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Dieses Werk wurde für den kleinen Literaten nominiert [KUG] Der Anmaßende Korinthenkacker

 

 
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Elvis Brucelee
Autor

Alter: 48
Beiträge: 768



BeitragVerfasst am: 18.12.2007 12:32    Titel: [KUG] Der Anmaßende Korinthenkacker eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Als ich endlich aus meiner gedankenvollen Lähmung erwachte, konnte ich nicht sagen, wie lange ich das Telefon zuvor schon angestarrt hatte. Ich vermutete, es hatte sich wohl um eine halbe Ewigkeit gehandelt. Doch schon bald korrigierte ich diese leichtfertige Diagnose, denn eine Ewigkeit lang konnte niemand ein Telefon anstarren, da dieser Begriff doch für einen unendlich langen Zeitraum stand.
   Wie wollte man die Unendlichkeit halbieren? Dies war technisch überhaupt nicht möglich. Merkte denn niemand, wie haltlos eine derartige Äußerung war?
In solche Gedanken konnte ich mich stundenlang verstricken. Manchmal verfolgten sie mich den gesamten Tag, vereinzelt sogar bis in den Schlaf.
   Mein Leben bedurfte einer gewissen Ordnung.
   Diese zwanghafte Ordnungsliebe war angeblich auch der Grund dafür, dass meine Frau mich vor einigen Wochen verlassen hatte.
   Der neue Liebhaber meiner Frau war weitaus toleranter als ich.
Er war ein unbeständiger Lebemensch, jemand der sich gerne mal treiben ließ und daher auch sehr viel leidenschaftlicher war als ich.
Auch nahm er das Leben nicht so ernst wie ich es zu tun pflegte.
   Er war in keiner Beziehung so wie ich.
   Offensichtlich nahm er aber auch die frische Beziehung zu meiner Frau nicht so ernst wie ich.
   Ich hatte es vor einigen Tagen von Freunden erfahren.
Nachdem er sich ausgetobt hatte und sie recht bald zu einer alltäglichen Gewohnheit geworden war, verließ er sie für eine andere Frau. So wie er es zuvor getan hatte. Auch für meine Frau hatte er ihre Vorgängerin verlassen. Er ließ sich eben gerne mal treiben, dieser Lebemensch, in diesem Fall in die Arme einer anderen Frau.
   Ich dagegen war jemand, der alles analysierte und hinterfragte. Solch ein pragmatischer Mensch wie ich benötigte in seinem Leben eine idyllische Beständigkeit. Beständigkeit bedeutete Sicherheit, was wiederum ein Garant dafür war, dass man sich beruhigt den wichtigen Dingen des Lebens widmen konnte. Oberflächlichkeit konnte unter Umständen tödlich enden, insbesondere in meinem Beruf. Dies verstanden die meisten Menschen nicht, nicht einmal diejenigen, deren Leben durch einen meiner Fehler zerstört werden könnte.
Beispielsweise, falls ich nicht hinreichend analysierte und als Folge dessen eine falsche Diagnose erstellt hätte.
   Doch mir unterliefen keine derartigen Fehler.
   Ein Umstand auf den ich stets sehr stolz war. Meine Arbeit war zu keiner Zeit schlampig, was mich vor das Problem stellte, dass auch ich von meinem Umfeld ein gewisses Maß an Verantwortungsbewusstsein und Genauigkeit erwartete. Diese Erwartungshaltung reichte bis in mein Privatleben.
Mein soziales Umfeld wählte ich gezielt aus, da ich nichts mehr fürchtete als unberechenbare Chaoten. Auf solche Leute war in der Regel kein Verlass.
   Sicher, es gab auch chaotische Mediziner und Naturwissenschaftler, doch diejenigen, die zu meinem Freundeskreis zählten, gehörten gewiss nicht diesem Menschenschlag an. Wir vertraten eine verlässliche Elite, die hierzulande inzwischen leider vom Aussterben bedroht war.
   Seit geraumer Zeit ahnte ich auch warum. Wir erschwerten jenen Mitmenschen das Leben, die nicht so waren wie wir. Wegen unseres gehobenen Anspruches hassten sie uns. Warum dies so war, vermochte ich allerdings nicht zu beurteilen. Vielleicht, so eine meiner Theorien, weil wir ihnen mit unserem Perfektionismus ihr Unvermögen aufzeigten. Auf diese Weise zogen wir anscheinend den Neid der Unvollkommenen auf uns, denkbar wäre es.
   Wie es schien verabscheuten uns nicht wenige unserer Mitmenschen wegen unseres Hangs zum Perfektionismus.
   Deshalb hatten sich viele meines Schlages ihre pedantische Denkweise abgewöhnt.
   Das muss sich man mal vorstellen, man zwingt Menschen, die lediglich im Sinne ihrer Mitbürger auf eine gewisse Exaktheit bestehen, zu einem fahrlässigen Umdenken, das ausdrücklich diese teils lebensrettende Gewissenhaftigkeit verleugnet.
   Gerade so, als tue man dies aus reiner Boshaftigkeit und nicht aufgrund eines hingebungsvollen Pflichtbewusstseins gegenüber seinen Mitmenschen.
   Allerdings stimmte es tatsächlich, dass ich es gegenüber meiner Frau hinsichtlich meiner Akkuratesse übertrieben hatte.
Ich weiß nun zwar, dass ich nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen darf, doch fällt es mir schwer dieses neuerliche Wissen in die Praxis umzusetzen.
Als sie mich verließ, nannte sie mich zum Abschied einen anmaßenden Korinthenkacker. Selbst in ihrem Brief, den ich kurz darauf per Post erhielt, benutzte sie mehrmals diese Anrede. Ich, ein anmaßender Korinthenkacker?
   Vermutlich hatte sie recht.
   Tatsächlich war ich manchmal auf eine emotionslose Weise unausstehlich, sofern nicht alles nach beständigen Regeln ablief.
   Eben am Telefon klang sie jedoch sehr versöhnlich.
   Sie bot mir eine Aussprache an. Eine Aussprache, die ich nicht bereuen würde, wie sie betonte. Möglicherweise tat es ihr inzwischen leid, dass sie mich verlassen hatte. Eventuell gab ihr diese Auszeit, die sie unserer Beziehung aufgezwungen hatte, nicht nur die Möglichkeit sich sexuell auszutoben, sondern zugleich auch die Gelegenheit über unsere Ehe nachzudenken. Es konnte durchaus sein, dass sie meine Beständigkeit nach dieser Demütigung, die sie jüngst erlitten hatte, nun durchaus zu schätzen wusste.
   Für meine Frau musste mein Hang zur Korrektheit die Hölle gewesen sein. Vermutlich bestand sie auch deshalb darauf, dass ich nicht mit dem Auto am vereinbarten Treffpunkt erscheine, sondern stattdessen die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen sollte, was wiederum für mich die Hölle darstellte.
   Es war wohl eine Art Retourkutsche für meine vermessene Ordnungssucht mit der ich sie jahrelang drangsaliert hatte.
   Doch mit dieser sonderlichen Anweisung war ihre Liste an Forderungen noch lange nicht am Ende angelangt. Zudem sollte ich zwei unterschiedliche Socken und ungleiche Schuhe anziehen. Und einen ihrer Slips sollte ich tragen, was mir wiederum extrem sonderbar vorkam, und ich sollte es ausdrücklich vermeiden mit Anzug und Krawatte am Treffpunkt zu erscheinen.
   Vielleicht wollte sie mich testen.
   Um zu sehen, wie weit ich gehen würde um sie zurückzugewinnen.
   Vielleicht wollte sie mich auch nur demütigen.
   Um sich an mir zu rächen. An mir und meiner pedantischen Korrektheit.
Dabei war sie es, die mich betrog. Mich hatte man also längst schon gedemütigt.
   Wie ich inzwischen erfahren hatte, begann diese Affäre mit ihrem Lebemenschen, der so viel leidenschaftlicher war als ich, schon lange bevor sie mich verlassen hatte. Sie war es auch, die mir vermittels dieses Briefes - jene scheinbare Rechtfertigung in der sie mich mehrmals als anmaßenden Korinthenkacker bezeichnete - anrüchige Feinheiten ihrer außerehelichen sexuellen Ausschweifungen auf entwürdigende Weise unter die Nase rieb.
   All dies sprach dafür, dass sie mich tatsächlich erniedrigen wollte.
   Vermutlich analysierte ich die Situation wieder einmal eine Spur zu eindringlich. Unter Umständen sollte ich nicht darüber nachdenken und schlichtweg ihre Forderungen erfüllen um sie so schnell wie möglich zurückzugewinnen. Mich treiben lassen, alles geschehen lassen und geduldig abwarten was die Zukunft bringt, doch wird mir dies gelingen?
Welche Rolle spielte es, ob es sich hierbei um einen Test oder um eine Demütigung handelte? Ich analysierte erneut ohne es zu merken.
   Ich liebte sie immer noch sehr, alles andere zählte nicht.
   Das Leben bereitete mir ohne meine Frau keine Freude mehr. Die Wohnung war sehr still geworden.
Andächtig lauschte ich dieser allgegenwärtigen Stille. Es war derart still, dass selbst das leise Knacken der Heizung, das diese gelegentlich von sich gab, sich penetrant in meine Wahrnehmung zwängte. Kein menschlicher Laut, kein akustischer Beweis von Leben durchdrang diese neuerliche Geräuschlosigkeit in unserem ehemals gemeinsamen Domizil. Sogar die Straße vor unserer Wohnung, inmitten dieser kleinen Vorstadtsiedlung, die mir in der Vergangenheit wie eine Oase der Ruhe vorkam, war frei von diesen Beweisen wahrlicher Existenzen. Es war eine winterliche Grabesstille, die sich neuerdings wie ein ranziger Schleier über unser gesamtes Viertel gelegt hatte und die mich allmählich in den Wahnsinn trieb.
   Ich erhob mich von dem Stuhl und dachte nach. Indem ich das Radio anschaltete füllte ich die bedrohliche Stille mit künstlichem Leben auf. Fremde Stimmen beseelten nun unsere Wohnung und meine einsame Existenz.
  Am Telefon hatte sie mir klare Anweisungen gegeben und mir angedroht, dass  es keine klärende Aussprache gäbe, falls ich auch nur eine einzige ihrer  Forderungen nicht erfüllen sollte. Daher ging ich ins Schlafzimmer und begann mit der demütigenden Prozedur.
   Ich öffnete die Schublade in der meine Frau ihre Unterwäsche aufbewahrt hatte. Seit sie mich verließ, war diese Schublade nicht mehr geöffnet worden. Unentschlossen wühlte ich ein wenig in der Wäsche meiner Frau herum und fühlte mich recht unwohl dabei. Melancholisch gestimmt griff ich mir eine Hand voll ihrer Slips und schnupperte daran. Nicht einmal mehr nach Waschmittel roch ihre Wäsche, derart lange war meine Frau schon fort. Ihr Geruch war seit geraumer Zeit verflogen. Nichts erinnerte mehr an sie, nur meine Sehnsucht quälte mich mit Erinnerungen an glücklichere Tage und sorgte in gewisser Weise für ihre Gegenwart.
   Ihr kurioser Auftrag am Telefon war seit vielen Wochen der erste Lichtblick und gab mir Hoffnung, dieser zur stummen Gedenkstätte meines Versagens mutierten Unterkunft endlich wieder Leben einzuhauchen. Doch zuvor galt es diese Forderungen zu erfüllen.
   Diese bizarren Forderungen, noch immer verwirrten sie mich.
   Letztendlich entschied ich mich für einen bordeauxroten Slip, dessen hoher Preis gewiss nicht von der Menge des verwendeten Stoffes herrührte. Doch glaubte ich, die Qualität dieser Demütigung dadurch verringern zu können, indem ich weniger dieses feinen Stoffes, der eigentlich für das andere Geschlecht gedacht war, an meinem Körper trug.
   Schließlich folgten die Socken. Um überzeugend auf meine Frau zu wirken, fiel meine Wahl auf eine hellgraue und eine schwarze Socke. Deutlicher konnte der Unterschied kaum sein. Bei den Schuhen ging ich indes etwas weniger großzügig mit meinem Wohlwollen um. Ich wählte zwei sich ähnelnde Schuhe, denn dies war eine Demütigung, die für alle Menschen auf der Straße sichtbar sein würde, was mir überhaupt nicht behagte. Um meinen guten Willen dennoch zu bekunden, die Ähnlichkeit der Schuhe war frappierend und konnte meine Frau unnötig provozieren, traf ich eine besondere Wahl. Ich entschied, dass die ungleich hohen Absätze allein genügen würden. Es war gewiss keine gute Entscheidung, wie ich schon bald feststellen sollte.
   Ich musste mich allmählich auf den Weg machen, falls ich pünktlich sein wollte.
   Bevor ich das Radio wieder abschaltete, lauschte ich noch kurz dem Nachrichtensprecher, der von den Streiks der Lokführer berichtete. Offensichtlich wirkte sich der Streik weitaus weniger auf die Abfahrtzeiten der Bahnen aus als ursprünglich befürchtet wurde. Geduldig wartete ich noch den Wetterbericht ab und erfuhr, dass der Himmel bewölkt sei, er dies auch die nächsten Tage mit recht hoher Wahrscheinlichkeit bleiben würde, und dass es minus 5 Grad Celsius kalt und für diese Jahreszeit sehr trocken war.
   Immerhin verzichtete der Sprecher darauf hinzuweisen, dass es minus 5 Grad Celsius im Schatten waren, die mich dort draußen erwarteten. In dieser Jahreszeit, die mir wie ein einziger dunkler Schatten erschien, war dieser Hinweis offensichtlich unnötig.
   Ganz anders im Sommer. Da versäumten es viele dieser unseriösen
Radiosprecher nicht darauf hinzuweisen, dass die besagte Temperatur im Schatten gemessen wurde. Die Schatten des Sommers waren offensichtlich erwähnenswerter als die des Winters. Sie fielen schließlich auch stärker auf.
   Der Korinthenkacker in mir tobte.
   Welcher Mensch würde das Thermometer mitten in die Sonne legen? Selbstverständlich maß man die Lufttemperatur im Schatten. Andererseits würde das Messen der Temperatur in der direkten Sonne auch all jene eigentümlichen Urlaubspostkarten erklären, die von Hitzewellen mit Werten von 63 Grad Celsius zu berichten wussten, Werte, die tödlich wären.
   Gut, ich bin vielleicht ein Korinthenkacker, aber was würden die Menschen denken, wenn man ihnen erklären würde, dass ihr Ehemann oder die Gattin vermutlich an den Folgen eines Fieberanfalls starb? Schließlich hatte der Mann bzw. die Frau zeitweilig eine Körpertemperatur von 113 Grad Celsius inmitten eines Feuers. Sie würden glauben, dass ich sie verhöhne, weil ein solcher Zusatz irrelevant war. Ebenso selten würde jemand sagen, dass der Patient 39 Grad Fieber in einem klimatisierten Raum hätte. Oder im Schatten. Tageszeit und eventuell die Frage an welchem Teil des Körpers gemessen wurde waren unter Umständen bedeutsam, jedoch nicht die Umgebungstemperatur. Fieber war Fieber, nur die tatsächliche Temperatur zählte, denn sie wirkte sich auf den Körper und seine Physiologie aus. Das gleiche galt für die Temperatur, bei der lediglich die Temperatur der Luft effektiv zählte. Und die maß man grundsätzlich im Schatten um die Gefahr möglicher Fehlmessungen zu reduzieren.
   31 Grad. Im Schatten! Solche törichte Aussagen konnten mich wahrhaft in Rage versetzen. Die Dummheit dieser Menschen machte mich krank.
   Doch glücklicherweise war es lediglich minus 5 Grad kalt, überall, selbst im Schatten. Einem allgegenwärtigen Schatten, der zu dieser Jahreszeit alles Leben in dieser Region auf unheilvolle Weise zu beherrschen schien. Ein Schatten, der es mir erschwerte diese warme Wohnung zu verlassen. Aber auch ein Schatten, der mich selbst in dieses helle Domizil verfolgte. Doch ich musste raus. Diesen Schatten vernichten, bevor er ein Teil meines Lebens wurde. Die Zukunft meiner Ehe stand auf dem Spiel.
   Nachdem ich mich im Internet über die Abfahrtzeiten der Bahnen informiert hatte, humpelte ich zum Bahnhof. Das Laufen mit zwei unterschiedlich hohen Absätzen erwies sich übrigens als weitaus schwieriger, als ich es mir anfangs vorgestellt hatte.
   Inzwischen bereute ich diesen Entschluss und glaubte sogar, dass selbst die Wahl zweier Schuhe in völlig unterschiedlichen Farben aber gleich hohen Absätzen eine wesentlich bessere Alternative dargestellt hätte, trotz der augenscheinlicheren Schmach.
   Am Bahnhof angekommen, erwies sich die optimistische Einschätzung des Radiosprechers, dass sich der Streik der Lokführer kaum auf die Fahrpläne auswirke, als völlig falsch.
   Zitternd vor Kälte begutachtete ich eine Weile gelangweilt die spärliche Weihnachtsdekoration. Es war mir schon seit jeher ein Rätsel, wie sich Menschen an diesem Kitsch ergötzen konnten.
   Ungeduldig schritt ich den Bahnhof auf und ab, bis endlich die S-Bahn schrill quietschend am Bahnsteig zum Stehen kam. Mit 26 Minuten Verspätung, ein Umstand, den ich als ungeheure Impertinenz empfand. Dies war einer der Gründe, warum ich die öffentlichen Verkehrsmittel mied - sie waren für einen anmaßenden Korinthenkacker wie mich viel zu unberechenbar.
   Ich entwertete pflichtbewusst mein Ticket und humpelte zur nächstgelegenen Tür der S-Bahn, die sich fauchend öffnete. Als ich in den S-Bahnwagon eintrat, empfing mich ein warmer Schwall unterschiedlichster Gerüche. Es roch nach abgestandenem Bier, Urin und allerlei Körperausdünstungen deren Ursprung ich lieber nicht kennen wollte. Da es schon dunkel war, spiegelt das kalte Licht der S-Bahn das fade Geschehen im Wagon an den Fenstern wider und verhüllte auf diese Weise die Sicht nach draußen. Kaum einer sprach und wenn sich die Blicke zweier Fahrgäste trafen, dann waren diese Blicke zumeist von Misstrauen begleitet. Die Sitzplätze sahen nicht sonderlich hygienisch aus, weshalb ich beschloss die Fahrt bis zum Hauptbahnhof stehend hinter mich zu bringen.
   Dort angekommen erwartete mich die nächste unangenehme Überraschung.
   Meine U-Bahn war aufgrund des Streiks ebenfalls unpünktlich. Ich überlegte, ob ich nicht doch ein Taxi nehmen sollte, schließlich hatte ich das Beweisticket schon entwertet. Es war wohl der anmaßende Korinthenkacker in mir, der mich dazu bewog, tapfer auszuharren und die Ankunft meiner U-Bahn abzuwarten. Jede andere Entscheidung wäre nicht korrekt gewesen, da sie den Forderungen meiner Frau zuwiderliefen. An der Rolltreppe standen zwei wachsame Sicherheitsangestellte und beobachteten die Fahrgäste.
   Weil die Sitzgelegenheiten im Bahnhof nun etwas einladender aussahen als die in der S-Bahn, nahm ich auf einer von ihnen Platz. Nach einer Weile gesellte sich ein übel riechender älterer Herr zu mir. Es handelte sich offensichtlich um einen Obdachlosen, denn der Mann erweckte nicht den Eindruck, als wechsle er regelmäßig seine Kleidung oder dass er Zugang zu einer Dusche hätte. Zudem schleppte er in zwei Plastiktüten seine Habe mit sich herum. Lallend stellte er sich mir als Owald vor. Vermutlich sagte er Oswald, doch sicher war ich mir wegen des undeutlichen Lallens nicht. Sichtlich angetan begutachtete er mein ungleiches Schuhwerk. Es dauerte auch nicht lange bis er mich darauf hinwies.
   „Ich weiß“, erwiderte ich schroff und hoffte das Gespräch damit beendet zu haben. Doch so leicht ließ der gute Mann sich nicht abschütteln:
   „Iss aba in Ornung. Bessa wi gakeine.“
   „Besser als gar keine“, verbesserte ich ihn.
   „Was?“, erkundigte er sich.
   „Ich sagte besser ALS gar keine. Ein Komparativ verlangt immer ein ALS und kein WIE“, erklärte ich mit hinreichender Betonung des Anstoßes meines Einwands.
   „Ach so, diss macht wiglisch Sinn“, gab er zu.
   „Es ergibt Sinn“, korrigierte ich.
   „Was?“
   Wider jede Vernunft versuchte ich ihm zu erklären was ich meinte:
   „Zwar behaupten dies immer mehr Menschen, doch es gibt nichts, wirklich überhaupt nichts, das einen Sinn MACHT.“
   „Jupp, da sachste watt“, bestätigte er und versuchte mir eine Diskussion über den Sinn des Lebens aufzudrängen.
   Bis ich intervenierte:
   „Ich wollte damit lediglich zum Ausdruck bringen, dass etwas einen Sinn ERGEBEN oder HABEN, jedoch keinen Sinn MACHEN kann. Das ist nicht nur schlechtes, sondern sogar falsches Deutsch.“
   „Ahsoo?“, nuschelte er in einem interrogativen Ton, der deutlich darauf hinwies, dass er kein Wort verstanden hatte. Ich erhob mich um dem muffig säuerlichen Dunstkreis dieses Subjekts zu entfliehen und wollte gerade zu einem der Sicherheitsangestellten humpeln, als mich Oswald der Obdachlose fragte:
   „Hasse ma en Euro?“
Ich bemerkte tatsächlich selbst wie herablassend mein darauffolgender Blick war, doch irgendwie sah ich mich nicht in der Lage etwas gegen diesen Blick zu unternehmen. Nach einigen Sekunden des vorwurfsvollen Schweigens ging ich schließlich hinkend zu dem Sicherheitsangestellten, ohne Oswald indes auch nur einen Cent gespendet zu haben, und erkundigte mich:
   „Wie lange braucht die U-Bahn noch?“
   „Zehn Minuten“, antwortete der Sicherheitsangestellte freundlich.
   „Ist das sicher?“, wollte ich wissen.
   „Tausendprozentig“, beteuerte er.
   „Hundertprozentig wäre die richtige Antwort gewesen“, verbesserte ich ihn. Der Bahnangestellte sah mich fragend an und ich ergänzte daher in einem genervten Ton:
   „Hundert Prozent ist das höchste Maß. Mehr als hundert Prozent geht nicht. Daher ergibt ihre Aussage keinen Sinn.“
   Überrascht von so viel korinthenkackerischer Anmaßung runzelte der Sicherheitsmensch die Stirn. Ein Kollege von ihm schloss sich unserem Gespräch an und erkundigte sich:
   „Was ist aber, wenn ich mir völlig sicher bin?“
   „Dann reicht es aus, wenn sie sagen, dass es hundertprozentig stimmt. Alles andere wäre falsch“, versicherte ich. Beide sahen mich an, als hätte ich etwas völlig absurdes erzählt. Doch keiner widersprach und so humpelte ich auf eine sehr dezente Weise einige Schritte davon.
Es war lediglich ein kleiner Sicherheitsabstand zu allen Personen in nächster Nähe, ein unsichtbares Bollwerk aus Entfernung, das mir meine Würde zurückgeben sollte. Allerdings verfehlte dieser Sicherheitsabstand seinen Zweck und auch die unterschiedlich hohen Absätze meiner Schuhe leisteten gewiss keinen wertvollen Beitrag zur Hebung meines Selbstwertgefühls auf ein dienliches Niveau. Ich kam mir weiterhin ausgesprochen dämlich vor und wusste nicht einmal warum. Gerne hatte ich die beiden Sicherheitsangestellten wütend am Kragen gepackt und ihnen zugebrüllt:
    „Ich kann nichts dafür! Ich bin nur ein anmaßender Korinthenkacker!“
Doch fehlte es mir zu solche einer Handlung an Mut. Was würden die anderen Menschen, die überall um uns herum standen, von mir denken? So vergingen sehr lange zehn Minuten bis endlich die U-Bahn einfuhr. Übrigens waren es nur acht Minuten, soviel zur tausendprozentigen Sicherheit des Bahnangestellten.
   Etwas später verließ ich die Bahnstation und atmete erleichtert die frische Abendluft ein. Mein Atem kondensierte und hüllte mich in eine eisige Wolke.
   Ich warf einen prüfenden Blick auf den düsteren Novemberhimmel und stellte fest, dass graue Wolken den Vollmond gänzlich verbargen, was diesem Abend eine unheimlich finstere Atmosphäre verlieh.
   Was sich wiederum nicht sonderlich positiv auf meine Stimmung auswirkte.
   Es war in der Zwischenzeit kälter geworden, eine trockene Kälte, und meine Bronchien protestierten indem sie sich rücksichtlos zusammenzogen. Das Atmen fiel mir nun ziemlich schwer und zudem war ich noch sehr spät dran. Ungeschickt stolperte ich wie ein Betrunkener dem vereinbarten Treffpunkt entgegen. Niemals wieder würde ich unterschiedlich hohe Absätze tragen, dessen war ich mir sicher.
   Die Damenunterwäsche, die unter meiner Kleidung verborgen war, vermittelte mir überdies ein unerklärliches Gefühl der Schuld und der Scham. Obwohl man die Unterwäsche nicht sah, empfand ich mich als gehbehinderter Transvestit.
   Offensichtlich strahlte ich Derartiges auch aus, denn immer mehr Männer, die meinen Weg kreuzten, schienen mich anzulächeln. Vielleicht belächelten sie auch nur meine unterschiedlich hohen Absätze und den daraus resultierenden Gang, aber letztendlich trug auch dies dazu bei, dass ich mir in Hinblick auf diese groteske Unternehmung immer unsicherer wurde.
   Vor dem Lokal, in dem ich mit meiner Frau verabredet war, verließ mich plötzlich der Mut. Würde sie mich überhaupt zurückhaben wollen? Vielleicht wollte sie mich tatsächlich nur demütigen.
   Ich erblickte sie durch das leicht beschlagene Fenster des Lokals.
   Soweit man dies von draußen beurteilen konnte, sah sie niedergeschlagen aus. Es war, als sei die Lebensfreude, die ihre Augen stets auszustrahlen pflegten, einer leeren Trostlosigkeit gewichen. Die Augen waren auch von dunklen Ringen umrahmt. Sie hatte niemals Augenringe, lediglich wenn sie tagelang geweint hatte, so wie damals, nachdem ihre Mutter gestorben war.
   Wegen wem hatte meine Frau tagelang geweint?
   Etwa wegen diesem intriganten Ehezerstörer? Oder vielleicht wegen der Demütigung, die er ihr beschert hatte?  Ich zögerte beim Eintreten.
   Und ich zögerte auch im Inneren des Lokals, als ich bestürzt erkannte, dass sie nicht alleine war.
   Von draußen war es nicht zu erkennen gewesen, eine Säule hatte im Weg gestanden. Ich wollte gerade wieder gehen, als sie mich entdeckte und mir zuwinkte.
   Warum tat sie mir das an? Offensichtlich handelte es sich bei dieser fragwürdigen Aussprache doch um eine Demütigung. Tapfer versuchte ich meine Fassung zu wahren und grüßte unsicher, dabei nur meine Frau ansehend.
Allerdings erwiderten beide meinen Gruß. Ich konnte mir einen flüchtigen bösen Blick nach links nun nicht mehr verkneifen. Es war wie ein Zwang, den zu unterdrücken mir große seelische Schmerzen bereitet hätte.
Falls es jemanden gab, den ich noch mehr verabscheute als meinen arglistigen Nebenbuhler, dann war es dieses abstoßende Weib neben meiner überaus anziehenden Gemahlin. Dem damaligen Brief meiner Frau, aber auch einigen Erzählungen gemeinsamer Freunde, entnahm ich nämlich, dass es diese infame Hexe war, die meine Gattin zum Ehebruch überredet hatte. Sie war es auch, die ihr damals den Liebhaber vorstellte. Ausgerechnet sie zu unserer „Aussprache“ mitzubringen war ausgesprochen unsensibel. Allerdings war dies meines Erachtens ein Ehebruch auch, von dem schmählichen Brief mal ganz zu schweigen. Ich wollte gerade etwas sagen als mich meine Frau leise bat:
   „Bitte, sag jetzt nichts.“
Ich gehorchte servil und war etwas überrascht als sie beim Ober vier Bier bestellte, obgleich wir nur zu dritt waren. Weitaus überraschter war ich, als sie sich eine Zigarette anzündete. Beinahe hätte ich sie gefragt wann sie mit dem Rauchen begonnen hatte, doch gerade noch rechtzeitig entsann ich mich ihres Schweigeaufrufs. Als endlich die Getränke serviert wurden, schob sie zwei der Biere in meine Richtung und ordnete im Flüsterton an:
   „Trink. Trink sie beide auf Ex.“
Ich zögerte, woraufhin sie mir provokativ Zigarettenrauch ins Gesicht blies. Dann aber überwand ich mich und leerte trotzig beide Biere in jeweils einem Zug. Sie lächelte. Es war ein Lächeln, das ich bei ihr schon seit Jahren nicht mehr beobachtet hatte, so voller Hoffnung. Dieses hoffnungsvolle Lächeln erweckte auch meinen Glauben an bessere Zeiten wieder zum Leben.
   Plötzlich blickte sie unter den Tisch. Ich hob meine beiden Hosenbeine etwas an, damit sie anhand der ungleichen Socken erkennen konnte, dass ich all ihre Forderungen erfüllt hatte. Ich hob auch meine Füße und präsentierte ihr die unterschiedlich hohen Absätze. Als ihr Gesicht wieder aus den Tiefen des Kneipenmobiliars auftauchte, strahlte sie auf eine sehr reizvolle Weise. Plötzlich war so etwas wie Rührung in ihrem Antlitz zu erkennen. Sie drückte ihre Zigarette in einem Aschenbecher aus und beugte sich leicht vor. Dann nahm sie meine Hände in die ihren und drückte sie fest, außerordentlich fest.
   In diesem Augenblick entdeckte ich die glasige Reflektion in ihren Augen, die sich kurz darauf in glänzende Tränen auf ihren Wangen verwandelte. Aber sie lächelte zugleich. Auch die arglistige Freundin lächelte, allerdings auf eine überhebliche Weise, die ihr keinesfalls zustand. Offensichtlich glaubte das garstige Weib, dass sie ihren unflätigen Fehler wieder beglichen hatte. Es fiel mir schwer dieses Miststück zu ignorieren. Zu gerne hätte ich ihr meine Abneigung offenbart. Gern hätte ihr zu erkennen gegeben, für welch einen schlechten Menschen ich sie hielt. Doch ich beherrschte mich und blickte aufmerksam in die vor Tränen glänzenden Augen meiner Frau. Schließlich fragte sie:
   „Und die Unterwäsche? Trägst du meine Unterwäsche?“
   Ich nickte lediglich etwas wirr grinsend. Sie lächelte nun noch eindringlicher und wimmerte leise:
   „Mein Korinthenkacker.“
Da ich wegen meiner Verspätung ein schlechtes Gewissen hatte, verspürte ich den Drang diesen Fauxpas zu begründen. Verspätungen waren eigentlich überhaupt nicht meine Art. Daher erkundigte ich mich:
   „Hast du lange warten müssen?“
Sie nickte und antwortete:
   „Eine halbe Ewigkeit.“
Ich war fassungslos. Mir war, als hörte ich eine ohrenbetäubende Explosion in meinem Kopf. Meine Frau hatte tatsächlich „eine halbe Ewigkeit“ gesagt. Wusste sie denn nicht, wie irrational eine derartige Äußerung war? Eine halbe Ewigkeit, das hatte sie gesagt. Eine halbe Ewigkeit!
   Vorsichtig entzog ich meine Hände ihrem festen Griff und erhob mich. Dann bat ich sie mich zu entschuldigen und ging auf Toilette.
   Dort knallte ich wütend die Tür der Kabine zu, setzte mich auf den völlig verdreckten Toilettendeckel und holte erst einmal tief Luft.
   Schließlich fauchte ich wütend:
   „Eine halbe Ewigkeit!“
Nun musste diese vermaledeite Unterwäsche fort - ich hasste sie inzwischen. Obwohl ich einen gewissen Tragekomfort nicht abstreiten konnte, nur dort wo mich die Schöpfung auf der Rückseite gespalten hatte, zwickte es ein wenig.
Da diese heimliche Liebschaft meiner Frau schon vor unserer Trennung begann, konnte es durchaus sein, dass dieses kleine Luder diese Unterwäsche schon bei einem Techtelmechtel mit meinem Nebenbuhler getragen hatte. Immerhin handelte es sich um ein anstößigeres Kleidungsstück ihrer Garderobe. Diese hinterhältige kleine Bestie!
   Vielleicht sind anmaßende Korinthenkacker tatsächlich etwas überempfindlich, aber ich konnte ihr den Ehebruch einfach nicht vergeben. Auch die Anwesenheit dieser Hexe, die ihren Beitrag zu dieser Schandtat geleistet hatte, war unverzeihlich. Und was sollten diese sonderbaren Forderungen, die lediglich dem Zweck dienten mich wiederholt zu demütigen?
   „Eine halbe Ewigkeit“, zischte ich erneut.
   Wütend zog ich kurz darauf ihre Unterwäsche aus. Fast hätte ich vor lauter Zorn versehentlich meine Hose zerrissen als ich diese wieder anzog. Für einen kurzen Augenblick vermittelte mir dann aber die Nacktheit unter meiner Hose die flüchtige Ahnung völliger Freiheit. Gleichwohl errang die Wut erneut die Vorherrschaft in meinem Gefühlsleben. Es war ein unvergleichliches Wechselbad der Gefühle. Mein Atem war unregelmäßig und flach. Es war mir kaum noch möglich mich zu konzentrieren. Wie im Rausch verließ ich schon bald die Kabine und dachte mir einige Beschimpfungen für meine Frau und ihre grässliche Freundin aus. Bevor ich wieder zu ihr zurückging, zügelte ich indessen meinen Zorn und versuchte freundlich zu wirken.
   Vor wenigen Stunden hätte ich ihr sämtliche Verfehlungen aufgelistet und eine Diskussion über den Irrsinn ihrer Forderungen entfacht, doch seltsamerweise verspürte ich keinen Drang mich mit ihr zu unterhalten. Fast glaubte ich, dass sie mir inzwischen gleichgültig war. Sie war mir tatsächlich fremd geworden während der bitteren Wochen der Trennung.
   Der Weg zurück zu ihrem Tisch erschien mir länger als der Hinweg zuvor. Die Wut in mir trieb mich allerdings wie eine Dampfmaschine an. Ich fühlte mich lebendig, wie schon seit Jahren nicht mehr und stand endlich vor dem Tisch.
   Es fiel mir ausgesprochen schwer nicht aus der Haut zu fahren, insbesondere da ihre heimtückische Freundin mir zulächelte, während sie herausfordernd Zigarettenrauch in meine Richtung blies.
   Offensichtlich hatte sich auch meine Frau wieder ein wenig gesammelt, denn sie wirkte nun sehr viel selbstsicherer als noch vor wenigen Minuten. Inzwischen rauchte sie auch wieder. Da ich immer noch eine Menge Groll gegen diese beiden Hexen hegte, nahm ich nicht Platz, sondern positionierte die Unterwäsche meiner Ex-Frau demonstrativ mitten auf den Tisch. Beide Frauen sahen sich an und kicherten zaghaft. Daraufhin deutete ich auf die Freundin und versicherte:
   „Du hättest SIE nicht mitbringen dürfen. Das war ein Fehler.“
Mehr brauchte sie nicht zu wissen.
Wie sie diese Botschaft aufgenommen hatte konnte ich leider nicht mehr erkennen, da ich mich postwendend umgedreht und ohne Umwege das Lokal verlassen hatte. Ich blickte nicht zurück zu ihr, niemals wieder.
   Einige Straßen weiter hielt ich ein Taxi an. Im Taxi schwieg ich lange Zeit, bis ich merkte, dass der Fahrer einen Umweg fuhr. Daher erkundigte ich mich:
   „Wäre es nicht schneller über die Norduferstraße?“
   „Im Grunde haben sie recht, doch wegen des Lokführerstreiks ist die Innenstadt heute überfüllt. Daher ist diese Strecke heute besser zu befahren als die, die über die Norduferstraße führt.“
   Ich lächelte zufrieden. Der Taxifahrer hatte „besser als“ gesagt.
   Offensichtlich hatte er mein Lächeln falsch interpretiert und versicherte:
   „Glauben sie mir, es hat wirklich keinen Sinn heute quer durch die Innenstadt zu fahren.“
Ich lächelte noch ein wenig eindringlicher. Der Taxifahrer hatte „es hat keinen Sinn“ gesagt. Ich freute mich, denn es gab noch weitere Korinthenkacker wie mich. Als ich aus dem Fenster des Taxis sah, da erkannte ich, dass der Himmel sich unterdessen gelichtet hatte und nun den Blick auf den strahlenden Vollmond freigab. Nicht einmal mehr auf die Wettervorhersage konnte man sich verlassen. Sonderbarerweise ärgerte mich dies in keiner Weise, ganz im Gegenteil, es freute mich.
   Aus einem mir unerfindlichen Grund fühlte ich mich plötzlich befreit. Es war ganz gewiss nicht die Wirkung der beiden Biere. Es war nur so, dass ich mein Leben plötzlich mit ganz anderen Augen sah. Anscheinend hatte ich unbewusst ein neues Kapitel in meinem Leben aufgeschlagen, ein sehr chaotisches, das aber mein künftiges Dasein nachhaltig beeinflussen sollte. Ein neues Leben, das ich anders angehen würde als das bisherige.
   Demzufolge bat ich den Taxifahrer auch darum mich nicht nach Hause zu fahren, sondern auf direktestem Weg zum Hauptbahnhof. Er fragte:
   „Sind sie sich sicher? Die Bahnen fahren wegen des Streiks nur sehr unregelmäßig.“
   „Tausendprozentig sicher“, erwiderte ich dümmlich grinsend und genoss von nun an schweigend den Rest der Fahrt.
   Am Bahnhof angekommen bewunderte ich kurz darauf im hell erleuchteten Schaufenster eines dieser Sexshops, die im Bahnhofsviertel penetrant um nächtliche Kunden buhlten, die dort ausgelegte Ware. Insbesondere die aufreizende Damenunterwäsche zog mich in ihren Bann. Ich beschloss bei Gelegenheit meine Garderobe um ein oder zwei dieser Kleidungsstücke zu ergänzen. Eigentlich fühlten sie sich beim Tragen ganz wohltuend an. Doch ganz ohne Unterwäsche gefiel mir ebenfalls sehr gut.
In dem Augenblick als ich weitergehen wollte, vernahm ich hinter mir eine vertraute Stimme:
   „Hey, hasse ma en Euro?“
Ich entgegnete beschwingt:
   „Hallo Owald, wie geht es dir?“
 Oswald freute sich wie ein kleines Kind über den Umstand, dass jemand seinen Namen kannte. Anschließend erwarb ich an einer nahegelegenen Pommesbude einige Flaschen Bier und Oswald und ich diskutierten lange Zeit in der Bahnhofshalle über den Sinn des Lebens.
   Wir unterbrachen unseren philosophischen Diskurs nur einmal, nämlich, als die beiden grimmig dreinblickenden Sicherheitsangestellten an uns vorbeizogen und wir uns über sie lustig machten. Wir bezeichneten sie übrigens als anmaßende Korinthenkacker, worüber sich insbesondere Oswald köstlich amüsierte. Aus irgendeinem Grund erschien mir mein Leben wieder lebenswert. Selbst die Weihnachtsdekoration gefiel mir in diesem Augenblick ausnehmend gut. Der Verlauf des Abends hatte eine unerwartete Richtung eingeschlagen. Er verlief völlig anders wie geplant, doch ich fand, dass es immer noch tausendprozentig mehr Sinn machte, hier mit Oswald über den Sinn des Lebens zu plaudern, wie alleine zu Hause herumzusitzen oder gar eine Ehebrecherin um Verzeihung zu bitten.
Wir quatschten bis zum nächsten Morgen, der mittels eines wunderschönen Sonnenaufgangs einen herrlichen Tag ankündigte. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich mit Oswald meine Zeit verplempert hatte. An meine Frau dachte ich kaum noch. Mir schien es fast, als hätte unsere „Aussprache“ vor einer halben Ewigkeit stattgefunden. Nun ja, nicht ganz, eine halbe Ewigkeit - plus minus einige Stunden…

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Seneca
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BeitragVerfasst am: 05.01.2008 20:13    Titel: Antworten mit Zitat

Was mir am Besten gefällt, ist die Hauptperson. Ein Charakter mt nur einem einzigen, sehr ausgeprägtem Charakterzug, der die Handlung bestimmt, kurz - ein Kurzgeschichtencharakter wie aus dem Lehrbuch. Ich wollte ihn für den kleinen Literaten nominieren, aber entweder ist das noch nicht wieder möglich, oder ich bin zu ungeschickt  Embarassed

Ich denke, dass die Geschichte noch viel gewonnen hätte, wenn du auf die inneren Monologe verzichtet hättest. Alles von einem objektiven Beobachter, der sieht, wie sich der Mann umzieht, vielleicht den Brief auf dem Tisch sieht etc.. Natürlich technisch viel schwieriger zu erzählen, aber ich glaube, viel wirkungsvoller und einer Kurzgeschichte eher passend.

Was mir nicht gefällt, ist zum einen diese andere Frau - diese Person ist irgendwie überflüssig. Die ganze Geschichte ist als Show-Down zwischen Mann und Frau aufgebaut. Außerdem gefällt mir der plötzliche Wandel nicht. Er wirkt auf mich unmotiviert und völlig übertrieben.

Zitat:
Wie wollte man die Unendlichkeit halbieren? Dies war technisch überhaupt nicht möglich.


Mathematisch gesehen, kann man die Unendlichkeit halbieren. Sie technisch halbieren zu wollen, ist unsinnig. Ein Korinthenkacker MUSS sowas wissen! Zu sagen, etwas dauert eine halbe Ewigkeit, ist natürlich rein logisch gesehen völliger Quatsch, ebenso wie eine ganze Ewigkeit.


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Elvis Brucelee
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BeitragVerfasst am: 05.01.2008 21:18    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Meine Motivation die halbe Ewigkeit wieder mit ins Spiel zu bringen war die, dass er einen Vorwand gesucht hatte. Im Grunde war er sich schon im Vorfeld darüber im Klaren, dass die Ehe vorbei ist, ihr Geruch war längst verflogen und lediglich die Erinnerungen waren noch als einziger Beweis ihrer Existenz geblieben.
Dann wollte ich diese Demütigung intensivieren. Die Freundin erschien mir da passend. Den Liebhaber konnte ich nicht nehmen, da er weitergezogen war.
Der gute Mann sollte langsam zur Explosion gebracht werden.
- Ehebruch
- Brief
- Versöhnung?
- Schuhe
- Socken
- Unterwäsche
Das war erst der Auftakt, quasi die Lunte
- Die Gattin hat neue Angewohnheiten, sie erscheint noch fremder +
- Anwesenheit der Intrigantin (die Lunte wurde entfacht)
Doch bis dahin fehlte noch etwas, etwas das letztendlich zwar völlig unlogisch und übertrieben wirkt, für diesen Korinthenkacker jedoch eine enorme Bedeutung haben sollte (deswegen habe ich auch die ganzen Nebensächlichkeiten eingebaut, trotz der Gefahr, dass es nerven könnte - Korinthenkacker nerven nun einmal). Es hatte quasi Symbolcharakter für all die Erniedrigungen zuvor.
- Eine halbe Ewigkeit (Bouuuummm!)
Und weg war er. Mit ihm sogar der Korinthenkacker.
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Tomoe
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BeitragVerfasst am: 05.01.2008 22:18    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo lieber Kickbox. Mir gefällt die Geschichte sehr gut, mit einigen kleinen Einschränkungen. Die Ausführung über die Temperaturmessung habe ich als etwas zu lang für die Story empfunden und mich zwischenzeitlich ungeduldig gefragt, wie es denn mit dem eigentlichen Thema weitergeht (bin ein ungeduldiger Mensch, vielleicht ist das subjektiv). Und zweitens war mir die charakterliche Verwandlung der Hauptfigur auch zu abrupt. Vielleicht könntest Du auf dem Hinweg schon anklingen lassen, dass er entspannter agiert, sich zurückhält? Und vielleicht könntest Du "das Biest" auch direkt zu Beginn schon negativ besetzt einführen? Er könnte sich beispielsweise aufregen, weil die Umgangssprache der Freundin bereits negativ auf seine Frau abfärbt.
Macht das Sinn? Laughing Ich meine natürlich: Ergibt das Sinn? Diese Differenzierung war mir übrigens vorher noch nicht so deutlich klar. Toll, habe was gelernt! Hoffe, das nützt Dir etwas. Lieber Gruß!
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Elvis Brucelee
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BeitragVerfasst am: 06.01.2008 19:30    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Ninja,

diese Temperaturmesseinlage war wohl etwas übertrieben. Als ich es das erste mal noch einmal gelesen hatte, da war mein Finger auch schon auf der Löschtaste, aber aus irgendeinem Grund hatte ich es dann doch nicht über das Herz gebracht - die armen Zeilen waren doch noch viel zu jung um zu sterben  Sad

Inzwischen empfinde ich das so ähnlich wie du. Jetzt sind diese Zeilen auch schon etwas älter. Im Original wird es wohl recht bald ein kleines Buchstabenmassaker geben.

Die abrupte Verwandlung hingegen war gewollt.
Die extremen Menschen, die ich in meinem Leben kennengelernt hatte, die waren zumeist sehr wandlungsfähig.

Heute hören sie diese Musikrichtung, morgen schon eine völlig andere und die Plattensammlung landet auf dem Müll.

Oder der militante Abstinenzler, der plötzlich gefallen am Trinken findet und jeden zum Mitmachen ermuntert (oder umgekehrt), der ehrbare Familienvater, der urplötzlich zum Playboy mutiert usw.

Es sind alles Leute, die ohne Vorwarnung eine Wandlung erleben, die kein normaler Mensch nachvollziehen kann, alleine schon wegen des hohen Tempos.

So habe ich diese extremen Leute zumindest oftmals erlebt. Diese Schleichende Wandlung, die meist im Zusammenhang mit kriminellen Taten erwähnt wird, ist wiederum etwas anderes. Dort verbirgt jemand etwas.

Dagegen ist solch eine Veränderung, wie die des Korinthenkackers etwas befreiendes, das nach außen getragen werden soll. Es war vielleicht immer in ihm, der Korinthenkacker wurde ihm evtl. anerzogen, und diese bittere Erfahrung zeigt ihm, dass seine Art und Weise des Denkens gesellschaftlich weitaus weniger angesehen ist, als er glaubte.

Extreme Menschen passen sich oftmals sehr rasch an.
Da es nur eine Kurzgeschichte sein sollte, habe ich es beispielsweise unterlassen ihn eine Kneipentour machen zu lassen während der er nachdenkt, das wäre viel zu lang geworden.


Das "macht" meines Erachtens also schon Sinn. Dieses Sinnmachen wird sich wohl bald schon völlig durchgesetzt haben. Selbst im Spiegel liest man es immer öfter und im Fernsehen produzieren deren Sprecher Sinn am laufenden Band.

Mir war es übrigens zum ersten Mal vor vielen Jahren in Düsseldorf in der Fachschaft Biologie aufgefallen. Ich weiß sogar noch ganz genau wer es damals gesagt hatte.
Da ich ein hessischer Emigrant bin, hielt ich es anfänglich für eine rheinische Eigenart.
Ich dachte mir nichts dabei und ließ diese Leute widerstandslos ganz viel Sinn produzieren.
Dann aber schlich es sich unauffällig in den Sprachgebrauch vieler anderer Menschen ein und ich wunderte mich sehr über die Herkunft. Letztendlich hat mich Sebastian Sicks literarisches Requiem für den Dativ darauf gebracht.

Es ist die wortwörtliche Übersetzung von "to make sense"?
Seitdem maken wir hier in Deutschland alle ganz viel sense.
Mal sehen wie sich die Sinnproduktion weiterentwickelt. Ich behalte diesen Industriezweig jedenfalls im Auge. Bis dahin:

Zu sein fortgesetzt
 Very Happy
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Olifant
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BeitragVerfasst am: 17.01.2008 14:09    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Mir,

zum Thema “Sinn machen” empfehle ich gerne die Buchreihe von Bastian Sick “Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod”.
Die Bücker sind sehr humorvoll und lehrreich geschrieben, dass ich inzwischen ebenfalls zum Korinthenkacker mutiert bin. Noch mehr jedenfalls, als ich es vorher schon war.

Einem echten KK wäre übrigens noch aufgefallen, dass der Taxifahrer auch sehr schön „wegen des“ mit Genitiv gesagt hat, obwohl heute halb Deutschland „wegen dem Stau“ sagt.

Mir hat Folgendes geschrieben:
Die abrupte Verwandlung hingegen war gewollt.
Die extremen Menschen, die ich in meinem Leben kennengelernt hatte, die waren zumeist sehr wandlungsfähig.


Ich könnte mir vorstellen, dass Du hier die vorangegangenen Kritiken nicht ganz richtig interpretiert hast. Denn nicht die Wandlung als solche wurde angezweifelt, sondern eher der Auslöser und die Geschwindigkeit.

Der Bruch des Protagonisten mit seiner Frau geht auch mir ein wenig zu abrupt. Zumal die Wortwahl „halbe Unendlichkeit“ einem KK nicht zwingend aufstoßen muss. Hierbei handelt es sich zwar um eine wenig sinnvolle Formulierung, die aber als Metapher durchaus zulässig ist. Sie fällt meines Erachtens in eine Kategorie, die nicht einmal einen Pedanten groß stören dürfte. Andernfalls müsste er sich auch über seine eigenen Formulierungen aufregen, wie z.B. „Oase der Ruhe“, „Hexen“ oder eben auch über das Wort „Korinthenkacker“.

Da der Held der Geschichte das aber nicht tut, fände ich es insgesamt besser, wenn Du den Dialog zwischen dem KK und den beiden Frauen so gestalten würdest, dass sich in dessen Verlauf seine Wut allmählich steigern kann. Wenn sich in jedem Satz seiner Frau und ihrer Freundin ein kleiner Fehler verbirgt, könnte man seine Wandlung besser nachvollziehen. Der innere Monolog auf der Toilette, der sich ausschließlich an der „halben Ewigkeit“ aufhängt, wirkt ein bisschen zu krampfhaft. Schon allein deshalb, weil er vorher schon etliche Demütigungen klaglos hingenommen hat. Es ist unwahrscheinlich, dass dann die "halbe Ewigkeit" das Fass zum Überlaufen bringt.
Eine ganze Serie nerviger, falscher Formulierungen dagegen, könnte Deinem Helden vor Augen führen, dass er unter dem Mangel an Genauigkeit, den seine Frau an den Tag gelegt hat, mindestens ebenso gelitten hat, wie sie unter seiner Genauigkeit. Denn einem KK kann man nichts Schlimmeres antun, als seine Belehrungsversuche penetrant zu ignorieren. Trotzdem ist nicht er, sondern sie fremdgegangen.

Wenn die ‚Aussprache’ dann darin gipfelt, dass die Frau eine Entschuldigung für seelische Grausamkeit verlangt, wirkt der weitere Verlauf der Geschichte logisch.



Ein paar Stellen hören sich noch ein bisschen holprig an. Die fallen Dir sicherlich beim Überarbeiten selbst auf. Hier nur ein paar Beispiele:

 Arrow Eine „alltägliche Gewohnheit“ ist z.B. aus korinthenkackerischer Sicht das gleiche, wie ein „weisser Schimmel“ oder ein „alter Greis“.

 Arrow Gleiches gilt für den Abschnitt
Mir hat Folgendes geschrieben:
„unberechenbare Chaoten. Auf solche Leute war in der Regel kein Verlass.“

Richtig. denn das ist es, was unberechenbar bedeutet. Lass den zweiten Satz einfach weg!

 Arrow
Mir hat Folgendes geschrieben:
„Es war wohl eine Art Retourkutsche für meine vermessene Ordnungssucht mit der ich sie jahrelang drangsaliert hatte.“

Dieser Satz ist überflüssig, da diese Annahme schon in den zwei vorangehenden Sätzen ähnlich formuliert wird.

 Arrow
Mir hat Folgendes geschrieben:
Dann aber überwand ich mich und leerte trotzig beide Biere in jeweils einem Zug. Sie lächelte.

Nicht nur sie, sondern ich auch. In Bayern sind 2 Biere nämlich eine ganze Menge. Es gibt nicht viele Menschen, die einen Liter Bier quasi auf Ex wegsaufen können. Vielleicht nimmst Du statt der Biere einfach zwei Kölsch.

Der Text gefällt mir insgesamt recht gut. Auch das Thema. Vielleicht gerade deswegen, weil es mir schon immer kalt den Rücken runter gelaufen ist, wenn irgend etwas "Sinn gemacht" hat. Und wenn ich selbstkritische darüber nachdenke, komme ich leider zu dem Schluss, dass meine Freundin ohne mich vielleicht auch besser dran wäre. Embarassed


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BeitragVerfasst am: 03.02.2008 22:22    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Olifant, vielen Dank für die wirklich gute und umfangreiche Kritik. Da die Winterwettbewerb-Beiträge nicht im Profil aufgeführt werden, kann eine Antwort wie deine glatt untergehen, da die gesamte Geschichte in Vergessenheit gerät, wenn man nicht unentwegt im eigenen Profil darauf aufmerksam gemacht wird. Es war also ein Versehen, dass ich noch nicht darauf reagiert habe. Im Augenblick bin ich ein wenig zu müde um darauf einzugehen. Sobald ich aber die nötige Zeit finde, werde ich auf deine Kritik reagieren.
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BeitragVerfasst am: 04.02.2008 14:28    Titel: Antworten mit Zitat

Kein Problem, Mir. Ich fühle mich nicht ignoriert.   Smile

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Elvis Brucelee
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BeitragVerfasst am: 06.02.2008 18:14    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Olifant hat Folgendes geschrieben:

zum Thema “Sinn machen” empfehle ich gerne die Buchreihe von Bastian Sick “Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod”.

Ja, kann ich ebenfalls empfehlen.

Olifant hat Folgendes geschrieben:
Einem echten KK wäre übrigens noch aufgefallen, dass der Taxifahrer auch sehr schön „wegen des“ mit Genitiv gesagt hat, obwohl heute halb Deutschland „wegen dem Stau“ sagt.


Schön, dass es auffiel.

Olifant hat Folgendes geschrieben:
Ich könnte mir vorstellen, dass Du hier die vorangegangenen Kritiken nicht ganz richtig interpretiert hast. Denn nicht die Wandlung als solche wurde angezweifelt, sondern eher der Auslöser und die Geschwindigkeit.


Hoffentlich interpretiere ich diese Äußerung jetzt nicht wieder falsch, doch ich glaube schon, dass ich es richtig verstanden habe. Sicherlich hätte ich den Teil etwas in die Länge ziehen können, stattdessen vielleicht die Temperaturgeschichte stark kürzen sollen, habe ich leider nicht. Rückblickend sehe ich das inzwischen auch als Fehler.

Olifant hat Folgendes geschrieben:
Zumal die Wortwahl „halbe Unendlichkeit“ einem KK nicht zwingend aufstoßen muss. Hierbei handelt es sich zwar um eine wenig sinnvolle Formulierung, die aber als Metapher durchaus zulässig ist.


Genau, es war lediglich eine Metapher. Ich hätte auch ein anderes Wort wählen können, aber mir fiel nichts in diesem Zusammenhang ein. Wenn ich ganz ehrlich bin, muss ich zugeben, dass ich diese Geschichte an einem Nachmittag auf die Schnelle getippt habe. Da haben sich einige Fehler eingeschlichen, die durch eine sorgfältigere Bearbeitung hätten vermieden werden können.

Olifant hat Folgendes geschrieben:
Andernfalls müsste er sich auch über seine eigenen Formulierungen aufregen, wie „Hexen“ oder eben auch über das Wort „Korinthenkacker“.


Da bitte ich dich um Aufklärung, offensichtlich habe ich diesbezüglich eine Bildungslücke – man kann schließlich nicht alles wissen. Es interessiert mich jetzt wirklich.

Olifant hat Folgendes geschrieben:
Es ist unwahrscheinlich, dass dann die "halbe Ewigkeit" das Fass zum Überlaufen bringt. getippt habe.


Seltsam, dass keiner solche Situationen kennt. In meinem Leben habe ich schon oftmals erlebt (insbesondere bei sehr geduldigen Menschen, die ihren Zorn stets herunterschlucken und sich viel gefallen lassen), dass diese, zur Verwunderung aller Anwesenden, wegen einer Belanglosigkeit plötzlich völlig aus der Haut fahren.

Olifant hat Folgendes geschrieben:

Eine „alltägliche Gewohnheit“ ist z.B. aus korinthenkackerischer Sicht das gleiche, wie ein „weisser Schimmel“ oder ein „alter Greis“.
Gleiches gilt für den Abschnitt
Mir hat Folgendes geschrieben:
„unberechenbare Chaoten. Auf solche Leute war in der Regel kein Verlass.“


Oh ja, derartige Schnitzer schleichen sich bei "Mir", der eigentlich gar kein so radikaler Korinthenkacker ist, sehr leicht ein. Dummerweise übersehe ich solche Fehler selbst beim Korrekturlesen.


Zitat:
Dann aber überwand ich mich und leerte trotzig beide Biere in jeweils einem Zug. Sie lächelte.
Nicht nur sie, sondern ich auch. In Bayern sind 2 Biere nämlich eine ganze Menge. Es gibt nicht viele Menschen, die einen Liter Bier quasi auf Ex wegsaufen können. Vielleicht nimmst Du statt der Biere einfach zwei Kölsch.


Twisted Evil Dieser Einwand hat mir sehr gut gefallen. Vor allem:

Olifant hat Folgendes geschrieben:
Vielleicht nimmst Du statt der Biere einfach zwei Kölsch.


Zwar bin ich kein echter Düsseldorfer, sondern lediglich ein zugezogener Hesse, der vielleicht sogar aus beruflichen Gründen bald nach Köln zieht und die Stadt wirklich klasse findet, aber ich halte Kölsch ebenfalls nicht für Bier. Irgendwie hatte ich dabei an Altbier gedacht, das zwar ein echtes Bier ist, in der Regel aber in winzigen 0,3 Liter-Gläsern ausgeschenkt wird.

Olifant hat Folgendes geschrieben:
Der Text gefällt mir insgesamt recht gut. Auch das Thema. Vielleicht gerade deswegen, weil es mir schon immer kalt den Rücken runter gelaufen ist, wenn irgend etwas "Sinn gemacht" hat. Und wenn ich selbstkritische darüber nachdenke, komme ich leider zu dem Schluss, dass meine Freundin ohne mich vielleicht auch besser dran wäre. Embarassed


Danke, das mit der Freundin kenne ich übrigens sehr gut. Ich brauchte lange Zeit, bis ich mir abgewöhnt habe Leute zu verbessern. Eine Exfreundin hatte mir sogar angedroht, falls ich nicht aufhören sollte sie zu verbessern, würde sie sich von mir trennen.
Insbesondere, Äußerungen wie beispielsweise "besser wie" zwang mich grundsätzlich dazu ein "Besserals" verlauten zu lassen, so muss sich jemand fühlen, der unter dem Tourett-Syndrom leidet. Da ich gebürtiger Hesse bin, wo sprachlich alles irgendwie "komischer wie" woanders ist, macht man sich mit solch einem konditionierten Reflex allerdings nicht viele Freunde.  

Inzwischen korrigiere ich die Menschen nur noch in Gedanken.

Vermutlich habe deshalb eine Geschichte über dieses Thema geschrieben, weil ich ständig meinen Drang unterdrücken muss, die Menschen zu berichtigen. Es war somit ein Ventil für jahrelang unterdrückte Zwänge.
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Olifant
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BeitragVerfasst am: 08.02.2008 16:27    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Mir,

sorry ebenfalls. Du hast recht, die neuen Beiträge in dieser Rubrik sind wirklich schlecht zu erkennen.

Mir hat Folgendes geschrieben:

Olifant hat Folgendes geschrieben:
Andernfalls müsste er sich auch über seine eigenen Formulierungen aufregen, wie „Hexen“ oder eben auch über das Wort „Korinthenkacker“.


Da bitte ich dich um Aufklärung, offensichtlich habe ich diesbezüglich eine Bildungslücke – man kann schließlich nicht alles wissen. Es interessiert mich jetzt wirklich.

Das war eigentlich nur als Beispiel gedacht. Also nichts besonders Hintergründiges. Denn der Korinthenkacker benutzt in der Erzählung das Wort „Hexe“ für seine Frau. Was natürliche eine Metapher ist, weil wir davon ausgehen können, dass sie nicht zaubern kann, richtig? Ebenso wenig kackt jemand Korinthen. Aber komischerweise regt sich der KK über „halbe Ewigkeit“ auf. Mir kommt das einfach nur unlogisch vor.

Mir hat Folgendes geschrieben:

Seltsam, dass keiner solche Situationen kennt. In meinem Leben habe ich schon oftmals erlebt (insbesondere bei sehr geduldigen Menschen, die ihren Zorn stets herunterschlucken und sich viel gefallen lassen), dass diese, zur Verwunderung aller Anwesenden, wegen einer Belanglosigkeit plötzlich völlig aus der Haut fahren.

Doch, doch, kenne ich genau. Ich bin einer von diesen viel zu geduldigen Menschen. Früher noch viel mehr als heute. Aber trotzdem braucht es da mehr, als nur ein störendes Wort. Typische Amokläufer, wie ich Laughing haben eine sehr feuchte Lunte, die immer wieder von selbst ausgeht. Da muss ein relativ großer Brenner ran. Ein kleines Streichhölzchen reicht nicht, auch wenn die Lunte mit jeder Flamme kürzer wird.

Mir hat Folgendes geschrieben:

Twisted Evil Dieser Einwand hat mir sehr gut gefallen. Vor allem:

Olifant hat Folgendes geschrieben:
Vielleicht nimmst Du statt der Biere einfach zwei Kölsch.


Zwar bin ich kein echter Düsseldorfer, sondern lediglich ein zugezogener Hesse, der vielleicht sogar aus beruflichen Gründen bald nach Köln zieht und die Stadt wirklich klasse findet, aber ich halte Kölsch ebenfalls nicht für Bier. Irgendwie hatte ich dabei an Altbier gedacht, das zwar ein echtes Bier ist, in der Regel aber in winzigen 0,3 Liter-Gläsern ausgeschenkt wird.

Laughing Mist, da habe ich wohl daneben geraten. Hab mir schon gedacht, dass Du irgendwo in der Gegend wohnst. Die Chancen zwischen Alt und Kölsch standen 50:50.

Mir hat Folgendes geschrieben:
Danke, das mit der Freundin kenne ich übrigens sehr gut. ……. Eine Exfreundin hatte mir sogar angedroht, falls ich nicht aufhören sollte sie zu verbessern, würde sie sich von mir trennen.

Oha! Da geht’s mir mit meiner Freundin noch richtig gut. So lange sie mich noch liebevoll als „Klugscheißer“ tituliert, habe ich es vermutlich noch nicht übertrieben.

Übrigens: auch wenn Du die Geschichte auf dem Klo geschrieben hättest, wäre es schade, sie einfach in die Tonne zu treten.


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BeitragVerfasst am: 08.02.2008 19:04    Titel: Antworten mit Zitat

Olifant hat Folgendes geschrieben:
Mir hat Folgendes geschrieben:
Danke, das mit der Freundin kenne ich übrigens sehr gut. ……. Eine Exfreundin hatte mir sogar angedroht, falls ich nicht aufhören sollte sie zu verbessern, würde sie sich von mir trennen.

Oha! Da geht’s mir mit meiner Freundin noch richtig gut. So lange sie mich noch liebevoll als „Klugscheißer“ tituliert, habe ich es vermutlich noch nicht übertrieben.

Ich bitte dich ... "Klugscheißer" ist heutzutage doch schon fast ein Kompliment! lol


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BeitragVerfasst am: 08.02.2008 20:46    Titel: Antworten mit Zitat

Sehe ich auch so. Dieses Wort habe ich auch schon oft an den Kopf geknallt bekommen.  Laughing

Diese Geschichte war mein Favorit, Mir. Ich finde, sie ist dir ausgezeichnet gelungen.
Ich finde auch den schnellen Wandel am Ende in Ordnung.
Wenn man erstmal eine Sache hinter sich gebracht hat (nämlich das Treffen mit der Ex-Frau), dann kann man auch endlich loslassen.
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BeitragVerfasst am: 08.02.2008 23:47    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Mir!

Zitat:
Zwar bin ich kein echter Düsseldorfer, sondern lediglich ein zugezogener Hesse, der vielleicht sogar aus beruflichen Gründen bald nach Köln zieht und die Stadt wirklich klasse findet, aber ich halte Kölsch ebenfalls nicht für Bier.


Das ist nicht dein Ernst, oder?
Guckst du hier!
www.koelsch-net.de

Zitat:
Irgendwie hatte ich dabei an Altbier gedacht, das zwar ein echtes Bier ist, in der Regel aber in winzigen 0,3 Liter-Gläsern ausgeschenkt wird.


Klein? In eine Kölschstange passen lediglich 0,2 Laughing

Komm, sieh zu, dass du nach Köln auswanderst.
Es wird dir gut tun! Daumen hoch

L.G.
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Elvis Brucelee
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BeitragVerfasst am: 10.02.2008 16:43    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Gabi hat Folgendes geschrieben:

Klein? In eine Kölschstange passen lediglich 0,2 Laughing


Kleine Dosis, eine Auflage des Gesundheitsamtes, damit nicht zuviel davon konsumiert wird.  Laughing

Gabi hat Folgendes geschrieben:
Komm, sieh zu, dass du nach Köln auswanderst.
Es wird dir gut tun! Daumen hoch
Gabi


Mal sehen ob es klappt. Hätte ich ehrlich nichts dagegen. Obwohl es da kein Alt gibt, schade eigentlich, denn in Köln kann man viel besser ausgehen.
Dagegen findet man in Düsseldorf übrigens überall Kölsch. Aber zum Alttrinken kann ich dann immer noch nach Düsseldorf, wenn ich meine Freunde besuche. Ansonsten trinke ich eben normales Pils, dat jibbet ja auch in Köln.
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Gabi
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BeitragVerfasst am: 10.02.2008 20:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Mir!

Zitat:
Obwohl es da kein Alt gibt, schade eigentlich, denn in Köln kann man viel besser ausgehen.
Dagegen findet man in Düsseldorf übrigens überall Kölsch.


Das sagt doch eigentlich alles, oder? lol


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