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Firilion
Geschlecht:männlichHobbyautor


Beiträge: 338



BeitragVerfasst am: 22.04.2008 14:18    Titel: eine Nachtszene eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

eine Nachtszene

Vom aschfahlen Licht geblendet,
schweigen die blinden Fensterscheiben
an diesem dunklen Ort!
Sie haben es gesehen
und ihre Augen verschlossen.
Die Vorhänge weinen in schäbigbleichem Blau;
trostlos hängen ihre Faltenarme herab.
Der staubige Boden saugt sich still
in leuchtendes Rot;
hüllt die Farbe in graue Schleier,
um die Tat zu verbergen.
Un doch kullern meine Tränen
als Anklage
gegen mein verbittertes Schweigen!
Ein Schnitt ins Fleisch.
Die Klinge brennt
ein Mahnmal auf die Haut!


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Taugenichts
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 33
Beiträge: 1286



BeitragVerfasst am: 24.04.2008 00:34    Titel: Antworten mit Zitat

Toll!
Aber leider viel zu viel!
Da tropft aus jeder Zeile ein dermaßener Wust an Metaphern, das man geneigt ist (obwohl mir dem wirklich nicht so scheint, bei leibe nicht!) das ganze für Geschwätz zu halten.
Aber wenn man es genau liest, steckt da so wahnsinnig viel an Bildern zwischen den Zeilen.

"trostlos hängen ihre Faltenarme herab"
Allein das, ist eine ganze Geschichte für sich.


_________________
Hellseherei existiert nicht. Die Leute glauben mir mein Geschwätz nur, weil ich einen schwarzen Smoking trage.
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Brynhilda
Felix Aestheticus

Alter: 39
Beiträge: 9709
Wohnort: Oderint, dum probent.


Edgar Allan Poe (1809 bis 1849) - Zum 200. Geburtstag
BeitragVerfasst am: 25.04.2008 15:30    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Matthias!

Was mich hier ein wenig stört, ist das Wort "kullern". Das paßt so gar nicht in den Text und macht ihn sogar, in meinem Empfinden, ein wenig kaputt.

Aber abgesehen davon gefällt mir das Gedicht sehr.

Die Fülle der Metaphern stört mich persönlich aber nicht. Weil jede davon auf ihre Weise harmonisch und maßvoll ist.
Dadurch bleibt der Text im gleichgewicht.

Wie gesagt: Bis auf die Sache mit dem "kullern".

Viele Grüße,
Ilka
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Firilion
Geschlecht:männlichHobbyautor


Beiträge: 338



BeitragVerfasst am: 25.04.2008 15:39    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für eure Antworten.

Wenn ich es jetzt noch einmal genau betrachte, empfinde ich "kullern" auch als zu weich und kindlich.

Vielleicht sollte ich zum bewährten "tropfen" greifen, was recht harmonisch mit Tränen klingt:


Und doch tropfen zähe Tränen
als Anklage
gegen mein verbittertes Schweigen
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Brynhilda
Felix Aestheticus

Alter: 39
Beiträge: 9709
Wohnort: Oderint, dum probent.


Edgar Allan Poe (1809 bis 1849) - Zum 200. Geburtstag
BeitragVerfasst am: 25.04.2008 15:40    Titel: Antworten mit Zitat

Was hältst du von "rinnen"?
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Firilion
Geschlecht:männlichHobbyautor


Beiträge: 338



BeitragVerfasst am: 25.04.2008 15:45    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Klingt im Zusammenhang gut, aber ich muss da immer unwillkürlich an "Die Glocke" von Schiller denken. Eine prägende Schulerfahrung über das Auswendiglernen von Gedichten....

Ich hatte auch kurz an sickern gedacht, weil es ein klanglich sehr hartes Wort ist, das gut passen würde, aber dann ergibt es keinen rechten Sinn mehr. Dann müsste ich die Zeilen dort komplett überarbeiten.

Ich denke rinnen wäre wirklich gut!

@Taugenichts
Ja, ich weiß, es strotzt nur so vor Methaphern, aber das ist gewollt. Ich möchte, das der Leser in jeder Zeile anfängt zu denken und zu malen, die Szene mit Leben (und Schmerz) zu füllen, ein Gefühl für die Trostlosigkeit zu entwickeln. Es kann sein, das die Menge wirklich zu übertrieben ist und der Leser die Lust verliert, aber ich hoffe nicht
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Egopus
Cholyriker

Alter: 56
Beiträge: 958
Wohnort: Duisburg


BeitragVerfasst am: 25.04.2008 15:46    Titel: Antworten mit Zitat

Und doch kullern meine Tränen
als Anklage


_________________
Brachial-Poet
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Brynhilda
Felix Aestheticus

Alter: 39
Beiträge: 9709
Wohnort: Oderint, dum probent.


Edgar Allan Poe (1809 bis 1849) - Zum 200. Geburtstag
BeitragVerfasst am: 25.04.2008 15:59    Titel: Antworten mit Zitat

Firilion hat Folgendes geschrieben:
Es kann sein, das die Menge wirklich zu übertrieben ist und der Leser die Lust verliert, aber ich hoffe nicht


Man hat nicht alles in der Hand.
Und nicht jedes Gedicht wird von jedem Leser geliebt. Das ist nun einmal so
Wir müssen die Dinge so schreiben, wie wir sie fühlen. Dem einen wird das gefallen, dem anderen nicht.
Und unser Gedicht bleibt trotzdem, was es ist. Nicht mehr, nicht weniger.

Es kommt immer auf das rechte Maß an.
Was mich betrifft, ist das ein ausgewogener Text.
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Epos65
Geschlecht:weiblichSchreiberassi

Alter: 53
Beiträge: 62
Wohnort: Freilassing


BeitragVerfasst am: 25.04.2008 20:31    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Firilion!

Was hältst' denn von "Und doch sind meine Tränen eine Anklage"?
Allerdings ist "sind" sehr statisch im Vergleich zu "kullern" oder "rinnen".

Eine Stelle verstehe ich nicht:

Zitat:
Der staubige Boden saugt sich still in leuchtendes Rot;


"saugt sich in"? Nicht eher "saugt sich voll"?

Ansonsten gefällt mir, wie du mit Worten eine düstere Stimmung malst.

Alles Liebe
Tina


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Übertreibung ist der Übergang vom Leben zur Kunst.
G.K. Chesterton
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Enfant Terrible
Geschlecht:weiblichalte Motzbirne

Alter: 25
Beiträge: 10334
Wohnort: München


Ein Fingerhut voller Tränen - Ein Gedichtband
BeitragVerfasst am: 25.04.2008 20:39    Titel: Antworten mit Zitat

Epos65 hat Folgendes geschrieben:
Was hältst' denn von "Und doch sind meine Tränen eine Anklage"

Mein persönlicher, spontaner Vorschlag wäre:
Jede Träne, die fällt
wird zur Anklage

Das Verb "werden" ist um einiges lebendiger als "sein", außerdem hast du hier auf diese Weise noch "Bewegung" drin.


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"...und ich bringe dir das Feuer
um die Dunkelheit zu sehen"
ASP

Geschmacksverwirrte über meine Schreibe:
"Schreib nie mehr sowas. Ich bitte dich darum." © Eddie
"Deine Sprache ist so saftig, fast möchte man reinbeißen." © Hallogallo
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Firilion
Geschlecht:männlichHobbyautor


Beiträge: 338



BeitragVerfasst am: 25.04.2008 21:12    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@Tina
Die Zeile
"Der staubige Boden saugt sich still in leuchtendes Rot" heißt absichtlich so. Es soll verdeutlichen, wie sich der graue, farblose Boden in leuchtend rote Farbe verwandelt. Ich habe bewußt nicht geschrieben, das er sich damit vollsaugt. Würde das passieren, wäre es eine grau-rote Mischung, aber nicht dieses Leuchten, das wir eine Anklage vom Boden durch den Raum hallt. Der Boden wird selbst leuchtendes Rot, kein Grau, kein Staub, nur Rot.

@Terrorkrümel
Vielen Dank für diesen Vorschlag. Ich werde das aufgreifen, denn es gefällt mir.


Ich würde Zeilen dann ändern und sogar noch ergänzen, denn es passt so perfekt hinein in diese Szene:
Jede Träne, die fließt
klagt mein verbittertes Schweigen an
und verrinnt doch ungehört!
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Epos65
Geschlecht:weiblichSchreiberassi

Alter: 53
Beiträge: 62
Wohnort: Freilassing


BeitragVerfasst am: 25.04.2008 21:23    Titel: Antworten mit Zitat

Aaah! Verstehe, das mit dem Boden und dem Rot.

Warum schreibst du dann
Zitat:
hüllt die Farbe in graue Schleier,
um die Tat zu verbergen.
  Rolling Eyes

Ist aber nicht so wichtig. Denn dein Text lebt vom unmittelbaren Eindruck, den er hinterläßt.
Den muss man nicht zerlegen.

Alles Liebe
Tina


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G.K. Chesterton
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Firilion
Geschlecht:männlichHobbyautor


Beiträge: 338



BeitragVerfasst am: 25.04.2008 21:31    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Das ist die subjektive Perspektive des LI. Es will nicht sehen, was geschieht, es möchte keine Zeugen, keine Beweise. Für das LI wäre das "Rot" eine Anklage, aber es möchte nicht schuld sein, an dem, was dort passiert.
Der Staub soll alles verschleiern, aber stattdessen wird der Boden rot.


Aber so langsam verstehe ich Taugenichts mit seiner Aussage der dichten Methaphorik, die einen erschlagen kann. Vielleicht hätte ich gleich eine kleine Interpretation mitliefern sollen...kein einfaches Werk von mir, gebe ich zu.
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Enfant Terrible
Geschlecht:weiblichalte Motzbirne

Alter: 25
Beiträge: 10334
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Ein Fingerhut voller Tränen - Ein Gedichtband
BeitragVerfasst am: 25.04.2008 21:46    Titel: Antworten mit Zitat

Firilion hat Folgendes geschrieben:
@Terrorkrümel
Vielen Dank für diesen Vorschlag. Ich werde das aufgreifen, denn es gefällt mir.
Ich würde Zeilen dann ändern und sogar noch ergänzen, denn es passt so perfekt hinein in diese Szene:
Jede Träne, die fließt
klagt mein verbittertes Schweigen an
und verrinnt doch ungehört!

Sehr schön. Ich bin froh, wenn ich helfen konnte! smile


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um die Dunkelheit zu sehen"
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Geschmacksverwirrte über meine Schreibe:
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SylviaB
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BeitragVerfasst am: 26.04.2008 03:15    Titel: Antworten mit Zitat

eine Nachtszene
Allein die Überschrift fühlt sich bedrückend an. Und zu dem Rest einfach tief und dunkel...

Vom aschfahlen Licht geblendet,
Aschfahles Licht blendet nicht, es trübt die Augen, es ändert den Blick, man will oder kann nicht sehen.
schweigen die blinden Fensterscheiben
Auch hier wieder, man kann nicht hindurch sehen. Die Scheiben sind blind, dadurch kann niemand von außen schauen, allerdings kann man auch von Innen nicht raus sehen. Also Vereinsamung, Ausgrenzung.. vielleicht von selbst herbeigeführt.
an diesem dunklen Ort!
Aschfahles Licht und dann der dunkle Ort. Das Licht erhellt nicht wirklich, es lässt den Ort in allen Schatten eher dunkel erscheinen. Der Ort ist trüb, ich würde ihn hier schon als schmuddelig bezeichnen. Als wirr, unordentlich unaufgeräumt... nicht klar, vielleicht könnte man es als – ohne echte Abgrenzungen – und – eher verschwommen – bezeichnen.
Sie haben es gesehen
Sie sahen die blinden Scheiben, sie sahen da ist was nicht in Ordnung.
und ihre Augen verschlossen.
Sie wollten nicht sehen. Es ist so einfach die Augen zu verschließen!
Die Vorhänge weinen in schäbigbleichem Blau;
Hier die Wiederholung.. es ist schäbig, das Blau ausgebleicht, also wieder ohne eine klare Grenze. Die Vorhänge weinen, denn obwohl sie offen sind sieht niemand durch das Fenster.
Dabei wird sogar darauf hingewiesen, die Möglichkeit gegeben: Hey schaut her! Hier!

trostlos hängen ihre Faltenarme herab.
Der Vorhang hängt an den Seiten herab. Nein er hängt nicht, er tropft... er weint ja. Also ist er nicht mehr ganz, er ist kaputt... ein Vorhang der runter tropft ... die Tränen sind nicht heilend. Sie zeigen das Zerstörte.
Der staubige Boden saugt sich still
in leuchtendes Rot;
Der Boden ist staubig, er kann also das Blut des Lebens aufsaugen. Wie ein Schwamm nimmt er es auf. Es leuchtet und doch ist es still. Also macht es schon auf sich aufmerksam aber nicht auf einem direkten Weg. Eher ist es ein indirektes darauf Hinweisen. Es wird sicher nicht von jedem verstanden, nur von Leuten die daran interessiert sind und dem nachgehen.
hüllt die Farbe in graue Schleier,
um die Tat zu verbergen.
Graue Schleier, der Staub verwandelt das Blut. Er saugt es auf und dickt es an. Er vertuscht was geschehen ist. Er ist die Ausrede, das Hemd, der Pullover... vielleicht sogar die Angst vor dem Hinsehen.
Und doch kullern meine Tränen
als Anklage
Das „kullern“ finde ich persönlich richtig gut. Klar ist es kindlich aber was fühlt das lyrische Ich denn? Ist es nicht eine Art kindliche Regung? Fühlt es sich nicht so? Es fühlt sich doch sicher nicht wie ein Erwachsener. Sondern wie ein Kind, das in einem erwachsenen Körper steckt und nicht weiß, wie es mit bestimmten Situationen umgehen kann. Es kann sich dem nicht stellen, weil viel zu ängstlich, traurig vielleicht auch leer.
gegen mein verbittertes Schweigen!
Es wehrt sich auf seine Weise. Es zeigt die Tränen... sind es Tränen? Oder ist die Träne nur die Metapher für Blut? Ist es das Leben selbst – also der Lebenssaft – der nicht mehr gesehen werden will? Der durch das Schweigen blockiert wird? Liest sich für mich unglaublich depressiv
Ein Schnitt ins Fleisch.
Hier wird klar,  es geht um das Leben selbst. Um den Lebenssaft der vergossen wird. Leben lassen um Leben zu spüren.
Die Klinge brennt
Es ist schmerzhaft aber  nur so kann das lyrische Ich fühlen. Sich selbst, sein eigenes Leben erspüren. Es zeigt sich selbst – Hallo, ich bin noch da, noch nicht ganz in dem ganzen Sumpf, in der Unordnung meines Lebens verschwunden.
ein Mahnmal auf die Haut!
Und das Ritzen hinterlässt ein Mahnmal... Es zeigt immer wieder, hier, du bist verwundbar also lebst du!

Ich weiß natürlich nicht, ob das auch alles so gemeint ist, allerdings sehe ich es genau so. Wie einen düsteren alten, nicht mehr gebrauchten Hinterraum in einer alten schäbigen Kneipe. Die Fenster blind, die Vorhänge in Fetzen an den Seiten herab hängend und mitten drin ein Mensch... nackt, sensibel, wehrlos... aber eine Rasierklinge, die hat dieser Mensch und um sich gegen diese Vereinsamung, diese Leere in sich zu wehren, das Leben wieder zu spüren, da ritzt dieser Mensch sich. Fügt sich Schmerzen zu und dieser Schmerz, das Brennen, lässt das lyrische Ich hoffen. Hoffen, dass es mehr als nur dieses triste Dasein gibt. Das Blut tropft herunter und bildet kleine Seen. Und durch die blinden Fenster fällt dieses fahlen gruselige Licht. Das lyrische Ich kann draußen das Leben nicht sehen, aber genauso wenig sehen die Menschen hinein ins lyrische Ich Dasein.
Ich könnte endlos so weiter schreiben. Es kommen immer mehr Bilder in meinen Kopf.

Mich würde interessieren, wie bist du auf ein solches Gedicht gekommen? Natürlich nur wenn ich fragen darf, ich möchte nicht aufdringlich erscheinen.

Lieben Gruß
Sylvia


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Firilion
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BeitragVerfasst am: 26.04.2008 14:29    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich bin überwältigt, danke für diese ausführliche Antwort, Sylvia.
Ich bin nicht davon ausgegangen, das es jemand so genau verstehen würde. Es ist nahezu exakt, was ich dabei dachte.
Respekt !

Zur Entstehungsgeschichte, bevor hier wilde Gerüchte ihre Runden drehen:
Das Gedicht beschreibt tatsächlich eine einsame Person in einem Zimmer. Das Zimmer wirkt nicht auf jeden trostlos, sondern nur auf diese Person und das auch nicht immer. Es handelt sich hierbei um mein WG-Zimmer, das mir je nach Stimmung sehr einsam und trostlos erscheint, aber auch das Gegenteil sein kann. Meistens ist dieser Zustand selbst herbeigeführt, da ich diesen - warum auch immer - manchmal brauche.
Ich persönlich höre ab und an gerne Johnny Cash, weil ich seine Lieder sehr mag; wegen den Texten, nicht zwingend wegen der Melodie. Das Cover von dem Lied "Hurt" (originial: Nine Inch Nails) finde ich unglaublich gelungen und den Text sehr sehr stark (*klick*)
Der Link führt zur youtube, falls man den Song nicht kennt.
Hinzu kommt, das ich kurz vor dem Schreiben einen Apfel gegessen hatte und ein Küchenmesser in meinem Zimmer auf dem Tisch lag. Dann kamen die ersten Gedanken zu dem Gedicht auf. Atmosphäre im Zimmer, der Song, das Messer.
Ich selbst als Person würde nie etwas machen, das mir absichtlich Schmerz zufügt. Dazu hätte ich weder Mut noch Veranlassung. Aber mein Hirn schafft es, über alles immer nachdenken zu müssen, es auszukleiden und wie ein Bild, wie eine tatsächliche Handlung, die passiert oder passierte, erscheinen zu lassen.
Das fließt in meine Gedichte ein, so auch hier. In meinen Gedanken verschwinden Realität und Fiktion zu einem Bild der verzerrten Wahrheit.
Fluch? Segen? Beides!
Ich möchte es nicht mehr missen, denn damit lebe ich seit sehr sehr vielen Jahren und habe gelernt so etwas auch zielgerichtet zu nutzen oder zu unterdrücken.
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SylviaB
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BeitragVerfasst am: 29.04.2008 12:35    Titel: Antworten mit Zitat

Ich würde es eine "gefährliche Gabe" nennen. Sie kann einen nämlich auch in einen Abgrund stoßen und damit in eine Depression.
Allerdings, wenn sie unter Kontrolle ist, auch wundervoller Werke hervor bringen.

Übrigens, empfand ich dein Gedicht gar nicht als so schwer. Ich fand eher, wer sich ein bisserl damit beschäftigt, kann sehr gut erkennen, worum es dir dort geht.

Selbst gewählte Isolation... Großstadt Einsamkeit.
Die in der heutigen Zeit herangezüchtete "unmenschliche Menschlichkeit" bis zur Selbstzerstörung.

Natürlich werden die Werke eines Autors immer direkt mit seinem Leben verglichen. Aber nur dann, wenn die Leute das Werk aus den Augen des Schriftstellers sehen und nicht mit den eigenen Augen. Ihr Inneres nicht hinein pflanzen, sich selbst nicht öffnen.

Was eigentlich schade ist, denn dann würden weit mehr hilfreiche Reaktionen kommen.
Ich würde es gern einmal vertont hören. smile Sehr gerne... *anstubs*

Ganz lieben Gruß
Sylvia


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BeitragVerfasst am: 29.04.2008 14:15    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Sylvia,

ich würde gerne, aber kann nicht, da ich eine Audiodatei nur in einen neuen Post einfügen kann, nicht in eine Antwort. Und editieren ist ja nicht erlaubt, wenn einmal eine Antwort geposted wurde.

Somit liegt die nachtszene.mp3 nun fertig auf meiner Festplatte und wird doch nicht gehört, denn extra einen neuen Thread mag ich nicht dafür erstellen.

Gruß
Matthias
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SylviaB
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BeitragVerfasst am: 29.04.2008 14:19    Titel: Antworten mit Zitat

OOOOOOOOOOh, da sag einfach Boro er möchte sie einfügen.
Er macht das, hat er bei meinen "Du" und "Dich" auch gemacht smile extra

Ich zappel hier solang bis ich es "hören" kann. *schmunzel*


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Firilion
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BeitragVerfasst am: 29.04.2008 14:36    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Habe Boro eine PN geschickt smile

Hoffentlich "entstellt" die Aufnahme das Werk nicht zu sehr
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Firilion
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BeitragVerfasst am: 29.04.2008 17:48    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

So, Audiofile ist eingefügt.
Viel Spass beim anhören.

Ich muss noch ein wenig mit Audacity rumspielen, die "Sch-Laute" sind noch zu spitz, ich glaube, mein Micro ist zu gut...man hört teilweise die Strasse durchs geschlossen Fenster
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SylviaB
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BeitragVerfasst am: 29.04.2008 19:13    Titel: Antworten mit Zitat

smile extra Sehr schön!

Ok, die Übersteuerung stört ein bisserl. Das kannst du dämpfen indem du rechts in deiner Tonspur deinen Regler ganz nach links oder rechts stellst.

Zu dem scharfen S habe ich dir schon etwas per PN geschrieben.

Ich bin versucht, es auch einmal zu lesen und dir per Mail zu schicken.
Ich hätte die Betonung etwas anders gelesen. Aber ansonsten gibt es dem Werk sehr viel. Ich danke dir dafür smile

Ganz lieben Gruß
Sylvia


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