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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Leseprobe "Paradoxon"


 
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03mtep13
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 30
Beiträge: 61
Wohnort: Linz


BeitragVerfasst am: 11.08.2014 16:55    Titel: Leseprobe "Paradoxon" eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

hier eine Leseprobe aus meinem Manuskript "Paradoxon". Es sind drei Kapitel von ca. 100, die nicht direkt zusammenhängen. Es soll einen guten Querschnitt zeigen, obwohl es natürlich nicht mal annähernd alles erzählt. Very Happy
Das dazugehörige Exposé werde ich auch hier reinstellen.

Ich bin auf eure Rückmeldungen gespannt!!

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Alles war schwarz. Wo war er, wo war oben und unten? Schwerelos, empfindungslos – körperlos.
Ein heftiger Ruck und ein schmerzhafter Schlag in den Rücken. Der Schmerz breitete sich aus, brannte durch seinen gesamten Körper, verebbte etwas, verblieb aber als Restglühen in seinem Torso. Heftig saugte er Luft in seine brennende Lunge. Er riss die Augen auf und starrte in dichte Finsternis. Es war ruhig. Ein leises Säuseln im Hintergrund, sonst nichts. Unter sich spürte er langes Gras und andere Pflanzen. Er richtete sich auf.
„Mike?“
Keine Reaktion. Es war seltsam. War es Nacht? Man hörte gar nichts. Nur einen leichten Luftzug, der durch Bäume wehte.
„Mike? Bist du da? Irgendjemand?“
Wieder nichts. Wieso war er dunkel? Er konnte unmöglich den ganzen Tag hier gelegen haben. Er griff in an seinen Rücken. Kein Gleitschirmrucksack. Hektisch durchsuchte er seine anderen Taschen. Nichts. Wonach er eigentlich suchte wusste er selbst nicht genau. Aber es war mehr als seltsam, dass er nichts bei sich hatte. Er hatte doch … was hatte er bei sich gehabt? Er wusste es nicht. Sein Kopf war leer, fühlte sich an wie eine Hülle ohne Inhalt.
Nochmals fuhr er sich über die Kleidung, ein Shirt und eine Hose aus Baumwollstoff. Die Taschen gaben auch diesmal nichts her. Nicht mal eine Kleinigkeit zu essen oder eine Flasche Wasser. Was nicht weiter schlimm war, nur verwunderlich. Hunger hatte er sowieso keinen.
Das Wichtigste war jetzt, zu Menschen zu kommen. Nein, dachte er und ordnete die Prioritätenliste anders. Das Wichtigste war es im Moment, diesen Mike zu finden und ihm den Hals umzudrehen, weil er ihn verarscht, ausgeraubt und allein in der tiefsten Wildnis zurückgelassen hatte.
Er sah sich um. Die nähere Umgebung sah anders aus als der Ort, an dem er weggekippt war. Der Boden war gerade, nicht schräg, das Gras unter ihm trocken. Mehr konnte er in der Dunkelheit nicht sehen.
Er stand mühsam auf und tastete einmal an seinem Körper entlang. Alles fühlte sich normal an, er schien keine Verletzungen davongetragen zu haben. Nur das brennen in seinem Oberkörper beunruhigte ihn. Es wurde aber schwächer und schien keinen Einfluss auf seine körperliche Verfassung zu haben. Allerdings fühlte er sich vollkommen erschöpft, als ob er schon sein Tagen nicht mehr geschlafen und die letzte Nacht durchgesoffen hätte. Sein Schädel brummte und er konnte keinen klaren Gedanken fassen.
Er versuchte, ein paar Schritte zu gehen und streckte sich, um den Kreislauf in Schwung zu bringen. In einiger Entfernung sah er ein kleines Licht schimmern. Vielleicht eine Hütte. Auf jeden Fall bedeutet Licht Menschen.
Er ging darauf zu, doch nach ein paar Schritten stolperte er über etwas Hartes und schlug sich das Schienbein an. Mit einem unterdrückten Knurren und einer Verwünschung zog er sein Bein zu sich und untersuchte es. Nur eine Schürfwunde und morgen vermutlich ein gewaltiger blauer Fleck.  Er kroch zu der Stelle, wo er gestürzt war, und betastete das Hindernis. Es war ein dünner Baumstumpf, der ein Stück aus dem Boden ragte. Er rappelte sich auf und trat wütend dagegen.
„Ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass hier Bäume gestanden haben“, murmelte er zu sich selbst. Seine Stimme klang dumpf und rau. Passend zu seinem schweren Kopf. Vielleicht hatte er tatsächlich getrunken und konnte sich nicht mehr daran erinnern. Aber wie war er dann hierher gekommen?
Inzwischen hatten sich seine Augen an die Dunkelheit gewohnt. Ganz dunkel war es nicht. Sterne, geschweige denn einen Mond konnte er nicht sehen. Allerdings strahlte die Wolkendecke matt. Als ob sie von unten erleuchtet würde. Der Effekt war nicht offensichtlich und auch nicht besonders stark, aber es machte die Nacht etwas heller. Woher dieses leuchten kam, interessierte ihn im Moment wenig.
Er konnte nun erkennen, dass er sich in einem Wald befand und auf einer kleinen Lichtung aufgewacht war. Rundherum sah er nur Bäume und zwischendurch mehrere kleinere Lichter.
Immer auf das Licht zu. Und etwas mehr auf den Boden achten.
So ging er auf dem weichen Waldboden immer in die Richtung, aus der der Schein zwischen den Baumstämmen blinzelte. Noch immer kam ihm irgendetwas an dieser Umgebung eigenartig vor, er konnte nur nicht definieren, was es war. Nach kurzer Zeit gesellten sich noch mehr Lichter hinzu, wurden deutlicher und heller. Und plötzlich, als trete er in eine andere Welt über, stand er am Waldrand und starrte auf eine nächtliche Großstadt.
„Wo bin ich hier und wie komme ich hierher?“
Er murmelte vor sich hin, während er überlegte, aber er kam zu keinem befriedigenden Schluss. Menschliche Zivilisation hatte er offensichtlich gefunden.
Immer noch gebannt und überwältigt von dem Anblick ging er weiter und stieg in eine lehmige Schlammlache. Leise fluchend streifte er seine Schuhe ab. Er sah sich um und erkannte, dass er mitten auf einer gerodeten Waldfläche stand. Rings um Ihn herum sah er unbekannte Strukturen stehen, vermutlich Baumaschinen. Der Boden war ein einziges Schlachtfeld, übersät von Baumstämmen und Ästen. Einige hundert Meter von Ihm entfernt ragten Beton- und Stahlträger in den Himmel und noch weiter dahinter sah er im Halbdunkel Gebäude als Schatten gegen den Himmel ragen.
Es war sehr still. Von der Stadt drang ein kontinuierliches Geräusch heran, ein Pfeifen, Zischen, Rauschen, ein undefinierbares Gemisch aus vielen Geräuschen. Nicht laut, ein unauffälliges Hintergrundgeräusch. Hinter sich hörte er gar nichts. Er trat auf einen Ast, um sich zu überzeugen, dass seine Ohren noch funktionierten. Der Ast brach mit einem Knacken entzwei, das bei der Stille dem Krachen eines umstürzenden Baumes glich.
Also war es hier wirklich so leise. Doch wie kam es, dass er nicht mal ein Tier hörte. Kein rascheln im Laub, kein singen eines Vogels, kein Hundegebell. Es war unheimlich. Als ob alles Leben aus dieser Welt genommen worden war. Hinter ihm fuhr eine Windböe durch die Bäume. Das Geräusch erzeugte sofort eine Gänsehaut, die ihm den Rücken hinunterlief und instinktiv sah er sich um. Er sah nach links und nach rechts, doch dort war außer ein paar vereinzelten Geräten nur lehmigen Boden und ein Schotterhaufen.
Der Wald wurde offensichtlich gerodet, um die Stadt zu vergrößern. Und das auf einem Streifen, der mehrere hundert Meter breit war und so lang, dass er bei den Lichtverhältnissen links und rechts kein Ende sah.
Doch er hatte keine Zeit, darüber nachzudenken, er musste erst einmal in die Stadt, um sich zu erkundigen, wo er war. Wenn überhaupt Leute dort wohnten. Es brannte zwar Licht, doch er konnte sich des Gefühls nicht erwehren, dass irgendetwas hier nicht stimmte.
Und wenn irgendeine Seuche ausgebrochen ist und alle verreckt sind? Nein, das kann nicht sein. Irgendetwas hätte ich doch in den Nachrichten mitbekommen. Andererseits habe ich auch keine Ahnung, wie ich hier her gekommen bin.
Er schüttelte seinen Kopf über seinen ratlosen Monolog und ging Richtung Stadt. Dabei achtete er genau auf den Boden, um nicht wieder in irgendeine Lache oder einen Dreckhaufen zu steigen.
Er ging an den Maschinen vorbei und konnte sich nicht daran erinnern, schon mal Derartiges gesehen zu haben. Eine der Maschinen hatte sechs Reifen, im Durchmesser mehr als doppelt so groß wie er. Allgemein war das Gebilde von gewaltigen Ausmaßen. Wie eine dicke, fette Raupe sah es aus. Und als er davor stand, fühlte er sich wie eine Ameise. Oben hatte die Maschine einen Aufbau, der wie ein riesiger Bohrer auf einer Plattform aussah, vorne hatte es einen Rammschutz und hinten etwas, das wie eine gigantische Ladefläche aussah. Eine Fahrerkabine sah er nicht. Irgendwie hatte alles Dimensionen, als ob es für Riesen gemacht worden wäre. Auch die in die Erde gerammten Träger und Betonpfeiler. Klobig und schwer.
Langsam kam er der Stadtgrenze näher und nun sah er auch, dass sie doch belebt war. Kleine und größere Fluggeräte, zogen mit leisem Fauchen ihre Runden in den Straßenschluchten. Auf der großen Hauptstraße, die gerade von ihm wegführte, war alles hell erleuchtet. Viele Gebäudewände wurden als große Werbetafeln genutzt, auf denen kurze Videosequenzen liefen. Vor diversen Geschäften, Pubs und Clubs, deren Reklametafeln schon von weiter Entfernung zu lesen waren, standen Gruppen von Menschen herum. Einige schlenderten gemütlich, andere in eher wackeligem Gang über die Straße. Dem gegenüber nahmen sich die dunklen Nebenstraßen sehr trostlos und menschenleer aus. Er stand immer noch auf der Baustelle, hier jedoch in einem Gebiet, in dem der Bau schon etwas weiter vorangeschritten war. Rohbauten und Teile davon ragten neben ihm auf, dennoch konnte er aus seiner erhöhten Position, die der sanfte Hang mit sich brachte, viel von dem Treiben weiter vor sich sehen.
Eine Weile blieb er einfach stehen und beobachtete. Weder die Flugzeuge, die massenhaft und in den unterschiedlichsten Varianten herumschwirrten, noch die Architektur der Häuser kam ihm in irgendeiner Art und Weise bekannt vor. Er strengte sein Gehirn an, um eventuelle Bilder von Städten abzurufen, die er bis jetzt besucht hatte. Keine Chance. Irgendwie konnte er sich gar nicht erinnern, jemals eine Stadt besucht zu haben. Auch was er vor diesem Basejump gemacht hatte, lag in großer Dunkelheit.
Ein schreckliches Gefühl überkam ihm, sein Puls beschleunigte sich und sein Kiefer mahlte. Verzweifelt suchte er nach irgendetwas. Irgendwelche Erinnerungen. Er rief Wissen ab. Eins plus eins ist zwei. Elektrizität wird durch Magnetismus in Spulen erzeugt. Bananen sind gelb. Das alles rasselte in sekundenschnelle herunter. Er hatte eine Menge Wissen gespeichert. Aber er konnte beim besten Willen nicht sagen, was er denn gestern gegessen hatte. Oder wo er zu Hause war. Wie sein Name war.
Eine Gänsehaut ließ ihn frösteln, obwohl es angenehm warm war. Nackte Panik erfasste ihn. Fühlte sich so ein Alptraum an? Er wollte aufwachen, kniff sich in die Hand und ohrfeigte sich selbst. Ohne Erfolg. Unter enormen Anstrengungen versuchte er, sein Gehirn zu irgendwelchen persönlichen Informationen zu zwingen. Es weigerte sich vehement. Heftig atmend stand er da, spürte seinen Puls pochen. Mehrere Atemzüge lang konzentrierte er sich nur auf das Atmen selbst. Ein. Aus. Ein. Aus. Er beruhigte sich wieder, seine Gedanken schwenkten auf den Bereich um, der arbeitete. Was war die Ursache seiner Symptome, was der Auslöser?
All das ließ nur zwei Möglichkeiten offen. Entweder er war mit KO-Mitteln betäubt und ausgeraubt worden. Das würde die Kopfschmerzen, den Gedächtnisschwund und die Tatsache, dass er nichts als ein paar Kleidungsstücke bei sich hatte, erklären. Auch ein traumatischer Unfall kam in Frage. Aber er wies keinerlei Verletzungen auf.
Oder das alles war wirklich nur ein schlechter Alptraum. Obwohl, eine weitere Erklärung würde es schon noch geben. Vielleicht war er doch so dumm gewesen, in einen dieser blöden Virtual-Reality-Simulatoren gestiegen und hatte dem Zufallsgenerator ein Setting aussuchen lassen. Er hielt kurz inne. Das war eben eine persönliche Erinnerung gewesen. Er hasste diese Simulatoren. Gut. Was hasste er sonst noch?
Ihm fiel auf die Schnelle nichts ein, also sah er sich um. Mochte er Baumaschinen? Oder Gebäude? Keine Reaktionen, weder positiv noch negativ. Er sah auf den Boden. Seine Sneakers starrten vor Schlamm. Selbst die Hosenbeine seiner Jeans waren versaut. Ok, er hasste definitiv Dreck. Immerhin etwas. Aber sonst keine Reaktion. Er ließ sich auf einen Stapel Bauträger nieder und legte seinen Kopf in die Hände. Es tat gut, die Augen zu schließen.
Eine gefühlte Stunde saß er einfach nur da und wartete. Auf einen Geistesblitz, eine Eingebung oder einfach nur auf das Aufwachen. Doch nachdem sich auch nach einer ganzen Weile nichts einstellte und ihm langsam die Kälte unter die Kleidung kroch, richtete er sich wieder auf. Er machte ein paar Schritte und starrte in die Richtung, aus der die Reklamen leuchteten und eine kleine Gruppe Jugendlicher herumgrölte, so dass es bis hierher zu hören war.
„Oh Mann.“
Nur diese beiden Wörter kamen ihm über die Lippen. Er wusste nicht, was er sonst hätte sagen sollen. Das alles war so unwirklich. Doch was blieb ihm übrig? Er konnte nicht die ganze Nacht hier stehen bleiben. Das Beste, das er machen konnte war, da hinein zu gehen und so viel Information wie nur irgendwie möglich zu sammeln. Womöglich schloss sich dann wieder der Kreis und ihm würde es wie Schuppen von den Augen fallen, dass er einfach nur stockbesoffen war.
Vorsichtig, um nicht über am Boden liegende Baumaterialien zu stolpern, schritt er dem Licht entgegen. Je weiter er kam, desto besser wurde die Straße. Was er vorher nur als Schlammloch hätte bezeichnen können, bildete sich als Feldweg heraus, um dann in eine befestigte Straße überzugehen. Die Gebäude neben ihm verwandelten sich von halbfertigen Rohbauten zu niedrigen Wohnblöcken, deren Fenster teilweise beleuchtet waren. Derartig helle Anzeigewände, wie er sie vorhin weiter vorne gesehen hatte, waren aber hier Fehlanzeige. Auch war die Gesamtkulisse anders. Die Straße war schmal und zum Großteil von Gebäudewänden gesäumt. Die belebte, illuminierte Hauptstraße, die er von der erhöhten Position gesehen hatte, war nun aus seinem Blickfeld verschwunden. Nur spärlich erhellten die wenigen, weit verteilten Lampen die Gasse.
Menschenleer und nur von den Geräuschen scharrender Klimageräte und dem fernen Rauschen des Verkehrs etwas belebt, war es hier unheimlich. Er beschleunigte seine Schritte, um so schnell als möglich irgendwohin zu kommen, wo nicht alle schliefen.
Als es hinter ihm raschelte, wendete er seinen Kopf, aber er konnte nichts erkennen. Er begann zu laufen. Schmale Türen, dunkle Fenster, schmutzige Wände zogen an ihm vorbei, es ging um eine Ecke. Wieder dasselbe Bild. Aber das Verkehrsgeräusch wurde lauter. Wieder knackte etwas hinter ihm. Weiter. Wieder rannte er um die Ecke, nur um diesmal mit einer schwarz gekleideten Person zu kollidieren. Mit einem Geräusch des Erschreckens stolperte er und fiel hin, die Person neben ihm. Sofort rappelte er sich auf, doch bevor er noch registrieren konnte, was passiert war, fühlte er sich gepackt. Jemand riss ihn hoch, schubste ihn und presste ihn mit dem Gesicht gegen die schmutzige Wand. Nach fettigem Essen stinkender Atem schlug ihm entgegen, als die zweite Person sagte:
„Wen haben wir denn da? Verlaufen?“
„Ich … nein … ja.“
Der Griff lockerte sich etwas.
„Sobi, ich glaube wir haben da einen von der Anstalt.“
Er wurde umgedreht. Der Mann, der ihn gepackt hatte, ließ los und trat zwei Schritte zurück. Der andere hatte sich eben aufgerappelt und hielt sich den Kopf.
„Ist mir egal. Dieser Penner hat mir den Kopf gegen die Wand gehauen.“
Er lehnte an der Wand und sah von einem zum anderen. Beide trugen eine Glatze, waren von untersetzter Statur und steckten in einer dunkelblauen Kluft, die entfernt nach einer Art Uniform aussah. Ein großes Logo auf der Brust wies sie als Angehörige eines Sicherheitsunternehmens aus. Vermutlich welche von der Sorte, die im Auftrag der Verwaltung die Straßen patrouillierte und als verlängerter Arm der Polizei operierte. Das war gut, wenigstens konnte er sie fragen. Aber besonders gesprächsbereit sahen sie nicht aus. Der Mann, mit dem er kollidiert war, offensichtlich wurde er Sobi genannt, kam auf ihn zu. Auf seiner Glatze zeichnete sich ein dunkler Fleck ab, aus dem eine ebenso dunkle Flüssigkeit in einem kleinen Rinnsal vor seinem Ohr langsam herunterlief.
„Du könntest recht haben“, meinte er zu dem anderen gewandt. „Sieht ziemlich verwirrt aus. Werden wir gleich sehen.“
Der Mann zückte ein faustgroßes Gerät und richtete es auf ihn. Er zuckte zusammen  und wich zur Seite.
„Hey, ganz ruhig. Ich lese dich doch nur aus. Es passiert dir doch nichts.“
„Was meinen sie mit auslesen?“
Der Sicherheitsbeamte lachte.
„Du hast Recht, Zilka. Der ist wirklich von der Anstalt. – Ich werde jetzt nur ihre Identität feststellen und sie nach Hause bringen. Bleiben sie ruhig.“
Die Stimme, mit der dieser Sobi mit ihm redete, war beinahe mild, so als ob er mit einem Kind sprach. Er hob wieder das Gerät in seiner Hand und hielt es an seinen Nacken. Stirnrunzelnd betrachtete er das Ergebnis, dann wiederholte er den Vorgang.
„Komm mal Zilka.“
Mit dem Blick auf das Display des Geräts gerichtet, winkte der Glatzköpfige seinen Kollegen her. Der warf einen Blick auf die Ergebnisse. Nachdenklich sah er zu ihm herüber, wieder auf das Display und schlussendlich zu seinem Kollegen.
„Ich denke, wir nehmen ihn mal mit“, flüsterte Zilka leise. Er konnte es trotzdem hören.
Nicken als Antwort. Zilka fasste ein Paar Handschellen aus seiner Tasche und ging auf ihn zu.
„Stop, Halt.“
„Wir tun dir nichts. Aber du musst jetzt mitkommen.“
„Wieso? Was habe ich getan?“
„Wir müssen etwas überprüfen. Wie ist dein Name? Die Hände bitte.“
Der Ton wurde schärfer.
„Ich … ich weiß es nicht. Das ist mein Problem. Ich weiß nicht, wer ich bin. Ich weiß auch nicht, wo ich bin. Ich…“
„Ok, das reicht. Wenn sie den Verrückten spielen wollen, meinetwegen. Aber erst wieder in der Zelle. Hände her.“
Der Mann kam auf ihn zu, die Handschellen in einer Hand, mit der anderen fasste er in die Tasche und holte einen kleinen Gegenstand heraus.
„Hey, ich lasse mich nicht einfach so mitnehmen. Ich habe nichts getan. Ich kenne meine Rechte. Sie können mich nicht einfach so verhaften.“
Die beiden lachten auf.
„Sie haben keine Rechte. Sie sind einer von denen. Sie lassen sich jetzt auf der Stelle die Handschellen anlegen und kommen mit, oder sie werden es bereuen.“
Er merkte den Ernst der Lage und ballte die Fäuste.
„Gut, dann versuchen sie es. Ich lasse mich nicht abführen wie ein Verbrecher.“
Zilka riss die Hand mit dem kleinen Gegenstand nach oben, doch er schlug ihm gegen die Hand, so dass das ihm der kleine Schocker aus der Hand fiel. Der nächste Hieb ging gegen den Oberkörper des Angreifers. Der Schlag wurde abgewehrt, beim sofort folgenden traf die Faust auf das Kinn. Es knirschte, ob in seiner Hand oder im Gesicht des Angreifers, konnte er nicht sagen. Unbeeindruckt schlug Zilka zurück, er konnte ausweichen, so dass die Faust hinter ihm auf den Beton schlug. Aus dem Augenwinkel bemerkte er eine Bewegung. Dann ein kalter Gegenstand am Hals, ein Blitz, der durch den ganzen Körper fuhr, die Muskeln verkrampfen ließ. Den nächsten Schlag in die Magengrube konnte er nicht mehr abwehren und kraftlos wie ein nasser Sack klappte er zusammen. Flocken tanzten vor seinen Augen, kurz wurde es schwarz. Wortfetzen hallten tonlos durch seinen Kopf. Einer lachte.
„… schnell fesseln … Müssen ihn zur Zentrale bringen … das wird …“
Er spürte, wie jemand seine Arme packte, aber er konnte sich nicht wehren. Als ob jeder Muskel taub wäre, jede Nervenbahn nur noch Schmerz signalisierte. Der Arm wurde wieder fallen gelassen, ein Ruf ertönte. Etwas fiel auf den Boden, schnelle Schritte erklangen, jemand schrie auf, dann wurde es still. Nur ein leises Scharren war zu hören. Schlussendlich brachte er seine Gesichtsmuskeln soweit unter Kontrolle, dass er die Augen etwas öffnen konnte. Er wendete seinen Kopf etwas. Verschwommen sah er zwei Personen auf der Straße liegen. Es waren die beiden Hilfspolizisten.
Neben ihm hörte er leise Schritte. Er wendete den Kopf um sich umzusehen, konnte aber niemanden sehen. Mit allergrößter Anstrengung gelang es ihm, sein Bein anzuziehen und seinen Oberkörper ein klein wenig aufzurichten.
„Hey, ganz ruhig. Nicht bewegen. Es ist alles in Ordnung. Wie heißt du?“
Ein Gesicht erschien über ihm. Verschwommen, unklar. Er konnte es nicht zuordnen. Dunkle, kurze Haare, eine Frau. Wer auch immer sie war, sie hatte die beiden niedergestreckt. Instinktiv wollte er weg, doch dann dachte er nach. Deines Feindes Feind ist dein Freund. Außerdem konnte er in seinem Zustand sowieso nichts gegen sie ausrichten. Also einfach mal kooperativ sein.
„Ich heiße … keine …“
Das Sprechen fiel ihm schwer, als hätte er seit Tagen nichts mehr getrunken und sein Nacken schmerzte. Beschissener Tag. Nach mehrmaligem Blinzeln lichtete sich sein Sichtfeld. Ja, eine Frau war es definitiv, mit durchdringenden, ebenso dunkeln Augen wie ihre Haare. Sie war attraktiv und sie lächelte ihn an, aber sie war ihm völlig unbekannt.
Vielleicht war heute doch kein so schlechter Tag. Er bemühte sich, ebenfalls ein Lächeln zustande zu bringen, aber es sah wohl ziemlich schief aus, denn sie sagte nur:  „Ich nehme dich jetzt mit, in Ordnung. Ich werde dir nichts tun.“
Das Gesicht verschwand wieder. Er schloss wieder die Augen. Er konnte sowieso nichts machen, als sich widerstandslos zu fügen. Er hatte keine Kraft mehr,  fühlte, wie sich alles zu drehen begann. Irgendwie schaukelte er hin und her, dann war alles weg. Keine Geräusche, kein kalter Boden unter ihm, nichts war mehr existent. Doch ein beschissener Tag.

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.
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Es kostete Überwindung, sich nicht ständig umzudrehen und um sich zu starren. Man konnte über Tudor Carter sagen, was man wollte, aber er hatte etwas Großartiges geschaffen. Der Ring der CROSS, in dem sie sich befanden, war in mehrere Stockwerke unterteilt. Diese Stockwerke stapelten sich allerdings nicht übereinander, sondern bildeten konzentrische Kreise. Der Fußboden war jeweils zum äußeren Rand des Ringes gerichtet, oben war die Radnabe der CROSS. Durch die Drehbewegung und der daraus resultierenden Fliehkraft wurde eine künstliche Schwerkraft simuliert. Somit wurden HURST-Module überflüssig, die ebenfalls eine Gravitation über gerichtete Quanteneffekte erzeugten. Allerdings war dieser Effekt örtlich sehr stark begrenzt und diese Scheinschwerkraft dementsprechend nicht überall gleich. Außerdem verschlangen diese neuartigen Systeme Unmengen an Energie. Die Simulation einer Gravitation durch Fliehkraft war im Gegensatz dazu so simpel wie billig.
Sie befanden sich in der vorletzten Ebene, Level 23, also fast an der äußeren Oberfläche des Rings. Laut ihren Informationen gab es darunter noch eine Ebene, die nur der Versorgung diente. Wasser- und Luftaufbereitung, Energieversorgung, Leitungen und Reparaturwerkstätten.
Jedes Stockwerk bildete sich aus drei bis fünf Level, die immer nach dem selben Prinzip aufgebaut waren. Drei parallele Hauptstraßen verliefen rund um den Ring. Man konnte sie tatsächlich Straßen nennen. Kleine Fahrzeuge, Taxis, die man an jede Ecke anmieten konnte, flitzten hin und her, brachten Personen oder Waren zu ihren Zielen. Links und rechts von dieser Straße breitete sich ein großzügiger Bürgersteig aus. Dieser wurde wiederum von den Gebäudewänden eingekesselt, die normalen Wohnhäusern und Geschäften nachempfunden waren. Türen, Fenster, Balkone, alles wie auf der Erde. Nur ein Dach besaß keines der mehrstöckigen Gebäude. Zumindest kein richtiges. Denn in dieser Höhe umspannte die Decke das gesamte Stockwerk und bildete den Boden der darüber liegenden Ebene.
Im Prinzip war es ein riesiger, langer Tunnel. Nur an wenigen Stellen zweigte eine Seitengasse ab und führte zu den anderen beiden parallelen Straßen oder in die darüber oder darunter liegenden Ebenen. Diese Tunnelatmosphäre störte aber nicht besonders. Die Luft war sehr gut, besser als an manchen Orten auf der Erde. Die Decke war eine einzige Animation mit Wolken und Sonne, so dass keine klaustrophobische Atmosphäre aufkommen konnte. Düster war es aufgrund der hellen Farbgebung und der guten Beleuchtung auch nicht.
Die einzige wirkliche Kuriosität war die Krümmung der Straße. Trotz des großen Radius des Ringes konnte man gut erkennen, dass der Boden nicht gerade war. Vorne und hinten bogen sich die Straße, die Decke und die Gebäudewände nach  oben hin weg, als würde man ständig vor einem Hügel stehen, seine Kuppe aber niemals erreichen.
Nolan hatte es oft trainiert, hatte die Umgebung gesehen, doch die Realität war etwas völlig anderes. Während die Trainingsumgebung simuliert gewirkt hatte, einfach nicht echt, war dieser Anblick nur als surreal zu beschreiben. Alles lebte, die Menschen gingen ganz normal umher, alles sollte den Eindruck machen, es wäre hier wie auf der Erde, aber es war doch vollkommen anders. Unwirklich. Nolan tat sein beklemmendes Gefühl mit dem Gedanken ab, dass er sich ganz einfach noch an die Umgebung gewöhnen musste.
Als sie die Station betreten hatten, war es zwar eigenartig gewesen, aber primär wegen der anderen Umgebung. Es hatte steril gewirkt, mit den weißen Gängen, der großen Umschlaghalle, den Sicherheitskontrollen und den Schaltern. Wie ein Flughafen, aber trotzdem anders.
Hier in der Nabe des Rades, wo keine Fliehkraft herrschte, waren die notwendigsten Bereiche mit HURST-Modulen ausgestattet. Die geringe Gravitation mit ihren lokalen Schwankungen war er inzwischen schon gewohnt, es machte ihm nichts mehr aus. Die Umgebung glich wirklich wie einem großen Flughafen, auf dem man sich einfach verloren vorkam. Auch die Fahrstühle, die den Transport von der Radnabe bis zu den Ringen durchführten, waren eben Fahrstühle, aber dennoch anders als sonst. Alles war anders, und doch so gewohnt.
Jedoch der Anblick, der sich ihnen bot, als sie den Fahrstuhl verließen, war … schockierend. Solch ein Bild hatte man im Kopf, konnte man vielleicht noch in einem Science-Fiction-Film sehen, aber das konnte einfach nicht real sein. Wäre der Boden vollkommen eben und nicht gebogen gewesen, hätte es diese Animationen an der Decke nicht gegeben, hätte man sich vielleicht noch einreden können, in einem riesigen Einkaufszentrum zu stehen, oder in einem großen Tunnel. Doch so konnte man die Tatsache, dass man praktisch frei im All schwebte, nicht mehr von sich werfen. Jeder Zentimeter der Umgebung schrie es förmlich heraus. Und dann gab es noch die Panoramabalkone. Aussichtsplattformen vor riesigen Glasscheiben, die einen Blick auf die schwarze leere und die blaue Murmel darin ermöglichten. Diese Plattformen waren gesteckt voll mit Touristen, eine riesige Menschentraube hatte sich vor den Scheiben gebildet. Aber das betraf sie nicht. Auch wenn sie für solche Dinge Zeit gehabt hätten, Nolan hatte jetzt schon Bauchschmerzen, wenn er sich in Erinnerung rief, wo sie waren. Kaum auszudenken, was passieren würde, wenn ein Meteorit einschlagen würde. Oder ein Frachter mit der Station kollidierten würde. Es wäre ein Massaker. Bei einem Unglück wäre zwar nur ein kleiner Teil der Konstruktion betroffen, aber trotzdem würden viele Menschen sterben.
Eben durchquerten sie eines der Schotts, die den Ring in kleine Segmente unterteilte. Sollte es zu einem Druckverlust kommen, würden sie das betreffende Segment abschotten. Allerdings wären die Menschen in diesem Bereich allesamt verloren. Interessiert starrte er auf die stabile Stahlkonstruktion, die ein mächtiges Tor für die Straße und mehrere kleinere Durchgänge für Fußgänger offen ließ.
„Starr nicht so“, raunte ihm Djamila zu.
Sie hatte Recht. Er konzentrierte sich wieder auf seine Rolle und schritt zügig weiter.
Ihre beiden Ziele lagen nicht weit von einander entfernt. Ihr erster Halt war eine Abzweigung, an der eine Anzeige des Navigationssystems das UNET-Logo anzeigte. Sie bogen ab und standen nun in einer kaum frequentierten Seitenstraße. Ein moderner, mit Glas und poliertem Metall gestalteter Eingangsbereich erwartete sie, über ihnen der große Schriftzug des Unternehmens.
Eine gelangweilte Empfangsdame saß hinter dem Anmeldungstresen und kaute lustlos auf einem Kaugummi herum, während sie irgendetwas auf ihrem Bildschirm betrachtete. Sie sah erst auf, als die beiden grüßten.
„Ja?“
„Guten Tag. Wir sind …“
„Die Techniker. Sie kennen sich aus?“
„Ja.“
Sie rollte auf ihrem Stuhl etwas zurück und öffnete einen massiven Metallkasten hinter ihr. Während sie suchte, sah Nolan zu Djamila und musste sich zusammenreißen, um nicht zu grinsen. Die Frau hatte keine Miene verzogen, als sie mit ihnen geredet hatte. Viel war hier nicht los, offensichtlich waren sie heute die einzigen Termine. Ihr Job musste unglaublich langweilig sein. Ohne Eile schloss sie den Schrank wieder ab, nachdem sie eine Karte entnommen hatte und rollte wieder zurück.
„Sie müssen bis hinein?“
„Ja.“
„Dann brauchen sie den zweiten Schlüssel. Ich hole ihn.“
Ihre Stimme machte schläfrig. Nolan war froh, als sie in einer Tür verschwand. Kurze Zeit später kam sie mit einer zweiten Karte in der Hand zurück und legte beide vor sie auf die Tischplatte.
„Wenn sie bitte noch ihre Kennung bestätigen.“
Sie zogen beide ihre Armbänder über die Platte. Ein kurzer Blick auf ihren Bildschirm, dann nickte sie langsam.
„Ist korrekt. Hier sind die Schlüssel. Bitte entschuldigen sie die übertriebenen Sicherheitsvorkehrungen, aber seit dem Amoklauf spielen hier alle verrückt. Sie haben davon gehört?“
Sie nickten.
„Ja, seitdem sind alle etwas nervös. Also, sie müssten sich dann bitte noch bei mir abmelden, wenn sie gehen.“
Nolan nickte verständnisvoll, schnappte die Karten und ging. Eine Minute länger und er wäre eingeschlafen. Wenigstens war sie nicht misstrauisch gewesen. Sie hätten hier wohl auch offen mit Waffen in der Hand hereinspazieren können, es wäre ihr wohl gar nicht aufgefallen.
Die Räumlichkeiten waren nicht besonders weitläufig. Ein paar Gänge, Büros, Zimmer für Meetings und Präsentationen. Hauptsächlich sollten sie wohl nur ein Versteck, eine weitere Sicherheitsmaßnahme für den Zugang zum dahinterliegenden Kommunikationsmodul bilden und für Meetings mit potentiellen Kunden.  Nur zwei Personen begegneten ihnen, während sie dem Gang folgten. Nolan hatte nicht gelogen, als er der Dame gesagt hatte, sie würden sich auskennen. Sie wussten genau, wohin sie gehen mussten. Virtuell waren sie die Strecke schon mehrmals gelaufen.
Die erste Chipkarte in Verbindung mit der obligatorischen Armbandabfrage gab den Zutritt zur ersten Schleuse frei. Da das Modul außerhalb des Rings lag und abgekoppelt werden konnte, war der Bereich durch zwei Schleusen und mehreren Sicherheitsabfragen geschützt. Der Schleusenraum wirkte winzig gegenüber dem nächsten Abteil. Das Modul selbst war annähernd kugelförmig und schloss mit einem großen Ring an die Station an. Massive Verriegelungseinheiten, Halteklauen und Dichtungen bildeten einen Zylinder mit großem Durchmesser, aber kurzer Länge. Ein Steg erstreckte sich die wenigen Meter entlang der Zylinderachse von der ersten zur zweiten Schleuse, die sie ins Innere der Kugel führen würde. Im Falle eines Austausches des Moduls, oder sollte sich in der Kugel ein Unglück ereignen, wie beispielsweise ein Kabelbrand oder eine Explosion, konnte es schnell abgekoppelt werden. Sie würden sich in diesem Fall genau zwischen der Station und dem Modul befinden und in die Leere des Alls gesaugt werden. Etwas mulmig war Nolan schon, als er daran dachte, aber die massiven Verriegelungsklauen machten nicht den Eindruck, als ob sie gleich nachgeben würden. Die zweite Karte gab den Zutritt zur nächsten Schleuse frei, dann standen sie inmitten von großen Kästen, brummenden Kühlaggregaten und dicken Kabelsträngen. Mehrere Plattformen bildeten ein Dutzend Ebenen, die Zugriff auf alle Bauteile boten.
Sie hatten es simuliert und den besten Effekt erreichten sie, wenn sie zwei Sprengladungen an verschiedenen Stellen zündeten. Im Gegensatz zum Rechenkern des UNET-B hatten sie diesmal Informationen vom Inneren der Einrichtung und konnten deshalb auch zielgerichtet arbeiten. Die Kühlaggregate waren optimal.
Unter den wachsamen Augen der Kameras, die zu hunderten den Raum überwachten und jede Bewegung analysierten, ging jeder zu einem der großen Behälter und öffnete seinen schlanken Koffer. Jeder enthielt drei unterschiedliche Bauteile, die auf den ersten Blick wie normale Diagnosegeräte aussahen, wie sie für die Kommunikation mit einer technischen Anlage üblich waren. Normalerweise ließen sich über eine solche Standardanbindung alle relevanten Daten auslesen und Störungen beheben. Auch ihre Geräte konnten das, zumindest oberflächlich. Mehr war auch nicht nötig. Der wahre Einsatzzweck war ähnlich wie der, der kleinen Multifunktionswerkzeuge, die Gerrard hergestellt hatte. Wo normale Analysegeräte eine Speichereinheit, Verarbeitungsprozessoren und ein Kommunikationsmodul hatten, wurde fast der gesamte Platz im inneren des Geräts vom Energiespeicher eingenommen. Mit einer entsprechenden Steuerung hatte er um ein vielfaches mehr Sprengkraft als die kleinen Dinger, die sie beim letzten Mal benutzt hatten. Und allein die hatten schon ordentlich Schaden angerichtet.
Konzentriert und flink öffnete Nolan eine Abdeckung, zog einen Stecker heraus und schloss das Gerät an das Kühlaggregat an. Selbsttätig zeigte der Bildschirm eine Menge Informationen an, die ihn aber absolut nicht interessierten. Für ihn war nur die Zeit wichtig, die in der rechten unteren Ecke stand. 70 Minuten. Das war der Plan. Sie hatten es simuliert und auch schon unter einer Stunde geschafft, aber ein wenig Reserve musste sein. Er aktivierte den Timer, synchronisierte ihn mit seinem Armband und schaltete den Bildschirm aus. Dann klappte er seinen Koffer zu und ging wieder zur Schleuse.
Djamila wartete schon mit einem weiteren Gerät unter dem Arm.
„Na endlich“, kommentierte sie.
Er verdrehte die Augen und öffnete die Schleuse.
„Wir haben ab jetzt nur noch…“
Sie warf einen prüfenden Blick auf ihr Armband.
„… 67 Minuten Zeit. Also los.“
Im Zwischenraum deponierten sie das dritte Gerät so, dass es die Daten der Schleusenverriegelung auslas. So war es gut platziert und sie würden eine Warnung erhalten, sollte jemand anders den Raum betreten.
Nolan musste sich zusammenreißen, um nicht nervös um sich zu sehen. Vorhin hatte er das nicht gehabt, aber jetzt hatte er plötzlich das Gefühl, dass man es ihm anmerkte, dass er nicht hierhergehörte. Ein Mann kam ihnen entgegen und warf ihnen einen Blick zu. Ob er etwas gemerkt hätte. Er ging an ihnen vorbei.
Die Empfangsdame war nicht da. Wahrscheinlich war sie eingeschlafen und unter den Tisch gefallen, dachte Nolan amüsiert, als sie vorbeigingen. Den ersten Teil hatten sie geschafft. Ohne noch irgendjemanden gesehen zu haben, verließen sie die Glasfront des Gebäudes.
„Hey, sie da. Stehenbleiben.“
In Gedanken sausten tausend Verwünschungen an ihm vorbei. Einen Moment lang schoss ihm der Gedanke durch den Kopf, einfach loszurennen. Aber sie mussten mitspielen. Ohne ihre Tarnung würden sie hier nie mehr rauskommen. Außer vielleicht in einem Gefangenentransporter oder einem Leichensack.
Langsam drehten sich beide um. Zwei Sicherheitsmitarbeiter in Uniform kamen auf sie zu. Einer sprach eben etwas in sein Headset. Sie winkten ihnen zu.
Nolan versuchte, gelassen zu wirken.
„Ist irgendetwas?“
„Sie haben vergessen, sich abzumelden.“
„Ach ja, natürlich, verzeihen sie“, flötete Djamila. Ihr fiel wohl eben ein genauso großer Stein vom Herzen wie ihm.
„Wissen Sie, wir sind heute etwas in Eile“, erklärte sie, während sie mit den beiden Männern zurückgingen. „Sie wissen ja, wie das ist…“
Einer der beiden bemühte sich um ein Lächeln.
„Kann ja mal vorkommen. Aber wir brauchen unbedingt die Zutrittskarten wieder.“
„Ach so, ja, hatte ich ganz vergessen. Bitte verzeihen sie. Wir waren schon in Gedanken bei unserem nächsten Termin.“
Das war nicht mal gelogen.

.
.
.

Als Sergej die Gruppe schwarzer Gestalten in den Höhleneingang huschen sah, überkam ihm ein ungutes Gefühl. Eigentlich sollte er da vorne dabei sein und nicht hier oben in sicherer Höhe das Geschehen überwachen, während vielleicht da unten seine Freunde verletzt oder gar getötet wurden. Wie konnte er hier oben stehen und nichts tun? Er musste dabei sein.
„Marco?“
„Was gibt’s, General?“
„Du übernimmst meinen Posten.“
„Was? Soll ich jetzt mit meinem Zeug da raufkommen?“
„Nein. Du bleibst wo du bist und übernimmst die Koordination. Embaye wird dich von hier oben unterstützen.“
„Was ist mit dir?“
„Ich gehe runter.“
„Wohin runter?“
„Zu den anderen. Ich muss ihnen helfen.“
„Wieso? Du hilfst ihnen doch, indem du koordinierst und sie warnst.“
„Das könnt ihr beide genauso gut. Und von unten kann ich auch koordinieren. Ich muss da runter.“
„Wenn du meinst. Aber pass auf dich auf. Wir brauchen dich noch.“
„Wir brauchen jeden einzelnen, der da unten ist. Und genau deshalb werde ich dafür sorgen, dass auch alle da wieder heil herauskommen. - Embaye, du übernimmst die Kontrolle hier oben. Du kennst den Plan.“
„Ja. Wir schaffen das schon. Pass auf und mach keinen Blödsinn. Wie Marco sagte, wir brauchen dich noch.“
„Mit dem Blödsinn muss ich wohl dich und deinen Bruder ermahnen. Aber wenn etwas passiert und sich da unten jemand blicken lässt, der da nicht hingehört … ihr wisst, was ihr zu tun habt.“
Damit hastete er aus dem Kommandoraum. Vorbei an Konferenzräumen und versperrten Sicherheitstüren, die diverse Steuer- und Sicherungssysteme beherbergten. Von hier aus war es möglich, alle Systeme der Kleinstadt zu übernehmen und manuell zu steuern. Doch das brauchte er nicht. Er gelangte an den Zutrittspunkt. Eine Fahrstuhltür und ein enges Treppenhaus mit diversen Sicherungssystemen führten nach draußen. Fahrstuhl? Nein, zu langsam. Ohne stehen zu bleiben hastete er zwei Stockwerke in dem Stiegenhaus hinauf, das in der Breite gerade mal etwas mehr als einer Person Platz bot und mehr ein Flucht- als ein Nutzweg war. Er hechtete in die, seit ihrer Ankunft wartenden, Transportkapsel.
„Erd … geschoß. Express.“, japste er und die Türen schlossen sich. Er krallte sich an die Haltegriffe, dann drückte ihm die Beschleunigung die Lungen zusammen, so dass er laut keuchte.
„Korrektur. Hangar X“, rief er nach kaum zwei Sekunden, währenddessen die Kugel schon mehr als ein Drittel des Weges nach unten zurückgelegt hatte. Kurz passierte nichts, dann drückte ihn die Beschleunigung erst heftig nach rechts, dann nach links. Er sauste gerade mit atemberaubender Geschwindigkeit durch eine der Vakuumröhren, die die Wände und den Boden der Höhle durchzogen und immer dann benutzt wurden, wenn es schnell gehen musste. Trotz des Umwegs durch die Krümmung um die Höhle herum und die damit verbundene Streckenerhöhung in Relation zur Luftlinie, war man durch die extremen Geschwindigkeiten weit schneller als mit einem anderen Transportmittel. Die Kapsel bremste und Sergej wurde mit der Brust auf den gepolsterten Haltebügel gedrückt, der ihn davon abhielt, nach vorne geschleudert zu werden. Es ruckte, dann glitt die Schiebetür neben ihm wieder auf.
„Hangar X, Ebene sechs, Sicherheitsbereich B“, verkündete das System. Der ganze Weg von oben bis hierher hatte keine zehn Sekunden gedauert. Und war er vorhin noch oben an der Decke gewesen, befand er sich nun an der Seite der Blase, fast am Boden. Im Laufschritt überquerte er den Bahnhof, wie sie die Halle nannten, in der alle Transportmittel für dieses Labor ankamen oder abfuhren und durchquerte eine Sicherheitstüre. Dann ein Gang und eine Schleuse, in der wieder seine biometrischen Daten und die Passwortsequenz abgefragt wurden.
„Tomak Drei-fünf-alpha.“
Das System meldete, dass Codesequenz, Stimmmuster, ID-Nummer und Gesichtsscan korrekt waren, aber er hörte gar nicht zu. Hinter ihm fuhr schon die erste Schleusentür zu, wenige Sekunden später öffnete sich die Zweite. Er trat auf die Plattform hinaus, die einen guten Überblick über die riesige Fertigungshalle ermöglichte.
Hangar X war das große Technologieforschungszentrum. Hangar deshalb, weil die Fertigungshalle riesige Ausmaße hatte und hier viele Technologien erforscht wurden, die mit Space- und Aerospace zu tun hatte. Hier in diesem Raum war das Projekt Freedom entstanden und gewachsen. Er sah auf den ersten Blick hinunter die beiden Teststände, in denen Triebwerke getestet wurden, ein paar Roboter arbeiteten noch unermüdlich an einer Skelettstruktur, das einmal der Prototyp eines Raumgleiters werden sollte.
Werden hätte sollen, korrigierte er sich selbst. Diesen Raum hier würde nie wieder jemand betreten. Die Arbeitsplätze, die Labore, Büros, Teststände, die halbfertigen Produkte lagen herum, die Leute hatten alles stehen und liegen gelassen, als der Alarm ertönt war.
So etwas wie Wehmut wollte in ihm hochsteigen. Hier hatte er unzählige Stunden verbracht, mit Wissenschaftlern neue Systeme ausgetüftelt oder einfach nur in einer Runde beisammen gesessen, während sie sich Anekdoten erzählt hatten. Wie oft hatte er hier selbst Geräte getestet und mit den Leuten hier über alles Mögliche diskutiert? All das würde jetzt anders werden. Das hier gab es nicht mehr. Es war weg. Für immer.
Wehmut wandelte sich in Wut, Wut in Hass. Hass gegenüber dieser zerstörungswütigen und vollkommen von Macht, Gier und Zerstörung besessenen Spezies, die sich in den letzten Jahrhunderten, vielleicht auch nur Jahrzehnten, vom Homo sapiens, dem weisen Menschen, zum Homo Oeconomicus, dem wirtschaftlichen Menschen, dem rationalen Menschen entwickelt hatten. Eine Spezies, der die Freiheit und Schönheit einer solchen Gesellschaft, wie ihre es war, ein Dorn im Auge war. Sie hatten es lange geschafft, ihre Gesellschaft, ihre Stadt vor dem zerstörerischen Einfluss dieser Spezies fernzuhalten. Schlussendlich war es doch geschehen. Und es gab kein Zurück mehr.
Seine Zähne knirschten, während er den Hallenboden absuchte. Sein Blick blieb an dem giftgrünen Pfeil hängen, der in einer der Parkpositionen stand. Er stolperte und wäre fast die Metalltreppe hinuntergefallen, als er von der Plattform zum Hallenboden hinunter lief.
Mit ein paar schnellen Sprüngen war er bei dem aerodynamisch geformten Kampfflugzeug, das unter dem aussagekräftigen Projektnamen Kamikaze entwickelt worden war. Es war klein, sehr klein, nur für eine Person ausgelegt, und selbst diese musste schlank sein und sich halb liegend in die Kapsel zwängen. Die Geometrie war pfeilartig, vorne ein Dreieck bildend und hinten die kurze Antriebssektion. Passend zum Design und der Geschwindigkeit war das kleine Flugobjekt in aggressivem Grün lackiert. Auf der Seite war kunstvoll der Name Ramirez II lackiert.
Sergej schwang sich in die winzige Pilotenkanzel, die gerade noch genug Spielraum bot, um die Steuerungen zu bedienen. Leise schloss sich die transparente Kuppel über ihm und ein grünes Aufleuchten der Kontrollelemente zeigte an, dass die Triebwerke und alle anderen System liefen. Die drei Standbeine waren schon eingezogen und so schwebte das Gerät mithilfe der Steuerdüsen schon startbereit knapp über dem Boden. Der ganze Startvorgang hatte nur Sekunden gedauert.
Genau dafür war die Kamikaze entwickelt worden. Um innerhalb von Sekunden starten zu können. Jetzt bereute es Sergej, die Forschung dieses Typs nicht stärker vorangetrieben zu haben. Genau jetzt wären ein paar solcher Flugzeuge wie die Ramirez dringend notwendig gewesen. Er hatte sich immer wieder lästigen Diskussionen mit dem Mayor stellen müssen, der die Auffassung vertrat, dass seine Sorge ohnehin unbegründet war und die HDUNB nur zur subjektiven Beruhigung der Bevölkerung diente, als eine Antwort auf eine – seiner Meinung nach niemals eintretende – Bedrohung zu fungieren.
So oft Sergej ihm auch vor Augen gehalten hatte, dass sie praktisch Tür an Tür mit dem Feind wohnten und es nur eine Frage der Zeit wäre, bis sich irgendjemand hierher verirren würde, jedesmal war die Antwort nein gewesen. Nein zu militärischen Fluggeräten, nein zu Kampfbugs, nein zu jedem der Vorschläge, die Sergej vorgebracht hatte, in seinem Bemühen, die Stadt und deren Bewohner abzusichern. Wenigstens hatte er es geschafft, dass sich eine kleine Forschungseinheit um dieses Thema bemühen durfte. Das Ergebnis waren die Raketenbatterie in der Steuerzentrale, die Kamikaze und ein kleiner Vorrat an Kampfausrüstung, mit der die nun kämpfenden Trupps ausgerüstet waren.
Während des Startvorganges hatte sich schon eines der Tore geöffnet, das auf den Platz vor der Halle und dann in einer breiten Rampe hinunter ins Tal führte. Diese Ausfahrten wurden kaum benutzt, die meisten Lieferungen wurden mittels des viel komfortableren Röhrensystems durchgeführt. Deshalb wirbelte auch etwas Staub auf, dessen kleinste Körnchen im hellen Licht glühten, das durch den Spalt in den riesigen Raum fiel. Es schien, als ob sich ein Tor zu einer anderen Dimension auftat. Ein helles Licht, in dem Wolken waberten und Lichtspiele erzeugten, die an den Wänden tanzten.
Für einen Augenblick gab er sich diesen Betrachtungen hin, dann erinnerte er sich daran, dass in diesem Augenblick seine Männer, seine Kollegen, seine Freunde, ja seine Familie da draußen gegen einen übermächtigen Feind kämpfte und in Gefahr war. Er umklammerte mit den Händen die Kontrollen und drückte sie nach vorne. Der Effekt war, wie jedes Mal, im wahrsten Sinne atemberaubend. Kompensatoren jeglicher Art gab es aufgrund der geringen Baugröße nicht. Bevor er noch heftig durchatmen konnte, um seine zusammengepressten Lungen wieder mit Luft zu füllen, raste er auch schon durch den beleuchteten Spalt. Der Nebel peitschte ihm entgegen, teilte sich und die Scheibe verdunkelte sich, als ihm helles Licht entgegen flutete.
„Marco? Embaye?“
„Alles klar, General?“, antwortete Marco.
„Ja. Ich habe die Ramirez und bin unterwegs.“
„Alles klar.“
„Ich sehe dich“, meldete sich Embaye, der unter ihm den grünen Blitz dahinjagen sah. Sergej schaltete die Verbindungen zu den Truppenführern zu.
„Wie steht es bei euch?“
„Sind in Position“, meldete sich Nolan. „Stehen unter Beschuss.“
Im Hintergrund ließen sich dumpfe Schläge ausmachen. Raketen.
„Verdammt“, murmelte er.  
„Wie viele Gegner sind es?“
„Drei Bugs und ein paar kleinere Drohnen. Zurzeit halten wir sie noch mit Granaten und Raketen in Schach, aber uns geht bald die Munition aus. Schick uns Verstärkung.“
„Die ist unterwegs. Bin sofort da.“
„Du kommst selbst? Allein?“
„Nein, ich habe Ramirez mit.“
„Wer ist das?“
„Eine Kamikaze. Erreiche euch in … sechzehn Sekunden.“
Er riss die Steuerung herum, dass er mit halsbrecherischer Geschwindigkeit in den Höhleneingang raste. Die Kamikaze war so klein, dass sie ohne Probleme durch die meisten Höhlen fliegen konnte, allerdings gab es keinen Autopilot. Der war erst bei der Ramirez III geplant gewesen, die aber noch als virtuelles Modell auf den Computersystemen der Konstrukteure entstand. Es gab nur eine Anti-Kollisionsabfrage und die hatte er weiß Gott wie nötig. Er besaß einen Pilotenschein, war schon mehrere Male mit der Ramirez unterwegs gewesen, aber noch nie mit derartiger Geschwindigkeit in einer solchen Höhle. Das Hilfssystem rettete ihm das Leben, indem es alle seitlichen Hilfsdüsen an der linken Seite zündete, als er in einer Kurve nach außen getragen wurde. Um Fingerbreite verfehlte er einen Felsvorsprung.
„200 Meter bis zum Ziel“, vermeldete der Bordcomputer.
„Kampfmodus“, befahl Sergej.
Die vormals in blauer und grüner Farbe gehaltenen Symbole auf der Cockpitscheibe verschwanden und machten Roten und Gelben Platz. Informationen zu Triebwerksauslastung, Schadenskontrolle und dem Waffenarsenal bildeten neben dem automatischen Feindkennungssystem die wesentlichen Punkte.
So klein und leicht die Kamikaze war, so hatten es die Konstrukteure doch geschafft, das Flugobjekt mit einem ansehnlichen Waffenarsenal zu spicken und aus der flinken, aber gefährlichen Stubenfliege eine ausgewachsene Hornisse zu machen. Vor allem besaß die Ramirez eine Menge Abwehrmaßnahmen, um feindlichen Beschuss standzuhalten. Außerdem verfügten die beiden kurzen Ausleger, die man bei großzügiger Interpretation auch als Tragflächen bezeichnen konnte, über einen EMP-Granatwerfer und eine kleine Raketenbatterie, die mehrere gängige Kleinraketen abfeuern konnte.
Sergej überprüfte mit einem kurzen Blick die Munitionsvorräte, der schon wieder fast zu lang dauerte, denn bei einer derartigen Geschwindigkeit genügten schon Sekundenbruchteile, um als Klecks an der Wand zu enden. Der Kamikaze-Typ war eigentlich noch im Entwicklungsstatus. Deshalb war die Munition sehr begrenzt. Er würde gut damit haushalten müssen. Nur mit der Mikrowellenkanone würde er ballern könne, bis der Generator seinen Geist aufgab. Er sauste durch eine Verengung, dann war er auch schon am Ort des Geschehens. Hier öffnete sich der Gang zu einer großen Höhle, einer richtigen Halle.
Wie er mit einem flüchtigen Blick feststellen konnte, hatten sich die Verteidiger hinter Vorsprüngen, in Rissen oder großen Brocken verschanzt und versuchten, mit heftigen Dauerfeuer, die gegnerischen Maschinen in Schach zu halten. Was auch gelang. Auch die drei Kampfroboter hatten sich hinter großen Felsen versteckt, was aber nicht besonders viel nützte, denn diese Dinger waren einfach zu riesig, um die Deckung nutzen zu können. Keine der beiden Fronten konnte vorwärts kommen, aber mit dem Unterschied zu den einfallenden Truppen war der Munitionsvorrat der Verteidiger bald aufgebraucht.
Soweit konnte er die Situation einschätzen, dann zischte er auch schon zwischen zwei der Käfer hindurch, leicht um die Längsachse gedreht, um nicht mit den staksigen Käferbeinen zu kollidieren, die beinahe den ganzen Querschnitt der Höhle ausfüllten.

Nolan wollte gerade eben in sein Helmmikrofon schreien, wann denn endlich die Unterstützung einträfe, da übertönte ein hohes Heulen den Kampflärm. Er sah hoch. Fünf Meter über ihm die Höhlendecke. Plötzlich schwoll das Heulen zu einem aggressiven Zischen an. Ein giftgrüner Blitz zuckte über ihre Köpfe hinweg auf die Angreifer zu und flitzte zwischen ihnen durch. Augenblicklich wendeten zwei der Angriffskäfer ihre Aufmerksamkeit auf den neuen Feind. Nolan erkannte die Chance.
„Sperrfeuer“, schrie er. „Trupp D, Artillerie auf den Dritten.“
Der Roboter, der bislang nur wenig Offensivattacken gezeigt hatte, sondern mit Hilfe seiner zwei Kumpanen genug damit zu tun gehabt hatte, alle Geschoße abzufangen oder ihnen auszuweichen, musste nun eine Fülle von Treffern einstecken, denen er nicht gewachsen war. Strahlen von Partikelbeschleunigern versengten die Außenhaut, Projektile zerrissen Kunststoffabdeckungen und drangen ein paar Zentimeter ein. Und dann mischte auch der Artillerieverband mit. Zwei Raketen zischten über ihre Köpfe hinweg und fetzten ein Bein weg. Ein weiteres bewegte sich nicht mehr.
So wirkungsvoll die drei Bugs zusammen die Verteidiger mit ihren Waffen hinter den Felsen in Schach gehalten hatten, so hilflos wirkte jetzt der Eine allein gegen die schiere Anzahl von Treffern, die er nun einstecken musste. Hinter dem beschossenem Objekt explodierte irgendetwas. Herumfliegende Beinsegmente trafen es von hinten. Diese Bugs waren sehr gute Kämpfer in unzugänglichem und schwierigem Gelände, aber ihr großer Vorteil war auch ihr größtes Manko. Die langen, dünnen Spinnenbeine stellten den großen Schwachpunkt dar. Mehrere Strahlen zuckten auf und blitzen durch das Gewirr aus herumfliegenden Splittern, Explosionswolken, aufgewirbelten Staub und Geschoßen hindurch.
„Da hast du“, rief Nolan. Er griff nach der letzten Granate, die er noch am Gürtel trug, entsicherte sie und warf sie unter den bereits ziemlich schlimm zugerichteten Metallkörper des Roboters. Bislang waren alle ihre Granaten von Abwehrsystemen abgefangen worden. Doch diesmal nicht.

Felsenwände wirbelten seitlich vorbei. Wäre sein Vorgesetzter bei der Pilotenausbildung nicht so ein Sadist gewesen, hätte Sergej wohl schon längst gekotzt und die Orientierung verloren. Aber es erinnerte ihn an seinen ersten Flug, als er noch als Copilot hinter Captain Jakob Gerber gesessen hatte. Der Kampfpilot der alten Schule hatte jeden Rekruten das Fürchten gelehrt, mit seinen Loopings in der ersten Flugstunde. Seines Wissens gab es keinen, der sich nicht danach übergeben hatte.
Die Worte des Captains – der vor drei Jahren im stolzen Alter von 102 Jahren seinen ersten und letzten Kampf verloren hatte, nämlich den gegen seinen Körper – hallten ihm noch immer im Kopf, jedes Mal, wenn er in ein Flugzeug stieg: ‚Niemals die Orientierung verlieren. Du musst immer wissen, wo du gerade bist, wo dein Gegner ist und wohin du gerade fliegst. Verlierst du die Orientierung, verlierst du dein Leben. Verliere nicht die Nerven, Rekrut.‘
Ja, das war Captain Jack gewesen, und in diesem Moment war es so, als ob er mit im Cockpit sitzen und seine Beurteilung schreiben würde.
‚Wo ist der Gegner, Rekrut? Sie fliegen wie eine lahme und blinde Ente. Langsam und schnurstracks vor die Flinte des Jägers. Unvorhersehbare Manöver fliegen. Wenn sie gerade fliegen, sind sie tot.‘
Sein Blick war klar, trotz der heftigen Beschleunigungskräfte, die auf seinen Körper wirkten und seine Hände krampften sich um die Steuerelemente. Einen Sekundenbruchteil verschwendete er damit, die Anzeigen zu checken. Alles in Ordnung, er hatte noch keinen Treffer einstecken müssen. Aus dem Blickwinkel sah er eine Struktur heransausen. Er registrierte nicht, dass es das herumwirbelnde Bein eines Bugs war, aber noch bevor das Anti-Kollisionssystem eingreifen konnte, hatte er schon die Ramirez herumgerissen. Reaktion. Eine weitere Fähigkeit, die Captain Jack als essentiell betrachtet und dementsprechend den Rekruten abverlangt hatte. Vermutlich half aber auch einfach das Adrenalin, das seine Sinne schärfte und auf das Wesentliche konzentrierte.
Die Halle, wie er diese Teile der Höhlen nannte, war klein. Zwar sehr ausladend, aber zu klein, um mit einem Fluggerät mit derartigen Geschwindigkeiten herumzufliegen. Selbst wenn die Halle leer gewesen wäre, wäre es gefährlich gewesen. Doch jetzt war hier die Hölle los. Zwei riesige Bugs, auf die Vernichtung des Gegners programmiert und bis oben hin vollgestopft mit Waffen, hatten es auf ihn abgesehen.
‚Unvorhersehbare Manöver fliegen. Wenn sie gerade fliegen, sind sie tot.‘
Deshalb rotierte er in kreisenden Bewegungen unter der gewölbten Hallendecke, immer darauf bedacht, seine Richtung zu ändern, um den Angreifern keine Möglichkeit zu geben, seine Flugbahn zu berechnen. Und als ob zwei dieser verdammten Maschinen noch nicht genug wären, warteten zwei Dutzend Mann ebenfalls darauf, dass ein Fehler seinerseits ihnen die Möglichkeit bot, ihre Waffen einzusetzen. Diesen Trupp hatte er jedoch ziemlich gut im Griff. Ein paar Warnschüsse zwischendurch ließ sie passiv hinter ihrer Deckung verharren. Die beiden Maschinen hingegen hatten mehr Eier in der Hose. Aber wo hätten sie sich auch verstecken sollen? Geschickt wichen sie seinen Schüssen aus, die beiden Raketen, die er abgefeuert hatte, waren abgefangen worden. EMP-Granaten zeigten keine Wirkung.
Doch eine Möglichkeit gab es. Die Decke war nicht etwa eben und gleichmäßig, sondern von unzähligen Spalten und Rissen durchzogen. Besonders eine Stelle sah sehr mitgenommen aus. Und die Menge an Projektilen, die durch die hoffnungslosen Versuche der Bugs, ihn aus der Luft zu holen, in die Wand geklatscht waren, hatte ihr übriges getan. Die letzte Minute hatte er damit verbracht, durch gezielte Schüsse einen der Roboter unter diese Stelle zu lenken. Wieder gab er eine Salve ab, genau zwischen die beiden hinein. Beide wichen aus, der eine links, der andere rechts, genau auf die beabsichtigte Stelle. Er riss die Ramirez herum, feuerte auf den Brocken, der nur mehr von zwei Felsvorsprüngen gehalten wurde und schoss noch ein paar Raketen nach. Sofort widmete er sich wieder dem spinnenartigen Kampfroboter unter ihm und drängte ihn mit Schüssen, auf der Stelle zu bleiben. Mit einem Grollen und Rumpeln löste sich der Gesteinsbrocken.
Der Roboter erkannte, dass er sehr ungünstig stand und wuchtete sich zur Seite. Genau das hatte Sergej beabsichtigt. Mehrere Volltreffer fetzten ein Bein weg, dessen Antrieb in einer Stichflamme aufging. Teile davon flogen in alle Richtungen. In seiner Beweglichkeit eingeschränkt, schaffte er es nicht mehr, sich schnell genug wegzubewegen. Der tonnenschwere Fels erwischte ein weiteres Bein und begrub es unter sich. Sergej jubelte innerlich und drehte bei. Mit verminderter Geschwindigkeit richtete er sich auf ihn aus und gab ihm den Rest. Die aufprallenden Mikrowellenstrahlen heizten eine Stelle der Panzerung auf, ließen sie schmelzen. Leitungen wurden zerstört, die Waffe wütete in den Eingeweiden des Bugs. Die Druckwelle des kollabierenden Antriebs drückte ihn zur Seite, gerade noch rechtzeitig. In der Hitze des Gefechts hatte er den zweiten Bug ignoriert, der seine Chance genutzt hatte. Um Haaresbreite verfehlte der ionisierte Partikelstrahl das Cockpit. Ein Krachen und ein kräftiger Ruck gingen mit der Warnmeldung des Bordcomputers überein:
„Warnung. Primärgeschütz ausgefallen, Kühlsystem beschädigt. Antrieb wird heruntergefahren.“
„Nicht herunterfahren“, schrie er. „Antrieb auf voller Leistung weiterlaufen lassen. Sind die anderen Waffensysteme in Ordnung?“
Er ignorierte die Antwort des Computers. Der Blick auf die Anzeigen zeigte neben hektischem Blinken auch, dass die restlichen Waffen noch funktionsfähig waren. Die Temperaturanzeige des Generatorkerns stieg schnell. Noch war sie im grünen Bereich, würde es aber nicht mehr lange sein. Also alles auf eine Karte. Er setzte den zweiten Bug als Ziel fest und aktivierte das Raketensperrfeuer.
Eine wahre Orgie wurde auf das Ziel losgelassen. Sergej riss das Steuer herum. Mit voller Antriebskraft jagte er auf den Bug zu, der ihn sofort ins Visier nahm. Die erste EMP-Granate detonierte. Augenblicklich verschwand die AR-Anzeige in der Scheibe, es ruckte heftig. Totalausfall der Systeme. Jetzt sollte sich eigentlich das Notfallsystem einschalten. Flehend sah er auf die Konsole, die hartnäckig dunkel blieb. Ein Blick aus der Cockpitscheibe zeigte ihm den gewaltigen Leib des Roboters, auf den er zuraste, ohne dass er etwas unternehmen konnte. Die dunkle Oberfläche schoss heran, ein heftiger Ruck nahm ihm die Besinnung.

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03mtep13
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BeitragVerfasst am: 11.08.2014 16:58    Titel: Exposé "Paradoxon" pdf-Datei Antworten mit Zitat

So, damit es nicht zu unübersichtlich wird, habe ich für das Exposé einen eigenen Beitrag.

Um mich nochmals zu wiederholen, ich freue mich auf Rückmeldungen!!

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Arbeits- und voraussichtlicher Buchtitel: Paradoxon

Genre: gesellschaftskritischer (SciFi-) Thriller

Grundinformationen:

Geplant ist ein Buch, das die Welt beschreibt, wie sie Ende dieses Jahrhunderts sein könnte, eingebettet in eine Geschichte einer kleinen Gruppe, die sich anschickt, ebendiese Welt zu verändern. Und das mit allen Mitteln.
Das Manuskript hat inzwischen Außmaße von über 1000 Normseiten erreicht und soll vor allem Leser ansprechen, die (nicht notwendigerweise) an Technik, der Zukunft, unserem Gesellschaftssystem und einer spannenden Geschichte interessiert sind und sie dazu animieren, sich Gedanken um unsere Welt und die Zukunft zu machen, auf die wir zusteuern.

Zusammenfassung:

Der Protagonist Nolan Keezar wacht mitten in der Nacht nach einem aufregenden, aber auch seltsamen Erlebnis in einem Waldstück auf, mit erheblichen Lücken in seinem semantischen Gedächtnis. Verwirrt, aber unverletzt macht er sich auf die Suche nach Menschen. Das Waldstück ist nur klein und erreicht er kurz darauf die angrenzende Stadt. Dort wird er von zwei Sicherheitsorganen festgehalten und befragt, weil er sich verdächtig gemacht hat. Da er nichts bei sich hat, sich nicht ausweisen kann und nicht einmal seinen Namen weiß, wollen sie ihn schon mitnehmen, als ihn eine Frau rettet. Durch ein Betäubungsgerät außer Gefecht gesetzt, bekommt er davon und vom Transport nicht viel mit.
Nolan wacht wieder in der Dunkelheit auf, diesmal allerdings in einem Zimmer. Er untersucht seine Umgebung und entdeckt, dass er sich in einem Haus befindet. Er rennt der Frau in die Arme, die ihn gerettet hat und die die Situation etwas aufklärt. Ihr Name ist Djamila Kern und ist Mitglied einer Aktivistengruppe, die hier ihr geheimes Basislager unterhält. Sie stellt ihm die Mitglieder der siebenköpfigen Gruppe vor. Nolan, der sehr zurückhaltend und misstrauisch ist, ist nahe daran, wegzulaufen, als ihm Marc, der Anführer der Gruppe die Grundzüge und Ziele der Vereinigung vorstellt.
Djamila kann ihn zum bleiben überreden. Auch macht sie ihm klar, dass ihr Zusammentreffen kein Zufall war. Sie haben einen Tipp bekommen, wo er auftauchen würde und dass er ihnen helfen würde, ihr Ziele zu erreichen. Mehr wissen sie allerdings auch nicht über ihn. Nolan entscheidet sich, vorerst bei ihnen zu bleiben, unter anderem auch, weil er offensichtlich schnell verhaftet werden würde, sollte er sich blicken lassen.
Nachts träumt Nolan mehrfach von verstörenden Dingen, Überfällen, Kämpfen und von dem Mord an einer Frau, die in dem Traum mit ihm zusammenwohnt. Er erzählt Daniel, ein weiteres Mitglied der Gruppe und Psychiater, von diesen Träumen. Der erkennt darin traumatische Erinnerungen, die trotz seiner Amnesie wieder zum Vorschein kommen. Nolan versucht daraufhin, durch Nachforschungen mehr zu erfahren, aber erfolglos. Es ist, als ob die geträumten Dinge nie passiert wären, als ob diese Frau in seinen Träumen nie existiert hätte.
Nach und nach wird Nolan mehr in die Geheimnisse der Gruppe eingeweiht. Er erfährt, dass sie als Terroristen gehandhabt werden, weil sie gegen das vorherrschende System kämpfen. In diesem System sind Wirtschaft, Politik und Finanz stark ineinander verwoben, Korruption und Kontrolle sind normal. Widerstand wird systematisch unterdrückt, Revoluzzer, investigative Reporter und andere kritische Stimmen werden schnell ausfindig gemacht und zum Schweigen überredet oder sie verschwinden einfach spurlos. Dazu trägt auch eine neue Technologie bei, die sogenannten Smart Guardians. Es sind Computerchips, die in den Nacken implantiert werden und unzähliche Körperwerte auslesen können. Mittels einer Drahtlosverbindung sind sie permanent mit den Zentralrechnern verbunden, die diese Daten auswerten. Der Chip ist verpflichtend und wird mit der Bekämpfung der Kriminalität und der Überwachung der Gesundheit begründet. Da beide Dinge gut funktionieren, werden sie in der breiten Öffentlichkeit akzeptiert, allerdings wissen viele nicht, was noch alles mit ihren Daten passiert. Der Entwickler der Chips, die Carter Group, eine gigantische Industriegruppe unter der rigorosen Führung des machtbesessenen Tudor Carter, nutzt seinen Einfluss, um Druck auf die Politik auszuüben und überall seine Fäden zu ziehen.
Die Carter Group und insbesondere seinen CEO, hat die Gruppe als Feind auserkoren und so wollen sie das Netzwerk der Smart Guardians zerstören. Durch die Unmengen an technischen Überwachungsmittel, wie die Smart Guiardians und biometrische Überwachungssoftware, ist dieses Vorhaben allerdings sehr schwer umzusetzen. Die Mitglieder der Gruppe haben es im Übrigen geschafft, ihren Smart Guardian zu zerstören, Nolan selbst hat gar keinen.
Als Nolan von all dem erfährt, erklärt er sich dazu bereit, ihnen zu helfen. Im Zuge des Trainings, das durch die großzügigen Mittel der Gruppe gut simuliert werden kann, stellt er fest, dass er Fähigkeiten hat, die ihn für einen Kampfeinsatz prädestinieren. Woher er diese Fähigkeiten hat, weiß er allerdings selbst nicht.
Pavlos, der IT-Fachmann der Gruppe und begnadeter Hacker, der unter dem Asperger-Syndrom leidet und für die meisten Menschen sehr verschroben wirkt, führt Nolan zu einen befreundeten Hackerkollegen, der ihm erzählt, er habe seine Frau gekannt, die ermordet wurde. Nolan wäre hier, um die Zukunft zu gestalten und er selbst wäre hier, um ihm den Weg zu zeigen. Nolan tut das als verrückt ab, der Mann erzählt ihm jedoch Dinge, die ihm zu denken geben.
Der erste Angriff wird auf ein nahe gelegenes Rechenzentrum geführt, über das eine Menge Daten laufen. Der Angriff gelingt, Nolan und Djamila erreichen den Rechenkern, wo sie die Infiltrationseinheit in das System pflanzen. Allerdings wird dieser Eingriff bemerkt, sie können durch das Kühlsystem des Rechners auf das Dach fliehen. Dort werden sie von Sicherheitstrupps in Schach gehalten und schwer verletzt. In letzer Minute werden sie von Marc und Michelle gerettet, die sie mit einem Gleiter vom Dach abholen. Bei der folgenden Verfolgungsjagd wird ihr Gleiter abgeschossen, sie können jedoch mithilfe der Rettungskapsel entkommen. Sie werden offiziell für tot erklärt, doch sie schaffen es alle zurück ins Lager.
Die Infiltrationeinheit sendet Daten und so können sie den Datenstrom über das Rechenzentrum mitverfolgen. Sie erfahren von schrecklichen Plänen. Die nächste Generation der Smart Guardians steht an, die nicht nur Körperfunktionen auslesen kann, sondern auch neuronale Aktivitäten verändern. So können Straftäter praktisch ausgeknipst und sogar Informationen im Gehirn verankert werden. Dass die Einführung dieser Chips verhindert werden muss, steht fest. Sie finden heraus, dass die Entwicklung in einem kleinen Labor der CROSS stattfindet, einer riesigen Orbitalstation. Weiters werden die Daten auf Servern in einer Unterwasserstadt in der Adria, einem Technologiezentrum in der Sahara und der CCLS, einer unterirdischen Stadt auf dem Mond gesichert. Um die Entwicklung nachhaltig zu zerstören, müssen sie zuerst in die CROSS eindringen, das Labor und das Kommunikationsmodul zerstören, über das die Daten zwischen der CCLS und der Erde laufen. Dann müssen die Server in der Unterwasserstadt, dem Technologiezentrum MACOTE und auf dem Mond vernichtet werden. Viel Zeit haben sie nicht, da die Markteinführung in wenigen Wochen ansteht.
Um eine Pause vom harten Training zu bekommen, nimmt Djamila Nolan zu ihrem geheimen Lieblingplatz mit, ein kleines Dorf inmitten eines der wenigen verbliebenen Naturschutzreservate. Das Dorf hat sich dazu entschlossen, ohne moderne Technik und im Einklang mit der Natur zu leben. In der Einsamkeit der Natur kommen sich Nolan und Djamila näher.
Wieder zurück gibt es heftige Reibereien im Team, da Djamila den anderen nichts gesagt hat. Marc als der kontrollsüchtige Anführer tobt. Schlussendlich raufen sie sich aber wieder zusammen und starten ihre Missionen.
Mit gefälschten Zugangcodes, Masken und falschen Smart Guardians umgehen Djamila und Nolan die Sicherheitskontrollen in der CROSS und zerstören die beiden Module. Dann machen sie sich umgehend auf den Weg zum Mond. Nachdem die Hochsicherheitsverbindung über die CROSS abgerissen ist, starten die beiden weiteren Teams. Daniel, Gerrard, der Ingenieur des Teams und Lu, ein talentierter Trickdieb, dringen unter falschem Vorwand in das Technologiezentrum ein, zerstören die Serverinfrastruktur und schieben die Schuld auf Terroristen.
Marc und Michelle dringen in die Unterwasserstadt ein, die unter einer riesigen Glaskuppel eine Hommage an die inzwischen fast versunkene Lagunenstadt Venedig ist. Sie zerstören ebenfalls im Chaos eines Stromausfalls das Datenzentrum, werden aber entdeckt. Sie entkommen in einer chaotischen Verfolgungsjagd über alte Rettungstunnel, Relikte der ehemaligen Forschungsstation, die den Vorläufer der Unterwasserstand bildete.
Inzwischen kommen Djamila und Nolan in der CCLS an. Misstrauisch durch die Vorgänge und die abgerissene Verbindung zur CROSS, sind die Sicherheitsmaßnahmen rigoros. Sie schaffen es aber dennoch, nach einer persönlichen Vorsprache bei der Sicherheitsverantwortlichen Mrs. Pajak, in den Serverraum. Das dortige Datenzentrum basiert auf neuartigen DNS-Speicherverfahren und wurde erst in Betrieb genommen. Der eingespeiste Virus zerstört die dort kultivierten Bakterienstämme und somit die Speicherzellen. Djamila und Nolan werden verhaftet, sie argumentieren mit dem fehlerhaften, weil neuartigen Speichersystem, aber zwecklos. Sie werden eingesperrt, können aber dank einer List entkommen.
Bei ihrer Flucht werden sie eingekesselt, aber von einem unbekannten Team gerettet. Mangels Alternativen flüchten sie mit dem Anführer, der sich später als Sergej vorstellt und sie aus der Struktur der CCLS in die Lavahöhlen des Mondgesteins führt. Ihr Misstrauen verringert sich erst, als er ihnen die Stadt New Boston zeigt, eine unterirdische Stadt in einer riesigen Höhle, unentdeckt und unabhängig vom restlichen System. Es ist ein Zufluchtsort für freie Wissenschaftler und Freidenker und ist dank selbst entwickelter Technologie fast vollkommen autark.
Durch ihre Flucht wird allerdings Mrs. Pajak auf die Stadt aufmerksam, ein Kampf um die Stadt entbrennt. Djamila und Nolan helfen bei der Verteidigung, aber die Stadt muss schließlich evakuiert werden. Im Glauben, in einen Bunker zu entkommen, begeben sich die Beiden zum Fluchtort. Der Bunker ist jedoch in Wirklichkeit ein Projekt der Stadt New Boston, ihre Gesellschaft weiterführen zu können. Es ist ein riesiges Raumschiff, das mit den Bewohnern der Stadt startet und vom Mond flüchtet. Drohnen und Kreuzer der Europäischen Raumflotte, die am Mond stationiert sind, folgen der Freedom, wie das Raumschiff genannt wird, sie können aber entkommen.
In der Zwischenzeit sind die restlichen Mitglieder der Gruppe Djamila und Nolan gefolgt, da der Kontakt abgebrochen ist und sie eine Gefangennahme oder schlimmeres fürchten. Sie bemerkten aus dem Orbit den explosiven Start der Freedom und empfangen von dort die Ortungssignale der beiden Gesuchten. Sie setzen sich mit dem Raumschiff in Verbindung und bekommen Gelegenheit, an Bord zu kommen.
Die Gruppe bekommt Einblick in die Gesellschaft New Bostons, die sich gravierend von der Gesellschaft auf er Erde unterscheidet. Statt Kapitalismus herrscht hier ein Indexsystem, das jeden Einzelnen und seine Fähigkeiten berücksichtigt. Sergej, der General der Verteidigungstruppe ist, erklärt ihnen das System und macht ihnen klar, dass sie auf der selben Seite stehen. Sie bekommen die Einladung, bei ihnen zu bleiben, schlagen diese allerdings aus, da sie ihr Ziel, die Carter Group zu vernichten, noch nicht erreicht haben. Sie versprechen, in Kontakt zu bleiben und kehren dann zur Erde zurück.
Nolan wird wieder zu dem mysteriösen Hackerkumpel Pavlos gerufen, diesmal eröffnet dieser ihm, dass er aus der Zukunft geschickt wurde, um ebendiese Zukunft erst zu ermöglichen. Das erkläre auch seine Amnesie, die dazu notwendig wäre, um keine Informationen über die Zukunft auszuplaudern. Zuerst klingt das für Nolan zu phantastisch, er kann es nicht glauben. Aber ein paar Puzzleteile fügen sich zusammen und er erkennt in diesem Hacker den Mörder seiner Frau. In einem Handgemenge tötet er ihn.
Als nächsten Schritt entführt die Gruppe einen der Chefingenieure von Carter Technologies, der Technologiesparte der Carter Group. Sie machen ihm klar, dass er ebenso überwacht und manipuliert wird wie alle anderen und drehen ihn um. Er soll ihnen Zutritt zum Carter Imperial Building verschaffen, dem Zentrum der Carter Group und persönlichen Palast von Tudor Carter.
Getarnt als Servicemitarbeiter und Kunden gelangen sie bis in den Kern des Gebäudes. Sie stellen Carter zur Rede, der jedoch von dem Plan erfahren hat und einen Avatar vorgeschickt hat. Sie werden überwältigt, Djamila und Michelle können jedoch entkommen.
Die restlichen Mitglieder werden gefangengenommen und gefoltert, um den Aufenthaltsort der anderen preiszugeben. Sie schaffen es jedoch, zu entkommen und kämpfen sich, getarnt als Sicherheitsmitarbeiter, wieder zu Carters Büro zurück. In der Zwischenzeit haben die beiden Frauen alle Möglichkeiten mobil gemacht. Die Freedom hat die CROSS angegriffen und als Druckmittel in ihre Gewalt gebracht. Djamila hat Kämpfer aus ihrem geheimen Dorf gebeten, ihnen zu helfen und sie haben Tudor Carter schon in ihre Gewalt gebracht, als die gefangen genommenen Mitglieder in seinem Büro auftauchen.
Tudor Carter wird mit Unmengen an Beweisen, die seinen schmutzigen Geschäfte belegen, der Polizei zugespielt. Zuvor zwingen sie ihn, die Carter Group an eine Stiftung zu übertragen. Die Führung dieser Stiftung wird der Administration von New Boston übergeben, die mithilfe dieser Marktmacht das System der Unterdrückung, Überwachung und Korruption beenden und ihr System  einführen sollen, das den Mensch wieder in den Mittelpunkt stellen und die Natur schützen soll. Die Gruppe schließt sich den Menschen in New Boston an.
Im nachhinein fügt sich für Nolan alles zu einem Bild und er erkennt, dass dieser ominöse Hacker tatsächlich die Wahrheit gesagt hat: Er wurde geschickt, um die Geschickte zu ändern und eine bessere Zukunft zu erschaffen.


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bibiro
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BeitragVerfasst am: 11.08.2014 17:47    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

das ist viel zu umfangreich, um dies hier im Rahmen des Forums mit den Einschränkungen des Editors zu lesen und zu kommentieren.

Du solltest dir Probeleser suchen und denen dein Manuskript kapitelweise als Word-Dokument zukommen lassen, sie schicken es dir mit ihren Anmerkungen zurück.

So kommt man am ehesten weiter.

Zwecks Exposé gibt es hier anscheinend eine AG, ich habe meine ebenfalls über meine bewährten Probeleser kommentieren lassen.

Auf jeden Fall ist deines _viel_ zu lang! Wink

Nur eines zum Inhalt deines Werkes:

Zitat:
„Marco? Embaye?“
„Alles klar, General?“, antwortete Marco.
„Ja. Ich habe die Ramirez und bin unterwegs.“
„Alles klar.“
„Ich sehe dich“, meldete sich Embaye, der unter ihm den grünen Blitz dahinjagen sah. Sergej schaltete die Verbindungen zu den Truppenführern zu.
„Wie steht es bei euch?“
„Sind in Position“, meldete sich Nolan. „Stehen unter Beschuss.“
Im Hintergrund ließen sich dumpfe Schläge ausmachen. Raketen.
„Verdammt“, murmelte er.  
„Wie viele Gegner sind es?“
„Drei Bugs und ein paar kleinere Drohnen. Zurzeit halten wir sie noch mit Granaten und Raketen in Schach, aber uns geht bald die Munition aus. Schick uns Verstärkung.“
„Die ist unterwegs. Bin sofort da.“
„Du kommst selbst? Allein?“
„Nein, ich habe Ramirez mit.“
„Wer ist das?“
„Eine Kamikaze. Erreiche euch in … sechzehn Sekunden.“


Das ist ein dürres Dialog-Gerippe, das dringend Fleisch in Form von Handlung der Sprecher und Gedanken deines erzählenden Protas braucht.

Man kriegt ja auch gar nicht mit, wer gerade was sagt.
Auch wenn das nur ein mitgehörter Funkverkehr ist, kannst du doch etwas über Rauschen, Knacken in der Leitung, mitübertragene Hintergrundgeräusche etc. berichten. Und eben vor allem die Emotionen desjenigen, in dessen Kopf du den Leser transplantieren möchtest.

Ich hoffe, du kannst mit dieser Anmerkung etwas anfangen.

Grüßle Bibi
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03mtep13
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BeitragVerfasst am: 11.08.2014 22:54    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Das ist das Problem. Ich habe kaum Personen in meinem Umkreis, die gerne lesen. Schon gar nicht solche Dinge, wie die, die ich schreibe. Deswegen hatte ich gehofft, dass sich hier wer finden würde, der das interessant finden könnte.

Das mit der AG ist gut, da werde ich mal reinschnuppern. Das mit der Länge stimmt, ein bis max. 3 A4-Seiten sollten es sein, ich weiß. Aber ich bin einfach nicht hingekommen. Die Handlung von 1100 Buchseiten auf so engen Raum zu quetschen ist schwer. Meinst du, ein Verlag liest sich das erst gar nicht durch?

Zitat:
Das ist ein dürres Dialog-Gerippe, das dringend Fleisch in Form von Handlung der Sprecher und Gedanken deines erzählenden Protas braucht.


Ja, jetzt wo du es sagst...
Eigentlich sollte das etwas Tempo in den Lesefluss hineinbringen.
Aber da könnte man noch etwas machen. Genau das sind eben die Anregungen, auf die ich gehofft hatte.


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MosesBob
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BeitragVerfasst am: 12.08.2014 08:34    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Morgen in die Runde! smile

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:
Das mit der AG ist gut, da werde ich mal reinschnuppern.

Wichtig für das Gründen einer AG sind diese beiden Beiträge: *klick* & *klick*

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:
Ja, jetzt wo du es sagst...
Eigentlich sollte das etwas Tempo in den Lesefluss hineinbringen.
Aber da könnte man noch etwas machen. Genau das sind eben die Anregungen, auf die ich gehofft hatte.

Science Fiction ist leider überhaupt nicht mein Thema. Ich stolpere aber gerade über deine Worte da oben und habe mir den Abschnitt mal durchgesehen. Ich sehe das wie du. Der Dialog bringt Tempo in die Handlung. Ich halte es in der Hektik des Geschehens nicht für wichig zu wissen, wer gerade spricht. Ganz im Gegenteil, ich finde solche Dialoge sogar packender als begleitendes Redebeiwerk. Sowas ist ein Stückweit Ansichts- und Geschmacksache. Als ich damals noch Wolfgang Hohlbein gelesen habe (lang, lang ist's her), ist mir aufgefallen, dass er praktisch jeden Dialog mit allerhand Gestik, Mimik und Gedanken ausstattet. Wenn ich genauer darüber nachdenke, kenne ich keinen anderen Autor, der Dialoge in diesem Umfang ausschmückt. Meine persönliche Meinung ist, dass sich ein Dialog von selbst erklären und ohne begleitende Infos auskommen kann. Und wenn nicht ohne, dann wenigstens mit einem absoluen Minimum. Im Idealfall erkennt man anhand der Ausdrucksweise, wer gerade spricht und wie er sich dabei verhalten mag. Zumindest bei längeren wörtlichen Reden, nicht bei solchen knappen Dialogfetzen wie dem, um den es hier geht. Ich finde nicht, dass man hier wissen muss, wer gerade spricht. Die Worte fliegen einem wie Kugeln um die Ohren. Die Situation ist hektisch. Theoretisch kann man deinen Dialog sogar noch absprecken. "antwortete Marco" kann gestrichen werden. Die doppelte Verwendung von "meldete sich" klingt unschön so kurz hintereinander. Und ob der Dialog das "murmelte er" wirklich braucht? Nö, ich denke nicht.

So. Jetzt hast du zwei unterschiedliche Meinungen zu der Dialogszene. Damit dürfte die Verwirrung komplett sein. Herzlich willkommen im dsfo! lol

Was solltest du jetzt unternehmen? Welchen Rat befolgst du? Hör auf dein Bauchgefühl. smile

Viele Grüße,

Martin


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Rainer Prem
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BeitragVerfasst am: 12.08.2014 09:59    Titel: Antworten mit Zitat

bibiro hat Folgendes geschrieben:
Hallo,

...

Nur eines zum Inhalt deines Werkes:

Zitat:
„Marco? Embaye?“
„Alles klar, General?“, antwortete Marco.
„Ja. Ich habe die Ramirez und bin unterwegs.“
„Alles klar.“

...

„Verdammt“, murmelte er.  
„Wie viele Gegner sind es?“
„Drei Bugs und ein paar kleinere Drohnen. Zurzeit halten wir sie noch mit Granaten und Raketen in Schach, aber uns geht bald die Munition aus. Schick uns Verstärkung.“
„Die ist unterwegs. Bin sofort da.“
„Du kommst selbst? Allein?“
„Nein, ich habe Ramirez mit.“
„Wer ist das?“
„Eine Kamikaze. Erreiche euch in … sechzehn Sekunden.“


Das ist ein dürres Dialog-Gerippe, das dringend Fleisch in Form von Handlung der Sprecher und Gedanken deines erzählenden Protas braucht.

...

Grüßle Bibi


@Bibi:

Da bin ich mal mit dir nicht einer Meinung.  Wenn ich mit jemanden telefoniere sehe ich nicht, was diese Leute tun, sondern das muss in deren Text enthalten sein.

@03mtep13:

Allerdings hast du es dir ein bisschen sehr schwer gemacht, indem dein General hier mit mehreren Leuten gleichzeitig spricht, und spätestens nach dem "Verdammt" ist nun wirklich komplett unklar, wer gerade redet.

Vorschläge: Lass die anderen Leute sich mit Namen melden, wenn sie sich zum ersten Mal melden oder wenn sie jemandem (wie Nolan) ins Wort fallen. Lass den General den anderen mit Namen anreden, wenn er den Adressaten wechselt. Eventuell kannst du noch den Tonfall eines Sprechers erwähnen, wenn es nicht aus dem Text hervorgeht.

Grüße
Rainer
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bibiro
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BeitragVerfasst am: 12.08.2014 10:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Nun, ich habe mir die Dialogszene deshalb herausgegriffen, weil ich ehrlich gesagt Null Plan hatte, wer da mit wem spricht.
Und sie sich für mein Empfinden in ihrer Knappheit extrem von den übrigen episch breit ausformulierten Textmonolithen abhebt.

Für mich bringt das kein Tempo in den Lesefluss, sondern ist ein stilistischer Bruch.
Jetzt kann man sagen, Brüche an sich sind auch ein stilistisches Mittel. Klar. Aber nur, wenn sie gut gemacht sind.

Für meinen Geschmack würden solche Dialoge in einen Text passen, der einen durch die Finsternis stolpernden Mann in zwei Sätzen abhandelt. Aber selbst dann muss klar werden, wer spricht!

Darum mein Vorschlag, den Dialog anzupassen. Man könnte ja auch einfach den inneren Monolog des erzählenden Protas dazwischenmontieren, was beide Textabschnitt auflockern würde.

Die andere Möglichkeit wäre, an die Textmonolithen mit dem Hobel ranzugehen, zu straffen und abzuspecken.
Ich habe das ehrlich gesagt nur nicht erwähnt, um dich nicht zu sehr zu verschrecken.

Bezüglich Probeleser:

Ich habe meine allesamt übers Internet gefunden, einige hier, die meisten jedoch in der Schreibwerkstatt (ich hoffe, dass man das hier erwähnen darf).

Ich habe mich einfach bei ganz vielen, die Probeleser suchten, gemeldet und wenn mir ihr Stil gefiel und/oder man bei der Zusammenarbeit auf einer Wellenlänge lag, fragte ich nett an, ob sie auch meine Ergüsse lesen würden.

Bezüglich Exposé:

Zugegeben, viel Erfahrung habe ich nicht, das Exposé meines Erstlings liegt gerade bei der zweiten Agentur, eine Absage habe ich schon kassiert.
Aber immerhin haben meine Tipps inem Bekannten nach seiner Aussage bei der Erstellung seines Exposés geholfen.

Für mein Exposé schreibe ich:

"Den einen Satz" - er darf gerne bandwurmartig sein, sollte aber den Kernkonflikt deines Manuskripts beleuchten.

Ausgehend davon verfasse ich dann drei Inhaltsangaben unterschiedlicher Länge: 1, 2 und 3 Normseiten.
Mein Bekannter meinte erst auch, es sei überflüssig, sich die dreifache Arbeit zu machen, wenn die meisten Agenturen und Verlage doch eh eine zweiseitige Zusammenfassung wünschen (tja, aber als ich im Telefonat mit der Lektorin der zweiten Agentur dann meine drei Ausführungen zur Auswahl anbot, wollte sie eben nicht die zweiseitige, sondern die einseitige und die dreiseitige).
Aber nachdem ich insistierte und er sich dann doch dransetzte, merkte er auch, dass es unheimlich hilft, mit der unterschiedlichen Ausführlichkeit zu spielen, um die Kernhandlung klar von wichtigen und unwichtigeren Nebensträngen zu unterscheiden.

Als ich selbst mit meinen Probelesern an den Exposés arbeitete, bekam ich z. B. Feedback in der Form, dass es hieß: Dieses Detail aus der 3-Seiten-Fassung ist aber wichtig, das muss auch in die anderen.

Ach ja, und wenn ich von Seiten schreibe, meine ich Normseiten.
Maximal 1800 mögliche Anschläge pro Seite, aufgeteilt in 30 Zeilen mit maximal 60 Anschlägen.
Es gibt zig Vorlagen im Internet dazu, deine Exposé-Einsendung wird gewiss nicht daran scheitern, wenn der linke Rand zu breit oder schmal ist oder die Seitenzahlen oben, unten, links oder rechts sind.
Es geht um den Umfang, und eine dreiseitige Inhaltsangabe im normalen Wordformat, was weiß ich, Arial 9 Punkt einfacher Zeilenabstand entspricht halt dem doppelten bis zweieinhalbfachen im Normseitenformat.

Wenn du Normseiten nicht magst, kannst du dich auch mit Zeichen (inkl. Leerzeichen) behelfen. Üblicherweise veranschlagt man pro Normseite 1500 Zeichen. Die Differenz zu den maximal möglichen 1800 ergibt sich durch die Zeilenumbrüche.

Also schreibe drei Zusammenfassungen mit 1500, 3000 und mit 4500 Zeichen, das entspricht über dem Daumen dem genannten Umfang.
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MosesBob
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BeitragVerfasst am: 12.08.2014 11:49    Titel: Antworten mit Zitat

Moin!

bibiro hat Folgendes geschrieben:
Ich habe meine allesamt übers Internet gefunden, einige hier, die meisten jedoch in der Schreibwerkstatt (ich hoffe, dass man das hier erwähnen darf).

Natürlich darf man das. Man darf auch gerne bekannt geben, in welchen Foren man sich außerdem noch herumtreibt. smile

http://www.dsfo.de/fo/viewtopic.php?t=5936

Viele Grüße,

Martin


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03mtep13
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BeitragVerfasst am: 12.08.2014 13:52    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@MosesBob

Zitat:
So. Jetzt hast du zwei unterschiedliche Meinungen zu der Dialogszene. Damit dürfte die Verwirrung komplett sein. Herzlich willkommen im dsfo! lol

Was solltest du jetzt unternehmen? Welchen Rat befolgst du? Hör auf dein Bauchgefühl. smile


 Shocked
Tja, da steh ich nun ich armer Tor...
Ich bin wenigstens froh, dass mir jemand auch beipflichtet. Wenn es jemand auch so sieht wie ich, habe ich wohl nicht vollkommen daneben gegriffen.
Ich denke, dass man beide Sichtweisen vereinen könnte. Ich werde einmal versuchen, die "monolithischen Blöcke" mit ein paar Dialogfetzen zu beleben und den "dürren Dialog" vielleicht mit ein paar eingeschobenen Erklärungen etwas entschärfen.

Das mit der AG funktioniert noch nicht, da bin ich noch zu frisch hier. Smile

@bibiro

Zitat:
Die andere Möglichkeit wäre, an die Textmonolithen mit dem Hobel ranzugehen, zu straffen und abzuspecken.
Ich habe das ehrlich gesagt nur nicht erwähnt, um dich nicht zu sehr zu verschrecken.


So leicht erschrecke ich mich nicht... Very Happy

Zitat:
Ach ja, und wenn ich von Seiten schreibe, meine ich Normseiten.


Du vielleicht, aber irgendwie definiert jeder eine Seite anders. Deshalb habe ich es mir angewöhnt, entweder A4-Seiten oder Normseiten zu schreiben. Sonst kann es schon mal zu Verwirrungen kommen. Zuwischen A4. und Normseiten ist ja ein recht großer Unterschied.

Zitat:
Also schreibe drei Zusammenfassungen mit 1500, 3000 und mit 4500 Zeichen, das entspricht über dem Daumen dem genannten Umfang.


das ist eine gute Idee. Vielleicht werde ich auch mit 'dem einen Satz' beginnen. Ist eine gute herangehensweise, um den Kern heruaszufiltern.

lg
Paul


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bibiro
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BeitragVerfasst am: 12.08.2014 14:49    Titel: Re: Exposé "Paradoxon" Antworten mit Zitat

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:
Zusammenfassung:

Der Protagonist ... und eine bessere Zukunft zu erschaffen.


Ich hab das jetzt mal in mein Word kopiert (ohne die Überschrift) und -> Überprüfen -> Wörter zählen angewandt.

Es kommt heraus:

Seiten: 4
Wörter: 1.981
Zeichen mit Leerzeichen: 13.500

Vom Umfang her würde ich NICHT mit kürzen beginnen, sondern, wie du selbst erkannt hast, Paul, mit "dem einen Satz" und dann auf blankem Papier komplett neu beginnen.

Wenn du magst, drehe ich dir dein Exposé, sobald du die drei Längenvarianten hast, gerne durch den Fleischwolf.

Schick mir dann einfach eine PN, damit wir die Mailaddys austauschen.

Bibi
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03mtep13
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BeitragVerfasst am: 12.08.2014 15:21    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Zitat:
Wenn du magst, drehe ich dir dein Exposé, sobald du die drei Längenvarianten hast, gerne durch den Fleischwolf.


Sehr gerne Smile


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Pureaqua
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BeitragVerfasst am: 12.08.2014 15:31    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo 03mtep13,

ich habe mir zwar nicht Deinen Text durchgelesen, dafür aber Dein Exposé.
Wie bereits von einigen angesprochen, ist es eindeutig zu lang. Ich finde, dass das Setting interessant ist, aber ich bin an der einen oder anderen Stelle einfach abgedriftet und haben Zeilen übersprungen, bis ich wieder etwas gefunden hatte, dass mich interessierte.
Meiner Meinung nach, ist das der Todesstoß für jedes Exposé. Jeder Satz und jedes Wort MUSS relevant sein.
Außerdem ist, meiner Meinung nach, das Exposé keine einfache Kurzfassung Deine Geschichte, sondern ein Verkaufswerkzeug, das einem Lektor/Verlag einen Überblick über Dein Werk gibt.
Der berühmte eine Satz und die Zusammenfassung müssen nicht „spannend“ geschrieben sein, dafür ist deine Leseprobe zuständig. Sie müssen kurz und prägnant sein und den Inhalt so darstellen, dass es interessant wirkt.

So, genug geplappert smile. Ich werde es mal mit einem Beispiel versuchen.

Pitchline :

Ein Mann mit Amnesie, findet sich in einem Konflikt zwischen einer übermächtigen Firma, die versucht die Menschheit zu kontrollieren, und einer Widerstandsgruppe wieder nur um herauszufinden, dass er aus der Zukunft gesandt wurde um entscheidend in den Krieg einzugreifen.

Zusammenfassung :

Zitat:
Der Protagonist Nolan Keezar wacht mitten in der Nacht nach einem aufregenden, aber auch seltsamen Erlebnis in einem Waldstück auf, mit erheblichen Lücken in seinem semantischen Gedächtnis. Verwirrt, aber unverletzt macht er sich auf die Suche nach Menschen. Das Waldstück ist nur klein und erreicht er kurz darauf die angrenzende Stadt. Dort wird er von zwei Sicherheitsorganen festgehalten und befragt, weil er sich verdächtig gemacht hat. Da er nichts bei sich hat, sich nicht ausweisen kann und nicht einmal seinen Namen weiß, wollen sie ihn schon mitnehmen, als ihn eine Frau rettet. Durch ein Betäubungsgerät außer Gefecht gesetzt, bekommt er davon und vom Transport nicht viel mit.
Nolan wacht wieder in der Dunkelheit auf, diesmal allerdings in einem Zimmer. Er untersucht seine Umgebung und entdeckt, dass er sich in einem Haus befindet. Er rennt der Frau in die Arme, die ihn gerettet hat und die die Situation etwas aufklärt. Ihr Name ist Djamila Kern und ist Mitglied einer Aktivistengruppe, die hier ihr geheimes Basislager unterhält. Sie stellt ihm die Mitglieder der siebenköpfigen Gruppe vor. Nolan, der sehr zurückhaltend und misstrauisch ist, ist nahe daran, wegzulaufen, als ihm Marc, der Anführer der Gruppe die Grundzüge und Ziele der Vereinigung vorstellt.
Djamila kann ihn zum bleiben überreden. Auch macht sie ihm klar, dass ihr Zusammentreffen kein Zufall war. Sie haben einen Tipp bekommen, wo er auftauchen würde und dass er ihnen helfen würde, ihr Ziele zu erreichen. Mehr wissen sie allerdings auch nicht über ihn. Nolan entscheidet sich, vorerst bei ihnen zu bleiben, unter anderem auch, weil er offensichtlich schnell verhaftet werden würde, sollte er sich blicken lassen.


Nolan Keezar wacht nachts in einem Waldstück auf, er ist desorientiert und  leidet an Amnesie. Als ihn seine Suche nach Hinweisen, auf seine Identität, in eine Kleinstadt führt, gerät er in Schwierigkeiten mit den lokalen Sicherheitskräften und wird mit Hilfe, einer ihm unbekannten Frau,  in betäubten Zustand gerettet.
Als er wieder aufwacht, befindet er sich in der Gesellschaft einer Widerstandsgruppe, die sich um seine Mitarbeit bemüht. Seine Retterin, Djamila Kern, und der Anführer der Gruppe geben Nolan Einblicke in ihre Ziele und lassen durchblicken, dass ihr Zusammentreffen auch kein Zufall war. Ohne klare Alternativen, entschließt sich Nolan vorerst zu bleiben.


Was den zeitlichen Hintergrund deiner Geschichte angeht, würde ich es Dir anraten, ihn weiter in die Zukunft zu setzten. All die Raumschiffe, Raumstationen, versunkenen Städte benötigen weit mehr Zeit um konstruiert zu werden, als dass die mageren 85 Jahre bis zum Ende diesen Jahrhunderts noch ausreichen würden.

Was den Aspekt der Zeitreise angeht……..hmm…..das ist immer ein sehr sensibles Thema, wenn es um die Effekte geht, die die Handlungen eines Zeitreisenden auf die Gegenwart und Zukunft haben. Du schreibst, dass der Prota keine Erinnerungen hat und das auch so gewollt war, d.h. für mich, dass Du Dich für eine Version entschieden hast, in der die Handlungen der Gegenwart die Zukunft verändern werden (ala Terminator).  Aber dann sind doch Erinnerungen hilfreich beim Erreichen des Ziels, oder? Außerdem tötet er den Mörder seiner Frau, was wiederum seine Frau zu einer lebenden Person in seiner Zukunft macht und wahrscheinlich sein komplettes Leben verändert.
Ich finde, dass es eine massive Komplikation in dem Handlungsstrang ist, die eigentlich nicht nötig ist. Meiner Meinung nach, würde die Geschichte ohne diesen Aspekt genauso funktionieren.
Aber wie gesagt, ist nur meine persönliche Meinung.

Hoffe ich konnte ein wenig von Nutzen sein. Viel Spaß und Kraft beim weiteren Schreiben.
Viele Grüße,
Stefan
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03mtep13
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BeitragVerfasst am: 12.08.2014 16:14    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Pureaqua,

du hast einen Teil des Exposés schon auf die Hälfte gekürzt. Das ist gut, werde ich mir gleich kopieren. Smile
Nein, nur ein Scherz. Ich werde das schon selbst machen, aber es ist ein gutes Beispiel.

Zitat:
Was den zeitlichen Hintergrund deiner Geschichte angeht, würde ich es Dir anraten, ihn weiter in die Zukunft zu setzten. All die Raumschiffe, Raumstationen, versunkenen Städte benötigen weit mehr Zeit um konstruiert zu werden, als dass die mageren 85 Jahre bis zum Ende diesen Jahrhunderts noch ausreichen würden.


Nicht unbedingt. ich habe mich lange und umfassend mit den Themen des Buches befasst. (ist wohl auch eine Grundvoraussetzung dafür)
Es gibt bereits:
- Drohnen, die selbsttätig starten, landen und Befehle ausführen können.
- Roboter und Computerprogramme, die Problemlösungsstrategien beherrschen (was ja einer Art künstlichen Intelligenz entspricht)
- Weltraumtourismus (derzeit noch etwas exklusiv Very Happy )
- Orbitalstationen (ISS)
- konkrete Pläne für Hyperschallflugzeuge, die bis in sehr hohe Atmosphärenschichten aufsteigen können
- ...
Und wenn man sich das exponentielle Wachstum der letzten Jahrzehnte/Jahrhunderte und den enormen Ressourcenhunger der Industrie- und Schwellenländer ansieht, dann sind solche Dinge in 70 bis 100 Jahren gar nicht so abwegig.
Wer hätte 1930 geglaubt, dass es eine ISS gibt, dass jeder mit einem Smartphone in der Tasche herumläuft.
Zu diesem Zeitpunkt gab es ein paar Propellerflugzeuge und einen riesigen Telefonklotz zu Hause.

Nur um dieses Thema mal zu erläutern... Wink

bezüglich Zeitreise:

Das ist ja das Paradoxon... Wink

Vielleicht kommt das im Exposé nicht richtig rüber, aber der Mörder von Nolans Frau (Miguel) wurde ebenfalls zurückgeschickt und zwar erst nachdem er sie getötet hat. Was diesen Widerspruch wieder auflöst.
Außerdem wurde er geschickt, weil Nolan ein eher impulsiver Charakter ist und Miguel selbst sehr zurückhaltend. Diese impulsive Art der Problemlösung ist essentiell für den Part, den Nolan einnimmt, allerdings wäre es bei ihm ein großes Risiko, wenn er alles wüsste. Deswegen ist Miguel da, um ihm zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Informationen zu geben, ohne selbst direkt ins Geschehen einzugreifen.

Ich hoffe, das war nicht zu sehr verwirrend.
Das ist übrigens genau der Grund, wieso ich Exposés hasse. man kann einen komplexen Sachverhalt manchmal einfach nicht rüberbringen.

Wenn ich mir mein eigenes Exposé so durchlese, denke ich mir oft, dass die Story total klischeehaft klingt.

Wie siehst du/seht ihr das? Klingt die Story zu sehr nach Klischee?


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Pureaqua
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BeitragVerfasst am: 12.08.2014 21:23    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo 03mtep13,

schön, dass ich Dir ein wenig helfen konnte.

Bezüglich Zeitreise :

Leider kam das für mich wirklich nicht rüber, dass Miguel ein weiterer Zeitreisender ist.


Was die Klischees angeht, jain.
Es geht schon in Ordnung, wenn Du Dich an leicht zu verstehenden und bekannten Elementen bedienst.
- Autoritärer Staat, komplette Überwachung
- Widerstandsgruppe mit Elite-Mitgliedern
- Gebeutelter Protagonist der zum Ass im Ärmel der Rebellion wird
- Liebesgeschichte im „Schützengraben“

Solche Muster werden nicht umsonst so oft gewählt, denn sie sind bei dem Leser beliebt, aber wenn man sich eben zu stark daran bedient, leidet die Originalität.

Ich glaube woran Deine Geschichte am meisten krankt ist, dass Du Deine Figuren zu sehr magst. Sie stehen, wie ich es aus dem Expose herausgelesen habe, nie wirklich vor schwierigen Entscheidungen. Es ist immer klar, wer die Guten sind, wer böse und welche die richtige Entscheidung ist.
Deine Geschichte produziert vor meinem geistigen Auge ein Szenario, wo wirklich wichtige Fragen über den Menschen und die Gesellschaft, die er mit seinen technologischen Mitteln aufbaut, gestellt werden. Aber leider bleibt es bei eine oberflächlichen Betrachtung, die als Hintergrund für explodierende Gebäude und effektreiche Raumschlachten dient.
Alle wichtigen „guten“ Figuren leiden unter dem James-Bond-Syndrom, mehr als einen obligatorischen Kratzer bekommen sie nicht ab und entkommen immer den Fängen des Bösen. Ich kann schon verstehen, dass Du sie nicht sterben sehen willst, aber es schadet der Glaubwürdigkeit Deines Antagonisten (Carter Group) immens.
Entscheidungen die richtig schwierig zu treffen sind würden der Geschichte gut tun, z.B.
- Einer Deiner Hauptfiguren wird mit einem Prototypen, der zweiten Generation an Guardian-Chips, während seiner Gefangenschaft ausgestattet. Sollten die Server zerstört werden wird er ebenfalls sterben. Wie entscheidet sich Nolan? Wie schwer fällt es ihm seinen Auftrag durchzuführen, obwohl er weiß, dass es gemacht werden muss?
- Ein Versorgungsrelais muss gesprengt werden um die Chancen einer Infiltration zu erhöhen. Dadurch werden tausende Unschuldige gefährdet oder zu Schaden kommen. Wie wägt die Widerstandsgruppe den Nutzen und Schaden gegeneinander auf. Wie steht Nolan dazu, selbst wenn seine neue Flamme kein Problem damit hat?

Das Ende ist,  meiner Ansicht nach, der schwächste Teil Deiner Geschichte.  Es ist eine große Ansammlung von „happy-ends“.

- Eine patchwork-Armee siegt
- Der korrupte Antagonist wird der plötzlich guten Polizei übergeben
- Die ehemals böse Firma wird nun in ein leuchtendes Beispiel für das Gute gewandelt
- Die Gesellschaft wandelt sich mit einem Schlag zum Guten
- Mensch und Natur leben im Einklang
- Protagonist findet endlich seinen Frieden und kann sein Leben verdient mit seiner neuen Liebe genießen

Es tut mir Leid, wenn Dir diese Aufzählung vor den Kopf stößt. Sie ist auch komplett subjektiv und von dem her bin ich mir sicher, dass Du viele Leute finden wirst, die ganz anderen Meinung sind wie ich.
Aber mich stört so ein Ende eben. Es klingt für mich etwas naiv und schmälert all die Teile der Geschichte, die annähernd realistisch beschrieben wurden.

Nur um zwei „paradoxe“(man verzeihe mir das Wortspiel smile extra ) „happy-ends“ zu behandeln:

- Wenn Korruption und Unterdrückung normal sind, wird es die Polizei nicht kümmern, dass es Unmengen an Beweisen gibt. Die Polizei selbst wäre ja dann darin verwickelt und alle hohen Beamten würden alles versuchen um a) die Beweise verschwinden zu lassen und b) die Zeugen verschwinden zu lassen um selbst unbeschadet zu bleiben.
- Eine Gesellschaft kann sich nicht einfach so schnell wandeln, egal für wie schlecht man das alte und wie gut man das neue System hält. Das beste Beispiel haben wir doch gerade erst im Irak gehabt.

Alles in Allem glaube ich daran, dass die Geschichte durchaus Potential hat, aber ich würde Dir empfehlen Dich darauf zu besinnen was Du dem Leser zeigen möchtest. Konfrontiere Deine Figuren mit den unangenehmen Fragen die ihre Situation aufwirft und lass’ sie ein wenig leiden smile.

Ich hoffe ich war nicht zu grob mit meiner Kritik.
Viele Grüße,
Stefan
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Lee Ares
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BeitragVerfasst am: 13.08.2014 11:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hey du =)

Ich habe auch nur die Exposé durch gelesen, um einen Gesamteindruck zu bekommen.
Keine Sorge, eine Exposé wird oft nicht am ersten Tag fertig. Wink

Ich hatte bei deiner das Gefühl, dass du zu sehr auf Einzelheiten achtest. Du könntest deinen Text mit ein paar "Tricks" schnell kürzen.

Zum Beispiel:
"Verwirrt, aber unverletzt macht er sich auf die Suche nach Menschen. Das Waldstück ist klein und so erreicht er kurz darauf eine angrenzende Stadt."
Warum nicht einfach schreiben: "Verwirrt, aber unverletzt macht er sich auf dir Suche nach Menschen und wird bald fündig."

Oder:
".., stellt er fest, das er Fähigkeiten hat, die ihn für einen Kampfeinsatz prädestinieren. Woher er diese Fähigkeiten hat, weiß er allerdings selbst nicht"
Kürzer wäre: ".., stellt er fest, dass er ungeahnte Fähigkeiten hat, die ihn für einen Kampfeinsatz prädestinieren"

Es gibt einige dieser Textstellen aufgefallen.

Und was ich verwirrend fand: Am Anfang wird beschrieben, dad Nolan von einer Frau träumt. Wenn ich mich nicht irre, taucht sie erst wieder am Ende auf.
Warum schreibst du das nicht einfach zusammen? Also das dir Frau, von der er träumt seime Ehefrau aus der Zukunft ist, Nolan das aber erst sm Ende erfährt.

Tut mir leid wenn ich jetzt irgendwas verwechsele. Rolling Eyes
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03mtep13
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BeitragVerfasst am: 13.08.2014 12:14    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@ Pureaqua

Zitat:
Leider kam das für mich wirklich nicht rüber, dass Miguel ein weiterer Zeitreisender ist.


Wie gesagt, es ist wirklich schwierig, eine komplexe Handlung in nur wenige Seiten zu fassen.
Deswegen klingt auch die Story manchmal (sogar für mich selbst) sehr trivial.

Zitat:
- Autoritärer Staat, komplette Überwachung
- Widerstandsgruppe mit Elite-Mitgliedern
- Gebeutelter Protagonist der zum Ass im Ärmel der Rebellion wird
- Liebesgeschichte im „Schützengraben“


Zitat:
- Eine patchwork-Armee siegt
- Der korrupte Antagonist wird der plötzlich guten Polizei übergeben
- Die ehemals böse Firma wird nun in ein leuchtendes Beispiel für das Gute gewandelt
- Die Gesellschaft wandelt sich mit einem Schlag zum Guten
- Mensch und Natur leben im Einklang
- Protagonist findet endlich seinen Frieden und kann sein Leben verdient mit seiner neuen Liebe genießen


Klingt nach Hollywood Laughing

Ich muss dir in gewisser Weise Recht geben. Manche Dinge sind wirklich etwas zu klischeehaft und ich liebe tatsächlich meine Figuren.
Mal sehen, vielleicht kann ich da noch etwas herausholen und eine wirkliche "Tragik" einbauen. (Deine angeführten Beispiele sind schon mal ein guter Ansatz)

Aber dass die Story so rüberkommt liegt, wie schon angesprochen, auch teilweise an der Kurzfassung. Auch denke ich, dass in dem Manuskript teilweise sehr tiefgreifende Themen abgehandelt werden, die ich jedoch aus dem Exposé komplett herausstreichen musste, weil es sonst den Rahmen komplett gesprengt hätte.
Es geht schon viel um Action, das gebe ich zu, es ist aber auch so gewollt. Übertriebene Raumschlachten und explodierende Gebäude gibt es jedoch nicht. Wink

Zitat:
Ich hoffe ich war nicht zu grob mit meiner Kritik.


Ganz und gar nicht. Ich danke dir für deine Offenheit.
Mit Schönfärberei und "Alles-ist-gut-und-schön-mach-weiter-so" kann ich nicht viel anfangen. Mit konstruktiver Kritik schon. Und die tut manchmal weh. Wink

@ Lee Ares

Zitat:
Ich hatte bei deiner das Gefühl, dass du zu sehr auf Einzelheiten achtest. Du könntest deinen Text mit ein paar "Tricks" schnell kürzen.


Ich sehe, worauf du hinaus willst.

Wenn ich wieder etwas Zeit habe, werde ich vielleicht beide Varianten der Änderung austesten.
- Die Kürzung der bestehenden Version
- oder von null weg mit "dem ersten Satz"
Mal sehen, welche dann besser wird.


Was mich auch noch sehr interessieren würde, wie findet ihr meinen Schreibstil? Mir ist es sehr wichtig, dass sich das Buch flüssig und gut lesen lässt.
Ich würde mich sehr freuen, wenn sich jemand die Mühe machen würden, einen Teil der Leseprobe zu lesen und seinen Meinung dazu abzugeben.

lg
Paul


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Lee Ares
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BeitragVerfasst am: 13.08.2014 12:38    Titel: Antworten mit Zitat

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:


Was mich auch noch sehr interessieren würde, wie findet ihr meinen Schreibstil? Mir ist es sehr wichtig, dass sich das Buch flüssig und gut lesen lässt.
Ich würde mich sehr freuen, wenn sich jemand die Mühe machen würden, einen Teil der Leseprobe zu lesen und seinen Meinung dazu abzugeben.

lg
Paul


Stimmt, deine Leseprobe ist irgendwie untergegangen ^^
Ich habr jetzt mal den ersten Teil, also den Anfang,  gelesen. Und wurdr positiv überrascht.

Ich fande es wirklich sehr fesselnd, die Umgebung wurde toll beschrieben.
Also mir hat der Anfang wirklich gut gefallen, ich konnte mich gut in deinen Prota rein versetzen. Wink
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03mtep13
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BeitragVerfasst am: 13.08.2014 20:40    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Wow, das freut mich.
Ich hoffe, dass der Text besser gelungen ist als das Exposé. Denn das ist ja schließlich die Hauptsache.
Aber ich bitte dich, sollte dir etwas auffallen, ich bin über jede Anregung froh. Ich vertrage auch harte Kritik. Nur keine Scheu. Nimm den Text auseinander. Wink

lg
Paul


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Yukimura
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BeitragVerfasst am: 13.08.2014 21:42    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo 03mtep13,

ich habe mir zuerst dein Exposé vorgenommen und wurde davon leicht abgeschreckt. Die Idee ist gut, aber es liest sich träge und langweilig. Es wirkt eher wie eine Zusammenfassung jedes einzelnen Kapitel mit unnötigen Informationen und zu wenig Blick aufs Wesentliche. Da würde ich an deiner Stelle noch etwas ausklopfen.
Noch was zum Exposé:
03mtep13 hat Folgendes geschrieben:

, mit erheblichen Lücken in seinem semantischen Gedächtnis.

Das 'semantisch' wirkt an dieser Stelle zu gekünstelt, finde ich.

So nun zum ersten Kapitel:
Hier muss ich sagen, dass ich positiv überrascht war nach dem mageren Exposé. Du hast einen sehr flüssigen Schreibstil (es gab kaum Stellen, über die man gestolpert ist) und du schreibst sehr bildgewaltig und fesselnd (obwohl du irgendwo am Anfang erwähntest, dass man als Leser keine Spannung erwarten soll). Hat mir sehr gefallen.
Aber ich hab auch was persönlich auszusetzen. Zuerst ein paar kleine Tippfehler, die mir so aufgefallen sind:
03mtep13 hat Folgendes geschrieben:

Allerdings fühlte er sich vollkommen erschöpft, als ob er schon sein seit Tagen nicht mehr geschlafen und die letzte Nacht durchgesoffen hätte.
[...]
Woher dieses Leuchten kam, interessierte ihn im Moment wenig.
[...]
Also war es hier wirklich so leise. Doch wie kam es, dass er nicht mal ein Tier hörte. Kein Rascheln im Laub, kein Singen eines Vogels, kein Hundegebell.
[...]
„Komm mal, Zilka.“


Nun einige Stellen, die mich inhaltlich etwas gestört haben (mein persönlicher Eindruck):
03mtep13 hat Folgendes geschrieben:

Und wenn irgendeine Seuche ausgebrochen ist und alle verreckt sind?

Das ist jetzt sicherlich geschmacksbedingt, aber das derbe Wort 'verrecken' hätte ich niemals von deinem Protagonisten erwartet, wenn man seine bisherige Wortwahl im inneren Monolog bedenkt. Hat mich etwas schockiert und verwirrt, aber wie gesagt, sieht jeder bestimmt anders.

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:

Auf der großen Hauptstraße, die gerade von ihm wegführte, war alles hell erleuchtet. Viele Gebäudewände wurden als große Werbetafeln genutzt, auf denen kurze Videosequenzen liefen. Vor diversen Geschäften, Pubs und Clubs, deren Reklametafeln schon von weiter Entfernung zu lesen waren, standen Gruppen von Menschen herum.

Das ist ein eindeutiger Fall, wo man besser zeigen sollte, anstatt zu erzählen (show-don't-tell). Schreib ruhig, was auf den Werbetafeln zu sehen ist und was über den Pubs und Clubs steht, anstatt einfach zu sagen 'ok, da sind eben Werbetafeln'. Erstens macht es deine Szene noch lebendiger und zweitens wird dein Protagonist besonders genau solche Sachen studieren, weil er eben nach Orientierung sucht. Nur ein kleiner Tipp. Wink

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:

Oder wo er zu Hause war. Wie sein Name war.
Eine Gänsehaut ließ ihn frösteln, obwohl es angenehm warm war. Nackte Panik erfasste ihn. Fühlte sich so ein Alptraum an?

Das Wort 'angenehm' halte ich persönlich für unglücklich gewählt. Es nimmt der Szene diese Bedrückung und entschärft die Panik etwas, weil es eben ein sehr positiv angehauchtes Wort ist. Versuch die Wärme anders zu beschreiben oder schreib notfalls einfach nur "obwohl es warm war", ohne jegliche Ausschmückung, wirkt neutral

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:

Seine Sneakers starrten vor Schlamm.

Dieser Satz fühlt sich (zumindest für mich) irgendwie nicht richtig an. Kann man 'vor Schlamm starren'? Vielleicht kann hier jemand anderes das aufgreifen.

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:

Wieder rannte er um die Ecke, nur um diesmal mit einer schwarz gekleideten Person zu kollidieren. Mit einem Geräusch des Erschreckens stolperte er und fiel hin, die Person neben ihm. Sofort rappelte er sich auf, doch bevor er noch registrieren konnte, was passiert war, fühlte er sich gepackt. Jemand riss ihn hoch, schubste ihn und presste ihn mit dem Gesicht gegen die schmutzige Wand. Nach fettigem Essen stinkender Atem schlug ihm entgegen, als die zweite Person sagte:

Hier ist die Verwirrung perfekt. Es ist hier nicht sofort ersichtlich, dass es die 'zweite Person' ist, die ihn an die Wand presst. Es wäre sinnvoller gewesen, diese zweite Person gleich zu Beginn zu erwähnen (als sie zu handeln anfängt und nicht erst zum Schluss), z.B.:

»Sofort rappelte er sich auf, doch bevor er noch registrieren konnte, was passiert war, packte ihn eine zweite Person von hinten.«

Beide einfach nur als 'Person' zu bezeichnen halte ich auch nicht für sinnvoll. Gib ihnen etwas markantes, das deinem Protagonist sofort ins Auge fällt (vielleicht ist ja einer so breit wie ein Bär etc.) und lass ihn fortan beide so adressieren.

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:

Die Stimme, mit der dieser Sobi mit ihm redete, [...]

Hört sich sehr holprig an mit 2x "mit", meiner Meinung nach

Soviel dazu. Nun zum Gesamteindruck des 1. Kapitels:
Wie ich schon oben schrieb hast du einen sehr schönen Schreibfluss und kannst auch sehr gut Bilder mit Worten erschaffen. Ich finde nur, dass du dich am Anfang viel zu lange im Wald aufhälst. Ein relativ großer Textabschnitt, wo er durch die Wälder irrt mit vergleichsweise wenig neuer Information, die dazu kommt. Ich würde da kürzen bzw. zusammenfassen.
Nachdem dein Protagonist die Stadt erreicht, nimmst du hingegen Fahrt auf und man merkt deutlich, dass du nun richtig drin bist im Schreiben. Die Spannung steigt und man will als Leser plötzlich nicht mehr aufhören zu lesen, diesen Effekt solltest du aber (durch das Kürzen der Waldszene) weiter nach vorne verlagern, damit du die Leser so früh, wie möglich köderst. Ansonsten eine sehr schöne Geschichte. habe noch nicht die Zeit gefunden die anderen beiden Kapitel zu lesen. Vielleicht mache ich das noch (verspreche aber nix).

Gruß
Yukimura


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03mtep13
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BeitragVerfasst am: 14.08.2014 12:14    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich finde es interessant, dass alle zuerst das Exposé lesen. Vielleicht bin nur ich so, aber ich persönlich kann mit Exposés nicht. Merkt man offensichtlich auch. Aber die Mühe, nochmals ein paar bessere Varianten davon zu schreiben, wird mir wohl nicht erspart bleiben.

Zitat:
Hier muss ich sagen, dass ich positiv überrascht war nach dem mageren Exposé. Du hast einen sehr flüssigen Schreibstil (es gab kaum Stellen, über die man gestolpert ist) und du schreibst sehr bildgewaltig und fesselnd (obwohl du irgendwo am Anfang erwähntest, dass man als Leser keine Spannung erwarten soll). Hat mir sehr gefallen.


Das war meine größte Hoffnung. Mir ist es persönlich sehr wichtig, dass sich ein Text flüssig und ohne größere Unterbrechungen liest. Ich denke, damit kann man sehr viel herausholen.
Bildgewaltig finde ich toll!! Smile
Das mit der Spannung wüsste ich nicht, wo ich das geschrieben hätte. Im Gegenteil: Ich hätte das Manuskript als (SciFi-)Thriller klassifiziert. Diesen Genre lebt ja primär von der Spannung. Mal mehr, mal weniger.

Zitat:
Dieser Satz fühlt sich (zumindest für mich) irgendwie nicht richtig an. Kann man 'vor Schlamm starren'? Vielleicht kann hier jemand anderes das aufgreifen.


Ich persönlich kenne den Ausdruck "vor Dreck starren" und habe ihn auch schon mehrmals gelesen. Vielleicht ist es aber auch ein wenig umgangssprachlich.

Zitat:
Nun zum Gesamteindruck des 1. Kapitels


Vielleicht ist meine Leseprobe etwas missverständlich. Es sind drei Kapitel, nicht zusammenhängend, mehr oder weniger willkürlich ausgesucht, um einen Querschnitt durch den Text zu zeigen. Das erste Kapitel der Leseprobe ist nicht das erste des Manuskripts. (genau genommen ist es das zweite. Vielleicht stelle ich das erste Kapitel auch noch rein.

Zitat:
Ansonsten eine sehr schöne Geschichte. habe noch nicht die Zeit gefunden die anderen beiden Kapitel zu lesen. Vielleicht mache ich das noch (verspreche aber nix).


Danke. ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn du noch die Zeit finden würdest. Cool

lg
Paul
 
--------------------------

EDIT: 12:18 Uhr

1. Kapitel

Der Stein fiel über die Kante in den Abgrund und verschwand. Er sah ein Stück Boden, felsig, karg und nur mit niedrigen Gräsern bewachsen.  Zwei Schritte vor ihm fiel der Boden jäh ab, eine schroffe Kante bildete den Beginn der steilen Felswand, die weiter unten im Nebel verschwand. Die aufgehende Morgensonne beleuchtete die bewegungslosen Schwaden und ließ sie in glühendem orange leuchten.
Es war, als zöge ihn eine Kraft auf den Abgrund zu, so wunderschön und rein wirkte es, man wollte sich einfach hineinfallen lassen. Und gleichzeitig widerstrebte es ihm, sich der Kante zu nähern, dem gefährlichen Abgrund, in dem der Tod lauerte.
„Bist du bereit?“
Die Stimme kam von hinten. Sie klang vertraut und doch konnte er sie nicht einer Person zuordnen. Umdrehen war unmöglich, er war gefangen in seinem Körper. Fühlte, hörte, sah, war aber nicht dazu fähig, einen Muskel zu bewegen. Er starrte immer noch gebannt nach unten auf die Stelle, wo der Stein, den er über die Kante getreten hatte, im Nebel verschwunden war.
„Einfach fallen lassen“, forderte ihn die Stimme auf. „Nicht nachdenken.“
Nicht nachdenken, hallte es in seinem Kopf nach. Es war wie ein Befehl. Plötzlich taten seine Beine einen Schritt vor, die Kante rückte näher, Sand und kleine Steine rieselten hinunter. Gedanken wirbelten durcheinander, er konnte spüren, wie sich sein Puls beschleunigte. Sein Körper lehnte sich vor, er schloss die Augen. Seine Beine taten einen Ruck und lösten sich vom festen Untergrund. Oben war unten und unten war oben. Er spürte, wie sich sein Magen verdrehte und zwang sich, die Augen zu öffnen. Die Angst war verschwunden, nur mehr ein mulmiges Gefühl in der Magengrube blieb.
Emotionslos beobachtete er, wie er auf die orange Masse zu glitt, sie ohne Widerstand durchschlug. Feinste Tröpfchen setzten sich auf dem durchsichtigen Material des großflächigen Helmvisieres ab, wurden von dem heftigen Luftzug wieder weggerissen. Dann, als ob er seine Gliedmaßen nicht selbst steuerte, streckte er sich. Der bislang lose Stoff zwischen seinen Beinen und an den Armen spannte sich, er wurde jäh zurückgerissen. Der Wind zog heftig an seinem Körper, beutelte ihn hin und her. Doch nur kurz, schnell stabilisierte er seine Lage mit ungewohnt routinierten Bewegungen seiner Arme. Der unkontrollierte Fall ging in einen sanften Gleitflug über. In diesem Moment brach er aus der Nebelwand heraus.
Unter ihm grüne Wiesen, dunkle Waldstücke und ein dünner Bach, der sich wie ein langer, blauer Wurm durch die Landschaft zog. In weiter Ferne ein gesprenkeltes Etwas. Das mulmige Gefühl in seinem Bauch wich Begeisterung und Überwältigung. Für eine Weile vergaß er alles um sich herum und betrachtete die Aussicht. Zwei Holzhütten schmiegten sich an monumentale Felsklötze, die sich aus der blühenden Almweide erhoben, er sah ein paar Tiere grasen. Menschen sah er keine. Vielleicht, weil er noch zu weit entfernt war. Links neben ihm stieg der Berg an, manifestierte sich in einer kolossalen Steilwand, die über allem thronte. An das Felsmassiv schmiegten sich letzte Fetzen von Nebelschwaden, Reste der kalten Nacht, die die Sonne in kurzer Zeit auflösen würde. Er drehte mit einer beiläufigen Handbewegung seinen Körper etwas zur Seite und beschrieb einen weiten Bogen. Jetzt war er dem Untergrund nahe genug gekommen, um mehr Einzelheiten aus zumachen. Menschen sah er immer noch keine, aber die Landschaft wurde beeindruckender, je näher er kam. Klar, rein und unberührt. Wunderschön.
Plötzlich realisierte er, dass er dieser Landschaft mit hoher Geschwindigkeit entgegenfiel und mit einem Mal war sie nicht mehr nur schön. Sie war auch eine potentielle Bedrohung, sein Todesurteil, sollte er nicht bremsen. Panik breitete sich aus.
„Aktivieren“, hörte er sich selbst sagen.
Vor seinem Gesicht tauchten Symbole, Beschriftungen und Werte auf, das Helmdisplay zeigte alle relevanten Daten an: Geschwindigkeit, Fallzeit, Windrichtung, seine gegenwärtige Lage, Status des Schirms und eine Menge andere Daten, die den größten Teil seines Sichtfelds füllten und die Aussicht trübten.
„Auslösen.“
Erneut ertönte seine Stimme, obwohl er das Gefühl hatte, nichts bewusst getan zu haben. Es war, als würde er sich selbst betrachten, als würde er seinem eigenen Verstand über die Schulter sehen. Das Gefühl beunruhigte ihn. Er hatte es nicht im Griff.
„Auslösen.“
Erneut seine Stimme, allerdings deutlich nervöser als zuvor. Seine Hand nestelte an seinem Rücken, suchte etwas. Der Boden kam näher, rasend schnell. An die schöne Aussicht, die wunderbare Landschaft war nicht mehr zu denken. Seine Hand fand etwas, ein breites Band, zog daran. Keine Reaktion. Noch einmal, diesmal heftiger.
„Auslösen. Sicherheitscheck.“
Keine Reaktion. Weder auf das ziehen der Leine, noch auf die beiden gesprochenen Befehle. Sein Blick wanderte nach unten, auf die Stelle, auf die er zuraste. Ein Schotterfeld mit Felsbrocken, so groß wie ein Kleinwagen. Ein derber Fluch hallte im inneren des Helms wieder, erneut ein paar gesprochene Befehle, vermischt mit wüsten Beschimpfungen des Betriebssystems, das nicht reagierte. Ein weiterer Versuch, an der Leine zu ziehen. Diesmal mit Erfolg. Das Band gab nach, seine Hand holte sie ins Gesichtsfeld. Das hintere Ende abgerissen und fransig, eine Wirkung stellte sich nicht ein. Ihm wurde heiß. Die Brocken unter ihm wurden immer größer, es würde nur mehr Sekunden dauern.
Plötzlich hörte er ein scharfes Zischen und wurde mit einer Gewalt zurückgerissen, die ihm fast den Atem nahm. Die Daten auf dem Display rückten zur Seite und machten einer Videoübertragung Platz. Ein Mann mit kantigem Gesicht, dunklen Haaren, glatt rasiert. Er zeigte ein breites Grinsen, die hämische Freude über seinen Schockmoment war ihm deutlich anzusehen.
„Wie geht es dir?“, fragte der Mann.
Er bekam eine Verwünschung zurück.
„Ach komm schon, die Idee mit der Fernsteuerung war doch gut. Ein wenig Adrenalin schadet nicht, deine Worte.“
„Ja, wie unglaublich witzig. Ich lache mich tot. Erklär mir mal eines, Mike: Wieso musst du immer auf solche blöden Gedanken kommen? Kannst du mit deiner Intelligenz nicht etwas Sinnvolles machen? Nein, du musst mich natürlich fast umbringen.“
„Ach, reg dich nicht so auf. Heute Abend trinken wir darauf. Den Rest kannst du auch allein. Viel Spaß noch.“
Mikes Gesicht verschwand und machte wieder den Anzeigen Platz.
„Steuerung übertragen“, vermeldete die Stimme des Betriebssystems. Er bewegte seinen Kopf etwas nach rechts, dann nach links. Die Steuerung des Gleitschirms folgte seinen Bewegungen. Inzwischen hatte der Schirm ihn stark abgebremst. Auch flog er nicht mehr waagrecht durch die Luft, sondern hing mit den Beinen nach unten an den Seilen. Das Schotterfeld hatte er hinter sich gelassen, inzwischen war er nur noch wenige Meter über dem Boden. Wie aus dem nichts raste ein windschiefer Baum auf ihn zu. Mit einer ruckartigen Kopfbewegung riss er sich zur Seite und verfehlte en Baum haarscharf. Einer der flechtenbewachsenen Äste verfing sich irgendwo, ließ ihm herumwirbeln. Kurz schoss ihm das grinsende Gesicht in den Kopf, dieser Mike musste sich jetzt halb totlachen. Dann fiel er aus einer Höhe von drei Metern auf den Boden. Das lange Gras dämpfte seinen Fall, aber er überschlug sich einmal und rollte etwas die schräge Ebene hinunter. Dann legte sich ein Schatten über ihn. Mit verärgerten Bewegungen schlug er den Stoff des Gleitschirmes zur Seite und rappelte sich auf. Seine Hände tasteten am Körper herum, es schien alles heil zu sein. Sein Blick richtete sich auf die Steilwand, die im morgendlichen Sonnenlicht leuchtete und er atmete tief durch. Sein Puls beruhigte sich und er merkte plötzlich, wie sehr seine Knie zitterten. Langsam ließ er sich ins hohe Gras gleiten. Ein Schwindelgefühl erfasste ihn, er hatte den Eindruck alles um ihn herum würde immer mehr verschwimmen und dunkler werden. Er fühlte sich müde und schwer. Mehr und mehr drückten seine Lider sein Sichtfeld zusammen. Durch einen Schlitz sah er nochmals den strahlend blauen Himmel, dann sah er gar nichts mehr.


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Alpen-Yeti
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BeitragVerfasst am: 14.08.2014 14:58    Titel: Re: Leseprobe "Paradoxon" Antworten mit Zitat

Hallo 03mtep13,

ich hab mir mal den zweiten großen Block Deiner Textprobe vorgenommen. Ich hab mal so aufgeschrieben, was mir spontan beim Lesen aufgefallen ist. Ist natürlich nur meine persönliche Einschätzung  und kann von der anderer Leser abweichen. Ich hoffe, Du kannst ein paar meiner Anmerkungen gebrauchen.

Zur generellen Einschätzung: Es ist nicht unbedingt mein Genre. Deinen Schreibstil empfand ich als relativ angenehm, obwohl ich die Fülle mancher Details gerne übersprungen hätte. Wenn ich das als Buch im Laden in Finger gehabt hätte, wäre ich über die Umgebungsbeschreibung nur drübergehüpft, bis die Charaktere wieder mal was machen oder miteinander reden. Die Dialoge fand ich dann auch gleich wieder spannender und wollte wissen, was passiert. Nun denn, beginnen wir ...

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:
Durch die Drehbewegung und der daraus resultierenden Fliehkraft wurde eine künstliche Schwerkraft simuliert.

=> Die aus der Drehbewegung resultierende Fliehkraft/Zentrifugalkraft simuliert Schwerkraft. Meiner Meinung nach macht das Verb »simuliert« das Adjektiv »künstlich« überflüssig. »Simuliert« heißt ja schon »vortäuschen/nachbilden«, sowie »künstlich« eben »nicht natürlich, nachgebildet« bedeutet. Also doppelt gemoppelt.

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:
Somit wurden HURST-Module überflüssig, die ebenfalls eine Gravitation über gerichtete Quanteneffekte erzeugten.

=> »ebenfalls«? Ich dachte die Schwerkraft im CROSS wird durch die Fliehkraft erzeugt und nicht durch Qaunteneffekte. Oder habe ich irgendwo was überlesen? Ich bin nur etwas verwirrt.

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:
Allerdings war dieser Effekt örtlich sehr stark begrenzt und diese Scheinschwerkraft dementsprechend nicht überall gleich. Außerdem verschlangen diese neuartigen Systeme Unmengen an Energie.

=>Der ganze Absatz: langweilig (für mich). Ich weiß, Du möchtest die Zukunft möglichst genau beschreiben, aber zu viel davon empfinde ich als langweilig, vor allem, weil ich nicht weiß, wozu diese Info nützlich ist. Mir hat die Beschreibung der künstlichen Gravitation durch Fliehkraft vollkommen gelangt. Ich war echt kurz davor das einfach zu überspringen. Du beschreibst zwar alles suoergenau, aber mir fehlt irgendwie die Atmosphäre.
=> dieser Effekt - diese Schwerkraft - liest sich nicht so schön

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:
Sie befanden sich in der vorletzten Ebene, Level 23, also fast an der äußeren Oberfläche des Rings.

=> Nach der langen Beschreibung der künstlichen Schwerkraft usw. kommt dieses »Sie« sehr unerwartet und verschwindet genaus unerwartet wieder. Mit persönlich würde es besser gefallen, wenn Nolan von Anfang an als »Erzähler« auftauchte. Siehe hierzu auch den ersten Satz. Klingt für mich unheimlich unpersönlich. Du könntest doch gleich zu Beginn schreiben, dass es für ihn schwer war, sich nicht umzusehen.

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:
Man konnte sie tatsächlich Straßen nennen.

=> Dann würde ich sie auch so nennen.

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:
Kleine Fahrzeuge, Taxis, die man an jede Ecke anmieten konnte, flitzten hin und her, brachten Personen oder Waren zu ihren Zielen. Links und rechts von dieser Straße breitete sich ein großzügiger Bürgersteig aus. Dieser wurde wiederum von den Gebäudewänden eingekesselt, die normalen Wohnhäusern und Geschäften nachempfunden waren. Türen, Fenster, Balkone, alles wie auf der Erde. Nur ein Dach besaß keines der mehrstöckigen Gebäude. Zumindest kein richtiges. Denn in dieser Höhe umspannte die Decke das gesamte Stockwerk und bildete den Boden der darüber liegenden Ebene.
Im Prinzip war es ein riesiger, langer Tunnel. Nur an wenigen Stellen zweigte eine Seitengasse ab und führte zu den anderen beiden parallelen Straßen oder in die darüber oder darunter liegenden Ebenen. Diese Tunnelatmosphäre störte aber nicht besonders. Die Luft war sehr gut, besser als an manchen Orten auf der Erde. Die Decke war eine einzige Animation mit Wolken und Sonne, so dass keine klaustrophobische Atmosphäre aufkommen konnte. Düster war es aufgrund der hellen Farbgebung und der guten Beleuchtung auch nicht.

=> Für meinen Geschmack (andere mögen das vielleicht, ich nicht so) wieder viel zu viel Beschreibung. Ich könnte mir aber gut vorstellen, wie Nolan die Stockwerke, die Straße, den Tunneleffekt sieht und beschreibt, was er dabei empfindet. Denn am Anfang starrt er ja (und ich lese das jetzt so, dass er erstaunt ist), davon merke ich jetzt leider nichts mehr.

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:
Die einzige wirkliche Kuriosität war die Krümmung der Straße. Trotz des großen Radius des Ringes konnte man gut erkennen, dass der Boden nicht gerade war. Vorne und hinten bogen sich die Straße, die Decke und die Gebäudewände nach  oben hin weg, als würde man ständig vor einem Hügel stehen, seine Kuppe aber niemals erreichen.

=> Puh, jetzt habe ich mich zuerst an die Stockwerke gewöhnt, die ich mir aber nicht etagenmäßig vorstellen darf, dann habe ich versucht mir das Ganze tunnelmäßig vorzustellen und jetzt bin ich am Fuße eines Hügels und sehe eine Kuppe. Ist vielleicht ja nur mein Eindruck, aber ich bin mittlerweile von den Beschreibungen etwas überfordert.

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:
Nolan hatte es oft trainiert, hatte die Umgebung gesehen, doch die Realität war etwas völlig anderes.

=> »es«? Was ist dieses es? Was hat er oft trainiert?

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:
Während die Trainingsumgebung simuliert gewirkt hatte, einfach nicht echt, war dieser Anblick nur als surreal zu beschreiben.

=> Hier musste ich merhrmals lesen. Hat mich aus dem Lesefluss gebracht..

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:
Jedoch der Anblick, der sich ihnen bot, als sie den Fahrstuhl verließen, war … schockierend. Solch ein Bild hatte man im Kopf, konnte man vielleicht noch in einem Science-Fiction-Film sehen, aber das konnte einfach nicht real sein. Wäre der Boden vollkommen eben und nicht gebogen gewesen, hätte es diese Animationen an der Decke nicht gegeben, hätte man sich vielleicht noch einreden können, in einem riesigen Einkaufszentrum zu stehen, oder in einem großen Tunnel. Doch so konnte man die Tatsache, dass man praktisch frei im All schwebte, nicht mehr von sich werfen.

=> nicht "von sich werfen", sondern ».... von sich weisen.«
=> Ähm, was für ein Bild hat man im Kopf? Versteh ich jetzt eher so, dass es unwirklich wirkt, wie im Film, aber was hat das mit dem Bild in wessen Kopf zu tun? Tut mir leid, aber da habe ich jetzt kein Bild im meinem Kopf. Nach dreimaligem Lesen, bin ich zu folgenden Ergebnis gekommen: Der Boden ist gebogen und es gibt Animationen (was für welche?) an der Decke und der Besucher (?) schwebt frei im All?

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:
Jeder Zentimeter der Umgebung schrie es förmlich heraus. Und dann gab es noch die Panoramabalkone. Aussichtsplattformen vor riesigen Glasscheiben, die einen Blick auf die schwarze leere und die blaue Murmel darin ermöglichten.

=> Jetzt wird es konkreter. Es gibt Panoramabalkone, aber was ist die schwarze, leere Murmel und was ist die blaue Murmel? Ich spekuliere mal: Du meinst schwarze Leere (das All) und den Blick auf die blaue Erdkugel?
=> Meiner Meinung nach könnte man hier etwas straffen: »Und dann gab es noch die Aussichtsplattformen vor riesigen (Glasscheiben) Panoramafenstern. ...«

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:
Diese Plattformen waren gesteckt voll mit Touristen, eine riesige Menschentraube hatte sich vor den Scheiben gebildet. Aber das betraf sie nicht. Auch wenn sie für solche Dinge Zeit gehabt hätten, Nolan hatte jetzt schon Bauchschmerzen, wenn er sich in Erinnerung rief, wo sie waren. Kaum auszudenken, was passieren würde, wenn ein Meteorit einschlagen würde

=> gesteckt voll = klingt sehr umgangssprachlich.

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:
Oder ein Frachter mit der Station kollidierten würde. Es wäre ein Massaker. Bei einem Unglück wäre zwar nur ein kleiner Teil der Konstruktion betroffen, aber trotzdem würden viele Menschen sterben.

=> wenn würde hätte wäre... Auf den Plattformen drängten sich Touristen, die riesige Menschtrauben vor den Panoramafenstern bildeten. (....) Kaum auszudenken, was passiert, wenn ein Meteorit einschlägt. Oder ein Frachter mit der Station kollidiert. Selbst wenn nur ein kleiner Teil der Konstruktion (Station?) beschädigt wird, das Ergebnis wäre ein Massaker mit tausenden Toten. (Nur ein bescheidener, spontaner Einfall von mir.)
=> Massaker gefällt mir auch nicht so. Da denke ich eher an Blut und Gemetzel einer Schlacht und nicht an einen Unfall.

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:
Sollte es zu einem Druckverlust kommen, würden sie das betreffende Segment abschotten.

=> Mmmh, ich weiß nicht, ob Du da den Leser unterschätzt. Ich denke schon, dass der Leser weiß, was ein Schott macht. Meiner Meinung nach eine überflüssige Erklärung.

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:
Allerdings wären die Menschen in diesem Bereich allesamt verloren. Interessiert starrte er auf die stabile Stahlkonstruktion, die ein mächtiges Tor für die Straße und mehrere kleinere Durchgänge für Fußgänger offen ließ.
„Starr nicht so“, raunte ihm Djamila zu.
Sie hatte Recht. Er konzentrierte sich wieder auf seine Rolle und schritt zügig weiter.

=> Das gefällt mir. Jetzt wird das ganze lebendiger und ist nicht nur eine technische Beschreibung.

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:
Sie rollte auf ihrem Stuhl etwas zurück und öffnete einen massiven Metallkasten hinter ihr.

=> Metallkasten? Aktenschrank? Unter Aktenschrank kann ich mir was vorstellen, aber ein Metallkasten kann alles mögliche sein: Werkzeugkasten, Tresor, Schatztruhe ...

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:
Ohne Eile schloss sie den Schrank wieder ab, nachdem sie eine Karte entnommen hatte (Komma) und rollte wieder zurück.

=> Schlüsselkarte oder Wegbeschreibung? Könnte beides sein, aber ich denke mal, Du meinst eine Schlüsselkarte.

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:
Sie würden sich in diesem Fall genau zwischen der Station und dem Modul befinden und in die Leere des Alls gesaugt werden.  

=> Haha, da fällt mir Mr. Data ein, der meinte, es hieße »herausgeblasen««. (Nicht ernst gemeint, konnte mich aber nicht zurückhalten.)

Was mir sonst noch so aufgefallen ist:
Ab und an eine Häufung von: hätte, wäre, würde.
Ein paar Wortwiederholungen und unnötige Füllwörter wie »eben, auch, schon«.

Ich denke aber, für Deine Zielgruppe sind die Beschreibungen (auf denen ich ja schon etwas rumgehackt habe) wahrscheinlich viel wichtiger als für mich. So, das war’s mal so weit von mir. Vielleicht ist ja was brauchbares für Dich dabei.

Schöne Grüße
Bianca


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Liebe und Kraft oder innere Harmonie und Tapferkeit sind Pole der Erziehung. So erlernte Achilles vom Zentaur zugleich das Lyraspielen und das Bogenschießen.
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Yukimura
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BeitragVerfasst am: 14.08.2014 14:59    Titel: Antworten mit Zitat

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:
Ich finde es interessant, dass alle zuerst das Exposé lesen. Vielleicht bin nur ich so, aber ich persönlich kann mit Exposés nicht. Merkt man offensichtlich auch. Aber die Mühe, nochmals ein paar bessere Varianten davon zu schreiben, wird mir wohl nicht erspart bleiben.

Ist ja auch kein Wunder, wenn du gleich am Anfang schreibst, dass du das Exposé auch postest, da will man als Leser sich erst mal den Überblick verschaffen (hättest dus nicht erwähnt, hätte ich den Textauszug zuerst gelesen) Wink

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:
Das mit der Spannung wüsste ich nicht, wo ich das geschrieben hätte. Im Gegenteil: Ich hätte das Manuskript als (SciFi-)Thriller klassifiziert. Diesen Genre lebt ja primär von der Spannung. Mal mehr, mal weniger.

Ah, mein Fehler, ich hab beim Überfliegen deiner Exposébeschreibung
03mtep13 hat Folgendes geschrieben:
[...] soll vor allem Leser ansprechen, die (nicht notwendigerweise) an [...] einer spannenden Geschichte interessiert sind [...]

falsch interpretiert Rolling Eyes

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:

Ich persönlich kenne den Ausdruck "vor Dreck starren" und habe ihn auch schon mehrmals gelesen. Vielleicht ist es aber auch ein wenig umgangssprachlich.

Auch hier hast du natürlich Recht. Ich hab mich mittlerweile schlau gemacht und den besagten Ausdruck im Duden gefunden. Muss mir wohl fremd vorgekommen sein, weil ich selbst nie davon gehört/gelesen hab. Embarassed

03mtep13 hat Folgendes geschrieben:

Vielleicht ist meine Leseprobe etwas missverständlich. Es sind drei Kapitel, nicht zusammenhängend, mehr oder weniger willkürlich ausgesucht, um einen Querschnitt durch den Text zu zeigen. Das erste Kapitel der Leseprobe ist nicht das erste des Manuskripts. (genau genommen ist es das zweite. Vielleicht stelle ich das erste Kapitel auch noch rein.

Keine Sorge, das war mir schon bewusst, ich wusste nur nicht wie es sonst bezeichnen soll, daher "1. (hier reingestellte) Kapitel" Wink

Gruß,
Yukimura


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