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Schattenwelt (Titel noch in Bearbeitung)


 

 
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Belzustra
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 33
Beiträge: 342
Wohnort: Belgien


BeitragVerfasst am: 25.11.2011 15:30    Titel: Schattenwelt (Titel noch in Bearbeitung) eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Irgendwo am Rande meines Bewusstseins schlummert ein unangenehmer Gedanke.
Ich versuche ihn zu ignorieren, um den Traum, der mir bereits zu entgleiten droht, festhalten zu können. Doch es gelingt mir nicht. Ich wache langsam auf.
Ein leichter Schmerz zuckt durch meinen Rücken, als ich mich zu bewegen versuche und ein Geräusch, metallisch und rasselnd, gesellt sich hinzu.
Mir ist kalt.
Der Gedanke, der nicht verdrängt werden will, schiebt sich in mein Sichtfeld und in großen Lettern schreibt er sein Anliegen von innen, gleich vor die geschlossenen Lider.
„IRGENDETWAS STIMMT HIER NICHT!“

Ich öffne meine Augen und im ersten Moment, glaubt mein Verstand sich noch im Traumland.
Denn keine flauschige Decke schmiegt sich um meinen Körper. Kein Traumfänger baumelt über meinem Kopf. In meiner Brust beginnt mein Herz zu hämmern.
Backsteinwände umgeben mich und auf einem Betonfußboden liege ich. Meine Hände, über meinem Kopf gestreckt, mit Handschellen an ein metallenes Rohr gekettet, dass sich vom Boden bis zur Decke erstreckt.
„Oh, mein Gott. Was geht hier vor? ... Wo bin ich? … Was mache ich hier?“ In meinem Hals bildet sich ein großer Kloß und Tränen steigen drängend in Kanälen hoch. Ich bekomme keine Luft.
Meine Lippen, mit Klebeband versiegelt, lassen keinen Laut hindurch und so formen sich panische Schreie in meiner Kehle.
Ich zerre an den Fesseln, doch mein Befreiungsversuch bringt mir nur Schmerz ein. Kalt und unnachgiebig drückt sich das Metall in meine Haut und reißt sie ein. Blut fließt in sanften Bahnen meine Gelenke hinunter, es läuft über meine Arme. Ich ziehe mich in eine sitzende Position und gebe die Anstrengung auf. Ich warte.
Nach einer scheinbaren Ewigkeit höre ich Schritte, die sich jenseits der massiven Stahltür nähern. Alle meine Muskeln sind zum Zerreißen angespannt. Ich habe mehr als nur Angst und halte die Luft vor Schrecken an.
Ich höre leise Stimmen, doch kann nicht verstehen, was sie sagen. Dann erfolgt ein tiefes Klickgeräusch, die Entsicherung des Schlosses und schon schwingt die Tür mit einem langgezogenen Quietschen auf.

Zwei Frauen und ein Mann betreten meine Zelle. Mit gesenkten Köpfen nähern die Frauen sich mir, während der Blick des Fremden brennend auf mir ruht. Die Ältere von beiden, in einfache saubere Gewänder gehüllt, kniet sich neben mich, während die Jüngere, ein recht hübsches Mädchen mit blonden Locken einen großen Flechtkorb neben mir platziert und sich daneben niederlässt. Mit Narben und Schwielen überzogene Hände nähern sich den Knöpfen meiner Bluse...
Ich bäume mich auf, versuche mit den ungefesselten Füßen nach ihnen zu treten. Doch sie weichen zurück und ich treffe nur Leere.
Entrüstet blickt die Alte den Mann an. Er sieht brutal und furchteinflößend aus. Seine Züge sind kantig, sein Blick gleicht dem eines Raubtiers. Er trägt Leder von Kopf bis Fuß. Breitbeinig und mit verschränkten Armen füllt er einen Großteil des Türrahmens aus.
„Sie ist bei klarem Verstand! So kann ich meine Arbeit nicht machen!“
Der Hüne zuckt mit den breiten Schultern: „Das war Diegos Aufgabe. Er meinte, sie würde erst in 3 Stunden wieder voll zu sich kommen.“
„Nun, da hat Diego sich geirrt. Hol ihn her!“
Die Augen des Mannes formen sich zu Schlitzen und mit kalter Wut in der Stimme bewegt er sich auf die Frau zu: „Du wagst es, mir einen Befehl zu erteilen?“, seine rechte Hand nähert sich ihrem Gesicht und mit weit aufgerissenen Augen verfolge ich, wie der Nagel seines Zeigefingers in die Länge wächst. Ich kann die Furcht der Fremden spüren und das Entsetzen, das sich ihrer bemächtigt, als sich die Spitze seiner Kralle unter ihr Kinn legt und ihren Kopf hebt, so dass sie keine andere Wahl hat, als dem Mann in die Augen zu schauen.
„Natürlich nicht. Es tut mir Leid.“, wimmert sie um ihr Leben, wie ich vermute und plötzlich wird mir die Bedrohlichkeit meiner Situation umso bewusster.

„Ich will nicht sterben!“, brülle ich verzweifelt in meinem Kopf. Mein Herz rast dermaßen schnell, dass ich befürchte, es könne zu schlagen aufhören, wenn ich mich nicht beruhigt bekomme, doch an Beruhigung ist nun nicht mehr zu denken. Panik lenkt meine Bewegungen und lähmt den Schmerz, der sich in meinen Armen ausbreitet. Ich spüre ihn kaum. Ich bemerke auch nur am Rande, dass der Mann von der Frau ablässt und den Raum verlässt und höre nur grob, wie das Mädchen aufgeregt flüstert und wie die Frau barsch antwortet.
Plötzlich legt sich eine Aura aus wohltuender Wärme um mich. Ich blicke hoch und blicke direkt in das Antlitz eines Engels. Eine unangenehm kratzige Stimme unterbricht für einen kurzen Moment meinen Frieden: „Mach es aber diesmal richtig“, brüllt sie, bevor ich wieder in diese saphirblauen Augen eintauche und mich dem Gefühl von Sicherheit hingebe.
Und als sich der Bote Gottes von mir abwendet bin ich bar jeglichen Gefühls. Ich atme, ruhig und gleichmäßig und ich sehe.

Knopf für Knopf öffnet die alte Frau nun meine Bluse. Sie entblößt meinen Oberkörper, zieht mich komplett aus. Mein Körper ist blass, er zittert und Gänsehaut bedeckt jeden Quadratzentimeter. Ich spüre keine Kälte. Das Mädchen reicht der Alten aus dem Korb einen Schwamm und mit geübten Bewegungen säubert sie mein Gesicht und meinen Hals.
„Können wir die Handschellen entfernen?“, fragt sie mit unterwürfigem Blick und flüstert: „Ich würde sie dem König ungern mit blutverkrusteten Handgelenken vorführen.“ Ich beobachte, wie sich der Mann nähert. Er beugt sich herunter und mit einem leisen Klick lösen sich die Fesseln.
Die Fremde säubert die Wunden. Druckstellen ziehen sich kreisförmig und tief um meine Handgelenke herum. Ein Punkt in der Ferne erweckt meine Aufmerksamkeit und ich starre minutenlang apathisch die Wand an. Als ich mich dem Geschehen wieder zuwende, schmiegt sich ein dunkelviolettes Kleid um meinen Körper und eine Bürste kämpft sich durch mein langes wildes Haar.
„Besser bekomme ich es nicht hin, Nana“, flüstert das Mädchen, „ihr Haar macht, was es will.“
„Es ist in Ordnung so“, bestimmt die Alte und richtet das Wort an den Türwächter, „Wir sind hier fertig.“ Sie stehen auf, räumen ihre Utensilien zusammen und verlassen den Raum.

Ein paar Momente lang höre ich noch ihre Schritte, bis sie in der Ferne verklingen. Dann erfüllt tiefes Schweigen die Räumlichkeiten.
In meinem Rücken die Eisenstange, meine Hände in meinem Schoss verschränkt, klärt sich allmählich mein Verstand wieder. Entsetzt blicke ich an mir herunter. Ich verstehe die Welt nicht mehr.

Nur kurze Zeit später öffnet sich die Tür erneut und ein anderer Mann tritt herein. Er sagt kein Wort, greift bloß nach meinem Arm, zieht mich hinter sich her, auf den Flur hinaus. Eine kleine Kolonne junger und hübscher Frauen reiht sich hintereinander auf. Nichtssagend schauen ihre Augen in die Leere. Und ich beginne ansatzweise zu verstehen.

Es gibt da diese Welt am Rande meiner Welt, von der ich fast gar nichts weiß, außer, dass sie existiert. Mutter sagte immer: „Uns gehört der Tag, doch ihnen“, und sie senkte ihre Stimme, als ob man sie belauschen könnte, „gehört die Nacht. Halte dich von ihnen fern, meide die Dunkelheit. Verschleiere dein Gesicht in der Dämmerung und solltest du einem von ihnen begegnen, so tue, was er sagt, sonst bist du tot.“ Ich dachte immer, sie würde übertreiben, sie würde versuchen mir Angst zu machen. Denn als sie mir diese Dinge beibrachte, war ich noch ein Kind, ein neugieriges ungezügeltes Kind, das sich nach Freiheit sehnte. Doch nun, 10 Jahre nach ihrem Tod, marschiere ich zwischen mental beeinflussten Frauen, als Einzige bei klarem Verstand und es fühlt sich an, als würde ich zur Streckbank geführt, für ein Verbrechen, das mir als solches nicht bewusst war.

Unsere zaghaft schlurfenden Schritte, nackte Füße auf steinernem Untergrund, hallen leise zwischen den engen Wänden wider. Sie sind mit kunstvollen Wandteppichen geschmückt. Deren Motive jedoch, grausame Schlacht- und Liebesszenen, geben mir das Gefühl unbedeutend zu sein. Ja, sie verhöhnen mich regelrecht, sie verhöhnen meine Existenz. Rechts und links von mir zweigen regelmäßig Türen ab, aus schwerem dunklen Holz gefertigt, sehen sie derart stabil aus, dass ich mir vorstelle, wie über die Jahrhunderte die Mauern aus Stein, um sie herum zusammen fallen. Doch sie ragen zwischen den Ruinen immer noch stolz und mächtig gen Himmel, unberührt von Raum und Zeit.
Der Wächter führt uns weiter und wir steigen eine schmale Treppe ins nächsthöhere Geschoss hoch.
Wir treten durch eine Tür und plötzlich sind wir umgeben von Prunk und Luxus. Ich bemühe mich, mein Erstaunen zu verbergen und meine Blicke unauffällig schweifen zu lassen. Die Tapeten an den hohen Wänden sind in einem hellen Beigeton gehalten und kleine Goldfäden ziehen sich in komplizierten Mustern durch Wände und Decken. Der Boden, aus dunklem Granit lässt meine Füße frieren und macht es mir schwer mein Zittern zu verbergen. Alle paar Meter wird unser Gang von weißen Marmorstatuen gesäumt. Sie blicken, so groß wie ein Mann, auf mächtigen Sockeln stehend, mit bedrohlichen Blicken auf uns herab. Das Erschreckendste an ihnen sind die Gesichter, monsterhaft verzehrt. Mit Raubtieraugen und spitzen Reißzähnen, erinnern sie eher an Alptraumgestalten, als an reale Personen. Nicht selten sehe ich zu ihren Füßen, oder in ihren Armen, eine tote Frau, ein totes Kind, einen toten Mann. Diese Statuen, diese offene Zurschaustellung von Brutalität und Gewalt, sie schüchtert mich ein, verkrampft vor Furcht mein Herz und lässt die Luft, die ich atme, dick und zähflüssig wirken.

Plötzlich öffnet sich in einiger Entfernung vor uns eine Tür.
„Wie kannst du nur so ein Angebot ausschlagen“, höre ich die aufgeregte Stimme eines Mannes, „da bietet dir Sirius genau das an, was du immer haben wolltest und du willst es ablehnen.“
„Ich wäre ihm etwas schuldig und das liegt nicht in meinem Interesse. Vor allem jetzt, wo die alte Schuld endlich beglichen wurde“, antwortet ein anderer und ich erkenne den Klang seiner Worte sofort. Und dann sehe ich ihn und augenblicklich umhüllt mich eine Wolke aus wohltuender Wärme.  
„Hey Balthasar“, brüllt unser Wächter, „hat dir Leandra gestern noch die Hölle heiß gemacht?“
Er bleibt stehen, wir tun es auch. „Ach, halt die Klappe, Karl“, antwortet er.
Diego grinst Balthasar schelmisch an und klopft dem Mann auf die Schulter: „Ja, ja, du und deine Frau. Ich frage mich gar nicht mehr, wer von euch beiden die Hose anhat.“
Ich höre ihn reden und mein Herz schlägt schneller. Warum? Furcht ist es nicht, die ich in seiner Anwesenheit fühle. Und als ob er das aufgeregte Pochen in meiner Brust hören könnte, dreht er sich plötzlich zu mir herum und blickt mich an, mit Augen, die in mein Innerstes zu schauen scheinen. Ich versuche, so unbeteiligt wie möglich zu wirken. Doch sein durchdringender Blick lässt mir das Blut in meinen Adern zu Kopf steigen.  
Balthasar und Karl unterhalten sich im Hintergrund weiter. Ich kann hören, dass sie reden, was sie sagen, verstehe ich nicht.

Diegos engelhaftes Antlitz bewegt sich auf meines zu. Nur Zentimeter trennen unsere Gesichter und ich halte den Atem an. Er hebt seine rechte Hand, streicht damit mein Haar zur Seite und entblößt meinen Hals. Dann beugt er seinen Kopf und seine kalte Nasenspitze streift die zarte Haut kurz oberhalb meines Schlüsselbeins. Ich spüre Gänsehaut und höre, wie er durch die Nase Luft einsaugt. Er fährt meinen Hals hoch und verharrt an meinem Ohr.
„Was bist du“, säuselt er mit rauer Stimme, „du riechst anders.“
Bevor ich die Worte zurückhalten kann, sind sie auch schon meinen Lippen entschlüpft.
„Vielleicht besteht der Unterschied darin, dass ich lebendig rieche und du nach Tod stinkst“, flüstere ich und halte im nächsten Moment auch schon wieder, absolut entsetzt von mir, die Luft abwartend an. Ich kneife meine Augen zusammen, erwarte den stechenden Schmerz, kurz vor dem Tod, kurz bevor der Kopf vom Hals getrennt oder das Blut aus den Adern gesaugt wird, doch nichts passiert. Ich öffne sie zaghaft wieder und begegne dem belustigten Blick des Vampirs. In seinen Augen ein goldenes Funkeln und auf seinen Lippen ein amüsiertes Lächeln.
Da tritt Karl von hinten an Diego heran. Schnell sehe ich wieder nach vorne und versuche ausdruckslos zu schauen, obwohl unaufhörlich Gedanken durch meinen Kopf rattern.
„Hey, Diego. Ich muss weiter. Sehen wir uns nachher, Bruder?“
„Klar, Karl. Wie immer um zehn bei Viktor?“ Karl nickt, setzt sich wieder an die Spitze unserer Kolonne und führt uns weiter. Bis zur nächsten Biegung kann ich Diegos Blick in meinem Rücken spüren. Ich drehe mich nicht herum.

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Leanna
Hobbyautor


Beiträge: 326



BeitragVerfasst am: 25.11.2011 19:34    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe mir deinen Text durchgelesen- und bin positiv überrascht.
Er hat mir ausgesprochen gut gefallen. Gerne mehr davon!
Ein paar Details hätte ich aber dann doch noch Wink :

„Oh, mein Gott. Was geht hier vor? ... Wo bin ich? … Was mache ich hier?“
Ist Geschmackssache, aber ihre Gedanken fand ich irgendwie- ich weiß auch nicht genau, wie ich es erklären soll- unpassend.
Der Leser weiß ja, dass sie Angst hat, da braucht es das nicht.
Ist nur meine Meinung!

Tränen steigen drängend in Kanälen hoch
Hm, das gefällt mir nicht sooo...

Unsere zaghaft schlurfenden Schritte, nackte Füße auf steinernem Untergrund, hallen leise zwischen den engen Wänden wider....
und weiter...

Diesen Absatz (ich hoffe, du weißt was ich genau meine...) fand ich ein bisschen langweilig.
Adjektive nimmst du auch oft und gerne her?^^

„Vielleicht besteht der Unterschied darin, dass ich lebendig rieche und du nach Tod stinkst“
Mein Lieblingssatz!

Ich bin noch nicht so erfahren bzgl. kritisieren usw.
 Wink
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Belzustra
Geschlecht:weiblichHobbyautor

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Beiträge: 342
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BeitragVerfasst am: 26.11.2011 01:06    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Liebe Leanna,

freut mich, dass es dir gefallen hat.

Zitat:
„Oh, mein Gott. Was geht hier vor? ... Wo bin ich? … Was mache ich hier?“
Ist Geschmackssache, aber ihre Gedanken fand ich irgendwie- ich weiß auch nicht genau, wie ich es erklären soll- unpassend.
Der Leser weiß ja, dass sie Angst hat, da braucht es das nicht.
Ist nur meine Meinung!

An dieser Stelle geht es nicht nur darum, dass der Leser versteht.
Ich finde es logisch, dass die Protagonistin genau an dieser Stelle diese Gedanken denkt. Sie weiß nicht, wo sie ist und sie weiß nicht, was man von ihr will, also stellt sie sich ausdrücklich diese Fragen.

Zitat:
Tränen steigen drängend in Kanälen hoch
Hm, das gefällt mir nicht sooo...

 lol Mir auch nicht. Da stolpere ich jedes Mal beim Lesen drüber. Ich muss mir wirklich einmal etwas anderes ausdenken.

Zitat:
Unsere zaghaft schlurfenden Schritte, nackte Füße auf steinernem Untergrund, hallen leise zwischen den engen Wänden wider....
und weiter...
Diesen Absatz (ich hoffe, du weißt was ich genau meine...) fand ich ein bisschen langweilig.
Adjektive nimmst du auch oft und gerne her?^^

Ich dachte, hier sei endlich Zeit für ausführliche Umgebungsbeschreibung. Was die Adjektive angeht. Ich werde mir die Textpassage noch einmal vornehmen.

Zitat:
„Vielleicht besteht der Unterschied darin, dass ich lebendig rieche und du nach Tod stinkst“
Mein Lieblingssatz!
*grins*

Danke für deine Mühe.
Und guten Start ins Wochenende  wink
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Leanna
Hobbyautor


Beiträge: 326



BeitragVerfasst am: 26.11.2011 01:14    Titel: Antworten mit Zitat

Dankeschön, wünsche ich dir auch!
Wie ich bereits geschrieben habe, ich bin (noch) nicht so geübt Wink
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Gast







BeitragVerfasst am: 26.11.2011 09:07    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Morgen Inko/a,

erst dachte ich: zu viel Text fürs Forum, dann habe ich doch zu Ende gelesen.
Ich finde, du erzeugst die Stimmung gut und ich würde auch gerne wissen, wie es weitergeht.

Trotzdem würde ich dir raten zu straffen. Es gibt für meinen Geschmack einige Sätze, die du ganz oder teilweise streichen kannst. Manche sind einfach überflüssig. (Vielleicht doch erst in die Werkstatt?)
Die Tränen, die in den Kanälen aufsteigen, stören mich auch.
Und schade finde ich es, dass dann doch alles (vorerst) in einer Vampirstory endet.
Ich meine, du solltest noch mal ran und die Geschichte überarbeiten.

Liebe Grüße
Monika
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Belzustra
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 33
Beiträge: 342
Wohnort: Belgien


BeitragVerfasst am: 26.11.2011 09:29    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Guten Morgen Paloma,

Zitat:
erst dachte ich: zu viel Text fürs Forum,

Wollte es eigentlich auch in 2 teilen, aber im Grunde genommen sind es nur 68 Worte zu viel und da die Geschichte natürlich noch nicht zu Ende ist...

Zitat:
dann habe ich doch zu Ende gelesen.

 smile

Zitat:
Trotzdem würde ich dir raten zu straffen. Es gibt für meinen Geschmack einige Sätze, die du ganz oder teilweise streichen kannst. Manche sind einfach überflüssig. (Vielleicht doch erst in die Werkstatt?)

Was meinst du? Kannst du Beispiele geben? Verwende ich dir auch zu viele Adjektive, sind meine Sätze zu lang?

Zitat:
Und schade finde ich es, dass dann doch alles (vorerst) in einer Vampirstory endet.

Ich weiß, das Thema ist schon sehr ausgekaut, aber ich habe noch nie über Vampire geschrieben und wollte es einfach mal versuchen. Ich dachte, wenn ich aus einer Perspektive erzähle, die vielleicht ein wenig ungewöhnlich bzw. anders wäre, dann würde das Thema nicht ganz so abgedroschen wirken. Schade, dass dir das nicht gefällt. cry

Zitat:
Ich meine, du solltest noch mal ran und die Geschichte überarbeiten.

Das sowieso.
Noch ein paar Anregungen und Kritiken mehr und ich werde mich frischen Mutes an die Sache machen.

Vielen Dank für deine Kritik.

Ich wünsche einen schönen Samstag.
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kskreativ
Geschlecht:weiblichMärchenerzähler

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Beiträge: 3421
Wohnort: Ezy sur Eure, France


BeitragVerfasst am: 26.11.2011 09:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,
Eines vorweg, ich bin jetzt auch kein Leser von Vampirstorys, doch die bisherige Beschreibung Diegos, (nicht zufällig verwandt mit dem vom Dorfbrunnen?), macht mich neugierig. Den Text finde ich soweit ganz gelungen, ein paar Sätze stören mich:
Zitat:
Backsteinwände umgeben mich und auf einem Betonfußboden liege ich.
Klingt etwas merkwürdig.
Ich liege auf einem Betonfußboden, umgeben von Backsteinwänden.
Zitat:
In meiner Brust beginnt mein Herz zu hämmern.
Passivsatz, lieber aktiv schreiben: Mein Herz hämmert in meiner Brust.
Zitat:
In meinem Hals bildet sich ein großer Kloß und Tränen steigen drängend in Kanälen hoch. Ich bekomme keine Luft.
Wurde ja schon angemerkt, seltsame Formulierung. keine Luft bekommen stimmt so nicht, dann wäre sie am Ersticken. Ich bekomme nur schwer Luft, vielleicht?
Zitat:
und so formen sich panische Schreie in meiner Kehle.

Auch etwas umständlich ausgedrückt. Stumme Schreie bilden sich in meiner Kehle. Dass sie Panik hat, ist ohnehin schon klar. So viel fürs Erste.
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BeitragVerfasst am: 26.11.2011 18:48    Titel: Re: Schattenwelt (Titel noch in Bearbeitung) Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

irgendwie hatte ich heute Morgen wohl Tomaten auf den Augen. Ich dachte wir wären hier in der Prosa tss tsss ... Rolling Eyes
Es macht doch auch nix, wenn mir die Vampire nicht soo gut gefallen - die Story gefällt mir trotzdem und es gibt genügend Fans. smile

Inkognito hat Folgendes geschrieben:

Was meinst du? Kannst du Beispiele geben? Verwende ich dir auch zu viele Adjektive, sind meine Sätze zu lang?


O.k. ich mach mal - sind aber nur Vorschläge und ist nur meine höchstpersönliche Meinung. Vielleicht hilft es dir ein bisschen.


Inkognito hat Folgendes geschrieben:
Irgendwo am Rande meines Bewusstseins schlummert ein unangenehmer Gedanke.
Ich versuche ihn zu ignorieren, um den Traum, der mir bereits zu entgleiten droht, festhalten zu können. Doch es gelingt mir nicht. Ich wache langsam auf.
Ein leichter Schmerz zuckt durch meinen Rücken, als ich mich zu bewegen versuche und ein Geräusch, metallisch und rasselnd, gesellt sich hinzu.
Mir ist kalt.
Der Gedanke, der nicht verdrängt werden will, schiebt sich in mein Sichtfeld und in großen Lettern schreibt er sein Anliegen von innen, gleich vor die geschlossenen Lider.
„IRGENDETWAS STIMMT HIER NICHT!“

Ich öffne meine Augen und im ersten Moment, glaubt mein Verstand sich noch im Traumland.
Denn keine flauschige Decke schmiegt sich um meinen Körper. Kein Traumfänger baumelt über meinem Kopf. In meiner Brust beginnt mein Herz zu hämmern.
Backsteinwände umgeben mich und auf einem Betonfußboden liege ich. ( ... ich liege auf einem Betonboden) Meine Hände, über meinem Kopf gestreckt, mit Handschellen an ein metallenes Rohr gekettet, dass sich vom Boden bis zur Decke erstreckt.
„Oh, mein Gott. Was geht hier vor? ... Wo bin ich? … Was mache ich hier?“ (Ich persönlich halte von diesen Fragen in direkter Sprache gar nix. Ist aber sicher Geschmacksache. Mir würde es besser gefallen, sie indirekt zu stellen. Ich frage mich ... was geht hier vor? )In meinem Hals bildet sich ein großer Kloß und Tränen steigen drängend in Kanälen hoch. Ich bekomme keine Luft. (Über die Tränenkanäle wurde ja gesprochen und wenn man keine Luft bekommt, erstickt man)Meine Lippen, mit Klebeband versiegelt, lassen keinen Laut hindurch und so formen sich panische Schreie in meiner Kehle.
Ich zerre an den Fesseln, doch mein Befreiungsversuch bringt mir nur Schmerz ein. Kalt und unnachgiebig drückt sich das Metall in meine Haut und reißt sie ein. Blut fließt in sanften Bahnen meine Gelenke hinunter, es läuft über meine Arme. Ich ziehe mich in eine sitzende Position und gebe die Anstrengung auf. Ich warte.
Nach einer scheinbaren Ewigkeit höre ich Schritte, die sich jenseits der massiven Stahltür nähern. Alle meine Muskeln sind zum Zerreißen angespannt. Ich habe mehr als nur Angst und halte die Luft vor Schrecken an.
An dieser Stelle frage ich mich, wie beleuchtet die Umgebung eigentlich ist. Sie kann erkennen, dass die Stahltüre massiv ist?
Ich höre leise Stimmen, doch kann nicht verstehen, was sie sagen. Dann erfolgt ein tiefes Klickgeräusch, die Entsicherung des Schlosses und schon schwingt die Tür schwingt mit einem lang/gezogenen Quietschen auf.
Wobei "schwingen" eine schnelle Bewegung ist. Die Tür kann dann nichts langgezogen quitschen.
Zwei Frauen und ein Mann betreten meine Zelle. Mit gesenkten Köpfen nähern die Frauen sich mir, während der Blick des Fremden brennend auf mir ruht. Die Ältere von beiden, in einfache saubere Gewänder gehüllt, kniet sich neben mich, während die Jüngere, ein recht hübsches Mädchen mit blonden Locken einen großen Flechtkorb neben mir platziert und sich daneben niederlässt. Mit Narben und Schwielen überzogene Hände nähern sich den Knöpfen meiner Bluse Leerzeichen ...
Ich bäume mich auf, versuche mit den ungefesselten Füßen nach ihnen zu treten. Doch sie weichen zurück und ich treffe nur Leere.

Entrüstet blickt die Alte den Mann an. (Falsche Perspektive. Sie kann nur vermuten, dass der Alte entrüstet ist) Er sieht brutal und furchteinflößend (Furcht einflößend) aus. Seine Züge sind kantig, sein Blick gleicht dem eines Raubtiers. Ich finde, kantige Züge und Raubtierblick passt nicht gut zusammen.
Er trägt Leder von Kopf bis Fuß. (auch im Gesicht?) Breitbeinig und mit verschränkten Armen füllt er einen Großteil des Türrahmens aus.
„Sie ist bei klarem Verstand! So kann ich meine Arbeit nicht machen!“
Der Hüne zuckt mit den breiten Schultern: „Das war Diegos Aufgabe. Er meinte, sie würde erst in 3 (drei) Stunden wieder voll zu sich kommen.“
„Nun, da hat Diego sich geirrt. Hol ihn her!“
Die Augen des Mannes formen sich zu Schlitzen und mit kalter Wut in der Stimme bewegt er sich auf die Frau zu: „Du wagst es, mir einen Befehl zu erteilen?“, (keine Komma) sSeine rechte Hand nähert sich ihrem Gesicht und mit weit aufgerissenen Augen verfolge ich, wie der Nagel seines Zeigefingers in die Länge wächst. Ich kann die Furcht der Fremden spüren und das Entsetzen, das sich ihrer bemächtigt, als sich die Spitze seiner Kralle unter ihr Kinn legt und ihren Kopf hebt, so_dass sie keine andere Wahl hat, als dem Mann in die Augen zu schauen.
„Natürlich nicht. Es tut mir Leid.(kein Punkt)“, wimmert sie um ihr Leben, wie ich vermute und plötzlich wird mir die Bedrohlichkeit meiner Situation umso bewusster.

„Ich will nicht sterben!“, brülle ich verzweifelt in meinem Kopf. Mein Herz rast dermaßen schnell, dass ich befürchte, es könne zu schlagen aufhören, wenn ich mich nicht beruhigt bekomme, doch an Beruhigung ist nun nicht mehr zu denken. Panik lenkt meine Bewegungen und lähmt den Schmerz, der sich in meinen Armen ausbreitet. Ich spüre ihn kaum. (Entweder spüren oder nicht spüren) Ich bemerke auch nur am Rande, dass der Mann von der Frau ablässt und den Raum verlässt und höre nur grob (wie hört man grob?), wie das Mädchen aufgeregt flüstert und wie die Frau barsch antwortet.
Plötzlich legt sich eine Aura aus wohltuender Wärme um mich. Ich blicke hoch und blicke direkt in das Antlitz eines Engels. Eine unangenehm kratzige Stimme unterbricht für einen kurzen Moment meinen Frieden: „Mach es aber diesmal richtig“, brüllt sie, bevor ich wieder in diese saphirblauen Augen eintauche und mich dem Gefühl von Sicherheit hingebe.
Und als sich der Bote Gottes von mir abwendet Komma bin ich bar jeglichen Gefühls. Ich atme, ruhig und gleichmäßig und ich sehe.(Mir wird nicht klar, woher der Engel plötzlich kommt? Drogen?)

Knopf für Knopf öffnet die alte Frau nun meine Bluse. Sie entblößt meinen Oberkörper, zieht mich komplett aus. Mein Körper ist blass, er zittert und Gänsehaut bedeckt jeden Quadratzentimeter. Ich spüre keine Kälte. (Klingt widersprüchlich, die Gänsehaut und keine Kälte spüren) Das Mädchen reicht der Alten aus dem Korb einen Schwamm und mit geübten Bewegungen säubert sie mein Gesicht und meinen den Hals.
„Können wir die Handschellen entfernen?“, fragt sie mit unterwürfigem Blick und flüstert: „Ich würde sie dem König ungern mit blutverkrusteten Handgelenken vorführen.“ Ich beobachte, wie sich der Mann nähert. Er beugt sich herunter und mit einem leisen Klick lösen sich die Fesseln.
Die Fremde säubert die Wunden. Druckstellen ziehen sich kreisförmig und tief um meine Handgelenke herum. Ein Punkt in der Ferne erweckt meine Aufmerksamkeit und ich starre minutenlang apathisch die Wand an. (Wenn etwas die Aufmerksamkeit erregt ist man eher nicht apathisch) Als ich mich dem Geschehen wieder zuwende, schmiegt sich ein dunkelviolettes Kleid um meinen Körper und eine Bürste kämpft sich durch mein langes wildes Haar.
„Besser bekomme ich es nicht hin, Nana“, flüstert das Mädchen, „ihr Haar macht, was es will.“
„Es ist in Ordnung so“, bestimmt die Alte und richtet das Wort an den Türwächter, (kein Komma - Punkt) „Wir sind hier fertig.“ Sie stehen auf, räumen ihre Utensilien zusammen und verlassen den Raum.

Ein paar Momente lang höre ich noch ihre Schritte, bis sie in der Ferne verklingen. Dann erfüllt tiefes Schweigen die Räumlichkeiten.
Wie lang sind ein paar Momente? Schweigen ist wohl nicht ganz das richtige Wort. Vielleicht eher Stille erfüllt den Raum? Räumlichkeit liest sich hier merkwürdig.
In meinem Rücken die Eisenstange, meine Hände in meinem Schoss verschränkt, klärt sich allmählich mein Verstand wieder. Entsetzt blicke ich an mir herunter. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Wie beweglich ist man eigentlich, wenn man so gefesselt ist? Sie hat einen erstaunlich weiten Blickwinkel. Und nicht erst hier.
Nur kurze Zeit später öffnet sich die Tür erneut und ein anderer Mann tritt herein. Er sagt kein Wort, greift bloß nach meinem Arm, zieht mich hinter sich her, auf den Flur hinaus. Eine kleine Kolonne junger und hübscher Frauen reiht sich hintereinander auf. (Die Frauen reihen sich wohl zu einer kleinen Kolone auf - nicht die Kolonne reiht sich auf.)
Nichtssagend schauen ihre Augen in die Leere. Und ich beginne ansatzweise zu verstehen.

Es gibt da diese Welt am Rande meiner Welt, von der ich fast gar nichts weiß, außer, dass sie existiert. Mutter sagte immer: „Uns gehört der Tag, doch ihnen“, und sie senkte ihre Stimme, als ob man sie belauschen könnte, „gehört die Nacht. Halte dich von ihnen fern, meide die Dunkelheit. Verschleiere dein Gesicht in der Dämmerung und solltest du einem von ihnen begegnen, so tue, was er sagt, sonst bist du tot.“ Ich dachte immer, sie würde übertreiben, sie würde versuchen mir Angst zu machen. Denn als sie mir diese Dinge beibrachte, war ich noch ein Kind, ein neugieriges ungezügeltes Kind, das sich nach Freiheit sehnte. Doch nun, 10 (zehn lieber ausschreiben) Jahre nach ihrem Tod, marschiere ich zwischen mental beeinflussten Frauen (auch das kann sie nur vermuten), als Einzige bei klarem Verstand und es fühlt sich an, als würde ich zur Streckbank geführt, für ein Verbrechen, das mir als solches nicht bewusst war.

Unsere zaghaft schlurfenden Schritte, nackte Füße auf steinernem Untergrund, hallen leise zwischen den engen Wänden wider. (Nackte Füße hallen?) Sie sind mit kunstvollen Wandteppichen geschmückt. Deren Motive jedoch, grausame Schlacht- und Liebesszenen, geben mir das Gefühl unbedeutend zu sein. Ja, sie verhöhnen mich regelrecht, sie verhöhnen meine Existenz. Rechts und links von mir zweigen regelmäßig Türen ab, aus schwerem dunklen Holz gefertigt, sehen sie derart stabil aus, dass ich mir vorstelle, wie über die Jahrhunderte die Mauern aus Stein, um sie herum zusammen_fallen. Doch sie ragen zwischen den Ruinen immer noch stolz und mächtig gen Himmel, unberührt von Raum und Zeit.
Der Wächter führt uns weiter und wir steigen eine schmale Treppe ins nächsthöhere Geschoss hoch.
Wir treten durch eine Tür und plötzlich sind wir umgeben von Prunk und Luxus. Ich bemühe mich, mein Erstaunen zu verbergen und meine Blicke unauffällig schweifen zu lassen. Die Tapeten an den hohen Wänden sind in einem hellen Beigeton gehalten und kleine Goldfäden ziehen sich in komplizierten Mustern durch Wände und Decken. Der Boden, aus dunklem Granit lässt meine Füße frieren und macht es mir schwer mein Zittern zu verbergen. Alle paar Meter wird unser Gang von weißen Marmorstatuen gesäumt. Sie blicken, so groß wie ein Mann, auf mächtigen Sockeln stehend, mit bedrohlichen Blicken auf uns herab. Das Erschreckendste an ihnen sind die Gesichter, monsterhaft verzehrt. Mit Raubtieraugen und spitzen Reißzähnen, kein Komma erinnern sie eher an Alpbtraumgestalten, als an reale Personen. Nicht selten sehe ich zu ihren Füßen, oder in ihren Armen, eine tote Frau, ein totes Kind, einen toten Mann. Diese Statuen, diese offene Zurschaustellung von Brutalität und Gewalt, sie schüchtert mich ein, verkrampft vor Furcht mein Herz und lässt die Luft, die ich atme, dick und zähflüssig wirken.
Ja ... anschaulich, aber mir zu viel beschrieben. Ich meine du solltest die Beschreibnung der Örtlichkeiten mehr in die Handlung einbeziehen. So ist es ein wenig langatmig.

Plötzlich öffnet sich in einiger Entfernung öffnet sich vor uns eine Tür.
„Wie kannst du nur so ein Angebot ausschlagen“, höre ich die aufgeregte Stimme eines Mannes, „da bietet dir Sirius genau das an, was du immer haben wolltest und du willst es ablehnen.“
„Ich wäre ihm etwas schuldig und das liegt nicht in meinem Interesse. Vor allem jetzt, wo die alte Schuld endlich beglichen wurde“, antwortet ein anderer und ich erkenne den Klang seiner Worte sofort. Und dann sehe ich ihn und augenblicklich umhüllt mich eine Wolke aus wohltuender Wärme.  
„Hey Balthasar“, brüllt unser Wächter, „hat dir Leandra gestern noch die Hölle heiß_gemacht?“
Er bleibt stehen, wir tun es auch. „Ach, halt die Klappe, Karl“, antwortet er.
Diego grinst Balthasar schelmisch an und klopft dem Mann auf die Schulter: „Ja, ja, du und deine Frau. Ich frage mich gar nicht mehr, wer von euch beiden die Hose anhat.“
Ich höre ihn reden und mein Herz schlägt schneller. Warum? Furcht ist es nicht, die ich in seiner Anwesenheit fühle. Und als ob er das aufgeregte Pochen in meiner Brust hören könnte, dreht er sich plötzlich zu mir herum und blickt mich an, mit Augen (Blicken), die in mein Innerstes zu schauen scheinen. Ich versuche, so unbeteiligt wie möglich zu wirken. Doch sein durchdringender Blick lässt mir das Blut in meinen Adern zu Kopf steigen.  
Balthasar und Karl unterhalten sich im Hintergrund weiter. Ich kann hören, dass sie reden, was sie sagen, verstehe ich nicht.
Diegos engelhaftes Antlitz (Sei mir nicht böse, aber bei engelhaftem Antlitz rollen sich mir alle Fußnägel hoch) bewegt sich auf meines zu. Nur Zentimeter trennen unsere Gesichter und ich halte den Atem an. Er hebt seine rechte Hand, streicht damit mein Haar zur Seite und entblößt meinen Hals. Dann beugt er seinen Kopf und seine kalte Nasenspitze streift die zarte Haut kurz oberhalb meines Schlüsselbeins. Ich spüre Gänsehaut und höre, wie er durch die Nase Luft einsaugt. Er fährt meinen Hals hoch und verharrt an meinem Ohr.
„Was bist du“, säuselt er mit rauer Stimme, „du riechst anders.“
Bevor ich die Worte zurückhalten kann, sind sie auch schon meinen Lippen entschlüpft.
„Vielleicht besteht der Unterschied darin, dass ich lebendig rieche und du nach Tod stinkst“, flüstere ich und halte im nächsten Moment auch schon wieder, absolut entsetzt von mir, die Luft abwartend an. Ich kneife meine Augen zusammen, erwarte den stechenden Schmerz, kurz vor dem Tod, kurz bevor der Kopf vom Hals getrennt oder das Blut aus den Adern gesaugt wird, doch nichts passiert. Ich öffne sie zaghaft wieder und begegne dem belustigten Blick des Vampirs. In seinen Augen ein goldenes Funkeln und auf seinen Lippen ein amüsiertes Lächeln.
Da tritt Karl von hinten an Diego heran. Schnell sehe ich wieder nach vorne und versuche ausdruckslos zu schauen, obwohl unaufhörlich Gedanken durch meinen Kopf rattern.
„Hey, Diego. Ich muss weiter. Sehen wir uns nachher, Bruder?“
„Klar, Karl. Wie immer um zehn bei Viktor?“ neue Zeile
Karl nickt, setzt sich wieder an die Spitze unserer Kolonne und führt uns weiter. Bis zur nächsten Biegung kann ich Diegos Blick in meinem Rücken spüren. Ich drehe mich nicht herum.


Ich hoffe, ich habe dich jetzt nicht zu sehr erschreckt. Sieht schlimmer aus, als es ist. Und ich war froh, mal was anders machen zu dürfen, als rumräumen.  Wink

Liebe Grüße
Monika
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Pokapro 2015


BeitragVerfasst am: 27.11.2011 15:39    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

mich überzeugt der Versuch in keiner Weise. Mit diesem Anfang erwarte ich eine Vampirgeschichte nach
bekanntem Muster - Aufregendes oder Originelles kann ich nicht entdecken.

Das sprachliche Niveau ist nicht schlecht, aber es fehlt an Feinarbeit.

und im ersten Moment,
(Kein Komma) glaubt mein Verstand
Backsteinwände umgeben mich und auf einem Betonfußboden liege ich.
Meine Hände, über meinem Kopf gestreckt, mit Handschellen an ein metallenes Rohr gekettet,
dass sich vom Boden bis zur Decke erstreckt.
(Prädikat?)
Nicht selten sehe ich zu ihren Füßen, (Kein Komma) oder in ihren Armen …

Manche Einschübe sind sprachlich nicht sehr elegant. Sie unterbrechen und stören, anstatt das Bild zu verstärken.
In solchen Fällen besser aufdröseln.
Meine Lippen, mit Klebeband versiegelt, lassen keinen Laut hindurch und so formen sich panische Schreie in
meiner Kehle.
Sie blicken, so groß wie ein Mann, auf mächtigen Sockeln stehend, mit bedrohlichen Blicken auf uns herab.
Deren Motive jedoch, grausame Schlacht- und Liebesszenen, geben mir das Gefühl unbedeutend zu sein.


Einige Formulierungen finde ich unglücklich oder eigenartig.
… zwischen mental beeinflussten Frauen,
(wie sonst?)
Doch sie weichen zurück und ich treffe nur Leere.
… Tränen steigen drängend in Kanälen hoch
… lässt die Luft, die ich atme, dick und zähflüssig wirken
.

… eine kleine Kolonne junger und hübscher Frauen reiht sich
Jung und hübsch ließe sich anders beschreiben, der Ausdruck ist für so einen Text zu abgedroschen.

„Können wir die Handschellen entfernen?“, fragt sie mit unterwürfigem Blick und flüstert: „Ich würde sie
dem König ungern mit blutverkrusteten Handgelenken vorführen.“

In ihrer Position dürfte es nicht danach gehen, was sie gern täte.


Warum die doppelte Formatierung bei Gedanken?
„Ich will nicht sterben!“, brülle ich verzweifelt in meinem Kopf.


Auf die erste Passage kann man verzichten. In dieser Form bringt sie nichts. Es hat schon etwas Skurriles,
wenn die Erzählerin gefesselt und geknebelt in einem Verließ hockt und ihr sich der Gedanke aufdrängt:
„IRGENDETWAS STIMMT HIER NICHT!“


Es wird überhaupt viel zu viel erklärt.

„Du wagst es, mir einen Befehl zu erteilen?“, seine rechte Hand nähert sich ihrem Gesicht und mit weit aufgerissenen
Augen verfolge ich, wie der Nagel seines Zeigefingers in die Länge wächst. Ich kann die Furcht der Fremden spüren und
das Entsetzen, das sich ihrer bemächtigt,
als sich die Spitze seiner Kralle unter ihr Kinn legt und ihren Kopf hebt, so dass
sie keine andere Wahl hat, als dem Mann in die Augen zu schauen.

Der Leser erlebt, wie die Nägel wachsen und sich in die Haut der Dienerin bohren. Dazu muss nichts kommentiert
werden.


Wenn sich mein erlebender Ich-Erzähler mit dem Hammer auf den Daumen haut, würde er vielleicht sagen:
„Autsch! Verfluchter Mist.“ Das war der Daumen.    

Die Ich-Erzählerin dieser Geschichte beschriebe es so:
Bei einem der letzen Hammerschläge, auf den Nagelkopf gerichtet, verfehle ich das Ziel und der misslungene Versuch
lässt mich einen erheblichen Schmerz im linken Daumen wahrnehmen.



Das schafft Distanz. Hier spricht der auktoriale Ich-Erzähler, nicht das erlebende Ich. Dazu passt wiederum kein Präsens.
Vielleicht wählst Du lieber eine personale Perspektive.

Es ist schwer, den auktorialen Erzähler zu verbergen. Außerhalb von Dialogen ist das kaum möglich.
Ein Mensch in ihrer Lage würde nicht derart klar und analytisch die Situation beschreiben. Das lässt sich straffer
und unmittelbarer erzählen. Der Leser spürt an vielen Stellen die Angst und Beklemmung, man muss  es ihm nicht
noch einmal eintrichtern.


Alle Erbsen hab ich nicht gezählt. Ich denke, der Text ist insgesamt noch nicht ganz ausgereift.

Gruß,
Carsten
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Belzustra
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BeitragVerfasst am: 28.11.2011 00:23    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo kskreativ,

Zitat:
Eines vorweg, ich bin jetzt auch kein Leser von Vampirstorys, doch die bisherige Beschreibung Diegos, (nicht zufällig verwandt mit dem vom Dorfbrunnen?), macht mich neugierig.

Habe die Diskussionen am Dorfbrunnen zeitweise verfolgt, jedoch sagt mir ein Diego in diesem Zusammenhang nichts. Daher: Nein, nicht verwandt.

Zitat:
Zitat:
Backsteinwände umgeben mich und auf einem Betonfußboden liege ich.
Klingt etwas merkwürdig.
Ich liege auf einem Betonfußboden, umgeben von Backsteinwänden.
Ich mag es, wenn Dinge sich ähnlich anhören, so à la unreine Reime, nur mehr Prosa statt Lyrik. Aber du hast ja Recht. Ich sollte es wirklich sein lassen, meine Sätze zu verdrehen, damit sie sich seltsam anhören. Das gefällt nämlich nur mir.  rotwerd

Zitat:
Zitat:
In meiner Brust beginnt mein Herz zu hämmern.
Passivsatz, lieber aktiv schreiben: Mein Herz hämmert in meiner Brust.

Noch so eine Eigenart von mir. Ich schreibe gerne Passiv, wenn etwas unbeteiligt bzw. von einer Person losgelöst wirken soll.

Zitat:
Zitat:
In meinem Hals bildet sich ein großer Kloß und Tränen steigen drängend in Kanälen hoch. Ich bekomme keine Luft.
Wurde ja schon angemerkt, seltsame Formulierung. keine Luft bekommen stimmt so nicht, dann wäre sie am Ersticken. Ich bekomme nur schwer Luft, vielleicht?

Das mit der Luft ist mir gar nicht aufgefallen. Aber du hast Recht.
Sie ist nicht am Ersticken.

Vielen lieben Dank für deine Kritik.
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lupus
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BeitragVerfasst am: 28.11.2011 00:33    Titel: Antworten mit Zitat

hab nur sehr, sehr, sehr überflogen und bin daran hängen geblieben

Zitat:
Zitat:
In meiner Brust beginnt mein Herz zu hämmern.
Passivsatz, lieber aktiv schreiben: Mein Herz hämmert in meiner Brust.

Noch so eine Eigenart von mir. Ich schreibe gerne Passiv, wenn etwas unbeteiligt bzw. von einer Person losgelöst wirken soll.



es ist KEIN Passiv

meine Brust wird von meinem Herz behämmert

wäre ein PAssivsatz

aber:
wo sonst als in der Brust sollte dein Herz schlagen?
in wessen Brust sollte dein Herz sonst schlagen?

--> Mein Herz begann zu hämmern / hämmert wie wild / ...

wenn's unbedingt sein muss
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Belzustra
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BeitragVerfasst am: 28.11.2011 00:38    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Liebe Paloma,

du hattest keine Tomaten auf den Augen. Mein Text war zuerst in Prosa. Habe aber, nachdem ich deine Antwort gelesen habe, direkt eine Verschiebung in die Werkstatt angefragt.
(Vielen Dank für die schnelle Verschiebung, unbekannte Person, die für Verschiebungen zuständig ist  wink )

Deine Kritik hilft mir wirklich weiter. Die meisten Dinge, die du verbesserst kann ich nachvollziehen und da du auch auf das Warum? eingehst, verstehe ich, was ich falsch gemacht habe.

Zitat:
Er trägt Leder von Kopf bis Fuß. (auch im Gesicht?)

Zum Beispiel hier.  lol

Bevor ich den nächsten Teil reinstelle erwartet mich erst einmal eine ausführliche Überarbeitung. Das kann ein paar Tage dauern.
Bis bald.
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Belzustra
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BeitragVerfasst am: 28.11.2011 00:41    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Lupus,

Zitat:
Zitat:
Zitat:
In meiner Brust beginnt mein Herz zu hämmern.
Passivsatz, lieber aktiv schreiben: Mein Herz hämmert in meiner Brust.

Noch so eine Eigenart von mir. Ich schreibe gerne Passiv, wenn etwas unbeteiligt bzw. von einer Person losgelöst wirken soll.



es ist KEIN Passiv

Verdammt, du hast Recht.
Ich weiß, was Passiv ist. Mein Fehler. War etwas unkonzentriert.
 rotwerd
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Belzustra
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BeitragVerfasst am: 28.11.2011 01:00    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Carsten,

Zitat:
mich überzeugt der Versuch in keiner Weise. Mit diesem Anfang erwarte ich eine Vampirgeschichte nach
bekanntem Muster - Aufregendes oder Originelles kann ich nicht entdecken.
Okay.
Nun, ich werde nicht versuchen dich von etwas zu überzeugen, was du nicht magst. Meinungsfreiheit ist erlaubt, sogar erwünscht.  smile

Zitat:
Das sprachliche Niveau ist nicht schlecht, aber es fehlt an Feinarbeit.
Ich bin dabei. Die vielen Defizite meines Textes sind mir nicht aufgefallen. Durch eure Hilfe sehe ich nun einiges konkreter und auch klarer.

Ich behaupte nicht, dass ich mit dir bezüglich deiner kompletten Kritik einer Meinung bin. In einigen Punkten bist du auf jeden Fall zu streng.
Hier zum Beispiel:
Zitat:
Auf die erste Passage kann man verzichten. In dieser Form bringt sie nichts. Es hat schon etwas Skurriles,
wenn die Erzählerin gefesselt und geknebelt in einem Verließ hockt und ihr sich der Gedanke aufdrängt:
„IRGENDETWAS STIMMT HIER NICHT!“

Mir ist wichtig, dass die Protagonistin schlafend und gefesselt in dieser Zelle sitzt und dass sie in der Phase kurz vor dem Wachzustand diesen unangenehmen Gedanken bemerkt, der sie schließlich zum Wachwerden zwingt.
Ich denke, dass ich diesen Absatz umschreiben werde, was Formulierung und Stil angeht. Die Idee allerdings verwerfe ich nicht.

Was die Überarbeitung angeht, hab ein paar Tage Geduld, bitte.
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Pokapro 2015


BeitragVerfasst am: 28.11.2011 01:38    Titel: Antworten mit Zitat

Inkognito hat Folgendes geschrieben:
In einigen Punkten bist du auf jeden Fall zu streng.


Je mehr Hoffnung besteht, desto strenger bin ich.

 wink

Ich weiß, was Du mit der ersten Passage vorhast. Aber so herausgestellt, habe ich das Gefühl, ich sitze in einem Theaterstück.
Das ist zu statisch und auch ein wenig skurril. Abgesehen von den Problemen, die ein Ich-Erzähler damit hätte ...
   
Sie wurde betäubt und kommt allmählich zu sich. Sie zweifelt an ihrer Wahrnehmung, daraus wird Verzweiflung.
Authentischer wirkt es, wenn ich das aus dem Text heraus spüre.
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Gast







BeitragVerfasst am: 28.11.2011 18:22    Titel: Antworten mit Zitat

Inkognito hat Folgendes geschrieben:
Liebe Paloma,

du hattest keine Tomaten auf den Augen. Mein Text war zuerst in Prosa. Habe aber, nachdem ich deine Antwort gelesen habe, direkt eine Verschiebung in die Werkstatt angefragt.
(Vielen Dank für die schnelle Verschiebung, unbekannte Person, die für Verschiebungen zuständig ist  wink )


Oh Mann, da bin ich aber froh, dachte schon, ich werde senil.  lol
Ich freue mich wirklich, wenn ich die ein paar Denkanstöße geben konnte und bin gespannt auf deine Überarbeitung.

Liebe Grüße
Monika
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Belzustra
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BeitragVerfasst am: 29.11.2011 15:22    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Die überarbeitete Version meines Textes ist fertig. Ihr findet sie gleich im Anschluss.

Zuerst einmal habe ich alles in die Vergangenheit gesetzt. Wie Carsten bereits festgestellt hatte, war der Präsens äußerst ungeeignet. Ich finde, so klingt es schon viel besser.
An meinem Intro habe ich nicht viel verändert. Ich habe darüber nachgedacht und habe auch versucht es umzuschreiben, aber keine der Alternativen hörte sich meiner Meinung nach besser an. Wenn ich die Einleitung verändere, dann verliert sie ihre Atmosphäre.
So wie sie ist, mag sie etwas bizarr klingen, aber jedes wichtige Element ist vorhanden.
Nämlich das unberuhigende Gefühl, dass etwas nicht stimmt, gepaart mit
der Tatsache, dass die Protagonistin nicht ganz bei Sinnen ist und somit keine Kontrolle über die Geschehnisse hat (weil sie schläft, oder eben nicht ganz bei Bewusstsein ist). Außerdem fände ich es schade, die kleinen Anspielungen zu verlieren, die gleich im nächsten Absatz aufgelöst werden.
"Ein leichter Schmerz zuckte durch meinen Rücken", als Anspielung auf die Unebenheiten des Bodens im Gegensatz zu einer weichen Matratze.
"ein Geräusch, metallisch und rasselnd", als Anspielung auf die mit Handschellen gefesselten Hände.
"Mir war kalt.", zur Betonung der Tatsache, dass sie nicht schlafend im eigenen Bett liegt.

Wie ihr seht, kann ich mich also nicht mit dem Gedanken anfreunden, diesen Teil zu verändern. Ich hoffe, das ist Ok für euch.

Ansonsten werdet ihr feststellen, dass einige Details verändert wurden. Ich habe unnötiges gekürzt und auch stilistische Fehler verbessert. Vor allem Palomas Vorschläge haben mir hier wirklich weitergeholfen.

An drei Stellen jedoch weiß ich mir selbst nicht zu helfen.
Zitat:
Meine Hände waren über meinem Kopf gestreckt und mit Handschellen an ein metallenes Rohr gekettet, das sich vom Boden bis zur Decke erstreckte.
Meine Lippen waren mit Klebeband versiegelt und so formten sich panische Schreie in meiner Kehle.

Hier verwende ich zwei Mal "waren" und das hört sich unschön an. Kann mir irgendjemand helfen, diese beiden Sätze umzuformulieren?
Was die "panischen Schreie in meiner Kehle" angeht, so hat kskreativ angemerkt, dass ich eher "stumme Schreie" schreiben soll. Aber die Schreie der Protagonistin sind nicht stumm. Wenn man mit versiegelten Lippen versucht zu schreien, so bilden sich trotzdem Laute in der Kehle und diese Laute meine ich.

Zitat:
Annähernd zehn Jahren sind/waren seit ihrem Tod vergangen.

An dieser Stelle bin ich mir der Zeitverwendung nicht sicher. Was würdet ihr schreiben?

Zitat:
Unsere zaghaft schlurfenden Schritte, nackte Füße auf steinernem Untergrund, hallten leise zwischen den engen Wänden wider, die mit kunstvollen Wandteppichen geschmückt waren.

Und hier fehlt mir der richtige Ausdruck. "hallen" ist irgendwie zu laut und zu kräftig. Hat irgendjemand eine bessere Idee?



Schattenwelt

Irgendwo am Rande meines Bewusstseins schlummerte ein unangenehmer Gedanke.
Ich versuchte ihn zu ignorieren, um den Traum, der mir bereits zu entgleiten drohte, festhalten zu können. Doch es gelang mir nicht und ich wachte langsam auf.
Ein leichter Schmerz zuckte durch meinen Rücken, als ich mich zu bewegen versuchte und ein Geräusch, metallisch und rasselnd, gesellte sich hinzu.
Mir war kalt.
Der Gedanke, der nicht verdrängt werden wollte, schob sich in mein Sichtfeld und in großen Lettern schrieb er sein Anliegen von innen, gleich vor die geschlossenen Lider.
„IRGENDETWAS STIMMT HIER NICHT!“

Ich öffnete meine Augen und im ersten Moment glaubte ich noch zu träumen.
Keine flauschige Decke schmiegte sich um meinen Körper. Kein Traumfänger baumelte über meinem Kopf.
Backsteinwände umgaben mich und ich lag auf einem Betonfußboden, dessen Unebenheiten sich in meinen Rücken bohrte. Meine Hände waren über meinem Kopf gestreckt und mit Handschellen an ein metallenes Rohr gekettet, das sich vom Boden bis zur Decke erstreckte.
Meine Lippen waren mit Klebeband versiegelt und so formten sich panische Schreie in meiner Kehle.
Ich zerrte an den Fesseln, doch mein Befreiungsversuch brachte mir nur Schmerz ein. Kalt und unnachgiebig drückte sich das Metall in meine Haut und riss sie ein. Blut floss in Bahnen meine Gelenke hinunter, es lief über meine Arme. Ich zog mich in eine sitzende Position und gab die Anstrengungen auf. Ich wartete.
Nach einer scheinbaren Ewigkeit hörte ich Schritte, die sich jenseits der massiven Stahltür näherten.
Ich hörte leise Stimmen. Dann erfolgte ein  Klickgeräusch und schon schwang die Tür unter Quietschen auf.

Zwei Frauen und ein Mann betraten meine Zelle. Mit gesenkten Köpfen näherten die Frauen sich mir, während der Blick des Fremden brennend auf mir ruhen blieb. Die Ältere von beiden, in einfache saubere Gewänder gehüllt, kniete sich neben mich, während die Jüngere, ein recht hübsches Mädchen mit blonden Locken einen großen Flechtkorb neben mir platzierte und sich daneben niederließ. Mit Narben und Schwielen überzogene Hände näherten sich den Knöpfen meiner Bluse...
Ich bäumte mich auf und versuchte mit den ungefesselten Füßen nach ihnen zu treten. Doch sie wichen zurück und ich traf nur Leere.
Die Alte schaute den Mann an. Er sah brutal und Furcht einflößend aus. Kurze Stoppeln aus schwarzem Haar bedeckten sein Haupt und eine lange Narbe zog sich vom Haaransatz bis über sein linkes Auge. Seine Gesichtszüge waren kantig, seine Lippen unnatürlich blass. Er trug Leder, vom Hals abwärts bis zu seinen Füßen. Breitbeinig und mit verschränkten Armen füllte er einen Großteil des Türrahmens aus.
„Sie ist bei klarem Verstand! So kann ich meine Arbeit nicht machen!“
Der Hüne zuckte mit den breiten Schultern: „Das war Diegos Aufgabe. Er meinte, sie würde erst in drei Stunden wieder zu sich kommen.“
„Nun, da hat Diego sich geirrt. Hol ihn her!“
Die Augen des Mannes formten sich zu Schlitzen und mit kalter Wut in der Stimme bewegte er sich auf die Frau zu: „Du wagst es, mir einen Befehl zu erteilen?“, seine rechte Hand näherte sich ihrem Gesicht und mit weit aufgerissenen Augen verfolgte ich, wie der Nagel seines Zeigefingers in die Länge wuchs. Die Spitze seiner Kralle legte sich unter das Kinn der Frau und hob ihren Kopf an, so dass sie keine andere Wahl hatte, als dem Mann in die Augen zu schauen.
„Natürlich nicht. Es tut mir Leid.“, wimmerte sie um ihr Leben, wie ich vermutete und plötzlich wurde mir die Bedrohlichkeit meiner Situation umso bewusster.
Mein Herz raste dermaßen schnell, dass ich befürchtete, es könne zu schlagen aufhören, wenn ich mich nicht beruhigt bekäme, doch an Beruhigung war nun nicht mehr zu denken. Panik lenkte meine Bewegungen und lähmte den Schmerz, der sich in meinen Armen ausbreitete. Ich bemerkte nur am Rande, dass der Mann von der Frau abließ und den Raum verließ und hörte, wie das Mädchen aufgeregt flüsterte und wie die Frau barsch antwortete. Tränen flossen über mein Gesicht, während ich mit meinen Füßen wild um mich trat und meine Arme ein ums andere Mal mit heftigem Ruck an den Handschellen rissen.
Plötzlich legte sich eine Aura aus wohltuender Wärme um mich. Ich schaute hoch und blickte direkt in das Antlitz eines Engels. Eine kratzige Stimme unterbrach für einen kurzen Moment meinen Frieden: „Mach es aber diesmal richtig“, brüllte sie, bevor ich wieder in diese saphirblauen Augen eintauchte und mich dem Gefühl von Sicherheit hingab.
Und als sich der Bote Gottes von mir abwandte, war ich bar jeglichen Gefühls. Ich atmete, ruhig und gleichmäßig und ich sah.

Knopf für Knopf öffnete die alte Frau meine Bluse. Sie entblößte meinen Oberkörper, zog mich komplett aus. Mein Körper war blass, schmutzig und mager. Das Mädchen reichte der Alten einen Schwamm und mit geübten Bewegungen säuberte sie mein Gesicht und den Hals.
„Können wir die Handschellen entfernen?“, fragte sie mit unterwürfigem Blick: „Ich würde sie dem König ungern mit blutverkrusteten Handgelenken vorführen.“ Ich beobachtete, wie sich der Mann näherte. Er beugte sich herunter und mit einem leisen Klick lösten sich die Fesseln.
Die Fremde säuberte die Wunden. Druckstellen zogen sich kreisförmig und tief um meine Handgelenke herum. Da erweckte ein Punkt in der Ferne meine Aufmerksamkeit und ich starrte ihn minutenlang an. Als ich mich dem eigentlichen Geschehen wieder zu wandte, schmiegte sich ein dunkelviolettes Kleid um meinen Körper und eine Bürste kämpfte sich durch mein Haar.
„Besser bekomme ich es nicht hin, Nana“, flüsterte das Mädchen, „ihr Haar macht, was es will.“
„Es ist in Ordnung“, bestimmte die Alte und richtete das Wort an den Türwächter. „Wir sind hier fertig.“ Sie standen auf und verließen den Raum.
Ein paar Momente lang hörte ich noch ihre Schritte, bis sie in der Ferne verklangen. Dann erfüllte tiefe Stille den Raum.
In meinem Rücken die Eisenstange, meine Hände, nun ungefesselt in meinem Schoss verschränkt, klärte sich allmählich mein Verstand wieder. Entsetzt blickte ich an mir herunter.

Nur kurze Zeit später öffnete sich die Tür erneut und ein anderer Mann trat herein. Er sagte kein Wort, griff bloß nach meinem Arm, zog mich hinter sich her, auf den Flur hinaus. Junge Frauen reihten sich dort in einer kleinen Kolonne hintereinander auf. Ihre Augen schienen leer und ich begann ansatzweise zu verstehen.

Es gibt da diese Welt am Rande meiner Welt, von der ich fast gar nichts weiß, außer, dass sie existiert. Mutter sagte immer: „Uns gehört der Tag, doch ihnen“, und sie senkte ihre Stimme, als ob man sie belauschen könnte, „gehört die Nacht. Halte dich von ihnen fern, meide die Dunkelheit. Verschleiere dein Gesicht in der Dämmerung und solltest du einem von ihnen begegnen, so tue, was er sagt, sonst bist du tot.“ Ich dachte immer, sie würde übertreiben, sie würde versuchen mir Angst zu machen. Denn als sie mir diese Dinge beibrachte, war ich noch ein Kind, ein neugieriges ungezügeltes Kind, das sich nach Freiheit sehnte. Annähernd zehn Jahren sind/waren seit ihrem Tod vergangen.
Unsere zaghaft schlurfenden Schritte, nackte Füße auf steinernem Untergrund, hallten leise zwischen den engen Wänden wider, die mit kunstvollen Wandteppichen geschmückt waren. Deren Motive jedoch, sie zeigten grausame Schlacht- und Liebesszenen, gaben mir das Gefühl klein und unbedeutend zu sein, bloß eine körperliche Hülle bestehend aus Fleisch, Knochen und Blut.

Rechts und links von mir zweigten regelmäßig Türen aus schwerem dunklem Holz ab.
Der Wächter führte uns weiter, wir stiegen eine schmale Treppe hoch und plötzlich waren wir umgeben von Prunk und Luxus. Ich bemühte mich, mein Erstaunen zu verbergen und meine Blicke unauffällig schweifen zu lassen. Die Tapeten an den hohen Wänden waren in einem hellen Beigeton gehalten und kleine Goldfäden zogen sich in komplizierten Mustern durch Wände und Decken. Der Boden, aus dunklem Granit, ließ meine Füße frieren und machte es mir schwer, mein Zittern zu verbergen.
Alle paar Meter wurde unser Gang von weißen Marmorstatuen gesäumt. So groß wie ein Mann blickten sie, auf mächtigen Sockeln stehend, mit bedrohlichen Blicken auf uns herab. Das Erschreckendste an ihnen waren die Gesichter. Mit Raubtieraugen und spitzen Reißzähnen erinnerten sie eher an Albtraumgestalten, als an reale Personen. Nicht selten sah ich zu ihren Füßen oder in ihren Armen, eine tote Frau mit entblößten Brüsten, ein totes Kind mit aufgerissener Kehle oder einen toten Mann mit verrenktem Hals. Diese Statuen, diese offene Zurschaustellung von Brutalität und Gewalt schüchterte mich ein.

Da öffnete sich in einiger Entfernung vor uns eine Tür.
„Wie kannst du nur so ein Angebot ausschlagen“, hörte ich die aufgeregte Stimme eines Mannes, „Sirius bietet dir genau das an, was du immer haben wolltest und du willst es ablehnen?“
„Ich wäre ihm etwas schuldig und das liegt nicht in meinem Interesse. Vor allem jetzt, wo die alte Schuld endlich beglichen wurde“, antwortete ein anderer und ich erkannte den Klang seiner Worte sofort. Und dann sah ich ihn und augenblicklich umhüllte mich eine Wolke aus wohltuender Wärme.  
„Hey Balthasar“, brüllte unser Wächter, „hat dir Leandra gestern noch die Hölle heißgemacht?“
Er blieb stehen, wir taten es auch. „Ach, halt die Klappe, Karl“, antwortete er.
Diego grinste Balthasar schelmisch an und klopfte dem Mann auf die Schulter: „Ja, ja, du und deine Frau. Ich frage mich gar nicht mehr, wer von euch beiden die Hose anhat.“
Ich hörte ihn reden und mein Herz schlug schneller. Warum? Furcht war es nicht, die ich in seiner Anwesenheit fühlte. Und als ob er das aufgeregte Pochen in meiner Brust hören könnte, drehte er sich plötzlich zu mir herum und blickte mich an, mit Augen, die in mein Innerstes zu schauen schienen. Ich versuchte, so unbeteiligt wie möglich zu wirken.

Diegos perfektes Antlitz bewegte sich auf meines zu. Nur Zentimeter trennten unsere Gesichter voneinander und ich hielt den Atem an. Er hob seine rechte Hand, strich damit mein Haar zur Seite und entblößte meinen Hals. Dann beugte er seinen Kopf zu mir herunter und seine kalte Nasenspitze streifte die  Haut kurz oberhalb meines Schlüsselbeins. Ich spürte Gänsehaut und hörte, wie er durch die Nase Luft einsog. Er fuhr meinen Hals hoch und verharrte an meinem Ohr.
„Was bist du“, säuselte er mit rauer Stimme, „du riechst anders.“
Bevor ich die Worte zurückhalten konnte, waren sie auch schon meinen Lippen entschlüpft.
„Vielleicht besteht der Unterschied darin, dass ich lebendig rieche und du nach Tod stinkst“, flüsterte ich und hielt im nächsten Moment auch schon wieder die Luft an. Ich kniff meine Augen zusammen, erwartete den stechenden Schmerz, kurz bevor der Kopf vom Hals getrennt oder das Blut aus den Adern gesaugt wird, doch nichts passierte. Ich öffnete sie wieder und begegnete dem belustigten Blick eines Vampirs. In seinen Augen lag ein goldenes Funkeln und auf seinen Lippen ein amüsiertes Lächeln.
Da trat Karl von hinten an Diego heran. Ich versuchte ausdruckslos zu schauen, obwohl unaufhörlich Gedanken durch meinen Kopf ratterten.
„Hey, Diego. Ich muss weiter. Sehen wir uns nachher, Bruder?“
„Klar, Karl. Wie immer um zehn bei Viktor?“ Karl nickte und setzte sich wieder an die Spitze unserer Kolonne. Bis zur nächsten Biegung konnte ich Diegos Blick in meinem Rücken spüren. Ich drehte mich nicht herum.
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Klaus
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BeitragVerfasst am: 29.11.2011 21:39    Titel: Antworten mit Zitat

Ein Versuch. Vielleicht hilft es dir ein wenig weiter:

Die Arme über den Kopf gestreckt, waren meine Hände mit Handschellen an ein Metallrohr gekettet, das vom Boden bis zur Decke reichte. Den Mund mit Klebeband versiegelt, formte ich panisch Kehllaute.

Zehn Jahre waren nach ihrem Tod vergangen
.
Das klatschende Geräusch unserer nackten Füße auf dem steinernen Boden, hallte leise zwischen den engen Wänden wider.


Gruß von
Klaus
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BeitragVerfasst am: 30.11.2011 12:49    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Lieber Klaus,

deine Ideen sind gar nicht schlecht.
Ich werde sie teilweise übernehmen.

Vielen Dank
Gruß
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BeitragVerfasst am: 30.11.2011 14:16    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Irgendwo am Rande meines Bewusstseins schlummerte ein unangenehmer Gedanke.
Ich versuchte ihn zu ignorieren, um den Traum, der mir bereits zu entgleiten drohte, festhalten zu können. Doch es gelang mir nicht und ich wachte langsam auf.
Ein leichter Schmerz zuckte durch meinen Rücken, als ich mich zu bewegen versuchte und ein Geräusch, metallisch und rasselnd, gesellte sich hinzu.
Mir war kalt.
Der Gedanke, der nicht verdrängt werden wollte, schob sich in mein Sichtfeld und in großen Lettern schrieb er sein Anliegen von innen, gleich vor die geschlossenen Lider.
„IRGENDETWAS STIMMT HIER NICHT!“

Ich öffnete meine Augen und im ersten Moment glaubte ich noch zu träumen.
Keine flauschige Decke schmiegte sich um meinen Körper. Kein Traumfänger baumelte über meinem Kopf.
Backsteinwände umgaben mich und ich lag auf einem Betonfußboden, dessen Unebenheiten sich in meinen Rücken bohrte. Meine Hände waren über meinem Kopf gestreckt und mit Handschellen an ein metallenes Rohr gekettet, das sich vom Boden bis zur Decke erstreckte.
Meine Lippen, mit Klebeband versiegelt, unterdrückten die panischen Schreie, die sich in meiner Kehle formten.
Ich zerrte an den Fesseln, doch mein Befreiungsversuch brachte mir nur Schmerz ein. Kalt und unnachgiebig drückte sich das Metall in meine Haut und riss sie ein. Blut floss in Bahnen meine Gelenke hinunter, es lief über meine Arme. Ich zog mich in eine sitzende Position und gab die Anstrengungen auf. Ich wartete.
Nach einer scheinbaren Ewigkeit hörte ich Schritte, die sich jenseits der massiven Stahltür näherten.
Ich hörte leise Stimmen. Dann erfolgte ein Klickgeräusch und schon schwang die Tür unter Quietschen auf.

Zwei Frauen und ein Mann betraten meine Zelle. Mit gesenkten Köpfen näherten die Frauen sich mir, während der Blick des Fremden brennend auf mir ruhen blieb. Die Ältere von beiden, in einfache saubere Gewänder gehüllt, kniete sich neben mich, während die Jüngere, ein recht hübsches Mädchen mit blonden Locken einen großen Flechtkorb neben mir platzierte und sich daneben niederließ. Mit Narben und Schwielen überzogene Hände näherten sich den Knöpfen meiner Bluse...
Ich bäumte mich auf und versuchte mit den ungefesselten Füßen nach ihnen zu treten. Doch sie wichen zurück und ich traf nur Leere.
Die Alte schaute den Mann an. Er sah brutal und Furcht einflößend aus. Kurze Stoppeln aus schwarzem Haar bedeckten sein Haupt und eine lange Narbe zog sich vom Haaransatz bis über sein linkes Auge. Seine Gesichtszüge waren kantig, seine Lippen unnatürlich blass. Er trug Leder, vom Hals abwärts bis zu seinen Füßen. Breitbeinig und mit verschränkten Armen füllte er einen Großteil des Türrahmens aus.
„Sie ist bei klarem Verstand! So kann ich meine Arbeit nicht machen!“
Der Hüne zuckte mit den breiten Schultern: „Das war Diegos Aufgabe. Er meinte, sie würde erst in drei Stunden wieder zu sich kommen.“
„Nun, da hat Diego sich geirrt. Hol ihn her!“
Die Augen des Mannes formten sich zu Schlitzen und mit kalter Wut in der Stimme bewegte er sich auf die Frau zu: „Du wagst es, mir einen Befehl zu erteilen?“, seine rechte Hand näherte sich ihrem Gesicht und mit weit aufgerissenen Augen verfolgte ich, wie der Nagel seines Zeigefingers in die Länge wuchs. Die Spitze seiner Kralle legte sich unter das Kinn der Frau und hob ihren Kopf an, so dass sie keine andere Wahl hatte, als dem Mann in die Augen zu schauen.
„Natürlich nicht. Es tut mir Leid.“, wimmerte sie um ihr Leben, wie ich vermutete und plötzlich wurde mir die Bedrohlichkeit meiner Situation umso bewusster.
Mein Herz raste dermaßen schnell, dass ich befürchtete, es könne zu schlagen aufhören, wenn ich mich nicht beruhigt bekäme, doch an Beruhigung war nun nicht mehr zu denken. Panik lenkte meine Bewegungen und lähmte den Schmerz, der sich in meinen Armen ausbreitete. Ich bemerkte nur am Rande, dass der Mann von der Frau abließ und den Raum verließ und hörte, wie das Mädchen aufgeregt flüsterte und wie die Frau barsch antwortete. Tränen flossen über mein Gesicht, während ich mit meinen Füßen wild um mich trat und meine Arme ein ums andere Mal mit heftigem Ruck an den Handschellen rissen.
Plötzlich legte sich eine Aura aus wohltuender Wärme um mich. Ich schaute hoch und blickte direkt in das Antlitz eines Engels. Eine kratzige Stimme unterbrach für einen kurzen Moment meinen Frieden: „Mach es aber diesmal richtig“, brüllte sie, bevor ich wieder in diese saphirblauen Augen eintauchte und mich dem Gefühl von Sicherheit hingab.
Und als sich der Bote Gottes von mir abwandte, war ich bar jeglichen Gefühls. Ich atmete, ruhig und gleichmäßig und ich sah.

Knopf für Knopf öffnete die alte Frau meine Bluse. Sie entblößte meinen Oberkörper, zog mich komplett aus. Mein Körper war blass, schmutzig und mager. Das Mädchen reichte der Alten einen Schwamm und mit geübten Bewegungen säuberte sie mein Gesicht und den Hals.
„Können wir die Handschellen entfernen?“, fragte sie mit unterwürfigem Blick: „Ich würde sie dem König ungern mit blutverkrusteten Handgelenken vorführen.“ Ich beobachtete, wie sich der Mann näherte. Er beugte sich herunter und mit einem leisen Klick lösten sich die Fesseln.
Die Fremde säuberte die Wunden. Druckstellen zogen sich kreisförmig und tief um meine Handgelenke herum. Da erweckte ein Punkt in der Ferne meine Aufmerksamkeit und ich starrte ihn minutenlang an. Als ich mich dem eigentlichen Geschehen wieder zu wandte, schmiegte sich ein dunkelviolettes Kleid um meinen Körper und eine Bürste kämpfte sich durch mein Haar.
„Besser bekomme ich es nicht hin, Nana“, flüsterte das Mädchen, „ihr Haar macht, was es will.“
„Es ist in Ordnung“, bestimmte die Alte und richtete das Wort an den Türwächter. „Wir sind hier fertig.“ Sie standen auf und verließen den Raum.
Ein paar Momente lang hörte ich noch ihre Schritte, bis sie in der Ferne verklangen. Dann erfüllte tiefe Stille den Raum.
In meinem Rücken die Eisenstange, meine Hände, nun ungefesselt in meinem Schoss verschränkt, klärte sich allmählich mein Verstand wieder. Entsetzt blickte ich an mir herunter.

Nur kurze Zeit später öffnete sich die Tür erneut und ein anderer Mann trat herein. Er sagte kein Wort, griff bloß nach meinem Arm, zog mich hinter sich her, auf den Flur hinaus. Junge Frauen reihten sich dort in einer kleinen Kolonne hintereinander auf. Ihre Augen schienen leer und ich begann ansatzweise zu verstehen.

Es gibt da diese Welt am Rande meiner Welt, von der ich fast gar nichts weiß, außer, dass sie existiert. Mutter sagte immer: „Uns gehört der Tag, doch ihnen“, und sie senkte ihre Stimme, als ob man sie belauschen könnte, „gehört die Nacht. Halte dich von ihnen fern, meide die Dunkelheit. Verschleiere dein Gesicht in der Dämmerung und solltest du einem von ihnen begegnen, so tue, was er sagt, sonst bist du tot.“ Ich dachte immer, sie würde übertreiben, sie würde versuchen mir Angst zu machen. Denn als sie mir diese Dinge beibrachte, war ich noch ein Kind, ein neugieriges ungezügeltes Kind, das sich nach Freiheit sehnte. Annähernd zehn Jahren waren seit ihrem Tod vergangen.

Das klatschende Geräusch unserer nackten Füße auf steinernem Untergrund, hallte leise zwischen den engen Wänden wider, die mit kunstvollen Wandteppichen geschmückt waren. Deren Motive jedoch, sie zeigten grausame Schlacht- und Liebesszenen, gaben mir das Gefühl klein und unbedeutend zu sein, bloß eine körperliche Hülle bestehend aus Fleisch, Knochen und Blut.

Rechts und links von mir zweigten regelmäßig Türen aus schwerem dunklem Holz ab.
Der Wächter führte uns weiter, wir stiegen eine schmale Treppe hoch und plötzlich waren wir umgeben von Prunk und Luxus. Ich bemühte mich, mein Erstaunen zu verbergen und meine Blicke unauffällig schweifen zu lassen. Die Tapeten an den hohen Wänden waren in einem hellen Beigeton gehalten und kleine Goldfäden zogen sich in komplizierten Mustern durch Wände und Decken. Der Boden, aus dunklem Granit, ließ meine Füße frieren und machte es mir schwer, mein Zittern zu verbergen.
Alle paar Meter wurde unser Gang von weißen Marmorstatuen gesäumt. So groß wie ein Mann blickten sie, auf mächtigen Sockeln stehend, mit bedrohlichen Blicken auf uns herab. Das Erschreckendste an ihnen waren die Gesichter. Mit Raubtieraugen und spitzen Reißzähnen erinnerten sie eher an Albtraumgestalten, als an reale Personen. Nicht selten sah ich zu ihren Füßen oder in ihren Armen, eine tote Frau mit entblößten Brüsten, ein totes Kind mit aufgerissener Kehle oder einen toten Mann mit verrenktem Hals. Diese Statuen, diese offene Zurschaustellung von Brutalität und Gewalt schüchterte mich ein.

Da öffnete sich in einiger Entfernung vor uns eine Tür.
„Wie kannst du nur so ein Angebot ausschlagen“, hörte ich die aufgeregte Stimme eines Mannes, „Sirius bietet dir genau das an, was du immer haben wolltest und du willst es ablehnen?“
„Ich wäre ihm etwas schuldig und das liegt nicht in meinem Interesse. Vor allem jetzt, wo die alte Schuld endlich beglichen wurde“, antwortete ein anderer und ich erkannte den Klang seiner Worte sofort. Und dann sah ich ihn und augenblicklich umhüllte mich eine Wolke aus wohltuender Wärme.
„Hey Balthasar“, brüllte unser Wächter, „hat dir Leandra gestern noch die Hölle heißgemacht?“
Er blieb stehen, wir taten es auch. „Ach, halt die Klappe, Karl“, antwortete er.
Diego grinste Balthasar schelmisch an und klopfte dem Mann auf die Schulter: „Ja, ja, du und deine Frau. Ich frage mich gar nicht mehr, wer von euch beiden die Hose anhat.“
Ich hörte ihn reden und mein Herz schlug schneller. Warum? Furcht war es nicht, die ich in seiner Anwesenheit fühlte. Und als ob er das aufgeregte Pochen in meiner Brust hören könnte, drehte er sich plötzlich zu mir herum und blickte mich an, mit Augen, die in mein Innerstes zu schauen schienen. Ich versuchte, so unbeteiligt wie möglich zu wirken.

Diegos perfektes Antlitz bewegte sich auf meines zu. Nur Zentimeter trennten unsere Gesichter voneinander und ich hielt den Atem an. Er hob seine rechte Hand, strich damit mein Haar zur Seite und entblößte meinen Hals. Dann beugte er seinen Kopf zu mir herunter und seine kalte Nasenspitze streifte die Haut kurz oberhalb meines Schlüsselbeins. Ich spürte Gänsehaut und hörte, wie er durch die Nase Luft einsog. Er fuhr meinen Hals hoch und verharrte an meinem Ohr.
„Was bist du“, säuselte er mit rauer Stimme, „du riechst anders.“
Bevor ich die Worte zurückhalten konnte, waren sie auch schon meinen Lippen entschlüpft.
„Vielleicht besteht der Unterschied darin, dass ich lebendig rieche und du nach Tod stinkst“, flüsterte ich und hielt im nächsten Moment auch schon wieder die Luft an. Ich kniff meine Augen zusammen, erwartete den stechenden Schmerz, kurz bevor der Kopf vom Hals getrennt oder das Blut aus den Adern gesaugt wird, doch nichts passierte. Ich öffnete sie wieder und begegnete dem belustigten Blick eines Vampirs. In seinen Augen lag ein goldenes Funkeln und auf seinen Lippen ein amüsiertes Lächeln.
Da trat Karl von hinten an Diego heran. Ich versuchte ausdruckslos zu schauen, obwohl unaufhörlich Gedanken durch meinen Kopf ratterten.
„Hey, Diego. Ich muss weiter. Sehen wir uns nachher, Bruder?“
„Klar, Karl. Wie immer um zehn bei Viktor?“ Karl nickte und setzte sich wieder an die Spitze unserer Kolonne. Bis zur nächsten Biegung konnte ich Diegos Blick in meinem Rücken spüren. Ich drehte mich nicht herum.

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Belzustra
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BeitragVerfasst am: 30.11.2011 14:24    Titel: Schattenwelt Teil 2 pdf-Datei Antworten mit Zitat

Dann öffnete sich vor uns eine große Flügeltür und wir traten in einen weitläufigen Raum. Er war ausgestattet mit Sesseln und Chaiselongues, auf denen es sich Vampire gemütlich gemacht hatten. An den Wänden hingen orientalische Schwerter und Musketen neben Portraits strengblickender Monarchen. Karl führte uns zu einer langen Reihe aus Tischen, auf denen Gläser standen, sieben an der Zahl. Vor jedes platzierte er eine von uns. Zahlreiche Schattenwandler sahen uns an, unter ihnen auch Frauen, in knapper Kleidung, doch mit unverwechselbarer Raubtierausstrahlung.
Unser Wächter nickte einer von ihnen zu und entfernte sich von uns. Anmutigen Schrittes kam sie auf uns zu. Mit einem grausamen Lächeln aus Vorfreude entblößte sie ihre Zähne und hob demonstrativ ihren schlanken Zeigefinger, dessen Nagel sich krallenhaft ausfuhr. Sie packte das Handgelenk der am äußersten Ende stehenden Frau und ritzte ihr die zarte Haut des Gelenks auf. Dann hielt sie den blutenden Arm über das Glas und fuhr mit der nächsten fort. Meine Leidensgenossinnen zuckten nicht einmal vor Schmerz zusammen. Es war, als ob sie nur leere Hüllen seien. Und plötzlich war ich an der Reihe.
„Tu, was sie wollen, sonst bist du tot“, hallten die Worte meiner Mutter durch meinen Kopf, als ich der Vampirin gehorsam meinen Arm hinhielt und den kurzen Schmerz über mich ergehen ließ.
In einem Raum, eingesperrt mit Dutzenden Blutsaugern tropfte die rote Flüssigkeit unaufhörlich aus unseren Wunden. Gierige, hungrige Blicke verfolgten das Geschehen. Manche saugten hörbar die blutgeschwängerte Luft ein, schlossen genussvoll ihre Augen und reckten die Köpfe in die Höhe. Andere starrten einfach nur und sehen aus, als würden sie im nächsten Moment anfangen zu sabbern. Wieder anderen fiel es augenscheinlich schwer, sich zu beherrschen. In ihren Gesichtern stand die Lust geschrieben uns zu zerfleischen. Ein kalter Schauer lief meinen Rücken hinunter. Niemand sprach.
Die Vampirin forderte einen alten Mann auf, näher zu kommen. Er legte, wieder bei der Ersten von uns angefangen, seine Hand auf ihre und blickte ihr tief in die Augen. Da schloss sich die kleine Wunde und der Strom aus Blut versiegte. So verfuhr er ebenso bei uns Übrigen und als er geendet hatte, da öffnete sich eine weitere Tür, am anderen Ende des Raumes. Die Menge teilte sich und ein Mann, in kostbare Gewänder gehüllt, rückte ins Zentrum des Geschehens. Der König. Die Menge verbeugte sich respektvoll. Wir Frauen blieben regungslos stehen.

Er kam auf uns zu und verharrte vor der Vampirin, die nur ein paar Schritte entfernt, rechts von mir stand. Ein schlichtes silbernes Diadem verzierte ihren Kopf. Ihr dunkles Haar floss in glatten Strähnen über ihren Rücken. Sie trug eine schwarze hautenge Hose und ihre Brüste bedeckte nur ein Hauch aus grünem Stoff. An ihrem rechten Arm klirrten zahlreiche Reife gegeneinander. Sie bedeckten den kleinen Teil eines Tatoos, dass sich kunstvoll ihren kompletten Arm hinauf wand.
„Leandra“, begrüßte der Monarch die Frau.
„Mein König“, antwortete sie respektvoll und forderte ihn mit einer Handbewegung auf, ihr zur ersten meiner Leidensgenossinnen zu folgen. Dann trat sie einen Schritt zurück und der König griff zum ersten Glas. Wie bei einer Weinprobe schwenkte er das Glas, er schnupperte daran, nippte an der Flüssigkeit, vermischte sie im Mund mit Luft und ließ das Blut genüsslich über seine Zunge rollen, bevor es in seinem Rachen verschwand.
Dann verzog er das Gesicht vor Ekel und stellte fest: „Unbrauchbar!“
Sofort eilten zwei Vampire hinter die Frau und trugen sie fort. Der König widmete sich der nächsten Probe. Die Situation, in der ich unglücklicherweise steckte, kam mir lächerlich und unheimlich zugleich vor, so dass es mir schwerfiel ein panisches Kichern zu unterdrücken. Ich wollte gar nicht darüber nachdenken, was passieren würde, wenn ich hier und jetzt einen spontanen Lachanfall bekommen würde und so konzentrierte ich mich darauf ins Leere zu blicken und meinen Kopf gedankenfrei zu halten.
„A positiv. Qualität akzeptabel.“ Das nächste Glas war meins. Er hob es an seine Lippen, ließ sich Zeit mit dem Kosten. Unter seinem Blick fing ich zu schwitzen an. Er setzte das Glas ab und fixierte mich weiter. Dann brach er das Schweigen: „Wie ist dein Name, … Lichtbringer“ Ein Raunen ging durch die Menge, begleitet von einem einzelnen belustigten Kichern, Diegos Kichern. „Habe ich es doch gewusst“, rief er begeistert und schlenderte an des Königs Seite.
Ich schaute sie beide offen an.
„Nun, wie ist dein Name“, wiederholte der Anführer seine Frage.
Ich versuchte mit fester Stimme zu sprechen: „Mein Name ist Jess.“
„Herzlich willkommen, Jess. Heute ist dein Glückstag“, raunte er und brach in schallendes Gelächter aus.
Anschließend sah er sich in der Menge suchend um: „Wo ist Viktor?“, fragte er.
Da begehrte Diego auf. „Du willst sie Viktor geben??? Er wird sie zerstören, bis sie für niemanden mehr von Wert ist.“
In seiner Stimme schwang Verärgerung mit.  
„Du willst sie für dich haben. Habe ich Recht?“, stellte der König fest.
Diego schwieg.
„Wenn ich sie dir überlasse, wirst du dann auf mein Angebot eingehen?“

Es ist schon erstaunlich, wie schnell man sich einer ungewohnten Situation anpassen kann. Ich hatte mich bereits mit dem Gedanken abgefunden, meine Freiheit verloren zu haben. Eine Wahl hatte ich sowieso nicht. Nun ging es nur noch darum das Geringere zweier Übel zugesprochen zu bekommen und das war eindeutig Diego. Ich fieberte regelrecht mit.
Der Vampirherrscher wartete derweil auf Diegos Antwort.
„Nun, was sagst du, mein Sohn? Nimmst du es an, oder nicht?“
Langsam, fast wie ein gebrochener Mann, sank Diego auf seine Knie und senkte seinen Kopf gen Boden. Die folgenden Worte sprach er so leise, dass ich sie kaum verstand: „Ich nehme Euer Angebot an, mein König.“ Der Herrscher legte seine Hand auf Diegos Kopf: „So sei es!“
Anschließend wandte er sich den verbliebenen 4 Frauen zu, die regungslos neben mir verharrten.
Diego stand auf, kam auf mich zu, griff meinen Arm und führte mich fort. Er sprach kein Wort.

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BeitragVerfasst am: 02.12.2011 13:08    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Das Gebäude, in dem wir uns befanden, war sehr weitläufig und selbst wenn sich mir eine Gelegenheit zur Flucht geboten hätte, so hätte mir das wenig genützt, denn ich wäre niemals entkommen. Labyrinthartig zweigten ungefähr alle 20 Meter Korridore und Gänge ab, die wiederum von zahlreichen gleichaussehenden Türen gesäumt wurden. Zudem erstreckte sich das Gebäude auf vier oberirdischen Etagen. Im obersten Stockwerk angekommen, führte mich Diego in einen Raum. Er schloss die Tür hinter mir, ließ mein Handgelenk los und steuerte auf eine weitere Tür zu, die in einen kleinen Nebenraum führte. Ich blieb erst einmal stehen und begutachtete die Umgebung. Ein großes Sofa stand dort, in einem Mitternachtsblau und mit zahlreichen Kissen bestückt lud es zur Gemütlichkeit ein. Davor war ein kleiner Tisch aus dunklem Holz platziert und an der Wand, hing der größte Flachbildfernseher, den ich je gesehen hatte. Mal davon abgesehen, dass es in Kringa, meinem Heimatdorf, nur zwei Familien gegeben hatte, die sich solch ein Gerät überhaupt leisten konnten. Meine Familie hatte nicht dazu gehört.
Da ertönte aus dem Nebenzimmer das Geräusch zersplitternden Glases. Ich näherte mich und blieb im Türrahmen stehen. Diego saß auf der Kante seines riesigen Bettes und hielt den Rest eines Kelches in der Hand. Zahlreiche Splitter hatten sich in seine Haut gefressen und Blut tropfte auf den dunklen Parkettfußboden. Er wirkte verärgert, seine Augenbrauen zusammen gezogen, schaute er mit finsterem Blick in die Ferne. Dann erhob er sich und schlenderte zum angrenzenden Badezimmer. Ich hörte, wie er den Wasserhahn aufdrehte, doch schon kurz darauf schien er sich umzuentscheiden, denn ich vernahm das Rauschen einer Dusche.

Wie lange war es her, dass ich selbst in den Genuss einer Dusche gekommen war? Zehn Jahre? Zwölf? Ich konnte mich kaum noch daran erinnern. Es musste wohl zu der Zeit gewesen sein, als meine Familie noch intakt war. Als ich noch Eltern, Großeltern, einen Bruder und eine Schwester hatte.
Gedankenversunken setzte ich mich auf den Rand des Bettes. Wie flauschig die Matratze war. Bei jeder Bewegung gab sie nach und passte sich an, ganz anders als der harte, mit ein wenig Stroh ausgelegte Boden meiner ärmlichen Hütte.
Da trat Diego aus dem Waschraum. Er trug nur eine verwaschene Jeanshose. Von seinem nackten Oberkörper perlten Wassertropfen, während er sich mit einem weißen Handtuch die Haare trocknete. Achtlos warf er es anschließend auf den Boden. Sein Haar stand in alle Richtungen ab und ich konnte meinen Blick nicht von ihm losreißen. „Kein Wunder, dass ich ihn für einen Engel gehalten hatte“, dachte ich mir bei diesem köstlichen Anblick. Jedoch musste ich mich im nächsten Augenblick bereits wieder ermahnen, nicht einem Mann, wie diesem zu verfallen, im Angesicht dessen, was er war. Doch was war er? Und was war ich?

Diego steuerte auf einen kleinen Schrank zu, der sich links vom Fenster befand, zauberte eine Flasche Hochprozentigen hervor und füllte ein Wiskeyglas bis zur Hälfte. Dann starrte er nach draußen, in den sternenklaren Himmel.
„Was geschieht nun mit mir?“, fragte ich ihn. Doch er gab keine Antwort. Die tiefe Stille, die den Raum eroberte, bereitete mir Unbehagen. Unruhig ließ ich den weichen Stoff meines Kleides zwischen meine Finger gleiten und spielte mit den zart gewebten Fäden an dessen Saum. Die wohltuende Wärme, die mich sonst in Diegos Anwesenheit erfüllte, glänzte durch Abwesenheit und ich fühlte mich eigenartig leer.
„Was geschieht nun mit mir?“, wiederholte ich in Gedanken und ließ die Geschehnisse der letzten Stunden Revue passieren. Und während ich so dasaß, löste sich eine stumme Träne nach der nächsten. Sie kullerten meine Wangen hinunter, bis zum Kinn, von wo aus sie in die Tiefe stürzten und dunkle Flecken in meinem violetten Schoß hinterließen.
Diego drehte sich herum, füllte ein weiteres Glas mit Alkohol und reichte es mir. Dann ging er ins angrenzende Zimmer und ließ sich ins Sofa fallen. Kurz darauf dröhnten Schüsse über die Boxen der Surround Anlage.  Unsicher bewegte ich mich näher, neugierig auf das bunte Geflimmer zu, das dem Bildschirm entströmte. In gebührendem Abstand zu Diego und dem Sofa, aber mit gutem Blick auf den Fernseher, blieb ich stehen und verfolgte fasziniert das Geschehen. "Ein alter Mann stirbt. Ein junges Mädchen lebt. Fairer Tausch.“ sagte der Schauspieler im Trenchcoat gerade.
„Wie heißt der Film?“, wollte ich nach einer Weile von Diego wissen.
„Sin City“, klärte er mich auf und wandte mir den Blick zu. „Ein Frank Miller Film aus dem Jahr 2005.“
„Sooo alt“, fragte ich erstaunt.
Seine Reaktion war überraschenderweise ein herzliches Lachen, bei dem sich winzige Fältchen rund um seine Augen kräuselten. „Ja, sooo alt“, antwortete er anschließend und ich hatte das Gefühl, das seine Worte nicht auf das Alter des Films bezogen waren. Sie klangen eher nostalgisch.
„Der Film stammt aus deiner Zeit“, vermutete ich leise.
Er bedachte mich mit einem undeutbaren Blick.
Dann wandte er sich wieder dem Fernseher zu.
Ich ließ mich an der Wand in meinem Rücken, zu Boden sinken, nippte an meinem Getränk und tat das Gleiche.

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