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Auch ein Interfurzieller denkt über die Zukunft nach


 
 
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Oskar
Wortedrechsler


Beiträge: 91



Beitrag20.08.2022 10:23
Auch ein Interfurzieller denkt über die Zukunft nach
von Oskar
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Es dürfte wohl mittlerweile für sehr viele Lebensbereiche, beinahe alle Sektoren gelten: Die digitalisierte Welt bewirkt, dass der Mensch seine Lösungsstrategien zunehmend anhand der Output-Möglichkeiten von Programmmodulen ausrichtet, und nicht mehr zuvorderst anhand des Ausgangsproblems. Das ursprüngliche Problem wird in eine Fragestellung übersetzt, dessen Lösung den Output-Möglichkeiten von Programmroutinen nahe kommt. Soziologen könnten jetzt daherkommen und sagen: „Datt war im Prinzip schon immer so.“ Eine Möglichkeit, solchen Soziologen adäquat zu antworten, wäre: „Kümmert euch lieber um das Gendern, oder aber um Adam un Eva, die bekanntlich schon vor dem Kolonialismus gelebt haben sollen“.
Denn es gibt diejenigen, die sagen, dass es sich bei der digitalen, also der computertechnologischen Revolution dem Grunde nach ähnlich verhalten wird wie bei der industriellen Revolution. Alte Berufsfelder werden verschwinden, neue entstehen. Das wesentliche Merkmal der industriellen Revolution bestand nun darin, dass die physische Arbeitskraft des Menschen weitestgehend durch Kraftmaschinen ersetzt wurde. Das wesentliche Merkmal der digitalen, der computertechnologischen Revolution dürfte wohl darin liegen, dass sowohl die handwerkliche als auch die kognitive Arbeitskraft des Menschen weitestgehend ersetzt wird. Wenn aber sowohl die physische als auch die handwerkliche als auch die kognitive Arbeitsleistung des Menschen ersetzt wird, was bleibt dann noch übrig, wohin der Mensch ausweichen könnte?  Man versuche sich also eine Welt vorzustellen, in der eine dem Menschen dienende, künstliche Intelligenz (kein Terminator Horror Szenario) sämtliche seiner kognitiven und handwerklichen Fähigkeiten übertrifft. Kann es in dieser Welt noch einen Wissenschaftler geben, oder einen Künstler? Kraftmaschinen überbieten die Kraft des Menschen um ein Vielfaches. Das hindert die Menschen jedoch nicht daran, sich im sportlichen Wettkampf miteinander zu messen. Schachprogramme schlagen die besten Spieler der Welt. Auch das hindert die Menschen nicht, gegeneinander Schach zu spielen. Künstliche Intelligenz malt Bilder, schreibt Gedichte, komponiert Musik, die immer weiter an die Qualität der Werke großer Künstler, Schriftsteller und Musiker heranrücken. Und zwar nicht nur in der technischen Qualität, sondern auch im kreativen Output. Wie könnte die Welt also aussehen, wenn es keine äußeren Notwendigkeiten zum Handeln mehr gibt? Der große Leibniz argumentierte, dass der Mensch in der besten aller denkbaren Welten lebt. Die Möglichkeit eines Paradieses auf Erden, wie man es sich auch ausmalen möchte, sei nicht zu Ende gedacht. In der Zukunft, in der es keine äußeren Notwendigkeiten zum Handeln mehr gibt, könnte es sein, dass der Mensch die ihn in allen Belangen um ein Vielfaches übertreffenden Maschinen mit der Zeit vergisst. Vielleicht wäre es ein bisschen so wie in einem thermisch und energetisch perfekt reguliertem, gläsernen Gewächshaus, dessen Bewohner, die Insekten, Tiere und Pflanzen, zunächst ihrem Tagesgeschäft nachgehen, so als wüssten sie nicht, dass es beispielsweise keine Jahreszeiten mehr gibt. Doch nach einer Weile werden sie sich an die neuen Bedingungen anpassen. Die Bäume werfen vielleicht ihre Blätter nicht mehr ab, Eichhörnchen horten keine Haselnüsse mehr für den Winter und Bienen bestäuben die Blüten das ganze Jahr über. Vielleicht verhält es sich beim Menschen so, dass er mit der Zeit nicht nur die Maschinen um sich herum vergisst, sondern auch deren modularen Dienstleistungen, die für ihn das zum Überleben notwendige Handel übernommen haben. Sollte es sich zu diesem Zeitpunkt, der Phase des Vergessens, überhaupt noch um einen Menschen im herkömmlichen Sinne handeln, so wie wir den Menschen als Menschen also verstehen, so könnte es sein, dass alles wieder von vorne beginnt.
Erinnern heißt erkennen und verstehen, so ein Credo aus der Erinnerungskultur. Es könnte aber sein, dass das Vergessen für den Menschen genauso von Bedeutung ist wie das Erinnern, will er ein Mensch bleiben. Um im skizzierten Bilde des zukünftigen Menschen zu bleiben: Das Vergessen ist die vielleicht sogar noch notwendigere Fähigkeit für den Menschen, um zu seinen Wurzeln zurückkehren zu können. Wäre dem so, so wäre dieser Umstand für die Exegeten einer allgemeinen Erinnerungskultur ein tragischer Einschnitt. Für die Exegeten des Neuen Testamentes könnte es allerdings ein Gewinn sein, erinnert die Kernbotschaft des Neuen Testamentes doch eher an eine Vergessens- denn an eine Erinnerungskultur. Auch der Buddhismus lässt sich als Kultur des Vergessen interpretieren, was insofern interessant ist, da die gedankliche Architektur des Buddhismus von der der Buchreligion wohl kaum weiter entfernt sein könnte, trotz mannigfaltiger liturgischer  und spiritueller Vermittlungsversuche.

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