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Florian
Geschlecht:männlichSchreiberassi

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Beiträge: 66
Wohnort: Schwabenland


BeitragVerfasst am: 04.05.2009 23:52    Titel: Rote Schatten eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo!

Ich arbeite gerade an dieser neuen Geschichte. Sie ist Teil eines größeren Werkes namens "Die Fünf Kugeln", aus der ich nach und nach Geschichten schreiben werde.

Das ganze kann man durchaus mit Herr der Ringe vergleichen, auch wenn es zumindest teilweise in der modernen heutigen Zeit angesiedelt ist. Vor allem diese Geschichte hat eigentlich auch noch recht wenig mit dem Thema "Mittelalter-Fantasy" gemein. Mehr möchte ich erst einmal nicht verraten, ich will ja nicht gleich die Spannung vorwegnehmen. wink

Aber genug der Rede, hier kommt einmal eine kleine Leseprobe:

Er konnte nicht schlafen, die Gedanken drehten sich in seinem Kopf als wenn er Achterbahn fahren würde. Er öffnete die Augen. Zuerst drehte sich alles, er schüttelte den Kopf als wenn er die Gedanken, die so schwer auf ihm lasteten und nicht verschwinden wollten, vertreiben wollte. Sie erinnerten ihn an die Monster seiner Kindheit, die sich zuerst in seinem Kleiderschrank, dann in dem Bücherregal über seinem Bett und schließlich unter seinem Bett dunkel, groß und unbegreiflich versteckten um ihm den Schlaf zu rauben. Ja, sie, die schwärzeste Seite der Kindheit, war zurückgekehrt, zumindest fühlte er sich gerade wie ein kleines schwaches Kind, über das irgendwelche Leute Entscheidungen treffen und er dagegen nichts als eine erdrückende Machtlosigkeit empfindet.


Ich werde dann zunächst die ersten drei Kapitel reinstellen.

Über jeden Kommentar freue ich mich, auch wenn es nur über das erste Kapitel ist - besser als gar nichts. wink

So, dann wünsche ich viel Vergnügen! smile



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Florian
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 29
Beiträge: 66
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BeitragVerfasst am: 04.05.2009 23:53    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

+ Prolog +   Die Entdeckung

Es stürmte und regnete, als Elon aus seinem Volvo stieg. Rasch zog er sich die Kapuze seines Mantels über. ‚Was für ein Sauwetter!’, dachte er.
Der Ordensleiter hatte ihn angewiesen nach Straßburg zu Savon zu fahren um „dort nach dem Rechten zu sehen“, wie er es so schön sagte. Aber es war schon merkwürdig, dass Savon nichts von sich hören ließ. Schließlich war er für die Baumpriester zuständig. Und dass diese aus heiterem Himmel wieder aufgetaucht waren, hätte Savon bestimmt wissen müssen. Und man konnte ihn auch nicht einmal erreichen, weder zu Hause noch auf seinem Handy. Diese Sache kam Elon reichlich spanisch vor. Schließlich galt Savon als besonders zuverlässig. Er hatte es auch immer als erster erfahren, wenn sich die hünenhaften Männer in schwarzen Mänteln irgendwo zeigten. Er hatte in der ganzen Welt Informanten, auf die man sich verlassen konnte. Nachdem der für Hamburg zuständige Spion Savon nicht erreicht hatte, rief er bei der Zentrale des Michaelordens an und berichtete, dass die Hansestadt plötzlich von Baumpriestern nur so wimmelte.
Fröstelnd lief er die Straße entlang. Straßburg war eine schöne Stadt. Aber das war auch nicht verwunderlich, da die Stadt bestimmt finanziell von der Tatsache, dass sie der Sitz des Europaparlamentes ist, profitiert. Elon kam an dem großen Liebfrauenmünster vorbei, die in der Dunkelheit wie ein bedrohlicher Koloss wirkte. Ein Blitz erhellte die imposante Fassade des gotischen Bauwerks. Elon war schon lange nicht mehr in einer Kirche gewesen. Das bedeutete natürlich nicht, dass er das Beten vernachlässigte. Für ein Mitglied des Ordens war es ein fester Bestandteil des Tages. Während er rasch weiterging, schickte er ein Stoßgebet gen Himmel. Denn auf eine böse Überraschung konnte er heute wahrlich verzichten.
Kurz darauf stand er vor dem alten Haus, in dem Savon wohnte. Dieser Name war nur ein Pseudonym, in Wirklichkeit hieß er Johannes Becker. Elon drückte auf das gleichnamige Klingelschild.
Er wartete ungeduldig und wurde langsam nervös. Elon klingelte noch einmal, doch es tat sich nichts. Der Mönch hatte den ausdrücklichen Befehl erhalten in die Wohnung einzubrechen, wenn niemand öffnete. Leicht zögernd kramte er einen Dietrich aus seiner Manteltasche.
Es war nicht das erste Schloss, das er aufbrach. Seine Hände zitterten leicht von der Kälte – war es auch die Nervosität? – sodass er etwas länger brauchte, doch letztendlich gab das Schloss nach und er konnte in das Haus treten. Bei Eintritt erhellte sich sogleich ein Treppenhaus, das weit nach oben führte.
Savon wohnte im dritten Stock. Elon klingelte, machte sich aber keine Hoffnungen. Nachdem er noch ein paar Mal gegen die Tür gehämmert und Savons Namen gerufen hatte, brach er die Tür auf. Sogleich wehte ihm ein süßlich fauliger Geruch entgegen. Elon holte seine Taschenlampe hervor. Er ging vorsichtig durch den langen Flur und bog nach rechts in den Raum ein. Er befand sich in einem Wohnzimmer. Überall auf dem Boden lagen Dinge verteilt, meistens Papiere. Es sah so aus, als hätte hier ein wildes Tier gewütet. Auf dem Schreibtisch, der in einer Ecke des großen Raums stand, sah es am schlimmsten aus. ‚Hier hat irgendjemand etwas gesucht’, dachte er.
Elon näherte sich dem Schreibtisch. Er meinte zu spüren, wie der ekelerregende Geruch immer stärker wurde und hielt sich die Nase zu. Auf dem Tisch war ein Durcheinander, einige Papiere wurden sogar bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Elon war sich nun sicher: Das war das Werk der Baumpriester. Beim Studieren der Zettel fiel Elons Blick plötzlich auf etwas, das neben dem Schreibtisch lag. Es war ein grauer Hausschuh. Mit einer dunklen Vorahnung ging er um den Schreibtisch herum…
Elon stieß einen Schrei aus und stolperte vor Schreck, konnte sich aber gerade noch auf den Beinen halten. Seine vor Entsetzen geweiteten Augen blickten auf die Leiche von Savon. Man hatte ihn mit einem Kopfschuss getötet. Ein Loch, umrandet von getrocknetem Blut prangte auf seiner Stirn. Elon stürmte mit dem Bild von Savons leblosen Körper vor dem inneren Auge so schnell wie er konnte aus der Wohnung und bemerkte dabei nicht das in einer Pflanze versteckte kleine Wesen, das ihn die ganze Zeit beobachtet hatte.


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Hoody
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Wohnort: Alpen


BeitragVerfasst am: 07.05.2009 18:44    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Florian:

Zitat:
Er konnte nicht schlafen, die Gedanken drehten sich in seinem Kopf als wenn er Achterbahn fahren würde. Er öffnete die Augen. Zuerst drehte sich alles, er schüttelte den Kopf als


Wortwiederholung.
Du findest bestimmt bessere Varianten für sich. Ich würde das Wort sich nicht zu oft benutzen, dass stört einfach beim Lesen.
Auch die zwei Satzanfänge mit ER sind nicht so gut.

Er konnte nicht schlafen, die Gedanken kreisten in seinem Kopf, als wenn er Achterbahn fahren würde. Langsam öffnete er die müden/schweren/etc...Augen. Zuerst drehte sich alles, angewidert/müde/schlecht gelaunt/etc schüttelte er den Kopf...

Code:
Es stürmte und regnete, als Elon aus seinem Volvo stieg. Rasch zog er sich die Kapuze seines Mantels über. ‚Was für ein Sauwetter!’, [b]dachte er.[/b]

Dachte er kannst du rausstreichen. Der Leser wird es schon selber bemerken das Volvo das denkt.


Zitat:
Der Ordensleiter hatte ihn angewiesen nach Straßburg zu Savon zu fahren um „dort nach dem Rechten zu sehen“, wie er es so schön sagte.

Die vielen zu's stören beim Lesen. Stelle einfach die Sätzebisschen um. Dann ist es auch stilisch besser.

Zitat:
Er hatte es auch immer als erster erfahren, wenn sich die hünenhaften Männer in schwarzen Mänteln irgendwo zeigten. Er hatte in der ganzen Welt Informanten, auf die man sich verlassen konnte. Nachdem der für Hamburg zuständige Spion Savon nicht erreicht hatte,

Stelle hier auch die Sätze um und versuch nicht so oft die Wörter hatte zu benutzen. Das wäre das gleiche wenn ich dauernt: Dann tat er das, dann steig er, dann ging er, dann....schreiben würde.

Also deine Geschichte kann mich leider nicht mitreißen. Die Idee klingt zwar schön und auch spannend. Doch deine Schreibweise ist noch nicht so gut. Das kannst du besser. Auch fehlen mir hier die 5 Sinne, ich konnte mir eigentlich gar nichts vorstellen.

lg Hubi


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Florian
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 29
Beiträge: 66
Wohnort: Schwabenland


BeitragVerfasst am: 07.05.2009 19:54    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Jarda, vielen Dank für deine Anmerkungen, die sehr hilfreich sind.

Vor allem das mit den Sinnen ist mir hier gar nicht so stark aufgefallen, da ist eine große Überarbeitung fällig.

Das mit den Wortwiederholungen kann ich mir wohl nur so erklären, dass mir die Worte in Gedanken "hängenbleiben" und so wieder in die nächste Formulierung hineinrutschen. Da muss ich in Zukunft besser darauf achten.

Mit dem "Er" wird es schwierig, weil der Leser erst ein bissel rätseln soll um wen es sich handelt. Aber die andere Wiederholung werde ich ersetzen - nur blöd, dass man die Leseprobe nicht mehr editieren kann. Confused

LG Flo


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Telani
Geschlecht:weiblichHobbyautor

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Beiträge: 439



BeitragVerfasst am: 07.05.2009 20:36    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Florian!

Kein Problem, verändere die Leseprobe auf deinem Laptop und stell sie einfach nochmal neu rein, als Antwort quasi.

Ich gebe Jarda recht, trotzdem muss ich dir sagen, dass du gute Ansätze hast. Es fehlt eben bloß noch die Vertiefung. Aber das kriegst du schon hin. Für solche "Startschwierigkeiten" gibt es hier die Schreibübungen. Die eignen sich perfekt um sich ein bisschen warm zu schreiben.

Mir ist auch noch eine Stelle aufgefallen die du verändern solltest:
Zitat:
Er konnte nicht schlafen, die Gedanken drehten sich in seinem Kopf als wenn er Achterbahn fahren würde. Er öffnete die Augen. Zuerst drehte sich alles, er schüttelte den Kopf als wenn er


als wenn klingt sehr umständlich und dann noch zweimal hintereinander: da stolpert man beim Lesen.

Aber hier auch noch ein Beispiel aus deinem Auszug, das mir gut gefallen hat:
Zitat:
Seine Hände zitterten leicht von der Kälte – war es auch die Nervosität?


mehr von solchen Dingen braucht der Leser und dann schaffst du auch Atmosphäre. Aber das bekommst du bestimmt noch hin. Schreiben ist halt Übung (unter Anderem)...da müssen wir alle durch Wink

LG Telani


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Gabi
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BeitragVerfasst am: 07.05.2009 22:40    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Florian,

dann versuche ich auch mal zu helfen. Wink
Du solltest versuchen, die Szenen bildlicher darzustellen. Hier bei diesem Satz ist dir das zum Beispiel gelungen.
Zitat:
Ein Blitz erhellte die imposante Fassade des gotischen Bauwerks.


Ich versuche, dir an deiner ersten Szene zu zeigen, wie du das in den anderen Passagen umsetzen könntest. Wink

Zitat:
Es stürmte und regnete, als Elon aus seinem Volvo stieg. Rasch zog er sich die Kapuze seines Mantels über. ‚Was für ein Sauwetter!’, dachte er.


Elon öffnete die Tür seines Volvos. Noch bevor er einen Fuß aus dem Wagen setzten konnte, peitschte ihm der Regen ins Gesicht und stach wie tausend Nadeln in seine Haut. Sein Blick schweifte empor zu den Wipfeln der Kastanienbäme am Straßenrand, die sich im Wind bogen. Selbst wenn sich das Unwetter in einen Tornado verwandelte, konnte es ihn nicht von seinem Vorhaben abhalten. Elon reckte das Kinn vor und schob sich die Kapuze seines Anoraks über den Kopf. Festentschlossen schwang er die Beine aus dem Wagen und versank mit seinen Krokolederschuhen in einer Pfütze, die bis zu seiner Achillessehne reichte. "Verdammter Mist", fluchte er.

Kannst du dir vorstellen, was ich dir damit zeigen wollte? Schreibe nicht einfach: Es regnete und stürmte.
Da lässt sich doch mehr machen, oder?
So setzt sich das in deinem Text fort. Du schreibst es wie ein Aufsatz. Sprich Elons Sinne an. Was sieht er, was hört er, was riecht er, was fühlt er, was denkt er?
Noch ein Beispiel:
Zitat:
Elon näherte sich dem Schreibtisch. Er meinte zu spüren, wie der ekelerregende Geruch immer stärker wurde und hielt sich die Nase zu. Auf dem Tisch war ein Durcheinander, einige Papiere wurden sogar bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Elon war sich nun sicher: Das war das Werk der Baumpriester. Beim Studieren der Zettel fiel Elons Blick plötzlich auf etwas, das neben dem Schreibtisch lag. Es war ein grauer Hausschuh. Mit einer dunklen Vorahnung ging er um den Schreibtisch herum…
Elon stieß einen Schrei aus und stolperte vor Schreck, konnte sich aber gerade noch auf den Beinen halten. Seine vor Entsetzen geweiteten Augen blickten auf die Leiche von Savon. Man hatte ihn mit einem Kopfschuss getötet. Ein Loch, umrandet von getrocknetem Blut prangte auf seiner Stirn.


Elon näherte sich dem Schreibtisch. Der Gestank, der ihm entgegenschlug, raubte ihm den Atem. Sein Magen drehte sich und drohte an, das Frühstück wieder hinaus zu befördern. Hier könntest du den Gestank noch beschreiben. Säuerlich? Süßlich? Fäulnis? Oder alles zusammen? Das bleibt dir überlassen.
Du musst das nicht 1:1 übernehmen, denn es soll nur eine Anregung sein. Wink
Und noch etwas. Sobald du Elons Gedanken und seine Sicht beschreibst, dann schreibst du aus seiner Perspektive.  Dann darf aber auch nichts auftauchen, was er nicht sieht.
Zitat:
Elon stürmte mit dem Bild von Savons leblosen Körper vor dem inneren Auge so schnell wie er konnte aus der Wohnung und bemerkte dabei nicht das in einer Pflanze versteckte kleine Wesen, das ihn die ganze Zeit beobachtet hatte.

Ich weiß, das ist verlockend so zu schreiben. Dennoch passt es nicht, wenn du aus Elons Sicht schreibst. Das lässt sich aber lösen, indem du der Pflanze, oder was das auch immer ist, eine eigene Szene widmest.
Sollte dir etwas unklar sein, frag ruhig nach.

L.G.
Gabi


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Pütchen
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BeitragVerfasst am: 07.05.2009 22:49    Titel: Antworten mit Zitat

EDIT: Okay, es kamen schon weitere Kommentare, die ich nun nicht berücksichtigt habe, da ich ein bisschen mit deinem Text beschäftigt war. Falls also was von Telani und Gabi sich mit meinem deckt, ignorier es einfach wink




Lieber Florian,

so, da bin ich. Du siehst, schon der erste Kommentar von unserem Jarda da (mit ein paar guten Tipps wink), kaum dass es weniger zu lesen ist wink

Sicherlich ist in den weiteren Kapitel, die du zuerst drin hattest, die Spannung etwas gestiegen. Generell musst du hier daran arbeiten, dass der Leser schon am Anfang gefesselt wird.

Deine Story hat Potential und mir gefällt sie inhaltlich gut. Klingt richtig spannend Daumen hoch

Jarda hat ja schon einiges angesprochen - hier mal eine konkreter Verbesserungsvorschlag:

Zitat:
Der Ordensleiter hatte ihn angewiesen nach Straßburg zu Savon zu fahren um „dort nach dem Rechten zu sehen“, wie er es so schön sagte.


Du könntest die von Jarda angesprochenen doppelten "zu" vllt. so vermeiden:

Der Ordensleiter hatte ihn angewiesen, bei Savon in Straßburg "nach dem Rechten zu sehen", wie er so schön sagte.

Reicht völlig aus.

Zitat:
Er hatte es auch immer als erster erfahren, wenn sich die hünenhaften Männer in schwarzen Mänteln irgendwo zeigten. Er hatte in der ganzen Welt Informanten, auf die man sich verlassen konnte.


z.B. das doppelte "Er hatte" könntest du so vermeiden:

Da er auf der ganzen Welt Informanten hatte, auf die man sich verlassen konnte, hatte er es auch immer als erstes erfahren, wenn sich die hünenhaften Männer in schwarzen Mänteln irgendwo zeigten.



Zitat:
Nachdem der für Hamburg zuständige Spion Savon nicht erreicht hatte, rief er bei der Zentrale des Michaelordens an und berichtete, dass die Hansestadt plötzlich von Baumpriestern nur so wimmelte.


Hier hast du mich inhaltlich verwirrt. Er ist in Straßburg und meldet dann von der Hansestadt? Und ist dann wieder in Straßburg?


Zitat:
Fröstelnd lief er die Straße entlang. Straßburg war eine schöne Stadt. Aber das war auch nicht verwunderlich, da die Stadt bestimmt finanziell von der Tatsache, dass sie der Sitz des Europaparlamentes ist, profitiert. Elon kam an dem großen Liebfrauenmünster vorbei, die in der Dunkelheit wie ein bedrohlicher Koloss wirkte. Ein Blitz erhellte die imposante Fassade des gotischen Bauwerks.


Hier hast du schön die Umgebung geschrieben und die von Jarda angesprochenen Sinne mit hinein genommen: Optik, Kälte (Frösteln). Lass noch die Schritte auf der Straße hallen und bring irgendwo den Geruch mit hinein, dann hast du alles erfüllt wink.

Zitat:
Elon war schon lange nicht mehr in einer Kirche gewesen. Das bedeutete natürlich nicht, dass er das Beten vernachlässigte. Für ein Mitglied des Ordens war es ein fester Bestandteil des Tages. Während er rasch weiterging, schickte er ein Stoßgebet gen Himmel. Denn auf eine böse Überraschung konnte er heute wahrlich verzichten.


Er hat wohl eine böse Vorahnung. Lass ihn diese noch kalte Schauer über den Rücke jagen und dergleichen.

Zitat:
Kurz darauf stand er vor dem alten Haus, in dem Savon wohnte. Dieser Name war nur ein Pseudonym, in Wirklichkeit hieß er Johannes Becker. Elon drückte auf das gleichnamige Klingelschild.


Dieser Name war nur ein Pseudonym, in Wirklichkeit hieß er Johannes Becker. ... ist keine elegante Formulierung.

Vllt.:

Elon drückte auf das mit Johannes Becker beschriftete Klingelschild (Klingelknopf?) - Savons richtigem Namen.

Reicht doch.  




Zitat:
Er wartete ungeduldig und wurde langsam nervös. Elon klingelte noch einmal, doch es tat sich nichts. Der Mönch hatte den ausdrücklichen Befehl erhalten in die Wohnung einzubrechen, wenn niemand öffnete. Leicht zögernd kramte er einen Dietrich aus seiner Manteltasche.
Es war nicht das erste Schloss, das er aufbrach. Seine Hände zitterten leicht von der Kälte – war es auch die Nervosität? – sodass er etwas länger brauchte, doch letztendlich gab das Schloss nach und er konnte in das Haus treten. Bei Eintritt erhellte sich sogleich ein Treppenhaus, das weit nach oben führte.


Hier nimmt dein Text ja langsam Tempo auf und man sieht, dass etwas Spannendes passieren wird.

Manchmal neigst du noch dazu, akribisch jede Handlung Schritt für Schritt beschreiben zu wollen (immer wieder gerne genommen am Anfang, ist mir auch passiert wink) Du kannst aber ruhig viel der Phantasie des Lesers überlassen.

Hier:

Seine Hände zitterten leicht von der Kälte – war es auch die Nervosität? – sodass er etwas länger brauchte, doch letztendlich gab das Schloss nach und er konnte in das Haus treten.

Würde ich folgendermaßen aufteilen, damit es nicht so nach Aufzählung aufssieht:

Seine Hände zitterten leicht von der Kälte – oder war es auch die Nervosität? Die Zeit erschien ihm unendlich lange, bis das Schloss schließlich nachgab und er das Haus betreten konnte.


Zitat:
Savon wohnte im dritten Stock. Elon klingelte, machte sich aber keine Hoffnungen. Nachdem er noch ein paar Mal gegen die Tür gehämmert und Savons Namen gerufen hatte, brach er die Tür auf. Sogleich wehte ihm ein süßlich fauliger Geruch entgegen.


Kannst du eleganter formulieren, z.B.:

Der süßlich faule Geruch, der ihm entgegenschlug, nahm ihm beinahe den Atem.


Zitat:
Er meinte zu spüren, wie der ekelerregende Geruch immer stärker wurde und hielt sich die Nase zu.


stattdessen:

angewidert presste er seine Hand vor den Mund/die Nase ...





Zitat:
Auf dem Tisch war ein Durcheinander, einige Papiere wurden sogar bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Elon war sich nun sicher: Das war das Werk der Baumpriester. Beim Studieren der Zettel fiel Elons Blick plötzlich auf etwas, das neben dem Schreibtisch lag. Es war ein grauer Hausschuh. Mit einer dunklen Vorahnung ging er um den Schreibtisch herum…
Elon stieß einen Schrei aus und stolperte vor Schreck, konnte sich aber gerade noch auf den Beinen halten. Seine vor Entsetzen geweiteten Augen blickten auf die Leiche von Savon. Man hatte ihn mit einem Kopfschuss getötet. Ein Loch, umrandet von getrocknetem Blut prangte auf seiner Stirn.


Bei so einem wie oben beschriebenen Vorgang sind ja mächtig viele Gefühle mit im Spiel. Zeig sie uns:

Schweiß tritt auf seine Stirn, der Pulsschlag beschleunigst sich, der Magen verkrampft sich usw. usw.

Das ist sicherlich einer der von Jarda angesprochenen Punkte.

Wie es so schön heißt: Show, don't tell.

Hier beschreibst du einfach - du ziehst den Leser aber nicht in den Bann, dass er mit Eon mitfühlt. Zeige, was er in dem Moment durchmacht und lass es den Leser mit durchmachen.


Zitat:
Elon stürmte mit dem Bild von Savons leblosen Körper vor dem inneren Auge so schnell wie er konnte aus der Wohnung und bemerkte dabei nicht das in einer Pflanze versteckte kleine Wesen, das ihn die ganze Zeit beobachtet hatte.


Hier machst du ja so richtig neugierig auf das Wesen, dass da nun kommen wird Daumen hoch



So, klang nun alles richtig gruselig viel, nicht wahr?

Aber wenn deine Geschichte kein Potential hätte, hätte ich mir nicht so viel Zeit genommen, daran zu arbeiten. Ich hoffe, ich konnte dir mal die wesentlichen Schwachpunkte aufzeigen. Du hattest ja Lernwille angezeigt wink

Nun, Ärmel hochgekrempelt und ran an den Feind wink


Bin gespannt, was du daraus machst. Wie schon in der PN angesprochen - lies dir gute Texte durch, von denen du lernen kannst. Wie du selbst sagst ist Krümel ein echtes Juwel, der Gaukler schreibt toll Fantasy - es gibt hier unendlich viele gute Geschichten zum lernen. Genauso, wie du auch von den Fehlern der anderen lernen kannst. Das hab ich zumindest.


Bin schon gespannt, wie es weitergeht smile


Ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen weiterhelfen.

Liebe Grüße, Pütchen


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"Die Menschen bauen zu viele Mauern und zu wenig Brücken."
(Isaac Newton, 1642-1726)

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Florian
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BeitragVerfasst am: 09.05.2009 03:14    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo ihr drei!

Erst einmal vielen, vielen Dank für eure Kommentare! smile Ich war total platt als ich sie entdeckt habe, hätte nicht erwartet hier von so einer Vielzahl an Vorschlägen förmlich erschlagen zu werden. wink
Was für eine Erleichterung, dass ihr trotz der vielen Mankos doch noch Potenzial darin seht. Ich hoffe ich kann dieser Hoffnung gerecht werden. wink

Ich habe jetzt stundenlang über dem Kapitel gebrütet und denke, dass es jetzt leserlicher ist.

@Telani:
Zitat:
Kein Problem, verändere die Leseprobe auf deinem Laptop und stell sie einfach nochmal neu rein, als Antwort quasi.

Aber eine Leseprobe sollte schon im ersten Beitrag sein um die Leser "heiß" zu machen. wink Ich habe schon ein wenig daran verändert und werde dann die nächsten Tage die überarbeitete Fassung an einen Mod mit der Bitte zu ersetzen schicken.
Werde aber noch ein wenig dafür brauchen, solche Dinge sind schwer zu beschreiben.


@Gabi:
Zitat:
Kannst du dir vorstellen, was ich dir damit zeigen wollte? Schreibe nicht einfach: Es regnete und stürmte.
Da lässt sich doch mehr machen, oder?

Das stimmt. Ich danke dir auch für die sehr schön zu lesenden Zeilen, sie waren sehr hilfreich. Genau so habe ich sie zwar nicht übernommen, da es im Bezug auf Elon nicht ganz passt. Aber ich werde vor allem in den nächsten Kapiteln daran denken.
Zitat:
So setzt sich das in deinem Text fort. Du schreibst es wie ein Aufsatz.

Das ist leider wahr, dieser unkreative Mist, den wir in der Schule schreiben müssen prägt einen richtig. Aber das ist jetzt ja zum Glück vorbei, Abi olé. wink

Zu dem Schlusssatz: Mir gefällt der so eigentlich. Confused Mein Ziel war ein unauffälliger, Rätsel aufgebender Halbsatz der auf die zukünftige Handlung hindeutet.
Als Elon die Wohnung verlässt verlässt man somit auch seine Sicht. Solche Hinweise habe ich auch schon in mehreren Romanen so gelesen.
Wie denken denn die anderen darüber?


@Pütchen:
Zitat:
Generell musst du hier daran arbeiten, dass der Leser schon am Anfang gefesselt wird.

Ja, das war eigentlich auch mein Ziel. wink
Nur ist die Handlung des Prologs ziemlich - sagen wir mal "abstrakt", ich habe noch wenig Erfahrung darin so etwas zu beschreiben.
Deshalb an dieser Stelle noch einmal meinen Dank, ich hoffe mit der neuen Fassung kann ich die Leser eher in den Bann ziehen. Very Happy

Deine konkreten Verbesserungen habe ich teilweise direkt übernommen, jetzt liest es sich wirklich flüssiger und nachvollziehbarer.
Zitat:
Hier hast du mich inhaltlich verwirrt. Er ist in Straßburg und meldet dann von der Hansestadt? Und ist dann wieder in Straßburg?

Nein, der in Hamburg stationierte Informant meldete sich bei Savon der das ganze koordiniert und verwaltet - erfolglos. So kam dann die ganze Sache in Gang.
Ich denke jetzt ist es verständlicher:
Nachdem Savon nicht an das Telefon gegangen war und auch nicht auf die SMS antwortete, rief der für Hamburg zuständige Informant bei der Zentrale des Michaelordens an und berichtete, dass die Hansestadt plötzlich von Baumpriestern nur so wimmelte.

Zitat:
Er hat wohl eine böse Vorahnung. Lass ihn diese noch kalte Schauer über den Rücke jagen und dergleichen.

Nein, eher nicht. Ich möchte jetzt aber nicht genauer auf Elons Persönlichkeit eingehen. wink
Allerdings habe ich im weiteren Verlauf einiges umgeschrieben um klarzumachen, dass er relativ unbedarft an diese Sache herangeht.
Zitat:
Ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen weiterhelfen.

Da kannst du dir sicher sein! Daumen hoch

Dann stelle ich einmal den überarbeiteten Prolog ein.

Ein schönes Wochenende wünsche ich euch und liebe Grüße, Flo


+ Prolog +   Die Entdeckung


Es stürmte und goss wie aus Kübeln, als Elon aus seinem Volvo stieg. Rasch zog er sich die Kapuze seines Mantels über. Der junge Mann senkte seinen Kopf und blickte grimmig drein als die dicken Tropfen begannen auf ihn einprasseln. Doch er ballte die Fäuste und begann mit festen Schritten aufzubrechen. Er hatte eine Mission und er würde den Ordensleiter nicht enttäuschen, selbst wenn sich der ganze Himmel über ihn ausschütten würde und der unerbittliche Wind ihn von den Beinen reißen würde.
Seine Anweisung war, bei Savon in Straßburg „nach dem Rechten zu sehen“. Der Ordensleiter wirkte ungewohnt bedrückt, als er ihm dies auftrug, keine Spur von seiner üblichen Heiterkeit.
Es war schon merkwürdig, dass Savon nichts von sich hören ließ. Schließlich war er für die Baumpriester zuständig. Und dass diese aus heiterem Himmel wieder aufgetaucht waren, hätte er bestimmt wissen müssen. Man konnte ihn auch nicht einmal erreichen, weder zu Hause noch auf seinem Handy. Diese Sache kam Elon reichlich spanisch vor, schließlich galt Savon als besonders zuverlässig. Da er auf der ganzen Welt Informanten hatte auf die man sich verlassen konnte, hatte er es auch immer als erstes erfahren, wenn sich die hünenhaften Männer in schwarzen Mänteln irgendwo zeigten. Nachdem Savon nicht an das Telefon gegangen war und auch nicht auf die SMS antwortete, rief der für Hamburg zuständige Informant bei der Zentrale des Michaelordens an und berichtete, dass die Hansestadt plötzlich von Baumpriestern nur so wimmelte.

Fröstelnd lief er die Straße entlang und ärgerte sich darüber, dass die Wohnung mitten in der Fußgängerzone lag und er deshalb so weit laufen musste. Bei besseren Wetterbedingungen hätte er sich bestimmt gerne hier aufgehalten. Die Mischung aus modernen Bürogebäuden, alten Kirchenbauten und allerlei Geschäfte beherbergenden französischen Reihenhäuser, die immer wieder von dunklen Gassen aufgebrochen wurden, gefiel ihm. Elon kam an dem großen Liebfrauenmünster vorbei, die in der Dunkelheit wie ein bedrohlicher Koloss wirkte. Ein Blitz erhellte die imposante Fassade des gotischen Bauwerks.
Elon war schon lange nicht mehr in einer Kirche gewesen. Das bedeutete natürlich nicht, dass er das Beten vernachlässigte. Für ein Mitglied des Ordens war es ein fester Bestandteil des Tages. Während er rasch weiterging, schickte er ein Stoßgebet gen Himmel. Denn auf eine böse Überraschung konnte er heute wahrlich verzichten. Aber zumindest würde so etwas zum Wetter passen, dachte er und lächelte grimmig.
Kurz darauf stand er vor dem Haus, in dem Savon wohnte. Elon drückte auf das mit „Johannes Becker“ beschriftete Klingelschild – seinem richtigen Namen.
Er wartete ungeduldig und wurde allmählich nervös. Elon klingelte noch einmal, doch es tat sich nichts. Der Mönch hatte den ausdrücklichen Befehl erhalten in die Wohnung einzubrechen, wenn niemand öffnete. Leicht zögernd kramte er einen Dietrich aus seiner Manteltasche.

Es war nicht das erste Schloss, das er aufbrach. Seine Hände zitterten leicht von der Kälte – war es auch die Nervosität? Die Zeit erschien ihm unendlich lange, er stöhnte immer wieder genervt auf, bis das Schloss endlich nachgab und er das Haus betreten konnte. Beim Eintritt erhellte sich sogleich ein enges Treppenhaus, das weit nach oben führte.
Savon wohnte im dritten Stock. Elon klingelte, machte sich aber keine Hoffnungen. Nachdem er noch ein paar Mal gegen die Tür gehämmert und Savons Namen gerufen hatte, brach er die Tür auf. Sogleich vernahm er einen süßlich fauligen Geruch. Er ging leise durch den langen dunklen Flur, die karge Einrichtung verstärkte die bedrückende Atmosphäre. Eine unheimliche Vorahnung begann mit ihren gespenstischen langen Klauen an seinem Bewusstsein zu kratzen. Elon spähte vorsichtig in jeden Raum und betrat schließlich den auf der rechten Seite liegenden am Ende des Ganges.  
Er befand sich in einem Wohnzimmer. Überall auf dem Boden lagen Dinge verteilt, meistens Papiere. Es sah so aus, als hätte hier ein wildes Tier gewütet. Auf dem wuchtigen Schreibtisch, der in einer Ecke des großen Raums stand, sah es am schlimmsten aus. ‚Hier hat irgendjemand etwas gesucht’, ging es ihm durch den Kopf.
Mit sorgenerfülltem Blick näherte sich der junge Mann dem Schreibtisch. Ihm kam es so vor, als ob der ekelerregende Geruch immer stärker wurde, reflexartig presste er sich den Ärmel auf die Nase. Auf dem Tisch war ein Durcheinander, einige Papiere wurden sogar bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Elon war sich nun sicher: Das war das Werk der Baumpriester. Beim Studieren der Zettel fiel Elons Blick plötzlich auf etwas, das neben dem Schreibtisch lag. Es war ein grauer Hausschuh. Mit steigendem Puls ging er um den Schreibtisch herum…
Elon stieß einen Schrei aus und wich vor Schreck zurück, sodass er ins Taumeln kam, konnte sich aber gerade noch auf den Beinen halten. Seine vor Entsetzen geweiteten Augen blickten auf die Leiche von Savon. Man hatte ihn mit einem Kopfschuss getötet. Ein Loch, umrandet von getrocknetem Blut prangte auf seiner Stirn. Was er zuvor im Auto hinuntergeschlungen hatte bahnte sich unerbittlich einen Weg zurück durch seine Speiseröhre. Er stürmte mit dem Bild von Savons leblosen Körper vor dem inneren Auge so schnell wie er konnte aus dem Wohnzimmer und bemerkte dabei nicht das in einer Pflanze versteckte kleine Wesen, das ihn die ganze Zeit beobachtet hatte.


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BeitragVerfasst am: 09.05.2009 05:13    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Florian,

schön, wie du die Vorschläge alle gleich gut umgesetzt hast und selbst noch was feines daraus gebastelt hast Daumen hoch

Liest sich schon gut smile extra

So auf die Schnelle ist mir nur eines noch ins Auge gestochen:

Zitat:
Sogleich vernahm er einen süßlich fauligen Geruch


Würde ich noch: sogleich schlug ihm ein süßlich fauler Geruch entgegen

etwas in der Art.

Ich kann mich einfach mit dem "vernehmen" nicht so anfreunden.

Ansonsten bin ich gespannt, wie es weitergeht smile

Was du mit den Mods anschreiben meintest, war mir nicht ganz klar.

Wenn du weitere Teile hast, kannst du sie gleich hier im Anschluß posten.

Falls du auf die in unserem PN-Verkehr angesprochene AG hinweist - diese sind übrigens immer nicht öffentlich.

Aber vorerst kannst du ruhig mal deinen Anfang hier belassen smile

Weiter so - klingt schon mal vielversprechend.

Mit deiner Aussage zu Elon hast du mich ja auch schon neugierig gemacht. Bin gespannt wink

Liebe Grüße, Pütchen


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BeitragVerfasst am: 09.05.2009 05:44    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Florian,

ich habe jetzt die anderen Kommentare nicht gelesen und möchte mich vorab entschuldigen, wenn sich etwas wiederholt. Aus Zeitgründen beschränke ich mich auch erstmal nur auf das kursive Stück aus deinem Eröffnungsbeitrag:

Zitat:
Er konnte nicht schlafen, die Gedanken drehten sich in seinem Kopf als wenn er Achterbahn fahren würde. Er öffnete die Augen. Zuerst drehte sich alles, er schüttelte den Kopf als wenn er die Gedanken, die so schwer auf ihm lasteten und nicht verschwinden wollten, vertreiben wollte. Sie erinnerten ihn an die Monster seiner Kindheit, die sich zuerst in seinem Kleiderschrank, dann in dem Bücherregal über seinem Bett und schließlich unter seinem Bett dunkel, groß und unbegreiflich versteckten um ihm den Schlaf zu rauben. Ja, sie, die schwärzeste Seite der Kindheit, war zurückgekehrt, zumindest fühlte er sich gerade wie ein kleines schwaches Kind, über das irgendwelche Leute Entscheidungen treffen und er dagegen nichts als eine erdrückende Machtlosigkeit empfindet.


Rot: Du "als wenn"st ein wenig zuviel. Der bildhafte Vergleich ist zwar durchaus erstrebenswert, aber das ist in diesem kurzen Stück etwas zuviel des Guten und nicht sehr gut variiert. "als wenn" ist eine ziemlich "dilettantische" Verwendung des bildhaften Vergleiches, kennzeichnet den Anfänger. Du bist doch im Kopf der Figur. Also schreib "wie", oder führe den Gedanken strikt aus, nicht soviel Drumrumgerede. "Die Gedanken drehten sich in seinem Kopf wie beim Achterbahnfahren." Oder "Er schüttelte den Kopf, um die Gedanken zu vertreiben, die auf ihm lasteten und sich nicht abschütteln lassen wollte." (Letzterer Satz auch schon mal leicht verändert, um deinen komplizierten Satzbau zu entwirren und ein paar unnötige Füllwörter herauszunehmen.

Blau: Viel zu langer Satz. Mach zwei draus

Grün: Aua. Viel zu lang, viel zu kompliziert, und daher kein Wunder, dass du dich verhaspelst ("er" müsste "es" sein, denn der Erklärungssatz bezieht sich auf das Kind, wie das er sich fühlt).

Generell deine Probleme: Kommas in beiden Sinnen - zuviele und gleichzeitig nicht genug. Einerseits vergisst du gerne Kommas vor Erläuterungssätzen, andererseits schachtelst du aber sowieso schon zu sehr, so dass deine Sätze eigentlich schon viel zu viele Kommas haben. Mein Tipp: Entschachteln. Variiere Satzlängen und mach aus einem auch schon mal zwei, an manchen Stellen auch drei. Das würde dir auch erlauben, mehr in die Tiefe zu gehen.

Und Adjektive und Füllwörter. Da brauchst du aber keine Angst zu haben, das ist ein Problem, das viele "Anfänger" haben. Training: Hau deinen Text in einen Word Processor, markiere alle deine Adjektive farbig, lies den Text. Lösche alles farbig Markierte raus, lies deinen Text nochmal. Alles, wo du nicht das Gefühl hast, dass was fehlt, ist überflüssig und kann draußen bleiben.

Nicht verzagen: Ganz allgemein und selbst in dieser Kürze ist dein Text erfrischend und gut lesbar. Bisschen feilen, bisschen üben, dann wird das was. Schreiben lernt man nur, indem man es tut.

In diesem Sinne: Weitermachen!

(PS: Leider bin ich nicht dein Zielpublikum...)


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Florian
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BeitragVerfasst am: 10.05.2009 00:33    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo ihr beiden und danke für die Anmerkungen! smile

@Pütchen: Bin erleichtert, dass du jetzt damit zufrieden bist. wink
Zitat:
So auf die Schnelle ist mir nur eines noch ins Auge gestochen:

Zitat:
Sogleich vernahm er einen süßlich fauligen Geruch


Würde ich noch: sogleich schlug ihm ein süßlich fauler Geruch entgegen

Das würde ich wegen dem Spannungsrahmen gerne so belassen. Am Schreibtisch ist der Gestank am größten und beinahe unerträglich, gepaart mit der innerlichen Erkenntnis, die sich in ihm anbahnt.
Als er in die Wohnung kommt, ist es eher so als wenn du eine abgelaufene Wurst an der Grillbude aufgetischt bekommst. wink
Vielleicht werde ich so eine Beschreibung noch reinnehmen.

Zitat:
Falls du auf die in unserem PN-Verkehr angesprochene AG hinweist - diese sind übrigens immer nicht öffentlich.

Ok, dann werde ich es erst einmal hier belassen, mir gefällt das breit gefächerte Meinungsfeld. Razz
Aber bei der nächsten Geschichte würde sich das vielleicht anbieten, wenn ich mich hier inzwischen eingelebt habe und weiß an wen ich mich wenden muss. Time will show. wink


@DasProjekt:
Jetzt bin ich ein wenig verwirrt. wink Die einen sagen, ich soll bildhafter schreiben und du rätst mir jetzt weniger Adjektive zu verwenden. Aber ich glaube ich weiß was du meinst und werde es versuchen zu beachten.
Eines steht jetzt aber für mich fest: Schreiben ist komplizierter als ich es gedacht habe. wink

Falls du aber...
Zitat:
Sie erinnerten ihn an die Monster seiner Kindheit, die sich zuerst in seinem Kleiderschrank, dann in dem Bücherregal über seinem Bett und schließlich unter seinem Bett groß, dunkel und unbegreiflich versteckten um ihm den Schlaf zu rauben.

... gemeint hast muss ich sagen: die Aneinanderreihung an Adjektiven war gewollt. Es sind die verzweifelten Versuche, etwas zu erklären und beschreiben was nicht greifbar ist.
In dieser Länge mag ich diesen Satz eigentlich auch... er soll unbequem zu lesen sein und damit schon in seiner Form das nicht enden wollende Grauen der Kindheit widerspiegeln. Hier möchte ich nur indirekt Fantasie des Lesers fordern sondern ihn eher dazu animieren, sich in seine Lage hineinzuversetzen.

Du darfst diese Erklärungsversuche gerne kommentieren, vielleicht könnte ich aus dieser Diskussion dann noch mehr lernen.

Hier ist jedenfalls die überarbeitete Leseprobe, morgen äh... heute sollte wenn sich genug Zeit und Ruhe findet das nächste Kapitel folgen.


Er konnte nicht schlafen, die Gedanken kreisten und hämmerten in seinem Kopf wie auf einer wilden Achterbahnfahrt. Er öffnete die Augen.
Zuerst drehte sich alles, er schüttelte mit einem Anflug von Verzweiflung den Kopf als ob er die hartnäckigen Gedanken, die so schwer auf ihm lasteten vertreiben wollte. Sie erinnerten ihn an die Monster seiner Kindheit, die sich zuerst in seinem Kleiderschrank, dann in dem Bücherregal über seinem Bett und schließlich unter seinem Bett groß, dunkel und unbegreiflich versteckten um ihm den Schlaf zu rauben. Ja, sie, die schwärzeste Seite der Kindheit war zurückgekehrt. Zumindest fühlte er sich gerade wie ein kleines schwaches Kind, über das irgendwelche Leute Entscheidungen treffen und dagegen nichts als eine erdrückende Machtlosigkeit empfindet.

 

Liebe Grüße und ein nicht so wechselhaftes Wetter wie bei mir wünsch ich euch Rolling Eyes ,
Flo


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BeitragVerfasst am: 10.05.2009 00:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Florian,

Zitat:
Das würde ich wegen dem Spannungsrahmen gerne so belassen. Am Schreibtisch ist der Gestank am größten und beinahe unerträglich, gepaart mit der innerlichen Erkenntnis, die sich in ihm anbahnt.


Das Verb "vernehmen" ist ein sehr passives Verb, das nicht unbedingt eine Spannung erzeugt. Versuch eher, lebendige Bilder zu schaffen oder mit Metaphern zu arbeiten. Deine Wurst finde ich klasse (auch wenn ich dabei beinahe ein Würgereiz bekomme bei dem Gedanken daran - aber so soll es ja sein, Emotionen verursachen wink)

Genauso mit den vielen Adjektiven, was Projekt ansprach.

Lies dir hierzu auch mal den Kommentar von Krümel in meinem Text durch, war sehr lehrreich smile

Hast du dich hier im Forum schon durch die diversen Schreib-Werkstätten gewurstelt? Oder schon einmal ein Buch zum kreativen Schreiben gelesen? Auch immer sehr informativ, auch wenn man sich wahrlich nicht an alles halten kann und sollte smile

Liebe Grüße, Pütchen


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BeitragVerfasst am: 10.05.2009 00:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Flo,

"als ob" und "als wenn" nehmen sich nichts, zählt für mich daher nicht als Überarbeitung - solche Begriffe musst du vermeiden, sobald du die Gefühle der Perspektivperson selber beim Wickel hast. Die ziehen nur, wenn dein POV jemand anders beobachtet, nicht aber sich selbst.

Komplizierte Sätze - gewollt? Das ist ein Minenfeld, das musst du meiden. Du willst doch den Leser nicht verlieren, oder? Wenn mir in einem Prolog ein solches Gebilde um die Ohren fliegt, klappe ich das Buch zu und nie wieder auf - weil ich das Gefühl habe, der Autor frönt hier nur seiner Schwatzlust und macht sich keinen Kopf darüber ob ich, der Leser, ihm folgen kann oder nicht.

Und mit den Adjektiven meinte ich gar nicht mal so sehr die Stelle, die du zitiertest, sondern ganz allgemein. Adjektive sind auch nur bedingt bildhaft, sie sind ein Hilfmittel, mehr nicht. Das starke Verb und das starke Substantiv sollten dem Adjektiv gegenüber immer den Vorrang haben. Adjektive machen in den meisten Fällen nur dann Sinn, wenn sie etwas wirklich außergewöhnlich beschreiben, etwas ganz konkret aussagen.
Ganz simples Beispiel, ein "weinrotes" Kleid ist einem "roten" Kleid immer vorzuziehen, aber noch besser würde es, wenn du die Farbe sowieso nur dann erwähnst, wenn sie eine besondere Bedeutung für den Charakter hat, und sie dann nicht nur einfach vor das Substantiv davorpappst, sondern mit einem Nebensatz Druck verleihst: "Das Kleid umschmeichelte ihre Schenkel, von demselbem Blutrot, das auf ihren ausdrucksstarken Lippen lag und zum Küssen einlud." (Ist jetzt sicher ein typisches LiRo-Beispiel, aber sag ehrlich, welches ist jetzt am Bildhaftesten, und wieviele Adjektive im Verhältnis zu Substantiven findest du in meinem Satz?)

Vielleicht hab ich es jetzt ein wenig deutlicher gemacht, was ich meinte?


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Florian
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BeitragVerfasst am: 10.05.2009 02:05    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

Es fällt mir jetzt wirklich schwer auf eure Kommentare zu antworten, weil ihr mich genau an dem Wickel mit meinen größten Problemen gepackt habt. wink

@Pütchen: Die ganze Passage mit dem Betreten der Wohnung müsste überarbeitet werden. Ich schreibe da von einer "bedrückenden Atmosphäre", obwohl ich noch gar keine aufgebaut habe. wink
Danke für die Anregungen und die Tipps, ich sollte mich noch genauer durch die Workshops arbeiten.


@Projekt:
Danke auch dir für deine Anregungen, die mir zu denken gegeben haben.
Deinen Beispielsatz kann man wirklich als perfekt bezeichnen, nur war mir nie ganz klar was dahintersteckt.

Aber Minenfelder sind doch ganz interessant. Twisted Evil Aber du hast recht, vor allem in einer Leseprobe ist das schon sehr gewagt.
Es ärgert mich, dass man solche Stellen nur schwer als Autor selbst beurteilen kann - weil man weiß ja schon vor dem Schreiben ganz genau, was die Person denkt. Deshalb meinen besonderen Dank an dieser Stelle für das Aufzeigen dieser Falle. Daumen hoch

Liebe Grüße und eine Gute Nacht, Flo


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Matt Gambler
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BeitragVerfasst am: 14.05.2009 17:01    Titel: Antworten mit Zitat

An dieser Stelle ein kleines Lob von mir.

Und mir.

Nicht für den Text (der gefällt mir auch, aber darum gehts mir nicht) sondern für deine Art, mit Kritik umzugehen. Natürlich, man soll es als konstruktiven Rat aufnehmen, es ist auch gut gemeint und in fast allen Fällen ernstzunehmen - aber mir hat gut gefallen, dass du im Gegensatz zu manchen anderen von denen ich in der kurzen Zeit die ich hier bin gelesen habe bereit bist, dein Geschreibsel auch zu verteidigen wenn du anderer Meinung bist.

Ich mag deinen letzten Satz nämlich sehr! smile

...auch wenn er vielleicht in irgendeiner Weise nicht ganz erlaubt oder korrekt ist, er... passt da einfach... ziemlich gut hin, so...
(Gutgemeinter Ratschlag gemischt mit eigener Meinung, mehr nicht.)


Und ich denke es ist wichtig bei aller konstruktiven Kritik doch nicht alles als die Wahrheit zu nehmen, sondern eben als das was es ist - ein gut gemeinter Ratschlag.

Freu mich auf die Fortsetzung der Geschichte.
Ja, tut er. Vermutlich sogar mehr als er zugibt. wink Machs gut!


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Florian
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BeitragVerfasst am: 16.05.2009 02:30    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Matt, danke für deine Meinung! smile
Matt Gambler hat Folgendes geschrieben:

Und ich denke es ist wichtig bei aller konstruktiven Kritik doch nicht alles als die Wahrheit zu nehmen, sondern eben als das was es ist - ein gut gemeinter Ratschlag.

Das stimmt.
Wenn ich widerspreche erhoffe ich mir davon auch insgeheim immer eine Diskussion wie ich es bereits weiter oben erwähnt habe. Daraus kann man immer einiges lernen.

Zitat:
Freu mich auf die Fortsetzung der Geschichte.
Ja, tut er. Vermutlich sogar mehr als er zugibt. wink Machs gut!

Das freut mich! Es geht jetzt auch endlich weiter, entschuldigt die Verspätung aber ich brauchte für die Überarbeitung ein bissel Ruhe. wink

Kommentare sind natürlich erwünscht.

Grüße, Flo



+ 1. Kapitel +   Der Anfang

Branco wachte an diesem Morgen spät auf – zu spät, wie er beim Blick auf den Radiowecker neben seinem Bett feststellte. Eigentlich müsste er schon seit einer halben Stunde im Ciu sein, der Bar am Ballindamm in Hamburg in der er arbeitete. Er fluchte und ärgerte sich darüber, dass er schon wieder verschlafen hatte. Sein Chef Ingo sah das zwar (noch) recht locker, aber gestern hatte er Branco gefragt, ob irgendetwas mit ihm nicht stimme oder ob er krank sei.
Krank war Branco nicht, aber etwas stimmte mit ihm nicht, da war er sich sicher. Nur was war es? Denn er fühlte sich tatsächlich nicht wohl. Es war ein unbeschreiblich bedrückendes Gefühl, das ihm jede Nacht den Schlaf raubte. Brauchte er etwa Urlaub? Nein, Branco war ein Arbeitstier, Urlaub hatte er nie nötig. Er beschloss nicht weiter darüber nachzudenken, stand rasch auf und ging in die Küche. Doch diese seltsame innere Stimme, die seit letzter Zeit zu ihm sprach forderte ihn dazu auf, weiter über die Sache nachzudenken. Sie schien aus weiter Ferne zu stammen, als kämpfe sie sich einen Weg von seinem tiefsten Inneren an sein Bewusstsein. Es war eine Kinderstimme, die ihm seltsamerweise bekannt vorkam. Allerdings hatte sie nichts von der für ein Kind üblichen Heiterkeit und Sorglosigkeit, sondern erinnerte ihn an die zahlreichen Horrorfilme, in denen sie mit ihren kalten Worten die Ausweglosigkeit der Situation deutlicher machen als es ein Erwachsener je könnte.  
Besonders die immer schlimmer werdenden Alpträume bereiteten Branco Kopfschmerzen. Er sah Bilder von furchtbaren Schlachten, Leid und Elend. Immer wieder tauchte darin auch der schattenhafte Umriss einer Frau auf.
Er nahm sie deutlich wahr, als stünde sie neben ihm in der Dunkelheit. Er sah sie von der Seite, ihr Blick war immer auf den Tisch gerichtet, vor dem sie stand. Dort lagen dicke Bücher, über die ein Plan ausgebreitet lag. Was dort zu lesen war, konnte er jedoch in der Dunkelheit nicht erkennen. Manchmal sah er auch im Hintergrund die Silhouette einer weiteren Frau. Ihre Erscheinung war allerdings nur verschwommen und gab ein groteskes Bild ab.

Doch als Branco mit der Zahnbürste im Mund sein Spiegelbild betrachtete und sich überlegte, wie er sein angeschlagenes Äußeres wieder auf Vordermann bringen könnte, verdrängte er den Gedanken an die Alpträume und die beiden seltsamen Gestalten. ‚Das ist doch verrückt!’, dachte er und es wäre es auch nicht wert, darüber noch weiterhin Gedanken zu verschwenden.
‚Du solltest mal wieder etwas Sport treiben und etwas Anständiges essen.’, sagte er sich. Er hatte zugenommen und mit seinen Bartstoppeln kam er sich wie ein Penner vor. Dabei war er vor allem bei der Zurechtstutzen seines Kurzbarts immer sehr penibel, nicht zuletzt weil seine Mutter immer dafür gesorgt hatte, dass er nie ungepflegt aus dem Haus ging. „Du weißt nie wen du triffst und der erste Eindruck spielt immer eine große Rolle.“, hatte sie ihm jedesmal gebetsmühlenartig vorgetragen, während sie ihn mit ihrem scharfen Blick von oben bis unten musterte.
Jetzt hatte er nur sporadischen Kontakt zu seinen Eltern, obwohl sie nur ein Wohnviertel weiter lebten. Insgeheim war es ihm auch recht, denn er hatte keine Lust auf stundenlange Gespräche, die nur darauf hinausliefen dass sie ihm vorhielten, was er in seinem Leben alles schon falsch gemacht hatte. Immer wieder gerne wurde konfrontierten sie ihn mit seinem schlechten Abitur. „Du hättest studieren können und ein Architekt werden wie dein Vater, dann hättest du keine Geldsorgen! Es ist auch nicht die feine Art, sich immer bei seinen Eltern zu bedienen.“
Dieser Satz hatte Branco schwer getroffen, seitdem beschränkte sich der Kontakt nur noch auf das Nötigste. Außer wenn er sich wirklich in einem finanziellen Engpass befand hatte er seine Eltern noch nie um Hilfe gebeten und dann auf einmal so etwas! Selbst bei ihrem Drang ständig jede Kleinigkeit zu kritisieren hätte er nie gedacht, dass seine Mutter ihm das vorhalten würde. ‚Na klasse, noch so eine erheiternde Erinnerung, das wird ja immer besser!’, dachte Branco, als er seine Wohnung in der Heitmannstraße verließ und verdrängte auch diesen Gedanken. Ja, verdrängen war seine Spezialität.

Seit einigen Tagen fühlte er sich auch auf den Straßen unwohl, seltsame Gestalten in schwarzen Mänteln trieben in der ganzen Stadt ihr Unwesen. Jens, sein bester Freund, der auch im Ciu arbeitete, hatte dafür nur einen Lacher übrig. „Das sind halt die Gothics, die haben hier halt wieder irgendein Treffen.“ Doch diese Leute hatten höchstens eine Ähnlichkeit mit den Gothic. Sie waren zwar ebenfalls in schwarze Mäntel gehüllt, aber von diesen grimmigen und schweigenden Männern ging eine für Branco schwer zu beschreibende Aura aus, sodass er immer einen großen Bogen um sie machte.
Als Branco sich fragend was für einen depressiven Mist sein Gehirn als nächstes ausspucken würde um eine Ecke bog, stieß er mit einem dieser Männer zusammen. Dieser reagierte sehr aggressiv und konnte sich, wie es Branco schien, nur mit Mühe davor zurückhalten ihm mit seiner Faust ins Gesicht zu schlagen.
Er entschuldigte sich und machte sich mit schnellen Schritten davon. Beim Zurückblicken sah er, wie die Blicke des Mannes ihm folgten. Ihn überkam die Angst und er verspürte den Drang loszurennen. Aber er unterdrückte ihn und ging unauffällig weiter. Dennoch wollte er so schnell wie möglich im Ciu sein.


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Telani
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BeitragVerfasst am: 16.05.2009 13:04    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Florian!

Hab mir deinen Text mal durchgelesen. Ich finde eigentlich schon, dass es mit der Spannung ganz gut klappt, zumindest bei mir kam sie ganz gut rüber. Auch die Beschreibung des sonderbaren Traumes ist dir gut gelungen.

Allerdings muss ich dir sagen, dass ich manchmal ein Problem habe mit der Länge deiner Sätze. Die sind teilweiße sehr lang und wenn ich fertig bin damit frag ich mich, worum es nochmal ging.
zB:
Zitat:
Allerdings hatte sie nichts von der für ein Kind üblichen Heiterkeit und Sorglosigkeit, sondern erinnerte ihn an die zahlreichen Horrorfilme, in denen sie mit ihren kalten Worten die Ausweglosigkeit der Situation deutlicher machen als es ein Erwachsener je könnte.


Bau einfach ein paar Punkte ein, mach maximal einen Nebensatz und der Lesefluss gelingt schon leichter.

Was mir auch gefallen hat sind die Gedanken des Protas über seine Eltern und die Kränkung durch die Aussage seiner Mutter.

Was du noch einbauen könntest wären ein paar Beschreibungen der Welt in der sich dein Prota befindet. Wie sehen die Straßen aus die er betritt? Wie wirkt, dass was er sieht auf seine Stimmung? Wie ist seine Wohnung, sein Bad in dem er sich rasiert? Fühlt er sich wohl dort oder zeugt es auch nur von seinem geringem Einkommen und bestätigt somit die Anschuldigungen seiner Eltern?
Probiers mal, du wirst sehen dass kann die Stimmung deines Protas ganz schön untermalen und der Text wird runder.

über einen Satz bin ich auch noch gestolpert:
Zitat:
Manchmal sah er auch im Hintergrund die Silhouette einer weiteren Frau.

es ist etwas zu aufsatzmäßig geraten, ich glaube das kriegst du besser hin. Probier statt sehen, erkennen zu verwenden. Auch die weitere Frau klingt etwas verwirrend, probiers doch mit einer anderen Frau, oder beschreib ihre Silhoutte. Ist es nur ein dunkler Schatten? Oder erkennt er Umrisse des Gesichtes?
Aus diesem Satz könntest du unheimlich viel Spannung aufbauen,...aber das ist nur meine persönliche Meinung Smile

at all: ich werde auf alle Fälle weiterlesen, weil du es schaffts Neugierde zu erwecken und ich mich schon frage was es bloß mit den seltsamen Frauen und den schwarzen Gestalten auf sich hat?
Gute Ideen *thumbsup*

LG Telani


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BeitragVerfasst am: 16.05.2009 18:08    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Florian,

es geht schon ganz schön spannend weiter Daumen hoch

Gefällt mir.

Ein paar wenige Kommas fehlen (nichts tragisches) und mit dem Einschub "dachte er" solltest du meiner Meinung nach sparsam umgehen. Aber es ist nichts, was wirklich stört. Manchmal könntest du vielleicht die Gedanken noch besser umschreiben, das würde es flüssiger machen. Oder das "dachte er" einfach weglassen, da es dem Leser wohl klar ist, dass Branco das denkt.

Noch eine Anmerkung:

Zitat:
Immer wieder gerne wurde konfrontierten sie ihn mit seinem schlechten Abitur.


Es gehen ja mit den schwarzen Männern seltsame Dinge vor sich. Vielleicht hat einer von denen das "wurde" da reingeschummelt? wink


Ansonsten bin ich - wie immer - gespannt auf die Fortsetzung.


Ach so, eine Anmerkung noch: Ich persönlich würde die Fortsetzung nicht in der Antwort an Matt posten, sondern einfach nochmals eine neue Antwort öffnen. Macht es übersichtlicher. Aber das ist einfach so ein spontaner Eindruck smile extra.


Liebe Grüße, Pütchen


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BeitragVerfasst am: 16.05.2009 22:58    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Guten Abend, vielen Dank für eure Kommentare! smile

Schön, dass dieses Kapitel nicht so "schlimm" ist wie der ursprüngliche Prolog, so langsam werde ich besser. wink
Durch alles was ich hier gelesen habe, vor allem die Kritik hier und die Schreibwerkstatt habe ich jetzt einen ganz anderen Blick auf das was ich so produziere. Vorher hab ich mehr oder weniger einfach so darauf los geschrieben.

Jedenfalls hab ich jetzt dank Ferien wieder mehr Zeit, das nächste Kapitel sollte also nicht mehr lange auf sich warten lassen.

@Telani:
Telani hat Folgendes geschrieben:

Allerdings muss ich dir sagen, dass ich manchmal ein Problem habe mit der Länge deiner Sätze. Die sind teilweiße sehr lang und wenn ich fertig bin damit frag ich mich, worum es nochmal ging.

Danke, das ist wirklich eines meiner großen Probleme. Ich werde mal versuchen diese Dinger im Kapitel auszumerzen und vor allem in Zukunft besser darauf achten.

Zitat:
Was du noch einbauen könntest wären ein paar Beschreibungen der Welt in der sich dein Prota befindet. Wie sehen die Straßen aus die er betritt? Wie wirkt, dass was er sieht auf seine Stimmung? Wie ist seine Wohnung, sein Bad in dem er sich rasiert? Fühlt er sich wohl dort oder zeugt es auch nur von seinem geringem Einkommen und bestätigt somit die Anschuldigungen seiner Eltern?
Probiers mal, du wirst sehen dass kann die Stimmung deines Protas ganz schön untermalen und der Text wird runder.

Gute Idee, ich werde sowas hinzufügen.
Ich dachte die Wohnung ist nicht weiter wichtig aber du hast recht. So eine kleine Beschreibung kann da auch schon eine große Wirkung erzielen. wink

Zitat:
at all: ich werde auf alle Fälle weiterlesen, weil du es schaffts Neugierde zu erwecken und ich mich schon frage was es bloß mit den seltsamen Frauen und den schwarzen Gestalten auf sich hat?
Gute Ideen *thumbsup*

Das freut mich zu lesen. smile Soviel kann ich schonmal verraten: Es steckt recht viel hinter diesen vagen Beschreibungen und vor allem in den späteren Kapiteln bin ich manchmal immer wieder dazu geneigt die Personen einfach losquasseln zu lassen. Aber man soll den Leser ja etwas rätseln lassen. wink


@Pütchen:
Zitat:
Es gehen ja mit den schwarzen Männern seltsame Dinge vor sich. Vielleicht hat einer von denen das "wurde" da reingeschummelt? wink

Ich hab es ja schon immer vermutet, dass die dahinterstecken. Razz

Zitat:
Ach so, eine Anmerkung noch: Ich persönlich würde die Fortsetzung nicht in der Antwort an Matt posten, sondern einfach nochmals eine neue Antwort öffnen. Macht es übersichtlicher. Aber das ist einfach so ein spontaner Eindruck smile extra.

Stimmt, das nächste Mal poste ich das separat.

Liebe Grüße, Flo


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BeitragVerfasst am: 20.05.2009 00:08    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Guten Abend,

Hier ist die überarbeitete Version des 1. Kapitels.
Ich habe wieder lange darüber gebrütet. Der Vorschlag mit den weiteren Beschreibungen der Wohnung war schwer umzusetzen, weil sie schwer in den Erzählfluss einzubauen waren, aber ich konnte teilweise noch etwas einbringen.

Ansonsten habe ich auch das mit der zweiten Gestalt im Traum umgeschrieben, so gefällt es mir zumindest besser. wink

Dann habe ich noch ein paar Kleinigkeiten verändert, aber diese fehlenden Kommas haben sich gut versteckt. Evil or Very Mad Naja, ist auch nicht gerade mein Spezialgebiet.

Zum nächsten Kapitel: Mir ist heute spontan die Idee kommen ein weiteres einzuschieben, damit vor allem die späteren Konflikte unter einigen Personen deutlicher werden. Also wird es noch etwas dauern, aber ich denke bis zum Wochenende sollte es fertig sein.

Liebe Grüße, Flo

PS: Achja, den Titel habe ich noch geändert, weil ich mir den anderen für später aufheben will. wink


+ 1. Kapitel +   Das Erwachen

Branco wachte an diesem Morgen spät auf – zu spät, wie er beim Blick auf den Radiowecker neben seinem Bett feststellte. Eigentlich müsste er schon seit einer halben Stunde im Ciu sein, der Bar am Ballindamm in Hamburg in der er arbeitete. Er fluchte und ärgerte sich darüber, dass er schon wieder verschlafen hatte. Sein Chef Ingo sah das zwar (noch) recht locker, aber gestern hatte er Branco gefragt, ob irgendetwas mit ihm nicht stimme oder ob er krank sei.
Krank war Branco nicht, aber etwas stimmte mit ihm nicht, da war er sich sicher. Nur was war es? Denn er fühlte sich tatsächlich nicht wohl. Es war ein unbeschreiblich bedrückendes Gefühl, das ihm jede Nacht den Schlaf raubte. Brauchte er etwa Urlaub? Nein, Branco war ein Arbeitstier, Urlaub hatte er nie nötig. Er beschloss nicht weiter darüber nachzudenken, stand rasch auf und machte sich daran die kleine Küchenzeile nach etwas Essbarem abzusuchen.
Doch diese seltsame innere Stimme, die seit letzter Zeit zu ihm sprach forderte ihn dazu auf, weiter über die Sache nachzudenken. Sie schien aus weiter Ferne zu stammen, als kämpfe sie sich einen Weg von seinem tiefsten Inneren an sein Bewusstsein. Es war eine Kinderstimme, die ihm seltsamerweise bekannt vorkam. Allerdings hatte sie nichts von der für ein Kind üblichen Heiterkeit und Sorglosigkeit. Stattdessen erinnerte ihn die Stimme an die zahlreichen Horrorfilme, in denen diese jungen unschuldigen Geschöpfe mit ihren kalten Worten die Ausweglosigkeit der Situation deutlicher machen als es ein Erwachsener je könnte. Gedankenversunken blickte er zu seinem Fenster hinaus auf die baumbesäumte Heitmannstraße, während er das hastig mit Nutella bestrichene Baguette hinunterschlang. Er musste wohl verrückt geworden sein, denn wer hört schon Stimmen in seinem Kopf?  
Auch die immer schlimmer werdenden Alpträume bereiteten Branco Kopfschmerzen. Er sah Bilder von furchtbaren Schlachten, Leid und Elend. Immer wieder tauchte darin auch der schattenhafte Umriss einer Frau auf.
Er nahm sie deutlich wahr, als stünde sie neben ihm in der Dunkelheit. Er sah sie von der Seite, ihr Blick war immer auf den Tisch gerichtet, vor dem sie stand. Dort lagen dicke Bücher, über die ein Plan ausgebreitet lag. Was dort zu lesen war, konnte er jedoch in der Dunkelheit nicht erkennen. Manchmal erkannte er auch im Hintergrund eine verzerrte Gestalt. Sie war kaum zu erkennen und gab ein groteskes Bild ab. Immer wenn er sie genauer betrachtete verschwand sie, dabei gab sie ein höhnisches Kichern von sich, das eine Ähnlichkeit mit einer schreienden Katze besaß.

Doch als Branco mit der Zahnbürste im Mund sein Spiegelbild betrachtete und sich überlegte, wie er sein angeschlagenes Äußeres wieder auf Vordermann bringen könnte, verdrängte er den Gedanken an die Alpträume und die beiden seltsamen Gestalten. ‚Das ist doch verrückt!’, und es wäre es auch nicht wert, darüber noch weiterhin Gedanken zu verschwenden.
‚Du solltest mal wieder etwas Sport treiben und etwas Anständiges essen.’, sagte er sich. Er hatte zugenommen und mit seinen Bartstoppeln kam er sich wie ein Penner vor. Dabei war er vor allem beim Zurechtstutzen seines Kurzbarts immer sehr penibel, nicht zuletzt weil seine Mutter immer dafür gesorgt hatte, dass er nie ungepflegt aus dem Haus ging. „Du weißt nie wen du triffst und der erste Eindruck spielt immer eine große Rolle.“, hatte sie ihm jedesmal gebetsmühlenartig vorgetragen, während sie ihn mit ihrem scharfen Blick von oben bis unten musterte.
Jetzt hatte er nur sporadischen Kontakt zu seinen Eltern, obwohl sie nur ein Wohnviertel weiter lebten. Insgeheim war es ihm auch recht, denn er hatte keine Lust auf stundenlange Gespräche, die nur darauf hinausliefen, dass sie ihm vorhielten was er in seinem Leben alles schon falsch gemacht hatte. Immer wieder gerne konfrontierten sie ihn mit seinem schlechten Abitur. „Du hättest studieren können und ein Architekt werden wie dein Vater, dann hättest du keine Geldsorgen! Es ist auch nicht die feine Art, sich immer bei seinen Eltern zu bedienen.“
Dieser Satz hatte Branco schwer getroffen, seitdem beschränkte sich der Kontakt nur noch auf das Nötigste. Außer wenn er sich wirklich in einem finanziellen Engpass befand hatte er seine Eltern noch nie um Hilfe gebeten und dann auf einmal so etwas! Selbst bei ihrem Drang ständig jede Kleinigkeit zu kritisieren hätte er nie gedacht, dass seine Mutter ihm das vorhalten würde. ‚Na klasse, noch so eine erheiternde Erinnerung, das wird ja immer besser!’, dachte Branco, als er seine Wohnung verließ und verdrängte auch diesen Gedanken. Ja, verdrängen war seine Spezialität.

Seit einigen Tagen fühlte er sich auch auf den Straßen unwohl, komische Gestalten in schwarzen Mänteln trieben in der ganzen Stadt ihr Unwesen. Jens, sein bester Freund, der auch im Ciu arbeitete, hatte dafür nur einen Lacher übrig. „Das sind halt die Gothics, die haben hier halt wieder irgendein Treffen.“ Doch diese Leute hatten höchstens eine Ähnlichkeit mit den Gothic. Sie waren zwar ebenfalls in schwarze Mäntel gehüllt, aber von diesen grimmigen und ungewöhnlich hochgewachsenen Männern ging eine für Branco schwer zu beschreibende Aura aus, sodass er immer einen großen Bogen um sie machte.
Als Branco sich fragend was für einen depressiven Mist sein Gehirn als nächstes ausspucken würde um eine Ecke bog, stieß er mit einem dieser Männer zusammen. Dieser reagierte sehr aggressiv und konnte sich, wie es Branco schien, nur mit Mühe davor zurückhalten ihm mit seiner Faust ins Gesicht zu schlagen.
Er entschuldigte sich und machte sich mit schnellen Schritten davon. Beim Zurückblicken sah er, wie die Blicke des Mannes ihm folgten. Ihn überkam die Angst und er verspürte den Drang loszurennen. Aber er unterdrückte ihn und versuchte unauffällig in einer Touristengruppe, die an der Alster entlanglief unterzutauchen. So schnell wie möglich wollte er im Ciu ankommen.


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Matt Gambler
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BeitragVerfasst am: 25.05.2009 00:24    Titel: Antworten mit Zitat

Sooo...sooo...sooo...
Hm.

(Übersetzung: Sorry dass ich erst jetzt Zeit finde)

Zitat:
Doch diese seltsame innere Stimme, die seit letzter Zeit zu ihm sprach forderte ihn dazu auf, weiter über die Sache nachzudenken. Sie schien aus weiter Ferne zu stammen, als kämpfe sie sich einen Weg von seinem tiefsten Inneren an sein Bewusstsein. Es war eine Kinderstimme, die ihm seltsamerweise bekannt vorkam. Allerdings hatte sie nichts von der für ein Kind üblichen Heiterkeit und Sorglosigkeit. Stattdessen erinnerte ihn die Stimme an die zahlreichen Horrorfilme, in denen diese jungen unschuldigen Geschöpfe mit ihren kalten Worten die Ausweglosigkeit der Situation deutlicher machen als es ein Erwachsener je könnte.


Eine innere Stimme, die in letzter Zeit zu einem spricht kann vieles heißen. Sei es, dass man mit sich selbst redet oder dass man intuitiv etwas für richtig hält. Vielleicht ist es auch nur ein zwang über Dinge über die man nicht nachdenken will, trotzdem nachzudenken.

Erst als ich zitierte Stelle zweimal komplett gelesen hab, hab ich gecheckt, dass Branco wirklich eine Stimme, also Wörter hört.
Das würde ich deutlicher machen, vielleicht mit einem direkt formulierten Satz wie "Schieb es nicht einfach weg, Branco. Was stimmt nicht mit dir?" oder so Und dann eben zeigen, dass er das nicht selbst zu sich gesagt hat sondern dass er tatsächlich Stimmen hört.
Das hab ich nämlich anfangs überhaupt nicht kapiert und deshalb stirnrunzelnd über dieses kleine Horrorkind drübergelesen. Er nimmt das hier ganz cool hin, versteh ich es vielleicht falsch?

Zitat:
Gedankenversunken blickte er zu seinem Fenster hinaus auf die baumbesäumte Heitmannstraße, während er das hastig mit Nutella bestrichene Baguette hinunterschlang. Er musste wohl verrückt geworden sein, denn wer hört schon Stimmen in seinem Kopf?


Hört er die Stimme nicht wirklich? Wenn ich auf einmal eine Kinderstimme in meinem Kopf höre, schau ich mich erschrocken um und mach mir fast in die Hosen, verstehst du?

Hab immer noch das Gefühl ich versteh nicht ganz was es mit dieser Stimme auf sich hat. Viellicht liegts an mir, ich blick jedenfalls nicht ganz durch.
Möglich dass es anderen Lesern genauso geht.

Und etwas noch: Er schaut gedankenverloren aus dem Fenster und schlingt das Baguette gleichzeitig hinunter.
Gedankenverloren schlingen klingt komisch, finde ich. Entweder er hats eilig oder eben nicht.

Zitat:
Auch die immer schlimmer werdenden Alpträume bereiteten Branco Kopfschmerzen. Er sah Bilder von furchtbaren Schlachten, Leid und Elend. Immer wieder tauchte darin auch der schattenhafte Umriss einer Frau auf.
Er nahm sie deutlich wahr, als stünde sie neben ihm in der Dunkelheit. Er sah sie von der Seite, ihr Blick war immer auf den Tisch gerichtet, vor dem sie stand. Dort lagen dicke Bücher, über die ein Plan ausgebreitet lag. Was dort zu lesen war, konnte er jedoch in der Dunkelheit nicht erkennen. Manchmal erkannte er auch im Hintergrund eine verzerrte Gestalt. Sie war kaum zu erkennen und gab ein groteskes Bild ab. Immer wenn er sie genauer betrachtete verschwand sie, dabei gab sie ein höhnisches Kichern von sich, das eine Ähnlichkeit mit einer schreienden Katze besaß.


Hier nochmal wie oben: Branco schaut gedankenverloren aus dem Fenster und kaut sein Nutellabaguette. Wenn er wirklich Stimmen hört, bezw solche widerkehrenden ihn marternden Alpträume hat und so oder so etwas nicht mit ihm stimmt, wie du schreibst, so fehlt mir das in seiner Reaktion. Das Bild dass er nach außen hin zeigt (dem Leser gegenüber, er ist ja eigentlich allein) passt nicht zu den marternden Alpträumen, und so weiter.

Meine Vermutung: So schlimm wie ich seinen Zustand einschätze, ist es gar nicht. Die Alpträume bringen ihn zum Nachdenken, aber nicht mehr. Und die Stimme in seinem Kopf, naja. Die verdrängt er wohl einfach. Er will sie nicht wahrhaben und glaubt dass das nur eine Nachwirkung des Traumes ist.
Ich schreib hier deshalb so ellenlang drüber, weil es mich ziemlich verwirrt hat und das Bild für mich daher nicht glaubwürdig ist. Sag mir wie du es eigentlich meinst udn ich sage dir was mich daran stört. Vor allem aber wahrscheinlich der Fakt, dass er tatsächlich eine fremde Stimme in seinem Kopf hört.

Zu oben zitiertem noch zwei Dinge:
Ich kann mir kein Kichern vorstellen, dass wie eine schreiende Katze klingt, musste dabei aber sofort an "The Grudge" denken. Hab so dass Gefühl, dass du so auf die Formulierung gekommen bist. wink

und zweitens ist die Zeit in der du den Traum beschreibst etwas verwirrend gewählt. Er sitzt in der Küche und denkt nach, und dann
"Er nahm sie deutlich wahr, als stünde sie neben ihm in der Dunkelheit."
Für einen Moment dachte ich, die Frau steht neben ihm in der Küche. Natürlich, es geht um den Traum und so ist das auch einleuchtend, aber rein subjektiv finde ich, dass "Er hatte sie im Traum deutlich wahrgenommen" richtiger klingt. Wie auch immer, ist deine Entscheidung.

Zitat:
Doch als Branco mit der Zahnbürste im Mund sein Spiegelbild betrachtete und sich überlegte, wie er sein angeschlagenes Äußeres wieder auf Vordermann bringen könnte, verdrängte er den Gedanken an die Alpträume und die beiden seltsamen Gestalten. ‚Das ist doch verrückt!’, und es wäre es auch nicht wert, darüber noch weiterhin Gedanken zu verschwenden.


(nur ein) Vorschlag:
"Das ist doch verrückt..!" murmelte er leise, nachdem er augespuckt hatte (Er hat ja noch die Zahnbürste im Mund,). Es war es nicht wert, noch weitere Gedanken auf die Sache zu verschwenden.

Zitat:
‚Na klasse, noch so eine erheiternde Erinnerung, das wird ja immer besser!’, dachte Branco, als er seine Wohnung verließ und verdrängte auch diesen Gedanken. Ja, verdrängen war seine Spezialität.


Branco hat einen ziemlich seltsamen Zugang zu seinem eigenen Bewusstsein finde ich. Er kommentiert seine Gedanken, auch hier nochmal ganz deutlich in blau:

Zitat:
Als Branco sich fragend was für einen depressiven Mist sein Gehirn als nächstes ausspucken würde um eine Ecke bog, stieß er mit einem dieser Männer zusammen. Dieser reagierte sehr aggressiv und konnte sich, wie es Branco schien, nur mit Mühe davor zurückhalten ihm mit seiner Faust ins Gesicht zu schlagen.


Denkst du dir wenn du in Gedanken bist: "Puh, was für einen depressiven Müll wird mein Gehirn wohl als nächstes fabrizieren?"
Ich nicht.

Zum restlichen Zitat: !!! Hey, da sind zwei Zeilen, er stößt mit dem Typ zusammen und ...? Das wars? Show, dont tell, wenn die schwarzen Männer im Weiteren noch eine gewichtigere Rolle zu spielen haben werden, dann wünsche ich mir als Leser hier eine Szene, keine zwei Zeilen vonwegen "Er stieß mit ihm zusammen, es schien ihm als würde der andere sich nur mit Mühe beherrschen können ihm nicht mit der Faust" usw.
Aus dieser Begegnung kannst du ganz schön viel rausholen, wenn du willst. Liegt natürlich bei dir, wie wichtig dieser schwarze Kerl wirklich ist. So wie du es jetzt geschildert hast, würde ich als Leser drüber lesen und die Begegnung auf der Straße schnell wieder vergessen.

Eine Kleinigkeit ist mir noch aufgefallen:


Zitat:
„Das sind halt die Gothics, die haben hier halt wieder irgendein Treffen.“ Doch diese Leute hatten höchstens eine Ähnlichkeit mit den Gothics.


Rot: Wortwiederholung, "eben" wär ersatzweise okay. Ich bin Österreicher, "halt" ist da Dialekt oder? Ist das Absicht? Wenn ja, okay, wenn nein, ausbessern.

Braun: Ebenfalls Dialekt, aber nicht nur in der direkten Rede sondern auch beim zweiten Mal im Erzählfluss, da gehört es nicht hin. Außerdem klingt es, als wären "die Gothics" eine ethnische Gruppierung.
Ich würde die beiden braun markierten Wörter einfach streichen. Liest sich genausogut.

_______________

Diesmal eine etwas längere Kritik, aber lass dir nicht den Mut nehmen. Ich find die Geschichte total interessant, werd sie auch weiterhin im Auge behalten. wink

Lg

Matt Daumen hoch


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BeitragVerfasst am: 25.05.2009 13:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Florian,

mir gefällt dieser Teil eigentlich ganz gut. Ich kann auch mit dieser Stimme im Kopf was anfangen.

Wundert mich eigentlich, dass Matt das nicht kann (mit seiner Maggin wink lol)

Dafür hab ich einen anderen Kritikpunkt.

Ich würde vor und nach wörtlicher Rede noch jeweils einen Absatz einbauen. Dies liest sich flüssiger und hebt es mehr hervor.

Bin schon gespannt auf die Fortsetzung smile

Liebe Grüße, Pütchen


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