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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Stubenarrest


 
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V.K.B.
Geschlecht:männlichNebelpreisträger

Alter: 46
Beiträge: 2001
Wohnort: Diaspora
Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 10.09.2016 04:41    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo stillnd, danke für deinen Einstand

weil das glaub ich noch keiner erwähnt hat:

Zitat:
Das Abendessen kann sie sich heute ganz sicher abschminken und zu ihrem Leid, wird sie das Zimmer, weiterhin, auf unbestimmte Zeit, nicht verlassen dürfen. Michelles Augen werden feucht, als sie an ihre Eltern denkt und wie schwer enttäuscht sie sind. Enttäuscht von ihr, der einzigen Tochter. Das hat sie nicht gewollt.

und
Zitat:
Aber das gehört definitiv nicht zu den Dingen, die normalerweise durch die Decke dringen. Ja, Mama und Papa werden sauer sein. Aber jetzt wäre sie froh, wenn sie da wären.

Schön finde ich hier, wie du beim Leser ein falsches Bild entstehen lässt, das mit dem Titel einhergeht. Man denkt wirklich, ihre Eltern hätten sie eingesperrt, doch wenn man genau liest (nachdem man das Ende kennt) bemerkt man, wie abgetrennt diese Sätze vom Rest stehen.

Erst der letzte Satz wendet das Bild dann:
Zitat:
Wir bringen dich nach Hause zu deinen Eltern. Wir bringen dich in Sicherheit
Bei mir hat das gut funktioniert, ich hab die ganze Zeit gedacht, eine Geschichte über Misshandlung durch Eltern zu lesen, bis mir dieser letzte Satz erst deutlich machte, dass sie überhaupt nicht zu Hause bei ihren Eltern ist. Sehr schön gemacht. Selbst als die Tür aufgebrochen wird, hab ich noch gedacht, da kommt das Jugendamt mit Polizeiunterstützung. ([verbitterterPädagoge]Was allerdings grenzenlos naiv war, als ob das Jugendamt sowas kümmern würde… aber ich dachte halt, deine Geschichte spielt in einer besseren Welt[/verbitterterPädagoge])

ich schreib jetzt mal nicht "schöne Geschichte" (weil das zynisch wäre) aber auf jeden Fall "gerne gelesen".

LG,
Veith


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stillnd
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber

Alter: 34
Beiträge: 24



BeitragVerfasst am: 15.09.2016 10:13    Titel: Antworten mit Zitat

Ich war die letzten Tage offline Wink

V.K.B. hat Folgendes geschrieben:
Schön finde ich hier, wie du beim Leser ein falsches Bild entstehen lässt, das mit dem Titel einhergeht.


V.K.B. hat Folgendes geschrieben:
doch wenn man genau liest (nachdem man das Ende kennt) bemerkt man, wie abgetrennt diese Sätze vom Rest stehen.


Großartig. Laughing
Genau das ist es, was ich erreichen wollte. Nämlich dass beim zweiten Lesen, diese Segmente eine komplett andere Bedeutung bekommen. Fühlt sich gut an wenn ein Leser berichtet, dass es bei ihm funktioniert hat.


Danke dafür.
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V.K.B.
Geschlecht:männlichNebelpreisträger

Alter: 46
Beiträge: 2001
Wohnort: Diaspora
Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 15.09.2016 22:15    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Genau das ist es, was ich erreichen wollte. Nämlich dass beim zweiten Lesen, diese Segmente eine komplett andere Bedeutung bekommen. Fühlt sich gut an wenn ein Leser berichtet, dass es bei ihm funktioniert hat.
Da bist du bei mir aber auch an der richtigen Adresse. Ich spiele auch gerne mit Mindfucks und Mehrdeutigkeiten. Der Roman, an dem ich gerade in meiner AG arbeite, ist auch voll mit sowas.

Auf jeden Fall gerne gelesen,
Veith


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stillnd
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber

Alter: 34
Beiträge: 24



BeitragVerfasst am: 22.09.2016 16:27    Titel: Version 3 Antworten mit Zitat

So, ich habe nochmal etwas nachgearbeitet und einige eurer Anmerkungen berücksichtigt. Ich hoffe es gefällt.
Weiteres Feedback würde mich freuen.

Stubenarrest

Als die Eichentür in seinen Rahmen einschlägt, zuckt Michelles zierlicher Körper zusammen. Ihre Augen starr auf den versperrten Ausgang gerichtet. Der Windstoß lässt ihre kritzeligen Zeichnungen aufflattern. Bunte Einhörner, die in allen Größen verteilt an den Wänden hängen. Während sie das Umdrehen des Schlüssels mit anhören muss, schluchzt sie in sich hinein, als darf es niemand bemerken. Dann sackt sie zusammen.

Auf dem Boden kauernd, tastet sie hinterrücks nach Iglo. Ein Moment des Glücks auf ihren Lippen, als sie seinen flauschigen Bauch zu fassen bekommt. Sie drückt ihr Gesicht in seinen schwarz-weißen Körper. Heute wollte sie alles richtig machen. Aber es ging nicht, sie konnte es nicht. »Isolation und Nahrungsentzug sind die Konsequenzen aus deinem Handeln.« Ein Satz der sich ihr tief eingebrannt hat. Sie weiß mittlerweile was das bedeutet. Ein Abendessen bekommt sie heute nicht und zu ihrem Leid, darf sie das Zimmer, weiterhin, auf unbestimmte Zeit, nicht verlassen. Michelles Augen werden feucht, als sie an ihre Eltern denkt und wie schwer enttäuscht sie sind. Enttäuscht von ihr, der einzigen Tochter. Das hat sie nicht gewollt. Sanft küsst sie Iglos leuchtend orangefarbenen Schnabel, während sich ihre Fingernägel in seine pummelige Statur graben. Tiefer und fester, während sie ihre Augen zusammenkneift und durch dünne Schlitze schaut, als hätte sie die Maske eines Faschingskostüms auf. Trotz und Wut keimen in ihr auf. Nicht bereit ihre Lage zu akzeptieren, beginnt sie ihre kleinen Füße wie Trommelschläge auf den Boden zu hämmern. Das Blut schießt ihr in den Kopf. Ihr Gesicht verkrampft. Unablässig lässt sie ihre fleischüberzogenen knochigen Fersen auf die ergrauten Fliesen sausen, während sie beginnt sich die Seele aus dem Leib zu schreien. Mit einem Satz springt sie auf, rennt auf die verschlossene Tür zu, und wirft ihre Kinderfäuste kompromisslos gegen den einzigen Ausgang. Doch ihre Hände wirken wie zwei Stubenfliegen die immerzu gegen eine Fensterscheibe prallen. Für einen kurzen Moment hat sie den Drang, sämtliche Erinnerungen der letzten Wochen in ihrem Kopf an der Tür zu zerschlagen. Gerade als sie beginnt sich mit dem Gedanken anzufreunden, weicht ihre Körperspannung der resignierenden Erschöpfung. Wie ein Klumpen totes Fleisch fällt ihr Körper zu Boden. Tropfen aus ihren Augen streicheln ihre Wangen entlang, während sie ihre pochenden Hände betrachtet.

Sie robbt sich zurück zu Iglo und verharrt neben ihm auf den Boden. Ihre Arme fest um die Beine geschlungen. Unbeholfen schwirrt sie mit ihren Blicken durch das Zimmer. Als sie ihre Aufmerksamkeit für einen kurzen Moment fixiert, verschwimmt alles um sie herum, während sie tiefer in ihrem Blick versinkt. Die Umgebung verschmilzt zu einem einzigen Einheitsbrei, der überraschend in die Dunkelheit abtaucht, nur um sich kurz drauf doch wieder im Licht zu zeigen. Zuckendes Licht, das sie zurück aus ihren trostlosen Gedanken holt. Das Flackern der Deckenlampe erinnert sie an die Blitze eines Gewitters. Alles in ihr verkrampft als sie sich vorstellt in vollkommener Dunkelheit zu sitzen, als ein lauter Schlag Sie erschüttern lässt.
Das Geräusch von zerberstendem Holz. Das Gepolter von Dutzenden schweren Schuhen auf einem Dielenboden. Lärm der Sie von oben herab zu erschlagen droht. Stimmengewirr. Fremde Stimmen. Fremde Stimmen, die durcheinander schreien. Sie ist mittlerweile in der Lage jedes Geräusch, das Sie von hier unten hören kann, einwandfrei zuzuordnen. Aber das gehört definitiv nicht zu den Dingen, die normalerweise durch die Decke dringen. Ja, Mama und Papa werden sauer sein. Aber jetzt wäre sie froh, wenn sie da wären. Zahlreiche Schritte scheinen ihr näherzukommen. Anstatt durch die Decke, dringen die Geräusche jetzt geradewegs durch die Holztür des Zimmers. Der verriegelte Ausgang, jetzt ihr einziger Beschützer. Ein beängstigendes Treiben hinter der Türe, als würde sich eine Herde wild gewordener Büffel auf engstem Raum drängen. Michelle vergräbt ihr Gesicht zwischen die Beine, die Augen wie von zwei Schraubzwingen zugedrückt. Ihre beiden Hände so fest gegen die Ohren gepresst, als würde sie ihren Kopf zerquetschen wollen. Angst. Sie hat furchtbare Angst. Als nach einem kurzen Moment der Stille, ihr ein Luftzug über den Nacken streift, weiß sie, ihr tapferer Ritter aus Holz ist gefallen. Irgendwas kommt auf sie zu. Hände, die nach ihr greifen, Hände, die sie berühren, mehr als sie zählen kann. Michelle ist voller Panik, unfähig die Augen zu öffnen. Befremdliche Stimmen reden ununterbrochen auf sie ein doch sie hört ihnen nicht zu. Hysterisch mit den Armen rudernd, als würde sie ertrinken, versucht sie jede der Berührungen weg zuschlagen. Doch die Gegenwehr ist aussichtslos, und ihre Kraft nicht ausreichend. Also lässt sie es geschehen und verliert augenblicklich den Boden unter den Füßen.

Das schwarze Loch der Angst, in dem sie sich befindet, beginnt sich aufzulösen. Mit blinzelnden Augen sieht Michelle eine Treppe unter sich. Kräftige Arme, die sie nach oben tragen. Schwarze schwere Stiefel die eine Stufe nach der anderen nehmen. Es wird heller umso mehr Stufen vorbeiziehen, wie wenn sie, in einem Auto sitzend, auf das Ende eines Tunnels zufahren würde. Immer mehr in Teilen vom Sonnenlicht bedeckt. Sonne, wie lange hat sie die Sonne nicht mehr gesehen? Sie weiß es nicht. Diese Stimmen, immer noch diese Stimmen um sie herum. Doch jetzt versteht sie es. Jetzt kann Michelle hören, was zu ihr gesagt wird. »Keine Angst. Keine Angst, mein Kind. Wir bringen dich nach Hause zu deinen Eltern. Wir bringen dich in Sicherheit.«
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Bunt Speck
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BeitragVerfasst am: 22.09.2016 16:53    Titel: Re: Version 3 Antworten mit Zitat

stillnd hat Folgendes geschrieben:


Stubenarrest

Als die Eichentür in IHREN Rahmen SCHLÄGT, zuckt Michelles zierlicher Körper zusammen. Ihre Augen starr auf den versperrten Ausgang gerichtet. Der Windstoß lässt ihre kritzeligen Zeichnungen aufflattern. Bunte Einhörner, die in allen Größen verteilt an den Wänden hängen. Während sie das Umdrehen des Schlüssels mit anhören muss, schluchzt sie in sich hinein, als DÜRFTE es niemand bemerken. Dann sackt sie zusammen.


Diese kurzen Anfangskorrekturvorschläge nach dem Lesen in aller Eile. Gefällt mir jetzt besser ... ich weiß ja nun auch, wer Iglo ist Rolling Eyes

Und danke für den Schlusssatz. Der bringt mehr Licht ins Dunkel.

Gruß,
Bunt
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stillnd
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BeitragVerfasst am: 22.09.2016 17:10    Titel: Version 3.1 Antworten mit Zitat

Danke Bunt Speck, ich habe es korrigiert.

Der Rest war nur Sarkasmus Ironie?



Stubenarrest

Als die Eichentür in ihren Rahmen schlägt, zuckt Michelles zierlicher Körper zusammen. Ihre Augen starr auf den versperrten Ausgang gerichtet. Der Windstoß lässt ihre kritzeligen Zeichnungen aufflattern. Bunte Einhörner, die in allen Größen verteilt an den Wänden hängen. Während sie das Umdrehen des Schlüssels mit anhören muss, schluchzt sie in sich hinein, als dürfte es niemand bemerken. Dann sackt sie zusammen.

Auf dem Boden kauernd, tastet sie hinterrücks nach Iglo. Ein Moment des Glücks auf ihren Lippen, als sie seinen flauschigen Bauch zu fassen bekommt. Sie drückt ihr Gesicht in seinen schwarz-weißen Körper. Heute wollte sie alles richtig machen. Aber es ging nicht, sie konnte es nicht. »Isolation und Nahrungsentzug sind die Konsequenzen aus deinem Handeln.« Ein Satz der sich ihr tief eingebrannt hat. Sie weiß mittlerweile was das bedeutet. Ein Abendessen bekommt sie heute nicht und zu ihrem Leid, darf sie das Zimmer, weiterhin, auf unbestimmte Zeit, nicht verlassen. Michelles Augen werden feucht, als sie an ihre Eltern denkt und wie schwer enttäuscht sie sind. Enttäuscht von ihr, der einzigen Tochter. Das hat sie nicht gewollt. Sanft küsst sie Iglos leuchtend orangefarbenen Schnabel, während sich ihre Fingernägel in seine pummelige Statur graben. Tiefer und fester, während sie ihre Augen zusammenkneift und durch dünne Schlitze schaut, als hätte sie die Maske eines Faschingskostüms auf. Trotz und Wut keimen in ihr auf. Nicht bereit ihre Lage zu akzeptieren, beginnt sie ihre kleinen Füße wie Trommelschläge auf den Boden zu hämmern. Das Blut schießt ihr in den Kopf. Ihr Gesicht verkrampft. Unablässig lässt sie ihre fleischüberzogenen knochigen Fersen auf die ergrauten Fliesen sausen, während sie beginnt sich die Seele aus dem Leib zu schreien. Mit einem Satz springt sie auf, rennt auf die verschlossene Tür zu, und wirft ihre Kinderfäuste kompromisslos gegen den einzigen Ausgang. Doch ihre Hände wirken wie zwei Stubenfliegen die immerzu gegen eine Fensterscheibe prallen. Für einen kurzen Moment hat sie den Drang, sämtliche Erinnerungen der letzten Wochen in ihrem Kopf an der Tür zu zerschlagen. Gerade als sie beginnt sich mit dem Gedanken anzufreunden, weicht ihre Körperspannung der resignierenden Erschöpfung. Wie ein Klumpen totes Fleisch fällt ihr Körper zu Boden. Tropfen aus ihren Augen streicheln ihre Wangen entlang, während sie ihre pochenden Hände betrachtet.

Sie robbt sich zurück zu Iglo und verharrt neben ihm auf den Boden. Ihre Arme fest um die Beine geschlungen. Unbeholfen schwirrt sie mit ihren Blicken durch das Zimmer. Als sie ihre Aufmerksamkeit für einen kurzen Moment fixiert, verschwimmt alles um sie herum, während sie tiefer in ihrem Blick versinkt. Die Umgebung verschmilzt zu einem einzigen Einheitsbrei, der überraschend in die Dunkelheit abtaucht, nur um sich kurz drauf doch wieder im Licht zu zeigen. Zuckendes Licht, das sie zurück aus ihren trostlosen Gedanken holt. Das Flackern der Deckenlampe erinnert sie an die Blitze eines Gewitters. Alles in ihr verkrampft als sie sich vorstellt in vollkommener Dunkelheit zu sitzen, als ein lauter Schlag Sie erschüttern lässt.
Das Geräusch von zerberstendem Holz. Das Gepolter von Dutzenden schweren Schuhen auf einem Dielenboden. Lärm der Sie von oben herab zu erschlagen droht. Stimmengewirr. Fremde Stimmen. Fremde Stimmen, die durcheinander schreien. Sie ist mittlerweile in der Lage jedes Geräusch, das Sie von hier unten hören kann, einwandfrei zuzuordnen. Aber das gehört definitiv nicht zu den Dingen, die normalerweise durch die Decke dringen. Ja, Mama und Papa werden sauer sein. Aber jetzt wäre sie froh, wenn sie da wären. Zahlreiche Schritte scheinen ihr näherzukommen. Anstatt durch die Decke, dringen die Geräusche jetzt geradewegs durch die Holztür des Zimmers. Der verriegelte Ausgang, jetzt ihr einziger Beschützer. Ein beängstigendes Treiben hinter der Türe, als würde sich eine Herde wild gewordener Büffel auf engstem Raum drängen. Michelle vergräbt ihr Gesicht zwischen die Beine, die Augen wie von zwei Schraubzwingen zugedrückt. Ihre beiden Hände so fest gegen die Ohren gepresst, als würde sie ihren Kopf zerquetschen wollen. Angst. Sie hat furchtbare Angst. Als nach einem kurzen Moment der Stille, ihr ein Luftzug über den Nacken streift, weiß sie, ihr tapferer Ritter aus Holz ist gefallen. Irgendwas kommt auf sie zu. Hände, die nach ihr greifen, Hände, die sie berühren, mehr als sie zählen kann. Michelle ist voller Panik, unfähig die Augen zu öffnen. Befremdliche Stimmen reden ununterbrochen auf sie ein doch sie hört ihnen nicht zu. Hysterisch mit den Armen rudernd, als würde sie ertrinken, versucht sie jede der Berührungen weg zuschlagen. Doch die Gegenwehr ist aussichtslos, und ihre Kraft nicht ausreichend. Also lässt sie es geschehen und verliert augenblicklich den Boden unter den Füßen.

Das schwarze Loch der Angst, in dem sie sich befindet, beginnt sich aufzulösen. Mit blinzelnden Augen sieht Michelle eine Treppe unter sich. Kräftige Arme, die sie nach oben tragen. Schwarze schwere Stiefel die eine Stufe nach der anderen nehmen. Es wird heller umso mehr Stufen vorbeiziehen, wie wenn sie, in einem Auto sitzend, auf das Ende eines Tunnels zufahren würde. Immer mehr in Teilen vom Sonnenlicht bedeckt. Sonne, wie lange hat sie die Sonne nicht mehr gesehen? Sie weiß es nicht. Diese Stimmen, immer noch diese Stimmen um sie herum. Doch jetzt versteht sie es. Jetzt kann Michelle hören, was zu ihr gesagt wird. »Keine Angst. Keine Angst, mein Kind. Wir bringen dich nach Hause zu deinen Eltern. Wir bringen dich in Sicherheit.«
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Bunt Speck
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Beiträge: 347
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BeitragVerfasst am: 23.09.2016 08:42    Titel: Re: Version 3.1 Antworten mit Zitat

stillnd hat Folgendes geschrieben:
Danke Bunt Speck, ich habe es korrigiert.

Der Rest war nur Sarkasmus Ironie?


Durchaus nicht. Hat das mein Emoticon verursacht?
Nein, ich wollte ganz ernsthaft sagen, dass ich es nun besser finde, übrigens auch die Perspektive. Ich weiß nicht mehr, ob der Schlusssatz vorher auch drin war, meine aber nein. Jetzt habe ich das Gefühl, dass die Eltern doch noch eine rettende Funktion haben und mir erscheint das Ganze nicht mehr ganz so düster wie zuvor. Mag auch am zweiten Lesen liegen.
Und das mit Iglo mag auch am zweiten Lesen liegen und der Gewissheit, dass es ein Plüschpinguin ist. Man überliest beim ersten Mal ja gerne das ein oder andere.

Also keine Ironie, kein Sarkasmus, sondern ein ganz ehrlich gemeintes
Statement.

Btw: ich würde den Nachsatz "als dürfte es keiner merken" auch einfach streichen. Ich stelle mir vor, dass das Michelle in dem Moment schlicht wurscht ist. As you like.

Gruß,
Bunt
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stillnd
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BeitragVerfasst am: 23.09.2016 11:15    Titel: Re: Version 3.1 Antworten mit Zitat

Bunt Speck hat Folgendes geschrieben:
Durchaus nicht. Hat das mein Emoticon verursacht?


Tatsächlich war es das Emoticon und die Bemerkung über den Schlusssatz, die mich in die Richtung denken ließen. Der Schlusssatz deswegen, weil er sich nicht geändert hatte. Very Happy

Irrtum meinerseits - geklärt - danke für dein Statement.

Zitat:
Btw: ich würde den Nachsatz "als dürfte es keiner merken" auch einfach streichen. Ich stelle mir vor, dass das Michelle in dem Moment schlicht wurscht ist. As you like.


Es soll aufzeigen, dass Michelle sich ein bisschen schämt. Ich hoffe zumindest, dass es rüberkommt. Wenn ja: So i like Razz

LG, StillND
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Bunt Speck
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BeitragVerfasst am: 23.09.2016 13:00    Titel: Antworten mit Zitat

okay, daran habe ich gar nicht gedacht, sondern eher, dass sie für sich sein will ... was ja weitgehend passt.
Aber wenn Du das Schämen betont darstellen willst, würde ich es expliziter machen. ... wie weiß ich auch nicht. Meine Tochter tickt eher aus, wenn sie sich schämt bzw. über sich selbst ärgert. Wenn sie es in sich hineinfrisst, dann eher um zu zeigen, dass es ihr nichts ausmacht, sie stark ist.

Die Reaktion wirkt mit dem Scham-Wissen auf mich sehr kontrolliert, was ja dann später nicht mehr der Fall ist. Und "sehr kontrolliert" passt irgendwie nicht zu einem Kind das, ich würde dem Text nach sagen, rund 4/5 ist. In der Diskussion zum Text war Michelle glaube ich 6?

Das nur so als Hinweise/Meinung. Da mag es anderen anders gehen.
Gruß,
Bunt
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nothingisreal
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Wohnort: unter einer Brücke


BeitragVerfasst am: 23.09.2016 14:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo stillnd,

"schöne" Geschichte hast du da. Beinah alles, was meine Vorposter gesagt haben, kann ich unterschreiben. Insbesondere die springende Perspektive und seltsame Formulierungen. Dennoch hat mir die Geschichte gefallen oder eben auch nicht, aber genau das wolltest du erreichen Very Happy

Was für mich noch absolut merkwürdig wirkt: Welche Eltern meint sie jetzt? Die Entführer oder ihre echten? Beides ist möglich, sollte aber klar werden.

Außerdem: Sie wird eingesperrt, weil sie etwas angestellt hat. Soweit so gut. Aber: Warum sieht sie nie Tageslicht? Das würde bedeuten, sie ist immer eingesperrt.

Auch hätte ich gerne mehr Fragen beantwortet. Auch Kurzgeschichten sollten rund sein.

LG NIR


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"Es gibt drei Regeln, wie man einen Roman schreibt. Unglücklicherweise weiß niemand, wie sie lauten." - William Somerset Maugham
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scura
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BeitragVerfasst am: 23.09.2016 15:57    Titel: Antworten mit Zitat

Ich wollte nur anmerken, dass für mich keine Fragen mehr offen sind.
Einige Gedankengänge und Formulierungen würde ich vielleicht nicht einer sechsjährigen zuordnen... aber vielleicht ist das Geschmackssache.

Für mich sind mit Eltern, wenn das Mädchen an diese denkt, die echten gemeint.  Ich habe es für mich so heraus gelesen: der Leser  soll Quasi auf eine falsche Fährte geführt werden. Er/Sie soll denken, dass die echten Eltern das Mädchen grausam behandeln. Das Mädchen denkt aber an ihre Eltern, dass sie enttäuscht von ihr sind, weil es nicht heimgekommen ist und sich entführen hat lassen.  So habe ich es gelesen.

Sie sieht deswegen kein Tageslicht weil sie im Verborgenen gehalten wird. Im Keller oder so (als Österreicherin hat man da sogleich seine Assoziationen).


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Im blinzeln eines Augenblickes,
dein verhülltes Lächeln,
in dem mein ganzes Hoffen in die Zukunft liegt.
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nothingisreal
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BeitragVerfasst am: 23.09.2016 16:13    Titel: Antworten mit Zitat

scura hat Folgendes geschrieben:


Sie sieht deswegen kein Tageslicht weil sie im Verborgenen gehalten wird. Im Keller oder so (als Österreicherin hat man da sogleich seine Assoziationen).


Für mich ist das nicht selbstverständlich. Das Mädchen könnte auch in einem Haus auf dem Land untergebracht sein und nur zur Bestrafung in ihr Zimmer eingesperrt werden.


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Bunt Speck
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BeitragVerfasst am: 23.09.2016 19:44    Titel: Antworten mit Zitat

schöne Diskussion. Ich kann mich NIR anschließen. Das hatte ich ja vorher auch schonmal geschrieben, dass ich gern mehr wüsste ... was ja nicht heißt, dass Du mehr schreiben musst. Aber wissen will ich es trotzdem.

Bunt
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stillnd
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Alter: 34
Beiträge: 24



BeitragVerfasst am: 27.09.2016 08:40    Titel: Antworten mit Zitat

nothingisreal hat Folgendes geschrieben:
Insbesondere die springende Perspektive und seltsame Formulierungen


Habe ich Perspektivsprünge in meiner Geschichte? Bitte mir die entsprechenden Stellen zeigen, damit ich es verbessern kann. Wüsste selber jetzt gerade nicht wo Question Danke! Wink

Zitat:
Welche Eltern meint sie jetzt?

Ihre leiblichen Eltern. Sie macht sich Sorgen, dass sie böse mit ihr sind weil sie nicht mehr nach Haus gekommen ist. Sie fühlt sich schuldig.

Zitat:
Aber: Warum sieht sie nie Tageslicht? Das würde bedeuten, sie ist immer eingesperrt.

Ja, wenn nicht im Zimmer, dann im unterirdischen Komplex. Mit der Bemerkung über das Sonnenlicht, sollte eben klar werden, dass sie nur unterirdisch gelebt hat.

Primär geht es in meiner Geschichte ja um die Situation an sich und die Gefühle und Reaktionen von Michelle. Das wie, wo, warum möchte ich dem mitfühlenden Leser überlassen.
Ich bin, zugegeben, etwas vorsichtig mit Änderungen die zu mehr Fakten führen. Meine Befürchtung ist, dass die Atmosphäre der Geschichte dadurch Schaden nimmt, wenn ich sie wie einen Zeitungsartikel mit Fakten fülle. Ich nenne das mal: Mut zur Lücke Razz


Danke für eure Meinungen Exclamation Very Happy
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