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Autor |
Nachricht |
Gine
Eselsohr
 Alter: 43 Beiträge: 494 Wohnort: Berlin
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 13.04.2008 00:50 Der Sturz des grossen Bruders von Gine
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Ich habe länger überlegt, ob das hier her gehört.
Aber dann dachte ich:
Janee, klar!
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Der Sturz des grossen Bruders
Das Fräulein Tochter sitzt gespannt
im Wohnzimmer und Fernsehland.
Bis in die Küche klingt sie schon,
die Melodie, vertrauter Ton.
Der grosse Bruder wird erwartet
ganz fieberhaft, weil neu gestartet.
Die Staffel Fünfhundertundzehn.
Wer darf wohl bleiben, wer muss gehn?
Da folgt die Meldung und mit Graus
stellt Tochter fest, die fällt heut' aus.
Die Staffel Fünfhundertundzehn,
die musste diesmal selber geh'n.
Die Tochter ist ganz aus dem Häuschen,
Frau Mama rät ihr zu 'nem Päuschen.
Im Fernsehn, da wird gerad' erzählt,
warum die Staffel denn nun fehlt.
Der Moderator bringt's ans Licht:
Die Kandidaten wollten nicht.
Ein Menschenfreund ist schuld daran,
hat Töchterchen das angetan.
Der hatte, rechtlich einwandfrei,
für jedermann ein Buch dabei.
Die Kandidaten ham's gelesen.
Na, und das war es dann gewesen.
Des Büchleins Titel klingt recht schal,
es ist nur eine Jahreszahl.
George Orwell hat das Werk verbrochen,
mit vierundachzig endet's trocken.
Darin erzählt der gute Mann,
was 'grosser Bruder' alles kann.
Und, ob mit Absicht, oder nicht,
ganz plötzlich kriegt das Buch Gewicht.
Selbst Fräulein Tochter hat's gelesen,
ist plötzlich ganz und gar genesen.
'Mein Töchterlein', will Mutter wissen,
'warum weinst Du denn in die Kissen?'
Das Mädchen wischt, bevor es spricht,
ein Tränchen aus den Kindsgesicht:
'Die Zyniker vom Fernsehen denken,
so leicht lässt sich die Menschheit lenken.'
Vor Staunen wandelt sich der Blick
der Frau Mama in pures Glück.
großer Bruder.mp3 (1.71 MB) 
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_________________ 'Manchmal zweifle ich daran, dass ich überhaupt existiere.'
'Aus gutem Grund.'
'Wie meinst du das?'
'Ich habe dich erfunden.'
'Glaub ich nicht.'
'Ich weiß.'
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Berni
Exposéadler
 Alter: 64 Beiträge: 2496 Wohnort: Südhessen (aus NRW zugelaufen)
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 13.04.2008 01:40
von Berni
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Hi,
Unterhaltung trotz oder wegen Reim! Ich habe es bis zum Ende gelesen und das mit Genuss. Danke für die Unterhaltung mit Niveau trotz des Themas! Da verzeiht man auch den einen oder anderen Stolperer im Rhythmus! Nobody is perfect!
Ciao,
Bernd
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Gine
Eselsohr
 Alter: 43 Beiträge: 494 Wohnort: Berlin
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 12.11.2008 16:06
von Gine
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Halli Berni!
Ich bin zufällig beim Stöbern in meinen Dateien über diesen älteren Text gestolpert und habe mich an deinen Kommentar erinnert.
Freut mich, dass es dir gefallen hat.
Nur die 'Stolperer im Rhythmus' haben mich nicht losgelassen und mich dazu inspiriert, das Ganze mal vorzulesen.
Ich habe das Gedicht jetzt als mp3 eingefügt. Vielleicht hat der eine oder andere ja Spaß daran.
Und wenn ich schon dabei bin, hier noch ein paar Hintergrundinfos für diejenigen, die sich fragen, was der Quatsch eigentlich soll und warum die Mama am Ende so stolz auf ihr Töchterlein ist.
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1984
ist ein Roman, geschrieben von George Orwell (mit bürgerlichem Namen Eric Arthur Blair) im Jahre 1948 und ein Jahr darauf im Handel erschienen.
Es ist die Geschichte eines Mannes, der in einem totalitären Überwachungsstaat lebt, an dessen Spitze ein Diktator agiert, der sich als 'großer Bruder' bezeichnen lässt.
Der omnipräsente, allsehende große Bruder, bzw. das System dahinter, wacht über jedes einzelne Mitglied des Staates, 24 Stunden am Tag. Es gibt keinen Ort, an dem ein Bürger den allsehenden Kameras entkommen könnte. Weder auf der Straße, noch auf der Arbeit und schon gar nicht daheim vor dem Fernseher.
Schon der Versuch, sich der Überwachung zu entziehen - zum Beispiel, indem man den Fernseher abschaltet, der die Überwachungskamera in sich birgt - ist strafbar und wird mit Folter und Tod geahndet.
Der Protagonist versucht es dennoch. Und scheitert. Die Folter endet erst, als der 'behandelnde Arzt' ihn erfolgreich von seinem Leiden kuriert hat und der Protagonist den großen Bruder ehrlich und aufrichtig liebt. Anschließend ist er sogar mit seiner Hinrichtung einverstanden.
Noch ein Satz aus wikipedia:
'In jüngster Zeit wird Orwells Beschreibung einer dystopischen Gesellschaft vor allem zum Zwecke der Kritik an den verschärften Überwachungsmaßnahmen seit dem 11. September 2001 in den westlichen Demokratien herangezogen.'
Die Erleichterung der Mutter am Ende des Gedichtes entsprang meinem Wunschdenken.
Ich denke, wenn die Zuschauer wüssten, woher der Titel der Serie 'Big Brother' stammt und was er eigentlich zu bedeuten hat, dann müssten sie sich eigentlich alle mit Fackeln bewaffnet auf den Weg zum Sender machen.
Denn der Zynismus dieser Fernsehserie ist wirklich kaum zu überbieten.
Ob das bereits passiert ist, weiss ich nicht. Ich habe keinen Fernseher.
Hoffnungsvolle Grüße
Gine
_________________ 'Manchmal zweifle ich daran, dass ich überhaupt existiere.'
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'Ich habe dich erfunden.'
'Glaub ich nicht.'
'Ich weiß.'
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Tutenchamun
Wortedrechsler

Beiträge: 91 Wohnort: Bayern
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 13.04.2009 03:10
von Tutenchamun
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Find ich super
Gleich verschiedene Themen gekonnt in ein Reimwerk untergebracht.
Da zieh ich meinen Zylinder vor dir.
_________________ Halte nicht so viel von Regeln
aber manchmal muss man sie einhalten |
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Gine
Eselsohr
 Alter: 43 Beiträge: 494 Wohnort: Berlin
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 14.04.2009 05:13
von Gine
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Lieber Tutenchamun,
behalt ihn lieber auf, es kommen noch ein paar kalte Tage auf uns zu.
Ne, im Ernst. Schön, dass du es gelesen hast. Das Thema liegt mir wirklich sehr am Herzen. Das es gleich mehrere waren habe ich gar nicht so mitbekommen, bis ich es bei dir gelesen habe.
Bei 'gekonnt' bin ich zwar vor Scham rot angelaufen, aber ich finde es trotzdem schön, wenn es dir gefallen hat.
Viele liebe Grüße
Gine
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'Glaub ich nicht.'
'Ich weiß.'
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Tutenchamun
Wortedrechsler

Beiträge: 91 Wohnort: Bayern
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 15.04.2009 00:37
von Tutenchamun
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Hallo Gine
was Wahr ist darf man sagen
_________________ Halte nicht so viel von Regeln
aber manchmal muss man sie einhalten |
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konkret
Wortedrechsler
K Alter: 56 Beiträge: 50
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