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Echolot


 
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MT
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 47
Beiträge: 1172
Wohnort: Im Süden (Niedersachsens)


BeitragVerfasst am: 09.09.2011 13:38    Titel: Echolot eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Der Anfang einer Erzählung, von der ich noch nicht genau weiß, was daraus wird. Läd er zum Weiterlesen ein? Danke für jede Anmerkung!


Echolot
Hier unten herrschten mindestens achtundzwanzig Grad, die Uniformhemden klebten an den Körpern. Wir waren viertausend Fuß tief, Kurs süd-west, alles stank nach Mensch und Metall. Um uns herum nur Dunkelheit und Wasser, der Stahl stöhnte unter den Tonnenlasten, die von außen drückten. Ein graues Ungetüm über dem Grund des Meeres, es bewegte sich in Zeitlupe, ein metallener Wal auf Tauchgang.

Morgen sollten wir die Küste Madagaskars erreichen. Bei dem Gedanken, nach sechs Tagen wieder Tageslicht zu sehen, Frischluft zu atmen, wurde die Enge im Boot noch erdrückender. Ich nahm mich zusammen, um nicht zu schreien. Ich sah meine Kameraden an, jedem ging es wie mir. Manchen zitterte das Kinn, andere lachten zu laut. Wir waren eine Mannschaft, und doch war jeder für sich, wie von einem luftleeren Raum umschlossen, einem Kokon aus Zellophan, in dem man das eigene Blut in den Adern hörte. Jeder sah jeden, doch es hing eine ohrenbetäubende Stille zwischen den Metallrohren, den tausenden Knöpfen und Messinstrumenten, dem roten Bereitschaftslicht. Der Schweiß tropfte in die Augen und brannte, und ich dachte unentwegt an Maria.

Plötzlich ein Gegenstrom, ein Schlag von links. Keiner der Männer fiel zu Boden, einige schwankten, wurden zur Seite oder nach vorn gerissen, doch sie hielten sich auf den Beinen, sahen sich nicht an. Einer räusperte sich, ein anderer stieß einen gespielten Überraschungslaut aus und ein dritter steckte sich eine Zigarette an. Routine. Ich musste pinkeln.

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Fuchsia
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 42
Beiträge: 810



BeitragVerfasst am: 09.09.2011 14:31    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo an den Autoren, der das hier eingestellt haben wollte,

ich würde das ganze ins Präsenz setzen.
Vor allem der Anfang "Hier unten herrschten ..." schreit doch nach Präsenz. Bin sofort drüber gestolpert; sonst müßte es doch "Dort unten herrschten ..." heißen. "Hier unten herrschen ..."

Liebe Grüße
Fuchsia
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Frau Ella
Autor


Beiträge: 510



BeitragVerfasst am: 09.09.2011 16:34    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inkognito. Lädt dieser Anfang zum Weiterlesen ein? Hm. Nicht wirklich. Erinnert sofort an "Das Boot", ist aber nicht so gut. Was mir fehlt, sind Beschreibungen, sinnliche Eindrücke, die die Szene zum Leben erwecken mit Details und Figuren, die sichtbar und spürbar werden.

Zum Beispiel:
Wie riecht "Mensch und Metall"?
Wie sehen sie denn aus, diese Kameraden, die er ansieht?

Hier hast du die Gelegenheit, deinen Ich-Erzähler einzuführen, seine Art und Weise, seine Umgebung wahrzunehmen und zu beschreiben, seine Stimme zu entwickeln. Bisher ist die Wortwahl brav und vorhersehbar. Nur Kokon aus Zellophan hat mich tatsächlich überrascht, aber nicht positiv. Zellophan? Schade, endlich mal eine Metapher, aber ausgerechnet die kommt bei mir nicht an.     Wink

Was mir gefiel war der erste Satz. Der verspricht erstmal eine interessante Leseerfahrung, ist sinnlich und macht mich neugierig. Dann aber Tiefe und Kurs als Information für deine Leser, damit kann ich nichts anfangen zu diesem Zeitpunkt. Das könnest du später als Dialog einführen und bei der Gelegenheit gleich noch zwei Figuren vorstellen (wer fragt dananch, wer antwortet?).

Im dritten Satz dann Dunkelheit und Wasser und unter Tonnenlasten stöhnender Stahl... das ist nach dem "Boot" eigenlich schon Klischee und sollte so nicht mehr abgehakt werden.

Ich würde dir raten, beschreibe, verlangsame, lass uns und dich ankommen in der Szene. Bleib doch am Anfang bei den klebeneden Uniformen und bei denen die sie tragen. Bleib bei der Wärme, was für Auswirkungen hat sie noch, Schweißfilm auf Gesichtern - glatt rasiert oder schmuddelig borstig? - Gerüche, feuchte Hände, hinterlassen sie Abdrücke, rutscht man bei bestimmten Handgriffen ab, usw.. Sinnliche Details, Gerüche, Geräusche, das fehlt mir hier.
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Gast







BeitragVerfasst am: 10.09.2011 19:33    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

deinen Text habe ich jetzt mehrfach gelesen. Eine Erzählung soll es sein/werden.
Zumindest erzählst du viel – obwohl, mir persönlich ein wenig mehr "zeigen" besser gefallen würde. Ich frage mich, und das soll der Leser wohl auch, was ist in den sechs Tagen passiert ist, dass die Mannschaft dermaßen nach Rückkehr giert.
Die Perspektive ist unklar, da müsstest du noch mal drüber denken. Einerseits schreibst du aus der Ich-Perspektive, anderseits wirst du auktorial, indem du weißt, wie es deinen Kameraden geht, wie sie sich fühlen. Die ohrenbetäubende Stille nehme ich dir nicht so ganz ab. Unwahrscheinlich, dass es wirklich so still ist, da laufen Maschinen.
So richtig reizt mich die Geschichte nicht, wahrscheinlich würde ich so nicht weiterlesen.

Liebe Grüße
Monika
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Lorenz
Abc-Schütze


Beiträge: 6



BeitragVerfasst am: 11.09.2011 15:58    Titel: Auf jeden Fall Präsens Antworten mit Zitat

Ja, auf jeden Fall gehört das alles ins Präsens. Auch mich hat der Blick des Ich-Erzählers auf alles und jedes gestört. Dadurch wird das ganze, zumindest in der Ich-Perspektive nicht so recht glaubwürdig. Zu viel Pulver am Anfang, reicht es für den Rest? Wenn schon die Tonne, dann im Singular. Leider riecht alles riecht nach Grönemeyers After Shave und Prochnow's Nasenfeuchte.
Konstruktiver Rat: Slow Motion. Im Tempo des U-Bootes. Schwinge die Leserin und den Leser in die Ausnahmesituation ein, knapp – wie du es auch manchmal anklingen lässt – und präzise wie ein Höhenmesser.
"Ein graues Ungetüm über dem Grund des Meeres, es bewegte sich in Zeitlupe, ein metallener Wal auf Tauchgang."
Hier schmeisst du mich gleich wieder raus.
Vor allem: bleibe so lange es geht, gerade zu Beginn, bei dem eigenen gefangenen Seelchen des Ich Erzählers.

Mach weiter und denk an den Schluss!

Gruß
Lorenz
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Biggi
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 855
Wohnort: BY



BeitragVerfasst am: 15.09.2011 15:27    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Ink.,

bist Du jetzt abgetaucht in Deinem U-Boot? Ich hoffe, es stört Dich nicht, wenn ich mir den Anfang Deiner Erzählung mal zur Brust nehme nach dem Urlaub.

Das Thema ist in der Tat schwierig, weil die meisten Leser den erwähnten, eindrucksvollen Kinofilm direkt vor Augen haben, sobald sie erkennen, wo sich Dein Protagonist befindet. Im Prinzip verrät es der Titel schon.

Zitat:
Hier unten herrschten
Das erste Wort zieht mich direkt rein, das dritte schafft hingegen Distanz zum Geschehen (und die nicht nur zeitlich). Ich schließe mich den vorherigen Kritikern an, dass die Kombination so nicht funktioniert. "Dort unten" würde mir genügen, weil ich denke, dass Du die Zeitebene bewusst gewählt hast und im Präsens eine ganz andere Geschichte erzählen möchtest. Also zumindest könnte ich mir das in dem Zusammenhang sehr gut vorstellen. Nur: was ist Dein Ziel? Soll ich im U-Boot mit den Männern leiden?

Wenn Uniformhemden an Körpern kleben, gehe ich davon aus, dass es sich nicht um Fäkaliengeruch handelt, dass also der Geruch nach Mensch nur der nach Schweiß sein kann (außer der Frischwassertank wäre schon lange leer oder die Uniformen seit drei Wochen an den Männern; sind sie doch nicht, hoffe ich!); diese Verkürzung klappt in meinen Augen. Wie warmer Stahl riecht, kann ich mir vorstellen, die Mischung habe ich sozusagen in der Nase.

Zitat:
viertausend Fuß tief
bedeutet für mich automatisch "Wasser", von daher darf das nach meinem Dafürhalten im nächsten Satz raus. Der stöhnende Stahl gefällt mir nicht, weil wir aus dem Film zu wissen glauben, dass es so nur klingt, wenn man wesentlich tiefer geht als erlaubt. Ist das Boot also nicht für diese Tiefe gebaut und sie müssen schon Angst haben?

Die Zeitlupenbewegung ließe sich konkreter darstellen. Ist es draußen stockdunkel, müsste der Erzähler den Punkt auf dem Monitor beobachten, wenn er eine Bewegung erkennen möchte.
Metall kommt in dem Abschnitt doppelt vor, wäre allerdings mit einem Mal geklärt.

Auch im zweiten Absatz die Zeitenfrage:
Zitat:
Morgen sollten wir die Küste Madagaskars erreichen.
"Am nächsten Morgen" könnte das Problem lösen. Madagaskar klingt für mich leider nach Pest, ich weiß nicht recht.

Zitat:
Ich sah meine Kameraden an, jedem ging es wie mir. Manchen zitterte das Kinn, andere lachten zu laut.
Positionierung: Wo bist Du im Boot? Ist jeder auf seinem Posten? Dann wäre die Frage, warum sie alle auf einem Haufen stehen. Für mich waren in Szene 1 alle im Kommandoraum, weil irgendwas furchtbar spannend oder Gefahr in Verzug ist. Wenn die Uniformierten vereinzelt lachen, sieht es wieder anders aus.
Die Angst - wenn es denn so sein sollte - müsste für mich schon ganz vorne hin, die muss mich mitgehen lassen. Den Schweiß halte ich für ganz normal bei den Temperaturen (die ich mir da unten in der Höhe auch als Normalzustand vorstelle!), wenn er aber mit Angst vermischt ist ... dann bin ich im Bilde.

Einen ersten Ausblick auf die Meeres-Liebes-Kombination gibst Du mit der Erwähnung Marias. Ich erwarte also eine (Beinahe-)Katastrophe, die dann auch prompt im dritten Abschnitt eintritt? Zunächst scheint alles Routine zu sein, bleiben sie also derzeit öfter mal an Steinen hängen auf dem Meeresgrund?

Wenn Du mich fragen würdest, wie die Geschichte weitergeht, bin ich tatsächlich schnell bei dem Bild, dass dem Protagonisten irgendwelche Schrauben von den Wänden entgegenfliegen, wenn er gleich pinkeln geht. Oder das Boot wie die Titanic verwundet wurde und unten liegenbleibt, so dass er noch eine Weile mit der letzten Luft, - die sich die eingespielte Mannschaft redlich teilen wird, - an sein Liebchen denkt.

Mein Fazit zu diesem Anfang: Es ist sehr schwerig, eine Atmosphäre zu beschreiben, die keiner mit dem einzigen U-Boot, das er gut zu kennen meint, in Verbindung bringt; der Text wirkt von daher recht "normal". Ein wenig so, als wärst Du gerade mit diesen Eindrücken vor Augen vom Fernsehsessel aufgestanden.

Würdest Du mich gleich mit dem Schlag von links ins Boot holen und dann das Umschwenken der Stimmung von "wird schon nichts passiert sein" in Richtung "jetzt ist wahrscheinlich alles aus" zelebrieren, mir gleichzeitig einen Blick auf das überaus interessante Privatleben des Protagonisten gewähren, würde die Geschichte für mich nicht auf Schleichfahrt bleiben und schnell auf Kurs kommen.
Allein das U-Boot als spannungsversprechender Rahmen bringt das noch nicht. Ein Anfang, aus dem sich meiner Ansicht nach etwas machen lässt.

Viele Grüße,
Biggi
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Ernst Clemens
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 73
Beiträge: 734
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BeitragVerfasst am: 15.09.2011 15:43    Titel: Antworten mit Zitat

hallo inko|a,

- Präsens? unbedingt!

- mit dem "stoß von der seite" beginnen? ja, das schafft spannung gleich im ersten satz.

- u-boot = geschlossener raum, aus dem keiner ausbrechen kann. guter nährboden für die verschiedensten konflikte

- dümpeln am meeresgrund? sehr gut, denn WARTEN schafft ebenfalls spannung und fördert die konflikte

- weiterlesen? gerne, sofern du diesen stil durchhalten kannst. über wieviele seiten?

herzliche grüße
ernst
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BlueNote
Geschlecht:männlichStimme der Vernunft


Beiträge: 6878
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Ei 4



BeitragVerfasst am: 16.09.2011 21:30    Titel: Antworten mit Zitat

Mir ist das alle zu simpel beschrieben, die Geschichte hat keinen literarischen Reiz, orientiert sich zu sehr an Fernsehfilmen, man erkennt nicht viel Eingenkreativität. Gedankenspiele aus zweiter Hand.

Besser etwas aus dem eigenen Erfahrungfeld thematisieren.

BN
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MT
Geschlecht:männlichDichter und Denker

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BeitragVerfasst am: 19.09.2011 14:08    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank für die zahlreichen, wertvollen Tipps. Ich wollte mal etwas ganz anderes, als man von mir kennt, ausprobieren. Muss aber wohl feststellen, dass das Projekt reichlich in die Hose gegangen ist...
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Gast







BeitragVerfasst am: 19.09.2011 14:44    Titel: Antworten mit Zitat

seltsam ... aber außer, dass der Autor durchaus Handwerk vorzuweisen hat und vielleicht ein wenig zu dicke aufträgt (was aber durchaus stimmig sein kann, hängt vom folgenden ab), kann ich diesem Anfang noch gar nichts entnehmen. Das ist viel zu kurz - ich würde weiter lesen (obwohl es um U-Boote geht und ich nicht sehr Geschichts-Kriegs-Soldaten-Marine-lesetauglich bin).

tja,
debruma
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MT
Geschlecht:männlichDichter und Denker

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BeitragVerfasst am: 20.09.2011 08:35    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi, debruma,

ja, es ist viel zu kurz. Man kann vermutlich noch nicht viel dazu sagen. Komisch ist nur, dass ich selbst es bin, der sich bereits bei den ersten Zeilen nicht wirklich wohl fühlt. Die Nähe zum "Boot" lässt sich bei einem U-Boot wohl kaum umgehen, damit könnte ich noch leben. Doch die Idee nimmt nicht richtig Fahrt auf. Ich weiß noch nicht, ob ich es irgendwie weiterführe. Die Idee ist: Das Echolot als Seismograf für die Liebe einer Frau, die der Protagonist wegen seines Jobs immer wieder verlassen muss... Je tiefer man kommt, desto mehr schlägt das Echolot aus - eine Gefahr entsteht. Ist das in der Liebe, in der Nähe zu einem Menschen auch so?! Oder tut Abstand (auch) gut, und wenn ja, wie viel...

BN hat es richtig erfasst: Es fehlt der literarische Reiz. Nicht an der Idee (die ist schließlich bis hierhin noch nicht bekannt), aber an deren Umsetzung.

Ernst hingegen scheint es gut zu gefallen... Hach, schwierig alles...

Danke Dir jedenfalls.

I.
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Ernst Clemens
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 73
Beiträge: 734
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BeitragVerfasst am: 20.09.2011 08:57    Titel: Antworten mit Zitat

hallo inka, (ich denke, dass weiblich für dich zutrifft)

wirf die flinte nicht ins korn! deine idee (so, wie du sie jetzt dargestellt hast) ist ausbaufähig! allerdings braucht sie einen größeren rahmen, denn es wird nicht einfach sein, die parallelen darzustellen.

versuch es doch mit einer AG und lass dir von ein paar mitstreitern sagen, wie sie die entwicklung des textes erleben. ich würde mich gerne an deiner AG aktiv beteiliegen.

herzliche grüße
ernst
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Biggi
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Beiträge: 855
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BeitragVerfasst am: 20.09.2011 10:56    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo I.,

für ein derart philosophisches Thema einen naturwissenschaftlichen Ansatz zu wählen, würde ich eher einem Mann zutrauen. (Lieber Ernst, da widerspreche ich! wink).
Es fällt für mich in die Kategorie: Der Mensch will alles messen und anschauen. Deswegen legt man die Probanden für die Forschung in Kernspintomographen und kann dann endlich nachweisen, dass und welche Hirnregionen bei diesem oder jenem Anblick arbeiten.

Ist die Tiefe von Gefühlen abhängig vom räumlichen Abstand und vor allem: Warum droht gleich Gefahr...? Ich habe vor kurzem ein Buch gelesen, in dem der Protagonist (ein Asiate) die Distanz nahezu zwei Jahrzehnte 'aushielt' und doch immer wusste, dass er aus tiefstem Herzen - von einer anderen Frau als der, die er geheiratet hat, - geliebt wird (und sie wusste es umgekehrt auch). Mystisch, zugegeben. Andere würden dieses Gefühl vielleicht als Dauersehnsucht und nicht als Liebe bezeichnen. (Wie glücklich der Mann mit seinem Leben war, wurde nicht verraten.)

Inwieweit ein Mensch es schafft, auch ohne körperlichen Kontakt an die Liebe zu einem anderen Menschen zu glauben, ist Konditionssache und vor allem davon abhängig, was man aus der Zeit macht, in der man einander (wieder) nahe ist.
Ein großer Teil von 'Liebe' spielt sich im Kopf ab (vor allem bei räumlicher Distanz). Andererseits gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede in den Gehirnregionen. Gefühlt und 'gewusst' hat man das schon ohne die Wissenschaft, verstanden wird es wohl noch lange nicht sein.
Denkt ein Mann über die Liebe (s)einer Frau nach, wird es also möglicherweise für eine Frau schwer nachvollziehbar sein und umgekehrt. = Wäre interessant, die Ansichten Deines Protagonisten zu erfahren.  

"Die Liebe" gibt es nicht und die Vorstellungen davon sind so individuell wie die Menschen selbst. Warum also keine solche Geschichte?
Um auf Deinen Anfang zurückzukommen: Muss es nach Krieg klingen mit einer Mannschaft, die mir vorkommt, als erwarte sie Torpedoeinschläge (obwohl Krieg und Liebe bekanntlich einiges gemein haben, auch wieder wahr)? Assoziationen in Richtung Prochnow & Co. waren naheliegend.

Wenn Du die Sorgen Deines Protagonisten in diese U-Boot-Verpackung stecken möchtest, würde mir ein Ozeankartograph gefallen. Einer, der in konstanter Tiefe entlangfährt und mit seinem Echolot den Grund abscannt. Da sind dann Berge und Täler, Abgründe tun sich plötzlich auf, dann wieder Erhebungen, wo sie keiner vermutet hätte. So wie die emotionale Nähe zwischen zwei Menschen - möchte es mal so sagen - alltagsbedingten Schwankungen unterliegt. Das Jahr hat eben keine 365 Urlaubstage.
Aber: Deine Idee, - die noch keiner kennt, wie Du sagst,- schreit nach Deiner Umsetzung, die eine andere sein wird. Also, nur zu!

Viele Grüße,
Biggi
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Biggi
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Beiträge: 855
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BeitragVerfasst am: 20.09.2011 11:06    Titel: Antworten mit Zitat

Kleiner Nachtrag:
Für andere ist der Abstand sogar wichtig, um die Liebe aufrechtzuerhalten (Sartre/Beauvoir fallen mir da als "öffentliches" und zugleich provozierendes Beispiel ein).
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Bananenfischin
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BeitragVerfasst am: 20.09.2011 13:00    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko!

Mir hat dieses kurze Stück prinzipiell schon ganz gut gefallen, aber ich denke auch, es ist zu kurz, um wirklich etwas zu sagen. Du sagst, du wirst selbst mit dem Beginn nicht warm und hast die Idee geschildert, die hinter allem steht.
Nun, ich bin gespannt, was du daraus machst. smile

Kurz wollte ich etwas dazu sagen, dass das Präteritum wegen gewisser Deiktika von einigen als falsch empfunden wird.
Zitat:
Hier unten herrschten

Zitat:
Morgen sollten wir die Küste Madagaskars erreichen.

In der Literatur ist das überhaupt kein Problem, es handelt sich hier ja um das epische Präteritum. Und dieses ist bar der grammatischen Funktion, auf bereits Abgeschlossenes zu verweisen. Ich erinnere mich aus der Lehre noch an den schönen Satz "Morgen war Weihnachten." smile
Aus dem, was ich bisher über die Idee weiß, würde ich auch meinen, dass dem Text grundsätzlich das Präteritum gut zu Gesicht steht.

Liebe Grüße
Bananenfischin

Biggi! smile extra Ob es wohl vermessen ist, aus deinem Auftauchen auf die Identität des Inko zu schließen? Vielleicht ... smile
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Gast







BeitragVerfasst am: 20.09.2011 13:08    Titel: Antworten mit Zitat

Irgendeinen Reiz muss der Text (so kurz er ist) jedenfalls haben, sonst würde er nicht so viele Kommentare hervorlocken ... Nicht?
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MT
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BeitragVerfasst am: 20.09.2011 13:40    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Bananenfischin,

ich werde mir Mühe geben, alles weitere nicht zu versauen... Very Happy Danke Dir!

Zitat:
In der Literatur ist das überhaupt kein Problem, es handelt sich hier ja um das epische Präteritum. Und dieses ist bar der grammatischen Funktion, auf bereits Abgeschlossenes zu verweisen. Ich erinnere mich aus der Lehre noch an den schönen Satz "Morgen war Weihnachten." Smile Aus dem, was ich bisher über die Idee weiß, würde ich auch meinen, dass dem Text grundsätzlich das Präteritum gut zu Gesicht steht.


Das in der Tat sehe ich genauso. Der Text gehört für mich ins Präteritum.
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BeitragVerfasst am: 20.09.2011 13:42    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

debruma hat Folgendes geschrieben:
Irgendeinen Reiz muss der Text (so kurz er ist) jedenfalls haben, sonst würde er nicht so viele Kommentare hervorlocken ... Nicht?

Ja, ich bin selbst überrascht. Shocked
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Biggi
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BeitragVerfasst am: 20.09.2011 13:42    Titel: Antworten mit Zitat

debruma hat Folgendes geschrieben:
Irgendeinen Reiz muss der Text (so kurz er ist) jedenfalls haben, sonst würde er nicht so viele Kommentare hervorlocken ... Nicht?
Ja, freilich hat er einen Reiz. Wenn's nicht klappt mit dem Einstieg, darf man hier sagen, woran's - subjektiv empfunden - lag. (Es gab schon Phasen und Texte in der Werkstatt, da wurde jedes Wort einzeln betrachtet!!)

Feedback ist doch vor allem dann vonnöten, wenn jemand einen Text einstellt, fragt, ob's zum Weiterlesen einlädt und dann ein paar Tage später feststellt, dass er zwar eine Idee hatte, aber mit der Umsetzung selber unzufrieden ist (da wäre für mich die erste Reaktion bei einem Schreibneuling: Weil die Leser es sind?; und sobald ich vermuten kann, dass er schon länger Charaktere und Szenerien erfindet: Weil er selber denkt, es geht besser).
Dann ist es unser "Job" hier, den Unbekannten/die Unbekannte (Gruß an Ernst!) zu motivieren, sonst erfahren wir doch NIE, wie's ausgegangen ist.

Bananenfischin hat Folgendes geschrieben:
In der Literatur ist das überhaupt kein Problem, es handelt sich hier ja um das epische Präteritum.
Woraus ich schließen darf, dass I. literarisch-stilistisch ein ganzes Stück voraus ist. Cool Wo bleibt dann jetzt die Fortsetzung?!
Bananenfischin hat Folgendes geschrieben:
Biggi!  Ob es wohl vermessen ist, aus deinem Auftauchen auf die Identität des Inko zu schließen? Vielleicht ...
Au weia, das wäre ja geradezu schrecklich!!!! Ich sollte noch vorsichtiger sein.  Laughing Der Meer-und-Liebe-Themenkomplex war's, der zieht mich magisch an.... Vor allem nach dem Urlaub!

EDIT: I., ich fühle mich übergangen! wink
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BeitragVerfasst am: 22.09.2011 10:15    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Oh, liebe Biggi,

bitte entschuldige, ich wollte Dich keineswegs übergehen. Hab ich auch nicht. Deine Ideen werden gerade übernommen, Deine Überlegungen verwertet. Wirklich: Sehr viel wert, das! Tausend Dank!

I.
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BeitragVerfasst am: 22.09.2011 20:42    Titel: Re: Echolot Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

seit ich diesen Anfang zum ersten Mal gelesen habe, war ich mir nicht sicher, ob ich etwas dazu sagen soll, und möchte nun doch nicht mit  dem hinterm Berg halten, was mir aufgefallen ist.

 
Inkognito hat Folgendes geschrieben:
Hier unten herrschten mindestens achtundzwanzig Grad, die Uniformhemden klebten an den Körpern. Wir waren viertausend Fuß tief, Kurs süd-west, alles stank nach Mensch und Metall. Um uns herum nur Dunkelheit und Wasser, der Stahl stöhnte unter den Tonnenlasten, die von außen drückten. Ein graues Ungetüm über dem Grund des Meeres, es bewegte sich in Zeitlupe, ein metallener Wal auf Tauchgang.
>>> dieser erste Abschnitt ist für mich nur in Ansätzen interessant und zudem reichlich klischeebeladen, das Ungetüm und der metallene Wal sind passende Bilder, aber nicht gerade neu, oder? Ich bin mir auch unschlüssig, ob Mensch und Metall hier unbedingt "Gestank" bedeuten?

Morgen sollten wir die Küste Madagaskars erreichen. Bei dem Gedanken, nach sechs Tagen wieder Tageslicht zu sehen, Frischluft zu atmen, wurde die Enge im Boot noch erdrückender. Ich nahm mich zusammen, um nicht zu schreien. Ich sah meine Kameraden an, jedem ging es wie mir. Manchen zitterte das Kinn, andere lachten zu laut.

>>>Ok, falls hier Gefahr im Verzug ist, dann kann ich nicht verstehen, worin sie bestehen sollte, ich bekomme aber den Eindruck aufgezwungen, dass die Mitglieder der Mannschaft Angst haben. Warum muss er sich zusammennehmen, um nicht zu schreien? Warum geht es den anderen so? Wir wissen es nicht. Dein Abschitt ist so kurz, dass ich es nicht erfahre, und ich bin eher erstaunt, dass die Aussicht auf Tageslicht und Frischluft nicht freundlichere Gefühle auslöst, alldieweil das Schlimmste ja nun überstanden sein sollte?

Wir waren eine Mannschaft, und doch war jeder für sich, wie von einem luftleeren Raum umschlossen, einem Kokon aus Zellophan, in dem man das eigene Blut in den Adern hörte.
>>>Dieses Bild (Kokon aus Zellophan) hat mich schon beim ersten Lesen vollkommen verwirrt. Man könnte das eigene Blut nicht lange in den Adern hören, denn in einem Kokon aus Zellophan würde man ersticken, was auch für einen luftleeren Raum gilt.

Jeder sah jeden, doch es hing eine ohrenbetäubende Stille zwischen den Metallrohren, den tausenden Knöpfen und Messinstrumenten, dem roten Bereitschaftslicht. Der Schweiß tropfte in die Augen und brannte, und ich dachte unentwegt an Maria.
>>> "ohrenbetäubende Stille" ist so ein Ausdruck, der oft gebraucht wird, und oft ganz einfach nicht passt, mir scheint, dass ist auch hier der Fall.

Plötzlich ein Gegenstrom, ein Schlag von links. Keiner der Männer fiel zu Boden, einige schwankten, wurden zur Seite oder nach vorn gerissen, doch sie hielten sich auf den Beinen, sahen sich nicht an. Einer räusperte sich, ein anderer stieß einen gespielten Überraschungslaut aus und ein dritter steckte sich eine Zigarette an. Routine. Ich musste pinkeln.
>>> ich kenne mich mit U-Booten nicht aus, kann eine Strömung einen "Schlag" auf ein solches Gefährt ausüben, und: sagen Seeleute nicht eher "von backbord" als "von links" ??
 


Du könntest mein Interesse bestimmt wecken, ich würde mir halt wünschen, etwas einerseits Hieb- und Stichfestes serviert zu bekommen (will heissen, ich möchte die Gefühle und Eindrücke des Prota nachvollziehen können) und andererseits hätte ich gern, dass du neue Bilder und originellere Ideen lieferst, denn ich bin nicht abgeneigt, eben diesem U-Boot-und-alle-auf-engstem-Raum-Dings etwas Neues abgewinnen zu können und deine Idee, die du kurz andeutest, weiter oben, die hat ganz bestimmt Potential.

Frohes Schaffen Inko und Gruss smile
Lorraine
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Bananenfischin
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Beiträge: 4844
Wohnort: NRW
Goldene Feder Prosa Pokapro IV & Lezepo II
Silberne Harfe



BeitragVerfasst am: 30.09.2011 10:08    Titel: Antworten mit Zitat

Wie schön. Richtig getippt.  Cool

_________________
»Ob ich mir eine Dramatisierung meiner Bücher vorstellen kann? Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen, in meinen letzten vier Büchern gibt es keine Handlung.« (Andreas Maier im Gespräch mit Raimund Fellinger, 2015)
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