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Erste Szene Jugendroman "Flugmodus"


 

 
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flo str
Geschlecht:männlichAbc-Schütze

Alter: 33
Beiträge: 3
Wohnort: Bruchsal


BeitragVerfasst am: 12.06.2019 18:07    Titel: Erste Szene Jugendroman "Flugmodus" eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo liebes Dsfo-Forum,
ich möchte mich mit einem kleinen Text vorstellen, der als Romananfang meines Jugendbuchprojektes gedacht ist. Gebt mir einfach mal bitte ein Kurzfeedback bezüglich Stil, Ersteindruck und Lesefreundlichkeit. Kommt ihr in die Geschichte/Situation rein?
Vielen Dank und gutes Schreiben !
Flo






Abrissbirne – Pauline-2 Tage danach
Sekundenzeiger hängen für gewöhnlich in Mathestunden. Das gleich die komplette Uhr explodieren wird, ist mir nicht klar. Ein Loch gähnt vor meinem bekritzelten Holztisch und ich falle vom dritten Stock bis in den Fahrradkeller. Sturzflug. Meine mittellangen Locken, die sonst dem zierlichen Rehaugengesicht Deckung geben, zappeln von unten nach oben über mir. Stahlträger schauen aus der Decke. Wände stürzen ein. Ich kenne Sprengungen von Gebäuden auf Youtube. Diesmal bin ich mittendrin. Meine Welt zerfällt in eine angehauchte Pusteblume. Es war immer ein Ort voller Vertrauen. Die bekannten Lehrer, die mich auf dem Gang grüßten. Automatische Jalousien, die sich dem Sonnenlicht anpassten. Mein geliebter Fensterplatz hinten links mit dem immergrünen Blick zum Park. Im Winter konnte ich eine Hand auf den Heizkörper legen, wenn es mir zu kalt war. Das Abtauchen im Menschenmeer in den Pausen. Der Brötchenverkauf. Das vertraute dreistufige Klingeln.
Ich kaue an meinen Bleistift und schreibe Elfchen über die Nasenhaare unseres Mathelehrers in den Umschlag des gewünschten Doppelheftes mit Rand.


Zinkengewächs
Du Liane
Schwarze lange Haare
Hast du keine Ehefrau
Köperhygienesau

Ich bin sauer auf mich selbst und Herr Wenger muss leiden. Wie dämlich kann man sein? Meine innere Stimme blieb einfach stumm.
Ich höre die Schritte auf dem Flur, von denen alle wussten, dass sie Bedeutung mit sich bringen. Durch den zu großen Türschlitz unter der Klassenzimmertür kann ich schon vorher erahnen, wer gleich die Klinke runterdrücken wird.
Frieder programmiert an seinem Taschenrechner ein Skript für quadratische Gleichungen neu. Mia liest unter dem Tisch den Kicker mit Lesezirkelumschlag. Natürlich vom Friseur geklaut. Elija hat wie immer nur einen Spiralblock dabei und fährt Karos nach. Nur vereinzelt sind darauf Matheaufgaben, meistens Zeichnungen von Mädchenärschen.
Das 10.Schuljahr ist noch nicht alt. Es ist immer noch Spätsommer und der olle Herbst, der alte Farbenkünstler, muss noch ein Weilchen mit seinem Blattgepinsel warten.
Sein Gang ist ruhig und bedacht. Niemals hektisch. Gleichmäßig und sicher. Klassische Halbschuhe mit einem leichten Absatz, die Ärger über den Fußboden durch die Tür zu meinem Platz am Fenster telegraphieren. Dreimal Klopfen. Das gehört sich. Bruder Fritz, der Rektor des Peterstifts, tritt ans Pult und blickt suchend in die Runde. Wäre das hier ein Western, ginge gleiche die Schießerei im Saloon los und ich würde mit den Händen über dem Kopf hinter dem Tresen liegen. Wir stehen auf, weil wir hier auf Menschlichkeit und Respekt viel Wert legen. Erstaunlich, wie sich der Lärmpegel ohne ein Wort von Fritz senkt. Der grimmige Blick und seine eisblauen Augen stoppen plötzlich bei mir. Sein Bart unterstreicht in seinem Gesichtsausdruck die unteren Mundwinkel, so dass er aussieht wie Tolkiens Sarumann im Kampf um Mittelerde. Die Buchstaben meines Namens durchlöcherten meinen Körper. Ich zapple im Gedankenkugelhagel.
»Pauline, würdest du bitte mitkommen. Ich muss mit euch reden. Ich brauche alle Klassesprecher der 10.Klassen.«
Wie Salzsäure ätzen die zerkauten Bleistiftreste meine Lippen. Die innerliche Sirene ertönt.
3…2…1. Zündung.

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Kojote
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 29
Beiträge: 132
Wohnort: Vereinigte Sibirische Latrinenmanufakturen


BeitragVerfasst am: 12.06.2019 18:19    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo flo str!

Leider habe ich keinen blassen Schimmer, worum es in deinem Buch gehen soll. In deinen Zeilen einen tieferen Sinn oder gar eine Handlung erkennen zu können ist nahezu unmöglich. Das ist nicht böse gemeint. Viele Leser werden diese Unschlüssigkeit am Anfang eines Buches zu schätzen wissen. Ich gehöre nicht dazu.

Damit ein Buch jemanden fesselt, muss es klare Wünsche des Protagonisten enthalten und einen Konflikt (oder mehrere), die ihn am Erreichen dieser Wünsche hindern. Damit es mich fesselt, sollte das Buch dies möglichst schon auf der ersten Seite tun. Schau dir mal Boot Camp von Morton Rhue an. Schon auf der ersten Seite wird man dort in die Handlung versetzt: Die Entführung (und das anschließende Martyrium) von Connor Durell.

Wenn ich in einer Buchhandlung über dein Buch gestolpert wäre und die ersten Seiten so verfasst gewesen wären wie die Leseprobe hier, so würde ich nicht weitergelesen haben. Tut mir leid. Das soll nicht heißen, dass dein gesamtes Buchprojekt untauglich ist (nie im Leben würde ich mir schon jetzt so eine Entscheidung anmaßen!). Es wirkt auf mich momentan nur ein wenig wie ein hochbrillantes Meisterstück, das so brillant ist, dass es niemand versteht, und eben weil es so brillant ist, weigern sich alle, zuzugeben, es nicht zu verstehen.

Liebe Grüße
Kojote


_________________
Kojote – zu allem fähig, zu nichts zu gebrauchen!
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Calvin Hobbs
Geschlecht:männlichSchreiberassi


Beiträge: 70
Wohnort: Deutschland


BeitragVerfasst am: 12.06.2019 19:48    Titel: Antworten mit Zitat

Als Anfang fand ich es gut, befürchte aber, dass ein längerer Text in diesem Stil ermüdend sein könnte. Es entstehen Bilder, die Unterrichtssituation kann ich nachvollziehen. Allerdings MUSS mit dem nächsten Absatz eine wirkliche Zündung kommen, ansonsten hättest Du mich als Leser verloren.

_________________
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denLars
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 26
Beiträge: 606
Wohnort: Düsseldorf
Extrem Süßes!


LOONYS - Die Vergessenen Rosen der Zeit
BeitragVerfasst am: 12.06.2019 21:40    Titel: Antworten mit Zitat

Bin auf der Seite von Hobbs.
Der Anfang macht interessante Bilder auf. Vieles rief in mir Erinnerungen an die eigene Schulzeit auf.

Zitat:
Meine mittellangen Locken, die sonst dem zierlichen Rehaugengesicht Deckung geben, zappeln von unten nach oben über mir.


Diese Beschreibung des Äußeren deines Protagonisten kam hier ziemlich unmotiviert und one Not reingeflogen. Ist an dieser Stelle überhaupt nicht nötig und hat nur meinen Lesefluss gestört. Kann man sehr gut noch an späterer Stelle einfließen lassen.

Zitat:
und der olle Herbst, der alte Farbenkünstler,


Die Umschreibung finde ich unnötig altbacken. Will nicht so recht in den restlichen Stil passen. Wenn es ironisch gemeint war, holt man e auch dann nicht durch.

Bei so einem Stil besteht natürlich immer die Gefahr, dass man ihn nicht einen gesamten Text lang durchhält oder irgendwann komplett hohldreht. Aber da würde ich einfach gutmeinend erstmal nicht von ausgehen Laughing

Kennst du zufällig "Ich gegen Osborne" von Joey Goebel? Wenn nicht, dann absolute Leseempfehlung. Die Porträtierung der Schulzeit hat mich daran denken lassen.

So viel von mir.

Liebe Grüße
Lars


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One whose name is writ in water.
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flo str
Geschlecht:männlichAbc-Schütze

Alter: 33
Beiträge: 3
Wohnort: Bruchsal


BeitragVerfasst am: 13.06.2019 08:17    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi,danke euch für euer Feedback. Ich denke, ich könnte noch mehr Handlung und weniger Beschreibung in den Text bringen. Der Stil ist nicht durchgehend so dramatisch und abgründig. Gutes Schreiben euch und danke !
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flo str
Geschlecht:männlichAbc-Schütze

Alter: 33
Beiträge: 3
Wohnort: Bruchsal


BeitragVerfasst am: 14.06.2019 13:12    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

ich habe mal etwas überarbeitet. Was meint ihr dazu?
schönes Wochenende euch !


Fallen – Pauline-2 Tage danach


Vom Gefühl her, bin ich heute ohne Kleider in der Schule. Irgend so ein Arsch hat ein Bild meines Körpers geklaut, das nur mir gehört. Die Blicke meiner Mitschüler bohren sich wie Reißnägel in meine trockene Neurodermitis-Haut. Ich schreibe ihm einen Zettel und falte ihn mit tausend Fragezeichen in meinem Kopf.

» Wie ist das passiert? «

Es klopft dreimal an der Klassenzimmertür. Elija weicht meinen Blicken aus. Er versteckt die Antwort und seine Hände immer tiefer in den Hosentaschen, tief im Stuhl versunken, als würde er mit der ganzen Sache nichts zu tun haben.
Bruder Fritz, der Rektor des Peterstift-Gymnasiums, tritt ans Pult und blickt in die Runde. Erstaunlich, wie sich der Lärmpegel ohne ein Wort von Fritz senkt. Seine Augen stoppen bei mir.
»Du bist Klassensprecherin der 10a, Pauline?«
Ich nicke.
»Bitte komme ins Rektorat.«
Wie Salzsäure ätzen die zerkauten Bleistiftreste meine Lippen. Ich falle durch ein Loch im Boden vom dritten Stock bis in den Fahrradkeller. Schule war immer in Ordnung für mich. Automatische Jalousien, die sich dem Sonnenlicht anpassen. Mein Platz hinten links am Fenster, Blick Richtung Park.
Jetzt dieser Absturz. Ich will schreien, doch mir fehlt die Luft für einen Ton. Wortlos schiebe ich den Stuhl nach hinten und folge Fritz zu seinem Büro in den Altbau. Ich weiß, dass Fritz nicht wegen Kleinigkeiten den Unterricht stört. Er kommt nur, wenn die Kacke am Dampfen ist. Ich habe echt keine Lust darüber zu reden und es geht auch absolut keinen etwas an. Er öffnet die Tür und jeder Schüler geht mit Respekt in dieses Zimmer.
»Setzt euch.«
Hinter seinem Schreibtisch hängt ein Bild mit aufgeklebten Kaffeebohnen »Life happens, coffee helps.« Ich rieche leider keinen Kaffee, sondern nur modrigen Teppich.
»Könnt ihr euch vorstellen, warum ich mit euch der sprechen will?«
Die Uhr über dem Schreibtisch tickt fordernd in die Stille.
»Nicht so richtig«, antwortet Joey aus der Parallelklasse.
»Die Mutter einer Schülerin hat mir ein Chatverlauf gezeigt, der nicht für Schüleraugen bestimmt ist. Ich will wissen, wer dafür verantwortlich ist.«
Die eingestürzten Betonpfeiler drehen sich in ein einziges, großes Nichts. Wände vermischen sich mit Decken und das Karussell nimmt Fahrt auf. Dann wird es schwarz.
Das Nächste, was ich rieche, ist japanisches Heilpflanzenöl auf meiner Stirn. Ich liege im Krankenzimmer und kann unsere Sekretärin durch die offene Tür telefonieren hören.

Drohnen, Flugtaxis – gibt’s auch schon Zeitmaschinen? Ich brauche eine, dringend!

Ich stelle das Datum auf den letzten Schultag vor den Sommerferien!
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Engel72
Geschlecht:weiblichAbc-Schütze

Alter: 46
Beiträge: 8
Wohnort: Dresden


BeitragVerfasst am: 15.06.2019 09:26    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo flo str,

als ich deine erste Version gelesen hatte, hättest du mich als Leser nicht gefesselt.

Hingegen die überarbeitete Version macht Lust auf mehr. Da weiss man genauer um was es geht und man kann sich da besser hinneinversetzen. Bin mal gespannt, wie es weiter geht.

LG Engel72
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