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Mitten im zweiten Band eines Fantasy Romans - macht die Perspektive Sinn?


 

 
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Konrad_I
Wortedrechsler


Beiträge: 50
Wohnort: Obersteiermark


BeitragVerfasst am: 25.07.2022 21:12    Titel: Mitten im zweiten Band eines Fantasy Romans - macht die Perspektive Sinn? eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

ich arbeite am zweiten Band meines Fantasyromans. Normalerweise sind die Kapitel aus Sich einer Figur erzählt. Alle, bis auf jene der untenstehenden Dame.

Bitte nehmt den Text noch nicht so ernst, das ganze wird noch überarbeitet (ist gerade einmal getippt und 1x auf Konsistenz durchgeschaut, dass es sich passagenweise noch sehr holprig liest weiß ich).

Ich bitte nur um ein Feedback, ob an der Perspektive etwas auffällt, und wie das rüberkommt.

LG

Konrad

Ehe sie wieder unter Deck, in den vielversprechenden hinteren Laderaum gingen, bemerkten sie ein mit vollen Segeln heranrasendes Schiff.
"Elben!" Der Koch spuckte aus.
"So ein Schiffchen wäre schon fein." Ihre Augen leuchteten bestimmt vor Bewunderung, so sehr sie es auch verbergen wollte. Das Elbenschiff kam näher. Trotz der sanften Brise flog es über die Wellen.
"Wie machen die das bloß?" dachte Khmir vor sich hin.
"Warum verdammt ziehen sie keinen Nutzen daraus? Immer wenn man ihnen begegnet, segeln sie nach Westen. Mit so einem Schiffchen könnte ich mich in ein paar Jahren zur Ruhe setzen." Raunzte Bokus.
"Vergiss nicht, wer hier der Kapitän ist. Und seien wir froh, dass ihnen Menschen gleichgültig sind. Hast Du je eine Elbenklinge in der Hand eines fähigen Kriegers gesehen? Die geht durch Dein Fleischerbeil glatt durch." Samarkia hob das Fernglas, starrte auf das technische Meisterwerk, das da an ihnen vorüber schoss.
"Seht Ihr, unter dem Rumpf sind Klingen montiert. Das Schiff fährt nicht im Wasser, es schwebt zehn Fuß hoch über den Wellen. Versucht das Mal mit unserem Stahl, wenn der Unterschied vergleichbar ist wie bei den Schwertern, wären unsere Kufen so schwer, dass es höchstens für die Erkundung des Meeresbodens reicht."
So schnell wie das Elbenschiff erschienen war, entschwand es ihrem Blick, mitsamt seiner Besatzung, die ihre sterbende Welt verließ.
"Mir gefällt das nicht. Es heißt wenn die Welt sich wandelt, werden erst die Elben gehen, und dann die Zwerge. Die Menschen die bleiben, werden vergangen sein, wenn die alten Völker wiederkehren. Es heißt die Welt reinigt sich vom Schmutz wie ein Blatt des heiligen Lotus." Zitierte Khmir betrübt.
"Ich würde keiner Prophezeiung von jemandem trauen, der nur Pflanzen frisst, einem der sie verehrt erst recht nicht." Rutschte es dem Koch unbedacht raus. Sich unbedacht über Khmirs Belesenheit zu äußern war ihm gelungen, zu vergessen, dass seine Kommandantin von einer Waldelfe abstammte, ebenfalls.
Ihr wütender Blick ließ sie zurückweichen. Mochte er über ihren Erzeuger spotten, ihre ermordete Mutter blieb unantastbar. Seine Zunge fühlte sich schwer an, sein Kiefer fast taub. Er wollte etwas sagen, deutete mit Händen und Verbeugungen eine Entschuldigung an.
Ihr Gesicht entspannte sich wieder zu dem bezaubernden Lächeln, hinter dem sie sich verbarg, sie neigte den Kopf zur Seite, tätschelte zärtlich seine Wange. Erst, als er wieder ruhig atmete konnte er seine Entschuldigung artikulieren.
Dabei war sie nicht einmal wütend, einer der Himmlischen gleich stand sie vor ihm, die Hände in die Hüften gestützt. Das schräg zwischen Wolken auf Ihr Haar fallende Sonnenlicht verlieh ihr eine überirdische Reinheit und Schönheit.
Warum schrie er seine Gedanken jedes Mal so hinaus.
„Sie hat die Gabe, natürlich hat sie sie ... ich kann jedes Mal so tun, als würde ich mich entschuldigen und es hört auf.“
Wahrscheinlich wäre es besser, eine Zeit lang auf Spielereien zu verzichten. War die Gabe nicht bloß bequemer als ihren Koch zur Rede zu stellen?
Es dauerte einen Augenblick bis sich die Augen der Männer, die ihre Furcht vor tiefhängenden Balken in den Äther schrien, an die Dunkelheit gewöhnt hatten.
 Die Kommandantin ausgenommen. Jemand von den Gefangenen hatte Sprengöl, ein leichtes Petroleumdestillat als Ladung erwähnt, weswegen sie keine Fackel entzünden konnten.
Etwas Weiches berührte Bokus an der Nase, er wich zurück, neigte sich sofort wieder nach vorne und griff, dem verführerischen Duft willenlos verfallen, zu.
Samarkia hielt ihm eine Keule vitruvianischen Schinken vor die Nase. Hier in der Diskretion der Dunkelheit war es egal, wenn ihre zierliche Hand am ausgestreckten Arm den Fünfzigpfünder wie einen Bleistift balancierte.
"Rechts die beiden Nischen alles Schinken. Und Wurst. Als ob Du das Schiff ausgewählt hättest." Lachte sie und sprang leichtfüßig, trotz Dunkelheit und Absätzen über eine Kiste.
Wieder einer der Tage, an denen sie hoffte, einen Schuster unter den Gefangenen vorzufinden.
Selbst in Wangarea gab es bestenfalls Reitstiefel, deren nachlassende Qualität dem Salzwasser wenig entgegenzusetzen hatte. Warum sollte eine Dame, die sieben Schiffe mitsamt Mannschaft ihr Eigen nannte, in rissigen Stiefeln herumrennen.
Leider fuhren bessere Schuster nie zur See und die wenigen die ihr unterkamen, fertigten das klobige Schuhwerk ihrer Männer.
Außerdem hatte sie ja die Gabe und die Augen einer Elbin, die ihr die Finsternis in schummriges grau tauchten.
Sie sprang durch den Laderaum, Sprengöl in der Nase und das Geklirre der beiden Blinden hinter sich. Und dachte an Schuhe.
Wo war die Aufregung der ersten Überfälle? Das zittrige Mitfiebern als die Mannschaft die Beute vor ihrer neuen Kommandantin ausbreitete. Mehr aus Angst vor ihr als Hoffnung auf einen Anteil.
Und wie sehr hatten sie sich in ihr getäuscht, als sie die befürchtete Willkür durch einen Verteilungsschlüssel ersetzte, über dessen Zusammensetzung eine geordnete Diskussion bestimmte?
Ein Grundgehalt für jeden, eine seegangsabhängige Prämie für die Leistungen an den Segeln, eine von der Gegenwehr des Feindes Abhängige Nachkampfprämie ... Und da hörte sie Frauen in den Spelunken vom aufregenden Leben der legendären Piratin träumen.
Eine Buchhalterin der Meere, der das Katz und Maus Spiel bei gutem Wetter die einzige Aufregung schenkte.
Was normale Buchhalterinnen bei Laune hielt? Träume von einem Leben als Piratin?
Die nächsten Jahrhunderte konnten ja heiter werden.
Die beiden folgten tastend, auf ihre Köpfe achtend. Der Seegang war wieder stärker geworden, hängende Ladung wie die Schinken, schwankte knirschend nach den Seiten.
Ihr Steuermann hatte wohl wieder Besseres zu tun, als den Bug gegen die Wellen zu richten. Wenn er mit dem Grundgehalt auskam, sein Problem.
Am Ende des Laderaums befand eine Tür, dahinter ein kleiner Raum, dessen Kojen für ein halbes Dutzend Reisende gedacht waren.
Ein Deckfenster ward trübes Licht auf einen groben Tisch mit einfachen Stühlen.
Nicht sehr viel, denn Glas war teuer und trotz des Preises milchig, aber es genügte. Khmir unterdrückte einen Ausruf der Überraschung. Am Tisch, der Tür den Rücken zugewandt, saß ein Mann. Von hinten war sein Alter schwer zu schätzen, doch sein mittellanges Haar hatte sich noch die natürliche, dunkle Farbe bewahrt.
"Würdet Ihr mich mit eurer Anwesenheit beehren, Kommandantin?" Begann er, immer noch ohne sich umzudrehen, und wies auf einen Sessel gegenüber. Auf dem Tisch standen eine frisch eingeschenkte Tasse Tee nebst einem Stück Torte.
Hätte sie ihn nicht spüren müssen? Sie wollte nicht überrascht wirken, sondern nahm das Angebot wortlos an. Als sie sah, dass er unbewaffnet war, hieß sie ihre Begleiter, den Laderaum weiter zu durchsuchen.
Tee. Wusste er um ihre Gabe? Jeder andere Seeräuber hätte zumindest Bier erwartet.
"Ihr seid überrascht, dass ich Euch erwarte?" Fragte er, doch die Frage klang mehr wie eine Feststellung. "Wenn Ihr wüsstet, wie überrascht ich bin, Euch so zu treffen. Euer Vater hätte wohl etwas anderes …"
"Mein Vater ist tot!" Fiel sie ihm barsch ins Wort. Der Fremde blickte nach unten auf die Oberfläche des im Rhythmus des Schiffes schwankenden Tees, dann wieder zu Ihr.
Ein penibler Beobachter hätte in ihren ozeanblauen Augen eine gerade noch unterdrückte Träne erkennen können, gefolgt von einer Zuckung, mit der sie die Selbstbeherrschung wiedergewann. Natürlich hatte er das mitbekommen. Ein Schatten seiner Gedanken lag über den Kisten mit Beutegut. Gedanken, die sie weiterhin wie ein Schwamm aufsog.
Ozeanblau. Süß.
"Ich kenne euren Verlust nur zu gut. Dennoch ist es mein Erbteil, Euch in Sicherheit zu bringen."
"Dein Erbteil? Sicherheit? Weißt Du nicht, dass ich Dich in der Hand habe, dass die Männer da draußen auf mein Kommando hören? Deine Sicherheit kann ich garantieren, nicht umgekehrt. Und glaube nicht, dass Du Dich mit irgendwelchen allgemein bekannten Geschichten über mein Leben herausreden kannst. Versuch es nicht einmal. Wenn ich merke, dass Du versuchst, Deinen Kopf zu retten ist es aus mit Dir, dann endest Du bei den Fischen!"
"Eure Selbstüberschätzung ist Eure Schwäche. Erinnert Euch meiner Worte, wenn jene, denen Ihr am nächsten steht Euch verraten."
"Von wem sprichst Du? Mir nahe stehen?" Sie lachte höhnisch, überlegte gleichzeitig wer in Frage käme. Nicht das der Kapitän eines Piratenschiffs, obendies eine wehrlose Frau nicht permanent Verrat fürchten musste, die unmittelbare Drohung passte zu gut zu ihren Gedanken, den Träumen von Kerker und Tod, die sie in letzter Zeit plagten.
Zierliche Frau. Männer. Wie es sich anfühlen musste, sie nicht permanent denken zu hören? Wie die Sommerfrische, von der man in Wangarea schwärmte?
Großartig, jetzt gefielen ihm auch noch ihre Brüste.
"Was weißt Du?" Zischte sie mit blitzenden Augen.
Der kurze Augenblick, in dem sie die Welt durch die Augen des Fremden sah, endetet jäh mit dem Rumpeln hinter ihr.
„Scheiße!“ Khmir und Bokus, der sich den Kopf hielt, strauchelten in die Kabine.
"Die Arachea hat abgelegt." Zeterte Bokus, die Hand auf der Wunde. Samarkia stieß sie zur Seite, stürzte an Deck.
"Scheißdreck verdammter!" Ihr Schiff war bereits zu weit entfernt, um es mit einem Sprung erreichen zu können, die Segel gesetzt, es nahm Fahrt auf.
Der Steuermann und der erste Maat standen lachend am Heck, liessen sie in Worten und Gesten wissen wie gering Ihr gesellschaftliches und kulturelles Niveau war.
Oder das eigene, zeugt eine Beschimpfung doch eher vom Niveau des Sprechers denn von jener des Beschimpften.
Wütend schrie sie ihnen Duellforderungen hinterher, denen ein Pirat sich nach altem Kodex zu stellen hat, wenn es darum geht einem anderen seine Stellung abzutreten oder streitig zu machen.
"Damit Du uns in Stücke hackst, Elfenhure? Auf Nimmerwiedersehen, grüß den Scharfrichter von mir!"
Wie zum Beweis des alten Sprichworts vom Unglück als Herdentier erschien am Horizont ein weiteres Segel.
Ein Dreimaster. Und er schien Spinnenbeine zu haben, die sich aus der Ferne betrachtet rhythmisch in die See senkten, als versuche die Spinne sich am Armdrücken. Ruder. Eine kaiserliche Galeere.
Die drei Männer waren indes an Deck gekommen. Bokus und Khmir, unschlüssig was sie tun sollten, ließen ihrem Gast den Vortritt, hielten entgegen der herrschenden Etikette jedoch Fleischerbeil und Dolch hinter seinem Rücken bereit.
"Ich sehe wir haben hier einen Propheten." Höhnte Samarkia. "Was sagst Du mir noch voraus, Namenloser."
"Rhennios, Schüler des Temerlin." Beim letzten Namen blitzen ihre Augen auf.
"Sein Schüler? Bist Du Kaufmannsgehilfe?" Je weniger sie Herrin über Ihr Schicksal war, je hilfloser sie sich fühlte, desto mehr verbarg sie sich hinter Zynismus und Raserei.
Wer in einem Sturm je an ihrer Seite gewesen war hätte der blonden, lachenden und keinem Flirt abgeneigten Schönheit jede Liebenswürdigkeit abgesprochen.
Er hätte eine Tyrannin, eine Dämonin erlebt, die wüst gegen die Elemente anschrie, als wolle sie ihnen ihren Willen aufzwingen, als sei sie nicht im Sturm gefangen sondern selbst Teil des Sturms, ein Teil des Brausens und Tobens, als würfen nicht die Wogen sondern sie selbst das Schiff herum, kein Werkzeug des Todes sondern der Tod in Person.
Er hätte eine wahre Herrin erlebt, eine die ihre Mannschaft zu äußersten Opfern, zum Rücksichtlosen Kampf und Sieg antrieb. Eine Göttin des Krieges und des Sturms, grausam und unbeherrschbar.
Bokus, mein lieber Bokus, süß was Du von mir denkst.
Doch hier half kein Toben und Wüten, um der Angst entgegenzutreten. Warten war alles, was blieb.
Also warteten sie schweigend. Ein Schüler ihres Vaters. Ein Vater, der sie zurückgelassen hatte, aber die Muße fand einen Fremden als Schüler aufzunehmen. Was sollte er ihn überhaupt beigebracht haben? Verrat am eigenen Fleisch und Blut?
Sollte sie ihn ausfragen, hier vor den anderen, so lange auch nur die geringste Chance bestand, zu überleben? Womöglich Betroffenheit zeigen?
Sich ausheulen wie das kleine Mädchen in der Bilge, wo sie so viele Tage verlebt hatte?
Als die Galeere nicht mehr fern war, trat sie zu Rhennios.
"Du kanntest meinen Vater. Würdest Du für ihn kämpfen?"
"Ich habe für ihn gekämpft."
"Und für seine Tochter? Sie ließ den Blick schweifen, ob bei den Gefallenen an Deck eine Waffe war, die sie ihm in die Hand drücken konnte."
"Nein. Ich habe gesehen, was Ihr seid, welches Leid Ihr verursacht. Ich sollte seine Tochter holen, doch im Geiste seid ihr nicht besser als die Neuzwerge."
"Neuzwerge?" äffte sie ihn nach. Er schwieg. Das Gespräch hatte keinen Sinn. Gleich würden die Legionäre an Bord kommen, die Leichen sehen. Die drei Piraten würden erzählen, dass sie, harmlose Handelsschiffer überfallen worden waren.
Sie würde, mit zerfleddertem Haar, weinend mit dem Schwert herumfuchteln, sich, ungeübt im Umgang mit Waffen in die Hand schneiden, tränenüberströmt Zuflucht in den Armen eines Legionärs suchen.
Preis für eine gelungene Vorstellung wäre eine Überfahrt zum nächsten Hafen.
Von den Kritikern verrissen, würden sie die Schwerter ziehen und nach einem letzten kurzen Kampf fallen. Samarkia legte ihr teures, elbisches Langschwert mit der ziselierten Scheide ab, griff sich die plumpe Waffe eines Toten. Etwas, das zu einer Überfallenen passte.
"Sagt mir, wie er gestorben ist. Und verzeiht das Duzen. Ihr seid ein hoher Herr wie mir scheint und nehmt das übel. Dennoch bitte, nennt mich Samarkia." Raunte sie.
Ihre Mannschaft sollte nicht hören, dass sie sich entschuldigte. Doch die beiden standen zu weit weg und waren zu nervös.
Wenn er schon kein Verbündeter war, sollte er sie wenigstens nicht verpfeifen.
"Und mich Rhennios. Er starb im Kampf für seine Heimat, gegen feindliche Invasoren. Etwas, was Dir fremd ist." Entgegnete er voller Bedauern.
"Heimat, was ist das für Dich? Die Menschen und Elben, die Du Deine Freunde nennst. Die und vielleicht Dein Besitz. Die, welche in meinem Fall die Segel gesetzt haben, um mein Schiff zu stehlen. Deine Heimat würde dich ebenso schnell entsorgen wie mich. Also spar Dir Deinen Pathos, Brüderchen."
"Für die Gerechtigkeit?"
Samarkia stützte sich auf das hässliche Schwert des Erschlagenen, umrundete Rhennios bis sie zwischen ihm und der Sonne stand. Just in dem Augenblick, da er sich geblendet abwandte, drang sie in ihn ein.
Angesichts des Verrats ihrer Mannschaft, wusste Rhennios in diesem Augenblick nicht, was er ihr entgegnen sollte. Ein Blick, in dem sich Wut und Trauer mischten. Er wandte sich ratlos um.
Er war vor zwei Tagen am Mons Vitruvius gelandet, hatte das Raumschiff versteckt, sich nach Lukanien eingeschifft. Von dort hatte er gehofft, in einen der Häfen gelangen zu können, in denen Temerlin seine Tochter vermutlich zurückgelassen hatte.
Ein Monat, in dem er einem Elessin und einem Meringos die Regierung überließ. Interessant.
Temerlins Tochter. Er bedauerte aufrichtig, sie nicht abgeholt zu haben, ehe aus dem Kind die rücksichtslose Schlächterin geworden war. Aus Handelsschiffen waren Piraten geworden.
Das Kind aus Temerlins Aufzeichnungen war zur Frau gereift, in einer Welt von Seemännern, in der Kraft und Rücksichtslosigkeit alles sind, und Güte Schwäche. Einer Welt zäher Männer, die eine Frau erst dann respektieren, wenn sie härter und grausamer ist als sie selbst.
Und dennoch konnte er unmöglich für sie zu den Waffen greifen. Sollte er mit Ihr fliehen, nur um sie von einem ordentlichen Gericht zum Tode verurteilen zu lassen und anschließend zu lebenslanger Haft zu begnadigen? Hätte Samarkia in einem Krieg ihrer Welt getötet, sie hätte Ruhm, Ehre, einen Platz am Hofe und vielleicht ein kleines Militärkommando gewonnen.
Und er hätte Zeit gehabt, sie langsam aber sicher an die Rolle heranzuführen, für die Temerlin sie bestimmt hatte. Sollte er Ihr die Augen öffnen, Ihr Zeit geben sich zu ändern?
Als die Legionäre an Bord kletterten, stellte sie sich demonstrativ, schützend vor den Jungen.
Vielleicht war noch nicht alles verloren.
"Was ist hier geschehen?" Der befehlshabende Offizier stellte in mittelmäßigem elbisch die Frage in den Raum. Dreißig Legionäre waren bereits an Bord, umstellten die vier Überlebenden.
Die einheitliche Plattenrüstung bedeckte Brust, Rücken und Oberarme, ging in einen kurzen, gepanzerten Rock über. Unterarme und Beine wurden von ehernen Schienen geschützt. Jeder trug einen unhandlichen, rechteckigen Schild, eine Armbrust und ein Schwert.
Es würde dem Koch schwerfallen, mit einem Fleischerbeil auch nur irgendetwas auszurichten.

Samarkia löste sich heftiger als gewohnt von ihm. Rhennios Gedanken verstummten schlagartig.
Schade, er hatte es bemerkt.
"Kapitän Samarkia, Ihr seid der Piraterie und des Mordes angeklagt. Aufgrund des mir vorliegenden kaiserlichen Haftbefehls fordere ich Euch auf, die Waffen niederzulegen und sich zu ergeben!"
Hatte der Fremde nicht erwogen, ihre Hand in diesem Augenblick zu bremsen, um einem Kampf vorzubeugen? Gegen eine unnatürliche Zähigkeit ankämpfend riss sie die Klinge aus der Scheide.
Ein Schlag auf den Hinterkopf ließ sie nach vorne taumeln. Benommen fiel sie dem Centurio vor die Füße, derweil ein wegdämmerndes Bewusstsein die Szene um sie erfasste.
Als der Koch sie fallen sah, hieb er Khmir das Beil von oben senkrecht durch den Schädel, spaltete ihn bis zum Wirbel.
Die Legionäre schossen.
Bokus sank, von mehreren Bolzen getroffen, neben ihrem ausgestreckten Körper nieder. "Tod den Verrätern." stöhnte er, während ihre Augen sich das letzte Mal trafen.
Einen Augenblick noch, dann wäre sie wieder in ihrem Körper. Verfluchter Bruder!
Sie wollte sich aufrappeln, ihn wenigstens das eine Mal in den Arm nehmen, den mürrischen alten Bokus, der sie von Kindheit auf begleitet hatte. Der sie mit derben Späßen immer wieder zur Weißglut getrieben hatte, nie ein Blatt vor den Mund nahm, der schweigend loyal war, statt ein lauter Lügner.
Doch wie für vieles an diesem Tag war es auch dafür zu spät. Sein Auge brach, die Legionäre zerrten sie weg.

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Tetz
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BeitragVerfasst am: 25.07.2022 21:31    Titel: Antworten mit Zitat

Uff, ich fand den Text insgesamt sehr schwer zu lesen. Ich habe auch ehrlich gesagt nicht alles verstanden, was da jetzt passiert ist. Aber dazu sollen wir ja erstmal nix sagen...

Perspektivwechsel mitten im Fließtext finde ich persönlich nicht gut. Bleib bei einer Figur pro Kapitel. Das reißt einen raus und man ist irritiert.

Meine Meinung: Nicht machen!
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Konrad_I
Wortedrechsler


Beiträge: 50
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BeitragVerfasst am: 25.07.2022 21:46    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

ja das Problem ist, dass es halt irgendwo mitten im Buch ist, nach 800 Seiten wenn man den ersten Band mitzählt.

Muss also noch daran arbeiten. Die Idee ist, dass diese Figur Gedankenlesen kann, womit sie die Perspektive anderer Personen mehr oder minder laufend und unkontrolliert mitbekommt. (Später auch von Tieren, Bäumen, etc - sie ist ein junges Exemplar eines Geisterwesens das mit der Welt verbunden ist, nicht sehr kompetent wie man sieht aber aller Anfang ist schwer)

LG


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giraldo
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Beiträge: 9



BeitragVerfasst am: 25.07.2022 22:11    Titel: Antworten mit Zitat

Da du innerhalb des Kapitels einfach so die Perspektive der Charaktere wechselst, änderst du ebenfalls den Erzählstil (vom personalen zum auktorialen Erzähler). Und für diesen Stilbruch gibt es keinen künstlerischen Hintergrund.
Beim Gedankenlesen kannst du jedoch ruhig die Perspektive oder gar in den Ich-Erzähler wechseln. Und damit es sich besser abhebt, setzt du die Zeilen kursiv.
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Willebroer
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BeitragVerfasst am: 25.07.2022 22:11    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Hallo,

ja das Problem ist, dass es halt irgendwo mitten im Buch ist, nach 800 Seiten wenn man den ersten Band mitzählt.

Warum hast du gerade diese Passage ausgesucht?
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Konrad_I
Wortedrechsler


Beiträge: 50
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BeitragVerfasst am: 25.07.2022 22:33    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

@giraldo: Danke, schräg stellen ist eine super Idee für den Anfang ihrer Karriere. Die Dame entwickelt sich von einer starken Magierin, die versehentlich Gedanken lesen kann (ich danke abermals für den Tipp der Differenzierung mittels Formatierung smile ), zu einer Art "Gott". Wenn man den z.B. christlichen Gott hernimmt, ist der allgegenwärtig und in allem enthalten.
Ich gestehe ihr aber eine Konzentration auf das, was die unmittelbare Umgebung ihres Körpers betrifft, zu und im Gegensatz zu einem auktorialen Erzähler keine Zeitreisen.

@Willebroer: weil das eine der ersten Passagen der Figur ist. Aus der gleichen Perspektive, ein paar Entwicklungsschritte später kommt dann so was:

Mit einem Schmerzensschrei sank sie auf die Knie, begrub die Finger in der Erde. Spürte die eigenen Finger im Nacken. Sie war eins mit der Welt unter ihr. Flüsse schnitten erbarmungslos in ihr Fleisch, sie fror an den Polen, brannte nahe des Äquators, während erbarmungslose Wellen mit rauen Zungen über ihre salzverkrusteten Ufer leckten.

LG


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Willebroer
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BeitragVerfasst am: 25.07.2022 23:08    Titel: Antworten mit Zitat

Konrad_I hat Folgendes geschrieben:


@Willebroer: weil das eine der ersten Passagen der Figur ist. Aus der gleichen Perspektive, ein paar Entwicklungsschritte später kommt dann so was:

Mit einem Schmerzensschrei sank sie auf die Knie, begrub die Finger in der Erde. Spürte die eigenen Finger im Nacken. Sie war eins mit der Welt unter ihr. Flüsse schnitten erbarmungslos in ihr Fleisch, sie fror an den Polen, brannte nahe des Äquators, während erbarmungslose Wellen mit rauen Zungen über ihre salzverkrusteten Ufer leckten.

LG

Oh - das hat du aber ziemlich dick aufgetragen ... Rolling Eyes

Hm - wenn dir diese Figur so wichtig ist, warum taucht sie dann erst so spät auf? Ich hatte jedenfalls Schwierigkeiten, unter den vielen Beteiligten eine Hauptperson zu erkennen.

Es wirkt alles sehr unruhig. Vielleicht liegt das daran, daß die Absätze alle etwa gleich lang, besser gesagt: gleich kurz sind. Man findet kaum Gelegenheit, mal zu verweilen und die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen. Da würde ich etwas mehr Unterschiede reinbringen.

Ich könnte auf Anhieb auch gar nicht sagen, wie viele Personen überhaupt beteiligt sind.

Wahrscheinlich ist es für dich schwierig, das nachzuvollziehen, weil du ja deine Leute kennst, ihre Motivationen und ihre Vorgeschichte. Aber ich kam mir eher vor, als würde ich als Fremder von außen irgendein Grüppchen belauschen, ohne richtig beurteilen zu können, was das Geschehen für eine Bedeutung für sie hat.
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Konrad_I
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BeitragVerfasst am: 29.07.2022 23:25    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

ja es stimmt schon, allerdings wird das ganze eine Buchreihe, Band 1 war mehr oder minder der Prolog.

Bei 2€ vor Steuern (und einem Grenzsteuersatz von 30%) müsste ich eine unrealistische Menge verkaufen, damit es sich lohnt. Damit bleibt das ein Hobby, womit ich auch unverkäufliches wie Götter, welche die Sinneswahrnehmung eines Planeten teilen, einbauen kann.

LG

Konrad


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