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... du sollst dir kein Bild machen


 

 
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Tayfun
Geschlecht:weiblichHobbyautor


Beiträge: 392
Wohnort: Ruhrpott


BeitragVerfasst am: 20.04.2008 01:07    Titel: ... du sollst dir kein Bild machen eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

du sollst dir kein Bild machen

ich habe Gott gefunden
in der Gosse lag sein Druck
kreuz und quer
zerrissen
wie eine Collage
setzte ich ihn zusammen:
der Mund ist schief
ein Auge fehlt
er hängt auch etwas schlaff
am Holz
kein schönes Bild
aber

meins

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Longo
Geschlecht:männlichAutor


Beiträge: 875



BeitragVerfasst am: 21.04.2008 11:58    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn du mit Druck die Bibel meinst, dann fehlt aber (rein logisch gesehen) der Zusammenhang zu Holz. Oder du implizierst es darin.
Mit der Überschrift habe ich Probleme: Verhaftet die Überschrift in der puren, katechismusartigen Aussage oder verbindet sich damit eine Kritik daran?

MFG Longo
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Tayfun
Geschlecht:weiblichHobbyautor


Beiträge: 392
Wohnort: Ruhrpott


BeitragVerfasst am: 21.04.2008 13:53    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Longo,
danke für deine Rückmeldung.

Und ja, dieses Gedicht ist eigentlich offen in mehrere Richtungen deutbar. Das fand ich nachträglich spannend bei der Wortwahl.

Für den, der glauben möchte, ist es pro religiös. Zwar eher  abendländisch christlich, da ich hier mehr Symbole entlehne. (Interpretationsrichtung: das verlorene Schaf), aber nicht zwingend.
Oder Gott als Metapher für Göttliches, Glauben allgemein.

Der Atheist (wie ich einer bin) kann es wieder total anders lesen. Dann ist es gesellschaftskritisch und sarkastisch. Oder ganz böse gedeutet sogar blasphemisch.

Mir machen solche doppelbödigen, kritischen Sachen zur Zeit Spaß. Wie gesagt, ich entdecke die dichterische Freiheit  Wink .

Druck:
- Schrift
- gedrucktes, veröffentlichtes Bild, Foto
- normiertes Denken, Gesellschafts- oder Religionskritik

Und ja, das "Holz" ist ein Schwachpunkt im Gedicht. Aber mir fiel nichts besseres ein (Kreuz).
Die Überschrift - das 1. Gebot - leuchtete mir nie ein. Eigentlich absurd. Jeder macht sich ein Bild. Immer. Sonst ist kein (menschliches) Denken möglich.

LG Tayfun
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MosesBob
Geschlecht:männlichGehirn²

Administrator
Alter: 40
Beiträge: 20164

Das Goldene Pfand DSFo-Sponsor



BeitragVerfasst am: 21.04.2008 13:59    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Tayfun!

"Kreuz" passt doch ganz gut, viel besser und treffender als "Holz".

Die Szenerie deines Gedichtes finde ich unheimlich stimmungsvoll. Womit ich hadere, ist die Anordnung der Zeilen. Das Gedicht liest sich in diesem Format besonders zum Schluss hin schrecklich abgehackt. Das ruiniert das schöne Bild, das die Worte trotzdem zeichnen ... sowohl das eine Bild, als auch das andere.

Liebe Grüße,

Martin


_________________
Das Leben geht weiter – das tut es immer.
(James Herbert)

Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt untergeht, wird die eines Experten sein, der versichert, das sei technisch unmöglich.
(Sir Peter Ustinov)

Der Weise lebt still inmitten der Welt, sein Herz ist ein offener Raum.
(Laotse)
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Tayfun
Geschlecht:weiblichHobbyautor


Beiträge: 392
Wohnort: Ruhrpott


BeitragVerfasst am: 21.04.2008 14:56    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Moses,

"Kreuz" wiederholen wollte ich nicht bei so einem kurzen Gedicht, wo jedes Wort punktgenau sein sollte (siehe Zeile 3). Ist mir außerdem zu eindeutig christlich bezogen.
Holz (abendländisch: Assoziation hölzern, nicht lebendig --- asiatisch:  Holz, ein Element, erdig, steht für Neubeginn, Wandel, Wachstum) fand ich passender, aber leider nicht optimal. Suchsuch.
Und irgendwodran muss er ja schließlich hängen  Wink. Weglassen geht also auch nicht.

Hmm, du liest es abgehackt. So wie ich es mir denke, muss man es eigentlich sehr langsam und fast bei jedem Zeilenumbruch mit Pause lesen. Ausnahme: die Aufzählung Mund-Auge bis schlaff. Das "am Holz" lese ich tatsächlich auch abgehackt.

Aber wie es sonst "laut gelesen" rüberkommt  Question . Bei Selbstgeschriebenem ist das nicht so meine Stärke, ich weiß ja immer, wie ich es meine.

Danke also für die Rückmeldung, blöd nur, habe (noch) keinen Schimmer, wie ich es ändern könnte  Sad . Ab in die Reifekammer!

LG Tayfun
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lupus
Geschlecht:männlichBestseller-Autor

Alter: 52
Beiträge: 4172
Wohnort: wien



BeitragVerfasst am: 21.04.2008 15:18    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Tayfun!

beim ersten Überfliegen hat mir dein Gedicht eigentlich nicht sehr viel gesagt, je öfter ich es allerdings gelesen hab, desto besser gefällt es mir.

etwa das:

zerrissen wie eine Collage
wie eine Collage setzte ich ihn(!) zusammen

das "Holz" halte ich nicht für einen Schwachpunkt, ich finde, das hat was und passt auch insofern, als das ganze Bild ja zerfetzt bleibt, also wie du schreibst "kein schönes". Das Kreuz ist aber so im Zentrum des christlichen Glaubens und wurde auch lange Zeit immer so schön dargestellt. Holz und "nicht schön" passt deshalb viel besser als Kreuz und "nicht schön".

Ich (selber wohl Agnostiker) kann da nix Atheistisches herauslesen. Im Gegenteil: das "aber meins" klingt mir sehr hoffnungsvoll.

Außerdem denk ich beim Lesen nicht an echte Papierfetzen, sonder an Gedankenfetzen.

Zum Schluß: Du sollst Dir kein Bildnis machen bedeutet mW nicht, dass man kein Bild machen darf (geht ja gar nicht, wie du eh schreibst), sondern, dass man das Bild nicht an Stelle Gottes (wie einen Gott) anbeten soll. Eigentlich also: Du sollst das Bild nicht zu deinem Gott machen.

mir gefällt es

lg
Wolfgang
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MosesBob
Geschlecht:männlichGehirn²

Administrator
Alter: 40
Beiträge: 20164

Das Goldene Pfand DSFo-Sponsor



BeitragVerfasst am: 21.04.2008 15:26    Titel: Antworten mit Zitat

Tayfun hat Folgendes geschrieben:
"Kreuz" wiederholen wollte ich nicht bei so einem kurzen Gedicht, wo jedes Wort punktgenau sein sollte (siehe Zeile 3). Ist mir außerdem zu eindeutig christlich bezogen.

Die Zeile "er hängt auch etwas schlaff am Holz" hat so oder so eine christliche Deutung. Die Assoziation zu Jesus drängt sich zwangsläufig auf, zumal ich nicht wüsste, wie diese Zeile beispielsweise auf den Buddhismus oder Hinduismus zu münzen wäre. Das Bild ist für mich eindeutig christlich, wobei die Interpretation sowohl alt- als auch neutestamentarisch funktioniert. Ob nun pro oder kontra, sei freilich dahingestellt.

Das doppelte "Kreuz" würde ich hier gar nicht so eng sehen, weil es ja nur klanglich identisch ist.

Tayfun hat Folgendes geschrieben:
Danke also für die Rückmeldung, blöd nur, habe (noch) keinen Schimmer, wie ich es ändern könnte  Sad . Ab in die Reifekammer!

Das ist der Nachteil, wenn man eine Kritik von jemandem bekommt, der selber keine Lyrik schreibt. Laughing


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Berni
Geschlecht:männlichNebelpreisträger

Alter: 60
Beiträge: 2247
Wohnort: Südhessen (aus NRW zugelaufen)


BeitragVerfasst am: 21.04.2008 15:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Tayfun,

wollte eigentlich schon gestern was dazu schreiben, aber ... das Wetter und der neue Römer-Kindersitz am Fahrrad und ...  Wink

Mir gefällt dieser Text. Und ich, als nicht unbedingt christlich orientiert  Wink, sehe hier in der Tat Sarkasmus und Ironie. Und doch dann das Ende, wie hier schon gesagt, mit "meins" durchaus versöhnlich. Könnte man zumindest so auslegen.  Wink  Schön offen hast du ihn gelassen.  Very Happy

Zu Kreuz und Holz:
Kreuz erwähnst du ja eigentlich schon im 3. Vers, wenn auch oberflächlich mit anderem Sinn. Und so unterstreicht das Holz doch noch einmal die Ironie, Kreuz würde hier die Wirkung schmälern.

Na ja, eben meine Eindrücke. Gut gemacht.
Ciao,
Bernd
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Tayfun
Geschlecht:weiblichHobbyautor


Beiträge: 392
Wohnort: Ruhrpott


BeitragVerfasst am: 21.04.2008 16:57    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Bernd, dein Lob bedeutet mir was.
Das mit dem offenen Schreiben ist nämlich von dir abgeguckt und gar nicht so einfach. Fast jedes Wort muß man hin und her abklopfen.

Und ich freue mich auch, daß sowohl du als auch du, Lupus, diesen Text so gegensätzlich lest. JA  Very Happy !

Und Moses, ich finde, ich war an dieser Stelle auch ziemlich nicklig. Aber du liest das schon so, wie ich es beim ersten Schreiben auch vor Augen hatte - am Stück.
MosesBob hat Folgendes geschrieben:
Die Zeile "er hängt auch etwas schlaff am Holz" hat so oder so eine christliche Deutung.
Aber das soll der Leser nur beim ersten Mal so denken bzw. durch den Zeilenumbruch  und das Abtrennen des "am Holz" zwinge ich zum nochmaligen Lesen (und Überdenken).
Ging mir beim Schreiben auch so. Durch das Abtrennen war das Jesusbild am Kreuz und der christliche Bezug plötzlich weg. Nur noch "schlaff" (schwach) die Hauptaussage. Und das wiederum hat mir gefallen und paßte ins Bild. So kam es zum abgehackten Holz, das da jetzt so einzeln in der Zeile (und ziemlich kryptisch) rumliegt.
Hach, son paar Zeilen  Rolling Eyes.

LG Tayfun
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