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Seelengrab


 

 
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Phaeron
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber

Alter: 47
Beiträge: 11
Wohnort: MA


BeitragVerfasst am: 23.12.2012 21:49    Titel: Seelengrab eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo an die Runde!

Ich möchte es heute wagen, einen Text hier reinzustellen und bin auf die Reaktionen gespannt. Der Text spielt im Warhammer 40K-Universum, das vielleicht dem einen oder anderen ein Begriff ist. Er geht über die ersten vier Seiten einer siebenundzwanzig Seiten langen Geschichte. Das bedeutet, dass es Fortsetzungen brauchen wird, um zu erkennen, um was es geht. Wenn gewünscht, werde ich diese auch platzieren.  Für heute geht es mir erst mal darum, Rückläufe zu kriegen und einen Einstieg ins Forum zu finden.
Also frisch ans Werk und nicht schüchtern sein.

Phaeron



Welt: Grove´s Fall
Segmentum Obscurus
Subsektor Helican
Datum 185.239.M41


Toren schreckte mit einem Schrei aus dem Schlaf hoch. Sterne flimmerten vor seine Augen. Er war desorientiert und sah sich panisch um, bis ihm wieder einfiel, wo er war. Er war immer noch auf der Randwelt Grove´s Fall und lag immer noch im Bett seines Zimmers in der kleinen Herberge im Örtchen Sjaregsfeeld. Und war wie jeden Morgen schweißgebadet. Er hatte geträumt, wie jede Nacht. Denselben Traum seit nun vier Jahren. Und dieser Traum endete jedes Mal genauso grausam wie die unzähligen Male zuvor. Toren ließ sich zurück in die feuchten Kissen fallen und bedeckte sein Gesicht mit den Händen. Er wischte sich den Schweiß ab und versuchte, tief zu atmen. Seit so langer Zeit wünschte er sich schon, einfach am Abend ins Bett zu gehen und morgens nicht mehr aufwachen zu müssen. Aber seine Geschichte verfolgte ihn jeden Tag seit damals auf Fortis Gamma und die Ereignisse waren so präsent, als wäre es gestern gewesen. Als wären seine Frau und sein Kind erst gestern von den Kultisten vor seinen Augen getötet worden. Toren hörte immer noch das Geheul der Besessenen, als sie im Laufe ihrer barbarischen Zeremonie Anna und Cherryl zusammen mit zwei Dutzend anderer armer Seelen als Blutopfer grausam umbrachten, sich dabei abartigen Ritualen hingaben und ihrem Gott der Ausschweifung und Dekadenz huldigten. Und er hörte heute noch die Kampfschreie der imperialen Polizei, die nur Sekunden nach dem Tod seiner beiden größten Schätze den Opfersaal stürmten und die Kultisten mit Salven aus ihren automatischen Waffen niederstreckten.
Nur Sekunden zu spät.

Die beiden Kultisten, die Toren festhielten, liesen ihn fallen und wandten sich zur Flucht. Doch sie kamen keine drei Schritte weit, bis sie von Boltgeschossen getroffen wurden. Die Hölle brach in dem unterirdischen Tempel los. Granaten flogen und die Luft war von Gewehrfeuer erfüllt. Brände brachen aus und schwerer Qualm begann den Raum zu füllen. Toren sah in dem Chaos aus toten und fliehenden Kultisten, heranstürmenden Polizisten, Blut und Leichen nur das, was er am meisten in seinem Leben geliebt hatte. Tot und geschändet lagen sie in mitten vom Chaosabschaum und er fühlte, wie er dabei selbst starb. Sein Geist wollte aus seinem Körper entweichen, wollte zu seiner geliebten Familie. Er begann, sich langsam aufzurichten. Dabei spürte er, wie sich jeder seiner Muskeln anspannte. Sein Oberkörper hob sich und er langsam stand auf, um dem Chaos, das ihn einhüllte, zu entfliehen.
Nur eine Kugel, und es wäre vorbei. Dann konnte er zu ihnen gehen und dieses wertlose gewordene Leben hinter sich lassen. Da kam ein Polizist von hinten und stieß ihn hart zurück auf den Boden.
„Sind Sie irre, Mann? Bleiben Sie unten.“ Der Polizist gab mehrere Feuerstöße ab, dann wandte er sich Toren wieder zu. „Ihren Arm.“
Er wartete nicht auf eine Antwort und zog Torens linken Arm zu sich heran. Dann holte er ein silbernes, rundes Plättchen hervor, knickte es in der Mitte leicht an und schüttelte es in der Luft. Gleich darauf begann es, weiss zu qualmen. Er drückte das Plättchen auf Torens Oberarm und hielt es fest. Das Plättchen wurde schnell warm, dann brennend heiss. Toren ächzte und versuchte den Arm wegzuziehen, doch der Polizist hielt ihn fest. Nach ein paar Sekunden lies der Schmerz nach und es war vorbei. Die Hitze verschwand und der Polizist zog das Plättchen ab. Es hatte sich durch Torens Hemd gebrannt und ein großes, blutiges G auf seinem Oberarm hinterlassen. G wie Geissel. Der Soldat hatte ihn markiert. Wenn die Polizist während eines Kampfes Geissel von Feind unterscheiden mussten, markierten sie diejenigen mit ihrem Zeichen, die als Geissel eingestuft wurden. Die Markierung blieb ein Leben lang erhalten.
„Wir sichern das Gebiet und bringen Sie raus. Bleiben Sie unten, verstanden? Ich hole Sie ab.“
Toren sah den Polizist an und nickte leicht. Er war auf einmal sehr ruhig und gefasst, weil er wusste, er würde nicht liegenbleiben. Der Polizist stürmte weiter nach vorn, zusammen mit einem zwanzig Mann starken, schwergerüsteten Trupp und drängte die jetzt zurückfeuernden Kultisten in den nächsten Saal der unterirdischen Bunkeranlage. Toren stemmte sich mit den Armen hoch. Seine Schultern schmerzten von dem Schlag des Polizisten und gerade als er auf die Füße kommen wollte, traf ihn das Geschoss. Es drang in die rechte Brust ein, durchlöcherte die Lunge und trat am Rücken wieder aus. Toren wurde umgeworfen und sein Hinterkopf schlug auf den steineren Boden. Er sah Sterne und wollte wieder hochkommen, doch seine Muskeln versagten ihren Dienst. Dann war nur noch Schwärze.
  Als er acht Stunden später im Apothekarium aufwachte, besaß er einen künstlichen Lungenflügel und vier künstliche Rippen. Die Krankenschwester sagte ihm, ein junger Polizist habe ihn hergebracht, wobei der immer wieder sagte Ich hab ihm doch gesagt, er soll den Schädel unten halten, verdammter Idiot. Dann kamen die Erinnerungen an den Opfersaal wie eine Woge aus schwarzem, eisigen Wasser und Torens Seele starb an jenem Tag zum zweiten Mal.

Toren fühlten sich wie gerädert, als er es endlich schaffte, aufzustehen. An erholsamen Schlaf war seit Jahren nicht zu denken. Nur mit der Flasche Amasec und Schlafmitteln aus dem Apothekarium brachte er überhaupt ein Auge zu. Er schleppte sich vor den Spiegel und sah das zermürbte Gesicht eines alten und verbrauchten Mannes, obwohl Toren erst achtunddreißig Jahre alt war. Früher hätte man ihn als gutaussehend bezeichnen können, doch diese Zeiten waren lange vorbei. Das große G an seinem linken Oberarm leuchtete rot wie am ersten Tag. Es war die physische Erinnerung an seinen täglichen Schmerz. Er nahm eine Duusche, zog sich an und verließ das Zimmer. Es war später Vormittag. Als er durch die Lobby ging, schwebte ein Servitor auf ihn zu. Da Toren nicht stehen blieb, musste der mechanische Diener ihm folgen.
„Guten Morgen, werter Herr. Möchten Sie frühstücken?“
„Nein“, sagte Toren knapp, ging weiter und verließ die Herberge.
Die Herberge war ein schön anzusehendes Gebäude mit drei Stockwerken. Die imperialen Institutionen schickten urlaubsbedürftige, hauptsächlich hochrangige Funktionäre gern hierher, um besondere Leistungen zu würdigen. So kam auch Toren Akerly nach Grove´s Fall. Es war die logische Folge seiner Leistungen als Memorator im Dienste der imperialen Armee. Als Memorator zeichnete er die Leistungen der imperialen Streitkräfte während eines Einsatzes mit den Imagoeinheiten auf, die in seinem Schädel implantierten waren. Später bearbeitete er sie und stellte sie dem imperialen Oberkommando zwecks Aufbau und Verbreitung von Heldengeschichten einzelner Soldaten oder ganzen Einheiten zur Verfügung. Toren schoss nicht nur Bilder, sondern war auch poetisch begabt. So übersandte er auch entsprechend gestaltete Verse, die seine künstlerische Arbeit abrundeten. Zusammen mit den Bildern stellten sie ein Gesamtkunstwerk dar, in dem die imperialen Streitkräfte als wagemutige Heilsbringer aufgebaut wurden. Vor Fortis Gamma war Toren ein eher durchschnittlicher Vertreter seiner Zunft. Da die Memoratoren in der Armee nie sonderlich beliebt waren, hielt er sich mit übertriebenem Engagement zurück, befolgte seine Befehle und erfüllte die Aufgaben, die man ihm zuwies. Trotzdem war er immer viel unterwegs.
Nach Fortis Gamma änderte sich jedoch alles. Toren verbrachte fast sechs Monate im Apothekarium. Als er endlich entlassen wurde, waren die physischen Verletzungen zwar gut verheilt, aber die Psychischen waren immer noch offen und vergifteten seine Seele. Die Apothekarii hielten es für das beste, ihn zurück in die Welt zu schicken und sie hofften, die Ablenkung durch seine Arbeit würde Toren ein bisschen Frieden bringen. In Wahrheit hatten sie ihn aufgegeben. Selbst in einer Zeit, in der die tödlichsten körperlichen Verletzungen leicht heilbar waren, scheiterte das Apothekarium immer noch an der Grenze des Geistes.
 Und Toren stürzte sich in seine Arbeit. Er meldete sich zu jedem Spezialeinsatz freiwillig, wo seine Kollegen es ablehnten, ihr Leben für ein paar Schnappschüsse zu riskieren. Während der nächsten drei Jahre nahm Toren an nicht weniger als fünf Spezialeinsätzen und an ganzen achtzehn regulären Schlachten der imperialen Armee teil. Einmal wurde er sogar einem Spähertrupp der Adeptus Astartes zugeteilt. Die jungen Späher der Utramarines kundschafteten mit ihm eine Anhöhe aus, die sie zwei Stunden später im Sturmangriff einfach überrannten.
Toren Akerly wurde zu einem einer der am meisten geachteten Memoratoren des ganzen Berufsstandes. Seine spektakulären Aufnahmen aus dem Feindgebiet und die exzellenten Verse, die er dazu schrieb, brachten ihm unzählige Belobigungen, Auszeichnungen und mehrere Beförderungen ein. Aber in den ganzen vergangenen Jahren, all den Schlachten und Gefechten fand er nie die Kugel, die ihn von seinem stetigen Schmerz befreien konnte.

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Trearu
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BeitragVerfasst am: 25.12.2012 15:49    Titel: Antworten mit Zitat

Persönliche Meinung eines Laien:


Du hattest hier einige interessante Ideen. - Wenn es den deine eigenen waren. (Warum FanFiction?)

Der Beruf und die Geisel-Markierung gefällt mir sehr.


Was mir weniger gefällt ist die ganze Erklärung. Der Leser erfährt viel zu viel gleich am Anfang.
Sind all diese Informationen eigentlich für den weiteren Verlauf der Geschichte von Bedeutung?

Zeige im Traum nur einzelne Bilder, eine Szene. Füttere den Leser lieber, zwischen durch immer wieder, mit einzelnen Informationen, wenn der Protagonist mit Situationen konfrontiert ist, die ihn an etwas erinnern. (z.B. betrachten von Narben und Markierung im Spiegel)


Phaeron hat Folgendes geschrieben:
Und war wie jeden Morgen schweißgebadet. Er hatte geträumt, wie jede Nacht.

Das hört (/ließt) sich etwas seltsam an.


Zitat:
Tot und geschändet lagen sie in mitten vom Chaosabschaum und er fühlte, wie er dabei selbst starb.

Mal abgesehen davon, dass "Chaosabschaum" vollkommen lächerlich klingt (/sich ließt), ergibt der Satz für mich keinen Sinn.


Ich seien kein Grammatik-Experten. Aber mir seien schon zwei Fehler aufgefallenen:

Zitat:
Sein Oberkörper hob sich und er langsam stand auf, um dem Chaos, das ihn einhüllte, zu entfliehen.

Zitat:
Dann konnte er zu ihnen gehen und dieses wertlose gewordene Leben hinter sich lassen.
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EmotionalFever
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Beiträge: 32



BeitragVerfasst am: 25.12.2012 16:09    Titel: Antworten mit Zitat

Hallöchen,

auch wenn ich mich in dem Warhammer 40k Universum zu 0 % auskenne, möchte ich dir meine Meinung für diesen doch lesenswerten Text geben:

Du schreibst, dieser Text geht noch bedeutend länger. Ich finde, auch diese 4 Seiten kann man als geschlossene Geschichte ansehen, auch wenn man natürlich gespannt ist, wie es denn weitergeht mit diesem Toren, der ja JETZT schon eine berühmte Persönlichkeit ist.

Besonders gut gefällt mir dein Ende. Da habe ich dann nahezu aufgehört, nach Fehlern zu suchen und ich denke das ist kein allzu geringes Lob.

Was mir nicht gefällt.

Manche Sätze sind zu lang. Da könnte man durchaus was kürzen und die Geschichte kompakter und flüssiger machen.


Und der Anfang gefällt mir nicht. Nicht, weil (wie mein Vorredner hier anprangert) du viele Informationen am Anfang bringst. Das würde ich sogar anders sehen. Ein beliebter Fehler ist es, einen Text zu geheimnisvoll zu machen, bzw. auf "komm raus" etwas spannend zu machen.
Nein, was mehr stört sind deine "Traum" Wiederholungen. Da sollteste ein paar weg machen. Wenn man es selber liest, klingt es recht heroisch etc. aber anderen erschwert es enorm den Einstieg.


Falls du Hilfe brauchst beim Kürzen, melde dich noch einmal. Aber versuche es doch selber und stelle die neue Version herein.


lg


_________________
"... die Sonne findet nie viel Schatten."
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Phaeron
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber

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BeitragVerfasst am: 25.12.2012 20:49    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Erstmal Danke für die Rückläufe. Obwohl ich vor dem Reinstellen noch einige Korekturen vorgenommen habe, muss ich gestehen, dass die Geburtsstunde dieser Geschichte schon gute drei Jahre zurückliegt.

Wer die WH40K-Reihe kennt, wird bestätigen können, dass die Bücher voll von Ausdrücken wie "Chaosabschaum" und Ähnlichem sind. Das Universum dort beschreibt einen recht facettenreichen Kampf zwischen Gut und Böse, bei dem gern mit offenem Visier "argumentiert" wird, ist somit nichts für Kinder. Ich habe diesen FanFictionText deshalb geschrieben, weil es eben gerade zu meinem Inspirationsanfall gepasst hat.

Es mag vielleicht auch von Vorteil sein, sich zu Beginn einer Laufbahn in ein bereits fertig entwickeltes Universum zu begeben, wenn man eine Idee hat und einfach nur loslegen will. Zumindest war das bei mir so.
Spätestens wenn man seine erste wirklich größere Geschichte angeht, muss man sich seine eigenen Gedanken machen, vor welchem Hintergrund das alles stattfinden soll.

Ich werde demnächst eine Fortsetzung der Geschichte reinklopfen. Ruhig weiterkritisieren.

Phaeron
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Phaeron
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BeitragVerfasst am: 27.12.2012 18:24    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Fortsetzung

Toren tat das, was er fast jeden Tag nach dem Verlassen seiner Herberge tat. Er wanderte ziellos herum. Er durchstreifte die Stadt, mied jedoch das große Zentrum mit seinen kolossalen Prachtbauten und den riesigen Statuen des Imperators. Stattdessen lief er durch die Gassen der malerischen Altstadt, wo alles etwas urtümlicher und weniger hektisch war. Die Leute der Altstadt waren freundlich und grüßten ihn jeden Tag. Toren fand Gefallen in dieser kleinen Welt und hier zu sein, war tatsächlich für einige Zeit eine freudige Ablenkung.
Wie fast jeden Tag zur Mittagszeit kam er zu einem kleinen Gasthaus, das sich zu so etwas wie seinem Stammlokal entwickelt hatte. Mittags aß er dort und abends, wenn der Schmerz zu groß wurde, verlor er sich dort im Amasec. Die Wirtsleute brachten ihn jedes Mal, wenn er nicht mehr gehen konnte, ohne großes Aufhebens zurück in die Herberge. Und am nächsten Tag begrüßten sie ihn wieder so freundlich, als wenn gestern nicht gewesen wäre. Toren konnte sich nicht erklären, warum,  aber er empfand Sympathie für diese Leute.
Täglich zur Mittagszeit war auch heute fast jeder Tisch besetzt. Ladenbesitzer und Handwerker nahmen dort ihr Mittagessen ein. Er setzte sich an den einzigen freien Tisch und holte eine Datentafel hervor, die ihm das Memoratum geschickt hatte, um ihn auf dem Laufenden zu halten. Toren begann zu lesen. Mehr oder minder unwichtiges Zeug, Fortschritte bei den Kreuzzügen, neue Produktionsrekorde der großen Makropolwelten. Alles Informationen, auf die er verzichten konnte.
Jemand verdeckte die Sonne. Toren sah auf und blickte in das Gesicht eines jungen Mannes. Der Mann war nicht älter als fünfunddreißig Jahre und hatte ein angenehmes Äußeres. Er war in der neuesten Mode gekleidet, jedoch nicht auffällig sondern schlicht und elegant.
„Guten Tag“, sagte der Mann. „Es ist leider kein anderer Platz mehr frei und ich würde mein letztes Hemd für Sigrunds Mecu-Pfanne zum Mittag geben. Würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn ich mich zu Ihnen setze?“.
Toren sah zu den Tischen. Es war tatsächlich brechend voll. Dann sah er den Mann genauer an. Der würde sich an Sigrunds Mecu-Pfanne zu Tode essen, bis er tatsächlich sein letztes Hemd in Zahlung geben müsste. Aber Toren konnte ihn verstehen, Sigrund war ein fantastischer Koch. Toren lächelte. „Bitte nehmen Sie Platz.“

Es entwickelte sich fast wie von selbst ein Gespräch zwischen Toren und dem Fremden, der sich mit dem blumigen Namen Yadegar Tuscany vorstellte. Er betrieb ein Import- und Exportgeschäft mit außerweltlichen Lebensmitteln und Gütern des täglichen Gebrauchs. Wenn Toren sich ein paar Shishi-Kekse kaufen würde, dann wäre es bestimmt Yadegar gewesen, der sie nach Grove´s Fall gebracht hatte. Toren konnte sich nicht erinnern, ihn nach seiner beruflichen Tätigkeit gefragt zu haben, aber Tuscany hatte ein so angenehmes Wesen, dass Toren gern feststellte, wie es ihm seit langem wieder Freude machte, sich mit jemandem völlig unbefangen zu unterhalten. Trotzdem hatte er von Anfang an das Gefühl, den Namen Tuscany schon einmal gehört zu haben.
„Von irgendwo her kenne ich Ihren Namen“, sagte Toren “Ich glaube, ich habe ihn in einem Touristenführer gelesen. Kann das sein? Natürlich nichts für ungut.“
„Da könnten Sie recht haben.“, antwortete Yadegar und versuchte, bescheiden zu klingen, was ihm auch gelang. „Meiner Familie gehört Schloss Tuscany. Etwa eine Stunde nördlich in den Grove´s Chains. Historisch gesehen bin ich sogar ein Lord, aber ich mag es nicht, wenn jemand darauf herumreitet. Es wäre schön, wenn Sie mich einfach Yadegar nennen würden.“
„Toren.“, antwortete Toren und sie gaben sich die Hand.
Danach bestellten sie das Mittagessen. Natürlich gab es für beide Mecu-Pfanne und sie tranken dazu eine gute Flasche Wein.
Für Toren war diese Begegnung wie eine Befreiung. Sie redeten nicht über die ständigen Kriege, in die das Imperium verwickelt war, sondern über Kunst, Poesie und Musik, Geschichte und Literatur. Toren sagte, er arbeite als Memorator für die imperiale Armee und zeigte Yadegar einige seiner Verse, die er während den langen Transitzeiten im All zum Zeitvertreib schrieb. Yadegar fand großen Gefallen daran. Sie hatten beide sehr viel Spaß bis Yadegar eine Frage stellte.
„Haben Sie Familie?“
Torens Herz wurde eisig und schwer. Er schluckte den Bissen hinunter, den er im Mund hatte und kämpfte mit aller Kraft gegen die Tränen an.
„Leider nicht mehr. Meine Frau und meine Tochter wurden vor vier Jahren getötet.“, sagte er leise.
„Das tut mir sehr leid.“, antwortete Yadegar ehrlich betroffen. Es lag eine bedrückende Stille in der Luft. Die ganze Leichtigkeit mit der sich die beiden Männer noch vor wenigen Augenblicken unterhalten hatten, war wie weggewischt. Dann fragte Yadegar: „Möchten Sie mir von den beiden erzählen?“
Toren sah Yadegar an, als säße ihm ein Geist gegenüber. Noch nie hatte ihn jemand so direkt auf die beiden nach ihrem Tod angesprochen. Dann begann er zu erzählen, wie Anna und er sich kennengelernt hatten, wie Cherryl geboren wurde, wie sie auf Fortis Gamma ein Haus gekauft hatten, wie selten er seine beiden liebsten Menschen gesehen hatte, als er mit der imperialen Armee auf Reisen war und wie unglaublich schön das Wiedersehen jedes Mal war. Und er erzählte vom Aufstand der Kultisten. Wie zweitausend vom Chaos vergiftete Männer, Frauen und Kinder zu reißenden Bestien wurden, ihn und seine Familie und ihren Opfertempel verschleppten und wie sie neben unzähligen Anderen seine Frau und sein Kind dem Blutgott geopfert hatten, wenige Augenblicke bevor die Distriktpolizei den Tempel stürmten und dem Blutbad ein Ende machten. Dann konnte Toren die Tränen nicht mehr zurückhalten und er begann still zu weinen. Tuscany sagte nichts mehr und beobachtete ihn nur.
Es war, als würde etwas endlich sein Ende finden. Als wären alle Leiden über die ganzen letzten Jahre auf einen Punkt, eine Sekunde, einen Augenblick der Erkenntnis fokussiert worden. Zum ersten Mal fühlte sich Toren so, als ob er endlich das letzte Ziel erreicht hätte, dass er dort angekommen wäre, wohin ihn seine Leiden die ganze Zeit hinzuführen versuchten und es hatte nichts mit einer erlösenden Kugel zu tun. Er fühlte, wie sein Leid mit den heißen Tränen aus seinem Körper strömte. Er spürte Leichtigkeit in seiner Seele und seine Schmerzen klangen ab. Er konnte an seine Frau und sein Kind denken, ohne einen Schatten auf seinem Herzen. Es war fast magisch. Er hatte während seiner Zeit im Apothekarium mit Spezialisten, die sich um die im Kampf geistig zerrütteten kümmerten, darüber gesprochen. Doch nie hatte er dabei eine solche Erleichterung gefühlt. Yadegar lächelte nur sanft.
„Sind Sie ok?“, fragte er.
„Wie noch nie im meinem Leben.“, antwortete Toren leise. Er konnte nicht aufhören, Yadegar anzusehen. Die Sonne stand über dem Fremden und hüllte sein Antlitz in eine goldene Corona. Warmes Licht schien die beiden wie ein Mantel einzuhüllen und schirmte all die hektischen Geräusche der Umgebung ab. Nur das Rauschen der Mittagsbrise fügte sich in den Moment dieses allumfassenden Friedens ein.
Dann war es vorbei. Yadegar holte ein paar Geldscheine hervor, legte sie auf den Tisch und stand auf. „Kommen Sie, wir fahren auf mein Schloss. Von dort hat man eine hervorragende Aussicht auf den Yara-Fluss. Der alte Kasten ist mir zwar ein Klotz am Bein, aber er steckt voller Kunstwerke, Bilder, Rüstungen und all das Zeug, auf das die Historiker so abfahren. Ich kann auch zu den meisten Werken eine Geschichte erzählen. Das müsste den Memorator in Ihnen doch aus seinem Versteck locken, oder?“
Toren sah den jungen Mann etwas konsterniert an. Er hatte sich gerade erst wieder selbst gefunden und jetzt wollte Yadegar eine Besichtigungstour veranstalten.
Aber warum nicht? Der Tag hatte sowieso schon eine völlig unerwartete Wendung genommen. Was sollte jetzt noch kommen.
Toren stand auf. „In Ordnung.“
„Dort drüben steht mein Wagen.“

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Phaeron
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BeitragVerfasst am: 30.12.2012 20:34    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Fortsetzung

Sie stiegen in eine äußerst luxuriöse Antigrav-Limo mit offenem Verdeck und Yadegar steuerte sie aus der Stadt heraus. Sie fuhren über ländliches Gebiet, nahmen staubige Wege und danach wieder befestigte Straßen. Sie durchquerten das Yoni-Tal, das mit seinen wunderschön bewachsenen Hängen eine wahre Augenweide war. Kleine Weingüter waren in die Hänge eingebettet und es duftete nach jeder Straßenbiegung nach einer anderen Traubensorte. Yadegar redete fast während der gesamten Fahrt. Er konnte über jedes Weingut etwas erzählen. Dass er hier Wein für die eine Fremdwelt und dort wertvolle Hölzer für eine andere Fremdwelt exportiert und für das nächste Gut die neue Gähranlage besorgt hatte. Natürlich war auch Grove´s Fall früher nicht von Konflikten verschont geblieben und Yadegar erzählte über alte Schlachten der imperialen Armee während des großen Kreuzzuges, die einen großen Teil der umliegenden Täler damals schwer mitgenommen hatten. Irgendwo sollte sogar ein alter Warlord-Titan aus jener Zeit verborgen liegen. Forscher des Mechanicums und der verschiedenen Titanenlegionen würden immer noch regelmäßig den Planeten besuchen, um ihn zu lokalisieren. Aber jedes Mal zogen sie enttäuscht wieder ab.

Nach einer guten Stunde war ihr Ziel endlich in Sicht. Schloss Tuscany war schon von weitem zu erkennen und wuchs ins Gigantische, je näher man kam. Es war in einen steilen Hang hinein gebaut und wahrlich riesig. Vom unteren Rand bis zu den obersten Zinnen war es gut und gerne hundertachtzig Meter hoch, hundertzwanzig Meter breit und in vier stufenförmige Elemente eingeteilt. Jedes Element war durch eine riesige Terrasse vom nächsten getrennt. Am hinteren Ende einer Terrasse ragte eine fast senkrechte Wand nach oben, die wieder in einer Terrasse endete und so wuchs das Gebäude nach oben. Der gesamte Bau war rechteckig, die breite Seite dem Tal zugewandt und an den Ecken jeder Terrasse waren große Wehrtürme errichtet, die leicht mit fünfzig Mann besetzt werden konnten. Es gab keine richtigen Fenster. Die schmalen Durchlässe, die erkennbar waren, sahen eher wie Schießscharten aus und waren regelmäßig am Umfang des Gebäudes verteilt. Der graue Stein, aus dem das Schloss gebaut war, wirkte alt, sehr alt, aber immer noch gut in Schuss. Und jeder Stein schien seine Besucher grimmig anzustarren und zu sagen Hier kommt niemand rein.
Schloss Tuscany war eine Festung durch und durch. Sie fuhren über die einzige Zufahrtsstraße, die zum Schloss führte und die sehr lange von dort einzusehen war, bevor man ankam. Als sie vor dem zehn Meter großen zweiflügeligen Tor anhielten, nahm  Yadegar ein kleines Gerät aus einem Seitenfach. Er drückte einen Knopf und sprach hinein: „Identifizierung. Tor öffnen.“ Das Gerät piepte zweimal und das Tor öffnete sich langsam und geräuschvoll. Sie fuhren hinein und das Tor begann sofort, sich wieder zu schließen. Sie durchquerten einen Tunnel, der nur von spärlichen Lichtern erhellt wurde und erreichten schließlich einen Innenhof mit einer Größe von etwa fünfzig mal fünfzig Metern. Toren blickte nach oben. Sie befanden sich in einer riesigen, viereckigen Röhre und die glatten Wände ragten hundert Meter in die Höhe. Anstatt Schießscharten gab es jetzt größere Fenster und kleine Erker ragten in unregelmäßigem Abstand hervor. Der Innenhof selbst war nur mit einigen Statuten großer Feldherren des Imperiums und einer alles überragenden Statue des Imperators geschmückt.  Auf jeder Seite des Hofes gab es mehrere Eingänge. Yadegar sprang lässig aus dem Antigrav und deutete auf eine große Tür.
 „Hier geht’s lang.“
Toren stieg aus und folgte Yadegar, der gerade die Flügel der hölzernen Tür aufzog.

Sie gingen erst durch dunkle Gänge, um danach in ein kompliziert wirkendes Treppenhaus einzutreten. Toren hatte das Gefühl, er sollte Yadegar besser nicht verlieren, denn er würde sich hier drin ganz bestimmt verirren. Er versuchte, einigen Treppen mit dem Auge zu folgen, doch nach wenigen Sekunden verlor er den Überblick. Überall waren Zugänge, Abgänge, kleine Verbindungswege und Stiegen, die in die Dunkelheit führten. Sollten es tatsächlich einmal Eindringlinge ins Schloss hinein schaffen, wären sie spätestens hier rettungslos verloren. Überall standen wertvoll aussehende Statuen und kleinere Kunstobjekte. Wertvolle Gemälde hingen an allen Wänden. Sogar eine alte Rüstung eines Ordens der Adeptus Astartes war zu sehen. Sie überragte die beiden Männer um mindestens einen halben Meter. Das Einheitssymbol auf dem Schulterpanzer war zu verwittert, um es zu identifizieren. Toren fragte sich, wie die Tuscanys an dieses wertvolle Objekt herangekommen waren. Die heute existierenden Orden der Space Marines hegten und pflegten ihre Rüstungen mit großer Hingabe und würden nie die Rüstung eines gefallenen Kameraden auf dem Schlachtfeld zurücklassen, wenn es sich vermeiden lies.
Die Schlossführung schien schon begonnen zu haben, denn Yadegar erzählte zu vereinzelten Stücken wieder die passende Geschichte und so schritten sie nach einer halben Stunde und vielen Ausflügen in die interessante Historie von Schloss Tuscany in einen großen, mit allerlei Prunk und Zierrat geschmückten Saal. Mannshohe Gemälde der alten Schlossherren und Damen mit ihren Kindern in prächtigen Gewändern zierten die Wände, alte Waffen und Rüstungen imperialer Gardisten säumten die Ränder des Saales. An der Stirnseite ragte ein voluminöser Thronsessel auf und ein gutes Stück davor war eine alte aber edel aussehende Sitzgruppe platziert. Yadegar ging auf die Sitzgruppe zu und deutete Toren an, ihm zu folgen. Sie setzten sich. Ein Servitor schwebte heran und fragte, ob Erfrischungen gewünscht seien.
„Bring uns Sanweeh.“, sagte Yadegar. „Ein Wein der Region. Hervorragend.“ Der Servitor brachte den Wein, sie tranken und sprachen über dieses und jenes und Yadegar beklagte sich bisweilen über die schwere Aufgabe, das alte Schloss in gutem Zustand zu halten. Obwohl es ihm immer Spaß gemacht hatte, schien es doch zu einer Last geworden zu sein.
„Verkaufen Sie es doch.“, sagte Toren. „Die Gemeinde soll ein Museum daraus machen. Dann könnten alle Bürger an diesen wertvollen Stücken teilhaben.“ Das Lächeln in Yadegars Blick wich einem Ausdruck von Ernsthaftigkeit und er senkte den Blick. „Ich ... kann es nicht verkaufen.“ Doch er fasste sich schnell wieder und lachte. „Und wer sollte schon so einen Klotz kaufen wollen.“
„Beantworten Sie mir eine Frage.“, sagte Toren.
„Schießen Sie los.“
„Die Space Marine-Rüstung. Wo haben Sie die her?“
„Das ist in der Tat einer der wenigen Gegenstände in diesem Haus, über die ich wenig sagen kann. Vor ein paar hundert Jahren hat sich eine Piratenbande in unserem System herumgetrieben. Jede Menge Überfälle und Tote. Zwei Trupps der vom Orden der World Eaters wurden zu Hilfe gerufen, um der Bedrohung Herr zu werden. Die World Eaters vertrieben die Piraten, dabei wurde ein Soldat durch ein lokales Pfeilgift getötet, gegen das sein gesteigertes Immunsystem nicht schnell genug ein Gegenmittel herstellen konnte. Er verschwand in den Wäldern und wurde nicht mehr gefunden. Die komplette Elektronik der Rüstung musste ausgefallen sein. Es gab kein Com-Signal mehr und auch sonst keine Möglichkeit der Lokalisierung. Die World Eaters zogen schweren Herzens ohne ihn ab. Mitglieder meiner Familie haben ihn schließlich zufällig im Wald entdeckt. Er war natürlich längst tot. Sie haben ihn mitgenommen, den Körper auf einem Plateau beerdigt und die Rüstung hier aufgebaut als Zeichen der Ehrerbietung an ihre Retter.“
„Und weil sie sich nicht von einem so wertvollen Ausstellungsstück trennen wollten.“, beendete Toren den Vortrag.
„Da haben Sie  wahrscheinlich recht.“, lächelte Yadegar. “Das war alles lange vor dem großen Bruderkrieg, bevor die World Eaters zum Feind übergelaufen sind. Sagen Sie, mein Freund, wollen Sie etwas ganz besonderes sehen, sozusagen den geheimnisvollsten und heiligsten Platz im ganzen Schloss?“
Das ganze Schloss ist ein einziges Geheimnis, dachte Toren. „Ich bin Memorator. Ich will alles wissen. Wo bekomme ich sonst meine Inspiration her.“
„Dann lassen Sie uns in die Gewölbe gehen.“, sagte Yadegar und sie standen auf.

Sie gingen zwanzig Minuten lang durch schwachbeleuchtete Gänge immer tiefer in die Katakomben des Schlosses. Yadegar sagte die ganze Zeit kein Wort bis auf ein paar Hinweise für Toren, auf seinen Tritt zu achten. Schließlich blieben sie vor einer großen Tür stehen.
„Wir sind da.“
„Okay“, antwortete Toren. „Und was ist da drin?“
„Der Grund, warum Sie hier sind.“

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Trearu
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BeitragVerfasst am: 31.12.2012 09:35    Titel: Antworten mit Zitat

Einige Makel deiner FanFiction-Vorlage reißen mich immer wieder aus der Geschichte.

Viele Begriffe bleiben englisch während andere so erbärmlich übersetzt werden ...


Phaeron hat Folgendes geschrieben:
Mittags aß er dort und abends, wenn der Schmerz zu groß wurde, verlor er sich dort im Amasec. Die Wirtsleute brachten ihn jedes Mal, wenn er nicht mehr gehen konnte, ohne großes Aufhebens zurück in die Herberge. Und am nächsten Tag begrüßten sie ihn wieder so freundlich, als wenn gestern nicht gewesen wäre. Toren konnte sich nicht erklären, warum, aber er empfand Sympathie für diese Leute.

Warum sollte er sich es nicht erklären können?


Zitat:
Toren sah auf und blickte in das Gesicht eines jungen Mannes. Der Mann war nicht älter als fünfunddreißig Jahre und hatte ein angenehmes Äußeres.

35 ist jung?


Zitat:
Dann sah er den Mann genauer an. Der würde sich an Sigrunds Mecu-Pfanne zu Tode essen, bis er tatsächlich sein letztes Hemd in Zahlung geben müsste.

Sah er so fett aus?


Zitat:
Es entwickelte sich fast wie von selbst ein Gespräch zwischen Toren und dem Fremden, der sich mit dem blumigen Namen Yadegar Tuscany vorstellte.

Fast wie von selbst?
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BeitragVerfasst am: 01.01.2013 21:21    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Fortsetzung

Yadegar schob einen antik aussehenden Schlüssel ins Schloss und zog die Tür langsam auf. Toren sah hinein, konnte aber nichts erkennen außer merkwürdigen rosa wabernden Schemen. Er ging näher an die Tür und versuchte, mehr Details auszumachen. Plötzlich löste sich etwas aus der rosa leuchtenden Masse und raste auf ihn zu. Etwas Längliches sondert sich daraus ab, fast wie ein Arm und es schwang etwas nach ihm. Toren erschrak zu Tode. Er schrie auf, taumelte zurück durch den Gang, bis sein Kopf hart auf die gegenüberliegende Wand schlug. Die Welt um ihn wurde neblig und er sah Sterne. Das Ding schien ihm nicht zu folgen. Trotzdem hob Toren die Arme in Abwehrhaltung, aber nichts weiter geschah. Er schüttelte den Kopf und zwinkerte mit den Augen, um die Nebel wegzuwischen. Als seine Sicht wieder klar wurde, sah er die Gestalt, die sich auf ihn gestürzt hatte. Es war ein riesiger Humanoid, sehr viel größer als ein normaler Mensch. Sein Gesicht war wutverzehrt und er hielt ein großes Messer in der Hand. Es war so groß, dass Toren es selbst mit beiden Händen kaum hätte halten können. Der Riese stand in der Tür und schien keine Anstalten zu machen, den Raum verlassen zu wollen. Toren betrachtete ihn genauer. Der riesige Kerl steckte in einer Servorüstung. Einer, der berühmten und berüchtigten Kampfrüstungen, die die Soldaten der Space Marines trugen. Die schweren Schulterpanzer, der gewaltige Brustharnisch und die klobigen Stiefel war so massiv, dass sie ihren Träger vor fast allem schützten, was man ihm entgegen warf. Allerdings wirkte der Riese selbst bei weitem nicht so massiv, wie man denken konnte. Sondern eher durchsichtig und transparent, fast geisterhaft und eine seltsame rosafarbene Aura umgab ihn. Toren näherte sich dem Space Marine langsam, doch der blieb weiter in der Tür stehen.
„Keine Angst, mein Freund. Er kann Ihnen nicht tun.“, sagte Yadegar. „Er ist nur ein Schatten.“ Er trat durch die Tür und ging einfach durch den Space Marine hindurch, als ob der nur aus Luft bestehen würde.
„Geh mir aus dem Weg, Du Zausel.“
Der Riese drehte sich um und sah Yadegar nach, offenbar nicht von seiner Stofflosigkeit überrascht. Er warf Toren noch einen bösen Blick zu, wandte sich um und folgte Yadegar zurück in den Raum.
Toren schritt langsam voran und betrat den aus dunkelgrauen Steinen gemauerten Raum. Sein Herz klopfte dabei so hart, als ob es aus der Brust ausbrechen wollte. Yadegar stand an der rechten Wand eines Raumes, der gut und gerne sechs mal sechs Meter maß und von kalten Phosphorlampen erhellt war. Er lächelte Toren zu und winkte ihn näher heran. Toren lies den Blick durch den Raum gleiten und sah mit Schrecken nicht weniger als sechs transparente, in Space Marinerüstungen gekleidete Riesen. Sie standen mitten im Raum und starrten ihn finster an. Der Vorderste schien etwas zu sagen. Seine Lippen bewegten sich, jedoch ohne dass sie einen Laut von sich gaben. Überall im Raum lagen echte Space- Marinerüstungen wie gefallene Soldaten auf dem Boden. Etwas abseits vom Zentrum stand eine kleine Säule, auf der eine Tafel befestigt war. Dann drängte sich aus dem Hintergrund ein anderer Geist nach vorn. Die Soldaten machten ihm Platz. Der Mann war noch einen Kopf größer als seine Kameraden und ebenso kräftiger. Er nahm den gehörnten Helm ab und Toren erschrak bei dem Anblick auf sein Gesicht. Der Marine wies starke Anzeichen von Mutationen auf. Ein Auge war vergrößert, das andere in blutiges Rot gefärbt. Sein Kopf war auf grausame Weise verformt. Der Mutant sah Toren fast eine Minute durchdringend an, als ob er so den Zweck seines Hierseins herausfinden konnte. Dann drehte er sich langsam ab und verschwand wieder in der Gruppe. Dabei sah Toren das Symbol des Space-Marineordens auf dem großen Schulterpanzer und seine Verwirrung wuchs noch weiter. Der Schulterpanzer zeigte ein großes, aufgerissenes, mit messerscharfen Zähnen bewehrtes Maul. Zwischen den Zähnen war die Abbildung eines Planeten dargestellt, als ob die scharfen Fänge diese Welt gleich zermalmen würden. Dann wusste Toren, was er da vor sich hatte.
„Das sind World Eaters. Wie, beim Imperator, kommen World Eaters hier her? Oder was auch immer diese Dinger sein sollen.“
Yadegar ging in den hinteren Bereich des Raumes, wo eine Art Maschine aufgebaut war. „Um das zu verstehen, müssen Sie noch etwas näher kommen.“
Toren ging langsam an den World Eaters vorbei, bis er neben Yadegar stand. Sie standen jetzt vor einer riesigen Maschine, die Ähnlichkeit mit einem antiken Musikinstrument noch aus dem Zeitalter des Haders hatte. Sie nahm die gesamte Breite der Wand ein, ein Stuhl war davor aufgebaut und auf dem Stuhl saß ein alter Mann. Sein Haar war dünn und schneeweiß und sein Bart reichte ihm bis vor die Brust. Er schien zu schlafen, aber seine Augen waren nicht ganz geschlossen.
„Kennen Sie diesen Mann?“, fragte Yadegar.
Toren sah den Alten noch genauer an, aber er kam ihm nicht bekannt vor. „Ich habe keine Ahnung, wer das ist.“
„Na, das sollten Sie aber. Er war mal ein leitendes Mitglied im obersten Stab des Memoratums.“
Irgendwo in Torens Hirn drängte sich ein Gesicht und ein Name nach vorn. Das Gesicht war viel jünger als das des Alten, aber die charakteristischen Züge stimmten überein.
„Das ist...das kann doch unmöglich...“, stotterte er, verloren in Ungläubigkeit und Verwirrung.
„Es ist so, mein Freund“, führte Yadegar den Gedanken zu Ende. “Das ist Elios Gaard. Der große Visualist und Poet. Seine Bilder hängen als riesige Vergrößerungen im Ministorum auf Terra und seine Verse zieren die Halle des Goldenen Thrones. Er war der größte Memorator seiner Zeit und Sie beide sind Kameraden.“
Torens Ungläubigkeit war noch größer geworden. „Aber Elios Gaard ist schon vor Jahrhunderten gestorben.“
„Er ist verschwunden.“, korrigierte ihn Yadegar. „Als er in den Ruhestand ging, hat er sich auf eine damals dünn bevölkerte Welt zurückgezogen und seitdem gibt es keine Informationen mehr über seinen Verbleib.“
„Dann ist er hierhergekommen?“, sagte Toren. „Hierher nach Grove´s Fall?“
„Korrekt. Er hat sich mit seiner Familie hier im Schloss niedergelassen, bevor die Tuscanys hierher kamen. Hier wollte er endlich der Familienvater sein, der er nie sein konnte, solange  er Memorator war. Alles war auch wunderschön und sie lebten einige Jahre sehr glücklich, bis Elios eines Tages diese Maschine hier in den Gewölben fand.“
„Was ist das für eine Maschine?“, fragte Toren
Yadegar sah die Maschine lange an und er strich mit seiner Hand über die Kontrollen. „Das ist eine sehr besondere Maschine. Menschen haben sie nicht erbaut und ihr genaues Alter konnten wir nicht feststellen, selbst mit unseren heutigen Mitteln.“
„Dann ist sie xenos?“, fragte Toren. „Nichtmenschlich?“
„Mit Sicherheit.“, sagte Yadegar.
„Und was tut sie?“
Yadegar zögerte, weil er wußte, dass seine nächsten Worte den Gipfel der Unglaubwürdigkeit bilden würden.
„Mit dieser Maschine kann man Seelen von ihrem Körper trennen. Sie erzeugt eine Energiewelle, die beim Kontakt mit einem lebenden Wesen die Bindung zwischen Körper und Geist auflöst. Der Körper stirbt bei diesem Prozess, die Seele wird von der Maschine eingefangen und auf unbestimmte Zeit festgehalten.“
Toren war sprachlos und glaubte ganz sicher, dass er sich verhört hatte. Doch dann konnte er ein bemitleidenswertes Grinsen nicht mehr unterdrücken
„Sie wollen mich veralbern.“, sagte er. „Das kann nicht Ihr Ernst sein. Solch eine Maschine kann es nicht geben. Die Bindung zwischen Körper und Geist ist unlösbar.“
„Leider ist es nicht so. Sie sehen hier einige Opfer, die sich diese Fähigkeit der Maschine zu Nutze machen wollten und den denkbar höchsten Preis für ihre Neugier bezahlt haben.“ Yadegar deutete auf die sechs schemenhaften Space Marines, die im Raum umherwanderten und sie misstrauisch beäugten. Dann wurde Toren einiges klar.
„Sie haben mich angelogen“, sagte er. „Die Sache mit der Piratenbande, die hier ihr Unwesen getrieben haben soll. Diese Piraten hat es nie gegeben, oder?“. Er sah zu den gefallenen Servorüstungen, in denen noch einige sterbliche Überreste zu sehen waren.
„Das hier sind fünf Rüstungen. Ich sehe aber sechs von diesen Geistern. Die sechste Rüstung steht oben in Ihren Gängen. Wieso steht dort oben eine Rüstung und hier unten lassen Sie fünf weitere einfach liegen? Und was steht auf dieser Säule?“
Toren ging zu der kleinen Säule. Eine beschriftete Messingplate war darauf befestigt. Toren wischte den Staub darauf mit dem Ärmel seines Hemdes ab und vier Worte wurden sichtbar.

Für Sandrih und Talia.

Ein Gedenkstein. Zusammen mit den Geistern von Mitgliedern einer Verräterlegion. Ein grausamer Gedanke drängte sich ihm auf.
„Was ist hier geschehen?“

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Phaeron
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BeitragVerfasst am: 04.01.2013 12:37    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Fortsetzung

Yadegar begann vor dem Alten im Stuhl langsam hin und her zu gehen. „Sie haben recht. Ich habe Sie belogen. Aber ich habe das aus gutem Grund getan. Diese Maschine steht hier schon seit Jahrtausenden. Als Elios Gaard hierher kam, war das Schloss verlassen und niemand saß auf dem Stuhl. Die Maschine war deaktiviert. Gaard hat Monate damit zugebracht, ihre Funktionsweise zu entschlüsseln. Er hat sie mit der Zeit kennengelernt, ihre Geheimnisse entdeckt und ihr schreckliches Potential erkannt. Mit ihr liesen sich Menschenmassen oder ganze Armeen in wenigen Sekunden eliminieren. Man konnte ihre Seelen einfangen und unendlich lange festhalten. Man konnte sich ihre Waffen und ihr Gerät holen, ohne auch nur einen Schuss abgeben zu müssen. Bis eines Tages die World Eaters kamen. Es war nicht lange nach der Horus-Häresie. Die Verräterlegionen waren im Warp verschwunden und hatten sich den Chaos-Göttern angeschlossen. Die World Eaters unterwarfen sich Khorne, weil er ihnen den ewigen Kampf versprochen hatte, Sie kennen die Geschichte. Er stattete sie mit neuen Fähigkeiten aus und erwählte einen speziellen Trupp, ihm diese Maschine zu bringen. Und so kamen die World Eaters nach Grove´s Fall. Was genau passiert ist, können Sie in Echtzeit miterleben, in dem ich Sie an die Maschine anschließe. Elios hat alles aufgezeichnet.“
Yadegar ging zu einem Pult und zog ein dünnes Datenkabel mit einem Stecker heraus. Er hielt es Toren hin. „Einfach in Ihren Transferanschluss stecken. Den Rest macht die Maschine.“
„Wie soll das funktionieren?“, fragte Toren. „Und was soll mich dazu bewegen, mein Gehirn an eine Xenos-Maschine anzuschließen.“ Er war in keinster Weise gewillt, das zu tun. „Und was, wenn die Inquisition davon Wind kriegt. Man wird uns beiden einen Makel anlasten und auf der Stelle töten. Der Ordo Xenos ist in solchen Dingen kompromisslos.“
„Sie erleben, was hier passiert ist, wie diese Rüstungen und diese Seelenschatten hierher kommen. Das wollten Sie doch wissen. Und die Inquisition wird niemals etwas davon erfahren.“
„Was bedeutet Seelenschatten?“ fragte Toren.
„Unsere Freunde hier draußen“, er deutete auf die Marines, „sind in der Maschine gefangen. Elios sitzt seit Jahrhunderten in der Maschine und kontrolliert ihre Seelen. Er könnte sie vollständig in der Maschine verschwinden lassen, aber er tut es aus einem bestimmten Grund nicht. Diesen Grund werden Sie später noch erfahren. Die Seelen der Marines sind an die Maschine gebunden, solange jemand auf diesem Stuhl sitzt und die Maschine kontrolliert. Aber Sie sollten sich jetzt einklinken. Wenn Sie gesehen haben, was passiert ist, werden Sie einiges verstehen.“
Toren war immer noch unsicher, aber sein Wiederstand bröckelte. Diese Geschichte zu erleben, war eine zu große Versuchung. Er nahm Yadegar den Stecker ab und schob ihn sich langsam in die Transferbuchse hinter seinem rechten Ohr.

„Sag es mir endlich, Du verdammter Bastard.“
Elios sah den Schlag in seine Magengrube nicht kommen. Sein linkes Auge war zugeschwollen. Es hielt die ständigen, brutalen Schläge nicht mehr aus, seit der Trupp World Eaters vor zwei Stunden in sein Zuhause eingedrungen war. Sie hatten sich seine Frau und sein Kind gegriffen hatten und damit begonnen, ihn zu foltern. Sofort als er sie sah, wie sie mit ihren gewaltigen Waffen das große Tor aufbrachen, als ob es aus Papier wäre, war ihm klar, warum sie hier waren. Sie wollten die Maschine. Die Xenos-Maschine, die in einem Raum im Gewölbe des Schlosses stand und die so verheerend großen Schaden anrichten konnte. Aber er würde ihnen nicht sagen, wie man sie benutzte. Nicht in diesem Leben.
Mittlerweile war er schwer angeschlagen. Mindesten drei Rippen waren gebrochen, ebenso die Knochen in seinem linken Unterarm, aber am meisten schmerzten die Striemen, die sie ihm mit der Neuropeitsche verpasst hatten. Ein Bluterguss reihte sich auf seinem Rücken an den nächsten. Er war über und über mit Schürfwunden bedeckt und verlor immer mehr Blut. Der Größte des sechs Mann starken Trupps stieß ihn hart zu Boden des Gewölberaumes.
„Pass auf, was Du mit ihm machst, Kallas. Tot nützt er uns nichts.“, rief ein anderer Marine weiter hinten. Elios hörte die Stimmen nur noch mit einem Summen im Ohr.
„Ach, er ist in Ordnung“, sagte der große Marine, der Kallas genannt wurde. Er hob Elios mit einer Hand hoch. „ Nicht wahr, Memorator? Du bist in Ordnung, oder?“
Elios sah den riesigen World Eater mit ausdruckslosen Augen an. Der Chaos-Marine namens Kallas war, wie alle seine Kameraden, ein Khorne-Berserker. Das blutrote K auf ihren Schulterschützer war eindeutig. Das Blut der Berserker war ständig in Wallung. Sie lebten einzig und allein für den Kampf und wurden dafür von ihrem Gott mit noch größeren Kräften ausgestattet, als sie ein Space-Marine ohnehin schon besaß. Eigentlich konnte Elios froh sein, noch nicht in seine Einzelteile zerlegt worden zu sein.
„Aber Du willst nicht reden, Memorator. Das macht mir Sorgen.“ Der Berserker stellte ihn wieder auf seine Füße und Elios konnte sich nur schwer auf den Beinen halten.
„Wir sind hierhergekommen, um die Funktion dieser Maschine zu erlernen und sie für unseren Gott mitzunehmen. Und Du, Memorator, wirst uns zeigen, wie man sie bedient oder Du wirst es bitter bereuen. Das, was wir bis jetzt mit Dir gemacht haben, war nur ein Vorgeschmack.“ Der Berserker drehte sich von ihm weg und wanderte zum Kontrollsessel der Maschine. Sie stand majestätisch an der hinteren Wand des Raumes, nur von einigen kalten Phosphorstrahlern beleuchtet
„Bringt ihn her.“
Ein Marine packte Elios an der Schulter und stieß ihn nach vorn, bis sie vor der Maschine standen.
„Und schnappt euch die beiden.“
Zwei andere Marines griffen nach der Frau und dem Kind, die Elios einfach alles bedeuteten. Es waren seine Frau und sein Kind. Sandrih und Talia, die Zentren seiner Existenz. Sandrih hielt die Hand ihrer Tochter fest, obwohl der Marine sie hart am Arm packte. Es war als würde sich ein Schraubstock im ihrem Bizeps schließen. Talia war das tapferste Mädchen der Welt. Obwohl sie große Angst hatte und ihr Tränen über das Gesicht liefen, gab sie nicht einen Laut von sich.
 „Sag mir, wie die Maschine funktioniert, Memorator.“ Der Berserker sah Elios in die Augen. „Sag es mir einfach.“
Elios schüttelte den Kopf.
„Sag es mir.“, schrie Kallas. „Sag es mir, verdammt.“
Kallas packte Elios am Hals und hob ihn einen halben Meter hoch. Elios bekam keine Luft mehr, aber schüttelte weiterhin den Kopf.
„Sag es mir.“ Es war wie ein Urschrei. Elios konnte den Kopf nicht mehr schütteln, er stand kurz vor der Ohnmacht.
„Lass ihn los, Kallas.“, rief wieder die energische Stimme aus dem Hintergrund. Kallas drehte sich um,  lies Elios einfach fallen und schritt energisch auf den Marine zu, der sich vorgedrängt und seine Stimme erhoben hatte.
„Unterbrich mich ...“
„Du musst Dich zusammenreißen, Kommandant. Wir brauchen den alten Mann lebend. Was glaubst Du, was mit uns geschieht, wenn wir ohne die Maschine zurückkommen.“
Die beiden Marines standen sich Auge in Auge gegenüber. Kallas atmete schwer. Sein Blut war in Rage und er wollte diesen alten Mann zerfetzen, aber sein Kamerad hatte recht. Sie mussten den Memorator anders zum Sprechen bringen.
„Du hast recht.“ Kallas´ wutverzerrtes Gesicht wandte sich langsam Elios zu. Ein anderer Marine hatte ihn wieder ruckartig auf die Beine gezogen und hielt ihn fest.
„Und er wird reden.“ Kallas stellte sich demonstrativ einen Meter vor Elios auf. „Bringt mir die Frau.“
Der Marine, der Sandrih fest hielt, stieß sie so lange vorwärts, bis sie vor Kallas stand.
„Gib mir Deine Hände“, sagte er fast mit zärtlicher Stimme.
Sandrih hob ihm langsam ihre zitternden Hände entgegen. Kallas nahm sie in seine und sah sie an. „Du hast schöne Hände, sehr schöne sogar.“ Er drehte den Kopf zu Elios. „Sag mir wie, die Maschine funktioniert.“, funkelte er. Elios schüttelte wieder den Kopf.
„Wie Du willst, Memorator. Ab jetzt zahlen andere für Deine Sturheit.“ Er lächelte wieder Sandrih an, legte ihre Hände sanft übereinander und streichelte sie zärtlich.
„Sag mir, wie die Maschine funktioniert.“ Keine Sanftheit mehr, sondern kalte Härte.
Ein Brüllen. „Sag es mir.“
Er hob die panzerbehandschuhte Faust und schlug sie mit aller Gewalt in seine eigene Handfläche. Die Knochen in Sandrihs Händen dazwischen brachen wie kleine Holzstäbchen. Sandrih schrie vor Schmerzen und Elios fühlte die Qual in seinen eigenen Händen. Er versuchte sich loszureißen, aber der Marine hielt ihn unnachgiebig fest.
Kallas nahm die Faust aus seiner Handfläche. Sandrihs Handflächen und Finger waren unnatürlich verformt und einige Knochensplitter waren durch die Haut gedrungen. Sie wimmerte vor Schmerzen und sank langsam zu Boden.
„Sagst Du mir jetzt, wie die Maschine funktioniert, Memorator?“
„Sag ihm nichts“, schrie Sandrih.
Kallas lachte. „Deine Frau ist stark, Memorator. Aber Du solltest nicht auf sie hören.“ Er trat wieder einen Schritt näher. „Sagst Du es mir jetzt?“
Elios schüttelte wieder zittrig den Kopf und ein schiefes Grinsen zeigte sich auf Kallas´ Gesicht.
„Stellt die Frau an die Wand.“

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Phaeron
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BeitragVerfasst am: 07.01.2013 21:08    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Fortsetzung

Der Marine zog Sandrih wieder auf die Füße und schob sie zur Wand. Kallas drehte sich um und folgte ihnen langsam. Er streckte seinen Arm einem anderen Marine entgegen. Der warf ihm eine große Energieaxt zu, die Kallas spielend auffing. Er senkte den Kopf und lies seine Hände ehrfürchtig über die Waffe gleiten. Dann drückte er einen Schalter und das blaue Energiefeld umhüllte die Axt. Auf einmal wirkte Kallas fast bedrückt.
„Sag mir, wie die Maschine funktioniert, Memorator. Dann gehen wir wieder weg von hier und du kannst in Frieden weiterleben.“
„Nein“, hauchte Elios. „Von mir erfährst Du nicht. Du wirst wohl zu Deinem Gott zurückgehen und ihm sagen müssen, dass Du versagt hast.“
Kallas seufzte. Er ließ die Axt auf seine Schulter schwingen und wanderte ein paar Schritte mit hängendem Kopf durch dem Raum. Schließlich blieb er stehen. Er drehte sich um und fixierte seine Kameraden, die ihn alle erwartungsvoll ansahen. Dann verschwand die Unsicherheit aus seinem Gesicht und er richtete sich zu seiner vollen Größe auf. Sein Blick wanderte zwischen Sandrih und Elios her. Dann sprach er wieder mit harter und fester Stimme.
„Streckt ihren Arm aus.“
Ein widerliches Grinsen trat auf die Gesichter der anderen Marines. Derjenige, der Sandrih festhielt, drückte seinen Panzerhandschuh in ihr Gesicht und presste sie an die Wand. Dann griff er sich ihren linken Arm. Er streckte ihn aus und drückte ihn ebenfalls an die Wand. Mit bedrohlichem Schritt ging Kallas auf Sandrih zu, stellte sich in Schlagposition und hob die summende Axt.  Elios geriet in Panik. Er versuchte wieder, sich loszureißen, aber es war hoffnungslos.
„Lass sie los, Du Monster“, schrie er.
„Sag mir, wie die Maschine funktioniert, Memorator.“, schrie Kallas. Er holte weit aus.
„SAG ES MIR!“
Elios schloss die Augen. Nein.
Kallas schlug zu.
Elios hörte nur das dumpfe Geräusch, wenn Stahl auf Beton traf und das Fallen eines Gegenstandes. Die Schreie seiner Frau wurden von dem Panzerhandschuh in ihrem Gesicht gedämpft, bis der Marine sie losließ. Wimmernd sank sie zu Boden. Elios hatte den Kopf abgewendet. Er konnte das Leid seiner Frau nicht mehr ertragen. Ihr Jammern und Weinen erfüllte ihn so sehr mit Schmerz, dass er nur noch sterben wollte. Der Marine, der ihn festhielt, drehte seinen Kopf in Richtung der Wand und zwang ihn, hinzusehen. Seine Frau hockte auf dem kalten Boden und hielt sich den Stumpf ihres Armes. Das abgetrennte Glied lag direkt neben ihr. Ein anderer Marine hatte ein Einsehen und lies Talia zu ihrer Mutter laufen. Kallas stürmte auf Elios zu.
„Siehst Du das?“, schrie er und deutete auf Sandrih, die ihre Tochter mit ihrem gesunden Arm festhielt. „Siehst Du, was passiert, wenn Du so dickköpfig bist? Sag es mir jetzt.“
„Sag ihm nichts, Eli.“, schrie Sandrih.
„Bringt sie zum Schweigen“
Der Marine, der Sandrih festgehalten hatte, verpasste ihr eine Ohrfeige und sie sank zusammen.
„Sagst Du es mir jetzt?“
Elios schüttelte den Kopf.
„Na gut.“ Kallas wandte sich ab. „Wie du willst. Der Preis steigt, Memorator. Das Kind. An die Wand.“
Sandrih schrie auf und packte Talia. Sie versuchte mit aller Macht, ihr Kind festzuhalten. Doch zwei Marines packten sie und zogen Talia von ihr weg. Das Kind wurde mit dem Rücken an die Wand gestellt. Kallas zog seine Axt aus der Wand und reinigte sie vom Staub. „Also nochmal, Memorator. Willst du jetzt endlich reden.“
Er stellte sich wieder in Schlagposition und hob die Axt.
 „Sag es mir jetzt.“
Elios geriet wieder in Panik. Der Berserker war drauf und dran, Talia zu töten. Elios riss und zerrte an den Armen, aber der Marine drückte nur noch fester zu.
„Lass meine Tochter da raus.“, schrie er. „Sie ist unschuldig, sie weiß nichts von allem hier.“
Die anderen Marines starrten gebannt auf das Geschehen in Erwartung, was gleich passieren würde.
„Sag mir, wie die Maschine funktioniert.“, rief Kallas, als er ausholte.
Elios wandte wieder den Blick ab. Er konnte, er durfte nicht sagen, wie man die Maschine bediente. Das Leid, das sie über die Galaxis bringen konnte, war ungleich höher, als das, welches drei unbedeutende Menschen erleiden mussten. Aber das war seine Tochter, sein Schatz, der gleich von einer Energieaxt in zwei Teile gespalten werden würde. Er konnte nicht....
„Sagst Du es mir jetzt?“
Kallas schlug zu.
Toren schrie „JA!“
Es war zu spät. Wieder hörte Elios den Einschlag der Axt in der Wand. Er hätte früher reagieren sollen, es ihnen viel früher sagen sollen. Es war ohnehin alles sinnlos. Sein ganzer Kampf war umsonst. Seine Tochter tot, seine Frau verstümmelt, er mit den Kräften am Ende. Die anderen Marines lachten und machten anerkennende Bemerkungen. Auch der Marine, der Toren festhielt, lachte.
„Sieh hin, Memorator. Ich hätte den Schlag nicht umgelenkt.“
Elios sah zur Wand. Seine Tochter...lebte noch. Die Axt hatte sie nicht getroffen, sondern war nicht mehr als eine Handbreit über ihrem Kopf in die Wand eingedrungen. Das Energiefeld versengte ihr die Haarspitzen.
Die Erleichterung war unaussprechlich. Elios fühlte sich so glücklich, wie noch nie in seinem Leben, als er seine weinende aber lebendige Tochter an der Wand stehen sah.
Und  er wusste jetzt, was er zu tun hatte.
Kallas zog die Axt aus der Wand. „Du willst also reden, Memorator.“ Wieder befreite er seine Axt vom Staub und wies den Marine, der Elios festhielt an, ihn loszulassen. Langsam ging er auf Elios zu.
„Ja. Ich sage euch, wie die Maschine funktioniert. Aber Ihr müsst meine Frau und meine Tochter vorher freilassen.“ Es war hoch gepokert, aber Elios musste so tun, als ob er wirklich verhandeln wollte. Wenn er zu leicht nachgab, würden sie anfangen, ihm zu misstrauen.
„Wir lassen sie frei, wenn wir wissen, wie die Maschine funktioniert. Und zwar vollständig, mit allen Details, allen Kommandos und einem Testlauf.“ Kallas´ Augen wurden zu Schlitzen. „Jetzt. Sofort.“
„In Ordnung. Gehen wir.“, erwiderte Elios und funkelte zurück.
„Nein, Eli.“, rief Sandrih. „Du darfst ihnen nichts sagen.“
Elios drehte sich zu ihr um. „Es ist besser so, glaub mir.“
Dann gingen sie zur Steuerkonsole. „Also, Du weißt, was die Maschine tut?“, fragte Elios.
„Sie sammelt die Seelen der Feinde und tötet dabei ihre Körper.“, antwortete Kallas. „Du sollst mir erklären, wie sie das macht und wie man sie steuert.“
„Ich weiß nicht, wie sie es macht. Ich verstehe die Technologie selbst nicht. Ich weiß aber, wie man sie bedient.“ Er strich mit den Händen über die Schalter und Hebel auf der Konsole. Es waren mindestens fünfzig davon.
Er deutete auf ein Display. „Hier werden die Einstellungen angezeigt. Es werden hundertsiebenundzwanzig Zeichen benutzt. Ich habe fast ein Jahr gebraucht, jedem Zeichen eine Bedeutung zuzuordnen. Dabei hätte ich mich selbst ein paar Mal beinahe umgebracht. Die Zeichen wird ich Euch aufschreiben.“
„Wie sieht es aus, wenn die Maschine arbeitet?“, fragte Kallas.
„Wenn die Maschine sozusagen abgefeuert wird, sendet sie eine Art magnetische Welle aus. Wenn ein Lebewesen mit dieser Welle in Kontakt kommt, wird irgendwie die Verbindung zwischen Körper und Geist gelöst. Der Körper stirbt dabei und die Seele wird in Richtung der Maschine gezogen. Sie verschwindet in diesen Rohren und wird in der Maschine gespeichert.“
„Sie bleibt also darin erhalten?“, fragte Kallas.
„Ja, sie bleibt da drin. Sie kann auch wieder raus gelassen und auf einen anderen Körper übertragen werden. Mit allen Erinnerungen und allen Verhaltensweisen.“
„Was erlebt die Seele in der Maschine?“
„Die Maschine ist im Stande, eine Art virtuelle Welt zu erschaffen. Dazu braucht sie die Eingaben des Bedieners, der hier auf dem Stuhl sitzt.“ Toren deutete auf den Sessel.
„Was für Welten kann die Maschine erschaffen?“, fraget Kallas neugierig.
„Alles, was ihr wollt. Ihr müsst es nur dem Bediener sagen, der muss es denken und die Maschine kreiert diese Welt. Das Besondere an der Maschine ist, dass man ihren Wirkungsbereich genau einstellen kann. Man kann Totbereiche definieren, in denen die magnetische Welle ihren zerstörerischen Effekt nicht hat. Das ist auch sehr sinnvoll. Was nützt einem eine Maschine, die einen selbst beim ersten Einsatz umbringt.“
„Wie groß ist die Reichweite der Welle und wie stellt man diese Totbereiche ein?“
„Hier kann man den gesamten Wirkungsbereich der Maschine einstellen. Die Welle kann ringförmig nach allen Seiten oder auch nur durch bestimmte Segmente entweichen. Die genaue Reichweite kenne ich nicht. Es gab ein paar alte Aufzeichnungen, aus denen man eine maximale Reichweite von etwa fünftausend Metern schließen kann.“
Kallas war überrascht, aber er zeigte es nicht. Fünftausend Meter waren nicht schlecht. Fünftausend Meter waren sogar sehr gut.
„Dann wird es Zeit für einen Testlauf, mein guter Memorator.“
„Was, jetzt?“
„Hier und jetzt.“ Kallas grinste. „Du wirst diesen Testlauf durchführen. Jetzt gleich. Stell die Maschine so ein, dass dieser Raum zum Totbereich wird.“ Er kam Toren ganz nah. „Wir wollen doch bei diesem Versuch nicht unsere Seelen verlieren, oder?“
„Natürlich nicht.“, sagte Toren kalt. „Aber wir brauchen ein lebendes Objekt für den Test.“
„Ja, natürlich.“, Kallas kratzte sich nachdenklich am Kinn. „War da nicht eine Ebene über uns der Hundezwinger. Lass uns einen von den Hunden nehmen. Was hälst Du davon, Memorator.“
„Das wäre annehmbar.“, sagte Toren nicht so emotionslos, wie er es sich gewünscht hätte. Es war ihm zuwider, ein Lebewesen für einen simplen Versuch zu opfern.
„Taurov. Geh nach oben und hol uns ein schönes Exemplar, ja?“
Der Marine, der der Tür am nächsten stand, grinste und sagte: „Ich werde sicher etwas passendes finden.“ Dann verlies er den Raum.
„Und Du machst Dich an die Einstellung.“, sagte Kallas bedrohlich. Als Toren sich umwandte, hielt er ihn jedoch fest.
„Und mach keine Dummheiten.“
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Phaeron
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BeitragVerfasst am: 10.01.2013 21:40    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Fortsetzung

Toren wandte sich der Maschine zu und begann, Hebel und Knöpfe zu drücken. Einmal schaute er unbemerkt zu Sandrih und Talia. Ihr Anblick tat ihm in der Seele weh.
Nach zehn Minuten kam Taurov zurück. Er war schon lange zu hören, bevor er wieder durch die Tür trat. In den Armen hielt er einen großen, struppigen Hund, der jaulte und sich nach Kräften dem Klammergriff des Marines wiedersetzte. Taurov hatte Kratzspuren im Gesicht und die anderen Marines lachten. „Kannst Du nicht mal so ein kleines Schoßhündchen bändigen, Taurov?“
„Hey, das Biest ist verdammt schnell gewesen.“ Taurov tat so, als würden ihn die neckischen Kommentare seiner Kameraden treffen. Kurz danach war Toren mit den Einstellungen an der Konsole fertig. „Es kann losgehen.“
„In Ordnung. Taurov, setzt das Vieh draußen ab und komm herein.“
„Moment“, rief ein anderer Marine. „Wenn Du den Köter jetzt absetzt, läuft der doch sofort weg und ich renne ihm nicht hinterher.“
„Ja, das stimmt wohl“, sagte Taurov. „Aber das krieg ich schon hin.“
Er wandte sich ab und ging wieder durch die Tür. Man konnte die Beine des kämpfenden Hundes immer noch zappeln sehen. Dann bewegte sich Taurovs rechter Arm. Der Hund jaulte kurz und schrill auf, dann erschlaffte sein Körper. Taurov legte ihn mitten in den Gang und trat wieder in den Raum.
„Er schläft jetzt.“
„Na schön“, sagte Kallas. „Fangen wir an.“
Toren setzte sich in den Stuhl und legte das ringförmige Kopfteil an. Er befestigte daran einige Kabel, die er aus der Maschine zog. Dann begann er, Tasten in den Armlehnen des Stuhls zu drücken.
Die Maschine erwachte zum Leben. Lichter leuchteten überall auf und die Rohre begannen grellweiß zu glühen. Kleine Blitze sprangen von Rohr zu Rohr und ein bedrohliches Summen erfüllte den Raum.
 Alle Marines starrten die Maschine ehrfürchtig und voller Erwartungen an. Toren sah zu Kallas. Der nickte ihm zu.
„Passt auf, ich löse die Maschine jetzt aus.“, rief Toren. Er sah hinüber zu seiner Frau und seinem Kind, sah wie sie sich aneinander festhielten und zum ihm aufblickten. Sandrih wusste, was kommen würde. Talia war ahnungslos. Sie hatten ihr nie erzählt, was die Maschine wirklich tat. Dann schloss Toren die Augen und drückte den Auslöser.
Das Summen der Maschine wurde zu einem lauten Brummen, dann zu einem Dröhnen, dass einem durch Mark und Bein fuhr. Dann gab es einem dumpfen Knall und die magnetische Welle trat aus der Maschine. Sie sah aus wie die wabernde Luft einer Fata Morgana und breitete sich zügig in Richtung der Tür aus. Nach und nach erfasste sie jeden der World Eaters, Sandrih und Talia. Kurz bevor sie den Raum verlies, löste sie sich auf. Das Glühen der Rohre erlosch und das Dröhnen schwächte sich wieder zu einem Summen ab. Dann wurde es still. Die Marines sahen sich gegenseitig an und blickten dann zu dem Hund, der immer noch bewusstlos draußen im Gang lag. Dann fing Taurov auf einmal an, zu husten. Erst leicht und kehlig, doch kurz darauf ergab er sich einem wahren Hustenanfall. Dann wurden auch die anderen Marines von schweren Hustenanfällen ergriffen. Sie fassten sich panisch an die Kehlen und versuchten, Luft zu holen. Blut begann, ihnen aus den Augen zu laufen.
„Kommandant.“, rief Taurov erstickt. „Etwas stimmt nicht.“
 Es begann bei Sandrih und Talia. Sie schienen ebenfalls nach Luft zu schnappen und wandten sich wie unter starken Schmerzen. Dann versuchte etwas Nebelartiges und Schlangengleiches, sich von ihnen zu lösen. Es entwand sich aus der Körpermitte, bis es sich schließlich abtrennte und zur Maschine flog. Es war so schnell in einem der Rohre verschwunden, dass keiner der anderen es genau sah. Dann begann es bei den Marines. Die konnten allerdings durch die Vielzahl ihrer genetischen Modifikationen mehr Widerstand leisten. Sie begannen, sich jetzt unter Schmerzen zu winden. Sie schrien und wankten kraftlos geworden umher. Letztendlich brach aber auch ihr Widerstand und einer nach dem anderen verlor das neblige, schlangengleiche Etwas an die Maschine. Einige kämpften gegen den drohenden Tod an und wollten den Ausgang erreichen, aber es war zwecklos. Ein Verräter nach dem anderen fiel mit lautem Krachen auf den Boden und starb.
Auch Kallas, der Größte und Stärkste unter ihnen, litt unter schweren Schmerzen. Sein Kopf und seine Brust schienen von innen zu zerreißen. Seine beiden Herzen flimmerten. Seine Biochemie versuchte, gegen die Schmerzen anzukämpfen und überflutete den Körper mit betäubenden Chemikalien. Er sank auf die Knie und sah verzweifelt, wie seine Brüder fielen. Dann blickte er zu Toren hoch, der mit versteinerter Miene auf dem Stuhl saß. Mit aller Kraft stemmte sich Kallas hoch und wankte auf Toren zu. Doch die Energie entwich mit jedem Schritt schneller aus seinem Körper.
„Du elender ... hast uns … “ Mehr brachte er nicht heraus.
Als er ihn fast erreicht hatte, streckte er die riesige Hand nach ihm aus. Er wollte ihn packen und Toren in den letzten Augenblicken seines Lebens noch so viel Schmerz zufügen, wie es ihm möglich war. Doch kurz bevor er ihn berühren konnte, war es auch für ihn vorbei.
Kallas´ Seele verlies mit einem langen Seufzer seinen Körper und verschwand in der Maschine. Das letzte, was er in seinem Leben sah, war das leichte, kaum erkennbare Lächeln in Elios` Gesicht.

Toren zog den Stecker hinter seinem Kopf heraus. Ihm war eiskalt und Schweiß stand auf seiner Stirn. Die Ereignisse, die er gerade mit erlebt hatte, waren so real, als ob er selbst im Raum zusammen mit Gaards Familie und den World Eaters gestanden hätte. Und er verstand jetzt, welche Tragödie, welches grausame Verbrechen hier vor hunderten von Jahren geschehen war.
„Er hat die Space Marines reingelegt.“, sagte Toren heißer. „Er hat sie mit der Maschine ausgetrickst.“
„Ja, das hat er.“, antwortete Yadegar. „Er hat den Totbereich der Maschine nicht so eingestellt, dass die Wirkung der Welle erst außerhalb des Raumes eintrat, sondern so, dass alle Personen im Raum von der Welle getroffen wurden und starben. Die Marines waren so voll Gier auf die Maschine, dass sie nicht bemerkt hatten, wie er die Maschine falsch justierte.“
„Er hat seine Familie geopfert.“, sagte Toren leise. „Er hat lieber seine Familie umgebracht, als die Maschine den World Eaters zu überlassen. Er hat abgewogen, was schwerer wiegt. Das Leid von drei Menschen oder das Leben von Milliarden.“
Sie schwiegen.
Dann sprach Yadegar weiter. „Wie Sie gehört haben, kann die Maschine virtuelle Welten erschaffen, basierend auf den Gedanken des Bedieners.“
„Ja, das hab ich gehört.“
„Nun“, sprach Yadegar weiter. „Elios Gaards Familie ist immer noch da drin, in der Maschine.“
„Sie sind immer noch da drin?“
„Ihre Seelen, ja. Gaard wusste, dass er und seine Familie dem Tod geweiht waren, als die World Eaters das Schloss betraten. Wann ihm der Plan, die Marines zu täuschen, eingefallen ist, kann ich nicht sagen. Tatsache ist, dass Elios´ Bewusstsein jetzt in der Maschine zusammen mit seiner Familie weiterlebt. Er hat eine virtuelle Welt erschaffen, in der sie jetzt seit Jahrhunderten sorgenfrei leben.“
„Warum sind die World Eaters hier draußen und nicht in der Maschine?“, fragte Toren.
„Weil Elios sie draußen halten wollte, jenseits des Systems. Sie hätten die Ruhe und den Frieden innerhalb der virtuellen Welt schnell zerstört. Und außerdem fand er es als eine angemessene Strafe für die World Eaters, bis zum Ende der Zeit nur noch in diesem Raum weiter zu existieren. Als Schatten ihrer selbst.“
Sie schwiegen wieder. Toren musste die Geschichte erst verdauen. Ein einsamer, alter Mann saß seit Jahrhunderten auf diesem Stuhl, auf dem er einen Trupp Verräter-Marines festhielt. Sein Bewusstsein lebte immer noch mit seiner Familie und einer nicht wirklichen Welt. Die Entscheidung zu diesem Schritt musste ihm unvorstellbar schwer gefallen sein. Aber in Anbetracht der Umstände war es wohl die einzig Richtige. Trotzdem drängte sich Toren nun eine Frage auf.
„Warum erzählen Sie mir das alles?“
„Die Frage ist durchaus berechtigt.“, antwortete Yadegar. Er ging langsam um den Alten herum und sah ihn an. „Die Maschine hat die Fähigkeit, das Leben desjenigen, der sie steuert, sehr, sehr stark zu verlängern. Das und die perfekte virtuelle Welt, die sie schafft, ist sozusagen die Belohnung für das Opfer des Bedieners. Sie greift auf eine unbekannte Art und Weise in den Stoffwechsel der Person ein und verlangsamt sämtliche Körperfunktionen, wodurch der Bediener sehr langsam altert. Eigentlich müsste Elios Gaard schon seit achthundert Jahren tot sein, aber wie Sie sehen, lebt er noch immer und kontrolliert die Maschine. Aber“, Yadegar seufzte, „die Maschine kann ihn nicht vor dem Tod retten. Er wird bald sterben. Seine Kräfte sind verbraucht und bald wird er vollständig in die Maschine eintauchen und seinen Frieden finden.“
„Wenn keiner mehr die Maschine steuert.“, fragte Toren. „Was passiert dann mit den gefangenen Seelen?“
„Diejenigen, die bleiben wollen, bleiben in der Maschine. Die anderen, die in die nächste Welt übergehen wollen, können dies tun. Es ist ihr freier Wille. Aber diejenigen, die vom Chaos infiziert sind, können in die wirkliche Welt zurückkehren, sich neue Körper suchen. Sie können sie in Besitz nehmen und weiterhin gegen die Mission des Imperators kämpfen. Und genau die sind unser Problem.“ Yadegar deutete auf die World Eaters, die begannen, unruhig zu werden.
„Wenn die Maschine nicht mehr kontrolliert wird, können wir davon ausgehen, dass sich unsere Freunde hier auf dem schnellsten Weg zurück in den Warp begeben werden. Sie werden Bericht erstatten und ihren Kameraden mitteilen, wo die Maschine zu finden ist, die Seelen bannt. Sie können sich vorstellen, was dann passiert.“
„Sie kommen zu Tausenden zurück und legen diese Welt in Schutt und Asche.“, sagte Toren leise.
„Und nicht nur diese Welt.“, erwiderte Yadegar. „Diesmal werden sie sich nicht aufhalten lassen. Sie werden alles, was sie auf dem Weg nach Grove´s Fall behindert, aus dem Weg räumen. Bis sie die Maschine endlich in ihrem Besitz haben. Hundert Regimenter der imperialen Armee könnten sie nicht aufhalten. Nicht einmal alle Truppen beim Tor von Cadia würden dafür ausreichen. Und genau das können und werden wir nicht zulassen.“
„Was wollen Sie tun, um das zu verhindern?“, fragte Toren.
„Bevor Elios stirbt, muss jemand seinen Platz in der Maschine einnehmen.“
Toren kam ein Verdacht. „Und wer soll diese Aufgabe übernehmen?“
Yadegar sah ihn an. „Sie.“

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Phaeron
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BeitragVerfasst am: 13.01.2013 20:14    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Fortsetzung

Toren erstarrte. „Ich? Wieso ich?“
„Weil Sie die am besten geeignete Person dazu sind.“
„Wieso soll ich die am besten geeignete Person dazu sein?“ Toren wich einen Schritt zurück. „Wieso sollte ich mich an diese Xenos-Maschine hängen?“
„Weil Sie schon seit Jahren innerlich tot sind.“, antwortete Yadegar. „Seit Fortis Gamma suchen Sie den Tod. Sie hoffen, dass er Sie an irgendeinem Ort der Galaxis endlich findet, damit Sie zu Anna und Cherryl können. Sie haben sich für jeden halsbrecherischen Einsatz gemeldet, der zu finden war und trotzdem haben Sie immer wieder überlebt. Sie haben überlebt, weil Sie hierher gehören.“
Torens Augen weiteten sich. Diesen Teil seiner Geschichte hatte er Yadegar nicht erzählt. Wahrscheinlich, weil es ihm erst in diesem Augenblick wirklich klar wurde.
Mit einem Mal waren der ganze Schmerz und das ganze Leid, das ihn die letzten Jahre verfolgt hatte, wieder da. Die Erinnerungen an Fortis Gamma brachen wie eine gigantische Welle über ihn herein und er fühlte sich wieder so leer und ausgebrannt, wie am Morgen.
„Woher wissen Sie...“
„Glauben Sie mir, ich weiß es. Sie können ein gutes Werk tun“, sprach Yadegar weiter. „Sie können diese Maschine weiter am Laufen halten und diese Chaos-Marines bändigen. Und Sie können sich eine Welt erschaffen, in der es Ihnen ermöglicht wird, glücklich und in Frieden weiterzuleben. Die Maschine kann aus Ihren Erinnerung eine Welt kreieren, in der Anna und Cherryl immer noch leben. Es ist natürlich nur virtuell und es sind nicht die wahren Seelen der beiden, aber Sie werden keinen Unterschied merken. Sie können Ihr ganzes Leben mit Ihrer Familie nachholen.“
Toren wurde hin und her gezerrt zwischen dem Leid seiner Erinnerung und der Chance, wieder mit seiner Familie zusammen zu sein. Er musste an all die verpassten Geburtstage denken, an all die Sommerfeste in ihrem kleinen Dorf, an all die kleinen wertvollen Momente, die ihm entgangen waren und es schmerzte ihn sehr. Er hatte so oft in seiner Kabine auf den Transferflügen gelegen und sich zurück nach Hause geträumt. Wenigstens im Geist wollte er mit seiner Familie und seinen Freunden glückliche Zeiten verbringen.
Und Yadegar hatte Recht. Er war dem Tod hinterhergelaufen. Er war in den Jahren nach Annas und Cheryls Tod so erfüllt von Hoffnungslosigkeit und Trauer gewesen, dass ihm sein eigenes Leben unwichtig geworden war. Und es wäre ihm jederzeit recht gewesen, wenn irgendein Chaos-Soldat sein Leben beendet hätte.
„Was müsste ich tun, wenn ich in der Maschine bin?“, fragte Toren.
„Die Maschine arbeitet fast autark. Sie wird einen kleinen Teil Ihres Gehirns für die Steuerung benutzen, aber Sie merken davon nichts. Sie müssen nur am Anfang etwas Input liefern, damit die Maschine die virtuelle Arbeit erledigen kann, aber das geht sehr schnell.“
Toren ging von der Maschine weg und schritt durch den Raum. Die World Eaters folgten ihm. Ihre Lippen bewegten sich wieder wortlos, als wollten sie ihn von der Entscheidung abbringen, die sie weiterhin an die Maschine fesseln konnte.
Aber Toren traf die Entscheidung.
Er drehte sich um. „Das Memoratum wird mich suchen.“
„Ich kenne die Kommandantur der planetaren Polizei sehr gut. Ich werde eine schöne Geschichte erfinden.“, erwiderte Yadegar.
Toren ging zurück zur Maschine. „Dann lassen Sie es uns tun.“
Yadegar sah Toren einige Sekunden in die Augen, als wollte er die Ernsthaftigkeit dieser Entscheidung prüfen.
„In Ordnung. Wir benutzen das Kopfteil und Ihre Transferbuchse, wie bei Elios. Wenn wir ihn entkoppeln, haben wir sechzig Sekunden Zeit, Sie anzuschließen, bevor der Energiepuffer leer ist. Dann brechen die Bindungen zur Maschine zusammen, aber wir sollten rechtzeitig fertig werden.“
„Wenn ich in der Maschine bin, werden Sie dann noch da sein und ab und zu nach mir sehen? Es könnte alles Mögliche passieren.“
„Das ist seit Jahrhunderten ist die Aufgabe der Tuscanys.“, antwortete Yadegar. „Sie werden niemals allein sein.“
„Und wenn ich irgendwann mal so alt wie Elios bin, werden Sie dann wieder jemanden wie mich finden?“
„Das werden wir tun, solange es notwendig ist.“
„Dann lassen Sie uns anfangen.“
Yadegar drückte einige Tasten an der Maschine und verschiedene Symbole leuchteten auf.
„Ich stelle die Maschine auf Bedienerwechsel ein.“ Er hielt seinen Zeigefinger über einer schwarzen Taste. „Wenn ich diesen Knopf drücke, läuft die Zeit. Gehen Sie an Elios´ linke Seite. Wenn ich den Stecker gezogen und das Kopfteil entfernt habe, packen wir ihn unter den Armen und legen ihn hier vorne hin.“ Er deutete auf den Boden vor dem Stuhl. „Dann werde ich Sie anschließen und die Maschine in den Normalmodus zurückstellen. Das war’s. Sein Körper wird schnell sterben. Ich werde ihn später begraben.“
Toren sah den alten Elios an und stellte sich langsam an seine linke Seite.
„Sind Sie bereit?“, fragte Yadegar. Er stand an Elios´ rechter Seite, bereit, den Knopf zu drücken.
„Noch eine Frage. Wie haben sie mich gefunden?“
Yadegar lächelte. „Die Maschine hat Sie gefunden.“
Toren nickte ihm nur zu. Dann griff er nach Elios´ Arm.
Letzte Chance, dachte er. Aber die richtige Wahl.
 “Bereit.“
Yadegar drückte den Knopf. Sofort begannen Lichter zu blinken und ein sanfter Warnton war zu hören. Die World Eaters gerieten sofort in helle Aufregung. Dies wäre die einzige Chance gewesen, der Maschine zu entkommen, aber sie waren hilflos und dazu verdammt zuzusehen, wie ihr Gefängnis einen neuen Wärter bekam. Yadegar zog den Stecker aus Elios Nacken und schob das Kopfteil zurück. Sie packten den alten Memorator, zogen ihn hoch und legten ihn sanft auf den Boden. Toren sah den leeren Stuhl und eine Woge aus Angst umspülte ihn. Er kämpfte sie nieder und ging langsam auf den Stuhl zu. Er sah Yadegar an. Der schien äußerlich ruhig zu sein, aber in seinen Augen stand die Aufregung. Langsam setzte sich Toren. Die Polster waren hart von den Jahrhunderten. Er legte seine Arme auf die Stuhllehnen. Yadegar kam in sein Blickfeld.
„Ich danke Ihnen, mein Freund.“
Toren nickte ihm zu und ein dünnes Lächeln entrang sich seinen Lippen, fast so wie das, welches Elios dem Berserker schenkte.
Yadegar legte Toren das Kopfteil an und schob den Stecker in Torens Transferbuchse. Ein elektrischer Schlag durchfuhr seinen Kopf. Yadegar drückte drei Tasten an der Maschine und die Lichter kamen wieder zur Ruhe. Der Alarmton verstummte und der Austausch war beendet. Die Geister der World Eaters schrien lautlos ihren Frust heraus. Yadegar beobachtete sie, wie sie vor Wut versuchten den Raum zu verlassen und doch nicht weiter als bis zur Tür kamen. Sie schlugen mit ihren riesigen Fäusten auf die Wände ein und konnten doch nichts ausrichten. Für einen Moment taten sie Yadegar fast leid, aber er erinnerte sich an das millionenfache Elend, dass die Legion der World Eaters nach ihrem Fall der Galaxis gebracht hatten. Elios Gaard hatte recht damit, diese Sechs hier zu bannen. Diese Verräter hier für immer leiden zu lassen, brachte wenigstens einen kleinen Teil der Vergeltung, den die World Eaters verdient hatten.
Er sah zu Toren. Seine Augen waren fast geschlossen, sein Kopf gesenkt. Er sah wie der alte Elios Gaard aus und Yadegar war sicher, dass Toren ein guter Hüter der Maschine sein würde. Er prüfte  nochmal alle Einstellungen und vergewisserte sich, dass der Stecker richtig in Torens Nacken saß. Dann hob er Elios Gaards Körper auf und verlies mit langsamem Schritt den Raum. Sein Werk war getan.

Gleich nachdem der Stromschlag abgeklungen war, stürzte Toren in einen Wirbel aus Licht und Farben. Er versuchte, an Anna und Cherryl zu denken, sie in seinem Kopf zu fixieren. Dann traf ihn ein harter Schlag und raubte ihm die Sinne. Nur eine Sekunde später schlug er die Augen auf. Er stand auf einer Wiese, einer sommerlichen Wiese mit grünem Gras und Wildblumen. Eine gelbweise Sonne stand am Himmel. Um ihn herum wuchsen vereinzelt riesige Bäume und es roch nach frischer unverbrauchter Luft, nicht nach dem recycelten Gasgemisch auf den Raumschiffen. In der Ferne waren die Konturen eines kleinen Dorfes zu sehen. Toren fühlte sich gut. Die Temperatur war angenehm und eine milde Brise wehte. Er sah sich um und erkannte die Umgebung. Das war sein Heimattal auf Fortis Gamma. Toren begann, loszulaufen. Er marschierte zügig über die sanften Hänge auf das Dorf zu. Kleine Insekten umschwirrten seinen Kopf, aber das störte ihn nicht. Lächelnd scheuchte er sie mit einer vorsichtigen Handbewegung davon. Toren sah sich beim Laufen immer wieder um. Die Welt, die die Maschine erschaffen hatte, sah wirklich genauso aus, wie sein Zuhause. Der Gesang der Vögel, der Geruch der Sträucher, alles absolut wirklichkeitsgetreu. Aber Moment, was dachte er da? Das hier war sein Zuhause. Gedankenfetzen von riesigen Raumschiffen durchflogen seinen Geist. Kalte, sterile Räume aus Eisen tauchten vor seinem inneren Auge auf, Bilder von hünenhaften Soldaten, uniformierten Männern und Frauen und vielen Toten und Verletzten. Was sind das nur für Gedanken, dachte er und hielt sich die Schläfen. Doch dann begannen diese verwirrenden Bilder, sich aufzulösen und wie warmes Wasser aus seinem Geist zu tropfen. Das Bild eines weiteren Mannes tauchte auf. Ein junger Mann mit sympathischem Äußeren, der ihn anlächelte. Dann ein steingraues Schloss, das so gar nicht in die bewaldete Umgebung passte. Die Lippen des Mannes bewegten sich tonlos. Dann weitere Bilder von rosafarbenen Schemen. Toren kämpfte gegen diese Bilder an. Er wollte sie aus seinem Geist vertreiben. Was ging da nur in seinem Kopf vor? Er war noch nie von Fortis Gamma weggekommen. An was erinnerte er sich da nur? Dann zerflossen auch diese Bilder und einen Moment später hatte Toren sie vergessen. Er ging weiter auf das kleine Dorf zu. Von Weitem sah er schon sein kleines Haus. Zwei Köpfe sahen aus dem Fenster. Dann verschwanden sie wieder und die Haustür öffnete sich. Eine Frau und ein Kind kamen heraus und winkten ihm zu. Das Kind begann, auf ihn zuzulaufen. Anna und Cherryl waren schon zuhause.

ENDE


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Phaeron
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BeitragVerfasst am: 15.07.2013 10:46    Titel: Upps, kleiner Fehler pdf-Datei Antworten mit Zitat

Auf der Seite 6 der Geschichte (vorletzte Seite) ist mir ein Fehler unterlaufen. Natürlich wird Elios von den Marines gefangen gehalten und nicht Toren. Bitte an der Stelle im Kopf die Namen tauschen. Im Abschnitt darüber und danach stimmt es wieder.

Phaeron
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