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Kapitel 19 - Wenn die Liebenden fallen 2/2


 

 
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kydu
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Der Fluch Von Arabien
BeitragVerfasst am: 03.01.2009 21:05    Titel: Kapitel 19 - Wenn die Liebenden fallen 2/2 eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Wir holten unsere Pferde und ritten los. Als wir den großen Felsen an der Küste erreicht hatten, saßen Felestra und Amir unter einer großen Palme, umarmten und küssten sich.  Sie bemerkten uns, ließen verschämt voneinander ab, standen auf, und gingen uns entgegen. Beim Anblick von Felestras verweinten Augen ahnte ich bereits, dass da was nicht stimmen konnte. Ich hielt mich aber vorerst bedeckt, denn ich dachte, Felestra sei nur deshalb traurig, weil sie sich nun doch von Amir trennt.  

„Es tut mir so leid!“ entschuldigte sich Felestra mir einer leisen aber hörbar verweinten Stimme.
Ich verstand in diesem Moment nicht, was sie meinte. Amir hielt sie fest bei der Hand und ich fragte sie, was ihr denn leid täte.
„Ich konnte es doch nicht zulassen, dass es dich niemals geben würde …“, Felestra brach nun völlig in Tränen aus, „Deshalb haben wir beide eben miteinander geschlafen. Wir haben es auch für dich getan! Bitte überlege Kyra, wenn ich kein Kind bekomme, würde unsere Familie damit aussterben und du wärst nie auf die Welt gekommen.“
Ich konnte ihre Beweggründe zwar in etwa nachvollziehen, wurde aber trotzdem verdammt wütend auf die Beiden. „Und der Fluch? Habt ihr dabei nicht an den Fluch gedacht? All eure Nachkommen sind davon betroffen … nicht nur ich … verdammt!“ Felestra und Amir wussten offensichtlich nicht, was sie gegen meine Anschuldigungen als Entschuldigung vorbringen konnten und schwiegen. Das brachte mich aber noch mehr in Rage, ich war außer mir vor Zorn. „Ja super! Was soll ich jetzt nur machen … aah!“
Golsir nahm meine Hand und versuchte mich zu beruhigen. „Wir schaffen das. Gemeinsam schaffen wir alles!“
Das brachte mich erst richtig auf die Palme! „Was meinst du mit gemeinsam? Wir werden uns nie wieder sehen. ... Kapier das doch endlich!“  
„Nein, ich werde mir Etwas einfallen lassen, um das zu verhindern.“ Golsir schrie mich beinahe an. Anscheinend wollte er sich mit seiner Lautstärke selbst Mut machen.
Dann sah ich zu Felestra. Wie konnte ich ihr eigentlich dafür böse sein, dass sie mit ihrem Amir geschlafen hatte? Immerhin hatten Golsir und ich die ganze letzte Nacht und auch noch heute Vormittag mit großer Hingabe das Gleiche getan. Ich war also kein Deut besser als sie und durfte ihr folglich keine Vorwürfe machen. „Irgendwie“, schoss es mir durch den Kopf, „hatte an diesem ganzen Schlamassel keiner richtig die Schuld. Denn ist es nicht immer so im Leben“, ich musste bei diesem Gedanken innerlich schmunzeln, „dass man sich garantiert genau in den Menschen verliebt, in den man das eigentlich nicht dürfte?“ Langsam beruhigte ich mich wieder und umarmte Golsir.
„Danke!“
„Wofür?“
„Dass du so bist, wie du bist. Ich liebe dich.“
„Ich liebe dich auch!“ erwiderte Golsir. Ich schloss die Augen und wir gaben uns einen langen, zärtlichen Kuss.  

Als ich meine Augen wieder aufschlug, war er da! Eine Gestalt, die urplötzlich wie ein gespenstischer Schatten aus dem Nichts aufgetaucht war.  
„Andavalerios!“  Ich hörte wie Felestra voller Entsetzen diesen Namen rief. Und noch einmal „Andavalerios !“
Ich löste mich aus Golsirs Umarmung, umklammerte aber weiter hilfesuchend seine Hand.  Starr vor Angst schaute ich zu Boden und wagte es nicht, dem Wächter ins Gesicht zu blicken.  
„So, so, du kennst also meinen Namen, Felestra? Das ist schön.“ begrüßte der sie. „Aber da du meinen Namen kennst, musst du auch von meinem Gesetz wissen. Sag mir bitte Felestra, warum du es trotzdem gebrochen hast?“
Doch was war das? Mir stockte förmlich das Blut in den Adern, denn diese Stimme kannte ich nur zu gut. Ich hob den Kopf und tatsächlich, ich hatte mich nicht getäuscht.
„Raihan!“ entfuhr mir vor Schreck ein lauter Schrei, mit dem ich Felestra unterbrach, die ihm gerade antworten wollte. Es war eindeutig mein befreundeter Archäologe, den ich erst vor wenigen Tagen im Stall seines Onkels alleine zurück gelasen hatte, der nun in einen schwarzen Umhang gewickelt vor uns stand! Ziemlich irritiert starrten mich die Anderen an, während ich versuchte, meine Gedanken zu ordnen. Wie konnte es sein, dass Raihan plötzlich hier auftauchte? Und was hatte er mit Andavalerios zu tun? War Raihan etwa sogar höchstpersönlich der Wächter der Dunkelheit?
„Kyra! Ich bin froh, dass du es unversehrt bis hierher geschafft hast. Auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass unser Wiedersehen unter einem besseren Stern stehen würde.“ Dann wandte er sich wieder an Amir und Felestra. „Ich mag euch Menschen wirklich gerne, auch wenn ihr oft schwach und voller Sünde seid. Deshalb wollte ich auch mit meinem Gesetz verhindern, dass ihr euch in sinnlosen Kriegen niedermetzelt. Aber ihr schert euch ja nicht um mein Gesetz! Ich bin gekommen, um euch nun dafür die gerechte Strafe zu bringen.“
„Halte ein Andavalerios!“ Felestra bot ihm mutig die Stirn. „Ja, Amir und ich haben dein Gesetz gebrochen. Auch wenn es ein grausames Gesetz ist, weil es Amir und mir unsere Liebe verbietet, gebe ich das zu und wir fügen uns in unser Schicksal. Aber Kyra und Golsir sind unschuldig und die darfst du nicht grundlos bestrafen!“
Raihan sah mir tief in die Augen und ich glaubte eine gewisse Trauer in seinen Augen erkennen zu können. „Auch Kyra hat keine Gnade verdient! Sie hat zwar nicht das Gesetz, dafür aber mein Herz gebrochen. Ich bin durch die Zeit gereist, nur um ihr als Raihan bei ihrer schweren Aufgabe zu helfen.“ Für einen kurzen Moment schien es fast so, als ob er in Tränen ausbrechen würde. „Dabei habe ich mich in sie verliebt. Ich, der mächtige Wächter der Dunkelheit, habe mich unsterblich in eine menschliche Frau verliebt.“ Er lachte ziemlich verbittert. „Welche Ironie des Schicksals!“
Ich ging auf ihn zu und legte ihm meine Hand tröstend auf die Schulter. „Es tut mir leid, Raihan! Ich wusste ja nicht, dass du solche Gefühle für mich hast.“
„Lass mich in Ruhe, Kyra!“ Er schubste mich plötzlich zornig von sich weg.  „Du liebst mich nicht und ich brauche erst recht kein Mitleid von dir! Denn ich weiß nur zu gut, dass du mich mit dem da betrogen hast!“ Raihan zeigte hasserfüllt auf Golsir und ging bedrohlich auf ihn zu.
Golsir erkannte die Gefahr, zog blitzschnell sein Schwert und wollte sich auf ihn stürzen, um sich zu schützen. Doch in der Gestalt von Andavalerios war Raihan ein so mächtiger Zauberer, dass er nur kurz die Hand heben musste und schon flog mein Geliebter meterweit durch die Lüfte.
„Golsir!“ schrie er ihn an. „Du hast mich ebenfalls verraten und verkauft! Ich habe dir vertraut und den Auftrag gegeben, die Auserwählte auf ihrem schweren Weg zu beschützen. Doch davon, dass du sie mir wegnehmen solltest, war nie die Rede!“
Golsir krümmte sich vor Schmerz. Ich wollte ihm zur Hilfe eilen, doch Andavalerios packte mich und hielt mich zurück.
„Nun ist die Zeit gekommen, um Abschied zu nehmen.“ Dann breitete er seinen schwarzen Umhang über mich. „Kyra, ich liebe dich noch immer und deshalb kommst du jetzt mit mir in mein Reich, wo du meine Frau werden wirst.“
„Nein!“ ich riss mich los und versuchte nach meinem Dolch zu greifen, doch ich konnte ihn in der Aufregung nicht finden. „Bitte…“, ich warf mich auf die Knie und flehte ihn an, „… bitte Raihan, ich brauche noch ein wenig Zeit. Es gibt hier noch etwas, das ich unbedingt erledigen muss. Bitte …“
„Kyra, glaubst wirklich, ich würde dir diese Zeit so einfach geben? Warum sollte ich das tun?“
„Weil …“, ich überlegte krampfhaft, was ich ihm anbieten konnte, damit er sich auf einen Handel einlassen würde, „… weil ich dir verspreche, dass ich mich dir mit Leib und Seele hingeben werde, wenn du mir meine Bitte erfüllst und noch etwas Zeit gewährst. Ich werde all deine Wünsche erfüllen und für immer die Deine sein.“
Raihan runzelte seine blasse Stirn und dachte darüber nach, ob er mein Angebot annehmen sollte. Schließlich griff er sich Golsir und würgte ihn mit nur einer Hand so fest, dass mein Geliebter schlagartig die Besinnung verlor. „Schwörst du mir bei seinem Leben, dass du Wort hältst und auch tatsächlich meine Frau wirst?“
„Ja, das schwöre ich!“
„Nun gut!“ Raihan ließ von Golsir an und ihn zu Boden fallen. „Ich werde Golsir verschonen und dir deine Bitte erfüllen.“ Er nahm seinen Hut vom Kopf und legte ihn vor uns in den staubigen Wüstensand. „Wenn die Sonnenstrahlen meinen Hut erreicht haben, ist deine Zeit um und ich komme, um dich zu holen, Kyra.“ Es donnerte und wo eben noch Raihan gestanden hatte, waren nur noch ein paar dunkle Rauchschwaden zu sehen.

Felestra und Amir stürzten sofort zu Golsir und halfen ihm auf die Beine. Der schüttelte sich nur kurz und signalisierte mir, dass er in Ordnung war.
Ich schaute auf die Sonne und beobachtete den Lauf ihrer Strahlen. Es würde nicht lange dauern, vielleicht eine, höchstens jedoch zwei Stunden und sie hatten Andavalerios´ Hut erreicht.
„Woher kennst Du den Wächter? Und was hast du jetzt vor, Kyra?“ fragte Golsir, der mittlerweile hinter mir stand und mir seine Hand liebevoll auf die Schulter legte.
„Ich …“, doch ich konnte nicht aussprechen, was ich sagen wollte, denn plötzlich bemerkte ich, dass sich uns ein Reiter näherte, der zwar noch ein ganzes Stück entfernt war, aber dank seinem hohem Tempo rasch Boden gut machte. Als ich erkannte, dass es sich dabei um Avered handelte, schloss ich die Augen und dankte Gott dafür, dass er meine Gebete erhört hatte. Dann faste ich Golsirs am Arm und erklärte ihm kurz und eindringlich, was er zu tun hatte.
„Hör mir jetzt bitte gut zu, Golsir! Du musst mitspielen, sonst funktioniert mein Plan nicht und wir sind verloren. Also, egal was Avered sagt oder tut, wir müssen ihm vorspielen, dass wir beide uns hassen. Er darf nichts von unserer Liebe spüren, verstanden? “
„Nein, weil …“
„Stell jetzt bitte keine Fragen, dafür haben wir keine Zeit!“
Golsir nickte, auch wenn er sichtlich nicht einverstanden war und sah zu Avered. „Woher weiß er eigentlich, dass wir hier sind?“
„Ich habe in unserer Gaststätte eine Nachricht für ihn hinterlassen.“ Ich stellte mich neben Felestra, streifte schnell meinen Ring, den mir Golsir gegeben hatte, ab und steckte ihn in meine Tasche. Avered kam näher und näher. „Und ihr Beiden“, gab ich Felestra und Amir schnell noch ihre letzten Instruktionen, „werdet jetzt vermählt.“
Sie schauten mich mit großen Augen an. „Aber …“
„Hey! Nichts aber … ihr wolltet es und nun kriegt ihr es! Und jetzt stellt euch bitte so auf, als ob ihr gerade heiraten würdet. Und du Golsir, bist der Trauzeuge.“

Als Avered sein Pferd anhielt und schwungvoll vom Sattel sprang, lief ich gleich zu ihm und begrüßte ihn mit einem herzlichen Lächeln.
„So“, sagte er, nachdem er mich umarmt und auf die Wange geküsst hatte, „hier bin also, genau wie versprochen einen Tag nach Vollmond.“
„Danke Avered, ich bin so froh und glücklich, dich zu sehen. Aber nun will ich dir jemand vorstellen.“ Ich zeigte auf Felestra und Amir. „Das sind meine Freunde Susan und Raj, von denen ich dir erzählt habe. Du kommst gerade richtig, um mit uns ihre Vermählung zu feiern.“
Avered begrüßte die Beiden und wünschte ihnen Glück, dann sah er mit hasserfüllten Augen zu Golsir. „Na, du lebst ja leider immer noch und wie ich sehe, kannst du anscheinend sogar deinen Arm wieder gebrauchen.“
Golsir lächelte. „Ja, sieht ganz so aus und du hast großes Glück, dass ich in Mitten einer Zeremonie stecke, sonst müsste jetzt dein Arm daran glauben.“
Avered war durch diese ernstgemeinte Drohung sichtlich beeindruckt und stellte sich fast hilfesuchend hinter mich. „Und? Wie lange dauert die Feier noch?“
„Nicht mehr lange, habe bitte noch etwas Geduld.“
„Wieso hast du mich eigentlich hier her gebeten, wir hätten uns doch viel bequemer im Dorf treffen können? Und warum musste ich denn unbedingt alleine kommen?“ „Hast du etwa Angst vor Golsir?“
Avered lächelte ziemlich gekünstelt. „Ich Angst vor Golsir? Lächerlich.“
„Na also. Und jetzt sei ruhig, die Zeremonie beginnt.“
Amir und Felestra knieten sich, wie abgesprochen, auf mein Zeichen voreinander hin. Amir nahm Felestras Hand und steckte ihr einen Ring an den Finger. Daraufhin sagte Felestra: „Ich folge ab nun der Stimme deines Herzens, wohin auch immer sie mich führen mag.“
Amir antwortete: „Mein Herz soll in Zukunft nur für dich schlagen.“
Die beiden standen auf, küssten sich und wir klatschten ihnen Beifall. Ich wischte mir eine Träne aus den Augen, denn auch wenn diese Hochzeitszeremonie ziemlich kurz und eigentlich nur gespielt war, hatte sie doch etwas sehr Romantisches. Anschließend umarmte ich Felestra. „Das hier stand aber so nicht in unserem Buch“ flüsterte ich ihr ins Ohr. Felestra lächelte glücklich. Dann ging ich zu Amir und beglückwünschte ihn ebenfalls.
„Und jetzt?“ Avered war bereits ziemlich ungeduldig.
„Jetzt…“ sagte ich und klimperte Avered mit meinen Wimpern verführerisch an, „… jetzt sind wir beide an der Reihe, um uns zu vermählen. … Oder willst du mich etwa nicht mehr, Avered?“
Golsir blickte stumm zu Boden und versuchte sich so innerlich zu beruhigen. Felestra und Amir lächelten stumm, traten zur Seite und machten damit Avered und mir am heiligen Felsen Platz für unsere Trauung.
Avered, der mich immer noch völlig konsterniert ansah, konnte wohl nicht glauben, was ich da gerade vorgeschlagen hatte. „Ääh … Felestra, er hielt mich ja irrtümlicher Weise immer noch für meine eigene Urahnin, bist du dir da auch wirklich sicher ... ich meine, so eine Hochzeit ist schon eine ernste Angelegenheit und … ähh …“ druckste er herum.
„Ich war mir noch nie in Etwas so sicher!“ wischte ich all seine Zweifel einfach beiseite.
Avered umarmte mich ganz fest und mein Blick fiel während dessen auf Golsir, der mich äußerst wütend ansah und ganz offensichtlich sehr hart mit sich kämpfte, um nicht seine Beherrschung zu verlieren.
„Ich kann es immer noch nicht glauben, dass ich so ein Glückspilz sein soll.“ Avered war außer sich vor Freude. „Warum willst du ausgerechnet mich heiraten, Felestra?“
„Erstens weil ich mich neulich unsterblich in dich verliebt habe und zweitens wird sich mein Vater schwarzärgern, wenn er von meiner Vermählung mit dir erfährt. Auch deswegen will ich das hier durchziehen.“
Der König der Gilde Innos legte seine Hand an meine Wange und hauchte leise:
„Aber Felestra, ich habe gar keinen Ring für dich.“ Er überlegte kurz, öffnete seinen Umhang und holte sein Amulett, das er um den Hals trug, hervor. „Wenn es dir recht ist, könnte ich dir stattdessen auch diese Kette geben.“
Ich lächelte mit einem Nicken. „Natürlich, mein Geliebter. Denn alles was ich von dir geschenkt bekomme, erfüllt mein Herz mir tiefer Demut.“
„Das hast du aber schön gesagt.“ Avered küsste mich auf die Wange, dann schaute er zu Golsir. „Ich will aber nicht, dass der de dabei ist! Er würde die Zeremonie sicher nur zu stören versuchen.“
Golsir antwortete erst gar nicht auf diese Provokation, sondern drehte sich nur schweigend um und ging zu seinem Pferd, das er etwas abseits des Felsen an eine der Palmen gebunden hatte. Dort verweilte er und beobachtete, was weiter geschehen würde. Es beruhigte mich, dass er noch in der Nähe war und im Notfall eingreifen konnte.
„Susan und Raj sollen aber hier bleiben, die brauchen wir schließlich als Trauzeugen.“
„In Ordnung.“ meinte Avered. „Gegen deine Freunde habe ich ja auch nichts einzuwenden.“
Wir knieten uns, so wie es vorhin Felestra und Amir getan hatten, vor dem heiligen Felsen auf den Boden und sahen uns an.
„ Avered, darf ich dich noch etwas fragen, bevor wir Mann und Frau werden?“ sagte ich.
„Ja, Felestra?“
„Willst du mich wirklich aus Liebe heiraten oder tust du es nur, weil du Golsir eins auswischen willst oder möchtest du mich etwa nur deshalb zur Gattin, weil du dadurch König von Dubai wirst?“
„Ich schwöre dir“, Avered griff sich an die Brust, „bei meinem Leben, dass ich dich aus tiefstem Herzen begehre und meine Gefühle für dich absolut aufrichtig sind.“
Ich lächelte und strich ihm sanft über seine Wange. „Ich glaube dir, mein Geliebter.“
Er sah mir tief in die Augen. „Ich schwöre dir desweiteren, dass wir auch nach dem Tod denselben Weg gehen werden. So werden wir für immer zusammen sein.“
„Hey!“ kicherte ich. „Ich bin doch eigentlich diejenige, die während der Zeremonie ein Treuegelöbnis abzugeben hat, oder?“  
„Oh … ja, entschuldige bitte. Ich konnte nur eben nicht anders, als dir meine Liebe zu gestehen. Auch über den Tod hinaus.“
Ich nickte zufrieden. „Ja, und dafür bin ich dir auch sehr dankbar, denn jetzt weiß ich, dass du der Richtige bist und habe keinen Zweifel mehr.“
„Ist es nun an der Zeit, dir die Kette umzuhängen?“
„Mmh ... nein, warte damit bitte noch, das kommt erst später, denn zuerst kommt bei dieser Zeremonie noch eine Art vertrauensbildende Phase …“ Ich konnte nicht mehr ernst bleiben und musste lachen.
Das passte aber meinem Bräutigam ganz und gar nicht, denn der wurde darüber ziemlich böse. „Hör gefälligst auf zu lachen und führe unsere Vermählung mit dem gebührenden Ernst durch ... das tue ich ja schließlich auch.
Ich nickte reumütig, legte meine Hand auf Avereds Schulter und schloss dabei die Augen. Nach einem Moment der Stille begann ich mit dem Treueschwur: „Von dieser Stunde an will ich dort hin gehen, wo du hin gehst. Essen, was du isst. Und dir stets eine gute Gefährtin sein. Bis zu meinem Tod und darüber hinaus.“
Avered nickte zustimmend, legte nun seinerseits die rechte Hand auf meine Schulter und machte andächtig die Augen zu, um sich auf seinen Liebesschwur zu konzentrieren.
Ich wusste, dass ich nur eine einzige Möglichkeit bekommen würde, um mein Vorhaben erfolgreich durchzuführen und die war genau in diesem Moment gekommen. Jetzt oder nie! Blitzschnell zog ich meinen Dolch, den ich bisher unter meinem Gewand versteckt gehalten hatte, hervor und rammte ihn mit aller Kraft in Avereds Brust.
„Aaah!“ Vor Schock und Schmerzen schrie der laut auf und sah mich voller blankem Entsetzen an.
„Es tut mir leid Avered, aber ich musste das tun.“ flüsterte ich ihm mit zitternden Stimme zu. Ich konnte ihm ansehen, dass er von enormen Qualen geplagt wurde, trotzdem hielt er sich aufrecht auf seinen Knien, sah mich immer noch an und röchelte: „Mir tut es auch leid. …Bis zu meinem Tod und darüber hinaus. ... Ich muss mein Versprechen halten.“
Ich wusste nicht, was er mit diesen Worten meinte, aber noch in der gleichen Sekunde traf mich ein furchtbar stechender Schmerz mit voller Wucht in meine Brust! Ich blickte an mir hinab und sah, dass ich über und über mit Blut besudelt war. Avered hatte mir mit der letzten Kraft, die noch in seinem Körper verblieben war, sein Messer direkt ins Herz gestoßen. Ich wusste bei diesem Anblick sofort, dass es keine Hoffnung mehr gab und ich in wenigen Minuten sterben musste. Alles um mich drehte sich immer schneller, mir wurde schwarz vor Augen und ich fiel zu Boden. Ganz weit entfernt hörte ich Felestra schreien. „Kyra! Nein! …“
Auf einmal war auch Golsir ganz nahe bei mir und hob mir den Kopf hoch. „Warum? Warum?“ rief er wieder und wieder verzweifelt in den Himmel. Dicke Tränen liefen ihm dabei über sein Gesicht.
„Golsir! Ich weiß, … dass er dich getötet hätte.“ Mein Atem wurde immer schneller und ich fühlte eine eisige Kälte als Vorbote des Todes in mir. „Das konnte … das konnte ich doch nicht zulassen.“
Er legte seine warme Hand auf meine Wange und ich fühlte, wie sehr er zitterte.
„Kyra, du darfst jetzt nicht sterben. Hörst du! Ich liebe dich doch …“
„Golsir, ich muss … ich muss dich jetzt verlassen.“
„Nein!“
„Steck mir bitte deinen Ring an meinen Finger … er ist … in meiner Tasche.“
Golsir erfüllte mir meinen letzten Wunsch und steckte mir den Ring, der das Symbol unserer Liebe war, an die Hand. Ich holte noch einmal tief Luft und mit dem letzten Atemzug, den ich aushauchte, gab ich meinem Geliebten das Treuegelöbnis, auf das er so lange gewartet hatte:

„Es wird mir eine Ehre sein, mich zu opfern, um dich zu retten. Ich werde … meine Seele für deine geben, wenn das Böse sie fordert. Sollte der Tod seinen Tribut verlangen, werde … werde ich ihm mein Leben für deines bieten. Und nun … und nun begebe ich mich in deine Hände.“

Ich hustete noch ein paarmal, spürte wie mir das Blut aus dem Mund herauslief und sah ihn mit halb geöffneten Augen an. „Da hast du dein Gelöbnis … ich … ich ... liebe dich!“
Nun war ich bereit in Frieden zu sterben. Doch Golsir schüttelte mich und wollte mich nicht gehen lassen „ Kyra, bitte hör mir zu! !Wenn die Liebenden fallen, die Liebe fällt nich;
Und dem Tod soll kein Reich mehr bleiben.“
Ich lächelte. „Golsir…“ Der Tod war ein befreiendes Gefühl und tat überhaupt nicht weh. Dann küssten wir uns. Zum letzten Mal.



_________________
Wenn die Liebenden fallen, die Liebe fällt nicht,
Und dem Tod soll kein Reich mehr bleiben.
-Dylan Thomas-
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