machen nicht das, was ich will, ich denke aber, dass mich das Lesen und Lernen hier im Forum weiterbringt. Deshalb bin ich hier und freue mich über jeden Gedankenaustausch.

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Abari
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 39
Beiträge: 1022
Wohnort: ich-jetzt-hier


BeitragVerfasst am: 19.02.2015 01:23    Titel: Antworten mit Zitat

Aelfrid knautschte sein fahles Morgengesicht in den Spiegel. Der strubbelige rotblonde Winterbart hoffte auf das Aschgrau des Frühlings. Er bockte und störrte sich der Bürste mindestens so ungelenk entgegen wie das Haar, in die sein unentschlossener Schöpfer eine seltsame natürliche Melange aller Haarfarben gegossen hatte, dass sie bei Licht zwischen aschblond und rötlichblond changierten. Die Bürste hakelte in seine Haare wie eine von der Ofenbank gestoßene alte Katze, die nicht mehr ganz Herr ihres Körpers war.
Da half kein Kaffee und nichts.
Aelfrid musste da einfach durch bis er sie fand. Dass er keinen Astralkörper und technisches Geschick besaß und kaum jemals besitzen würde, wusste er alleine. Dieser Schuft von Schöpfer hatte ihm eben nur eins geben wollen, damit er nicht schon als Kind zu überheblich wird, sondern Demut lernt.
Demut. Wie hatte er sich daran abgerackert; so sehr, dass er fast sein ganzes Selbstvertrauen daran auszehrte. Der Tod konnte ihm schon lange nichts mehr anhaben. Einst hatte er ihn durch die Augen seines Schöpfers gesehen, zuletzt seinen eignen bitter durchlebt. Was konnte ihm schon noch etwas anhaben?
Darum saß er manchmal da und wirrte in ihrem Strickzeug herum, trennte ihre Arbeit auf, durchleuchtete, was sie getan hatte und wirkte es in sich wieder zusammen. Er drehte sich dabei auf dem Tisch Bilder mit allem, was seine Finger in den Fäden erschauen konnten. Zuletzt hatte er wieder einmal zu tief in ihre Welten gegriffen und dabei alles verkutzelt. Seine Verirrung stieg ihm in die Augenbrauen. Das hatte er weder gewollt noch so gemeint, aber er konnte nicht anders. Er mochte es, sie in ihren Fäden zu entdecken, weil die ihr Bild in sich trugen und er sich damit ihr näher fühlte. Das war nun einmal das Band, das das Schicksal zwischen sie geworfen hatte. Und ihm war es nicht recht, dass ausgerechnet er, wenn er schon mal zu Besuch war, alles durcheinanderstolpern musste und dann wie ein Kind vertorkelt den Unsinn zu entwirren suchte.
Nichts anderes war in ihn gegeben worden.

Dazu hat mich dein Text inspiriert. Ich halt einfach die Klappe. Sonst will ich nicht wissen, welcher Schlag mich treffen könnte.


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Das zeigt Dir lediglich meine persönliche, höchst subjektive Meinung.
Ich mache (mir) bewusst, damit ich bewusst machen kann.

LG
Abari
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Magnus Soter
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 60
Beiträge: 291



BeitragVerfasst am: 19.02.2015 02:53    Titel: Antworten mit Zitat

Ich finde, der Prolog steigt gar zu langweilig ein. Hätte ich nicht gesehen, dass nur wenig zu lesen ist, wäre ich nicht über die ersten zehn gähnenden Sätze hinausgekommen. So aber kam ich zu den klappernden Nadel und dem Knoten und von da an gefällt es mir.

Lieben Gruß


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Sissi Fuß
Geschlecht:weiblichHobbyautor


Beiträge: 362
Wohnort: zwischen vielen Büchern


BeitragVerfasst am: 19.02.2015 08:34    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Abari.
schön, dass dich mein Text zu irgendetwas inspiriert hat. Was dabei herausgekommen ist, verstehe ich allerdings nicht. Macht aber nichts ...

Hallo Magnus!
Danke fürs Lesen. Wenn man mit vorzeitigen Wehen im Krankenhaus liegt und nicht aufstehen darf, ist das langweilig und frustrierend. Die Protagonistin versucht mit Stricken und Gedanken-Spinnereien die Zeit totzuschlagen.
Es freut mich, dass es dir wenigstens teilweise gefallen hat. Smile


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Pablo Picasso
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bibiro
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 735



BeitragVerfasst am: 19.02.2015 08:58    Titel: Antworten mit Zitat

Abari hat Folgendes geschrieben:
... wie eine von der Ofenbank gestoßene alte Katze, die nicht mehr ganz Herr ihres Körpers war. ...


Dieses Bild hat mich berührt, malt es doch genau die Darstellung, die uns unser alter Kater zu geben pflegt.

Es sei denn, er fühlt sich unbeobachtet. Dann saust er mit den Jungspunden um die Wette.

Verstecken Ich ahne, dass dieser Text hier ähnlich schauspielert.
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Magnus Soter
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 60
Beiträge: 291



BeitragVerfasst am: 19.02.2015 11:07    Titel: Antworten mit Zitat

Sissi Fuß hat Folgendes geschrieben:
Hallo Magnus!
Danke fürs Lesen. Wenn man mit vorzeitigen Wehen im Krankenhaus liegt und nicht aufstehen darf, ist das langweilig und frustrierend. Die Protagonistin versucht mit Stricken und Gedanken-Spinnereien die Zeit totzuschlagen.
Es freut mich, dass es dir wenigstens teilweise gefallen hat. Smile

Es hat mir nicht nur teilweise gefallen, es war nur der Einstieg, der mich nicht hineinziehen konnte. Hätte ich das Buch in einer Buchhandlung aufgeschlagen und die ersten Sätze gelesen, dann wäre es das gewesen. Ich kann dir nur raten zu versuchen, etwas anspruchsvoller in die Tristesse des Wartens einzusteigen, denn ich bin sicher nicht der Einzige, der nach wenigen Sätzen eine Entscheidung trifft.

Lieben Gruß!


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Ich bin der Klaus. lol2
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