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kskreativ
Geschlecht:weiblichMärchenerzähler

Alter: 50
Beiträge: 3661
Wohnort: Marennes, Charente-Maritime


BeitragVerfasst am: 14/08/2011 15:05    Titel: Angst beschreiben eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

In diesem Text habe ich versucht die Gefühle der Heldin im Zusammenhang mit ihrem Vater zu beschreiben. Irgendwie bin ich mit der Formulierung noch nicht so zufrieden, weiß jetzt aber auch nicht wo ich was umschreiben könnte. Ich hoffe ihr könnt mir da helfen?

Gizella kannte niemanden mit den Initialen L.C. Erneut schaute sie sich die Skizze an. Es schien eine Art Pavillon zu sein. Eine Stimme vor der Tür riss sie aus ihren Gedanken. Ihr Vater! Hastig steckte sie das Blatt wieder in das Buch zurück, klappte es zu und wandte sich um. Auf’s Geratewohl griff sie sich ein Buch aus dem Regal, und setzte sich in ihren Lieblingssessel am Fenster.

Schon öffnete sich auch die Tür und ihr Vater kam herein. Gizella tat, als wäre sie ganz vertieft in ihr Buch.Ihr Erschrecken war nur teilweise gespielt, als ihr Vater näher kam. Sie war nicht gerne mit ihm alleine. Er konnte unberechenbar sein. Er warf ihr nur einen flüchtigen Blick zu und trat an den Schreibtisch. Gizella hielt den Atem an. Sie hatte die rätselhafte Zeichnung zwar wieder in das Buch gelegt, doch ob es auch die ursprüngliche Stelle war, darauf hatte sie nicht geachtet.

Der Comte drehte sich mit dem Buch in der Hand zu ihr um. Er starrte Gizella an. Unwillkürlich rutschte sie tiefer in den Sessel, was ihm nicht entging. Ein boshaftes Lächeln umspielte seinen Mund. Er schien ihre Angst zu genießen.
„Nun, meine Tochter? Wie ich sehe vergräbst Du Dich wieder in einem Buch.“ Gizella gab keine Antwort. Seine braunen Augen fixierten sie unbarmherzig. Innerlich fing sie an zu frieren und die so furchtbar vertraute Angst ließ sie leicht zittern.
„Ich hoffe doch das Du bald andere Interessen pflegen wirst. Der Comte de Blaise erwartet von seiner zukünftigen Frau wohl mehr als nur Zitate von –„, er warf einen Blick auf das Buch in ihren Händen, „Rousseau. Und von Shakespeare rate ich Dir wirklich ab, meine Liebe.“

Das war eine deutliche Warnung! Gizella‘s Angst geriet zur Panik, aber immer noch rührte sie sich nicht. Er lachte leise und ging mit dem Buch zur Tür. Dort drehte er sich noch einmal um und sagte:
„Deine Mutter erwartet Dich heute Abend zum Dinner.“ Das war ein Befehl und Gizella wusste es. Endlich verließ er den Raum. Gizella’s Angst löste sich nur langsam, doch gleichzeitig dachte sie über die Worte ihres Vaters nach.


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Mardii
Stiefmütterle

Alter: 55
Beiträge: 1670



BeitragVerfasst am: 14/08/2011 22:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo kskreativ,

mir fällt nur in diesem Abschnitt auf

kskreativ hat Folgendes geschrieben:
Der Comte drehte sich mit dem Buch in der Hand zu ihr um. Er starrte Gizella an. Unwillkürlich rutschte sie tiefer in den Sessel, was ihm nicht entging. Ein boshaftes Lächeln umspielte seinen Mund. Er schien ihre Angst zu genießen.
„Nun, meine Tochter? Wie ich sehe vergräbst Du Dich wieder in einem Buch.“ Gizella gab keine Antwort. Seine braunen Augen fixierten sie unbarmherzig. Innerlich fing sie an zu frieren und die so furchtbar vertraute Angst ließ sie leicht zittern.
„Ich hoffe doch das Du bald andere Interessen pflegen wirst. Der Comte de Blaise erwartet von seiner zukünftigen Frau wohl mehr als nur Zitate von –„, er warf einen Blick auf das Buch in ihren Händen, „Rousseau. Und von Shakespeare rate ich Dir wirklich ab, meine Liebe.“


die doppelte Erwähnung der Angst. Es geht aus der Einleitung bereits hervor, das Gizella Angst hat. Du könntest etwas anderes schreiben, vielleicht ihre Befürchtung, er könne das Buch öffnen und den Plan finden. Er hält es doch in der Hand.

Grüße von Mardii


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`bin ein herzen´s gutes stück blech was halt gerne ein edelmetall wäre´
Ridickully
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Nordlicht
Geschlecht:weiblichWaldschrätin

Moderatorin
Alter: 44
Beiträge: 3487



BeitragVerfasst am: 15/08/2011 04:20    Titel: Antworten mit Zitat

So Dinge wie schreckensgeweitete Augen, kalter Schweiß, zugeschnürte Kehle, weiche oder zitternde Knie, Leichenblässe, Dröhnen des Puls in den Ohren, plötzlich piepsige Stimme sowie Herzrasen lassen sich immer ganz gut einstreuen, ohne dass man Angst namentlich erwähnen muss.

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Manchmal glaub ich, das ganze dsfo an sich ist eine Therapie. (Fao)
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kskreativ
Geschlecht:weiblichMärchenerzähler

Alter: 50
Beiträge: 3661
Wohnort: Marennes, Charente-Maritime


BeitragVerfasst am: 15/08/2011 16:49    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Klingt alles noch nicht so überzeugend, nicht? Ich denke ich schreibe die Szene nochmal um. Es ist gar nicht so einfach, Gefühle richtig zu Papier zu bringen...

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Beka
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger

Alter: 54
Beiträge: 2170



BeitragVerfasst am: 15/08/2011 21:27    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo kskreativ,


eigentlich mache ich keine Verbesserungsvorschläge im Sinne von "schreib es so", ich meckere immer nur, wenn mir was auffällt.Smile

Aber da du nach Formulierungshilfen fragst: Vorschläge von mir in blau

Gizella kannte niemanden mit den Initialen L.C. Erneut schaute sie sich die Skizze an. Es schien eine Art Pavillon zu sein. Eine Stimme vor der Tür riss sie aus ihren Gedanken. Ihr Vater! Hastig steckte sie das Blatt wieder in das Buch zurück, klappte es zu und wandte sich um. Aufs Geratewohl griff sie sich ein Buch aus dem Regal , kein Komma und setzte sich in ihren Lieblingssessel am Fenster.

Da öffnete sich auch schon die Tür und ihr Vater kam herein. Gizella blickte angestrengt in ihr Buch. Ihr Erschrecken war nur teilweise gespielt, (als ihr Vater näher kam. -> kann weg ) sie war nicht gerne mit ihm alleine.
Über diesen Satz musst du sowieso noch mal nachdenken, denn eigentlich versucht sie ihre Angst und ihr Erschrecken zu verbergen, und nicht vorzuspielen.Manchmal  konnte er unberechenbar sein. Er warf ihr nur einen flüchtigen Blick zu und trat an den Schreibtisch. Gizella hielt den Atem an. Sie hatte die rätselhafte Zeichnung zwar wieder in das Buch gelegt, doch ob es auch die ursprüngliche Stelle war, darauf hatte sie nicht geachtet.

Der Comte drehte sich mit dem Buch in der Hand zu ihr um. Er starrte Gizella an. Unwillkürlich rutschte sie tiefer in den Sessel, was ihm nicht entging. Perspektive: Du erzählst aus ihrer Sicht. Sie weiß nicht , ob ihm was entgeht. Ein boshaftes Lächeln umspielte seinen Mund. Er schien ihre Angst zu genießen.
„Nun, meine Tochter? Wie ich sehe vergräbst Du Dich wieder in einem Buch.“ Gizella gab keine Antwort. Seine braunen Augen fixierten sie unbarmherzig. Ihr wurde kalt und sie begann zu zittern. „Ich hoffe doch, dass Du bald andere Interessen pflegen wirst. Der Comte de Blaise erwartet von seiner zukünftigen Frau wohl mehr als nur Zitate von –„, er warf einen Blick auf das Buch in ihren Händen, „Rousseau. Und von Shakespeare rate ich Dir wirklich ab, meine Liebe.“
....
 Soweit, nimm einfach, was du brauch kannst.
Ein bisschen viel "Gizella" ist im Text.

Grüße

Beka
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seitenlinie
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1356



BeitragVerfasst am: 16/08/2011 10:21    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo kskreativ,

Deinen Text hatte ich bereits mit Anmerkungen versehen, aber ich bin mit dem Inhalt nicht ganz zufrieden.

Ist die Panik nicht ein wenig übertrieben? Die Beschäftigung mit Literatur gehörte doch zu den vornehmlichsten Aufgaben der Damen.
Man erwartete von ihnen ja gute Bildung und Konversation.

Anfangs dachte ich, die dramatische Situation entsteht dadurch, dass sie nicht mehr dazu kommt, die Skizze zurück ins Buch zu legen.
Vielleicht liegt das Buch in einer Schublade, die verschlossen war. In der Panik verschließt sie alles und versteckt die Skizze zwischen
den Falten ihres Gewandes. (Vermutlich hatten die Frauen da irgendwo ein Täschchen.)


Gruß,
Carsten
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kskreativ
Geschlecht:weiblichMärchenerzähler

Alter: 50
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BeitragVerfasst am: 16/08/2011 10:44    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

seitenlinie hat Folgendes geschrieben:
Hallo kskreativ,

Deinen Text hatte ich bereits mit Anmerkungen versehen, aber ich bin mit dem Inhalt nicht ganz zufrieden.

Ist die Panik nicht ein wenig übertrieben? Die Beschäftigung mit Literatur gehörte doch zu den vornehmlichsten Aufgaben der Damen.
Man erwartete von ihnen ja gute Bildung und Konversation.

Anfangs dachte ich, die dramatische Situation entsteht dadurch, dass sie nicht mehr dazu kommt, die Skizze zurück ins Buch zu legen.
Vielleicht liegt das Buch in einer Schublade, die verschlossen war. In der Panik verschließt sie alles und versteckt die Skizze zwischen
den Falten ihres Gewandes. (Vermutlich hatten die Frauen da irgendwo ein Täschchen.)


Gruß,
Carsten


Dein Kommentar beweist mir, das ich die zugrunde liegende Thematik, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht, nicht richtig beschrieben habe. Es geht hier ja nicht nur um den Schreck, erwischt zu werden, sondern vor allem um die Angst, die Gizella jedesmal empfindet, wenn sie ihrem Vater begegnet.

Ich schreibe dieses Szene ohnehin noch um. Einen längeren Text, der es vielleicht besser verständlich gemacht hätte, wollte ich in diesem Posting nicht online stellen.


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C'est la vie
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seitenlinie
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BeitragVerfasst am: 16/08/2011 11:49    Titel: Antworten mit Zitat

Das schwierige Verhältnis ist mir schon klar.  

Ich denke nur, dass der Konflikt zwischen den beiden durch die Ereignisse untermauert werden sollte. Sie verstößt z.B. gegen eine Verhaltensregel,
er erwischt sie, tobt und bestraft seine Tochter.

Hier sitzt sie ganz brav im Sessel und liest.

Es gibt sicher Szenen in Deinem Buch, in denen vor allem ihre Furcht und Panik thematisiert werden. Laufen zehn Szenen nach gleichem Schema ab,
wird es langweilig. Die Charaktere haben mehrere Facetten.

Man könnte z.B. das Bemühen zeigen, miteinander auszukommen. Vielleicht beginnt ein Gespräch nett und freundlich, dann kommt eine zweideutige
Bemerkung und es gleitet ab.
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kskreativ
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BeitragVerfasst am: 16/08/2011 12:16    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich weiß, was Du meinst. In dieser Szene soll sie aber nicht erwischt werden. Das, was sie entdeckt, spielt später noch eine wichtige Rolle. Deine Anmerkungen sind bereits notiert. So wie ich dazu komme, stelle ich eine geänderte Fassung ein.

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MagicMushroomTea
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BeitragVerfasst am: 05/01/2012 19:39    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo kskreativ!

Gizella wirkt auf mich in dieser herausgegriffenen Szene nicht ängstlich.
Sie wirkt eher wie ein ertapptes Mädchen das ihre Gefühle nicht unter Kontrolle hat.
Das sie tiefer in den Sessel rutscht ist verständlich, aber zugleich wahnsinnig auffällig, wenn sie etwas verbotenes getan hat.
Normalerweise versteifen sich die Leute vor Angst, erstarren förmlich.
Viele bekommen feuchte Hände und das Herz klopft ihnen bis zum Hals.

Hoffe das war ein bisserl hilfreich. wink


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"The story of life is quicker than the wink of an eye.
The story of life is 'Hello' and 'Goodbye' until we meet again."­
Jimi Hendrix
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kskreativ
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BeitragVerfasst am: 05/01/2012 19:50    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo MMT, ich kürz mal einfach ab, wenn ich darf Laughing

Danke für deinen Kommentar, der Thread ist ja schon etwas älter und der Roman schon so gut wie abgeschlossen.

LG; Karin


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MagicMushroomTea
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BeitragVerfasst am: 05/01/2012 20:10    Titel: Antworten mit Zitat

Huch! smile
Ja, dass kommt davon, wenn man sich zu spät einklinkt.
Ich hoffe trotzdem du hast noch eine gute Angst-Lösung gefunden. smile


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kskreativ
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BeitragVerfasst am: 05/01/2012 20:13    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Na das hoffe ich doch, will ja schließlich bald die eine oder andere Agentur mit meinem Roman beeindrucken! lol

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BeitragVerfasst am: 11/01/2012 12:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Kskreativ,

du fragst viel und scheinst auf der Suche, deshalb habe ich mir mal diese deine Zeilen angesehen und würde dich gern mal auf ein paar Punkte hinweisen. Da wäre die Eingangsnotiz: „Angst beschreiben“. Sie hinkt bereits. Angst vermitteln, wäre die bessere Wahl. Beschreiben kann man Umgebungen, Gegenstände und Umstände, etc. Gefühle werden vermittelt oder einfach genannt. Angst kann durchaus auch einfach mal genannt werden oder aus den Gesamtumständen hervor gehoben werden. Die Art Angst, die ich hinter deinen Zeilen wähne, scheint langsam aufzukommen und sollte sich eigentlich nach und nach zu erkennen geben. Im Wort und Verhalten, z. B. Lieber nicht als plötzliche Zustandsberschreibung.

Dann sind mir zu deinen Zeilen ein paar Dinge zu deinem Stil aufgefallen. Die Situation scheint die, dass Gizella unerlaubt in den Unterlagen ihres Vaters wühlt. Eine Situation, die etwas Spannung mit sich bringen sollte. Die wird am ehesten fühlbar, wenn wir den Inhalt präziseren, uns auf die Fakten beschränken, den Lesern das Denken überlassen, und wenn wir gleichzeitig deren Unterbewusstsein ansprechen. Deine Zeilen zeigen Schwächen in allen vier Punkten.

Schauen wir uns den ersten Absatz an: Statt die Themen sauber abzuarbeiten, zerlegst du die und greifst sie später noch mal auf. Eine verdeckte Form der Redundanz, die Autoren langatmig und orientierungslos erscheinen lässt. Weiter unterhalb des Absatzes:
 
Zitat:
Gizella kannte niemanden mit den Initialen L.C. Erneut schaute sie sich die Skizze an. Es schien eine Art Pavillon zu sein. Eine Stimme vor der Tür riss sie aus ihren Gedanken. Ihr Vater! Hastig steckte sie das Blatt wieder in das Buch zurück, klappte es zu und wandte sich um. Auf’s Geratewohl griff sie sich ein Buch aus dem Regal, und setzte sich in ihren Lieblingssessel am Fenster.


Gizella nimmt die Zeichnung bereits VOR diesem Absatz auf! Also hätte der Leser sinnvollerweise in diesem Augenblick erfahren sollen, dass sie scheinbar ein Pavilon zeigt. Du aber hast zwischen dem Aufgreifen und der inhaltlichen Erkärung mindestens die Initialien L.C. eingeschoben und bist erst im zweiten Anlauf auf die Zeichnung zurück gekommen. Eine unnötige Dehnung, die auf Kosten der Spannung geht. Die Einführung der Buchstaben wäre es nach Klärung der Zeichnung sinnvoll gewesen; zur Steigerung der Wirkung, mit der Überlegung geparrt, wer sich dahinter verbergen könnte? Die zeitlich richtige Positionierung der Abwägung, wer sich hinter L. C. verbergen könnte, hätte den nötigen Ansatz für den Spannungsbogen gesorgt, der die Leser in einen Ruhezustand versetzt hätte, aus dem du sie durch das plötzliche Auftauchen der väterlichen Stimme aprupt hättest wieder rausreißen können. Spannungsbogen hinauf führen!

Nach dem Auftauchen der Stimme verhinderst du das Spannungsmoment durch unnötige (störende) Erklärungen. Sie hat die Zeichnung aus dem Buch genommen, also hätte es gereicht, sie die Zeichnung zurücklegen zu lassen, ohne das Buch noch einmal aufzugreifen. Buch und Umwenden werden damit zum Füllsatz bzw. zum Füllwort. Die eigentlich benötigte Dramatik wird durch diese unnötigen Verlängerungen und Erklärungen sowie die fehlende, komprimierte Themenabarbeitung entscheidend geschwächt! Es kommt keine auf.

Effektiver wäre folgende Reihenfolge: Zeichnung aufnehmen, Inhalt preisgeben, über die Initialien nachdenken- drohende Entdeckung, wahllos ein Buch greifen, in den Sessel schwingen und sich lesend stellen; unterstützt durch fühlbar verkürzten Satzbau, um den Lesern die Dramatik ins Unterbewusstsein zu pflanzen! Kein Thema ein zweites Mal aufgreifen! Die Regel: Ein Satz, ein Gedanke, sagt nicht nur, dass wir Sätze inhaltlich nicht überfrachten sollten, sie sagt auch, dass wir Gedanken komprimiert abarbieten und nichts dazwischen schieben, es sei denn, es ist gewolltes Stilimttel. In deinem Fall kann man das jedoch ausschließen, weil die Dramatik spürbar geschwächt wird.


Zitat:
Schon öffnete sich auch die Tür und ihr Vater kam herein. Gizella tat, als wäre sie ganz vertieft in ihr Buch.Ihr Erschrecken war nur teilweise gespielt, als ihr Vater näher kam. Sie war nicht gerne mit ihm alleine. Er konnte unberechenbar sein. Er warf ihr nur einen flüchtigen Blick zu und trat an den Schreibtisch. Gizella hielt den Atem an. Sie hatte die rätselhafte Zeichnung zwar wieder in das Buch gelegt, doch ob es auch die ursprüngliche Stelle war, darauf hatte sie nicht geachtet.


Im zweiten Absatz fällt die gekünstelte Beschwingtkeit der Erzählung, erkennbar im ersten Satz, auf. Diese gekünstelte Beschwingtkeit erstickt die eigentlich angebrachte Spannung endgültig durch diesen einen Satz:  
„Schon öffnete sich auch die Tür und ihr Vater kam herein.“

Schon und auch! Machen die zwei Worte wirklich Sinn? Was öffnet sich noch? Besser, du lässt sie gerade in Position gehen und das Buch aufschlagen und lässt den Vater eintreten. Dass sie die Überraschung nur spielt, ist dem Leser auch so klar. Die Erklärung ist also Füllmaterial und obendrein ein Angriff auf die Intelligenz der Leser. Vom „teilweise“ ganz zu schweigen. Nun stünde dir ein weiterer Spannungsbogen zur Verfügung, wenn du ihr Unbehagen darüber, mit dem Vater allein zu sein, und die Frage, ob die Zeichnung am richtigen Platz liegt, komprimiert eingebracht hättest. Die Leser hätten ihre Situation vollkommen nachvollziehen können. Diese Gedanken hätten den letzten Satz, „darauf hatte sie nicht geachtet“, überflüssig gemacht. Davon ab, ist er auch so unnötig, weil sie diese Frage ansonsten nicht aufgegriffen hätte.

Mein Rat für dich:

Sortiere die Themen, arbeite eines nach dem anderen ab, ohne sie erneut aufzugreifen, das strafft, schafft Spannung , vemeidet Füllworte und Erklärungen, und lässt dich nicht langatmig und die Geschichte nicht langweilig erscheinen. Emotionen werden zuerst zwar durch Inhalte aufgebaut, aber auch entscheidend durch den Satzbau unterstützt! Wir können die Leser nur dann effektiv lenken, wenn wir Bewusstsein und Unterbewusstsein effektiv ansprechen.

Komme direkt zum Punkt! Nicht schreiben: Sie hörte eine Stimme. Es war der Vater! Besser: Vom Flur her näherte sich plötzlich die Stimme des Vaters!

Erkläre nicht unnötig! Leser möchte nicht unterschätzt werden und schließlich sollen sich deren Gedanken ja mit der Geschichte beschäftigen.  Versuche Adjektive und Umstandswörter am Satzanfang unbedingt zu vermeiden! Sie verhärten die Sätze; mindestens aber stören sie den Leserhythmus. Vermeide Füllworte! Vielleicht kann der Rat dich in die Lage versetzten, flüssige Zeilen ohne Formulierungshilfe zu reproduzieren. Denke dich in die Situationen und frage dich, was macht sie spannend? Lese in Romanen und achte nicht nur auf den Inhalt, sondern auch auf Interpunktion und Satzbau. Nichts davon ist Zufall!

Du schreibst zwar, der Roman sei abgeschlossen, aber wenn er im unveränderten Stil geschrieben wurde, dürfte er stark überarbeitungswürdig und die Nachfrage nicht all zu üppig sein. Aber wer sagt, dass man Rat nicht auch zu Folgewerken verarbeiten kann? Ich hoffe, du verzeihst mir meine Offenheit, aber ich halte nichts von falschen Lobhudeleien.
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kskreativ
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Wohnort: Marennes, Charente-Maritime


BeitragVerfasst am: 11/01/2012 12:06    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Bobbi,

du hast vollkommen recht, dieses Kapitel, und einige andere, wurde seit dem Erstellen dieses Threads komplett neu geschrieben. Danke für deine ausführliche Kritik.

LG, Karin


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