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Übung: Songtext "Pick up the bones"

 

 
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Enfant Terrible
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Ein Fingerhut voller Tränen - Ein Gedichtband
BeitragVerfasst am: 23.03.2009 21:07    Titel: Übung: Songtext "Pick up the bones" eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Alice Coopers wohl düsterstes Lied Pick up the bones (Lyrics gibt's hier) hat veranlasst, dass die Welt nun um eine schwachsinnige pseudo-apokalyptische Spinnerei reicher ist - diesmal aus meiner Feder. Have fun smile

Ewig einsam war sein Geburtshaus auf dem Hügel gestanden - eine winzige Festung inmitten einer Halde.
Nun tasteten Sonnenstrahlen über die Ruinen, forschend wie die bleichen Finger eines Fahnders. Keine Hauswand blieb standhaft, um diese Suche abzuwehren.
Doch in den Trümmern ließ sich ohnehin nichts von Bedeutung mehr finden. Was er ihnen als Beweis seiner vollendeten Mutprobe vorzulegen brauchte, hatte er bereits am Vortag zusammengesucht. Ein Medaillon von seiner Mutter, das er seltsamerweise in jenem Teil der Ruine fand, der früher die Küche gewesen war. Ein Spielzeugteil seiner Schwester, dessen Material unter der Kohleschicht kaum noch zu erkennen war. Schwer zu glauben, dass diese und noch tausend andere Kleinigkeiten die persönlichen Gegenstände von Verrätern waren. Aber er musste der Lehre folgen. Die Welt war ausgezehrt geworden, in ihr zählten andere Dinge als das Gelächter seiner Geschwister oder die sanfte Stimme seiner Mutter. Er war ihnen in vielerlei Hinsicht entwachsen, bis die Wärme ebenso bedeutungslos wie die anderen Trümmer zu seinen Füßen lag. Teile, welche der Doktrin zufolge die Hand eines Unwürdigen beim Aufsammeln erzittern ließen. Doch ohne ein Wimperzucken hatte er diese verkohlten letzten Schätze in einem Lederbeutel verstaut, der ihm in der Übernachtung als Kissen diente.
Er hatte nichts geträumt, als er da geschlafen hatte, beschützt nur von dem Flügel der Nacht, wie sie gerne sagten. Jeden Traum in dieser rituellen Nacht hätte er seinem Mentor berichten müssen – dies gehörte zur der Reifung dazu. Nur wenn er ihnen sein Innerstes anvertraute und dieses für rein genug befunden würde, durfte er ihnen dienen, die grenzenlose Kraft und Kameradschaftlichkeit erfahren.
Kameradschaftlichkeit … Er konnte nicht leugnen: Mit ihnen wäre es leichter gewesen. Nicht moralisch leichter – er dürfte gar nicht erst auf Aufnahme hoffen, wenn er Skrupeln beim Bestrafen von Abtrünnigen zeigte. Aber er machte sich sorgen, ob er technisch alles korrekt vollzogen hatte. Stimmte die Kraterform? Hätte er den Schaden präziser begrenzen können? Im Übungsterrain sah alles immer so anders aus …
Er schüttelte für sich selbst den Kopf – eine Geste, die er nie in Anwesenheit seines Mentors wagen würde.
Aber nein. Seine Leistung war mehr als ausreichend. Und wenn sie noch zögerten, ihn aufzunehmen, würde er sie zu überzeugen wissen.
Bald schon würde er mit ihnen marschieren.
Er übte schon dafür, als er der Trümmerhügel verließ.


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"...und ich bringe dir das Feuer
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Gine
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BeitragVerfasst am: 10.04.2009 08:57    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Krümel! smile

Ok, dieser Text ist bisher eher ein Essay als ein Song-Text. Wenn man ihn singen wollte, müsste man die Musik als Ballade anlegen.

Ich bin jetzt nicht so er Profi für Songtexte, aber es kann ja nicht schaden, dir ein paar meiner Gedanken dazu mitzuteilen. (Hoffe ich)Embarassed

Mir schein, bei einem Songtext wie deiner Vorlage von Cooper kommt es darauf an, die Bilder in kurzen Sätzen zu komprimieren. Sie sollen nicht erzählen, nur vermitteln. Gedanken, aber vor allem Gefühle.

Cooper hat gleich in der ersten Zeile eine Zusammenfassung von dem geliefert, worum es in dem Lied geht.

'Collecting pieces of my family'

Das erscheint mir bei einem so schwierigen Thema sehr sinnvoll.

Und er schreibt in der Ich-Perspektive. Das ist natürlich auch ein guter Kunstgriff, der es dem 'Konsumenten' ermöglicht, sehr tief in die Gefühlswelt des Erzählers einzutauchen. Cooper benutzt auch Reime, allerdings sehr sparsam und punktuiert.

Da dies eine Übung sein soll, macht es sicher nichts aus, wenn du die stilistischen Mittel einfach übernimmst. Zumal du es dir schon schwer gemacht hast, als du dich für die Deutsche Sprache entschieden hast.
   Wink

Noch ein Tip: Songtexte sind ohnehin sehr kryptisch. Mach es nicht zu rätselhaft. Erzähle die Geschichte, verstecke sie nicht.
In diesem Sinne wäre es vielleicht angebracht, das Ende an den Anfang zu stellen.
Eer hat das Haus gesprengt? Warum eigentlich? Wieso spricht er von seiner Familie als Abtrünnige? Geht es hier um Krieg?

Wenn ja, mach das deutlich. (oder liefere einer Verwirrten Helfershelferin wenigstens ein paar Hintergrundinfos wink )

Ich würde gerne konkrete Vorschläge machen, kann mich aber nicht dazu durchringen. Ich warte erstmal ab, was du daraus machst.

 Wink

Liebe Grüße
Gine


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'Manchmal zweifle ich daran, dass ich überhaupt existiere.'
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Gine
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BeitragVerfasst am: 10.04.2009 19:26    Titel: Antworten mit Zitat

Ach, man was bin ich manchmal für ein Dummchen. Rolling Eyes
Tut mir Leid, Krümel. Ich habe nur die Links von dir gelesen, nicht aber das eigentliche Ziel der Übung.
Das ist dir inzwischen auch aufgefallen, da bin ich sicher. Embarassed
(Dieser Morgen war einfach nicht mein Freund. Sorry, sorry, sorry.)

Aber wie oben im ersten Posting erwähnt, ist es ja wirklich schon sehr nettes Assay.
Ich würde vielleicht trotzdem die eine oder andere Hintergrundinfo mit liefern. Am Besten gleich zu Anfang.

Ansonsten ist die Story, dem Vorbild entsprechend, natürlich sehr traurig. Und wenn ich sie so betrachte, bleiben die Gefühle doch noch auf der Strecke. Wahrscheinlich, weil es aus der Erzählperspektive geschildert wird. Aus der Ich-Perspektive heraus wäre es, bei ansonsten gleichbleibendem Text, erschreckend dramatisch.

Das war's schon wieder. Wink

Viele liebe Grüße
Gine


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Enfant Terrible
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Ein Fingerhut voller Tränen - Ein Gedichtband
BeitragVerfasst am: 13.04.2009 08:52    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank, liebe Gine, fürs Lesen und die sehr hilfreiche Rezi.
Ach du weißt ja, mein Problem, Gefühle zu beschreiben ...
Bei dieser Schreibübung war jedoch die etwas kalte Schreibweise und die "anonyme" Er-Perspektive gewollt, da es eine utopische Geschichte ist. Der Hintergrund - bei dem ich das Songmaterial ein bisschen nach eigenem Gusto verdrehe - lässt sich so zusammenfassen: Es ist tatsächlich Krieg. Der Prota will sich einer grausamen (Söldner?-)Truppe anschließen, dazu muss er jedoch eine Art Reifeprüfung bestehen: Seine Familie, die als "Abtrünnige" des Regimes eingestuft worden sind, müssen auf möglichst wirksame Art eliminiert werden. Ihr Haus soll in Schutt und Asche liegen, als Warnung für alle. Der Prota ist dermaßen fanatisch, dass er das alles ohne Gewissensbissen tut, weil für ihn in dieser Welt nur seine Vereinigung genügend Sicherheit verspricht.
Ich weiß, ich müsste das ganze vieeeel klarer ausarbeiten, wenn aus der Story was werden soll ...


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BeitragVerfasst am: 16.04.2009 08:14    Titel: Antworten mit Zitat

Also sicherheitshalber schreib ich schnell mal hier was rein, falls noch was passiert.

Gine hat mich damals ja völlig durcheinander gebracht mit ihrem Kommentar wink
Dann flog ich eh aus dem Netz und hatte noch nicht gesichert sad

Die Geschichte für sich alleine würde ich als gar nicht so ungelungen beurteilen. Nun muss ich aber nochmals in Bezug auf Schreibübung und den guten Alice prüfen ...

Bis dahin,

Bussi, Pütchen


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(Isaac Newton, 1642-1726)

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BeitragVerfasst am: 20.04.2009 01:40    Titel: Antworten mit Zitat

So, meine Süße,

nun schaffe ich es zwar nicht, den Song zu hören, aber anhand der Lyrics urteile ich einfach mal wink

Der Text gefällt mir, auch wenn ich ihn ein bisschen gruselig finde ... Die eigene Familie auszulöschen - na, schon derb. Der gute Alice hat sie ja wenigstens so sterben lassen, dass sie durch einen Krieg o.ä. umkamen. Ich selbst hätte (harmoniebedürftig wie ich bin) wohl was für die Tränendrüse draus geschnitzt.

Und ehrlich gesagt dachte ich auch zuerst, dass es sowas wird, nachdem ich den Songtext gelesen hatte. Zuerst hatte ich das auch überlesen, dass er der Schuldige war. Da musste ich dann nach dem Ende nochmals darüber gehen, bis der "Aha-Effekt" kam wink

Dies solltest du vielleicht noch ein bisschen hervorheben.

Und ich würde auch - um mehr Atmosphäre zu schaffen - noch den beißenden Gestank mit hineinnehmen und den Rauch, der in den Augen brennt, etc.

Das eiskalte Arschloch hast du in meinen Augen sehr gut rübergebracht. Du liebe Güte - so muss man erst mal sein Shocked


Nur eines noch:
Zitat:
Aber er machte sich sorgen Sorgen,


Ansonsten hätte ich nix zu meckern Daumen hoch.

Hoffe, konnte dir ein kleines bisschen helfen ...

Liebes Grüßchen, Pütchen


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Enfant Terrible
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Ein Fingerhut voller Tränen - Ein Gedichtband
BeitragVerfasst am: 20.04.2009 21:59    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

VielenDnank für deinen Kommentar, liebes Pütchen, und deine ernsthafte Arbeit an dieser Schreibübung.
Erst wusste ich auch nicht ganz, woher die Grausamkeit des Protagonisten herkam. Die Idee erschien mir einfach passend. Aber jetzt kapiere ich es: Unterbewusst habe ich nämlich die Lyrics von einem anderen Cooper-Song, "wicked young man", reinkombiniert. Ich bin gar nicht süchtig, ne?  Laughing


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