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Kruemel3000
Sonntagsschreiber


Beiträge: 20



BeitragVerfasst am: 09.02.2014 20:28    Titel: Waldwärts eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Es ist gedacht und geschrieben als eine Art Stiltest, eine Skizze, ein sprachlicher Versuch, und hat demnach auch gar keinen Titel. Dennoch brenne ich natürlich auf schonungslose Kritik...
Alsdann:


Köstenberg, diesmal vorne raus, die kaltnass-verpfützte Regenwelt tropfte und triefte, grade mal 6 Häuser hielten eng zusammen, und schüchtern, verbogen, krümmte sich die Strasse mittig dazwischen, vereinzelte Lichterketten und eine goldgelbe Laterne wärmten den winzigen Ort gegen das umliegende Waldschwarz, hier oben hielt man noch zusammen. Goldig: selbst Weihnachstbäume waren dicht zusammengekuschelt und grüßten verbrüdert als Team „Lichterhecke“ die Ankommenden. Zwei Stromleitungen geländerten uns himmelwärts ins Freie, Wind flog uns unaufmerksam an, und griff auch noch, anstatt sich zu entschuldigen, scharfkantig, kaltschnäuzig, nach nackter Haut. Knorrige Baumgreise froren ebenso im Knick, litten ganzborkig unter schuppiger Hautflechte und aus dem Boden greifende Moosfesseln verhinderten hüfthoch zupackend ihre Flucht.
„Hältste ma bitte?“ und machte mich zum Kleiderständer: Hemdsärmel, Filzjacken, Schalschläuche wurden neu sortiert und sorgfältig verdichtet. „Soooooo...“, grinste rotbackiges Mäuschengesicht frechgelaunt aus der Watte, „ - weiter.“

Oben dann, aufm Plateau: Acker, in kurvigen Furchen akkurat zurechtgekämmt, feuchtpomadig, mit Straßenscheitel und Waldsaumkante, jedes Fleckchen nutzen, Kleinfeld macht auch Mist. Vorbei noch an des Vaters Sohn, der nackt genagelt an stahlkalter Marter die Bushaltestelle bewachte und in die Dunkelheit seufzte.
Links: eine einsame Gaststube, gastlos, alles dunkel. Heute Ruhetag, aha. Aber dem Grünspan nach galt das schon seit Jahren... „Frankenhof!“ las sie laut das nichtleuchtende Leuchtschild, „- natürlich, wie auch sonst.“

Rechter Hand noch zwei Wohnhäuser, dann ein letzter Lichtpfahl, bis auch der Asphalt sich kieselig verkrümelte und an zweireihig-grasgebuckelten Forstweg übergab. Schild: Orstende Köstenhof, und ich drehte mich nochma um (welcher Ort?). Rechts: Schwarzer Keil in dreieckigem Rot: 22%! Nix für Stadtautos. „Kuck ma, empfohlen für Downhill, ...“, und zeigte mit der Kinnspitze auf den Aufkleber am Birkenstumpf, „Da mipp'm Rad runter?“ - Ich summte (redefaul) nur stimmloses Ja, machte dann aber doch noch den Mund auf: „Am liebsten freier Fall!“  

Vorm Waldtor noch ein nassverwitterter Betonschuppen mit einangelig verkrüppelter Ex-Tür aus verbeultem Rost. Davor: ein Anhänger-Veteran, kniete beidbeinig entreift auf den Felgen, traurig, ob der alten Zeit, aber angehimmelt und bewundert von silbernem Altgras, das treu-büschelnd an seinen Flanken hing. In speckiger Plane lümmelte sich hängemattig eine schwarze Pfütze und verwies unschuldig spiegelnd auf grau-in-grau-grauen Himmel.

Abgang am Hang lang, gebuckeltes Abendrot in luv, die Aussicht versinkt gleich mit, gelblichte Brandkante am Firmament, dann schattig, windstill jetzt, im Wald nochma 4 Blenden runter. Tropfen tippten Blätter an, Holz knarrte, Wipfel schunkelt’n zeitlupig zu ausgeblendeter Musik. Ein Rinnsal singelte seitwärts mit, begleitete uns bis zur nächsten Kurve und kürzte dann ab, grabeinwärts, ins Totholz.
A. aufgeregt, neugierig : „Unheimlich, hihi“ und hopste vorweg.

Farbverlust, grobkörnig wurde es. Überhängende Wurzeln fingerten in den Kurven nach unseren Gesichtern, Kiefern und Tannen griffen verbissen ineinander. Auf geschecktem Schlangenrücken serpentinten wir abwärts, schleimig-schmieriger Blattteppich, ich, väterlich-besorgt: „Lieber die Hände aus’n Tasch’n.“, dabei selber plumpfüßig mit Bergschuhen gut gerüstet (Kategorie D - hochalpin, hart wie Skistiefel), dennoch verunsichert und mäuseschritts knicksend hinabgetrippelt, A. mit glattsohligen Lederstiefeln, ohne bremskantigen Fersenabsatz, deutlich gefährdeter. Ich streckte ihr die Hand und mit gelächeltem Kopfknicks, ob der Aufmerksamkeit, nahm sie geschmeichelt das Angebot an, spürte aber gleich: so fallen wir mit (Un)Sicherheit beide: also doch lieber jeder für sich, und mit erhobenen Schwingen weiter abwärts gestakst.

Gut getarnt (erst, als wir genau davor standen): Ein dunkel-gähnendes Türloch, vorgestreckt aus leichenblasser Ziegelwand, von Wald umarmt: Tannen an, um und über der wetterzersetzten Ruine, wollig wuchernde Moosdecken, Blattkissen und Buschpusteln schmiegten sich anhänglich wandwärts, Armäste hielten die Hand übers verlorene Kind und beschützen nach oben, annektiert, zurückgenommen, liebevoll. Morsch-gemoderte Bretter an längst eingestürztem Dachlattenbruch versperrten diagonal das Türrechteck, kurz ma reinblinzeln war also nich. Vorsichtshalber aber warnte noch zweiglings gepfählt ein Puppenkopf vor zu viel Neugier (sicher ist sicher). „Hier hättste Deine Ruhe." (A.), und bewies zweigabhaltend näher schleichend das Gegenteil, dass ich sie drauf hinwies: „Da kuckt Dir doch erst recht jeder durch die Scheiben.“ Und wie zum Beweis schlich auch ich näher ran. Aber Betreten war unmöglich, alles eingestürzt und obendrein stockdunkel.

Daneben aber, hinter nachgewachsenen Tannen, am Bau entlang und moosteppich grün am Boden erkennbar: die einstige Zufahrt, scheinbar drum rum, und A. neugierig schon im Unterholz auf Erkundung. Ich schwerbärig brummend hinterher. Dichter Waldflokati, wie auf Wolken federten wir (leicht abwärts) am Gemäuer entlang. Hinten wurde es heller, breiter. Dann doch erstaunt ob der seltsamen Szenerie: „Toll, wie im Wohnzimmer!“ und  hüpfte auf die rundherum eingeschlossene Lichtung, die so gleichmäßig und dicht mit grünem Buckelteppich verlegt war, dass es auch gleich die Akustik dämpfte „Hörma, wie im Schnee!“ sprang sie ausgelassen herum, stockte aber gleich wieder: „Ach, kuckma, hier war dann wohl der richtige Eingang?“ Leider grifflos und verrammelt, dafür aber oben drauf ne grüne Zierleiste aus schaumigem Moos und davor (statt der Fußmatte): ne Tanne im Teenageralter, dass A. gleich stichelte „Die könnt’ vor Deiner Tür auch wachsen, so oft wie du raus gehst.“ -:- „Dann lieber Brombeeren oder n Kaktus.“

Schon schnüffelte sie weiter: „Was n das da hinten?“ - ?? - Hmm ... - So ersma, ...von hier..., n ... - Mooskegel??? ... und also dichter ran. Auf'n zweiten Blick hielt ich's noch für ne vergessene und dann zugewachsene Lagerfeueraufschichtung, dann aber glotzen mich aus dem Moos heraus zwei fratzenhafte Gesichter an,  Totem-Masken offenbar, ah, verstehe, ja! ... und im Rumgehen sah man auch die Öffnung: „Das n selbstgebautes Indianer-Zelt, oder so was... von Kindern.“ Ein Blick ins Innere verdeutlichte die Konstruktion: ca. 1 Dutzend knorrige Äste und jede Menge Zweige waren zu einem Kegel zusammengestellt und oben so ineinander verschränkt, dass es irgendwie hielt. Auch die moosfladige Zeltwand war kein Werk der Natur, sondern Transplantate, Waldflicken, zur Abdichtung gegen Regen und fremde Blicke. Und die Glotzbrüder noch zur Abschreckung, gar nich ma so schlecht. – „Famoos, ha!“ und sinnierte noch apathisch hinterher, ob's mir wohl irgendwann (im hohen Alter vielleicht) gelänge, derlei dumpfe Kalauer für mich zu behalten.  

Blick ans Ende des Waldzimmers: gegenüberstehende Bäume rahmten mit ausgestreckten Armen torhaft einen scheinbaren Durchgang: „Geht's da noch weiter?“ und schon hopste sie wieder ins Gehölz, ich, träge wie n Brauereipferd, andante hinterher. „Vielleicht kommen wir da wieder hoch, aufn Weg...?" - ? - ! ... nö, sah nur so aus, in einer schluchtigen Nische endete der Zaubergarten an schwarzem Fels, davor wild verstiegenes Gestrüpp. - „Wie 'Das Bad der Aphrodite'.“ nörgelte ich und erinnerte mich dunkel an die herbe Enttäuschung, wie wir damals bei der pfützigen Grotte nich ma 'n Foto machten. „Sollte man hier auch ma versuchen, brauchst ja eignlich nur n Schild und ne würzige Story, so à la: Hier pökelte damals der Frankenkannibale das Fleisch der kleinen...“ - „Man, hör auf!" flunschte sie stirnfaltig und kroch dichter an mich ran, bis ich versöhnlich nachgab. „Komm, Hasi, Rückzug, ’s schon ganz schön dusta.“ Nasskaltes Walddunkel kroch immer dichter. Unter dunklem Regenhimmel siechte das schmutzige Restlicht samtig unter die Tannenröcke, floh scheu waldeinwärts und kam nicht mehr zurück.

Zu Hause, unterm Flurlicht, zog ich's dann aus der Tasche: „Kuckma: ...“ und hielt ein kleines Kästchen in der Faust- ?? – „Wass's das denn?“ (A. gleich ganz gefesselt) und ich noch extra lapidar „...lag da in dem Moosdingszelt...“ - „Wie?, lag da??“ Ihr neugierig hüpfendes Stuppsnäschen kam immer dichter. „Nu mach doch auf... was isses, was isses, muck muck muck muck?!?" und ich erst recht in Zeitlupe, dass sie's fast zerriss. „Komm, gib mir, ja? Darf ich? Bidde, bidde bidde.“ und schon frech die Unterlippe vorgeschnutet, zog mit beiden Händen an der Schachtel und hibbelte dopsend auf und ab, bis ich schließlich großväterlich den Gönner gab: „Jaja, schon gut, schon gut.“ Also ins Licht damit und feierlich den Deckel auf: Ach(!), schau an, ein... Silberlöffel!... mit eingraviertem... – „Da's ja n Zwerg drauf!“ - der eine Laterne hielt und das kleine Ding mich plötzlich... vage, unscharf, ... von ganz weit her, ... an vergessenen Sinnen berührte. „Komisch,...“ murmelte ich verstört, „genau so ein' hatt' ich auch ma...“, und suchte mit leeren Augen zurück, in dunklen Räumen verstaubter Kindheit, die mir, in dem Moment seltsam entfremdet, gar nicht mehr als die eigene erschien.

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Klemens_Fitte
Geschlecht:männlichSpreu

Alter: 36
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BeitragVerfasst am: 09.02.2014 20:35    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Kruemel,

nur eine kurze Anmerkung (mehr folgt, denn der Text gefällt mir): Fleißiger Leser von Arno Schmidt?

Gruß,
Klemens
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Kruemel3000
Sonntagsschreiber


Beiträge: 20



BeitragVerfasst am: 09.02.2014 20:39    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Nicht nur Leser - Bewunderer!!
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Klemens_Fitte
Geschlecht:männlichSpreu

Alter: 36
Beiträge: 1992
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 09.02.2014 20:48    Titel: Antworten mit Zitat

Ah, hab ich's doch geahnt. Gibt zweifelsohne schlechtere Vorbilder - aber auch einfachere.

Wie gesagt, ich komme nochmal zurück, wenn ich mehr Zeit und den Kopf frei habe, denn beides hat sich dein Text verdient.
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Kruemel3000
Sonntagsschreiber


Beiträge: 20



BeitragVerfasst am: 10.02.2014 12:26    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Freut mich, Klemens, ich bin gespannt...
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Tom Erde
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 47
Beiträge: 47
Wohnort: Hamburg


BeitragVerfasst am: 10.02.2014 20:38    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Kruemel3000,

mein erster Eindruck: Nix für Schnellleser, nix für jene, die nur Infos sammeln, um mitreden zu können, die ein Buch konsumieren wie ein hastig runtergestürztes Bier. Also: Keine Massenware!

Mehr ein Edelstein, ein labyrinthartig verzweigter Wanderweg für eine springfreudige Fantasie, voll lyrischer Formulierungen, heimlicher Bonbons und versteckter Überraschungen. Deinem Pfad mit der Vorstellung zu folgen, die Bilder Schritt für Schritt mit Leben zu erfüllen, gelang mir erst beim zweiten Lesen flüssig, doch es war lohnend.

Ich erkenne, dass du sehr genau hinsiehst, dass du jene Feinheiten, jene Nuancen herauszustreichen weißt, die den Unterschied ausmachen. Um den Leser wach und interessiert zu halten, solltest du darüber nachdenken, das eine oder andere Adjektiv wegzulassen und etwas mehr Handlung zu bieten. Dies sagt dir jemand, der selbst den Drang verspürt, alles möglichst exakt zu kartografieren, dem Leser die Chance zu bieten, die eigene Vorstellungswelt bis aufs I-Tüpfelchen zu teilen.

Hier ist die Frage: Wen und Was willst du mit solchen Texten erreichen? Ein breites Publikum dafür zu finden, dürfte sich als schwierig erweisen. Allerdings könnte ich mir den Text gut in einer leidenschaftlich vorgetragenen Lesung vorstellen, mit Schmiss und Schmackes und Zack, Zack, sozusagen.

Grüße

Tom Erde


_________________
Mit deinem Kuss ging´s mir in die Hände,
zu sperren den Drachen hinter brennende Wände.
Nun binden ihn Ketten aus verzaubertem Feuer,
nun winselt und schnurrt es das Ungeheuer.
Tom Erde
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Kruemel3000
Sonntagsschreiber


Beiträge: 20



BeitragVerfasst am: 10.02.2014 21:24    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Tom,
vielen Dank für Dein Feedback, freut mich sehr.
Ich gebe Dir in fast allen Punkten Recht, nur das mit der Lesung, das stellen wir mal ganz nach hinten Wink
Als Verfasser habe ich selber natürlich meine Bilder farbig vor Augen und davon ausgehend mute ich dem Leser wohl manchmal zu viel zu. Andererseits - um auf die Frage der Zielgruppe zu kommen - ist die breite Masse ohnehin nicht meine Welt, das Erzählen einer epischen Geschichte, in der man sich sehnsuchtsvoll verliert, das will ich anderen überlassen. Ich mag das Experiment, das Gewagte und auch das Freche, Zumutende. Da ich aber noch so ziemlich am Anfang stehe, überschätze ich mich dabei oftmals, nehme mir zu viel vor und scheitere dann an mangelnder Übersicht und der eigenen Unerfahrenheit...
Das mit den Adjektiven habe ich jetzt schon sehr oft hier in den Anmerkungen gelesen und habe dann für mich gemerkt, dass ich das nicht unbedingt immer nachvollziehen mag, zuweilen klingt es mir, wie eine eindoktrinierte Regel, die immer dann gezogen wird, wenn mal irgendwo zwei (oder gar drei!) von den Biestern hintereinander stehen... aber natürlich wird da auch was dran sein, ich will mich auch gar nicht beratungsresistent geben und werde das auf jeden Fall noch genauer für mich überprüfen, also danke für den Hinweis.

Schönen Gruss und nochmals Danke!
Bjoern
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Fao
wie Vendetta

Alter: 28
Beiträge: 2486



BeitragVerfasst am: 10.02.2014 22:00    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Kruemmel,

Habe das angelesen  - leider bin ich gerade am (offline-)gehen und werde wohl erst am Wochenende wieder zu einem aufmerksamen Lesen kommen. Jedoch: Mit diesem Kommentar habe ich es mir einmal vermerkt, und vergesse es hoffentlich nicht.

Das liest sich nämlich sehr interessant und vielversprechend. Derartige Sprach- und Stilexperimente gefallen mir, Arno Schmidt, ein interessantes Vorbild (Zettels Traum, ich durfte einmal bei einem Besitzer der Ausgabe hineinschauen, Wahnsinn).

Bis dann,
Gruß,
Fao

Edit: Und ja, die Adjektive. Es ist eine beliebte dsfo-Kritik. Man sollte es mal gehört haben, dann darüber nachdenken, und für sich selbst entscheiden, wie und was man macht. Ich denke, dass du im Schreiben schon recht fortgeschritten bist und ein bloßes "Adjektive raus", wird bei dir nicht sehr nützlich sein. Aber ich werde den Text noch einmal genau durchlesen...


_________________
Begrüßt gerechte Kritik. Ihr erkennt sie leicht. Sie bestätigt euch in einem Zweifel, der an euch nagt. Von Kritik, die euer Gewissen nicht anerkennt, lasst euch nicht rühren.
Auguste Rodin - Die Kunst.
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Constantine
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Beiträge: 2682

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 11.02.2014 00:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Kruemel3000,

definitiv kein Text zum zwischendurch Schnell-drüber-Lesen und konsumieren, sondern eher zum Eintauchen und sich von der (Bild-)Sprache gefangen nehmen und führen lassen.

Du hast einen sehr dichten und kompakten Text verfasst, hast dir Gedanken bei der literarischen Darbietung gemacht, Prosa und Lyrisches trifft auf Experimentelles und hier ist nun das Resultat.

Generell muss ich sagen, ich bin oft hängen geblieben, hier und da beim Lesen gestolpert aufgrund der Fülle an (tiefsinnigen) Beschreibungen und manchen tollen Wortkreationen, die mich zum Schmunzeln gebracht haben.
Du verlangst dem Leser einiges ab, wer sich darauf einlässt, bekommt mMn (ich nenne es mal so): experimentierfreudigen, modernen Naturalismus.

Dir nun zu raten, was du an deinem Text verbessern könntest, ist nicht leicht, da dein Text in sich ein Konzept trägt, welches einerseits beibehalten werden möchte, andererseits wäre eine kleine Lesefluss-Optimierung auch nicht falsch. Das Thema Adjektive wurde erwähnt: Sie gehören zum Konzept und wenn, dann wäre vielleicht die Verwendung des ein oder anderen Adjektivs zu überdenken, um dem Leser ein klitzekleines Luftholen zu ermöglichen.

Was ich anzumerken hätte, wäre die Umgangssprache, mit der du deine beiden Protas reden und den erzählenden Prota berichten lässt,  hältst du nicht konsequent durch. Hierfür müsstest du nochmal deinen Text durchgehen.
Des Weiteren ist darauf zu achten, dass wenn du die direkte Rede beendest und dann mit "sagte er","meinte er" usw. fortfährst, deine direkte Rede nicht mit einem Punkt enden lässt und nach den Anführungszeichen ein Komma setzt.
Z.B.:
Zitat:
„Wie 'Das Bad der Aphrodite'., nörgelte ich und erinnerte mich...


oder
Zitat:
„Da's ja n Zwerg drauf!“ - der eine Laterne hielt und das kleine Ding mich plötzlich... vage, unscharf, ... von ganz weit her, ... an vergessenen Sinnen berührte. „Komisch,...“, murmelte ich verstört,


Zitat:
„Man, hör auf!", flunschte sie stirnfaltig und kroch...



Zitat:
Schild: Orstende Köstenhof

Ein Rechtschreibfehler: "Ortsende"

So etwas kann man ankreiden. Keiner "springt" einen Satz herum:
Zitat:
dass es auch gleich die Akustik dämpfte „Hörma, wie im Schnee!“, sagte sie und sprang sie ausgelassen herum, stockte aber gleich wieder:



Das "Deiner" hast öfter mal als Großschreibweise.
Zitat:
„Hier hättste Deine Ruhe." (A.), und...


Zitat:
„Die könnt’ vor Deiner Tür auch wachsen, so oft wie du raus gehst.“

Ist das Absicht? Wenn ja, warum "Deiner" groß geschrieben?


Was bedeutet dieses Zeichen "-:-" zwischen den Dialogen?


Zahlwörter bis zwölf würde ich ausschreiben, also anstelle 1 Dutzend - ein Dutzend, anstelle 4 Blenden - vier Blenden, usw.


An einigen wenigen Stellen rutschst du ins Präsens, obwohl du im Präteritum berichtest:

Zitat:
Tannen an, um und über der wetterzersetzten Ruine, wollig wuchernde Moosdecken, Blattkissen und Buschpusteln schmiegten sich anhänglich wandwärts, Armäste hielten die Hand übers verlorene Kind und beschützten nach oben,...


Zitat:
Auf'n zweiten Blick hielt ich's noch für ne vergessene und dann zugewachsene Lagerfeueraufschichtung, dann aber glotzten mich aus dem Moos heraus zwei fratzenhafte Gesichter an, Totem-Masken offenbar, ah, verstehe, ja! ... und im Rumgehen sah man auch die Öffnung:


Dieser Satz liest sich für mich etwas schief:
Zitat:
In speckiger Plane lümmelte sich hängemattig eine schwarze Pfütze und verwies unschuldig spiegelnd auf grau-in-grau-grauen Himmel.

Wie wäre es mit:"In speckiger Plane lümmelte sich hängemattig eine schwarze Pfütze und verwies unschuldig spiegelnd auf den grau-in-grau verhangenen Himmel."

Wie bereits gesagt, an vielen Stellen nicht sehr einheitlich gehalten:
Mal schreibst du " nur n Schild ", mal dann "nich ma 'n Foto machten" oder "Vielleicht kommen wir da wieder hoch, aufn Weg...?" und dann "Auf'n zweiten Blick hielt ich's noch für ne vergessene..."
In dieser Hinsicht müsstest du deinen Text noch gründlich durchgehen und vereinheitlichen.


Hier ein weiteres Beispiel für mMn falschen Gebrauch der viel verwendeten Umgangssprache:
hier verkürzt du ein "es": "und ich erst recht in Zeitlupe, dass sie's fast zerriss.",
hier aber ein "ist":"„Da's ja n Zwerg drauf!“ "
aber in beiden Fällen die gleiche Schreibweise. Anstelle "Da's" eher "Da is'..."


LG,
Constantine
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Kruemel3000
Sonntagsschreiber


Beiträge: 20



BeitragVerfasst am: 11.02.2014 11:07    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Mensch, Constantine!
Das ist ja super, vielen Dank für die Mühe, alle Deine Einwände sind sehr gut und berechtigt. Ich habe tatsächlich an diesen Stellen noch viele Inkonsequenzen und Ungenauigkeiten und muss mir wohl mal angewöhnen, da sorgfältiger mit umzugehen, nach dem Motto, wenn man schon umgangsprachliche Nuschelinterpunktion versucht, dann wenigstens stringend. Auch die springende Groß- und Kleinschreibung bei du und Deine ist keine Absicht sondern Schlamperei und was -:- bedeutet, weiß ich auch nicht, das ist beim Schreiben so passiert, ich will da einen (vor allem auch inhaltlichen) Abstand zwischen den beiden Aussagen, den ich dann versuche, semantisch umzusetzen, "..." passt nicht, das wäre ja mehr eine Pause und ein Geviert-Strich ist auch nicht optimal. Bei -:- ist beinah ein kleiner Zaun zwischen den Gedankenstrichen, und weil es ja auch um Abstandshalter (Kakteen, Brombeerhecke) ging, gefiel mir das wohl ... aber Du siehst - so richtig verargumentieren kann ich das im Notfall auch nicht. Dennoch lassen sich mit regelfreiem Umgang und Einsatz von Satzzeichen enorm viele (ansonsten unaussprechliche) Dinge vermitteln, z. B.   - ? - !    ist ein (wie ich finde) klar visualisierter Erkenntnisprozess, man könnte auch Hä? - Ach so! schreiben, aber ... nun ja.

Nochmals tausend Dank, ich will mir aus deiner Kritik mitnehmen, da noch bewusster und sorgfältiger mit umzugehen.

Besten Gruss,
Bjoern
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Klemens_Fitte
Geschlecht:männlichSpreu

Alter: 36
Beiträge: 1992
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 11.02.2014 12:32    Titel: Re: Waldwärts Antworten mit Zitat

So, da bin ich wieder. Ein paar gute Hinweise hast du ja schon von Constantine bekommen, denen schließe ich mich an, kritzle aber trotzdem mal frech in deinem Text herum - je besser mir etwas gefällt, desto kritischer bin ich, also sieh meine Anmerkungen einfach nur als Denkanstöße:

Kruemel3000 hat Folgendes geschrieben:
Köstenberg, diesmal vorne raus, die kaltnass-verpfützte Regenwelt tropfte und triefte, grade mal 6 Häuser hielten eng zusammen, und schüchtern, verbogen, krümmte sich die Strasse mittig dazwischen, vereinzelte Lichterketten und eine goldgelbe Laterne wärmten den winzigen Ort gegen das umliegende Waldschwarz, hier oben hielt man noch zusammen. Goldig: selbst Weihnachstbäume waren dicht zusammengekuschelt und grüßten verbrüdert als Team „Lichterhecke“ die Ankommenden 'Verbrüdert' passt hier m.E. in Verbindung mit dem 'Team' nicht so ganz - 'mannschaftlich geschlossen'? 'Konspirativ'? Zwei Stromleitungen geländerten uns himmelwärts ins Freie, Wind flog uns unaufmerksam an, und griff auch noch, anstatt sich zu entschuldigen, scharfkantig, kaltschnäuzig, nach nackter Haut. Knorrige Baumgreise froren ebenso Lies den Satz mal laut ohne 'ebenso', hat einen besseren Sprachfluss im Knick, litten ganzborkig unter schuppiger Hautflechte und Diese beiden Sätze würde ich nicht mit 'und' verbinden. aus dem Boden greifende Moosfesseln verhinderten hüfthoch zupackend ihre Flucht.
„Hältste ma bitte?“ und machte mich zum Kleiderständer: Hemdsärmel, Filzjacken, Schalschläuche wurden neu sortiert und sorgfältig verdichtet. „Soooooo...“, grinste rotbackiges Mäuschengesicht frechgelaunt aus der Watte, „ - weiter.“

Oben dann, aufm Plateau: Acker, in kurvigen Furchen akkurat zurechtgekämmt, feuchtpomadig, mit Straßenscheitel und Waldsaumkante, jedes Fleckchen nutzen, Kleinfeld macht auch Mist. Vorbei noch an des Vaters Sohn, der nackt genagelt an stahlkalter Marter die Bushaltestelle bewachte und in die Dunkelheit seufzte Ist mir ein etwas zu schwaches Bild.
Links: eine einsame Gaststube, gastlos, alles dunkel. Heute Ruhetag, aha. Aber dem Grünspan nach galt das schon seit Jahren... „Frankenhof!“ las sie laut das nichtleuchtende Mir gefällt das Wort nicht, obwohl es natürlich des Wortspiels zuliebe da hingehört. 'umnachtete', 'abgeblendete'?. Leuchtschild, „- natürlich, wie auch sonst.“

Rechter Hand noch zwei Wohnhäuser, dann ein letzter Lichtpfahl, bis auch der Asphalt sich kieselig verkrümelte und an zweireihig-grasgebuckelten 'grasbuckligen'? Forstweg übergab. Schild: Orstende Köstenhof, und ich drehte mich nochma um (welcher Ort?). Rechts: Schwarzer Keil in dreieckigem Rot: 'im Rotdreieck'? 22%! Nix für Stadtautos. „Kuck ma, empfohlen für Downhill, ...“, und zeigte mit der Kinnspitze auf den Aufkleber am Birkenstumpf, „Da mipp'm Rad runter?“ - Ich summte (redefaul) nur stimmloses Ja, machte dann aber doch noch den Mund auf: „Am liebsten freier Fall!“  

Vorm Waldtor noch ein nassverwitterter Betonschuppen mit einangelig verkrüppelter Ex-Tür aus verbeultem Rost. Davor: ein Anhänger-Veteran, kniete beidbeinig entreift auf den Felgen, traurig zu schwach. 'hing schepp und ewig-gestrig der alten Zeit nach'?, ob der alten Zeit, aber angehimmelt und bewundert von silbernem Altgras, das treu-büschelnd an seinen Flanken hing. In speckiger Plane lümmelte sich hängemattig eine schwarze Pfütze und verwies unschuldig spiegelnd auf grau-in-grau-grauen Himmel.

Abgang am Hang lang, gebuckeltes Abendrot in luv, die Aussicht versinkt gleich mit, gelblichte Brandkante am Firmament, dann schattig, windstill jetzt, im Wald nochma 4 Blenden runter. Tropfen tippten Blätter an, Holz knarrte, Wipfel schunkelt’n zeitlupig zu ausgeblendeter Musik. Ein Rinnsal singelte seitwärts mit, begleitete uns bis zur nächsten Kurve und kürzte dann ab, grabeinwärts, ins Totholz.
A. aufgeregt, neugierig : „Unheimlich, hihi“ und hopste vorweg.

Farbverlust, grobkörnig wurde es. 'es wurde grobkörnig'? 'grobkörnig wurd's'? Überhängende Wurzeln fingerten in den Kurven nach unseren Gesichtern, Kiefern und Tannen griffen verbissen ineinander. Auf geschecktem Schlangenrücken serpentinten wir abwärts, schleimig-schmieriger Blattteppich, ich, väterlich-besorgt: „Lieber die Hände aus’n Tasch’n.“, dabei selber plumpfüßig mit Bergschuhen gut gerüstet (Kategorie D - hochalpin, hart wie Skistiefel), dennoch verunsichert und mäuseschritts knicksend hinabgetrippelt, A. mit glattsohligen Lederstiefeln, ohne bremskantigen '-igen' hatten wir grad schon - 'bremskantenen'? Fersenabsatz, deutlich gefährdeter. Ich streckte ihr die Hand und mit gelächeltem Kopfknicks, ob der Aufmerksamkeit, nahm sie geschmeichelt das Angebot an, spürte aber gleich: so fallen wir mit (Un)Sicherheit beide: 'so wären wir beide, im Falle, gefällig'? also doch lieber jeder für sich, und mit erhobenen Schwingen weiter abwärts gestakst.

Gut getarnt (erst, als wir genau davor standen): Ein dunkel-gähnendes Türloch, vorgestreckt aus leichenblasser Ziegelwand, von Wald umarmt: Tannen an, um und über der wetterzersetzten Ruine, wollig wuchernde Moosdecken, Blattkissen und Buschpusteln schmiegten sich anhänglich wandwärts, Armäste hielten die Hand übers verlorene Kind und beschützen nach oben, annektiert, zurückgenommen, liebevoll. Morsch-gemoderte Bretter an längst eingestürztem Dachlattenbruch versperrten diagonal das Türrechteck, kurz ma reinblinzeln war also nich. Vorsichtshalber aber warnte noch zweiglings gepfählt ein Puppenkopf vor zu viel Neugier (sicher ist sicher). „Hier hättste Deine Ruhe." (A.), und bewies zweigabhaltend näher schleichend das Gegenteil, dass ich sie drauf hinwies: „Da kuckt Dir doch erst recht jeder durch die Scheiben.“ Und wie zum Beweis schlich auch ich näher ran. 'Und schlich auch, wie zum Beweis, näher ran'? Aber Betreten war unmöglich 'nich'?, alles eingestürzt und obendrein stockdunkel.

Daneben aber, hinter nachgewachsenen Tannen, am Bau entlang und moosteppich grün 'moosig-grünteppich'? am Boden erkennbar: die einstige Zufahrt, scheinbar drum rum, und A. neugierig schon im Unterholz auf Erkundung. Ich schwerbärig brummend hinterher. Dichter Waldflokati, wie auf Wolken federten wir (leicht abwärts) am Gemäuer entlang. Hinten wurde es heller, breiter. Dann doch erstaunt ob der seltsamen Szenerie: „Toll, wie im Wohnzimmer!“ und  hüpfte auf die rundherum eingeschlossene Lichtung, die so gleichmäßig und dicht mit grünem Buckelteppich verlegt war, dass es auch gleich die Akustik dämpfte „Hörma, wie im Schnee!“ sprang sie ausgelassen herum, stockte aber gleich wieder: „Ach, kuckma, hier war dann wohl der richtige Eingang?“ Leider grifflos und verrammelt, dafür aber oben drauf ne grüne Zierleiste aus schaumigem Moos und davor (statt der Fußmatte): ne Tanne im Teenageralter, dass A. gleich stichelte „Die könnt’ vor Deiner Tür auch wachsen, so oft wie du raus gehst.“ -:- „Dann lieber Brombeeren oder n Kaktus.“

Schon schnüffelte sie weiter: „Was n das da hinten?“ - ?? - Hmm ... - So ersma, ...von hier..., n ... - Mooskegel??? ... und also dichter ran. Auf'n zweiten Blick hielt ich's noch für ne vergessene und dann zugewachsene Lagerfeueraufschichtung, dann aber glotzen mich aus dem Moos heraus zwei fratzenhafte Gesichter an,  Totem-Masken offenbar, ah, verstehe, ja! ... und im Rumgehen sah man auch die Öffnung: „Das n selbstgebautes Indianer-Zelt, oder so was... von Kindern.“ Ein Blick ins Innere verdeutlichte die Konstruktion: ca. 1 Dutzend knorrige Äste und jede Menge Zweige waren zu einem Kegel zusammengestellt und oben so ineinander verschränkt, dass es irgendwie hielt. Auch die moosfladige Zeltwand war kein Werk der Natur, 'kein Naturwerk'? sondern Transplantate, Waldflicken, zur Abdichtung gegen Regen und fremde Blicke. Und die Glotzbrüder noch zur Abschreckung, gar nich ma so schlecht. – „Famoos, ha!“ und sinnierte noch apathisch hinterher, ob's mir wohl irgendwann (im hohen Alter vielleicht) gelänge, derlei dumpfe Kalauer für mich zu behalten. 'zu verkneifen'?

Blick ans Ende des Waldzimmers: gegenüberstehende Bäume rahmten mit ausgestreckten Armen torhaft einen scheinbaren Durchgang: „Geht's da noch weiter?“ und schon hopste sie wieder ins Gehölz, ich, träge wie n Brauereipferd, andante hinterher. „Vielleicht kommen wir da wieder hoch, aufn Weg...?" - ? - ! ... nö, sah nur so aus, in einer schluchtigen Nische endete der Zaubergarten an schwarzem Fels, davor wild verstiegenes Gestrüpp. - „Wie 'Das Bad der Aphrodite'.“ nörgelte ich und erinnerte mich dunkel an die herbe Enttäuschung, wie wir damals bei der pfützigen Grotte nich ma 'n Foto machten. „Sollte man hier auch ma versuchen, brauchst ja eignlich nur n Schild und ne würzige Story, so à la: Hier pökelte damals der Frankenkannibale das Fleisch der kleinen...“ - „Man, hör auf!" flunschte sie stirnfaltig und kroch dichter an mich ran, bis ich versöhnlich nachgab. „Komm, Hasi, Rückzug, ’s schon ganz schön dusta.“ Nasskaltes Walddunkel kroch immer dichter. Unter dunklem Regenhimmel siechte das schmutzige Restlicht samtig unter die Tannenröcke, floh scheu waldeinwärts und kam nicht mehr zurück.

Zu Hause, unterm Flurlicht, zog ich's dann aus der Tasche: „Kuckma: ...“ und hielt ein kleines Kästchen in der Faust- ?? – „Wass's das denn?“ (A. gleich ganz gefesselt) und ich noch extra lapidar „...lag da in dem Moosdingszelt...“ - „Wie?, lag da??“ Ihr neugierig hüpfendes Stuppsnäschen kam immer dichter. „Nu mach doch auf... was isses, was isses, muck muck muck muck?!?" und ich erst recht in Zeitlupe, dass sie's fast zerriss. „Komm, gib mir, ja? Darf ich? Bidde, bidde bidde.“ und schon frech die Unterlippe vorgeschnutet, zog mit beiden Händen an der Schachtel und hibbelte dopsend auf und ab, bis ich schließlich großväterlich den Gönner gab: „Jaja, schon gut, schon gut.“ Also ins Licht damit und feierlich den Deckel auf: Ach(!), schau an, ein... Silberlöffel!... mit eingraviertem... – „Da's ja n Zwerg drauf!“ - der eine Laterne hielt und das kleine Ding mich plötzlich... vage, unscharf, ... von ganz weit her, ... an vergessenen Sinnen berührte. „Komisch,...“ murmelte ich verstört, „genau so ein' hatt' ich auch ma...“, und suchte mit leeren Augen zurück, in dunklen Räumen verstaubter Kindheit, die mir, in dem Moment seltsam entfremdet, gar nicht mehr als die eigene erschien.


Fazit: Ich habe nichts auszusetzen (an manchen Stellen holpert m. E. der Sprachfluss oder wurde der Stil nicht konsequent durchgehalten, ist alles markiert). Der Text besitzt eine sprachliche Reife, die man hier nur selten findet, auch wenn natürlich die Frage ist, wieviel davon seiner Epigonenhaftigkeit geschuldet ist - aber auch solch einen Stiefel muss man sich erstmal an- und ihn durchziehen, was schon hohes Könnertum beweist.

Als jemand, für den Kunst aber nicht von Können, sondern von Nicht-anders-können kommt, hoffe ich natürlich (und bin mir dessen sicher), dass der innere Zwang, der dich zum Schreiben treibt, öfter durch die Lust am Schreiben durchscheint - wie im letzten Absatz angedeutet. Dann könnte hier wirklich etwas Großes entstehen, und es wäre schon, wenn du uns an dieser Entwicklung teilhaben lassen würdest.

Gruß,
Klemens
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Kruemel3000
Sonntagsschreiber


Beiträge: 20



BeitragVerfasst am: 11.02.2014 17:10    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Super, Klemens, auch Dir tausend Dank!! Fast alle Anmerkungen sind absolut einleuchtend und nachvollziehbar. Und vielen Dank auch für die Blumen, die kommen ma gleich in die Vase Wink

Vermutlich ist der Stil einfach zu dicht dran, an Schmidt, was? Aber, um das mal zu meiner Verteidigung ins Feld zu führen, der hat sich ja nun auch nicht alles selber ausgedacht und sich von seinem großen Lenkstern Joyce ne ganze Ecke abgeschielt (Wortschöpfungen, Verwerbungen, Buchstabenspiele, den ganzen regelverachtenden Punk). Nur lag zwischen den beiden noch ne Fremdsprache dazwischen, da fällt das nicht so auf! Wie dem auch sei, ich bewundere sie alle beide und will da auch gar keinen Hehl aus einer starken Beeinflussung machen. Vermutlich ist es in dem Moment legitim, wenn man es mit klar angelehnten Mitteln schafft,  trotzdem etwas ganz eigenes zu machen, oder? Meinungen?

Gruss,
Krumel
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Klemens_Fitte
Geschlecht:männlichSpreu

Alter: 36
Beiträge: 1992
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 11.02.2014 19:53    Titel: Antworten mit Zitat

Kruemel3000 hat Folgendes geschrieben:
Fast alle Anmerkungen sind absolut einleuchtend und nachvollziehbar.


Autsch. Nee, passt schon - ich streiche lieber zu viel an als zu wenig, grade wenn ich das Gefühl habe, es mit einem gefestigten Autor zu tun zu haben, der seine eigenen Entscheidungen treffen kann.

Zitat:
Vermutlich ist der Stil einfach zu dicht dran, an Schmidt, was?


Jein. Du bezeichnest den Text ja selbst als Stilübung, und als solche funktioniert er auch, zumal ja nicht nur die Sprache (mich) sehr an Schmidt erinnert, sondern auch das Sujet und der Habitus des Erzählers, dieses Forschende, außenseitig Hineinlinsende.

Zitat:
Vermutlich ist es in dem Moment legitim, wenn man es mit klar angelehnten Mitteln schafft,  trotzdem etwas ganz eigenes zu machen, oder? Meinungen?


Ich denke, das muss gar nicht bewusst passieren, deswegen hab ich mir da auch meine gutgemeinten Ratschläge verkniffen. Du wirst ja zwangsläufig immer näher an die Wurzeln deines Schreibens rücken, an deine Themen, und dich damit immer mehr emanzipieren (dass ich gerade in einem ähnlichen Prozess stecke, hast du ja schon gesehen). Und da du bewiesen hast, mit Sprache umgehen zu können, freue ich mich auf das, was da noch kommen wird.
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Constantine
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2682

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 12.02.2014 10:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Kruemel,

dank dir für deine Erläuterungen auf meine Fragen, vorallem was deinen kleinen "Lattenzaun" angeht. smile
Freut mich, wenn von meinen Ausführungen etwas Sinnvolles dabei war.

Was das Annehmen des Stils oder der Sprache und somit des Zu-dicht-dran-an-Autoren-Seins angeht, ich finde, dass gehört das zum Prozess seine eigene Stimme zu entwickeln. Sich von Autoren, die man mag, inspirieren zu lassen und das ein oder andere für sich zu verwenden, ich finde, dass passt.
Neben des Schreibens ist vielleicht die wichtigste Beschäftigung eines Autors viel viel zu lesen, um zu sehen, wie manche Autoren an die ein oder andere Beschreibung oder Szene herangegangen sind, mit der man sich selbst schwer tut.
Ob du nun zu dicht an Schmidt bist oder nicht, du hast dich von ihm inspirieren lassen, pickst heraus, was dir gefällt und verwebst es mit deinem eigenen Stil. Das gehört zum Prozess, seine eigene Schriftsteller-Stimme zu finden und zu entwickeln und weiter dran zu bleiben, um nicht eine Kopie einer Kopie zu werden.

Man liest sich smile

LG,
Constantine
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Fao
wie Vendetta

Alter: 28
Beiträge: 2486



BeitragVerfasst am: 15.02.2014 18:41    Titel: Antworten mit Zitat

Tach Kruemel,

Bin gespannt von dir hier weiteres zu lesen; das hier mag doch sehr zu gefallen, denn: Für derartige Experimente habe ich viel übrig.
Das funktioniert, dieses Stimmungsbild / Die Wiedergabe der Eindrücke. Verschmelzung von Erlebtem und Gedachtem. Beim Lesen hab ich mich gefragt, ob es diesen Dialekt-Einschub wirklich braucht (nochma), aber es störtz auch nicht, es ist vielleicht nur konsequent.
Du spielst mit Assoziationen, der Leser muss sich vieles dazudenken.

Ganz klar: Kein Text für (eine Nacht, wollte ich schon schreiben Wink ) ein schnelles drüberlesen. Weshalb ich mich noch ein wenig schwer tue, denn bei vielen Texten aber erst recht bei einem solchen ist die Papierform wesentlich geeigneter für eine Präsentation.

Ob ich beim ersten Mal verstanden habe, was hier erzählt wird? Jein. Habe aber auch nicht sehr viel darüber nachgedacht, viel eher auf das wie geachtet. Wie wichtig ist dir, dass der Leser begreift, worum es geht, wie wichtig ist die Handlung?

Inwiefern stellt dies denn ein Stilexperiment dar, also: Hast du dich sehr weit von deiner eigenen Sprache entfernt?
Was ist der Sinn, für dich? Weshalb wählst du diesen Stil?

Er ist schon recht na an Schmidt, sagte ich mal vorsichtig und unverschämt, weil ich Arno eher vom drüberlesen kenne....
Wie gesagt, ich mag sowas, andererseits: Wie Schmidt ist das Literatur, die ich mir persönlich nicht allzu oft und lange "antuen" kann; Es verlangt kein unerhebliches Maß an Aufmerksamkeit und Konzentration, aber das ist es weniger, vielleicht: Derart Schreibexperimente sind uninteressanter geworden, weil a) Bereits (siehe A.S. oder Döblin) durchgeführt und b) Medien wie der Film heute derartiges auch (leichter konsumierbar) zeigen. Aber vorallem (in meinem Fall): Weil ich , und das ist nunmal mein Geschmack, Literatur der Sprache wegen konsumiere, und eine Sprache, wie sie etwas bei W.G.Sebald zu finden ist, bevorzuge.

So. Nun ja, beeinflusst von der Lektüre habe ich jetzt vermutlich einen sehr wirren Kommentar verfasst. Sag Bescheid, wenn du überhaupt nichts verstehst, oder ich irgendetwas ausführen soll, oder wenn sonst etwas ist. Bin mir wohl selbst über meine Gedanken noch nicht recht - im klaren Wink

Grüße
Fao


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Begrüßt gerechte Kritik. Ihr erkennt sie leicht. Sie bestätigt euch in einem Zweifel, der an euch nagt. Von Kritik, die euer Gewissen nicht anerkennt, lasst euch nicht rühren.
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