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Flaneure


 

 
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Zettel
Geschlecht:männlichWortedrechsler


Beiträge: 71



BeitragVerfasst am: 22.06.2022 07:28    Titel: Flaneure eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Dass unsere Dichter ein ziemlich eigenartiges Völkchen sind, habe ich schon des Öfteren bekundet, und heute nun hebe ich an, diese meine Meinung zu unterstreichen durch eine kleine Begebenheit, die mir so recht aus dem künstlerischen Leben gegriffen scheint.
Da traf ich doch letzthin den Kotzebue in der Parkallee. Höflich fragte ich nach Kunst und Befinden, und musste zu meinem Bedauern vernehmen, dass er gar nicht mehr ruhig schlief, weil doch der Clauren seit Neuestem ihm den Rang ablaufe und ständig in der Gunst von Publikum und Kritik steige.
Zum Glück konnte ich ihn trösten. „Sehen Sie“, sagte ich leise und wies auf einen eleganten Herrn mit hohem Hut, „da vorne steht der Herr Redakteur vom Feuilleton. Jener war vor einigen Tagen Zeuge, wie der Clauren in irrem Tempo einen Slalomlauf zwischen den Bäumen unserer schönen Parkallee absolvierte, nachdem er sich leichtsinniger Weise mit einem Wespenschwarm angelegt hatte. Potztausend, muss sich da der Herr Redakteur gedacht haben, in einem solch gesunden Körper muss doch gewiss ein ebenso gesunder Geist wohnen, und seither lobt er den Clauren in seiner Spalte über den blauen Klee.“
Kaum hatte Kotzebue dies vernommen, da pumpte er sich auch schon auf wie ein Maikäfer und stürmte durch die Allee davon, dicht vorbei am Redakteur und weiter Richtung Schloss, als seien tausend Teufel hinter ihm her.
Es wird behauptet, er habe seinen Kontrahenten deutlich an Geschwindigkeit übertrumpft, doch soll er, nachdem er sich von einem heftigen Kollaps erholt, mit wenig lyrischen Worten seinem Unmut darüber Luft gemacht haben, dass die öffentlich beurteilte Dichtkunst mittlerweile in einen erschöpfenden Wettbewerb ausarte.
Der Herr Redakteur übrigens brütete zum Zeitpunkt der Kotzebueschen Bestleistung weltvergessen über einer Rezension, mit der er endlich den morbiden Schmierereien eines gewissen Hoffmann den Todesstoß versetzen wollte. So reibt sich jede Sau an ihrem Baum, und die Parkallee hat derer viele.

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Miss Purple
Geschlecht:weiblichLeseratte


Beiträge: 115
Wohnort: In den öden Weiten des Rübenanbaus


BeitragVerfasst am: 22.06.2022 11:29    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
dass die öffentlich beurteilte Dichtkunst mittlerweile in einen erschöpfenden Wettbewerb ausarte ...
... So reibt sich jede Sau an ihrem Baum, und die Parkallee hat derer viele.


Wie wahr, wie wahr Wink
Mich hat dieser Text amüsiert @Zettel, besonders die oben genannten Resümees.
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Kurzerede
Geschlecht:männlichWortedrechsler

Alter: 54
Beiträge: 62
Wohnort: Irgendwo am schönen Teutoburger Wald


BeitragVerfasst am: 26.06.2022 18:34    Titel: Antworten mit Zitat

Du sollst nicht streben. Eine der sieben Perlen der Achtsamkeit. Wie viel gesünder es sich doch lebt, wenn man sie beachtet. Schön und unterhaltsam geschrieben. Daumen hoch dafür von mir.

_________________
Viele Grüße
vom Lehrling auf dem Weg zu mehr Leben und Gelassenheit.
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Chaosprinzessin
Geschlecht:weiblichWortedrechsler


Beiträge: 78
Wohnort: links des Rheins


BeitragVerfasst am: 26.06.2022 19:00    Titel: Antworten mit Zitat

Hihi ... ja, die Dichter ... Wink  Mir ging es beim Lesen ähnlich wie Miss Purple. Und ich finde gut, dass der Text ausdrücklich vom männlichen Teil dieser Spezies handelt Razz

Eine Kleinigkeit ist mir aufgefallen: Müsste es im zweiten Absatz nicht heißen: "... dass er gar nicht mehr ruhig schliefe, weil ..." So "nach Sprachgefühl" würde ich da einen Konjunktiv verwenden wollen.

LG
Mirjam
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