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Kapitel 8 - Meine Mission Beginnt 1/2


 

 
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kydu
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Der Fluch Von Arabien
BeitragVerfasst am: 29.11.2008 16:11    Titel: Kapitel 8 - Meine Mission Beginnt 1/2 eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Am nächten Tag, es war bereits ziemlich hell, wurde ich von einem ziemlich lauten Lärm geweckt. Ich stand auf, ging zum Fenster und sah ein paar Reisende, die gerade dabei waren, das Deef zu verlassen. Ich zog mir meinen Umhang an, wusch mich, wenn man das so nennen konnte, in einer Art Eimer und ging hinunter, um nach meinem Pferd zu sehen.

Erfreulicherweise stand es auch noch genau da, wo ich es gestern Abend zurück gelassen hatte und jemand hatte es sogar bereits mit Wasser und gutem Fressen versorgt. Ich fragte mich, wer wohl dieser Wohltäter gewesen sein mochte, denn so etwas wie einen Stallburschen konnte ich nirgends ausmachen.

Auf dem Markt kaufte ich mir zuerst eine Satteltasche, denn die schienen sehr praktisch zu sein, zumindest hatten alle Reiter, die ich so sah, eine bei sich. Ich beobachtete auch genau, womit sich die anderen Reisende so auf dem Markt eindeckten und kaufte einfach das Gleiche: Zwei Decken, denn die Nächte in der Wüste waren oft eisigkalt, drei Wasserflaschen und so viel Proviant, wie er gerade noch in meine Tasche passte. „Jetzt“, dachte ich mir ziemlich zufrieden, „konnte meine Reise beginnen! Ein Blick auf mein nach allen Regeln der Kunst aufgezäumtes und bepacktes Pferd, bestätigte meinen Optimismus. Noch vor wenigen Tagen hätte ich das definitiv noch nicht zustande bekommen. Aber man kann ja alles lernen, wenn man dazu gezwungen wird. Und das galt hoffentlich auch für alle anderen Aufgaben, die nun vor mir lagen. Ich stieg auf, ritt ziemlich zuversichtlich aus der Stadt hinaus und machte mich auf den Weg in Richtung Norden.

Ich ritt den ganzen Tag, ohne dass mir auch nur ein einziger Mensch begegnet war. Die Wüste war riesig, die Sonne brannte tagsüber unerbittlich herab und nur wenige Mutige wagten sich deshalb hier her. Unterwegs musste ich ein paarmal Rast machen, denn ich war es nicht gewöhnt so lange im Sattel zu sitzen. Trotzdem kam ich ganz gut voran. Bei Einbruch der Abenddämmerung hatte ich schon ein ganzes Stück Weg geschafft und suchte ich mir einen Platz, an dem ich mein Nachtlager aufschlagen konnte.
Ich breitete meine Decken auf den Boden aus und legte mich darauf, um zu schlafen. Als die Nacht kam, merkte ich, wie es langsam immer kälter wurde. Nach einiger Zeit fror ich trotz meiner beiden Decken so sehr, dass ich beschloss, ein Feuer zu machen an dem ich mich wärmen konnte. Aber da fiel mir auf, dass ich gar kein Feuerzeug hatte. Aber wie zum Teufel sollte ich ohne das ein Lagerfeuer entzünden?

Ich hielt die Kälte irgendwann nicht mehr aus und fand es besser, aufzustehen und etwas hin und her zu laufen. Tatsächlich wurde es mir durch die Bewegung gleich etwas wärmer. Doch ich konnte nicht die ganze Nacht herumrennen, meine Füße taten mir bald weh und außerdem war ich auch viel zu müde dazu.
„Ok, Kyra.“ sprach ich zu mir selbst, um mir Mut zu machen. Vielleicht auch, um mich nicht allzu einsam zu fühlen. „Was kannst du unternehmen, damit du dir hier nicht den Arsch abfrierst?“ Ich überlegte und überlegte und dann fiel mir ein, dass ich ja etwas singen könnte. „Ja, das ist eine gute Idee“, lobte ich mich selbst und fing an, ein Liedchen zu trällern. „Tralala … lala … tiralla“. Es klang einfach nur schrecklich und ich konnte nur hoffen, dass im Umkreis von ein paar Kilometern niemand in der Nähe gewesen war, der mein Gejaule mitbekommen hatte. „Ok Kyra, lass das!“ befahl ich mir selbst. „Du kannst nicht singen, das steht wohl fest.“ Und kalt war es mir immer noch. „So Kyra, was könntest du gegen die Kälte noch tun?“ fragte ich mich selbst und kam zu der Antwort, dass ich zu aller erst damit aufhören musste, permanent Selbstgespräche zu führen, wenn ich nicht im Irrenhaus enden wollte.
Also legte ich mich wieder hin und schloss die Augen in der Hoffnung, dass ich irgendwann einschlafen könnte, was aber leider nicht der Fall war. Ich weiß nicht, wie oft ich in dieser Nacht noch aufgestanden bin und versuchte, mich mit tanzen, laufen oder Gymnastik irgendwie aufzuwärmen, um mich im Anschluss daran wieder hinzulegen ohne dabei ein Auge zu tun zu können. Als am Morgen endlich die Sonne am Horizont auftauchte und mich mit ihren Strahlen wärmte, war ich froh, die Nacht überhaupt überlebt zu haben. Ich hoffte, dass ich vielleicht irgendwann im Laufe des Tages auf ein Dorf treffen würde, in dem ich mich dann doch noch für ein paar Stunden aufs Ohr hauen konnte.

Ich ritt wiederum den ganzen Tag durch und machte kaum mehr Pausen, auch wenn mich mein Allerwertester mittlerweile ernstlich schmerzte. Ein paarmal wäre ich fast eingeschlafen, aber ich zwang mich wach zu bleiben, denn ich wollte auf gar keinen Fall noch so eine Nacht, wie die letzte, im Freien erleben. Und als es gegen Abend langsam dunkel wurde und immer noch keine Siedlung zu sehen war, bekam ich es mit der Angst zu tun. Doch was war das? Anscheinend waren meine Gebete erhört worden, denn plötzlich  schimmerte in der Ferne ein Licht. „Oh Gott!“ flehte ich zum Himmel, „bitte lass es ein Dorf sein oder wenigstens ein Haus. Hauptsache ich muss die Nacht heute nicht draußen bleiben und kann etwas Schlaf finden. Bitte, bitte!“
Ich ritt direkt auf das Licht zu und bemerkte, als es in Sichtweite kam, dass es sich tatsächlich um eine Hütte samt einer kleinen Scheune, neben der ein Pferd und einige Kühe standen, handelte. Anscheinend hatte mich mein Glück nicht verlassen.

Ich stieg ab, band mein Pferd an und klopfte an die Tür der Hütte. Als sie aufging, sah ich ein kleines Mädchen, das mich etwas verwundert anlächelte. Offensichtlich war sie nicht viel Besuch gewöhnt. Naja, kein Wunder, so abgelegen wie ihre Familie hier wohnte.
„ Hi Kleine, sind deine Eltern da?“
Sie nickte und schrie ziemlich aufgeregt: „Mama!“
Und schon tauchte hinter ihr eine Frau auf. „Ihr wünscht? “
„Ich wollte dich ... Ähm … euch darum bitten, ob ich die Nacht eventuell hier verbringen könnte.“ Zwar hatte ich ein wenig Probleme mit dem Dialekt, den diese Leute sprachen, aber ich konnte mich durchaus verständigen.
Doch zu meinem großen Bedauern schüttelte die Frau verneinend und ziemlich resolut ihren Kopf. „Nein, das geht nicht. Mein Mann duldet das nicht.“
Ich wollte mich nicht damit abfinden und versuchte verzweifelt, sie umzustimmen. „Ich habe Geld. Hier seht! Und ich würde euch gut für ein Bett bezahlen.“
„Aber nein, lasst bitte Euer Geld stecken. Ihr habt mich missverstanden. Mein Mann will einfach keine Fremden im Haus haben. Das ist alles.“
Ich überlegte kurz und schaute mich um. „Ich kann doch einfach in der Scheune schlafen. Bitte! Ich würde morgen vor Sonnenaufgang verschwinden und ihr Mann würde mich nicht einmal zu Gesicht bekommen. Und falls doch, sagen sie einfach, dass sie von nichts wussten und ich mich rein geschlichen haben muss. “ Ich flehte sie nochmals um Gnade an. „Bitte! Ich wäre gestern fast erfroren. Noch so eine Nacht überlebe ich nicht.“
Sie schaute mich ängstlich an. „Ich weiß nicht. Eigentlich hätte ich persönlich ja nichts dagegen, aber wenn mein Mann das dann doch herauskriegt, rastet er wieder aus.“
Ich bemerkte, wie sich in ihrer Stimme Angst aufbaute und ich vermutete, dass er sie anscheinend schon oft geschlagen haben musste. Und da ich nicht wollte, dass sie wegen mir wieder verprügelt werden würde, beschloss ich nachzugeben und zu gehen.
„Es tut mir leid, wenn ich sie gestört habe. Keine Angst, ich werde schon woanders einen Platz für die Nacht finden.“ Ich drehte mich um, ging zu meinem Pferd und band es los.
„Halt!“ rief mir die Frau nach, als ich gerade austeigen wollte. „Ihr könnt keine andere Übernachtungsmöglichkeit finden. Wir sind nämlich weit und breit die Einzigen, die in dieser Gegend hier leben. Also gut, von mir aus schlaft in der Scheune.“
„Das ist wirklich sehr nett von Ihnen.“ gab ich ihr zu verstehen. „Aber ich möchte nicht, dass Sie meinetwegen Probleme mit ihrem Mann kriegen.“
„Ach, die habe doch immer.“ seufzte sie.
Ich bedankte mich und ging zur Scheune hinüber. Drinnen war es richtig angenehm warm und ich war erleichtert, denn ich war mir sicher, heute gut schlafen zu können. Ich versorgte zuerst mein Pferd, machte mir dann mit meinen Decken ein Lager im Heu und legte mich zu Bett. Zufrieden, aber unendlich müde schloss ich die Augen und war im Nu eingeschlafen.

„Aaah!“ Mitten in die Nacht riss mich etwas unsanft aus meinen Träumen. Ich dachte zuerst, ich hätte wieder einen meiner Alpträume, aber dann merkte ich, dass ich tatsächlich nicht mehr alleine war. Ich wollte um Hilfe rufen, aber in diesem Moment warf sich der Eindringling auf mich und hielt mir mit seiner Hand den Mund zu. Ich wehrte mich nach Leibeskräften, trat und kratze nach ihm und da das alles nichts half, biss ich ihn schließlich in seine Hand. Das schien ihm nicht zu gefallen, denn er stöhnte laut auf. Aber er fing sich schnell wieder und flüsterte er mir ins Ohr: „Pssst! Nicht mehr beißen, bitte, ich bin es doch!“
Und tatsächlich, auch wenn es in der Scheune stockdunkel war, erkannte ich den Eindringling an seiner Stimme wieder: Es war zweifelsfrei der dunkle Ritter! Er musste mir vom Deef bis hier her gefolgt sein.
„Ruhe jetzt, sonst werdet Ihr uns verraten!“ raunte er mich an. „Die Gilde Innos sind hier. Wenn ich jetzt gleich meine Hand von eurem Mund wegnehme, werdet ihr mucksmäuschenstill sein! Verstanden?“
Ich tat zum Schein so, als ob ich mich fügen würde und nickte. Doch sobald er mich losließ, begann ich zu schreien so laut ich konnte.
„Verdammt!“ Der schwarze Krieger wurde ziemlich böse und nahm mich erneut in den Schwitzkasten. „Was fällt dir ein! Du wirst uns noch verraten. Mit der Gilde Innos ist nicht zu spaßen. Hörst du, die machen uns kalt, wenn sie uns hier finden und ich kann dir dann auch nicht mehr helfen.“
Ich hatte wohl keine andere Wahl, als ihm zu vertrauen, nickte wieder und tat dieses Mal tatsächlich was er wollte. Ganz leise, so dass uns wirklich niemand anderes hören konnte, flüsterte ich ihm ins Ohr. „Wer ist hier?“
„Wie oft denn noch? Die Gilde Innos!“ Jetzt wurde er wieder ziemlich laut.
„Psst!“ raunte ich ihm zu.
„Ja … ist ja schon gut.“ zischte er ziemlich erzürnt.
„Gestattet ihr mir noch eine Frage?“
„Wenn es sein muss.“
„Wer ist die Gilde Innos? „
„Ihr geruht zu Spaßen?“ Er blickte mich verwundert mit erhobenen Augenbrauen an, merkte aber dann anscheinend doch an meiner Mimik, dass ich das völlig ernst gemeint hatte. „Ich kennt sie wirklich nicht?“
„Nein. Wie gesagt, ich bin nicht von hier.“
„Nun ja, die gehören zu der dunklen Seite von Arabien.“
Ich musste lachen, denn eigentlich hatte ich ihn bisher immer für einen Vertreter der dunklen Seite gehalten. „Dann sind das also die Bösen?“
„Ja.“ raunzte er mich genervt an. „Wenn ihr so gut denken könntet, wie ihr zubeißt, wäre uns auch geholfen.“
Ich schlug ihm in die Rippen und er zuckte zusammen.
„Lasst das, verdammt!“
„Und ich dachte immer, Ihr seid der Böse …“
„Bitte?“
„Entschuldigung … ääh … wo ist die Gilde Innos genau?“ fragte ich ihn.
Er zeigte durch einen Spalt in der Scheunenwand nach draußen. „Da!“
„Und was machen die hier?“
„Anscheinend gehört einem Mitglied der Gilde die Hütte hier.“  
Er hatte kaum ausgesprochen, als wir hörten, wie sich jemand von außen an der Türe zu schaffen machte. Mein neuer Freund (war er das wirklich?) packte mich am Arm, schubste mich auf mein selbstgebautes Lager im Heu und warf sich mit seinem ganzen Körpergewicht auf mich.
„Aua!“
„Ruhe jetzt!“ Mit einer Hand griff er nach seinem Schwert und lauschte den Schritten, die sich uns in der Dunkelheit langsam näherten. Ich hielt vor Aufregung den Atem an und war gespannt, was als Nächstes geschehen würde.
Wie sich herausstellte, handelte es sich aber nur um zwei Männer, die noch dazu ziemlich betrunken waren.
„Ach komm schon … hier … hier ist doch niemand.“ grölte der eine und rülpste dann.
„Aber ich bin mir sicher, etwas gehört zu haben!“
„Was du dir immer alles einbildest. Das war bestimmt nur die Katze. Also ich gehe jetzt wieder ins Haus zurück und genehmige mir noch ein Schlückchen. Du kannst ja von mir aus die ganze Nacht hier bleiben, wenn dich das glücklich macht.“
„Warte noch … noch einen Augenblick. Ich glaube, da drüben ist irgendwas.“ Er zeigte in unsere Richtung und torkelte langsam auf uns zu. Der schwarze Ritter, der immer noch auf mir lag, zog sein Schwert langsam aus der Scheide und gab mir dabei ein Zeichen, dass ich ja keinen Laut von mir geben sollte. Ich rechnete fest damit, dass er gleich aufspringen würde, um den Mann, der uns schon bedrohlich nahe gekommen war, zu beseitigen, als ihm sein Kumpane plötzlich zurief: „Hey, deine Frau ruft nach dir … komm jetzt, sonst kriegst du wieder Ärger mit ihr.“ Er lachte dreckig.
„Ich Ärger mit ihr? Du meinst wohl, sie kriegt Ärger mit mir! Hör auf zu lachen, sonst …“ Er drehte sich um, rülpste nochmals und die beiden Männer wankten zurück in das Haus.
„Puh!“ Der schwarze Krieger steckte sein Schwert zurück und sah mich mit einer leicht zuckenden Lippe an. „Das ist gerade nochmal gut gegangen.“
„Ja, gottseidank.“ antwortete ich ihm. „Jetzt könnt Ihr auch endlich wieder von mir runter gehen.“
„Mmh, mir gefällt es aber ganz gut auf euch. Vielleicht möchte ich deshalb noch etwas länger …“
Doch als er meinen Dolch, den ich schon beim Auftauchen der Betrunken vorsichtshalber in die Hand genommen hatte, direkt zwischen seinen Beinen fühlte, ließ er lieber schnell von mir ab.
„Ihr seid ja auf einmal so bleich im Gesicht.“ neckte ich ihn. „Was hat Euch denn so die Laune getrübt?“
Er lächelte verlegen. „Tja, was wohl …“
Ich steckte meinen Dolch wieder an meinen Gürtel und klopfte mir den Staub aus meinen Sachen. Er saß schweigend vor mir und betrachtete mich mit demselben Blick, den ich von ihm aus meinen Träumen nur zu gut kannte.  
„Was ist?“ fragte ich ihn darum etwas irritiert.
„Nichts. Was soll denn sein.“ erwiderte er immer noch hörbar angefressen. Anscheinend hatte ihm nicht gefallen, wie ich ihn mir eben vom Leib gehalten hatte.
Aber das war mir jetzt egal, denn wenn es hier wirklich so gefährlich war, wollte ich mich nur schnellstmöglich aus dem Staub machen. Ich faltete meine beiden Decken zusammen, stopfte sie in meine Tasche und band mein Pferd los. In dem Moment wunderte ich mich auch, warum den beiden Männern das fremde Pferd im Stall gar nicht aufgefallen war. Naja, sie waren offensichtlich zu betrunken dazu. Anders konnte ich mir das nicht erklären. Als ich gerade aufsteigen wollte, bemerkte ich, dass der schwarze Ritter vorhatte, mich zu begleiten.  
„Was soll das?“ schrie ich ihn an. „Lasst mich endlich in Ruhe! Warum seid Ihr mir überhaupt gefolgt? Und sagt ja nicht, dass wir uns hier nur zufällig getroffen haben.“
Er sattelte weiter seelenruhig sein Pferd, ohne Anstalten zu machen, mir antworten zu wollen.
„Hey! Ich habe Euch etwas gefragt! Wieso seid Ihr mir gefolgt?“
Er sah mir in die Augen und meinte ziemlich selbstsicher: „Weil ihr wisst, wo Felestra ist.“
„Das weiß ich nicht!“ protestierte ich.
„So? Warum habt ihr dann den Palastwachen erzählt, dass ihr eine Freundin der Prinzessin seid? Oder habt ihr etwa gelogen?“
„Und wenn schon. Das ist allein meine Sache! Und außerdem reise ich lieber alleine.“
Meine Meinung schien ihn aber nicht zu interessieren, denn er schüttelte nur, mit einem leichten Grinsen auf den Lippen, seinen Kopf. „Ich komme mit.“
Ich wurde wütend und deshalb etwas lauter. „Ihnen hat wohl niemand Respekt vor ihren Mitmenschen beigebracht. Da wo ich herkommen, nennen wir Männer wie sie es sind einen Macho … obwohl … Männer wie Sie gibt es da gar nicht …“
In selben Moment ließ er seinen Sattel los, war mit ein, zwei schnellen Schritten bei mir, packte mich Arm und schnaubte mich wütend an. „Ich respektiere niemand! Habt ihr das verstanden? Und da wo ich herkomme, haben Frauen überhaupt nichts zu sagen ...“
„Aua!“ Ich versuchte wieder, ihn zu beißen, aber dieses Mal war er vorbereitet und viel zu stark für mich. „Lass mich los, verdammt! Was denkst du eigentlich, wer du bist?“
Er ließ mich tatsächlich los, aber seinem Gesicht konnte ich entnehmen, dass er weiterhin ziemlich wütend auf mich war.“
„Gut“, sagte er ziemlich bestimmend, „ihr sagt mir jetzt auf der Stelle, wer Ihr seid und wo Ihr herkommt. Verstanden?“  
„Einen Dreck werde ich tun. Wissen Sie was, wenn sie mich weiter so behandeln, werde ich sie anzeigen. Wegen Körperverletzung, Freiheitsberaubung und allem Anderen, was euer Gesetz noch so hergibt. Verstanden?“
„Unser Gesetz? Ich bin unser Gesetz!“ schrie er mich an.
„ Puhhh … und ich…“ mir fiel keine dümmere Antwort ein. „ … bin die Kaiserin von China!“
Das beeindruckte ihn aber nicht sonderlich, denn er packte mich wieder am Arm und drückte nun erheblich fester zu. „Ich frage euch zum letzten Mal! Wer seid ihr? Und glaubt mir“, drohte er mir ziemlich glaubhaft, „wenn ich keine vernünftige Antwort bekommen, schneide ich euch die Kehle durch.“
Ich holte tief Luft. „Kyra. Mein Name ist Kyra. Seid Ihr nun zufrieden?“
„Und woher kommt ihr?“
„Ich stamme von einer Insel, die weit im Norden liegt und die man Großbritannien nennt.“
Er nickte und obwohl ich ihm ansah, dass er damit nicht viel anfangen konnte, wurde er ruhiger.
Ich drehte mich zu meinem Pferd und hoffte, dass er endlich auf seines steigen würde, um darauf zu verschwinden, aber das tat er nicht.
„Was ist?“, fragte ich ihn, „wollen Sie hier Wurzeln schlagen?“
„Eure Umgangsformen lassen wirklich sehr zu wünschen über, Mädel! Kann ja nicht allzu toll sein, dieses Grobitanien.“„
„Erstens“, gab ich ihm Kontra, „heißt die Insel Großbritannien und zweitens  denke ich nicht, dass es die Etikette erfordert, zu einem Menschen höflich zu sein, der mich gerade mit dem Tod bedroht hat.“ Das saß! Ich stieg zufrieden auf mein Pferd und wollte an ihm vorbeireiten, aber er hielt mich am Zügel fest.
„Halt, noch nicht!“ sagte er in einem für ihn ziemlich zurückhaltenden Tonfall. Offensichtlich hatten ihm meine Worte zu denken gegeben. Ich tat aber so, als ob ich ihn nicht gehört hätte und öffnete das Tor einen Spalt weit.
„Wartet!“
Ich blieb stehen und sah ihn verärgert an.
„Was ist denn jetzt schon wieder?“
„Da wir eine lange Reise zusammen vor uns haben, sollten wir die Höflichkeiten lassen und uns ab jetzt duzen. Was hältst du davon?“
„Von mir aus. Aber bilde DIR nur nicht ein, dass du mir dadurch sympathischer wirst. Du bist und bleibst ein Macho.“
„Ein  … was bitte?“
Ich wollte die Türe gerade ganz aufmachen, als mich mein neuer Freund wieder am Arm packte. „Ich sagte doch, dass du warten sollst.“
„Ach ja. Und wenn nicht, willst du mir dann wieder die Kehle durchschneiden?“
„Nicht nötig“, grinste er, „das werden die Männer da draußen schon für mich erledigen.“
Ich sah vorsichtig durch den kleinen Spalt zum Tor des Stalles hinaus und sah die beiden Kerle von vorhin und einen weiteren, der ebenso wenig nüchtern auf mich wirkte, auf ihren Pferden sitzen. Anscheinend wollten sie gerade aufbrechen.
Ich wollte mir aber keine Blöße geben und versuchte meine Angst zu überspielen. „Ach, die sind doch so betrunken, dass sie sich nicht mal mehr im Sattel halten können.“
Der schwarze Ritter lachte süffisant. „Na, wenn du dir da so sicher bist, geh doch einfach raus.“
Ich überlegte, was ich machen sollte. Dann hörte ich Hufgetrampel und als ich zur Sicherheit nochmals nach draußen schielte, erkannte ich, dass die Drei wohl tatsächlich gerade auf ihren Pferden verschwunden waren. Ich grinste, denn nun fühlte ich mich sicher, machte die Tür ganz auf und marschierte zielstrebig aus der Scheune heraus.



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Wenn die Liebenden fallen, die Liebe fällt nicht,
Und dem Tod soll kein Reich mehr bleiben.
-Dylan Thomas-
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Ayemea
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Alter: 28
Beiträge: 132



BeitragVerfasst am: 29.11.2008 22:58    Titel: Antworten mit Zitat

lol Grobitanien lol

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Das Leben ist der Spielplatz des Todes.
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