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Frauenschicksale in einer Großstadt.. Teil 1


 

 
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Lore
Geschlecht:weiblichAutor

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Beiträge: 946
Wohnort: Düsseldorf


Code Philomele
Frauenschicksale in einer Großstadt
BeitragVerfasst am: 18.09.2011 17:21    Titel: Frauenschicksale in einer Großstadt.. Teil 1 eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Aus dem Wettbewerb Lesetrip

Eine Episodengeschichte über neun Frauen, die in derselben Stadt leben, sich aber nicht kennen und ihr Geschick auf die unterschiedlichste Weise aufarbeiten.

Der besseren Lesbarkeit wegen wird die Geschichte in 3 Abschnitte aufgeteilt:
..................................................................................

Sophie (27)

Die Flucht war mir in der Nacht gelungen.
Ich hatte es nicht wagen können, mir Fluchtkapital zu beschaffen und auch meinen Wagen konnte ich nicht benutzen, die Sicherheitskräfte am Pförtnerhaus ließen mich nur passieren, wenn seine Erlaubnis vorlag.

Meine Schwester Marisa hatte dafür gesorgt, dass ich Aufnahme im Frauenhaus der nahen Kreisstadt fand.
Unförmig durch die drei Kleider und zwei Mäntel, die ich übereinander trug wie eine Zwiebel ihre Schalen, kam ich dort an. Rasch wurde die schwere Eichentür hinter mir geschlossen und ich wurde von einer Kaugummi kauenden jungen Frau in ein freundliches, warmes Zimmer
geführt, in dem eine Kaffeemaschine vor sich hin blubberte.
Mir war nicht nach einem gemütlichen Kaffeestündchen. Einem fremden Menschen das Martyrium meiner Ehe aufzuschlüsseln, war das Letzte wozu ich mich im Moment fähig fühlte.

Die junge Frau verwies jedoch nur bezüglich der Aufnahmemodalitäten auf den kommenden Tag, an dem die Leiterin der Hauses sich meiner annehmen werde.
Ich hinterließ Marisas Nummer und sank 5 Minuten später in dem kleinen Raum der mit zugewiesen wurde, in einen tiefen, erschöpften Schlaf.

Schon früh um sechs wurde ich durch lebhaftes Kindergeschrei geweckt.
Das Haus war ziemlich hellhörig und an Schlaf nicht mehr zu denken.
Ein Klopfen an meiner Tür und der laute Ruf * Telefon für Sie Frau Berkel* machte mich dann hellwach. Erschrocken sprang ich aus dem Bett und schon wurde ein schnurloses Telefon durch den Türspalt gereicht.
Keine Sorge, sagte die unbekannte Person hinter der Tür, es ist ihre Schwester, sie sind hier sicher.

Mit zitternden Beinen setzte ich mich auf die Bettkante und presste den Hörer fest an mein linkes Ohr. Das Rechte nahm nur noch Pfeiftöne wahr, seit Karl mich sehr schlagkräftig davon überzeugt hatte, dass kein Weib es je wagen würde, einen Mann wie ihn zu verlassen.

„Sophie, Sophie, Gott sei Dank, Du hast es also geschafft, ich habe kaum geschlafen heute Nacht, wie fühlst du dich Kleine?“

„Derzeit würde ich mich als insolvente Ich-AG bezeichnen,“ ich lachte bitter.
Außerdem werde ich es zunächst nicht wagen können, dieses Haus hier zu verlassen, um mich zu irgendwelchen Bewerbungsgesprächen aufzumachen.

„Daran denke auch zunächst gar nicht. Als Model wirst du ohnehin nicht wieder arbeiten können, damit stehst Du zu sehr in der Öffentlichkeit, er würde nicht einmal recherchieren müssen, um Dich zu finden, Deine einzige Chance ist es, Dich in einem Bereich zu etablieren, in dem er Dich niemals vermuten würde, also kannst Du nur
tiefstapeln.“

„ Ich kanns versuchen, nein ich muss es sogar, schließlich muss man von irgend etwas leben. Die Modelzeiten sind ohnehin passè , niemand wird einen derart beschädigten Kleiderständer einstellen.
Mit seinem finanziellen Hintergrund wird er aber kein Problem haben mich zu finden.
Ich denke also daran, auszuwandern und hoffe nur, das gelingt mir bevor er Wind davon bekommt, denn das bedeutete mein Todesurteil.“

„ Das sehe ich dann etwas anders, sagte Marisa wütend. Drohe ihm mit Enthüllungen über die Presse, wenn er Dich nicht in Ruhe lässt.“

Ich stieß hörbar die Luft aus, „aber Marisa, genau das wird er zu verhindern wissen. Die Presse in diesem Land gehört ihm entweder, oder er ist Anteilseigner. Keiner würde es wagen, auch nur einen Satz gegen den Finanzier ihres Blattes zu schreiben. Glaube mir, eine solche
Ankündigung würde allenfalls bewirken, dass er seine Bemühungen, mich mundtot zu machen, verstärken wird. Ich wage nicht einmal mir auszumalen, wie einfallsreich er dabei sein wird.“

„Wir müssen jemanden finden, der es wagt, gegen ihn zu ermitteln,“ antwortete Marisa, aber ihre Stimme klang schon weitaus weniger kampfbereit. „ So leicht ist es in diesem Land nun doch nicht, jemanden zu töten,“ setzte sie hoffnungsvoll hinzu.

„Vergíss es, „ seine Verbindungen zu Polizei und Justiz im ganzen Land sind ausgezeichnet. Was meinst du wohl, wer alles in dieses Netz aus Korruption und Bestechlichkeit verwickelt wurde, das ist ein Gebiet
auf dem er es zur wahren Meisterschaft gebracht hat.
Er würde sein Verhalten nicht einmal dann als Vergehen erkennen, wenn der Vatikan höchstamtlich den Kirchenbann gegen ihn ausspräche.“

„Na wundervoll, das solltest du auf seine Urne ritzen lassen.,, sagte Marisa und schnaufte durchs Telefon.

„Dazu müssten wir ihn allerdings vorher mit dem Traktor überfahren,“ sagte ich bemüht heiter und versuchte, mir das Gefühl der Ausweglosigkeit nicht anmerken zu lassen.
Ich wollte Marisa nicht allzu sehr in meine Schwierigkeiten hineinziehen. Ich erinnerte mich nur allzu gut daran, wie sie mich vor Karl gewarnt hatte.
In meiner Naivität hatte ich mich darüber hinweg gesetzt und rechnete es ihr hoch an, dass sie, als meine Qualen nicht mehr zu übersehen waren, zu keiner Zeit sagte „ ich habs doch immer gewusst.“

Es klopfte heftig an die Tür und ich beendete mein Gespräch. Ehe ich auch nur Gelegenheit fand etwas überzustreifen, stand eine korpulente Frau mittleren Alters im Zimmer. Ein Haarsträhne hatte sich aus ihrem
straffen Dutt gelöst, ihre blassblauen Augen blickten erschreckt und sie schwitzte deutlich.

„ Wer sind Sie,“ ihre Stimme war voller Panik .
„ Sie wurden mir als Sophie Berkel avisiert, aber wer ist der Mann vor dem Sie fliehen. Ich weiß nicht wie es geschehen konnte, aber er hat sie in diesem Haus bereits ausfindig gemacht. Gleichzeitig erhielt ich
einen Drohbrief, man werde mir das Haus überm Kopf anzünden, wenn ich den gestern Aufgenommenen weiter Unterschlupf gewähre.
Wer zur Hölle ist dieser Mann und welchen Einfluss hat er?“

„Karl Assenauer,“ ich sagte es schlicht und ohne jede sichtbare Gefühlsregung, „Berkel ist mein Mädchenname.”

„DER Assenauer“, die Frau ließ sich auf dem Bett nieder und sah aus, als verschlage es ihr die Sprache.

„Genau der“, ich wartete, obwohl ich wusste, was jetzt kommen würde.

„ Nun ja, dann muss ich wohl meine Aussage revidieren, Ihr Mann hat sie zwar ausfindig gemacht, aber mit der Androhung einer Feuersbrunst hat er ja wohl nichts zu tun, Ein Mann, der derartig in der Öffentlichkeit steht, würde ja nie...sie unterbrach sich und setzte
lapidar hinzu, „wir haben jede Menge wütender Ehepartner gegen uns, es muss aus diesem Umfeld kommen. Immerhin haben wir gestern drei Neuzugänge gehabt. Ich werde wohl die Kriminalpolizei wieder einmal informieren müssen.“
.
Es war also soweit, schneller als erwartet musste ich den Tatsachen ins Auge sehen.
Meine Chance zu entkommen war gleich Null.
Es gab in diesem Land keinen Schutz für mich.
Plan B musste ausgeführt werden, oder ich würde auf der Strecke bleiben.
Ich hielt noch immer das Telefon in der Hand, starrte eine Weile auf das Display und wählte dann entschlossen die Nummer, die in mein Gedächtnis eingebrannt war, obwohl ich mit allen Fasern gehofft hatte, sie nie eingeben zu müssen.

Am anderen Ende wurde so schnell abgehoben, als habe der Teilnehmer auf genau diesen Anruf gewartet.
„ Ihr habt freie Hand“, sagte ich und meine Stimme klang so rau und erstickt, als stecke mir ein Kloß im Hals. Ich wartete die Antwort nicht ab, sondern schaltete das Telefon sofort wieder aus.

Wann war das, was so wunderbar begonnen hatte, nur derart aus dem Ruder gelaufen.
Ich erinnerte mich noch genau an den Tag, an dem ich Karl zum ersten mal getroffen hatte. Es war so einfach, sich in ihn zu verlieben. Ich war Siebzehn und nur den Umgang mit unreifen, jungen Männern gewohnt
Und nun war da dieser Mann, fast fünfunddreißig, weltgewandt, erfahren und auf eine exotische Weise gut aussehend.

Ich hatte gerade meinen ersten Modelauftrag bekommen und schritt stolz, wenn auch noch etwas unsicher, über den Laufsteg. Er saß mit einer hinreißenden Blondine in der ersten Reihe , umgeben vom deutlich wahrnehmbaren Respekt der übrigen Besucher. Der Modeschöpfer stand devot hinter seinem Stuhl und machte ihn mit gedämpfter Stimme auf die
Besonderheiten seiner Kollektion aufmerksam.
Er gab nicht einmal vor zuzuhören, seine ganze Aufmerksamkeit galt mir.
Diese faszinierenden Augen verfolgten mich unablässig und als ich nach dem Schlussapplaus in der Garderobe aus dem Brautkleid geschält wurde, stand auf meinem Schminktisch ein Riesenstrauß blutroter Rosen, dem ein Kärtchen beigefügt war, auf dem nur ein Satz stand:
„Du wirst mir gehören.“

WOW, ich zitterte an allen Gliedern. Um mit einer derart Besitz ergreifenden Werbung umzugehen, hätte ich wohl weitaus erfahrener sein müssen. Nichts warnte mich.
Ich wartete, an diesem Abend ebenso wie in den darauf folgenden drei Wochen , aber er ließ nichts von sich hören.
Dass er in der Stadt war wusste ich, denn die Medien berichteten dauernd über ihn und die Blondine, die nicht von seiner Seite zu weichen schien.
Sein Verhalten als Taktik zu erkennen war ich nicht fähig und ging davon aus, dass seine Aufmerksamkeit und die Rosen lediglich einer Augenblickslaune entsprochen hatten. Ich wartete nicht mehr, aber mein Selbstbewusstsein erlitt einen spürbaren Dämpfer.

In der vierten Woche wurde in der kleinen Pension, in der ich damals wohnte, ein großer Karton mit einer roten Schleife für mich abgegeben.
Inhalt, eines der teuren Modellkleider, die ich auf der Modenschau getragen hatte, bei der wir uns zum ersten mal sahen.
Ein kleines Kärtchen lag dabei.
„Heute Abend 21 Uhr gebe ich einen Empfang in meiner Suite im Regent und erwarte Dich.
Ich war wütend... dachte er vielleicht, ich hätte nichts passendes anzuziehen.
Die zweite Gefühlsregung war Faszination, ich war geschmeichelt, da nahm mir jemand alles ab, gab sich eine Mühe, die ich nicht gewohnt war. Das diktatorische an der Einladung entging mir.

Der Raum in der feudalen Suite mit offener Dachterrasse war voller Menschen. Ein weißhaariger Gentleman empfing mich am Eingang und nahm mir den Mantel ab.

„Gestatten, Hartlieb, Herr Assenauer kommt in Kürze Fräulein Berkel, er lässt sich für ein paar Minuten entschuldigen, Geschäfte,“ murmelte er.

Geschäfte? Ich war enttäuscht, allzu wichtig schien er weder mich noch seinen Empfang zu nehmen.
Doch kaum hatte ich an der Bar Platz genommen, war er da.

Er schien den ganzen Raum zu dominieren.
Die Gespräche in unserer Nähe verstummten, als habe sie jemand abgeschnitten, die Anwesenden schienen uns aufmerksam zu beobachten.
Ich hielt damals für Neugier, was aus heutiger Sicht respektvolles Abwarten war.
Diese Menschen, fast überwiegend auf die ein oder andere Weise von ihm abhängig, orteten, ob etwa seine Favoritin gerade wechselte.

Wer war ich? VIP und somit zu hofieren, oder eine
Gelegenheitsgespielin, die man schnell vergessen konnte?

Karl führte mein Hand an seine Lippen, seine Augen tauchten tief in die meinen und er lächelte. Was er dann sagte, passte ganz und gar nicht zu diesem Lächeln.
„Wir haben uns verstanden Sophie, mein Anspruch auf Dich ist absolut, Du wirst mit keinem anderen Mann tanzen
bis ich meine Unterredung beendet habe. Felix wird inzwischen auf Dich aufpassen.“

Mit einer herrischen Kopfbewegung winkte er einen jungen Mann heran, der sich sofort beflissen erkundigte, was ich zu trinken wünschte.
Flucht lag mir unendlich fern. Ich wusste, dieser Mann akzeptierte keine Ablehnung, schon gar nicht von einer Frau.
Er hatte nur Sekunden gebraucht, mir das Gefühl zu geben, etwas unendlich Kostbares für ihn zu sein.
Heute weiß ich, ich lief in eine perfekte Falle, die ich keine Sekunde lang als solche wahrnahm.

Meine Erfahrungen auf sexuellem Gebiet hatten mich bisher glauben lassen, dass Sex zwar eine angenehmen Sache war, aber mehr auch nicht.
In dieser Nacht verfiel ich einem Mann, der mir zeigte was es bedeutet, sexuell kompatibel zu sein.

Am Morgen gab er mir ein Handy. „ Diese Nummer gib niemals weiter, ich will, dass Du auf diesem Gerät ausschließlich für mich erreichbar bist.

In meiner Verliebtheit hielt ich diesen Wunsch, der eher einem Befehl glich, noch für einen Beweis leidenschaftlicher Liebe. Ich erkannte keines der Warnzeichen.
Wir heirateten sechs Wochen später und wer Karl Assenauer wirklich war, sollte ich in den darauf folgenden drei Jahren mehr als schmerzhaft erfahren.

Zunächst aber hatte ich Mühe der Heimleiterin Rita Struck
klarzumachen, dass es auch unter Milliardären Sadisten gab.
„Nichts ist destruktiver als ein Finanzmagnat, dessen übersteigertes Ego derart aufgebläht ist, dass er davon ausgeht, andere, besonders aber Frauen, seien ausschließlich zu seiner persönlichen Befriedigung
auf der Welt und das Ego dieses Mannes würde glatt ein Sportstadion füllen, glauben Sie mir.
Aber vielleicht überzeugt sie etwas anderes mehr,“
ich rollte mit schnellem Griff mein T-Shirt hoch und gab den Blick frei auf meinen flachen Bauch voller kaum verheilter Narben.

Die Struck sog hörbar die Luft ein. Schweigend händigte sie mir dann die Hausordnung aus, erkundigte sich nur halbherzig nach meinen Plänen und ich merkte ihr deutlich an, dass sie mich liebend gerne am anderen
Ende der Welt gewusst hätte. Was ich ihr nicht einmal übel nehmen konnte, denn man musste kein Hellseher sein, um in meiner Anwesenheit eine Menge Schwierigkeiten für das Haus und seine Leitung zu erahnen.

Ein Assenauer würde nicht zulassen, dass ich von irgendwelchen Paparazzi dort aufgestöbert wurde und er somit in Erklärungsnot geriet.

Eigenartig wie ruhig ich jetzt war, obwohl ich genau wusste, wie der Tag verlaufen würde. Ein gesunder Zustand war das nicht und er würde auch nicht andauern, aber, er war nützlich, weil er mir erlaubte, so zu funktionieren, wie es gerade von mir erwartet wurde.
Niemand würde später sagen können, ich sei an diesem Tag durch Nervosität oder gar panisches Verhalten aufgefallen.
Ich konnte nichts mehr ändern, die Dinge würden ihren Lauf nehmen.
Ich ließ die letzten drei Jahre Revue passieren und versuchte den Zeitpunkt zu orten, an dem klar wurde, dass Karl ein Psychopath war.

Fast hatte ich mich daran gewöhnt, in einem goldenen Käfig zu leben, hielt für Fürsorge und Liebe, was Besitzerstolz war. Dass mein persönlicher Aktionsraum immer enger wurde fiel mir nicht auf. Ich hielt es für Zufall, wenn sich Treffen mit ehemaligen Freunden
zerschlugen und dachte an echte Besorgnis, wenn Karl mir sagte, dass ich als seine Frau dem Sicherheitskonzept folgen müsse, das er für mich aufgestellt hatte.
Erst als auch Marisa diesen extremen Einschränkungen zum Opfer fallen sollte, rebellierte ich.
An diesem Tag stritten wir uns zum ersten mal und dieser Streit endete damit, dass er mir auf eine Weise zeigte, wie sehr er mich als seinen Besitz betrachtete, die mich entsetzt und hilflos zurück ließ, er vergewaltigte mich.

Die Machtverhältnisse in unserm Haus schienen
danach ein für alle mal geklärt zu sein. Er gab sich nie wieder die Mühe, mir seine Anordnungen zu erklären, oder um Verständnis zu bitten, er befahl und ich gehorchte, denn das geringste Aufbegehren endete für mich mit Demütigungen und körperlichen Schmerzen.

Außerhalb des Hauses, bei unseren gesellschaftlichen Verpflichtungen war ich das Kleinod an seiner Seite, das er mit fast krankhaft anmutendem Stolz vorführte.

Und dann kam der Tag, den ich nie vergessen werde.
Ich wurde zufällig Zeuge eines Telefonates, das mich vor Entsetzen erstarren ließ.
„Stellen Sie sich nicht so an,“ schrie er ins Telefon,
„ ich erwarte, dass Sie in diesem Drittland die Voraussetzungen für den Absatz unserer Pharmazieprodukte schaffen und wenn Sie dazu eine Epidemie auslösen müssen, dann tun sie das verdammt noch mal.
Ich schicke Ihnen zur Unterstützung meinen Majordomus Hartlieb, das ist ein Mann, dem ich voll vertraue, er beseitigt was meine Pläne stört .“

An dieser Stelle klang seine Stimme derart drohend, dass ich mir die Panik des Teilnehmers am anderen Ende der Leitung ohne Mühe vorstellen konnte.
„Und was Sie betrifft, vergessen Sie nicht, Menschen kaufe ich täglich und auch Sie hatten ihren Preis.“

Er knallte den Hörer auf die Gabel und dann sah er mich.
Sein Lächeln war sardonisch. „Glaubst Du etwa immer noch, Du hättest nicht auch Deinen Preis gehabt. Leider stellt sich immer mehr heraus, dass Du ihn nicht wert warst. Es macht keinen Spaß mehr Dich zu besteigen, da kriege ich in jedem Bordell weitaus Besseres geboten.“

Er lachte zynisch und sagte dann mit zusammen gekniffenen Augen, „ vielleicht wäre etwas Nachhilfeunterricht in diversen Praktiken geeignet, Schwung in unser Sexleben zu bringen, halte Dich also bereit, ich werde heute Abend zwei weibliche Gäste mitbringen.“

Ich hatte wie gelähmt in der Tür gestanden, erst jetzt fand ich meine Stimme wieder.
 „ Wenn ich Dir so zuwider bin, lass mich doch gehen,
ich verspreche, kein Wort über dieses Haus und unsere Ehe
auszuplaudern.“

Mit einem Satz war er bei mir und schlug zu, härter, erbarmungsloser als je zuvor.
„Niemand geht, keine Frau verlässt einen Karl Assenauer,
mein Eigentum bleibt mein Eigentum, bis ich es selbst entsorge.“

Als er endlich von mir abließ, lag ich am Boden, blutete aus Nase und Mund und mein rechter Arm sah seltsam verrenkt aus.

Es war sein Majordomus Hartlieb, der die Wende brachte. Der Mann, der – wie ich ja nun wusste - für ihn morden würde.

Er hatte bis zu diesem Zeitpunkt mehrfach mit großem Geschick meine Blessuren behandelt. Er schiente meinen gebrochenen Arm und versorgte ihn fachgerecht.
Als ich endlich, von Schmerzmitteln halb betäubt, in meinem Bett lag, sagte er leise;

„Sie können nicht entkommen solange dieser Mann atmet, er pflegt Abtrünnige zu vernichten.
Wenn sie bereit sind, die daraus erwachsenden Konsequenzen zu ziehen, dann können Sie sich befreien, vorher nicht.“

Er verließ das Zimmer und ich starrte ihm mit offenem Mund hinterher.
Beim nächsten Verbandwechsel tat Hartlieb so, als interessiere ihn nur der Zustand meiner Verletzungen. Ich aber hatte zitternd vor Ungeduld auf sein Erscheinen gewartet.
„Ich bin bereit“. Ich schrie es fast und er sah sich hastig um, ob jemand diesen Ausbruch gehört haben konnte.

„Psst,“ zischte er und drückte mir ein Kärtchen in die Hand, „rufen Sie hier an und sorgen Sie dafür, dass dieses Telefonat nicht mitgehört werden kann,“

Verwirrt starrte ich auf eine Visitenkarte mit dem Aufdruck:

Wir bieten Ihnen eine Alternative zum Selbstmord 34589
Alternative? Wie konnte irgend jemand wissen, wie nahe ich daran war, dieser Ehehölle auf eine Weise zu entkommen die endgültig war und mich sogar einem Karl Assenauer für immer entziehen würde, ohne dass er
etwas dagegen tun konnte.

Aber welches Interesse hatte Hartlieb daran, mir einen Ausweg zu zeigen.
Zumindest das erfuhr ich sehr schnell.
Hartlieb wollte aussteigen, er hatte sich offen geweigert, durch das Aussetzen von Viren die Voraussetzungen für den Einsatz pharmazeutischer Produkte aus dem Assenauer Konzern zu schaffen, wohl wissend, dass er damit für einen Mann wie Karl Assenauer nicht nur
unbrauchbar, sondern auch gefährlich wurde.

Er hielt es nur für eine Frage der Zeit, auf eine Weise abserviert zu werden, die ihn erheblich mehr kosten würde, als nur sein gesichertes Einkommen.

Ich handelte, als ich erfuhr, dass meine Vorgängerin, die hinreißende Blondine, nicht etwa zu neuen Ufern aufgebrochen, sondern von Karl in die Psychiatrie eingewiesen worden war.
Erst das ließ mich das Ausmaß seiner Störung, aber auch die Macht realisieren, die es ihm erlaubte, solche Maßnahmen ungestört durchziehen zu können. Es gab ersichtlich niemanden, der es gewagt hätte sich ihm in den Weg zu stellen, oder seine Aussagen anzuzweifeln.

Mein Telefonat mit 34589 war gespenstisch.

Ich sprach mit einem Computer. Schon als ich meinen Namen sagte, wurde ich weitergeleitet, allerdings erneut zu einem Computer, der seltsam abgehackt nur zwei Sätze sagte.
„ Ihr Anliegen ist bekannt, sollten Sie sich in Lebensgefahr befinden drücken Sie die EINS.
Entschlossen drückte ich die EINS.

Wieder die Computerstimme seltsam verfremdet: „Verlassen Sie das Haus, halten Sie sich 2 Tage an einem sicheren Ort auf, an dem Sie trotzdem von vielen Menschen gesehen werden. Bestätigen Sie von dort aus durch einen Anruf, ob Sie nach wie vor verfolgt werden, erst dann
werden wir tätig.
Und schon wurde aufgelegt.

Man schien davon auszugehen, dass Anrufern bekannt war, dass hinter der Rufnummer eine Organisation stand, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, verbrecherische Zeitgenossen aus dem Weg zu räumen, die sich
jeder weltlichen Strafverfolgung entziehen konnten.

Hartlieb hatte zwar den Kontakt hergestellt, wäre allerdings als Auftraggeber von dieser auch ihm unbekannten Gruppe niemals akzeptiert worden. Das
entscheidende Signal musste von einem Menschen ausgehen, der sich in direkter Lebensgefahr befand.

Ich hatte heute dieses Signal gegeben.

Karl Assenauer war an diesem Abend Thema in allen Medien. Der Milliardär und Medienzar war mit seinem Privatflugzeug beim Start auf ungeklärte Weise abgestürzt, niemand hatte ihn aus der Maschine, die
sofort in Brand geraten war, retten können.

Mein Leben lag klar vor mir.
Ich würde schreiben.
Jemand hatte einmal gesagt, wer seine Kindheit überlebt, der hat für den Rest seines Lebens genug zu schreiben.
Ich würde herausfinden, wie produktiv jemand war, der auch noch einen psychopathischen Ehemann überlebt hatte.


…………………..
Annette (35)

"Aber klar, rief er durch die offene Tür, "das mache ich sofort, direkt nachdem ich damit fertig bin, das Rote Meer zu teilen."

Na die Sprüche kannte ich ja schon, nichts würde passieren, wie immer.
Erneut dachte ich resigniert darüber nach, ob Nieten mein
unabänderliches Schicksal sein und bleiben würden, solche, die außer tollem Wortgeklingel nichts drauf hatten und dem schon gar keine Taten folgen ließen.
Womit er diesmal beschäftigt war, konnte ich deutlich aus dem Nebenzimmer hören, auch wenn er den Sportkanal ziemlich leise gestellt hatte.

"Gehst Du schon mal auf Friedhöfe?" Ich stellte mich in den Türrahmen und setzte mein harmlosestes Gesicht auf.
"Und ist Dir da auf Familiengräber noch nie aufgefallen, welche erstaunlichen Schlüsse man aus Sterbedaten ziehen kann?
Stirbt der Mann zuerst, dann lebt die Frau sehr oft noch lange Zeit danach, manchmal sogar Jahrzehnte.
Stirbt aber die Frau zuerst, dann liegen zwischen den Sterbedaten sehr oft nicht mehr als zwei Jahre."

Aufgeschreckt sah er mich an. " Geht’s Dir nicht gut?"
Und dann mit einem beruhigten Blick auf meine offensichtliche Unversehrtheit;
" Du bist mal wieder so ausgelassen, wie bei der
Abschlussveranstaltung des Sanitätsfachhandels, Deine Witze verlieren
Niveau".
"Witze? Dem ist so Kerlchen, darüber darfst Du jetzt mal Betrachtungen anstellen, es kann durchaus sein, dass die damit enden, Dich von Deinem ehemaligen Knackarsch zu erheben und endlich den Garten winterfest zu machen, bevor die Maiglöckchen drücken.
Denn merke, Bewegung ist das A und O eines sportlich gesunden Lebens."

Mein Lebensabschnittsgefährte lag hin gegossen auf dem Sofa, und verströmte Attraktivität und Glamour der Preisklasse häuslicher Penner.
Er trug einen schlabberigen Jogginganzug , mit ausgeleierten Bündchen an Hose und Ärmel, sein Kinn hatte schon mehr als drei Tage keine Klinge mehr gesehen und seinen Bauchansatz der Kategorie *Waschbrett*
zuzuordnen, hätte mehr Fantasie erfordert, als ich gerade aufbringen konnte.
Seit er sich bei mir einquartiert hatte, sah ich ihn kaum anders.

" Ich habe andere Stärken", sagte er und sah mich mit dem lüsternen Sonntagnachmittag-Blick an, der zu eindeutig war, um noch Vermutungen auszulösen.

"Aber ja," ich war nicht gesonnen mich ablenken zu lassen. "Deine Genialität ist sprichwörtlich, leider passiert damit nur nie etwas, außer dass sie Dir aberkannt wird.
Wars nicht erst gestern das Finanzamt, dass Deine Steuerklärung in die Sparte außergalaktische Projekte eingeordnet hat?"

Er gähnte ausgiebig. " Es kann einem nicht alles im Leben gelingen.

Man soll das Jahr nicht mit Programmen
beladen wie ein krankes Pferd.
Wenn man es allzu sehr beschwert,
bricht es zu guter Letzt zusammen."


dozierte er und sah aus, als sei der Kästner-Spruch zu seiner Lebensphilosophie geworden, einer, die er sich keinesfalls ausreden ließe, es sei denn durch ein sonntägliches Schäferstündchen.
Meine Absichten allerdings, die würden an diesem schönen Sonntag ganz gewiss nicht mit seinen übereinstimmen.
Es gab nichts mehr, dass mich zu Stürmen des Begehrens hingerissen hätte.

In meinem Fall wurde dieses Gefühl wohl doch mehr vom Kopf als von den Hormonen gesteuert, denn ich war gerade dabei, ihn in seine intellektuellen Bestandteile zu zerlegen und das Ergebnis war niederschmetternd.

Ich hatte den mir unbekannten, gut aussehenden Mann maßlos bewundert, als er in einem politischen Gesprächskreis das nervige Gelaber irgendwelcher Politprofis einfach mit dem Satz unterbrach, das
umstrittene Land existiere seit Jahrmillionen, darüber zu streiten, wem es gehöre, sei ungefähr so sinnvoll,
als stritten sich zwei Flöhe darüber, wem der Hund gehöre, auf dem sie gerade sitzen.

Natürlich hatte er die Lacher auf seiner Seite .
Die bereits gelangweilte Zuhörerschaft – mich eingeschlossen – hätte in dem Moment jedem begeistert zugehört, der die Dinge so leicht auf den Punkt zu bringen vermochte.
Wer kann sich schon allen Ernstes der Tatsache verschließen, dass bilaterale Kämpfe um Landbesitz, bei denen keine der beiden Seiten je siegen wird, schon immer idiotisch waren.

In der Folge lernte ich ihn als einen aufgeschlossenen und ungeheuer schlagfertigen Mann kennen und verliebte mich Hals über Kopf in die Leichtigkeit, mit der er das Leben zu meistern schien.
Es dauerte, bis mir klar wurde, dass der Mann, den ich mir da ins Haus geholt hatte, ein intellektueller Trockenpisser der Sonderklasse war.

Er hatte einfach nur ein gutes Gedächtnis und das ließ ihn zu allen Situationen des täglichen Lebens irgendwelche Sprüche absondern, die aber alle nicht auf seinem geistigen Humus gewachsen waren.
Er adoptierte sie für passende – leider auch unpassende – Situationen und streute sie dann mit leichter Hand ins Gespräch.
Absolut hinreißend in einer Runde, in der Unterhaltung und Amüsement gefragt waren, aber tödlich dann, wenn es darum ging, diesen Sätzen Überlegungen folgen zu lassen, die zu Problemlösungen beigetragen hätten.

Dann war der schöne Leo nicht zuständig, er wurde fast unsichtbar in solchen Gesprächsrunden und sprach ihn jemand direkt an, kam nicht selten der Satz ; " vergiss Deine Frage nicht, ich bin gleich wieder da".

Weg war er, und wenn er wieder auftauchte, war das Gespräch entweder weitergerollt, oder aber er gab ihm geschickt eine neue Wendung.
Leo war also nicht dumm und...er kannte auch seine Fähigkeiten, wusste, dass er die weltpolitischen Zusammenhänge weder kannte, noch sich je dafür interessiert hatte und so war es mit vielen,
zu vielen, anderen Themen ebenfalls.

Darüber, wie er in die Führungsetage einer Großbank gekommen war, gab es unterschiedliche Versionen, aber keine davon bescheinigte ihm außergewöhnlichen Fleiß, oder ein bemerkenswertes Talent, wirtschaftliche Zusammenhänge zu erkennen und sie umsetzen zu können.
Aber Leo Herbstreit hatte einen Blick für Könner auf diesem Gebiet und Dank seiner außerordentlichen Gabe auf dem gesellschaftlichen Parkett gewann er diese Leute für sich und musste nun nur noch darauf achten, dass sie in allen wichtigen Geschäften seine Berater blieben.

Ich weiß nicht, wie lange es dauerte, bis ich erkannte, dass er ein echter Schmarotzer war und dazu auch noch einer von der hartnäckigen Sorte, er ließ sich nicht abschütteln.
Zumindest dann nicht, wenn der Nutzen, den er aus seiner
Hartnäckigkeit zog, größer war als der zu erwartende Ärger.

Er war also auch nicht gesonnen, meine immer deutlicher werdende Kritik ernst zu nehmen.
Ich deckte unter seinen Bedürfnissen die Sparte Sexualität ab, das reichte ihm, eine Trennung gar nicht erst ins Auge zu fassen.

Für mich wurde er immer mehr zum unliebsamen Kostenfaktor, ich zahlte für ETWAS, das ich schon lange nicht mehr bekam, eigentlich, die rosaroten trügerischen Anfangsphasen unserer Bekanntschaft ausgenommen, auch nie bekommen hatte.

Meine sexuelle Verweigerung war zwar erst jüngeren Datums, aber wenn ich daraus nicht eine Endlosschleife machen wollte, musste ich stärkeres Geschütz auffahren, Leo reagierte auf Entwicklungen, die nicht in seinem Sinne verliefen selten bis nie.

" Wieso hast Du Dich denn so in Schale geschmissen".
Er sah mich bewundernd an.
" Du siehst aus, als hättest Du vor die Party der Saison zu besuchen, Desdemona?
Komm her, ich zeige Dir, wie Leidenschaft ein Partyoutfit verändert, fünf Minuten und Dein Othello macht Dich mal wieder zur willenlosen Sklavin."

Ich unterdrückte einen jähen Lachreiz.
Er hatte sich aus seiner liegenden Stellung aufgerichtet, versuchte vergebens meine Hände zu erhaschen und über seine ausgeleierte Hose quoll ein weißlicher Speckrand.
 
Es musste sein, jeder Zweifel, ob das, was ich ihm nun antun würde, nicht doch zutiefst boshaft war, verließ mich.

Es klingelte lang anhaltend an der Tür.

" Du hast allenfalls noch 30 Sekunden, Dich entweder in Sicherheit zu bringen Leo, oder die Flucht nach vorne anzutreten.
Ich besuche nicht nur die Party der Saison, sondern ich veranstalte sie gerade.
Die ersten Gäste sind schon da mein Bester,
Du kannst sie gern begrüßen, Dein Boss und seine Gattin werden sicher höchst erfreut sein, festzustellen, wie relaxed Deine Sonntag-Nachmittage
aussehen.".
Ich öffnete weit die Flügeltür zur Diele und warf Leo der VIP-Elite unserer Stadt zum Fraße vor.


………………………
Christine (60

Die ersten Tage im Netz entbehrten nicht einer gewissen Komik.
Es dauerte, bis ich verinnerlichte, dass der jeweilige
Gesprächspartner mich nicht sehen konnte, ihm also verborgen blieb, wenn ich ab und an kleine Unmutslaute von mir gab, wilde Flüche ausstieß oder auch nur verächtlich die Achsel zuckte.
Es war arg viel menschlicher Schrott, worauf ich da bei meinen nächtlichen Exkursionen stieß, aber es ergab sich auch eine Menge Heiterkeit und Spaß.

Die Fähigkeit, Menschenkenntnis auch ohne den direkten Blick, allein anhand schriftlicher Äußerungen zu praktizieren, wurde immer ausgeprägter.
Schon nach weniger als drei Monaten wusste ich, wann es sich lohnen würde, nähere Mailkontakte aufzunehmen, oder weiterzuschlendern wie auf einer überdimensionalen Spielwiese, auf der schon hinter der nächsten Ecke
Neues, Innovatives und Spannendes lauerte.

Trotzdem machte ich Fehler.

Ich hielt mich etwas zu lange mit absoluten Blindgängern auf, verschwendete meine Zeit mit Geplänkel und merkte zu spät, dass dies alles bleiben würde, was von der Gegenseite zu erwarten war.
Im gleichen Moment, in dem ich meinen Wunsch nach Gedankenaustausch nicht auf den Austausch von Körperflüssigkeiten ausdehnen mochte, verschwanden die jeweiligen Aspiranten durch einen imaginären Gully in
den Untergrund, wo sie wahrscheinlich auch hingehörten.

Eine skurrile Bühne, spannend und manchmal erschreckend abstoßend.
Nach kurzer Zeit setzte ich an den Beginn jedes ernsthaft geplanten Kontaktes eine Angabe über mein Alter und den Satz " persönliche Treffen nicht erwünscht".

Wirkte aber nicht immer.

Gott sei Dank, sage ich heute, denn die Menschen, die trotzdem zu Freunden wurden, ließen sich davon zum Glück weder beeindrucken noch abschrecken.
Selbst achtete ich sorgsam darauf, wie lange eine neue
Mailbekanntschaft brauchen würde, um sich vorsichtig in die Nähe sexuell gefärbter Statements zu hangeln.
Geschah dies innerhalb der ersten fünf Mails, war der Aspirant durchgefallen und wurde unverzüglich ausgemustert.
Brauchte er zehn Mails, schlängelte sich aber trotzdem von Mail zu Mail näher in diese Richtung, ließ ich die Bekanntschaft gelassen versanden und antwortete irgendwann nicht mehr.

Bis Cyrano auftauchte.

Schon seine erste Mail faszinierte mich, er plumpste in mein Fach wie ein Überraschungs-Ei, fröhlich, unbekümmert und irgendwie nicht auszuloten.
Ich kreuzte die Daumen, hoffend, seine erkennbare Freude an nächtlichen Fahrten auf dem Gedankenkarussell mit einer Unbekannten würde nicht auch irgendwann der üblichen triebgesteuerten Soße weichen.

Ich lief zu großer Form auf, dieser Mann war eine Wucht.
Er schien schon zu ahnen, was ich sagen wollte, da kämpfte ich noch um die jeweilige unmissverständliche Formulierung.
Ich segelte auch hier nicht unter falscher Flagge, aber die Tatsache, dass er eine Generation jünger war als ich, störte ihn nicht die Bohne, das war's also.
Die intellektuelle Chemie stimmte, und die virtuelle damit auch.

Cyrano, ein schillerndes Paket männlichen Charmes und scharfer Beobachtungsgabe.
Er war ein stetiger Quell intellektueller Anregung gewesen.
Schade, dass es so ausgehen musste. Denn als er begann, mir angebliche Intimitäten aus seinem Bekanntenkreis zu berichten, reagierte ich einfach nur zickig, und anstatt ihn verbal zu schütteln wie einen jungen Hund, beendete ich die Verbindung etwas abrupt.

Ich vermisste ihn lange Zeit.
Mir fehlte seine Fröhlichkeit, der manchmal erbarmungslose Blick auf die Geschehnisse des Tages, die er mit hintergründigem Witz zu kommentieren pflegte, seine Belesenheit und das Wissen um die
menschlichen Schwächen, das viel eher zu einem viel erfahreneren Mann gepasst hätte.

Kurzum, ich trauerte einem Kontakt hinterher, den ich, mit etwas weniger Angst vor den von allen Seiten heraufbeschworenen Fallen für weibliche Wesen, leicht hätte in mir genehme Bahnen lenken können, ohne ihn zu verletzen.

Also auf zu neuen Ufern, denn der Mensch, einen Fehler einzugestehen und die Verbindung wieder aufzunehmen, der war ich nicht, und das wusste ich auch.
Monate vergingen; ich war längst integriert im Netz meines Providers, hatte eine Menge Spass, ärgerte mich auch gelegentlich, dass mir der virtuelle Kragen zu platzen drohte, aber als ich auf die "Literaten"
stieß, alles offensichtlich ebenso Schreibbegeisterte wie ich, war alles in Butter.
Ich konnte fabulieren nach Herzenslust, mich davon überzeugen, dass woanders auch nur mit Wasser gekocht wurde, und meine Mailkontakte intensivieren.

Es wurde etwas hektisch in meinem "Briefkasten" aber das wars, was ich wollte:
Buntheit zulassen, auch um den Preis, gelegentlich auf Kotzbrocken, Sonderlinge oder Mimosen zu stoßen, es gab sie alle und es kostete immer weniger Zeit, sie auszumustern.
Heute kann ich behaupten, in zwei Jahren User-Leben mehr über Menschen gelernt zu haben als in all den Jahrzehnten zuvor.
 
Und dann veränderte sich alles, der virtuelle Himmel brach über mir zusammen.

Jemand aus dem Kreis der Senioren schrieb mich an, er brauchte Hinweise, auf welchem Wege man am leichtesten die Newsgroups offline lese und kommentiere, er war neu im Netz - und schien erkennbar Hilfe zu schätzen.
Dergleichen hatte ich schon öfter gemacht und erledigte die Fragenliste ziemlich schnell und prompt.

Sein Dank kam auf der Stelle, und zwar in Versform.
Heiter, treffend formuliert und mit dem hintergründigen Witz, den ich so liebte.
Potz Blitz, ich war auf der Stelle hellwach.
Ein Feuerwerk reinster Wortakrobatik war die Folge, der Knabe war mir über und ich hatte Mühe, seinen Gedankensaltos zu folgen.

Schon bald tanzten wir miteinander den nächtlichen Ideen-Czardas, dass die Bits und Bytes nur so staubten.
Ich wollte zuerst gar nicht wissen, wer er ist, wie er lebt und was ihn dazu trieb, jede Nacht Punkt 24 Uhr meinen Organizer mit den tollsten Geschichten zu füllen, bis der schier aus den Nähten zu platzen drohte.

Ich verglich ihn nicht eine Sekunde lang mit Cyrano, er war völlig anders, tiefgründiger, fähig, innerhalb kürzester Zeit die Stimmung - und zwar meine - wie ein hochempfindlicher Seismograph zu erfassen und
sich darauf einzustellen.
Was nicht hieß, er hätte mich immer zart angefasst, bei Gott nicht.
Zuweilen erreichte mich eine geharnischte Gardinenpredigt, und zwar immer dann, wenn er behauptete, ich hätte ein anstehendes Problem nicht gründlich erfasst. Dann wurde er wild, beschuldigte mich
einer unerträglichen Faulheit des Denkens, die man sich in unserem Alter nicht mehr leisten dürfe, und das waren dann eigentlich die einzigen Gelegenheiten, in denen er mir einen kurzen Blick auf sich selbst erlaubte.
"In unserem Alter" - das hieß also, er war ebenfalls über sechzig?
Aber wenn ich gezielt nachfragte, hieß es jedes mal, "Ist das wichtig??"
NEIN, es war nicht wichtig, es war so was von schnurzegal, dass ich aufhörte, überhaupt über ihn als Mann nachzudenken, der absolute Glücksfall harrte meiner Nacht für Nacht im Organizer.

Ich las zuerst alle anderen Mails und sparte mir die seine auf bis zum Schluss. Damit verlängerte ich meine Vorfreude, wie ich es früher als Kind vor dem Öffnen meiner Geschenkpakete getan hatte.
Inzwischen spielten sich rings um mich herum andere Schicksale ab.
Freunde aus dem Mailkreis verschwanden wieder, andere gingen reale Partnerschaften ein, und ich nahm an allem teil, bezog Stellung zu dem, was da angeflattert kam und fühlte mich oft wie eine der Briefkastentanten aus dem Illustriertendschungel.
Ich wurde zu einer Art Anlaufstelle für Probleme jeder Art, und niemand ahnte, dass ich oft ebenso ratlos war wie Jene, die nicht weiter wussten.

Aber...ich hatte ja IHN!
Ihn, mit dem ich absolut jedes anstehende Problem besprach und immer zu einer annehmbaren Lösung kam.
Seinen wirklichen Namen kannte ich nach einem halben Jahr immer noch nicht, auch das gehörte zu den Dingen, die er unwichtig fand.
Hatte ich nicht gleich nach der ersten Mail gesagt, "Sehen werden wir uns nie", ein Spruch, den ich immer abließ, denn was ich wollte, war nicht gelebte Realität, sondern nur die Gedanken und Gefühle eines Menschen, und dieses Menschen im Besonderen.

Alle meine Mailpartner lernten sich durch meine Vermittlung mit der Zeit untereinander kennen. Auch da entstanden wundervolle Freundschaften, denn ich achtete bei der Zusammenführung darauf, dass die Chemie stimmte, es gab keine Fehlschläge.

Aber einen, diesen einen, diesen absolut wundervollen und geliebten Kontakt, den war ich nicht bereit zu teilen. Diese Verbindung hütete ich wie den imaginären Inkaschatz, nie drang in anderen Mails ein Wort
über IHN nach draußen.

Dann kam die Nacht, in der er mich bat, ihn PUNCH zu nennen.
Warum PUNCH?
Völlig klar, es charakterisierte ihn absolut treffend, es ist im Englischen sowohl die Bezeichnung für "Hanswurst" oder "Kasper", bedeutet aber ebenso Schlagkraft, Energie und Schwung; es war perfekt.

Wir kannten uns nun ein volles Jahr. Langsam, unendlich langsam, flossen immer mehr persönliche Dinge in unsere Korrespondenz ein.
Ich war zwar sicher, dass es dessen nicht mehr bedurfte, denn wir schienen bereits alles intuitiv voneinander zu wissen. Er nannte mich zuweilen seinen geistigen Zwilling, und das betraf durchaus auch meine
dunklen Seiten, die zu verbergen mir immer weniger gelang.
Es war einfach nicht nötig, mich vor ihm in acht zu nehmen, ich durfte mich auf eine Weise gehen lassen, die ich nie zuvor gekannt hatte.

Punch verstand, er reflektiert meine Gedanken auf eine so hinreißende Weise, dass ich nicht einmal versucht haben würde, ihm etwas vorzumachen.
Dabei ertappte er mich nicht nur jedes mal, sondern es gab dann auch eine so knochenharte Retourkutsche, dass es mir zuweilen die virtuellen Schuhe auszog.
Ich musste mich nicht produzieren, ich brauchte ihm nicht zu erzählen, dass ich in einer Situation eine gute Figur gemacht hätte. Punch wusste, wann ich angab wie ein Sack Seife, und er ließ es niemals durchgehen.

Irgendwann sah ich mich mit seinen Augen.
Ob mir das immer gefiel, was ich da sah?
Sicher nicht, aber Punch meinte nur völlig ungerührt:
"Das bist du, lerne dich zu lieben, denn anders wirst du nicht mehr."

Bautz....wollte ich das?

Wollte ich nicht viel eher von ihm geliebt werden?
Wann dieser absolut aufregende Gedanke zum ersten Mal auftauchte, weiß ich nicht mehr so genau. Aber da war er, grinste mich an und hatte nicht die Absicht, sich zu trollen.
Die Schmetterlinge im Bauch, sie tauchten auf, als wir uns bereits seit achtzehn Monaten schrieben...und...sie blieben, hartnäckig flatternd, nicht bereit, sich im geringsten davon beeinflussen zu lassen, welche realistischen Einwände ich gegen sie aufmarschieren
ließ.
Großer Gott, was nun?
Dergleichen hatte man einfach in meinem Alter nicht mehr zu fühlen, absolut idiotisch, so was passierte MIR doch nicht!
Auf der Stelle versuchte ich, den Kontakt abzuwürgen, ich meldete mich wegen einer Kurzreise bei Punch für eine Woche ab und dachte intensiv nach.
Es gab keinen einzigen Anlass, ihm gegenüber je meine Gefühle, derer ich mir nicht einmal sicher war, auch nur zu erwähnen, das war real.
Im Gegenteil, sie nicht zu verschweigen konnte bedeuten, etwas unsäglich Wundervolles zu verlieren...wirklich?
Befürchtete ich das?
Aber war ich nicht jemand, der offene Fragen niemals offen lassen konnte?
Würde ich nicht todunglücklich sein, nicht mit letzter Sicherheit zu wissen, ob meine Gefühle erwidert wurden? Mehr noch, wusste ich nicht ganz genau, dass ich nicht eher aufgeben würde, bis ich genau dies herausgefunden hatte?

Das Spiel konnte beginnen, das Kreisen und Tändeln, das Suchen und Hervorlocken, jede Frau kennt es und wendet es an.
Aber ich war in einer beschissenen Lage, all das konnte ich nicht bei einem realen Gegenüber einsetzen, sondern ich würde es schriftstellerisch umsetzen müssen, eine virtuelle, verbale Verführung also.

Also nein, das war doch nun absolut nicht mein Stil...war es nicht?
War ich denn je in einer solchen Situation gewesen?
Natürlich nicht, also Neuland, muss auch mit neuen Mitteln erobert werden. Basta.

Als ich nach Hause kam, stürzte ich zum PC, er würde doch...
Ja, da war eine Mail von ihm, aber nur eine.

Mein Herz schlug wie wild, aber ich rief sie nicht zum "Lesen" auf, diese Mail.
Sie schien sehr kurz zu sein, was man zumeist schon feststellt, wenn sie vom Kurierdienst in den Organizer übertragen wird.
Eine ganze Woche Enthaltsamkeit und nur eine Mail von Punch, das schien mir kein gutes Zeichen.
Ich packte meine Reisetasche aus, und jedes mal, wenn ich im Vorbeigehen etwas in Schublade oder Schrank einräumte, fiel mein Blick auf den Monitor, auf dem sich längst der Bildschirmschoner eingeschaltet hatte.

Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus, murmelte etwas von "blöde Gans" und "alte Scheunen brennen am heftigsten" in mich hinein und drückte entschlossen den "Öffnen"-Button.

Es war nur ein Satz, den Punch in übergroßen Buchstaben hinterlassen hatte - und das mit dem Datum des Tages meiner Abreise.
Da stand in Riesenlettern:

Wieso brauchst Du solange um endlich zu begreifen, dass wir uns
lieben..
Cyrano, genannt Punch

Wir trafen uns zwei Wochen später.
Ein stürmischer, eiskalten Dezembertag und ich stand vor Kälte zitternd auf dem Bahnsteig, um den Mann meiner Träume abzuholen.
Der Wind trieb mir die Tränen in die Augen und ich war sicher, dass mir bald die tief gefrorene Nasenspitze abfallen würde, sonderlich attraktiv fühlte ich mich nicht.
Und da war er, ich sah ihn über die ganze Länge des Bahnsteiges auf mich zukommen als sei das die selbstverständlichste Sache der Welt.
Als sei ich unter den vielen Menschen die einzige Person, die ihn erwarten könne.
Und dann ...öffnete er den dicken Wintermantel, ich konnte gerade noch das Fellfutter erkennen, und schon kam er mit weit geöffnetem Armen und einem ebenso weit geöffneten Mantel auf mich zu und schloss mich
in Arme und Mantel ein, warm, unendlich vertraut.
Der männliche Duft von BRUT umfing mich, ich fühlte mich auf eine Weise angekommen, wie ich sie nie zuvor kannte.



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BeitragVerfasst am: 19.09.2011 10:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lore!

Ich hab deine erste Geschichte gelesen und fand sie sehr gut!
Spannend geschrieben, packend und auf sehr mitfühlende Weise. smile

Aber kann es sein das beim einstellen etwas mit der Formatierung durcheinandergekommen ist?
Ich fand es ein wenig verwirrend das die Zeilen und auch die Zeichen verrutscht sind.

Werd auf jeden Fall gerne weiterlesen!

Lieben Gruß
Micki


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Lore
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Code Philomele
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BeitragVerfasst am: 19.09.2011 11:00    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Micki

Das freut mich, dass Du Dich unterhalten gefühlt hast und ich hoffe, das bringen Dir dann auch die anderen Episoden.

Und JA, die Formatierung ist eine Kastastrophe, ich hoffe, Martin bringt die noch in Ordnung, gefragt habe ich ihn jedenfalls.

Ich habe lange rumgebastelt, kriegs aber nicht hin.

LG
Lore


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Ernst Clemens
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BeitragVerfasst am: 20.09.2011 10:18    Titel: Antworten mit Zitat

hallo lore,

ich glaube, dir schon mal geschrieben zu haben, dass ich den stil deiner geschichten liebe. du verstehst es, menschen mit wenigen strichen so zu zeichnen, dass sie fast real vor meinem  inneren entstehen. und dazu den spielerischen sarkasmus und die göttliche selbstironie - einfach prima.

solche stellen liebe ich besonders:

Zitat:
„Derzeit würde ich mich als insolvente Ich-AG bezeichnen,“ ich lachte bitter.
- genau auf den punkt gebracht!

Zitat:
„Na wundervoll, das solltest du auf seine Urne ritzen lassen.,, sagte Marisa und schnaufte durchs Telefon.

eine nette art zu sagen, dass man sich den widersacher am liebsten einige fuß tief unter der erde wünschen würde.

Zitat:
Aber Leo Herbstreit hatte einen Blick für Könner auf diesem Gebiet und Dank seiner außerordentlichen Gabe auf dem gesellschaftlichen Parkett gewann er diese Leute für sich und musste nun nur noch darauf achten, dass sie in allen wichtigen Geschäften seine Berater blieben.

die charakterdarstellung in EINEM satz! finde ich sehr gut.

ich freue mich auf die fortsetzung

ernst
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Lore
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Code Philomele
Frauenschicksale in einer Großstadt
BeitragVerfasst am: 20.09.2011 10:43    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Ernst.

freue mich, dass Du Spass hattest, denn auch wenn die Themen zuweilen gar nicht so lustig sind ´, achte ich immer darauf, die Leser zu unterhalten.

Wenn mir das bei Dir gelungen ist, wundervoll.

Danke für Deine Anmerkungen.

Lore


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BeitragVerfasst am: 24.09.2011 15:05    Titel: Antworten mit Zitat

Die erste und die dritte Story haben mir gut gefallen, die zweite nicht, da sie zu sehr rückwärts gerichtet ist.

Was die Formatierung anbelangt, vermute ich, dass du deine Zeilen selbst setzt, wie man es halt früher mit der Schreibmaschine machen musste. Am besten ist es, das Schreibprogram oder die Forensoftware das selbst bestimmen zu lassen.

smile


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Code Philomele
Frauenschicksale in einer Großstadt
BeitragVerfasst am: 24.09.2011 17:41    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Rückwärts gerichtet?
Liegt das nicht in der Natur der Sache, wenn Schicksale erzählt werden?

Was die Formatierung betrifft, kopiere ich das als rtf oder doc von meiner Homepage, schreibe es also nicht nochmal ab.

Aber welches Format ich da auch im Schreibprogramm auswähle - sie kommen hier alle versetzt an...leider.

Ich muss also weiter experimentieren..schade.

Danke fürs Lesen

Lore


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BeitragVerfasst am: 24.09.2011 19:35    Titel: Antworten mit Zitat

Du hast deine Texte nicht als in word oder ähnliches erstelltes, sondern kopierst von einer HTML Seite? Dann bekommst du diese Zeilenumbrüche gesetzt.

Hast du ein Textverarbeitungsprogram?


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Code Philomele
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BeitragVerfasst am: 24.09.2011 19:56    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ja habe ich und auch das schon ausprobiert, in dem ich die html dort hinein kopierte, sie dann unter die dort angebotenen verschiedenen Formate speicherte und dann hier einsetzte.

Erfolg Null, es klappte einfach nicht.
Egal was ich auswählte.
WORD ist mein Programm aber nicht, sondern Microsoft Works.

Lore


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BeitragVerfasst am: 29.09.2011 20:57    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lore,

so, jetzt hab ich es doch geschafft den ersten Teil deiner Story zu lesen und möchte dir mal kurz meinen ersten Eindruck mitteilen.
Die Geschichte um Cyrano/Punch gefällt sehr, sie hat den richtigen sprachlichen Biss, für meinen Geschmack.
Der Model-Abschnitt sagt mir nicht so sehr zu, ich werde mit den Figuren überhaupt nicht richtig warm. Mir kommt es vor, als betrachtet sie die Schreiberin durch ein umgedrehtes Fernrohr.
Die Leo-Geschichte wiederum hat eine klasse Pointe, die mir ein gehässiges Grinsen im Gesicht aufziehen lässt.
Der Titel „Frauenschicksale ...“ mutet mich sehr soziologisch an.
Also, im Großenganzen find ichs sehr gut geschrieben und ermutigt mich weiterzulesen.

Es grüßt dich
Mardii


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Code Philomele
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BeitragVerfasst am: 29.09.2011 22:06    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke Mardii...wir sprechen darüber wenn Du alles gelesen hast.

Versprochen...im Moment bin ich sehr beschäftigt mit einer neuen e-book-Sammlung und ziemlich im Zeitdruck.

Liebe Grüße Lore


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BeitragVerfasst am: 06.04.2012 01:43    Titel: Kritik zur ersten Geschichte "Sophie (27)" Antworten mit Zitat

Zu Beginn wurde ich erst mal ins kalte Wasser geworfen; viele Fragezeichen schwirrten über meinem Kopf. Stück für Stück kam ich jedoch dann in die Story rein.

Ich habe gelernt, dass man Zahlen unter 13 ausschreibt, was ich auch ästhetischer finde. Wichtiger ist: du schreibst erst
Zitat:
sank 5 Minuten später
und dann ein paar Zeilen weiter
Zitat:
Schon früh um sechs
- erst als Zahl geschreiben, und dann die Zahl ausgeschrieben. Man sollte aber, finde ich, bei einer Schreibweise bleiben, das gibt ein konzentriertes und damit kompetenteres Bild ab.

Zitat:
Die Sicherheitskräfte am Pförtnerhaus ließen mich nur passieren, wenn seine Erlaubnis vorlag.
Aber wie ist sie denn da raus gekommen? Über die Mauer/ den Zaun geklettert? Oder wurde das Gelände mit solchen Markierungen der menschlichen Grenzgeilheit gar nicht ausgestattet,  was ja gerade bei solch immens solventen und machtbewußten Menschen, wie Karl hier beschrieben wird,  ein Markenzeichen ist. Sicher, das wäre eine weitere Stigmatisierung, trifft aber oft zu und würde hier sehr gut ins Gesamtbild passen. Da es aber fehlt, klafft da für mich eine unschöne Lücke auf, die besser geschloßen gehört hätte, jedoch schien dir dieses Detail der Erwähnung nicht wert zu sein, sondern eher hast du dich auf die Problematik und deren Lösung konzentriert, was dir ebenfalls gut gelungen ist, und damit ist deine Geschichte ein nicht unwichtiger Bestandteil in der, ich nehne sie mal, Mahnliteratur, da ich finde das ein solches Thema eine wichtigere Rolle in der Gesellschaft verdient. Es ist ja nicht so das der Inhalt deines Textes aus dem Zauberhut geklaubt wurde, sondern ein gern übersehener und beschwiegener Sachverhalt ist.

Leider bedienst du dich in der Erzählung  vieler undifferenzierter Charaktere, welche  eher sehr von Stigmatisierung und Pauschalisierung geprägt sind - Macht korrumpiert, devote Diener, käufliche Menschen, naives Mädchen; im großen und ganzen trifft das sicher hin und wieder zu - wie oft kann mensch, der sich nicht beruflich/akademisch damit befasst oder zumindest keine schriftlichen Resultate solcher Arbeiten und Forschungen zu Gemüte führt, gar nicht näher beziffern bzw. beschreiben, da bleibt nur Vermutung und Spekulation. Aber das hast du hier dennoch gut in die Story gepackt, gut umgesetzt.

Das Big-bad-guy-mit-Verbindungen-in-höchste-öffentliche-Instanzen-und-korrupt-bis-in-die-Fingerspitzen-Klischee ist leider auch etwas abgelutscht und schon oft in Film und Fernsehen verarbeitet worden. Zugute kommt dabei wiederum der Fakt dass das nicht an Aktualität eingebüßt hat. Die Verbrauchtheit solcher Klischees, Begrifflichkeiten und die Verwendung der Alltagssprache gefällt mir nicht. An Literatur und Literat habe ich den Anspruch das sie/er eben eine andere Sprache verwendet wird. Und noch einiges mehr, aber das ist alles eine Frage der Subjektiven Perspektive.

Zitat:
Er würde sein Verhalten nicht einmal dann als Vergehen erkennen, wenn der Vatikan höchstamtlich den Kirchenbann gegen ihn ausspräche.
, klingt schön sarkastisch aber auch altmodisch und unpassend, es sei denn man setzt bei Karl Religiösität voraus. Soll der Spruch genau das implizieren? Wenn ja, warum dann wie nebenbei erwähnt?

Und zum Schluss ein Lob: Am meisten also gefällt mir bei deiner Geschichte, dass hier mal gesellschaftskritisch ein kleines Hühnchen gerupft wird; gut das mal so ein Thema mal wieder, und insbesondere hier, literarisch verarbeitet wurde. Nochmal dickes Lob!

Ich werde weiter lesen!
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