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Fantasy: Politisch korrekt, oder historisch korrekt?

 
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DerAndreas
Eselsohr


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BeitragVerfasst am: 20.03.2021 09:45    Titel: Fantasy: Politisch korrekt, oder historisch korrekt? eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo zusammen!

Ich habe da mal eine Frage an die Leute, die sich etwas besser in der Verlagswelt auskennen, als ich. Ich schreibe aktuell eine Reihe von Fantasy-Kurzgeschichten, die in einer Welt spielen, die sich an der Antike orientiert. Und mein selbst gesetzter Anspruch ist es eben auch, die Welt durch die Augen der Protagonistin möglichst realistisch und auch kritisch darzustellen. Und keine Welt zu erschaffen, die sich anfühlt, wie die Moderne ohne Klimaanlagen, wie Fantasy Autoren es für gewöhnlich tun. Das bringt mich nun in einen Gewissenskonflikt, denn die Antike war nun mal in einer Art und Weise "politisch unkorrekt" die heute für einen Aufschrei der Entrüstung sorgen würde. Denn Rassismus, Diskriminierung und Ungleichheit waren damals nun mal weit verbreitet.

Deshalb die Frage, wenn ich irgendwann entscheiden sollte, die Geschichten an einen Verlag heran zu tragen, worüber ich noch nicht entschieden habe, habe ich dann überhaupt eine Chance, wenn ich eine Welt derart darstelle, dass es zur vollkommenen Normalität in einigen Städten gehört, dass sich Weiße Schwarze als Sklaven halten oder in denen Frauen ihren Männern Quasi als Materielles Eigentum gehören?
Es ist nun mal historisch korrekt, dass die Römer die meisten ihrer Sklaven aus Afrika importierten, und dass die Frauen bei den Griechen z.B. vollkommen rechtelos waren. Für die damalige Zeit war das normal. Aber letztlich ist die Geschichte Fantasy und nicht Historie. Ich KÖNNTE also auf Authentizität verzichten und alles etwas moderner gestallten. Und irgend eine romantische verklärte Pseudo-Antike erschaffen in der der gute König über ein Volk herrscht, in dem alle Glücklich sind. Aber damit würde ich am Ende wieder nur bei irgend einem Fantasy-Standard-Szenario rauskommen, bei dem die Menschen dann halt in Marmorhäusern statt in Holzhütten wohnen.

Letztlich wird die Darstellung auch umgekehrte Situationen enthalten, sprich matriarchale Völker und solche, bei denen Schwarze Herren über weiße Sklaven herrschen. Aber ich gehe mal davon aus, dass sich daran niemand stören wird.

Wie seht ihr das? Können daraus Probleme entstehen, oder wird die "Verlagswelt" mit sowas umgehen können, weil es ja nur Fiktion ist? Ich bin da als Gamer ein etwas gebranntes Kind, weil ich z.B. solche "Skandale" mitbekommen habe, wie ein "Kingdom Come", das als rassistisch gilt, weil es keine Schwarzen Charaktere gibt. Obwohl sogar Geschichtsprofessoren zustimmen, dass es historisch korrekt sein dürfte, dass es im Mittelalter in Böhmen keine Schwarzen gab.
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Taranisa
Geschlecht:weiblichReißwolf

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BeitragVerfasst am: 20.03.2021 10:36    Titel: Antworten mit Zitat

Ich bin, als Geschichtsbegeisterte und Histo-Schreiberin, für die historische Korrektheit. Jeder, der sich mit Geschichte näher befasst, wird wissen, was zur entsprechenden Zeit "normal" war, und ist froh, dass sich inzwischen einiges geändert hat.
Bei historisch angelegen Spielfilmen rolle ich bereits bei der Kleidung, die nicht in dieser Zeit getragen wurde, die Augen, und erst recht, wenn vor lauter "politischer Korrektheit" geschichtlich Widersprechendes eingebaut wird.
Daher verstehe ich z.B. nicht, warum inzwischen selbst gegen Klassiker wie "Vorm Winde verweht" gewettert wird, welcher das Leben an diesem Ort und zu dieser Zeit korrekt darstellt. Zu der Zeit gab es dort Sklaven, das ist bekannt und lässt sich nicht verleugnen.
Lieber in Geschichten die Wahrheit zeigen, was bei manchen vielleicht ein Nachdenken bewirkt.


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KX88P
Gänsefüßchen


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BeitragVerfasst am: 20.03.2021 10:40    Titel: Antworten mit Zitat

Ich kenne mich im Verlagswesen zugegebenermassen nicht aus, aber aufgrund der heutzutage erscheinenden Bücher, Filme und Serien würde ich mal behaupten, es ist das Todesurteil für einen Roman, wenn ansonsten als "gut" dargestellte Hauptcharaktere dadurch ambivalent werden, indem sie rassistisch sind oder Frauenrechte missachten. Ich glaube, man muss schon ein sehr berühmter und distanziert-realistisch schreibender Autor sein, um sich dies leisten zu können. Als unbekannter Autor von Trivialliteratur wirst du sicher keine Charaktere durchbringen, die innerhalb ihrer Welt als weise und gerecht gelten, aber es gleichzeitig in Ordnung finden, Schwarze zu versklaven und ihre Frau zum Sex zu zwingen, ohne dass die Geschichte sie irgendwann dafür bestraft, oder ein Umdenken stattfindet.
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zwima
Geschlecht:weiblichKlammeraffe


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BeitragVerfasst am: 20.03.2021 11:08    Titel: Antworten mit Zitat

Eine WELT zu zeichnen, in der Rassismus, Diskrimminierung und Gewalt herrscht, ist mMn kein Problem. Auch nicht in eimem Fantasy-Roman, schließlich kannst du deine Fantasywelt so erschaffen, was du willst. Es gibt auch zahlreiche Beispiele, wo das auch in letzter Zeit gemacht wurde - spontan fallen mir Handmaid's Tale (auch wenn die Buchvorlage natürlich schon etwas älter ist) und Carnival Road ein.
Diese beiden Beispiele verdeutlichen aber auch, wie es "gut" funktionieren kann, nämlich, indem die Handlung diese Dinge als Missstände anklagt und deutlich macht, dass diskrimminierendes Verhalten eben NIE okay ist und es auch nie war - ganz egal, wie die Mehrheitsgesellschaft dazu stand/steht.

Eine FIGUR zu zeichnen, die gleichzeitig deine Hauptidentifaktionsfigur sein soll und munter Frauen verachtet und seine Sklaven misshandelt, halte ich daher als wenig erfolgsversprechend. Dagegen, sie in einer WELT agieren zu lassen, wo sie durch genau diese Missstände auch herausgefordert und geprüft wird, spricht jedoch nichts.


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Stefanie
Reißwolf


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BeitragVerfasst am: 20.03.2021 11:40    Titel: Antworten mit Zitat

Die Römer der Antike hatten ihre Sklaven aus allen eroberten Gebieten. Dass Schwarze Sklaven von Weißen waren, gab es vor allem im 17. und 18 Jh. in Amerika. Bei den Römern konnte man von der Hautfarbe nicht darauf schließen,  ob jemand ein Sklave war.
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DerAndreas
Eselsohr


Beiträge: 200



BeitragVerfasst am: 20.03.2021 12:21    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo zusammen.

Die Protagonistin der Geschichten ist eine ketzerische Diebin, die Nekromantie und Hexerei praktiziert. Also so weit weg vom typischen "Mainstream", wie nur möglich. Sie wird eher selber zum Opfer von Diskriminierung als zur Täterin.

Für mich geht die Diskussion z.B. eher in die Richtung, dass wenn ich z.B. eine Episode schreibe, in der die Protagonistin versucht, den zwangsweisen verkauf von Sklavenkindern an einen neuen Herrn zu verhindern, ob es dann problematisch wäre, die Sklaven als Schwarze darzustellen. Klar, in der vorliegenden Situation ist die Hautfarbe nebensächlich, sie dient auch nur als Beispiel.

@Stefanie
Das ist mir klar, es diente auch nur als Beispiel. Grundsätzlich wird jedes Volk versuchen, Sklaven aus eroberten gebieten zu beziehen. Und da es unwahrscheinlich ist, das ausgerechnet die Territorien mit schwarzer Bevölkerung niemals erobert worden sind, muss ich der Vollständigkeit halber annehmen, dass es in der Welt auch dunkelhäutige Sklaven gibt. Die Frage ist, ob ich das auch sagen kann, oder es besser nur impliziere und das Thema sprachlich umschiffe.
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KX88P
Gänsefüßchen


Beiträge: 23



BeitragVerfasst am: 20.03.2021 12:28    Titel: Antworten mit Zitat

Also angesichts deines Beispiels muss ich umgekehrt fragen: Warum sollte das denn nicht in Ordnung sein? Ich habe das ganz anders verstanden.
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Elbenkönigin1980
Reißwolf


Beiträge: 1154



BeitragVerfasst am: 20.03.2021 12:42    Titel: Re: Fantasy: Politisch korrekt, oder historisch korrekt? Antworten mit Zitat

DerAndreas hat Folgendes geschrieben:
Hallo zusammen!

Ich habe da mal eine Frage an die Leute, die sich etwas besser in der Verlagswelt auskennen, als ich. Ich schreibe aktuell eine Reihe von Fantasy-Kurzgeschichten, die in einer Welt spielen, die sich an der Antike orientiert. Und mein selbst gesetzter Anspruch ist es eben auch, die Welt durch die Augen der Protagonistin möglichst realistisch und auch kritisch darzustellen. Und keine Welt zu erschaffen, die sich anfühlt, wie die Moderne ohne Klimaanlagen, wie Fantasy Autoren es für gewöhnlich tun. Das bringt mich nun in einen Gewissenskonflikt, denn die Antike war nun mal in einer Art und Weise "politisch unkorrekt" die heute für einen Aufschrei der Entrüstung sorgen würde. Denn Rassismus, Diskriminierung und Ungleichheit waren damals nun mal weit verbreitet.

Deshalb die Frage, wenn ich irgendwann entscheiden sollte, die Geschichten an einen Verlag heran zu tragen, worüber ich noch nicht entschieden habe, habe ich dann überhaupt eine Chance, wenn ich eine Welt derart darstelle, dass es zur vollkommenen Normalität in einigen Städten gehört, dass sich Weiße Schwarze als Sklaven halten oder in denen Frauen ihren Männern Quasi als Materielles Eigentum gehören?
Es ist nun mal historisch korrekt, dass die Römer die meisten ihrer Sklaven aus Afrika importierten, und dass die Frauen bei den Griechen z.B. vollkommen rechtelos waren. Für die damalige Zeit war das normal. Aber letztlich ist die Geschichte Fantasy und nicht Historie. Ich KÖNNTE also auf Authentizität verzichten und alles etwas moderner gestallten. Und irgend eine romantische verklärte Pseudo-Antike erschaffen in der der gute König über ein Volk herrscht, in dem alle Glücklich sind. Aber damit würde ich am Ende wieder nur bei irgend einem Fantasy-Standard-Szenario rauskommen, bei dem die Menschen dann halt in Marmorhäusern statt in Holzhütten wohnen.

Letztlich wird die Darstellung auch umgekehrte Situationen enthalten, sprich matriarchale Völker und solche, bei denen Schwarze Herren über weiße Sklaven herrschen. Aber ich gehe mal davon aus, dass sich daran niemand stören wird.

Wie seht ihr das? Können daraus Probleme entstehen, oder wird die "Verlagswelt" mit sowas umgehen können, weil es ja nur Fiktion ist? Ich bin da als Gamer ein etwas gebranntes Kind, weil ich z.B. solche "Skandale" mitbekommen habe, wie ein "Kingdom Come", das als rassistisch gilt, weil es keine Schwarzen Charaktere gibt. Obwohl sogar Geschichtsprofessoren zustimmen, dass es historisch korrekt sein dürfte, dass es im Mittelalter in Böhmen keine Schwarzen gab.


Wenn du nach ein paar Inspirationen suchst, kann ich dir nur die "Nevernight" Romanreihe von Jay Kristoff(Die Rache, Die Prüfung und Das Spiel) empfehlen
Diese Romane spielen in einer Welt die an die Antike angelegt ist und die Prota ist eine Assassine und teilweise auch eine Sklavin, die in einer Arena um ihr Leben kämpfen muss, wie die Gladiatoren in der Antike.
Diesem Autor ist es sehr gut gelungen, die Welt der Antike in eine Fantasywelt zu übertragen, vielleicht liefert dir die Lektüre dieser Romane ja ein paar gute Anregungen, wie du das in deinem Roman gestalten kannst.
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sleepless_lives
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BeitragVerfasst am: 20.03.2021 12:53    Titel: Re: Fantasy: Politisch korrekt, oder historisch korrekt? Antworten mit Zitat

DerAndreas hat Folgendes geschrieben:
Ich KÖNNTE also auf Authentizität verzichten

Authentizität in Fantasy scheint mir ein Widerspruch per Definition zu sein. Aber generell kommt es, wie zwima schon gezeigt hat, auf die Art der Darstellung an. Sonst wären ja nur Heile-Welt-Verklärungen als einzige Geschichten noch möglich.


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Stefanie
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BeitragVerfasst am: 20.03.2021 12:58    Titel: Antworten mit Zitat

DerAndreas hat Folgendes geschrieben:
@Stefanie
Das ist mir klar, es diente auch nur als Beispiel. Grundsätzlich wird jedes Volk versuchen, Sklaven aus eroberten gebieten zu beziehen. Und da es unwahrscheinlich ist, das ausgerechnet die Territorien mit schwarzer Bevölkerung niemals erobert worden sind, muss ich der Vollständigkeit halber annehmen, dass es in der Welt auch dunkelhäutige Sklaven gibt. Die Frage ist, ob ich das auch sagen kann, oder es besser nur impliziere und das Thema sprachlich umschiffe.

Warum ist es dir denn so wichtig, die Sklaven als Schwarze und die Herren weiß darzustellen? Auch dunkelhäutige oder nur dunkelhäutige Sklaven zu beschreiben, ist ein Riesenunterschied.
Mach einige hellhäutig, andere dunkel und lass in der Geschichte auch freie Schwarze vorkommen, wie es damals halt war.
Damit sammelst du sogar Pluspunkte wegen Diversität.
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LeviathanII
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BeitragVerfasst am: 20.03.2021 13:33    Titel: Antworten mit Zitat

Es gibt kein historisch korrekt in der Phantastik. Dafür gibt es ja die Phantastik: Man kann Patriarchat und brutale Hierarchien aufarbeiten, oder ausstreichen - Der eine Ansatz ist nicht korrekter als der Andere.

Und, nebenbei, es gab keine Zeit, in der Sklaverei normal war. Im Sinne von wirklich normal. Erstens für die Sklaven nicht, auch wenn deren Gedanken und Gefühle nicht wirklich überliefert wurden (endlose Aufstände und Fluchtversuche sprechen aber für sich), zweitens war es für fast jeden klar, wie furchtbar Sklaverei als System war. Genausogut wird man später sagen können: Im 21. Jahrhundert war die Sklaverei normal: Sogar Kinder nähten oder schufteten in Minenschächten für den Wohlstand einiger weniger in den imperialen Zentren. Trotzdem sind Kinderarbeit, Hungerlöhne und Zwangsarbeit für uns nicht moralisch "normal". Die Reichen sagen, so sei es nunmal, die Kirchen, nun Ökonomen, sagen es sei notwendig, quasi Gesetz über der Welt und der Rest hat entweder zu wenig Kraft oder Interesse oder Mitspracherecht etwas daran zu ändern.

Ob eine Umfrage unter den freieren griechischen Kleinbauern und Handwerkern des 5. Jahrhunderts v.Chr. nun wirklich ein überzeugendes Ja für die Sklaverei gehabt hätte, wage ich zu bezweifeln.  Ebenso unter den Sklaven. Unter den Sklavenhalten bestimmt - Mit Erklärungen. Aber unter dem Rest... Man darf nicht vergessen, dass Sklaverei so ziemlich das schlimmste ist, was man einem Menschen antuen kann - Und das Empathie nicht in den 60ern erfunden wurde.
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zwima
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Wohnort: Reihenhausidyll


BeitragVerfasst am: 20.03.2021 13:51    Titel: Antworten mit Zitat

Stefanie hat Folgendes geschrieben:
Auch dunkelhäutige oder nur dunkelhäutige Sklaven zu beschreiben, ist ein Riesenunterschied.
Mach einige hellhäutig, andere dunkel und lass in der Geschichte auch freie Schwarze vorkommen, wie es damals halt war.


Das halte ich auch für einen guten Ansatz. Grundsätzlich denke ich, je MEHR Personen von einer bestimmten Minderheit in der Geschichte vorkommen, desto akzeptaber ist es, EINZELNE Vertreter dieser Minderheit nah an einem gängigen Klischee zu schreiben.
Gibt es aber zB nur EINEN Sklaven in der gesamten Geschichte, dann würde ich mir auch überlegen, ob der wirklich unbedingt Schwarz sein muss.


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Maunzilla
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BeitragVerfasst am: 20.03.2021 15:13    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn man aus Angst vor einem Shitstorm im Netz schon prophylaktisch die Schere im Kopf benutzt, kann man die Produktion von Kunst und Kultur am besten gleich sein lassen.

Schreibe, was du für richtig hältst, und kümmere dich beim Schreiben nicht um Neusprech oder PC. Das kann später allenfalls der Verlag zensieren, oder du bringst es dort heraus, wo man anders denkt oder im Selbstverlag. Denn entgegen dem Anschein bilden diejenigen, die am lautesten schreien nur selten die Mehrheit im Volk. Und selbst wenn du die Mehrheit gegen dich hättest, gibt es dennoch irgendwo eine Minderheit, die genau so denkt wie du und deine Werke zu schätzen weiß.

Am Ende zählen die, die dein Produkt kaufen und nicht jene, die darüber herziehen.


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agu
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BeitragVerfasst am: 20.03.2021 15:57    Titel: Antworten mit Zitat

Zwima bringt es gut auf den Punkt - und dem schließe ich mich an.

Entscheidend ist nicht das Szenario, sondern die Haltung, die (positiv besetzte) Haupt- und damit Identifikationsfiguren darin einnehmen. Alles zusammen sollte sich aber dem Mantra der Glaubwürdigkeit unterwerfen. Soll heißen, dass selbst beim modernsten altgriechischen Sklavenhalter eine Political-Correctness-Denke analog zu den letzten 10 Jahren im besten Fall skuril rüberkäme. Er kann - aufgrund persönlicher Erfahrungen - eine Meinung vertreten, die vom gesellschaftlichen Konsenz abweicht (z.B. dass Menschen aufgrund anderer Hautfarbe nicht automatisch minderwertig sind und damit nur zum Sklavendasein taugen) - aber diese muss immer noch eingebettet sein in die Denkwelten der Zeit. Es muss dann schon einen konkreten Grund dafür geben, dass er die Dinge so anders sieht. Zum Beispiel, weil er von klein auf einen Spielgefährten anderer Hautfarbe hatte, der wie ein Sohn mit aufgezogen wurde. Oder weil er auf seinen Reisen in ferne Länder Freundschaften mit den dortigen Bewohnern geschlossen hat.

Auch hier gilt natürlich: Müssen muss man erstmal gar nichts. Der Protagonist kann genauso gut ein reaktionäres Arschloch sein, das seine Sklaven mit der Peitsche auf Linie bringt und fest an die gottgefügte Ordnung der Stände glaubt, in der er an der Spitze der Nahrungskette steht. Es gibt auch sehr erfolgreiche Romane, bei denen der Protagonist ein menschenverachtender Massenmörder ist - und die ihren Reiz gerade daraus beziehen, dass der Autor es schafft, so eine Figur nahbar zu machen. Aber da schliddert man schon auf der Trennlinie zur E-Literatur entlang. Für Unterhaltungs-Genres ist das eher schwierig.


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Meine Bücher:
Engelsbrut (2009 Sieben, 2011 LYX) | Engelsjagd (2010 Sieben) | Engelsdämmerung (2012 Sieben)
Die dunklen Farben des Lichts (2012, SP)
Purpurdämmern (2013, Ueberreuter)
Sonnenfänger (2013, Weltbild)
Kill Order (2013 Sieben)
Choice / als Chris Portman (2014, Rowohlt)
Wie man ein Löwenmäulchen zähmt / als Eva Lindbergh (2016, Droemer Knaur)
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Raven1303
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BeitragVerfasst am: 20.03.2021 22:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hätte es nicht seinen Reiz, wenn du die Diskriminierung und die Sklaverei drin hättest, sie aber nicht dunkelhäutige Menschen betrifft, sondern ein anderes Merkmal den Ausschlag gibt?
Vielleicht gibt es bei dir eine fantastisches Wesen, das diskrimininert und/oder versklavt wird, oder Albino-Menschen, die in deiner Welt besonders oft geboren werden und als "unrein" gelten etc.

Dann hast du das Element drin, zeigst aber gleichzeitig auch wie bescheuert unsere Diskriminierung eigentlich war, weil sie so willkürlich an einer bestimmten Äußerlichkeit festgemacht wurde.

Das kannst du doch gerade in deiner Fantasywelt toll machen!

In dieser Serie - ach, wie hieß die denn jetzt nur (...) mit Orlando Bloom als Inspektor... - wird uns so z.B. eine fantastische Version von England gezeigt, in der es das kleine Volk tatsächlich gibt, die als Minderwertig angesehen und versklavt werden. Feen verstecken ihre Flügel oder schneiden sie ab, um menschlicher zu wirken. Alles andere in London ist zeitgemäß.


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Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den Nächsten vielleicht nicht vollbringen, aber versuchen will ich ihn.
Ich kreise um Gott, um den uralten Turm und ich kreise Jahrtausende lang.
Und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm? Oder ein großer Gesang... (R.M. Rilke)
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zwima
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BeitragVerfasst am: 21.03.2021 14:20    Titel: Antworten mit Zitat

Raven1303 hat Folgendes geschrieben:

In dieser Serie - ach, wie hieß die denn jetzt nur (...) mit Orlando Bloom als Inspektor... - wird uns so z.B. eine fantastische Version von England gezeigt, in der es das kleine Volk tatsächlich gibt, die als Minderwertig angesehen und versklavt werden. Feen verstecken ihre Flügel oder schneiden sie ab, um menschlicher zu wirken. Alles andere in London ist zeitgemäß.


Das ist das schon oben (allerdings in falscher SChreibweise) erwähnte "Carnival Row". Die Hauptstadt dort ist aber eher an das viktorianische, nicht das zeitgenössische London angepasst.


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Rainer Prem
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BeitragVerfasst am: 21.03.2021 16:27    Titel: Antworten mit Zitat

Taranisa hat Folgendes geschrieben:
Ich bin, als Geschichtsbegeisterte und Histo-Schreiberin, für die historische Korrektheit. Jeder, der sich mit Geschichte näher befasst, wird wissen, was zur entsprechenden Zeit "normal" war, und ist froh, dass sich inzwischen einiges geändert hat.
Bei historisch angelegen Spielfilmen rolle ich bereits bei der Kleidung, die nicht in dieser Zeit getragen wurde, die Augen, und erst recht, wenn vor lauter "politischer Korrektheit" geschichtlich Widersprechendes eingebaut wird.
Daher verstehe ich z.B. nicht, warum inzwischen selbst gegen Klassiker wie "Vorm Winde verweht" gewettert wird, welcher das Leben an diesem Ort und zu dieser Zeit korrekt darstellt. Zu der Zeit gab es dort Sklaven, das ist bekannt und lässt sich nicht verleugnen.
Lieber in Geschichten die Wahrheit zeigen, was bei manchen vielleicht ein Nachdenken bewirkt.


Das Problem bei "Vom Winde verweht" ist, dass das Leben der Sklaven in ziemlich rosaroten Tönen geschildert wird. Insofern ist es mit der "Wahrheit" in diesem Film nicht weit her.
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Rainer Prem
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BeitragVerfasst am: 21.03.2021 16:31    Titel: Antworten mit Zitat

Stefanie hat Folgendes geschrieben:
Die Römer der Antike hatten ihre Sklaven aus allen eroberten Gebieten. Dass Schwarze Sklaven von Weißen waren, gab es vor allem im 17. und 18 Jh. in Amerika. Bei den Römern konnte man von der Hautfarbe nicht darauf schließen,  ob jemand ein Sklave war.


Außerdem kann man die römischen servi nicht mit den Sklaven der amerikanischen Geschichte vergleichen. Die hatten durchaus die realistische Möglichkeit, sich freizukaufen und danach als liberti in der Gesellschaft sehr hoch aufzusteigen.
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Taranisa
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BeitragVerfasst am: 21.03.2021 16:43    Titel: Antworten mit Zitat

Rainer Prem hat Folgendes geschrieben:
Das Problem bei "Vom Winde verweht" ist, dass das Leben der Sklaven in ziemlich rosaroten Tönen geschildert wird. Insofern ist es mit der "Wahrheit" in diesem Film nicht weit her.

Es ist schon sehr lange her, ich habe nicht mehr so vor Augen, wie genau die Darstellung war. Es sollte nur als (spontanes) Beispiel dienen, da ich mal mitbekommen hatte, das Buch / der Film sei nun auch verboten / soll verboten werden.


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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 21.03.2021 16:57    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Das Problem bei "Vom Winde verweht" ist, dass das Leben der Sklaven in ziemlich rosaroten Tönen geschildert wird.


Der schlimmste Feind des Historikers ist der Zeitzeuge. Zeigt sich gerade an der Aufarbeitung der DDR-Geschichte, wenn die "Betroffenen" feststellen, dass es ja gar nicht so schlimm war, wie es die (west)deutsche Geschichtsschreibung gerne hätte...
"vWvw" ist an der originalen Epoche auf jeden Fall näher dran als heutige, geschichtlich rekonstruierte Machwerke.


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preusse
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BeitragVerfasst am: 21.03.2021 17:15    Titel: Antworten mit Zitat

Thomas74 hat Folgendes geschrieben:

Der schlimmste Feind des Historikers ist der Zeitzeuge. Zeigt sich gerade an der Aufarbeitung der DDR-Geschichte, wenn die "Betroffenen" feststellen, dass es ja gar nicht so schlimm war, wie es die (west)deutsche Geschichtsschreibung gerne hätte...


Doch, war schlimm.
Kann man gar nicht schlimm genug schildern.
Punkt.
Das Leute heute wieder das verbrecherische, mafiöse System schönreden, ist unerträglich.
Und bevor du fragst: Ich bin Zeitzeuge.
Ein Vergleich mit der amerikanischen Sklaverei verbietet sich von selbst, aber auch daran ist nichts zu beschönigen.


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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 21.03.2021 17:22    Titel: Antworten mit Zitat

preusse hat Folgendes geschrieben:


Doch, war schlimm.
Kann man gar nicht schlimm genug schildern.
Punkt.


War es nicht. Punkt.
MEINE subjektive Wahrnehmung als Zeitzeuge.


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