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Mannbarkeit


 

 
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Lord_Izual
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 29
Beiträge: 193
Wohnort: Hessen


BeitragVerfasst am: 01.04.2008 17:31    Titel: Mannbarkeit eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Huhu,

hab auf meiner Platte etwas Älteres von mir gefunden, mich würde interessieren wie ihr es findet und ob es sich lohnt die Kurzgeschichte weiterzuschreiben.

Viel SPass beim lesen:


Mannbarkeit

Kein Mensch beginnt, er selbst zu sein, bevor er nicht seine Vision gehabt hat.
- Ausspruch der Ojibway -

Salbeidämpfe erfüllten die Luft und zahlreiche Lederbeutel, gefüllt mit verschiedensten Kräutern, Harzen und Pflanzen, verströmten einen seltsam würzigen Geruch. Es war düster, nur einige Sonnenstrahlen drangen durch den mit Lederstücken verhüllten Eingang. Auf einer grob gewebten Pferdedecke hockte Grauer Adler, der Medizinmann der Sippe und bewegte sich im monotonen Rhythmus der Rahmentrommel. Auf seinem Haupt trug er die Büffelmaske, jener aus Büffelknochen, Federn und Leder hergestellte Ritualgegenstand, den er immer trug, wenn er zu dem großen Geist sprach. Die Maske verdeckte Mund und Nase, ließ jedoch den Bereich um die Augen frei und so entging es Weißer Wolf nicht, dass hinter den geschlossenen Lidern die Augäpfel zuckten, sich mal in die eine, dann in die andere Richtung wanden.  
Der junge Stammeskrieger sahs dem altehrwürdigen Medizinmann gegenüber, doch hatte schon beim Eintreten darauf geachtet, soviel Platz wie möglich zwischen sich und dem Alten zu lassen. Mit einer Mischung aus Faszination und Misstrauen betrachtete er das Treiben des Medizinmannes. Für einen Moment schien es ihm, als verliere der Körper seines Gegenübers an Festigkeit, als löse er sich in den Schwaden auf, die von den Kohlen in der Räucherschale aufstiegen. Dann blinzelte Weißer Wolf und der Spuk vor seinen Augen verschwand.
Er hatte von anderen Mitgliedern der Sippe gehört, dass Grauer Adler mit den Geistern der Ahnen und dem großen Geist in Kontakt stand. Er kannte Wege und Möglichkeiten ihnen zu begegnen und sie um Hilfe zu bitten. Vor einer großen Jagd suchten die Jäger der Sippe ihn auf, damit er ihre Pfeilspitzen segnete, um genug Nahrung für alle zu erbeuten.
Sein Zelt stand ein wenig abseits der anderen Zelte, inmitten eines kleinen Pinienhaines. Hierher ging man nicht so ohne weiteres. Es war ein heiliger Ort, den Außenstehende nur betraten wenn sie dazu gebeten wurden oder wenn die Umstände es nicht anders zuließen. Weißer Wolf war vom Medizinmann gerufen worden. Warum wusste er nicht.
Zusammen mit den anderen Jägern hatte er bereits mehrmals den Hain des Medizinmannes aufgesucht, doch bisher niemals alleine.
Nun saß er Grauer Adler gegenüber und beobachtete ihn. Es schien, als befände sich dieser in einer Art Trance und nur er selbst wusste, in welchen Gegenden sich sein Geist aufhielt und mit welch wundersamen Wesen er wohl sprach. Doch noch während Weißer Wolf diesen Gedanken dachte und ihm mit seiner gerunzelten Stirn Ausdruck verlieh, wurde der Schlag auf die Trommel langsamer, die Bewegungen kürzer und dann hockte der Medizinmann ruhig da. Er öffnete die Augen und sah direkt in die Weißer Wolfes.
Indianische Legenden erzählten, dass der Adler allmächtig sein und über alles wachten sollte. Seine Fähigkeit und Anteilnahme machten ihn zum Mittler, der dem Schöpfer die Gebete der Menschen überbrachte. Auf diese Weise symbolisierte der Adler die Ehrfurcht vor dem Unbekannten. Dieses Unbekannte schaute ihm nun direkt durch die Augen des Medizinmannes entgegen. „Ich grüße dich, mein Sohn. Die rote Sonne steht weit über den Steppen und bald schon wird der weiße Mann wiederkehren.“
Weißer Wolf nickte. Die weißen Männer drangen immer weit vor in das Land, das einst so vielen Sippen und Stämmen gehört hatte, ganz gleich ob es Apachen, Dakota, Mohikaner oder Irokesen gewesen waren. Sie alle und viele mehr waren weiter in den Westen gedrängt worden und es hatte viele blutige Kämpfe gegeben. Weißer Wolfs Vater, der Häuptling ihrer Sippe, war in einem dieser Kämpfe gefallen, seine Mutter und zahlreiche andere Squaws waren verschleppt, entehrt und letzten Endes ebenso getötet worden. Nun führte Großer Bär, Weißer Wolfs Onkel den Stamm an, doch in Weißer Wolf loderte noch immer der Hass auf den weißen Mann und er sann auf Vergeltung.
„Ich spüre den Zorn in dir, Sohn. Daher habe ich dich zu mir gerufen. Der große Geist ist besorgt um dich, denn er will nicht, dass Hass deine Lider verklebt und dich blind gegenüber der Welt macht.“
Weißer Wolf war überrascht, antwortete jedoch nichts.
(...)

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Uenff
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 27
Beiträge: 1063
Wohnort: Wien


BeitragVerfasst am: 01.04.2008 20:47    Titel: Antworten mit Zitat

Ich mag das Setting!
Es macht mich neugierig, und scheint auch relativ unverbraucht.
Also auf jeden Fall weitermachen! Daumen hoch

Mfg Uenff


_________________
--No offense--

Molon labe

Become the madness you want to see in the world.

After enlightenment, the laundry.

Freiheit liegt in der Zerstörung des Ichs. Hat halt Karl gesagt.
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Lore
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 86
Beiträge: 946
Wohnort: Düsseldorf


Code Philomele
Frauenschicksale in einer Großstadt
BeitragVerfasst am: 01.04.2008 23:51    Titel: Antworten mit Zitat

Der Meinung bin ich auch.

Guter Anfang, griffiger Text, flüssige Schreibweise.
Wenn Du den Plot im Kopf hast, lohnt es sich auf jeden Fall ihn zu Ende zu führen.

Lore


_________________
Blas Dich nicht auf, sonst bringet Dich
zum Platzen schon ein kleiner Stich
(Nietzsche)
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MosesBob
Geschlecht:männlichGehirn²

Administrator
Alter: 40
Beiträge: 20164

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BeitragVerfasst am: 03.04.2008 00:01    Titel: Re: Mannbarkeit Antworten mit Zitat

Schönen guten Abend, Lord_Izual!

Was mir am ersten Absatz deiner Leseprobe aufstieß, waren die vielen Wortwiederholungen – eigentlich kommen sie jeweils nur zweifach vor, das jedoch in einer Vielfalt, die den Text eintönig macht (schwarz markiert). Rot markiert habe ich in deiner Leseprobe Worte, die ich entweder vage oder unpassend finde:

Lord_Izual hat Folgendes geschrieben:
Salbeidämpfe erfüllten die Luft und zahlreiche Lederbeutel, gefüllt mit verschiedensten Kräutern, Harzen und Pflanzen, verströmten einen seltsam würzigen Geruch. Es war düster, nur einige Sonnenstrahlen drangen durch den mit Lederstücken verhüllten Eingang. Auf einer grob gewebten Pferdedecke hockte Grauer Adler, der Medizinmann der Sippe und bewegte sich im monotonen Rhythmus der Rahmentrommel. Auf seinem Haupt trug er die Büffelmaske, jener aus Büffelknochen, Federn und Leder hergestellte Ritualgegenstand, den er immer trug, wenn er zu dem großen Geist sprach. Die Maske verdeckte Mund und Nase, ließ jedoch den Bereich um die Augen frei und so entging es Weißer Wolf nicht, dass hinter den geschlossenen Lidern die Augäpfel zuckten, sich mal in die eine, dann in die andere Richtung wanden.

1. Lederstücke – was genau darf ich mir unter Lederstücken vorstellen? Lederlappen? Lederschmuck? Bearbeitetes Leder? Gehört es zur Einrichtung, ähnlich eines Vorhangs?

2. Am Ritualgegenstand stört mich der „Gegenstand“. „Gegenstand“ ist eine undefinierte und denkbar unpräzise Bezeichnung, die einen fast schon modernen, in jedem Fall aber handwerklichen Klang besitzt, der hier zum einen nicht passt und zum anderen eine stimmungsvolle Illusion praktisch im Keim erstickt.

3. Augen, die sich winden? Stielaugen! Laughing Ich glaube, du meinst, dass sie sich in eine Richtung wenden, nicht winden, und das Präteritum von „winden“ lautet „wandten“. „Winden“ klingt in Bezug auf Augen surreal. Das sagt der Duden (unter anderem): winden – durch Schlingen, Drehen, Flechten o. Ä. an, in etw. befestigen, zu etw. verbinden: Blumen in einen Kranz w.; sie wand dem Kind Schleifen ins Haar; sie wanden Zweige und Blumen zu Girlanden

Noch etwas: Der Text würde sich flüssiger lesen lassen, wenn wir drei Kommata einschmuggeln. Und zwar …

Lord_Izual hat Folgendes geschrieben:
Salbeidämpfe erfüllten die Luft und zahlreiche Lederbeutel, gefüllt mit verschiedensten Kräutern, Harzen und Pflanzen, verströmten einen seltsam würzigen Geruch.

… eines dazwischen. Ansonsten läuft man Gefahr, den Satz im ersten Anlauf falsch zu lesen: Man könnte annehmen, dass sie Salbeidämpfe die Luft und die zahlreichen Lederbeutel erfüllten. Tatsächlich handelt es sich hierbei aber nicht um eine Aufzählung (Luft und Lederbeutel), nein, die Lederbeutel leiten eine völlig neue Information ein! Darüber hinaus würde ich gefühlsmäßig das Adjektiv „seltsam“ streichen, da ich nicht wüsste, was an einem Geruch, der bereits als würzig beschrieben wurde, seltsam sein soll. Die Seltsamkeit ergibt sich aus der Aufzählung nicht näher erwähnter Kräuter, Harze und Pflanzen – und, das dürfen wir nicht vergessen, des Salbeis, der ja die Luft erfüllt.

Lord_Izual hat Folgendes geschrieben:
Auf einer grob gewebten Pferdedecke hockte Grauer Adler, der Medizinmann der Sippe und bewegte sich im monotonen Rhythmus der Rahmentrommel. Auf seinem Haupt trug er die Büffelmaske, jener aus Büffelknochen, Federn und Leder hergestellte Ritualgegenstand, den er immer trug, wenn er zu dem großen Geist sprach. Die Maske verdeckte Mund und Nase, ließ jedoch den Bereich um die Augen frei und so entging es Weißer Wolf nicht, dass hinter den geschlossenen Lidern die Augäpfel zuckten, sich mal in die eine, dann in die andere Richtung wanden.

Jeweils dazwischen ein Komma. Im ersten Fall ist es eine eingeschobene Information, und im zweiten Fall ist es zumindest nach der alten Rechtschreibreform üblich, vor einem „und“, das einen vollständigen Satz einleitet, ein Komma zu setzen. Ich finde, dass diese Regelung den Lesefluss vereinfacht. Aber ich will hier nicht über Orthografie und Grammatik schnacken …

Lord_Izual hat Folgendes geschrieben:
Der junge Stammeskrieger sahs dem altehrwürdigen Medizinmann gegenüber, doch hatte schon beim Eintreten darauf geachtet, soviel Platz wie möglich zwischen sich und dem Alten zu lassen.

… nur dieses eine Mal noch: Die Vergangenheitsform von sitzen lautet hier „saß“.

Lord_Izual hat Folgendes geschrieben:
Für einen Moment schien es ihm, als verliere der Körper seines Gegenübers an Festigkeit, als löse er sich in den Schwaden auf, die von den Kohlen in der Räucherschale aufstiegen.

Welcher Räucherschale? Wo liegt sie? Zu seinen Füßen? Hängt sie vielleicht sogar von der Decke? Ein solches winziges Detail hilft mir, das Zelt einzurichten, in dem die Szene spielt. Außerdem lässt es sich ohne großen Aufwand wunderbar in den Text einbauen. Beispiel: „Für einen Moment schien es ihm, als verliere der Körper seines Gegenübers an Festigkeit, als löse er sich in den Schwaden auf, die von den Kohlen in der Räucherschale zu seinen Füßen aufstiegen.“

Lord_Izual hat Folgendes geschrieben:
Sein Zelt stand ein wenig abseits der anderen Zelte, inmitten eines kleinen Pinienhaines. Hierher ging man nicht so ohne weiteres.

Hier wäre es vielleicht atmosphärischer, von Wigwams zu sprechen, so es denn zutrifft, wovon ich anhand der später genannten Stämme aber ausgehe. Wigwam laut Duden = kuppelförmiges Zelt, zeltartige Hütte (speziell nordamerikanischer Indianer).

Lord_Izual hat Folgendes geschrieben:
Weißer Wolfs Vater, der Häuptling ihrer Sippe, war in einem dieser Kämpfe gefallen, seine Mutter und zahlreiche andere Squaws waren verschleppt, entehrt und letzten Endes ebenso getötet worden.

Besser (weil er ja gefallen ist und jetzt der Onkel das Stammesoberhaupt ist): „Weißer Wolfs Vater, einst der Häuptling ihrer Sippe, war in einem dieser Kämpfe gefallen, seine Mutter und zahlreiche andere Squaws waren verschleppt, entehrt und letzten Endes ebenso getötet worden.“

Lord_Izual hat Folgendes geschrieben:
„Ich spüre den Zorn in dir, Sohn. Daher habe ich dich zu mir gerufen. Der große Geist ist besorgt um dich, denn er will nicht, dass Hass deine Lider verklebt und dich blind gegenüber der Welt macht.“

Ein Hauch von Star Wars: Hass ist der Weg zur dunklen Seite der Macht. wink



Fazit: Ob es sich lohnt, die Kurzgeschichte weiterzuschreiben? Klar! Der Anfang liest sich nicht übel an, wenn es auch noch ein bisschen an atmosphärischen Ecksteinen fehlt. Neugierig macht der Text auf jeden Fall. Die Wortwiederholungen am Anfang kannst du vermeiden, indem du entweder Synonyme verwendest oder die Sätze geringfügig umkonstruierst. Jedoch müssen weiß Gott nicht alle diese Wortwiederholungen vermieden werden. Auffällig war hier nur die Vielfalt auf so engem Raum.

Beste Grüße,

Martin


_________________
Das Leben geht weiter – das tut es immer.
(James Herbert)

Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt untergeht, wird die eines Experten sein, der versichert, das sei technisch unmöglich.
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Der Weise lebt still inmitten der Welt, sein Herz ist ein offener Raum.
(Laotse)
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